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Autor Thema: Lords of Darkness  (Gelesen 19485 mal)

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Gerthrac

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Lords of Darkness
« am: 06. Juni 2007, 20:27:17 »
Hallo zusammen.
Da meine letzte Story Hour eingeschlafen ist (mit unserer Kampagne, wohlgemerkt), werde ich hier in Abständen unsere neue Story Hour posten, die ich im Vorraus verfasst habe.

Die Kampagne ist insofern ungewöhnlich, dass es zwei SLs gibt, Falkenblut und mich, die abwechselnd leiten. Ich werde hier allerdings nur meine geleiteten Abenteuer posten, eventuell wird dann die Perspektive in die Augen Dairons, meines Charakters, übergehen, bzw. Falkenblut wird seine Geschichte selbst erzählen.

Der zweite Punkt ist, dass die Charaktere allesamt böse sind.

Ich möchte noch anmerken, dass ich das hier aus der Erinnerung schreibe, und so können einige Fakten nicht ganz korrekt sein, genauso wie ich Kleinigkeiten eventuell für diese Storyhour verändere, um eine bessere Geschichte zu erzählen. Ich glaube auch, Teldra war nicht ganz von Anfang an dabei, doch wusste ich nicht mehr, wie sie in die Gruppe kam, also…
Personae Dramatis:

Rakis Durron, Mensch, Gedankenkrieger 9 (Psychic Warrior). Will sich von niemandem abhängig machen, ist relativ einzelgängerisch. Sein Kampfstil ist darauf ausgelegt, wenige, aber dafür sehr starke Schläge auszuteilen, am Mord an der Familie Garanem in Tammar beteiligt. Rechtschaffen Böse.

Sergenas, Mensch mit infernalem Erbe, Hexenmeister 9. Angehender Chronomagus (PrC hier aus dem Gate). Legt Wert auf Strahlen und auf die „Schnelligkeitszauber“, welche manch einen Kampf wenden. Sehr wissbegierig, am Mord an der Familie Garanem in Tammar beteiligt. Charakter von Alcarin. Rechtschaffen Böse.

Caloras, menschlicher Kleriker von Kossuth 7 und Elemental Savant 2. Erste Sitzung nicht dabei, war nie wirklich integriert in die Gruppe. Hat manchmal sehr seltsames Verhalten an den Tag gelegt und wurde nur aufgrund der Umstände geduldet. Charakter von Falkenblut. Rechtschaffen Böse.

Heram, menschlicher Waldläufer 7/ Bloodhound 2. Professioneller Bogenschütze und Kopfgeldjäger, am Mord an der Familie Garanem in Tammar beteiligt. Erfüllte außerdem die Rolle des Spähers. Sehr guter Taktiker. Allerdings nur im ersten Abenteuer dabei. Charakter von Hadriel. Neutral Böse.

Teldra, menschliche Zauberdiebin 9. Charakter vom Don. Später die Hauptspäherin. Eher “tomboyish“ angehaucht, man möge mir den Ausflug ins Englische verzeihen. Chaotisch Böse.

Dairon Pereandros, menschlicher Kleriker von Tyrannos 9. Vorsteher eines kleinen Tempels des Tyrannos in Tammar im Range eines Bronze-Imperzeptors. Eiskalter Pragmatiker mit Hang zu gelegentlicher Brutalität. Hauptheiler wenn Caloras nicht in der Gruppe ist, Ersatztank und Ersatz-Nuker. Auf Beherrschungsmagie ausgerichtet. Ebenfalls ein Mörder an den Garanems. Mein Charakter, demzufolge meist im Hintergrund als NSC. Rechtschaffen Sehr Böse.

(Wir haben für den Hex auf der ersten Stufe und allen 6 folgenden ein Heritage Bonus-Feat eingeführt. Auf der 6. kann man das feat auch gegen Eschew Materials tauschen, auf der 12. gegen Extra Spell, allerdings erreicht Sergenas Hex 12 nicht mehr, da er eine PrC ergreift.)

Edit: Heram war Bloodhound, kein Justiciator  :oops:

Gerthrac

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Lords of Darkness
« Antwort #1 am: 06. Juni 2007, 20:30:21 »
Abschnitt 1: Die schwarze Zitadelle.

Kapitel 1: Frische Luft!

„Und es ist wirklich sicher, dass die ganzen Steckbriefe abgerissen wurden?“

„Ja, sie sind alle weg. Die Diener von Maske haben ganz gute Arbeit geleistet, Sergenas.“

Dairon und Sergenas standen im Altarraum der Zuflucht von Dairon, einem unterirdischen Tempel unter den Ruinen eines Gasthauses im Nordviertel, den Slums von Tammar, Thesk. Die Szenerie wurde nur durch die Kohlebecken und die mit grüner Flamme brennenden dauerhaften Fackeln erhellt. Dairon und Sergenas standen vor einem großen Altar des Fürsten der Finsternis, ein Monolith aus schwarzem Marmor.

Sergenas kannte den Raum nur zu gut, er und seine Verbündeten hatten sich hier unten viel zu lange bedeckt halten müssen für ihren Raubmord an Mitgliedern des Hauses Garanem, Geldadel, welcher die Stadt mitregiert.

„Soll ich es Rakis und Heram sagen oder machst du das?“ fragte Sergenas.

„Mach ruhig. Ich habe nicht wirklich Lust, schon wieder runter in die Pilzhöhle zu steigen. Ich brech’ mir noch mal was wenn ich von der Leiter falle.“

Sergenas warf dem hellhäutigen Mann mit dem schmalen Gesicht, das fein gemeißelt war und nichts von der Grausamkeit seines Besitzers offenbarte, noch einen letzten Blick zu, bevor er in den Gang zur Luke ging und in die natürliche Höhle hinunterstieg, wo die Mykoniden fleißig dabei waren, aus den organischen Abfällen des Tempels halluzinogene Pilze anzubauen. Sergenas verstand es nicht, warum die Pilzwesen damit einverstanden waren, hier zu bleiben und zu schuften, statt ins Unterreich zurückzukehren.

