Autor Thema: [SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)  (Gelesen 5064 mal)

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Thalas

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Ich möchte ebenfalls die Geschehnisse meiner Kampagne in einer SH festhalten. Ich habe das große Glück, dass eine meiner Spielerinnen sich die Mühe macht und alles kurz und knapp festhält.
Meine 13-monatige Kampagne spielt in den Vergessenen Reichen und die Charaktere befinden sich zur Zeit auf der 16. Stufe. Das Grundgerüst der Geschehnisse meiner Kampagne stammt aus verschiedenen Quellen und eigenen Ideen. Als Basis dient mir jedoch für die kommenden Abenteuer das Abenteuer „Bastion der gebrochenen Seelen“, sowie Zechis phänomenale Umwandlung auf die VR, die von mir an einigen Stellen leicht und etwas mehr verändert wurde. Der Einstieg dürfte einige Fragen aufwerfen, da man das Gefühl hat „mitten“ in etwas hineingeworfen zu werden, doch alle Ungewissheiten werden sich ziemlich schnell erklären. Wenn ihr also nicht müde seid, eine x-te Version dieses Abenteuers zu lesen, dann wünsche ich euch viel Spaß.



Eine Rundreise durch die Reiche
Bastion der gebrochenen Seelen[/b]


Dramatis Personae

Kalyd (Frank)
Kämpfer/ Barde/ Champion of Corellon
Waldelfischer Kämpfer aus Windigwasser (Talländer),
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Träger von Aryvelahr Kerym, einer der drei verlorenen Klingen von Comanthyr, Mitglied des Rats von Windigwasser, Zeichenkünstler
Kalyd Lysan, der Sohn des Dorfältesten von Windigwasser, gründete zusammen mit seinem Cousin Nimoroth, dem Zwerg Pikel, der jungen Magierin Feyleen und der Halbdrow Razeema eine Abenteuergruppe, die das Auge des Drachenkönigs aus den Klauen des Magiers Sabbas zurück forderte und die Talländer vor der Bedrohung durch die dunkelelfische Kiaransalee-Priesterin Irae T’sarran und ihre Schergen rettete
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.
Kalyds Eltern kamen bei einem Anschlag eines alten Gegners der Abenteurer ums Leben.

Nimoroth (David)
Druide/ Kleriker/ Lion of Mielikki
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Waldelfischer Mielikki-Priester aus Windigwasser, Träger des Säbels Blätterwind, Kalyds Cousin, Diplomat und Naturkind
Nimoroth, ein weiteres ehemaliges Mitglied der Augen des Drachenkönigs, lebt mit seiner dryadischen Geliebten, Nyrael, und seinem Tigergefährten Nerûl tief in den Sternwäldern, wo er auch einen alten Freund, den Halbork-Waldläufer Eldalas de Brouché beerdigte.

Grimwardt (Tom)
Kleriker/ Kriegspriester
Menschlicher Tempus-Priester aus Aschabafurt, Oberster Gläubiger der Abtei des Schwertes im Schlachtental
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Der unbändige Wildfang, der von seinen Eltern, Besitzern des besten (und einzigen) Gasthofs in Ashabafurt, ins Ausbildungslager der Abtei des Schwertes geschickt wurde, damit man ihm dort Zucht und Ordnung beibrächte (Bootcamp *g*), mauserte sich zum Vorsteher des Tempus-Tempels. In seinen Jugendjahren gehörte er einer Abenteuergruppe an, zu der auch seine Schwester Winter und der Hexenmeister Dorien zählten.
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Winter (Susi)
Schurke/ Hexenmeister/ Arkaner Betrüger
Menschliche Schurkin aus Ashabafurt, Grimwardts Schwester, Heiratsschwindlerin, gelegentliche Piratenbraut und „Händlerin“, Anführerin der Diebesgilde „Schwarze Dahlie“ aus Hlondeth mit Hauptsitz auf dem Hausboot Serenity.
Wenig begeistert von der Entscheidung ihrer Eltern sie – um eines lächerlichen Adelstitels willen - mit einem viel zu alten Kleinadligen zu verheiraten, begann Winter ihre Karriere als Heiratsschwindlerin und Diebesmeisterin. Zwischenzeitlich zog sie auch mit der Abenteuergruppe ihres Bruders durch das Land.

Dorien (Sarah)
Hexenmeister/ Herzwächter
Menschlicher Magiekundiger aus Silbrigmond, Sune-Gläubiger, exzentrischer Dandy und Harfneragent
Nachdem ihm das luxuriöse Leben des verwöhnten Kindes reicher Eltern in Silbrigmonds Clubhäusern und Festhallen zu langweilig geworden war, zog Dorien Dantès mit einer Abenteuergruppe, der auch Winter und ihr Bruder angehörten, auf Abenteuer aus. Den Harfners schloss er sich mehr aus Opportunismus denn aus Überzeugung an (schicke Brosche, hübsche Kolleginnen und ein aufregendes Leben).

Drake (NSC)
Schurke/ Säbelrassler/ Unsichtbare Klinge
Menschlicher Albino-Schurke und gelegentlicher Auftragsmörder, Ex-Harfner, Erbe des Soleilon
In Iriaebor entführte Drakes Bruder, Derek, Marcus Wands, der damals mit den Augen des Drachenkönigs reiste, um das Lösegeld einzukassieren, das auf den Tunichtgut ausgesetzt worden war. In einer Befreiungsaktion, von Kalyd, Feyleen und Razeema initiiert, kamen Dereks Freunde ums Leben, er selbst starb wenig später im Gefängnis. Bei seiner Abführung schwor Derek Rache – und die übte sein Bruder Drake für ihn aus, als er Monate später im Schattental einen Giftanschlag auf die drei Mitglieder der Abenteuergruppe ausübte, die seinen Bruder auf dem Gewissen hatten. Weitere drei Monate später gelang ihm ein Mordanschlag auf die Eltern von Feyleen und Kalyd…
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Der Anfang
3. Tag des Alturiak, Jahr der Blitzenden Stürme (1374 TZ)

Grimwardt
Im Schlachtental, morgens.
Es beginnt als ein Tag wie viele andere im Leben des „Obersten Gläubigen“, wie seine jungen Schüler den Vorsteher des Tempus-Tempels zu nennen pflegen – eine Patrouille-Übung im freien Gelände. Nahe der Gebirgsausläufer des Donnergebirges wurde eine Bande Orks  gesichtet, angeführt von einem zweiköpfigen Troll. Seine Schüler versuchen Grimwardt durch heroisches Posieren und diszipliniertes Strammstehen zu beeindrucken – erinnert ihn irgendwie an seine eigene Jugend im Ausbildungslager.
Lang, lang ist’s her.
„Wo würdet Ihr in der Umgebung ein Nachtlager aufschlagen“, so Meister Grimwardts erste Frage.
Keine Freiwilligen. Die Schüler beraten sich. Tomek, Leiter der Rotte und ein feiger Hund, schickt einen der Grünbärte vor, um die Entscheidung zu verkünden.
„Da!“ Der junge Priesterschüler zeigt irgendwo in die Walachei. Grimwardt lässt sich von seinen Schülern auf den auserkorenen Hügel führen, der nicht gerade seine erste Wahl gewesen wäre – aber… naja, Übung macht den Meister.
„Hm… nicht schlecht.“
Breites Grinsen.
„Aber wieso sage ich nur ‚nicht schlecht’. Und nicht ‚gut’?“
Weniger breites Grinsen und ratloses Schweigen.
Also greift Grimwardt sich ein Holzstöckchen, um einen Bodenplan zu zeichnen, und den Novizen klarzumachen, dass sie von dem Hügel, auf dem sie stehen, keinen idealen Überblick über die Umgebung haben… als er im Unterholz unterhalb des Hügels eine Bewegung bemerkt.
Sie haben den Feind gefunden.
„Bereit machen zum Angriff“, kommandiert der Oberste Gläubige. Und mit einem Loblied zu Ehren Tempus’ auf den Lippen stürmen sie auf den Feind zu.

Nimoroth
In den Sternwäldern (Cormanthor), zur Mittagszeit.
Frisch verliebt schwebt Nimoroth im siebten Himmel: Eng umschlungen sitzen der Elf und seine dryadische Geliebte zusammen in ihrem Heim in der Krone eines Blaublattbaums, als Nyrael die von Männern so gefürchtete Frage stellt:
„Nimoroth, wie lange wirst du bei mir bleiben?“
Am liebsten ja für immer, Nyrael, denkt Nimoroth, doch wenn nun der Tag kommt, wenn Kalyd meine Hilfe braucht…
Nimoroth versucht Nyrael behutsam klarzumachen, dass dieser Tag kommen muss, und sie zeigt sich verständnisvoll.
Plötzlich ergreift sie seine Hand.
„Nimoroth, komm mit mir, ich will dir ein Geheimnis verraten.“
Sie sieht sich zu ihm um, ihre grünen Locken tanzen um ihr Gesicht, dann verschmilzt sie mit dem Baumhaus und Nimoroth verwandelt sich in einen Falken, um ihr zu folgen. Eine Weile laufen sie durchs Unterholz.
Irgendwann gelangen sie an einen Wasserfall, von Regenbogenschlieren umtanzt, der sich in einen Teich der Heilung ergießt. Ein atemberaubender Anblick. Nyrael verrät ihrem Geliebten, dass ein Bad in den Wassern des Teiches es dem Wächter der Regenbogenfälle einmal im Jahr erlaubt, die Wirkung all seiner Heilzauber zu maximieren. Dann schmiegt sie sich an ihn und sagt: „Nur wenige haben diesen Ort vor dir erblickt. Meine Mutter, Eldalas’ Geliebte, wies mich an, ihn zu schützen und im Geheimen zu halten, so wie sie einst von ihrer Mutter darin unterwiesen wurde, den Zauber der Regenbogenfälle zu wahren...“
Erfüllt von der friedlichen Ausstrahlung dieses Ortes, genehmigt sich Nimoroth ein erfrischend-heilsames Bad und erweist Mielikki ein Dankgebet. Aber selbst die Dame des Waldes ist für eine Weile vergessen, als Nyrael zu ihrem Geliebten ins Wasser steigt…
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Dorien
Abendstern, Cormyr, abends.
Ein Harfnerauftrag in Cormyr. Tessaril Winter, die Fürstin von Abendstern, gibt anlässlich des Festes des Purpurnen Drachens einen Ball im Schlosssaal. Gemäß der Tradition sind auch dieses Jahr gewöhnliche Bürgerliche dazu eingeladen, den Adel der Stadt zum Tanze aufzufordern. Einer von ihnen plant, so die Information der Harfner, einen Anschlag auf die Fürstin. Auf der Liste der Verdächtigen: zwei Offiziere – einer davon in Rente, der Koch des „Einsamen Bierkrugs“, ein Händler aus Marsember und ein calischitischer Geldverleiher. Die Harfner haben Dorien und seine junge Begleiterin Ivira als Adlige aus Elturel eingeschleust.
Es ist ein Auftrag ganz nach Doriens Geschmack: In der Kutsche auf dem Weg zum Ball lauscht er halbherzig den Überlegungen seiner nervösen Begleiterin, während sein Blick an Iviras viel zu tief ausgeschnittenen Decolté klebt. Gut, an dem Umstand, dass ihr die Orangen beinahe aus der Schale purzeln, ist er nicht ganz unschuldig, hat er doch mit dem Dolch ihrer Freizügigkeit ein wenig nachgeholfen, nachdem sie sich den Wein über das Decolté kippen musste. Gut, ja, daran war er auch nicht ganz unschuldig („Musst du dich schon vor Beginn des Festes besinnungslos drinken… gib das her!“)
Sie sind vor dem Schlosssaal angelangt. Der Halblingswärter am Tor will die Einladung sehen… Dorien dreht dem Kleinen eine unbeschriebene Papierrolle an und flüstert ihm eine Verzauberung ins Ohr.
Ein Bediensteter führt den Grafen und die Gräfin von Elturel an ihren Tisch. Pomp und Glanz und Heiterkeit. Dorien und Ivira halten nach den Verdächtigen Ausschau. Der kalischitische Geldverleiher kreuzt gleich mit einem ganzen Harem leicht bekleideter Konkubinen auf. Da kann man richtig neidig werden. Den Koch des „Einsamen Bierkrugs“ kann Dorien ausmachen, indem er ein Haar in seinen Pudding schmuggelt und vorgibt, sich beim zuständigen Koch beschweren zu wollen.
Und wie nun rauskriegen, wer den Anschlag plant? Warum nicht die einfachste Methode wählen: bezaubern und fragen…. Und herausfinden, dass es der Offizier im Ruhestand ist, der den Anschlag plant und ihn schnellstens aus dem Verkehr (sprich: auf den Abort) ziehen. Der arme Irre gibt auch alles sofort zu, bricht in Tränen aus, versteckt das Gesicht vor Scham in den Händen. Er habe einst unter der Stahlregentin gedient und sei unehrenhaft entlassen worden… Er wolle Rache, aber an die Stahlregentin komme er nicht heran, also müsse eben eine Verwandte dran glauben…
Dorien und Ivira sehen sich an.
„Wie wolltet Ihr’s denn tun?“, will Dorien wissen.
Der reumütige Bösewicht wird plötzlich kreidebleich und starrt entsetzt auf seine Hände. Dorien bemerkt, wie sich bereits kleine Blasen auf seinem Handrücken bilden. Beim Arsch der Götter! Kontaktgift! Der Irre hat es tatsächlich geschafft, sich aus Reue selbst zu vergiften.
Das nenne ich Selbstjustiz.
„Wir müssen ihm helfen“, stellt Ivira fest.
Ratlose Blicke.
Es gibt immer eine Situation, mit der keiner gerechnet hat.
Und dann vibriert die Luft – Dorien erkennt das Flirren als Ankündigung einer magischen Teleportation. Und tatsächlich – einen Augenblick später materialisiert sich vor ihm der Meisterharfner Sandruin, Doriens Boss.
„Dorien, Ihr müsst mit mir kommen. Es ist wichtig.“
Und der vergiftete Giftattentäter ist vergessen.

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Kalyd
Windigwasser, Talländer, nachmittags.
Seit dem Tod seiner Eltern vor einem Jahr ist Kalyd nicht mehr derselbe. Das Haus, in dem sie umkamen, hat er nicht mehr wieder aufbauen lassen – zu groß wäre der Schmerz. Stattdessen bezahlte er ein kleines Vermögen an einen Magier aus Fernberg, um den Mörder seiner Eltern ausfindig zumachen. Erfolglos – offenbar ist der Attentäter vor Ausspähungsmagie geschützt. Dem Schattenmagier, der Razeema dazu angestiftet hatte, Kalyd zu bezaubern, konnte er nicht nachweisen, dass er mit dem Mord seiner Eltern in Verbindung steht, und eine andere Spur hat er nicht. Als der Elfenrat von Immerdar davon Wind bekam, dass Kalyd sich im Besitz eines mächtigen elfischen Artefaktes befindet, wurde er an den Hof von Leuthilspar auf der sagenumwobenen Elfeninsel eingeladen, wo man ihm eine Eskorte mitschickte, zu der neben einigen Elfenrittern niemand geringeres als ein elfischer Hochmagier zählte. Immerdar erschien Kalyd wie ein irdisches Arvandor, doch nicht einmal der Anblick des paradiesischen Elfeneilands vermochte seine Trauer zu lindern. Er und seine früheren Freunde haben sich in dem einen Jahr völlig aus den Augen verloren. Nichts ist gekommen, wie es kommen sollte...
Er ist gerade in seinem Zimmer, erledigt Aufgaben, die während der Woche angefallen sind, als es an die Tür klopft. Es ist… Feyleen. Aber Kalyd erkennt sie erst auf den zweiten Blick: Nichts mehr erinnert an das hübsche, sorglose, blonde Mädchen, das er vor zwei Jahren kennenlernte. Die Feyleen, die vor ihm steht hat kalte eisblaue Augen und zwei Hörner auf der Stirn wie eine Succubus; ihre Haare umrahmen schwarz wie Schattenschleier ihr bleiches Gesicht. Die Magierin trägt den Stab, den Razeema einst stahl.
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Kalyd lässt sie ein. Peinliche Stille.
„Du hast dich verändert.“
„Weil ich mein dämonisches Erbe offen zur Schau stelle?“, giftet sie ihn an. Okay, sie ist nicht gekommen, um nett zu plaudern. Feyleen kommt dann auch gleich zur Sache: Sie habe mächtige Magie angewandt und die Geister längst Verstorbener beschworen, um zu erfahren, wer hinter dem Anschlag auf ihre beiden Familien stehe. Es sei derselbe wie der, der sie in Schattental zu vergiften versucht habe – Ekard, ein Anagramm auf Drake, seinen richtigen Namen – ein Ex-Harfner mit dunklen Ambitionen als Auftragsmörder. Sie wisse auch, wo er sich in diesem Moment aufhalte.
„Ich will Rache. Komm mit mir, wenn du sie genauso willst. Dieser Drake ist alles, was uns noch verbindet. Sobald er tot ist, werde ich wieder verschwinden.“
Kalyd zögert nicht lange. Feyleen teleportiert sich und den Elfen  auf den Marktplatz von Calimhafen, der Hauptstadt von Calimshan. Die beiden trennen sich, um sich durch das Gewühl zu schlagen. Kalyd wird von zahlreichen Händlern belagert („Willst du Banane? Zwanzig Goldstücke für den ganzen Wagen!“), bis er an einem Stand eine bleiche Gestalt erblickt. Der Albino trägt einen breitkrempigen Hut, um sich vor der Sonne zu schützen. Kalyd kommt näher, legt ihm eine Hand auf die Schulter.
„Ich muss mit Euch reden, Ekard!“
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Drake fackelt nicht lange, zieht seine beiden Dolche und greift den Elfen  an. Er macht eine Finte, um Kalyd auf dem falschen Fuß zu erwischen, doch zum Schlag kommt er nicht mehr. Denn gerade, als er zuschlagen will, vibriert die Luft um die Kämpfenden herum und … eine Marilith, ein weiblicher Dämon mit Schlangenunterteil und sechs Armen, groß wie ein aufgerichteter Bär, materialisiert sich auf dem Marktplatz. Wild wirbeln Ketten um ihren Körper als seien sie Teil ihrer Gestalt und es scheint unmöglich auszumachen, ob sie ihr zur Abwehr oder zum Angriff dienen.
„Erbe von Soleilon“, zischt der Dämon Drake an, „Endlich habe ich Euch gefunden. Und wie gerne ich mir nehmen will, wonach mein Meister verlangt!“
Sie greift Drake an, er hat kaum eine Chance. Bald schon taumelt er kaum noch lebendig gegen einen Stand. Als er am Boden liegt, spießt die Marilith ihn mit ihrem Schwanz auf und reißt ihm die rechte Hand vom Arm. Blut sprudelt aus der Wunde und die Marilith schleudert den Verwundenen achtlos gegen eine Häuserwand.
„Das ist alles, was ich brauche“, ruft sie und verschwindet.
Kalyd – verwirrt und um seinen Sieg gegen den Mörder seiner Eltern betrogen – geht unsicher auf ihn zu. Er will ihn stabilisieren, denn ihn jetzt zu töten wäre unehrenhaft. Doch Feyleen, die inzwischen zu den beiden Kämpfern zurück gefunden hat, macht ihm einen Strich durch die Rechnung und schleudert einen Auflösungsstrahl nach dem Auftragsmörder. Doch ein silberner Strahl trifft sie und lenkt ihren Zauber ab.
Und ein dritter Spieler betritt das Spielfeld. Niemand geringeres als Khelben Schwarzstab Arunsun erscheint schwebend über dem Boden. Feyleen brüllt vor Wut und bedeckt den gesamten Marktplatz mit einem Regenbogenstrahl-Zauber. Khelben aber rammt seinen Stab in den Boden und die tödlichen Strahlen verfehlen ihre Ziele. Frustriert und fluchend verschwindet Feyleen mit den Worten: „Ich werde ihn eines Tages erwischen, verlasst euch drauf!“
Khelben nähert sich Drake und befiehlt Kalyd, ihn zu stabilisieren.
„Er ist ein Erbe Soleilons“, erklärt er geheimnisvoll. „Kommt mit.“
Khelben teleportiert sich und die beiden Erzfeinde fort… In Khelbens Turm? Nein, wie Kalyd bald feststellen soll, ist es Elmisters Turm im Schattental… oder genauer gesagt: seine Küche. Der mächtige Magier, eine leere Teetasse in den Händen, tritt aus einer Nebentür, bleibt stehen und zieht bedächtig an seiner Pfeife.
„Rattenschwanz und Schattenmagie“, grummelt er an Khelben, den Ex-Harfner, gewandt, der es vorzog seine eigene Geheimagenten-Liga zu gründen, statt sich länger mit Elminster und seinem „Verein lustiger Musikanten“ abzugeben. „Und wagst es, dich noch einmal bei mir blicken zu lassen?... Und was soll der Verwundete in meiner Küche? Er blutet mir den Boden voll.“
„Lass uns jetzt nicht alte Streitigkeiten wieder aufwärmen“, Khelben schnipst mit dem Finger und zaubert sich uneingeladen einen Stuhl herbei. „Auf Faerûn gehen Dinge vor sich, die mich im Dunkeln lassen. Ich brauche deine Hilfe, alter Freund.“
Der alte Magier zieht eine Augenbraue hoch.
„Hm“, macht er. „Erzähl mir mehr.“
Kalyd versucht vergeblich eine Frage zu stellen. Immerhin in einem Punkt scheinen die beiden großen Magier sich einig zu sein: Dass weder Kalyd noch Drake ihre Beachtung verdienen.
Khelben erzählt, er verfolge die Cathezar (die Marilith) schon seit langem, da sie etwas mit den seelenlosen Geburten zu tun haben scheint. Die seelenlosen Geburten, seelenlos geborene Kinder aller Völker, tauchen seit kurzem immer öfter auf Faerûn auf, doch nicht einmal die Götter scheinen zu wissen, was es mit diesen mysteriösen Geschöpfen auf sich hat, geschweige denn die Sterblichen. Keine Bibliothek, die Khelben konsultierte, konnte ihm bislang Aufschluss geben. Also verfolgt er die Marilith, von der er weiß, dass sie dem Dämonenfürsten Demorgogon dient, und noch einem anderen Herrn, doch seinen Namen kennt der Magier nicht. Und dann ist da noch Drake, ein „Erbe des Soleilons“, wie Khelben es ausdrückt, der ebenfalls (vielleicht ohne sein Zutun) in die Sache verwickelt zu sein scheint. Um ihm bei seiner Jagd auf die Cathezar zu helfen, bittet Khelben Elminster, ihre alten Streitigkeiten beiseite zu legen.
„Hm.“ Elminster zieht wieder an seiner Pfeife. „Es klingt so, als hättest du jemanden nötig, der ein wenig Licht in die Sache bringt… ja, ich denke, du brauchst mich, Khelben Schwarzstab.“
Da Khelben erreicht hat, was er wollte, verbeißt er sich eine bissige Erwiderung.
„Was ist mit den beiden?“ will Elminster noch wissen. „Kenne ich den Elf nicht irgendwo her? Ah, jetzt fällt’s mir wieder ein… Eine Mission im Unterreich… viel Untod und dunkle Magie.“
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„Der Elf wird auf den Erben Soleilons Acht geben“, erklärt Khelben und erstickt Kalyds Protest mit einem strengen Blick aus seinen Adleraugen. „Außerdem werden sie zur Kerzenburg reisen, um Näheres über Soleilon und die seelenlosen Geburten herauszufinden, denn die Kerzenburg ist der einzige Ort, an dem ich noch nicht gesucht habe.“
„Gut, gut“, sagt Elminster, während Kalyd dem Magier zornige Blicke zuwirft. „Ich werde einen meiner ‚lustigen Musikanten’ verständigen. Er soll den beiden noch einen Harfner zur Seite stellen.“
Die beiden sind sich einig.
Kalyd ist es nicht.

Dorien
Vor Elminsters Turm.
Nicht dass der Turm des großen Magiers sonderlich einladend wirken würde. Die zahlreichen Warnschilder („Achtung, bissiger Hund!“, „Keinen Schritt weiter“) zeugen nicht eben von überragender Gastfreundschaft. Sandruin verrät Dorien, dass Elminster damit neugierige Wanderer keinesfalls abzuschrecken, sondern im Gegenteil anzulocken versucht.
„Gibt es eine bessere Werbung als die Warnung, ja nicht näher zu kommen?“
Dorien muss sich eingestehen, dass ihm Elminsters Stil gefällt. Und dann treten vier Gestalten aus dem Turm…
Nach etwa einer Stunde (Khelben und Elminster sind verschwunden, Kalyd und Drake drohen sich gegenseitig mit dem Tode) ist Dorien ausreichend unterrichtet, um vollends verwirrt zu sein. Immerhin scheint dies ein großer Auftrag zu werden, wenn die beiden mächtigsten Magier der Reiche darin verwickelt sind und die drei (unfreiwilligen) Kollegen beschließen, eine Abenteuergruppe zusammen zu stellen. Kalyd möchte, dass sein Cousin mit von der Partie ist, Dorien muss sich eingestehen, dass er die Hilfe seines früheren Mitstreiters und Tempusklerikers Grimwardt gut gebrauchen könnte. Er teleportiert sich mit den anderen zunächst zur Abtei des Schwertes, wo sie Drake zur heilkundigen Betreuung lassen, ehe sie sich in Richtung des Gebirges aufmachen, um den Priester und seine Rotte zu finden.

