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Autor Thema: Der Test der Zeit  (Gelesen 81155 mal)

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Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #630 am: 12. Juli 2012, 19:43:23 »
24. Mirtul 739 TZ Jahr des wankenden Minotaurus Westtor Tempel der Triade

Auf alle Fälle ist Jenna wohl in einer Traumwelt gefangen und der Bischof von Westtor hat keine Ahnung, was man da machen kann. Nun gut, ich werde mich darum kümmern. Wir verkaufen die frisch erbeuteten Sachen und kehren nach Chondathan zurück, schließlich habe ich ein Amt und eine Familie, um die ich mich zu kümmern habe. Ich erledige meine Pflichten und suche Karn in meinem Anwesen in der Lagerstadt auf, dass ich an die Ungesehenen Seher für eine Goldmünze pro Jahr vermietet habe. Mein Beitrag als ungesehene Seherin für meinen Orden. Karn hat leider nur begrenztes Wissen über Kristallgolems, da die Seher diese seit dem Untergang nicht mehr eingesetzt haben. Auch Serenius als Psioniker mit großem Wissen weiß leider nicht wirklich etwas darüber. Also wende ich mich an den Hohepriester des Auppensers, des alten Vatergottes von Jhaamdath. Es kostet mich einiges an Mühe, ihn aufzutreiben und ihn zu überreden, sich dieses Phänomens anzunehmen.

Er meditiert einen Zehntag darüber und lässt sich dann in die Traumwelt ziehen. Nach einem weiteren Monat kommt er wieder zurück und Jenna ist geheilt. Sie hat sich gewandelt und zieht nun mit dem Hohepriester mit. Natürlich passieren in der Zeit noch viele andere Dinge.

Da mir das kleine Volk nicht aus dem Kopf geht, auch wenn sie sich weder in der Stadt, noch in den Kavernen blicken lassen, beginne ich die Sache zur Sprache zu bringen. Die meisten Wagemutigen sind gegen eine direkte Konfrontation. Aber ich kann nicht dulden, dass sie einen blasphemischen Extraktor haben. Ich spreche mit Harvard Repp über das Thema. Er ist sichtlich gealtert seit der längsten Nacht und sieht zwanzig Jahre älter aus als er wirklich ist. Die letzten Jahre waren schon nicht gut zu ihm gewesen und die schrecklichen Ereignisse der jüngeren Vergangenheit haben ihm den Rest gegeben. Aus dem rundlichen gesunden Mann von unserer ersten Begegnung ist nur noch ein dürrer ausgezehrter alter Mann übrig. Im Kollegiat gibt es kaum noch Magier. Zu viele sind während der längsten Nacht entweder gefallen oder aus eigenen Stücken zu Schattenmagier konvertiert. Die wo wir nicht getötet haben, sind auf der Flucht. Mir wird bewusst, dass dieses Kollegiat nicht mehr lange existieren wird. Viele Magierakademien gibt es nicht mehr, die alten Traditionen verschwinden. Der Tag wird kommen, wo die meisten Magier sich einen Lehrling nehmen und diesen dann nebenher ausbilden. Aber noch ist es nicht soweit.

Direktor Repp weiß Rat, da er sich auch schon Gedanken zu dem Thema gemacht hat. Auch er rät mir von einem offenen Konflikt ab, da die Folgen unkalkulierbar wären bei einem Gegner, der die Schattenebene zur Bewegung nutzen kann. Er schlägt vor, eine Schutzgottheit für das kleine Volk zu finden, braucht aber die Hilfe der Triade dafür. Wenn ich mich für seinen Plan einsetzen würde, dann hätte er vielleicht eine Chance, beim Bischof Gehör zu finden. Das Kollegiat wird immer noch offen angefeindet, stand es doch zu lange im Dienst von Moloch, haben ja seinen mächtigsten Diener Kultuma aus seinem Schattengefängnis befreit. Nun gut, ich folge der Stimme der Vernunft und bringe die wichtigsten Leute an einen Tisch, wo wir über das Schicksal des kleinen Volkes bestimmen. Tatsächlich haben Harvard Repps Forschungen in dieser Richtung Erfolg und eine Schutzgottheit nimmt sich dieser Kreaturen an. Schließlich verlassen sie die Hallen der Zwerge, was dem Talynsteinklan nur zu Recht ist, und gehen in die Tiefen des Unterreiches. Da ich nie etwas von ihnen hörte, schien wohl Harvard Repps Plan aufgegangen zu sein. Besonders da eine der Bedingungen gewesen war, den Extraktor vorher zu zerstören. Mir fällt ein großer Stein vom Herzen, dass diese missliche Lage ausnahmsweise ohne Blutvergießen gelöst werden konnte. Da hat Tymora uns aber mal wieder gelächelt.

Illurien, dass wissensdurstige und äußerst zwielichtige Wesen aus der Wasserelementarebene, nimmt Kontakt mit uns auf und bietet uns an, mit ihr in die siebte Ebene der verfluchten Hölle zu gehen, um dort einige alte Verstecke von Moloch zu plündern. Ich lehne als erste ab, da ich auf keinen Fall ein weiteres mal in diese Ebene reisen werde. Letztes mal wurden meine Kinder entführt, brach die längste Nacht aus, wer weiß, was alles passiert, wenn wir wieder weg sind. Das war damals ein großer Fehler gewesen und ich werde Mili nie wieder so lange allein lassen, bis sie erwachsen ist. Ohne mich haben die restlichen Wagemutigen nicht so das Interesse, da auch Dolon lieber am Feldzug gegen die Piraten teilnehmen will. Druss und Lia, die Beide anfangs Feuer und Flamme gewesen waren, kühlt die Begeisterung für Illuriens Projekt schnell merklich ab und auch sie schließen sich dem Kriegszug gegen die Pirateninseln an. Unverrichteter Dinge verschwindet Illurien und ich sollte auch sie nie wieder sehen.