Nicht dass sie eine Wahl gehabt hätten. Doch es schien sie sogar glücklich zu machen. Seine weißen Haare zurückstreichend, ging er in einen unauffälligen Seitengang, und betrat Rakis’ Zimmer.
Sein Zimmer, sein Dojo, Meditationsort, Zuflucht vor der Welt, Trainingsraum oder was auch immer.
Niemand, nicht einmal Dairon wusste, was genau Rakis in den langen Stunden dort trieb. Rakis saß, wie fast immer, in der Mitte des quadratischen Raumes, von Dairons Zaubern aus dem Stein geschnitten, auf den Ebenholzdielen. In starkem Kontrast zu dem schwärzlichen Holz standen die reinweißen Vorhänge, die an den kunstvoll verzierten Holzbalken und Querträgern des ansonsten leeren Raumes hingen.

Sie bauschten sich in einer leichten Brise, von der Sergenas nichts spürte.

„Rakis?“

Die Vorhänge fielen herab. Wie tot.

„Ich wollte dir nur sagen, dass wir uns wahrscheinlich wieder in der Stadt bewegen können. Das Ganze ist jetzt drei Monate her und die letzten Steckbriefe von uns sind weg. Laut Dairon sind die Stadtwachen auch nicht mehr nur hinter uns her, sondern suchen jetzt nach so einem Kopfgeldjäger, ganz berühmt.
Er heißt Nimexis.“

Rakis öffnete die braunen Augen und sah Sergenas zum ersten Mal an, seit dieser den Raum betreten hatte, an. Er nickte.
Sergenas wusste, dass man von Rakis normalerweise nicht mehr als Antwort erwarten konnte. Mit einem Bauschen seiner schwarzen Roben mit den silbernen Schwertemblemen drehte er sich um und verließ Rakis’ Sanktum.

Bei den Schlafquartieren angekommen, fand Sergenas das Zimmer von Heram abgesperrt und dunkel vor. Achselzuckend ging er an Nummer Eins, einer der drei Akolythen des Tempels vorbei, die ihn furchtsam aus weiten Augen ansehend grüßte. Auf dem Weg zum Altarraum schaute er in der Küche vorbei, um sich mit einer Kleinigkeit zum Frühstück zu versorgen. Er ging um die Ecke zur Doppeltür von Dairons Domäne.
Er stockte.
Und drehte sich um. Ein anderer Akolyth, Nummer zwei, stand einige Meter von ihm weg. Er bemühte sich, ein unschuldiges Gesicht zu machen und beschäftigt zu wirken.

Beides misslang kläglich.

Sergenas kniff die Augen zusammen. Da stimmte doch etwas nicht. Dieser Geruch…
Nummer zwei hatte wohl geraucht, statt zu arbeiten.
Sergenas unterdrückte ein Grinsen.

Im Thronsaal fand er Heram und Dairon vor, die sich leise unterhielten, während Rakis gerade aus einer anderen Tür den Altarraum betrat. Und hinter dem Altar, halb in den Schatten verschwunden, sah er eine mittlerweile zu gut vertraute Gestalt stehen.

Vierna.

Oder auch: Der Drache aus der Dunkelburg. Sie war zu Dairons Tempel geschickt worden, aufgrund dessen „einmaliger Lage“, um Befehle auszugeben und eine Mission für die Kirche anzustoßen. Vierna bekleidete den Rang eines Bronzenen Imperzeptors, wie Dairon, und so meinte sie, in den Belangen des Tempels mitreden zu müssen.

Sergenas konnte gut verstehen, warum Dairon in letzter Zeit noch gereizter war als sonst.

Beide sahen sich sogar ähnlich, stellte Sergenas mit mildem Amüsement fest: Schwarze Haare, gekleidet in schwere schwarze Rüstungen, und mit Morgensternen bewaffnet, hätten sie fast Geschwister sein können.
Sergenas trat neben Heram, der wie immer völlig nichtssagend und unauffällig wirkte mit seinem Kettenhemd, grauer Kleidung und dunkelgrünem Umhang. Genauso wie der Kopfgeldjäger es haben wollte. Auf seinen Bogen hatte er nicht einmal im Tempel verzichtet. Er hörte noch den letzten Satz von Heram:

„Naja Gerüchten zufolge, die ich von einem Kollegen habe, soll er über leuchtende Waffen aus Energie verfügen, und er kämpft mit beiden gleichzeitig…“

„Ruhe jetzt.“

tönte die Stimme der einzigen erwachsenen Frau im Raum aus den Schatten, gefolgt von schweren Schritten, als Vierna zum Altar trat. Rakis stand mit vor der Brust verschränkten Armen einige Meter vom Rest entfernt und beobachtete die Szenerie.

„Also, jetzt da ihr auch wieder einigermaßen frei bewegen könnt, vorausgesetzt ihr baut nicht noch einmal Mist, kann ich meinen Befehlen folgen und euch in euren neuen Auftrag für die Kirche des Fürsten der Finsternis, solltet ihr gewillt sein, ihn anzunehmen, einweihen.“

Während Sergenas seine mit silbernen Schwertern bestickten Handschuhe zurecht zog, fuhr Vierna fort.

„Um eventuellen dummen Fragen zuvorzukommen, werde ich gleich auf den für euch wichtigsten Punkt zu sprechen kommen: Den Lohn. Es wird für jeden von auch ein maßgeschneiderter magischer Gegenstand angefertigt werden, etwa in der Stärke meines Schildes.“

Sergenas wusste von Dairon, dass Vierna Blitzschild ein Erbstück ihrer Familie, logischerweise ein Schild, führte, welches zu schweben imstande war, Blitzangriffe abwehren oder gar ganz absorbieren konnte, und auch sehr gut schützte, sogar vor den Schlägen, die eigentlich jede Deckung durchbrachen. Er zog eine Augenbraue hoch.
Sein Interesse war geweckt.

„Wir haben in der Dunkelburg bei unseren Recherchen von einer Gruppe sehr starker magischer Gegenstände erfahren, welche die Überreste eines Artefaktes, ehemals geweiht der großen Magiehure persönlich, darstellen. Ich spreche von den Splittern der Träne Mystryls.
Als Karsus, ein Erzmagier eines lange zerstörten Reiches die alte Mystryl versehentlich tötete, vergoss sie, aus Trauer um ihr Gewebe, eine Träne, welche im langen Fall bis auf die Ebene der Sterblichen kristallisierte, und beim Aufschlag zerbrach… ihre Splitter sind in ganz Faerûn verstreut.