Grimwardt
Schlachtgetümmel. Kampfeslärm.
Etwa ein duzend Orks  und ein zweiköpfiger Troll gegen Grimwardt und seine Schüler. Der Oberste Gläubige überlässt es seinen Jungs, sich zu beweisen; bleibt in der Defensive und begnügt sich damit ein paar Orks  Angst einzujagen, bis der Troll seinen Schülern ernste Schwierigkeiten zu bereiten beginnt. Dann nimmt er’s selbst auf mit dem zweiköpfigen Riesen. Kein Kunststück. Er ist ja kein Anfänger. Trollblut spritzt und Grimwardt gibt sich dem Kampfrausch hin. Aber niemals so sehr, dass er nicht aus den Augenwinkeln bemerken würde, wie zwei Gestalten am Rande der Schlacht auftauchen. Einer ist ein Elf mit einem eindrucksvollen Schwert, das auch gleich ein paar Orkleichen produziert. Respekt. Der andere… (Tempus steh mir bei) Dorien. Sein früherer Mitstreiter schmeißt sich dem Elfen  plötzlich an die Brust und knutscht ihn ab, bevor der gegen den ominösen Zaubertrick protestieren kann (Ich wusste, er tut gleich irgendwas Peinliches). Elf so perplex, dass er Orks  vergisst. Dorien zaubert irgendwas. Orks  alle tot; Grimwardt beeilt sich, dem Troll den Todesstoß zu verpassen, ehe der durchgeknallte Hexenmeister ihm das auch noch versaut.
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Nach Vorstellung und Begrüßung dann, erfährt Grimwardt von den Vorkommnissen in Calimhafen und dem Auftrag.
„Klingt nach einem netten Theaterstück“, bemerkt der Kriegsadvokat trocken. Keine Ahnung, was er davon halten soll. Doch er sichert Dorien und Kalyd (denn das ist der Name des perplexen Elfen) seine Unterstützung zu. Bevor er sich mit ihnen zu Nimoroth (=Druidencousin von perplexem Elf) aufmacht, leitet Grimwardt noch die Beerdigungszeremonie, denn zwei seiner Schüler haben in dem Kampf ihr Leben lassen müssen. Grimwardt lässt ihre Leichen mit Schwertern in den Händen aufbahren, kniet sich, auf seine eigene Axt gestützt, vor die versammelte Kompanie, murmelt ein Gebet und wirkt gleichzeitig einen Massenheilzauber. Als er sich erhebt, bemerkt er zufrieden, dass die Vorstellung seine Schüler angemessen beeindruckt hat.

Nimoroth
Irgendwo in den Sternwäldern.
Er bemerkt die Besucher lange, ehe sie ihn bemerken (sind auch schwer zu übersehen): ein Riese in Rüstung, ein verkrüppelter Albino, ein snobistischer Schönling und Kalyd. Nimoroth tritt aus dem Gebüsch, Nerûl an seiner Seite.
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„Kalyd?“ Ein Blick nach dem Motto: Du hast mir wohl einiges mitzuteilen?
Während Kalyd und der Krieger ihn aufklären, der Albino missmutig dreinblickt und Nerûl den Snob ansabbert, überlegt Nimoroth, wie er Nyrael sagen soll, dass er sie für eine Weile verlassen wird. Schließlich verabschiedet er sich, um zu ihr zurück zu kehren. Zu wenig traut er dieser eigenartigen Gruppe, um ihnen von der Dryade zu berichten.
Später.
Er hat Nryal alles erzählt, was er weiß. Sie fragt Nimoroth mit traurigen Augen, wie lange er bleibe. Als er ihr gesteht, dass es Monate dauern kann, bis er zu ihr zurückkehrt, fragt sie dumpf lächelnd, „Kannst du mich nicht wenigstens anlügen, damit ich dich gehen lasse?“ Nyrael möchte mitkommen, doch Nimoroth kann ihr die Idee ausreden. Nein, er hätte viel zu viel Angst um sie.
Als er zu den anderen zurückkehrt, erfährt er von deren Entscheidung, dass zur „weiblichen Unterstützung“ Grimwardts Schwester Winter mit ihnen reisen soll. Der Hexenmeister bereitet bereits den Teleportationszauber vor…

Winter
Hafenviertel der Stadt Hlondeth, später Abend.
Verkleidet als Hafenratte, schleicht die Herrin der Diebesgilde Schwarze Dahlie gerade zurück auf ihr Hausboot. Nach einem tropisch heißen Tag kühlt die Luft gerade etwas ab. Ein vielversprechendes Frachtschiff liegt ihm Hafen. Piratenfreunde von Winter wollen es kapern und plündern; sie selbst leitet die Operation. Gerade konnte sie das Logbuch des Schiffs ein wenig… umschreiben, um die Konditionen des geplanten Überfalls zu verbessern und dafür zu sorgen, dass niemand je erfahren wird, was mit dem Handelsschiff geschehen ist. So weit lief alles bestens. Die Besatzung des Schiffes hat sie nicht bemerkt. Sie schleicht an Deck der Serenity und lauscht…. Stöhnen und Flehen. „Bitte, lasst mich los, ich bin kein Spitzel, ich…“
„Brutus! Tigil!“
Aufgebracht heißt Winter den halborkischen Preisboxer und seinen schurkischen Halbling-Freund von dem wimmernden Bettler abzulassen, den sie mit Fußtritten bearbeiten, um ihn zum Reden zu bringen. Brutus und Tigil gehorschen. Verständnislose Blicke.
„Aber Ihr habt doch gesagt, wir sollen uns um den Kerl kümmern, der ständig vor dem Schiff herum lungert“, meint Brutus treudoof.
Winter seufzt. "So war das nicht gemeint."
„Bringt ihn in den Salon.“
„Da…ähm… haben wir schon Euren Bruder und seine Freunde hineingeführt.“
„Meinen…WAS?“
„Es war ganz gewiss Euer…“
„GRIMWARDT IST HIER?“
Schweiß auf ihrer Stirn. Das hat ihr gerade noch gefehlt. Ausgerechnet heute muss Grimwardt einfallen, dass er sein Schwesterchen seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat. Winter verdreht die Augen.
„Bringt den Mann unter Deck!“, befiehlt sie ihren beiden Lakaien. „Und schlagt ihn nicht zu Tode!“, fügt sie noch hinzu, als sie bemerkt, wie Brutus sich bereits grinsend die Hände reibt.
Dann eilt sie in den Salon… wo Grimwardt mit seinem „großer-strenger-Bruder-Blick“ ihre Schischapfeife beäugt. Winter drängt sich zwischen Bruder und Pfeife, lässt letztere unter einem Tischtuch verschwinden, erstickt die drohende Ermahnung ihres Bruders in einer herzlichen Umarmung und spielt äußerst überzeugend die liebreizende kleine Schwester. Nachdem sie auch die anderen „Gäste“ begrüßt hat, entschuldigt sie sich unter einem Vorwand und eilt gehetzt unter Deck, um nach dem Bettler zu sehen, den Brutus zusammen geschlagen hat. In einem Gespräch kann sie sich davon überzeugen, dass der Arme tatsächlich nur ein Bettler ist, der die Bootswand der Serenity zu seinem Stammplatz gemacht hat. Indem sie ihm eine Bezahlung dafür anbietet, dass er sich für sie ein wenig in lokalen Tavernen und Spelunken umhört, macht sie ihn zu ihrem Informanten.
Naja, jeden Tag eine gute Tat.
Dann kehrt Winter zu ihren „Gästen“ zurück und lässt sich darüber aufklären, was ihr denn nun die „Ehre“ verschaffe, sie alle bei sich begrüßen zu dürfen. Nachdem sie berichtet haben, beschließen die Gefährten die Nacht noch auf der Serenity zu verbringen, bevor sie am nächsten Morgen nach Baldurs Tor und von dort aus zur Kerzenburg aufbrechen.
~ I survived Myth Drannor '06 ~
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~ Für mehr Handlung in Pornos ~ ~ "Und Dragonborn sind einfach kacke." (© by Scurlock)

Thalas

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[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #1 am: 15. Juli 2007, 21:33:23 »
Die Kerzenburg
4. Tag des Alturiak, Jahr der Blitzenden Stürme (1374 TZ)  

Grimwardt
Am nächsten Morgen vor den Toren von Baldurs Tor, Schwertküste.
Milchiger Morgennebel. Hier herrscht reger Betrieb – Handelskarawanen, Reisende, und allerlei zweifelhaftes Gesindel, dass sich Einlass in die Stadt zu verschaffen sucht. Die Gefährten haben sich bei Vorbeiziehenden nach dem Weg zur Kerzenburg erkundigt. Nun sitzen sie am Straßenrand und beratschlagen ihr weiteres Vorgehen. Drake erklärt ihnen mit arrogantem Blick, dass er sie zwar für eine Gruppe hirnloser Taugenichtse halte, sich aber entschlossen habe, mit ihnen zu kommen, bis er herausgefunden habe, was es mit der ominösen „Erbschaft“ auf sich hat, die man ihm andichtet.
„Dir wird auch nichts anderes übrig bleiben“, denkt Grimwardt bei sich. Denn er hat Drake bezaubert – ein falscher Schritt und der Kerl verliert mehr als nur seine Hand.
Eine Gruppe gerüsteter Reiter nähert sich der Gruppe. Der Anführer hält an, steigt vom Pferd, eine steife Begrüßung. Was sie hier tun? Wohin es denn gehen soll? Und sie sind auch gewiss keine Wegbelagerer?
Wegbelagerer? Grimwardt erhebt sich erzürnt, die beiden Elfen sehen sich stirnrunzelnd an, Winter erklärt dem Hauptmann entrüstet, dass der Samt ihres Kleides ein halbes Vermögen wert sei, Dorien betrachtet sich ernstlich besorgt von oben bis unten und beginnt sich den Staub von den Stiefeln zu wischen und Drake blickt noch ein weniger arroganter als sonst.
Nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten entwickelt sich das Gespräch in eine freundlichere Richtung, der Hauptmann der Söldnertruppe der „Flammenden Faust“, die in Baldurs Tor stationiert ist und – wie Grimwardt erfährt – der dortigen Stadtwache ab und an helfend unter die Arme greift, um im Umkreis für Recht und Ordnung zu sorgen, informiert sie darüber, dass, wer Einlass wünsche in die Kerzenburg – den Ort, wo Wissen wie ein Gott verehrt wird - ein Buch im Wert von 1000 GM zu entrichten habe. Niemandem ist es gestattet, sich länger als einen Zehntag in der Zitadelle des Wissens aufzuhalten oder vor einem Monat noch einmal zurück zu kehren, so fordert es das Ritual. Für die Informationen dankt Grimwardt dem Hauptmann, der ihn als Tempuspriester erkennt und ihn zum Abschied bittet, von ihm gesegnet zu werden. Der Oberste Gläubige tut ihm den Gefallen und spricht einen Segen über die Söldnertruppe.
Die Gefährten beratschlagen. Wie sollen sie an ein Buch von 1000 GM herankommen? Winter schlägt vor, zwei wertvolle Bücher aus der Bibliothek der Abtei des Schwertes zu kopieren und die Originale mitzunehmen (Was will eine Tempusabtei überhaupt mit Büchern?). Gesagt, getan. Winter, Dorien und er selbst teleportieren zur Abtei, während die Elfen und Drake in Baldurs Tor nach einem Heiler suchen wollen, der dem Albino wiedergibt, was ihm… nun ja, abhanden gekommen ist.

Nimoroth
Baldurs Tor, kurz darauf.
Die Stadt mit ihrer tobenden Geräuschkulisse bereitet ihm nach all der Zeit der Ruhe und Beschaulichkeit Kopfschmerzen. Von Kalyd lässt er sich über die Geschehnisse der letzen Monate, über dessen Suche nach dem Mörder seiner Mutter, über das plötzliche Auftauchen Feyleens und über die Vorgeschichte Drakes aufklären. Er beschließt vorsichtig zu sein und den Neuen nicht zu vertrauen, ehe er nicht mehr über sie weiß.
„Verzeiht, mein Herr.“
Ein kleines Mädchen zupft Nimoroth mit mitleidserregendem Blick am Arm.
„Bitte gebt mir ein Kupferstück für Essen und Trinken.“
Er gibt ihr ein Goldstück. Er kann nicht anders; er muss helfen, wenn er Unrecht und Armut sieht. Im selben Augenblick bemerkt er, wie sich eine Kinderhand an seinem Geldbeutel zu schaffen macht. Eine blitzschnelle Bewegung und er hält den zappelnden kleinen Dieb am Schlafittchen. Seine treuäugige Komplizin rennt mit der Münze davon.
„Bitte, guter Herr, tut mir nichts!“, wimmert der Kleine. „Meine Stiefeltern zwingen mich zum stehlen! Sie schlagen mich, wenn ich’s nicht tu!“
Nimoroth erkennt, dass er lügt. Er will gerade anfangen, dem jungen Dieb eine seiner „Hab-keine-Angst-doch-erkenne-dass-du-Unrecht-hast“-Strafpredigen zu halten, als der Kleine ein Mordstheater veranstaltet, um die Umstehenden auf sich aufmerksam zu machen.
„Hilfe! Er lässt mich nicht gehen! Er hat mich angegriffen“, ruft er kratzend und beißend.
„Kindsmörder! Elfenpack!“, schallt es plötzlich von allen Seiten und Nimoroth lässt mit einem Seufzen von dem kleinen Schlawiner ab.

Kalyd
Er drängt seinen Cousin aus der Menschenmenge, als er plötzlich bemerkt, dass Drake sich das Chaos zunutze gemacht hat, um sich aus dem Staub zu machen. Was soll’s. Soll der Mistkerl doch in der Hölle schmoren. Soll ihn die Marilith erwischen. Ihm wär’s recht.
Auf dem Weg zu einem Gasthaus begegnen sie einer frischgebackenen Abenteurerin, Annibel, auf der Suche nach tapferen Mitstreitern für ihre angehende Abenteuergruppe, die „Wächter des Gerechten“. Nimoroth versucht ihr klarzumachen, dass sie in einer etwas anderen Liga spielen.
„Großartig! Dann habt Ihr schon den Hauch einer Ahnung?“
„Ähm… ist mehr ein ganzer Atemzug“, meint Nimoroth, doch Annibel scheint den Wink immer noch nicht verstanden zu haben und bittet die beiden sich im Gasthaus zu den „Wächtern“ zu gesellen. Sie tun ihr den Gefallen. Mäßig interessiert lauscht Kalyd dem philosophischen Geplänkel zwischen Nimoroth und Annibels Paladin-Freund um brennende Jungfrauen und geschundene Gossenkinder und wen von beiden Nimoroth denn als erstes auf eine imaginäre Rettungsliste setzen würde. Anscheinend eine Art Einstiegstest. Nimoroth besteht (natürlich) und die beiden Tyr-Lebensretter sind umso begieriger die beiden Elfen in ihre Abenteuergruppe aufzunehmen. Da greift Kalyd ein und gesteht den beiden, dass sie nie vorhatten sich ihnen anzuschließen. Allgemeine Enttäuschung. Immerhin überreden die beiden gemeinnützigen Nervensägen Nimoroth noch, bei der heutigen Armenspeisung auszuhelfen. Kalyd lässt seinen Cousin mit den beiden ziehen und kehrt zum Treffpunkt vor der Stadt zurück.

Winter
Abtei des Schwertes, Schlachtental.
Neugierig blickt sie sich um im Reich ihres Bruders, der sie skeptisch beobachtet. Ein bisschen wie ein eifersüchtiger Kater, dessen Revier sie unerlaubterweise betreten hat. Ein Untergebener Grimwardts begrüßt sie und heißt sie etwas verlegen willkommen. Offenbar sind Frauen hier eine Seltenheit. Schlimmer als im Kloster. Grimwardt erfährt von dem Kleriker, dass Jaret Burlisk, sein „Schwertführer“ (Dorien und Winter müssen bei der Erwähnung des Titels ein Grinsen unterdrücken.) in der Kapelle bei einer Abenteuergruppe zu finden sei, die gekommen sei, um Heiltränke zu kaufen. Grimwardt macht sich auf, Jaret zu suchen, während Winter und Dorien in die Bibliothek geführt werden… oder was in einem Tempus-Tempel als „Bibliothek“ durchgeht. Immerhin gibt es ein Regal mit ein paar Büchern und einen Bibliothekar. Dieser, genannt Dorat, hilft ihnen ein paar wertvolle Bücher ausfindig zu machen, da weder Winter noch Dorien sich je länger als unbedingt notwendig mit etwas so trockenem wie einem Buch beschäftigt haben. Dazu schenkt Dorat ihnen Tee mit einem Schuss Rum ein (oder in Dorats Fall: Rum mit einem Schuss Tee). Winter versichert ihm, dass sie die Bücher gewissenhaft wieder zurück bringen werden und verspricht dem Bibliothekar darüber hinaus, ihren Bruder an ein paar bibliothekstechnische Bestellungen zu erinnern, die der Oberste Gläubige immer wieder zu vergessen scheint (und das aus Überzeugung!).

Dorien
Vor der Tür zu Grimwardts Arbeitszimmer.
Winter hat beschlossen, dass sie Grimwardts Arbeitszimmer inspizieren will. Immerhin etwas. Schlimm genug, dass er den Teleport-Kutscher spielen darf, während sich die beiden Elfen und Drake in Baldurs Tor vergnügen. Andererseits, der Gedanke mit Winter allein in Grimwardts Arbeitszimmer… Er muss zugeben, dass die kleine Heiratsschwindlerin eine Augenweide ist! Gerade zückt sie ihren Dietrich.
„Würdest du für mich Schmiere stehen, Darling?“
„Aber sicher doch, Schätzchen.“
Eine Minute später sind sie drin. Winter erfüllt ihr Versprechen Grimwardt an die Bestellungen des Bibliothekars zu erinnern, indem sie besagte Bestellungen fälscht und sie unter einen Stapel ausgehender Post schmuggelt. Dorien muss grinsen bei dem Gedanken, wie Grimwardts Haus des Krieges demnächst mit Wagenladungen von Federn, Tintenfässern und Papyrusrollen überschwemmt werden wird. Er selbst nutzt die Zeit, um sich ein wenig in Grimwardts Revier umzusehen. Ein Erkenntniszauber enthüllt eine Illusion: Der Kamin ist eine Attrappe, es gibt keinen Rauchabzugsschacht, stattdessen ist unter dem Brennholz eine magisch versteckte Falltür in den Boden eingelassen. Dorien ruft nach Winter und die beiden sind sich einig, dass es sich lohnen muss, in Grimwardts Allerheiligstem herum zu schnüffeln. Winter findet eine Falle, bannt ihre Magie, öffnet die Falltür und die beiden sehen in ein kleines Versteck. Sie finden ein wertvolles Gebetsbuch - Das große Buch des Krieges - einige Schriftrollen und… eine Flasche Parfüm: Lavendelöl, gar nicht billig
So viel Stil hätte ich dem roten Bären gar nicht zugetraut.
Die Schriftrollen enthalten Karten, die den Standort magischer Portale um den See der Tränen verraten, sowie eingezeichnete Tunnel und Unterreichgänge, die unter der Abtei zu liegen scheinen.
Interessant.
Schritte auf dem Flur. Hastig verwischen Dorien und Winter die Spuren ihrer Spionagearbeit und Winter macht sich mit Hilfe einiger sonderbarer Zauber (Schreibgehilfe) daran, die beiden Bücher aus der Bibliothek zu kopieren.

Grimwardt
In der Kapelle.
Es gibt Ärger mit einer Abenteurergruppe namens „Federtaldrachen“, die es sich in den Kopf gesetzt haben, den gesamten Vorrat an Heiltränken aufzukaufen, über den die Abtei verfügt. Jaret wirft dem Obersten Gläubigen einen hilfesuchenden Blick zu, als dieser die Kapelle betritt.
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„Weshalb können wir nicht mehr Heiltränke kaufen, obgleich wir doch dafür bezahlen wollen?“, fragt ein pickelgesichtiger junger Abenteurer resolut und blickt Grimwardt herausfordernd an. Der Tempelvorsteher versucht ihm klarzumachen, dass die Abtei es sich nicht leisten kann, mehr als zwei Heiltränke pro Person zu verkaufen. Immerhin sind sie der letzte Tempel vor dem Donnergebirge, das Abenteuergruppen magisch anzuziehen scheint. Sie können nicht mehr verkaufen, als sie im Stande sind zu produzieren. Und schließlich brauchen sie ja auch noch genügend Heiltränke, um sich selbst zu versorgen.
„Habt Ihr denn keinen Heiler, der mit Euch zieht?“
„Wir hatten einen, aber der… ähm…. Es gab Differenzen.“
Grimwardt überlegt. Er denkt an Tomek – zwar ein feiger Hund, aber ein verdammt fähiger feiger Hund. Vielleicht würden ihm ein paar Monate im Kampf für Ehre und Recht zugute kommen.
„Vielleicht könnte ich euch helfen…“
Die „Federtaldrachen“ sind begeistert vom Vorschlag des Obersten Gläubigen. Der pickelgesichtige Anführer der Gruppe will seine halbelfische Gefährtin vorschicken, um dem ahnungslosen Tomek die freudige Botschaft zu überbringen und zum Mitkommen zu bewegen. Sie scheint davon wenig begeistert.
„Vielleicht würde es Tomek mehr beeindrucken, wenn der Anführer der Gruppe selbst mit ihm reden würde“, bemerkt Grimwardt und zwinkert der jungen Halbelfe zu. Der Anführer, der darauf keine Erwiderung weiß, gibt sich geschlagen und willigt ein, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Grimwardt begleitet ihn. Nachdem Tomek unterrichtet ist, macht er sich auf die Suche nach seinen eigenen beiden Gefährten. Er findet sie in seinem Arbeitszimmer, wo Winter gewissenhaft in ihre Bücher und Dorien hinter ihr mindestens ebenso gewissenhaft in Winters Ausschnitt stiert.
Als Winter den Kopf hebt, blickt sie verdächtig unschuldig.

Dorien
Auf der Handelsstraße zur Kerzenburg.
Am Treffpunkt vor der Stadt mussten sie etwa eine Stunde lang auf Drake warten. Als dieser wiederkam, hielt er sechs Pferde an den Zügeln und war um eine Hand reicher. Das Geld für Wiederherstellung und Pferde hatte er angeblich beim Glücksspiel gewonnen.
Dorien nutzt die Zeit des langen Ritts, um seine Neugier zu befriedigen. Ein Erkenntniszauber enthüllt, dass Drake eine ominöse Brosche um den Hals trägt (eine Harfnernadel?) und dass Kalyds Schwert nicht magisch zu sein scheint. Dorien reitet an Drakes Seite, um ihn ein wenig auszuhorchen, erfährt jedoch wenig Brauchbares: Drake war ein Harfner, ja, hielt es in „dem Verein“ jedoch nicht länger aus und beschloss stattdessen Auftragsmörder zu werden. Nette Alternative. Außerdem hält er sich selbst für einen ausgezeichneten Menschenkenner.
„Du urteilst zu schnell über andere.“
Drake zuckt mit den Schultern. „Ich weiß, dass du ein neugieriger, selbstverliebter Snob bist, dass Kalyd nicht der Hellste ist und dass Nimoroth alles glauben würde, wenn man es bloß unter einem Heiligenschein verbirgt.“
„Wetten wir?“
„Ich könnte dich im Schlaf ermorden und er würde nichts unternehmen, wenn ich es geschickt anstelle.“
„Schlechte Wette für dich. Wenn du gewinnst, wäre ich kaum noch in der Lage, meinen Wetteinsatz einzulösen.“
Nach Drake ist Grimwardt an der Reihe. Dorien muss wissen, was es mit den Portalen am See der Tränen auf sich hat. Er erfährt, dass durch einige der Portale hin und wieder Monster reisen, während andere noch unerforscht sind. Er bietet dem Priester seine Hilfe an.
Hufgetrappel. Aus der Gegenrichtung kommt ihnen ein Reiter entgegen galoppiert. Der arme Kerl ist kreidebleich, den Kleidern nach zu urteilen ein Händler.
„Zur Hilfe! Die Handelskarawane! Wir werden angegriffen! Es sind Trolle!“
Die Gefährten fackeln nicht lange, geben ihren Pferden die Sporen und preschen davon. Schon von weitem sehen sie die zehn hässlichen Monster und hören die Schreie der Menschen in den Planwagen. Als Dorien sieht, dass seine Freunde von den Pferden springen und die Trolle nur so dahinraffen, lässt er sich Zeit damit, einzugreifen. Der Kampf dauert etwa zwölf Sekunden, bis sie die Straße in einen Trollblutfluss verwandelt haben, während ein paar Fleischreste in magischen Feuern verbrennen. Das wäre dann wohl erledigt. Die beiden Kleriker versorgen die Menschen in den Wagen und begraben die Toten. Winter kümmert sich um ein kleines Mädchen, deren Vater bei dem Überfall ums Leben kam.
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Die Kerzenburg
5. Tag des Alturiak, Jahr der Blitzenden Stürme (1374 TZ)  

