Autor Thema: Die Abenteuer von Gorn und Elvin  (Gelesen 1051 mal)

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Ramanon

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Die Abenteuer von Gorn und Elvin
« am: 04. Oktober 2007, 15:31:22 »
Vor einiger Zeit ist das als Nebenabenteuer gespielt worden um einem Neuling die Regeln beizubringen. Da ich nichts zu tun hatte in den Tagen danach, hab ich das einfach mal ein bisschen in Worte verpackt.
Die Welt ist eine von mir erdachte und die Charaktere sind:

Elvin, menschlicher Magier  
Gorn, menschlicher Kämpfer  

Das ist jetzt kein anspruchsvolles, super ausgearbeitetes Abenteuer, sondern nur ein kleiner Dungeonscrawl- Einschub ,also seid nachsichtig (auch was Rechtschreibung an geht ^^)


Viel Spass beim lesen.
(Für die Handlungen des SC bin ich nicht verantwortlich^^. Ich habs nur so aufgeschrieben)


Der Alte Mann, der sich ihnen als Meister Ramanon vorgestellt hatte, hatte ihnen gesagt es würde ganz einfach werden. Er hatte ihnen gesagt: „Wenn ihr nach Wilosk reist und einen Jungen von dort für mich abholt, werdet ihr reich belohnt werden. Abgesehen davon ist es ein Vertauensbeweis dem Konvent gegenüber.“
Guten Mutes brachen die Beiden also auf, diesen seltsamen Jungen aus der Stadt im Norden nach Süden in die Grenzländer zu bringen. Was der Konvent oder Meister Ramanon mit ihm wollten, wussten sie nicht. Aber sie wurden auch nicht dafür bezahlt, dass sie Fragen stellten.
Mittlerweile waren sie aber an einem Punkt angelangt an dem sie sich fragten, ob es das wert war.
Drei Wochen reisten sie nun schon nach Norden. Es wurde zusehends kälter und die Wälder wurden immer dichter. Doch war es beinahe einschläfernd ruhig. Sie hatten sich die Reise lang und langweilig vorgestellt. Aber nicht so lang und langweilig. Es hieß der Norden wäre das Herz der Zivilisation. Doch was sie hier vor sich sahen, sah mehr wie das Ende der Welt aus. Nur noch ein bisschen grüner.
Das Aufregendste, das ihnen passiert war, war der Bruch der Hinterachse des Wagens. Leider widerstand sie allen Versuchen sich reparieren zu lassen. Sie mussten den Wagen zurücklassen und verteilten ihr Gepäck auf die beiden Pferde und ritten schweren Herzen weiter. Ohne Wagen würde es erheblich anstrengender werden.
Das war jetzt drei Tage her. Seitdem waren sie scheinbar vom Pech verfolgt. Das Wetter hatte sich verschlechtert. Es regnete ohne Pause. Die Vorräte, die eigentlich nur aus ohnehin ungenießbarem Brot und getrocknetem Fleisch bestanden, wurden von seltsamen Würmern befallen, die sie noch ungenießbarer machten. Aber schlimmer war: Das unaufhörliche Heulen der Wölfe, lies sie nachts nicht schlafen.

Mit der Zeit wichen die dichten, dunklen Wälder, weiten wogenden Feldern und die heulenden Wölfe, arbeitenden Männern und Frauen.
Sie zeigten sich freundlich und hilfsbereit. Der Weg nach Passmoor, der größten Stadt hier in der Gegend, sei nicht weit. Allerdings, so merkten sie an, sei es dort nicht sehr sicher und sie sollten vorsichtig sein, wenn sie wirklich dort hingehen wollten. Als die beiden Reisenden fragten warum dies so sei, wichen sie immer wieder aus und wandten sich wieder ihrer Arbeit auf dem Feld zu.
Viele der Bauern sahen von ihrer Arbeit auf und beobachteten die vorbeireitenden Menschen. Es geschah nicht oft, dass sich Reisende hierher verirrten.
Der Weg, den ihnen die Bauern beschreiben hatten, endete tatsächlich an den Toren einer Stadt. Eine hohe massive Steinmauer erstreckte sich von rechts nach links, geteilt durch das klaffende Maul des Tores. Die Torflügel standen zwar offen, doch war klar, dass nicht jeder einfach so hätte hinein spazieren können. Im Torbogen standen Bewaffnete in der blau-weißen Uniform der Heiligen Liga der Erhabenen. Sie kontrollierten den langsamen und spärlichen Strom aus Karren und Heuballenschleppenden Menschen. Zur Rechten und zur Linken des Tores erhoben sich zwei steinerne Wehrtürme. Zwischen den Zinnen konnten die beiden Reiter Bogenschützen hervorlugen sehen.
„Was mag diesen Leuten solche Angst machen, dass sie sich hinter diesen Mauern versteckt halten?“, fragte einer der Reiter. Er hatte schulterlange blonde Haare, die offen im schwachen Wind hin und her wehten. Er trug eher einfache Kleidung, doch konnte man an ihr erkennen, dass sie nicht dazu gedacht war mit ihr zu reisen. Man konnte sich diese Robe und diesen Mantel eher in einer Bibliothek vorstellen. Er trug einen alten abgetragenen Rucksack, in dem er seine Habseeligkeiten verstaute. Ein Wanderstab lugte zwischen Rucksack und Rücken geklemmt hervor. Der Stab sah aus, als sei er äußerst hart und nicht nur dazu geeignet auf langen Reisen eine Stütze zu sein, sondern auch um damit überraschend schmerzhafte Hiebe auszuführen. Eine Armbrust baumelte am Sattel seines Pferdes.