Sie enthalten unglaubliche magische Energien, die wir für die Schwarze Hand nutzbar machen wollen. Wir wissen, dass ein solcher Splitter sich in Unther befindet, in der Wüste der Schwarzen Asche westlich von Messemprar, jedoch nicht den genauen Aufenthaltsort.

Und wir wollen ihn haben!“, schloss die junge Frau. Sie ließ die Worte einen Moment wirken.

„Also, seid ihr jetzt dabei?“ fragte sie mit unterschwellig drohendem Unterton.

„Warum nicht? Ich muss hier unbedingt raus und der Süden scheint mir nicht die schlechteste Wahl.“, sagte Sergenas.

Er fixierte Dairon. „Und du?“

Der Mann mit dem schneeweißen Gesicht schüttelte den Kopf. „Irgendwer muss ja meinen Tempel bewachen. Und ich habe hier Befehle, die vorsehen, dass ich ein paar Schläge gegen Mystra-Institutionen verübe.“

Heram nickte. Rakis zuckte nur die Achseln. Teldra strich sich das dunkelblonde Haar zurück und sagte: „Bin dabei“.

So... to be continued.
Kommentare, Fragen und Kritik eindeutig erwünscht.

Gerthrac

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Lords of Darkness
« Antwort #2 am: 10. Juni 2007, 17:41:36 »
Kapitel 2: Der Auftrag.

„Ihr werdet auf dem Goldenen Weg durch Phsant und Phent nach Osten reisen, bis nach Telflamm. Dort werdet ihr auch auf der Blutkrake einschiffen, die fährt nach Messemprar. Der Käpt’n, Seegras heißt er, wurde bezahlt, euch und explizit euch mit zu nehmen. Oh, und wenn ihr loyale Verbündete findet, die auch dorthin wollen, nehmt sie mit. Ihr seid am nächsten dran, deswegen wurdet ihr ausgewählt, aber Schönreden hilft auch nicht. Es wird hart werden.“

Heram hob die Hand. „Ja?“

„Was genau ist denn diese Zitadelle? Offenbar ist sie kein Teil der militärischen Anlagen in Unther, sonst würden da keine Artefakte rumliegen, oder?“

„Richtig. Die Zitadelle ist in einen nicht mehr aktiven Vulkan gebaut, der einen alten Drachenhort enthält.“

Alle am Tisch außer Dairon und Vierna sogen merklich die Luft ein.

„Macht euch nicht in den Rock, Gilgeam hat den Drachen schon längst getötet. Die Zitadelle war das Hauptquartier seines Militärs, wurde vor zwei Jahren aber durch die Giftgase und die Asche eines nahen Vulkanausbruches entvölkert.“ Sie zog eine Braue hoch. „Ich schlage vor, ihr nehmt etwas Weihwasser gegen Untote mit.“

Dairon schaffte es gerade noch, einen neutralen Gesichtsausdruck zu bewahren. Vielleicht war der Stock im Arsch dieser Frau doch nicht aus Stahl, so wie er bis jetzt angenommen hatte. Er sagte:

„Die Imperzeptorin aus der Dunkelburg“ – ein Seitenblick zu Vierna – „hat aus den Arsenalen dort einige Tränke und andere Spielereien mitgebracht, die Ihr brauchen werdet. Er öffnete einen kleinen Beutel aus Segeltuch. Fünf Ringe und eine größere Menge an Phiolen unterschiedlicher Farbe fielen heraus.

„Die Ringe werdet ihr ab jetzt immer tragen, ich werde auch einen nehmen. Sie schützen euch vor diesen arroganten Paladinen, die jeden anhalten, der kein pathetischer Schwächling ist, indem sie deren seltsamen Blick täuschen.“

Jeder nahm sich einen.

„Ansonsten…“ – er wies nacheinander auf verschiedenfarbige Phiolen – „diese hier heilen Wunden, diese machen euch stärker, diese erhöhen eure Lebenskraft, diese eure Kletterfertigkeit. Dieser lässt euch im Dunkeln sehen. Und die paar hier heilen auch Wunden, sind aber stärker.“

„Morgen früh brecht ihr auf.“ stellte Vierna fest.

Die Mörder von Tammar wurden ausgerüstet, dann machte sich jeder auf, um seine Besorgungen zu erledigen. Rakis verschwand in der Bibliothek, um sich mit Büchern einzudecken, die ihm in Unther weiterhelfen könnten, sowie mit Informationen über dortige Kreaturen.
Sergenas tat es ihm nach, forschte aber eher nach der Hintergrundgeschichte der Zitadelle der Schwarzen Asche und nach neuer Magie.
Heram und Teldra hörten sich nach örtlichem Klatsch um, und erfuhren, dass Nimexis in der Stadt sei, ein bekannter Kopfgeldjäger. Sie erhielten sogar eine kurze Beschreibung von einem alten Gardisten:

„Ein finsterer Kerl, sag ich euch, mit gelb leuchtenden Augen. Und ich sag euch noch was: der hat zwei leuchtende Schwerter, die aus seinen Händen wachsen! Er schlägt immer aus dem Nebel zu, oder dem Rauch, und er trifft trotzdem besser als jeder andere. Sein Gesicht? Das kennt keiner, noch keiner hat unter seinen Umhang schauen können. Wenn der hinter einem her ist, der gibt nicht auf… der hat noch nie einen Auftrag vermasselt.“

Heram warf Teldra einen kurzen Blick zu. Sie hörte auf, den Alten anzustarren und zuckte die Achseln. Etwas zu schnell, wie Heram fand.