Die Flotte der Gemeinschaft der Fünf sticht schließlich voller Seesöldner und mit dem Großteil der Wagemutigen an Bord in See. Ich bleibe zurück und übe mein Amt aus. Schließlich bin ich Herzogin und Glücksbotin. Jeden Tag habe ich viel zu tun und auch die menschlichen Wächter der Kavernenwacht wollen geführt werden. Und da ist ja schließlich auch noch meine Familie, die ich viel zu lange vernachlässigt habe. Trotzdem nehme ich an allen großen Schlachten um die Pirateninseln teil, da ich ja jeder Zeit mitten ins geschehen Teleportieren kann. Auch wenn die Schwarze Hand zerschlagen ist, gibt es noch viele andere gefährliche Piratenbanden, die auf der See des Sternenregens ihr Unwesen treiben. Die Wagemutigen sind immer dort, wo die Kämpfe am heftigsten sind. Schließlich mischt sich die Insel Amra, wo wir den Nekromantenclan bekämpft haben, massiv in die Kampfhandlungen zugunsten der Piraten ein. Dadurch muss ein weiterer Feldzug gegen die Insel geführt werden. Die Kämpfe sind blutig und langwierig. Die weißgetünchten Häuser der einst doch recht malerischen Insel sind am Ende Rot vom Blut der Verteidiger, die verbissen um jeden Quadratschritt Boden ihrer Heimat kämpfen. Ich hasse den Krieg, denn letztendlich bezahlen die einfachen Menschen dafür mit dem absoluten Preis. Aber hier und da gelingt es mir, dass schlimmste wie damals in Westtor für einige wenige Glückliche zu verhindern.

Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #631 am: 16. Juli 2012, 13:51:42 »
20. Uktar 739 TZ Jahr des wankenden Minotaurus Chondathan

Dolon schneit am Abend in mein Anwesen im Adelsviertel hinein. Ich wollte schon gerade mit meinem innig geliebten Garn zu Bett gehen und die Freuden einer Ehefrau genießen. Der Schlachtenrufer hat Nachricht von Xelfex erhalten, seine Tochter sei gefunden worden. Er müsste sie nur noch im Abgrund abholen. Von dieser Idee bin ich ganz und gar nicht begeistert. Wir reden davon, ein Kind, auch wenn es ein Scheusal sein mag, ihrer leiblichen Mutter zu entreißen. Was ein ziemlich grausamer Akt selbst bei einem Dämon ist. Aber ich kläre mich bereit, die anderen zusammen zu trommeln und Xelfexs Ausführungen zuzuhören.

Druss hat inzwischen Burg Rannick im Kreegogerwald in Besitz genommen und baut sie wieder auf. Harun ist mit Nalia Liganat verlobt und verbringt viel Zeit auf dem Anwesen seiner Verlobten. Mit Teleportationsstiefeln ist das kein Problem, da er ja noch ein wichtiges militärisches Amt in der Stadt hat. Lia hat ein Lehen in der Wildnis im weiten Norden und eine Siedlung gegründet, wo Menschen und Elfen friedlich beieinander leben können.

Schließlich sind wir alle wieder versammelt und rufen Xelfex. Der Teufel erzählt, dass Dolons Tochter sich auf 570 Ebene des Abgrundes mit dem schönen Namen Shendilavri in einem Ausbildungslager für angehende Spione aufhält. Diese Ebene ist hauptsächlich von Succubi bewohnt und wird von ihrer Königin mit dem Namen Malkanthet regiert. Dort halten sich recht wenige andere Dämonen auf, aber unter dem Boden hausen die ganzen abgelegten Liebhaber der Succubi und wachen eifersüchtig darüber, dass niemand an die Oberfläche gelangt. Und durch die müssen wir hindurch, da die Tore dieser Welt über diese Kavernen führen. Für den Transfer dorthin würde Xelfex nur fünf Seelen pro Person nehmen. Da Xelfex gerade da ist, verkünde ich, was wir Erbberechtigten von Mathras beschlossen haben. Nachdem ja schon alle guten Seelen ihren Ebenen und Schutzgottheiten überstellt worden sind, wird das gleiche mit den Neutralen und Bösen Seelen geschehen. Xelfex ist enttäuscht und meint: "Ich hätte Euch mit wirklich mächtigen Geschäftspartnern ins Gespräch bringen können. Nun werdet ihr höchstens ein freundlichen Schulterschlag von euren Schutzgottheiten bekommen. Falls überhaupt."

"Und das ist Belohnung genug!" meine ich eifrig. "Die Paktierer und Schutzgottlosen werden die Transferkosten begleichen, der Rest ist uns zu übergeben."
"So wird es geschehen", meint der Teufel etwas enttäuscht über unser störrisches gutes Verhalten. Und das es ihm einfach nicht gelingen will, uns zu korrumpieren. Nachdem das geklärt ist, fragen wir nach Details. Dolons Tochter heißt Lynkha, ist sieben Jahre alt und hat Feuerrotes Haar, ein Erbe ihrer Mutter Adea. Nicht das Dolon ihren Namen gewusst hätte, war wohl mit was anderem beschäftigt als nach solch profanen Dingen zu Fragen. Finsternis. Es entbrennt eine große Diskussion, was wir machen sollen. Dolon will in den Abgrund und seine Tochter hoch holen. Was er dann genau hier mit ihr machen will, weiß er selbst nicht so genau. Als ob Dolon bei seinen Aufgaben die Zeit hätte, so eine Art von Kind zu erziehen. Ich habe da große Zweifel. Dolon ist ein Einzelkind, einsam auf den Straßen dieser Stadt aufgewachsen. Er ist denkbar ungeeignet für eine solche Aufgabe. Aber Lia ist voller Fanatismus und besteht ebenfalls auf eine "Rettung". Druss kommt mit, weil Dolon geht, und Harun genauso. Bin ich die einzige, welche etwas über ihren Tellerrand schaut?

Lynkha ist ein Produkt des Abgrundes, gezeugt in Lust und böser Absicht. Was soll da je etwas Gutes heraus erwachsen? Was soll hier aus ihr werden? Außer dass ein weiteres Scheusal auf Faerun herum läuft? Ich gehe mit unter der Bedingung, dass wir Lynkha selbst entscheiden lassen, was sie will. Es ist ihr Leben und sie wird in erster Linie alle Konsequenzen dieser Tat tragen müssen. Ich verfluche mich, dass ich damals die beiden Hurenböcke nicht aufgehalten habe, sondern dass ich so verdattert über Ryans und erschüttert über Dolons Leichtsinn gewesen war, dass ich mich nicht hatte aufraffen können, sofort etwas zu unternehmen. Na ja, Verantwortung bei solchen Dingen war noch nie die Stärke von Männern gewesen. Und Ryans Aussage danach, dass sterbliche Frauen einer Succubi niemals das Wasser reichen würden können, nagt immer noch an mir. Besonders wütend macht mich immer noch Dolons eifriges Beipflichten. Finsterste Verdammnis!

