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Autor Thema: Trilogie der Dunkelheit: Cormyr (Buch I)  (Gelesen 27735 mal)

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Arkos

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Trilogie der Dunkelheit: Cormyr (Buch I)
« am: 10. Oktober 2007, 21:12:04 »
Dies ist die Storyhour zu unserer Marburger Spielerunde. Das aktuelle Abenteuer Cormyr ist seit Dez. 2007 abgeschlossen.




In Wheloon, a city known for its vibrant green slate roofs, a new temple to Mystra is in the final stages of construction. But something rings false among the heavenly spheres -- or at least among those who mouth the pieties of Mystra while plotting magical mayhem behind closed temple doors.
And that's just the beginning. . . .



Unsere Gruppe, DIE GREIFENBRUT besteht aus:
Alexander (Dirk) Mensch, Barbar, zu Beginn Stufe 4
Schicksalslenkerin Elenya Ethethiel d‘Kelemvor (Carina) Halbelf, Priesterin Kelemvors, zu Beginn Stufe 4
Evendur Taurendil, Späher Cormyrs (Patrick) Mensch, Kundschafter, zu Beginn Stufe 4
Galmor d‘Tempus (Niels) Mensch, Priester des Tempus, zu Beginn Stufe 5
Inkantator Garon Ethethiel, Kriegsmagier Cormyrs (Tiemo) Halbelf, Magier, zu Beginn Stufe 4
Klagesängerin Lily Weg (Dani) Mensch, Bardin, zu Beginn Stufe 4


Die "Greifen der Dämmerung" bestehen aus:
RUBINJA WEG - WEIBLICHER HALB-ELF: BARDE (MILIL)
NEXUS D‘LATHANDER - MÄNNLICHER MENSCH: PALADIN (LATHANDER)
GLORIA RUHNHAIN - WEIBLICHER ZWERG: KLERIKER (MORADIN)
ARTHEMUS RUHNHAIN - MÄNNLICHER ZWERG: KÄMPFER (MORADIN)
MENDRIL MEISTERWURF - MÄNNLICHER HALBLING: ARKANER BETRÜGER (BRANDOBARIS)
LARIX MEISTERWURF - MÄNNLICHER HALBLING: SCHURKE (BRANDOBARIS)
AELITHE ETHETHIEL - WEIBLICHER SONNEN ELF: MAGIER (CORELLON)
GETHAC, MEISTER DER SEHNE - MÄNNLICHER HALBORK: KUNDSCHAFTER (SHAUNDAKUL)
CYPRESS VOM STAMM DER TALFEDERN - WEIBLICHER WASSER-GENASI: GEISTER-SCHAMANE (SHAUNDAKUL)


Inhaltsverzeichniss:
Intro: n.A. | PDF Version
Prolog: Hier lang... | PDF Version
Kapitel I: Hier lang... | PDF Version
Kapitel II: Hier lang... | PDF Version
Kapitel III: Hier lang...
Kapitel IV: Hier lang...
Kapitel V: Hier lang...


CORMYR
DAS ZERREIßEN DES GEWEBES

IM JAHRE DES DRACHEN RIEF KÖNIG AZOUN OBARSKYR IV DIE „GREIFEN DER DÄMMERUNG“ ZU IHREM LETZTEN GROßEN UND GEHEIMNISSVOLLEN AUFTRAG ZUSAMMEN. SEITDEM IST DIE LEGENDÄRE GRUPPE VERSCHOLLEN.
…SPURLOS.
22 JAHRE SPÄTER MACHEN SICH IHRE NACHKOMMEN AUF DIE SUCHE NACH DEM SCHICKSAL IHRER ELTERN. DIES IST IHRE GESCHICHTE…
DIE GESCHICHTE DER „GREIFENBRUT“.


DIE TRILOGIE DER DUNKELHEIT
EINE D&D STORYHOUR BERICHTET&VERFASST VON DANI „LILY“ GERBER, PRÄSENTIERT VON HOLGER „ARKOS“ MOYSICH
« Letzte Änderung: 03. Dezember 2008, 23:51:16 von Arkos »
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #1 am: 10. Oktober 2007, 21:13:31 »
Alexander:
Dies ist die Geschichte von Alexander, wie er sie Lily Weg erzählte, als sie im Krankenbett in der Taverne „Weltenbummler“ in Arabel lag.
Sein Lieblingsausspruch lautet: „Hinunter in den Abyss mit dir! Und sage denen ICH hätte dich geschickt!“
Alexander scheint von einem inneren Zorn auf die Welt aufgefressen zu werden. Fremden öffnet er sich nur zögerlich. Vielleicht hätte er mir seine Geschichte nicht erzählt, hätte er nicht gedacht, ich sei noch zu schwach, sie mir zu merken und schließlich niederzuschreiben.
Mir scheint es eine Notwendigkeit zu sein, diese Geschichte für die Nachwelt festzuhalten, da Alexander, wie ich, ein Spross der „Greifen der Dämmerung“ ist. Noch habe ich ihm nicht gesagt, dass ein Teil unserer Vergangenheit im selben Ursprung liegt. Eines Tages mag es von Bedeutung sein, dass ich ausgerechnet in der Taverne seiner Mutter meinem Leben ein Ende setzen wollte. Kismet – Schicksal...?
Doch dies ist seine Geschichte und so soll sie auch mit seinen Worten erzählt werden.

„Meine Kindheit und Jugend waren finster und voller Furcht. Doch lass mich am Anfang beginnen. Ich kam mit den Füßen voran in diese Welt. Das Weib, das mich gebar schrie bei meiner Geburt: “Das Kind hat Zähne!“ Ich habe keinen Bruder, ich bin mein Bruder. Ich habe keinen Vater mehr, ich bin mein Vater. Verdammt, ich bin mein verfluchtes Selbst, seit dem Tag im Jahre 1352, als mich ein Dutzend orkischer Hunde aus dem Garten unseres Hauses entführten und in ihr Lager in das Hochmoor, nördlich von Arabel, nahe des Gnollpasses zu verschleppten. Sechs Sommer zählte ich damals, sechs verfluchte, junge Sommer! Sie versklavten mich, um sich an meinem Vater zu rächen. Einem Halbork, der im Dienste des Königs stand und einer berühmten Abenteurergruppe angehörte. Mit meiner Mutter hatte er eine kurze Affäre, aus der ich hervorging. Oft gesehen habe ich den feinen Herrn nicht. Muss aber sagen, dass er sich regelmäßig gemeldet hat und es uns geldmäßig immer gut ging. Mutter erzählte mir mal, dass Gethac als kleiner Junge von seinem Stamm verstoßen wurde. Er war der Sohn des damaligen Häuptlings und einer menschlichen Sklavin, für die er mehr empfand als gut für seine Position innerhalb der Sippe gewesen wäre. Es gab viel böses Blut. Und schließlich eine Meuterei, bei der Gethacs „Onkel“ die Oberhand erhielt und seinen Bruder mit menschlicher Frau und dem Kleinkind davon jagte. Wenige ruhige Jahre verlebte mein Vater mit seinen Eltern, bis sie eines Tages von den Zents gefangen genommen wurden. Gethac war in den Holzschuppen gesperrt worden, weil er seinen Vater angelogen hatte. Dort fanden ihn die Zents nicht. Später erfuhr er, dass beide Eltern von den Zents zu Tode gefoltert wurden. Die Waise Gethac musste der Armee beitreten.
Irgendwie behielten die dreckigen Orks ihren verstoßenen ehemaligen Häuptling im Auge und bekamen mit, dass er den Zents zum Opfer fiel. Aber sie ließen auch Gethacs Sohn nicht aus dem Auge und sahen, wie berühmt er wurde. Auch von mir wussten die Bastarde, deshalb entrissen sie mich meiner Mutter Liebe und zwangen mich in die Sklaverei. Diese Strauchdiebe befürchteten wohl, ich würde eines Tages vorbeikommen und mein erbe einfordern.
Der alte Häuptling spuckte auf mich, als ich vor ihn geworfen wurde. Er war riesig und hässlich, sein Atem stank nach Aas. Mit einer kehligen, rauen Stimme brüllte er mich an: „Du wirst fortan meine Fußbank sein und die Scheiße von meinen Hacken lecken!“ Dieser Satz wurde sein Todesurteil. Dieser Satz erweckte einen Keim des Hasses in mir, der meine Furcht erstickte. Jahre später zahlte ich es ihm heim, indem ich seinen hässlichen, haarigen Schädel von seinem gewaltigen Rumpf trennte. Danach spuckte ich auf seine Leiche.
Ich habe sie alle getötet, mir den Weg in die Freiheit erkämpft. Gefühle blieben auf der Strecke. Das Wort „Liebe“, das alte Fürze so gerne von sich geben, mag für dich vielleicht von Bedeutung sein, doch nicht für mich. Kein Raum für solche Schwächen. Mein Hass brauchte den Raum, um sich zu nähren, um mich stark zu machen. Mein Hass wurde mein Verbündeter, mein dunkler Bruder.
Ich lernte früh den Schmerz zu ignorieren. Die widerlichen Bastarde labten sich stets an der Pein ihrer Opfer. Perverse Schweine, sich am Schmerz anderer zu erfreuen. Ich missgönnte ihnen diesen Triumph.
Wenn der Häuptling mich nicht für seine ekelhaften Dienste benötigte, wurde ich in einen dunklen Bretterverschlag gesperrt, wie ein räudiges Tier. Doch sie hatten meinen Hass und Überlebenswillen unterschätzt, diese Schwachköpfe. Früh lernte ich, wie ich heimlich dem Zwinger entkommen konnte. Fortan nutzte ich die Zeit, in der meine Dienste nicht benötigt wurden, um meinen Feind zu beobachten. Gelehrig vollzog ich mit Stöcken, die ich beim Feuer fand und mit anderem Plunder, der von diesen Bestien achtlos liegengelassen wurde, ihre Kampfbewegungen nach.
Auch Essen stahl ich mir zusammen, denn diese Sklaventreiber halten ihre Sklaven möglichst schwach. Ich verbarg meine Muskeln unter sackartigen Kleidungsstücken und vermied es aufrecht und gerade zu gehen und zu stehen. Bis zu jenem Tag, an dem ich ein Blutbad unter diesen dreckigen Ratten anrichtete.
Viele Jahre waren vergangen, fast zwanzig Lenze zogen ins Land. Während dieser Zeit manifestierte sich eine Stimme in meinem Unterbewusstsein, die immer wieder folgendes sprach: “Ego sum, qui intus habitat.“ Etwas in mir verstand diese Worte und schrie der Stimme entgegen: “Et ego sum, qui vivenit in nomine eos!“
Der erste Weg aus der Sklaverei führte mich zu meiner Mutter, die inzwischen eine wohlhabende Frau war. Gethac hatte ihr vor seinem Verschwinden vor annähernd 20 Jahren noch eine große Summe Geld überbracht. Von ihm selbst fehlt jedoch noch immer jede Spur, wie auch von den acht anderen Gefährten, die ihn begleiteten.
Mehr gibt es zu mir nicht zu sagen. So wurde ich, was ich bin.
Und über dich brauchst du auch nichts mehr sagen, das musste ich mir die vergangenen Tage schon anhören, während deiner Fieberträume.“
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #2 am: 10. Oktober 2007, 21:14:42 »
Schicksalslenkerin Elenya Ethethiel d‘Kelemvor
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #3 am: 10. Oktober 2007, 21:15:12 »
Evendur Taurendil, Späher Cormyrs
Als seine Eltern dem Ruf der Krone von Cormyr folgten war Evendur gerade einmal drei Monate alt. Da sein Vater als Halbork seinen Stamm verlassen hatte, um nach den Gesetzen der Menschen zu Leben und sein Glück zunächst in der Armee der Purpurdrachen und danach bei den Greifen der Dämmerung gefunden hatte blieb als Möglichkeit, den kleinen Evendur unterzubringen nur der Stamm seiner Mutter. Schweren Herzens brachte Cypress ihren kleinen Sohn also zurück in die Talländer, an den Ort ihrer Kindheit.
Die Druidin des Stammes nahm das Kind in ihre Obhut und versprach Cypress, sich bis zu ihrer Rückkehr um den kleinen Jungen zu kümmern. Als sich die Greifen der Dämmerung jedoch nicht zurückmeldeten sank die Zuneigung für das Kind im Laufe der Jahre immer mehr, bis sich schließlich niemand mehr wirklich verpflichtet fühlte. Evendur wurde geduldet, aber eben nicht mehr als das...
So kam es, daß der Heranwachsende bereits sehr früh auf sich allein gestellt die Wälder der Talländer durchstreifte und nach Ablenkung und Abenteuer suchte. Immer häufiger überschritt Evendur dabei auch die Grenze zum benachbarten Cormyr, jenem Land, in dem sein Vater aufgewachsen war und in dem seine Eltern zu so bekannten Helden geworden waren. Als er noch sehr klein war hatte ihm ein alter Krieger vom Stamm seiner Mutter davon erzählt. Doch dieser Krieger war längst tot und ansonsten war niemand im Stamm je bereit gewesen, Evendur mehr über seine Eltern zu berichten. Davongestohlen hätten sie sich und ihn bei der alten Druidin einfach zurückgelassen! Doch so richtig wollte Evendur das nie glauben.