Ich schreibe die SH hier für das Gate, also seid ihr alle herzlich eingeladen, Fragen zu stellen oder Kommentare abzugeben. Feedback wäre hier wirklich sehr erwünscht. :)

Lords of Darkness
« Antwort #3 am: 10. Juni 2007, 19:43:44 »
Ganz interessant. Würde mir nur wünschen öfter einmal einen Kommentar zu Volk und Klasse der SC zu bekommen. Man tut sich da doch ein wenig schwer mit den reinen Namen.  
Werde aber dranbleiben...
"die untoten Drachen werden die Welt beherrschen"

Taled

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Lords of Darkness
« Antwort #4 am: 11. Juni 2007, 11:10:42 »
Wünsche mir mehr :) Guter Stil, interessante Gruppe, eine Ecke Faeruns, die nicht so ausgelutscht ist. Anmerkung: Wenn euch am Spieltisch / dir als Erzähler das Kunststück gelingt, die Motive der Charaktere, innerhalb einer bösen Gruppe zu bleiben und zu arbeiten, sinnvoll / nachvollziehbar erscheinen zu lassen, dann Hut ab. Wenn . . . ;)


Taled

Gerthrac

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Lords of Darkness
« Antwort #5 am: 11. Juni 2007, 17:30:56 »
Erst mal Danke für die Antworten. Das motiviert zum schreiben. :)

@Sohn des Sammaster: Ich werd es versuchen, danke für den Hinweis. Volksmäßig sind aber eh alles Menschen. Nun gut, Sergenas hat ein Scheusal irgendwo im Stammbaum, aber da wissen nur Falkenlbut und er Bescheid drüber.

@Taled
Was die Motive angeht: Zuerst musste die Gruppe ja "Low-Profile" bleiben. Es lief immer noch eine Fahndung nach ihnen (das ist eine Konsequenz aus einem älteren Abenteuer von Falkenblut). Und später... nun ja die stärkeren setzten sich durch :twisted: .
Dairon ist eh immer einfach zu motivieren, der führt seine Befehle aus der Dunkelburg aus. Oder wird von Machtiger getrieben. Beim Rest herrscht Gold oder Arkane Machtgier(Sergenas) vor bzw auch unterschwellige Drohungen aus der Tyrannoskirche/ der Zentharim.

Allgemein ist die Gruppe nicht "vile". Gute Charaktere handeln bei uns am Spieltisch auch die meiste Zeit eher neutral oder verstandesbestimmt. Mit Aussschlägen zum Guten eben. Hier dasselbe mit Böse. Es konzentriert sich auf wenige, aber dafür dramatische Dinge.

Anmerkung: Auf die Region bin ich gekommen, als mir das LEoF einmal runtergefallen ist und auf eben der Seite mit der Abenteuer-Seed für die schwarze Zitadelle liegen blieb. :D

Gerthrac

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Lords of Darkness
« Antwort #6 am: 11. Juni 2007, 19:00:22 »
Kapitel 3: Der Aufbruch. 15. Mirtul 1372.

Am nächsten Morgen waren alle zur sechsten Stunde um den Altar versammelt. Nach ein paar abschließenden Worten, und nachdem Dairon Rakis und Sergenas seine Kopien der geliehenen Bücher überreicht hatte, verließ die Gruppe Tammar nach Westen, Richtung Phsant. Auf dem Goldenen Weg, einer bedeutenden Handelsroute im Osten Faerûns, war viel Verkehr, die Sonne schien warm, und es war windig, sodass man nichts von der Hitze spürte. Noch grüne Gerstenfelder wogten träge im leicht salzig schmeckenden Westwind, im Süden ragten Berge auf. Man hatte sich einer Karawane angeschlossen, und döste nun hinten auf der Ladefläche eines Ochsenkarrens, der Exotika aus dem fernen Osten, Kara-Tur, geladen hatte. Die Tage vergingen, bis zum dritten Tag der Reise, als man in einer leichten Klamm Halt für die Nacht machte, um vor dem doch recht frischen Wind etwas geschützt zu sein.

Die Gruppe hatte mit dem Karawanenführer ausgemacht, gegen Schutz mitzureisen, und so schlug man das Zelt auf, aber Rakis hielt die erste Wache.

Als der Gedankenkrieger gerade zum Zelt zurückkehren wollte, sah er plötzlich, wie etwas an der 6 Meter hohen Klippe über dem Zelt aufflammte.

Gelb aufflammte.

Das gelbe licht schoss nach unten, und bohrte sich ins Zelt, seinen Inhalt unheimlich erleuchtend.

„ALAAAARRRRMMM!!!“

Doch es war zu spät, aus der Finsternis hinter ihm kam ein mörderischer Schlag gegen seinen Hinterkopf, so dass ihm kurz schwarz vor Augen wurde. Andere Geschosse hämmerten in das wirre Knäuel, welches das Zelt der Gruppe nun geworden war. Rakis suchte mit blutunterlaufenen Augen nach seinem Angreifer, doch konnte er im trüben Schein der Wachfeuer nichts erkennen.

Sergenas hatte sich mittlerweile aus dem Zelt befreit, nur um einen ungefähr kopfgroßen Felsen gegen den Oberschenkel zu bekommen. Er wurde von dem mörderischen Schlag herumgerissen. Als der Hexenmeister sich wieder aufrichtete, hatte er die Kraft seiner Magie und die seiner infernalischen Vorfahren vereint, um die Dunkelheit zu durchdringen. Was er sah, ließ ihn erschauern. Auf der gegenüberliegenden Klippe, knapp 20 Meter von ihm entfernt, standen drei übermenschengroße Gestalten, gehüllt in Tierfelle. Alle hatten halbe Baumstämme in Händen oder Griffweite.

Und alle hatten Felsen in den Händen. „Hügelriesen!“

Heram rollte sich auf die Beine, Bogen schussbereit in der Hand? „Wo sind die Schweine? Ich kann nichts sehen, ist alles so dunkel! Au!“ Schrie er als er von zwei Felsen gegen die Wand hinter ihm geschleudert wurde.  

„Da sind sie.“ Sprach Sergenas und sandte zwei Flammenstrahlen gegen den nächsten Hügelriesen, die seinen Bauch ansengten und zwei handgroße Brandlöcher in dessen Fleisch hinterließen.

„Na toll. Das hilft mir jetzt weiter.“ Sergenas sah Heram aus dem Lichtkegel des Pfeils verschwinden und einen Trank trinken.

Sergenas wandte sich wieder seinen Feinden zu. Und hatte nicht mal Zeit zu fluche, bevor er von zwei Felsen herumgewirbelt wurde wie eine Puppe. Schmerz durchzuckte seinen Arm und die kurzen Rippen. Er hatte Schwierigkeiten einzuatmen, und schleppte sich aus dem verräterischen Licht.

