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Autor Thema: Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht  (Gelesen 21563 mal)

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Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« am: 29. September 2007, 20:17:52 »
So. Hier geht's dann bald weiter.

Doch zuerst das Organisatorische. Ich werde in den Titel dieses Threads jeweils das Datum des letzten Beitrags, aber nicht mehr den Namen schreiben. Dadurch bleibt der Titel gleich und hoffentlich leicht erkennbar.

Kommentare
Ich schreibe diese SH nicht für mich, sondern für meine Spieler und vor allem euch, die Leser. Kommentare sind nicht nur toleriert, sondern ausdrücklich erwünscht. Dabei freue ich bzw. freut sich die Gruppe natürlich über Lob, aber noch besser sind Diskussionsbeiträge oder zumindest Fragen. Ich weiß, dass mit Abstrichen die gesmte Gruppe hier liest – also können auch Fragen über die SC vom jeweiligen Spieler beantwortet werden.

Wie ihr vielleicht wisst, gibt es noch einen weiteren Anreiz für euch, zu kommentieren. Ich vergebe nämlich Gastrollen in der SH für besonders auffällige Poster – auch wenn alle bisherigen Gewinner anschließend verstummten. Das hat wahrscheinlich etwas damit zu tun, dass ich mit der Gastrolle auch eure Seele an mich binde, aber lasst Euch deshalb nicht abschrecken. Bisherige Gewinner waren Hedian, Pestbeule, Levold, Lupus Major, dude, Sohn des Sammaster, Darigaaz. Mit der Gastrolle verbunden ist ein vollständiger Statblock des NSC.

Achtung: Für dieses Abenteuer gibt es keine Gastrolle zu vergeben!!

Für alle Informationen rund um Cauldron könnt ihr ab sofort in unser Wiki schauen. Ist noch nicht komplett, aber schon umfangreich.

Links

PDF-Dateien (inkl. Extras wie z.B. Handouts)
Stadt in Ketten I: Basar des Lebens
Stadt in Ketten II: Flutzeit
Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
Stadt in Ketten IV: Willkommen im Dämonenschlund
Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
Stadt in Ketten VI: Geheimnisse der Seelenpfeiler
Stadt in Ketten VII: Schatten über Cauldron

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Flash-Filme
Der erste Teaser - Stadt in Ketten
Der erste Trailer - Basar des Lebens / Flutzeit
Der zweite Trailer - Die Suche nach dem Feuerauge
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Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #1 am: 29. September 2007, 20:32:18 »
Stadt in Ketten - was bisher geschah

Die Kampagne “Stadt in Ketten” bespielt die “Shackled City”-Abenteuerreihe aus dem Magazin “Dungeon”. Darin geht es um die düsteren Pläne der Käfigschmiede und des Betrachterfürsten Vlaathu, durch die eine Grenzstadt Tethyrs in Gefahr gerät. Cauldron, so der Name der Stadt, ist in den Kessel eines erloschenen Vulkans erbaut worden.

In Cauldron sind vor sechzehn Jahren die “Schätze Tethyrs” verschwunden, eine berühmte Abenteuergruppe. Die Nachkommen der Schätze begaben sich auf die Suche ihrer Eltern - gerade rechtzeitig, um den Käfigschmieden ein Dorn im Auge zu werden.

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Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #2 am: 01. Oktober 2007, 14:35:48 »
Zitat von: "Dirim"


Boras wurde drei Runden von der Riesin angegriffen. In jeder Runde hat er irgendetwas um die 100 HP verloren. In der letzten Runde war es trotz eines HEAL in der zweiten Runde fraglich, ob er die Runde überlebt.
Hätte die Riesen einmal mehr getroffen, wäre hier schon der erste Verlust gewesen...


Siehste wohl, danach ist noch so viel passiert, das wusste ich gar nicht mehr.

Zitat von: "Topas"
Das schmerzt, all der Ärger, die Tode und Versteinerungen, alles zu SPÄT.

