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Autor Thema: [Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge  (Gelesen 16261 mal)

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meist3rbrau

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« am: 13. September 2006, 00:57:56 »
Neues Abenteuer, neues Glück. Und weil wir gerade erst angefangen haben, versuche ich mich auch mal an einer Story-Hour. Ich hoffe, ich finde die Zeit das regelmäßig nachzuhalten, was passiert.
Dies ist die Fortsetzung der Geschehnisse um "Die vergessene Schmiede" und "Schatten des Letzten Krieges".
Ersteres Abenteuer erschien hier im Gate in Form eines Artikels, der zugegebendermaßen an Objektivität ein wenig vermissen ließ. Gnomen sind eben doch manchmal Angeber...

Spielercharaktere:

Ätzelbert Adalmar Alfenfetzer von unter dem Asselstein, Kleriker des Blutes der Vol, (mittlerweile) freischaffender Chronist. Schon seit dem Abenteuer "Die vergessene Schmiede" dabei. Hilfsbereit, wenn es sein muß, böse, wann immer es ihm passt.

Q'arion (Familienname aberkannt), Valenar-Elf, Waldläufer. Wurde von seinem Clan als unehrenhaft ausgestoßen, weil er sich weigert, grundlos Andere anzugreifen und dabei auch noch ein grimmiges Gesicht zu machen.
Spoiler (Anzeigen)

Spange, Vielgesichtiger, Schurke. Nach eigenen Angaben WItwentröster. Waise einer Gauklerfamilie aus Sylbaran und das beste Beispiel dafür, daß das Gesetz nicht das Einzige ist, vor dem man auf der Flucht sein kann. Typische Aussage: "Ich bin vielleicht etwas schwach auf der Brust, aber ich steck dir mein Ding da hin, wo es richtig weh tut!"

Bastonata, Bärenwerkind, Barbarin, überzeugte Alkoholikerin. Flüchtlingstochter aus Droaam, wäre gern Sängerin geworden und hat ihre Familie im Streit hierüber verlassen, "um noch etwas zu erleben".  Sehr zickig, aber für eine Barbarin erstaunlich helle.

Yelenath Dessen-Vollständigen-Namen-Eh-Niemand-Aussprechen-Kann-Nicht-Einmal-Er-Selbst, Elf, Magier. durchreist die Wlet auf der Suche nach neuem Wissen, neuen Zaubersprüchen und einem Topf voll Gold, von dem ihm ein Saufkumpan beim Würfeln erzählt hat.

So, ich wünsche viel Spass.!. Achja: Kommentare sind selbstverständlich ausdrücklich erwünscht, also tut euch keinen Zwang an. :wink:
Anti-Psionic-Liga[/url]

meist3rbrau

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #1 am: 13. September 2006, 01:15:49 »
Prolog

Der Jüngling sah etwas blass aus, aber das war schließlich auch nicht verwunderlich. Nackt, wie der Schöpferdrache ihn erschaffen hatte, lag er auf dem gewaltigen Bärenfell vor dem Kamin und schien zu schlafen. Fast, wie ein Gemälde, dachte Caldera und gestattete sich ein amüsiertes  Lächeln, denn natürlich schlief er nicht.

Aber er hatte gut getan.

Mit einem leichten Schwung wandte sie sich um und ging zum Schrank. Der transparente Stoff ihres Negligés bauschte sich auf und wehte wie ein leichter Nebelschweif nach hinten. Menschen, dachte sie. Sie hatte sich nicht einmal die Mühe machen müssen, es auszuziehen. Der Junge war ihr verfallen gewesen, sobald er sie erblickt hatte.

Nun war er tot.

Sie nahm die Karaffe feinsten Lhazaar-Rums aus dem Schrank und schenkte sich nach.

Es klopfte.

Ihr Lächeln wurde eine Spur breiter. Pünktlich auf die Minute, wie sie es erwartet hatte. Dieser Abend würde großartig werden! Caldera warf ihr langes, schwarzes Haar nach hinten und leckte sich die Lippen. Ein Rest von Rum, vermischt mit Blut, lag noch darauf.
Kurz sah sie an sich herunter und musterte sich in ihrer Nacktheit. Perfekt.

„Komm herein, Lucan.“ sagte sie.

~o~

Lucan Stellos war klar, dass es nicht einfach werden würde. Aber er war schließlich auch kein Neuling mehr und wusste, worauf er sich einließ. Niemand hatte je behauptet, dass er ein einfaches Geschäft haben würde, im Gegenteil. Das Risiko gehörte eben dazu. Das hatte Geheimdiensttätigkeit so an sich.

Er öffnete die Tür und trat ein. Caldera stand am Fenster und schien das Treiben in der Unterstadt von Sharn zu beobachten. Hier unten pulsierte sogar nachts das Leben. Unter ihrem durchsichtigen Stück Stoff trug sie nichts. Lucan überraschte das nicht weiter. Vor dem Kamin lag ein nackter Junge von etwa 15 Jahren. Das überraschte ihn schon eher, aber es erschreckte ihn nicht. Dass der Junge tot war, war so sicher wie die Tatsache, dass es nachts draußen dunkel war. Immerhin machte sie sich offenbar nicht mehr die Mühe zu verheimlichen, wer sie wirklich war. Keine gewöhnliche Großkriminelle eben, die nebenbei Spionage betrieb, sondern ein Vampir.
Und ein verdammt hübscher noch dazu!

Caldera hatte eine Neigung zu einem ausschweifendem Leben, das hatte Lucan schon weit vorher gewusst Sofern man hier überhaupt von Leben sprechen konnte. Trotzdem ließ dieser Junge ihn die Stirn runzeln. Nicht dass Lucan überrascht gewesen wäre - Calderas Zügellosigkeit war allgemein bekannt – Aber die Tatsache, dass sie ihm dies hier so demonstrativ vorführte, ließ kleine Glöckchen in seinem Kopf klingeln.

„Möchtest du etwas trinken?“ fragte Caldera ihn.

„Gern“, antwortete Lucan.

„Bitte setz dich doch.“

Lucan kam der Aufforderung nach, setzte sich jedoch so, dass er den Leichnam des Jungen unauffällig im Auge behalten konnte.

Caldera nahm ein weiteres Glas, schenkte ein und kam zu ihm herüber. Lucan kam nicht umhin, ihre makellosen Brüste und die sanften Rundungen zu bewundern, die durch geschmeidige Bewegungen unterstrichen wurden. Die Fürstin der Unterwelt war in der  Lage, jeden, dessen Gemächt noch einer Reaktion mächtig war, über ihre wahre Gefährlichkeit zu täuschen.

Sie setzte sich zu ihm.

„Nun?“ fragte sie.

„Wir hatten recht. Es sind die Königs Schatten. Sie wollen deinen Tod.“

Lucan war ein solcher Königs Schatten. Er hatte einen Auftrag zu erfüllen. Und ja, er wollte Calderas Tod.

„Trotzdem werde ich es versuchen, Lucan. Das weißt du. Ich muss!“

„Dir ist klar, dass sie dich kriegen werden, oder? Niemand aus deinem Gefolge kann dort hinein. Sie wären tot, noch ehe sie die Außenfassade überwunden haben. Also musst du es selbst tun. Und darauf warten sie doch nur...“

„Das ist alles nichts gegen den Wert dieser Waffe, Lucan!“ fuhr Caldera auf. „Überleg doch! Es ist die Seelenklinge! Eines von den Dreizehn Schwertern von Karrnath! Und nur wir beide, du und ich wissen davon! König Boranel hält es doch nur für ein Museumsstück und sein ganzer verdammter Hofstaat tut es ihm gleich! Nenne mir nur einen Grund, warum ich es nicht tun sollte! Ich will es haben, verstehst du!“

Lucan verstand sehr wohl. Wenn Caldera das Schwert in ihren Besitz bekäme, könnte die komplette Dolchwacht einpacken. Damit hätte sie die Kontrolle über die Stadt, ohne dass Boranel oder irgend jemand sonst etwas dagegen tun könnte.

