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Autor Thema: Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht  (Gelesen 21562 mal)

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Andi

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #120 am: 16. März 2008, 12:43:54 »
Wolln wir doch hoffen. Ich hasse es auf die Folter gespannt zu werden, vor allem wenn der Autor so verdammt gut ist.

Kylearan

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #121 am: 17. März 2008, 11:42:59 »
Zitat von: "Hedian"
Kaltherziges Pack.

War eine schwere Entscheidung. Gnade oder Recht? Ich habe versucht, nach außen Recht zu wahren und die ganze Zeit gehofft, dass Jil zugibt, Thargad zu lieben und Thargad das auch tut. Glücklicherweise hat Anna  (sprich, Shaz) das dann getan. Insofern kann ich mit der Verhandlung leben.

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Dirim

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #122 am: 28. März 2008, 09:44:15 »
Zitat von: "Kylearan"
Zitat von: "Hedian"
Kaltherziges Pack.

War eine schwere Entscheidung. Gnade oder Recht? Ich habe versucht, nach außen Recht zu wahren und die ganze Zeit gehofft, dass Jil zugibt, Thargad zu lieben und Thargad das auch tut. Glücklicherweise hat Anna  (sprich, Shaz) das dann getan. Insofern kann ich mit der Verhandlung leben.

Kylearan


Die Entscheidung war für Dirim noch schwieriger.

Jil hat gemordet, geraubt, erpresst und wahrscheinlich noch viele andere Taten begangen, die (einen ordentlichen Prozess vorausgesetzt) mit einer sehr drakonischen Strafe (dem Tod) geahndet worden wäre.

Diese Strafe hat Thargad - ohne Prozess - umgesetzt. Diese Tat zu richten ist (zum Glück) nicht Dirims Aufgabe, sondern des Gottes, der Thargad wiederbelebt hat.

Jil hat, seit dem sie sich mit dem Rachegott eingelassen hat - was aus Dirims Sicht zwar nicht schön, aber zunächst nicht strafbar ist - zwar eine böse Tat geplant (Rache an Thargad zu üben), diese aber (noch) nicht umgesetzt.

Also Freispruch!

Religiöse, oder vielleicht besser moralische Aufgabe (aus Sicht eines guten Characters) ist es, die abtrünninge Seele Jil nach Möglichkeit auf einen guten Weg zu bringen. Und wer ist dafür besser geeignet als ein liebender Ehemann (Ehemaschiene :oops: ) mit Namen Thargad.


Wobei das Mimic sicher noch Hunger gehabt hätte ...  :oops:

Andi

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #123 am: 29. März 2008, 11:52:56 »
Auch Versuch ist strafbar. In dem Fall versuchter Mord. Das Ganze in Kombination mit dem Einlassen auf einen bösen Gott?
Ich hoffe das die Kettenbrecher diese Großzügigkeit nicht später bitter bereuen werden, sondern gilt: "Eure Güte wird unter euren Feinden bekannt sein, bevor ihr ihnen begegnet."

Ich wünsch euch alles Gute.

Ach so nochwas: @ Berador
schreib büdde wieder

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #124 am: 29. März 2008, 12:02:10 »
Zitat von: "Andi"


Ach so nochwas: @ Berador
schreib büdde wieder


Ich habe die Zeit genutzt, allerdings anders: ich habe die letzten zwei Abenteuer bereits vorbereitet. Nächste Woche sollte ich dann hoffentlich nicht nur zum Friseur kommen, sondern auch zum Story-Auern.
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #125 am: 30. März 2008, 23:10:46 »
Morgenrot

Im Schattenfinger herrschte düsteres Zwielicht. Fetzen aus getrockneter Nacht hingen von Decke und Wänden und wehten in einer nicht spürbaren Brise. Der Raum war etwas kleiner, als ihn die Kettenbrecher in Erinnerung hatten, aber dafür wesentlich höher. Oder er wirkte so, weil die Decke nicht zu sehen war. Der große Raum endete einfach in Schwärze. Wo sich zuvor eine Treppe an der Außenwand entlang gewunden hatte führte nun ein Gestell aus Eisenstufen sechs Meter in die Höhe und in die Mitte des Raums, wo sich ein viereckiger Rundweg ohne Balustrade befand. Der Rundweg wurde von einzelnen Stangen gehalten, die wohl in die Decke eingelassen waren. Von diesem Rundweg wiederum führte eine schmale Eisenleiter in die Finsternis der Decke. All das sahen die Kettenbrecher aber nur schemenhaft, als wären die Treppe, der Rundweg und die Leiter nur aus grauem Pergament ausgeschnitten und als Hintergrund für ein Panoramabild verwendet worden.

