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Autor Thema: Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht  (Gelesen 21560 mal)

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Kylearan

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #45 am: 07. November 2007, 09:36:48 »
Zitat von: "Gerthrac"
Ja der Shadesteel Golem ist verdammt zäh. Und teilt heftig aus.  Das hat meine Gruppe schon vor langer Zeit gelernt.

Ein elendes Drecksvieh, zumal wir halt nur eine wirklich brauchbare Waffe hatten, zzgl. einiger Adamantitpfeile von Thamior. Ich freue mich schon auf den nächsten Evil Outsider mit  DR n/Good and/or Cold Iron...

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #46 am: 16. November 2007, 21:53:29 »
Teaser:

Nightwing, CR 14 (Link zur SRD)

Nightwalker, CR 16 (Link zur SRD)

Racheengel, CR 16 (Link zum Wiki)

Gottesanbeterin, CR 16 (Link zum Wiki)
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Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #47 am: 16. November 2007, 23:30:58 »
Ich habe den Schnittpunkt leicht verändert im Gegensatz zum tatsächlichen, quasi um eine Minute vorverlegt. Ich hoffe, meine Spieler freut es, dass sie jetzt auch was Neues lesen...

Das hohle Tor

Das kleine, von hohen Mauern abgetrennte Areal der Stadtwache lag ebenso in Schatten verborgen wie der Rest der Stadt, aber hier wirkte die Stille und Düsternis noch grotesker als sonst. Der ganze Vorplatz vor dem Gefängnis, das gleichzeitig als Kaserne fungierte, war übersät mit schlafenden Menschen, die scheinbar mitten im Kampf oder kurz danach umgefallen waren. Hier lagen die Söldner mit ihren gelben Armbinden, die gezogenen Waffen in der Hand. Dort stand vornübergebeugt Darigaazens Tunnelkonstrukt, ein schlafender Gnom in seinem Brustkorb. Auf dem Dach lag Reya, ein schmutziggrauer Flügel baumelte über die Kante, neben ihr Vortimax Weer. Beregard von Tyr lag nahe dem Kasernenhof, seine Barakmordin um ihn geschart. Noch schlimmer aber war die Tatsache, dass zwar einige der Schlafenden verwundet waren, aber kein einziger Toter unter ihnen lag. Es waren kaum Halborks zu sehen, nur einzelne Mitglieder der MGA, und auch die beiden Ogerbarbaren blieben verschwunden. Lagen sie woanders, oder waren sie Opfer der Kreaturen geworden, die unsichtbar aber deutlich spürbar durch Cauldron schlichen und die Finger von den Schlafenden ließen?

»Stehen wir hier nicht lange rum«, meinte Dirim und ging vorwärts, auf das halb geöffnete Kasernentor zu. Die übrigen Kettenbrecher folgten.

»Wartet!«, zischte Thamior und hob die Hand. »Da ist irgendwas... ein Schatten...«

Leise, ganz leise hörte er, wie der Wind sich in unsichtbaren Schwingen blähte, und dann taumelte Dirim zuück und fasste sich an den Arm. Er blutete. Schneeflocken gleich fiel der Unsichtbarkeitszauber vom Angreifer ab und enthüllte einen gewaltigen Wyrm: seine Flügel waren reiner Schatten, sein Hals und Maul aus dunklen Schuppen glänzte feucht – ein Nachtwurm, ein untotes Geschöpf aus den Niederhöllen.

Noch im Zurückweichen beschwor Dirim einen sengenden Lichtstrahl gegen den Nachtwurm. Thamiors erste Pfeile trafen den Wurm fast gleichzeitig, konnten aber fast nichts ausrichten, so stark waren die Schuppen des Untiers. Ein Pfeil traf den linken Flügel des Nachtwurms und glitt glatt durch. Thargad hielt sich zurück – gegen einen Untoten, der so harte Treffer ignorierte, war er hilflos. Nicht hilflos waren Jørgen und Boras. Gemeinsam traten sie dem Wurm entgegen. Der Wurm biss nach Boras, doch dieser trat ihm aus vollem Lauf gegen das geifernde Maul, dann schwang er Blutrache gegen den Hals des Tiers. Der Nachtwurm kreischte vor Schmerz und Wut. Schon trieb Jørgen Läuterung von der anderen Seite in die Kerbe. Das heilige Schwerte gleißte, als es in das untote Fleisch fuhr. Dirim zog ebenfalls sein Schwert – Schuldspruch war geradezu für dieses Untier gemacht worden.