Kalyd
Vor der Kerzenburg, am Abend.
Auf einer vulkanischen Felsspitze erbaut, ragt die Festung mit ihren zahlreichen Türmen, erleuchtet von tausend Kerzen, über die See. Ein wundervoller Anblick, der danach schreit auf dem Papier festgehalten zu werden. Zwei Mönche bewachen das Tor, die Hände gefaltet und unter ausladenden Ärmeln verborgen. Sie begrüßen die Gefährten mit einer kurzen Verbeugung, nehmen eines der Bücher zur Überprüfung des Wertes an und bitten die Gefährten zu warten. Kalyd hat vorgeschlagen, das zweite Buch zu behalten, um zur Not noch einmal in Verkleidung zurückzukehren, sollten die zehn Tage, die man ihnen in der Kerzenburg gestattet, nicht genügen, um etwas über Soleilon und die seelenlosen Geburten herauszufinden. Während sie warten, bittet Grimwardt einen der Torwächter ihm das Geheimnis der Kerzenburg zu verraten, das es den Mönchen ermöglicht, zu verhindern, dass die Burg trotz all der Kerzen, die hier Tag und Nacht brennen, jemals Feuer fängt. Der Mönch verweist ihn an einen der Weisenden, Gelgar, den er in der Bibliothek finden kann. Gelgar könne ihm unter Umständen eine Audienz bei Ulraunt, dem Bewahrer der Folianten und Regenten der Kerzenburg, beschaffen, denn er allein kenne das Geheimnis um die Lichtmagie der Kerzenburg. Der Mönch wünscht Grimwardt viel Glück, gesteht ihm aber, dass er es für unwahrscheinlich hält, dass Ulraunt sein Wissen je mit ihm teilen wird.
Kalyd erschrickt, als sich ein rot gewandeter Magier hinter ihnen aus der Luft materialisiert. Dämliche Teleportationszauber. Sein kahl rasierter Schädel ist tätowiert – ein roter Magier von Tay! Und gerade noch schien dieser Ort so friedlich! Der Rote mustert die Gefährten eigenartig eindringlich.
„Er inspiziert uns nach magischen Gegenständen“, erkennt Winter flüsternd.
„Die scheinen ja jeden hier herein zu lassen“, bemerkt Nimoroth Stirn runzelnd. Er murmelt selbst ein paar magische Worte und sein Blick verdüstert sich.
„Seine Seele ist verdorben“, stellt er fest.
Der zweite Mönch hat inzwischen den Wert des Buches aus der Abtei des Schwertes überprüfen lassen und scheint zufrieden. Die Gefährten werden eingelassen. Während die anderen ein Gasthaus aufsuchen, bleibt  Kalyd noch eine Weile vor den Toren, um den Anblick der erleuchteten Burg über der Steilklippe auf sich wirken zu lassen und in einem Gemälde festzuhalten. Er ist gerade in seine Arbeit vertieft, als eine Abenteuergruppe vor der Kerzenburg ankommt. Als die Mönche am Tor nach dem Eintrittspfand fragen, sind die jungen Abenteurer verzweifelt.
„Niemand hat uns etwas von einem Buch gesagt!“
„Nun müssen wir den ganzen Weg nach Baldurs Tor zurück wandern, nur um ein Buch zu kaufen!“
„Beshaba verfolgt uns!“
Kalyd kann ihnen nicht helfen. Von dem zweiten Buch, das seine Gefährten bei sich tragen, will er ihnen lieber nichts erzählen…

Grimwardt
Im Gasthaus der Kerzenburg.
Während die anderen sich erschöpft auf die Stühle sinken lassen und ein wahres Festmahl in Bestellung geben, sieht Grimwardt sich aufmerksam um… Auch der Rote Magier ist hier. Er schlendert zu ihrem Tisch herüber und fragt höflich, ob er sich wohl setzen dürfe. Grimwardt weist einladend auf den freien Stuhl. Nimoroth scheint wenig begeistert von der unverhofften Gesellschaft.
„Ihr seid wohl auf der Suche nach Magie?“, fragt er steif.
„Das bin ich wohl“, sagt der Rote redselig. „Ich suche hier einen mächtigen Zauber, von dem ich gehört habe. Und ihr? Ihr seid Abenteurer, wenn ich mich nicht täusche?“
„Ihr täuscht nicht. Doch unsere Auftraggeber wünschen nicht, dass wir über unsere… Mission… sprechen.“
„Verstehe… Sagt, ist einer von Euch wohl ein Magiekundiger?“
Offenbar ist der Fremde darauf aus, Zauber zu tauschen. Während er sich mit den anderen unterhält, wirkt Grimwardt heimlich einen Zauber, der ihn mit einer beunruhigenden Vorahnung erfüllt: Von dem roten Magier scheint ihnen Gefahr zu drohen!
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Grimwardt begibt sich unter dem Vorwand, sich ein weiteres Glas Bier einschenken zu lassen, zur Theke. Von dort nimmt er telepathische Verbindung mit Dorien auf, der gerade seine Harfe zur Hand genommen und ein Trinklied angestimmt hat, um ihn von der Bedrohung in Kenntnis zu setzen.
Sie beschließen abzuwarten.

Winter
Sehen und gesehen werden. Dafür gibt es keinen besseren Ort als ein Gasthaus. Sie genießt die bewundernden Blicke, die auf ihr ruhen. Gerade serviert die Schankmaid ihnen das Essen. Platten voller Käse, Truthahnbrust, Schweineleber, Pasteten, Gourmetsoßen und was das Herz sonst noch begehrt. Sie greifen zu. Drake will angeben: Er greift nach seinem Dolch, zielt nach einem Stück Braten und hält im nächsten Augenblick den zurück kehrenden Dolch samt Braten in der Hand. Doch Winter stiehlt ihm die Schau. Mit einem Diebestrick klaubt sie dem selbstgerechten Dolchartisten den Braten aus drei Meter Entfernung aus dem bereits halb geöffneten Mund. Die anderen lachen über Drakes dämlichen Blick und applaudieren. Drake starrt sie verblüfft an. Doch da ist noch etwas anderes in seinem Blick - Bewunderung?
Während sich die anderen dem Essen widmen, schlendert Drake zu ihr herüber, setzt sich zu ihr.
„Wie hast du das gemacht?“
Ein bescheidenes Lächeln: „Verrätst du all deine Tricks?“
„Könntest du mir dein Kunststück beibringen?“ Seine seltsamen Augen ruhen auf ihr. „Ich könnte dich dafür bezahlen.“
„Das hat mich jahrelanges Training gekostet. Ich denke nicht, dass ich dir das einfach so beibringen könnte.“
Er rückt näher. ZU nah. Mustert sie. Lächelt.
„Ich glaube, wir haben etwas gemeinsam.“
„Glaubst du, ja?“ Sie blickt sich scheinbar nervös um, nimmt einen Schluck Wein.
„Ich glaube, dass du eine sehr gute Schauspielerin bist, Winter.“ Sein Blick wird plötzlich ernst. „Lass uns die Karten offen auf den Tisch legen. Lass uns Klartext mit einander reden.“
Sie sieht ihn empört an. „Was…?“
Er rückt NOCH näher. Sie blickt sich wieder um. Nimoroth fängt ihren Blick auf und geht zu Grimwardt, der an der Theke steht und spricht mit ihm.
„Lass uns hier verschwinden, ein wenig spazieren gehen. Ich möchte gerne wissen, wer du wirklich bist… und ich möchte dir etwas zeigen...Keine Angst“, fügt er hinzu, als er ihren Blick auffängt. „Ich möchte nicht das tun.“
„Äh, mein Bruder würde es sicher nicht gutheißen, wenn wir ….“
„WINTER!“, schallt es da durch das Gasthaus. Grimwardt stapft zu ihr herüber, macht ihr ein Zeichen und sie folgt wie ihm wie eine gehorsame Schwester vor die Tür.
Während sie Grimwardts Große-Bruder-Tiraden über sich ergehen lässt, späht Winter durch das Gasthausfenster und versucht den Albino zu bezaubern, um seine Gedanken zu lesen. Was hatte er ihr sagen wollen? Doch der Zauber schlägt fehl.

Kalyd
Später.
Die Gefährten haben sich ein Zimmer im Gasthaus genommen. Drake hat ein Einzelzimmer zwei Zimmer von dem ihren entfernt bezogen. Kalyd klopft an seine Tür. Drake öffnet, bereits in seinem Dehabillé.
„Du?“ Er öffnet widerwillig die Tür. Kalyd tritt ein.
„Was willst du?“
„Wie hast du es getan?“, fragt Kalyd tonlos.
„Was?“, fragt Drake. Er weiß es ganz genau, doch er will, dass Kalyd es ausspricht, damit es doppelt wehtut. Kalyd ballt die Hände zur Faust, um dem Drang zu widerstehen, dem Mistkerl die Kehle umzudrehen.
„Meine Eltern“, sagt er leise. „Wie hast du sie umgebracht?“
„Weißt du doch. Mit ein paar Phiolen Alchemistenfeuer, Schwarzpulver aus Kara-Tur und einem bunten Feuerwerk.“
„Du bist wohl kaum einfach in unser Dorf spaziert? Wie hast du es angestellt?“
„Warum willst du das wissen?“
„Ich will es eben wissen. Sie waren meine Eltern.“
Drake überlegt, lächelt boshaft. „Was ist dir die Information wert?“
Der Elf schließt die Augen, schüttelt leise den Kopf.
„Vergiss es.“
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Dorien
Die anderen schlafen. Grimwardt hat sie von der Bedrohung durch den roten Magier unterrichtet und sie haben beschlossen, Wachen aufzustellen. Er hält zusammen mit Winter Wache. Gerade sitzt sie an die Wand gelehnt und versucht Drake durch die Wand hindurch zu bezaubern, um herauszufinden, was er tatsächlich von ihr wollte. Das ist schon ihr dritter Zauber… und er schlägt wieder fehl. Vielleicht hat Drake gelogen und er trägt doch noch seine Harfnernadel. Winter ist überzeugt davon, dass der Albino ihr etwas Wichtiges mitteilen wollte; Nimoroth meinte, er habe nur das eine gewollt. Dorien glaubt, dass er beides will. Und es gefällt ihm nicht… nein, es gefällt ihm ganz und gar nicht. Doch um das zuzugeben, ist er erstens zu stolz und zweitens zu neugierig.  
„Vielleicht solltest du einfach vorgeben, es dir anders überlegt zu haben und dich zum Schein auf ihn einlassen“; schlägt er darum vor und ein Teil von ihm hofft, dass Winter seinen Vorschlag abschmettert.
Es klopft.
Dorien öffnet die Tür. Es ist Drake. Winter macht ihm aufgeregt ein Zeichen, das so viel heißen soll wie „Halt ihn auf“ – offenbar will sie noch einmal versuchen, ihn zu bezaubern.
„Ich konnte nicht schlafen“, sagt Drake. „und wollte noch einmal in die Wirtsstube hinunter. Kommt einer von euch mit?“
„Hm.. Suchst du Damenbegleitung?“
Eigentlich wollte er mit der Frage bezwecken, dass Drakes Gedanken sich Winter zuwenden und dem, was er ihr mitteilen wollte oder auch nicht. Drake versteht ihn allerdings völlig falsch.
„Wie? Du, Löckchen?“
Großartig. Das wird ihm jetzt wieder ewig nachhängen. Drake scheint zu bemerken, dass ihn jemand zu verzaubern versucht.
„Wer war das?“, fragt er scharf.
„Mist, schon wieder daneben“, lügt Dorien ganz Gentleman, bevor der Verdacht auf Winter fallen kann. Inzwischen sind die anderen ebenfalls wach. Nimoroth, Dorien und Winter begleiten Drake nach unten, trinken noch ein Glas Wein und gehen schließlich wieder. Drake bleibt noch. Weiß der Himmel, um was seine Gedanken kreisen…

Grimwardt
Am nächsten Morgen.
Einer der Mönche der Burg weckt die Gefährten, um ihnen mitzuteilen, dass sie die Erlaubnis haben, die Bibliothek zu  betreten. Während Dorien und Winter ein Ritual aus ihrer Morgenwäsche machen, gehen die anderen zum Frühstück in den Speisesaal hinunter. Drake finden sie in der Küche, wo er den Bediensteten bei den morgendlichen Vorbereitungen hilft. Äußerst verdächtig. Das Wissen, dass Drake das Frühstück zubereitet hat, garniert mit der Erinnerung an seine Giftanschläge, verdirbt Kalyd den Appetit.
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„Ich habe nichts vergiftet“, erklärt Drake amüsiert, als er bemerkt, wie der Elf missmutig auf seinen leeren Teller stiert. Kalyd ist dennoch satt.
Nach dem Essen nimmt Grimwardt den Albino beiseite. Er glaubt nicht daran, dass Drake die Nacht friedlich in seinem Bett verbracht hat.
„Wir alle haben unsere Geheimnisse“, bemerkt er.
„Ja“, erwidert Drake lakonisch. „Der Unterschied zwischen euren und meinen ist nur, dass ihr meine ständig zu lüften gedenkt, während ich mich einen Dreck um die euren schere.“
„Hmmm“, macht Grimwardt. „Meines dürfte dich interessieren. Denn es hat mit dir zu tun.“
„Ach ja?“ Der Schurke mustert ihn; scheint zu dem Entschluss zu kommen, dass Grimwardt nicht blufft. Er überlegt. „Du zuerst und kein Wort zu den anderen“, sagt er schließlich. Grimwardt willigt ein.
„Schwöre es.“
„Ich schwöre es.“
„Bei deiner Ehre.“
„Ich schwöre bei meiner Ehre, dass ich niemandem etwas erzählen werde.“
„Bei deinem Gott.“
„Ich schwöre es bei Tempus.“
Drake scheint des Spottes für heute überdrüssig und gibt sich endlich zufrieden. Grimwardt berichtet ihm von dem göttlichen Auftrag, den er ihm auferlegt hat.
„Du bist dazu verdammt, uns bis zur Auflösung des Rätsels um Soleilon und die seelenlosen Geburten zu begleiten – oder du bist tot.“
Drakes Stirn verdüstert sich.
„Nun“, knurrt er. „Dass ich noch lebe, dürfte dir beweisen, dass ich nicht die Absicht hege, euch davon zu laufen.“
„Stimmt. Jetzt zu dir. Was hast du heute Nacht getrieben?“
„Ich habe den roten Magier ermordet“, erwidert Drake mit kalter Gelassenheit. „Er hat sich ein bisschen zu sehr für meine magischen Gegenstände interessiert. Und er hat versucht mich zu bezaubern… Darum…“, er macht eine eindeutige Handbewegung. „Aus diesem Grund bat ich euch gestern Abend mich zu begleiten. Ich brauchte ein Alibi. Vielen Dank auch für die Hilfe.“
Es war Winter, die dich bezaubert hat, denkt Grimwardt. Doch dieses Geheimnis behält er lieber für sich.

Nimoroth
In der Bibliothek  
Die Bibliothek ist ein riesiger Komplex aus Sälen und Galerien, die bis zur Decke mit Bücherregalen gefüllt sind. Die inneren Räume beinhalten die magischen Schriften. Hier haben nur Magiekundige in Begleitung der Hohen Leser Zutritt. Der Preis für das Abschreiben eines Zaubers ist hoch – wie Dorien zu seinem Verdruss feststellen musste. Grimwardt suchte den Weisenden auf, den der Mönch am Tor ihm genannt hatte; doch der wies ihn etwas schroff zurück: Nein, der Bewahrer der Folianten teile sein Wissen nicht mit Besuchern der Kerzenburg. Ein mächtiger Schutzzauber hindert alles außer Wachs und Dochten daran zu brennen, doch das Geheimnis um diesen Schutzzauber soll die Mauern der Kerzenburg niemals verlassen. Winter verbrachte Tage und Nächte bei den Personenregistern – wissen die Götter, was sie dort suchte. Wo sich Drake herumtrieb, mögen auch die Götter wissen, und Nimoroth selbst versuchte Informationen zu den Dämonenelfen zu sammeln, die im Norden erwacht sein sollen, wie der Hauptmann, den sie vor Baldurs Tor trafen, zu berichten wusste.
[/spoiler]Last Mythal Trilogie
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~ I survived Myth Drannor '06 ~
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~ Für mehr Handlung in Pornos ~ ~ "Und Dragonborn sind einfach kacke." (© by Scurlock)

Grindlorn

  • Mitglied
    • Enwe Karadâs
[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #2 am: 16. Juli 2007, 01:00:27 »
Stunning.

Die Lektüre deiner beiden Beiträge hat mir sehr gefallen und ich hoffe in Zukunft mehr davon lesen zu dürfen.

Besonders Drake weiß mir schon zu gefallen. Natürlich ist er für die Spieler schwer, aber für den neutralern Leser hat schon etwas "liebenswertes".

Danke für die gute Arbeit, kann ich an dieser Stelle nur sagen.
"Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen." - Johann Wolfgang von Goethe

[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #3 am: 16. Juli 2007, 18:59:03 »
Ich bin absoluter "Winter-Fan"! Cooler Charakter, allein die Beschreibung hat mich dazu animiert sie demnächst als NSC bei mir einzubauen.
Zum Stil allerdings würde ich mir ein bisschen mehr Absätze, und/oder Pausen mehr wünschen.
Wirkt teilweise etwas atemlos und hektisch. Die Sätze sind manchmal zu sehr aneinandergereiht.
Ansonsten aber sehr interessant.
"die untoten Drachen werden die Welt beherrschen"

Thalas

  • Globaler Moderator
    • http://www.dnd-gate.de
[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #4 am: 16. Juli 2007, 23:01:57 »
Danke ihr beiden, freut mich, dass es euch gefällt :-)

Zitat
Besonders Drake weiß mir schon zu gefallen. Natürlich ist er für die Spieler schwer, aber für den neutralern Leser hat schon etwas "liebenswertes".


Ich stehe ebenfalls so richtig auf Drake  :D

Zitat
Ich bin absoluter "Winter-Fan"! Cooler Charakter, allein die Beschreibung hat mich dazu animiert sie demnächst als NSC bei mir einzubauen.


Werde es der Spielerin weitergeben, wird sie sehr freuen zu hören. Beim nächsten Update dürftest du wieder auf deine Kosten kommen  :D

Zitat
Zum Stil allerdings würde ich mir ein bisschen mehr Absätze, und/oder Pausen mehr wünschen.
Wirkt teilweise etwas atemlos und hektisch. Die Sätze sind manchmal zu sehr aneinandergereiht.


Ja du hast recht. Die Autorin dieser Story Hour wird die Tage selbst ein Statement dazu abgeben :-)

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Das nächste Update wird ein Zwischenquest sein. Dort werden die Helden in Tiefwasser auf Marco Volo, den sie von einem früheren Abenteuer her kennen, treffen und ihn auf das großen Fest der Stadt "Liiras Nacht" begleiten.  Auf dem Nympfenball werden sie in einen Raubzug der Nachtmasken verwickelt werden. Dieser wird sie in die Kanalisation zu einem Gnomen-Schurken führen; auch werden Verbdindungen der Nachmasken bis in den Herrscherrat der Stadt ersichtlich. Etwas wertvolles wurde gestohlen, so, dass die Helden in den Schädelhafen reisen müssen und sich dort dem lokalen Hauptsitz der Nachmasken annehmen müssen. Einige Überraschungen werden dort auf sie warten...
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~ Für mehr Handlung in Pornos ~ ~ "Und Dragonborn sind einfach kacke." (© by Scurlock)

Caliostro

  • Mitglied
[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #5 am: 17. Juli 2007, 12:28:14 »
Ähhh meinst du nicht du solltest den letzten Absatz besser in einen Spoiler packen?

Die Story gefällt mir sehr gut, mehr davon :!:
Gruß Caliostro
Bedenke, das Licht am Ende des Tunnels könnte auch ein Idiot mit einer Kerze sein.

Thalas

  • Globaler Moderator
    • http://www.dnd-gate.de
[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #6 am: 20. Juli 2007, 08:32:45 »
Der Nymphenball


Winter
Tiefwasser, auf dem Weg zu Khelbens Magierschule, ein paar Stunden später.
Die Stadt ist ein einziger Maskenball! Heute feiert Tiefwasser Lliiras Nacht, die Nacht der Gesänge und Tänze, der Balladen und Künstler. An jeder Straßenecke tummeln sich Maskierte, Straßenkünstler, Barden, Jongleure, Komödianten, Pantomime und anderes fröhliches Volk. Gesänge und Lachen, Flötenklänge und Lobpreisungen an die Göttin Lliira wabern durch die Gassen Tiefwassers. Händler und Reisende strömen heute zu tausenden in die Stadt des Glanzes – am Haupttor herrschte solch ein Gedränge, dass die Gefährten durch das Nordtor Einlass suchen mussten. Ihre Waffen haben sie zum Zeichen des Friedens mit roten Bändchen umwickelt, wie es hier Brauch ist. Ein alter Elf, den sie am Haupttor trafen, erzählte, dass er jedes Jahr hierher kommt, um die Nacht hindurch zu tanzen und zu feiern. Von ihm haben sie auch erfahren, dass sie auf keinen Fall den Nymphenball verpassen dürfen, denn dort trifft sich heute Abend die feine Gesellschaft der Stadt des Glanzes. Winter war ganz Feuer und Flamme, Dorien pflichtete ihr bei. Nimoroth, weitaus nüchterner, erinnerte sie daran, dass sie nicht zum Spaß hierher gekommen seien. Kalyd möchte zuvor einen alten Freund besuchen, den seine Freunde und er auf einem früheren Abenteuer kennen lernten. Drake schien nicht sonderlich begeistert von dem Gedanken, die Nacht auf einem Ball zu verbringen.
„Ich komme mit“, sagte er schließlich. „Doch unter einer Bedingung – ich möchte einen Tanz mit dir, Winter.“
Dann hast du es noch immer nicht aufgegeben? Sie muss sich eingestehen, dass sie sich geschmeichelt fühlt. Und wer weiß, was sie eventuell von ihm erfahren könnte? Sie stimmt also zu.
Sie stehen vor der Schule des Magiers. Grimwardt klopft.
Ein Mädchen späht durch den Türschlitz, offenbar eine Schülerin. Erst will sie die Fremden nicht einlassen, doch als sie ihr ihr Anliegen erklärt haben, verständigt sie Lareal Silberhand, Khelbens Geleibte und eine der Sieben Schwestern – eine wunderschöne, nymphengleiche Magierin mit traurigen Augen und silbrigem Haar. Lareal überprüft die Gefährten magisch auf ihre Aufrichtigkeit, bevor sie sie einlässt. Dann bietet sie ihnen Getränke und Gebäck an und hört sich mit sorgenumwölkter Stirn an, was sie zu berichten haben.
 „Seit Wochen habe ich nichts mehr von Khelben gehört“, seufzt sie schließlich. „Wir…“ Sie senkt die Lider. „Wir hatten Streit, bevor er ging. Er erzählte mir nicht, was er vorhatte. Ich hoffe nur, es geht ihm gut.“
Lareal verspricht den Gefährten, ihre Informationen auswerten zu lassen und mehr über den Magier Hanthos in Erfahrung zu bringen.
„Zwei Tage wird es etwa dauern. Ich würde euch gerne ein Zimmer anbieten für die Zeit, doch Liiras Nacht zieht viele Besucher in die Stadt und ich fürchte, dass wir kein Zimmer mehr zur Verfügung haben. In den Gaststätten wird es nicht anders aussehen. Kann ich vielleicht dennoch etwas für Euch tun?“
„Wir danken Euch“, meldet sich Kalyd zu Wort. „Doch wir sind bekannt mit einem Adligen dieser Stadt, Marcus Wands. Ich bin sicher, dass er uns weiterhelfen kann.“
„Ihr… könntet jedoch möglicherweise dennoch etwas für uns tun“, lässt Winter sich mit gespielter Schüchternheit vernehmen. „Wenn Ihr mir vielleicht einen Schneider empfehlen könntet, bei dem ich für heute Nacht noch ein Ballkleid bekommen könnte?“
Lareal schreibt ihnen nicht nur ein Empfehlungsschreiben für Tante Trude aus der Nelkengasse, sondern will sogar die Kosten übernehmen. Die Gefährten verabschieden sich dankend und Dorien lässt es sich nicht nehmen, Khelbens Geliebten zum Abschied die Hand zu küssen.