Jørgen löste den Lederschutz vom Schwertknauf, aber der Lichtzauber auf Läuterungs Griff flackerte nur schwach. »Hmm«, machte Jørgen. »Dirim, kannst du–«

In diesem Moment erschien Ki'Annan im Raum, flog direkt auf Dirim zu und umhüllte den Kopf des Zwergs. Dann wurde der Lichtengel kleiner, aber sein Leuchten verstärkte sich sogar noch. Schließlich blitzte es kurz auf und Ki'Annan war verschwunden. Dafür hatte Dirim nun neben seinem rechten, rauchenden Auge ein linkes, leuchtendes hinzugewonnen. Von diesem Auge aus ging ein helles Licht aus, das sich am Rande seines Wirkungskreises erbitterte Gefechte mit den Schatten lieferte, um Umkreis von sechs Metern allerdings für klare Sicht sorgte.

Dirim sah Jørgen an. »Die Barakmordin kommen. Aber sie werden nicht rechtzeitig hier sein.«

»Rechtzeitig für Embril«, sagte Thargad und marschierte an den beiden vorbei. Er hatte gerade die Treppe erreicht – die anderen waren etwa auf der Hälfte des Raums – als der Boden zu beben begann. Dann brach die Mitte des Raums nach unten weg.

Als die Ghule der Weißen Königen vor gut hundert Jahren in den Krieg gegen die Oberflächenbewohner zogen, brachten sie ihre Necropeden mit und veränderten die Vorstellung von untoten Kreaturen dauerhaft. Necropeden waren die Transporter der Armee, riesige untote Würmer, die sich durch die Erde gruben und, wo immer sie herauskamen, Ghule ausspieen wie ein Brunnen Wasser. Da sie untot waren, dienten sie gleichzeitig als Transportröhre für weitere Ghule, die nicht in ihr Inneres passten. Was aber noch viel schlimmer war und jetzt von den Kettenbrechern mit eigenen Augen gesehen wurde:

»Das Ding besteht aus Untoten!«, rief Dirim und sagte damit, was alle dachten.



Tatsächlich war der Necropede kein wirklich eigenständiges Wesen. Vielmehr bestand er aus Dutzenden, Hunderten von Ghulen, die ihre Glieder miteinander verschlungen hatten. So schob sich der Wurm vorwärts, so grub er sich durch die Erde: mit Dutzenden von Klauen, die Stein für Stein wegrissen und nach hinten reichten, mit Händen, die ihn vorwärts pressten. Hand über Hand wurden im Inneren Ghule nach oben transportiert, und Hand über Hand packte das groteske Maul aus Ghulen zu und schob sein Opfer tiefer in die Röhre hinunter. Zum Glück hatte Embril nur den Necropede gewonnen, nicht noch eine weitere Streitmacht aus Ghulen, und so erbrach der Wurm sich nicht in untoten Massen. Es war also Platz um ihn herum, um ihn anzugreifen.

Noch bevor jemand allerdings reagieren konnte, tauchten noch mehr Kreaturen auf. Wo der Necropede aus dem Boden gekommen war, kamen sie allerdings von oben. Zwei verkrümmte und geifernde Dämonen rutschten die Leiter hinab und landeten auf dem Rundweg. Jørgen erkannte in ihnen Hordlinge, geistlose, fast geistesgestörte Kreaturen, deren einziger Lebenszweck das Zufügen von Schmerzen war.

Boras heftete seine neue Axt und trat dem Wurm entgegen. Uthgars Zahn wurde sie genannt, und unter den Eisbarbaren galt sie als Zeichen eines Thans. Doch ihre Macht – Eis und Henkersschlag – war bei dieser untoten Kreatur wirkungslos. Gegen den Necropede half allein Boras' eigene Kraft. Die jedoch war beträchtlich. Mit jedem Hieb riss er einzelne Ghule aus dem Wurm heraus, riss ihnen dabei Arme und Beine aus, teilte sie entzwei, verteilte Körperteile um sich herum. Doch weitere Ghule wuchsen nach, und selbst die Hiebe des mächtigen Barbaren waren nicht so wirkungsvoll, wie er es gewohnt war.

