Autor Thema: Eisfall  (Gelesen 870 mal)

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Eisfall
« am: 25. November 2008, 21:24:20 »
Unser Beitrag zur Story Hour.

EISFALL
Prolog - Die Nachtwache

Das Feuer prasselte friedlich vor sich hin – knisternd und lodernd brach es das Holz. Volkh legte noch einen weiteren Scheit in die Glut. Er ging um das Feuer herum und verbarg die Hände in seinen Pelzen. Wenn die Sonne in diesen Gefilden erstmal unter den Horizont gesunken war, konnte es bitterkalt werden. Dies war eine jener Nächte. Der Hüne griff nach der Flasche an seinem Gurt -  Branntwein, sein Lebenselixier – ohne ihn hätten in der Schnee und die Kälte schon lange niedergerafft, so glaubte er. Missfällig betrachtete er Falkan. Er wunderte sich, wie der Hungerhaken von einem Mann bei diesem Wetter so seelenruhig schlafen konnte. Vielleicht war er ja auch schon erfroren? Ein Schluck Branntwein hätte ihm wahrscheinlich besser getan – mehr für mich, dachte sich Volkh. Ein Schluck für den Kameraden und ein Schluck für die Götter. Der Mann goss einen Schwall hinab in den Schnee. Langsam ging er auf Falkan zu. Er würde gleich sehen, ob sein Gefährte schon eine gefrorene Leiche war oder im Reich der Träume weilte. Volkh überlegte. Am besten ginge er auf Nummer sicher. Er holte mit dem Stiefel aus. Falkan würde das sicherlich nicht stören, wenn sein Blut schon lange erkaltet war...

Einen Augenblick später hörte man einen dumpfen Aufprall, gepaart mit einem Schmerzensschrei. Dornröschen ist aufgewacht, dachte sich der Hüne gehässig. „Besser als tot!“, höhnte er.
„Heh?“, stöhnte Falkan im Halbschlaf. „Boah, mein Bauch tut weh... hast du mir schon wieder einen Tritt verpasst! Wie oft muss ich dir versoffenem Trottel noch sagen, dass du mich auch wach rütteln kannst?“, knurrte er.
„Ich wollte mich nicht bücken.“ Volkh nahm noch einen Schluck.
„Verdammt, du säufst ja tatsächlich schon wieder! Kannst du mir mal sagen wie du in betrunkenem Zustand die Nachtwache vernünftig durchhalten willst?“
„Ich trink doch keine Pisse wie so ein beschissenes Schweinsauge!“, sagte Volkh voller Verachtung.
„Meinst du ein Ork? Das ist mal wieder sehr intolerant ausgedrückt.“, meine Falkan nur mit rollenden Augen.
„Was willst du, Wassersäufer? Redet der Herr wieder in der feinen Sprache? Du kannst dir dein in-toll-e-rant sonst wo hin stecken!“
„Immerhin weiß ich was Sprache ist.“
„Willst du noch einen Tritt?“
„In deinem Zustand triffst du doch nicht mal mehr ein Wasserfass.“
Volkh verzog angewiedert das Gesicht. „Wozu Wasser, wenn man Branntwein hat?“, schnaubte er.
„Ich wette Branntwein ist das einzige Wort, welches du richtig buchstabieren-“
„WAGE ES WEITERZUSPRECHEN UND ICH RAMME DIR MEINEN STREITKOLBEN BIS ZUM ANSCHLAG IN DEN-“ Plötzlich knallte ihm ein Helm ins Gesicht – es war sein eigener.
„RUUUUUUUUHE!“, ertönte es lautstark im ganzen Wald. Oh oh, dachte sich Falkan: Das Fräulein ist aufgewacht. „Könnt ihr beiden stinkenden Söldnerschweine nicht mal eine Nacht, eine einzige, verdammte Nacht aushalten ohne euch gegenseitig anzukeifen und die Rübe einzuschlagen?“ Die Worte trafen Falkan härter als je ein Tritt seines Kameraden. Er und stinkend?
„Wenn ihr weiter so brüllt, Weib, dann macht ihr noch diese häßlichen Orkse auf uns aufmerksam.“ grunzte Volkh.
Ein böses Funkeln war ihre einzige Antwort und sie genügte. Volkh versuchte ihrem Blick auszuweichen. Zu seinem Glück wendete sie sich wieder Falkan zu. „Übernimm du den Rest der Nacht. Sonst kippt Volkh noch betrunken in den Schnee und erfriert - und wir mit ihm, wenn uns die Orks nicht vorher gefunden haben.“
Falkan nickte. Die eingebildete Ziege ging ihm allmählich auf den Geist. Wenn sie nicht so hübsch gewesen wäre, hätte er sie im letzten Dorf schon lange zurück gelassen.
„Und wenn ihr mich diese Nacht noch ein Mal wecken solltet, dann schmeiße ich-“, sie zeigte auf Volkh, „-deinen Branntwein-“, dann zeigte sie auf Falkan, „-und deine Duftwasser ins Feuer!“
„Schon gut, schon gut Alena, wir haben es schon verstanden.“ Kurz blickte er zu Volkh. „Ich hoffe es zumindestens.“
„Brauchst mich gar nicht so anzugucken. Ich bin nicht so hohl in der Birne, wie du vielleicht-“ Volkh verstummte mitten im Satz. Falkan hob eine Braue. Nicht so hohl in der Birne, was? Bei dem angestrengten Gesichtsausdruck, den der Krieger aufgesetzt hatte, würde er seinen Satz morgen früh noch nicht vollendet haben. Er war hoch amüsiert.Alena blickte sich kaum merklich um. Sie hatte eine bedachte Miene aufgesetzt. Dann wurde es Falkan klar: Volkh muss etwas gehört haben! Blitzschnell war er auf den Beinen, doch nicht flink genug. Mit einem gewaltigen Satz wälzte sich ein Leib in das improvisierte Lager. Funken und Asche wirbelten herauf, als der Körper durch das Feuer stob. Geifernd warf sich die Kreatur gegen Volkh und nur die Sterne wussten, wessen Blut vergossen werden würde. Branntwein ergoss sich in den Schnee...


Bei guter Reputation gibt es mehr. Bitte nur ehrliche (ungeschönte) Kritiken.

(von) Simon & Tarantar

Edit: Rechtschreibfehler
« Letzte Änderung: 25. November 2008, 21:35:26 von Simon_the_Sorcerer »

Topas

  • Mitglied
Re: Eisfall
« Antwort #1 am: 27. November 2008, 20:51:43 »
Ich fand den Anfang sehr nett, aber eine gute Reputation habe ich trotzdem nicht zu bieten.
Immense harm is caused by the belief that work is virtuous.
- Bertrand Russel