• Drucken

Autor Thema: Der Test der Zeit  (Gelesen 81664 mal)

Beschreibung:

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #75 am: 14. März 2008, 13:01:05 »
21. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Die Herren der Schöpfung sehen das klein wenig anders, welche Frau wundert’s? Schlachtenrufer Dolon treibt uns mit äußerst harschen Worten an, das verdammte Rätsel erstmal zur Seite zu legen und uns ihre Hintern in Bewegung zu setzen, bevor Larnas Leute sich zusammenschließen und in großer Stärke zurück kommen. Nun gut. Ich öffne noch ein Geheimfach, wo uns etwa 500 Gold entgegen springen. Dazu noch weiteres Gift und ein Buch mit Daten über Geschäftsverbindungen. Das könnte sich noch als nützlich erweisen. Auch schauen wir kurz noch im Esszimmer nach, wo wir das Silberbesteck zu unserer Beute dazuzählen. Die Vorräte lassen wir an Ort und Stelle. Auf dem Stockwerk gibt es noch einen Schrein des Tyrannos. Vater hat mir viele schreckliche Geschichten erzählt, was mit Leuten passiert ist, die gemeint haben, sich an dem Eigentum von Tempeln zu vergreifen. Da ich nicht am eigenen Leib erfahren will, was daran jetzt reine Übertreibung oder doch schreckliche Wahrheit ist, lasse ich meine kleinen Fingerchen da, wo sie nichts mitgehen lassen können.

Schwer bepackt gehen wir in den Keller, wo sich noch ein Schatzraum befindet. Der alte Mann ist schwer verletzt worden. Bissspuren wie es aussieht. `“Wie ist denn das passiert? Das ist ja schrecklich! Haben wir hier irgendwelche Bestien übersehen?“ Das waren wohl Brox’ Hunde und es war kein Unfall, wie uns der alte Mann mit deutlichen Worten erklärt. „Ich musste doch vorher die Hunde ausprobieren!“, verteidigt sich der Halbork. „Ich glaube, unsere Wege werden sich heute trennen!“ So ein Schuft, einfach Hunde auf einen harmlosen alten Mann zu hetzen, nur um sie „auszuprobieren“! So jemanden können wir wirklich nicht gebrauchen. Glücksbote Ryan sieht noch schlimmer aus als vorher, so ein Aufenthalt in einem säureartigen Schleim ist nicht gesund. Ich hoffe, er hat was daraus gelernt. Brav zottelt er hinter uns her, als wir zum Schatzraum gehen. Ein Schlüssel steckt schon, den hat Dolon da rein gesteckt. Ich muss mir ein Grinsen über die offensichtliche Falle verkneifen. Es dauert nur wenige Sekunden, bis ich das zweite, getarnte Schloss gefunden habe und es mit dem richtigen Schlüssel geöffnet habe. Der Raum dahinter ist allerdings eine Enttäuschung, da wir nur wenig Gold finden im Angesicht eines so großen Raumes. Ich misstraue der Sache, aber da ist tatsächlich trotz intensiver Suche kein Geheimfach. Finsternis!

Die anderen haben inzwischen schon den Wagen beladen und wir machen, dass wir wegkommen, als Lias Rabe angeflogen kommt und uns mit seinem Krächzen warnt, dass Larnas Leute anrücken. So schnalze ich mit der Zunge und setze den Wagen in die andere Richtung in Bewegung. Schon bald sind wir in der Nacht verschwunden. Was für ein Kampf! Habe ich mir so das Abenteuererleben vorgestellt? Nun ja, eigentlich nicht. Dass es zu harten Kämpfen kommen könnte, war mir schon klar gewesen, aber dass ich in einen Unterweltkrieg hinein gezogen werden würde, hätte ich mir nie träumen lassen, als ich vor fast drei Jahren mit Jondan durchgebrannt bin.