Kalyd
Vier Stunden später vor dem Palais der Wands’.
Winter, Drake, Dorien, Nimoroth und er, die sich bei Tante Trude für den Abend haben einkleiden lassen, sind vor Grimwardt, der es vorzog, dem Tempus-Schrein von Tiefwasser einen Besuch abzustatten, am vereinbarten Treffpunkt vor dem Stadtpalais der Wands. Und das grenzt, wenn man die Einkaufsexzesse Doriens und Winters in Betracht zieht, geradezu an ein Wunder. Nach vier Stunden Streit um Samt und Seide und Düfte und Fingernägel ist Kalyd restlos bedient und nur die Vorfreude Marcus wieder zu treffen, vermag seine Stimmung zu heben. Immerhin muss er zugeben, dass Tante Trude ihr Handwerk versteht: Gehrock und Rüschenhemd stehen ihm nicht nur vorzüglich, sondern sind dazu auch noch ausgesprochen bequem. Winter sieht in ihrem grünen Ballkleid nach elfischer Machart und hochgesteckter Turmfrisur ganz bezaubernd aus und Dorien, in rotem sembischen Samt, stilisierten Lederstiefeln und Federbarret hat es mal wieder maßlos übertrieben.
Gerade kommt ihnen Grimwardt mit strahlend polierter Rüstung (und noch immer blutiger Axt) entgegen. Er entschuldigt sein Zuspätkommen damit, dass er sich beim Wächter des Tempus-Schreins erkundigt habe, ob er wisse, ob ein gewisser Magier namens Hanthos auf einem der Friedhöfe der Stadt begraben liege, sodass ein Priester gegebenenfalls mit seiner Seele zu sprechen versuchen könnte. Leider konnte der Wärter ihm nicht weiterhelfen.
Der Wächter am Tor der Wands fragt nach dem Anliegen der Gefährten. Kalyd nennt ihm ihre Namen und bittet ihn Marcus davon in Kenntnis zu setzen, dass zwei alte Freunde ihn zu sehen wünschen. Wenig später kehrt der Mann zurück und bittet die Gefährten durch das Tor.
Im Vorgarten des Adelspalais werden sie Zeugen eines eigenartigen Schauspiels. Sie haben kaum den Vorplatz betreten, als sich mitten im Hof ein Oger materialisiert. Aus dem Hauptgebäude schallt es „Da ist schon wieder einer!“ und ein Pfeilhagel streckt den Eindringling nieder. Kalyd und Nimoroth werfen sich alarmierte Blicke zu: Als sie vor zwei Jahren von Marcus’ Onkel den Auftrag erhielten, seinen Neffen – einen jungen bardischen Lebemann, der sich durch allerlei Unfug die Stadtwache zum Feind gemacht hatte -  aus der Stadt zu schaffen und sicher ins Schattental zu begleiten, stürzte sie dieser Auftrag in ein Abenteuer, dass mit der Widerbeschaffung eines mächtigen Artefakts zu tun hatte. Die Wands waren seit jeher Wächter des Auges des Drachenkönigs, doch vor einiger Zeit war das Artefakt der Familie gestohlen worden. Durch Zufall hatte Marcus das Auge „zurück gestohlen“, als er es ahnungslos einem Magier namens Sabbas entwendete. Allein die Wands waren gegen die zerstörerische Macht des Artefakts geschützt, die seinen Träger in den Bann des Auges zog und zu seinem willenlosen Diener machte. Doch offenbar hatte das Auge Kräfte, die selbst die Wands nicht kontrollieren konnten…
Dem Oger-Streich folgt dann auch gleich eine zweite Kuriosität: Plötzlich wird die Haupttür des Palais aufgerissen, und ein hübscher Jüngling, Staffelei und Pinselpalette unter den Arm geklemmt, das Malerbarret schief auf dem Kopf, stapft wutentbrannt aus dem Eingang. Sich zum Eingang zurückwendend brüllt er, ohne die Gefährten eines Blickes zu würdigen: „Sei verdammt! Mich so zu behandeln! Mich!!! Aber glaub mir, mich siehst du so schnell nicht wieder!“
Kurz darauf wird die Balkontür im ersten Stock aufgerissen und Marcus Wands tritt heraus: „Aber so warte doch! Ich hab’s doch nicht so gemeint! Komm zurück! Ich bitte dich!“ Dann scheint er sich der Besucher gewahr zu werden und selbst von hier unten kann Kalyd erkennen, wie er bis zum Haaransatz errötet. Nimoroth und Kalyd werfen sich einen Blick zu und müssen beide anfangen zu lachen.
Marcus war schon immer für Überraschungen gut.
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Der Herr des Hauses bittet sie dann auch gleich herein, begrüßt überschwänglich seine alten Freunde und bittet sie in den Salon. Zerstreut bittet er einen Diener, Getränke zu servieren und stellt zehn Fragen auf einmal ohne zu warten, bis auch nur eine einzige beantwortet ist. Was sie denn hier tun? Was sie so getrieben haben? Wo denn die beiden Frauen und der Zwerg geblieben seien?
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Dazwischen findet er noch irgendwie die Zeit, sich Kalyds Zeichenmappe anzusehen, ihnen Einladungen für den Nymphenball am Abend zu besorgen, Winter, ganz Gentleman, die Hand zu küssen, und Dorien schöne Augen zu machen. Ein unvollendetes Portrait auf einer Staffelei im Salon zeigt Marcus in Festtagskleidung. Kalyd bietet dem Freund an, das Gemälde für ihn zu vervollständigen, doch Marcus lehnt das Angebot verlegen ab.
„Der Künstler dieses Portraits ist ein wenig… hm, eigensinnig. Ich denke, er wäre verstimmt, wenn ich einen anderen an seine Arbeit heran ließe, du verstehst?“
Kalyd versteht.
„Er ist ein… äh… flüchtiger Bekannter“, fügt Marcus noch rechtfertigend hinzu.
„Schon klar“, meint Kalyd lächelnd. „Du bist ganz der Alte und so mögen wir dich.“
„Du warst schon immer an mehreren Ufern daheim“, setzt Nimoroth noch obendrauf.

Dorien
Kaum hat sich Dorien in dem Gästezimmer umgesehen, dass der Diener ihm zugewiesen hat, klopft es auch schon wieder an der Tür. Es ist Marcus Wands, sichtlich nervös.
„Ich… ähm, wollte fragen, ob Ihr wohl Lust hättet, auf ein Glas Wein rüber in mein Zimmer zu kommen, Dorien?“
Ich hätte Lust, mich in Nebel aufzulösen und zu verschwinden, denkt Dorien. Andererseits… ist eben ein Oger in deinem Garten aufgetaucht und die Wächter waren nicht einmal überrascht…
Er setzt sein charmantestes Lächeln auf.
„Liebend gerne, Marcus.“
In Marcus’ Privatgemächern: Er tauscht mit Marcus eine Weile Höflichkeiten aus, ehe er die Frage nach der ominösen Ogerszene stellt. Zu seiner Überraschung ist Marcus nur allzu bereit ihm von jenem geheimen Artefakt zu berichten, dass sich in seinem Besitz befindet, und das so geheim nicht sein kann. Dorien trinkt sich noch eine leichte Benommenheit an, um die gelegentlichen Andeutungen des jungen Adligen zu überhören, bevor er sich verabschiedet. Als er schon an der Tür ist, kommt ihm ein Gedanke.
Ich bin ein Genie.
„Marcus?“ Wieder das charmante Lächeln. „Falls Ihr noch einen Tanzpartner für heute Abend sucht…“ Er zwinkert ihm zu.

Winter
Auf dem Nymphenball.
Ein riesiger Festsaal, erleuchtet von einem gigantischen Kristallkronleuchter und zahlreichen Kandelabern. Edeldamen in ausladenden Ballkleidern halten sich mit geziertem Lächeln die Fächer vor das Gesicht, wenn ihnen die Edelherren mit Fasanenfedern an den Hüten galante Komplimente zuflüstern. Eine Festkapelle spielt zum Tanz auf. Diener in steifen Livrées servieren Kaviar, Pasteten, Spargelcremesuppe und andere kulinarische Köstlichkeiten. Winter aber interessiert sich vor allem anderen für die magischen Errungenschaften der Gäste. Immerhin weiß man nie, was der Abend noch bringen mag… Während der zehn Tage auf der Kerzenburg hat sie einen Zauber auf sich gewirkt, der ihr dauerhaft die Fähigkeit verleiht, Magisches in ihrer Umgebung wahrzunehmen. Und da gibt es einiges wahrzunehmen. Besonders aber springt ihr Marcus’ roter Mantel in die Augen, den er über die Lehne seines Stuhls geworfen hat: Etwas an dem Mantel strahlt eine unglaublich starke magische Aura aus.

Nimoroth
Unter den Gästen hat er einen Priester erspäht, der das Abzeichen der Mondgöttin Selune trägt. Nimoroth entschuldigt sich und gesellt sich zu der Gruppe um den Selunepriester. Er möchte gerne aus erster Hand etwas über Werwöfe erfahren, und wer könnte ihm da besser weiterhelfen als ein Priester der Schutzpatronin der guten Lykantropen. Das Gespräch mit dem Priester, Brandiras ist sein Name, beschert ihm wenig neues Wissen, aber dafür einen neuen Bekannten.

Winter
Nach dem Essen kommt Drake zu ihr herüber, um sie zum Tanz aufzufordern. Aufgeregt folgt sie ihm auf die Tanzfläche.
„Ich… ähm… muss dir gestehen, dass ich… gar nicht wirklich tanzen kann“, erklärt sie ihm ein wenig kleinlaut, doch Drake lächelt.
„Keine Sorge, ich führe.“
Nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten und einigen erfolgreich unterdrückten Schmerzenslauten von Seiten Drakes, wenn sie ihm mal wieder auf die Füße getreten ist, beginnt das Tanzen ihr Spaß zu bereiten. Drake ist ein schwungvoller Tänzer und selbst der Umstand, dass er ihre Taille immer enger zu umfassen scheint, beginnt ihr allmählich zu gefallen. Nachdem sie eine Weile Belanglosigkeiten ausgetauscht haben, beginnt das Gespräch um Drakes… „Berufung“ zu kreisen.
„Ich habe Kalyd nur den Schmerz heimgezahlt, den er mir verursacht hat“, erklärt der Attentäter. „Ich hätte ihn töten können. Etwas mehr Diamantenstaub und er wäre hinüber gewesen – damals, als ich ihn und seine Gefährtinnen vergiftete.
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Aber das war nicht mein Ziel. Er sollte leiden, wie ich gelitten habe, als ich von Tod meines Bruders erfuhr. Und das hat er, als seine Eltern starben. Wir schulden einander nichts mehr.“
„Ich finde dieses Prinzip der Blutrache barbarisch. Du glaubst dein persönlicher Schmerz rechtfertigt den Tod von Unschuldigen?“
„Glaubst du, der Entschluss deiner Eltern dich an einen Fremden zu verheiraten wie es nun einmal sehr oft üblich ist, rechtfertigt den Betrug an deinen Ehemännern?“ Er lächelt. Der Tanz ist vorüber. Er führt sie von der Tanzfläche. „Weshalb zeigst du niemandem dein wahres Gesicht, Winter? Ich war ehrlich zu dir. Wieso bist du es nicht auch zu mir?“
„Was erwartest du?“, fragt sie trotzig.
Sein Blick wird hart.
„Das wäre dann wohl alles“, sagt er und wendet sich ab.
Und dann brüllt plötzlich jemand „Was bei den Göttern?“ und ein Raunen geht durch die Menge.

Dorien
Den ganzen Abend schon beobachtet er diesen Unruhestifter Drake. Seitdem er begonnen hat, Winter den Hof zu machen, fängt er wirklich an, ihm auf die Nerven zu fallen. Nicht, dass Dorien eifersüchtig wäre. Nicht dass er es nötig hätte… sagt er sich. Als Drake Winter auf die Tanzfläche führt, macht Dorien Marcus ein Zeichen und verschwindet selbst in Richtung Tanzfläche. Wie nicht anders zu erwarten, folgt ihm Marcus auf dem Fuß. Er beginnt mit dem jungen Adligen zu tanzen und lässt dessen belangloses Geschwafel über sich ergehen ohne wirklich zuzuhören. Stattdessen wandert sein Blick immer wieder in Richtung eines anderen Tanzpaares… Als Drake und Winter die Tanzfläche verlassen, ist es endlich so weit. Dorien zaubert… und plötzlich tauschen er und Drake Plätze und Aussehen.
Im Körper des Feindes, denkt Dorien triumphierend, als er Drakes entgeistertes „Was bei den Göttern… Was willst denn du…? Lass mich los, du…!“ durch den Saal tönen hört. Bei Sune, fühlt sich das gut an. Bloß Marcus tut ihm leid… naja, nicht wirklich.
„Winter!“ Er fasst nach Winters Hand, als sie sich gerade umdreht, um zu sehen, was da los ist.
„Was ist denn noch?“
„Ich bin’s, Dorien. Lass uns hier verschwinden, bevor Drake uns sieht.“
Er zieht sie hastig hinter eine Säule, um ihr alles zu erklären, als es plötzlich „Diebstahl, Diebstahl“ durch den Raum schallt. Dorien bricht den Versetzungszauber ab.  

Grimwardt
„Was ist hier eigentlich los, Dorien? Was soll der Aufstand?“, fragt Grimwardt streng, während er versucht Dorien davon abzuhalten auf Marcus loszugehen, der überhaupt nicht verstehen kann, was den Hexenmeister plötzlich so erzürnt hat.
„Du… du hast mir doch solche Hoffnungen gemacht!“, murmelt er geknickt.
„Ich bin… DRAKE“, brüllt Dorien. „Und ich will wissen, wer das war!!“
Na, jetzt wird’s wirklich skurril. Muss der Alkohol sein.
Auch Nimoroth und Kalyd sind von dem Theater angezogen worden. Und blicken ebenso verständnislos drein wie Grimwardt. Winter und Drake sind nirgendwo zu sehen.
Und dann schallt es plötzlich „Diebstahl! Diebstahl!“ durch den ganzen Saal und Dorien verwandelt sich tatsächlich in Drake.
„Wir wurden bestohlen“, tuscheln die Gäste aufgeregt von allen Seiten und Wachen strömen in den Saal. Im nächsten Moment erblickt Grimwardt seine Schwester, die an der Decke schwebt und sich im Raum umblickt.
Hui, was ein Abend.
„Dort oben!“ Auch die Wachen haben sie entdeckt und spannen ihre Bögen. „Da ist der Dieb!“
„Nicht schießen!“, ruft Winter, „Ich halte nach magischen Gegenständen Ausschau! Dort oben! Da klettert jemand durch das Dachfenster!“ Und fliegend verfolgt sie den Flüchtigen.
Marcus wird plötzlich kreidebleich.
„Der… der Stab“, flüstert er. „Er ist weg… gestohlen.“
Kalyd und Nimoroth starren ihn ungläubig an.
„Du meinst doch nicht…?“
„Das Auge des Drachenkönigs, doch.“
„Du hast es hier?“
„Ich hatte es hier. Ich… ich habe es mir in meinen Mantel einnähen lassen, um es immer bei mir zu tragen. Und der Mantel ist jetzt…“
Kalyd starrt ihn sprachlos an und Nimoroth verwandelt sich sogleich in einen Vogel, um zum Dachfenster zu fliegen und den Dieb zu verfolgen.
Grimwardt verschränkt die Arme vor der Brust: „Könnte mir mal jemand erklären, wovon ihr eigentlich sprecht?“

Dorien
Ein Teleportationszauber befördert Dorien auf das Dach der Nymphenhalle. Winter ist bereits dort.
„Dort hinten!“ Fliegend zeigt sie auf eine schattenhaft verschwommene Gestalt, die flink über die Dächer huscht. Ein paar Dächer weiter taucht eine weitere auf. Und eine dritte scheint von einem Spatz verfolgt zu werden.
„Du den ersten, ich den zweiten“, sagt Dorien, zaubert und fliegt einem der Diebe nach. Winter verfolgt den anderen. Im Flug bezaubert Dorien den Fliehenden, der seltsam mit den Schatten zu verschmelzen scheint, und heißt ihn stehen bleiben. Der Dieb gehorcht und Dorien zwingt ihn telepathisch auszupacken. Kurz darauf taucht Winter auf und gemeinsam leiten sie das Verhör. Am Ende erfahren sie Folgendes: Der junge Dieb, ein Mitglied der mächtigen Diebesgilde der Schattendiebe, ist einem gewissen Ninman, genannt „Der Stille“, unterstellt, der die Operation „Nymphenball“ leitet. Der Auftrag lautete, alles Wertvolle mitgehen zu lassen – Schmuck, magische Gegenstände etc. Ein bestimmtes Zielobjekt gab es nicht. Der Junge ist Ninman selbst noch nie begegnet, doch er weiß, dass er sich am Delversplatz aufhält, einem Umschlagsplatz für Diebesgut. Winter nimmt den Beutel mit seiner Beute an sich (was Dorien daran zweifeln lässt, dass alles, was der Beutel enthält, zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurück findet...)
„Lasst Ihr mich laufen?“, flüstert der Junge verängstigt. „Ich habe alles gesagt, was ich weiß. Wenn Ihr mich der Stadtwache ausliefert, bin ich tot. Früher oder später wird jemand erfahren, dass ich ausgepackt habe und mir einen Besuch im Gefängnis abstatten…“
„Lass uns behaupten, er sei uns entwischt“, sagt Winter an Dorien gewandt. Sie lassen ihn laufen, dann fliegen sie zurück zum Haupteingang des Gebäudes. Ein Spatz flattert ihnen nach… und verwandelt sich in den Elfen Nimoroth. Er erzählt ihnen, dass auch er einen der Diebe verfolgt habe und gibt ein wenig kleinlaut zu, dass er bei dem Versuch ihn zu stellen vom Dach gefallen sei.
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Grimwardt
Während Kalyd Marcus Wands zu trösten versucht, der niedergeschlagen auf seinem Sitzplatz kauert, sucht Grimwardt den Hauptmann der Wache auf. Dieser hat die Festhalle von seinen Leuten umstellen lassen. Niemand kommt mehr rein noch raus. Hauptmann Gevar kümmert sich inzwischen darum, dass eine Liste aller gestohlenen Gegenstände angefertigt wird. Grimwardt kommt mit ihm ins Gespräch.
„Wir vermuten, dass die Schattendiebe hinter dem Überfall stecken“, seufzt Hauptmann Gevar. „Kaum eine andere Stadt ist mit einer solch mächtigen Diebesgilde geschlagen. Ihr Markenzeichen ist ihr schattenhaftes Auftreten – ihre Fähigkeit mit den Schatten zu verschmelzen, wo immer sie auftreten… es heißt, die Fühler der Gilde reichen bis in den Unterberg. Die Diebe müssen Eintrittskarten gefälscht und sich unter die Gäste des Balls gemischt haben. Die Veranstalter hätten die Einladungskarten magisch versiegeln lassen sollen – Ihr müsst wissen, dass es so ursprünglich geplant war, doch den Veranstaltern waren derlei Sicherheitsmaßen dann doch zu teuer.“
„Womöglich sind noch Diebe unter den Gästen“, gibt Grimwardt zu bedenken: „Ihr solltet alle Anwesenden überprüfen.“
„Und wie soll ich das anstellen?“, murmelt der Hauptmann: „Soll ich Tiefwassers Hochadel in eine Gefängniszelle sperren, bis wir herausgefunden haben, wer von ihnen nicht wirklich zur Aristokratie gehört?“
Grimwardt hat einen besseren Vorschlag: Er bietet an, alle Anwesenden mit einem Zauber zu belegen, der es ihnen verbietet die Unwahrheit zu sagen. Gevar nimmt seine Hilfe dankend an, Grimwardt wirkt den Zauber und gemeinsam nehmen die beiden Männer die Befragung der Gäste in Angriff.
Kurz darauf werden Winter, Dorien und Nimoroth hereingeführt, die dem Hauptmann zu berichten haben, dass sie einen der Diebe dingfest machen konnten.
„Leider ist er uns allerdings entw…“ Dorien, der offenbar in Grimwardts Lügendetektorfalle getappt ist, verschluckt sich an seinen eigenen Worten.
„…entwischt“, rettet Winter die Situation, die Grimwardts Magie besser widerstehen konnte.  
Da kommt Drake mit flammendem Blick auf die Gruppe zugeschritten.
„Dorien?“, zischt er. „Warst du es, der mich…. diesem Idioten in die Arme gezaubert hat?“
Dorien wirft Grimwardt einen bitterbösen Blick zu.
„War ich wohl“, knirscht er, unfähig die Unwahrheit zu sagen.
Bevor Drake Dorien an die Gurgel gehen kann, geht Grimwardt zwischen die beiden und erinnert sie daran, dass sie Marcus dabei helfen müssen, den Stab wieder zu finden.
„Dann lasst uns Ninman den Stillen finden“, gibt Winter das Stichwort zum Aufbruch.

Nimoroth
Auf dem Delversplatz, zehn Minuten später.
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Trotz der späten Stunde herrscht auf dem Delversplatz noch reger Betrieb. Betrunkene torkeln über das Pflaster, Verliebte liegen sich in den Armen und einige Gestalten, denen der zweifelhafte Ruf bereits in die vernarbten Visagen eingebrannt steht, beäugen die sieben Neuankömmlinge mit düsterer Miene. Markus erzählt ihnen, dass die Stadt die Machenschaften dieses Ort zwar nicht gutheißt, jedoch duldet, um die Unterwelt ein wenig im Auge zu behalten. Wenn man das Übel schon nicht ausrotten kann, ist es immer noch sinnvoller es zu zähmen, als zuzulassen, dass es sich im Geheimen ausbreitet. Gelegentliche Säuberungen verhindern, dass die Diebe es hier allzu bunt treiben.
Am Nordende des Platzes führt eine Treppe in die Kanalisation der Stadt, so wie der junge Dieb es beschrieben hat. Ein bulliger Kerl bewacht die Treppe. Als die Gefährten näher kommen, stellt er sich ihnen mit verschränkten Armen in den Weg.  
„Was sucht ihr da unten?“
„Wüsste nicht, was Euch das angeht.“
Der Bullige plustert sich auf. Winter hat sich unsichtbar gezaubert und versucht sich an ihm vorbei zu schleichen. Nimoroths Hand liegt an seinem Schwertgriff.
„Lass uns gehen“, meint Grimbardt und versucht sich an dem Kerl vorbei zu schieben. Der dreht sich plötzlich nach hinten: „Schnell, es gibt Ärger!“
Es kommt nicht einmal zum Kampf. Winters Schlafzauber setzt die vier Jungs, die aus dem Dunkeln gelaufen kommen, Schachmatt, Grimwardt versetzt dem Bulligen ein paar Kinnhaken. Kalyd und Marcus bieten an, die Schlafenden zu fesseln und zu bewachen, während die anderen sich dort unten einmal umsehen.
„Ich wäre ja ohnehin nur allen im Wege“, murmelt Marcus niedergeschlagen. Nimoroth muss zugeben, dass der Unglücksvogel ein Talent dafür hat, sich und andere in Schwierigkeiten zu bringen.
Sie treten ins Dunkel.
Grimwardt setzt seinen Zwergenhelm auf, der ihn im Dunkeln sehen lässt. Dorien belegt jeden von ihnen mit einem Unsichtbarkeits- und einem Stillezauber und sie schleichen durch die Gänge…. Oder besser gesagt bis zur ersten Abzweigung des unterirdischen Labyrinths, wo ihnen klar wird, dass sie zwar jetzt mit größter Wahrscheinlichkeit niemand hören oder sehen wird, dass sie allerdings auch einander weder hören noch sehen können. Schnapsidee. Wie sollen sie sich nun darüber verständigen, welchen Weg sie einschlagen sollen? Ernüchtert bricht Dorien die Zauber ab und sie versuchen ihr Glück mit Schleichen und Flüstern. Winter vermeint Stimmen von Osten her zu hören und sie schlagen diese Richtung ein. Tatsächlich geraten sie auf diese Weise an eine Tür, hinter der Lichtschein ist und die aufgeregten Stimmen von Händlern und Käufern dringen an Nimoroths Ohr.  
Der Schwarzmarkt.
Die Gefährten beschließen, getrennt hinein zu gehen, um nicht allzu sehr aufzufallen. Grimwardt geht als erstes. Die anderen kommen nach. Winter, stets mit Rüstzeug für eine gute Komödie ausgestattet
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, verkleidet sich als „eine von der Zunft“, Dorien mimt ihren Gatten und Nimoroth verwandelt sich kurzerhand in einen Pudel und springt Dorien in den Arm.
„Brav, Puffy“, meint Dorien amüsiert.
Wuff.

Puffy
Auf dem Schwarzmarkt.
Zwei rohe Kerle am Eingang mustern Winter eindringlich.
„Zum ersten Mal hier?“, knurrt der eine und beißt auf seiner Pfeife herum. „Hab dich hier noch nie gesehen… Wer bist du? Und wer sind die?“
„Bree Balosteros“, sagt Winter, dann weist sie herablassend auf die anderen, „mein Mann, mein Hund und…“ Sie blickt Drake an. „mein Lakai.“
Dorien grinst. Drake verdreht die Augen. Puffy bellt.
„Schattendiebe?“
„Schwarze Dahlie.“
„Nie gehört.“
„Wohl noch nie aus Tiefwasser raus gekommen, was?“
Winter schlendert an den Ständen vorbei, während sie nach magischen Gegenständen Ausschau hält; ihr Rudel folgt ihr. An einem Waffenstand bleibt sie stehen und betrachtet etwas abfällig die angebotene Ware.
„Hey“ raunt der Händler ihr zu und winkt sie mit dem Zeigefinger näher. Sie beugt sich zu ihm herab.
„Ihr sucht etwas… Pikanteres?“
Sie zieht die Augenbrauen in die Höhe.
„Woran denkt ihr da?“
Ein fauliges Grinsen. Er nimmt eine Schatulle aus einem Geheimfach unter dem Stand und lässt Winter einen Blick auf den Inhalt werfen. Vergiftete Pfeile, wie Winters geschultes Auge sofort erkennt.
 „Wie viel?“, will sie wissen. Puffy knurrt.
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Der Händler nennt ihr einen übertriebenen Preis. Hier auf dem Schwarzmarkt von Tiefwasser wird alles zum doppelten Preis verkauft. Drogen, Gift, Fallenmechanismen, dunkle Magie – wer hierher kommt, sucht nichts, das er auf jedem x-beliebigen Wochenmarkt bekommt.
Winter will mit dem Händler um den Preis für Drowgift und Pfeile feilschen, doch Drake macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Er präsentiert dem Händler ein paar Goldmünzen – mehr als der gefordert hat. Der Gifthändler sieht erwartungsvoll Winter an, doch die zuckt die Schultern.
„Sie gehören dir.“
Der Händler verkauft Drake Pfeile und Gift. Puffy springt knurrend von Doriens Arm und beißt Drake ins Bein.
 „Böser Hund“, kommentiert Dorien wenig überzeugend.
„Ich bin enttäuscht von dir“, flüstert Drake Winter ins Ohr. „Ich hätte erwartet, dass du um deine Beute kämpfst.“
Sie quittiert die Bemerkung mit einem kühlen Blick und wendet sich wieder dem Händler zu. Die beiden reden über Diebesgeschäfte. Winter tischt ihm eine Lüge auf von einem großen Coup, den sie angeblich plant.
„Das dürfte auch Ninman interessieren“, flechtet sie ganz beiläufig den Namen des Gesuchten ins Gespräch ein. Der Händler versucht die Bemerkung zu überhöhen, doch selbst von hier unten kann Puffy ihn unter seinem dichten schwarzen Bart erbleichen sehen. Winter beobachtet ihn.
„Wisst Ihr zufällig, wo ich Ninman finden kann?“, fragt sie, verschwörerisch zu dem Händler hinunter gebeugt. Er sieht sich nervös um.
„Was wollt Ihr von ihm?“
„Geschäfte.“
„Was für Geschäfte?“
„Könnt Ihr mir sagen, wo ich ihn finde, oder nicht?“
Er zaudert, kratzt sich am Hintern.
„Wartet“, murmelt er schließlich und verschwindet. Puffy springt ihm hechelnd hinterher und beobachtet, wie er mit einem anderen Händler redet und in Winters Richtung weist. Dann kehrt er zu seinem Stand zurück. Der andere Händler aber schleicht sich an die Rückwand des Raumes und… verschwindet plötzlich in der Wand. Puffy sieht genauer hin und nun erkennt er die magische Illusion, die die Wandöffnung verbarg. Der Händler kommt mit vier gerüsteten und vermummten Gestalten wieder, die auf Winter, Dorien und Drake zuhalten.
„Waffen ablegen und Augen verbinden“, knurrt einer der Maskierten. Sie gehorchen. Winter gibt ihre Pfeile ab (sie trägt ja noch ihren Dolch im Stiefel), Drake händigt seine Dolche aus (Er kann sie ja ohnehin von überall her zu sich zurück rufen) und Dorien legt seine Peitsche ab (die er sowieso nur aus ästhetischen Gründen bei sich trägt).
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Und Puffy ist heilfroh, dass man ihn als harmlos einstuft und nicht nach magischen Gegenständen untersucht. Winter, Drake und Dorien werden die Augen verbunden, die Maskierten nehmen sie in die Mitte und führen sie durch die geheime Tür in der Wand. Niemand achtet auf den hechelnden Pudel, der ihnen nacheilt.