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Dirim trat einen Schritt zurück, um möglichst weit von dem Necropeden entfernt zu sein. Dann bat er Tyr um eine Säule heiliger Flammen. Tyr erhörte sein Gebet prompt, und der untote Wurm wurde in ein Inferno aus göttlicher Magie getaucht. Dutzende verkohlter Ghule fielen von ihm ab.
Thargad kümmerte sich nicht um den Wurm. Er lief die letzten Treppenstufen hinauf und warf sich über den Rand des Rundwegs. Er flog an dem Hordling vorbei, packte mit ausgestreckten Armen gerade noch eine der Stangen, die den Rundweg hielten, und nutzte sie als Angelpunkt um hinter dem Dämonen zu landen. Bevor der reagieren konnte hatte Thargad ihm schon seine Klingen in den Rücken gestoßen.

Jørgen marschierte hinter dem Schurken her und nahm sich des anderen Dämonen an. Läuterung loderte voller Erwartung und brannte sich dann tief in das verfluchte Fleisch. Der Dämon kreischte auf und schlug zurück, aber Jørgen wehrte die Schläge problemlos ab. Der andere Hordling ignorierte Thargad und atmete einen Blitzstrahl auf Dirim und Boras aus. Dirim bekam die volle Wucht des Odems ab, aber sein magischer Schutz sprang an und schützte ihn vor der Wirkung. Boras hatte weniger Glück. Der Odem ließ ihn erzittern und stellte ihm die Haare zu Berge, und das, obwohl er dem Blitz beinahe ganz entgangen war.

»Nochmal machst du das nicht«, sagte Thamior und heftete den Seelenbogen. Seine Hände arbeiteten schneller, als man es mit bloßem Auge sehen konnte, und von seinen sechs Pfeilen ging nur einer fehl. Die anderen allerdings entfalteten nicht ihre volle Wirkung.

Der Necropede hatte sich von dem wuchtigen Empfang erholt und beugte sich nun tief über Boras, um ihn zu verschlingen. Klauen kratzten über Boras' Pflanzenrüstung und zerrten an ihm, aber Boras schlug erst mit seiner Axt, dann mit bloßen Händen und Füßen zu, um die Griffe abzuwehren. Er wurde durchgeschüttelt, aber nicht gefressen.

»Warte, Boras!«, rief Dirim. Boras zögerte, Uthgars Zahn zum Schlag erhoben. Dirim bat um die Kraft, Leid und Krankheit zu heilen, und als er sie bekam, schleuderte er sie dem Wurm entgegen. Der Zauber konnte das Ungetüm gar nicht verfehlen, und der Necropede kreischte aus hundert Mäulern, als sein untotes Fleisch von heiliger Energie zerfressen wurde. »Jetzt!«, rief Dirim.

Boras ließ sich das nicht zweimal sagen. Er schlug zu. Dirims Zauber hatte die Magie, welche die Ghule zusammenhielt, genügend geschwächt, und ein einzelner Hieb genügte, um sie vollends zu zerstören. Mit einem Zischen lösten sich die Ghule voneinander und nicht wenige zerfielen zu Staub. Aber es gab auch genug, etwa ein Dutzend, die sich rechtzeitig lösten und kampfbereit zu Boden fielen. Boras wartete gar nicht so lange, sondern erschlug zwei der Ghule noch während sie fielen.

Oben auf dem Rundweg trat Jørgen dem Hordling ihm gegenüber vor die Brust und trieb ihn fast von dem schmalen Weg. Aber er gewann Abstand genug, um sich dem anderen Hordling zuzuwenden und ihn mit Thargad in die Zange zu nehmen. Läuterung biss noch einmal tief zu. Gleichzeitig löste sich Thargad aus der abwartenden Haltung, die er eingenommen hatte, und ließ Todeshauch und Funke wirbeln. Blut zeichnete in feinen Linien Thargads Schwünge nach. Der Hordling ging in die Knie und Thargad zog ihm die Schwerte über die Kehle.