Das ist besser. Dachte sich der Kopfgeldjäger. Der Trank erlaubte es ihm, im Dunkeln zu sehen. Und jetzt konnte er zurückschießen. Er zog seinen Bogen.

Sergenas sah, wie Heram drei Pfeile in einen der unverwundeten Hügelriesen pumpte, alle drei provozierten unartikuliertes Gebrüll, was er als gutes Zeichen wertete. Er kippte einen Trank hinunter, um seine schlimmsten Verletzungen zu heilen. Sofort wurde er auf dieselbe Stelle getroffen, was ihm die Rippen wieder brach. Er stöhnte auf.

Aus einem anderen Zelt kam nun eine verschleierte Frau gerannt, überblickte das Geschehen, und konzentrierte sich kurz. In Sergenas Augen war das kein Zauber, den sie da wirkte, doch war es wirkungsvoll: Eine Nebelwolke entstand zischen den Riesen und den Tammarern, und unterband effektiv das Sperrfeuer, dem die Gruppe wohl bald erlegen wäre. Zwei der Hügelriesen stießen einen Kriegsschrei aus und sprangen in die Klamm hinunter, Keulen in Hand.

Heram fluchte. Schießend wich er zurück, als der Riese auf ihn zukam. Ein Pfeil traf den stinkenden Wilden in den Arm, ein weiterer bohrte sich in seinen feisten Bauch. Doch hatte der Kopfgeldjäger die Wut des Riesen unterschätzt. Heram sah einen Baumstamm auf sich zurasen und machte einen Hechtsprung zur Seite. Er flog allerdings 2 Meter weiter als geplant, und sein Rücken schmerzte fürchterlich vom Aufschlag der Keule. Er rollte sich über eine Schulter ab, ließ seinen Bogen wo er gelandet war, und zog sein Langschwert. Der Riese fletschte, ermutigt durch den Treffer, die gelben Zähne, und machte einen Schritt auf ihn zu.

Er hasste Schwertkampf.

kreuzi

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Lords of Darkness
« Antwort #7 am: 13. Juni 2007, 13:19:59 »
Hi, coole Story. Warte mit Spannung auf die Fortsetzung.

Gruss,

kreuzi

Gerthrac

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Lords of Darkness
« Antwort #8 am: 15. Juni 2007, 16:08:53 »
So erst mal das halbe 4. Kapitel. Viel Spaß damit.

Kapitel 4: Riesige Probleme

Sergenas wich auch zurück, vollendete gerade einen Blitzstrahl, der dem Riesen den struppigen Bart verbrannte, aber ihn nicht umfallen ließ, und eine Linie aus ionisierter Luft hinterließ, welche dem Hexenmeister als Zielhilfe diente. Er riss nun mit arkaner Macht an seinem Bewusstsein, und zwang sich fast mit Gewalt dazu, sich zu beschleungien, und konnte so einen weiteren Zauber wirken. Feuerstrahlen zuckten auf den Riesen zu und bohrten sich in die Beine. Sergenas, sein Geist noch völlig verschwommen von dem mentalen Kraftakt, konnte nur mit Schrecken feststellen, dass es nicht gereicht hatte, den Riesen zu töten.
Doch jetzt war der Riese heran, grinste hämisch und hob seine Keule zum tödlichen Schlag.

„Jetzt ich Wimmelkrieger zermatschen!!“

Sergenas versuchte seinen Körper so gut es ging zu schützen, und erwartete das Schicksal von Heram, doch vergingen die Sekunden, und es passierte… nichts.

Als Sergenas die Augen wieder öffnete, sah er, wie Rakis gerade sein Bastarschwert aus dem Brustkorb des Riesen befreite, wobei er einen Fuß aufstützen musste, denn er hatte es irgendwie geschafft, die Klinge bis zum Griff in das Riesenfleisch zu treiben. Er sah Sergenas kurz an und grinste freudlos, das Gesicht blutbespritzt, es tropfte sogar aus seinen dunklen Haaren.

„Neun Höllen, Rakis!! Wo warst du?“

„Ich bin die Klippe raufgerannt, wollte den Bogenschützen erwischen. War leider schon weg. Da dacht ich, ich helf’ dir mal…“

„Egal, machen wir den auf der Klippe fertig!“

Heram wich einem Schlag nach dem anderen aus, doch konnte er keinen eigenen wirkungsvollen Schlag setzen. Er wollte gerade um Hilfe rufen, als er sah, wie der Riese seinen Rücken verkrampfte, und taumelnd herumfuhr, Heram den Rücken zudrehend.

Hinter ihm stand Teldra, ein blutiges Rapier in der Hand. Und schon flog die Zauberdiebin durch die Luft, ein Rückhandschlag des Riesen warf sie gegen die Felswand, wo sie herabrutschte und halb besinnungslos liegenblieb. Der Riese zeigte seine Zähne und hob seine Keule zum finalen Schlag, als er verdutzt zusah, wie eine Schwertspitze aus seinem Bauch wuchs, mit seinem Blut sich darum ausbreitend, wie die Blätter einer Blüte des Todes.

Er brach ohne einen Laut zusammen.

Heram stand hinter ihm, sein Langschwert blutig.

Rakis rannte zum letzten Riesen hinauf, schlug nach ihm, fand keinen Halt an der Felswand, und stürzte wieder hinunter, doch nicht ohne dem Riesen einen Schnitt über die Schulter gezogen zu haben. Sergenas nahm wieder seine Sengenden Strahlen zur Hand, doch diesmal verstärkte er sie mit mehr arkaner Energie, und sie bohrten sich beide tief in das Fleisch des Riesen.

Grug bekam es mit der Angst. Diese kleinen Wesen waren ihm zu schnell, und er konnte sie nicht erreichen, und die Hälfte von ihnen konnte er nicht einmal sehen, da sie zu weit von der Wand entfernt standen.
Und doch versengten ihre Magie sein Fleisch, fügten ihre Waffen ihm Schmerz zu! Er holte zu einem Hieb aus, als der stärker aussehende Krieger wieder vor ihm auftauchte, doch wurde er von mehreren Pfeilen getroffen und verlor seinen Schwung. Ein Pfeil legte seinen Oberschenkelmuskel lahm, und er brach in die Knie.

Plötzlich sah er nur noch feuerrot und dann nur noch schwarz.