Zweimal biss der Nachtwurm zu, aber Dirim wehrte die Schläge mit Seelenblick ab. Dann waren die Kettenbrecher an der Reihe, zu antworten. Ihre Waffen wirbelten, und schwarze Galle quoll aus der tiefen Wunde im Hals der Kreatur. Dann holte Boras noch einmal mit Blutrache aus, und das Maul des Nachtwurms fiel zu Boden, während der Hals sich wie ein allein gelassener Wasserschlauch wand und Galle verspritzte.

»Das war nur ein Wächter«, sagte Jørgen bestimmt. »Weiter jetzt!«

Die Kettenbrecher zogen eine Handvoll Schlafende unter dem Körper des toten Wurms hervor, dann marschierten sie zur Kasernentür. Der kleine Exerzierplatz war nahezu völlig leer. In der Mitte des Platzes stand das hohle Tor, ebenso massiv und düster wie die anderen beiden. Zu seiner Rechten erhob sich eine riesige, entfernt humanoide Kreatur von ähnlicher Machart wie der gerade erschlagene Wächter: ein Nachtschreiter. Sonst sah man nichts.

Nur Thargad sah noch mehr: Gegenüber dem Nachtschreiter, in den Schatten verborgen, kauerte eine hagere Gestalt. Sie hatte ein stumpf aussehendes Langschwert gezogen und die zweite Hand wie eine Kralle gekrümmt. Ihre Augen glommen rot und böse, ihre Haut war kalkweiß. Und doch war es klar erkennbar Arlynn – oder besser Jil, die Assassinin des Letzten Lachens, die Thargad selbst ermordet hatte. Im selben Moment wurde es Jil – Arlynn bewusst, dass sie entdeckt worden war, und erhob sich zu ihrer vollen Größe. Ihre Stimme ging Thargad durch Mark und Bein.

»Rache!«

Damit begann der Kampf. Thamior bewegte sich zur Seite und feuerte dabei ein paar Pfeile auf den Racheengel ab. Die Geschosse schlugen nicht voll durch und verursachten der Untoten kaum Probleme. Jørgen zog sein Langschwert und marschierte auf den Racheengel zu. Diese hieß ihn willkommen, sah jedoch am Paladin vorbei zu Thargad. Der wiederum fand sich festgehalten, unfähig, sich von der Stelle zu rühren, und musste mitansehen, wie seine ehemalige Geliebte gegen seinen Freund, den Paladin kämpfte. Er stellte fest, dass er sich unsicher war, welchen Kampfausgang er sich wünschen sollte.

Boras brüllte laut auf und versetzte sich in Schlachtenwut. Mit schwellenden Muskeln stürmte er auf den Nachtschreiter zu, die Axt erhoben. Der Nachtschreiter reagierte sofort und schlug ihm die Axt aus der Hand. Blutrache wirbelte einen Moment frei durch die Luft, dann ergriff der Nachtschreiter die Waffe mit seiner Klaue. Boras zog seine Zweitaxt und schlug sofort zu. Es gab ein befriedigend knirschendes Geräusch, als die Axt in das Bein des Schreiters drang.

Dirim sah sich um. Wem sollte er helfen? Plötzlich spürte er eine Bewegung neben sich. Aus den Schatten schälte sich die Gottesanbeterin. Ihre Kampfsichel glühte geisterhaft. Die Waffe drang durch Dirims Rüstung, als wäre sie nichts, und riss eine kleine Wunde. Die Waffe fuhr erneut durch ihn hindurch, und diesmal spürte Dirim den Biss der Klinge deutlich – oder besser, die Bisse, denn er spürte, wie mit einem Schlag zwei Wunden entstanden. Ein drittes Mal schlug die Gottesanbeterin zu, und drei Wunden brachen auf. Dirim grunzte vor Schmerz. Nur mit Mühe wich er dem letzten Schlag aus. Er konterte mit Schuldspruch und traf die Gottesanbeterin, aber deren Gesicht blieb hinter der Maske ausdruckslos. Nur ihre Insektenfühler zitterten leicht.