Der zweite Hordling feuerte einen Blitzstrahl zu ihnen herüber. Jørgen ertrug den Odem dank Treorks Bollwerk, ohne ins Schwitzen zu geraten. Thargad reagierte blitzschnell. Er ging in die Knie und sprang, von einem Zauber unterstützt, auf die andere Seite des Rundwegs. Leider hatte er sich in der Weite vertan. Sein Sprung ging zu kurz und mit seinen Schwertern in der Hand konnte er den Rand des Rundwegs nicht zu fassen kriegen. Zum Glück landete er sechs Schritt tiefer direkt auf einem der Ghule.

Thamior sah, dass der zweite Hordling von Jørgen schwer verwundet worden war. Er feuerte eine weitere Salve von Pfeilen ab, und obwohl die Haut des Hordlings einen Teil der Wucht abfing, wurde er doch schwer verletzt. Noch bevor Thargad an der Wand hochgelaufen und wieder auf den Rundweg gesprungen war hatten Jørgen oben und Dirim mit einem weiteren Flammenstrahl unten die Bedrohung beseitigt.

Die Kettenbrecher versammelten sich unter der Leiter. »Die Hordlinge haben wahrscheinlich Alarm geschlagen«, sagte Jørgen. »Ich gehe zuerst.«

-

Die Leiter führte tatsächlich in Schwärze hinein – und wieder hinaus. Plötzlich fand sich Jørgen in einer kleinen Nische wieder. Hinter sich waberte eine Wand aus Schatten. Er versuchte hindurchzugreifen, aber die Wand war stabil. Vor sich war der schwarze Stein der Innenwand des Fingers, und zu beiden Seiten öffneten sich schmale Gänge, die außerdem in Richtung seines Rückens führten. Irgendwo hinter sich hörte er das Gemurmel eines Zauberwirkers.

Schnell versammelten sich die Kettenbrecher in der Nische. Sie hatten gerade so Platz darin. Niemand hatte sie bislang angegriffen.

»Ich denke, es ist eindeutig, dass wir erwartet werden«, sagte Dirim. »Können wir also einfach da raus gehen? Oder warten wir?«

»Warum warten?«, fragte Boras.

»Damit sie zu uns kommen«, meinte Thargad.

»Hier ist es so eng, dass wir nicht einmal Seite an Seite kämpfen könnten«, meinte Thamior. »Selbst wenn sie kommen.«

»Bah«, machte Boras. »Ich gehe.« Und er ging links um die Ecke. Dirim marschierte rechts herum. Sie stellten fest, dass der Rest dieser Etage auch in kleine Gänge aufgeteilt war. Eine weitere Schattenwand erhob sich direkt vor ihnen und ließ wieder links und rechts einen kleinen Zwischenraum. Die beiden Gänge, die sie genommen hatten, waren allerdings miteinander verbunden. Plötzlich schob sich von links eine Gestalt ins Blickfeld – es war ein Schattenhexer, wie es ihn auch schon bei ihrem letzten Angriff auf den Finger gegeben hatte; Externare von der Schattenebene, kaum sichtbar. Dieser spreizte seine Hände und ein Kegel aus frierender Kälte waberte durch den Gang. Dirim und Boras spürten beide, wie ihnen die Kälte in die Glieder fuhr.

»Angriff!«, rief Dirim und zog sein Schwert. Sofort kam Jørgen auf seiner Seite um die Ecke, während Thargad und Thamior bei Boras auftauchten. Boras wollte sich gerade in Richtung Schattenhexer aufmachen, als ein Schattenkämpfer, eine dem Hexer verwandte Kreatur, bei ihm auftauchte. Auch dieser Externar war den Kettenbrechern, die bereits einmal gegen Embril gekämpft hatten, bekannt. Daher wussten sie, dass der Kämpfer mit seiner Beführung Boras' Rüstung auflösen konnte, bevor er es tat. Aber er tat es trotzdem.

Boras wendete sich diesem neuen Gegner zu und schlug mit Uthgars Zahn einen tiefen Riss in die wabernde Gestalt. Hinter ihm schälte sich eine dünnere, geschicktere Schattenkreatur aus dem Nichts und stach ihm einen Langdolch in die Seite. Boras aber wurde schon lange nicht mehr von so einem Manöver überrascht und drehte sich rechtzeitig ab, um einen lebensgefährlichen Schnitt zu vermeiden.

