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Autor Thema: Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler  (Gelesen 51995 mal)

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Kylearan

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #15 am: 23. August 2006, 10:41:15 »
Jepp, das war die bislang mit Abstand beste Session überhaupt. Und damit meine ich die beste Rollenspielsession meiner Rollenspiel-"Karriere" (und das sind dann 19 Jahre). Und ja, ich hatte schon viele herausragende und tolle Rollenspielmomente mit (A)D&D, Vampire und Shadowrun.

Zitat von: "Gilvart"
Erinnert mich ein wenig an Silent Hill!

Ach was ...

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #16 am: 23. August 2006, 10:43:15 »
Silent Hill hatte ich "zufällig" vorher im Kino gesehen.

Kylearan:  :wub:
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Kylearan

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #17 am: 23. August 2006, 10:46:30 »
Zitat von: "Berandor"
Kylearan:  :wub:

Na ja, ist doch so. Die anderen waren ja auch dieser Meinung.
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #18 am: 23. August 2006, 11:21:24 »
Im Übrigen gilt das Lob natürlich der ganzen Gruppe; ein Spielleiter alleine macht vielleicht eine Story Hour*, aber noch keine gute Runde.

*auf Enworld gibt es eine Story Hour zum Adventure Path, die aus erfundenen Charakteren besteht.
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Citon

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #19 am: 23. August 2006, 12:58:23 »
Zitat von: "Berandor"
Im Übrigen gilt das Lob natürlich der ganzen Gruppe; ein Spielleiter alleine macht vielleicht eine Story Hour*, aber noch keine gute Runde.


Dem kann und muss ich aus Erfahrung zustimmen. Meine Gruppe hat sehr viele Spielerwechsel mitgemacht. Die Story und das Flair bleibt da einfach auf der Strecke. Aus dem Grunde habe ich meine Story Hour auch auf Eis gelegt. Die Truppe als ganzes muss funktionieren sonst hat auch der SL keine Lust was zu schreiben :!: oder hättest du die Geschichte auch so geschrieben Berandor :?:
Was war die Aufnahmeprüfung der Stasi?
Aus 3m Entfernung an eine Glaswand springen und mit dem Ohr festsaugen... !

shaz´narahd

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #20 am: 23. August 2006, 13:02:10 »
Zitat von: "Berandor"
Im Übrigen gilt das Lob natürlich der ganzen Gruppe; ein Spielleiter alleine macht vielleicht eine Story Hour*, aber noch keine gute Runde.

*auf Enworld gibt es eine Story Hour zum Adventure Path, die aus erfundenen Charakteren besteht.


Nun ja, an diesem Abend war der größte Teil der Stimmung der Verdienst Deiner kranken Fantasie  :D

shaz
"Ich höre nichts", sagte Anna zum Zwerg, der ihr beipflichtete. Der Raum hinter Tür schien eindeutig leer zu sein... bis auf den Tod!

Kai

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #21 am: 23. August 2006, 13:14:49 »
Grosses Lob! Ist wirklich spannend geschrieben!

Hast du zu dieser "Gruselsession" spezielle Musik laufen lassen?
Denn wenn ich meinen Spielern etwas Horror verpassen möchte, ist das ohne Musik fast nicht möglich ...

Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #22 am: 23. August 2006, 14:46:45 »
Genau das wollte ich auch fragen. Mir wären sofort jede Menge Titel eingefallen die gepasst hätten. (unter anderem der Soundtrack vom Gabriel Burns Hörspiel)

Aber was zur Hölle war da los?
Und hat Helion sich jetzt auf Schmetterlingszauber spezialisiert? Süß!

Sehr stylisch auch die durch den Raum treibenden Gesprächsfetzen.

Obwohl ich keinen richtigen Zusammenhang erkennen konnte bisher. (Was hat Shensen getan?)