In diese Zeit des Umherstreifens und Suchens fielen auch zahlreiche Kontakte Evendurs zu den Waldelfen der östlichen Talländer und des Hullakwaldes im Westen Cormyrs. Besonders die Freundschaft zu dem jungen Waldelfenkrieger „Faroth na Alagos“ (Jäger des Sturmwindes) aus dem östlichen Hullakwald wurde im Laufe der Jahre immer enger. Von ihm lernte Evendur das (Über-) Leben im Wald, den Umgang mit dem Bogen und die Sprache der Elfen.
Obwohl Evendur sich bei den Elfen wohl fühlte, wurde der Wunsch, mehr über das Leben seiner Eltern zu erfahren in ihm immer stärker und so entschloss er sich schließlich, nach Suzail zu gehen, um dort vielleicht jemanden zu finden, der ihm mehr über die berühmten Greifen der Dämmerung erzählen kann. Zum Abschied schenkten Faroth und seine Sippe  ihm einen Cuthalion (starker elfischen Kriegsbogen) mit dem Namen „Dagnir ho Faeg“ (Verderben des Bösen) und den elfischen Beinamen „Taurendil“ (Freund des Waldes).

In Suzail angekommen musste Evendur sehr schnell feststellen, daß er ohne Geld und eine Bleibe in dieser von materiellen Werten geprägten Umgebung nicht weit kommen würde. Da er keinen Beruf gelernt hatte tat er das einzige, was er gut konnte: Er verpflichtete sich bei der Armee, um während der Goblinkriege als Späher in den weiten Wäldern Cormyrs seinen Dienst zu leisten. Während dieser Zeit lernte Evendur zumindest so gut Goblinisch, daß er das, was von Patroullien und Lagerplätzen der Goblins  an seine Ohren drang auch verstand.
Um nach dem Krieg nicht mittellos dazustehen trat Evendur einem Reservistenregiment bei. Das verpflichtete ihn zwar zur regelmäßigen Teilnahme an Übungen, ließ ihm aber andererseits genug Zeit, sich der Suche nach Informationen über seine Eltern zu widmen. Allerdings hatte er damit nur wenig Erfolg,bis er im letzten Sommer diese seltsame magische Botschaft erhielt...
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #4 am: 10. Oktober 2007, 21:16:02 »
Galmor d‘Tempus
Wann ich geboren wurde? Ich weis es nicht so genau. Wer meine Eltern waren? Ich kenne sie nicht. Andere erzählen mir, sie könnten sich an ihre Mütter erinnern, wie sie sie auf dem Arm getragen haben, an ihre Väter, wie sie mit ihnen gespielt haben. Ich hatte keine Familie. Ich hatte viele Mütter und viele Väter, aber keiner war MEIN Vater oder MEINE Mutter.
Ich wuchs unter Fremden auf, immer weitergegeben, wo gerade eine Familie Platz hatte.  Nie gehasst, aber auch nie geliebt. Immer fremd.
Meine erste Familie fand ich bei dem Schmied, dessen Frau keine Kinder haben konnte. Er nahm mich auf und behandelte mich wohl wie einen Sohn. Oder doch wie einen Lehrling? Worte des Lobes, nur für meine Arbeit, Worte der Liebe, keine für mich. Er arbeitete für den Tempel, auf dessen Stufen ich abgelegt worden bin, wie mir mein Glaubensvater vor Jahren erzählte. Ich hatte ein gutes Leben. Nie habe ich gefroren oder Hunger gelitten.
Vor 9 Jahren kam ein Priester des Tempus zu dem Schmied, der mich großzog. Ich verbrachte einen großen Teil meiner Zeit in und um den Tempel in Suzail und so war ich den Priestern wohl aufgefallen. Sie meinten, ich hätte den Körper eines Kriegers und sie wollten sehen, ob ich auch dessen Seele hätte. Ich verstand nicht, warum sie das glaubten. Ich hatte mich nie sehr für die Raufereien interessiert, die meine Alterskollegen austrugen. Jeder Kampf den ich dennoch ausfechten musste war unspektakulär. Erst Jahre später, ja eigentlich erst vor kurzem, verstand ich dass sie nicht gesagt hatten, sie wollten einen Kämpfer. Was sie suchten war ein Krieger.