Denken eigentlich alle Männer nur mit ihrem Gemächt? Man könnte beinahe diesen Eindruck gewinnen. Ryans Tochter, falls es überhaupt je eine gab, hat sich Xelfexs Bemühungen sie zu finden jedenfalls erfolgreich entzogen. Am nächsten Nachmittag werden wie die Reise in Angriff nehmen, wenn Dolon seine Gebete auf die bevorstehende Mission abgestimmt hat. Ich werfe die Bande aus meinem Haus und empfehle ihnen den Silberfisch, da ich nicht gerade in Gastfreundschaftlicher Stimmung bin. Saubande!

Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #632 am: 19. Juli 2012, 14:38:11 »
21. Uktar 739 TZ Jahr des wankenden Minotaurus 570. Ebene des Abgrundes "Shendilavri"

Xelfex, oder besser gesagt ein Ding in seiner Begleitung mit viel zu vielen Augen öffnet in meinem Keller ein Tor in den Abgrund, das uns in diesen auch ohne Probleme befördert. Wir kommen in einer großen Höhle heraus. Xelfex wird hier auf uns warten, während die hier lagernden Männer uns mit brennendem Hass in ihren Augen betrachten. Die meisten sind bis zur Unkenntlichkeit deformiert und schrecklich mutiert. Einige sind kaum noch als Menschen zu erkennen. Aber vielleicht waren sie auch nie Menschen, wer weiß das schon in dieser Gegend so genau? Auf alle Fälle sind sie sehr aggressiv, schwer gerüstet und ebenso schwer bewaffnet. Sie rotten sich zusammen, bilden so etwas wie eine geschlossene Formation und greifen ohne weitere Warnung an. Ich versuche sie mit einer Sphäre der Unsichtbarkeit zu täuschen, aber wir werden leider gezwungen, den Kampf anzunehmen. Es entbrennt ein Schlagabtausch mit Massenzaubern, die großen Lücken in die Reihen der Angreifer reißen und wir rücken vor. Es kostet einen großen Teil meiner Flächenzauber, uns hier durch die Masse zu kämpfen. Wir hinterlassen einen Haufen schwellender Leichenberge.

Schließlich brechen wir an die Oberfläche durch und kommen in einer parkähnliche Landschaft heraus. So was Liebliches hätte ich ihm Abgrund nicht vermutet, sondern eher in den hohen Ebenen. Unsere Gegner bleiben im Untergrund und es wird kein Spaziergang werden, da ein weiteres mal durch zu kommen, aber das müssen wir wohl auch nicht, da wir zurück Teleportieren können. Lia und ich übernehmen gewohnheitsmäßig die Spitze, die Männer folgen ins in voller Breite. Schon bald wird das Fehlen jeder Art von Leben offensichtlich. Keine Biene summt, kein Schmetterling flattert herum, kein Vogel am Himmel, kein Kleintier, dass durch das hohe Gras huscht. Bald komme ich mir ziemlich dämlich vor, mit gezogenen Kurzschwert durch das Gras zu laufen und stecke es erst mal weg. Schweigend laufen wir durch diese liebliche, doch leere und dadurch äußerst bedrückende Landschaft. Xelfex hat uns eine Karte mitgegeben und wir erreichen nach drei Stunden das Trainingslager.

Das Lager ist von einer steinernen Mauer umgeben, die von einer hohen Hecke gekrönt ist, welche eine Stählerne Konstruktion bedeckt, da hier und da eiserne Sporne heraus ragen. Wahrscheinlich kalt geschmiedet. In der Mitte der Mauer gibt es ein eisernes Tor, an einem Band hängt eine Glocke. Wahrscheinlich werden wir schon seit Stunden erwartet. Dolon klingelt kurzerhand und eine leicht bekleidete Dienerin öffnet uns das Tor.

"Wir sind die Wagemutigen und wir werden sicherlich schon erwartet", meine ich mit einem Lächeln. Innerlich überlege ich, ob ich auch alle Schutzzauber oben habe, was der Fall ist. Ich bin gegen jede Art von Energie geschützt, bin maximal bis auf das Schild geschützt, dass ich nicht offen aktiviert haben möchte. Schließlich wollen wir erst mal reden. Die Dienerin führt uns durch eine kunstvoll angelegte Gartenanlage zu einem prächtigen Herrenhaus. Auf einer Grasfläche baden drei Grazien im Licht und präsentieren ihre makellosen Körper den Blicken. Die Männer bekommen Stilaugen und machen sich danach lächerlich, dass sie angestrengt überall anders hinsehen, nur nicht zu den Frauen. Im Eingangsbereich des Herrenhauses erwartet uns schon ein Succubi, die ein raffiniert geschnittenes Kleid trägt, dass ihre Rundungen betont und gerade so genug verhüllt, um neugierig zu machen. Die Männer bekommen rote Ohren und ich verdrehe innerlich die Augen.

"Wir sind die Wagemutigen und sind wegen einer familiären Angelegenheit her."
"Ich bin die Herrin dieses Anwesens und ihr seid hier nicht willkommen, Wagemutige."
"Wie ist Euer werter Name?"
"Ihr könnt mich Gamai nennen." Es geht nun etwas hin und her. Schließlich schauen die Männer finster genug, dass Gamai sich bequemt, Lynkha uns zu präsentieren. Das Mädchen trägt ein langes Kleid und sie ist barfuß. Aus ihren Schultern ragen als Erbe ihrer Mutter lederne Fledermausflügel heraus. Auch hat sie zwei süße kleine Hörnchen auf ihrer Stirn. Ihr Haar ist unirdisch rot. Nur den abschätzenden Blick hat sie von ihrem Vater, sonst ist sie ganz ihre Mutter. Ich geh in die Knie und begegne ihr auf Augenhöhe. Sie rümpft die Nase, wahrscheinlich riecht sie, dass ich zu einem gut und zum anderen eine geweihte Priesterin einer guten Gottheit bin. Ich bin ein Fremdkörper in dieser Ebene und sie spürt das nur zu gut.