Thargad konnte sich endlich wieder bewegen. Gerade verkeilten sich Läuterung und das Schwert von Arlynn, und Jørgens Gesicht nach zu urteilen war Arlynns Kraft unerwartet groß. Aber sie war untot – da konnte er nicht viel tun. Dirim hingegen hatte einen neuen Gegner. Eine Schurkin? Es sah fast so aus. Als solche wäre sie gegen seine besten Angriffe gefeit – aber zumindest hatte sie keine Schadensreduktion. Thargad blickte noch einen Moment zu Arlynn, dann wandte er sich ab und der Gottesanbeterin zu.

Jørgen war siegessicher. Der Racheengel war zwar stark und ausdauernd, aber Läuterung druchdrang ihre Rüstung spielend, und ihre gefährliche Klaue war gegen den Paladin nahezu nutzlos. In einem reinen Schwertkampf aber behielt er spielend die Überhand. Thamior spannte den Seelenbogen und wanderte zwischen den Zielen hin und her. Hier war die Untote, die er kaum verletzen konnte. Da die Gottesanbeterin, die aber von Dirim und Thargad bedrängt wurde. Und dann war da noch der Nachtschreiter, der gerade Blutrache in beide Klauen nahm. Es sah beinahe so aus, als halte ein Mensch ein Streichholz in den Fingern. Der Nachtschreiter beugte die Arme, und Blutrache zerbrach in zwei Teile. Die freiwerdende Magie fuhr einmal kreischend um den Untoten herum, dann war sie fort. Boras starrte regungslos auf die Trümmer, die der Nachtschreiter jetzt achtlos fallen ließ.

Damit war für Thamior die Entscheidung gefallen. Er aktivierte das Seelenfeuer und schickte vier brennende Pfeile in den Nachtschreiter. Der Untote kratzte sich über den Rücken in dem Versuch, die Pfeile aus seinem Körper zu ziehen.

»Rache für Blutrache!«, schrie Boras. Er nahm seine Axt – nicht die richtige Axt, nur eine Zweitaxt, ging es ihm durch den Kopf – in beide Hände und legte so viel Kraft in den Schlag, wie er nur konnte. Knirschend brach der Schlag dem Nachtschreiter das Knie. Der zweite Schlag ging fehl, aber Boras nutzte den Schwung, wirbelte um die eigene Achse und schlug noch einmal zu. Seine Waffe traf den Nachtschreiter in die Brust und drang so tief ein, dass sie auf der Rückseite wieder herauskam. Der Nachtschreiter verharrte kurz, dann richtete er sich langsam wieder auf. Boras hielt an der Axt fest und wurde mit emporgehoben. Über seiner Schulter blitzte es, als Thamior weitere Seelenfeuerpfeile in den Untoten jagte. Boras zog sich an der Axt hoch und kletterte auf die Schultern des Ungetüms. Er sah zu Thamior. Ein letzter Pfeil glomm noch auf seiner Sehne. Boras grinste und stelle sich auf. Er beugte sich herunter und packte den Kiefer des Nachtschreiters mit beiden Händen. Er zog. Knallend zerrissen Sehnen und Muskeln, als Boras den Kiefer des Nachtschreiters aufzwang. Er brüllte vor Anstrengung, aber der Kiefer öffnete sich weiter und weiter. Endlich konnte man tief in den Rachen sehen.

Thamior zögerte nicht länger. Sein Pfeil verließ die Sehne und flog zielgerichtet direkt in das Maul des Nachtschreiters, durchbrach den Gaumen und bohrte sich tief in das untote Gehirn. Der Nachtschreiter gurgelte einmal, dann fiel er stolpernd nach vorne.