Caldera hatte sich erhoben und lief im Raum auf und ab. Der Junge lag noch immer unverändert auf dem Bärenfell.

Der Königs Schatten veränderte seine Lage gerade so weit, dass er noch entspannt dasitzen konnte und trotzdem jederzeit kampfbereit war. Wenn Caldera eine Brut gezeugt hatte, so war er bereit, seinerseits zu reagieren.

Die Vampirin hatte sich offenbar wieder beruhigt und trat jetzt vor ihn hin.

„Im Übrigen“, sagte sie, „habe ich bereits den perfekten Mann für diese Sache.“

Der Agent horchte alarmiert auf. „Wen?“ fragte er.

„Dich“, antwortete Caldera fröhlich und zeigte  auf ihn. In ihrer Hand blitzte etwas metallisch auf.

Lucan erbleichte. Sie versuchte, ihn zu bezaubern! Er musste sich konzentrieren! Sofort!

Vor dem Kamin regte sich der Junge. Der Spion sah hin. Im selben Augenblick wusste er, dass das ein Fehler war. Dass es der Fehler war.
Caldera hatte ihn.

Er versuchte, aufzustehen.
Seine Muskeln waren schlaff wie ein leerer Leinensack.

Calderas Gesicht kam dem seinen ganz nahe, als sie sich  rittlings auf ihn setzte. „Nicht wahr, mein liebster Lucan, du wirst es doch tun für mich? Ja, das wirst du. Natürlich wirst du das.“

Er versuchte zu sprechen. Kein Laut kam über seine Lippen.
Sie begann, seine Hosen zu öffnen.

„Aber jetzt sollten wir erst einmal ein wenig Spaß haben, findest du nicht?“

Ihre Stimme war nunmehr ein sachter Hauch, und ihre Finger umschlossen ihn sanft und fordernd, während sie ihn biß.
Anti-Psionic-Liga[/url]

Taraxacum

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #2 am: 13. September 2006, 01:41:30 »
Puh, ... warum ist hier bloß so heiß? :P

Edith sagt:

Wir haben das Abenteuer auch gespielt aber so ist es mir noch nie aufgefallen. Da war ich auch nur Spieler. Ich ging immer von der festen Überzeugung aus, dass Lucan... und nicht .... Naja, schauen was wird.
Der Gelbhosenpiepmatz tanzt Moonwalk

Berandor

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  • Verrückter Narr
    • http://www.p-pricken.de
[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #3 am: 13. September 2006, 10:18:15 »
Habt ihr das ausgespielt? :)
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

meist3rbrau

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #4 am: 13. September 2006, 11:38:51 »
Ich habs mit mir selbst ausgespielt...
 :lol:

Nein, im Ernst: Nein, haben wir nicht. Da meine Spieler die Story-Hour im Gate nicht lesen, werde ich sie ihnen am Ende des Abenteuers als Erinnerungsstück mitgeben.
Anti-Psionic-Liga[/url]

Berandor

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  • Verrückter Narr
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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #5 am: 13. September 2006, 13:28:48 »
Der Prolog gefällt mir jedenfalls. Ich kann leider nicht versprechen, regelmäßig zu lesen, aber fängt gut an. Sehr greifbar geschrieben.
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

Pestbeule

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    • Blog zur aktuellen Königsmacher-Kampagne
[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #6 am: 13. September 2006, 16:08:53 »
GEfällt mir auch sehr gut! Endlich wieder eine Eberron Story Hour. Ich hoffe meine Spieler stolpern nicht drüber.... ["Neiiiiin, ich hab nicht das abenteuer gelesen!")



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"Since it is difficult to join them together, it is safer to be feared than to be loved when one of the two must be lacking."
http://pestbeule.blog.de/

Darigaaz

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #7 am: 14. September 2006, 10:51:05 »
Vampirin als Bösewicht= Sex and Crime. Das finde ich immer gut. Mehr davon :).
Realismus erhöht nur den DC

Wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte sind nicht wahr!

meist3rbrau

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #8 am: 15. September 2006, 01:17:15 »
So. Kurz vorm Wochenende gibts jetzt nochmal ein kleineres Mammut-Update. Viel Spass.
 :wink:
Anti-Psionic-Liga[/url]

meist3rbrau

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #9 am: 15. September 2006, 01:39:45 »
Kapitel Eins

Es regnete. Was sollte es auch sonst tun, hier in Sharn, der Stadt des nassen Wetters. Aber immerhin, im Kamin prasselte heimeliges Feuer, dieser Sessel hier war wirklich bequem und der würzige Geschmack des späten Frühstücks fläzte sich gerade angenehm träge auf der Zunge herum. Ätzelbert Adalmar Alfenfetzer tupfte sich mit der feinen Stoffserviette den Mund, reckte sich und schloss für einen Augenblick die Augen. Wirklich eine hervorragende Absteige, die er da genommen hatte.

Mit einem Wort: Jupp. So ließ es sich aushalten.

Und doch. Der Genuss einiger Tage wohlverdienten Müßiggangs vermochte nicht ganz über eine gewisse Schwermut hinwegzuhelfen. Irgendwie hatte er die beiden gemocht, den Kriegsgeschmiedeten, der seinen Namen verloren hatte und die Wandlerfrau, die eigentlich noch ein Kind gewesen war. Beide verwesten gerade in Rotbruch, einer Geisterstadt in Darguun, nicht weit von Lyrenton und dem Klageland entfernt.

Garrow. Dieser dreimal verfluchte Dreckshund. Irgendwann würden sich ihre Wege wieder treffen. Und dann würde die Rache grausam werden.
Rache war Ätzelberts Schicksal.

Plötzlich ertönte eine raue, wettergegerbte Stimme hinter ihm. „Wohnt hier ein Herr Adalmar Alfenfetzer?“

Der Svirfnebli erhob sich träge. „Das bin ich“, sagte er.

An der Tür stand ein Bote. „Nachricht für euch, Herr.“
Er ließ einen ziemlich dicken Umschlag auf den Tisch fallen.
„So? Von wem denn?“

„Verzeiht,  ich liefere nur.“

„Ja ja, schon gut“, erwiderte der Gnom und drücke ihm einen Galifar in die Hand, dann nahm er den Brief an sich. Ein Wachssiegel prangte auf dem Umschlag, jedoch zeigte es nur einen -wenn auch ziemlich pompösen- Zierknoten.

Die Augen des Boten weiteten sich vor Überraschung. Der Arbeitslohn für ganze zehn Tage! So viel Trinkgeld hatte er im ganzen letzten Monat nicht bekommen!

„Eure Großzügigkeit ehrt euch. Seid herzlich bedankt!“
Damit verließ er das Zimmer.

Ätzelbert hielt den Brief kurz gegen das Licht. Dann brach er das Siegel.
Ein Brief und ein Platindrache. Interessant.
Er setzte sich wieder in seinen Sessel und nahm sich den Brief vor. Die Münze drehte er dabei in seiner Hand.