"Du bist Lynkha, nicht wahr?"
"Ja, so werde ich genannt."
"Gefällt es dir hier?"
"Hm", antwortet sie unverbindlich. Hinter ihr tritt nun ihre Mutter heran und sieht gar nicht glücklich aus. Ich kann ihr nachfühlen, was sie fühlt. Es gibt wenig schlimmeres, als einer Mutter ihr Kind weg zu nehmen, auch wenn die Mutter eine durch und durch böse Kreatur ist.

Dolon tut es mir nun gleich und versucht mit seiner Tochter ein vernünftiges Gespräch zu führen. Lynkha versucht sich unbeeindruckt zu geben, sie hat schon gelernt, keine Gefühle zu zeigen. Besonders keine Schwäche. Schwach zu sein, bedeutet Opfer zu sein. Und Opfer zu sein, macht keinen Spaß. Es gibt einiges hin und her, bis schließlich die entscheidende Frage gestellt wird.

"Wo willst du lieber leben, bei deiner Mutter Adea hier auf dieser Ebene des Abgrundes oder bei mir, deinem Vater, dem hochangesehenen Schlachtenrufer Dolon Braska von Tempus, Mitglied der Wagemutigen und Abt der Abtei des Schwertes auf der materiellen Ebene?" fragt schließlich Dolon. Das Mädchen dreht sich um, blickt ihre Mutter an, dann Ganai, dann den Schlachtenrufer, der ihr Vater ist.

"Sie bleibt bei mir! Ich bin ihre Mutter! Ich habe sie geboren, sie aufgezogen, mich um sie gekümmert. Du hast kein Recht, mir mein Kind abspenstig zu machen." Die Succubi ist offensichtlich verzweifelt, wenn sie sich schon auf solche Dinge, wie "Recht" beruft. Unser Ruf ist uns bestimmt voraus geeilt und wir haben Götter getötet. Wahrscheinlich ist Gamai sich diesen Umstand nur zu bewusst und schätzt ihre Chancen wohl als nicht allzu rosig ein. Ich wünschte, viele unserer Gegner hätten diese Weisheit gehabt, viel weniger Blut würde an meinen Händen kleben.

"Ich will zu meinem Vater!" bestimmt sie schließlich und ich sehe zum ersten mal in meinem Leben einen Dämon weinen. Es ist ein erschütternder Anblick. Adea muss es das Herz zerreisen, ihr Kind so reden zu hören.
"Nein, du bleibst bei mir!" ruft Adea hysterisch und umklammert verzweifelt ihr Kind.
"Nun gut, ihr könnt Lynkha haben. Und nun geht!" Bestimmt Gamai, die uns so schnell wie möglich loswerden möchte, bevor die Lage eskaliert. Und bei uns eskaliert sie meistens. Es sind vier Succubi nötig, um Adea von ihrer Tochter zu lösen und in das Haus zurück zu zerren.

"Dann gehen wir, komm Lynkha." Wir bewegen uns vor das Anwesen, da ich denke, das es selbst vor Teleportationsmagie geschützt sein dürfte, bilden einen Kreis und teleportieren zurück in die Höhle, wo Xelfex uns mit einem sardonischen Grinsen erwartet.
"Prima, scheint ja alles zur Zufriedenheit gelaufen zu sein." Könnte man beinahe so sagen, trotzdem fühle ich mich schlecht. Wir kehren zurück in mein Anwesen, Xelfex händigt uns die übrig gebliebenen Seelenlarven aus und geht seines Weges. Sprich, er verschwindet theatralisch in einer übel stinkenden Schwefelwolke. Das hat er bestimmt nur deswegen getan, um mich zu ärgern. Wir teilen die restlichen Larven unter uns auf. Ich halte meine erst mal zurück, man weiß nie, ob man nicht noch mal einen Anwalt aus der Hölle braucht. Und da es sich um die Seelen von Paktierern handelt, habe ich auch wenig moralische Bedenken. Die Elfe gibt Lynkha ihren Ring, der ihr ein menschliches Aussehen verleiht, da das kleine Scheusal nicht in der Lage ist, ihrer Flügel zu tarnen. Mit ihren Verschleierungskräften kann sie bisher nur ihre Hörnchen verschwinden lassen, was aber recht wenig bringt. Dolon und Lynkha verlassen mein Anwesen als Erste, mit gemischten Gefühlen sehe ich ihnen nach. Was wohl aus der Kleinen werden wird?

Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #633 am: 23. Juli 2012, 13:02:06 »
6. Tarsak 800 TZ, im Jahr der Schwarzen Faust Chondathan Adelsviertel Anwesen der Familie Larund

Die Jahrzehnte vergingen wie im Flug, ich wurde noch zweimal von Garn schwanger und gebar einen weiteren Sohn, nach seinem Vater Garn Junior benannt und als Nesthäkchen einen Tochter, die wir Klein Kaira nannten. Mili kam schnell in ein gefährliches Alter und machte viel Unsinn. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich sie aus prekären Situationen retten musste. Eine berühmte Mutter zu haben, macht vieles einfacher, aber man ist eben in erster Linie Kairas Larunds Tochter und nicht Miliandra Rhea, da sie sich schließlich wieder mit dem Nachnamen ihres nichtsnutzigen Vaters vorstellte, um sich so von mir weiter zu distanzieren. Schließlich brannte sie mit ihrem Fechtlehrer durch und gründete die "Mutigen Schattenstürumer", so dass sie letztendlich den Gruppen ihrer Eltern huldigte, aber trotzdem etwas eigenständiges hatte. Mit Lucrezias Degen und Amulett aus meinem Fundus war sie gut geschützt, ich ihren Werdegang trotzdem aus der Ferne beobachtete und öfters mal gezwungen war, helfend einzugreifen, was Mili jedes Mal rasend vor Wut machte. Aber mir war eine schäumende Tochter immer lieber als eine tote. Auch sie wurde erfahrener und war schließlich gut genug, um selbst mich abzuschütteln. Außerdem war ja da noch Herr Fröhlich, ihr riesiger Beschützer aus dem Reich der Schatten, auch wenn der mir aus gutem Grund nie geheuer war. Sie lernte mit Schatten Dinge zu formen, ein Kunst, die mir Angst machte.