Sein Begleiter brummte nur einige unverständliche Worte. Er war darauf konzentriert die Gefahr einzuschätzen, die von den Wachen und den Schützen auf den Türmen ausging. Seine Hand schloss sich fester um den Griff seines Schwertes. Geistesabwesend strich er mit einer behandschuhten Hand über seine Ausrüstung, um zu sehen ob noch alles da war. Schwert, Streitkolben, Schild. Er seufzte. Diese Dinge brachten Ruhe. Nicht nur ihm, sondern auch – von Zeit zu Zeit – anderen Leuten.
Als die Torwächter bemerkten, dass sich die beiden Reiter dem Tor näherten, musterten sie diese misstrauisch.
Einer, ein mürrisch dreinblickender dunkelhaariger Mittdreißiger kam ihnen entgegen und schaute zu ihnen auf, seine Hand am Schwertknauf. „Wer seid ihr und was wollt ihr hier?“, Rief er ihnen schon auf halbem Wege unfreundlich entgegen.
„Überlass mir das Reden. Wenigstens dieses eine Mal. Ja, Gorn? Ich möchte nicht schon wieder im Dreck schlafen.“, flüsterte der Blonde seinem Kumpanen zu. „Natürlich, Herr Elvin.“, brummte er, nicht ohne sarkastisch zu werden, zurück.
Die Beiden brachten ihre Pferde zum Stehen und warteten darauf, dass sich der Wächter ihnen näherte. Gorn behielt die zurück gebliebenen Wachen und die Schützen im Auge. Die Ersteren waren voll und ganz damit beschäftigt, die ein und ausgehenden Bauern zu kontrollieren, die Bogenschützen aber behielten Elvin und ihn scharf im Auge.
„Wir sind nur einfache Reisende aus dem Süden. Wir wollen in euerer Stadt nur unsere Vorräte auffrischen und uns vielleicht ein oder zwei Tage Ruhe gö....“, versuchte Elvin den Wächter zu erklären, doch dieser schnitt ihm das Wort ab. „Wir wollen euch hier nicht. Verschindet!“
„Wogegen braucht ihr all diese Sicherheitsmaßnahmen?“ meldete sich Gorn zu Wort, ohne die Bogenschützen aus den Augen zu verlieren. „Feinde!“ Zischte ihn der Wächter an.
Jetzt sah Gorn ihn an. „Was für Feinde?“ Der Wächter wurde sichtlich nervös. Er fummelte an seinem Schwert herum. „Feinde aus dem Wald. Und jetzt hört mir zu: Ihr werdet jetzt gehen und niemand wird euch etwas tun.“
Gorns Hand verschwand in seiner Westentasche und die Augen des Mannes weiteten sich. Angst spiegelte sich darin. Doch sie war unbegründet. Als die Hand heraus kam, hielt sie zwei goldene Scheiben. „Können wir uns vielleicht nicht doch noch einig werden?“ fragte er als er die Münzen in die Luft schnippte und wieder auffing. „Ihr wagt es mich zu beleidigen?“ die Stimme des Wächters hatte an Kälte noch zu genommen, wenn das überhaupt noch möglich war. Er hob seine Hand, scheinbar um den Schützen ein Signal zu geben, doch dann wies er einfach nur in die Entgegengesetze Richtung. „Geht!“ er schrie fast.
„Ja, ich denke das sollten wir wirklich tun.“ Meinte Elvin ebenso kalt, wie der Wächter zuvor. Daraufhin führten sie ihre Pferde in die ihnen gewiesene Richtung und ritten soweit von dem Tor weg, dass sie außer Sichtweite der Türme standen. Der nahe Waldrand gab ihnen Deckung.
„Dieses dreckige Arschloch. Ich hätte ihn mit einer Handbewegung vernichten können.“ Versuchte Elvin seinem Frust Luft zu machen. Es war ihm anzusehen, dass es ihm wichtig war endlich wieder in einem richtigen Bett schlafen zu können.
„Übertreib mal nicht. Er hätte sicher wieder aufstehen können. Ich bin überrascht so was aus deinem Mund zu hören. Reg dich erst mal ab, Mann. Das Tor ist sicher nicht das Einzige. Probieren wir’s auf der anderen Seite noch einmal.“
Einige Minuten Ritt später, natürlich außerhalb der Sicht- und vor allem Reichweite der Bogenschützen, die auf der Mauer patrouillierten, kamen sie an ein Tor. Es musste ein anderes sein, denn hier gab es keine Dreckigen Arschlöcher – zumindest nicht auf den ersten Blick. Aber auch ein Zweiter förderte dieses Ergebnis zutage und durch Elvins Überzeugungskraft sie seinen nur einfache Reisende, kamen sie schließlich doch noch hinter die Mauern.

Hinter dem Tor begann eine breite gepflasterte Strasse. Die gewohnte Hektik einer Stadt drang auf die Beiden ein, doch haftete dieser Hektik etwas Ruhiges an. Alles schien hier ein bisschen langsamer vonstatten zu gehen, als anderswo in der Welt. Die Bewohner waren ein ruhiges und gemütliches Völkchen, das sich durch Nichts aus dieser Ruhe bringen lies. Doch spürten Gorn und Elvin untergründige und unterdrückte Spannung. Etwas in dieser Stadt war nicht richtig.