So wurde ich, kaum dem Kindesalter entwachsen, ein Novize im Tempel des Tempus. Endlich hatte ich meine Familie gefunden. Die Liebe war nicht das, was mir meine Kindheitsfreunde beschrieben hatten, aber sie war da. Die Geborgenheit, die ich im Kreis meiner Brüder und Schwestern fand stand dem, was ich glaubte vermisst zu haben, in nichts nach. Und so reich mich der Tempel beschenkte, so hingebungsvoll widmete ich mich dem Glauben.
Als ich mir das erste mal einen Bart stehen lassen konnte, wurde ich in den Kreis der Priester aufgenommen. Ich hatte gelernt wie man kämpft, ich hatte gelernt warum man kämpft. Nun lernte ich, dass der Kampf alleine keinen Krieger macht.
Meine erste Schlacht kam, als ich gelernt hatte, die Gunst Tempus in greifbare Form zu bringen. Die Grenzprovinzen Cormyrs an den Ausläufern der Sturmhörner waren diesen Winter wieder das verstärkte Ziel von Goblinüberfällen. Das Heer, von den Kernprovinzen ausgesandt, wurde begleitet von einer Abordnung unseres Tempels. In dieser Schlacht sah ich, warum ein Kämpfer keine Krieg gewinnt Ich sah Helden der Marken untergehen, weil sie sich in sinnlose Streitereien mit einzelnen Gegner verzettelten und das Gefüge der Schlacht aus den Augen verloren. Ich sah ärmlich bewaffnete Bauern, die mit Nichts als ihrem Mut gerüstet, geführt mit eiserner Hand, Gruppen unorganisierter Goblins niederwarfen. Tempus war mit uns und wir vertrieben die Goblins.
Bis zum Sommer.
Die Dürre des Sommers läutete ein, was heute als Die Goblinkriege bekannt ist.
Die Sturmhornberge spieen Horde um Horde blutgieriger Orks aus. Innerer Verrat und unglaubliche Mächte von außen zwangen die Armeen Cormyrs ein ums andere mal in die Knie. Zuletzt wurde sogar Arabel verloren. Tempel geschändet, Bürger ermordet, so man sie nicht schnell genug evakuieren konnte.  Das war kein Krieg mehr. Das Hinmetzeln unbeteiligter Bauern und Händler verdiente diesen Namen nicht.
Meine Brüder und ich taten unser bestes um dem Willen Tempus Geltung zu verschaffen. Plündernde Orkhorden, marodierende Söldner und verräterische Armeeeinheiten wurden gestellt und geschlagen. So mancher Bruder fiel den Waffen seiner Feinde zum Opfer.
Ich werde ihnen aller bis an mein Lebensende gedenken.
Eine Zeit des Friedens, oder wenigstens der Ruhe kehrte ein, nachdem die Goblinkriege beendet waren. Ich kehrte zurück in meinen Tempel in Suzail. Meine Zeit des Lernens war vorbei. Und hatte gerade erst begonnen. Es zog mich hinaus um mehr zu sehen. Mehr zu spüren vom Wirken Tempus. Mehr zu Leben.  
Als Myrmeen Lhal Arabel zurückeroberte, war ich dabei. Als man meinen steten Mentor, Orlom Threen, bat, zu bleiben, den Tempel wieder aufzubauen und die Miliz Arabels zu schulen, nahm er mich mit. Ich lernte, Kämpfe am Tisch auszutragen. Ich lernte in der Aufgabe zu lehren, ich lernte führen. Ich glaubte, mein Leben sei vollständig.
Bis mich der Ruf ereilte.
Vor einem halben Jahr, bekam ich eine magische Botschaft – von meiner Familie. Meine Verwirrung kannte keine Grenzen. Da half es auch nicht, dass Orlom mir offenbarte, dass er um meine Herkunft wusste, aber aus Verehrung für meine Mutter geschwiegen hatte. Ich war das uneheliche Kind einer Bardin namens Rubinja Weg, dem Mitglied einer ruhmreichen Heldengruppe, welche sich die Greifen der Dämmerung nannte. Aus Scham und Angst um ihre Ehe hatte sie mich, das ungewollte Kind, den ungeliebten, ja schlimmer, unbekannten Sohn weggegeben und jeden Kontakt abgebrochen. Orlom wusste nicht viel, aber er hatte gehört, dass es ihr nichts geholfen hatte. Nicht nur war ihr Mann nie über die Schmach des Betruges weggekommen, auch wurde sie wenige Jahre danach zu einer letzten Aufgabe gerufen und verschwand zusammen mit dem Rest der Greifen.
Was sollte ich mit dieser „Familie“? Ich kannte sie nicht .Ich hatte schon eine Familie. Ich wollte sie nicht kennen. Unbekannte erhoben Anspruch auf mein Leben und ich wollte nicht gehorchen. Zumindest anfangs. Mein Zorn schwand so schnell wie meine Verwirrung. Natürlich hatte ich eine Blutsfamilie. Dass ich sie nicht kannte, änderte daran nichts. Und nach langen Gesprächen mit Orlom entstand sogar so etwas wie Neugier in mir. Und so machte ich mich, ausgerüstet mit meienn Waffen, ein paar Ausrüstungsgegenständen und den Segenswünschen Orloms auf, dieses Familientreffen zu besuchen.
Ich höre noch heute Orloms Worte: „Genieß die Zeit. Vergiss nicht, was auch immer geschieht, es ist dein Leben. Und schau in Wheloon bei dem neuen Mystratempel vorbei. Ich hab gehört er soll eine wahre Augenweide sein…“
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #5 am: 10. Oktober 2007, 21:17:03 »
Inkantator Garon Ethethiel, Kriegsmagier Cormyrs
Himmel über ihm war auf eine Weise erstarrt, wie Garon es nochnie gesehen hatte. Das erdrückende Grau hing so schwer über dem Tal, als hätte ein Schmied gewaltige Mengen flüssigen Erzes ausgegossen und in einer einzigen Einheit erkalten lassen – Gestalt gewordene Warnung vor Mächten, denen man mit Stahl nicht beikommen konnte.
Garons Hand krampfte sich schmerzhaft um den Zügel, als er nach vorn blickte. Erst ein ganzes Stück hinter der Schlucht ging das Grau in eine hellere Farbe über, nahezu weiß und dabei doch schmutzig wirkend, an den Rändern ausfransend, so merkwürdig durchscheinend und fest zugleich, dass es sich jeder Beschreibung entzog. Dahinter glaubte er Unruhe wahrzunehmen, die sich bis tief in den Horizont in eine sonnendurchtränkte Region hinein erstreckte, in der es flimmeret, als wirbelten dort heftige Winde über Baumkronen und Felsgestein. Doch so sehr er sich auch bemühte, er konnte keine Einzelheiten ausmachen, ja er war nicht einmal sicher, ob ihn nicht ein Trugbild narrte.
Dieser Umstand berührte Garon tiefer als ihm lieb war. Er musste mit allem rechnen- Täuschung, Magie, Blendwerk- es gab viele Ausdrücke dafür was ihn erwartete. Doch er durfte nicht nachgeben. Er muss der Stärkere sein, jahrelang hatte er auf diesen Augenblick warten müssen, hatte studiert, sich geknechtet und Zeit investiert, sein eigentliches Leben aufgebend.
Wenn er die nächsten Stunden überleben würde wäre er ein Eingeweihter, einer der die Prüfung bestanden hatte, würde andere Städte besuchen und Abenteuer durchlaufen- Geld verdienen und jeder musste ihm Respekt zollen.
Garon ließ besorgt den Blick über die Felsen gleiten, die das Tal einrahmten, und weiter hinab auf den üppig bewachsenen Talgrund. In dem sonderbar gebrochenen Licht, das in weiter Ferne herrschte, waren mehr Einzelheiten erkennbar als in dem Trüben Einerlei um ihn herum. Doch so weit sein Blick auch reichte, entdeckte er keine Anzeichen einer menschlichen Behausung, keine Felder oder auch nur Rodungsspuren, die darauf hingedeutet hätten, dass hier irgendwann einmal Menschen gelebt hatten oder das noch immer taten. Das war seltsam. Für seine Prüfung war er teleportiert worden, das wusste er. Wo jedoch sollte er nun sein- seit einem Tag war ihm keine Menschenseele begegnet. Cormyr war voller Behausungen, er konnte sich nicht einmal wirklich vorstellen weit von Suzail weg zu sein.
Garon schloß die Augen und konzentrierte sich, in seinem Geiste formte er das Gewebe nach seinem Willen. Für die laienhaften Augen anderer mochte es so aussehen als würde er nur sinnlos die Luft vor sich her wirbeln und sich drehen. Doch für ihn war es mehr, nach einer Weile erkannte er es – die Magie war hier allgegenwärtig verändert! Dies alles hier war eine Illusion!

Er hörte Lachen. Es war das kalte Lachen seines elfischen Meisters der wohl bemerkte, dass er seinen kleinen Trick durchschaut hatte. Doch Garon grinste in sich hinein – zwar war die Illusion längst nicht gebrochen, jedoch hörte Garon wo Narqelion war.
Er wog seine Möglichkeiten ab und entschied sich für einen recht mächtigen Zauber. Blitzschnell wirbelte Garon in die Richtung des Lachens und schrie „Er'Daro Tulta“. Sein seidener Handschuh entwickelte ein seltsames Eigenleben und schneller als dass es ein gewöhnliches Auge wahrnehmen konnte zog sich der Handschuh selbst von der Hand, wurde größer und größer bis er selbst die Größe eines Kleinkindes erreicht hatte. Nun, das wusste Garon würde  der Handschuh auf Narqelion zuschnellen und ihn umreißen- völlig harmlos jedoch wäre es ein passender Denkzettel – seine Aufgabe war schließlich nur ihn zu finden.
Mit einer weiteren Handbewegung beendete er diese Illusion und stellte erstaunt fest was ihm sein noch immer aktiver „Magie entdecken“ Zauber zeigte. Dort wo er den Magier vermutet hatte war nur ein magischer Mund, eine Atrappe sozusagen, die auslöste wenn er eine bestimmte Aktion vollzog. Blendwerk. Lächerlich. Garon ärgerte sich, mit Sicherheit lief er ein wenig rot an als der Narqelion hinter einer Säule vortrat und mit einer sarkastischen Bewegung ein Klatschen andeutete. „Gratulation- Garon, du bist der erste Halbelf der diese Prüfung absolviert.“- das letztere sagte er mit einem klaren Unterton von Mißgunst.
Garon seufzte. Der Gastwirt „Zum güldenen Bierkrug“ war ein dicker hässlicher Mensch mit der unangenehmen Eigenschaft redlichen Personen das Leben schwerzumachen. „Eine Stunde am Tag pro Tag- wenn die Sonne tiefsteht und viele Leute hier sind, sollst du diese Leute unterhalten. Ich hoffe für dich das du das gut machst! Im Gegenzug dazu erhältst du ein Frühstück und Mittagessen und ein Krug Bier sowie auch einen Platz zu schlafen“
Mit Sicherheit meinte er den „Hauseintopf“ und einen dreckigen Platz im Stroh. Garon kannte Leute wie diesen Gastwirt. Halsabschneider ohne Gewissen, keinen Sinn für die Kunst und keinen Respekt vor den Personen die sie ausführen. Leider hatte er bisher keine Möglichkeit gehabt sich anderweitig zu verdingen. Er schätzte diese Art von Beschäftigung überhaupt nicht, es war quasi schon lächerlich sich als Magier dazu herablassen zu müssen dieser Tätigkeit nachzukommen um sich ein Platz zum Schlafen und etwas zu Essen zu organisieren. Nunja, in einer Woche würde er mit einer Karawane nach Marsembel reisen, von dort aus weiter Ilipur und auf dem gleichen Weg wieder zurück- als Wächter. Die Karawane handelte mit allerlei wertvollen Stoffen und Erzen und so hatten sie sich einige Leute angeworben um sie zu beschützen. Für Garon war dies die erste abenteuerliche Unternehmung nach einem Jahr von Marktplatz- Gaukelein die er mit seiner Magie hatte anstellen müssen um das gemeine Volk zu belustigen. In einer Woche, so hatte er sich geschworen würde er jeglichen Illusionszauber aus seinem Zauberbuch verbannen und nie wieder diese Schule anfassen die mit der Täuschung von Leuten zu tun hatte und keinen anderen Nutzen für ihn bot. Illusionen waren ein rotes Tuch für ihn geworden, zuerst durch seine letzte Prüfung, nun auch noch durch seine Zwangsbeschäftigung. Nunja, er hoffte durch seine Eskortaufgabe nun schlußendlich geöffnete Türen für das Leben als Abenteurer zu haben.

