Autor Thema: D&D als Schulprojekt  (Gelesen 1924 mal)

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RedPuma

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D&D als Schulprojekt
« am: 20. April 2016, 11:14:10 »
Hallo zusammen,

ich habe seit etwa 6 Jahren keine Rollenspiele mehr gespielt, weil Studium und Familie es einfach kaum Zeit dafür gelassen haben. Mittlerweile bin ich Referendar und vor den Sommerferien stehen hier an der Schule drei Projekttage an, bei denen es immer wieder gerne gesehen wird, wenn Referendare sich engagieren.

Jetzt hab ich Fuchs gedacht, dass ich eine D&D Runde anbieten könnte! Ich weiß, dass ein paar SchülerInnen dran Interesse hätten, die Nachfrage ist also da. Was mir aber fehlt sind Ideen, wie ich so ein Projekt für die Schule schmackhaft machen könnte; klar, Teamarbeit und Kreativität werden gefördert und das ist super. Allerdings habe ich mir in den Kopf gesetzt, dass Ganze mit einem meiner Fächer (Philosophie) zu kombinieren.
Und da kommt ihr in's Spiel: hat irgendwer schon einmal Texte gelesen, die sich in irgendeiner Weise mit philosophischen Themen in Rollenspielen (am Besten D&D) beschäftigen und/oder könnte mich in die richtige Richtung lenken? Ich habe schon ein paar Sachen gefunden (teilweise hier im Forum), die sich mit Ethik und den Gesinnungen in D&D auseinandersetzt, aber je mehr, desto besser. Vielleicht hat schonmal jemand was zum Menschenbild in D&D gelesen? Oder andere philosophische Themen?

Falls es euch interessiert, hier noch die Rahmenbedingungen: Regelwerk wird 3.5 sein, ich wollte max. sechs SchülerInnen aufnehmen, den ersten Tag für die Charaktererschaffung und Regelerklärung nutzen und zwei Tage eine kurze Kampagne in Angriff nehmen. Die Diskussion von philosophischen Fragen hatte ich für die Tage 2 und 3 im Anschluss an die jeweilige Spielzeit angedacht.
Ich bin schon sehr gespannt auf eure Antworten!
Grüße

RedPuma

P.S.: Falls euch Kampagnen einfallen, die sich besonders eignen, immer her damit ;)
Und falls ich im falschen Forum gepostet habe, einfach verschieben :)

Wilfried_Wiese

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D&D als Schulprojekt
« Antwort #1 am: 20. April 2016, 14:23:34 »
Welche Klassenstufe haben deine SuS?

Ich könnte mir vorstellen, das du erst einmal spielst und dir stellen des Spieles rausnimmst bzw Stellen bewusst einbaust. Die kannst du dann danach als Fragestellung aufnehmen:

- War es richtig einen Menschen zu töten?
- Ein Bettler fragt nach was zu Essen, wie reagieren die Spieler? War das Verhalten richtig?
- usw...

Aronan

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D&D als Schulprojekt
« Antwort #2 am: 20. April 2016, 17:29:43 »
- War es richtig einen Menschen zu töten?
- Ein Bettler fragt nach was zu Essen, wie reagieren die Spieler? War das Verhalten richtig?

Der Ansatz ist der offensichtlichste, würde aber eher davon absehen, solange es keine extrem besonderen Umstände gibt, die es etwas weniger....wie soll ich sagen....."platt" machen.
Ich denke solche Grundlagen wie "töten ist (meistens) schlecht" etc sollte man nicht zum Hauptthema machen. Klar kann man sagen "aber wenn man sich verteidigen muss" ect., aber das sind Dinge über die man nicht viel diskutieren kann/wird, da soweit ich weiß die Ansichten eher einheitlich sind was das angeht.

@ Willfried: bitte jetzt nicht persönlich nehmen, ist nicht gegen dich gerichtet.


