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Autor Thema: Trilogie der Dunkelheit: Cormyr (Buch I)  (Gelesen 27888 mal)

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Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #60 am: 23. Dezember 2007, 17:09:23 »
6. ELEINT
Am späten Morgen kommt einer der Leibwächter des Häuptlings in unsere Hütte. „Heil euch Haarige. Kessessek ist nun bereit euch zu empfangen.“ Wir folgen der Echse zur Hütte des Stammesführers.

„Ich grüße euch Haarige! Ich danke euch für die Rückführung meiner Gefährtin Ashala in meine Arme. Berichtet nun, was ihr gefunden habt und welche weiteren Pläne ihr habt.“
Wir erzählen ihm alles über den Zustand der Burg und das vorgefundene Portal. Der Häuptling hört aufmerksam zu. Als wir um mehr Informationen bezüglich des auf den Karten eingezeichneten Klosters bitten, blockt er jedoch ab. „War Gebiet der Giftgünstlinge. Kessessek weiß nichts darüber.“ „Dann lasst einen der Giftgünstlinge herholen, der uns mehr verraten kann“, fordert Evendur. Mit einem knappen Nicken seines geschuppten Kopfes gibt der Häuptling einer seiner Leibwachen ein Zeichen. Dieser verlässt die Hütte. Ich ergreife das Wort: „Kessessek, es wäre sehr hilfreich, wenn Ihr uns einige eurer Männer zur Seite stellen würdet, da die Zahl der Gegner groß ist.“ Und Garon ergänzt, als er sieht, dass Kessessek meinem Vorschlag eher ablehnend begegnet: „Falls wir die Feinde nicht von innen heraus besiegen, wird ein nicht abreißender Strom dieser Kreaturen das Land – auch euer Land – überschwemmen.“ Dankbar lächele ich den Magier an und führe seinen Gedanken weiter: „Entsendet Schwarzgeschuppte, um die Festung und das Portal zu bewachen. Sie könnten gegebenenfalls Gegner töten, die einzeln durch das Portal kommen.“

In diesem Moment kommt die Leibwache zurück, im Schlepptau einen der Giftgünstlinge. Garon fragt ihn auf Drakonisch nach dem Kloster und übersetzt uns die Antwort der Echse. „Er behauptet es gäbe dort kein Kloster, sondern nur einen tiefen See.“ Wir blicken uns ratlos an. „Möglicherweise liegt das von uns gesuchte Kloster gar nicht in unserer Welt, sondern auf der Ebene der Schatten“, mutmaßt Garon nach kurzem Überlegen. Danach faselt er etwas von Schattenebene, Auswirkungen auf unsere materielle Ebene, magischen Knotenpunkten und vielerlei mehr, was keiner von uns recht versteht. Als Kessessek ihn ungehalten unterbricht, weil er kein Wort verstünde, übersetzt es der Magier nochmals ins Drakonische. „Haariger redet Blödsinn!“, stellt der Häuptling nach Garons Redeschwall trocken fest. Evendur strahlt das Stammesoberhaupt an: „Danke, danke, danke!“

„Um noch mal auf die Unterstützung zurückzukommen“, sagt Alexander, „Seid Ihr sicher, dass Ihr uns keine Leute zur Verfügung stellen wollt?“ Dabei baut er sich drohend vor Kessessek auf, doch dieser bedeutet seiner Leibgarde, statt der Drohung nachzugeben, unmissverständlich uns hinauszubegleiten. Die Audienz ist offenbar beendet.
Im Freien angekommen diskutieren wir unsere Lage. „Was nun? Sollen wir ohne Unterstützung durch das Portal gehen?“, will Galmor wissen. Überrascht schauen wir ihn an. „Dann bleibst du bei uns?“, frage ich im Gegenzug. „Naja, auch wenn mich gewisse Leute hier als Bauer bezeichnen, so habe ich das Gefühl, dass mein Weg der eure ist und wir zumindest ein Stück weit gemeinsam reisen. Ich bin euch von dieser familiären Geschichte ganz abgesehen, zu Dank verpflichtet. Und außerdem möchte ich einem gewissen Magier gern zeigen, dass ich kein Bauer bin.“antwortet er grinsend. „Schön, ich freue mich, dass du uns begleitest“, lächelt Elenya.

Garon übergeht diese Äußerungen. „Wie auch immer. Durch das Portal zu gehen würde unsere Aufgabe vorantreiben. Wir könnten sie natürlich auch aufgeben.“
„In der Tat wäre es hilfreich, wenn ihr durch das Portal ginget, kleine Lily. Während deine Gefährten dort drüben vermutlich über kurz oder lang sterben würden, könnten wir beide zu mehr Macht gelangen. Du müsstest dich mir nur endlich vollends hingeben und dich nicht gegen mich wehren.“

Ich fröstele und versuche meinen Geist gegen seine Impertinenz zu verschließen. Alexander, der mich mit mir selbst ringen sieht, äußert sich skeptisch: „Na ich weiß nicht, die passen uns bestimmt auf der anderen Seite des Portals ab und töten uns, wenn wir da einzeln durch müssen.“ Sein Halbbruder erwidert: „Ihr vergesst, dass die Leute auf der anderen Seite dauernd neue Rekruten erwarten.“ „Trotzdem bin ich dagegen. Lasst uns lieber einen Weg finden, das Ding zu zerstören.“, meint Alexander stur. Elenya grinst ihn an.

„Du hast Angst!“, stichelt sie.

Der Barbar schnaubt und seine Augen funkeln gefährlich. „Brüderchen, das ist das erste Mal, dass du einen Angriff planst. Glückwunsch!“ Elenya lässt nicht locker: „Du fürchtest dich, deshalb planst du.“ Alexander explodiert. „Dir werde ich zeigen, was Angst ist. Sei froh, dass du eine Frau mit geilem Arsch bist, sonst würde ich dich zum Duell fordern! Ich glaubs doch! Ich und Angst???? Lächerlich!“

Inmitten des Ausbruches sinniert Garon ruhig: „Sie werden uns als Extraplanare bezeichnen.“ „Extra.....was?! Egal, wir vernichten alles!“, pflichtet Alexander den Worten des Magiers bei. Garon, der die Ebenen studiert hat, teilt mit uns sein Wissen um die Gegebenheiten auf der Schattenebene. Er beginnt mit Erklärungen zur ewigen Nacht dort, der zunehmend stärker werdenen Kälte und endet mit Tatsache, dass Reisende auf dieser Ebene schnell jegliches Gefühl für Zeit verlieren.

Erfreut stellen wir fest, als wir schließlich abmarschbereit sind und uns von den Echsen verabschieden, dass uns Kessessek doch noch einen Trupp von 18 Schwarzgeschuppten zur Seite stellt, welche die Festung sichern sollen.
Nach stundenlangem Marsch kehren wir zur Burg zurück, wo wir in Ruhe eine für unbestimmte Zeit letzte Mahlzeit auf Faerûn einnehmen. Alexander kommt während des Essens ins Schwärmen. Mit vollem Mund fragt er in die Runde: „Wisst ihr, was mein Lieblingsessen ist?“ Schulterzucken und hilflose Blicke sind die Antwort. „Mein Leibgericht ist Haggus!“

„Haggus? Was ist das?“, will Elenya wissen.