Bin gespannt...
"die untoten Drachen werden die Welt beherrschen"

Kai

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #23 am: 23. August 2006, 14:53:13 »
Ja, dass mit den Gesprächsfetzen erinnert mich an einen uralten (übrigens wie üblich schlechten) Stephen King - Film. Da sind irgenwelche Leute in die Vergangenheit gereist ... nur dass da niemand mehr war ausser irgendwelchen Viechern, welche die Vergangenene Zeit  /Welt aufgefressen haben ... Aber der Name des Films will mir einfach nicht einfallen  :roll:

Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #24 am: 23. August 2006, 15:14:51 »
The Langoliers
Das buch war nicht schlecht, etwas arg abgefahren, aber irgendwie gruselig.
"die untoten Drachen werden die Welt beherrschen"

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #25 am: 23. August 2006, 16:51:07 »
Für den Glücklichen Affen habe ich "Prologue" von Loreena McKennitt gespielt, um die leise Musik zu simulieren
Shensens Szene hatte "Alley of Birth" aus dem Planescape-Soundtrack
Zungenfresser schließlich war die Mundharmonika aus "Spiel mir das Lied vom Tod".
Weieter Titel gebe ich gerne an, wenn es soweit ist.
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Kylearan

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #26 am: 23. August 2006, 16:53:27 »
Und obwohl Shaz direkt nach der ersten Begegnung dieser Art sagte: "Hey, das erinnert mich an Silent Hill, wovon Berandor und ich vorhin zu Beginn der Session noch gesprochen haben!", war die Stimmung einfach gruselig. Oh, draußen war es hell, mein Sohn hat mich zwischenzeitlich in Anspruch genommen, und trotzdem einfach nur genial.

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #27 am: 23. August 2006, 19:46:03 »
Prolog: Heimkehr (Dritter Teil)
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Zwei gewaltige Säulen ragten über Cauldron in den Himmel. Eine der Säulen war kreisrund und bestand nur aus Schwärze, als flössen dort durch ein Glasrohr die Schatten in dem Himmel. Die andere Säule war uneben und verzweigte sich an mehreren Stellen. Als die Kettenbrecher sich der Stadt näherten, erkannten sie in dieser zweiten Säule einen Baum, dessen Krone in den Schatten verborgen lag. Keiner der Abenteurer hatte eine Idee, was in Cauldron geschehen war.

Endlich standen sie vor der Stadt. Die schwarzen Stadtmauern dampften einen Vorhang aus Schatten in den Himmel, und wo sonst das massive Stadttor gewesen war, versperrte ein ebensolcher Vorhang den Durchgang in die Stadt. Stiefeltritte, Kettengerassel und Schreie hingen leblos in der Luft. Es war niemand zu sehen.

»Was ist das für ein Vorhang?«, wandte sich Boras an Helion. »Können wir da durchgehen?«

Der Kobold zuckte mit den Schultern.

»Zumindest wird es dann wohl Alarm geben, aber ich lege meine Schnauze nicht ins Eis, dass es nicht auch schlimmere Folgen haben könnte.«

Thamior und Thargad erklommen die Stadtmauern, aber auch dort versperrte ihnen die Schwärze die Sicht.

»Was solls?«, fragte Dirim, als sie wieder unten waren. »Wir müssen in die Stadt. Also gehen wir durch.«

»Warte noch«, bat Helion, aber der Zwerg hörte nicht.

Dirim schritt auf das Tor zu. Er war keine fünf Schritt mehr entfernt, als plötzlich ein Feuerstrahl aus seinem rechten Auge schoss. Die Flammen fraßen sich durch den Vorhang aus Schatten und gaben einen Durchgang frei, durch den selbst Boras bequem passte. Schnell huschten die Kettenbrecher hinein. Hinter ihnen wuchs der Vorhang wieder undurchdringlich zusammen.

Die Straßen waren menschenleer. Hinter den Fenstern schimmerte Licht, und scharfe Ohren vermochten hinter den Schritten und den Ketten leises Gemurmel zu vernehmen. Ab und zu gellte ein Schrei durch die Düsternis. Schatten lauerten überall auf Opfer.
Spoiler (Anzeigen)

»Seht mal«, sagte Thamior und wies auf eine Häuserwand.