Naja gut immerhin gibt es jetzt eine Anleitung zum Beheben der Situation.

Gilt Dirim ob seines Auges als Böse ?

Das Auge führt dazu, dass Dirim auf der Gut-Böse-Achse praktisch immer den "besten" Effekt hat. Böses entdecken findet ihn ebenso wie Gutes entdecken. Andererseits sind Zauber, die nichtböse oder nichtgute betreffen, bei ihm wirkungslos.

Zitat
Zitat
Die Kettenbrecher sahen sich an. »Sieht aus, als hätte der Tag gerade erst angefangen«, meinte Jørgen.

Irrtum der Tag ist schon fast zu Ende. Schon beim Lesen dachte ich an der stelle: wenn diese Prophezeinug sich nicht mal ins Gegenteil umdreht.

Hehe, gut gesagt :)

Bitte diskutiert einfach weiter.
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Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #3 am: 01. Oktober 2007, 14:45:40 »
Prolog: Der Zweite Traum

Die Tür zu Graz'zts Thronsaal schwang auf. In der kolossalen Tür wirkte Adimarchus geradezu winzig. Der Dämonenfürst sah sich in dem Saal um. Er hatte aschfarbene Haut und trug nur ein Tuch aus schwarzem Stoff um die Hüften. Aus seinem Rücken wuchsen Schattententakel. In seinen Händen ruhte ein großes Schwert, dessen glut- und aschfarbene  Klinge rote Streifen und Ruß in der Luft hinterließen. Sein linkes Auge war weiß wie frisch gefallener Schnee, sein rechtes brannte rot und rauchte.

Sofort war ein halbes Dutzend von Graz'zts Leibwache bei ihm und bedrohte ihn mit ihren Waffen. Adimarchus reagierte gar nicht, sondern sah stur an den Dämonen vorbei zu dem großen Schwimmbecken, das mit der Milch geschwängerter Kinder gefüllt war. Dort, umschwärmt von Dutzenden von Succubi, schwamm Graz'zt selbst, scheinbar sorglos trotz der bevorstehenden Schlacht gegen Adimarchus' Heer.

Graz'zt klatschte in seine sechsfingrigen Hände. Seine Stimme war süß wie Honig und voller Versprechungen, und in dieser Halle von einem Echo flüsternder Verführungen begleitet. »Das nenne ich einen Auftritt. Was führt dich zu mir? Ergibst du dich?«

Adimarchus' Auge sprühte Funken. »Du weißt, warum ich hier bin. Du hast Loras.«

Graz'zt drückte den Kopf einer Succubi in seinen Schoß. Er betrachtete gelangweilt seine Fingernägel. »Was ist mit ihm?«

»Gib ihn heraus.«

Nie klang es angenehmer, ausgelacht zu werden, als wenn Graz'zt selbst es tat. Jetzt lachte er Adimarchus aus. »Das kann ich nicht.«

Adimarchus' Tentakel schnappten hungrig umher. »Wo ist er?«

-

Der Turm des Dunklen Myrakuls auf Carceri war einer der sichersten Orte auf den Ebenen. Und hier, im innersten Heiligtum dieses Gefängnisses, harrte der Paladin Loras der Ewigkeit. Einst hatte er sich durch die Horden von Occipitus gekämpft, um zu Adimarchus vorzudringen. Nicht, um ihn zu töten, nein. Er hatte vor dem Dämonenfürsten gestanden und ihm sein heiliges Schwert überreicht.