Der große Kämpfer grinst sie lasziv an, bevor er nach einer kleinen Kunstpause antwortet: „Herz, Lunge, Leber, stopft man alles in einen Schafsmagen und kocht es ordentlich durch, das treibt die Tinte in den Füller!“ Als sie Elenyas irritierten Blick sehen, brechen Alexander und Evendur in schallendes Gelächter aus. Die Klerikerin und ich tauschen vielsagende Blicke aus, während Garon von all dem offensichtlich unbeeindruckt ist, denn er richtet sich lediglich auf, streicht seine aufwändig verzierte violette Samtrobe glatt und schreitet feierlich zum Portal. „Da wir nun alle gut gesättigt sind, sollten wir uns auf den Weg machen.“ Zu den Schwarzgeschuppten sagt er knapp: „Ihr da! Ihr kümmert euch um dieses Portal. Wer auch immer hier durch kommt, ist als Feind einzustufen und sofort zu eliminieren!“ „Mooooment, Garon“ , unterbricht ihn Evendur, „Vielleicht solltest du solcherlei Anweisungen in der Muttersprache der Echsen geben und sie zudem ein wenig präzisieren, wir wollen schließlich nicht, dass sie aus jedem, der durch das Portal kommt Haggus machen, sondern nur aus Wesen, die von der Schattenebene stammen.“ Alexander kichert und murmelt vor sich hin „Haggus ist gut!“ „Achja, richtig. Nun gut, ich werde deine Anmerkung berücksichtigen“, auf drakonisch richtet unser Gelehrter erneut das Wort an die Schwarzgeschuppten.
„Hoffentlich hat er diesmal das Richtige angewiesen“, unke ich unbehaglich. „Natürlich habe ich diesen Tieren nun die korrekten Instruktionen gegeben!“ erwidert der Magier ungehalten mit einem ärgerlichen Blick auf mich. Die Echsen verfolgen unsere Konversation gelangweilt und schlürfen ihre Suppe weiter. Ich hebe beschlichtigend die Hände und lenke ab: „Was ist nun? Wollten wir nicht hinüber auf die andere Ebene gehen?“


Wir packen unsere wenigen Habseligkeiten zusammen und treten durch das Portal in eine andere Welt. 
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Galmor

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #61 am: 25. Dezember 2007, 22:13:08 »
Also erstmal: frohe Weihnachten ;)

und hier " Ich hebe beschwmeint Garon genervt seufzend. " fehlt irgendwas, oder? (ist gegen ende des letzten posts zu finden)

Lily Weg

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #62 am: 26. Dezember 2007, 19:10:24 »
Zitat von: "Arkos"
Alexander kichert und murmelt vor sich hin „Haggus ist gut!“ „Achja, richtig. Nun gut, ich werde deine Anmerkung berücksichtigen“, ürfen ihre Suppe weiter. Auf drakonisch richtet unser Gelehrter erneut das Wort an die Schwarzgeschuppten. „Hoffentlich hat er diesmal das Richtige angewiesen“, unke ich unbehaglich. „Natürlich habe ich diesen Tieren nun die korrekten Instruktionen gegeben!“ erwidert der Magier ungehalten mit einem ärgerlichen Blick auf mich. Ich hebe beschwmeint Garon genervt seufzend. Die Echsen verfolgen unsere Konversation gelangweilt und schlichtigend die Hände und lenke ab: „Was ist nun? Wollten wir nicht hinüber auf die andere Ebene gehen?“


Wir packen unsere wenigen Habseligkeiten zusammen und treten durch das Portal in eine andere Welt. 


dieser letzte Abschnitt ist tatsächlich durcheinander geraten, Arkos :)

Kannst du das bitte richtig stellen?

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #63 am: 27. Dezember 2007, 12:22:36 »
done  :roll:
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Lily Weg

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #64 am: 27. Dezember 2007, 13:34:47 »
nicht ganz...."ürfen ihre Suppe weiter" heißt eigentlich: schlürfen ihre Suppe weiter ujnd sollte der letzte Satz sein. :P

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #65 am: 08. Januar 2008, 11:43:18 »



Das Gefühl des Hinübergleitens auf diese andere Ebene ist verwirrend. Der Raum um mich her schien sich einerseits endlos zu dehnen und sich gleichzeitig fürchterlich eng zusammenzuziehen. Ich schwebte durch eine Art Tunnel, voller Schatten und Fetzen von Licht und schwarz. Hypnotische Muster brannten sich hinter meinen Augenhöhlen in mein Gedächtnis ein und ich fühlte mich schwindelig und benommen, als ich in einem großen Saal, der dämmrig erleuchtet ist, zu mir kam. Der Saal ist das ruinenhafte, von huschenden Schatten belebte Abbild des Saales, den wir vor wenigen Augenblicken (oder Stunden? Tagen?) verlassen haben.

Die anderen sind auch schon anwesend und schauen sich ähnlich orientierungslos wie ich im Halbdunkel um. Alles ist grau und es ist unangenehm kalt. Alexander bricht das Schweigen. „Das ist alles hier ein Schatten dessen, was es einst war... .“ Andächtig nicken wir. Evendur rührt sich als erster und macht sich daran, den Portalraum zu untersuchen. Die Wände sind teilweise durchbrochen und man sieht draußen die graue, schwer fassbare Landschaft der Schattenebene, genauer gesagt des Sumpfes, der die Burgruine umgibt. Baumskelette stehen in brackigem Wasser, ihre tiefhängenden, blätterlosen Äste traurig auf die von Nebeln überzogene Erde streckend.

Die deprimierende Landschaft lässt uns innerlich frösteln. Einige Momente verstreichen, bevor wir uns aufraffen, um den Portalraum näher in Augenschein zu nehmen. Auch auf dieser Ebene existiert die schwere Eisentür und wir entdecken deutliche Fußspuren, welche von der hier hell glühenden Portalkugel aus in verschiedene Richtungen aus dem Raum führen. Evendur identifiziert die Abdrücke von Echsen, wenigen Humanoiden und dazwischen riesige Pranken, deren Spur deutlich hin zur Eisentür führen. Meine Neugier übermannt mich und ich wage einen Blick durchs Schlüsselloch. Ein jäher Schrei entfährt mir, als ich das Monster jenseits der Tür erblicke.
 
„Lass mal sehen“, ruft Garon und schiebt mich beiseite. „Lasst uns lieber schleunigst von hier verschwinden“, entgegnet der Kundschafter, „Diese Spuren sind mir eine Nummer zu groß.“ In diesem Moment wird Garon, der sich gerade zum Schlüsselloch hinbeugte, unsanft auf seinen Allerwertesten geworfen, von einem brachialen Schlag gegen die andere Seite der Eisentür. „Was auch immer sich dort aufhält“, sagt Elenya hastig, „scheint äußerst wütend zu sein und dein Schrei Lily hat es wohl auf uns aufmerksam gemacht.“ „Aber es ist doch eingesperrt...“, protestiere ich lahm. „Los, los Leute. Abhauen, schnell. Wer weiß, wie lange die Bestie da drinnen braucht, um die Tür einzuschlagen.“, warnt unser Kundschafter. „Aber es ist nichts mehr zu hören. Lasst uns erst mal hier in Ruhe nachdenken, wohin wir uns eigentlich bewegen möchten,“ rate ich meinen Gefährten. „Rwaaaaaaaaaaaaaaarrrrrrr!!!!“ tönt es in diesem Moment von einer der vorderen Türen her. Unsere Köpfe fliegen in Richtung des animalischen Brüllens, die Hände zucken instinktiv zu den Waffen und unsere Muskeln spannen sich. Wir sehen gerade noch, wie Alexander durch den Türrahmen springt und einen mächtigen Schwertschlag gegen irgendetwas ausführt, was wir noch nicht sehen können. So schnell wir können fassen wir uns und eilen ihm zur Hilfe. Im Heraneilen sehen wir, wie er auf eine riesige Bestie eindrischt. Unter den schlimmen Hieben des Kämpfers bricht die Kreatur zusammen. Bis wir atemlos neben ihm stehen, liegt das Wesen, welches ich unschwer als das Ding aus dem Raum hinter Eisentür identifiziere, regungslos und blutüberströmt vor Alexanders Füßen. Schnaubend dreht er sich zu uns um. „Was ist das?“, will er wissen und stößt das Monster angewidert mit seinem Schuh an. „Wenn ich es mir genau betrachte, dann scheint es sich um ein extraplanares Wesen, bösartiger Natur...“ Garons Rede wird unterbrochen, weil die offensichtlich tote Kreatur sich langsam wieder vom Boden erhebt und dabei bedrohlich knurrt und zischt. Der Barbar taxiert die im Aufstehen begriffene Kreatur kurz und holt sogleich zu einem weiteren, erbarmungslosen Schlag mit seinem mächtigen Zweihänder Schwert aus.
Glatt werden Kopf und Rumpf der Bestie voneinander getrennt. „Reicht das nun? Bist du endlich tot??? Mann! Sowas kann ich leiden.“ Mit diesen Worten tritt Alexander noch mal ordentlich nach und kickt den Kopf des Wesens mehrere Schritt weit von unserem Standort weg.