Winter
Irgendwo in der Kanalisation.
Dunkel. Sie versucht sich den Weg zu merken, während man sie durch ein schier endloses Labyrinth von Gängen führt. Irgendwann heißt ihr Führer sie stehen bleiben und schiebt ihr einen Stuhl unter den Hintern.
„Auf die Hände setzen“, knurrt er. Sie gehorcht. Dorien und Drake scheinen auf Stühlen neben ihr zu sitzen. Sie kann Puffy hecheln hören. Hinter sich vermutet sie mindestens drei Armbrustschützen, denn sie kann hören, wie Bolzen angelegt werden.
„Was führt Euch her?“, vernimmt sie eine piepsige Stimme, die entweder einem Eunuchen oder einem Halbling gehören muss. Das muss Ninman sein.  
„Ich möchte Euch ein Geschäft vorschlagen, Ninman“, erklärt Winter.
„Ein Geschäft?“
„Ich weiß von dem Überfall auf die Nymphenhalle heute Nacht.“
„Wo habt Ihr das her?“
„Man tut in meinem Geschäft gut daran seine Quellen nicht zu verraten, das wisst Ihr so gut wie ich.“
 „Was wollt Ihr?“
„Ich bin an einem der… erworbenen Gegenstände interessiert.“
„An welchem?“
„Ich hörte…“ Winter muss improvisieren, „von einer magischen Brosche, die unter dem Diebesgut sein soll.“
Sie hört Ninman mit jemandem tuscheln; kurz darauf:
„Es gibt keine solche Brosche“, zischt Ninman. „Erschießt sie.“
Bewegung bei den Armbrustschützen.
„Halt“, ruft Winter. Und dann meldet sich Dorien zu Wort.
„Es ist nicht die Brosche, die wir suchen“, sagt er. „Es ist ein mächtiger magischer Stab.“ Und er beschreibt Ninman das Auge des Drachenkönigs.
„Ein solcher Stab war tatsächlich unter der Beute… war, muss ich betonen.“
„Das heißt, Ihr habt ihn nicht mehr?“
„Gebt zu, Ihr handelt im Auftrag der Stadtwache… oder vielleicht des Besitzers dieses Auges! Ihr wollt uns alle hochgehen lassen!“
Dorien will etwas erwidern, doch Ninman wird die Sache zu brenzlig.  Er gibt den Schützen den Befehl zu schießen. Winter duckt sich, spürt, wie Bolzen an ihr vorbei zischen und reißt sich die Augenbinde von den Augen. Es sind sieben Armbrustschützen und Ninman „der Stille“, der gnomische Schurkenführer dieser Bande. Er trägt eine Zipfelmütze mit Glocke, die jedoch kein Geräusch macht, wenn er sich bewegt. Daher wohl der Spitzname.
Winter zaubert sich hastig ein paar Spiegelbilder, um sich vor der Salve fliegender Bolzen zu schützen. Puffy springt auf den Tisch vor Ninman und verwandelt sich in den Elfen Nimoroth. Drake ruft seine Dolche herbei und versucht blind anzugreifen. Und Dorien mimt den Spielverderber, als er einen Verdorren-Zauber murmelt, der sämtliche Schützen dahinrafft und Ninman zusammenbrechen lässt.
 „Aufhören!“, ruft der Gnom und hebt abwehrend die Hände. Ungläubig betrachtet er die Verwüstung, die die drei angerichtet haben.
„Wir hätten es friedlicher lösen können“, bemerkt Dorien unnötigerweise.
Nach dieser Vorstellung ist Ninman nur allzu bereit auszupacken: Der Stab sei mit dem restlichen Diebesgut der Operation an den Elfen Elaith „Die Schlange“ Craulnober gegangen, der in der Gildenhierarchie weit über Ninman stehe.
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Der Gnom habe seinen Lohn kassiert und den Rest dem Elfen überlassen. Der wohne im Palais von Haus Falkenwinter – mehr wisse er nicht.
Ninman wirkt so eingeschüchtert, dass die Gefährten ihm glauben. Dennoch nehmen sie ihn mit zurück auf den Schwarzmarkt, wo man ihnen ihre Gegenstände aushändigt und sie Grimwardt wieder treffen. Dieser hat den vergeblichen Versuch unternommen, auf dem Schwarzmarkt für seinen Tempel einzukaufen – leider waren die Transportkosten ins Schlachtental zu hoch. Zur Sicherheit wirkt Grimwardt noch einmal seinen Wahrheitszauber, der den Anwesenden das Lügen verbietet, um sicherzugehen, dass der Gnom sie nicht an Elaith verrät, wenn sie ihn laufen lassen. Der Zauber betrifft auch die Umstehenden und der Schwarzmarkt versinkt im Chaos, als sich Käufer und Händler plötzlich gegenseitig an die Gurgel gehen. Hundert Schurken, Schwarzhändler und Hehler unter einem Wahrheitszauber – das verträgt sich so gut wie Vampir und Knoblauchknolle.

Dorien
Vor dem Stadtpalais der Falkenwinters, kurz vor Morgengrauen.
Von Marcus haben die Gefährten erfahren, dass Elaith Craulnober in Tiefwasser ein hohes Tier ist – er ist der Geliebte der Fürstin Falkenwinter, Herrin eines der mächtigsten Adelshäuser der Stadt und Mitglied des Grafenbündnisses. Marcus bezweifelt, dass die gutmütige Fürstin etwas von den Machenschaften ihres Mannes und seiner Verbindung zu den Schattendieben weiß. Es heißt, Elaith stamme von dem sagenumwobenen Elfeneiland Immerdar.
Zwischen den Gefährten entbrennt eine hitzige Diskussion um ihre weitere Vorgehensweise. Drake schlägt vor, die kleine Tochter des Elfenschurken zu entführen, um den Vater zu erpressen. Nimoroth lehnt diese Lösung kategorisch ab.
„Lasst das Kind aus dem Spiel!“ Er sieht Drake mahnend an.
Der Auftragsmörder zuckt mit den Schultern. „Ihr würde nichts geschehen.“
„Sie würde Todesängste ausstehen!“, ereifert sich Nimoroth.
Am Ende einigen sie sich darauf, dass Dorien, Winter und Drake das Haus nach dem Stab durchsuchen sollen. Sollten sie nichts finden, wollen sie Elaith verhören. Dorien teleportiert sie in ein Gästezimmer im zweiten Stock, das Nimoroth bei einem Rundflug um das Palais ausfindig gemacht hat. Sie trennen sich: Drake sucht nach Elaith, während Dorien und Winter der alt-bewährten Kellertheorie folgen, die besagt, dass geheime Verstecke und Hehlerlager in aller Regel einen Zugang im Keller haben. Unsichtbar schleichen sie durch das Gebäude, vorbei an den Wachposten im ersten Stock hinunter ins Erdgeschoss. Sie gelangen an eine Flügeltür, die in den Salon führt. Eine unscheinbare Tür aus dem Salon heraus führt in die Küche des Palais. Stimmen dringen aus dem hinteren Teil der Küche, wo zwei Küchenmädchen gerade das Frühstück zubereiten. Winter schleicht unsichtbar an ihnen vorbei und entdeckt eine Falltür im Boden, die in den Keller führen muss. Leider werden sie sie nicht öffnen können, ohne die beiden Mädchen auf sich aufmerksam zu machen. Sie schleichen zurück. Vor der Küche treffen sie auf Drake, der das Schlafgemach der Fürstin und ihres Geliebten in ersten Stock ausfindig gemacht hat.
Vor dem Schlafgemach der Fürstin verwandelt sich Winter in Nebel, um durch den Türspalt zu schlüpfen. Als sie zurückkehrt, berichtet sie, dass Elaith mit seiner Frau im Bett schläft; das kleine Mädchen ist bei ihnen.
„Ich könnte den selben Trick anwenden wie im Ballsaal“, schlägt Dorien vor und vermeidet es Drake dabei anzusehen. Jetzt ist nicht die Zeit, einen Streit vom Zaun zu brechen. „Ich könnte mit Elaith den Platz tauschen und ihr verhört ihn.“
„… und du liegst mit seiner Frau im Bett“, vollendet Drake nüchtern den Gedanken.
„Ja-a.“ Dorien beginnt der Einfall immer besser zu gefallen.
„Ich könnte den Zauber auch wirken“, macht ihm Winter da einen Strich durch die Rechnung. „Es wäre wichtig, dass du hier bleibst, Dorien, um einen Stillezauber zu wirken, damit wir seine Frau und die Kleine nicht aufwecken.“
Schade. Leider muss Dorien Winter Recht geben. Sie will mich nur nicht mit einer Fremden im Bett wissen, versucht er sich über die verpasste Chance hinwegzutrösten.
Winter spricht also einen Versetzungstrick und Drake wickelt Doriens Peitsche um seinen Dolch, um den Elfen damit bewusstlos zu schlagen. Nachdem Winter die magischen Worte ausgesprochen hat, murmelt Dorien seinen Stillezauber. Einen Augenblick später erwacht Elaith in Winters Gestalt zwischen Dorien und Drake. Der elfische Schurke macht große Augen, sieht sich panisch um und versucht einen Zauber zu sprechen, um sich fort zu teleportieren, doch der Stillezauber lässt ihn scheitern. Schwein gehabt. Drake schlägt zu und braucht nicht lange, um den überrumpelten Elfen ins Traumland zu schicken. Dorien und Drake ziehen den Bewusstlosen in einen Nebenraum. Winter kommt ihnen kurz darauf – wieder in ihrer eigenen Gestalt – hinterher. Dorien versucht sie gleich ins Palais der Wands zu teleportieren, doch der Versuch schlägt fehl. Ihm schwindelt.
„Der Palais ist gegen Teleportation geschützt“, erklärt er und teleportiert sie stattdessen vor die Tür, wo Nimoroth, Kalyd, Grimwardt und Marcus warten.
Sieht so aus, als müssten sie zu Fuß laufen. Grimwardt und Drake nehmen den Bewusstlosen in die Mitte und schleifen ihn mit, um es so aussehen zu lassen, als begleiteten sie einen Betrunkenen nach Hause. In Lliiras Nacht scheint daran niemand etwas Außergewöhnliches zu finden…

Winter
Im Keller der Wands’.
Alles ist nach Winters Anordnungen vorbereitet für das Verhör. Der Raum verrät nichts über den Standort. Winter hat sich einen Schal vors Gesicht gebunden; Dorien trägt eine Seidenmaske aus dem Laden seiner Mutter.
Spoiler (Anzeigen)

Drake hat Wasser geholt, um den Elfen aus dem Tiefschlaf zu wecken.
Da kommt Winter eine Idee.
„Warte!“, sagt sie und Drake hält inne. „Ich kenne einen Zauber, mit dem ich seine Erinnerungen lesen kann… auf diese Weise würden wir ihm gegenüber völlig anonym bleiben.“
Drake starrt sie ungläubig an.
„Wieso hast du das nicht gleich gemacht? Wozu haben wir den Kerl so aufwendig hierher geschafft, wenn du ihn gleich bei den Falkenwinters hättest bezaubern können???“
„Ich dache, wenn etwas schief geht, dann… Ich… Keine Ahnung“, muss Winter zugeben.
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Drake zieht zynisch eine Augenbraue hoch.
Winter spricht etwas kleinlaut ihren Zauber und forscht in Elaiths Erinnerungen nach dem Auge des Drachenkönigs: Die Ausbeute der Operation „Nymphenball“ wurde an eine der Schatten weitergereicht, wie die geheimen Oberhäupter der Schattendiebe genannt werden. Sie wird Alauneth, die Viper, genannt.
Spoiler (Anzeigen)

Ihr Domizil befindet sich im Schädelhafen, jener ominösen Schattenstadt Tiefwassers in den Tiefen des Unterbergs, wo Halasters Kreaturen ihr Unwesen treiben. Ein überaus gefährlicher Ort. Wer einen Weg nach Schädelhafen sucht, der muss zuerst drei Ebenen des Unterreichs durchqueren. Oder er sucht sich im Gasthaus „Der brennende Troll“ einen Bootskapitän, der närrisch genug ist, eine Abenteuergruppe über den unterirdischen Fluss zu geleiten, der Tiefwasser und Schädelhafen verbindet. Es ist abgemacht, dass Elaith sich nach der Übergabe nicht mehr bei der Viper meldet. Sollte er es doch tun, ist etwas schief gegangen. Die Fürstin Falkenwinter, Elaiths Geliebte, weiß von dessen zweifelhaften Verbindungen; sie steht selbst im Bunde mit den Schattendieben. Diese Nachricht droht ernsthaft Nimoroths Glauben an das Gute im Menschen zu zerstören.
„Das arme Kind“, murmelt er nur kopfschüttelnd.  
Nach diesem geheimen Verhör wirkt Dorien einen Zauber, der Elaiths Erinnerungen an die nächtliche Aktion in einen kleinen Kristall bannt, den Dorien an sich nimmt. So wollen die Gefährten verhindern, dass der Elf mit der „Viper“ Kontakt aufnimmt und sie auf diese Weise gewarnt ist. Schließlich teleportiert Dorien den Bewusstlosen in eines der verruchtesten Viertel der Stadt, wo er ihn mit einem Bierhumpen in der Hand zurücklässt. Später am Morgen fährt Marcus mit einer Kutsche zu dem Ort, um den verirrten Säufer – natürlich rein zufällig - aufzulesen und seine eigenen Vorteile aus der Geschichte zu ziehen: Immerhin weiß in Tiefwasser jeder in Skandal und Kabale geübter Aristokrat, dass ihm das selbstlose Hilfsangebot an einen armen Tropf, der nach Liiras Nacht mit lückenhafter Erinnerung und mächtigem Schädeldröhnen bierbedudelt durch den Unrat kriecht und dessen Hoffnung, dass ihn so bloß niemand finden möge – erst recht niemand Wichtiges – durch das Auftauchen einer prunkvollen Kutsche bitter enttäuscht wird, einen neuen Freund verschaffen kann…  

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Als nächstes werden die Spieler demnach in den Schädelhafen reisen und dort warten einige "anspruchsvollere" Kämpfe auf sie :-)
~ I survived Myth Drannor '06 ~
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~ Für mehr Handlung in Pornos ~ ~ "Und Dragonborn sind einfach kacke." (© by Scurlock)

Nakago

  • Mitglied
[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #7 am: 19. August 2007, 16:27:04 »
Mir hat die Geschichte bis jetzt sehr gut gefallen. Wird es irgendwann weiter gehen?

Jak

  • Mitglied
[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #8 am: 31. August 2007, 18:42:46 »
Sehr schön! Wunderbar! Weitermachen, bitte! :)

Thalas

  • Globaler Moderator
    • http://www.dnd-gate.de
[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #9 am: 31. August 2007, 19:36:42 »
Bald wird es weiter gehen. Die übernächste und darauffolgende Session sind schon geschrieben, doch die nächste - nach dieser hier - fehlt noch. Deshalb die Verzögerung.
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Jak

  • Mitglied
[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #10 am: 01. Oktober 2007, 18:04:04 »
*Träller* Achja, wie gerne ich diese fantastische SH weitergeführt sehen würde... *LaLa* ;)

Niobe

  • Mitglied
[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #11 am: 03. Oktober 2007, 13:05:38 »
So... hier kommt endlich der nächste Teil - diesmal direkt von der Chronistin...

Schädelhafen

16.Tag des Alturiak, Jahr der Blitzenden Stürme (1374 TZ)

Grimwardt
Salon im Palais der Wands, vormittags.
Nach ein paar Stunden Schlaf versammeln sich alle im Salon. Marcus wirkt entspannter; lehnt lässig in einem samtbezogenen Diwan und versucht dem Drang zu widerstehen, mit weibliche Grazie die Beine übereinander zu schlagen. Er lässt seinen Gästen das Frühstück servieren, während sie beratschlagen, was zu tun sei. Grimwardt möchte mehr über das Auge des Drachenkönigs erfahren und Marcus nimmt das Stichwort nur allzu gerne auf, um die Geschichte seines Geschlechts zum Besten zu geben: Die Wands, so erzählt der redselige Barde, seien einst aus einer anderen Welt nach Faerûn eingewandert – eine Welt, die durch das Werk eines grausamen Gottes, des Drachenkönigs, zerstört wurde, den Marcus’ Vorfahren in den Stab bannen konnten. Der Stab aber ging verloren; ein Magier aus Marcus’ Heimatwelt nahm ihn an sich und wurde wie alle anderen, die den Stab berührten, in seinen Bann gezogen. Durch einen Zufall (oder göttliche Fügung, wer vermag das schon zu sagen?) verschlug es schließlich auch den Magier Sabbas nach Faerûn und ein weiterer Zufall  (und jetzt wäre es vielleicht wirklich angebrachter von Schicksal zu sprechen!) ließ Marcus den Stab stehlen, der ihm nichts anhaben konnte. Der junge Lebemann, unwissend, welchen Schatz er hier in Händen hielt, versteckte das Artefakt in den Spinnenspukwäldern und der Rest ist Geschichte: Sabbas kam Marcus auf die Schliche, auch wenn er ihn zeitweise für einen Weltensegler namens Marco Volo hielt, als welcher der unglückselige Barde sich ausgab. Zusammen mit Kalyd und seinen Freunden und verfolgt von Sabbas und seinen Kreaturen reiste Marcus schließlich in die Spinnenspukwälder, um den Stab zu finden. Doch der Banntanz, den er aufführte, um das Artefakt zu bannen, entfesselte stattdessen die Macht des Drachenkönigs. Und dann verliert sich die Geschichte im Phantastischen: Den Gefährten erschienen im Traum drei Götter, die den Drachenkönig bannten, ihnen das Leben retteten und Marcus als Wächter des Drachenauges einsetzten. Eine Aufgabe, der er nicht ganz gewachsen zu sein scheint…
Die Mission der sechs Gefährten scheint klar: Sie müssen sich in den „Brennenden Troll“ begeben, um einen Kapitän zu finden, der sie in den Schädelhafen bringt. Kopfzerbrechen bereitet ihnen allein die Frage, was sie mit dem Stab anfangen sollen, wenn ihn niemand berühren darf. Es scheint keine andere Möglichkeit zu geben, als Marcus der Gefahr auszusetzen mit ihnen in die Unterwelt zu reisen. Der scheint auch ganz Feuer und Flamme, während Grimwardt ihn skeptisch von oben bis unten mustert.
„Hmpf“, grummelt der Kriegspriester. „Fangen wir mit Eurer Kleidung an. Zeigt mir Eure Rüstung.“
„Das ist sie!“, erwidert der Adlige und präsentiert sich in vorteilhafter Kontrapost-Stellung und ausgebreiteten Armen. „Seht mich an! Ich bin bereit!“
Der junge Wands trägt feinsten Samt und einen stählernen Zahnstocher an der Seite und Grimwardt würde seinen Bart darauf verwetten, dass er dort allein zur Zierde hängt. Er schließt die Augen und knirscht mit den Zähnen.
„Nun“, meint Drake trocken. „Das wäre wohl geklärt. Lasst uns aufbrechen.“

Winter
In einem der verruchtesten Vierteln der Stadt.
Sie haben einen gewissenhaften Gesellen, der am Tag nach Liiras Nacht mit einem Schubkarren zur Arbeit trottete, nach dem Weg zum „Brennenden Troll“ gefragt.  Der brave Junge wollte nicht einmal das Gold annehmen, das Grimwardt ihm für die Auskunft bot. Winters momentane Verkleidung ist der Umgebung angepasst – die ist trüb, düster, neblig, verschlafen und von den Nachwehen des Freudentaumels ergriffen. Ja, selbst die Halunken des Hafenviertels scheinen den Tag nach Liiras Nacht lieber im Bett zu verbringen. Auch das Gasthaus „Zum Brennenden Troll“, in einer verwinkelten Seitengasse gelegen, scheint in tiefem Schlummer versunken: Die Fenster sind mit Brettern vernagelt; trostlos baumelt das Tavernenschild über der Tür; kein Laut dringt nach draußen.
Dorien zuckt mit den Schultern. „Vielleicht die Art von Schurkenspelunke, die nach außen hin lieber nicht zu viel von ihrer Seele preisgibt“, schlägt er vor. „Vielleicht befindet sich die Wirtsstube in einem geheimen Teil des Gebäudes.“
Sie beschließen wieder in Grüppchen hineinzugehen. Bevor Winter sich mit Dorien und Marcus auf den Weg macht, erstellt Grimwardt eine telepathische Verbindung zu seiner Schwester, damit die beiden Gruppen in Kontakt bleiben können.
„Keine Dummheiten“, mahnt Grimwardt. „Ich kann deine Gedanken lesen…“
…und ich die deinen, denkt Winter bei sich: Zu gut kennt sie Grimwardt, um seine „große-Bruder-Litterneien“ für bare Münze zu nehmen. Doch falls er diesen Gedanken erfasst hat, erwidert er nichts darauf.
Die beiden Grüppchen trennen sich. Winter klopft an die Tür. Ein altes Weib mit gebücktem Rücken und fauligen Zähnen öffnet die Tür einen Spalt breit. Die Alte führt Winter, Dorien und Marcus durch einen heruntergekommenen Hausflur in einen düsteren Tavernenraum im hinteren Teil des Gebäudes: Die Gaststube macht einen recht trostlosen Eindruck: Ein muskulöser Kerl poliert Geschirr hinter dem Tresen, ein junges Mädchen mit strähnigem Haar und schlurfenden Schritten nimmt Bestellungen auf, eine Abenteuergruppe um einen Krieger und eine Halbelfe blickt düster zu den Neuankömmlingen auf, ein Zwerg beugt sich mit zwei bulligen Kerlen über ein paar Pläne.
„Nicht viel los am Tag nach Lliras Nacht“, krächzt die Alte. „Hättet an einem anderen Tag herkommen sollen. Glaubt’s mir, `s ist eine der beliebtesten Tavernen der Stadt, mein Brennender Troll.“
Die drei Gefährten geben sich angemessen beeindruckt und setzen sich in eine Nische in der Nähe des Zwerges. Kurz nachdem sie Wein und Wasser bestellt haben (Das Interesse der Schankmaid an Doriens Person entgeht auch Marcus’ eifersüchtigen Blicken nicht…), beobachten sie, wie die Alte zurück in den Hausflur schlurft. Kurz darauf führt sie Grimwardt, Drake und die beiden Elfen herein. Grimwardt grüßt freundlich den Zwerg, doch der grummelt nur etwas Unverständliches und wendet sich wieder seinen Plänen zu.

Grimwardt
Kalyd und Nimoroth unternehmen einen vergeblichen Versuch, der Halbelfe am Nebentisch Informationen zu entlocken. Die Abenteurerin erteilt den Elfen eine klare Abfuhr und die beiden kehren an ihren Tisch zurück, wo Grimwardt und Drake warten. Doch so leicht will Nimoroth sich nicht abwimmeln lassen: In einem unbeobachteten Moment verwandelt er sich in Puffy, den Pudel, und hüpft unter den Nebentisch, um zu belauschen, was dort geflüstert wird. Doch einer der Abenteurer bemerkt den Hund und schreit Zeter und Mordio.
„Verdammter Straßenköder! Mach, dass du fort kommst!“
Der Wirt horcht auf und kommt mit einem Knüppel hinter der Theke hervor. Rasch rettet Puffy sich zu Dorien und Winter, die die tierische Verkleidung durchschauen, sich für „Puffys Betragen“ entschuldigen und den unartigen Pudel auf Geheiß des Wirtes mit Winters Lederhaarband an das Tischbein fesseln.
„Das Hundetheater hättet ihr euch sparen können“, bemerkt Drake, der das Geschehen mit zynischem Desinteresse beobachtet hat. „Die Halbelfe und ihre Kollegen haben sicher keine Fahrt zum Schädelhafen gebucht. Viel zu unauffällig.“
„Unauffälligkeit ist der beste Schutz, wenn man düsteren Geschäften auf düsteren Wassern nachgeht“, verteidigt Kalyd ihre Aktion.
Drake lacht verächtlich auf.
„Na, demnach müsstest du eine ganze Flotte besitzen, Kalyd!“
Wenn Blicke töten könnten, könnte man den Blickwechsel zwischen Elf und Assassine vielleicht als Schusswechsel beschreiben. Grimwardt jedenfalls beschließt, die beiden für eine Weile ihrer trauten Zweisamkeit zu überlassen und schlendert zur Theke, um dem Wirt ein paar Informationen zu entlocken.
„Ich will ganz offen sprechen“, sagt der Kriegspriester nachdem sie die üblichen Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht haben. „Ich brauche einen Kapitän, der mich und meine Freunde zum Schädelhafen bringen kann.“
Er wirft dem Wirt, der gerade dabei ist, das Geschirr vom Vortag zu schrubben, ein paar Goldmünzen auf den Tresen. Der mustert das Gold abfällig aus den Augenwinkeln, während er unberührt weiterschrubbt. Seufzend erhöht Grimwardt das Informationsgeld.
„Hm“, macht endlich der Wirt. „Ich denke, ich kann Euch helfen…“
In diesem Moment erreicht Grimwardt eine telepathische Nachricht seiner Schwester.
Ich glaube, wir sind fündig geworden.
Großartig,
denkt der Kriegspriester. Hättest du mir das nicht drei Sekunden früher mitteilen können?