Die Straße führte direkt auf den riesigen, alles überragenden Kuppelbau der Erhabenenkirche zu. Rechts und links der Straße breiten sich Felder aus kleinen Häuschen aus. Mit ihren windschiefen Dächern und ihren abblätternden Fassaden, boten sie kein Bild des Luxus.
Die Beiden bogen nach rechts von der Straße ab und ritten durch eines der Wohnviertel auf der Suche nach einer fröhlichen Taverne. Dabei sahen sie, dass längst nicht alle der Häuser so herunter gekommen waren wie die, die sie zu Anfang gesehen hatten. Von einigen vorbeikommenden Städtern erfuhren sie, dass viele der Häuser schon seit einiger Zeit leer standen und sich niemand mehr darum kümmerte.
Auf ihrem Weg durch die Stadt kamen sie an einem großen, zweckmäßigen Gebäude vorbei. Eine große Anzahl Wachen hielt sich dort auf. Direkt daneben befand sich ein wesentlich eleganteres Gebäude. Das Wappen der Stadt Passmoor – ein Eber auf grünem Grund – prangte am Eingang. Diese beiden Gebäude befanden sich an dem Platz, der die Kirche umschloss. Auf diesem Platz gingen die Menschen ihren Geschäften nach. Händler priesen ihre Waren an, Kinder jubelten einem Jongleur zu, ein Mann versuchte verzweifelt eins seiner entlaufenen Hühner wieder einzufangen. Auf der einen Seite des Platzes in Richtung des Osttores. Jenes Tor, durch das Elvin und Gorn die Stadt betreten hatten, blickten die steinernen Augen eines bärtigen Mannes in Vollrüstung mit Speer und Schild über die brodelnden Menschenmassen.
An der gegenüberliegenden Seite des Platzes, auf der anderen Seite der Kirche befand sich ein Brunnen. Als sich die Beiden dem Brunnen näherten, sahen sie schon von weitem was sie suchten.
Über der Tür der Schenke klapperte ein Schild mit einem stilisierten Fenster und einem Eichenblatt, an seinen Halterungen. Die Schenke selbst sah nicht sehr einladend aus, aber ihr haftete noch so etwas wie verblichener Glanz an.
Nach der Unterbringung der Pferde, betraten sie die Taverne dann aber doch, da es die einzige der Stadt zu sein schien.
Drinnen sah es nicht viel besser aus, als draußen. Es war dunkel und stickig. Zwei schmutzige Tische mit jeweils vier ebenso schmutzigen Stühlen standen in der Gegend herum. An einer heruntergekommenen Theke saß ein alter Mann vor einem kleinen Glas mit einer klaren Flüssigkeit. Er schien der einzige Gast zu sein.
Hinter der Theke stand, das was den ganzen Raum doch noch gemütlich machte.
Die junge Frau hatte schulterlange rote Haare, die sie sich zu einem Pferdeschwanz nach hinten gebunden hatte. Der Grossteil ihrer Figur wurde von der Theke verdeckt, doch das was die Beiden sehen konnten sah gar nicht mal so schlecht aus. Sie trug ein einfaches braunes Kleid, das nicht zu viel zeigte, aber immer noch Raum für ein bisschen Phantasie lies.
Sie pfiff eine fröhliche Melodie. Sie sah nicht auf als sie hereinkamen und putzte weiter die Theke, wobei sie eigentlich nur den Schmutz anders verteilte. Die Melodie war nur im ersten Moment fröhlich. In ihr steckte viel Trauer und Einsamkeit.
Als die Tür zurück in die Angel fiel, hob sie den Kopf und schien überrascht zu sein. Sie runzelte die Stirn. „Was wollt ihr hier?“ Es war nicht unfreundlich gemeint gewesen, sondern einfach nur überrascht. Elvin lächelte sie charmant an. „Dies ist doch eine Taverne, oder etwa nicht?“ Gorn und er gingen auf die Theke zu und setzten sich auf jeweils einen der Hocker. Möglichst weit entfernt von dem alten Trinker. Er roch nicht sehr angenehm nach altem Schweiß, Urin und Alkohol.
„Ja, natürlich. Verzeihung. Ich habe nicht mit Kundschaft gerechnet. Was kann ich euch Gutes tun?“ fragte sie mit einem fröhlichen Lächeln. Elvin öffnete den Mund um einen aufreißerischen Kommentar abzugeben, aber Gorn kam ihm zuvor. „Zunächst erst mal was zu trinken und vielleicht auch noch etwas zu essen. Wenn das möglich wäre?“
„Fü’mi’au’no’wat.“ Lallte der Alte von der anderen Seite der Theke. Die Frau seufzte. „Ich glaube du hast genug, Torben.“ Sie wandte sich wieder ihren anderen beiden Gästen zu. „Setzt euch solange an einen der Tische. Ich bringe euch sofort etwas. Oh, bevor ich es vergesse: Könnt ihr auch bezahlen?“ Elvin strich sich eine Strähne aus den Augen. „So viel ihr wollt schöne Frau und vielen Dank.“ Sie rollte mit den Augen, hörte aber nicht auf zu lächeln. Dann verschwand sie in einer Tür hinter der Theke.
Gorn und Elvin begaben sich zu einem der zwei Tische, legten ihre Ausrüstung griffbereit neben sich und setzten sich. Der Tisch war mit keinen anderen Worten zu beschreiben als „schmutzig“. Eine klebrige, schimmernde Patina hatte sich mit der Zeit darauf gebildet. Die Stühle gaben ein ähnliches Bild ab.