Während der Reise hatte Garon Ruhe zu denken- Ruhe wie schon lange nichtmehr. Er musste sich nichtmehr die Nächte um die Ohren schlagen um das gemeine Volk zu belustigen. Darum war er auch sehr froh. Es sollte niemals mehr dazu kommen.
Es war schon eine ganze Weile her seit er Kriegsmagier Cormyrs wurde. Sein ganzes Leben verlief in den klar geordneten Strukturen seines Ordens ab. Es war fast schon militärischer Drill der dort vorhanden war, nicht die ruhige Atmosphäre des Lernens die andere Gelehrte manchmal umgab. Fehler wurden dort bis ins kleinste geahndet – verständlich aber nichtsdesto trotz hatte Garon noch nicht viel mehr Spaß haben können als neue Zauber zu erlernen.
Seit er Suzail verlassen hatte schien alles anders. Der allgegenwärtige Druck sich um das tägliche Überleben zu kümmern war verschwunden und einer fröhlichen Nachdenklichkeit gewichen. Die Karawanenführer bezahlten ihn gut, sorgten für sein Essen und alles was er tun musste war was er schon immer gern getan hat: Seine Magie für sinnvolle Zwecke nutzen, hier, hier war er wichtig.
Garon machte sich in dieser Zeit sehr viele Gedanken, Gedanken über seine Vergangenheit. Er war drei Jahre alt als er in die Akademie aufgenommen wurde. Sein Weg war klar vorherbestimmt, früh erkannten die Meister seine Talente. Trotzdem musste Garon sich durch das unerbittliche Training kämpfen wie jeder von ihnen. Doch er machte sich das erste mal in seinem Leben Gedanken wie er überhaupt in die Akademie gekommen war. Er wusste von Erzählungen das seine Mutter, eine Sonnenelfin und Magierin ihn hierher gegeben hatte. Vermutlich um ihm eine gute Zukunft zu garantieren. Das sprach für sie. Sein Vater soll sich Lathander verschrieben haben. Seine Eltern waren zwei ehrbare Bürger Cormyrs gewesen die ihr Leben den Abenteuern widmeten. Als er klein war hat er sich immer vorgestellt seine Eltern würden ihn irgendwann abholen, jedes mal wenn es ihm schlecht ging oder er wieder Strafen für banale Dinge bekam hatte er es sogar gewünscht. Doch sie waren nie gekommen. Garon seufzte.
Er würde es wohl nie herausfinden. Er würde aber zumindest ein wenig Nachforschungen anstellen, in Ilipur war auch eine sehr interessante Person die sich vor allem den Abenteuern die lokal bekannt waren auskannte. Diese würde er befragen, vielleicht erfuhr er dort mehr.
Die Reise war beschwerlich und ungemütlcih, doch er genoss das Reisen bei diesem Wetter, es gab ihm das Gefühl frei zu sein. In den letzten Tagen, so kam es ihm vor hat er jeden Tag etwas neues gelernt. Etwas das man ihm in der Akademie niemals hätte so detailiert beibringen können. Der Einsatz von Magie für bestimmte Zwecke. Er entdeckte jedes mal die Grenzen seiner Macht und seine eigene unvollkommenheit. Manchmal war dem leider nicht mit der Kreativität beizukommen die der junge Garon offenbarte. Aber er ließ sich nicht unterkriegen. So wie er momentan durch die Lande zog war es eine wunderbare Anwendung der Kunst, es wurde respektiert. Nicht so wie in Tavernen von irgendwelchem besoffenen Pöbel.
Seine Mutter, so stellte er es sich vor, hat auch nicht in Tavernen den Pöbel unterhalten. Längst hatte er herausgefunden dass die Sonnenelfin eine schöne Frau gewesen sein soll. Vielleicht auch noch ist. Es weiß keiner etwas von ihrem Verbleib. Genauso wenig wie von Nexus. Mitglieder der “Greifen der Dämmerung”, eine Abenteuergruppe. In Ilipur hatte man ihm viel erzählen können. Er hatte auch eine Schwester. Jedoch ist auch ihr Verbleib unbekannt. Vielleicht würde er sie finden können. Vielleicht würde er auch Aelithe finden können – es gab mit Sicherheit den ein- oder anderen Zauberspruch den er noch von ihr Lernen konnte.
Cormyr war ansich ein schönes Land. Gerade hier auf dem “See der Drachen” fiel es ihm auf. Die Sommerbrise umspielte zart sein Haar und ließ seine Robe einen Tanz aufführen. Es roch nach Salzwasser. Die Sonne spiegelte sich im Wasser und ließ das ständige auf und ab wie einen goldenen Teppich erscheinen. Die letzten Tage war nichts vorgefallen. Bis auf das magische reparieren von dem ein oder anderen Gegenstand hatte er nichts tun müssen. Die Karawane würde in den nächsten Tagen wieder in Marsembel einlaufen und dort wieder ihre Geschäfte tätigen. Von dort aus würde Garon die Karawane schon verlassen und von dort aus alleine über Wheloon nach Haltail nach Donnerstein reisen, um dort in den riesigen Sumpf vorzustoßen. Dort erhoffe ich mir die Enklave eines Schwarzmagiers zu finden um ihn zu töten. Es gibt Gerüchte nach denen er eine große Bibliothek besitzt. Das trifft sich ganz gut. Ich habe viel vorzubereiten... ich werde mit Sicherheit beobachtet nachdem dies ein Auftrag der Kriegsmagier ist.
Die nächsten beiden Tage waren die Hölle. Er war nur wenige Meilen auf seiner eigenen Spur zurückgeritten und dann nach Nordwesten abgewichen, in großem Bogen die Spur der Kreaturen umgehend die er gefunden hatte, dorthin, wo hinter dem undurchdringlichen Blätterdachs des Sumpfes die letzten Ausläufer der Donnerspitze und der Winter auf  ihn wartete. Die Sonne war über den Himmel gewandert und untergegangen, doch er war weitergeritten, nicht sehr schnell, aber stetig und ohne die kleinste Rast, die Nacht hindurch und bis weit in den nächsten Morgen hinein. Erst als die Sonne schon wieder fast im Zenit gestanden hatte, hatte er eine kurze Rast eingelegt; nicht einmal eine Stunde um etwas zu essen und seinen verspannten Muskeln ein wenig Bewegung zu gönnen. Danach war er weitergezogen. Garon erinnerte sich an den zweiten Tag seines Rittes nur sehr undeutlich. Er war ein paarmal vor Erschöpfung im Sattel eingeschlafen und schließlich in eine Art Dämmerzustand irgendwo zwischen Schlaf und Wachsein verfallen; starr, die Linke um den Zügel und die Rechte um den Sattelknauf gekrallt, unfähig eines von beiden loszulassen. Irgendwann war wieder die Sonne untergegangen und spät in der Nacht hatte er eine weitere Rast eingelegt. Er hatte geschlafen und war nach wenigen Stunden so steif und verkrampft erwacht, dass er sich nur mit Mühe wieder in den Sattel ziehen konnte als er weiterreiten musste.
Als die Sonne das nächste mal aufging, erreichte er die ersten Ausläufer der Donnerspitze. Hier, so nahm sich Garon vor würde er sich vorbereiten.

Der gewaltige Fluß war hier oben nur ein kaum knietiefes, träge dahinfließendes Rinnsal voller Schlamm und zerborstener Eisschollen, nicht einmal einhundert Fuß breit und mit kränklichem Schilf und Wasserpflanzen durchsetzt. Vom Wasser stieg ein eisiger, unsichtbarer Hauch zu ihm empor, und der Winter begrüßte ihn mit beißender Kälte als er er den Schutz des bewaldeten Sumpfes verließ und die Richtung der Berge einschlug.  Der Weg wurde steiniger, und mit jeder Meile wichen der Wald und der Sumpf ein Stück weiter vom Flußufer zurück, Streifen zu seiner Rechten waren, der schließlich hinter den ersten Felszacken des Vorgebirges verschwand. Es gab keinen festen, markierten Weg, nicht einmal so etwas wie einen Trampelpfad; nur Schnee und Steine und glitzerndes Eis, unter dem sich oftmals tückisch lockeres Geröll oder Spalten verbargen, die jäh und warnungslos vor ihm aufklafften. Irgendwie kam er doch voran und drang tiefer in das Gebirge ein. Die beißende Kälte vertrieb Garons Müdigkeit für eine Weile, aber in ihrem Gefolge kamen Erschöpfung und Schmerzen und schließlich doch wieder Müdigkeit, schlimmer als zuvor. Als er die Enklave endlich erreichte, hätte Garon fast nicht einmal bemerkt das er ein künstliches Bauwerk vor sich hatte. Es war eine Ruine, wie ihm gesagt wurde: grau und gewaltig wie die Felsen, die es umgaben, mit Mauern, die wie zerborstene Reihen groknochiger Fäuste aus dem Stein geschlagen waren, ein bauwerk, das einst Gewalt ausgestrahlt haben musste, wie die Berge Kälte und Tod, von einem längst vergangenen Baumeister so perfekt in seine Umgebung eingepasst, als wäre es gewachsen, nicht gemacht. Wie ein gewaltiges sterbendes Tier lag es zwischen den senkrechten Felswänden des Massivs eingebettet, zerstört und geschleift, jedoch immernoch gigantisch, ein Monstrum mit hundert Fuß hohen Mauern, die zinnenbewehrt und bizarr wie schwarze Hände nach den tiefhängenden Wolken zu krallen schienen. Der Weg schlängelte sich in zahllosen, scheinbar willkürlichen Kehren und Windungen am Fuß der zerbrochenen Mauer entlang. Es gab ein Tor, einen gewaltigen bogenförmigen Durchgang, der einmal breit genug gewesen war, eine Armee hindurchzulassen, jetzt jedoch von heruntergestürzten Steinen und Schutt und Schnee bis auf einen schmalen Weg verschüttet war. Dahinter lauerten Dunkelheit und wogendes Grau.
Der Innenhof der Festung war klein, kleiner als er erwartet hatte – ein langgestrecktes Trapez von hundert mal dreißig Fuß, übersät mit zerborstenen Steinen, Schutt und Unrat. Die gewaltige Mauern hatten den Schnee ferngehalten, nur hier und da gewahrte Garon kleine, weiße Nester glitzernder Kälte, und aus den Ritzen und Spalten der Wände wucherte kärgliches Unkraut; graue Pflanzen die sich in Farbe und Wuchs der Feindseligkeit ihrer Umgebung angepaßt zu haben schienen. Es gab nur ein einziges ungeheuer massiges Gebäude, einen Würfel aus Fels, direkt aus der Wand herausgehauen und mit einer Krone von Zinnen und nach außen gekrümmten Steinkrallen versehen. Sein Blick tastete an der Mauer entlang. Ihre Krone war geborsten, und die herunterstürzenden Steine hatten, zusammen mit dem Staub und Unrat von Jahrhunderten, eine schräge, bis zur Hälfte ihrer Höhe reichende Rampe gebildet. Aber der verbliebene Rest war noch immer hoch, hoch genug, um ihn auch gegen einen zahlenmäßig überlegenen Feind zu halten. Es gab nur einen einzigen schmalen und fast senkrecht in der Höhe führenden Aufstieg, und der Wehrgang, von dem noch Bruchstücke an der Innenseite der Mauer stehengeblieben waren, war so angelegt dass er auch zum Innenhof hin Schutz bot, als hatten seine Erbauer damit gerechnet, dass ein Feind das Tor stürmen und in den Hof eindringen konnte.
Garons geschulter Blick durschaute die Situation schnell: Es war die perfekte Falle. Einen Zauberspruch auf den Lippen bahnte er sich seinen Weg, dort wo die ehemals prächtige Feste am höchsten ist würde er auf ihn warten...