***

„Nun, dann lasst uns doch mal sehen, was in diesen Riesenbeuteln alles Schönes drin ist.“ murmelte Teldra, während Sergenas und Rakis sich mit ihrer unerwarteten Helferin, einer verschleierten Menschenfrau unterhielten, die zufällig auch auf dem Weg nach Telflamm war. Namen hatte man nicht ausgetauscht, der Hexenmeister wollte anscheinend keine Informationen preisgeben.

Nun, das klang vernünftig, da immer noch ein Kopfgeld auf die „Mörder von Garanem“ ausgesetzt war.

„Dreck… Dreck…. Dreck… Dreck… Gold… Silber… Fahndungsbilder von uns… Dreck… Moment!“

Heram sah ihr über die Schulter, und beide starrten die Kohlestiftzeichnungen von ihnen an, die ihre Gesichter zeigten, mit Beschreibung drunter.

Und Kopfgeld. 9000 Goldstücke pro Kopf. Fette Beute.

„Neun Höllen, was machen diese Dinger in den Riesenbeuteln? So wie die ausgesehen haben, konnten die noch nicht mal lesen!“ kommentierte der Waldläufer.

„Heram, du weißt doch noch, was wir über diesen Nimexis gehört haben, oder? Der verwendet doch auch gelbe Energiewaffen…“ Schaudernd blickte Teldra sich um, untersuchte die dunklen Klippen, und auch die Stellen, an denen die Riesenleichen verbrannt wurden, wo Karawanenangehörige sich erregt über die Geschehnisse unterhielten. Als ob es für sie nur ein großes Abenteuer wäre.

„Also hat er es auf unsere Belohnung abgesehen… Naja wenigstens teilt er nicht, also werden wir auch nicht verpfiffen.“ Teldra verbrannte die Papiere.

„Wenigstens ein Vorteil.“  

Später hatte man Sergenas und Rakis informiert, und setzte am nächsten Tag die Reise fort.

Gerthrac

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Lords of Darkness
« Antwort #9 am: 19. Juni 2007, 20:04:48 »
Kapitel 4 Teil 2:

*** Telflamm, ein paar Tage später. Mirtul 1372.

Die Tyranniten hatten sich in der „ Verirrten Möwe“ eingemietet, das Auslaufen der Blutkrake war geklärt, am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang sollte es losgehen, nach Messemprar, der letzten Bastion Unthers gegen die Mulhorandische Armee. Man besprach gerade noch die letzten Details, als Teldra etwas mit ihrem Kohlestift auf den Tisch kritzelte.
„Wir werden beobachtet. Fünf Uhr von mir, Rothaarig.“

Rakis saß ihr gegenüber, und ließ seine Augen müßig durch die Taverne schweifen… und sah dann dem Beobachter direkt in die Augen. Der wandte sich ab, vergeblich den Unschuldigen spielend. Der Gedankenkrieger betrachtete ihn. Rothaarig, so groß wie er selbst (sechs Fuß), mit Sonnenbrand im Gesicht und in schwere Rüstung gehüllt. Auf seinem roten Mantel prangte eine Flamme.
Als der Fremde wohl eingesehen hatte, dass er ertappt war, stand er auf und kam zu ihnen herüber.  

„Kossuth zum Gruße.“

„Was wollt ihr?“ fragte Sergenas.

„ Ich habe zufällig mit angehört, wie ihr darüber geredet habt, nach Messemprar zu gehen. Und dass ihr auf der Blutkrake fahrt. Zufälligerweise…“

„Ja, ganz zufällig…“ murmelte Heram.

„… fahre ich mit dem selben Schiff nach Messemprar, und von dort reise ich weiter. Wärt Ihr gewillt, mich als euren temporären Begleiter anzunehmen?“

„Ihr wisst schon, dass Messemprar eingeschlossen ist, oder? Da ist nix mit weiterkommen. Was wollt ihr also wirklich da?“ fragte Sergenas.

„Wieso wollt ihr das wissen?“

„He wer ist denn hier angekommen, belauscht uns und will dann einfach mit uns reisen? Also raus damit“ schnappte Sergenas.

„Nun… dass werde ich euch später erklären, denke ich. Ich will ja auch nicht wissen, was IHR dort wollt, oder?“

Rakis warf Sergenas einen bedeutungsvollen Blick zu. Da war was im Busch, das spürte er deutlich. Der Hexenmeister schaltete schnell.

„Bedaure, für Euresgleichen haben wir nichts übrig, wir ziehen es vor, wenn unsere Verbündeten uns nicht einfach belauschen und beobachten. Vor allem nicht so unfähig wie Ihr das getan habt. Oh, und wenn ihr das nächste Mal so eine Nummer abzieht, stellt euch vielleicht zuerst einmal vor. Tymora zum Gruße.“

„Die Augenbrauen des Kossuth-Priesters zogen sich kurz zusammen, dann nickte er. „Kossuth zum Gruße.“

Heram schüttelte den Kopf.

Gerthrac

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Lords of Darkness
« Antwort #10 am: 19. Juni 2007, 20:14:57 »
Anregungen, Kommentare und fragen sind immer noch herzlich erwünscht. :wink:

Ich schreib das hier auch für euch, also: Nur Mut. :)

Oh, und Heram ist laut Hadriel ein Bloodhound, kein Justiciator. Wurde editiert.

Gerthrac

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Lords of Darkness
« Antwort #11 am: 22. Juni 2007, 14:55:14 »
Kapitel 5: Lichter aus der Tiefe.

Später in der Nacht. Viel zu spät. Heram wachte auf, todmüde. Irgendetwas hatte ihn aufgeweckt. Er dachte sich nichts weiter und drehte sich herum, wollte wieder einschlafen.

Auf dem Flur schepperte es.

Ungefähr so wie Dairon immer durch den Tempel in Tammar klirrte.

Das darf jetzt aber nicht wahr sein! dachte sich Heram und riss die Augen auf.
Er stand auf, zog sich seine Hose an, seine Stiefel komplett mit Dolch drin, und ging zur Tür.

Dahinter stand der Kleriker.

“Was wollt Ihr denn hier um diese Zeit?“ knurrte Heram unwirsch.