Dicht unterhalb des Daches ragte ein halblingsgroßer Arm aus der Wand. Jeder Finger endete in einem Auge, und in der Handfläche wartete ein zahnloser Mund darauf, Alarmrufe auszustoßen. Suchend bewegte sich der Arm von einer Seite zur anderen. Die anderen Kettenbrecher hatten ihren Blick jedoch auf etwas anderes gerichtet.

»Der See«, flüsterte Dirim ungläubig.

Einst war in der Mitte Cauldrons ein Schwefelsee gewesen, den man von den hoch liegenden Außenbezirken der Stadt bewundern konnte, ohne ihn riechen zu müssen. Jetzt war er fort. Der große Baum, der in den Himmel ragte, hatte seinen Platz eingenommen. Und erst jetzt erkannten die Kettenbrecher, wie groß der Umfang des Baumes war, und wie hoch er wirklich sein musste. Daneben wirkte die Schattenlanze, die in etwa vom Azuthtempel ausging, wie eine Haarnadel neben einer Königspython.

Ein spitzer Schrei ertönte. Die Wachhand hatte sie entdeckt. Noch während die Kettenbrecher sich kampfbereit machten, spie der Handflächenmund einen klebrigen Schattenklops in die Richtung von Dirims Gesicht. Dirim konnte gerade noch seinen Schild vorschieben. Gleichzeitig sackte die Wachhand schlaff zusammen, dann zerfiel si zu Staub.

»Und jetzt?«, fragte Boras.

»Jetzt kommen die Wachen«, antwortete Thamior und wies mit dem Kopf die Gasse entlang.

Fünf Kreaturen schoben sich auf sie zu. Ihre Unterarme endeten in gut einem Dutzend scharfer Stacheln. In ihrer Brust prangte ein lidloses Auge. Ihr Hals endete in einem schwarz rauchenden Loch.

Thargad hatte seine Klingen schon gezogen und stürmte im Zickzacklauf auf die Wachen zu, als inmitten der Wesen ein Feuerball explodierte. Mehrere Pfeile bohrten sich in die Brust eines Wächters. Der Wächter verharrte. Er hob den Arm, und eine seiner Stacheln flog auf Thamior zu. Der Elf wirbelte herum und entging dem Geschoss mit knapper Not. Thargad war jetzt bei dem Wächter angekommen und bohrte seine Schwerter in dessen Brust. Der Wächter verging.

»Noch vier«, rief der Assassine.

»Drei«, sagte Boras und entfernte die Axt aus der Schattenpfütze vor sich.

Ein weiterer Wächter näherte sich dem Barbaren. Die Kreatur beugte sich vor. Aus seinem Hals sprühte es einen Nebel aus Schatten. Boras schrie auf, als sich der Schatten wie Säure in seine Haut fraß. Er packte den Wächter und schleuderte ihn gegen eine Wand, wo er zerplatzte.

Dirim fuchtelte mit seinem Schwert vor dem vierten Wächter herum. Es schien, als hätten sie die Lage im Griff, da wollte er keinen Zauber verschwenden. Jetzt beugte sich auch sein Gegner vor. Anstatt ätzender Schatten kamen allerdings zwei Schwertspitzen aus dem Hals gefahren, und ein Pfeil Thamiors besiegelte das Schicksal dieser Kreatur endgültig.

»Danke für die Ablenkung«, sagte Thamior.

Dirim nickte zurück.

Fünf magische Geschosse zerrissen den letzten Wächter, und nachdem Boras sich noch einmal über die Ungerechtigkeit dieser Kampftaktik ausgelassen hatte, war es wieder ruhig auf Cauldrons Straßen.

»Das war nicht besonders gefährlich«, sagte Dirim, nachdem sie einige Zeit auf mögliche Verstärkung gewartet hatten. »Aber wenn jedes dieser Augenviecher einen Wachtrupp ruft, kann es auch anders ausgehen.«

»Oder langweilig werden«, bestätigte Boras.