„Sicher ist sicher“, nuschelt er, als er die weit aufgerissenen Augen von Elenya und mir sieht. Garon blinzelt indessen kurz und schiebt seine Brille zurecht, dann schnipst er kurz mit den Fingern, murmelt einige kurze Worte und die frischen Blutflecken, welche durch das Köpfen der Kreatur verursacht wurden, verschwinden von seiner Robe. „Wo war ich? Ach ja...also es handelt sich um eine Kreatur, die ich in einem Buch über Extraplanare und Aberrationen gezeichnet und beschrieben sah. Dort wurde sie als Ghirrash bezeichnet.“ „Mir doch egal wie irgendwer dieses Ding nennt. Letztlich zählt nur, dass es tot ist, oder?“ Ich klopfe meinem starken Freund anerkennend auf die Schulter. „Genau“, stimme ich ihm zu, „Nun ist der Weg in den Turm frei, lasst uns schauen, was es dort gibt.“ „Die Tür ist verschlossen, Lily und soweit ich sagen kann, hat dieser Ghirrash keinen Schlüssel bei sich“, meint die Kelemvor Klerikerin, die mutig neben dem (hoffentlich) toten Körper des Wesens kniet. „Trotzdem werden wir zunächst den Turm untersuchen, da bin ich ganz Lilys Meinung. Dieses Ding muss ja irgendwie hierher zu uns gekommen sein. Folglich scheint es ein Loch in der Rückwand des Turmes zu geben, durch welches es außen herum zu uns gelangen konnte.“, bemerkt Evendur. „Naja“, werfe ich ungläubig ein, „da muss es aber verdammt schnell gewesen sein.“ „Oder es gibt mehrere solcher Kreaturen hier...“, gibt Elenya zu bedenken. „Glaube ich nicht. Die Spuren weisen lediglich auf diese eine Kreatur dieser Art hin.“ „Schön, Evendur kennt sich mit Spuren aus, dann lasst uns gehen“, schlage ich vor.

Wir verlassen die Mauern der verlassenen Zuflucht und wenden uns in Richtung des Turmes. Das Wasser in einem kleinen Bach, welchem wir zur Rückseite des Turmes und somit zur Behausung des Monsters, folgen, riecht faulig. Im Turm selbst raubt uns der Gestank nach Aas schier den Atem. An verschiedenen eisernen Haken hängen und liegen seltsame Wesen, die wie überdimensionale Frösche und wie Tiger mit vier Armen aussehen, deren Gedärme herausgezerrt wurden. Vom Quartier des Monsters aus gehen zwei weitere Türen ab. Im Raum selbst finden wir eine Hängematte und eine Truhe, deren Inhalt (im Wesentlichen eine Menge Bargeld und Edelsteine) wir vorsorglich an uns nehmen. Auch eine magische Brosche ist unter den Schätzen. Garon identifiziert sie als Brosche der Abschirmung.

Während wir noch mit der Identifikation der Gegenstände beschäftigt sind, erklimmen Galmor und Evendur bereits die Wendeltreppe, die in das Obergeschoss des Turmes führt. Die wackelige Treppenkonstruktion schmiegt sich eng an eine dicke Säule in der Raummitte und wird maßgeblich von selbiger gehalten.

„Wo sind die hin?“ fragt Alexander alarmiert. „Was?“, fragt Garon abwesend. Elenya und ich schauen uns um. Tatsächlich sind der Kundschafter und der Tempus Priester nirgends zu sehen. „Ach, der Bauer und unser eigenbrötlerischer Evendur?“, meint der Magier gelangweilt. „Ja, wer sonst?“, faucht der Kämpfer. „Ich schätze sie sind da hoch gegangen“, beendet Elenya den sich anbahnenden Disput, auf die sich nach oben schraubende, in der Dunkelheit verschwindende Wendeltreppe zeigend. „Hmpf“, macht Alexander und beginnt die wackligen Stufen emporzusteigen, wobei die Treppe unter jedem seiner schweren Schritte bedenklich quietscht und stöhnt. Wir anderen drei zucken ergeben mit den Achseln und folgen dem Barbaren.

„Hey, kommt mal her und schaut euch das an!“, hören wir kurz später Evendur von oben rufen.
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Galmor

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #66 am: 15. Januar 2008, 07:54:36 »
Mehr davon :)
Ich meine, ICH weiß ja schon wie es weitergeht, aber du kannst deine Leser doch nicht so auf die Folter spannen :D

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #67 am: 18. Januar 2008, 11:03:09 »
Oben befindet sich ein Thron des Dämmerungsfürsten (als solchen weist ihn zumindest eine Messingtafel, die an seiner Rückenlehne befestigt ist, aus) von dem aus Garon eine starke magische Ausstrahlung spürt. Sofort untersucht er den Thron genauer und beginnt zu dozieren: „Ich gehe davon aus, dass sich hier zahlreiche magische Sicherungen und Fallen befinden. Sollte der Dämmerungsfürst noch „lebendig“, ergo ein Leichnam sein, so hat er vermutlich hier irgendwo sein Seelengefäß versteckt.“  Nichtsdestotrotz beschließen wir, den Thron zunächst in Ruhe zu lassen und uns unserem Primärziel, dem Kloster, zuzuwenden. In den Räumen im Untergeschoss befinden sich Vorratskammern, in denen wir unter anderen für uns nicht verwertbaren Dingen einige Flaschen mit Schattenöl finden, sowie zugehörige Lampen. Jeder von uns nimmt eine Lampe und ein oder zwei Ölgefäße mit auf die weitere Reise, da Garon uns erklärt, dass unsere normal gebräuchlichen Lichtquellen auf dieser Ebene eher unbrauchbar sein werden. „Auch unsere Lichtzauber werden mit einiger Wahrscheinlichkeit fehlschlagen oder nicht so effizient sein, wie ihr es gewohnt seid.“ „Was weißt du noch über diese Ebene?“, fragt Galmor. „Nun“, hebt Garon an, „Wie ich bereits mehrfach erwähnte, habe ich ein umfangreiches Wissen über die Ebenen erlangt, da es einer meiner Studienschwerpunkte war, deswegen...“

„Die Kurzversion, Garon!“, fordert Evendur.

Indigniert hebt der Magier eine Augenbraue und schiebt seine Brille zur Nasenspitze hinunter, um den Kundschafter über Rand seiner Gläser hinweg zu mustern. Seufzend fährt er fort: „Na schön, ich merke, wenn meine Zuhörer nicht qualifiziert genug sind, um meinen Ausführungen folgen zu können. Also in aller Kürze: Die Schattenebene ist seltsam, dunkel und tödlich.“ Mit diesen Worten dreht er sich auf dem Absatz herum und macht Anstalten, den Raum zu verlassen. „Halt Garon“, rufe ich und halte ihn am Ärmel fest. „Ganz so knapp muss es auch nicht sein.“ „Ich stimme Lily zu“, unterstützt mich Galmor, „Wenn du mehr zu berichten weißt, so kann es nur hilfreich sein, also verrate uns ein wenig mehr. Du erwähntest die Lichteinflüsse und das Wirken von Magie. Dies sind denke ich die für uns relevanten Sachen. Beschränke dich darauf, dann sind alle zufrieden.“ Der Magier wirft dem Tempus Kleriker einen geringschätzigen Blick zu, als betrachtete er eine Made oder eine andere niedere Lebensform. „Aber heute noch!“, fordert ihn Alexander nachdrücklich auf. „Ich nehme normalerweise keine Anweisungen von einem Bauern oder einem Dummkopf entgegen, sehe aber ein, dass das Wohl der Gruppe von meinen Informationen abhängen könnte, weswegen ich meinen Stolz zurückstelle – diesmal“, warnend blickt er uns der Reihe nach an, bevor er fortfährt zu erzählen, „Es gibt hier keine natürlichen Lichtquellen, weswegen man rasch das Gefühl für die Zeit verliert, da es keinen Tag- Nachtrhythmus gibt. Wir können wohl davon ausgehen, dass unsere herkömmlichen Lichtquellen und etwaige Lichtzauber höchstens die halbe normale Reichweite haben werden. Zauber, die etwas mit dem Wirken von Schatten oder schattenhafter Energie zu tun haben, werden maximiert, wohingegen Sprüche mit Feuer- oder Lichteffekten erschwert sein dürften. Soweit mir bekannt ist, existiert keinerlei Verbindung zwischen der Schattenebene und der ätherischen Ebene. Deshalb schlagen Sprüche fehl, die sich einer Verbindung zur ätherischen Ebene bedienen.“ „Gut, das reicht mir“, unterbricht ihn Evendur, „Wir haben noch ein gutes Stück Weges vor uns, lasst uns aufbrechen.“ Elenya tätschelt ihrem Bruder beruhigend den Arm und wir folgen schließlich unserem Kundschafter nach draußen, in den Innenhof der Anlage.

Vor dem ehemaligen Wachhaus befindet sich ein Käfig mit einer am Boden liegenden Person darinnen, welcher von zwei untoten Scharfzähnen und einer schwarzgeschuppten Kreatur bewacht wird. Unter Alexanders gewaltigen Hieben sterben die schwarzgeschuppte Kreatur und einen Wimpernschlag später auch die Scharfzahnechsen.