Nach wenigen Minuten brachte ihnen die Wirtin, die sich ihnen als Alina vorstellte, ihren Wünschen entsprechend einen großen Krug Bier und einen etwas größeren Krug Schnaps. Dazu drei Becher. Kurze Zeit später wurde der Tisch mit zwei Holzschalen sowie zwei Holzlöffeln und einem großen Topf  ausgestattet. Gorn nippte an seinem Bier, um zu testen ob es den Umständen entsprechend schmeckte. Er musste überrascht feststellen, dass er schon lange kein so gutes Bier mehr getrunken hatte. Auch der Eintopf war nach der langen Zeit, in der sie sich nur von trockenem Brot ernähren mussten, eine willkommene Abwechslung.
Alina setzte sich zu ihnen an den Tisch, nachdem sie den, mittlerweile eingeschlafenen, Alten auf die Straße gesetzt hatte und goss sich etwas von dem klaren Schnaps, in den bis dahin noch leeren Becher und versetzte ihn dann mit einem Zug wieder in diesen Zustand zurück. Elvin klappte die Kinnlade herunter, da er schon nach nicht mal einem halben Becher merkte wie ihm der Alkohol zu Kopf stieg.
Der Abend wurde immer später und die Unterhaltung immer offener. Von Alina erfuhren sie, dass schon eine Weile niemand mehr in ihrer Taverne zugast gewesen war. Der Alte war einer der Wenigen, die es noch wagten nachts aus dem Haus zu gehen. Die Leute sagten, der Tod gehe um. Die Toten stiegen nachts aus den Gräbern um die Lebenden heim zusuchen. Es habe diese Monster zwar noch niemand gesehen, aber die Stimmen und die Geräusche, die vom Friedhof herüber drängen, wären Grund genug um Angst zu haben. Als der Totengräber Hegar verschwand war für die meisten Bürger die Sache klar.
Durch das Ausbleiben der Gäste war natürlich auch der Goldstrom versiegt. Und seit dem ihr Bruder Alof vor vier Monaten bei einer Reise von hier nach Burgingen vom seinem Pferd viel und sich tödlich verletzte, sei sie ganz allein und einsam und wisse nicht was sie mit dieser Bruchbude anfangen solle.    
Die Krüge leerten sich mit der Zeit und Alina musste Nachschub aus ihrer Vorratskammer hinter der Theke besorgen. Als sie allein waren beugte sich Gorn zu Elvin rüber und flüstete: „Untote also. Ich hasse diese Biester.“ Er nahm einen Zug von seinem Bier und rülpste laut und sah sich dann nach Alina um. Sie war nicht da, also rülpste er noch einmal. Diesmal etwas lauter. Elvin verzog das Gesicht. „Beherrsch dich. Wir sind nicht in der Wildnis.“ Ein nippte an seinem Schnapsbecher. „Aber etwas kommt mir seltsam vor. Diese Untoten kommen nur nachts raus? Und entführen Menschen? Nein, sie sind nicht zu organisiertem Verhalten fähig. Zumindest nicht die gewöhnlichen Arten.“
 Gorn leerte seinem Becher mit einem mächtigen Zug und rülpste, dass die Becher leicht vibrierten. „Also, wenn sie das nicht gehört hat, muss sie taub sein.“ Elvin drehte sich zu der Tür und wartete darauf, dass eine empörte Alina heraus stürmte. Doch die Tür blieb geschlossen. Er runzelte die Stirn. „Wie lange ist sie schon weg?“
„Keine Ahnung, Mann. Mach dir keine Sorgen um dein Schatzi.“ Gorn drehte den Becher während er redete und beobachtete wie einige letzte Tropfen auf den Tisch fielen und sich mit der Oberfläche verbanden.
Elvin stand auf, nahm seinen Stab in die Hand und schritt auf die Tür zu. „Alina?“ rief er hinein.
Stille.
Gorn sah misstrauisch zu. Als keine Antwort kam griff er zu seinem Schwert und platzierte sich auf der anderen Seite der Tür. Elvin stieß sie auf und sie glitten in den Raum dahin. Dort war es dunkel. Die einzigen Lichtquellen waren das Licht aus dem Schankraum und das Licht, das unter der gegenüberliegenden Tür quoll.
Die Wände des Raumes waren angefüllt mit Regalen in denen Säcke, Kisten und Fässer lagerten. Es war sehr wenig was lag. Gorn stürmte an Elvin vorbei und stieß die Tür zur Küche auf. Doch er merkte wie der Alkohol seine Sinne vernebelte und er schwankte leicht.  
Das Feuer, das den Raum mit Licht erfüllte flackerte im Wind, der durch das offene Fenster drang. Doch das Fenster war nicht offen. Es war zerbrochen.
Elvin betrat den Raum. Sein Blick viel auf den zerbrochenen Krug auf dem Boden. Eine schäumende Flüssigkeit breite sich darum aus. Spuren waren darin sichtbar. Doch sie waren viel zu klein um von einem Menschen zu stammen. Neben den kleinen Fußabdrücken zog sich eine Schleifspur zum Fenster.
Elvin folgte ihr mit seinem Blick, als von draußen der Schrei einer Frau erklang. Gorn rannte mit gezogenem Schwert und Schild auf das Fenster zu und hechtete mit einem Sprung hindurch. Er brauchte einen kurzen Moment um sich in der Dunkelheit zu orientieren, dann rannte er in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war.
