Autor Thema: R006: Wikinger - Die Vergessenen Eroberer  (Gelesen 2348 mal)

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TheRaven

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R006: Wikinger - Die Vergessenen Eroberer
« am: 02. April 2007, 14:15:18 »


Spieldaten:
Name: Wikinger - Die Vergessenen Eroberer
Vertrieb: Pro Ludo (2007)
Spieldauer: 90 Minuten
Spieleranzahl: 3-5
BGG Link: 12495

Um was geht es?
Das Spiel ist recht neu und daher möchte ich mich dafür entschuldigen, dass die meisten Bilder von der englischen Version stammen. Ich habe schlicht keine der deutschen Version gefunden, diese aber gespielt. Das Material ist identisch bis auf, naja, die Sprache eben.

Wie der Name vermuten lässt geht es um Wikinger. Genauer gesagt um die drei bekannten Völker, aus welchen sich diese Stämme bildeten. Also schwedische, dänische und norwegische Wikinger. Während das Spiel im Original "Viking Fury", in der Neuauflage "Fire & Axe" und auf Deutsch "Die Vergessenen Eroberer" heisst, so geht es entgegen der Namen nicht ausschliesslich um die uns aus Filmen bekannten plündernden und mordenden Schiffbauer aus dem Norden, sondern ebenso um das friedfertige Handeln und das Besiedeln von Gebieten.


Wie sieht es aus?
Das Spielbrett ist recht gross, wunderbar farbig und von hoher Qualität. Die Wikinger- und Städteminiaturen sind aus einfarbigem Plastik, detailliert modelliert und wenig anfällig für Verschleissschäden. Die Karten sind von ebenbürtiger Qualität, also sehr intensiv coloriert und stimmungsvoll. Die diversen Kartonplättchen entsprechen dem heutigen Standart, übertreffen diesen aber kaum. Insgesamt ist die Materialqualität auf hohem Niveau und es gibt keine Beanstandungen. Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass die Münzen nicht wie leider in fast allen Spielen heutzutage nur aus Karton sind aber das kann man dem Spiel kaum vorwerfen, denn es ist wohl schwer genug mit dieser Art von Qualität einen marktgerechten Preis zu erreichen.


Wie spielt es sich?
Wie bereits erwähnt geht es primär um das Handeln, Besiedeln und Erobern von und mit europäischen Gebieten. Ich werde hier nur das Prinzip selbst erklären, da es viel zu viele Regeln und Aspekte gibt um das Spiel in seiner Gesamtheit zu erläutern. Das Spiel setzt auf ein Punktesystem, wonach jeder Spieler in seinem Zug sieben Punkte (Tage genannt) erhält und diese für unterschiedliche Aktionen nutzen kann. Schiff beladen, sich auf der Karte bewegen und Runenkarten ziehen sind dabei die wichtigsten Aktionen. Das Ziel des Spieles ist es, am Ende die meisten Punkte erreicht zu haben. Punkte kriegt man primär für das Besiedeln, Handeln, Plündern und abgeschlossene Sagas.

Dieses Bild soll als Grundlage für die weiteren Erklärungen dienen. Das Schiff kann nur im Winterlager beladen werden, welches durch den grossen, weissen Kreis markiert ist. Zu jeder Zeit kann man von jedem Ort des Spielbrettes aus mit seinem Schiff direkt in das Winterlagen ziehen und muss dies auch sehr regelmässig. Von dort aus begibt man sich auf eines der drei Volkskreise und segelt erneut los.

Jeder farbige Kreis markiert ein Zielgebiet, wo die Aktionen Handeln, Siedeln und Raubzug möglich sind. Auf Felder mit einem Sonnensymbol werden die Städteminiaturen gesetzt, wovon es zwei Grössen gibt. Man kann mit jedem Feld maximal einmal handeln. Felder mit einer Städteminiatur kann man plündern und Felder ohne diese besiedeln. Geplünderte Felder können nach einem erfolgreichen Raubzug natürlich auch besiedelt werden. Besiedelt man ein Gebiet, so wird eine Wikingerfigur der eigenen Farbe dort hingesetzt. Man kann also maximal alle drei Aktionen bei einem Feld durchführen, wobei pro Zug eines Spielers immer nur eine davon möglich ist.