Thamior feuerte versuchsweise auf die nächste Wachhand. Sie zerfiel nach einem Schuss zu Schattenflocken.

»Also sind sie nicht sehr widerstandsfähig«, sagte Helion. »Wie viele Pfeile hast du noch?«

»Nicht genug«, gab der Elf zurück.

»Könnt ihr euch vorbei schleichen?«

Thargad versuchte es. Zuerst gab er sich Mühe, aber auf dem Rückweg bewegte er sich recht sorglos.

»Die sind nicht sehr aufmerksam«, sagte er. »Aber Dirim könnte trotzdem Probleme bekommen.«

»Ich habe noch einen Trank, der ihm beim Schleichen hilft«, sagte Thamior.

»So einen habe ich auch noch«, gab Thargad zu.

»Ein Stück weit kann ich uns teleportieren«, sagte Helion, »zumindest die lauteren unter uns.«

»Und zur Not schießen wir die Hände kaputt«, schloss Thamior.

»Dann sollten wir uns wenigstens halbwegs sicher bewegen können«, sagte Dirim. »Wohin also?«

Wie auf Kommando sahen alle fünf in die selbe Richtung.

»Zum Azuthtempel«, sagte Helion.

-
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Vom Azuthtempel waren nur noch die Stufen übrig geblieben, die zum Eingang hinauf führten. Zu beiden Seiten gähnte ein Abgrund. Die Stufen selbst waren rissig, löchrig. Am Ende der Stufen standen noch die Doppeltüren des “Fingers”, dahinter loderte die Schattensäule.

»Was ist hier passiert?«, fragte sich Dirim stellvertretend für die anderen zum wiederholten Male.

»Vielleicht bekommen wir da drin ja Antworten«, sagte Helion und schritt die Stufen hinauf.

Als sie das Ende der Treppe erreichten, öffneten sich die Doppeltüren. Dahinter war eine düstere Halle, die nur durch weniger schwarze Finsternis erhellt wurde, und ein altes, gebeugtes Männchen mit fleckiger Haut und einem Kopf, der größer war als sein Oberkörper. Seine dürren Ärmchen hatte das Wesen zur Stütze auf den Boden gestellt.

»Ihr habt euren Termin verpasst«, krächzte das Männchen. »Aber die Herrin empfängt euch noch. Folgt mir bitte.«

Dem listigen Blick des Männchens zufolge wäre es eine schlechte Idee gewesen, dies nicht zu tun, aber auch sonst wären die Kettenbrecher wohl hinter dem Wesen her gegangen. Sie stiegen eine Wendeltreppe empor, die an die Wand der Halle angebaut war. Zur einen Seite befand sich schwarze Wand, zur anderen nur ein Fall in die Finsternis. Schemen hasteten an den Kettenbrechern vorbei oder durch sie hindurch, und dissonannte Töne schwammen durch die Luft. Endlich endete die Treppe in einer einfachen Holztüre.

»Nur hindurch, nur hindurch«, drängte das Männchen.

Sie kamen in einen warmen, gemütlichen Raum. Ein Kaminfeuer prasselte, und hinter einem Schreibtisch saß die Hohe von Azuth, Embril Aloustinai, und schrieb etwas auf Pergament. Ihr weißes Haar war zu einem Knoten gebunden, und ihre silberne Robe schimmerte im Licht des Feuers, als wäre sie lebendig.

»Eure Gäste, Herrin«, verkündete das Männchen, dann zog es sich aus dem Raum zurück und schloss die Türe hinter sich.

Embril sah auf.

»Da seid ihr ja endlich. Wein?«

Sie stand auf und goss sechs Kelche ein. Dann wies sie auf die fünf leeren Sessel, die vor dem Schreibtisch standen.