Auch dem Schattenhexer waren ein Krieger und ein Schattenschurke zu Hilfe gekommen, und jetzt war auch dieser etwas größere Bereich ziemlich überfüllt. Der zweite Schattenschurke hatte sich zu Dirim bewegt und diesem eine tiefe Stichwunde beigebracht. Bevor er noch einmal zustechen konnte hatte Jørgen allerdings Läuterung sprechen lassen und den Schurken vernichtet. Ein Paladin, ein Schlag.

Thargad, der inzwischen wusste, dass es sich bei den Schattenwesen nicht um Untote handelte, widmete sich dem zweiten Schattenschurken. Zwar versuchte der auszuweichen, aber Thargad und Boras hatten ihn dennoch in der Zange. Thamior wartete darauf, dass sich der Hexer wieder zeigte.

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Da zeigte er sich. Mit einem kurzen mentalen Befehl erschienen vier Pfeile auf Annas Sehne und Thamior feuerte sie alle glechzeitig ab. Der Schattenhexer wurde durchlöchert und fiel leblos zu Boden. Beinahe gleichzeitig hatten Dirim und Jørgen den Kämpfer niedergemacht, und Boras machte sich mit einem wütenden Schlag Luft, indem er den zweiten Schattenschurken niederschlug. Der letzte Schattenkrieger machte ein paar Schritte zurück und eine Feuerwand erhob sich neben ihm, die den Weg in den nächsten Gang versperrte.

»Da ist noch ein Hexer«, sagte Dirim. Jørgen nickte zur Antwort. Während Boras und Thargad sich dem letzten Schattenkämpfer annahmen, schritt der Paladin auf die Flammenwand zu und hindurch. Seine Rüstung glühte von der Hitze kurz auf, aber Jørgen ignorierte den Schmerz. Er hob Läuterung und ließ die Waffe auf den Schattenhexer niederfahren, der sich hinter der Wand in Sicherheit geglaubt hatte. Es dauerte keinen Wimpernschlag und der Hexer war tot. Etwas später erlosch dann auch das Feuer, und die Kettenbrecher versammelten sich unter der Leiter, die der Hexer bewacht hatte. Sie führte nach oben.

»Kann nicht mehr weit sein«, meinte Dirim.

»Ich seh mal nach«, sagte Thargad und kletterte leise die Leiter hinauf. Nach kurzer Finsternis konnte er den Kopf vorsichtig in die nächste Ebene strecken.

Es war die Spitze des Fingers. Wo beim letzten Mal ein Altar auf einer erhöhten Plattform stand war nun eine riesige runde Kugel aus Metal, die von vier stämmigen Beinen gehalten wurde und mehrere Verwerfungen aufwies – wahrscheinlich das Albtraumkonstrukt. Anstelle der Schweberöhren führten nun zwei Treppen auf dieses Podest. Embril stand vor der einen, Grukk Zwölftöter vor der anderen Treppe. Beide wirkten kampfbereit. Thargad rutschte die Treppe wieder hinunter und berichtete.

»Ich gehe zuerst«, sagte Dirim. »Aber folgt mir.«

»Du zuerst?«, meinte Thargad. »Warum?«

Dirim lächtelte. »Ich habe einen Plan.«

-

Dirim erschien in der Spitze des Fingers. Embril stand nicht mehr an der Treppe, jetzt stand sie direkt vor ihm und grinste. Dirim rollte sich ab und Embrils Sensenhieb verfehlte ihn. Bevor sie noch etwas tun konnte, kam Dirim auf ein Knie hoch. »Tyr«, sprach er laut, »lass nicht zu, dass die Magie des Bösen mich erreicht!« Als sich das antimagische Feld um ihn herum ausdehnte, wurde Embril ein gutes Stück kleiner und schwächer, und ihre Sense funkelte längst nicht mehr so schön. Im selben Moment kamen Thargad und Thamior aus dem Loch und bewegten sich sofort an den Rand des Feldes.

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Embril machte ein paar Schritte von Dirim weg, genug um aus dem Feld zu kommen und schlug einmal mit ihrer Sense nach Thargad. Der parierte den Hieb knapp und stach gleichzeitig mit seinem Kurzschwert nach Embril, aber die fehlende Magie seiner Waffe ließ den Hieb abprallen. Boras kam aus dem Loch und bewegte sich auf Grukk zu, der ihm im selben Moment entgegen kam.