Vor ihm, im Licht der Drillingsmonde, huschten drei kleine Gestalten über den Kirchplatz in Richtung des Brunnens. Über ihren Köpfen trugen sie eine schlaffe in ein Kleid gehüllte Person.
Sie waren grün und ihre geschuppte Haut schimmerte leicht im Mondlicht. Sie erinnerten an Echsen, aber sie liefen aufrecht. Die Kopfform war mehr die eines Hundes. Und der Schwanz, der nervös hin und her zuckte ähnelte denen von Ratten. Einer der Drei musste ihn bemerkt haben, denn er lies die Frau los und drehte sich zu ihm. Seine Hand verschwand hinter seinem Gürtel und begann dann in der Luft zu kreisen. Eine Schleuder. Die anderen Beiden rannten unbeirrt weiter.
In diesem Moment kam Elvin schwer keuchend neben ihm zum Stehen. „Kobolde!“ stieß er aus. Er brauchte nur den Bruchteil einer Sekunde um die Situation zu analysieren. Er streckte seine rechte Hand aus und von seinem ausgestreckten Finger löste sich ein schwach blau schimmernder durchsichtiger Pfeil, der scheinbar unkontrolliert durch die Luft flog und dem Hinteren der beiden Fliehenden am Rücken traf. Doch sie wurden kein Stück langsamer. Gorn sprintete auf den Wartenden zu. Eine Schleuderkugel zischte an ihn vorbei. Er holte im Rennen mit seinem Schwert aus. Dann schlug ein Bolzen in die Brust, des Kobolds. Er fiel zu Boden. Die anderen Beiden hatten in diesen wenigen Sekunden den Brunnen erreicht und ließen Alina hinein fallen. Dann sprangen sie selbst hinterher.
Gorn bremste seinen Sprint und hielt vor dem Getroffenen an. Er wartete darauf das Elvin ebenfalls zu ihm aufschloss. „Den Nächsten überlässt du mir, klar?“ knurrte er.
Wenige Augenblicke später, in denen ein Kobold seinen Kopf verlor und sein Rest im Brunnenschacht landete, befanden sich auch Gorn und Elvin dort unten.
Am Grund des Schachtes befand sich kein Wasser. Er musste schon seit einiger Zeit trocken sein, denn der Boden bestand nur aus Steinen und Staub. In der gemauerten Wand war eine Art Riss zu erkennen, gerade groß genug, dass sich Gorn und Elvin hindurch zwängen konnten. Hinter dem Riss begann ein schmaler Gang. Die Wände waren grob aus dem porösen Gestein gemeißelt worden. Im Schein der Fackel, die Gorn entzündet hatte waren noch die Spuren der Meißel zu erkennen. „Kobolde sind geschickte Bergleute. Aber wir sollten vorsichtig sein. Sie sind ebenso geschickte Fallensteller.“ Flüsterte Elvin über Gorns Schulter hinweg.
Der Gang führte sie nach wenigen Meter mühsamen Zwängens in einen Raum. Die Wände bestanden aus Lehmziegeln, die Decke aus dicken Holzbalken. Sie mussten sich in einem der Keller in der Nähe des Brunnens befinden. In einer Ecke des Raumes ragte ein Haufen Schutt in die Höhe. „Hier müssen sie das Geröll verstaut haben, dass sie herausgeschlagen haben.“ Murmelte Elvin gedankenverloren. Rechts und links des Haufens befanden sich zwei weitere Risse. „Wo lang?“ fragte Gorn. Jetzt, da genug Platz da war, zog er sein Schwert. „Links.“ Meinte Elvin entschlossen. „Warum links?“
„Kannst du irgendwelche Spuren erkennen?“
Das konnte Gorn nicht und er zuckte nur mit den Schultern.
„Dann ist jeder Weg so gut wie der andere.“
Gorn schritt voran. Durch die linke Öffnung. Der Gang dahinter war erheblich breiter und höher. Gorn könnte hier sogar fast aufrecht gehen. Der Gang wand sich vor ihnen dahin. Eine Rechtskurve. Dann wieder nach links.
Dann ruckte etwas an Gorns Fuß. Ein Draht oder etwas Ähnliches. Bevor er „Oh-oh!“ sagen konnte, zischte etwas an ihm vorbei. Von rechts nach links.
Er hatte Glück.
Der Bolzen, der ihn hätte treffen sollen, zitterte jetzt neben ihm in der Wand.
„Ich hab’ dich gewarnt, oder etwa nicht?“ Elvin erlaubte es sich ein bisschen schadenfroh zu werden. „Halt die Klappe und gib mir deinen Stab.“ Daraufhin wechselte der Stab seinen Träger und tastete den Weg vor ihnen ab.
Als der Gang endete, standen sie in einem weiteren Keller. Auch hier gab es keine Treppe, sondern nur eine verriegelte Falltür in der Decke. Im flackernden Licht der Fackel konnte sie die andere Seite des Raumes nur schwach erkennen, aber irgendetwas Großes musste sich dort befinden. Die Wände rechts und links von ihnen waren hingegen gut sichtbar. An einer von ihnen stand ein hohes Regal. Mehrere Flaschen befanden sich darin. Während Gorn Elvin die Fackel überlassen hatte, um beide Hände frei zu haben, um sein aufgestautes Bier in einer Ecke zu entsorgen, untersuchte dieser den Inhalt einer der Flaschen. Sie waren staubig und alt. Die Etiketten darauf waren nicht mehr zu lesen. Der Korken war nicht einfach zu lösen, aber er hatte nicht Jahre mit dem Studium der arkanen Künste zugebracht um an einem Flaschenkorken zu scheitern. Er kostete von der roten Flüssigkeit, von der er zuvor einige Tropfen in den staubigen Boden hatte fallen lassen. „Wein wird mit der Zeit nur besser, mein Freund.“ Prostete er dem in der Ecke stehenden Pisser zu und nahm noch einen kräftigen Schluck. Zwei Flaschen verschwanden in seinem Rucksack.