“Ich bin Gwann, der vollendetste Magier der je diese Festung sein nannte. Vor vielen Jahren trennte ich mein Hezr von meinem Körper um den Tod zu betrügen. Und nun bin ihc weder richtig lebendig, noch richtig Tod. Meine Macht übersteigt deine begrenzte Vorstellungskraft und nun willst du, Magierlein, mich besiegen, hier in meinem Zuhause?” sprach der Nekromant mit einer tiefen leisen Stimme.
Garons Lippen formten die Worte des mächtigen Zaubers die den Nekromanten in einem gewaltigen Feuersturm verbrennen sollten und lies ihn auf Gwann herabsausen. Doch bevor es sich versah verschwand der Magier und der Zauberspruch verpuffte wirkungslos an der Wand. Er vernahm ein Lachen, nicht dunkler und böser als der Nekromant selbst. Er setzte zu einem weiteren Zauberspruch an, doch bevor es sich versah erschien der Magier wieder. Neben ihm die Inkarnationen des Todes selbst: Zwei Skelette, mit schartigen und rostigen Waffen in der Hand stapften auf ihn zu um ihm ein eben solches Schicksal zuteil werden zu lassen. Doch Garon verspürte keine Angst und sprach den Zauber zuende.
Keinen Moment zu früh, denn die Skelette waren nurnoch einige Schritt von ihm entfernt als die klebrigen Fäden den Raum bedeckten und die Skelette als auch den Nekromanten einhüllten und ihre Bewegungen einschränkten.
Doch Garon schien das Glück gepachtet zu haben, Gwann schien Probleme zu haben die somatische Komponente seines Zaubers richtig auszuführen. Garon zögerte keinen Moment, es gab nur zwei Möglichkeiten aus diesem Kampf hervorzugehen. Entweder er tötete den Nekromanten oder er würde von ihm als Untote Kreatur und Diener wieder erweckt werden.
Während der Leichnam immernoch mit den klebrigen Strängen zu kämpfen hatte und seine Diener schon hilflos verstrickt waren beendete Garon den Zauber der den Nekromanten endgültig umbringen würde. Der Raum wurde von der Explosion erschüttert die den Leichnam in einer gigantischen Feuerwalze versengte. Garon hörte nurnoch den gellenden Schrei des Bösewichts während bunte Blitze auf seinen überlasteten Netzhäuten tanzten. Doch noch war es nicht vorbei, bevor er sich den Schätzen die der Nekromant zurückgelassen haben könnte widmen konnte musste er das Seelenbehältnis des Leichnams finden. Meist war dies eine versiegelte Metallkiste kleinen Ausmaßes in der magische Sätze stehen.  Aber er hörte hörbar auf. Er würde mindestens einen Tag Zeit haben sie zu finden. Das würde ausreichen. Garon konzentrierte sich und benutzte einen Zauber um das Gewebe um sich herum sichtbar zu machen. Das Seelenbehältnis würde das Gewebe um sich herum auf sich konzentrieren und eine gewisse Eigenstärke haben, solange es nicht durch besondere Vorsichtsmaßnahmen geschützt war sollte es kein Problem sein es zu zerstören. Garon ging, durch sein inneres Auge geführt einen dunkelen Gang entlang bis er auf einen großen Raum stieß – die Bibliothek. Spinnenweben hingen zwischen den Regalen und den Raum füllte ein Geruch des Moders und des Verfalls. Aber es würde mit Sicherheit den ein- oder anderen interessanten Zauber geben den er hier lernen konnte. Mit Bedacht Schritt Garon voran, sein Ziel klar vor Augen: Hinter einer Wand schien sich das Gewebe auf ganz verdächtige Art und Weise verformt zu haben. An seinem äußeren Ende griff Garon ein und manipulierte es mit einem kinderleichten Zauber und die versteckte Tür öffnete sich. Die recht offensichtliche Falle blieb durch eine geschickte Intervention seinerseits dort wo sie war. Vor ihm war das was er gesucht hatte, das Seelenbehältnis Gwanns. Er lächelte in sich hinein. Er würde dieses Gefäß in einen Raum aufbewahren wo es sich niemals entfalten könnte. Nachdem er hier die wertvollen Bücher studiert und mitgenommen hat würde er sich wieder Gwann widmen; ihn als Trophäe nach Suzail bringen und -so hoffte er- das Recht erringen ein Offizier zu werden wenn es sein Wissen erlaubte...
Der Rückweg gestaltete sich als schwieriger als er vorerst angenommen hatte. Er nahm eine andere Route – da Garon es für vernünftiger hielt. Scheinbar war dies eine falsche Entscheidung gewesen. Seine Karte zeigte ihm zwar einen “Handelsweg” an, jedoch hatte er kaum eine Menschenseele getroffen. Seine wertvolle und gefährliche Fracht war noch immer sicher eingeschlossen in die “Truhe der Kraft” die er auf magischem Wege erschaffen hatte und er konnte sie jederzeit erneuern, jedoch hatte er keine Lust sich hier mitten im Nirgendwo zu verirren. Schon allein zumal seine Rationen langsam zur Neige gingen. Schlussendlich fand Garon jedoch ein Gasthaus, dass jedoch mehr Geheimnisse barg als Garon zu träumen wagte... doch das wusste er jetzt noch nicht, ansonsten wäre er vielleicht nicht einmal eingekehrt.
Dieses Rasthaus ist in Wirklichkeit eine alte Burganlage, wie Garon herausfand, dessen Ruine von den derzeitigen Besitzern in eine befestigte Unterkunft für Reisende umgebaut wurde. Diese liegt in einem langen, weiten Tal an einem See und ist an drei Seiten von dichtem Laubwald umgeben. Die Handelsstraße schlängelt sich durch die umliegenden Hügelketten und führt dicht am Gespaltenen Eber vorbei. Auch wenn die Burg in vergangenen Zeiten einigen Raubrittern als Heimstatt gedient haben mag, ist sie dieser Tage gerade soweit wieder hergestellt, um die herumstreichenden Gnolle und Orks abzuwehren. Da sonst keine Gefahren zu erwarten waren, haben sich die Besitzer mit diesem Zustand zufrieden gegeben. Ghaerevan und seine Frau Zhavi sind Halbelfen, die mit Hilfe einer Gnomenfamilie und einiger alternder Abenteurer den Gespaltenen Eber gründeten und diesem im Laufe eines Jahrzehnts zu einem guten Ruf verholfen haben.
Nette Leute, wie Garon feststellte, sie duldeten zwar Reisende und Wanderer fast jeden Schlags solange diese bezahlten und keine Unruhe stifteten aber nichtsdestotrotz bieten sie sichere Quartiere sowie Unterkunft und gutes Essen.
Garon entschied sich einige Tage dort zu bleiben, was wie er rückblickend feststellte auch eine gute Idee war, denn ansonsten hätte er niemals Elenya getroffen…
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #6 am: 10. Oktober 2007, 21:18:07 »
Klagesängerin Lily Weg
Dies ist meine Geschichte, Fremder. Eine Geschichte voller Trauer, Verzweiflung und Hoffnung. Sie in Gänze zu erzählen würde Tage füllen, drum begnüge dich mit Szenen meines Daseins. Vom Anbeginn, bis zum heutigen Tag. Hör nur zu und sieh, wie ich zu dem wurde, was ich bin...eine Bardin, eine Klagesängerin... .