»Ein Dutzend sind genug!«, sagte Boras drohend.

Grukk grinste schief. »Für dich vielleicht.«

Die beiden Kolosse prallten noch in Dirims Feld aufeinander. Keiner der beiden konnte sich auf magische Unterstützung verlassen. Grukks Zweihänder und Boras' Axt krachten ineinander, rissen die Rüstung des Gegenübers auf und vergossen erstes Blut. Ohne Magie waren Grukk und Boras nahezu gleichwertig. Boras spie verächtlich aus und ließ seiner Wut freien Lauf. Als Antwort streckte Grukk den Zweihänder in die Höhe und wuchs selbst ein Stück. Als ihre Waffen diesmal aufeinander prallten, brachen sie kleine Metallstücke aus der gegnerischen Klinge.

Dirim marschierte lächelnd auf Embril zu und umfing sie wieder mit seinem Feld. Jetzt, da er wusste wie schnell sie sich in ihrer Rüstung bewegen konnte, konnte er so manövrieren, dass sie nur aus dem Feld herauskam, wenn sie sich vollends auf diese Bewegung konzentrierte. Dann aber würden die anderen sie genüsslich erschlagen können. Oder aber sie blieb im Feld und sie konnte genüsslich erschlagen werden. Es gab kein Entrinnen. Embril bewegte sich die Treppe hinauf zum Konstrukt, und Dirim folgte ihr. Thamior und Thargad gingen in die andere Richtung, aus dem Feld hinaus, und holten ihre Schusswaffen heraus.

Boras und Grukk kamen aus dem Feld heraus. Grukk war von Embril magisch verstärkt worden, aber Boras hatte lange Zeit gehabt, seine Ausrüstung auf seine Bedürfnisse anzupassen. Es war keine Frage, wer jetzt im Vorteil war. Und zu allem Überfluss begann Thargad nun, seine Eisschleuder auf Grukk anzusetzen. Grukk wehrte einen Schlag von Boras ab, aber die Frostverzauberung von Uthgars Zahn kühlte den Griff seines Zweihänders schmerzhaft ab. Er ließ eine Hand los und schlug sie Boras ins Gesicht. Der Barbar lachte nur und konterte mit einem Kopfstoß.

Thamior feuerte seine Pfeile auf Embril. Er war ein Elf und Meisterschütze und gegen Embril machte es nichts, wenn seine Pfeile nicht mehr magisch waren, wenn sie auf die Klerikerin trafen. Ohne deren Rüstungsmagie war sie ein leichtes und willkommenes Ziel.

Die Luft hinter Boras waberte, als das Albtraumkonstrukt plötzlich ein Heulen ausstieß, und formte sich dann zu einer schattenhaften Kopie von ihm selbst. Das Ebenbild grinste diabolisch und hob seine Axt, um den Barbaren mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Boras fand sich nun von sich selbst und Grukk eingekesselt.

Embril schrie wütend auf und schlug mit ihrer Sense nach Dirim, aber sie war keine Kämpferin und Dirims Rüstung ein zwergischer Plattenpanzer. Es war beinahe ungerecht. Dirim schüttelte den Kopf und sah sich um. Wo war Jørgen?

Thamior feuerte nun aus allen Rohren auf den falschen Boras. Thargad ließ seine Schleudersteine immer noch gegen Grukks Rüstung oder Stirn prallen. Der Ork grunzte wütend, konnte aber Boras nicht abschütteln. Der Barbar drang immer wieder auf Grukk ein, obwohl er selbst aus Wunden blutete, die jeden anderen bereits gefällt hätten. Instinktiv blockte Boras einen Schlag seines bösen Ebenbildes. Grukk brüllte auf und rammte ihm den Zweihänder tief in den Bauch. Mit eklig feuchtem Gefühl zog Grukk die Waffe wieder aus Boras' Magen. Boras wurde schwindelig – aber dann verschwand das Gefühl. Stattdessen spürte er, wie der Stirnreif der Unsterblichen Macht in ihn pumpte und ihn befähigte, stehenzubleiben und weiterzukämpfen. Grukk starrte auf den Barbaren.