Das große Etwas am anderen Ende des Raumes entpuppte sich als zwei riesige Bierfässer. Als sie keinen weiteren Gang fanden machen sie kehrt. Der andere Riss im „Schuttraum“ würde sicher mehr Aufschluss bieten als dieser. Irgendwohin mussten die Entführer Elvins großer Liebe, wie er sie mittlerweile nannte, ja hin sein.
Der Gang war eng und endete mit einer Holzwand. Die Wand bestand aus mehreren losen Holzbrettern die quer vor die Öffnung geschoben worden waren. Ein prüfender Blick durch die Lücken, zeigte Dunkelheit. Gorn reichte Fackel und Stab nach hinten und begann damit gegen die Bretter zu treten. Es krachte und Holz splitterte, aber hinter der Bretterwand war ein Widerstand. Es fühlte sich weich und auch ein bisschen kratzig an. Gorn nahm seinen Streitkolben und zerschlug die übrigen Bretter. Hervor quollen mehrere Bahnen braunen Stoffes. Nach Minuten mühsamen Heraustragens und –ziehens sahen sie vor sich den Innenraum einer großen Holzkiste. Obwohl groß nicht der richtige Ausdruck war. Die Kiste hatte eine Kantenlänge von knapp einem Meter. Gorn musste sich zusammen kauern um hinein zu passen.
Einige Schlage des Streitkolbens später öffnete sich die Kiste nach oben hin. Der Blick nach oben verriet, dass sie sich wieder in einem Keller befinden mussten.
Vorsichtig lugte Gorn über den Rand der Kiste. Rechts und links neben ihm befanden sich weitere Kisten. Doch mehr konnte er nicht erkennen, denn Elvin hatte die Fackel und der war immer noch im Gang hinter ihm und gerade dabei seinen Mageninhalt wieder zurück an seinen angestammten Platz zu drängen. Doch er nahm wahr, dass da vor ihm in der Dunkelheit etwas war. Ein kratzendes hohles Geräusch kam auf ihn zu. Er sprang aus der Kiste und landete auf einer Danebenstehenden. „Fackel.“ Zischte er. Elvin, noch ein wenig benommen kam hinter aus dem Loch getaumelt. „Was ist denn los?“, fragte er, als sei er gerade eben erst aufgewacht.
Das Licht flutete den Raum in wenigen Augenblicken. Er voll von durcheinander geworfenen Kisten und Fässer, die an den Wänden chaotische Haufen bildeten. In dem Raum, den sie freiließen torkelte etwas auf sie zu. Im ersten Moment hatte es ausgesehen wie ein sehr dünner Humanoider. Er schien nur aus Haut und Knochen zu bestehen. Doch das war nicht richtig. Bei näherem Hinsehen bemerkte man, dass die Haut fehlte. Es trug den Helm und die Rüstung der Wachen, die sie am Eingangstor gesehen hatten.
Das belebte Skelett klapperte auf sie zu, als es sie bemerkte. Es sprang mit wenigen präzisen Sätzen auf den Haufen, auf dem sie sich die Beiden befanden. Noch in der Bewegung holte es mit seinem Krummsäbel aus.
Elvins Hände knisterten. Violette Blitze zuckten zwischen den Fingern hin und her. Dann löste sich ein haarfeiner Strahl von seinem ausgestreckten Arm und legte sich über die Rippen des Untoten. Leises Knacken war zu hören.
Gorn, den Streitkolben noch immer in der Hand, machte sich bereit für den Aufprall. Das Skelett war heran und er holte aus. Im selben Moment, in dem sein Streitkolben den Schädel zertrümmerte, bohrte sich die Spitze des Säbels in seine Schulter. Er schrie nicht, aber lies stöhnend den Streitkolben fallen. Er zog den Säbel aus seiner Schulter und säuberte ihn von seinem Blut. Dann schob er ihn unter seinen Gürtel.
Elvin untersuchte in der Zeit den Raum. Etwas anderes als Fässer und Kisten, in denen sich nichts anderes befand als alter Stoff und etwas stinkender Fisch, fand er nicht.
Zwei weitere Gänge gingen von ihr aus.
Da fiel Elvin der Dritte ins Auge. Die Kobolde mussten ihn ebenso versperrt haben wie den, durch den sie gekommen waren. Hinter einer Kiste ragte eine Ecke einer Öffnung in der Wand auf. Nach dem diese zur Seite geräumt worden war, drang durch den Gang dahinter ein übeler Geruch. Nach Verrottung und Verwesung. Da war es nur natürlich diesen Gang zu nehmen, denn dahinter mussten sich noch mehr Untote verbergen.
Doch der Kellerraum zu dem dieser Gang führte war angefüllt mit Müll. Nach der Enthauptung einer Riesenratte, setzten sie ihren Weg fort und kamen, nach dem eintreten einer versteckten Öffnung in der Wand, wieder in den „Schuttraum“. Von dort aus begaben sie sich wieder in den Raum mit den Kisten.