Mein Sohn Alarion wurde schließlich Maler, leider kein sehr erfolgreicher. Seine Bilder waren äußerst Düster und von eigenartiger Melancholie. Ich nehme mal an, er verarbeitete damit das, was ich ihn mit meiner Abenteurerkarriere angetan habe. Schließlich war er als Kleinkind mehrmals sehr schlimmen Situationen ausgesetzt gewesen und da ist wohl unbewusst einiges hängen geblieben. Irgendwie erinnern mich seine Werke an die von Gregor Vern, dem Maler, der von den Tsochhari besessen war, ohne allerdings an dessen Meisterschaft heran zu reichen. Er gründete früh eine Familie, heiratete ein vermögendes Mädchen und erfreute mich mit vielen quirligen Enkeln.

Mein Vater starb schon wenige Jahre nach der längsten Nacht an Altersschwäche. Für was er mich ausgebildet hat, tja, dieses Geheimnis nahm er mit in sein Grab. Vielleicht war dies auch schon lange vorherbestimmt gewesen. Die Wege der Götter sind manchmal sehr vorrausschauend. Schließlich kehrte Mili nach einem Jahrzehnt der Wanderschaft ohne Kontakt zu mir mit zwei eigenen Kindern zurück in die Stadt. Ich stellte keine Fragen und sie erzählte nie, was ihr widerfahren war. Sie erbte den Silberfisch von der Erlans, da sie dort geboren und den alten kinderlosen Leuten doch ans Herz gewachsen war. Sie taufte den Silberfisch in Ladys Reas um und baute es für eine ganz spezielle Kundschaft um, weibliche Abenteurer.

Ich selbst ging meinen Weg als Herzogin, tat viel für das Gesundheitswesen der Stadt und wurde Reich mit einigen gewagten Unternehmungen. Schließlich hat man als Glücksbotin auch eine gewisse Vorbildfunktion. Jeden Tag teleportierte ich bis ins hohe Alter nach Westtor und Arras, beförderte sicher begüterte Reisende und Dokumente. Diesen Service ließ ich mir entsprechend entlohnen. Auch investierte ich in einige profitable Unternehmungen, die immer noch Gewinn abwerfen. Ich ließ es mir nicht nehmen, einmal jeden Zehntag eine Patrouille der Kavernenwacht zu begleiten und alles zu vernichten, was an lebenden oder untoten Unrat wir aufstöbern konnten. Damit verdiente ich mir den Respekt meiner Leute, auch wenn sie immer ein sehr eigensinniger und verschworener Haufen blieben. Hier und da gab es noch kleinere Abenteuer, die aber keine wirkliche Herausforderung mehr für mich waren. Allerdings gelang es mir, mehrmals mit der ganzen Familie auf kleine kurze Abenteuer zu gehen und konnte mich so besonders Mili wieder annähern. Hier und da tauchten noch Diener von Moloch auf, die ich dann mit großer Genugtuung ebenfalls vernichtete. Ich nahm an keinem Krieg mehr teil, auch wenn es hin und wieder hoch dotierte Angebote in dieser Richtung gab. Der Feldzug gegen Westtor und dann gegen die Pirateninsel waren genug Kriege in meinem Leben, schließlich bin ich Glücksbotin und keine Schlachtenruferrin.

Klein Garn trat in die Fußstapfen seines Vaters, wurde Glücksbote der Tymora, hatte eine eigene Gruppe von Abenteurern und erlebte einige haarsträubende Abenteuer. Schließlich wurde er reifer und klüger, heiratete und wurde im hohen Alter nach dem Tod von Ryan, der zeitlebens ein Leichtfuß blieb, Hohepriester des Tymoratempels. Um den Tempel herum entstand ein Glücksspielviertel und hatte so stetige Einnahmen. Auch wenn dieses äußerst zwielichtige Klientel natürlich andere Besucher und potentielle Gläubige verschreckte.

Klein Kaira war eher meiner Profession zugetan und wurde mein eifriger Lehrling. Ich nahm mir für sie die Zeit, die ich für Mili nie gehabt habe. Aber das Böse zu bekämpfen fordert eben seinen Tribut.

Das Kollegiat starb mit Harvard Repp, dem letzten großen Direktor dieser traditionsreichen und altehrwürdigen Institution. Von den mannigfaltigen Widrigkeiten der längsten Nacht erholte es sich nie mehr. Die Verluste an kompetenten Magier und die enorme Rufschädigung waren einfach zu groß. Die nachträglichen und durchaus erfolgreichen Bemühungen von Harvard Repp, dass kleine Volk friedlich los zu werden sind nie wirklich von der Bevölkerung oder Offiziellen honoriert worden. Ich erwarb das Grundstück mit dem großen Gebäude und versiegelte es so gut wie möglich, da in den Kellern und Laboren doch noch viele unbekannte Gefahren lauern mochten. Auch wollte ich so die Totenruhe in der Gruft unter dem Kollegiat bewahren.

Der Clan der Talynsteins erholte sich ebenfalls nicht wieder von seinen Verlusten, die wir ihnen beigebracht haben und büßten nach und nach ihre Besitzungen ein. Der Clan hat sich inzwischen über die ganzen Kolonien verteilt, manche suchen ihr Glück im hohen Norden, wo es noch eigenständige und unabhängige Zwergenzitadellen gibt. Hier in der Stadt leben nur noch ganz wenige Zwergenfamilien, die sich ganz dem Schmiede oder Edelsteinhandwerk hingegeben haben.

Thropp tauchte nie wieder auf, auch keine Überlebenden der Januskompanie, um sich eventuell zu revanchieren. Wir bargen nach dem Abzug des kleinen Volkes die Leiche von Jaspar Janus und bestatteten ihn mit allen Ehren. Auch er war ein Streiter des Lichtes gewesen, auch wenn er auf falschen Pfaden wandelte. Auch sorgte ich dafür, dass das Portal zur Hölle versiegelt wurde.