Ich würde eher den Vorgang des Spielens an sich als Thema nehmen, insbesondere bei kreativen Spielen wie D&D. Zum Beispiel, Warum der Unterschied zwischen dem, was ein Charakter tut und dem was der Spieler in RL tun würde in der Regel so groß ist.
Oder: Womit fühlen sich die Spieler wohl und was würden sie - selbst in einem rein fiktionalen Pen&Paper - ihren Charakter nicht tun lassen und weshalbt? Gibt es irgendwelche Prinzipien und philosophischen Gründe oder eher aus einem groben Gefühl heraus, wegen dem man sich einfach unwohl fühlt ohne es begründen zu können?
Ich denke das regt eher zum Nachdenken und zur Diskussion an, da ich mir gut vorstellen könnte dass die Meinungen da je nach Spielern weit auseinandergehen.

Ansonsten könnte man eventuell noch thematisieren was die Spieler an dem Projekt interessier oder fasziniert hat und welche Erwartungen daran gestellt wurden. Kann ja sein, dass da ganz unterschiedliche Anreize oder Vorstellungen bestehen.

Ansonsten: Würde evtl vorschlagen, die Spieler nicht mit der vollen Wucht der 3.5er Mechaniken zu erschlagen sondern das ganze vielleicht eher auf das wesentliche beschränken. Sich in die Sachen reinzulesen und sie zu verinnerlichen bis man flüssig spielen kann ist ja schon einiges an Aufwand und ohne extrem viel Enthusiasmus seitens der Spieler kann da schnell verwirrung aufkommen. Aber du kannst deine Spieler da denke ich besser einschätzen als ich, war nur so ein Gedanke  :wink:

MfG Aronan

Wilfried_Wiese

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D&D als Schulprojekt
« Antwort #3 am: 21. April 2016, 05:46:09 »
Um Welche Klassen Schulart handelt es sich?

Kannst du für dein Projekt ein Lernziel formulieren?

1. Grobziel
2. Feinziele
2.1 Persönliche Kompetenzen
2.2 Methodische Kompetenzen
2.3 Soziale Kompetenzen
2.4 Fachliche Kompetenzen

Daran kann man dann besser erkennen was du alles einbringen solltest und du kannst für die Ziele Indikatoren festlegen zur Überprüfung.

oobacke

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  • Dungeon- und Geländebau, das ist's!
D&D als Schulprojekt
« Antwort #4 am: 21. April 2016, 09:07:23 »
Ich würde das eher in die Richtung Problemlösekompetenzen in sozialen Konflikten und generelle Kreativitätsförderung auslegen. Reflektion über Situationen, Lösungsansätze und daraus folgende Konsequenzen nach der Durchführung, bei der vielleicht noch Elemente aufkommen, die nicht bedacht wurden oder konnten, weil sie dem Zufall unterliegen oder es keine Informaitonen dazu gab. Dann noch die Absprache in der Gruppe und das gemeinsame Durchführen - keine unwichtige Kompetenz, auch für später. Also genug Potential, um die sonst in der Schule recht vernachlässigten Kompetenzen zu fördern.
Hier kann man tolle Begegnungen erstellen, die verschiedene Aspekte der genannten Kompetenzen fördern und das ganze kann spielerisch erlebt werden (Entdeckendes Lernen!).

Mir hätte das den Spaß aus D&D genommen, hätte ich das Verkopft. Vielleicht geht das auch, aber dann wurden hoffentlich einige Philosophen vorher gelesen und halbwegs verstanden. Ich muss zugeben, dass ich in dem Alter große Probleme hatte deren Inhalte zu verstehen. Man könnte aber auch die französische Revolution nachspielen. Dann könnte man zb. Voltaire heranziehen! Und weiter noch die soziale Frage, heute relevant wie damals. Ob sich das paaren lässt mit Monsterschlachten bezweifle ich. Interessant wäre es dennoch, ob und wie die Schüler in Hinsicht auf die Aufklärung und zb den Sozialismus sich entscheiden würden. Vielleicht verraten sie auch die Bürger/Arbeiter und sorgen dafür, dass die Obrigkeit den Aufstand niedergeschlagen bekommt? (Hier vielleicht lieber DSA?)