Winter
Kurz zuvor.
Während sie sich zum Schein mit Dorien und Marcus unterhält, lauscht Winter dem Gespräch des Zwerges und seinen beiden menschlichen Begleitern. Ein paar Gesprächsfetzen lassen sie aufhorchen.  
„… in etwa vier Tagen auslaufen. Habe noch eine ‚Ladung’ rein bekommen.“
„Wie viele?“
„Zwanzig Mann. Gute Ware, keine Kranken, keine Alten... Die werden mir unten ein hübsches Sümmchen einbringen.“
„Warum erst in vier Tagen?“
„Technische Probleme. Als die uns das letzte Mal gefilzt haben, hätten die beinahe die Klapptür gefunden… wäre die Ware nicht ruhig gestellt gewesen, wär’ ich dran gewesen, bei Umberlee. Muss noch ein wenig am Mechanismus arbeiten.“
Aufgeregt teilt Winter den anderen beiden mit, was sie erfahren hat.
„Sieht so aus, als hätten wir unseren Mann gefunden“, flüstert sie. „Der Zwerg muss ein Sklavenhändler sein, dessen Abnehmer ‚unten’ im Schädelhafen auf die Ware warten. Jede Wette, dass der uns überallhin schifft, wenn nur die Rechnung stimmt.“
„Ein Sklavenhändler?“, fragt Marcus Stirn runzelnd.
Puffy knurrt und kreist rastlos um das Stuhlbein herum.
Winter hat gerade noch Zeit, ihren Bruder zu informieren, als der Zwerg und seine beiden Begleiter auch schon ein paar Münzen auf den Tisch werfen und sich zum Gehen wenden.
Dorien und Winter wechseln einen Blick. Sie warten, bis der Sklavenhändler den Raum verlassen hat, bevor sie ebenfalls zahlen. Hastig binden sie Puffy los und folgen den Fremden.

Dorien    

Sie folgen dem Sklavenhändler in einigem Abstand durch ein Labyrinth nebliger Gassen. Als sie um eine Häuserecke biegen, warten am andern Ende der Gasse drei Gestalten; der Zwerg muss die Verfolger bemerkt haben. Seine beiden Männer halten Armbrüste auf sie gerichtet. Der Sklavenhändler erwartet sie mit verschränkten Armen.
„Was wollt ihr? Weshalb verfolgt ihr mich? Sprecht“, knurrt er ungastlich.
Dorien kommt gleich zur Sache.  
„Wir haben euer Gespräch belauscht“, sagt er ruhig, ohne den Zwerg zu beachten, dessen Augen sich zu kleinen Schlitzen zusammen ziehen. „Aus dem Gehörten schlossen wir, dass Ihr ein Kapitän seid, der im Begriff ist, in Richtung Schädelhafen auszulaufen. Wir möchten einen Platz auf eurem Schiff. Selbstverständlich werden wir für die Überfahrt zahlen.“
„Verdeckte Ermittler oder so etwas seid ihr!“, knurrt der Zwerg. „Aber mich lockt ihr nicht in die Falle, bei Umberlee!“
„Wir sind Abenteurer“, erklärt Winter. „Abenteurer, die nichts weiter im Sinn haben, als den berühmt-berüchtigten Schädelhafen kennen zu lernen.“
Der Zwerg mustert sie unentschlossen und beißt sich grübelnd auf die behaarte Oberlippe.
„Tausend Gold“, grunzt er schließlich. „Tausend Gold pro Kopf. Der Hund bezahlt nichts. Wir laufen in vier Tagen aus.“
„Nun, vier Tage sind in der Tat etwas…“
„Dreitausend Gold pro Kopf und wir laufen noch heute aus“, fällt der Sklavenhändler Winter ins Wort. Dorien berät sich mit Marcus; der ist bereit jeden Preis zu zahlen, wenn er nur dazu beiträgt, den Stab wieder in die Obhut der Wands zu bringen. Dorien und der Zwerg besiegeln den Handel per Handschlag.
„Kommt in zwei Stunden zum Hafen. Mein Name ist Kapitän Kungar und mein Schiff heißt Die Fliegende Jungfrau“, erklärt der Zwerg. „Und noch etwas… Ich bin Händler und…“
„Eure Geschäfte gehen uns nichts an“, beeilt Dorien sich zu sagen und versetzt einem knurrenden Puffy, der anderer Meinung zu sein scheint, einen leichten Triff gegen die Seite.  
„Das wollte ich hören“, knurrt Kungar und macht seinen beiden Leibwächtern ein Zeichen, ihm zu folgen.

Kalyd
Etwa zwei Stunden später auf der „Fliegenden Jungfrau“.
Sie haben die Zeit vor dem Ablegen genutzt, um sich im Palais der Wands auszurüsten. Nun sitzen die sechs Gefährten und Nimoroth in Hundegestalt zusammen mit Kapitän Kungar unter Deck und lassen es sich bei Wein und Wildschweinbraten gut gehen, während oben der Anker gelichtet wird und sie sanft durch den Hafen Tiefwassers gleiten. Kapitän Kungar hält sich ganz offenbar für einen besonderen Glückspilz, dem sechs Narren den noch närrischeren Preis von 18000 Goldmünzen gezahlt haben, um im Schädelhafen den Tod zu finden. Zufrieden genießt er das köstliche Mahl, während er den Gefährten ein paar gut gemeinte Ratschläge mit auf den Weg gibt.
„Gebt auf die Schädel Acht!“, warnt er gerade mit dumpfem Seemannsunheil in der Stimme. „Es heißt, in ihnen schlummern die verruchten Seelen der Zaubermeister aus dem untergegangenen Nesseril, die einst den Schädelhafen gründeten. Wem die Schädel einen Befehl geben, der muss ihn befolgen, oder sie verwandeln ihn in das, was sie selber sind. Oh ja, das tun sie. Schädelhafen hat keinen Herrscher nein, doch die Schädel sind die heimlichen Fürsten der Schattenstadt. Häufig tauchen sie dort auf, wo es Ärger gibt – bei kleineren Handgreiflichkeiten, Tavernenprügeleien – also macht keinen Unsinn, wenn ihr da unten seid, habt ihr verstanden! Denn alles, was ihr tut, wird am Ende auf mich zurückfallen!“
Die Gefährten beeilen sich dem Zwerg zu versichern, dass sie nichts weiter sind als neugierige Abenteurer auf der Suche nach einem sagenumwobenen Ort.
„Aber sagt“, ergreift Grimwardt das Wort, „Wie erreichen wir den Schädelhafen? Wir haben uns bereits den Kopf darüber zerbrochen, wie uns ein Schiff in den Untergrund bringen soll.“
Kungar grinst durch seine fauligen Seemannszähne.
„Kommt mit.“
Er führt die Gefährten an den Bug des Schiffes. Sie halten geradewegs auf den Berg Tiefwasser zu. Im Abendlicht erkennen die Gefährten die Umrisse düster aufragender Klippen, die von allen Seiten bedrohlich auf die Fliegende Jungfrau zuzurücken scheinen. Der Zwerg erklärt ihnen, dass selbst mancher erfahrene Seemann den Weg durch die Klippen nicht auf sich zu nehmen wagt, denn die Felsen, die den Berg umgeben, sind tückisch und so mancher rostzerfressene Mast, der zwischen den Felsen aufragt, hat eine traurige Geschichte zu erzählen. Doch die Fliegende Jungfrau gleitet mit einer Eleganz, die ihrem Namen alle Ehre macht, durch das Klippenlabyrinth und als der Berg hoch und erhaben vor ihnen aufragt, tut sich eine Spalte im Fels vor ihr auf und das Schiff gleitet in die völlige Finsternis. Hier im Höhleninnern wird das Klingen jedes Wassertropfens dreimal so laut zurück geworfen. Am Ende der Höhle (oder was wie ihr Ende aussieht) ragt eine mächtige Schleusenmauer vor ihnen auf. Vor der Mauer überspannt ein Lastenkran den Wasserweg und zu beiden Seiten des Krans harren untote Oger mit leeren Blicken, um die Kurbeln der Kranräder zu bedienen. Kalyd blickt nach oben und erblickt als erster zwei kleine graue Gestalten, zwei weitere Untote (welchem Volk sie einmal angehörten ist schwer zu sagen), die über ihnen auf dem Kran herumturnen und schließlich auf das Deck des Schiffes springen und damit beginnen, mit gleichmütiger Effizienz die eisernen Widerhaken des Lastenzugs an der Reling zu befestigen.
„Die Hüter“, raunt Kungar den Gefährten zu. „Niemand weiß, woher sie kommen. Es heißt, sie sind so alt wie der Schädelhafen selbst.“
Als die Arbeit der Hüter getan ist, klettern sie an den Seilen wieder zurück in die Höhe und verschwinden in der Dunkelheit der Höhlendecke. Die Oger aber setzen sich schwerfällig in Bewegung, die Räder des Krans werden zum Rotieren gebracht und das Schiff wird in die Höhe gezogen. Der Kran hebt die Fliegende Jungfrau über die Mauer, und der Moment des Hebens verursacht ein leicht mulmiges Gefühl in Kalyds Magen. Auf der anderen Seite der Schleusenmauer ist der Wasserspiegel niedriger; das Schiff schaukelt und wippt einen Augenblick lang haltlos auf dem Wasser, ehe es das Gleichgewicht wieder findet  und die Reise weitergeht.
Die Höhle wird immer schmaler, während ein leichtes Gefälle die Strömung schneller und schneller werden lässt; bald scheint die Fliegende Jungfrau tatsächlich nur so durch die Höhle zu fliegen. Und dann spürt Kalyd plötzlich ein Ziehen, als schleudere ihn etwas aus seiner eigenen Dimension in eine andere, ähnlich dem Gefühl, das er bei Teleportationen verspürt: Das Schiff samt der Besatzung schrumpft, bis die Höhle, deren Wände eben noch bedrohlich auf sie zuzurücken schienen, ihnen wie ein ausladender Saal erscheint. Eine Luftblase, die das Schiff einschließt, schützt es vor dem durch die Strömung verursachten Schleudern. Schneller und schneller geht es bergab, bis sich endlich ein Ausgang am Ende der Höhle abzeichnet: Das geschrumpfte Schiff wird durch den Höhlenausgang in eine gigantische Felsaushöhlung geschleudert und landet in einem See im Innern des Berges. Wieder scheinen die Dimensionen sich zu überlagern und Kalyd spürt, wie er wieder seine normale Größe annimmt.
„Willkommen auf der Schädelinsel“, sagt Kungar an seine leicht seetrunkenen Gäste gewandt, als die Fliegende Jungfrau auf eine Insel zusteuert, die durch Stege und Brücken mit der erleuchteten Stadt im hinteren Teil der Höhle verbunden ist. Die Mannschaft des Schiffes hält sich bereit, um den Anker zu lichten.
Kalyd, der Kungar nicht direkt nach dem Hauptquartier der Schattendiebe fragen will, das sie suchen, da die Frage nur unangenehme Gegenfragen nach sich ziehen würde, fragt ihn stattdessen, was ihm unverfänglicher scheint, ob er wohl einen „Ortsansässigen“ kenne, der sich im Schädelhafen auskenne. Der Zwerg nennt ihm den Namen einer Nachtvettel, Madame Crachique, die im Herzen der Stadt das Haus der Tausend Öle, Massagesalon und Freudenhaus, führt.
„Corellon, steh mir bei“, murmelt Kalyd, der sich mit einem Schaudern an seine letzte Begegnung mit einer Nachtvettel erinnert: Im Unterreich kreuzten er und seine damaligen Gefährten, die den Ursprung der Drowüberfälle auf die Talländer zu ergründen suchten, einer Sklavenhalterin, die Kinder zur Prostitution feilbot. Der Plan der Gefährten zur Befreiung der Kinder sah vor, dass Kalyd die Alte alleine überwältigen sollte, da die Umstände es den Gefährten nicht erlaubten, gemeinsam ihr Versteck zu verlassen… Doch der Versuch schlug fehl, Kalyd wurde gefangen genommen, die Alte, die ihn an einen Gedankenschinder zu verkaufen gedachte, rasierte ihm den Schädel wie man ein Hähnchen rupft, bevor man es zum Mahl zubereitet, und ein Ohr kostete ihn die schicksalhafte Begegnung noch dazu.

Nimoroth
Als er wieder festen Boden unter den Füßen hat, verwandelt sich Nimoroth zurück. Er muss sich beherrschen, um nicht zurück auf die Fliegende Jungfrau zu stürmen und einen Versuch zu unternehmen, die Sklaven zu befreien, die der Zwerg irgendwo unter Deck verborgen hält. Er sieht ein, dass es an diesem Ort zu viel Unrecht gibt, als dass er etwas dagegen unternehmen könnte, er muss an die Mission denken, das allein zählt jetzt – und dennoch erscheint der Gedanke ihm unerträglich, dass er und seine Freunde auf diesem Schiff gegessen und gelacht haben, das Menschen in die Sklaverei entführt hat. Im Stillen bittet er seine Göttin um Vergebung für seine Machtlosigkeit.
Nimoroth blickt sich um. Die Schädelinsel scheint eine dem Festland vorgelagerte Halbinsel zu sein, bestehend aus Hafengebäuden, Lagerhallen und einer Taverne. Wie ein Meer aus Dolchen ragen Stalaktiten wie bedrohliche Wächter von der Decke über der Stadt. Die Gebäude bilden ein buntes Sammelsurium an unterschiedlichsten Baustilen – da gibt es aus Schiffsmasten zusammen gezimmerte Behausungen neben prächtigen Unterweltpalais’ und in den Fels gehauene Stalaktitwohnungen neben pittoresken Fachwerkbauten. Ebenso kosmopolitanisch wie ihre Gebäude präsentiert sich auch die Bevölkerung der Stadt: Da peitschen dunkelelfische Sklaventreiber Orks und Grimlocks durch die Gassen zum Sklavenpferch der Schule des Gehorsams, gehen menschliche Hafenarbeiter ihren täglichen Beschäftigungen nach; ein nostalgischer Zentarimagent, der stolz das etwas antiquierte schwarze Emblem auf der Brust trägt, das die Zentarim schon vor Zeiten gegen ein moderneres eingetauscht haben, lässt sich in einer Sänfte durch die Stadt tragen und selbst einen Gedankenschinder meint Nimoroth hinter einer Mauer hervorspähen zu sehen.
Die Gefährten beschließen, die Hafenmeisterei aufzusuchen, um sich nach dem Weg zum Haus der Tausend Öle zu erkundigen. Doch auf dem Weg dorthin kommt es zu einem fragwürdigen Vorfall: Die Gefährten kommen gerade an der Hafentaverne vorbei, als die Tür aufgerissen wird und eine in Flammen stehende Gestalt hinaustorkelt. Aus dem Innern der Taverne erschallt Gelächter und die Gefährten vernehmen, wie ein Magier sich lautstark mit seinen Feuerkünsten brüstet und den unglücklichen Narren zum Abgrund wünscht, der es wagte, ihn beim Kartenspiel zu betrügen. Der „unglückliche Narr“ rennt inzwischen auf den nächstgelegenen Anlegesteg zu, um seinen lodernden Körper ins Wasser zu stürzen. Die Dockarbeiter in seiner Nähe scheinen sich wenig für den Vorfall zu interessieren; dumpf gehen sie weiter ihrer Arbeit nach, während der Verkohlte vor ihrer Nase zu ertrinken droht. Nimoroth aber kann so viel Gleichmut nicht länger ertragen. Ohne zu zögern stürzt der Elf dem Verwundeten nach ins Wasser. Der Körper des Fremden treibt leblos auf dem Wasser, nach ein paar kräftigen Schwimmzügen ist Nimoroth neben ihm, umfasst die Hüfte des Fremden und schwimmt mit ihm zurück zum Steg. Dort warten bereits Kalyd und Grimwardt, die Nimoroth helfen, den Bewusstlosen aus dem Wasser zu bergen. Der Elf flüstert ein Heilgebet, das jedoch nur wenig gegen die starken Verbrennungen des Fremden auszurichten vermag. Der öffnet die Augen und stöhnt einmal, bevor er wieder das Bewusstsein verliert.
„Das war unklug“, bemerkt Drake, als Nimoroth, den Fremden geschultert, zurückkommt. „Jetzt wird jeder wissen, dass wir hier besondere Absichten verfolgen. Musstest du auf so sinnlos-heroische Weise deine gute Gesinnung verraten?“
„Ich kann nichts Sinnloses an der Rettung eines Menschenlebens finden“, erwidert Nimoroth kühl.
In der Hafenmeisterei hat Grimwardt inzwischen den Weg zum Haus der Tausend Öle erfragt.
Sie verlassen die Schädelinsel über eine der Brücken. Im Schädelhafen angekommen, trennen sich die Gefährten zunächst. Während der Kriegspriester, Winter, Kalyd und Drake sich gen Stadtmitte wenden, um sich auf den Weg zum Massagesalon der Nachtvettel zu machen, will sich Nimoroth mit dem Fremden und begleitet von Dorien und Marcus auf die Suche nach einem Gasthaus machen, um dem Verwundeten Ruhe und Pflege zu verschaffen. Im Westen der Stadt steuern sie auf den Schluckspecht zu – das erste Gasthaus, das auf ihrem Weg liegt. Nimoroth ist nicht schlecht erstaunt, einen Gnoll hinter der Theke vorzufinden.
„Überrascht?“, raunzt der Gnoll. „Auch unsereiner muss schließlich sein Brot verdienen.“
Skeptisch mustert er den Verwundeten, den Nimoroth in den Armen trägt, und seine gelben Hyänenaugen funkeln.
„Was ist denn mit dem passiert?“
Nimoroth erklärt dem Gnoll das Wichtigste und bittet ihn den Verwundeten für einen Zehntag bei sich aufzunehmen und jemanden zu seiner Pflege bereitzustellen. Nimoroth ist bereit, die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Krankenpflege zu übernehmen.
„Und wenn er nach einem Zehntag noch nicht genesen ist?“, will der Hyänenmensch wissen. „Wenn ich kein Geld mehr für ihn erhalte, werde ich ihn auf die Straße setzen.“
Nimoroth bleibt nichts anderes übrig, als dennoch auf den Handel einzugehen. Wenn sie von ihrer Mission zurückgekehrt sind, will er noch einmal nach dem Geretteten sehen. Er bezahlt und er und seine beiden Begleiter machen sich auf den Weg, die anderen wieder zu finden…

Winter

Das Haus der Tausend Öle befindet sich im Herzen von Schädelhafen. Hier, in der Stadtmitte, bestehen zahlreiche Gebäude aus Stalaktiten und Stalagmiten, deren Eingänge durch Stege und Hängebrücken miteinander verbunden sind. Stadtbewohner laufen zwischen den Gebäuden hin und her wie durch ein gigantisches Haifischmaul und Fackeln und magische Lichter hüllen die Stadt in ein gespenstiges Licht. Der Massagesalon befindet sich auf der zweiten Ebene eines von der Decke drohenden Felsgiganten. Die vier Gefährten klopfen an die Tür. Als diese sich öffnet, umfängt sie sogleich ein benebelndes Genussbad der unterschiedlichsten Düfte, Lavendel, Jasmin, Rosmarin… Ein schmächtiger Kerl mit flinken kleinen Habichtaugen reicht ihnen der Reihe nach die Hand, ein geschäftstüchtiges Lächeln auf den schmalen Lippen.
„Willkommen, willkommen“, ruft er aus und reibt sich die Hände. „Willkommen in Madame Crachiques Haus der Tausend Öle. Wir erfüllen jeden Wunsch. Zehn Goldmünzen die halbe Stunde, fünfzehn für eine ganze. Unsere Spezialität sind dunkelelfische Masseure – ihre früheren Herrinnen haben ihnen die Zunge heraus geschnitten und nun sind sie unfreiwillig bereit ein jedes Geheimnis für sich zu bewahren.“ Er lacht nervös über den schlechten Witz.
Die Gefährten sehen einander an.
„Ich… nehme die Massage für eine Stunde“, lässt sich Winter schließlich vernehmen, während sie sich darum bemüht, Grimwardts beredetes Brauen-in-die-Höhe-Ziehen zu übersehen. „Und den Dunkelelfen“, fügt sie zum weiteren Verdruss ihres Bruders hinzu.
„Eine gute Wahl!“ Der geschäftstüchtige kleine Kassenwart klatscht wieder in die Hände und winkt einen Bediensteten herbei, der Winter in einen Massageraum führen soll. Im Fortgehen bekommt sie noch mit, wie sich auch Kalyd für eine Massage entscheidet (wenn er auch eine nicht-dunkelelfische Masseuse bevorzugt), während Grimwardt noch ein paar Goldmünzen springen lassen muss, um sich und Drake eine Audienz bei der Inhaberin des Massagesalons zu verschaffen.
Wenige Minuten später genießt Winter, entkleidet auf einer hölzernen Massagebank liegend, mit geschlossenen Augen das Werk des gut aussehenden jungen Drow, der mit sanft-bestimmtem Händedruck und wohlig duftenden Hauttinkturen ihren Rücken bearbeitet. Nach einer Weile wird der Dunkelelf aus dem Raum gerufen, und als er wiederkehrt, erscheint Winter seine Massage für einen Augenblick ein wenig ungeschickter als zuvor. Doch ihr schwarzhäutiger Masseur fängt sich schnell wieder und sie lässt sich vom süßen Duft der Öle und seinem sanften Händedruck benebeln. Ein wenig wundert sie sich schon, als der Stumme sie mit Handbewegungen auffordert, sich auf den Rücken zu wenden; doch wenn es zum Service dazu gehört…
Die eine Stunde, für die sie bezahlt hat, kommt Winter heute erstaunlich lang vor… Doch wer beschwert sich schon, wenn er für sein Geld mehr bekommt, als er verlangt hat?