Fünf Jahre nach Molochs Vernichtung wurde den Wagemutigen zu Ehren ein Denkmal eingeweiht. Damals sangen die Barden noch Lieder über unsere Taten und meine Bücher, die ich im Laufe der Jahre über unsere Abenteuer geschrieben habe, verkauften sich gut. Inzwischen kann man vor Taubendreck kaum mehr die Namen auf der Inschrift des Denkmals lesen. Auch wissen schon viele nicht mehr, wer die Wagemutigen waren und was sie für die Stadt geleistet haben. Das ist wohl der Lauf der Zeit. Jede Generation hat ihre eigenen Helden. Ruhm ist etwas sehr vergängliches, aber zum Glück bin ich inzwischen über diese Phase hinweg, wo Ruhm mir noch etwas bedeutet hat. Früher war das anders, aber inzwischen hat das Alter und die Lebenserfahrung mich reifen lassen.

Den Göttermörderdolch übergaben wir der Triade und sollte an einen sicheren Ort gebracht werden. Leider verschwand die Eskorte spurlos und der Dolch war so erst mal verloren. Vielleicht wird dies die Queste einer anderen Abenteurergruppe werden. Inzwischen machen die Harfner von sich reden. Eine seltsame Vereinigung von Abenteurern, die sich um einen gewissen Elminster geschart haben, der übrigens ein äußerst schmieriger Rüpel ist. Der Kerl wollte mich tatsächlich für seine Bande von Bänkelsängern gewinnen, aber ich habe ihn kurzerhand aus meinem Haus geworfen. Der penetrante Geruch von seiner Pfeife hielt sich noch tagelang in meinem Haus. Verdammnis!

Die ungesehenen Seher wandelten sich langsam zu einer besseren Diebesgilde, die sich auf die Beschaffung und Handel mit Informationen spezialisierte. Klein Kaira trat schließlich bei und fühlte sich wohl bei ihnen. Ganz meine Tochter. Später löste sie Karn nach dessen Tod als Anführer ab und ihre älteste Tochter erbte schließlich das Amt von ihr, als diese sich übernahm.

Der Templer Harun heiratete schließlich Nalia Liganat und zog dann ganz um in die abgelegene Baronie. Er starb im reifen Alter bei einem Jagdausflug in den Bergen.

Der Barbar Druss heiratete eine Einheimische, zog sieben kräftige Söhne auf, von denen er vier noch zu seinen Lebzeiten begrub, da sie zwar sein Temperament geerbt hatten, aber nicht unbedingt sein überragendes können. Tatkräftig baute er Burg Rannick am Hakenberg wieder auf und sicherte die Handelsstraße nach Cormyr. Schließlich erlebte auch Druss selbst seinen letzten Kampf im hohen Alter von 68 Jahren und weilt nun schon eine halbe Ewigkeit bei seinem Gott. Der Spruch "Haut druff wie Druss" ist immer noch geflügeltes Wort in dieser Region. Auch wenn die wenigsten inzwischen wissen, woher der Ausdruck ursprünglich kommt.

Die Elfe Lia zog schließlich weiter, verließ ihr Lehen und verschwand aus meinem Blickfeld. Keine Ahnung, was aus ihr geworden ist. Und ehrlich gesagt, vermisse ich sie auch nicht. Immer wieder hat sie die Vorurteile bestätigt, die man hier so gegen Elfen hegt. Vielleicht wurde sie eines Tages selbst zu einer Trophäe oder sie reiste zu den ominösen Elfeninseln hinter den Nebeln.

Schlachtenrufer Dolon Braska von Tempus baute seine Abtei auf, wurde dessen erster Abt und heiratete spät. Seine Tochter Lynkha machte später als berüchtigte Kriegerin von sich reden, die zu einer gefürchteten Söldneranführerin wurde, bis auch sie schließlich auf jemanden traf, der Besser als sie war. In ihr war wohl doch mehr von Dolon als von ihrer Mutter. Dolon starb schließlich bei einer Schlacht, wo er wie üblich in der ersten Reihe stand. Mit über siebzig Jahren gönnten seine Brüder ihm den ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld im Dienste seines Gottes und bestatten ihn mit allen Ehren in der Gruft seiner selbstgegründeten Abtei. Seine Waffen und Rüstung wurden in Ehren gehalten und werden zu besonderen Anlässen im Tempel ausgestellt.

Xana bekam zwar das Dutzend Kinder nicht mehr voll, da auch Serenius schon lange von uns gegangen ist, aber ihre großzügige Behausung glich immer einem Tollhaus voller lärmender Kinder, egal wann man kam. Schon bald war der Übergang von eigenen Kindern, Enkeln und Urenkel sehr fließend. Unsere Familien sind mehrmals miteinander verwandt, einer von Milis Söhnen hat eine Tochter von Xana geheiratet. Einer von Alarions Söhnen eine Enkelin von Xana. Inzwischen haben Xana und ich auch schon einen gemeinsamen Ururenkel, ein süßer Fratz mit den Namen Sanmaster, der voller Begeisterung als Spielzeug einen kleinen, inzwischen schon arg ramponierten blauen Drachen mit wippenden Kopf und aufreißendem Maul auf Rollen hinter sich herzieht. Wie die kleine Mili einst ihre kleine Ente, die ich immer noch als wertvolles Erinnerungsstück habe. Der kleine Schlingel macht die ganze Zeit "Fu fu", was wohl das Fauchen eines Drachens nachmachen soll. Dabei hat er ein äußerst trauriges Schicksal, da seine beiden Eltern schon gestorben sind und er jetzt bei Xana aufwächst. Aber sie hat äußerst praktische Zauber, um ihre Rasselbande ruhig zu stellen, sollte die Sache mal über ihren Kopf wachsen. Telekinese und Netz sind vielseitiger, als mancher denkt. Xana war von allen Wagemutigen immer diejenige, die mir am nächsten stand. Die Reise in die alte Heimat, um einen Hohepriester für die Wiedererweckung von Serenius zu finden, hat uns zusammen geschweißt. Auch sonst hatten wir oft die gleiche Wellenlänge, auch wenn wir ein gänzlich anderes Verständnis der Kunst haben. Während ich immer älter wurde, blieb Xana länger jung. Bei Lia war es noch erschreckender zu sehen, dass sie nach vierzig Jahren immer noch fast gleich aussah wie an dem Tag, wo sie zu den Wagemutigen stieß.

Mit Blutschnitter Vaslo Zarr verband mich ebenfalls eine tiefe Freundschaft und manchmal gingen wir gemeinsam auf Schatzjagd, da Vaslo Zeitlebends ein passionierter Sammler von berühmten oder berüchtigten Waffen und Rüstungen blieb. Waffen und Rüstungen bekam er, ich alle anderen magischen Gegenstände und die Wertsachen wurden fair geteilt. Allerdings habe ich seit einem Jahrzehnt nichts mehr von ihm gehört und muss annehmen, dass auch er letztendlich seinen Meister gefunden hat.