„Ich suchte die Toilette. Und was tut Ihr hier?“

„Die Toilette finden.“ Sprach’s, und ging über den Flur zur Tür mit dem Herzchen.

Heram ließ sich Zeit. Als er fertig war, klopfte er leise an die Türen seiner Kameraden und versammelte sie in seinem Zimmer. Er informierte sie über die Vorfälle, und man vereinbarte, zur vierten Stunde morgens zum Hafen zu gehen, und sofort mit der Blutkrake auszulaufen.

Caloras hatte sich ebenfalls überlegt, so früh zum Hafen zu gehen. Er wollte allerdings den Tyranniten nicht über den Weg laufen, und so überlegte er sich, einen anderen Weg zu nehmen.

Die Gruppe hatte sich gerade vor die Tür geschlichen, als sie aus der Seitengasse, in die die Fenster ihrer Zimmer wiesen, einen mörderisch lauten, scheppernden Knall hörten. Danach laufende schwere Schritte, die sich entfernten.

„Der ist jetzt aber nicht wirklich aus dem Fenster gesprungen, oder?“ fragte Teldra.

„Soll er doch machen was er will. Wenn er Probleme macht, legen wir ihn einfach um.“ sagte Rakis.

Die Gruppe kam am Hafen an, und sah sich vor ein neues Problem gestellt. Wo lag die Blutkrake vor Anker? Die Gruppe suchte sich einen beliebigen Pier aus, an dem ein Schiff vor Anker lag, und ging zum nächsten Segelboot, auf dem ein Matrose Nachtwache hielt, um ihn nach dem Weg zu fragen.

Caloras sah aus einer Gasse und ausreichend Entfernung zu, wie die Gruppe den Pier betrat. Er sah außerdem, wie keine zwei Minuten später zwei pferdegroße vierbeinige Gestalten, die Schnauzen dicht am Boden, auf den Pier schlichen.
Das war seine Chance, in die Gruppe aufgenommen zu werden. Er fing an, Schutzzauber auf sich zu wirken.

„Tja, auf nach Pier 17.“ sagte Sergenas müde, als Heram plötzlich die Hand hob. „Was ist denn los?“
Der erfahrene Waldläufer deutete aufs Wasser. Dort begannen in der Tiefe gelbgrüne Lichter zu glühen, drei an der Zahl, genau neben ihnen.  Und urplötzlich schossen mit drei Fontänen, drei fliegende, mit Runen überzogene und mit gelbgrünem Feuer brennende Totenschädel aus dem Wasser. Einer der drei fing an wie irre zu lachen.

„Herzlichste Grüße von Nimexis!! Ihr sied gut genug, ihm einmal zu entkommen, doch uns, seinen mächtigsten und unsterblichen Dienern, seid ihr nicht gewachsen!! Angriff!!“

Aus den Kiefern aller drei Schädel schossen grüne Feuerbälle, die mitten in der Gruppe detonierten, und alle mit Brandwunden überzogen.
Rakis fluchte und vergrößerte sich, um nach den über dem Wasser schwebenden Schädeln schlagen zu können. Heram fing an zu schießen, merkte aber mit Erschrecken, dass seine Pfeile gegen solche Totenschädel nichts ausrichten konnten, genau wie Sergenas einsah, dass seine Sengenden Strahlen hier nichts brachten, genauso wie sein Sucherstrahl sich als ineffizient erwies, die Schädel zu beschädigen.
Teldra schließlich feuerte ihre Armbrust ab und ging hinter einem qualmenden Kistenstapel in Deckung. Die Schädel verschossen aus ihren Augen entweder Flammenstrahlen, oder Strahlen aus grünschwarzer Energie, die ihren Opfern die Kraft raubten, sodass bald alle Tyranniten kraftlos herumtaumelten.
Von links erklang ein Knurren, als sich zwei riesige schwarze Wölfe auf die Gruppe stürzten.

So hilflos, wie man den Schädeln gegenüberstand, so erbarmungslos wurden die Wölfe zusammengehackt.

Sergenas wirkte nun einen Levitationszauber auf Rakis, sodass der große Gedankenkrieger nach den Schädeln schlagen konnte, die um ihn herumsausten wie Motten um eine Laterne.
Der Wortführer schwirrte um Rakis herum und beschimpfte ihn ununterbrochen.

„Ahahaha! Du würdest nicht mal ein Scheunentor treffen, wenn es dir auf den Kopf fallen würde. Ich hab keine Augen mehr und treff besser als… Ack.“

Rakis ließ ein seltenes Grinsen aufblitzen, als er den Schädel mit seinem Bastardschwert zu Staub zermalmte. Die anderen beiden beschossen ihn wütend mit ihren flammenden Augenstrahlen und zogen sich in unterschiedliche Richtungen zurück. Rakis hörte eine Stimme von Richtung Land:

„ Feuerfürst, zeige deine brennende Pracht und diesen unheiligen Kreaturen, wer ihr wahrer Herrscher ist!“ Und damit drehte sich der Schädel näher am Land um und starrte eine in rot gewandete Gestalt an, die den Pier lang gerannt kam, offenbar von Ehrfurcht erfüllt. Rakis fackelte nicht lange und zerschlug auch diesen Schädel, dessen Staub langsam ins Wasser rieselte. Der dritte Schädel bewies mehr Geistesgegenwart und tauchte ab, während Rakis’ Schwert Zentimeter an ihm vorbei pfiff.

Die Gruppe kam wieder zu Atem, und sogleich wandte man sich dem Kleriker zu.

„Sollen wir euch jetzt dankbar sein? Den hätten wir auch selbst geschafft!“ Legte Sergenas sofort los. Heram legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Lass gut sein Sergenas. Er hätte uns auch mitten in dem Chaos angreifen können.“

„Ist mir doch egal verdammt!“ fauchte der Hexenmeister. „Ich kann den Typ nicht leiden!“

Heram nahm ihn ein paar Schritt bei Seite. „Pass auf, Dairon hat doch gesagt, dass es hart werden wird und dass wir mit Untoten zu tun bekommen werden.“

„Ja mit Huecuva. Untote von ihren Göttern verlassene Kleriker.“ Sergenas hörte auf, Caloras anzustarren, der sich mittlerweile der Gruppe vorstellte.