„Geehrter Herr Alfenfetzer“, stand darin zu lesen, „diese Münze hat viele Freunde, die euch ebenfalls gern kennen lernen würden. Kommt um die Mittagszeit zur Reise gerüstet zur Nordosttreppe am Myriadenturm in der Oberstadt. Achtet auf den gläsernen Garten, der seine Spitze bildet. Ein Sinn für Eile und Diskretion wäre ebenfalls angebracht. Gebt dem Wächter am Fuß der Stiege dieses Schriftstück und er wird euch passieren lassen.“
Unterschrieben waren die Zeilen mit einem „V“. Außerdem fand sich ein seltsames Symbol daneben. Es sah aus wie eine stilisierte Laterne.

Der Priester ließ das Papier sinken und sah zum Stundenglas. Es war noch nicht ganz umgekippt. Gerade noch ein Zeit, um sich reisefertig zu machen.
Er seufzte.
Nun ja. Abhängen und Herumfaulenzen wäre ihm wahrscheinlich eh bald langweilig geworden.
Also packte er zusammen, setzte seinen Hut auf, nahm sich noch zwei oder drei Häppchen auf die Hand, bezahlte seine Unterkunft und trat auf die Straße.

Er brauchte nicht lange nach dem gesuchten Turm herumzufragen. Jeder, den er ansprach, erzählte ihm das Gleiche: Sharn habe über eintausend Türme und jeder habe einen eigenen Namen. Wie man sich denn die alle merken solle. Schließlich gab Ätzelbert auf und steig den nächstbesten Turm hinauf bis ganz nach oben. Dann schaute er sich um.

Von hier hatte man einen wahrlich guten Ausblick, auch wenn es  verflucht windig war. Sogar das Meer war von hier oben sehr gut zu erkennen und Ätzelbert meinte, Gischt auf dem Gesicht spüren zu können, die aus den Hafendocks weit unter ihm herauf geweht kam. Am Himmel trieben große, regenschwere Wolken und ließen ab und an einen kurzen Sonnenstrahl durch.

Das Blinken eines flüchtigen Sonnenstrahls auf einem Glasdach erregte seine Aufmerksamkeit. Unter dem Dach waren grünliche Schatten zu erkennen. Dies musste der Garten sein, von dem in dem Brief die Rede war.

Etwa zur gleichen Zeit erreichten vier weitere Briefe ihr Ziel. In jedem befand sich ein Platindrache. Vier weitere Rucksäcke wurden gepackt.

~o~

Irgendwo in den Tiefen Sharns entlud sich bodenlose, grausame Wut wahllos gegen alles, was nicht rechtzeitig aus dem Blickfeld war. Möbel, Kandelaber und Bilder flogen quer durch die gesamte Halle, gefolgt von zwei Niederen, die sich nicht schnell genug versteckt hatten. Beiden brachen laut knirschend sämtliche Knochen, als sie gegen die Wand neben der Tür krachten.

Caldera lief vor Wut kochend auf und ab. Die hohen Absätze ihrer Stiefel hallten durch das gesamte Mausoleum und ihre Augen loderten in rasendem Glühen.
„Dieser verdammte DRECKSKERL! Wo ist er! WIE HAT ER DAS GEMACHT! Oh, der kann was erleben! Dem werde ich in seinen dreckigen Agenten-Scheissarsch treten, dass er bis in alle Ewigkeit Schuhspitzen kackt! UROSH! BEWEG DEINEN FETTEN ARSCH HIERHER, ABER ZACK-ZACK!“

Hastig kam eine Mumie den Gang entlang und fiel die letzten Meter auf die Knie, um auf allen Vieren zu seiner Herrin zu kriechen. Caldera stellte einen Fuß auf seinen Kopf.

„Urosh, mein Liebling“, zischte sie. Ihre Stimme war der Sturm, der sich am Horizont zusammenbraute. „Lucan war böse zu deiner Herrin. Er hat mein Schwert gestohlen und ist mir einfach abgehauen! In meiner Kutsche!“

Der Sturm zog näher. „Kannst du dir das vorstellen? Einfach davongelaufen, dieser elende Feigling, dabei gehört er mir sein Blut und Seele! Geh und hol ihn mir zurück!  Und sorge dafür, dass ich mein Schwert wiederbekomme, hörst du?“

„Ja, Herrin“, antwortete die Mumie.

„Wenn Lucan nicht will, töte ihn. Und wage nicht, zu versagen, Urosh. Du weißt, was ich von Versagern halte!“

„Jawohl, Herrin.“

„Gut. Die Kinder haben ihn vor einer Stunde auf der alten Oststraße gesehen. Verfolge ihn! Und jetzt geh mir aus den Augen! RAUS!“

Hätte Urosh eine Zunge gehabt, hätte er vermutlich jetzt geschluckt. Aber er hatte keine, und so beschränkte er sich darauf, den Raum zu verlassen, so schnell es ging.

Irgendwo in den Tiefen Sharns machte sich eine Mumie auf, nach einem entflohenen Vampir zu suchen.

~o~

Das Eisentor war verschlossen. Q'arion überlegte kurz, ob er einfach hinüber klettern sollte, aber das wäre sicherlich nicht nett. Immerhin hatte es bestimmt einen Grund, warum hier ein Tor war. Außerdem: Im Brief hatte doch gestanden, er solle sich an die Wache wenden. Und dies war doch die Nordosttreppe, oder?

Es gab hier aber keine Wache. Es gab nur einen Bettler, der im Schneidersitz in einer Mauernische saß, seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen hatte, und eine Schale auf dem Schoß hielt. Und er begann Q'arion so langsam auf den Geist zu gehen, denn jedes Mal, wenn er an dem ihm vorbei ging, reckte dieser ihm auffordernd seinen Napf entgegen. Aber vielleicht wollte der er ja nur ein Almosen.

Der Valenar kramte einen Galifar hervor, ging zu dem Mann hinüber und warf die Münze in die Schüssel.
Der Bettler steckte sie ein. Dann sagte er: „Danke, Herr. Aber das ist der falsche Schlüssel.“ Seine Stimme klang für einen Almosenheischer überraschend klar und kräftig.

Q'arion stutzte. Hatte der Mann Schlüssel gesagt?

Er beugte sich vor. „Welcher ist denn der richtige?“ fragte er.
Der Bettler schwieg.

Q'arion überlegte kurz. Vielleicht war ein Galifar nicht genug.
Er versuchte es mit einer Platinmünze.

„Nochmals bedankt, Herr, aber dieser Schlüssel ist der falsche.“

Verwirrt kratze sich der Valenar am Kopf. Dann hatte er eine Idee. Er nahm die Platinmünze aus dem Briefumschlag und probierte es damit. Sie wurde ebenfalls eingesteckt. Diesmal hob der Bettler den Kopf und sah den Elf an, als wolle er dessen Verstand anzweifeln. „Falscher Schlüssel!“

Verdammt! Was machte Q'arion nur falsch? Er holte den Brief heraus und las ihn nochmals. Der Bettler hob seine Schüssel ein wenig mehr.

Der Waldläufer las den Brief ein weiteres Mal. Und noch ein Mal. Dann versuchte einen weiteren Platindrachen.

Der Mann schüttelte den Kopf. In seiner Antwort vibrierte unterdrücktes Lachen. „Dies ist der falsche Schlüssel, Herr. Versteht Ihr das?“

Es war zum Auswachsen. Was zum Kuckuck funktionierte hier nicht? Resignierend las der Valenar seinen Brief abermals. Da stand es doch!
Er holte noch eine Münze hervor.

Irgend etwas in seinem Kopf machte „Klick“.

Er steckte die Münze wieder ein.
Gebt dem Wächter am Fuß der Stiege dieses Schriftstück...

„Bei allen Göttern!“ Q'arion schlug sich gegen die Stirn. Er faltete den Brief zusammen und legte ihn mit einem schiefen Lächeln in die Schüssel.