»Macht mit mir, was ihr wollt«, hatte er gesagt. »Ich weiche nicht, ohne euch gerettet zu haben.«

Zuerst hatte Adimarchus ihn ausgelacht. Dann hatte er ihn gefoltert. Aber Loras war dabei geblieben: er wollte die Seele des Gefangenen Engels retten. Dass ihn Adimarchus nicht gleich umgebracht hatte, diente ihm als Zeichen, zu ihm vorgedrungen zu sein. Und bald begann Adimarchus tatsächlich, sich während der täglichen Folter mit ihm zu unterhalten. Glaubte Loras wirklich daran, dass er noch zu retten war? Ja, bekräftigte Loras. Obwohl Adimarchus einen Teil des Himmels selbst in die Hölle gerissen hatte? Gerade darum, hatte Loras gesagt. Genau wie Occipitus sei Adimarchus nicht vollends korrumpiert, sondern hatte einen himmlischen, reinen Ursprung.

So komisch es klang, aber Adimarchus hörte ihm zu. Tatsächlich gab es einen kleinen Teil in ihm, der gerettet werden wollte. Derselbe Teil, der ihn dazu gebracht hatte, einen Engel als Berater und Hofnarr zu behalten, führte auch dazu, dass er Loras mehr und mehr um sich haben wollte. Bald kümmerte er sich persönlich um die Wunden, die er Loras vorher bei der Folter beigebracht hatte. Und dann, eines Tages, wurde aus einer solchen Versorgung etwas anderes – mehr. Loras und Adimarchus erlebten jene Liebe, die sich nur zwischen reinen und gutherzigen Wesen entwickeln konnte. Diese Liebe war es, die die Finsternis in Adimarchus aufzufressen drohte, und als Loras am Vorabend der Schlacht gegen Graz'zt verschwand, war es diese Liebe, die ihn zuerst zu seinem Gegner, und dann nach Carceri gebracht hatte.

Loras hockte kraftlos auf dem Boden seines Käfigs. Er blickte mit tief in ihren Höhlen liegenden Augen auf, und als er Adimarchus erkannte, stemmte er sich mühsam in die Höhe. »Mein Herr«, flüsterte er. »Ihr sollt mich so nicht sehen.«

Adimarchus rannen die Tränen über die Augen. Ohne es zu merken, nahm er seine himmlische Gestalt an. Er hatte einen makellosen Körper mit purpurner Haut, auf der goldene Runen tanzten, verborgen unter einer Rüstung aus flüssigem Gold, und silberne Schwingen. Eine schimmernde Peitsche schlang sich um den linken Arm des Engels, an seinem rechten prangte ein grotesker Handschuh mit verlängerten Klauen, ein handwerkliches Prachtstück aus einer himmlischen Schmiede. Sein rechtes Auge, das Zeichen von Occipitus, loderte und rauchte in rotem Feuer, sein linkes war pechschwarz.

»Was haben sie mit dir gemacht?«

»Nichts, was ich nicht aushalten würde«, sagte Loras. Er lächelte durch aufgeplatzte Lippen. »Jetzt, wo ich Euch sehe, schmerzt es nicht einmal mehr.«

Admiarchus wandte sich an den Dunklen Myrakul. »Lass ihn frei.«

Der Wächter des Turms blieb unter der Kapuze verborgen. »Dies ist Carceri«, klang seine Stimme hohl hervor. »Hier hat alles seinen Preis.«

Adimarchus betrachtete Loras eingehend. Er streckte die Hand aus, aber der Raum zwischen den Gitterstäben war magisch versiegelt. Er konnte Loras nicht berühren. Der Paladin wiederum lehnte die Wange gegen die Stelle, vor die Adimarchus seine Finger hielt. Loras weinte, sein gebrochener Körper wurde von Krämpfen durchschüttelt.