Währenddessen ignorierte die Gottesanbeterin Thargad weitgehend. Sie hatte seine Angriffe zur Kenntnis genommen, das war auch alles. Sie schien darauf fixiert zu sein, Dirim zu töten. Der Zwerg hatte ihr mit Schuldspruch einen weiteren Hieb verpasst, und gemeinsam mit Thargads Schlägen blutete die Gottesanbeterin aus mehreren Wunden. Es schien sie nicht zu kümmern. Blitzschnell fuhr sie mit ihrer gekrümmten Klinge über Dirims Gesicht, über seinen Torso, in seinen Arm hinein. Aus einer leichten Wunde wurden zwei mittlere, dann drei schwere. Dirim fasste es nicht – wo kamen diese Wunden her? Ihm wurde schwarz vor Augen, und der Gedanke ging ihm durch den Kopf, dass er sich hätte heilen sollen, als er die Gelegenheit dazu hatte. Noch aber war er nicht am Ende, noch nicht...

Die Gottesanbeterin schlug ein viertes Mal zu, und vier rote Striemen zogen sich über Dirims Brust. Der Zwerg gurgelte einmal, dann fiel er stolpernd nach vorne – gerade, als der Nachtschreiter dasselbe Schicksal erlitt.

Die Gottesanbeterin stand keuchend über dem Zwerg. Sie hob ihre Waffe für den letzten Schlag, den köpfenden Schlag, das endgültige Ende des Zwergs. Funke glitt durch ihren Arm wie Butter und trennte ihn vom Rest des Körpers, und noch während die Gottesanbeterin auf den Stumpf starrte, trieb Thargad ihr Todeshauch in die Kehle. Die Gottesanbeterin zuckte und starb lautlos.

Jørgen grinste durch seinen verschwitzten Bart. Er hatte Recht behalten. Der Racheengel war ihm fast ebenbürtig, aber nur fast. Jetzt blickte die untote Käfigmacherin an ihm vorbei, und Jørgen sah aus den Augenwinkeln, dass die anderen Gegner gefallen waren. Sie war allein.

»Rache!«, sagte der Racheengel und machte einen Schritt zurück. Dann wurde sie unsichtbar.

Boras und Thamior, die gerade auf dem Weg zu ihm gewesen waren, hielten inne. Jørgen sah sich um. Wo war sie? Sein Blick fiel auf Thargad, der gerade über Dirim kniete und die Wunden des Zwergs überprüfte. Natürlich! Sie wollte Dirim den Todesstoß versetzen!

»Thargad! Hinter dir!«, rief Jørgen und stürmte los. Thargad sah sich um, sah keine Spur von Arlynn und verstand sofort. Sie war versteckt oder unsichtbar, und sie war auf dem Weg zu ihm, um sich an ihrem Mörder zu rächen, an ihm zu rächen. Instinktiv warf er sich herum und hielt Todeshauch zum Block hoch. Aus dem Nichts entstand eine Klinge, die gegen das Kurzschwert prallte und von dort über den Boden kratzte. Arlynn stand über ihm, ihr Gesicht glühend vor Hass. Ihr Langschwert wirbelte in ihrem Handgelenk und kam wieder auf ihn zu–

Läuterung trennte Arlynn mit einem sauberen Schlag den Kopf ab. Noch während sie zu Boden fiel, verwandelte sich ihr Körper zu Staub. Thargad starrte auf den Staub und erkannte fast nicht, dass Jørgen dahinter stand.

»Ist er in Ordnung?«, fragte er mit einem Nicken in Richtung Dirim.

»Er lebt«, antwortete Thargad. »Aber es war knapp. Die Götter haben ihn beschützt.«

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»Dann bringen wir ihn wieder auf die Beine und machen uns daran, das Tor zu zerstören«, meinte Jørgen. Er zückte seine Adamantwaffe und nickte Boras zu. Die beiden gingen zum hohlen Tor. Thamior kramte in seinem Rucksack nach dem Heilstab. Thargad stand langsam auf.

-

Die Welt war einfach gewesen. Für eine kurze Zeit hatte sie die Struktur und die Klarheit eines Kristalls.

Doch die fehlerfreie Ordnung war gebrochen, der Kristall zu Staub zerfallen.