Der ehemalige Echsenhäuptling drängt sofort an den Käfig und redet aufgeregt gestikulierend auf Drakonisch mit Garon, der uns übersetzt, dass es sich bei dem Gefangenen um einen von Gathans Männern handelt. Der Name der gefangenen Echse sei Stayrssessick. Alexander und Galmor brechen den Käfig auf und Garon verhört den Befreiten. Stayrssessick erzählt dem Magier, dass er die letzte lebende Echse hier sei. Alle anderen Echsen seien über die Brücke nach Norden gegangen und als Untote zurückgekehrt. Alle willenlosen Haarigen werden nach Süden zu einer Anlegestelle gebracht. Mit Booten gelangen sie dann zu Despayr. Stayrssessick ist über alles, was hier geschieht sehr aufgebracht. Er berichtet weiterhin, dass ein sehr wütendes Wesen kurz vor uns durch das Portal gereist kam, welches sich aufgeregt mit einem Weibchen seiner Art unterhielt. Beide verschwanden gemeinsam über die Brücke nach Norden. Wir vermuten, dass es sich bei dem von der Echse beschriebenen Wesen um den uns gerade noch entwischten Ober Shadar Kai handeln muss.

Gathan und Garon schicken Stayrssessick nach Hause, um Bescheid zu geben, was auf dieser Seite des Portals geschieht. Er soll Hilfe holen. Unser etwas weltfremder Magier übersetzt im letzten Moment noch den lebenspraktischen Hinweis Evendurs, welcher empfiehlt, ein Leuchtfeuer auf dem Turm zu entfachen, sobald die Verstärkung eingetroffen sei. Wir hoffen, dieses Feuer ist weit genug sichtbar.

Wir machen uns auf den Weg nach Süden, zur Anlegestelle. Ich bin über die weitere Begleitung Gathans froh, denn auch wenn wir uns nur mit Händen und Füßen oder durch Garons Übersetzung verständigen können, so ist mir der alte Häuptling irgendwie sympathisch und daher ans Herz gewachsen.

In der Ferne sehen wir schwache Lichter schimmern, die einen Steg erhellen. Als wir näher herankommen, sehen wir dort ein etwa 15 Meter langes Boot vertäut, ohne Segel, vor Anker liegen. Das Wasser des Flusses verhält sich seltsam: erst fließt es von Norden nach Süden, nur um nach wenigen Schritten seine Fließrichtung umzukehren. Evendur wirft einen Stock ins Wasser, um zu überprüfen, ob es sich nur um eine oberflächliche Täuschung, einen Trick dieser schattenhaften Sichtverhältnisse handelt, oder ob die Fließrichtung tatsächlich so befremdlich ist. Der ins Wasser geworfene Stock treibt zunächst ein gutes Stück von uns weg, nur um dann wieder auf uns zu zutreiben. Evendur seufzt. „Wie kann man auf solchem Gewässer mit einem Boot manövrieren?“ „Was halten wir uns mit dem Boot auf? Lasst uns einfach ans andere Ufer schwimmen und da am Fluss entlang latschen“, schlägt sein Halbbruder vor. Unsere Blicke wandern über das trübe Wasser hinüber zum jenseitigen Ufer, welches gut und gerne 40 Schritt entfernt liegt und durch die beschränkten Sichtverhältnisse nicht einsehbar ist für uns. Galmor hält prüfend seine Hand ins Wasser und zieht sie erstaunt zurück. Besorgt äußert er, dass das Wasser eisig kalt sei und wir es wohl kaum überleben würden, dort hinüber zu schwimmen. Von unserer Ausrüstung mal ganz abgesehen.

Es bleibt also nur das merkwürdige Boot, zu dem wir als dann vorsichtig gehen. Als wir etwa 30 Schritt an das Gefährt, an dessen Rumpf der Name <Necreme> prangt, herangekommen sind, betritt eine dunkle Gestalt das Dach der Kajüte: ein Shadar Kai!
An ihm entdecken wir die bisher einzigen Farben auf dieser von den Göttern verlassenen Ebene: er ist übersät mit violetten Tätowierungen und trägt überall am Körper auffallend große Piercings. In einer fremd klingenden Stimme spricht er uns an:
„Wer schickt euch?“

Zur Antwort zieht Alexander sein Schwert und ich rufe dem Shadar Kai im selben Moment entgegen: „Wir haben eine Verabredung mit Despayr.“
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Galmor

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #68 am: 22. Januar 2008, 10:07:21 »
Jaja, der gute Alexander, immer diplomatisch ;)

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #69 am: 22. Januar 2008, 11:57:52 »
„Wer schickt euch?“

Zur Antwort zieht Alexander sein Schwert und ich rufe dem Shadar Kai im selben Moment entgegen: „Wir haben eine Verabredung mit Despayr.“

„Fahrt die Ruder aus!“ brüllt der Schattendiener.


Rasch lege ich einen Pfeil in meinen Bogen und schieße auf den Mann. Doch ich verfehle ihn, ebenso wie Evendur. Galmor intoniert einen religiösen Zauber, der jedoch auch keine offensichtliche Wirkung auf das Wesen hat und Alexander stürmt mit ausgestrecktem, wild schwingendem Schwert auf die <Necreme> zu. „Atta Umbar Yello!“ schreit Garon neben mir und die uns inzwischen wohl bekannten winzigen Totenschädel schießen auf das Schiffsdeck zu, um sich dort zu klebrigen Schnüren zu entwirren. Der Shadar Kai sammelt violette Energie um sich herum und richtet seine ausgestreckten Arme auf den anstürmenden Barbaren. Ein violetter Strahl schießt auf Alexander zu, doch wir können nicht erkennen, ob unser Gefährte Schaden genommen hat.

An Bord des Bootes befinden sich inzwischen noch vier Skelette, welche in den Ruderbänken, im tiefer gelegenen Rumpf hocken. Durch Garons Netz ist die <Necreme> jedoch weiterhin fest mit dem Steg verbunden, allerdings setzen die Skelettruderer alle Kraft daran, das Boot aus dem Netz herauszulösen. Ein wütender Aufschrei Alexanders lässt uns vermuten, dass der Tätowierte Kerl nicht der einzige Gegner an Deck ist. Doch alles an Bord entzieht sich momentan unseren Blicken. Mühsam löst sich das Boot vom Steg und uns wird bewusst, dass wir einen Sprung aufs Deck nicht schaffen werden. „Erkala tulta!“ schreit Garon und magische Geschosse rasen auf den Shadar Kai zu, der davon jedoch unbeeindruckt ist.

„Garon, du mächtiger Wasserelementar, kannst du diese Nussschale nicht irgendwie aufhalten?“, frage ich verzweifelt.

Derweil errichtet Galmor eine magische Brücke für uns, mittels derer wir das Boot erreichen könnten, wenn es sich nicht mehr weiter entfernt. Auf dem höchsten Punkt der Brücke sehen wir, was auf Deck passiert. Außer dem Shadar Kai befindet sich eine weitere Höllenkreatur in Alexanders Nähe: ein riesiger, schattenhafter Hund mit schlimmen Stacheln. Wir beobachten atemlos, wie unser Freund mit dem Hund ringt, der dem Tode nahe ist. Ein letztes Mal brüllt der Barbar die Bestie wie ein wildes Tier an und dann liegt die Kreatur reglos auf den Planken der <Necreme>. Während Alexander den Kadaver des Köters über Bord hievt, ertönt Garons magischer Singsang: „Nelde...Hanas Rhor!“ und er gleitet ins Wasser, wo sich sein Körper mit dem Nass verbindet. Scheinbar bewegt er sich unter das Schiff und veranlasst es quasi im Wasser stecken zubleiben, indem er einen Strudel bildet.