»Setzt euch. Obwohl ich überrascht bin, euch zu sehen. Ich hielt euch für tot.«

»Sind wir nicht«, sagte Helion. »Aber was ist hier geschehen?«

»In Cauldron?« Embril schüttelte den Kopf. »Schatten und Angst kamen über die Stadt, und ein Engel der Finsternis stieg vom Himmel herab auf den Thron des Stadtherren. Adimarchus, der Brudermörder, herrscht nun im Kessel.«

»Ach?«, entfuhr es Helion. Mehr vermochte in diesem Augenblick keiner der Kettenbrecher zu sagen.

»Und ihr?«, fragte Helion schließlich.

»Ich bin nur ein kleines Licht im Dunkel«, gab Embril zurück.

»Welches Jahr haben wir?«, erkundigte sich Thargad.

»1377«, sagte Embril. »Fast zwei Jahre, seit ihr verschwandet, und über ein Jahr, seit der Säufer Terseon Skellerang erschlagen wurde.«

»Seit was?«, entfuhr es Boras.

»Seit Terseon Skellerang im Gottesurteil um Maavus Leben kämpfte, und der Streiter namens Finster ihn erschlug und den Händler rettete.«

»Ach«, wiederholte Helion.

Lange Zeit war es ruhig. den Kettenbrechern schwirrte der Kopf.

»Wir gehen wohl besser«, sagte Dirim schließlich.

»Habt ihr nicht etwas vergessen?«, fragte Embril.

Sie stand auf. Mit einem Ruck zerriss sie ihre Robe. Dann griff sie sich in den Magen und zerrte ruckartig ihren Darm heraus, den sie feierlich Thamior überreichte.

»Seid ihr nicht deswegen hier? Oder habt ihr schon einen?«

»Was?«, fragte Thamior verwirrt.

»Nun ja«, sagte Embril. »Ihr findet doch hinaus?«

Sie öffnete die Tür zu ihrem Zimmer und trat hinaus. Dirim wollte ihr nach, doch sie war verschwunden.

»Der Darm eines Verräters?«, fragte Thamior niemanden im Besonderen. »Aber–«

Ein Krächzen entrang sich ihm. Blut quoll ihm aus dem Mund. Der Elf brach zusammen. Als er auf dem Boden aufschlug, sickerten Schatten aus dem Teppich hervor und hüllten ihn ein. Dann war er verschwunden.

»Ist das so ein Azuthding?«, fragte Boras.

»Das wäre mir neu«, sagte Helion. »Aber wir sollten hier verschwinden.«

»Gute Idee«, sagte Dirim. »Gehen wir zu mir.«

-

Die Wände des Tyrtempels waren eingerissen, der Tempel selbst lag still und verlassen. Gras wuchs kreuz und quer.

»Tyr, enthülle mir auch die verborgensten Geheimnisse«, bat Dirim. Von wahrem Blick beseelt, begann er die Durchsuchung.

Der Tempel war geschändet worden. Was man tragen konnte, hatte man geraubt, was zu sperrig war, hatte man zertrümmert. Mit Tränen in den Augen stieg Dirim die Stufen in die Kellerräume hinab, wo sein Quartier gewesen war. Selbst die kunstvollen Wandbilder hatte man verunstaltet, aber das war es nicht, was dem Zwerg auffiel. Er blickte verwundert auf die magische Aura, die in etwa die Form einer Tür hatte, wo definitiv keine gewesen war. Eine Geheimtür. Schnell stellte er fest, dass jedes der vier Zimmer eine solche Aura hatte. Aber was er auch anstellte, er konnte die Türen nicht öffnen.

»Das mache ich in der richtigen Welt«, nahm er sich vor.

»Sie waren gründlich«, sagte Thargad angesichts der Zerstörung.

»Ich frage mich nur, was mit den Barakmordin passiert ist«, sagte Dirim und meinte die Ordenskrieger, die in diesem Tempel gewohnt hatten. »Hier finden wir es jedenfalls nicht heraus.«

»Jenya?«, wandte er sich dann an seine Freunde.