Der Wind spielte bereits mit dem Staub. Mit sanften, unsichtbaren Händen begann er das kleine Häufchen abzutragen, zu dem sie zerfallen war. Seine einzige große Liebe.

Er hatte so sehr versucht, sie zu vergessen, hatte sich wie ein Ertrinkender an den Strohhalm namens Pflicht festgehalten. Er hatte sein wertloses Glück auf dem Altar seines Gottes geopfert, Helms Dogma zu seinem Lebenssinn gemacht. Seine fleischliche Hülle war dem stählernen Konstrukt eines Werkzeugs gewichen, dessen einzige Daseinsberechtigung in seiner Anwendung lag, dem Töten. Die Metamorphose schien perfekt zu sein. Doch es war einfach nicht genug.

Ihr Hass schmerzte ihn. Dunkle Bilder von einer finsteren Zelle, in der ein grausiges Geschöpf nach nichts anderem als Fleisch gierte, brachen an die Oberfläche seines Bewusstseins. Er wußte, daß es mehr war als ein Albtraum. Ihr Hass hätte ihn ohne zu zögern getötet, so wie sein Hunger jeden getötet hätte, sogar Berion, seinen Mentor und Vater. Nur einige Augenblicke zuvor hätte er sie ohne jedes Gefühl getötet, nicht aus unersättlichem Hunger, der ihn als Untoten angetrieben hatte, sondern um Cauldron vor der Nacht zu schützen. Dies war sein Eid, dies war sein Leben. Und sie war Teil der Nacht. Doch er liebte sie. Immer noch. Er hatte nie aufgehört, sie zu lieben. Cauldron war gerettet worden vor ihr. Wer rettete sie? Wer rettete ihn?

Tief in die Schatten gehüllt, geschützt vor den Blicken von Feinden und Freunden, sah Thargad auf das schwindende Häufchen Staub. Der Kampf war beendet. Erleichterung und Triumpf lenkten die Kettenbrecher ab. Für einen kurzen Augenblick. Mehr brauchte er nicht. Seine Hand griff in den Staub, füllte ihn in eine Phiole. Keine Zeit für Zweifel. Die Phiole verschwand unter seinem Umhang. Er wußte, was zu tun war, und er wußte, wer ihm dabei helfen konnte. Seine Lippen verzogen sich kurz in Andeutung eines Lächelns. Wer hätte gedacht, wie wahr seine Worte waren, die er vor ein, zwei Stunden gesagt hatte. Er und Celeste mussten wirklich mal miteinander reden.


Spoiler (Anzeigen)


-

Dirim stand neben Thargad und Thamior und sah zu, wie Jørgen und Boras das Tor demolierten. Er freute sich schon auf die Diamanten, die dieses Tor bestimmt auch wieder freigeben würde. Im tragbaren Loch fanden sich außerdem alle Ausrüstungsgegenstände von Racheengel und Gottesanbeterin. Trotzdem war ihm nicht ganz wohl. Er war beinahe gestorben. Nein, das stimmte nicht einmal. Er hatte das Gefühl, tatsächlich tot gewesen zu sein, und trotzdem stand er hier und war sehr lebendig. Haaresbreite traf es diesmal richtig. Und bei all dem hatten sie dennoch Blutrache verloren, Boras' geliebte Axt, die Waffe seines Vorfahren. Die beiden Hälften waren ruiniert, geborsten, nicht zu vereinen. Momentan ließ Boras seine Wut darüber am hohlen Tor aus. Danach... wer wusste das schon.

Dirim spürte ein Kitzeln in seinem Hinterkopf. Eine Nachricht.

»Äh... ist da Dirim? Ähem. Hier ist Minimax, in Rotschlucht, ihr wisst schon. Von den Dings, den Steinmetzen. Äh... ich glaube, ihr solltet besser mal vorbeikommen. Und... äh... besser schnell.«

In diesem Moment zerbrach das hohle Tor. Und als es zerbrach, explodierte es auch. Die Kettenbrecher sahen einen grellen, weißen Blitz. Für einen winzigen Moment war es furchtbar heiß, und dann kalt.