Der Gang, der linken Öffnung sah vielversprechend aus. Doch der Schein kann trügen. Als sie den Gang durchschritten, flüsterte Elvin: „Was mir grad einfällt: Kobolde können im Dunkeln sehen.“ In diesem Moment spürte er einen stechenden Schmerz in seinem linken Arm. Ein Bolzen steckte darin.
Gorn hob seinen Schild und presste sich an die Wand. Elvin warf die Fackel nach vorne. Sie blieb am Ende des Ganges liegen. Ihr Schein fiel auf eine niedrige Wand aus aufgestapelten Säcken, gerade hoch genug, dass sich Wesen von der Größe wie Kobolde dahinter verstecken konnten.
Innerhalb von wenigen Sekunden war Gorn an der Palisade und konnte darüber schauen. Das Licht schimmerte hier zwar nur schwach, aber die beiden grünen Gestalten dahinter, schienen nicht mit ihm gerechnet zu haben. So trafen ihre Bolzen ins Leere. Kurz darauf drehten sie sich um und liefen in die Dunkelheit des Raumes. Gorn folgte ihnen.
An der Stelle an der die Dunkelheit den vollkommen ausfüllte blieben sie stehen und knieten sich hin. Ein Bolzen verfehlte Gorn, traf aber Elvin in der Schulter. Der Schlag der darauf folgte zerstach dem einen Schützen den Brustkorb. Ein weiterer Bolzen, diesmal aus der anderen Richtung bohrte sich in die Kniescheibe des anderen Knieenden.
Gorn hielt sich die Schulter. Die Blutung war zwar gestoppt, aber es tat trotzdem höllisch weh.
Die Luft war erfüllt von Geruch des Todes und den krächzenden Schmerzensschreien des am Boden liegenden Überlebenden. Gorn sah sich nach Elvin um. Er hatte die Fackel wieder aufgenommen und musste feststellen, dass sie bis auf einen kümmerlichen Rest herunter gebrannt war. Er musste sich beeilen, als er eine Neue hervorholte, ansonsten hätte er sie von Hand entzünden müssen.
Elvin hatte sich an eine Wand gelehnt und unter nahm den schmerzhaften Versuch die beiden Bolzen aus seinem Körper zu entfernen. Nachdem die metallenen Spitzen in den Staub gefallen waren, öffnete er den Verschluss eines kleinen Fläschchens. Er stürzte den Inhalt herunter und begann dann zu würgen und sich zu schütteln. Dieses Zeug schmeckte ekelhaft, aber es erfüllte seinen Zweck. Als er seine Schulter und seinen Arm untersuchte, waren die Wunden bereits verheilt. Er holte eine Flasche Rotwein hervor um den widerlichen Geschmack aus dem Mund zu spülen.
In der Zeit hatte Gorn damit begonnen, den noch lebenden Kobold zu verhören. „Was tut ihr hier unten? Für wen arbeitest du? Wo ist Alina?“ Sein Stiefel drückte auf die Brust des Kobolds.
„Er kann dich nicht verstehen. Und er wird kaum einen Ton heraus bringen, wenn du so feste zu drückst.“ Elvin sah ihm über die Schulter. Er hob seinen Stab und drückte ihn auf die blutende Wunde. Dann begann er in einer zischelnden und fauchenden Sprache zu sprechen. Der Kobold antwortete, doch aggressiver und feindseliger. Eine seiner Klauenhände schoss nach vorne und packte den Stab. Er war überraschend stark und er zog in von der Wunde. Doch der Widerstand den Elvin leistete schien stark genug zu sein ihn zu erschöpfen.
„Er wollte uns nichts sagen. Jetzt ist er tot.“
Als Gorn sich wieder aufrichtete wie eine Druckwelle über seinen Kopf hinweg stob. Elvin zischte ein Wort, dass sich wie „Akach“ anhörte und der Bolzen, den in die Armbrust gespannt hatte leuchtete in reinem weichen Licht. In diesem Licht konnten sie Jemanden im Gang vor ihnen stehen sehen. Ein Mensch wie es schien. Er war dünn, aber nicht ausgemergelt. Seine Gestalt war in einen schwarzen Kapuzenmantel gehüllt.
Gorn sprintete los. Aber da er in dem engen Gang nicht ausholen konnte, stach er zu. Die Klinge durchdrang den Stoff, die Haut und das Fleisch mühelos. Der Mann, fast noch ein Kind an Jahren, sah ihm in die Augen, doch er war schon tot.
Zuerst nahmen sie ihm das Leben. Dann alles was er besaß. Seinen Mantel, seine silberne Kette, seinen Dolch, eine Pergamentrolle und seine Robe. Vollkommen nackt ließen sie ihn zurück.
Der Raum aus dem er gekommen war, war klein. Ein Tisch, ein Schrank, ein Bett.
Alina lag dort. Sie schlief. Oder war sie tot?
Jemand stand vor ihr. Er trug dreckige schwarze Kleidung. Ein Zylinder thronte auf seinem Kopf. Er stand einfach nur da uns starrte ins Leere. Zumindest vermuteten sie das, denn mit Sicherheit konnten sie es nicht sagen. Er war mit dem Rücken zu ihnen gewandt.
„Was tut ihr da?“ fragte Elvin.
Der Mann drehte sich um. Doch anstatt zu antworten, gab er nur ein gurgelndes Stöhnen von sich. Dann hinkte er auf sie zu. Sein rechtes Bein musste gebrochen sein. Ein Knochen schaute daraus hervor. Seine linke Gesichtshälfte fehlte. Knochen und trockenes Fleisch nahmen diesen Platz ein.