Inzwischen sind Galmor und ich keuchend bei Alexander auf dem Schiffsdeck angelangt. Der ebenfalls bereits vom Tod gezeichnete Shadar Kai versucht mich mit seiner üblen Stachelkette zu Boden zu reißen. Es gelingt ihm zwar nicht, doch reißt er mir ein ansehnliches Stück Fleisch aus der Wade. Vor Schmerz und Überraschung heule ich laut auf. Mit einem gut gezielten Schlag seines Kriegshammers tötet Galmor den Tätowierten. In diesem Moment kommen auch Evendur und Elenya an Bord. „Warum habt ihr ihn umgebracht? Wir wollten ihn nach dem Weg fragen!“ herrscht uns der Kundschafter an. Ich entgegne ihm wütend und mit schmerzverzerrtem Gesicht: „Scheiß drauf, der Mistkerl wollte kämpfen und nicht reden.“ „Außerdem war Gefahr im Verzug“, ergänzt Galmor, auf meine tiefe Fleischwunde deutend. Mitfühlend schiebt mich Elenya in Richtung Kajüte. „Komm mit und lass mich das mal ansehn. Uhhh...schaut übel aus, aber das kriege ich wieder hin. Wird man nicht mal nen Kratzer sehen. Setz dich“, fordert sie mich auf.

Von oben höre ich Evendur noch immer fluchen und mit Galmor und Alexander streiten. „Dann könnt ihr zwei Strategen mir auch sicherlich verraten, wo wir nun hin müssen, oder?“ Beschwichtigende Worte von Galmor „Siehst du das Licht da hinten? Da ist die zweite Anlegestelle.“ dringen leise zu uns in die Kajüte und auf der kurzen Treppe zu uns hinunter hören wir die wütenden Schritte des Barbaren, der einen kurzen Moment später zu uns herein tritt und sich erschöpft in eine Ecke setzt. „Ich penne erst mal, bis DER (deutet nach oben in Richtung seines Halbbruders) wieder abgeregt hat.“

Elenya seufzt.

„Bist du verletzt?“

„Nee, nur ein Kratzer“, antwortet mein Freund. Die Kelemvor Priesterin spricht heilige Worte und die tiefe Wunde an meinem Bein schließt sich. Anschließend geht sie zu Alexander rüber und murmelt auch dort die Worte eines Heilzaubers. Dabei schüttelt sie missbilligend den Kopf: „Soso, nur nen Kratzer, ja?“

„Nichts schlimmes halt“, grummelt der Kämpfer.

„Einigen wir uns auf ne Fleischwunde?“, fragt die Priesterin schmunzelnd.
„Von mir aus“, lenkt der Barbar müde ein, „und jetzt lasst mich einfach alle in Ruhe, kapiert?“

Wir nicken und befassen uns rasch mit etwas Neuem: der Untersuchung der Kajüte dieses fremdländischen Mannes. Wir finden eine wunderschön gearbeitete Harfe, meiner Einschätzung nach vom Ursprung her einem Harfner gehörend. Seltsam, ein solches Instrument von solcher Herkunft ausgerechnet hier zu finden. Neben der Harfe finden wir eine kurze Notiz von Esvele, sowie ein Blatt mit Noten:

Spiele dies und der Wächter der Schwarzbaum Biege wird friedlich schlummern.

Ich summe die Melodie, welche auf dem Notenblatt niedergeschrieben ist vor mich hin. Die Harfe rühre ich zunächst nicht an, weil ich erst von Garon wissen will, ob sie ungefährlich ist. Schließlich geselle ich mich zu den anderen aufs Oberdeck. Alexander lasse ich in der Kajüte schlafend zurück. Während Evendur und Garon, der wieder seine normale Form angenommen hat, versuchen das Boot zu steuern, was kläglich scheitert, untersuche ich die Leiche des Shadar Kai eingehend. Als erstes schmeiße ich seine verfluchte Stachelkette ins kalte Nass. Um den Hals trägt er ein skelettförmiges Amulett, welches ich ihm abnehme. „Garon? Schau mal hier.“ Ich reiche ihm das Amulett. Der Magier betrachtet es voller Interesse. „Ich werde es später identifizieren. Jetzt müssen wir dieses Gefährt erst mal in Gang bringen“, sagt er. „Dann gib es mir zurück“, fordere ich. Abwesend händigt er es mir aus. Einer inneren Eingebung folgend streife ich mir das Amulett über den Kopf. Kaum baumelt es um meinen Hals habe ich das Gefühl, zu wissen, wie die <Necreme> zu beherrschen ist. Augenblicklich erscheinen die vier Skelettruderer und ich kann ihnen telepathische Befehle erteilen.

„Gut Freunde, es kann losgehen. Ich habe die Kontrolle über das Boot. Wohin soll ich steuern?“

Galmor antwortet mir: „Siehst du den entfernten Lichtschein dort im Norden? Dahin müssen wir.“

„Nö, sehe ich nicht, aber wenn du sagst, dass da ein Licht ist, dann steuern wir nach Norden. Alles klar. Ach nein, Moment...Garon?“

„Ja?“

„In der Kajüte habe ich eine Handharfe gefunden. Würdest du bitte mal prüfen, ob sie irgendwie gefährlich ist? Falls nicht würde ich sie gern benutzen, denn da lag diese Notiz auf dem Tisch.“

Der Magier blickt mich alarmiert an.
„Welche Notiz, Lily?“

„Moment, ich hole alles“, rufe ich und eile unter Deck. Rasch suche ich alles zusammen und hetze zurück zu den anderen. „Hier, schau“, mit diesen Worten reiche ich Garon die Handharfe und den von Esvele verfassten Brief. Nachdem mir unser Schriftgelehrter versichert hat, dass die Harfe ungefährlich ist und ich sie getrost zum spielen der Melodie verwenden könne, es vermutlich sogar müsse, da sie magisch sei, nehme ich die Harfe an mich und stelle mich ans Steuer der <Necreme>.

Hoch konzentriert fahre ich los. Bei jeder Biegung des Flusses spiele ich mit wild klopfendem Herzen die Melodie des Notenblattes, doch schon bald macht sich Frustration in mir breit, denn es gibt viele schwarze Bäume und Flussbiegungen... . Die Fahrt strengt mich an. Nach einer halben Ewigkeit gelangen wir an dem von Galmor erwähnten Licht an. Es handelt sich um eine Leuchtboje mit zwei beleuchteten Fensterchen, von denen eines in die Richtung zeigt, aus der wir kamen und das andere in den Osten zeigt. Wir legen erst mal an, um zu beraten, wohin wir nun fahren sollen. „Erlis Yello“, ruft Garon und es erscheint eine kleine Totenkopfbiene, die emsig über das Wasser summt. Auf der dunklen Wasseroberfläche kräuseln sich Schatten und uns fröstelt schlimmer als zuvor. Keiner von kann mit Sicherheit sagen, wie viel Zeit inzwischen vergangen ist. Ein Gefühl der Einsamkeit und des Verlorenseins breitet sich zwischen uns aus.

„Wir fahren nach Osten“, bestimmt Galmor. Letztlich sind wir alle froh, dass einer von uns sagt, was zu tun ist und so setze ich unser Schiff abermals in Bewegung.
Durch die Kälte des tückischen Wassers, welche langsam, aber unaufhörlich in unsere Körper kriecht, werden wir allmählich müde, sehr, sehr müde. Garon legt sich zu Alexander in die Kajüte. Ich versuche mit aller Macht meine Augen offen zu halten und richte meine Gedanken starr auf die <Necreme> und unsere Umgebung. Weiterhin reiße ich das Ruder teils zu hart herum, sobald ein auffälliger, schwarzer Baum und eine Biegung in Sicht kommen und beginne dann panisch auf der Handharfe zu spielen. Gelegentlich bekomme ich eine Art Eingebung von der Harfe, die mir beim wiederholten Spiel verrät, dass mehr in ihr steckt, als nur das gute Holz und die teuren Saiten.
Wie durch einen Nebelschleier registriere ich, dass Galmor das Oberdeck verlässt. Da er es war, der mich durch Erzählungen und Fragen und Gedankenspiele wach gehalten hat, resigniere ich und beschließe, ebenfalls eine Auszeit zu nehmen. Die zu überwindende Strecke bis zur nächsten Anlegestelle scheint erheblich weiter zu sein, als wir dachten. Und da uns jegliches Zeitgefühl verlassen hat, breitet sich eine Stimmung der Gleichgültigkeit aus. Was macht es schon, wann wir ankommen? Die Frage, ob und wo wir ankommen, stellt sich schon längst nicht mehr.

Das Amulett lege ich ab und im selben Moment verschwinden die vier Skelettruderer. Ich bitte Evendur, der am Heck des Schiffes seinen Gedanken nachhängt, den Anker auszuwerfen. Langsam hebt er den Kopf, blickt sich bedächtig um und bemerkt schließlich, dass die Ruderer nicht mehr da sind. „Was ist mit dem Schiff? Wo sind die Ruderer hin?“, fragt er mich matt. „Ich habe das Amulett abgenommen, weil ich zu müde bin. Ich kann mich kaum noch auf den Beinen halten. Lasst uns doch einfach alle eine Mütze voll Schlaf nehmen.“

„Und wer hält Wache?“

Ich blicke ihn verständnislos an: „Wache?“ „Ja, Lily, Wache. Jemand der aufpasst.“ „Also ehrlich gesagt rechne ich hier mitten auf dem Fluss nicht mit feindlichen Übergriffen“, erwidere ich zögerlich.