»Was ist der Preis?«

»Willst du ihn wirklich retten?« Plötzlich stand auch Graz'zt im Raum, lehnte auf seinen doppelt beknieten Beinen und rieb sich die sechsfingrigen Hände. »Ich habe ihn gefangen, weißt du. Ich setze den Preis fest.«

Schon war Adimarchus zurück in seiner Dämonenform. »Nenne den Preis. Soll ich den Angriff abblasen, Feigling? Ich tue es.«

»Charmant«, sagte Graz'zt. Er schüttelte den Kopf. »Nein, der Preis hat mit dem Angriff nichts zu tun. Du sollst seinen Platz einnehmen.«

»Wie bitte?«

»Denk mal darüber nach. Wäre das nicht der absolute Beweis deiner Liebe? Und du weißt, ich habe für so etwas eine Schwäche. Und dann überleg dir nur, was die Mächte des Lichts darüber denken werden. Ein solches Symbol der Selbstaufgabe, der Selbstlosigkeit, wenn ein Dämon einen Paladin rettet.« Graz'zt tat, als drücke er eine Träne weg. »Mir wird ganz warm ums Herz.«

»Tu es nicht«, flehte Loras. »Ich könnte damit nicht leben. Bitte, egal was er sagt – ich weiß, dein Herz ist nicht so finster. Lass mich hier zurück. Du wirst den Weg ins Licht auch alleine finden.«

Graz'zt hatte den Spott ins Gesicht geschrieben. »Das stimmt. Gelegenheiten zur Erlösung gibt es für Dämonen praktisch überall. Da kann man die ein oder andere wahre Liebe schon dem Vergessen überlassen.«

»Hört nicht auf ihn, Herr«, flehte Loras. »Er lügt, wenn es ihm passt.«

»Aber er sagt auch die Wahrheit, wenn es ihm passt.« Adimarchus suchte Loras' Blick. Seine Gestalt verwandelte sich wieder in die eines Engels. Loras schüttelte wortlos den Kopf. Tränen rannen ihm über das geschundene Gesicht. Ohne sich von ihm abzuwenden, hob Adimarchus die Hand. »Lass ihn frei.«

Graz'zt erstarrte. »Du... du nimmst seinen Platz ein?«

»Du hast mich gehört. Lass ihn raus.«

Graz'zt gab dem Dunklen Myrakul ein Zeichen. Der Käfig öffnete sich, und Loras fiel aus der Öffnung, direkt in Adimarchus' Arme. Für einen Moment standen sie Arm in Arm und weinten.

Graz'zt räusperte sich. »Er ist raus. Du musst rein.«

Loras streichelte Adimarchus' Gesicht. »Du musst das nicht tun.«

Adimarchus küsste jeden Finger einzeln. »Ich weiß. Ich will es tun.«

Loras schlang die Arme um seinen Geliebten und küsste ihn leidenschaftlich. »Ich werde dich nie vergessen.«

Adimarchus lächelte durch seine Tränen. »Glaubst du, ich? Ich liebe dich, Loras. Du hast mir die Hoffnung zurückgegeben. Das Leben. Das Licht.«

Loras errötete und sah zu Boden. »Sag das nicht.«

Graz'zt stöhnte. »Ich will ja nicht drängeln, aber... ach was. Ich will drängeln. Wirds bald?«

Loras schüttelte den Kopf. Adimarchus löste seine Arme und trat rückwärts in den Käfig. Er hielt Loras Hand, solange es möglich war. Der Dunkle Myrakul schloss die Tür. Loras sank zu Boden. Er wurde von Krämpfen geschüttelt.

»Was ist mit dir?«, fragte Adimarchus. »Ist alles in Ordnung?«

»Es geht schon«, sagte Loras, ohne ihn anzusehen. »Es ist nur...« Er blickte hoch, grinsend. »Es ist so verdammt komisch.«

Adimarchus sah sprachlos zu, als Graz'zt neben Loras trat und ihm anerkennend auf die Schulter klopfte. Der ›Paladin‹ erhob sich und schüttelte die Hand, als habe er sich verbrannt. Als er sie wieder ruhig hielt, hatte er sechs Finger. Auch sein Gesicht zeigte nun die unverkennbaren Züge eines Dämonen.