Warmes, prasselndes Kaminfeuer, eine helle Stimme, ein fröhliches Lied singend zum Klang der Laute, dies sind meine kostbaren Erinnerungen an die ersten Jahre.
Ein in Uniform gekleideter Mann betritt unser Haus. Mutter setzt mich in einen Laufstall in der Stube, Vater unterbricht das Studium seiner Lektüre und tritt an mich heran. Er schneidet Grimassen und macht Faxen. Ich betrachte ihn, lächle jedoch nur halbherzig, weil ich Mutters aufgebrachte Stimme aus der Küche höre. Ich verstehe nicht, was sie mit dem Uniformierten redet, aber sie klingt aufgeregt. Mein Name fällt, mein Herz hämmert, Vaters Grimasse friert ein. Die Stimmen aus der Küche werden lauter, Vater erhebt sich rasch und eilt zur Küche. Seine tiefe Stimme mischt sich unter die beiden anderen. Etwas stimmt nicht...mein Herz klopft zum Zerspringen. Wieder wird mein Name genannt, diesmal von Vater. Der Uniformierte erwidert etwas, die Küchentür fliegt auf und er schreitet zur Tür, vorbei an mir. Sein Blick trifft mich, eisig, hasserfüllt. Er geht fort, die Tür hinter sich zuknallend. Sein Blick gräbt sich für immer in mein Gedächtnis ein.
Er ist schuld.
Mutter schluchzt in der Küche, es zerreißt mir schier das Herz. Vater spricht beschwichtigend mit ihr. Ich sehe sie durch die halb geöffnete Küchentür. Er geht zum Regal und füllt sich Schnaps in einen Becher. Mutter sieht ihn bittend an. Er hält kurz inne, stürzt dann jedoch den Inhalt des Bechers in einem Zug hinunter.
Mutter blickt ihn an, ein tiefer Blick voller Sorge und voller Bitte, dann wendet sie sich ab und kommt zu mir. Sie summt ein Lied, beschwichtigend, einlullend. Ich werde schläfrig. Sie küsst mich und nimmt mich auf den Arm.
Als ich erwache, ist sie fort. Vater sitzt neben mir, seine Augen gerötet, sein Atem nach hochprozentigem Alkohol stinkend. Er versucht mir zu erklären, dass Mutter bald wiederkommt. Ein letzter Auftrag, keine große Sache. Ich spüre, dass er lügt.

Sie kam nicht wieder. Alles, was mir geblieben ist, ist ihre Laute. Ich lernte sie zu spielen, hoffte eines Tages so gut spielen zu können wie sie. Erinnerungen an die glücklichen Momente. Fetzen, die zu verblassen drohen.
Vater zerbrach an der Situation. Er soff sich zu Tode. Eines Morgens fand ich ihn, die Laute im Arm, an meinem Bett sitzend, kalt, grau, leblos... .

Viele kleine Betten, Husten, Schniefen in der Dunkelheit. Kleine Körper, die sich unruhig im Schlaf wälzen. Kratzige Bettwäsche und geflickte Kleider, Hafergrütze zum Frühstück, Suppe zum Mittag, zwei Scheiben Brot zum Abendessen. Eine strenge Halblingsfrau, die nun für mich sorgt. Für mich und die anderen 49 Waisenkinder. Der Hausmeister, ein Halbork, ist ein lustiger Geselle. Er schnitzt mir kleine Figuren, um mich aufzuheitern.
Oft spiele ich für ihn auf Mutters Laute, dann lächelt er. Abends, im dunklen Schlafsaal spiele ich für die anderen Kinder, deren Träume böse sind und sie nicht zur Ruhe kommen lassen. Ein warmes Gefühl breitet sich in mir aus, wenn ich merke, dass ihr Atem ruhiger geht und sie unbesorgt schlafen können. Wenigstens sie kann ich schützen. Für meine Eltern konnte ich nichts tun.
Mathilda, die Waisenhausvorsteherin erzählt mir eines Tages, warum meine Mutter fortging und wer sie war. Sie spricht mit einer Entgültigkeit von ihrem Tod, die mich schaudern lässt. Tief in mir ist ein kleiner, warmer Funken Hoffnung, genährt von den leuchtenden Fetzen der Erinnerung.

Ich muss den Uniformierten finden.
Er ist schuld.

Jahre vergehen im Waisenhaus. Auf meinen Gängen durch die Stadt halte ich stets Ausschau nach dem Mann. Ich forsche nach, wer er gewesen sein könnte. Eines Tages bricht meine Welt zusammen, welche Enttäuschung...der Mann ist tot.
Ich finde keine Ruhe und forsche weiter, der Keim der Hoffnung treibt mich an. Wohin ging sie? Mit wem ging sie fort? Fragen über Fragen, auf welche ich nur spärliche Antworten finde, hier in Suzail. Ich muss fort von hier.

Ich begann meine Ängste und meine Hoffnung in Gedichten zu kanalisieren. Es gibt Tage, an denen ich befürchte durchzudrehen. So allein fühle ich mich, dass die Gedichte meine Begleiter werden. Ich verliere mich in Tagträumen. Melodien weben sich um die Worte, meine Finger saugen die Töne gierig auf und schlagen die Saiten der Laute an. Die Lieder spenden mir Trost, doch mein Körper verlangt nach fester Nahrung. Ich trete in Tavernen auf, doch meine Lieder werden nicht gern gehört in den lauen Sommernächten. Das gemeine Volk verlangt nach fröhlichen Liedern, die Tavernenbesitzer auch, denn fröhliche Kunden verweilen länger und ihre Zeche ist höher. Kaum genug zum Überleben verdiene ich. Ich treffe andere Künstler, lerne Tanzen mit Schleiern und das Rezitieren von Sagen und Legenden. Dies hilft mir gerade eben meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine feste Bleibe habe ich nicht. Der Kern der Hoffung treibt mich weiterhin um. Das Schicksal meiner Mutter und ihrer Gefährten bestimmt meinen Tagesablauf. Ich ziehe von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt, um Erkundigungen einzuholen, um Gewissheiten zu erlangen, um die Hoffnung zu nähren.

In Wheloon stehe ich vor den kalten, abweisenden Mauern einer einst prächtigen Villa. Ich verharre stundenlang vor dem Gebäude, vor meinem inneren Auge werden Szenen aus glücklichen Tagen lebendig. Hier war ich zuhause. Die Stimme meiner Mutter, ein fröhliches Lied singend, jemand repariert zum Klang ihres Liedes ein Fenster am Haus. Rauch steigt aus dem Schornstein, es duftet nach Kuchen. Drinnen necken sich zwei Leute.
Der Regen und die Nässe, welche meine Kleidung durchdringt, holen mich in die Wirklichkeit zurück. Grau ist das Gemäuer.

Es wird Winter. Die Kälte weicht nicht mehr aus meinen Knochen. Der eisige Wind pfeift zwischen den Häusern von Abendstern hindurch. Ich bin müde und lehne mich an die Wand eines Gebäudes. Ein Schatten fällt auf mein Gesicht, zwei goldene Augen blicken mich aus dem Dunkel unter einer Kapuze an. Ich fürchte mich nicht, es ist mir egal, was nun geschieht.
Die Gestalt spricht mit einer samtenen Stimme zu mir, die sich um mich legt wie ein warmer Mantel. Er ist kultiviert und höflich, stellt sich mir als Graf Strahd van Zarovich vor. Gebieter über ein fernes Reich, gerade auf der Durchreise und wichtige Geschäfte abschließend sei er. Er spricht von Ruhm, Reichtum und Anerkennung, von der Macht des Wortes und der Musik. Er sähe eine güldene Zukunft vor mir. Ich lache bitter und ringe mit den Tränen. Er findet tröstende, verheißende Worte. Er könne mir die Welt zu Füßen legen, der Preis sei nicht hoch. Loyal müsste ich ihm gegenüber sein und ihm meine Liebe als Pfand überlassen, dann wolle er dafür sorgen, dass ich die besten Schulen besuche und eine umfassende Ausbildung bekäme, welche mir die goldenen Pforten der Welt offenbaren würde. Meine Sinne wirbeln um mich her, seine Worte umfangen mich, lullen mich ein. Ich spüre ein tiefes Verlangen, ihm nachzugeben. Ich willige ein. Er nimmt meine Hand, zieht seine feinen Handschuhe aus, umschließt meine kalte Hand mit seinen Händen, führt sie zu seinen Lippen. Ein kurzer, heißer Schmerz durchfährt mich. Er lächelt, seine Zähne schimmern im trüben Licht der Laterne. Ist das ein Tropfen Blut am sonst makellosen Weiß der Zähne? Ich blicke auf meine Hand. Ein Tropfen Blut tropft vom Handgelenk in den Schnee. Nun sei unser Pakt besiegelt, sagt er. Ein Teil meines Geistes warnt mich, etwas stimmt nicht an dieser Szene, doch ich kann nicht zum Kern dessen vordringen, was jenseits des einlullenden Schleiers liegt. Er bedeutet mir ihm zu folgen, was ich gehorsam tue. Was ist schon die Liebe? Ich spüre nur Sehnsucht in mir. Was mir das Leben bisher bot, bietet keinen Platz für die Liebe.

Die nächsten Jahre verbringe ich an seiner Seite und in den besten Schulen des Landes. Mein musikalisches Talent wird ausgebildet, meine Stimme verfeinert. Ich trage nun den Titel „Bardin“. Wie in Trance lebe ich, der Gedanke an unseren Pakt ist längst aus meiner Erinnerung entschwunden. Er ist mein Gönner, mein Mätzen. Er öffnet mir die goldenen Tore der Welt. Nach meiner Ausbildung trete ich in den besten Etablissements auf. An einem Abend spiele ich soviel Gold ein, wie zuvor mein ganzes Leben lang nicht. Ich lerne einflussreiche Leute kennen: Kaufleute, Politiker, Offiziere, feine Damen und Künstler. Mein Leben ist ein Triumph, ein Rausch der Sinne. Mit meiner Stimme ziehe ich das Publikum in meinen Bann. Männer hatte ich viele, doch keinen liebte ich, zu sehr war ich im Ruhm meines Gesanges gefangen.