Dann war Nichts.

-

»Das letzte Tor ist gefallen«, meldete Sonnentau hastig. Sie sah kurz auf, dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder der zweiten Kristallkugel zu, die vor ihr stand. Finster hatte alles im Griff. Der Kämpfer pflügte mit seinem Dämonenschwert durch die Schatten und Wachkreaturen, die ihr Ritual hervorbeschwor. In der Mitte des Ritualkreises stand Dämonicus Grimm weiterhin unbeweglich.

»Wie lange noch?«

»Wenige Stunden«, sagte Sonnentau und prüfte noch einmal ihre Berechnungen. »Morgen früh.«

»Zu lange. Die Kettenbrecher werden es bis dahin zu Embril schaffen, und langsam traue ich mir selbst nicht mehr, wenn ich sicher bin, dass Embril sie töten wird.«

»Das ist gar nicht nötig«, sagte Sonnentau, während Finster gerade einem Betrachter das Zentralauge durchbohrte und es schaffte, dabei noch gelangweilt zu wirken. »Ich kann sie nicht aufspüren.«

»Was heißt das? Sind sie mal wieder tot?«

»Hoffentlich nicht«, rief Finster. »Ich hätte sie so gerne getötet!«

»Es gab eine Explosion«, bestätigte Sonnentau. »Ein Lichtblitz, sodass ich selbst durch die Kristallkugel kurz geblendet war. Und jetzt kann ich sie nicht aufspüren. Sie sind tot, oder auf einer anderen Ebene. Beides heißt, dass sie vor morgen nicht zurückkehren. Dann sind sie zu spät, und wenn nicht, haben wir immer noch Embril. Es müsste schon mit Tymora zugehen...«

»Halt deine Schnauze!«, schrie Grimm sie an. »Erwähne diese Schlampe nicht. Aber du hast Recht, höchstens die Götter könnten uns jetzt noch in die Quere kommen. Und die Götter greifen nicht ein, oh nein.« Er lachte. »Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Trotzdem sollst du alles versuchen, damit wir schneller fertig werden. Die Kettenbrecher haben mir schon zu viele unmögliche Taten vollbracht, langsam glaube ich, dass ich das Wort falsch verstehe. Und gib Embril Bescheid. Nur zur Sicherheit.«

»Nur zur Sicherheit«, bestätigte Sonnentau. Der Blitz am hohlen Tor hatte die Kaserne eingerissen. Die Explosion war zu mächtig gewesen. Sie wagte es nicht, es auszusprechen, aber trotzdem war sie sich sicher.

Die Kettenbrecher waren tot.
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Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #48 am: 17. November 2007, 17:35:47 »
Es gab doch schon ein paar Leser... wasn los? Zu geschockt von Boras' Verlust oder meinem Screw-up? Ist der Cliffhanger zu doof?

Wayne's interessiert: Hier wird dann auch die Story Hour zum Gate-Treffen gepostet, als Zwischenspiele. Unser nächster Spieltermin läutet Silvester ein.
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Andi

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #49 am: 17. November 2007, 18:04:51 »
Ne, nur gehofft, dass du schneller schreibst, wenn du kein Feedback kriegst. :wink:
Und ja, ich hasse Cliffhanger in einer so spannend geschriebenen Story.
Böser Berandor  :evil:

Serath

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #50 am: 18. November 2007, 14:18:39 »
Wieder sehr spannend und der Cliffhanger stört mich nicht, da wird die Vorfreude umso größer. Dagegen stört mich eine Passage in dem letzten Update.

Zitat
Dirim hingegen hatte einen neuen Gegner. Eine Schurkin? Es sah fast so aus. Als solche wäre sie gegen seine besten Angriffe gefeit – aber zumindest hatte sie keine Schadensreduktion. Thargad blickte noch einen Moment zu Arlynn, dann wandte er sich ab und der Gottesanbeterin zu.