„Wurd' auch Zeit“, seufzte der Bettler.

„Du bist die Wache, richtig?“ sagte der Elf.

„Hey“, sagte der Wächter und zeigte anerkennend mit beiden Fingern auf ihn. „Pfiffig! Du kannst passieren.“

~o~

Das Eisentor schwang auf. Sie nickte dem Wächter freundlich zu und stieg die Steintreppe weiter hinauf, die nach wenigen Metern durch einen Eingang ins Innere des Turmes führte. Die steinernen Wände hier drinnen waren von mannigfaltigen Holzintarsien durchzogen, die kunstvolle Windungen und Schnörkel bildeten. Fast wirkte es, als seinen Stein und Holz gemeinsam gewachsen. Es war das erste Mal, dass sie elfische Architektur erblickte.

Bastonata wusste nicht viel von Elfen. Und von dem Leben in der Stadt wusste sie schon gar nichts. Sie war nur das Kind einfacher Leute, die vor der Inquisition der Silbernen Flamme nach Droaam geflohen waren und versucht hatten, dort ein neues Leben aufzubauen, jedenfalls soweit, wie es das öde, felsige Land zulassen würde.

Aber das Land ließ nur zu, was das nackte Überleben anbetraf. Und so war Bastonatas Leben geprägt gewesen von Wildheit, Leid und dem Gesetz des Stärkeren. Ja, Bastonata war stark, stärker als alle anderen Kinder, die sie kannte, aber in ihrem Inneren hatte sie ein weiches Herz und sehnte sich danach, die Dinge in ihrem Wesen zu verstehen.

Sie wollte Lesen lernen. Ein Instrument spielen.

Ihr vom Schicksal verhärmter Vater sah das anders. Er hätte lieber eine beinharte, unbeugsame Kriegerin heranwachsen sehen. Er brachte Ihr das Kämpfen bei und lehrte sie das Überleben, manchmal auf eine Art, die Andere als Misshandlung empfunden hätten. Doch bei aller Prügel schaffte er es nicht, ihr Härte beizubringen.

Dafür bekam er die Unbeugsamkeit, die er hatte haben wollen.

Sie verließ die Familie und schwor sich, nie wieder zurückzukehren.

Sie blieb kurz stehen und drehte ihre Streitaxt einen Augenblick lang in der Hand. Sie hatte mal einem Wegelagerer gehört, der sie für leichte Beute gehalten hatte.
Schon komisch, dachte sie. Sie hatte Barde werden wollen. Doch das Leben hatte für sie nur einen Platz als Barbar.

Sie zuckte die Schultern, steckte die Waffe wieder weg und stieg auch die letzten Stufen hoch.

~o~

Oben angekommen war es, als wäre sie mitten in eine Wand aus feuchter Schwere gelaufen. Sie musste einen Augenblick nach Luft ringen.
Hoch über ihr, bestimmt so an die zwölf-fünfzehn Meter schien ein filigranes Glasdach zu schweben. Es bildete eine riesige Kuppel, unter der ein üppiger, urwaldähnlicher Garten wuchs. Sie befand sich in einem Dschungel. Und das mitten in Sharn!

Auf der Lichtung, die den Eingangsbereich des künstlichen Gartens bildete, standen außer ihr noch drei weitere Gestalten herum. Zwei Elfen und ein Mensch.

Sie sah genauer hin und sog prüfend sie die Luft ein.
Dann wusste sie Bescheid: Kein Mensch. Ein Vielgesichtiger.

Einer der beiden Elfen war Magier oder so etwas. Er trug eine lange Robe und stützte sich auf einen langen Stock. Sahen so Zauberstäbe aus? Sie hatte immer gedacht, die wären viel kleiner, so dass man sie handlich an einem Gürtel befestigen konnte... Dieser hier wirkte jedenfalls eher, als könne man damit ordentlich jemandem einen über den Pelz braten.

Der Andere schien Waldläufer zu sein. Jedenfalls hatte er einen Langbogen bei sich. Nur der -wenn auch leichte- Kettenpanzer wirkte ein wenig absonderlich, abgesehen natürlich von dem leicht dümmlichen Lächeln, dass er ständig auf dem Gesicht trug.

Das Absonderlichste aber war der gewaltige Schreibtisch, der hier völlig deplatziert herumstand, und der alte Mann, der daran saß und aussah, als würde er in seinem Kettenhemd jeden Augenblick zusammenbrechen. Er wirkte bleich und ausgezehrt und fingerte gerade an einigen Orchideen in einer Vase herum. Über seinem Stuhl hing eine lederne Satteltasche und am Tisch lehnte ein Gehstock mit einem silbernen Knauf.

„Seid gegrüßt!“ sagte er. „Mein Name ist Viorr Maleak, und ich hoffe, euch gefällt mein kleines, privates Stück Wildnis?“

„Auch Ihr“, erwiderte Bastonata und nickte den Anderen zu.

Der Regen hatte wieder eingesetzt und erzeugte auf den Scheiben ein beständiges Prasseln, das sich mit dem Zirpen von Insekten vermischte.

Irgendetwas stimmte nicht
Die Bärin in ihr warnte sie. Uralte Instinkte nahmen eine ungemütliche Witterung auf.
Hier war noch etwas Anderes. Etwas Großes. Etwas Gefährliches.

„Oh“, sagte da jemand hinter ihr, „Das ist ja ne richtige Party! Ich hoffe doch, ich komme nicht zu spät?“

Ein kleines Männchen gesellte sich zu der Gruppe. Ganz offenbar handelte es sich um einen Gnom. Er trug Reisecape und Hut und lächelte freundlich. Trotzdem ging von ihm etwas aus, das Bastonata nicht gefiel, und das lag sicher nicht nur an dem Volszeichen, das er am Gürtel trug und dass ihn als Priester jener emporgekommenen Göttin auszeichnete. Auch er wurde von Viorr Maleak begrüsst.

Dann erhob sich der alte Mann und räusperte sich.

„Meine Herrschaften“, begann er, „ich habe Sie gerufen, weil jedem von Ihnen der Ruf vorauseilt, ein Meister seines Faches zu sein. Und Meister ihres Faches, die brauche ich, jawohl...“

„Das ist Ihr Garten?“ unterbrach Bastonata ihn.

„Wie? Ehm, ja? Ja, natürlich. Das ist er.“

„Gut. Was haben sie da in ihrem Garten?“
Die Barbarin zeigte auf das dichte Buschwerk hinter ihm.

Ein paar buschige Augenbrauen hoben sich überrascht. Der Mann räusperte sich abermals. Dann lächelte er zufrieden.

„Wie ich sehe, machen Sie ihrem Ruf alle Ehre. Nun, ich will ehrlich zu Ihnen sein. Ich habe tatsächlich ein nicht unerhebliches Problem, und das hat sich vor einiger Zeit hier in meinem Garten breit gemacht. Um genau zu sein handelt es sich um einen wild gewordenen Affen, und das nicht im sprichwörtlichen Sinne, wenn Sie verstehen, was ich meine. Dieser Affe ist ein sehr wertvolles Tier, und es wäre ein Schaden besonderen Ausmaßes für seinen Besitzer, wenn er getötet würde.“

Er griff in seine Tasche und holte ein paar Phiolen hervor, die er säuberlich auf dem Tisch aufreihte.