Graz'zt klang, als würde er gleich einen Lachkrampf bekommen. »Weißt du, eigentlich wollte ich dich nur für ein Jahrzehnt oder so gefangen setzen. Und als mein Sohnemann hier«, er deutete auf Loras, »mir sagte, er könnte dich dazu bringen, freiwillig in den Käfig zu steigen und dich bis in die Ewigkeit einzukerkern...« Er schüttelte den Kopf. »Sagen wir, ich war ein wenig skeptisch.«

»Es war eigentlich ganz einfach«, grinste Loras. Er verzog das Gesicht und tat, als würde er weinen. »Ohh, seht mich an, ich bin ein armer Dämonenfürst und sehne mich nach Liebe und Vergebung. Ich bin eine einzigartige Schneeflocke in der Hölle.« Die beiden prusteten los. Loras fuhr fort: »Du hast mir das Licht wiedergegeben. Das Lachen. Den Geruch von frischem Gras.«

Adimarchus donnerte mit aller Kraft gegen die Gitterstäbe. Seine Gestalt wechselte unkontrolliert zwischen der Engels- und der Teufelsgestalt. Und je mehr er sich wehrte, desto lauter lachten Graz'zt und sein Sohn. Sie lachten so laut, als wollten sie mit ihrem Lachen den Turm zum Einsturz bringen...

-

Johann von Tymora fuhr aus dem Schlaf auf. Er taumelte umher und stieß sich den Kopf an der Mauer an, gegen die er gelehnt hatte. Er hatte gespürt, wie Adimarchus den Verstand verloren hatte, spürte es immer noch, als passiere es in diesem Augenblick. Ohne seine Umgebung wahrzunehmen, schlug er um sich.

»Betrunkener Trottel«, hörte er eine Stimme über sich. Endlich kehrte die Wirklichkeit zurück.

Johann lag am Eingang einer kleinen Gasse im Dreck. Dem Stand der Sonne nach war es Morgen, und dem Schmerz nach, den das Licht in seinem Schädel verursachte, hatte er letzte Nacht getrunken, statt zu schlafen. Langsam kam es ihm wieder zu Bewusstsein. Der Tempel hatte ihn rausgeworfen. Vor aller Augen hatten sie ihn aus dem Tempel gejagt, und alle Mitbrüder und -schwestern hatten gelacht. Sie hatten ihn ausgelacht, wie Adimarchus ausgelacht worden war. Und er war genauso hilflos gewesen.

Plötzlich überkam ihn Übelkeit. Johann schob sich in die Höhe und schaffte es gerade zwei Schritte in die Gasse, bevor er sich übergeben musste. Sein Erbrochenes war flüssig. Er hatte seit fast einem Tag nichts mehr gegessen. Johann rieb sich den Mund am Ärmel seiner Robe sauber. Es kümmerte ihn nicht länger, ob dieses Zeichen seines Glaubens sauber war oder nicht. Sollten sie doch alle zur Hölle gehen, und Tymora mit ihnen.

Johann rülpste. Er lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand und hielt sich den Magen. Seine Börse war leer, daran erinnerte er sich. Darum hatte ihn der Wirt letzte Nacht vor die Tür gesetzt. Und jetzt? Er schloss die Augen.

In seinem Geist sah er Admiarchus in seiner Zelle toben.

Johann schlug die Augen wieder auf. Er sah sich um. Sein Atem ging schneller. Was passierte hier? Ohne zu wissen, ob er es wirklich wollte, schloss er die Augen wieder.
Adimarchus stand in seinem Käfig. Er roch nach Wahnsinn und Hass. Er blickte Johann an, als stünde er vor ihm. »Du begehrst Macht. Ich kann sie dir geben.«

Mit geschlossenen Augen stand Johann in der Seitengasse und antwortete. »Warum ich?«

»Ich kann sie dir geben«, wiederholte Adimarchus. »Befrei mich.«

»Nein«, sagte Johann. Er öffnete die Augen. »Nein. Ich gehöre Tymora.« Er sah sich in der Seitengasse um. Niemand schien ihn bemerkt zu haben. »Ich habe nur etwas Pech gehabt«, sagte er zu sich selbst. Und es stimmte. Wenn er nur auf die Herrin hörte, würde sie ihm schon wieder auf die Beine helfen. Wankend und stinkend verließ er die Gasse und übergab sich dem Trubel Tilvertons.