Das Brett ist in Wasserzonen eingeteilt und diese wiederum in vier Gebiete (Nord, West, Süd und Ost), was Auswirkungen auf die Anzahl der Bewegungen hat, da der Wind primär von Norden nach Süden bläst, seine Richtung und Stärke aber auch ändern kann. Jeder Spieler besitzt eine kleines Spielbrett, welches sein Schiff darstellt und worauf die Waren und Figuren gesetzt werden. Für jedes Handeln, Siedeln und Plündern werden Ressourcen verbraucht und sobald das Schiff "leer" ist, kehrt man in das Winterlager zurück, belädt dieses erneut (vom Spielsinn her ist es ein neues Schiff) und begibt sich wieder auf die Reise.


Raubzug und Siedeln wird zusätzlich mit einem sechsseitigen Würfel geprüft, wobei man über der auf dem Brett angezeigten Zahl liegen muss. Vorhergegangener Handel senkt diese Schwierigkeit. Pro Fehlschlag verliert man einen beladenen Wikinger. Ein weiterer, wichtiger Aspekt sind dieSaga-Karten, wovon jeweils drei in der Mitte des Spielbrettes ausliegen. Darauf sind Aufgaben vermerkt wie zum Beispiel das Besiedeln von drei bestimmten Orten oder das Handeln mit einerbestimmten Stadt. Erfüllt man eine Aufgabe kriegt man diese Karte, welche in der Endabrechnung eine Rolle spielt und je nach Karte gibt es noch Bonuspunkte.


Letztlich gibt es noch die Runenkarten, welche einem gewisse Vorteile verschaffen, Mitspieler behindern oder kurzzeitig Regeln brechen. Diese Karten sind zudem die einzige Möglichkeit der Interaktion mit den Mitspielern. Kampf oder Handel untereinander gibt es sonst nicht.


Mein Gesamteindruck?
Das Spiel ist unterhaltsam und besitzt einen angenehmen Spielfluss. Die Regeln sind einfach genug um sie nach dem ersten Spiel im vollen Umfang zu verstehen. Die Entwickler haben sich Mühe gegeben die Balance zwischen Regeln und Stimmung zu halten und es ist ihnen mehrheitlich gelungen. Es gibt da ein paar Regeln, welche ich eher als störend und unnötig empfinde aber für mich ist eine Regel noch schnell mal unnötig, daher sollte man dem nicht zuviel Gewicht bemessen.

Was ich am Spiel nicht mag sind primär zwei Dinge. Die Endabrechnung ist etwas mühsam und kompliziert, was während dem Spiel dazu führt, dass man nicht wirklich weiss, wer nun im Moment die Nase vorn hat. Das ist eigentlich nicht unbedingt schlecht aber ich hatte einfach das Gefühl, selbst keine Ahnung zu haben, wie es mir momentan geht, was dazu führt, dass ich nicht wusste ob ich meine Strategie anpassen muss oder damit momentan gut fahre. Dies wird sich wohl nach einigen weiteren Spielen ändern. Das zweite ist die fehlende Interaktion. Bis auf die Runenkarten gibt es Null Kontakt zu den anderen Spielern.

Beide Kritikpunkte sind nicht wirklich ein Grund dem Spiel keine Chance zu geben, sondern eher ein persönliches Gefühl aus der Magengegend. Wenn ihr die Chance habt an einem Spiel teilzunehmen, dann kann ich dies nur empfehlen und wenn man ein Fan von Wikingern und der frühzeitlichen Segelthematik ist, dann denke ich, ist das Spiel kein Fehlkauf.

Spielspass: 6/10

Die Wissenschaft nötigt uns, den Glauben an einfache Kausalitäten aufzugeben.
- Friedrich

TheRaven

  • Mitglied
R006: Wikinger - Die Vergessenen Eroberer
« Antwort #1 am: 10. April 2007, 00:36:59 »
Links repariert
Die Wissenschaft nötigt uns, den Glauben an einfache Kausalitäten aufzugeben.
- Friedrich