„Wenn Sie in der Lage sind, ihn unschädlich zu machen und zu mir zu bringen, und zwar lebendig, soll es Ihr Schade nicht sein, im Gegenteil. Bewusstlos wäre wunderbar, Verletzt von mir aus auch, magisch außer Gefecht gesetzt wäre, nun, eine geradezu eine elegante Lösung. Unter keinen Umständen aber dürfen Sie ihn töten!
Das da in den Phiolen sind Heiltränke. Benutzen Sie sie, falls Sie sie brauchen. Oh, und Eines noch! Der Affe ist Fleischfresser und vermutlich ziemlich hungrig, denn er ist bereits einige Tage hier.“

„So? Wem gehört der Affe denn?“
Wieder hatte die Wandlerin gesprochen. Die Anderen klappten den Mund wieder zu und sparten sich ihre Fragen für später.

Ein leichter rötlicher Schimmer huschte über Maleaks Gesicht. „Ich, äh... Nun, sagen wir, er gehört einem reichen Geschäftsmann. Einem Freund. Mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen.“

„Und wie kommt der dann hier rein?“

Diesmal war der rötliche Schimmer nicht zu übersehen. Der Alte Mann holte ein Tuch hervor und wischte sich über die Stirn. „Wie er hier...?“ Er musste husten.

Dann fand er seine Fassung wieder. „Der Affe sollte hier nur kurz untergebracht werden“, erklärte er und steckte sein Tuch wieder weg. „Aber offenbar fühlt er sich wohl hier. Es wäre nur nett, wenn ihr ihn jetzt...“

„Ich sehe keinen Käfig, mischte sich der Gnom ein. „Warum lockt ihr -oder euer Freund, wenn ihr wollt- ihn nicht einfach mit etwas Futter in einen Käfig und bringt ihn dann weg?“

„Ich“, begann Maleak.

„Und überhaupt möchte ich gern zuerst wissen, was euch die ganze Aktion hier wert ist“, mischte sich der Magier ein. „Ach ja, und wer seid Ihr denn überhaupt?“  wandte er sich an den Gnom und musterte ihn geringschätzig.

In dessen Augen trat ein boshaftes Glitzern.

„Mein Name ist Ätzelbert Adalmar... Alfenfetzer.“ Das letzte Wort sprach er mit genüsslicher Deutlichkeit aus. „Und Ihr?“
Der Magier duckte sich unwillkürlich und wich angewidert zurück. Er hatte offenbar verstanden.

Dann jedoch hob er die Nase wieder ein wenig und sagte laut: „Ich bin Yondonailo, nein,Yondolel.. Moment. Yondonelenai...“ Er brach ab und wurde puterrot.

Die Mundwinkel des Gnoms bibberten verdächtig.

Der Elf versuchte es erneut. Diesmal sprach er langsam und konzentriert. „Mein Name ist Yondonelenath Nailo haryono ...ar' Tindámerel Nailo ...on Arcanix!“ Er atmete tief aus. „Nennt mich einfach Yelenath.“

„Q'arion“, stellte sich der Waldläufer vor und lächelte.

Ätzelbert sagte nichts. Die beiden kannten sich bereits.

„Kannst mich Spange nennen“, sagte der vermeintliche Mensch, grinste  und zwinkerte vielsagend. Dann ließ er sich spitze Ohren wachsen.

Der Elf machte den Mund auf.
Dann machte er ihn wieder zu.

Spange nickte Q'arion und dem Priester zu. Auch er war anscheinend mit ihnen bekannt.

„Bastonata“, stellte sich die Wandlerin vor. „Und Herr Maleak, Ich würde ebenfalls gern wissen, wie ihr uns zu entlohnen gedenkt?“

Viorr kramte in der Satteltasche und holte einen Beutel hervor. „Einhundertfünfzig Galifar“, sagte er und fügte hinzu: „Für jeden von Ihnen. Bitte bedenken Sie, dass der Affe lebendig zu fangen ist.“

Alle überlegten kurz, sahen sich gegenseitig an und nickten dann.

„Sehr gut, sagte Maleak und klatschte in die Hände. „An die Arbeit!“

„Ehm, Moment“, machte Q'arion.“Wie groß ist denn das Vieh?“

„Och, nur so etwa zweimetersiebzig.“

~o~

„Gut. Also, wie wollen wir es angehen?“ Spange pulte sich mit seinem Dolch in den Fingernägeln.

„Wir haben keine Falle“, sagte Ätzelbert. „Also müssen wir wohl mit ihm kämpfen.“

Der Magier grübelte. „Ich könnte ihn bezaubern und so benommen machen, dass wir ihn fesseln können. Hat jemand ein Seil?“

„Ich“, sagte Spange und holte ein Seil aus seiner Tasche. „Hier. Fünfzehn Meter feinste Seide.“

„Und wenn es nicht klappt?“ fragte der Waldläufer.

„Naja, dann müssen wir ihn verprügeln, oder?“ erwiderte Spange.

„Ja. Und dabei aufpassen, dass wir ihn vorsichtig verprügeln“, setzte Bastonata hinzu. „Dürfte nicht leicht sein.“

„Reingehen sollten wir da jedenfalls nicht, denke ich. Hier haben wir mehr Platz. Die Frage ist nur, wie wir ihn aus dem Busch locken. “

„Das ist leicht. Affen wollen immer ihr Revier verteidigen. Wir müssen uns nur bemerkbar machen.“

„Am Besten mache ich zuerst mal ein bisschen Krach da vorn“, sagte der Priester, „Damit kann ich ihm nebenbei auch schon mal einen mitgeben.“

„Oh, das wird ihn aber doch wütend machen,“ warf Q'arion ein.

„Wenn wir ihn verprügeln müssen, auch.“

„Hm.“

„Ich müsste nur wissen wo das Vieh ist.“

„Klingt aber gar nicht so schlecht, finde ich.“ Bastonata lief hin und her. „Also. Ich versuche, die ungefähre Richtung zu wittern. Anschließend machen wir uns bemerkbar und locken ihn so an die vorderen Bäume. Da kannst du dann hin feuern... oder was auch immer. Wenn er dann kommt, spricht Yelenath seinen Zauber. Und wenn's schief geht... naja.“

„Wird er zumindest nicht mehr weglaufen wollen, sondern versuchen, uns zu töten.“ Q'arion sah zweifelnd drein. „Könnten wir nicht versuchen, ihn freundlich zu stimmen? Vielleicht können wir ihm etwas zu essen anbieten oder so.“

„Ja klar.“ Spange verdrehte die Augen. „Komm schon her mein kleines Äffchen, hier gibt’s Happi-Happi. Was willst du denn bitte einem Zweimetersiebzig-Affen anbieten, abgesehen von dir selbst?“

Der Waldläufer hob abwehrend die Hände. „Bitte“, sagte er, „Wie ihr meint.“

„Komm schon.“ Die Barbarin klopfte ihm auf die Schulter. „Den kriegen wir schon klein.“

~o~

Bastonata lauschte und schnüffelte. Wellen der Erregung wallten durch ihren Körper. Deutlich konnte sie ihre Urmutter spüren. Die Bärin begann sich zu regen.

Da!
Ein Rascheln erregte ihre Aufmerksamkeit. Ihre anderen Sinne folgten der Richtung und fixierten die Quelle des Geräusches. Da war er. Kein Zweifel. Sie konnte ihn beinahe sehen, wie er nach Futter suchend durch das Unterholz streifte.

Sie runzelte die Stirn.
Scheiße.
Das war kein gewöhnlicher Affe.
Lautlos schlich sie zurück zu den Anderen.

„Schreckensaffe“, sagte sie. „Wenn wir ihn nicht fesseln können, wird’s hart, fürchte ich.“

Ätzelbert behielt die Hand oben, die mit vorbereiteter göttlicher Macht gefüllt war. „Also was jetzt“, fragte er.