-

Drei Tage später trieb man ihn aus der Stadt. Sie bewarfen ihn mit Tomaten und Eiern, und Johann war so hungrig, dass er die Überreste aus seiner Robe leckte. Als er davonstolperte, hörte er, wie die Kinder ihm hinterherlachten. Er hörte ihr Lachen noch, als er Stunden später am Immerfluss zusammenbrach. Dort fiel er in einen fiebrigen Schlaf.

In der Nähe stand ein kleiner Baum mit weißen Blüten. Ein silberner Vogel landete auf einem Ast. Der Vogel zwitscherte nicht, und er war auch nicht an irgendwelchen Würmern interessiert. Er beobachtete den schmutzigen Mann am Ufer. Der Mann plapperte im Schlaf vor sich hin: »Befrei mich«, flüsterte er. »Befrei mich, befrei mich, befreimich.« Er hustete. Schüttelte den Kopf. »Nein. Befrei mich. Nein. Befrei mich. Willst du Macht? Nein. Ja. Nein. Willst du Macht? Ja. Befrei mich. Ja. Ja. Ja, ja, jajajajaja. Ja!«

Der silberne Vogel weinte eine einzelne Träne um die verlorene Seele, und schwang sich in den Himmel. Johann erwachte brüllend. »BEFREI MICH!« Er setzte sich auf und starrte geradeaus. Seine Lungen brannten. Seine Muskeln schienen aus Lava zu bestehen. Seine Haut schwärzte sich von dem Feuer, das in ihm brannte. Johann öffnete den Mund. Erst blieb er stumm, dann röchelte er, und schließlich brüllte er den Schmerz hinaus. Er brüllte, bis er heiser war, und dann brüllte er weiter. Sein Körper zuckte und zitterte. Seine Robe verdampfte auf seiner Haut. In seinen Krämpfen griff er in den Boden, aber die Steine bröckelten unter seinem Griff. Das Wasser des Flusses machte einen Bogen um seine zappelnden Füße. Das Gras unter seinem Körper färbte sich schwarz. Johanns Brüllen wurde zu einem Husten. Er hustete und spuckte Blut und die Überreste seiner Innereien. Von Krämpfen geschüttelt, stemmte er sich in die Höhe. nackt und aufrecht stand er am Ufer des Immerflusses. Sein Husten wurde zu einem dröhnenden Lachen. Es war ein unwirkliches, unpassendes Geräusch, als wüsste der Mann, der Johann von Tymora gewesen war, dass er nicht mehr oft lachen würde. Flammen tanzten über seinen nackten Körper. Er atmete aus. Er betrachtete seinen Körper, als sehe er ihn zum ersten Mal. Dann wandte er den Kopf in Richtung Tilverton.

BEFREI MICH! hämmerte es in seinem Kopf. Er duckte sich unwillkürlich, fing sich aber sofort wieder. Er würde Adimarchus befreien. Bald. Aber zuerst würde er seinen ›Brüdern‹ einen Besuch abstatten. Sie hatten Johann von Tymora ausgelacht, und er wollte sich bedanken. Auf seine Art. Er kannte seine Art noch nicht, aber er würde sie schon herausfinden.

Langsam machte er sich auf den Weg. Unter seinen Füßen schwärzten sich Gras, Sand und Stein. Die Natur gab keinen Laut von sich. Seine Lippen kräuselten sich zu einem Grinsen. Seine Zähne waren mit seinem eigenen Blut bedeckt. Es schmeckte herrlich. Johann von Tymora war tot. Er war jemand anderes jetzt. Etwas anderes. Er war...