Mir blieb dieses Schicksal zum Glück bis jetzt erspart, ich traf auf niemanden, der Besser als ich war. Meinen letzten Kampf hatte ich vor fünf Jahren gegen vier Rüppel, die meinten, eine alte Oma bei ihrem Abendspaziergang im Hafenviertel, wo ich Mili besucht hatte, um ein paar Münzen erleichtern zu müssen. Matrosen von Westtor. Als ich sie warnte und meinen Namen nannte, kannten sie mich nicht und lachten mich aus. Mein Ruhm ist wahrlich verblasst, aber die Kunst beherrsche ich nach wie vor meisterlich. Grün und blau geschlagen lieferte ich sie bei der Schildwacht ab, schließlich bin ich ja immer noch Reservistin dieser Organisation.

Die Zeiten haben sich geändert, die Stadt auch, manchmal erkenne ich ganze Straßenzüge nicht mehr wieder. In den Tavernen wird offen über die Loslösung der nördlichen Kolonien von unserem Mutterland Chondath gesprochen. Aber ich glaube, es wird noch Jahrzehnte dauern, bis es wirklich soweit ist und ich bin sicher, dass ich das nicht mehr erleben werde. Auf alle Fälle floriert der Handel, die Lagerstadt ist inzwischen von einer festen Mauer umgeben und hat einiges von seinem herben Charme eingebüßt, worüber aber niemand wirklich traurig ist.

Mein geliebter Garn ist schon vor zwei Jahrzehnten gestorben, kurz darauf starb Klein Kaira, wenn auch keines natürlichen Todes. Neugier tötet eben die Katze und es gibt immer einen, der Besser ist. Alarion ist vor fünf Jahren und Miliandra schließlich vor einem Jahr verstorben. Nur Klein Garn lebt noch als letztes meiner Kinder. Alle meine Brüder und Schwestern sind vor mir gegangen. Ich bin die letzte der menschlichen Wagemutigen. Wir schreiben das Jahr der schwarzen Faust, das 800ste Jahr nach Errichtung des stehenden Steines. Ich bin nun in meinem achtundachtzigsten Lebensjahr. Meine Ämter habe ich vor mehr als zwei Jahrzehnten aufgegeben, irgendwann ist einfach Schluss. Damals musste ich mich um Garn kümmern, der im Alter sehr stark nachließ. Ebenso hörte ich mit den Abenteuern auf. Manchmal werde ich von Jungspunden und angehenden Möchtegern Abenteurern aufgesucht, die von mir Rat oder sogar Tat erhoffen. Ab und zu kann ich sogar noch etwas beitragen, aber für den Kampf bin ich inzwischen einfach zu alt, auch wenn ich immer noch rüstig bin. Nun ist es Zeit für andere, dass Banner des Guten aufzunehmen und das Böse auf Toril zu bekämpfen, wo immer es sein hässliches Haupt erhebt. So wie im Norden, wo die Tyrannoskirche eine richtige Stadt gegründet hat. Verdammnis!

Ich bin zufrieden mit meinem Leben, denn ich habe letztendlich doch viel Gutes bewirkt und mitgeholfen, einen gefallenen Erzteufel zu vernichten. Wir Wagemutigen haben letzten Endes die finsteren Intrigen der verdammten Klingenherrscher in ihren Spiegeln vereitelt, welche die ganze See des Sternenregen mit allen angrenzenden Ländern ins Chaos gestürzt hätte. Leider konnten wir  nicht Justus, den kleinen netten Archon retten, auch bei Morgenrufer Vhor'tal haben wir kläglich versagt. Das hätte alles nicht sein müssen, wenn ich nur etwas mitgedacht hätte. Verdammnis! Auch war es uns nicht vergönnt, den Halbgott Harvan zurück ins Leben zu bringen. Hier und da habe ich sicherlich auch die falsche Entscheidung getroffen. Aber Erfahrung ist die Summe der Fehler die man überlebt hat. Und nur wer wagt, der gewinnt.

Wer hätte gedacht, als ich damals zum Brunnenhaus aufbrach, schier fast auf dem Tag vor unvorstellbaren 69 Jahren, um mir das Angebot von der guten Frau Renya Harloff anzuhören, dies der Beginn vom größten Abenteuer meines Lebens werden würde. Würde ich mich mit dem Wissen, dass ich heute habe, auch auf dieses Angebot angehen? Natürlich, denn alles Gute was mir bis heute wiederfahren ist, nahm an diesem Tag seinen Anfang. Dadurch lernte ich meinen Mann Garn kennen, der mir drei gesunde Kinder schenkte. Ich kam zu Wohlstand, zu Ansehen und zu einem wichtigen Amt, mit dem ich vieles für die einfachen Bürger dieser Stadt bewirken konnte. Natürlich hat Mili sehr unter meiner Abenteuerlust gelitten, was sie mir nie wirklich gänzlich verziehen hat, aber schließlich hat auch sie eingesehen, dass es eben nicht anders ging.

Nun ist es Zeit zu gehen. Ich spüre, dass nun meine Zeit gekommen ist. Diesmal wird sich das goldene Tor mit den Knochenornamenten endgültig hinter mir schließen. Aber ich bin sicher, dass mir Tymora ein weiteres Mal lächeln wird, wenn sie mich in ihrer Ebene willkommen heißt.

Glücksbotin Kaira Larund, geborene Grünbaum, verstarb am 7. Tarsak 800TZ, im Jahr der Schwarzen Faust. Sie wurde in der Familiengruft neben ihrem Ehemann und mit ihren Kindern unter dem Tymoratempel in Chondathan, dem späteren Searlon, beigesetzt.