„Hast du denn nichts bemerkt bisher?“, fragt der Kundschafter mich erstaunt.

„Scheinbar nicht, aber weißt du, ich war eigentlich auch ziemlich damit beschäftigt, dieses Boot zu steuern und nebenher noch Harfe zu spielen, sobald ich einen schwarzen Baum und eine Biegung des Flusslaufes wahrnahm“, werfe ich wütend zurück. Was denkt der denn? Etwa, dass ich hier gesessen und Däumchen gedreht habe? Doch Evendur winkt nur ab und geht steif die wenigen Stufen zur Kajüte hinunter. Ich folge ihm und sehe gerade noch, wie er seinen Halbbruder heftig aus dem Schlaf rüttelt. Der Zweizentnermann fährt erschrocken hoch und brüllt Evendur an: „Was gibt´s?!“ Müde antwortet ihm der Kundschafter: „Wäre nett, wenn du mal Wache halten könntest.“ Zur Erwiderung auf diese Anfrage holt Alexander lediglich mit der Faust aus und haut seinem Halbbruder ungebremst ins Gesicht. Ich stoße einen erstickten Schrei aus. Während Evendur in das süße Reich der Bewusstlosigkeit gleitet murmelt er noch ein „Danke, endlich schlafen...“, bevor er friedlich lächelnd und mit blutender Nase einschläft. Ich schüttele den Kopf und wende mich dem Barbaren zu:

„Spinnst du?“

„Was hast du, Lily? Er hatte scheinbar Einschlafprobleme und ich habe ihm Abhilfe verschafft.“

Ich nicke. „Schön, dann können wir zwei ja nach oben gehen. Du hältst Wache – wozu weiß ich zwar nicht – und ich schlafe. Hier unten ist es ohnehin zu voll.“ Oben angelangt positioniert sich Alexander auf dem Kajütendach und ich kuschele mich in eine der Ruderbänke.

Durch die klamme Kälte wachen wir bald auf und setzen unsere Reise fort. Obwohl wir geschlafen haben, fühlen wir uns nicht erholt und die Stimmung bleibt angespannt. Die Müdigkeit und die Trostlosigkeit der Umgebung liegen wie ein bleiernes Tuch über uns.
Nach einer Ewigkeit sehen wir backbord den Panzer einer riesigen, weißen Schildkröte. Sollte dies der Wächter sein? Ich nehme die Harfe und spiele was das Zeug hält. Wir passieren die Stelle unbehelligt.

Von Zeit zu Zeit haben wir das Gefühl beobachtet zu werden. Schatten scheinen sich immer geradeso außerhalb unseres Blickfeldes neben der <Necreme> zu bewegen. Auch im Wasser glauben wir Bewegungen und Schatten von Wesen zu sehen, doch sobald man eine Stelle mit dem Blick fixiert, ist dort nichts mehr.

Irgendwann kommen mehrere Lichter in unser Blickfeld. Es handelt sich beim Näherkommen um einen schattenhaften Landungssteg, der heruntergekommen und leer dort liegt. Vom Landungssteg aus führt ein Pfad einen Hügel hinauf, auf dessen Kuppe Lichter brennen. Vermutlich handelt es sich um das auf der Karte verzeichnete Ebenholzkloster. Der Pfad hinauf zur Hügelkuppe schlängelt sich mehrere Meilen durch die triste Landschaft.

Wir bereiten uns auf das Anlegen vor. Alexander wirft die Kerze, die vorne am Bug brannte, ins Wasser, woraufhin ihn Evendur irritiert anspricht: „Alexander?“ „WAS?!!“, reagiert der Angesprochene gereizt. „Benutz doch einmal deinen Kopf, bevor du deine Hände benutzt.“ „Was willst du???“, fragt Alexander verwirrt und ärgerlich. „Dass du dein Gehirn benutzt, Brüderchen. Denn scheinbar hattest du es vergessen zu benutzen, als du die Kerze ins Wasser geworfen hast.“ Der Barbar schnaubt wütend, doch es gelingt mir, ihn zu beruhigen. Ich ziehe ihn ein wenig abseits, ans Heck des Bootes, bitte mit Blicken darum, dass er sein Schwert ein Stück weit aus der Scheide ziehen möge, ritze mir eine weitere Kerbe in den Finger und lecke das Blut genüsslich ab. „Wie viele sind´s nun?“, fragt mich mein Freund, mit seinem Zeigefinger auf meinen deutend. Ich grinse und halte ihm meinen Zeigefinger hin. „Sieben.“, stellt er leise fest. Ich nicke: „Halbzeit.“
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Lily Weg

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #70 am: 04. Februar 2008, 18:53:09 »
Inzwischen haben die anderen dafür gesorgt, dass die <Necreme> ordentlich am Steg vertäut liegt. Wir nehmen unser Gepäck und verlassen das Boot. Als alle festen Boden unter den Füßen spüren, nehme ich das Amulett wieder ab, nur diesmal verschwinden die Skelettruderer nicht, sondern die gesamte <Necreme> wird scheinbar in das Amulett hinein gesaugt. Jedenfalls verschwindet sie vor unseren Augen und ich weiß irgendwoher, dass sie nun im Amulett ruht, bis ich es wieder um meinen Hals lege.
Sobald wir den düsteren Landungssteg hinter uns gelassen haben und uns an den Aufstieg zum Kloster machen, hebt sich unsere Stimmung merklich und die Lethargie der letzten Tage (Stunden? Wochen?) weicht. Garon schlägt voller Tatendrang vor, das Gebäude durch magische Augen auszuspionieren. Wir alle halten dies für einen brillanten Vorschlag.

Gemeinsam marschieren wir den gewundenen Pfad zum Kloster hinauf. Nach einem recht anstrengenden Stück bergauf gelangen wir an ein Torhaus. Doch selbst die Anstrengung des Laufens mit all unserem Gepäck kann die Kälte, die sich in unseren Knochen eingenistet hat, nicht lindern. Ein einsames Metallglöckchen baumelt neben dem Tor, dessen einer Flügel schief in den Angeln hängt und gerade genug Platz bietet, um uns einzeln hineinzulassen. Das Haupthaus ist mit normalen Fackeln erleuchtet und wirkt dadurch fast heimelig. Alexander betritt als erster das Torhaus, dessen Dach eingestürzt ist. Alles sieht runtergekommen und verwahrlost aus. An den Wänden befinden sich Halterungen für echte Fackeln. Rechter Hand befinden sich die ehemaligen Stallungen der Anlage, sowie ein Treppenaufgang zur mittleren Ebene des Anwesens.

Garon konzentriert sich auf seinen Zauber und erkundet annähernd den gesamten Komplex. Anschließend zeichnet er mit Kohle eine Skizze des Anwesens auf den Boden und wir machen eine Lagebesprechung. Es gibt neben dem Haupthaus noch eine Kathedrale auf der mittleren Ebene. Im Altarraum selbst befindet sich ein unüberwindbarer Gegner: ein Gloom Golem. Der gesamte Altarraum ist mit schwarzen Bannern, Statuen und Symbolen geschmückt, die Elenya als Zeichen Cyrics identifiziert, der auch „Gott der schwarzen Sonne“ genannt wird. Darüber sind wir milde erstaunt, denn eigentlich rechneten wir damit, eine weitere Brutstätte Shars, die den Beinamen „Göttin der Finsternis“ trägt und laut Garon das Schattengewebe erfunden hat, an diesem düsteren Ort vorzufinden.