Würde übrigens zu D&D 5 raten, weil sie einfach echt leicht von der Hand geht und so flexibel ist ohne zu Mathfinder zu verkommen - außerdem ist es die neuste Version, für eine neue Generation. Kann man auch gleich das Englisch schulen :D
« Letzte Änderung: 21. April 2016, 09:18:42 von oobacke »

Aureus

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    • Tintenteufel
D&D als Schulprojekt
« Antwort #5 am: 13. Mai 2016, 12:29:36 »
Hier wird über ein laufendes ähnliches Projekt berichtet: Tanelorn / ... / ... Schulprojekt 5E

Xiam

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  • Mörder der 4E
D&D als Schulprojekt
« Antwort #6 am: 16. Mai 2016, 09:50:23 »
Ich hatte so eine Idee auch schon öfter, habe sie aber immer wieder verworfen. Ich verrate dir auch, warum: Ich persönlich halte (als Lehrer) Fantasy-Rollenspiel nicht für ein gutes Schulprojekt.

Projektunterricht zeichnet sich dadurch aus, dass man am Ende etwas vorzeigen kann, was man während der Arbeit am Projekt entwickelt/hergestellt hat. Nur so ist für dich überhaupt überprüfbar, ob deine Schüler ihre Lernziele erreicht haben. Wenn du so etwas nicht hast, dann musst du ein Konzept entwickeln, wie du das Erreichen der Lernziele sonst überprüfen kannst.
Bei uns ist es außerdem üblich, dass am Ende der Projektwoche alle Projektgruppen ihre Arbeitsergebnisse öffentlich ausstellen/präsentieren. Was würdest du da präsentieren?

Projektunterricht bedeutet nicht einfach nur, dass man zusammen eine schöne Zeit erlebt hat -- zumindest dann nicht, wenn man das Projekt nachhaltig anlegen will und es gewisse Qualitätskriterien erfüllen soll. Dann reicht das einfach nicht. An meiner Schule wurden daher auch irgendwann alle Fun-Sport-Projekte während Projektwochen eingedampft, wenn der entsprechende Kollege nicht zumindest rudimentär pädagogisch begründen konnte, welche Ziele genau er da eigentlich verfolgt. Und "Man macht mal was, was man sonst nicht macht und lernt was neues kennen" ist zwar schön und gut, aber beileibe nicht ausreichend.

Wenn du etwas mit Fantasy-RPG machen willst, dann wären so Dinge wie die Erstellung eines eigenen Settings oder die Erstellung eines (sehr einfachen) Regelwerks oder Abenteuers (oder je nach Gruppengröße alles davon) eher zielführend und würde die Kriterien eines guten Projektes deutlich besser erfüllen, als einfach nur "spielen".
1984 was not supposed to be an instruction manual.

Archoangel

  • Mitglied
D&D als Schulprojekt
« Antwort #7 am: 16. Mai 2016, 23:53:47 »
"Fördert die Kommunikation, stärkt ein positives Sozialverhalten, steigert die Kontaktaufnahme, verbessert das Einfühlungsvermögen, steigert den kreativen Einsatz der Fantasie, verbessert die Problemlöse-Strategie-Fähigkeit, stärkt Akzeptanz und Rücksichtnahme, verbessert Teamfähigkeit, belohnt/verstärkt soziales Handeln, vermittelt konstruktiven Umgang mit Konflikten, stärkt den sozialen Gemeinschaftssinn, bildet" - nur um mal die pädagogisch wertvollen Kompetenzen zu nennen, die mir spontan einfallen.

Und jetzt finde mir mal einen Projektunterricht, der das auch alles kann UND den Kiddies noch ebensoviel Spaß macht, bzw. ihnen auch noch ein außerhalb der Schule stattfindendes Hobby präsentiert, dass all diese Dinge positiv beeinflusst und sie von Smartphone/Facebook, WhatsApp, Snapchat & Co. wenigstens etwas (in ihrer Freizeit) fernhält.

Man kann unser Hobby natürlich gerne als "pädagogisch besonders wertlos" abstempeln, wenn man das möchte ... man kann aber auch einfach mal den positiven, charakterbildenden Effekt betrachten.