„Nichts“, erwiderte Bastonata. „Das heißt nur, dass es eben länger dauert, und dass wir ein wenig schneller und ausdauernder sein müssen. Q'arion, lock ihn an.“

„Also gut.“ Der Valenar räusperte sich. Dann rief er: "Huhuuuu! Affeeee! Komm schon her mein kleines Äffchen, hier gibt’s Happi-Happi“, fügte er mit einem Seitenblick auf den Vielgesichtigen hinzu.

Ein Grunzen erscholl irgendwo von vorn, gefolgt von einem lauten Kreischen.
In einem der vorderen Bäume krachte es. Ein trockener Ast fiel zu Boden.

Der Priester sah die Anderen von der Seite her an.
„Soll 'ck jetzt den Knaller zünden?“ grinste er.
Spange grinste zurück. „Zünd den Knaller.“
Ätzelberts Finger machten „Schnipp“.

Der Knall zwischen den Bäumen war ohrenbetäubend. Die Druckwelle war beinahe zu sehen. Glasscheiben bebten. Blätter rieselten herab.
Es gab einen  dumpfen Ton, als wenn etwas schweres auf weichen Boden fällt.
Oder springt, dachte die Barbarin und zog ihre Streitaxt.
„Er kommt“, sagte sie.

Zwischen den Bäumen erschien ein Schatten. Er sprang zuerst auf einen Stein, dann auf den Schreibtisch. Dort blieb er stehen, richtete sich auf und brüllte.

Bastonata spürte, wie ihre Urmutter an die Oberfläche drängte. Bald, Mutter, dachte sie. Nur noch einen Augenblick.

Der Affe trommelte sich auf die Brust.
Dann sprangen 500 Kilo Fleisch und Knochen ab und  nahmen rasch an Fahrt auf.

Jetzt, Mutter dachte Bastonata und ließ ihrer Natur freien Lauf.
Die Bärin erwachte.

Sie sah das Tier heranstürmen und hielt ihre Axt kampfbereit. Lange Zähne troffen von Speichel. Scharfe Klauen pflügten den Boden. Schiere, behaarte Muskelkraft holte aus.

Die Bärin richtete sich auf zum Kampf.
Der Affe schlug zu.
Um Bastonata wurde es Nacht.
Anti-Psionic-Liga[/url]

Pestbeule

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #10 am: 15. September 2006, 18:31:51 »
Genial. Q´arion ist nich twirklich so doof? *lol* Bzw. lief das wirklich so ab? Die Jagd auf den Schreckensaffen ist genial, wie die planen!

Auf jeden Fall hast du einen regelmäßigen Leser. Warte schon auf Nachschub. Vll. kann mich deine SH dazu bewegen das Abenteuer doch noch zu spielen!^^
"Since it is difficult to join them together, it is safer to be feared than to be loved when one of the two must be lacking."
http://pestbeule.blog.de/

meist3rbrau

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #11 am: 17. September 2006, 22:04:08 »
Das lief genau so ab, wie beschrieben.
Q'arions Spieler war die Szene mit dem Wächter zugegebenermaßein ein bisschen peinlich. Ansonsten spielt er seinen Valenar tatsächlich so, daß die -3  auf INT wie angegossen passen. Den Charakterhintergrund (von dem Clan verstoßen etc.) hatte er sich vorher ausgesucht - nach dem Attribute würfeln wußten wir denn auch, warum er ausgestoßen wurde...

Im Übrigen habe ich den Spieler mehrmals darauf hingewiesen, daß er seinem Q'arion etwas mehr Ernsthaftigkeit verleihen könnte, aber er als Spieler ist nunmal eben ein lustiger Kerl und hat keinen Bock, das zu trennen. Also haben wir kurzerhad den Gruppentolpatsch aus ihm gemacht. Er selbst gefällt sich offenbar ganz gut so und so ist er immer für ein Anekdötchen gut. :)
naja.. ich werde dann mal am nächsten update feilen...
Anti-Psionic-Liga[/url]

Harlekin

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #12 am: 17. September 2006, 23:33:04 »
Zwei Daumen nach oben - weiter so.

Gruß

meist3rbrau

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #13 am: 18. September 2006, 17:59:54 »
So, weiter geht's!  :wink:


Yelenath war von einer großen, inneren Ruhe erfüllt. Er sah den mächtigen Koloss auf sich zu kommen und wusste, dass er nur diese eine Chance haben würde, aber das war jetzt nicht wichtig. Nichts war jetzt  wichtig. Nicht einmal das kleine Fädchen Wolle, das er in der Hand vor seine Stirn hielt, den Handrücken gegen die Stirn gelegt. Arkane Energie sammelte sich in ihm und wollte entladen werden, drängte gierig danach, zur Entfaltung zu kommen.

Jetzt, dachte Yelenath.
Er ließ das Fädchen fallen.

Vielleicht eine Sekunde später war das Untier heran und hämmerte dem Werweib neben ihm eine gewaltige Faust ins Gesicht. Entsetzt beobachtete Yelenath, wie es sie schwer getroffen von den Füßen und zwei oder drei Meter nach hinten warf. Sie blieb liegen und rührte sich nicht.

Warum zum Spötter hatte es nicht funktioniert?
Es konnte nur eine Erklärung geben.
„Das Monster ist zu stark für diesen Zauber! Wir müssen es so schaffen, meine neuen Freunde!“
Wütend über sich selbst und seine Kurzsichtigkeit griff er in seinen Rücken und packte seinen Kampfstab.

Der Schreckensaffe war ein ebenso schneller wie tödlicher Gegner. Ätzelbert sah noch, wie ein  Pfeil von Q'arion in einer mit dichtem, schwarzem Fell bedeckten Schulter stecken blieb, dann spürte, wie er von einer klauenbewehrten Pranke zur Seite geworfen wurde, dass er das Gleichgewicht verlor. Doch anstatt zu Boden zu gehen, wurde sein Brustkorb plötzlich zusammengequetscht, dass er nur noch nach Luft ringen konnte. Blutige Schlieren entstanden vor seinen Augen. Etwas großes, weiches packte seinen Kopf und Hals, so dass er vollends den Boden unter den Füßen verlor. Und plötzlich fühlte er sich mit einem Ruck auseinander gerissen. Vor Schmerz schrie Ätzelbert auf und begann wie wild hin und her zu zappeln, aber es half nichts. Ein zähnestrotzedes Maul näherte sich seinem Gesicht.

Dann war er plötzlich frei und fiel hin. Ohrenbetäubendes, schmerzerfülltes Brüllen trieb ihm Tränen in die Augen. Gierig schnappte er nach Luft, doch schon beim ersten Atemzug schoss unerträglicher Schmerz durch seinen Körper. Seine Lunge musste aussehen wie...

Ein Hustenanfall überkam ihn.
Er spie blutigen Schleim aus.

Na, so wie das da eben.

Hastig kroch er nach hinten, bloß aus der Reichweite dieses Viehs, als er gegen einen Widerstand stieß.

Hinter ihm stand Q'arion und lächelte verklärt. Ein dicker, roter Spritzer verlief quer über sein Gesicht. Er hatte sein Talaen Kara in der Hand, das Doppelklingenschwert, das er im Klageland gefunden hatte. Beide Klingen troffen von Blut. So dämlich der Elf auch sein konnte, in solchen Augenblicken wurde er das, was ein Valenar eben war: Blutrünstig. Kalt. Tödlich. Präzise.

Ätzelbert sah sich um. Auf der anderen Seite, im Rücken des Affen, stand Spange und zwinkerte ihm zu. Seinen Morgenstern hatte er irgendwo in dessen rückwärtigen Teil  versenkt. Ätzelbert wollte gar nicht wissen, wohin genau.