In den Vorräumen des Altarraumes und in den Verbindungsgängen zum höchstgelegenen Teil des Klosters konnte unser gewiefter Magier einige Kreaturen sehen, die Wache halten.
Wir wollen uns quer über halboffenes Gelände zum Haupthaus durchschlagen. Eine kritische Passage ist dort, wo uns einige Wachen durch Sehschlitze im Kathedralenteil beobachten könnten. Mein Vorschlag, die Gruppe unsichtbar zu machen, wird verworfen, da unsere Plattenträger zu viele Nebengeräusche verursachen, die unsere Tarnung nichtig machen würden. Evendur bietet an, sich als Lockvogel völlig offensichtlich durch das Gelände zu bewegen, während Elenya eine magische Brücke für den Rest beschwören wird, über welche wir zügig und unbehindert durch die wilde Vegetation im Innenhof zu etwaigen Gegnern im höhergelegen Teil der Anlage vordringen könnten. Alexander schnaubt verächtlich:
„Ich bin gegen diesen Plan. Was ist, wenn diese merkwürdigen, geflügelten Kreaturen, die Garon als Wächter gesehen hat uns in den Rücken fallen? Nee, nee, ich bin dafür, sie direkt anzugreifen.“
„Langsam Brüderchen“, wendet der Kundschafter ein, „Wenn wir in den Kathedralenteil eindringen rufen diese Wächter hundertprozentig diesen Golem zur Hilfe und dann sind wir platt! Schließlich ist das eine Kreatur, vor der sich sogar Garon fürchtet.“
Der Magier taucht aus den Tiefen seiner kleinen, eigenen Gedankenwelt an die Oberfläche der Realität auf:
„Was?“
„Evendur sagte nur, dass du Schiss vor dem Golem hast.“, merkt seine Schwester knapp an.
„Ich fürchte mich nicht.“, behauptet Garon.
„Gut, dann können wir uns den Golem samt seinen geflügelten Kameraden ja schnappen“, ruft Alexander feixend.
„Aber dass ICH mich nicht fürchte, bedeutet nicht gleichzeitig, dass IHR ihn nicht zu fürchten braucht. Ich habe meine Mittel, um dem sicheren Tod durch diese Kreatur zu entgehen. Ihr auch?“, fragt der Magier uns zynisch.
Der Barbar verdreht genervt die Augen und faucht uns an: „Also was jetzt? Macht hinne, oder ich schlag gleich irgendwas hier kaputt. Das Rumsitzen macht mich mürbe.“

„Stopp, Stopp, Stopp, Brüderchen, ich habe eine andere Idee. Lily, Gathan, du (deutet auf Alexander) und ich werden versuchen uns hinüber zu schleichen, um euch Feuerschutz zu geben. Sollte einer von euch gesehen oder gehört werden, so greifen wir von hinten an.“ Ich nicke.
Garon übersetzt den neuen Plan ins Drakonische und auch der alte Häuptling nickt. Evendur, Gathan und ich kommen offensichtlich unbemerkt auf der anderen Seite des Innenhofes an.
Alexander jedoch strauchelt am steileren Teil der Böschung und rutscht unsanft ein Stück weit wieder runter. Wir halten den Atem an und lauschen. Geräuschlos legen wir unsere Pfeile an, doch scheinbar blieb Alexanders Ausrutscher unentdeckt. Als der Barbar bei uns angelangt ist, geben wir Galmor ein Zeichen, dass er nun rüberkommen kann. Als der Tempus Kleriker etwa den halben Weg zu uns zurückgelegt hat, fallen plötzlich zwei Schattenlichter vom Himmel.

Wir wurden bemerkt! Die Lichter liegen still zwischen den Gräsern und Sträuchern und verbreiten ein unheimliches, diffuses Licht.
„Erkala Tullta“, hören wir Garon aus der Ferne sprechen, doch die magischen Geschosse, welche er auf die Lichtquellen abfeuert bleiben wirkungslos.
Das Knistern ledriger, großer Flügel über unseren Köpfen lässt uns herumfahren und instinktiv Deckung suchen. Zwei geflügelte Echsen sausen an Galmor und Alexander vorbei, wodurch beide Kratzer erleiden.
„Verdammt sind die schlecht zu sehen! Bis ich gezielt habe sind die Viecher schon wieder abgedreht“, raunt mir Evendur zu. Ich nicke zustimmend und seufze. Angespannt blicke ich auf die offene Fläche zwischen uns und dem Torwächterhaus, wo der Tempuspriester und mein Freund kauern und sich langsam in unsere Richtung bewegen. „Diese Lichtverhältnisse arbeiten gegen uns. Und bis wir diese Dinger hören können, ist es zu spät“, stelle ich fest während ich mich noch tiefer in die Nische presse. Aus dem Nichts heraus steht Garon neben uns. Ich zucke zusammen und zische ihn an: „Du hast mich fast zu Tode erschreckt! Gib uns nächstes Mal gefälligst ein Zeichen, wenn du wieder lautlos zu uns rüber fliegst, Kuttenträger.“
Doch Garon lächelt nur milde. „Werte Lily, die Zeit, die du darauf verwendest andere Leute zurechtzuweisen, nutze ich konstruktiv.“ Mit einem unverschämten Grinsen in meine Richtung murmelt er „Erlis Yello!“ und wir alle sehen- beziehungsweise hören- die beschworene Biene, welche sich unverzüglich an eines der Flugwesen heftet, da diese gerade zum zweiten Mal attackieren.

Triumphierend blickt sich Garon um. Auch wenn ich seine Beifalls Heischerei nicht gut heiße, lächele ich ihm anerkennend zu. Evendur hingegen schaut den Magier an, als hätte er eine Kröte vor sich. „Hast du nichts sinnvolleres in deinem angeblich so reichen Repertoire?“ „Das ist durchaus sinnvoll, finde ich. Nun hören wir zumindest immer genau, wo sich die eine fliegende Kreatur aufhält“, unterstütze ich Garon, der schon seinen nächsten Zauber vorbereitet. Der Kundschafter legt einen weiteren Pfeil in seinen Bogen ein und schüttelt nur mit dem Kopf. Wimpernschläge später saust sein Pfeil auf die Kreatur los, an der das Bienchen haftet. Es scheint ein guter Treffer zu sein, denn die fliegende Echse kreischt schmerzerfüllt auf und dreht in weitem Bogen ab, gefolgt von der magischen Biene, deren Summen noch weithin zu hören ist.
Galmor und Alexander sind nun auch bei uns angekommen. Beide sind nun mit teilweise recht tiefen Kratzspuren übersät. Wir sehen im Zwielicht, wie sich auch Elenya daran macht, den Innenhof zu überqueren, den diffusen Lichtschein der Schattenlichter meidend.

Inzwischen sausen die Echsen wieder heran. „Atta umbar Yello!“ , ruft Garon ihnen entgegen und das eine Wesen verstrickt sich in dem klebrigen Netz, welches der Magier über unseren Köpfen zwischen den Eckpfeilern einiger Gebäudereste spannte. Für diese ungewöhnliche Platzierung seines Netzes erntet der Gelehrte anerkennende Blicke. Über unseren Köpfen hängt nun also eines dieser Wesen und bietet ein hervorragendes Ziel für Alexander, dessen Rachegelüste inzwischen enorm sind. Die zweite fliegende Echse hören wir über dem Netz fliegen, doch sie entzieht sich unseren Blicken. Doch schmerzhaft stellen wir fest, dass diese Kreaturen ebenfalls im Fernkampf bewandert sind, als ein Axtregen von hoch oben auf uns niederprasselt. Glücklicherweise wird niemand getroffen. Ich schieße hinter ihr her, als ich sie abdrehen höre. Die flammende Pfeilspitze trifft auf die Kreatur, doch rettet sie sich in das Gebäude hinein, in welchem Garons magisches Auge vorhin mindestens drei mächtige Gegner erspäht hatte.

Lily Weg

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #71 am: 12. Februar 2008, 18:00:01 »
Gerade als Elenya sich Alexanders Verletzungen annimmt, ertönen aus dem Inneren des Gebäudes – an dessen Außenwand wir uns Schutz suchend pressen – mehrere Gongs.

Galmor linst durch die brüchige Mauer und beobachtet, wie sich die Wachen bereit machen. Direkt an der Hausecke, in deren Nähe wir alle mehr oder weniger stehen, befindet sich der Eingang in das Gebäude.
Die Wachen tragen Wappenröcke mit dem selben religiösen Symbol, welches auch die Banner im Altarraum schmückt: ein weißer Schädel, von Strahlen umrahmt, auf tiefschwarzem Grund. Galmor gibt Alexander ein Zeichen, dass gleich einige Wachen aus der Haustür treten werden.
Der Barbar lächelt und begibt sich in eine günstige Position, um anstürmen zu können. Der unglückliche Wachmann, den das Schicksal die Tür öffnen ließ, wird augenblicklich überrannt und geköpft. Mit einer unglaublichen Geschicklichkeit macht Alexander einen Ausfallschritt um die Ecke, hinein in das Haus und holt zugleich wieder mit seinem todbringenden Zweihänder aus. Die zweite heraneilende Wache hat keine Chance, dem mächtigen Hieb auszuweichen und wird sauber in zwei Hälften geteilt.