„Dann sollten wir ihn erst mal vorläufig mitnehmen. Denk auch an das, was Rakis gesagt hat.“

Sergenas grinste jetzt. „Stimmt.“

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Gerthrac

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Lords of Darkness
« Antwort #12 am: 22. Juni 2007, 20:21:45 »
Also Leute wenn hier kein Interesse besteht, werde ich nur noch die verbleibenden 3 Kapitel schreiben, und das wars dann... schade wenn hier kaum wer mitliest oder kommentiert... :(

Sir Dinadan

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Lords of Darkness
« Antwort #13 am: 23. Juni 2007, 11:05:29 »
Mach weiter!

Gerthrac

  • Mitglied
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Lords of Darkness
« Antwort #14 am: 23. Juni 2007, 12:59:10 »
Kapitel 6: Der Erstschlag

Plötzlich wurde alles in Rauch gehüllt, so dass man nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen konnte.

„Was ist denn jetzt schon wieder?!“ schrie Sergenas wütend.

Aus dem Nichts sah er nur noch eine gelbe Klinge aus reiner Energie auf ihn zukommen, die ihm schwer über die Brust durch seine Robe schnitt. Er taumelte nach hinten, versuchte mit weit aufgerissenen Augen seinen Angreifer zu erkennen, der eigene Herzschlag das lauteste Geräusch im dichten Qualm. Plötzlich fauchten von hinten zwei weitere Klingen heran und zogen ihm über die Kniesehnen und damit die Beine weg. Sergenas blutete stark und verkrampfte sich vor Schmerzen auf den glatten Planken. Dann wurde alles schwarz.

„Hallo Nimexis!“ Dröhnte Rakis über den Qualm hinweg. Er war nach oben geschwebt, aus der Rauchwolke, die sich in der leichten Brise nur langsam verzog. „Warum legst du dich nicht einmal Mann gegen Mann mit einem Gegner an, statt im Rauch herumzuschlitzen?“

Er sollte keine Antwort erhalten. Stattdessen hörte man Caloras schmerzerfüllt aufschreien. Heram dachte nicht lange nach, sprang ins Wasser und tauchte unter, Langschwert in Hand.

Teldra sah die Klinge aus dem Rauch kommen, keine zwei Fuß von ihr entfernt, und warf sich blind nach links, eine Bewegung, der ein sehender Gegner mühelos hätte folgen können, doch verfehlten die gelblichen Energiewaffen sie. Also nimmt er uns nicht perfekt wahr, dachte sie noch – und rollte sofort nach links, als eine zwei Fuß lange Klinge in die Planke rechts von ihr fuhr, auf Augenhöhe. Sofort kam ein zweiter Stoß, der offenbar nur auf eine solche Reaktion gewartet hatte, doch die Zauberdiebin schaffte es mit dem Mut der Verzweiflung, die zweite Klinge in der Rolle mit ihrem Rapier abzulenken.
Sie fuchtelte wild herum, in der Hoffnung, etwas zu treffen, aber da war nichts.
Plötzlich schlugen die beiden Waffen aus dem Rauch wieder zu, diesmal beschrieben sie einen bogenförmigen Hieb, keine Stiche.
Der Schlag auf Schulterhöhe, den konnte sie noch abwehren, doch der auf Kniehöhe durchbrach ihre Deckung.
Teldra kreischte auf, als sie getroffen wurde und eine klaffende Wunde an ihrem Oberschenkel Blut ins kalte, dunkle Wasser tropfen ließ.

Plötzlich fegte ein Windstoß von Caloras den Qualm hinweg…

und enthüllte…

Nichts. Kein Gegner weit und breit. Sie hatten Nimexis nicht einmal zu Gesicht bekommen.

Rakis fluchte und schrumpfte sich wieder ein. Er hatte keine Kraft mehr, seine Muskeln zitterten, und wenn sein Hirn es könnte, würde es das ebenfalls tun.

„Das war ja mal knapp.“ Sagte Caloras. „War das dieser Nimexis?“

„Später“ keuchte Rakis. „Sehen wir zu dass wir an Bord kommen.“

Sie humpelten los, nachdem sich Caloras um die Verwundeten gekümmert hatte und Heram aus dem Wasser geklettert war.

Sieben Tage später, See des Sternenregens.

Teldra stand an der Reling und ließ sich den Wind durch die dunkelblonden Haare streichen, der sie und die Karavelle Blutkrake nach Messemprar bringen sollte. Sie sah der verschleierten Frau, die sie von der Karawane kannten, zu, wie sie ein Buch studierte, und überlegte, welche Rolle diese Frau wohl spielte. Sie erinnerte sich an die Worte des Kapitäns, eines Haudegens mit feuerrotem Bart, die er über Messemprar verloren hatte. In der Stadt herrschte eine Hungersnot, da die Belagerer versuchten, die Untherer auszuhungern. Alle Felder um die Stadt waren schon zu Morast zerstampft, sodass nicht einmal ein Abzug der Pharaohniten geholfen hätte. Seegras brachte über den Seeweg Nahrung nach Messemprar, aber es trauten sich nicht viele Schiffe an der Seeblockade der Triremen des Pharaohs vorbei, und so reichte das Essen hinten und vorne nicht. Sie würden noch einen Weg aus der Stadt finden müssen, dachte sich Teldra, denn außer Heram und ihr verstand sich der Rest der Gruppe nicht wirklich auf Heimlichkeit. Und sie sollten ihren Kontaktmann, einen gewissen Milos Gassenblut, dort treffen, und zwar sollten sie in einer Taverne namens „Kupferkrone“ nach ihm suchen. Das hatte Dairon in einem Botschaftszauber an Sergenas mitgeteilt. Und dass der Tempel beschattet würde. Der Hexenmeister hatte auf ihre Frage, in welcher Laune Dairon gewesen war, nur mit „Frag nicht.“ geantwortet.

Allerdings hatte Sergenas sie auf die Nützlichkeit von Caloras hingewiesen, denn der Kleriker würde sie mit Nahrung und Wasser versorgen, und vor der Hitze schützen können. Deshalb wollte man ihn erst einmal mitnehmen, auch wenn seine wahren Motive unklar blieben. Doch vertrauen würde man ihm nicht. Teldra strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr und sah sich den Sonnenuntergang an.

Noch sieben Tage Seefahrt.

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