Gorn schlug mit seinem Schwert zu, doch so viel Haut er zerschlug, so viel Fleisch er abschabte, die Wunden schienen dem Mann nicht im Geringsten zu beeindrucken. Der Tote bedeckte ihn seinerseits mit Schlägen und Hieben. Seine Fäuste hagelten auf Gorn herab. Doch sein Schild konnte die meisten dieser Schläge abwehren. Er hörte Knochen der Hände beim Aufprall brechen. Vielleicht war es das, was den kurzen Moment der Unachtsamkeit verursachte. Die zertrümmerte Faust traf in an der Schläfe und er gib bewusstlos zu Boden.
Elvin hatte in dieser Zeit nicht untätig da gestanden, sondern hatte einen günstigen Moment abgepasst, sein arkanes Sperrfeuer loszulassen. Doch bisher hatte es keine Möglichkeit gegeben das untote Scheusal zu treffen, ohne entweder Gorn oder Alina mit zu treffen. Er machte einige Schritte rückwärts, gerade soweit, dass er außer Reichweite seiner Freunde stand und wartete darauf, dass der Untote zu ihm aufschloss.
Als er ihn erreichte war er bereit.
Von seinen ausgestreckten Händen breiteten sich blitzartige Flammensäulen aus. Der Raum wurde für einen kurzen Moment taghell.
Als die Flammen versiegten, stand der Mann als lebende, oder eher unlebende Fackel im Raum. Dann brach er zusammen und brannte weiter.
Elvin eilte zu dem an Boden liegenden Gorn und tastete an dessen Gürtel. Die Flasche fiel im nicht sofort in die Hand und es dauerte eine Weile, bis er sie gefunden hatte. Doch als er sie in Händen hielt träufelte er ihren Inhalt vorsichtig ins Gorns Mund. Wenige Augenblicke später stand er wieder auf den Beinen und sie machten sich daran Alina auf zuwecken.
Das war die gute Nachricht. Alina war nicht tot. Die Schlechte war: Sie lies sich nicht aufwecken.
Sie mussten sie tragen um sie nach Hause zu befördern. Das war keine Schwierigkeit, denn sie wog überraschend wenig. Der schwierige war der Alina sicher zurück an die Oberfläche zu befördern. Doch mit Hilfe von Elvins Geschick im Umgang mit Seilen und Knoten, die Alina später noch öfter erfahren durfte, gelang es ihnen alle heil und sicher zurück zu bringen.
Die restliche Nacht, verbrachten sie im Eichenfenster.
Am nächsten Morgen zeigte Alina ihre Dankbarkeit mit einem üppigen Frühstück. Elvin, der in der Nacht nicht von ihrem Bett gewichen war, war erleichtert zu sehen, dass es ihr wieder gut ging.
Nach dem Frühstück machten sie sich auf der Stadtwache von den Vorfällen zu berichten. Als sie in den neuen Tag traten, sahen sie Menschenmenge um den Brunnen herum stehen.
„Sie haben einen Kopf gefunden.“
„Ich hab' gestern Nacht schon so was Komisches gehört.“
„Ich habe gehört Orks sollen hier gewesen sein.“
Elvin warf Gorn einen vorwurfsvollen Blick zu. „Du hast den Kopf nicht weggeräumt, oder?“ fragte er.
„Warum ich? Das war deine Aufgabe. Es ist immer deine Aufgabe die Köpfe weg zuräumen.“ Gab er mürrisch zurück. So früh am Morgen wollte er sich noch keine Vorwürfe gefallen lassen.
„Erlebt ihr so etwas öfter?“ fragte Alina interessiert. „Ab und zu kommt so was schon einmal vor.“ Schmuzelte Elvin ihr zu. „Nein, das ist das erste Mal.“ Brummte Gorn.
Laut streitend ließen sie die Schaulustigen links liegen und suchten die Wache auf.
Im Wachhaus herrschte helle Aufregung. Der Hauptmann war überrascht und sandte sofort Männer zur Überprüfung der Tunnel hinunter in den Brunnen.
Die Festlichkeiten, die auf die Erlösung von der Untotenplage folgte und auf der die Beiden zu Ehrenbürgern der Stadt erklärt wurden, war für Gorn ein willkommener Grund, das vorzügliche örtliche Bier exzessiv zu testen. Elvin bekam davon nicht viel mit. Er war dabei in dem Bett zu liegen, neben dem er so lange gewacht hatte.
Alina war eine schöne Frau.

Der Nächste Tag begann mit einer Überraschung. Alina eröffnete ihnen, dass sie ihre Taverne verkaufen und mit ihnen nach Norden reisen würde, sofern sie es erlaubten.
Wenige Stunden später waren sie wieder im Besitz eines Wagens und Alina einer Reihe von Waffen. Nach Gorns misstrauischer Frage, ob sie damit umgehen könne, lächelte sie nur und meinte sie könne mit noch viel mehr umgehen und zwinkerte Elvin zu.
Die Reise nach Wilosk verlief ereignislos. Das dortige Waisenhaus beherbergte den Jungen, den sie suchten. Meister Ramanon hatte recht gehabt. Er war einfach zu finden. Der knapp zweijährige Junge saß abseits der anderen Kinder. Er spielte mit Holzbauklötzen. Doch seine Hände berührten diese mit keinem Stück. Sie schwebten vor ihm in der Luft. In seinem Nacken befand sich ein Zeichen. Das Zeichen der Schlange.