Die Augen des Barbaren funkeln und er blickt sich gierig nach weiteren Gegnern um. „Dort!“, schreie ich, auf eine fliehende Wache deutend, die schräg hinter uns, über unseren Köpfen eine schmale Verbindungsbrücke entlang rennt, um Verstärkung aus dem Haupthaus zu holen. Blitzschnell wirke ich den Zauber, den ich mir eigentlich für den zweiten Wachmann – den Alexander ja nun bereits beseitigt hat – aufgehoben hatte. „Anach Telein!“, sage ich und deute auf den rennenden Mann, der in seiner Bewegung festfriert, kurz bevor er die Tür des Haupthauses erreicht hat.
 Evendur feuert einen Schuss auf den Mann ab. Galmor, der hinter dem Wachmann hergeeilt ist, steht mitten auf der Brücke, als ihn ein greller Lichtblitz trifft, den eine bizarr aussehende humanoide Kreatur auf ihn warf.
Die Gestalt sieht furchteinflößend aus, mit ihren Hörnern auf der Stirn. Seine Kleidung deutet auf einen arkanen Magieanwender hin. Wir riechen verbranntes Fleisch, welches der Blitz an Galmors Oberkörper versengt hat. Der Tempus Krieger dreht sich zur Tür herum und macht sich bereit zum Angriff.
 Die gehörnte Kreatur schreit etwas auf Abyssisch und kurz darauf erscheint ein weiteres Geschöpf neben ihr, welches den Niederhöllen entsprungen zu sein scheint: ein Hund mit robust aussehenden Stacheln auf dem Rücken, die er gerade auf den Tempuskleriker abschießt. Hinzu kommt das ohrenbetäubende Gebrüll der hundeartigen Kreatur, welches uns durch Mark und Bein fährt.

Gathan und Evendur überqueren die Brücke hinüber zu dem von mir magisch festgehaltenen Mann, doch mein Blick folgt ihnen nur kurz. Wo ist Elenya? Ist sie vorne mit Alexander in das Gebäude gegangen? Garon tritt neben mich und bereitet einen Zauber vor. Die beiden vom Höllenhund abgeschossenen Stacheln haben den Tempus Priester schwer verletzt. Ich gebe ihm Zeichen, sich zurückzuziehen, doch er scheint mich nicht zu sehen. Gerade als ich ihm zurufen will, dass er zu uns nach draußen kommen soll, kreischt die gehörnte Gestalt wieder etwas in ihrer dämonischen Sprache.

Galmor wird totenbleich und sieht so elend aus, wie ich noch niemals jemanden gesehen habe. Verzweifelt versucht er sich des angreifenden Hundes zu erwehren, doch er hat offenbar kaum mehr die Stärke seine Waffe zu heben, geschweige denn, diese erfolgreich gegen die Kreatur aus dem Abyss einzusetzen. „Nelde Naur Pilin Tulta” ruft Garon und deutet auf den Hund und dessen Herrchen.

Im selben Moment stürmt unser Barbar rasend vor Wut von der anderen Seitem, durch das Innere des Hauses kommend, auf die stachelige Höllenbrut an. Abermals wirkt der Gehörnte Mann einen Zauber auf Galmor, der nun besinnungslos zu Boden geht. Ich ziehe ihn zu uns heraus. Als ich ihn am Bein zu fassen bekomme, sehe ich auch Elenya, die tatsächlich hinter Alexander hergelaufen war und sich nun in den Kampf einmischt.

Gemeinsam mit dem Barbaren flankiert sie den Gehörnten Kerl. Indessen flöße ich meinem Halbbruder einen geringen Heiltrank ein, damit er zu sich kommt, danach soll er selbst Tempus um die Gunst einer Heilung bitten, was er auch Augenblicke später umsetzen will.
Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie sich eine neue Katastrophe anbahnt. Zwar haben Gathan und Evendur die zweite fliegende Echse nun getötet, aber der von mir gehaltene Wächter steht immer noch. Und just in diesem Moment tritt eine imposante Gestalt in schwarzer Plattenrüstung aus der Tür, die den unbeweglichen Wachmann mühelos zur Seite schiebt und ihren Untergebenen zuruft: „Tötet sie!“

Sogleich spricht die Frau einen mächtigen Zauber, den ich voller Entsetzen als „Verwirrung“ deute. Sofort unterbrechen Alexander und Elenya ihre Kampfhandlungen und Galmor vergisst sich zu heilen. Ich halte den Atem an, denn dieser Zauber birgt tückische Elemente in sich. Es besteht ein nicht unerhebliches Risiko, dass sich eigentlich gute Freunde gegeneinander wenden und sich im Extremfall sogar umbringen können. Ich schicke ein Stoßgebet zu Selûne, dass uns dieses Los erspart bleiben möge. Alexander steht nur einfach da und kratzt sich am Kopf. Elenya wandert ziellos in der Gegend herum und philosophiert über cormyrische Teichlandschaften. Ich wusste gar nicht, dass sie sich dafür interessiert!

Die gehörnte Kreatur, welche unser Magier als Tiefling identifizierte, spricht zu uns: „Mein Freund Despayr hat noch Platz für weitere Gäste!“ Was auch immer er uns damit sagen will. Jetzt ist nicht die Zeit, darüber zu rätseln.

Garon ruft der Frau trotzig etwas auf abyssisch entgegen: „****************^^^^^*****+++°°^^"“  und erntet Gelächter von den Cyric-Dienern. Doch das Gelächter irritiert unseren gnadenlos selbstbewussten Magier nicht. Er wirkt ein weiteres Inferno auf den Hund, der jämmerlich verbrennt. Alexander scheint wieder zu wissen wo er sich befindet und was er gerade tut, denn er holt zu einem mächtigen Schlag gegen den Tiefling aus. Auch Galmor begibt sich wieder zu dem Gehörnten hinein.
Alexanders Schlag wird von Elenya vereitelt, die – immer noch über cormyrische Teichlandschaften erzählend – seinen Arm mit erstaunlicher Kraft festhält und ihn zum Zuhören zwingen will. Alexander reißt sich wütend los, aber die Kelemvor Priesterin lässt nicht locker. Da sie den Barbaren nicht festhalten kann, beginnt sie auf ihn einzuschlagen, dabei wirres Zeug über Wolkenformationen brabbelnd.

Bevor Alexander den entscheidenden Schlag gegen die gehörnte Kreatur landen kann, streckt dieser Galmor abermals zu Boden. Elenya schlägt weiterhin wie von Sinnen auf den Krieger ein und lässt Galmor unmittelbar neben ihr liegend, still verbluten.

Währenddessen stimme ich ein Lied an, welches unseren Verstand gegenüber solchen Geist beeinflussenden Zaubern stärken soll und schieße unaufhörlich auf den magisch gehaltenen Mann. Ein Wettlauf gegen die Zeit, die unerbittlich verrinnt. „Nelde Atma Cant Tirith!“ ruft Garon neben mir, aber was auch immer er vorhatte, zeigt keine offensichtliche Wirkung. Leise höre ich ihn fluchen.

Gathan und Evendur schlagen unermüdlich auf die Frau in der beeindruckenden Plattenrüstung ein. Diese wirft mir wütende Blicke zu, als sie den Zusammenhang zwischen meinem Lied und ihren fehlschlagenden Zaubern erkennt. Den einen Wachmann erschieße ich endlich, doch sofort drängen zwei weitere nach. Evendur und Gathan sehen angeschlagen aus. Der Zauberer brüllt ihnen zu, dort abzuhauen und beginnt gleich danach die Formel eines mächtigen Feuerballs zu intonieren. Die Dame in der Plattenrüstung macht sich unsichtbar.

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Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #72 am: 12. Februar 2008, 23:24:57 »
Die Spannung steiget - Boah hätte ich grade Bock auf "Shadowdale" - Teil2 der Trilogie (und auf alles andere was nicht mit 'Stress' zusammenhängt).

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Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Nakago

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #73 am: 13. Februar 2008, 06:30:50 »
Jetzt wird es ja wirklich spannend. Ich nehme mal an, solangsam nähert sich das hier Leider dem Ende zu?

Arkos

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Cormyr - The Tearing of the Weave
« Antwort #74 am: 14. Februar 2008, 08:01:50 »
Na ja, ein ganzes Kapitel kommt noch! Welcher SC hat denn bisher deine Sympahie gewonnen?
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

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