Sicher - es lässt sich nicht so gut präsentieren, aber meine damalige Projektgruppe (ja: ich habe das auch schonmal im Rahmen einer Projektwoche gemacht) konnte den interessierten Schülern/Eltern immerhin ein Kurzabenteuer für Spielfremde "präsentieren", also in 4er-Runden die Gäste, die sich 30min Zeit nahmen durch einen 4-Raum-Dungeon mit Rätsel/Falle/Kampf führen, was sich nur durch Teamplay lösen lies - und wenn ich mich daran erinnere welcher Andrang in unserem Raum war - so im Vergleich zu "Aerodynamik am Beispiel des Papierfliegers", "Australische Küche", oder "Tanzen zur Aggressionsbewältigung" .... joa, dann glaube ich doch, dass es ein Fehler sein kann "Rollenspiel" oder auch "Sportveranstaltungen" aus dem projektunterricht zu verbannen.

Letztlich kann man alles, aber auch wirklich alles in ein gutes Projekt verwandeln und sicher auch einen positiven, pädagogischen Nutzen daraus ziehen. Vor allem sollte aber eines nie vergessen werden: Projekte sollen nachhaltig Spaß bereiten und den Kindern etwas mit auf den Weg geben, was ihr Leben möglichst lange bereichern soll. Und da würde zumindest ich jederzeit wieder zu den Würfeln greifen und "In einer Höhle in der erde lebte ein Hobbit..." murmeln.
In diesem Thread gibt es wunderbare Beispiele, dass Schulpflicht und Dummheit sich nicht ausschließen. (Tempus Fugit)

4E Archoangel - Love me or leave me!

Xiam

  • Mitglied
  • Mörder der 4E
D&D als Schulprojekt
« Antwort #8 am: 17. Mai 2016, 09:53:31 »
Ich schrieb nirgendwo, dass ich Pen&Paper-RPG für pädagogisch wertlos halte. Ich schrieb lediglich, dass zu einem Fantasy-RPG-Projekt mMn mehr gehört als SC erschaffen und losspielen, weil es einfach Kriterien gibt, die schulischer Projektunterricht erfüllen soll.

War auch nur als Denkanstoß gedacht, mach meinethalben einfach, was du für richtig hältst ;)
1984 was not supposed to be an instruction manual.

Archoangel

  • Mitglied
D&D als Schulprojekt
« Antwort #9 am: 17. Mai 2016, 12:31:16 »
Da bin ich aber gespannt: teile mal bitte mit, was es bei euch so für tolle Projekte gibt :) .
In diesem Thread gibt es wunderbare Beispiele, dass Schulpflicht und Dummheit sich nicht ausschließen. (Tempus Fugit)

4E Archoangel - Love me or leave me!

Kree

  • Mitglied
D&D als Schulprojekt
« Antwort #10 am: 17. Mai 2016, 13:40:02 »
Rollenspiel ist sicherlich ein tolles Hobby, aber ich teile (an dieser Stelle allerdings nur als Vater) die Meinung von Xiam. Ich wüsste nicht ob ich so ein Projekt so toll finde, es gibt viele spannende Wissenschaften die man Kindern/Jugendlichen in einem Projekt näher bringen kann. Es mag für den einen langweilig sein, aber z.B. ich kann mich noch an Chemie Projekte erinnern die den Eltern als "Zauber-Show" vorgestellt wurden.

Klar bei dem Thema Philosophie bietet sich Rollenspiel an, aber gleichzeitig finde ich es als langjähriger SL nicht so einfach aktuelle philosophische Themen in ein Abenteuer so einzuflechten das sie eine spannende Geschichte ergeben und gleichzeitig deutlich genug zu erkennen sind.

mfg
Kree

D&D als Schulprojekt
« Antwort #11 am: 07. Juni 2016, 15:39:58 »
Hi Red Puma,

ich habe mal etwas ähnliches in einem Jugendhaus gemacht.

Unbedingt Bilder der Gegner zeigen, das ist sehr viel besser als alles zu beschreiben.
Versuch ein paar reale Dinge "Goodies" einzubauen (das kommt sehr gut an) zum Beispiel du findest ein Geheimfach mit einem Beutel drin z.B Edelsteine und gibst demjenigen einen richtigen Beutel mit drei Glasedelsteinen.

Und jetzt bitte keine hämischen Kommentare aus dem TPK-Threat - ala - hey jetzt wissen wir endlich woher dieser sture Holzkopf seine ganzen Spielleitererfahrungen her hat!

Mit arkanen Grüßen:

Magnus der Schwarze