Tag um Tag vergeht auf diese Weise, bis eines Abends mit einem Schlag alles beendet ist. Im Publikum stand er. Ein hellblonder Jüngling von attraktiver Gestalt, mit feinen Gesichtszügen. Seine leicht gewellten Haare umrahmen seine großen, herbstfarbenen Augen, ein zartes Lächeln liegt auf seinen Lippen. Sein Blick trifft meinen Blick. Etwas in mir zerbricht, der Schleier der Hybris wird von mir genommen, er scheint direkt in mein schmerzendes Herz zu schauen, und gleichermaßen in meine verwundete Seele. Was ich vergessen glaubte fördert er mit einem Blick zu Tage, und spendet dabei Trost und Hoffnung.
Nach der Vorstellung spricht er mich an. Welch wohlklingende Stimme! Seine Hand ist warm und trocken, als sie über meine Wange streicht. Ich spüre, wie ich ihm verfalle, mich von ganzem Herzen in ihn verliebe. Ein kurzer Moment des Glücks, ein leidenschaftlicher Kuss, tiefe Blicke, unendliche Geborgenheit...und dann die schreckliche Gewissheit, dass ich ihn verlieren werde. Er, der mir wie ein Lebenselixier erscheint, ein Seelenverwandter, ist doch zugleich mein Untergang. Ein Opferlamm...für meinen Ruhm. Ich schluchze fürchterlich, bin von Krämpfen geschüttelt, er blickt mich fragend an, ich stammele Erklärungen. Er nickt, sein Blick von tiefer Trauer erfüllt. Und schon spüre ich IHN nahen...den Grafen. Unerbittlich reißt er uns auseinander, packt den Liebsten, trägt ihn fort. Ein letzter verzweifelter Blick voller Liebe, dann ist er fort.
Er ist schuld.

Ich hasse ihn! Will das Band zerschneiden, welches ihn mit mir und mich mit ihm verbindet. Doch schon wird mir bewusst, dass er mich nicht in Ruhe lassen wird. Auch wenn er fern scheint, auch wenn seine Geschäfte ihn zu binden scheinen, wird er nicht ruhen und stets ein Auge auf mich haben. Ich verfluche ihn, während ich
schluchzend zusammen breche. Ich kann tagelang nichts essen, will nicht mehr leben und kann doch nicht sterben, weil er mich irgendwie am Sterben hindert. Ich nehme all meinen Mut zusammen, um ihm zu trotzen. Etwas in mir flüstert, dass nur der Tod das Band durchschneiden kann, was mich an ihn bindet. Mit meinem Dolch schneide ich mir tief in den Unterarm und betrachte voller Faszination, wie der Strom meines Lebens aus mir herausrinnt. Schon wird mein Körper leicht, ich höre ihn fluchen und lächele still in mich hinein. Ich fröstele, höre seine Stimme kaum noch und fühle mich frei. Eine andere Stimme tritt in mein Unterbewusstsein, eine Melodie aus Kindertagen summend, vertraut, warm...sie bringt eine Saite in mir zum Klingen. Sie lockt mich aus der Dunkelheit, ein Schauer durchfährt meinen erkaltenden Körper, etwas in mir begehrt auf. Ich kann noch nicht aus dem Leben scheiden! Panik erfasst mich, die liebevolle Stimme wird leiser.
Ein Krachen holt mich zurück aus dem Traum in die Wirklichkeit des Wirtshauszimmers. Zerborstenes Holz fällt auf meinen am Boden liegenden, zitternden Körper. Aufgeregte Stimmen, jemand nimmt mich in seine starken Arme und trägt mich fort. Alles dreht sich um mich her und meine Sinne schwinden.
Ich erwache. Das freundliche, besorgt und zugleich erleichtert schauende Gesicht der Wirtin ist über mich gebeugt. Ein junger, kräftiger Kerl steht neben ihr, ihr Sohn vermute ich. Sie päppelt mich auf und nimmt mich in den Kreis ihrer Familie hinein.

Im Fiebertraum der langsamen Genesung erzählt mir Alexander von sich. Mein Körper heilt schnell, doch meine Seele ist krank.
Alexanders Geschichten strotzen vor Zorn und Kraft. Ich sauge seine Worte gierig auf. Einmal sehe ich ihn ohne Hemd. Zunächst dachte ich, meine noch schwachen Sinne narrten mich, als ich seine Tätowierung sah. Ein seltsames, verschnörkeltes Zeichen, einer Rune ähnlich, wie auch ich eines am Leib trage. Ich kann sein Zeichen lesen, obwohl ich diese Sprache nie bewusst gelernt habe. Ich lächele still vor mich hin und nehme mir vor, seine Geschichte aufzuschreiben, weil wir aus dem selben Ursprung entstammen. Das Schicksal führte mich zu einem weiteren Nachkommen der Greifen der Dämmerung.

Vielleicht ist dies der Beginn einer besseren Zeit.
Vielleicht werde ich ihm morgen mein Zeichen zeigen.
Vielleicht sind dort draußen noch mehr Sprösslinge der Greifen.
Vielleicht werden wir uns kennen lernen und etwas über den Verbleib unserer Eltern herausfinden.

Vielleicht wird am Ende doch noch meine Hoffnung über die Ausweglosigkeit triumphieren.
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #7 am: 10. Oktober 2007, 21:19:21 »
PROLOG

Dies ist die Geschichte der Greifenbrut. Im Eleasias des Jahres der Blitzstürme 1374 machen wir uns auf, um das Schicksal unserer Eltern und ihres letzten geheimnisvollen Auftrages zu ergründen.
Wir machen uns auf die Suche nach unserer Vergangenheit, denn wir alle wurden jung an Jahren von einer höheren Macht oder dem Schicksal unserer Wurzeln beraubt, als unsere Eltern, allesamt Mitglieder einer legendären Abenteurergruppe mit dem Namen „Die Greifen der Dämmerung“ auf eine mysteriöse Reise geschickt wurden, von der sie niemals zurückkehrten.
Sehr unterschiedlich ging das Schicksal bis zu unserem ersten Treffen mit uns um, viele unterschiedliche Wege schlugen wir ein. Den einen traf es günstig, den anderen ereilte ein übles Los in seiner Kindheit und Jugend. Doch allesamt überlebten wir, um nun in die Fußstapfen unserer berühmten Eltern zu treten und aufzuklären, was ihnen vor zwanzig Jahren widerfahren ist.
Alles begann mit einer magischen Botschaft, geschickt von Garons und Elenyas Mutter, welche die Jahrzehnte gespeichert in einem schwarzen Diamanten überdauerte und uns zusammenführte. Ein jeder von uns vernahm die Stimme seines Elternteils, welche uns in die Hauptstadt Cormyrs, Suzail, rief. Wir sollten uns dort am 13. Eleasias im Gasthaus „Blinder Basilisk“ einfinden. Unser einzigartiges Hautmal, in Form einer runenartigen Tätowierung, würde uns leiten. Zudem erhielt ich ein Päckchen, in welchem sich besagter schwarzer Diamant, sowie ein neunzackiger, aus Metall gefertigter Stern, befanden. Die Spitzen des Sterns lassen sich nach innen klappen. Als ich den schwarzen Diamanten in meine Hand nahm, begann etwas in seinem Inneren zu pulsieren und zu wirbeln. Meine Haut begann zu kribbeln und mich durchströmte, ausgehend von meiner Tätowierung eine machtvolle Energie, welche ein verborgenes, uraltes Wissen in mir freisetzte.
Ich rief Alexander herbei und legte den magischen Stein in seine Hand. Auch er hatte die magische Botschaft vernommen, und auch mit seinem Hautmal geschah etwas.
Einen langen Moment verharrten wir, gebannt beide die Finger auf dem schwarzen Stein ruhend, versunken in der Vergangenheit, träumend von einer Zukunft, welche Besseres verheißen könnte als das, was die Vergangenheit für uns beide bereitgehalten hatte.

Nachdem wir das neue Gefühl der Verbundenheit ausgekostet haben, breche ich das Schweigen, die wortlose Verständigung zwischen uns und bestimme, dass wir am nächsten Tag unsere Habe zusammenpacken und nach Suzail reisen werden. Wenn meine Nachforschungen über meine Vergangenheit richtig sind, so sollten zumindest noch vier weitere Nachkommen der Greifen existieren. Wir sind beide gespannt, ob außer uns noch jemand zu dem Treffen erscheinen wird und falls ja...wer diese Leute sein werden.
Ich fühle mich euphorisch wie seit Jahren nicht mehr. Ich hege die stille Hoffnung, welche ich nicht laut auszusprechen wage, dass ich endlich eine Art Familie finden werde. Dass sich die Nachkommen der Greifen der Dämmerung zu einem festen Band verschmelzen werden, welches mich einen Sinn im Leben erkennen lässt, welches mich stark und vertrauensvoll genug machen wird, mich endlich von IHM lossagen zu können.
Zu Alexander sage ich nichts diesbezüglich. Er hat einen starken Beschützerinstinkt mich betreffend entwickelt und wird sehr rasch wütend, wenn die Rede auf den Grafen kommt. Am liebsten würde er dem gnädigen Herrn mal so richtig die Fresse polieren. Bislang konnte ich ein Aufeinandertreffen der beiden Männer verhindern. Ich hoffe inständig, dass ich dies weiterhin bewerkstelligen kann, denn auch wenn Alexander ein enorm starker und mutiger Kerl ist, weiß ich, dass er es mit den Kräften des Grafen nicht aufnehmen kann. ER würde Alexander wie eine Made vernichten. Ich schaudere bei dem Gedanken und schiebe ihn hastig von mir.
Ich öffne mich wieder dem euphorischen Gefühl, was mich beim Gedanken an etwaige weitere Nachkommen der Greifen überkommt. Ich bin wahnsinnig gespannt, auf wen wir in Bälde treffen werden.
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #8 am: 11. Oktober 2007, 14:05:00 »
Interessante Geschichte mit interessanten Charakteren. Mir ist nur aufgefallen, dass du manchmal innerhalb eines Absatzes die Zeit wechselt, so wird das Ganze schwierig zu lesen und in sich nicht mehr schlüssig.
Ansonsten gut!
"die untoten Drachen werden die Welt beherrschen"

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #9 am: 11. Oktober 2007, 15:14:53 »
Danke.