Yelenath hieb unterdessen mit seinem Stab auf das Untier ein, doch es schien die Schläge nicht einmal wahrzunehmen. Es war einfach sinnlos! Er lief so nur Gefahr, selbst von ihm gepackt und zerrissen zu werden. Und er war längst nicht so zäh im Nehmen, wie der Priester. Also zog er sich zurück und konzentrierte sich erneut. Winzige magische Entladungen flossen über seine Hände und Finger, formten sich zu kleinen Kugeln, schossen davon und gruben sich tief in weiches Fleisch.

Es war, als würde sie aus einem tiefen See auftauchen.  Blutrote Schleier begannen sich zu lüften. Weit entfernte Stimmen kamen näher und wurden klarer. Schreie und tierisches Brüllen... Ein Kampf! Sie versuchte, sich zu bewegen. Es tat weh. Doch immerhin begann ihr Körper, ihr wieder zu gehorchen... Bastonata schlug die Augen auf.

Spange wusste, dass sie von nun an vorsichtig sein mussten. Nichts war gefährlicher, als ein verwundeter Gegner. Er zog seinen Morgenstern wieder heraus und visierte an.
Doch diesmal hatte er sich verschätzt. Ein Schatten kam auf ihn zu!
Der Schurke tauchte unter dem Prankenhieb durch und kam wieder auf die Beine.
Noch ein Schatten!
Verflucht!
Diesem Hieb würde er nicht mehr ausweichen können. Instinktiv ließ er sich nach hinten fallen und rollte sich ab. Ein sengender Schmerz fuhr durch sein Gesicht. Dann schmeckte er Blut auf seiner Zunge. Puh, dachte er, Glück gehabt. Der hätte auch anders ausgehen können.

Ätzelberts gesamter Körper war ein einziger Schmerz. Noch so einen Angriff würde er nicht überleben. Seine Finger nestelten an der Gürtelschlaufe herum, in der sich Viorrs Heiltrank befand. Er entkorkte die Phiole mit dem Mund, spuckte aus und kippte ihren Inhalt hinunter. Ein angenehm warmes Gefühl breitete sich aus.

Plötzlich kam eine monströse Gestalt herangeschossen und warf sich fauchend auf den Affen. Mühelos unterlief sie seine Deckung, tauschte zwischen sinne Beinen durch und kam auf der anderen Seite wieder hoch.

Bastonata!

In ihrer einen Hand wirbelte eine Streitaxt, in der anderen hielt sie ein Seilende. Sie zog daran.

Der Schreckensaffe hatte keine Chance. Erneut versuchte er, sich auf die Wandlerin zu stürzen und wollte sich aufrichten. Doch seine Beine waren plötzlich völlig verheddert.

Er strauchelte.
Etwas traf ihn genau auf der Stirn.
Es war die flache Seite von Bastonatas Axt.
Der Affe brach zusammen und blieb liegen.

Sie hatten es geschafft.

„Wunderbar, ganz hervorragend! Wie ich sehe, habt ihr euren Ruf absolut zu Recht!“

Der alte Mann trat hervor und an das Untier heran, öffnete sein Maul und goss eine Flüssigkeit aus einem Fläschchen hinein.

„Was wird das denn?“ wollte Spange wissen.

„Ein Schlaftrank. Damit wir uns in Ruhe unterhalten können.“

„Unterhalten? Wieso?“ Ätzelbert war wieder aufgestanden und sog prüfend die Luft ein. Dann nickte er zufrieden und kam heran.
.
„Ich denke, nun ist es an der Zeit, auch den wahren Grund für unser Zusammentreffen zu erklären“, erklärte Maleak und begann, in seiner Satteltasche zu wühlen.
„Ich repräsentiere eine Abteilung der Königszitadelle. Wir nennen uns die Königs Schatten. Zu unseren Aufgaben gehören gewissermaßen, ehm... nun, Informationsdienste für unseren geliebten König Boranel von Breland. Und mein, oder besser gesagt, unser Dilemma ist tatsächlich noch viel größer als ein entlaufener Affe. Genauer gesagt benötigen wir die Hilfe fähiger und tapferer Abenteurer. Ein Auftrag, der auch reich machen dürfte...“

Der Hauptmann unterbrach sich und überlegte kurz.

„Eines muss ich wissen, bevor ich weiter rede“, fuhr er fort, „Können Sie schwören, über alles, was zwischen uns von jetzt an geredet wird, strengster Geheimhaltung unterliegt und wie ein Staatsgeheimnis behandelt wird?“

Eine Pause entstand.

„Öhm...“, machte Ätzelbert.
„Ehmnn...“ machte Spange.
„Naja..“, erwiderte Yelenath und zuckte die Achseln.

Noch eine Pause entstand.

„Also was ist. Ja oder nein?“

„Erst die Belohnung für den da.“, sagte Bastonata und zeigte auf den narkotisierten Affen.

„Und Antwort auf die Frage, was ihr für euer kleines Geheimnis zahlen wollt“, fügte Spange hinzu.

„Also gut“, seufzte der Hauptmann, „die Belohnung...“ Er nahm den Beutel aus der Tasche und warf ihn Bastonata zu.

„Bitte. Siebenhundertfünfzig Galifar. Mach einhundertfünfzig für jeden. Und was die weitere Belohnung angeht: Wären zweitausend genug – für jeden von Ihnen?“

~o~

Hauptmann Viorr Maleak war ein Mann, der sein morgendliches Zeremoniell liebte, wie sonst nur wenig auf der Welt, seit seine Frau tot war. Morgens eine Tasse Tee, ein wenig Gebäck und dazu den Sharner Kobold, danach ein kleines Frühstück, selbstverständlich für sich und seine Pflanzen. Und dann, wenn das geschehen war, dann konnte der Tag kommen.

Die letzten Tage waren deutlich vor seinem Morgentee gekommen. Viorr Maleak war entsprechend übel gelaunt, denn er hatte ein Problem. Und das sorgte dafür, dass er seit drei Tagen kein Gebäck mehr gegessen hatte.

Bis vorgestern war Lucan Stellos einer der besten Agenten der Schatten gewesen. Maleak hatte ihn persönlich auf Caldera, die selbsternannte Fürstin der Unterwelt angesetzt, und Lucan war zuverlässig seinem Ziel, sie auszuschalten, immer näher gekommen.

Doch dann war er plötzlich einfach weg. Keine Kurzberichte mehr, kein Kontakt. Und niemand wusste, was geschehen war.

Einen Tag später war Stellos wieder aufgetaucht, und zwar in der königlichen Hochsicherheitsschatzkammer hier in Sharn. Dort hatte er die Seelenklinge, ein magisches Schwert aus Karrnath, gestohlen und bei der Gelegenheit wie nebenbei fast die Hälfte der Kammerwachen getötet. Der einzige Überlebende hatte berichtet, der Agent sei hereinspaziert gekommen und habe ihn nur aus kalten Augen angesehen. Dann hätten seine Pupillen eine orangene Färbung angenommen und hätten begonnen, von innen heraus zu glühen.

Über alles Weitere fehlte den Mann die Erinnerung. Die Schatten hatten ihn wie erstarrt da stehend gefunden. Vermutlich war das der Grund für sein Überleben gewesen – er hatte nicht im Weg gestanden.

Lucan hatte die Zitadelle verraten, so viel war klar. Und er hatte irgendwie eine Veränderung durchgemacht, die ihm übermenschliche Kräfte verliehen. Weder die Bolzen der Soldaten hatten ihm etwas anhaben können, noch hatte irgendjemand ihn einholen können. Er war schneller gelaufen und weiter gesprungen, als es einem Menschen möglich sein dürfte.