»Jenya«, bekräftigte Thargad.
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Berandor

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #28 am: 23. August 2006, 19:47:08 »
Da wir am Samstag spielen, gibt es heute evtl. noch einen weiteren Teil des Prologs. Ich will ja fertig werden. :)
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Berandor

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Berandors Stadt in Ketten: Geheimnisse der Seelenpfeiler
« Antwort #29 am: 23. August 2006, 23:05:29 »
Prolog: Heimkehr (Vierter Teil)
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Schwarze Adern durchzogen den einst makellosen Marmor wie die Vorboten einer Krankheit. Der große Tempel des Wächtergottes Helm stach dennoch nahezu grell aus der düsteren Umgebung heraus. Thargad spürte ein warmes Brennen auf und in der Brust, als er die Stufen zu der großen Doppeltür erklomm. Die Tür war geschlossen, daneben hing ein Seilzug. Thargad zog am Seil. Entgegen seiner Erwartung war keine Glocke zu hören. Trotzdem öffnete sich kurz darauf die Türe und entließen warmes Fackellicht, gedämpften Gesang und geflüsterte Gebete in die dunklen Straßen.

In der offenen Tür stand eine junge Priesterin. Ihr Schädel war vernarbt und kahl; das Narbengewebe verdeckte auch ihre Ohren. Die Priesterin sah die Kettenbrecher einige Augenblicke zögernd an. Ihre Augen weiteten sich.

»Wartet«, sagte sie mit einer Stimme, die das Reden nicht mehr gewohnt schien. Sie drehte sich um und hastete davon.

Die Kettenbrecher sahen sich an. Boras zuckte mit den Schultern.

»Warten wir halt.«

Schon sah man die Frau wieder durch das Kirchenschiff zurück kommen. In ihrer Begleitung war ein junger Mann, ein bekanntes Gesicht. Es war Rufus Laro, dem die Kettenbrecher das Leben retteten, kurz nachdem sie in Cauldron angekommen waren. Er war die rechte Hand der Hohen Wächterin Jenya Urikas, der engsten Vertrauten der Abenteuergruppe. Rufus’ rote Haare waren unversehrt, und seine grünen Augen leuchteten vor Freude, seine Lebensretter wiederzusehen. Sein Mund jedoch war durch Narben verschlossen.

»Rufus«, sagte Thargad. »Was ist passiert? Ist Jenya da?«

Rufus nickte. Er gebot den Kettenbrechern, ihm zu folgen.

»Das hatten wir heute schon mal, dass uns ein Kerl zu seiner Gebieterin brachte«, murmelte Dirim. »Wer weiß, welche Überraschung jetzt auf uns wartet?«

»Zumindest braucht keiner von uns einen Darm«, sagte Boras.

Rufus führte sie durch das große Kirchenschiff. Wo man sonst immer den einen oder anderen Bewohner angetreffen konnte, standen jetzt nur eine Handvoll schwer gerüsteter Priester Wache. Sie alle hatten eine vernarbte Kopfhaut und schienen taub zu sein.

Die Kettenbrecher bewegten sich geradewegs auf die Katakomben zu. Im Gegensatz zur üblichen Verbrennung bestattete die Helmkirche ihre Toten in einem Höhlensystem unter der Kirche. Es hieß, in Zeiten höchster Not würden diese ehrenhaften Männer und Frauen wiederauferstehen und der Stadt zu Hilfe eilen. Es sah jedoch nicht so aus, als hätten sie es getan.

Als sie den Eingang in die Katakomben erreichten, griff sich Rufus Laro eine Fackel von der Wand. Ohne sich umzudrehen, begann er den Abstieg auf der schmalen Wendeltreppe. Die Kettenbrecher folgten.

»Wäre Thamior doch hier«, sagte Dirim.

In den Katakomben lag auch Annastriannas Leichnam begraben, eine Ehrbezeugung der Wächterkirche.

»Wenigstens ist die Hand Helms bei uns«, sagte Helion nicht ohne Ironie.

Thargad warf ihm einen – finsteren – Blick zu.