Dorien
Kurz zuvor.
Als Marcus, Nimoroth und Dorien das Haus der Tausend Öle erreichen, erfahren sie von dem habichtäugigen Kassenwart am Eingang, dass ihre Freunde bereits im Begriff sind, sich auf die eine oder andere Art und Weise zu vergnügen. Während Nimoroth Drake und Grimwardt auf der Treppe in den zweiten Stock einholt, die in Madame Crachiques Gemächer führt, sind Dorien und Marcus geneigt, sich ein wenig Spaß zu gönnen.
Marcus druckst ein wenig herum, ehe er mit der Sprache herausrückt: Er möchte gerne von einem Masseur und einer Masseuse gleichzeitig verwöhnt werden.
„Wir erfüllen jeden Wunsch“, sagt der Kassenwart nur mit aalglattem Lächeln. Dorien beschließt, ihn beim Wort zu nehmen:
„Ich hätte da einen besonderen Wunsch...“
Er lässt sich von dem Kassenwart in einen leer stehenden Massageraum führen, um ihm ungestört seine Bitte vorzutragen. Doch diese Art von Dienstleistung scheint nicht im Programm des Hauses aufgeführt zu sein.
„Tut mir Leid…“, stockt der Kassenwart. „Aber ich kann wirklich nicht… Wenn die Dame nun gar nicht… Versteht, wir haben einen Ruf zu bewahren.“
Nachdem ihn auch kein Geldbetrag umstimmen kann, den Dorien ihm nennt, hilft der Hexenmeister seiner Bitte mit einer kleinen Verzauberung nach, die den Kassenwart gefügig stimmt.
„Ihr werdet nun den Massageraum aufsuchen, den Ihr der hübschen Rothaarigen zugewiesen habt, und ihren Masseur unter einem Vorwand herausrufen und hierher führen. Sagt Eurer Kundin, dass sie den Mann umgehend wiederbekommt“, befiehlt Dorien dem verzauberten Kassenwart, während er es sich auf dessen Kanapee gemütlich macht. Der Verzauberte führt den Auftrag widerstandslos aus und taucht kurz darauf mit einem verwunderten Dunkelelfen mit nacktem Oberkörper und Lendenschurz wieder auf. Dorien mustert den Elfen kurz, bevor er dem Kassenwart für seine Hilfe dankt und ihm empfiehlt, dem Drow für den Rest des Tages freizugeben. Dann macht er sich auf den Weg zu Winters Massageraum, flüstert einen Verwandlungszauber und betritt kurz darauf als dunkelelfischer Masseur den Raum.
Und da liegt Winter vor ihm, ausgestreckt auf der Massagebank. Bei Sune, fühlt sich dieser Moment gut an. Fast eine Stunde lang gibt Dorien sich damit zufrieden, Winters geschmeidigen Rücken mit den verschiedenen Ölen zu bearbeiten und sich an ihrem seligen Gesichtsausdruck zu erfreuen. Dann bringt er sie sanft dazu, ihm ihre Sonnenseite zuzuwenden.
Dorien kann sich schwer vorstellen, dass er diese Reise zum Schädelhafen je bereuen wird…  

Grimwardt
Zwei Wachen vor der Tür zu Madame Crachiques Gemächern mustern Grimwardt, Nimoroth und Drake argwöhnisch, als diese den Raum betreten. Eine Wolke blumig-penetranten Parfüms, die ihnen entgegen quillt, lässt Grimwardt nach Luft schnappen. Eine Gestalt, die ihnen den Rücken zukehrt, sitzt summend an einem elfenbeinernen Schminktischchen. Grimwardt räuspert sich, die Gestalt wendet sich um… und Grimwardt starrt in die grässlichste Fratze, die er jemals gesehen hat. Die Beschreibung des Gesichts der Nachtvettel als eine Verschmelzung des Schädels einer seit drei Monaten verfaulenden Frauenleiche mit dem Rindengesicht eines Baumhirten wäre noch milde, gemessen an der Wirklichkeit.
„Sehr erfreut“, stolpert es über Grimwardts Lippen.  
„Oha“, zwitschert die Nachtvettel, deren Blick unter halb geöffneten falschen Wimpern auf Grimwardt ruht. „Welch… stattlicher Besuch mich da beehrt. Wie kann ich den Herren denn helfen?“
Grimwardt erklärt ihr den Grund für ihren Besuch und erwähnt den Namen des Zwerges Kungar, der die Gefährten der Besitzerin des Massagesalons empfehlen lässt. Während seines Berichts erhebt sich die Herrin des Hauses und wendet sich zu einem Kleiderschrank, um ein Nachtgewand daraus zu wählen. Dann, ganz ohne Vorwarnung, lässt sie ungeniert alle Hüllen fallen und steht in ihrer ganzen naturgegebenen Hässlichkeit vor Grimwardt.
Tempus, steh’ mir bei. Belege mich mit Blindheit!
Grimwardt schließt die Augen und als er sie wieder öffnet, steht Madame Crachique im rosaroten Satingewand vor ihm. Doch nach dem gerade verwundenen Anblick ist er froh um jeden Stofffetzen, der  den Leib der alten Hexe bedeckt.
„Ihr wollt also Informationen von mir?“, fragt die freizügige Nachtvettel, plötzlich ganz Geschäftsfrau.
„Äh… ja“, bringt Grimwardt heraus. „Wir suchen das Hauptquartier der Schattendiebe.“
„Hm“, macht die Vettel, die ihren Blick nicht von dem Kriegspriester wenden will. „Da verlangt ihr viel von mir. Eine Gruppe Abenteurer, die hier herunter kommen und sich den Weg zum Hauptquartier erfragen. Das riecht nach Ärger. Und ich bin nicht gerade erpicht darauf, mit euren Machenschaften in Verbindung gebracht zu werden. Ich habe einen Ruf zu verteidigen… Und obendrein liegt mir etwas an meinem Leben.“
„Wir könnten uns sicher einig werden über…“
„Geld? Versucht es erst gar nicht. Ich habe genug Geld.“
„Welchen Preis verlangt ihr?“
Madame Crachique überlegt. „Alle magischen Gegenstände, die ihr im Hauptquartier findet.“ Dann scheint ihr eine bessere Idee zu kommen. Plötzlich blitzen ihre kleinen Augen in den dunklen Höhlen auf und sie wirft Grimwardt einen anzüglichen Blick zu. Dann tritt sie auf den Kriegspriester zu und lässt ihre langen Spindelfinger über seine Brustplatte gleiten. „Oder vielleicht… ließe sich auch eine persönliche… Vereinbarung arrangieren?“
Stille.
„Ihr müsst wissen, dass ich im Zölibat lebe“, bemerkt Grimwardt schließlich mit einer Ruhe in der Stimme, die ihn selbst erstaunt. Mein Herr, womit hab’ ich das verdient? „Ich bin Kleriker. Ein Priester des Tempus.“
„Tatsächlich?“, erwidert die Nachtvettel. „Das macht mein Angebot umso interessanter. Wie weit würdet Ihr gehen, wie weit würdet Ihr Euren Glauben ausreizen, um zu erhalten, wonach es Euch verlangt?“
Die Art, wie sie das Wort „verlangt“ ausspricht, verursacht ein eigenartiges Würgegefühl in Grimwardts Kehle.
„Na komm, Grimwardt“, meint Drake amüsiert. „Für Ehre und Glauben!“
„Hättet Ihr nicht Interesse an ihm?“, feuert Nimoroth mit für ihn ganz untypischer Schärfe zurück und meint Drake. „Ihn würde ich sogar kostenlos für Euch fesseln.“
Schließlich erbitten sich die drei Gefährten von der Herrin des Hauses Bedenkzeit (obgleich Grimwardt sich fragt, was es da noch zu bedenken gibt) und brüten erst einmal über einem Glas Wein im Flanierbereich des Salons über die verhängnisvolle Begegnung. Nach einer Weile stoßen auch Marcus und Kalyd, herrlich erholt, zu ihnen; auf Winter und Dorien müssen sie dagegen beinahe eine Stunde warten. Als sie Dorien erblicken, wechseln Nimoroth, Drake und Grimwardt einen Blick – offenbar hatten sie alle den gleichen Gedanken: Einer ist immer das Opfer… und er ist immerhin ein Magier. Kurzerhand überreden sie den ahnungslosen Frauenschwarm mit ihnen zum Gemach der Nachtvettel zu kommen. Doch leider scheinen ein strammer Bizeps und behaarte Oberschenkel der eigensinnigen Salonherrin mehr zuzusagen als eisblaue Augen und parfümiertes silberblondes Haar; Madame Crachique würdigt Dorien kaum eines Blickes, während ihr Interesse an Grimwardt ungetrübt scheint.
„Ihr habt Euch entschieden?“
„Wir haben einen besseren Vorschlag“, kommt Grimwardt just in diesem Augenblick eine Idee. Not macht erfinderisch. „Wir könnten Euch Einfluss im Rat von Tiefwasser verschaffen. Denn zufällig wissen wir von den geheimen Verbindungen einer mächtigen Fürstin zu den Schattendieben. Und ich bin mir sicher, dass besagte Fürstin alles daran setzen würde, um sicherzustellen, dass ihr kleines Geheimnis ein solches bleibt.“
Die Salonherrin sieht ihn grübelnd an. Selbst Drakes Blick streift ihn mit Anerkennung.
„Verbindungen in Tiefwasser, so so“, murmelt die Vettel. „Das wäre… In der Tat, das würde meinem Geschäft zugute gereichen.“ Dann verdüstert sich ihre Stirn. „Aber woher weiß ich, dass Ihr die Wahrheit sagt?“, fährt sie Grimwardt an. „Eine mächtige Fürstin mit Verbindung zu den Schattendieben! Das kann jeder behaupten“
„Ich hätte die Erinnerungen ihres Geliebten anzubieten“, schlägt Dorien vor und präsentiert der Vettel den kleinen Kristall, in dem er Elaith Craulnobers Erinnerungen an die ereignisreiche letzte Nacht festgehalten hat. Madame Crachique ist nicht schlecht beeindruckt. Sie will Dorien die Schriftrolle mit dem Zauber abkaufen, mit dem er Elaiths Erinnerungen in den Stein gebannt hat, doch sein Preis für den seltenen Zauber ist ihr zu hoch. Grimwardts Angebot aber nimmt sie an – und verrät ihnen den Standort des Hauptquartiers der Schattendiebe und einige nützliche Informationen, die Bewachung und Schutzzauber des Gebäudekomplexes betreffen.

Thalas

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[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #12 am: 19. November 2007, 08:42:53 »
Es geht mit einem kurzen Update weiter. In ein paar Tagen wird es fortgesetzt :-)

[size]Die Schattendiebe[/size]
16.und 17. Tag des Alturiak, Jahr der Blitzenden Stürme (1374 TZ)

Grimwardt
Eine halbe Stunde später vor dem Hauptquartier der Schattendiebe.
Das Hauptquartier befindet sich ein paar Minuten vom Schädelhafen entfernt in einer Nebenhöhle. Das Gebäude ist von einer Palisade umgeben, auf der etwa zehn Armbrustschützen postiert sind. Von Madame Crachique haben die Gefährten erfahren, dass ein Schutzzauber den gesamten Bereich zwischen Palisade und Hauptgebäude in magische Dunkelheit hüllt.
Die Gefährten harren in einer Felsnische ganz in der Nähe des Hauptquartiers, um nicht von den Armbrustschützen bemerkt zu werden. Fürst Marcus, für den die Operation zu gefährlich werden könnte, ist nicht mit ihnen gekommen. Während Winter zu Grimwardts Unmut von ihrem göttlichen Massageerlebnis schwärmt (was Dorien aus irgendeinem Grund über beide Ohren grinsen lässt), entwickeln die anderen einen Plan, um den Lagerort des Auges des Drachenkönigs zu erfahren: Sie wollen Drake, der sich von ihnen allen am besten mit geheimen Operationen auszukennen scheint, unbeachtet in das Gebäude eindringen lassen, um die Lage abzuschätzen und – wenn möglich – den Lagerort des Artefakts zu ermitteln. Nachdem sie Drake mit zahlreichen Schutzzaubern und -gegenständen ausgestattet haben (Winter leiht ihm ihren Unsichtbarkeitsring, Dorien belegt ihn mit einem Wahren-Blick-Zauber, der ihn auch in magischer Dunkelheit sehen lässt, und Nimoroth gibt ihm seine Spinnenschuhe, mit denen es sich an glatten Wänden hinauf laufen lässt), erstellt Grimwardt eine telepathische Verbindung, die es den Gefährten erlaubt mit Drake in Kontakt zu bleiben. Drake nickt ihnen einmal kurz zu, dann verschwindet er auf leisen Sohlen in die Dunkelheit der Höhlennacht. Der Zauber, den Grimwardt gewirkt hat, erlaubt es dem Kriegspriester durch Drakes Augen zu sehen, während der seine Mission ausführt. Leise erstattet er den anderen Bericht:
Spoiler (Anzeigen)


Drake
Unsichtbar schleicht er einen dunklen Gang entlang, bis er die Höhle erreicht, in deren Mitte sich das Hauptquartier der Schattendiebe erhebt. Die Holzpalisade verwehrt jeden Blick auf das Gebäude. Keine Fackeln; wahrscheinlich sind die Armbrustschützen mit magischen Gegenständen ausgerüstet, die es ihnen erlauben, durch die magische Dunkelheit zu sehen. Möglich, dass sie auch seine Unsichtbarkeit durchschauen können. Drake lässt es darauf ankommen. Vorsichtig schleicht er sich näher an die Palisade heran… doch offenbar nicht vorsichtig genug: Er hat die Mauer beinahe erreicht, als er spürt, wie ein Kieselstein unter seinen Stiefeln knirscht. Verflucht. Die Armbrustschützen bemerken das Geräusch, Drake vernimmt Bewegung über sich – doch sehen können die Wachen ihn offenbar nicht.
Drake will kein Risiko eingehen… und warum nicht seinen „Freunden“ ein kleines Spektakel bieten?
Der Albino flüstert einen Zauberspruch… und springt mit einem gewaltigen Satz gleich einer Raubkatze an die Höhlendecke, wo er, dank Nimoroths Spinnenstiefeln, mit den Beinen Halt findet.


„Angeber“, knirscht Kalyd. „Zaubern kann er also auch noch, ja?“ Er lacht mit leisem Hohn.
„Psst“, macht Grimwardt.

Auf allen Vieren kriecht er kopfüber über die niedrige Höhlendecke - unter ihm harren ahnungslos die Armbrustschützen. Drake überblickt den Hof, auf dem zwei weitere Gestalten patrouillieren. Der Höhlenakrobat lässt auch sie hinter sich (oder besser: unter sich) und pirscht sich an das Gebäude heran. Von hier oben kann er erkennen, dass es an keiner Seite einen Eingang ins Erdgeschoss gibt. Auch Fenster scheint es im Erdgeschoss keine zu geben. Eine Steintreppe, an deren oberen Ende eine weitere Wache postiert ist,  führt ins erste Geschoss. Aus einem Fenster dringt Licht. Drake kriecht weiter, bis er sich senkrecht über der Wache an der Treppe befindet. Fledermausartig harrt er an der Höhlendecke, während er mit wachen Augen jede Bewegung des Mannes unter ihm studiert. Ein Moment völliger Konzentration, dann greifen seine Hände in einer einzigen fließenden Bewegung zu den beiden Dolchen an seiner Seite und er lässt sich fallen. Sein Gegner ist völlig überrumpelt und kann sich nur mit schreckverzerrtem Gesichtsausdruck an die aufgeschlitzte Kehle greifen … Aber er lebt noch. Drake ist unzufrieden mit seinem Werk. Verbissen zielt er noch einmal auf die Kehle seines Opfers: Ein sauberer Schnitt und die Wache stürzt ihm zu Füßen – den Tod gurgelnd auf den Lippen.
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Drake bückt sich, um den Toten über seine Schulter zu hieven. Rasch versteckt er die Leiche unter der Treppe, ehe eine der Wachen im Hof etwas bemerken kann. Als er wieder vor der Eingangstür steht, kommt ihm eine Einfall: Drake springt noch einmal auf leisen Sohlen hinab zu der Leiche, um sie nach dem Schlüssel für die Tür zu untersuchen. Dann flüstert er einen Zauberspruch, um die Gestalt seines Opfers anzunehmen. Derart verkleidet öffnet er die Tür mit dem Schlüssel, nachdem er sie mit einem kurzen geübten Blick nach Fallen untersucht hat.
Ein Korridor mit mehreren Türen zu beiden Seiten liegt vor ihm. Niemand zu sehen. Hinter einer der Türen erklingen Stimmen; lautes Lachen, derbe Flüche. Drake schleicht an die Tür heran, späht durchs Schlüsselloch… und blickt in einen Aufenthaltsraum; die Luft dick vom Schweiß und Eifer der Versammelten, die hier spielen, trinken, fluchen und einander bei Gelegenheit an die Gurgel gehen. Wie viele Schattendiebe sich in dem Raum befinden, gibt der schmale Ausguck nicht preis. Vorsichtig entfernt sich Drake und schleicht weiter den Gang entlang, der in eine Wendeltreppe endet, die ins Erdgeschoss zu führen scheint. Drake steigt hinab. Zuerst gelangt er in eine Art Vorratskeller, wo Getreide und Weinfässer lagern. Als er weitergeht, kommt er in einen Korridor, der zu beiden Seiten von vergitterten Kerkerzellen gesäumt wird. In einer der Zellen rührt sich etwas.
„Hey“, raunt der Gefangene. „Wartet, geht nicht…“
Es ist ein junger Bursche. Hastig springt er vom Zellenboden auf, als er Drake bemerkt, und kommt zur vergitterten Zellentür gelaufen. Drake mustert ihn abschätzend.
„Ihr seid keiner der Wachen“, stellt der Fremde fest, der in Drake offenbar nicht die Wache von der Haupttür erkennt. „Wer seid Ihr? Könnt Ihr mich aus diesem Loch befreien? Ich bitte Euch, was immer Ihr hier sucht, ich kann Euch helfen, es zu finden! Befreit mich und ich bin Euch zu Diensten!“
„Du bist ein Gefangener der Schattendiebe?“, fragt Drake, den Redeschwall des Fremden ignorierend.
„Ich… war selbst einer von ihnen“, gibt der Fremde zu. „Bis sie mich beim Stehlen erwischten.“
„Dachte, dazu stiften sie euch hier an, zum Stehlen“, erwidert Drake trocken.
Nicht dumm, aber naiv, urteilt er im Stillen über den jungen Dieb.
„Solange wir nicht die Schatten selbst bestehlen“, seufzt der junge Dieb. „Ich bin in ihr Gemach eingebrochen, in das der Viper, wisst Ihr – es heißt sie hätte ungeahnte Schätze. Die Versuchung war groß… doch das ist auch der Preis, den ich dafür werde zahlen müssen, ihr nachgegeben zu haben…“
„Weißt du, wo die Schattendiebe ihre Beute lagern? Wichtige Beute, meine ich – bedeutende magische Gegenstände?“
„In einem geheimen Teil des Erdgeschosses“, erwidert der Fremde bereitwillig. „Es heißt, er würde von unzerstörbaren Golems und magischen Bestien bewacht. Magische Fallen lauern dort unten an jeder Ecke. Ihr wollt doch nicht etwa…?“ Der Junge macht große Augen. Dann beginnt er den Vorteil zu sehen, den er aus dieser Begegnung schöpfen könnte.
„Ich werde Euch hinführen, wenn Ihr mich befreit“, bietet er an.
… oder du verrätst mich an deine Richter, um deine Integrität wieder herzustellen, ergänzt Drake in Gedanken.
„Gut“, willigt er zum Schein ein. Er erfährt noch, dass sich der Zugang zum geheimen Lager der Schattendiebe in den Privatgemächern der Viper befindet. Das ist alles, was er wissen muss.
„Komm“, sagt er und streckt seine Hand durch die Gitterstäbe. „Ich werde jetzt einen Zauber wirken, der dich aus deinem Kerker befreien wird.“
Der junge Dieb lässt es zu, dass Drake ihn berührt... und bemerkt nicht, wie die andere Hand des Assassinen nach dem Dolch an seiner Seite greift. Ein sauberer Schnitt und der Fremde greift ungläubig nach seiner aufgeschlitzten Kehle. Doch er hat keine Gelegenheit mehr, den Verrat laut hinauszuschreien. Der Tod stiehlt das Grauen von seinem Gesicht.
Drake wischt unbeteiligt das Blut von der Waffe.
‚Grimwardt’, nimmt er lautlos telepathischen Kontakt zu dem Kriegspriester auf. Er spürt Grimwardts Zorn auf ihn; es ist ihm gleich. ‚Grimwardt, du hast es selbst gehört. Alleine schaffe ich das nicht. Ihr müsst das Gebäude stürmen.’
‚Verstehe’, vernimmt er Grimwardts Gedanken. [/i]

Kalyd
Die Wut auf Drakes „Befreiungsaktion“ kocht noch in seinen Adern, als er sich zur Teleportation bereit macht. Ein Kampf ist das einzige, was ihn jetzt beruhigen kann. Dorien spricht den Zauber… und die Gefährten tauchen, Rücken an Rücken, mitten im Hof des Schattendiebe-Hauptquartiers auf. Kalyd zieht Aryvelahr Kerym aus seiner Scheide; Nimoroths Blätterwind erstrahlt in göttlichem Glanz und vertreibt die magische Dunkelheit; Grimwardts grüne Augen unter den wüsten roten Brauen funkeln kampfsbereit.
„Ruhet in Frieden“, leitet Dorien dramatisch den Kampf ein. Dann wendet er sich, wie sie es vorher abgesprochen haben, den Wachen auf der Palisade zu und zaubert. Kein sichtbarer Effekt, doch plötzlich winden sich die Schattendiebe auf der Palisade in Schmerzen und Kalyds Elfenaugen meinen zu erkennen, wie sich Schweißlachen unter ihren sterbenden Körpern bilden, als sauge der Zauber ihnen das Wasser aus allen Poren. Einem der beiden Patrouillierenden im Hof ergeht es nicht besser als den Armbrustschützen, doch im Sterben scheint sein verdorrender Körper in Schattensplitter zu zerspringen; nichts bleibt von ihm übrig als Asche und Rauch!
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Der zweite überlebt Doriens Zauber, doch auch er löst sich beim Anblick der Gefährten scheinbar in Rauch auf – wahrscheinlich um Hilfe zu holen. Die drei verbleibenden Schützen, die dem Zauber trotzen konnten, halten ihre Bolzen bereit, doch ehe sie noch die erste Salve abfeuern können, wird einer von Kalyds Pfeil, ein zweiter von Doriens sengendem Strahl und ein dritter von Winters magischem Geschoss getroffen (Letzteres ist das mächtigste magische Geschoss, das Kalyd jemals zu Gesicht bekommen hat; selbst Grimwardt wirft seiner Schwester einen anerkennenden Blick zu).
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Grimwardt stürzt voran, durch den Hof und die Treppe hinauf und tritt die Tür mit Füßen auf. Dicht gefolgt von Kalyd und Nimoroth stürmt er die Eingangshalle, wo sie bereits von sechs Schattendieben erwartet werden. Zwei der Schurken nehmen Nimoroth in die Zange und setzen ihm übel zu, doch ihr Wagemut soll sie teuer zu stehen bekommen. Nimoroths leuchtender Säbel wirbelt durch die Reihen seiner Gegner, Grimwardts ohrenbetäubender „TEMPUUUUUS“-Ruf untermalt eindrucksvoll die blutigen Hiebe seiner Axt und Kalyds Elfenklinge vollführt mit tödlicher Präzision ihren Tanz. Aus dem Hintergrund zischen Doriens Zauber durch den Raum und Winter stürzt ihre Gegner erst mit Illusionen und Trugbildern in Verwirrung, um sie dann die Klinge ihres Rapiers spüren zu lassen. Doch den dramatischsten Auftritt legt natürlich Drake auf die Bühne, der es nicht lassen kann, mit einem Salto von der anderen Seite her in den Raum zu turnen und im Aufkommen noch einen Gegner in den Tod zu reißen.
Wenn ich ihm nur einmal mein Schwert zwischen die Rippen rammen könnte, träumt Kalyd düster.
Der letzte Gegner stirbt kaum von Kalyds Hand, als auch schon sechs weitere Schurken in den Raum stürmen. Grimwardt stellt sich ihnen in seiner ganzen, blutverschmierten Priestermacht entgegen und vier von ihnen bekommen es mit der Angst zu tun ehe er auch nur seine Axt erhoben hat. Dorien gönnt sich den Spaß für noch mehr Verwirrung zu sorgen, indem er die Ankommenden mit einer Salve bunter Regenbogenstrahlen empfängt, die den einen in Wahnsinn verfallen lassen, den anderen im Feuer verglühen und wieder einen anderen an Säure verätzen lassen. Einen der Schurken, der innerhalb weniger Augenblicke, nachdem er erst in Panik vor Grimwardt zu fliehen versucht, von einem Strahl getroffen wird, der ihm den Verstand raubt, ehe ein weiterer ihm das Leben aus dem Körper saugt, trifft es besonders hart. Doch zwei der Schattendiebe gelingt es durch Zauber die Gefährten hinzuhalten. Grimwardts Hieb trifft ins Nichts, als er nach einem der Neuankömmlinge schlägt und Doriens Energiekugel zischt durch das substanzlose Trugbild eines Gegners.
„Sie haben sich unsichtbar gemacht und Trugbilder ihren Standort einnehmen lassen“, schallt es da aus Richtung der Tür, wo Nimoroth die beiden Illusionisten mit Hilfe seiner feinen Spürnase enttarnt hat. Sein Säbel singt wie feuchtes Glas, als die Klinge die Luft durchschneidet, und der schwer getroffene Schurke wird auch für die anderen sichtbar. Kalyd und Grimwardt eilen Nimoroth zur Hilfe und im Nu sind beide Gegner ausgeschaltet. Die erste Schlacht ist gewonnen.  
 