Und schließlich war er einfach die Seite eines Turmes hinuntergekrabbelt, als sei er ein Insekt.

Viorr hätte der Geschichte niemals Glauben geschenkt, hätten die Soldaten nicht alle das Gleiche ausgesagt.

Es konnte kein Zweifel bestehen.
Lucan Stellos war kein Mensch mehr.

Agenten der Königs Schatten durchsuchten daraufhin Lucans Wohnung, fanden jedoch kaum noch brauchbares. Das Einzige, was sie retten konnten, war ein Abschnitt aus einem Notizbuch. Darauf waren die Worte „Trolanhafen“ und „Krell“ zu sehen. Aber was bei allen Göttern war ein Krell?

Schließlich und zu allem Überfluss hatte man Lucan heute morgen die Stadt verlassen sehen.
In Calderas persönlicher Kutsche.

Hauptmann Viorr Maleak vermisste seinen Tee.

~o~

„Und daher“, schloss der Alte Mann seinen Bericht, „brauche ich Sie, Herrschaften. Bringen sie mir diesen Agenten lebend zurück, und falls das nicht möglich ist, schalten Sie ihn aus. Und  beschaffen Sie nach Möglichkeit auch das Schwert wieder.“

Der alte Mann hatte eine Reihe Bilder auf dem Tisch ausgebreitet. Eines zeigte Lucan, den abtrünnigen Agenten, ein weiteres die Kutsche, mit der er geflohen war. Sie waren von königlichen Zeichnern angefertigt worden.

„Was den Affen anbetrifft: Ich kann meine eigenen Leute nicht auf den Fall ansetzen, denn ich weiß nicht, wer in der Zitadelle überhaupt noch vertrauenswürdig ist. Ebenso wenig aber kann ich irgendwelche dahergelaufenen Glücksritter auf solch eine Mission schicken. Ich musste mich also erst davon überzeugen, dass Sie auch tatsächlich in der Lage sind, ein Ziel kampfunfähig zu machen, ohne es zu töten.“

„Ein Test also.“ sagte Ätzelbert.

„Ganz genau.“

„Nun gut. Aber was ist denn so Besonderes an diesem Schwert?“

„Zugegeben wissen wir das selbst nicht so genau. Es hat einem Karrnischen Kriegsfürsten gehört und wir konnten es kurz vor Ende des Letzten Krieges in unseren Besitz bringen. Leider hatten wir nie Gelegenheit, es ausführlicher zu untersuchen. Was wir wissen, ist, dass ihr eine starke arkane Macht innewohnt, und dass sie von einem starken Bösen erfüllt ist. Daher fiel meine Wahl auch auf Sie beide.“

Er zeigte auf Ätzelbert und Yelenath.

„Ich hielt es für eine gut Idee, einen Kundigen arkaner Magie und einen Kleriker einer, mit Verlaub, bösen Gottheit damit zu betrauen.“

„Ich bitte Sie.“ Ätzelbert winkte ab.

Dann beugte er sich vor: „Hat dieser Lucan vielleicht irgendwelche Feinde in der Stadt? Oder vielleicht Unterstützung? Was ist mit dieser Caldera? Steckt die vielleicht dahinter?“

„Möglich wäre das. Allerdings konnten wir bis jetzt keinen Kontakt zu ihr aufnehmen. Im Übrigen hat Stellos eine Schwester namens Grilsha hier in Sharn. Wir suchen sie bereits den ganzen Tag, haben sie aber noch nicht fassen können. Ein recht hübsches junges Ding, muss ich gestehen.“

Maleak räusperte sich verlegen.

„Sie hat langes, rotes Haar.  Tja, und Feinde. Nun, Lucan Stellos hat sich in die Geschäfte sämtlicher Geheimdienste in ganz Khorvaire gemischt und zahlreiche Spionagenetzwerke aufgedeckt. Wenn also jemand Feinde hat, dann er, und jede auch nur halbwegs einflussreiche Organisation dürfte erfreut sein, ihn entweder auf ihrer Seite oder tot zu sehen.“

„Und warum ist er so wertvoll für Sie?“ wollte die Barbarin wissen.

„Haben Sie schon einmal von dem  Sprichwort Wissen ist Macht gehört, verehrte Bastonata? Information ist eine wertvolle Ware! Und Lucan ist ein Meister darin, feindliche Agenten zu entdecken und ihre Netzwerke zu infiltrieren. Jetzt müssen wir nicht nur ohne seine Fähigkeiten auskommen, sondern auch noch befürchten, dass man ihn gegen uns verwendet. Wir müssen also dringend herausfinden, was er weiß, wieviel er geredet hat und mit wem er jetzt gemeinsame Sache macht. Andernfalls würde die Sicherheit der Zitadelle und damit letztlich auch unser König empfindlich geschwächt werden. Natürlich ist er tot immer noch besser als in den Händen der Feinde."

Maleak erhob sich.

„Nun“, schloss er, „Die Zeit drängt. Mit jeder Minute, die wir hier sprechen, vergrößert sich Lucans Vorsprung, Sie sollten also bald aufbrechen.“

Spange hob die Hand. „Moment noch. Wegen der Belohnung...“

„Vergessen Sie's“, unterbrach der Hauptmann, „Die ist endgültig und nicht verhandelbar. Nehmen wir einfach an, wir hätten miteinander gefeilscht, Sie haben gewonnen, und das war es dann."

"Ach ja“, setzte er hinzu und kramte wieder in seiner Tasche.

„Sollte es unterwegs zu irgendwelchen unvorhergesehenen Ausgaben kommen, so nehmen Sie bitte diesen Kreditbrief hier. Sie brauchen ihn nur einer Niederlassung des Hauses Kundurak vorlegen und man wird Ihnen einen Vorschuss geben. Aber ich warne Sie: Der König mag es nicht besonders, wenn man sein Geld aus dem Fenster wirft. Der Kredit sollte also nur im Notfall zum Einsatz kommen. Und... ah, da sind sie ja. Hier sind Reisepapiere. Damit stehen Sie offiziell in Diensten des Königs. Außerdem...“

Der Hauptmann straffte sich ein wenig.

„...habe ich mir erlaubt zu veranlassen, dass Haus Vadalis Ihnen spezielle Pferde zur Verfügung stellt. Es handelt sich um magiegeschaffene Tiere. Sie warten in Stallungen des Hauses nahe dem Osttor. Nehmen Sie die Pferde als einen Bonus an. Die Zitadelle wird die Rechnung mit dem Haus begleichen.“

Yelenath horchte auf. Magiegeschaffene Pferde! Das war allerdings ein außerordentlicher Bonus. Den Königs Schatten mußte tasächlich viel an diesem Lucan gelegen sein.

Maleak begleitete die Abenteurer zum Ausgang. „Beeilen Sie sich. Jede Minute zählt! Ich wünsche Ihnen alles Gute.“

Die Gruppe schickte sich an zu gehen.

„Eine Frage hätte ich noch“, meldete sich Q'arion.

Fünf Augenpaare sahen ihn überrascht an.

„Hättet ihr eventuell eine Lederrüstung übrig? Wenn es geht, beschlagen?“

~o~
Anti-Psionic-Liga[/url]

Pestbeule

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[Eberron] Das Flüstern der Seelenklinge
« Antwort #14 am: 19. September 2006, 12:15:40 »
Juhu, es geht weiter! Und sogar der Sharner Kobold kommt vor!^^
"Since it is difficult to join them together, it is safer to be feared than to be loved when one of the two must be lacking."
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