Die Kettenbrecher und der Priester stiegen tief hinab. Ein halbes Dutzend Mal passierten sie Durchgänge in ein Stockwerk des ausgedehnten Beinhauses. Der anfänglich gut bearbeitete Stein wich natürlichen Formationen, und nun wirkte selbst die Treppe wie gewachsen. Dann verschwanden auf einmal die Wände, und sie befanden sich an der Decke einer riesigen Höhle. Zwei Dutzend oder mehr Sarkophage standen an den Wänden, einige von herabgestürzten Felsen zerstrümmert, andere halb mit Moos überwuchert. Am Ende der Höhle erhob sich die große Statue eines gepanzerten Mannes, und davor brannte eine schwache Flamme. Eine kleine Gestalt kniete neben dem Feuer.

Rufus Laro blieb am Fuß der Treppe stehen und deutete mit der freien Hand zur Statue hin. Wortlos gingen die Kettenbrecher darauf zu. Vor der Statue kniete eine Frau. Ihr langes, dunkles Haar war fettiger und von mehr weißen Strähnen durchsetzt als zuvor, und ihr Körper war hager, geradezu dürr. An den Auflagestellen des Plattenpanzers war die Haut wund und entzündet. Trotzdem war es eindeutig die Hohepriesterin, die hier zu ihrem Gott betete.

»Jenya?«, fragte Thargad leise.

Sie drehte sich nicht um. Thargad trat neben sie und erschrak. Jenya war der Statue zugewandt, doch anstelle ihrer Augen prangten zwei schwarze Löcher in ihrem Gesicht.

»Jenya!«, sagte er, lauter diesmal. »Wir sind es. Ich bin es!«

Die Hohepriesterin schüttelte den Kopf.

»Er hat gesagt, dass ihr kommen würdet, gesagt hat er das.« Sie kicherte. »Zuerst kommt ihr nicht, und jetzt kommt ihr wieder und wieder. Immer wieder, um uns zu foltern.«

»Wovon redet ihr?«, fragte Dirim.

»Seid ihr wirklich? So wirklich wie die Ratten, die wir verspeisen?«

Boras bewegte den Zeigefinger kreisend um seine Schläfe. Helion nickte zustimmend.

»Jenya«, wiederholte Thargad, »was ist passiert?«

»Passiert? Was ist passiert, fragt er. Alles. Sie haben uns gewarnt, doch wir wollten nicht sehen. Wollten nicht hören. Haben niemanden gewarnt. Und jetzt sind wir allein in der Finsternis, und keiner sucht mehr unseren Schutz.«

Thargad runzelte die Stirn.

Dirim trat neben ihn. »Was ist mit dem Stadtherren?«

»Verrat im Haus des Stadtherren. Geht nicht zu ihm!«

»Hatten wir nicht vor«, sagte Helion. »Kannst du was tun?«, wandte er sich an Dirim.

Der Zwerg schüttelte den Kopf. »Im Moment nicht.«

»Also gut. Wohin jetzt?«

Urplötzlich sah Jenya sich um und fixierte Thargad mit ihrem leeren Blick.

»Thargad? Wir haben einen Auftrag für ihn.«

»Welchen?«, fragte Helms Hand.

»Töte sie«, sagte Jenya. »Töte sie alle!«

»Wir sollten gehen«, sagte Helion entschlossen. »Bevor noch jemand umkippt.«

Boras stöhnte auf. Tiefe Schnittwunden erschienen auf seinem Körper, von mächtigen Klingen geschlagen.

»Warum gerade ich?«, fragte er. Dann kippte er um.

-

»Ehrlich«, sagte Helion. »Ich bin es nicht schuld!«

Sie standen wieder vor dem Helmtempel, nur noch zu dritt. Auch Boras war von Schatten verschlungen worden.

»Wir sollten versuchen, Meerthan aufzusuchen«, sagte Thargad.

»Wen?«, fragte Dirim.

