Autor Thema: R004: Candamir - Die ersten Siedler  (Gelesen 2096 mal)

Beschreibung:

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TheRaven

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R004: Candamir - Die ersten Siedler
« am: 21. März 2007, 15:37:32 »


Spieldaten:
Name: Candamir - Die ersten Siedler
Vertrieb: Kosmos (2004)
Spieldauer: 60 Minuten
Spieleranzahl: 2-4
BGG Link: 12004

Um was geht es?
Jeder Spieler schlüpft in die Rolle eines keltischen Dorfbewohners und versucht das Wohlwollen der angesehenen Siedler, wie zum Beispiel dem Stammesführer Candamir, nach welchem auch das Dorf und somit das Spiel benannt ist, zu gewinnen. Dazu sammelt man Holz, Felle, Steine, Pflanzen, sowie weitere Ressourcen und verarbeitet diese zu Gebrauchsgegenständen, welche die Siedler benötigen. Wer "die Siedler von Catan" kennt, dem sei gesagt, dass dieses Spiel von der Idee her nichts anderes ist als der Fokus auf eine der Siedlungen zu legen, welche man im Originalspiel baut. Eine wie ich finde nette und stimmungsvolle Idee, welche einem ab und zu ein wohlwollendes Lächeln auf die Lippen zaubert, wenn man bestimmte Regeln oder Handlungen erklärt bekommt. Während Catan eher ein unpersönliches und durchaus abstraktes Taktikspiel darstellt kann man Candamir interessanterweise als eine Mischung aus Rollen- und Erkundungsspiel bezeichnen.

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Wie sieht es aus?
Das gesamte Spielmaterial ist von einer sehr hohen Qualität, von welcher sich andere Spiele gerne eine Scheibe abschneiden können. Das Spiel hat kräftige Farben aber wirkt nicht bunt und alle Komponenten passen gut zusammen. Alles wirkt wie aus einem Guss. Besonderes auffällig sind die Illustrationen der Abenteuer- und Charakterkarten. Es handelt sich hierbei oft um Fotographien, welche mittels starker Bearbeitung am Computer in einen Zeichnungstil umgewandelt und mit bestimmten Elementen erweitert wurden. Was im ersten Moment "billig" klingt resultiert allerdings in wirklich überzeugenden Illustrationen. Das Spielbrett ist eher klein aber dafür besitzt jeder Spieler noch ein eigenes Brettchen, welches seinen Spielcharakter mit dessen Fähigkeiten, Charakterwerten und Besitztümern darstellt. Sämtliches Material ist auf dem vorhergegangenen Bild gut erkennbar und gewährt einen brauchbaren Gesamtüberblick. Das Material spielt meiner Meinung nach in der obersten Liga.


Wie spielt es sich?
Im Dorf leben vier Siedler, deren wohlwollen man sich sichern kann und muss. Dieses Ziel wird erreicht, indem man ihre Wünsche erfüllt. Nein, dabei geht es um nichts schweinisches, sondern primär um das Beschaffen von Waren, welche man entweder direkt auf dem Spielbrett beim Erkunden finden kann oder man aus Erz, Holz und Fell zusammenbaut. Die "Wunschanzeige", welche gleichzeitig als Punkteerfassung fungiert nimmt einen Drittel des Spielbrettes ein. Jeder Siedler hat eine bis mehrere "Wunschspalten", welche der Reihe nach befriedigt werden müssen. Nein, nicht so, böser Leser, pfui. Erfüllt man einen der Wünsche, legt man einen Holzklotz der eigenen Farbe darauf. Jeder Spieler hat 10 dieser Holzsteine und wer diese als erstes alle verteilt hat ist der Gewinner.

Um an die Waren oder die Bestandteile der Waren zu kommen muss man die Gegend um das Dorf erkunden. Am Anfang des Spieles verteilt man eine bestimmte Anzahl an sechseckigen Plättchen auf die dafür vorgesehenen Felder auf dem Spielplan. Auf jedem der Plättchen sind Waren dargestellt, welche man erhält, sobald man dieses Feld erreicht. Am Anfang des Zuges kann man sich eine bestimmte Anzahl der verdeckten Plättchen ansehen und dann eines als Ziel markieren. Der Spieler versucht nun seinen Charakter von der Dorfmitte zu diesem Feld hin zu bewegen.

Diese Bewegung wird über eine interessante Spielmechanik gelöst. Gemäss der momentanen Gesundheit des Charakters zieht der Spieler der Reihe nach Karten vom verdeckten Bewegungskarten-Stapel. Auf jeder Karte sind die vier Bewegungsrichtungen abgebildet und dazu eventuelle Begegnungen und Vorkommnisse. Der Spieler entscheidet sich für eine Richtung, erlebt allenfalls die Begegnung und zieht die nächste Karte. Sein Weg sollte dabei so direkt wie möglich zum Zielfeld führen.


Die Begegnungen und Vorkommnisse werden jeweils mit einem oder mehreren durch die Charakterwerte modifizierten Würfe eines sechsseitigen Würfels abgehandelt. Es gibt deren vier und diese können durch Gegenstände und Erfahrung verbessert werden. Des Weiteren hat jeder Charakter auch eine bis zwei einzigartige Spezialfähigkeiten.