Gespielt am 18.02.2012
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira 22 (Schurke 4/ Seher 2/ Unseen Seer 4/ Arkaner Trickser 11/Klerikerin der Tymora 1)
Druss 21 (Barbar 16/Psioniker 2/Ilthidentöter 3)
Dolon 20 (Kleriker 10/Kriegspriester 10)
Harun 20 (Krieger 6/ Gesegneter Templer 10/ Gotteskrieger 4)
Lia 20 (Waldläufer 5/ Kriegsmagier 6/Arkaner Bogenschütze 2/Mystischer Ritter 7)
EP: Diesmal nichts
Überwundene Gegner
1 angehender Halbleichnam
1 falscher Halbleichnam
Beute
Hunderttausende von Goldmünzen

Nachwort zu den Chroniken

Es ist vollbracht. Gestartet am 08.09.2007, beendet am 18.02.2012, fast viereinhalb Jahre Spielzeit. 104 dokumentierte und 4 nicht dokumentierte Sitzungen, da Con oder irrelevantes Zwischenabenteuer. Plus eines, das Finale des zweiten Bandes, wo ich in Berlin war und ohne mich gespielt wurde. Von der ersten bis zur zweiundzwanzigsten Stufe. Es war eine schöne Zeit. Eine Zeit voller Abenteuer, Magie und Spannung. Ich habe Tränen in den Augen, so hat mich das letzte Kapitel emotional mitgenommen. Ich hoffe, wer bis hier her gelesen hat, wird die aufgewendete Zeit dafür nicht reuen.

An dieser Stelle nochmal ein riesengroßes Dankeschön an unseren SL Stefan, der so viel Zeit und Mühe in diese Kampagne gesteckt hat, um uns in diese faszinierende Zeit von Faerun zu schicken. Etwa 750 Seiten sind die Chroniken unserer Abenteuer letztendlich lang geworden. Ich werde Kaira und die Wagemutigen vermissen.

Nachwort zu Kaira

Die Grundzüge des Konzeptes von Kaira entstanden während einer Pause auf der Nippon Connection, als Stefan und ich uns über die nächste Kampagne unterhielten. Ich hatte schon mal ein ähnliches Konzept für eine Minikampange um den Freihafen angestrebt, die wir mal vor Jahren gespielt haben, was letztendlich aber nicht über die fünfte Stufe hinaus ging. Ich wollte diesmal auch eine junge alleinerziehende Mutter spielen, welche mit ihrem Nachwuchs zu kämpfen hat. So was ist natürlich immer eine Steilvorlage für den SL. War schon ziemlich heftig, was alles mit meiner Familie passiert ist. Xana hat ja ebenfalls einiges abbekommen und da flossen reichlich Tränen bei der Spielerin. Kaira hat sich doch etwas anders entwickelt, als Anfangs geplant, aber mit dem Endergebnis bin ich sehr zufrieden. Natürlich war sie nie das Optimum an Effizienz, aber in diesem speziellen Umfeld war das auch nicht wirklich nötig. Sie konnte ihre anfangs definierten Aufgaben meist erfolgreich meistern und war recht überlebensfähig selbst in extremen Situationen. Durch den umzugsbedingten Wegfall unserer beiden einzigen Vollcaster hat sich ihre Aufgabenstellung etwas geändert, aber Kaira konnte Xana nie wirklich ersetzen, da ihr doch die Flexibilität einer Hexenmeisterin fehlte. Die Glücksbotin als letzte Stufe habe ich mir schon längerer Zeit vorgenommen, da sie doch immer sehr von ihrer Schutzgöttin angetan war und nach den Erfahrungen während des Kampfes gegen Moloch war dies letztendlich auch eine logische Konsequenz des erlebten. Im laufe der Jahre ist mir Kaira sehr ans Herz gewachsen. Aber nach der Kampagne ist vor der Kampagne.

Ausblick

Nun spielen wir "Freihändler" und natürlich habe ich auch hier ein Kampangentagebuch angefangen. Wer das hier gefallen hat, kann durchaus einen Blick in die "Fahrten der Audacia" werfen. Start wird nächste Woche sein.

Es wäre schön, wenn jeder Leser bis hierher durchgehalten hat, am Ende noch ein kurzes Statement abgeben würde.

Die Wagemutigen waren:

Teilnehmende SC mit mindestens 1 Jahr Mitgliedschaft
Glücksbotin und ungesehene Seherin Kaira Larund (Rhea)
Schlachtenrufer Dolon Braska von Tempus
Lia die Elfe
Xana die halbelfische unbändige Hexenmeisterin
Schicksalswächter Ryan von Tymora
Druss der Barbar
Erdgenasi Gerotar die Hexenkline

Teilnehmende SC mit weniger als 1 Jahr Mitgliedschaft
Templer Harun
Templer Johann
Holt Brennal (Kämpfer/Barde, der nicht singen wollte)

Gast SC
Nagi (Gnom Druide)
Quarim (Halbling Hexenmeister)
Brox (Halborkischer Kämpfer)
Estarion (Elfischer Barde)
Shia (Dunkelelfische Hexenklinge)
Shyan (Halbdunkelelfische Nonne)


Ende

Grindlorn

  • Mitglied
    • Enwe Karadâs
Der Test der Zeit
« Antwort #634 am: 23. Juli 2012, 13:26:44 »
Meinen Glückwunsch! Und vor allem meine Bewunderung! Ich schon sehr lange ein Mitleser gewesen, obgleich ich zugeben muss, dass ich nicht die gesamte Storyhour verfolgt habe.

Du hast dir den Stil erhalten und die Runde trotzdem vorangebracht und ohne, dass es einem als Leser langweilig wurde und trotzdem hat man mehr als ausreichend Entwicklung gesehen. Das war sehr schön zu lesen.
Doch am beeindruckensten fand ich und finde ich, dass du es vorangetrieben hast und dich nicht von mangelnden Kommentaren und Auseinandersetzungen mit deiner Story Hour hast entmutigen lassen. Etwas, was sehr häufig passiert, gerade wenn man zu Beginn noch mehr Kommentare hat und die dann abflachen. Dieses Durchhaltevermögen verdient höchsten Respekt!

Chapeau!  :cookie:
"Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen." - Johann Wolfgang von Goethe

endier

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #635 am: 24. Juli 2012, 07:56:04 »
Meinen Respekt für die komplette Chronik.
Ist ja nicht nur eine Story Hour für eine Kampagne, sondern die Erlebnisse des ganzen Lebens, mit einem Ende, das zwar nicht heroisch, aber umso emotionaler ist.

Freue mich schon auf die nächste, habe aber volles Verständnis für, wenn Du zunächst eine Auszeit nimmst.

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