»Ich habe euch bestimmt von ihm erzählt«, log Thargad. »Meerthan ist der Anführer der Silberstreiter, einer Organisation für das Gute im Land. Er hält sich in Cauldron auf, als Zwerg verkleidet, aber eigentlich ist er ein Elf, und ist oder war ein Freund meines Mentors. Er wohnt oder wohnte im Trunkenen Morkoth.«

»Also war das jemand, der Bescheid wusste?«, fragte Helion.

»Zumindest halbwegs, ja.«

»Nun gut. Schauen wir mal, was er zu sagen hat.«

-
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Der Trunkene Morkoth war um den Bug eines Schiffes erbaut worden. Dieser Bug ragte dunkel in die Straße hinaus, unter ihm Dunkelheit anstelle einer Türe. Durch die Dunkelheit kam man in einen gemütlichen Schankraum. Ein Feuer prasselte im Kamin, leise Harfenmusik zupfte umher. Der Schankraum war leer.

»Hallo?«, fragte Thargad vorsichtig.

Schritte erklangen über ihnen. Sie kamen die Treppe hinunter. Mit den Schritten: ein hagerer Elf mit goldener Haut und silbrigschwarzem Haar, gekleidet in schwarzen Samt. Vier der kopflosen Wächterkreaturen geleiteten den Elf in die Schankraum. Für einen Moment hielt der Elf inne, als er die Kettenbrecher sah. Dann lächelte er.

»Es tut gut, euch zu sehen. Vor allem dich, Thargad.«

»Meerthan«, begann der Assassine, aber Meerthan hob einen Zeigefinger.

»Nicht hier«, sagte er.

Die Umgebung verschwamm, dann befanden sich die Kettenbrecher mit Meerthan plötzlich in einem gemütlichen kleinen Raum. Auf einem Tisch standen Brot, Wein und Käse. Vier der Schattenwächter (dieselben wie vorhin?) standen in den Ecken des Raumes.

»So«, sagte Meerthan, »hier sind wir ungestört.«

»Dann mal raus mit der Sprache«, sagte Thargad unumwunden. »Was ist hier passiert?«

»Die Sonne verdunkelte sich«, erzählte Meerthan. »Die Erde bebte. Feuer und Schatten krochen empor. Dämonen folgten, und wir kämpften mit aller Macht. Der Baum wuchs in den Himmel. Und dann...«

Meerthan schloss die Augen.

»Dann kam ER. Der Widerstand verdiente seinen Namen nicht, so schnell war er gebrochen. Nur durch SEINE Macht und SEINE Kraft konnte Cauldron wieder auferstehen.«

»Du hast dich mit Adimarchus verbrüdert?« Thargad war fassungslos.

»Nein«, widersprach Meerthan. »Ich habe überlebt. Anstatt auf dem Stadtplatz zu verfaulen, diene ich der Bevölkerung Cauldrons weiterhin. Ich helfe, wo ich kann, so gut ich kann.«

Thargad war sprachlos. Meerthan seufzte.

»Ich hätte wissen müssen, dass du das nicht verstehst. Egal, wie zwielichtig du dich gibst, du bist am Ende genau wie Berion.«

»Berion?« Thargad schwamm der Kopf. Was hatte sein Mentor damit zu tun?

»Er war hier.«

»Was? Wann?«

»Vor gut einem Jahr, schätze ich. Berion wollte nicht auf mich hören. Er wollte kämpfen, als alles verloren war. Ihr findet ihn auf dem Stadtplatz, bei Maavu und all den anderen Narren. Werdet vernünftig, oder ihr werdet euch zu ihnen gesellen.«

Thargad schüttelte den Kopf. »Wie konntet Ihr nur?«

Meerthan sah zu Boden. »Es tut mir leid.«

Ein Kurzschwert rammte sich in Thargads Rücken und brach vorne aus seiner Brust. Der Assassine zuckte noch einmal, dann fiel er zu Boden. Schatten verschlangen ihn.
Dirim und Helion sahen sich an.

»Zeit zu gehen«, sagte der Kobold.

»Kommt«, sagte Meerthan. »Ich bringe euch raus.«
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