Für die Hintergründe sind die Chars/Spieler verantwortlich, innerhalb des Geschichte kommen glaube ich keine grammatikalischen Zeitwechsel mehr vor...
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Gerthrac

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« Antwort #10 am: 13. Oktober 2007, 17:48:09 »
Ich finde die Story auch interessant, die Charaktere haben sehr viel sehr guten Hintergrund.

Und motivierend zum Lesen ist auch, dass ich die ganze Zeit nach Anleihen aus meiner SH suche und herumrätsele :wink: .

Zechis SH ist vorhanden: Greifen der Dämmerung, Nexus wird namentlich erwähnt.

Höchstens der Name Gethac scheint meinem zu ähneln.

Arkos

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« Antwort #11 am: 13. Oktober 2007, 22:22:50 »
Gethac war ein Char in einer meiner Runden von vor 4-6 Jahren (so um den Dreh)  :roll:
Ich glaube aus deiner SH hab ich nichts geklaut, sorry wenn ich dich enttäuschen muss  :P
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Arkos

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« Antwort #12 am: 18. Oktober 2007, 11:42:49 »


SUZAIL, 10. ELEASIAS 1374
Im Licht der späten Nachmittagssonne kann der Wirt Reinhard Utzel zunächst nur einen riesigen Schatten ausmachen, der annähernd die gesamte Tür ausfüllt. Verwirrend, dass eine leise, tiefe Frauenstimme ihn begrüßt..."Sei gegrüßt, Wirt des Blinden Basilisken." Der große Umriss tritt vollständig in das Halbdunkel der luxoriösen Taverne hinein und nun stellt der Wirt erleichtert fest, dass der Schnaps vorhin keine Sinnestrübung hervorgerufen hat, sondern es sich um zwei Fremde handelt, die seine Schenke betreten. Hinter dem massigen, finster dreinschauenden Mann kommt eine zierliche, in dunkle Reisekleidung gehüllte Frau zum Vorschein. Der Typ baut sich in beschützender Haltung vor dem Tresen neben der zierlichen Frau auf und beäugt den Wirt misstrauisch.
"Seid ebenfalls gegrüßt, Reisende. Womit kann ich dienlich sein?"
Wieder spricht die Frau mit ihrer melodischen Stimme:"In drei Tagen erwarten wir einige Freunde hier, um ein Familienfest zu begehen. Bis dahin benötigen mein Freund und ich zwei Zimmer." "EIN Zimmer...", brummt der wenig bekleidigte Fleischberg mit beschwörendem Blick auf die junge Frau.
"Nungut... EIN Zimmer dann eben." willigt die sehr bleiche Fremde mit den langen, glatten blauschwarzen Haaren lächelnd ein."Ich heiße Lily Weg und bin Bardin. Vielleicht würde es Euch gefallen, wenn ich Eure Gäste mit meinem reichen Repertoire erfreue, solange unsere Freunde noch nicht angereist sind." "Warum nicht, ich habe zwar Musikanten, aber gewiss wird sich da mal ein Stündchen einschieben lassen." "Ein Stündchen?!", ruft die Frau namens Lily empört aus. "Nunja, woher sollt Ihr auch wissen, welche Perle Obdach unter Eurem Dach begehrt. Ich werde Euch eine kleine, kostenlose Hörprobe geben, damit Ihr besser versteht, welches Angebot ich Euch mache." Die Kraft der Stimme der Bardin allein hätten wohl genügt, um den Wirt einwilligen zu lassen, doch der einschüchternde Blick ihres riesigen, ebenfalls dunkelhaarigen Begleiters, der gelangweilt seinen mächtigen Zweihänder aus der Scheide zieht, tun ihr Übriges zu seiner Entscheidung. Die Frau Namens Lily Weg setzt mit katzenhafter Anmut ihren Rucksack ab und holt eine Laute hervor, die sie zärtlich berührt. Aus dem Nichts formen sich Töne zu einer lebhaften, melancholischen Melodie, die Stimme der Frau ergänzt diese zu einem in Bann ziehenden Gesamtwerk. Wie gebannt schaut Reinhard der zierlichen Frau zu, wie sie ihre Laute spielt, wie sich ihr Blick entspannt, ihre Augen in eine Ferne rücken, an einen Ort, den wohl nur sie kennt. Die Musik rührt an seinem Herzen, an seiner Seele, ihm scheint, er hat so etwas Schönes noch nie gehört. Im Augenwinkel nimmt er wahr, wie sich sein Personal rund um die Theke versammelt, alle andächtig der stimmgewalt dieser zierlichen Frau lauschend, die es vermag Melodien zu weben wie kein anderer Künstler es vorher im blinden basilisken gekonnt hätte. Die letzte Note des Liedes klingt noch nach, sie scheint für einen Moment in der Luft zu hängen, fast greifbar für das Publikum. Verstohlen wischt sich seine Gattin eine Träne von der Wange. Zögernd wird leise Beifall geklatscht, als hätten alle Anwesenden Angst, den Zauber zu brechen, der durch das Lied in diesen Tavernenraum trat.

"Bin ich engagiert?", fragt die Künstlerin. "Ob Ihr...ähm...ja natürlich! Eine Ehre isses mir, wenn Ihr hier auftretet!" "Was ist mit Essen und dem Zimmer?", will der Mann knurrend wissen. "Natürlich sind Kost und Unterkunft frei für euch beide.", beeilt sich der Wirt zu sagen.
"Wo?", möchte der Hüne nun wissen. "Euer Zimmer ist im ersten Stock, Nummer 7, das beste, was wir haben." Der Wirt reicht dem Mann den Zimmerschlüssel, woraufhin dieser sich bückt, alle Gepäckstücke aufhebt und sich der Treppe zuwendet. "Kommst du? Oder muss ich dich auch noch tragen?" , wendet er sich seiner Begleiterin zu. Lächelnd eilt sie ihm hinterher.
Als die beiden außer Sicht sind, schüttelt der Wirt ungläubig den Kopf. Was für ein seltsames Paar! Eine so zierliche, feinfühlige und gepflegte Frau und dieser nachlässig gekleidete, derbe, massige Kämpfer...wie die beiden wohl zueinander gefunden haben? Vielleicht ergibt es sich, die Frau mal allein zu sprechen, sie scheint zugänglicher zu sein, vielleicht erzählt sie ihm die Geschichte. Einstweilen bleibt er neugierig und weist seine Magd an, reichlich Essen vorzubereiten für die beiden Fremden.
Kurz darauf kommen die beiden hinunter. Sie trägt nun ein Gewand aus Blauschwarzem Samt, ihre Haare nicht länger durch ein Lederband gebändigt, sondern offen über ihre blassen Schultern fließend, er hat sich ein sauberes, schlichtes beiges Leinenhemd und eine braune Lederhose angezogen. Auch sein halblanges Haar trägt er nun offen. "Herr Wirt, Alexander und ich würden nun gern eine Kleinigkeit essen, wenn es möglich wäre." "Was soll das heißen, Lily? eine Kleinigkeit??? Ich habe Hunger wie ein Bär! Seit dem Frühstück gab es nichts mehr, wird Zeit für eine ordentliche Portion Fleisch. Sowas habt ihr wohl, oder Wirt?"
"Selbstverständlich, ich gab der Küche bereits Anweisung etwas bereitzustellen, nehmt im Speisesaal Platz, es wird gleich serviert."
"Ein großes Bier hätt ich dann gern zum Essen.", fordert der Barbar mit Nachdruck. "Und Ihr werte Dame?" "Einen Rotwein für mich." Das Essen wird aufgetragen und neugierig lugt das Personal um die Ecke: Sie isst winzige Mengen und nippt zwischendrin dauernd am Wein. Er hingegen verschlingt Berge von allem, was aufgetragen wurde. Zwischendrin ermuntert Alexander schmatzend und Bier schlürfend seine Begleiterin, nun endlich mal ordentlich zuzulangen. Doch sie lächelt nur still und scheint mit winzigen Bissen vorlieb zu nehmen. Schließlich zuckt der massige Kerl hilflos die Achseln und verleibt sich auch noch den Teller der Bardin ein. Danach stößt er leise auf, entschuldigt sich dennoch höflich bei seiner Freundin und bestellt ein weiteres Bier.

SUZAIL, 13. ELEASIAS 1374
Seit drei Tagen sind Alexander und ich nun hier. Sofort nach unserer Ankunft und der ordnungsgemäßen Meldung bei den Stadtwachen, bezogen wir Quartier im „Blinden Basilisken“. Abends trete ich vor dem recht gut situierten Publikum der Herberge auf, um unseren Aufenthalt hier zu finanzieren.
Ich bin aufgeregt und Alexander hat mindestens fünfmal meine Hand aus meinem Gesicht gehauen, weil ich wieder an meinen Nägeln kaute.
Nun sitzt er neben mir, wirft mir gelegentlich einen missbilligenden Blick zu und grunzt mich an, sobald meine Hand sich meinem Mund nähert, während er die Unmengen Essens auf den drei vor ihm befindlichen Tellern vernichtet...
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Arkos

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« Antwort #13 am: 18. Oktober 2007, 11:46:45 »
Hintergrund Evendur eingefügt, die Spielerin von Elenya hat leider keinen Hintergrund verfasst
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Arkos

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« Antwort #14 am: 29. Oktober 2007, 23:14:16 »
So heute hat das letzte Kapitel des Abenteuers begonnen, nach der letzten Session hatten wir einen Toten zu beklagen.

Die Gruppe war zu diesem Zeitpunkt in Besitz von 2 Schriftrollen:
1. Tote wiedererwecken
2. Wiederbeleben

Unsere Klerikerin ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Grad 5 Zauber zu wirken und patzt bei der ersten Schriftrolle. Mit Wiederbeleben hat es dann geklappt
 :roll:

Jetzt haben wir einen...



...dabei!
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

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