»Das kann nicht sein«, sagte er, »du bist tot.«

Boras zögerte einen Moment, um sich eine gute Erwiderung einfallen zu lassen. Aber ihm fiel keine ein. Also sagte er nichts und spaltete Grukk einfach die Wirbelsäule.

Embril schrie auf und sprang vom Podest, außerhalb der Reichweite von Dirims Feld. Dirim wollte zuerst zu Boras stürmen, aber dann bemerkte er den glühenden Stirnreif. Sein eigenes antimagisches Feld würde Boras töten, käme er ihm zunahe. Also folgte er Embril auf dem Fuße. Embril herrschte ihn an: »Willst du mir nur nachlaufen? So kann das nicht weitergehen!«

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»Stimmt«, sagte Thargad, der hinter Embril aufgetaucht war. Zwar konnte er Funke in Dirims Feld nicht benutzen, aber auch zwei normale Kurzschwerter konnten tödlich genug sein. Wenn man sie so gezielt in die Lungenflügel stechen konnte, wie er es gerade tat. Embril spuckte Dirim Blut ins Gesicht und sackte zusammen. Dirim nickte Thargad zu und zeigte auf das Albtraumkonstrukt. »Der Nächste!«

Boras machte einen schweren Schritt zurück. Die Sehne in seinem Knie war durchtrennt, Grukk hatte ihn aufgespießt und seine Schulter klaffte etwa zehn Fingerbreit auseinander. Sein linkes Auge war voller Blut. Aber der Stirnreif pumpte weiter Kraft in seinen Körper und ließ nicht zu, dass er fiel. Also kämpfte er weiter, kämpfte gegen sich selbst, unterstützt von Thamiors zielsicheren Pfeilen. Aber der Schattenboras war hart im Nehmen, konnte einiges einstecken. Es würde nicht reichen. Noch einmal rang er sich durch, hob die Axt zum Schlag – und der Schattenboras verschwand. Boras sah sich um. Da stand Dirim, kaum sechs Schritt von ihm entfernt. Boras lächelte müde.

»Komm nicht näher Boras«, warnte Dirim. »Sonst stirbst du.« Boras nickte und setzte sich auf die Treppenstufe. Dann wartete er, dass Thamior ihn mit seinem Zauberstab heilte. Und wo war eigentlich Jørgen?
Thargad wurde durchgeschüttelt, als das Albtraumkonstrukt nach ihm schlug. Er konterte und stach mit Todeshauch zu. Die Waffe konnte das Metall des Konstruktes gut genug durchdringen, aber ohne Boras oder Jørgen würde er noch sehr lange brauchen, bis das Konstrukt zerstört wäre. Wenigstens hatten sie Embril – ihre Leiche war weg! In dem Moment, als Embril aus Dirims Feld geraten war, musste ihr Körper verschwunden sein. Thargad versuchte erst gar nicht, den Fluch zu unterdrücken.

Jørgen sah nach oben. Wie der Kampf wohl verlief? Hoffentlich hatte er sich nicht getäuscht. Er hörte des leise Ploppen eines Teleportationszaubers und lächelte. Hatte er nicht. Mit wenigen Schritten war er an Embrils Seite angelangt. Kleriker von Velsharoon hatten oft einen Todespakt geschlossen, der sie an einen festgelegten sicheren Ort brachte und dort wiedererweckte, sollten sie sterben. Und Jørgen befand sich jetzt mehr oder weniger dort, wo im richtigen Finger Embrils Zimmer gewesen war – ein sicherer Ort. Jørgen nahm sein Schwert in beide Hände und hielt es über Embril, so dass sie direkt in die Klinge sehen würde. In dem Moment, als Velsharoons Zauber seine Wirkung tat und sie die Augen aufschlug, rammte er Läuterung nach unten. Das Geräusch war eklig, und die Tat vielleicht keine, die man in den Ritterromanen lesen konnte, die von Adelsfrauen (und dem Dude) so verschlungen wurden – aber Embril war tot. Wirklich und endgültig. Jørgen gab der Leiche keinen weiteren Blick, sondern warf seinen Umhang um sich und nutzte dessen Magie, um in den Altarraum des Fingers zu teleportieren.