Gesammelt werden zwei Arten von Ressourcen, Kräuter und Arbeitsmaterial. Von beiden Arten gibt es jeweils drei Ressourcen. Kräuter werden primär beim Erkunden gefunden und können dazu verwendet werden drei unterschiedliche Tränke zu brauen. Vom klassischen Heiltrank über einen Stärkungstrank bis hin zu Honigwein. Letzter wird verwendet um ein Fest zu geben und seinen Mitspielern einen Kater zu verpassen, welche dann dadurch behindert werden. Das Arbeitsmaterial wird benötigt um Fensterrahmen, Truhen und Schwerter zu fertigen, was die primären Wünsche der Siedler darstellt. Dieses Arbeitsmaterial ist meist das Ziel einer Erkundung.


Mein Gesamteindruck?
Es ist ein sehr schönes, regeltechnisch ausgereiftes Spiel mit viel Flair. Trotzdem ist es weder erfolgreich, noch wird es oft gespielt, allerdings kann mir kaum jemand der das Spiel besitzt objektiv sagen wieso das so ist. Es scheint ein Bauchgefühl zu sein aber irgendetwas muss dieses Gefühl doch verursachen und dazu habe ich eine Vermutung. Während die "Siedler von Catan" eigentlich viel eintöniger und simpler ist, so stimmt dort das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Die Runden sind sehr schnell und die Handlungen immer identisch, was zu einem einfachen, dynamischen und trotzdem entspannenden Ablauf führt. Also ein geringer Spielaufwand. Das Spiel ist allerdings kurz, hat genug Taktik und Abwechslung, dass der Spassertrag höher liegt.

Bei Candamir sieht das anders aus. Das Spiel dauert länger und hat etliche unterschiedliche Mechaniken. Das führt dazu, dass der Zug eines Spielers deutlich Zeitintensiver ist und viel Dynamik verloren geht. Das alles wäre kein Problem, wenn der Spielablauf spannender wäre und einem mehr involvieren würde. Viele Aktionen sind Routine aber dauern trotzdem recht lange. Das Thema selbst, obwohl stimmig, ist nun auch nicht gerade aufreibend. Ich beschaffe und baue den Siedlern Fensterrahmen. FENSTERRAHMEN! Meine Güte, da schläft selbst das hyperaktive Kind von nebenan ein.

Insgesamt kann ich das Spiel empfehlen, wenn man sich bewusst ist und akzeptieren kann, dass es nur selten auf dem Tisch landet. Die Rollenspielelemente in einem glaubwürdigen, familienfreundlichen Stil sind jedenfalls, meines Wissens nach, einzigartig.

Spielspass: 6/10


PS.: Der Teppich gehört, zum Glück, nicht zum Spiel. ;)
Die Wissenschaft nötigt uns, den Glauben an einfache Kausalitäten aufzugeben.
- Friedrich

R004: Candamir - Die ersten Siedler
« Antwort #1 am: 22. März 2007, 11:58:38 »
"Siedler the RPG" so haben wir Candamir getauft. Der Wiederspielwert war in unserer Gruppe übereinstimmend sehr gering. Während bei Siedler von Catan(mit allen Erweiterungen) sehr viel Interaktion zwischen den Spielern stattfindet und in meiner Erfahrung Spielrunden deutlich länger als bei Candamir dauern, passiert bei Canadmir fast nichts. Spieler legen nur selten Wert darauf zu tauschen, da dies einem öfter zu spielrelevanten Nachteilen gereicht als bei "Siedler von Catan". Weiterhin ist es fast unmöglich einen Spieler vom gewinnen abzuhalten wenn er kurz vor dem Sieg steht. Ebenfalls unausgewogen sind die einzelnen Spielcharactere. Sie wirker sehr unbalanced gerade durch die Unterschiede bei den Stats.
Alles in allem ein Spiel was ich nicht weiterempfehlen würde.

Spielspass bei den ersten paar Spielen 7/10 spätestens ab dem 4. oder 5. Versuch maximal noch 5/10.

MfG
Today, is not all day. I come again, no Question!

dimmion

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R004: Candamir - Die ersten Siedler
« Antwort #2 am: 22. März 2007, 13:45:29 »
Ging uns bei Candamir auch irgendwie ähnlich. Beim auspacken und aufbauen sah das ganze irgendwie recht gut und interessant aus, aber das Spielerlebniss selbst war dann eher mittelmäßig, ohne dass man die Gründe dafür so recht benennen könnte.
- reality is for people who can't handle fantasy -

TheRaven

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R004: Candamir - Die ersten Siedler
« Antwort #3 am: 22. März 2007, 15:56:35 »
Zitat von: "Tellian Mondschatten"
in meiner Erfahrung Spielrunden deutlich länger als bei Candamir dauern

Nur, wenn man die Erweiterungen von Catan nutzt, welche das Spiel teilweise enorm umfangreicher machen. "Städte und Ritter" etwa. Bei der Interaktion hast du absolut recht aber das gilt bei den Eurogames schon fast als Tugend und daher kann man dies dem Spiel nicht im gesamten Umfang anlasten.

Ich bin ein sehr visueller Mensch, welcher elegante, einfache Mechaniken und vor allem attraktives Spielmaterial liebt. Dahingehend kann ich Candamir empfehlen. Was das Gesamtprodukt selbst bzw. dessen Spielspass, Motivation und am Ende wohl auch Preis/Leistung angeht, eher nicht.

Ich kenne allerdings Leute, welche das Spiel auch noch nach mehrfachen Partien lieben. Insofern kann man am Ende nur empfehlen, sich das Spiel mal anzusehen, wenn einem die Prämisse gefällt aber es sicherlich nicht einfach vom Fleck weg zu kaufen, ausser man kriegt es zu einem echten Schnäppchenpreis.
Die Wissenschaft nötigt uns, den Glauben an einfache Kausalitäten aufzugeben.
- Friedrich