Seine Stimme dröhnte vor mühsam kontrollierter Macht, als er sich die Frage selbst beantwortete, als er seinen neuen Namen nannte, den Namen, der Furcht in die Herzen seiner Feinde treiben würde. Den Namen, den Adimarchus ihm gegeben hatte.

»Dämonicus Grimm.«
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Kylearan

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #4 am: 01. Oktober 2007, 15:04:54 »
Wenn du hier andeuten willst, dass wir letztlich Adimarchus tatsächlich retten können/müssen...

Sehr nett geschrieben, Graz'zt gut getroffen, und eventuell eine weitere Aufgabe gestellt. Bis wann sollen wir das denn alles gespielt haben? Fünf-Jahres-Pläne sind seit knapp 17 Jahren out.

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #5 am: 01. Oktober 2007, 15:30:46 »
Retten müssen – nein.

Retten können? Hmm... habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Aber wenn ihr das versuchen wollt, freue ich mich auf das Ergebnis.
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Topas

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #6 am: 01. Oktober 2007, 15:51:09 »
Also diese Vorgeschichte Grimms hatte was biblisches, besonders darin, wie der arme Mönch von Tymora geprüft wird. Das sie Bescheid weiss, wird denke ich durch den Vogel symbolisiert. Und dass sie ihn fallen lässt kann man ja wohl an seiner Glücklosigkeit, als  Mönch der Glücksgöttin sehen. Ich habe aus Hiob und Abraham z.B. auch nur rauslesen können, daß Gott wenn es war wäre, einen ziemlich miesen Charakter haben muss.

Wer so prüft, hat der seine Anhänger verdient ?
Immense harm is caused by the belief that work is virtuous.
- Bertrand Russel

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #7 am: 01. Oktober 2007, 16:00:38 »
Gute Frage.*

* Ja, der silberne Vogel ist eine der Manifestationen Tymoras (Lob und Dank dem Faiths and Avatars, mal wieder).
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Kylearan

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #8 am: 01. Oktober 2007, 16:20:12 »
Zitat von: "Topas"
Wer so prüft, hat der seine Anhänger verdient ?

Nein.

Das mit dem Silber ist glücklicherweise nicht nur ein Zeichen, dass Tymora ihre Finger im Spiel hatte.

Und ja, Adimarchus tut mir fast Leid mit dieser Geschichte. Grimm nicht.

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Kylearan

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Re: Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #9 am: 01. Oktober 2007, 17:24:40 »
Zitat von: "Berandor"
So. Hier geht's dann bald weiter.

Wann?

Kylearan
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Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #10 am: 01. Oktober 2007, 17:37:03 »
Wie bitte? Achttausend Worte in 48 Stunden reichen nicht?!

(Mittwoch)
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Topas

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #11 am: 01. Oktober 2007, 18:21:29 »
Mittwoch gehts weiter ? Hier oder bei euch am Spieltisch ?
Immense harm is caused by the belief that work is virtuous.
- Bertrand Russel

Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #12 am: 01. Oktober 2007, 18:28:56 »
*staunend les*
Ich bin irgendwie süchtig nach dieser Storyhour...
Und die beiden "Hits" des Malaulagrym, endlich mal ein fettes, fieses Grinsen auf dem Gesicht des SLs.
"die untoten Drachen werden die Welt beherrschen"

Berandor

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #13 am: 01. Oktober 2007, 18:38:31 »
Zitat von: "Topas"
Mittwoch gehts weiter ? Hier oder bei euch am Spieltisch ?


Hier.

Samstag gehts bei uns weiter. Dann allerdings wahrscheinlich eine längere Pause, also teilt euch die Updates gut ein :)
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Topas

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Berandors Stadt in Ketten VIII: Cauldron bei Nacht
« Antwort #14 am: 02. Oktober 2007, 10:31:38 »
Einteilen ? Was ist das ?
Immense harm is caused by the belief that work is virtuous.
- Bertrand Russel

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