Autor Thema: R002: Clans  (Gelesen 1653 mal)

Beschreibung:

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TheRaven

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R002: Clans
« am: 20. März 2007, 00:57:26 »


Spieldaten:
Name: Clans
Vertrieb: Winning Moves (2002)
Spieldauer: 30 Minuten
Spieleranzahl: 2-4
BGG Link: 4636

Um was geht es?
In grauer Vorzeit, als man Baumäste mit Steinen zuspitzte und Frauen mit der Holzkeule zum Beischlaf animierte war das Leben rau und gefährlich. Daher mussten sich die nomadischen Stämme zusammenschliessen um ihr Überleben zu sichern. So entstanden die ersten Dörfer und die Holzkeule konnte man nun anderen Männern überziehen um deren Frauen zum Beischlaf zu animieren oder so. Wie auch immer, es geht hier um ein leichtes, taktisches, sowie kurzes Spiel, welches man gut als abstrakt bezeichnen kann und daher darf man auch gerne auf eine ernsthafte Einführung verzichten. "Nomadische Stämme bilden Dörfer" ist alles, was man wissen muss.


Wie sieht es aus?
Als ich das Spiel beim Händler meines Vertrauens sah, war ich positiv überrascht. Ich hatte mich im Internet vorinformiert und kannte das Spiel vom Prinzip her eigentlich. Als ich aber diese kleine, niedliche Schachtel sah, musste ich es einfach kaufen, obwohl es auf meiner Liste keine hohe Priorität hatte. Das Spielbrett sieht meiner Meinung nach fantastisch aus, denn ich liebe schlichte und dennoch stimmungsvolles Spielmaterial. Ausserdem macht jedermann grosse Augen, wenn man aus dieser Schachtel ein doch recht grosses, reich verziertes Spielbrett hervorzaubert. Weiterhin befinden sich in der Schachtel viele kleine farbige Holzhütten, vier Markiersteine für die Punkte, Deckplättchen für die Jahreszeiten und fünf kleine Kartonkärtchen mit der Illustration einer der Hütten jeder Farbe. Das ist alles. Das Material ist schlicht aber irgendwie elegant und passt perfekt zusammen.


Wie spielt es sich?
Es handelt sich um ein abstraktes Taktikspiel ohne jegliche Glückskomponente. Es gibt nur eine einzige, mögliche Aktion und die besteht darin, alle Hütten eines Feldes zu den Hütten eines angrenzenden Feldes zu verschieben. Jeder macht das während seiner Runde einmal und dann ist schon der nächste am Zug. Klingt einfach und das ist es auch, wären da nicht die anderen Spieler und die Jahreszeiten, was die Sache kein Stück komplizierter aber dafür spannender und unvorhersehbarer macht. Um das Spiel zu verstehen muss man sich eigentlich nur das Brett aus der Nähe ansehen:

Man sieht hier gut alle fünf möglichen Gebietstypen. Berge, Wald, Ebene, Wüste und Wasser. Das Wasser dient lediglich zur Trennung von Gebieten und ist so gesehen eine "Blockade". Von den wichtigen vier Landestypen gibt es jeweils 15 Stück. Also insgesamt 60 Felder, welche alle gleichmässig über das Brett verteilt sind. Dabei bilden immer 5 Felder eine Region, was das Brett in 12 Regionen unterteilt, welche allerdings nur beim Aufbau am Anfang eine Rolle spielen. Auf jedes der 60 Felder kommt eine Hütte, wobei in jeder Region jede der 5 Farben einmal vorhanden sein muss. Welche Farbe wo hingesetzt wird ist dabei zufällig, was man am Besten erreicht, wenn alle Spieler die Hütten am Anfang gleichzeitig verteilen. Danach nimmt man die fünf Kartonkärtchen, mischt diese und verteilt jedem Spieler eine davon, was dessen gespielte Farbe angibt. Die anderen Spieler wissen jedoch nicht, wer welche Farbe spielt.

Jeder Spieler wird nun der Reihe nach alle Hütten von einem Feld zu einem anliegenden verschieben, wobei gilt, dass man Hütten nie in ein leeres Gebiet schieben kann. Sobald ein Feld mit einer oder mehreren Hütten darauf von leeren Feldern umringt ist, so bildet sich dort ein Dorf und alle beteiligten Farben erhalten Punkte je nach Grösse des Dorfes und des Gebietes auf welchem das Dorf gegründet wurde. Nach jeder Gründung wird ein Plättchen von der Zeitschiene entfernt, was den Wert der Gebiete beeinflusst und letztendlich das Spiel beendet. Befindet sich in einem Dorf von jeder Farbe mindestens eine Hütte, dann kommt es zum Streit und von jeder Farbe wird eine Hütte entfernt, bevor die Punkte ermittelt werden. Im extremsten Fall radiert sich die gesamte Bevölkerung gegenseitig aus. Am Ende werden dann die Farben der Spieler aufgedeckt und diese erhalten zusätzlich eine Anzahl an Punkten gleich den insgesamt durch den Spieler gegründeten Dörfer.


Mein Gesamteindruck?
Das Spiel ist einfach, schnell, taktisch und äusserst elegant. Der Kern des Ganzen ist dabei, dass die Spieler nicht wissen, welche Farben wem gehört. Ein weiteres wichtiges Element ist, dass gegen Ende des Spieles gegründete Dörfer immer wie mehr Punkte einbringen. Also überlegt man sich immer ob man noch abwarten will ein Dorf zu gründen, in welchem die eigene Farbe gut wegkommt oder ob man das Risiko eingeht, dass ein anderer Spieler einem gewollt oder zufällig die Pläne durchkreuzt. Ausserdem muss man sich jede Runde neu entscheiden ob man einen Gegner sabotiert oder den eigenen Punktestand fördert. Bei der zweiten Wahl sollte man darauf achten, dass man dies möglichst subtil macht, da die anderen Spieler sonst erfahren, welche Farbe man spielt und man sich so zum Ziel macht.

Das Thema ist trocken und absolut auswechselbar aber funktioniert und noch wichtiger, stört nicht. Dies ist eines meiner Lieblingsspiele, da es äusserst einfach zu erlernen und kurz zu spielen ist aber trotzdem eine angenehme taktische Tiefe besitzt. Bis zum Ende kann man sich nie sicher sein, wer denn nun gewonnen hat und das alleine vermisse ich nur zu oft bei vielen Spielen. Für ein günstiges Spiel in einer kleinen Verpackung ist das ganz gross. Negative Aspekte sind der Aufbau, welcher verhältnismässig lange dauert und das Problem, dass der Sitzplatz der Spieler eine entscheidende Rolle spielt, denn ein unerfahrener Spieler kann einen auf ihn folgenden Mitspieler durch unüberlegte Entscheidungen gnadenlos mit in die Tiefe ziehen.

Spielspass: 8/10
Die Wissenschaft nötigt uns, den Glauben an einfache Kausalitäten aufzugeben.
- Friedrich