Dorien
Abwartend harren die sechs Helden weiterer Angriffe, doch keine neuen Schattendiebe tauchen aus den Türen auf, die von der Flurdiele abzweigen.
„Den Worten des Gefangenen nach zu urteilen befinden sich die Privatgemächer der Viper auf dieser Etage“, erklärt Drake. Von der Eingangsdiele zweigt nach einigen Metern ein Nebenkorridor ab. Dorien hält darauf zu, doch als er in den Korridor einbiegen will, spürt er, wie die Luft sich stärker und stärker erhitzt, bis es ihm unmöglich ist weiter zu gehen. Ein wärmegeladenes Kraftfeld versperrt ihm den Weg.
„Was ist los?“ fragt Grimwardt, der hinter ihn getreten ist.
„Ein magisches Kraftfeld“, vermutet Dorien. Winters Augen leuchten blau auf, als sie ihren magischen Blick einsetzt, um die Art der Verzauberung zu bestimmen. Nach einigen Augenblicken verschwindet das blaue Licht aus ihren Augen und ein befremdeter Ausdruck tritt in ihr Gesicht.
„Dorien, ich kann überhaupt keine Magie feststellen.“
„Wie meinst du das? Was soll es denn sonst sein?“
Dorien, der nicht glauben will, dass sie es hier nicht mit Magie zu tun haben, versucht es mit dem gleichen Zauber noch einmal – mit demselben Ergebnis, zu dem auch Winter gelangt ist. Woraus auch immer das Kraftfeld besteht – magisch ist es nicht. Und einen Magier, der es gewirkt haben könnte, kann Dorien auch nirgendwo entdecken.
„Vielleicht versucht der Wirker die Magie seines Kraftfelds zu verbergen“, überlegt Dorien. Er wirkt einen Bannzauber auf das Kraftfeld, um sicher zu gehen, doch der Zauber schlägt nicht nur fehl – er trifft gar nicht erst auf Widerstand.
„Dann… handelt es sich vielleicht um ein mechanisch gesteuertes Energiefeld“, schlägt Kalyd vor. Indessen ist Grimwardt einen Schritt näher an das Kraftfeld heran getreten.
„Oh“, sagt er und betrachtet Stirn runzelnd seinen verbrannten Finger.
„Grimwardt, komm zurück!“, schilt Winter ihren Bruder. Nimoroth wirft eine Münze durch das Kraftfeld in den Korridor hinein, die zu ihrer aller Erstaunen keineswegs in der Hitze zu schmelzen beginnt.
„Offenbar wirkt das Kraftfeld nicht gegen Gegenstände“, erkennt Kalyd.
„Was auch immer dieses Ding ist und wogegen es wirkt, es hat uns eingeschlossen.“ Sie drehen sich um, als sie Drakes Bemerkung hören. Der Assassine kommt aus der entgegengesetzten Richtung auf sie zu. „Ich habe den Flur erkundet. Das Ende ist von einer weiteren Bannmauer versperrt. Und auch den Rückweg scheint uns jemand abschneiden zu wollen. Vor der Tür ist ein drittes Kraftfeld errichtet worden.“
„Dann gefällt es jemandem nicht, dass wir uns hier umsehen, aber dass wir gehen, will er auch nicht“, knurrt Grimwardt und packt seine Axt fester.
„Dort.“ Drake weist mit gezücktem Dolch in den Korridor hinein, der in einen Gang mündet, der parallel zur Eingangsdiele zu verlaufen scheint. „Wenn ich der Kerl wäre, der diese Kraftfelder wirkt, würde ich mich an der Ecke dort verstecken und beobachten ohne beobachtet zu werden.“
Winter betrachtet Drake nachdenklich. Dann tritt ein schelmisches Grinsen auf ihre Lippen und sie kramt aus ihrem Rucksack einen kleinen Handspiegel hervor.
„Winter! Das ist nun wirklich nicht der richtige Augenblick, um an Schönheitspflege zu denken“, stöhnt Grimwardt, doch Winter hat ganz andere Pläne. Mit dem gleichen Zaubertrick, mit dem sie Drake seine Hammelkeule vor der Nase entführt hat, lässt sie den Spiegel nun durch das Kraftfeld schweben, um darin zu sehen, ob sich jemand hinter der Abbiegung in den Parallelflur befindet. Als er erkennt, was sie vorhat, brummt Grimwardt etwas, das er offenbar für eine großherzige Entschuldigung hält, und lässt sie gewähren.
Doch ehe der Spiegel ihren Widersacher enthüllen kann, bemerkt Dorien aus den Augenwinkeln, wie jemand um die Ecke am Ende des Korridors huscht. Im nächsten Moment ist die Luft erfüllt von winzigen, schwebenden Glasscherben, die aus dem Korridor kommend, die Gefährten attackieren. Zu spät weicht Dorien einer Salve scharfkantiger kleiner Splitter aus, die sich sirrend in sein Fleisch bohren. Seinen Freunden ergeht es nicht besser. Der Splitterattacke folgt eine Salve Armbrustbolzen, die auf Grimwardt, Kalyd und Nimoroth gezielt sind. Ein höhnisches Lachen erfüllt die Gänge.
„So weit gekommen – und doch so hilflos!“
Dorien blickt auf und erblickt einen kahlköpfigen Mann in einem eigenartigen, bunt bestickten Mantel, der mit verschränkten Armen am Ende des Korridors harrt, geschützt durch die Energiewand und vier Armbrustschützen, die ihn halb verdecken. Dorien schleudert einen Zauber durch die Energiewand; Winter tut es ihm gleich und Kalyd nimmt seinen Elfenbogen zur Hand. Zwei der Armbrustschützen fallen unter der Wucht der Attacke, doch der Kahlköpfige verzieht nur verächtlich den Mund.
„Kein Eindringling ist je an Isaac vorbei gekommen!“
Dann schüttelt er den Kopf und aus seinem Schädel fliegen winzige Glassplitter. Eine weitere Splitterattacke erfolgt; dann verschwindet Isaac wieder im seitlichen Korridor. Plötzlich begreift Dorien.
„Er ist tatsächlich kein Magier – er ist ein Psi-Meister“, lässt er die anderen laut an seinem Geistesblitz teilhaben.
Er erinnert sich einen Harfner-Kollegen einmal von dieser Form geistiger Kraft sprechen gehört zu haben. Um den Vilhorngriff soll es Völker geben, die sich dieser Kraft anstelle von Magie bedienen, um einen Vorteil gegenüber Menschen und anderen Magie-wirkenden Völkern zu haben. Doch diese Einsicht ändert nichts daran, dass Dorien nicht den Schimmer einer Ahnung hat, wie man diese Art der geistigen Manipulation bekämpfen oder bannen kann.
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Thalas

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« Antwort #13 am: 19. November 2007, 08:45:37 »
Es geht mit einem kurzen Update weiter, bevor in ein paar Tagen wieder etwas mehr folgt.

Die Schattendiebe
16.und 17. Tag des Alturiak, Jahr der Blitzenden Stürme (1374 TZ)

Grimwardt
Eine halbe Stunde später vor dem Hauptquartier der Schattendiebe.
Das Hauptquartier befindet sich ein paar Minuten vom Schädelhafen entfernt in einer Nebenhöhle. Das Gebäude ist von einer Palisade umgeben, auf der etwa zehn Armbrustschützen postiert sind. Von Madame Crachique haben die Gefährten erfahren, dass ein Schutzzauber den gesamten Bereich zwischen Palisade und Hauptgebäude in magische Dunkelheit hüllt.
Die Gefährten harren in einer Felsnische ganz in der Nähe des Hauptquartiers, um nicht von den Armbrustschützen bemerkt zu werden. Fürst Marcus, für den die Operation zu gefährlich werden könnte, ist nicht mit ihnen gekommen. Während Winter zu Grimwardts Unmut von ihrem göttlichen Massageerlebnis schwärmt (was Dorien aus irgendeinem Grund über beide Ohren grinsen lässt), entwickeln die anderen einen Plan, um den Lagerort des Auges des Drachenkönigs zu erfahren: Sie wollen Drake, der sich von ihnen allen am besten mit geheimen Operationen auszukennen scheint, unbeachtet in das Gebäude eindringen lassen, um die Lage abzuschätzen und – wenn möglich – den Lagerort des Artefakts zu ermitteln. Nachdem sie Drake mit zahlreichen Schutzzaubern und -gegenständen ausgestattet haben (Winter leiht ihm ihren Unsichtbarkeitsring, Dorien belegt ihn mit einem Wahren-Blick-Zauber, der ihn auch in magischer Dunkelheit sehen lässt, und Nimoroth gibt ihm seine Spinnenschuhe, mit denen es sich an glatten Wänden hinauf laufen lässt), erstellt Grimwardt eine telepathische Verbindung, die es den Gefährten erlaubt mit Drake in Kontakt zu bleiben. Drake nickt ihnen einmal kurz zu, dann verschwindet er auf leisen Sohlen in die Dunkelheit der Höhlennacht. Der Zauber, den Grimwardt gewirkt hat, erlaubt es dem Kriegspriester durch Drakes Augen zu sehen, während der seine Mission ausführt. Leise erstattet er den anderen Bericht:
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Drake
Unsichtbar schleicht er einen dunklen Gang entlang, bis er die Höhle erreicht, in deren Mitte sich das Hauptquartier der Schattendiebe erhebt. Die Holzpalisade verwehrt jeden Blick auf das Gebäude. Keine Fackeln; wahrscheinlich sind die Armbrustschützen mit magischen Gegenständen ausgerüstet, die es ihnen erlauben, durch die magische Dunkelheit zu sehen. Möglich, dass sie auch seine Unsichtbarkeit durchschauen können. Drake lässt es darauf ankommen. Vorsichtig schleicht er sich näher an die Palisade heran… doch offenbar nicht vorsichtig genug: Er hat die Mauer beinahe erreicht, als er spürt, wie ein Kieselstein unter seinen Stiefeln knirscht. Verflucht. Die Armbrustschützen bemerken das Geräusch, Drake vernimmt Bewegung über sich – doch sehen können die Wachen ihn offenbar nicht.
Drake will kein Risiko eingehen… und warum nicht seinen „Freunden“ ein kleines Spektakel bieten?
Der Albino flüstert einen Zauberspruch… und springt mit einem gewaltigen Satz gleich einer Raubkatze an die Höhlendecke, wo er, dank Nimoroths Spinnenstiefeln, mit den Beinen Halt findet.


„Angeber“, knirscht Kalyd. „Zaubern kann er also auch noch, ja?“ Er lacht mit leisem Hohn.
„Psst“, macht Grimwardt.

Auf allen Vieren kriecht er kopfüber über die niedrige Höhlendecke - unter ihm harren ahnungslos die Armbrustschützen. Drake überblickt den Hof, auf dem zwei weitere Gestalten patrouillieren. Der Höhlenakrobat lässt auch sie hinter sich (oder besser: unter sich) und pirscht sich an das Gebäude heran. Von hier oben kann er erkennen, dass es an keiner Seite einen Eingang ins Erdgeschoss gibt. Auch Fenster scheint es im Erdgeschoss keine zu geben. Eine Steintreppe, an deren oberen Ende eine weitere Wache postiert ist,  führt ins erste Geschoss. Aus einem Fenster dringt Licht. Drake kriecht weiter, bis er sich senkrecht über der Wache an der Treppe befindet. Fledermausartig harrt er an der Höhlendecke, während er mit wachen Augen jede Bewegung des Mannes unter ihm studiert. Ein Moment völliger Konzentration, dann greifen seine Hände in einer einzigen fließenden Bewegung zu den beiden Dolchen an seiner Seite und er lässt sich fallen. Sein Gegner ist völlig überrumpelt und kann sich nur mit schreckverzerrtem Gesichtsausdruck an die aufgeschlitzte Kehle greifen … Aber er lebt noch. Drake ist unzufrieden mit seinem Werk. Verbissen zielt er noch einmal auf die Kehle seines Opfers: Ein sauberer Schnitt und die Wache stürzt ihm zu Füßen – den Tod gurgelnd auf den Lippen.
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Drake bückt sich, um den Toten über seine Schulter zu hieven. Rasch versteckt er die Leiche unter der Treppe, ehe eine der Wachen im Hof etwas bemerken kann. Als er wieder vor der Eingangstür steht, kommt ihm eine Einfall: Drake springt noch einmal auf leisen Sohlen hinab zu der Leiche, um sie nach dem Schlüssel für die Tür zu untersuchen. Dann flüstert er einen Zauberspruch, um die Gestalt seines Opfers anzunehmen. Derart verkleidet öffnet er die Tür mit dem Schlüssel, nachdem er sie mit einem kurzen geübten Blick nach Fallen untersucht hat.
Ein Korridor mit mehreren Türen zu beiden Seiten liegt vor ihm. Niemand zu sehen. Hinter einer der Türen erklingen Stimmen; lautes Lachen, derbe Flüche. Drake schleicht an die Tür heran, späht durchs Schlüsselloch… und blickt in einen Aufenthaltsraum; die Luft dick vom Schweiß und Eifer der Versammelten, die hier spielen, trinken, fluchen und einander bei Gelegenheit an die Gurgel gehen. Wie viele Schattendiebe sich in dem Raum befinden, gibt der schmale Ausguck nicht preis. Vorsichtig entfernt sich Drake und schleicht weiter den Gang entlang, der in eine Wendeltreppe endet, die ins Erdgeschoss zu führen scheint. Drake steigt hinab. Zuerst gelangt er in eine Art Vorratskeller, wo Getreide und Weinfässer lagern. Als er weitergeht, kommt er in einen Korridor, der zu beiden Seiten von vergitterten Kerkerzellen gesäumt wird. In einer der Zellen rührt sich etwas.
„Hey“, raunt der Gefangene. „Wartet, geht nicht…“
Es ist ein junger Bursche. Hastig springt er vom Zellenboden auf, als er Drake bemerkt, und kommt zur vergitterten Zellentür gelaufen. Drake mustert ihn abschätzend.
„Ihr seid keiner der Wachen“, stellt der Fremde fest, der in Drake offenbar nicht die Wache von der Haupttür erkennt. „Wer seid Ihr? Könnt Ihr mich aus diesem Loch befreien? Ich bitte Euch, was immer Ihr hier sucht, ich kann Euch helfen, es zu finden! Befreit mich und ich bin Euch zu Diensten!“
„Du bist ein Gefangener der Schattendiebe?“, fragt Drake, den Redeschwall des Fremden ignorierend.
„Ich… war selbst einer von ihnen“, gibt der Fremde zu. „Bis sie mich beim Stehlen erwischten.“
„Dachte, dazu stiften sie euch hier an, zum Stehlen“, erwidert Drake trocken.
Nicht dumm, aber naiv, urteilt er im Stillen über den jungen Dieb.
„Solange wir nicht die Schatten selbst bestehlen“, seufzt der junge Dieb. „Ich bin in ihr Gemach eingebrochen, in das der Viper, wisst Ihr – es heißt sie hätte ungeahnte Schätze. Die Versuchung war groß… doch das ist auch der Preis, den ich dafür werde zahlen müssen, ihr nachgegeben zu haben…“
„Weißt du, wo die Schattendiebe ihre Beute lagern? Wichtige Beute, meine ich – bedeutende magische Gegenstände?“
„In einem geheimen Teil des Erdgeschosses“, erwidert der Fremde bereitwillig. „Es heißt, er würde von unzerstörbaren Golems und magischen Bestien bewacht. Magische Fallen lauern dort unten an jeder Ecke. Ihr wollt doch nicht etwa…?“ Der Junge macht große Augen. Dann beginnt er den Vorteil zu sehen, den er aus dieser Begegnung schöpfen könnte.
„Ich werde Euch hinführen, wenn Ihr mich befreit“, bietet er an.
… oder du verrätst mich an deine Richter, um deine Integrität wieder herzustellen, ergänzt Drake in Gedanken.
„Gut“, willigt er zum Schein ein. Er erfährt noch, dass sich der Zugang zum geheimen Lager der Schattendiebe in den Privatgemächern der Viper befindet. Das ist alles, was er wissen muss.
„Komm“, sagt er und streckt seine Hand durch die Gitterstäbe. „Ich werde jetzt einen Zauber wirken, der dich aus deinem Kerker befreien wird.“
Der junge Dieb lässt es zu, dass Drake ihn berührt... und bemerkt nicht, wie die andere Hand des Assassinen nach dem Dolch an seiner Seite greift. Ein sauberer Schnitt und der Fremde greift ungläubig nach seiner aufgeschlitzten Kehle. Doch er hat keine Gelegenheit mehr, den Verrat laut hinauszuschreien. Der Tod stiehlt das Grauen von seinem Gesicht.
Drake wischt unbeteiligt das Blut von der Waffe.
‚Grimwardt’, nimmt er lautlos telepathischen Kontakt zu dem Kriegspriester auf. Er spürt Grimwardts Zorn auf ihn; es ist ihm gleich. ‚Grimwardt, du hast es selbst gehört. Alleine schaffe ich das nicht. Ihr müsst das Gebäude stürmen.’
‚Verstehe’, vernimmt er Grimwardts Gedanken. [/i]

Kalyd
Die Wut auf Drakes „Befreiungsaktion“ kocht noch in seinen Adern, als er sich zur Teleportation bereit macht. Ein Kampf ist das einzige, was ihn jetzt beruhigen kann. Dorien spricht den Zauber… und die Gefährten tauchen, Rücken an Rücken, mitten im Hof des Schattendiebe-Hauptquartiers auf. Kalyd zieht Aryvelahr Kerym aus seiner Scheide; Nimoroths Blätterwind erstrahlt in göttlichem Glanz und vertreibt die magische Dunkelheit; Grimwardts grüne Augen unter den wüsten roten Brauen funkeln kampfsbereit.
„Ruhet in Frieden“, leitet Dorien dramatisch den Kampf ein. Dann wendet er sich, wie sie es vorher abgesprochen haben, den Wachen auf der Palisade zu und zaubert. Kein sichtbarer Effekt, doch plötzlich winden sich die Schattendiebe auf der Palisade in Schmerzen und Kalyds Elfenaugen meinen zu erkennen, wie sich Schweißlachen unter ihren sterbenden Körpern bilden, als sauge der Zauber ihnen das Wasser aus allen Poren. Einem der beiden Patrouillierenden im Hof ergeht es nicht besser als den Armbrustschützen, doch im Sterben scheint sein verdorrender Körper in Schattensplitter zu zerspringen; nichts bleibt von ihm übrig als Asche und Rauch!
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Der zweite überlebt Doriens Zauber, doch auch er löst sich beim Anblick der Gefährten scheinbar in Rauch auf – wahrscheinlich um Hilfe zu holen. Die drei verbleibenden Schützen, die dem Zauber trotzen konnten, halten ihre Bolzen bereit, doch ehe sie noch die erste Salve abfeuern können, wird einer von Kalyds Pfeil, ein zweiter von Doriens sengendem Strahl und ein dritter von Winters magischem Geschoss getroffen (Letzteres ist das mächtigste magische Geschoss, das Kalyd jemals zu Gesicht bekommen hat; selbst Grimwardt wirft seiner Schwester einen anerkennenden Blick zu).
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Grimwardt stürzt voran, durch den Hof und die Treppe hinauf und tritt die Tür mit Füßen auf. Dicht gefolgt von Kalyd und Nimoroth stürmt er die Eingangshalle, wo sie bereits von sechs Schattendieben erwartet werden. Zwei der Schurken nehmen Nimoroth in die Zange und setzen ihm übel zu, doch ihr Wagemut soll sie teuer zu stehen bekommen. Nimoroths leuchtender Säbel wirbelt durch die Reihen seiner Gegner, Grimwardts ohrenbetäubender „TEMPUUUUUS“-Ruf untermalt eindrucksvoll die blutigen Hiebe seiner Axt und Kalyds Elfenklinge vollführt mit tödlicher Präzision ihren Tanz. Aus dem Hintergrund zischen Doriens Zauber durch den Raum und Winter stürzt ihre Gegner erst mit Illusionen und Trugbildern in Verwirrung, um sie dann die Klinge ihres Rapiers spüren zu lassen. Doch den dramatischsten Auftritt legt natürlich Drake auf die Bühne, der es nicht lassen kann, mit einem Salto von der anderen Seite her in den Raum zu turnen und im Aufkommen noch einen Gegner in den Tod zu reißen.
Wenn ich ihm nur einmal mein Schwert zwischen die Rippen rammen könnte, träumt Kalyd düster.
Der letzte Gegner stirbt kaum von Kalyds Hand, als auch schon sechs weitere Schurken in den Raum stürmen. Grimwardt stellt sich ihnen in seiner ganzen, blutverschmierten Priestermacht entgegen und vier von ihnen bekommen es mit der Angst zu tun ehe er auch nur seine Axt erhoben hat. Dorien gönnt sich den Spaß für noch mehr Verwirrung zu sorgen, indem er die Ankommenden mit einer Salve bunter Regenbogenstrahlen empfängt, die den einen in Wahnsinn verfallen lassen, den anderen im Feuer verglühen und wieder einen anderen an Säure verätzen lassen. Einen der Schurken, der innerhalb weniger Augenblicke, nachdem er erst in Panik vor Grimwardt zu fliehen versucht, von einem Strahl getroffen wird, der ihm den Verstand raubt, ehe ein weiterer ihm das Leben aus dem Körper saugt, trifft es besonders hart. Doch zwei der Schattendiebe gelingt es durch Zauber die Gefährten hinzuhalten. Grimwardts Hieb trifft ins Nichts, als er nach einem der Neuankömmlinge schlägt und Doriens Energiekugel zischt durch das substanzlose Trugbild eines Gegners.
„Sie haben sich unsichtbar gemacht und Trugbilder ihren Standort einnehmen lassen“, schallt es da aus Richtung der Tür, wo Nimoroth die beiden Illusionisten mit Hilfe seiner feinen Spürnase enttarnt hat. Sein Säbel singt wie feuchtes Glas, als die Klinge die Luft durchschneidet, und der schwer getroffene Schurke wird auch für die anderen sichtbar. Kalyd und Grimwardt eilen Nimoroth zur Hilfe und im Nu sind beide Gegner ausgeschaltet. Die erste Schlacht ist gewonnen.  
 
Dorien
Abwartend harren die sechs Helden weiterer Angriffe, doch keine neuen Schattendiebe tauchen aus den Türen auf, die von der Flurdiele abzweigen.
„Den Worten des Gefangenen nach zu urteilen befinden sich die Privatgemächer der Viper auf dieser Etage“, erklärt Drake. Von der Eingangsdiele zweigt nach einigen Metern ein Nebenkorridor ab. Dorien hält darauf zu, doch als er in den Korridor einbiegen will, spürt er, wie die Luft sich stärker und stärker erhitzt, bis es ihm unmöglich ist weiter zu gehen. Ein wärmegeladenes Kraftfeld versperrt ihm den Weg.
„Was ist los?“ fragt Grimwardt, der hinter ihn getreten ist.
„Ein magisches Kraftfeld“, vermutet Dorien. Winters Augen leuchten blau auf, als sie ihren magischen Blick einsetzt, um die Art der Verzauberung zu bestimmen. Nach einigen Augenblicken verschwindet das blaue Licht aus ihren Augen und ein befremdeter Ausdruck tritt in ihr Gesicht.
„Dorien, ich kann überhaupt keine Magie feststellen.“
„Wie meinst du das? Was soll es denn sonst sein?“
Dorien, der nicht glauben will, dass sie es hier nicht mit Magie zu tun haben, versucht es mit dem gleichen Zauber noch einmal – mit demselben Ergebnis, zu dem auch Winter gelangt ist. Woraus auch immer das Kraftfeld besteht – magisch ist es nicht. Und einen Magier, der es gewirkt haben könnte, kann Dorien auch nirgendwo entdecken.
„Vielleicht versucht der Wirker die Magie seines Kraftfelds zu verbergen“, überlegt Dorien. Er wirkt einen Bannzauber auf das Kraftfeld, um sicher zu gehen, doch der Zauber schlägt nicht nur fehl – er trifft gar nicht erst auf Widerstand.
„Dann… handelt es sich vielleicht um ein mechanisch gesteuertes Energiefeld“, schlägt Kalyd vor. Indessen ist Grimwardt einen Schritt näher an das Kraftfeld heran getreten.
„Oh“, sagt er und betrachtet Stirn runzelnd seinen verbrannten Finger.
„Grimwardt, komm zurück!“, schilt Winter ihren Bruder. Nimoroth wirft eine Münze durch das Kraftfeld in den Korridor hinein, die zu ihrer aller Erstaunen keineswegs in der Hitze zu schmelzen beginnt.
„Offenbar wirkt das Kraftfeld nicht gegen Gegenstände“, erkennt Kalyd.
„Was auch immer dieses Ding ist und wogegen es wirkt, es hat uns eingeschlossen.“ Sie drehen sich um, als sie Drakes Bemerkung hören. Der Assassine kommt aus der entgegengesetzten Richtung auf sie zu. „Ich habe den Flur erkundet. Das Ende ist von einer weiteren Bannmauer versperrt. Und auch den Rückweg scheint uns jemand abschneiden zu wollen. Vor der Tür ist ein drittes Kraftfeld errichtet worden.“
„Dann gefällt es jemandem nicht, dass wir uns hier umsehen, aber dass wir gehen, will er auch nicht“, knurrt Grimwardt und packt seine Axt fester.
„Dort.“ Drake weist mit gezücktem Dolch in den Korridor hinein, der in einen Gang mündet, der parallel zur Eingangsdiele zu verlaufen scheint. „Wenn ich der Kerl wäre, der diese Kraftfelder wirkt, würde ich mich an der Ecke dort verstecken und beobachten ohne beobachtet zu werden.“
Winter betrachtet Drake nachdenklich. Dann tritt ein schelmisches Grinsen auf ihre Lippen und sie kramt aus ihrem Rucksack einen kleinen Handspiegel hervor.
„Winter! Das ist nun wirklich nicht der richtige Augenblick, um an Schönheitspflege zu denken“, stöhnt Grimwardt, doch Winter hat ganz andere Pläne. Mit dem gleichen Zaubertrick, mit dem sie Drake seine Hammelkeule vor der Nase entführt hat, lässt sie den Spiegel nun durch das Kraftfeld schweben, um darin zu sehen, ob sich jemand hinter der Abbiegung in den Parallelflur befindet. Als er erkennt, was sie vorhat, brummt Grimwardt etwas, das er offenbar für eine großherzige Entschuldigung hält, und lässt sie gewähren.
Doch ehe der Spiegel ihren Widersacher enthüllen kann, bemerkt Dorien aus den Augenwinkeln, wie jemand um die Ecke am Ende des Korridors huscht. Im nächsten Moment ist die Luft erfüllt von winzigen, schwebenden Glasscherben, die aus dem Korridor kommend, die Gefährten attackieren. Zu spät weicht Dorien einer Salve scharfkantiger kleiner Splitter aus, die sich sirrend in sein Fleisch bohren. Seinen Freunden ergeht es nicht besser. Der Splitterattacke folgt eine Salve Armbrustbolzen, die auf Grimwardt, Kalyd und Nimoroth gezielt sind. Ein höhnisches Lachen erfüllt die Gänge.
„So weit gekommen – und doch so hilflos!“
Dorien blickt auf und erblickt einen kahlköpfigen Mann in einem eigenartigen, bunt bestickten Mantel, der mit verschränkten Armen am Ende des Korridors harrt, geschützt durch die Energiewand und vier Armbrustschützen, die ihn halb verdecken. Dorien schleudert einen Zauber durch die Energiewand; Winter tut es ihm gleich und Kalyd nimmt seinen Elfenbogen zur Hand. Zwei der Armbrustschützen fallen unter der Wucht der Attacke, doch der Kahlköpfige verzieht nur verächtlich den Mund.
„Kein Eindringling ist je an Isaac vorbei gekommen!“
Dann schüttelt er den Kopf und aus seinem Schädel fliegen winzige Glassplitter. Eine weitere Splitterattacke erfolgt; dann verschwindet Isaac wieder im seitlichen Korridor. Plötzlich begreift Dorien.
„Er ist tatsächlich kein Magier – er ist ein Psi-Meister“, lässt er die anderen laut an seinem Geistesblitz teilhaben.
Er erinnert sich einen Harfner-Kollegen einmal von dieser Form geistiger Kraft sprechen gehört zu haben. Um den Vilhorngriff soll es Völker geben, die sich dieser Kraft anstelle von Magie bedienen, um einen Vorteil gegenüber Menschen und anderen Magie-wirkenden Völkern zu haben. Doch diese Einsicht ändert nichts daran, dass Dorien nicht den Schimmer einer Ahnung hat, wie man diese Art der geistigen Manipulation bekämpfen oder bannen kann.
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Jak

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[SH ] Eine Rundreise durch die Reiche (Update: 19.11.07)
« Antwort #14 am: 20. Dezember 2007, 19:50:49 »
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