Das Albtraumkonstrukt war zäh, aber alleine kaum eine Gefahr. Jørgens Schläge sprengten ganze Brocken aus seinem Eisenmantel, und in seiner Gegenwart waren sogar Thargads Angriffe wirkungsvoller – das Albtraumkonstrukt musste mit Furchtlosigkeit angegriffen werden, und da war der Paladin genau der Richtige für. Schließlich ruckte und zuckte es nur noch, und es war Jørgen, der ihm den Todesstoß verpasste. Die Kugel sackte in sich zusammen und brach auseinander.

Im selben Moment schlossen die Kettenbrecher unwillkürlich die Augen, denn ein Sonnenstrahl brach durch die Öffnung im Finger und wurde von der verspiegelten Wand zurückgeworfen, wieder und wieder, bis das ganze Auge von gleißender Helligkeit erfüllt war. Dann färbte sich das Licht langsam rötlich. Die Kettenbrecher merkten, wie sich ihre Wunden schlossen und ihre Müdigkeit vorgeblasen wurde. Die Luft im Auge summte. Die Haare der Kettenbrecher stellten sich leicht auf. Dann brach sich das Licht im Finger Bahn und raste aus den beiden Öffnungen hinaus in die Stadt und den Himmel, wo es die Schatten verbrannte, sobald es auf sie traf.

Die Kettenbrecher sahen sich an. »Bestimmt wachen die Leute jetzt auf«, sagte Dirim.

»Hoffentlich«, meinte Thamior etwas verhaltener.

»Finden wir es heraus«, forderte Jørgen sie auf.

Der Finger war nun wieder so, wie sie ihn in Erinnerung hatten. Also bestiegen sie die Schweberöhre nach unten und machten sich an den Abstieg durch die Stockwerke. Als sie unten ankamen, hatte sich die Neuigkeit des »unblutigen Aufstandes« bereits in Cauldron fortgepflanzt, einzig überholt von einer einzigen Parole. Niemand hatte sie ausgesprochen, aber als die Bewohner der Stadt erwachten, hörten sie sie alle. Es war eine kurze, einfache Parole aus sieben Wörtern, und als Boras, Dirim, Jørgen, Thamior und Thargad aus dem Finger traten, wurden sie von Leuten empfangen, die sie sich zu Herzen genommen hatten: »Es waren die Kettenbrecher. Dankt den Kettenbrechern.«

-

Die Kettenbrecher marschierten durch die Straßen der Stadt. Überall waren Leute, die sie begleiten, ihnen danken wollten. Es gab auch neidische Blicke, aber für diesen einen Tag waren selbst die Neider dankbar.

»Wir sollten nach den anderen sehen«, sagte Jørgen.

»Und nach meinem Tempel«, meinte Dirim.

»Ich will etwas Ruhe haben«, meckerte Boras.

»Ruhe wäre schön«, meinte Thamior.

»Es gibt viel zu tun«, sagte Jørgen. »Aber nicht heute. Heute feiern wir.«

Und das taten sie. Fast alle, zumindest. Bei den Feierlichkeiten am Abend war Thargad abwesend. Die meisten Leute vermuteten, dass er seine Ruhe haben wollte, und da er ein komischer Maschinenmensch war, konnte ihm das niemand verdenken. Nur wenige Vertraute wussten mehr. Als sie nämlich zu Dirims Tempel gekommen waren, hatte dort nicht nur ein kleiner Satz magischer Bücher auf sie gewartet – unter anderem Rupert, das sprechende Lexikon – sondern auch ein Brief. Oder nein, kein Brief. Eine Karte von Saradush. Sie zeigte den großen Lathandertempel in der nahegelegenen Stadt. Diese Karte hatte Thargad bewogen, sofort aus Cauldron zu verschwinden. Denn neben dem Lathandertempel, in einer Seitengasse, war ein kleines Haus. Und auf diesem Haus prangte ein großes, schwarzes X.

Dirim hatte für Jils zweite Chance gestimmt.

Stadt in Ketten: Cauldron bei Nacht
THE END


(to be continued...)
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #126 am: 30. März 2008, 23:34:32 »
You know the Drill...

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Berandor

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« Antwort #127 am: 31. März 2008, 22:33:46 »
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Serath

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #128 am: 02. April 2008, 16:36:40 »
Diesmal haben sie ihr aber keine Chance gelassen.  :)

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #129 am: 02. April 2008, 20:14:04 »
Antimagisches Feld ist broken
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