Finde das ist zu sehr in Regeltermini geschrieben. Schadensreduktion? Hoffentlich nur ein Ausrutscher.  :wink:

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #51 am: 18. November 2007, 14:22:48 »
Ich werde das für die PDF ändern. Danke!
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Hedian

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #52 am: 18. November 2007, 16:14:21 »
Thargads Beitrag finde ich sehr ergreifend, würde mir wünschen, meine Spieler würden sich so intensiv mit ihren Charakteren auseinandersetzen (andererseits liegt es sicher auch am SL, ein entsprechendes Immersionslevel zu bieten).

Armer Berandor, Kämpfe auf höheren Stufen sind eine lästige Konzentrationsleistung. Bin sehr froh, derzeit eine Gruppe mit drei Spielern, dabei kein voller Caster, zu leiten, da kann man sich als SL mit anderem beschäftigen.

Topas

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #53 am: 19. November 2007, 15:51:07 »
Ich finde Targads Beitrag ebenfalls sehr gelngen. Außerdem hoffe ich das ihn das etwas dafür entschädigt, von all diesen Kämpfen gefrustet zu sein. Ich jedenfalls wäre es, wenn dauernd Untote mit fetter DR als Gegner für meinen Dieb auftreten.
Immense harm is caused by the belief that work is virtuous.
- Bertrand Russel

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #54 am: 19. November 2007, 18:35:05 »
Dauernd?

Wann war denn der letzte Untote vor dem hohlen Tor? Na? Na?

Also ehrlich, ich versuche tatsächlich, die Gegner jeweils auf die Gruppe abzustimmen, damit so was eben nicht passiert. Natürlich hat jeder SC mal einen Gegner, wo er dann Probleme gegen hat. Aber das ist dann Ausnahme. In Oblivion gab es keine Untoten, die Untoten bei der Adelsfeier waren unter vielen, der Hofnarr war der einzige Untote beim Letzten Lachen und a) konnte gut verletzt werden sowie b) war Untot, weil dieser Kampf mit Untoten zu tun hatte. Zu guter Letzt hätte Thargad (unwissentlich) Arlynn sneaken können und es gab eine menschliche Gegnerin, die er  auch hätte sneaken können – was er durch eine Fehlrechnung nicht tat.
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Darigaaz

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #55 am: 19. November 2007, 19:22:20 »
Wenn es stört, dass der Rogue nicht immer sneaken kann, kann man ja auch ganz lieb nach Deathstrike Bracers aus dem Magic Item Compendium fragen ;).
Realismus erhöht nur den DC

Wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte sind nicht wahr!

Topas

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #56 am: 20. November 2007, 16:07:09 »
Zitat
Dauernd?

Wann war denn der letzte Untote vor dem hohlen Tor? Na? Na?

Häng dich doch nicht so an einem Wort auf, es ging mir nur die letzten Updates und das war mit Untoten und Golemnoiden nun wirklich etwas sneakunfreundlich. Und genau da hat er so einen schönen Rollenspielpart.

Und schlussendlich hast du es in deiner Nacherzählung auch mehrfach betont. :wink:
Immense harm is caused by the belief that work is virtuous.
- Bertrand Russel

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #57 am: 20. November 2007, 18:23:20 »
Pfft. Jetzt habe ich extra als nächsten Gegner einen Untoten eingebaut. Thargad wird es dir danken. :)
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Osric

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #58 am: 20. November 2007, 18:52:59 »
Aber davon mal ab das eure nächste Runde Silvester einleitet, geht es hier doch hoffentlich vorher noch ein bisschen weiter.
Was würde Robert Jordans Frau dazu sagen?

Kylearan

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #59 am: 20. November 2007, 20:49:16 »
Zitat von: "Osric"
Aber davon mal ab das eure nächste Runde Silvester einleitet, geht es hier doch hoffentlich vorher noch ein bisschen weiter.

Das müssen dann ab Zwischenspiele sein, und ich weiß nicht, ob ich das möchte. Denn in der SH ist jetzt alles (und ein bisschen mehr - ich wusste gar nicht, dass wir alle tot sind) beschrieben, was wir gespielt haben.
Die Zwischenspiele sind aber immer etwas ... seltsam und beängstigend.

Nächster geplanter Termin ist der 30. Dezember.

Kylearan
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