Unterwegs kommt uns Lia entgegen. Auf Fragen, was sie gemacht hat, bekommen wir nur ausweichende Antworten. Die Frau ist entweder feige oder hat mehr zu verbergen, als ich bisher angenommen habe. Meine weibliche Intuition tippt eher auf Letzteres. Wir fahren zum Brunnenhaus und laden dort erst mal die Beute ab, bevor wir den Wagen zurückgeben. Renya ist natürlich erfreut, dass alles ohne Verluste geklappt hat. Der Halbork lässt sich ausbezahlen und verschwindet in der Nacht. Ich hoffe, dass wir den nie wieder sehen. Hunde an alten Männern ausprobieren! So was macht man einfach nicht! Finsternis!

An Renya verkaufen wir einiges von der beweglichen Beute und sind so schon wieder etwas reicher. Jetzt kommen wir natürlich zum Interessanten, den Botschaften von Luvius. „Wo alles begann“, scheint sich auf die Anfänge von Luvius zu beziehen. Als junger Mann fing er mit seiner Karriere als Schmuggler an. Er hatte dafür ein kleines Geschäft als Tarnung am Lumpenmarkt vor der Mauer. Dieses Geschäft existiert noch heute und wird von einer gewissen Merka geführt. Das zweite gelöste Rätsel hängt mit einem Ort zusammen, wo Luvius früher Leichen entsorgt hat. Die Grube liegt auf einer kleinen Insel in der Bucht, Renya zeigt sie uns auf einer Karte. Aber mit dem dritten Rätsel kann auch sie nichts anfangen. Wir zerbrechen uns über eine Stunde die Köpfe darüber, aber wir kommen nicht weiter. Es ist zu spät dafür. Morgen ist auch noch ein Tag.

Die magischen Gegenstände geben wir Havard Repp mit. Er hat zu berichten, dass sein Ablenkungsmanöver so ein Erfolg war, dass auch die Schildwacht in großer Anzahl hinter ihm her gewesen war. Der behäbige Magier ist noch ganz außer Atem, aber seine Wangen glühen vor spitzbübischer Freude über die Aktionen in der Nacht. Er sieht gleich zehn Jahre jünger aus. Glücksbote Ryan erinnert uns noch daran, dass er morgen noch die Auseinandersetzung mit dem Beshabapriester haben wird. Die zehn Tage sind um. Wie schnell die Zeit vergeht. Natürlich sind wir alle bereit ihm zu helfen, den morgigen Tag durchzustehen.

Mit der restlichen Beute bepackt eilen wir zum Tempustempel. Nachdem ich das ganze Zeug leise verstaut habe, gehe ich erstmal beten und danke Tempus für unseren Sieg. Ich spende ihm ein paar Goldmünzen und gehe dann auf den Abort. Hier in der absoluten Abgeschiedenheit lasse ich meinen Tränen freien Lauf. Ich habe gekämpft, getötet und überlebt. Die ganze Sache ging mir jetzt richtig an die Nieren. Aber das ist jetzt zum Glück überstanden. Ich wasche mich noch und sinke dann neben meinem kleinen Schätzchen ins Bettchen. Überraschend schnell falle ich in einen unruhigen Schlaf.

Gespielt am 29.12.2007
Spielleiter: Stefan
SC: Brox (Stufe 3), Dolon (Stufe 4), Kaira (Stufe 4), Ryan (Stufe 3), Xana (Stufe 4)
Schrein des Ruhmes: Larnas Rapier
Erfahrungspunkte: 1520 + 25 für Kaira, +125 für Dolon, + 25 für Xana, +25 Ryan, + 50 Brox.
1 Larna Maran Schurke Stufe 4
1 Arian Hellweth Schurke Stufe 3
1 Ehemann Derek Maran Kämpfer Stufe 4
1 Mönch Stufe 3
1 Tiefling Priesterin des Tyrannos Stufe 3
1 Halbriese Kämpfer Stufe 3
1 Barde Stufe 3
5 Gefolgsleute
1 Schleimkubus
Beute
2 Heiltränke
Verschiedene Giftphiolen
1 magisches Schwert (+1)
1 magischer Ring (Schutzring +1)
1 magische Rüstung (Beschlagene Lederrüstung +1)
3 Kettenhemden
Ein paar normale Waffen
900 GM

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #76 am: 17. März 2008, 14:50:57 »
Kapitel 9
Glaubenskrieg!


22. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Meine Kleine wird Früh munter und freut sich sehr, als ich mich intensiv mit ihr beschäftige. Ich schmuse mit ihr, kitzle sie durch und spiele dann mit ihr, bis sie ganz rote Wangen hat. Dann ziehe ich sie fertig an und wir gehen Frühstücken. Xana ist schon unterwegs und kommt dann schließlich freudestrahlend zurück. Wir tratschen etwas und sie erzählt mir, dass sie bei Serenius, dem Angestellten von Tharador war, den sie unheimlich Niedlich findet. Da ist wohl jemand verliebt.

Zur zehnten Stunde finden wir uns alle beim Schrein der Tymora ein. Vor dem Tyrannos Tempel hat der Beshaba Priester ein Podest errichtet und predigt Unglück von dort oben. Von Ryan bekommen wir einen groben Überblick verschafft, was sich heute Morgen in der Früh schon zugetragen hat. Der hinterlistige Beshabapriester hat diesen Tag als Tag des Unglücks ausgerufen, weil Ryan verflucht ist und diesen Tag nicht überleben wird. Aber ein treuer Anhänger der Tymora, ein Händler namens Allan Fetch hat sich davon nicht abschrecken lassen und Glücksboten Ryan ermuntert, seine Geschäfte von ihm segnen zu lassen. Diesen Namen habe ich schon mal gehört, kann ihn aber beim besten Willen nicht einordnen. Mir kommt das etwas komisch vor, habe kein gutes Gefühl dabei. Ich bete zu Tymora und spende dem Tempel fünf Goldmünzen, da mir die Göttin Gestern wahrlich gelächelt hat.

Mit einer Menschenmenge von etwa fünfzig Leuten brechen wir schließlich auf, die drei Läden des Gemüsehändlers zu segnen. Meine vorgeschlagene Route wird vom Händler abgelehnt, da er zuerst die lukrativeren Geschäfte am Hafen und in der Weststadt gesegnet haben möchte. Leuchtet mir ein, aber die Vehemenz mit der er darauf besteht lässt mich nur noch misstrauischer werden. Da stimmt doch was nicht. Noch auf Targrams Weg kommt uns schließlich ein brüllender Halborkbarbar mit einer schweren Streitaxt über den Kopf schwingend entgegen. Finsternis!

Mit fliegenden Händen zücke ich meinen Bogen, lege eine Pfeil ab, ziele, lasse den Pfeil schwirren und durchschlägt den Halbork ohne auf Widerstand zu treffen. „Illusion“ kreischt Xana, danke, dass weiß ich jetzt auch. Hinter dem Halbork dringt der Pfeil in den Arm eines Passanten. Autsch! Das ist jetzt peinlich. Mit einem lauten Lachen zerplatzt der Halbork in einer Wolke grinsender Gesichter. Spaßmacher, die freche Fee, die wir im Myrkultempel befreit haben, erscheint vor lachen Purzelbäume in der Luft schlagend. Glücksbote Ryan entfernt schnell den Pfeil aus dem Arm des Bürgers und heilt ihn. „Ich habe es doch gleich gesagt, dass wir die Fee nicht befreien sollen.“ weißt Xana auf ihre prophetischen Worte von damals hin. Inzwischen ist das wirklich jedem klar. „Das war jetzt lustig. Ich habe gehört, Beshaba hat ihren Blick auf dich geworfen, Tymorafatzke, deswegen werde ich dich heute ganz besonders ärgern.“ Mit fliegenden Fingern lege ich einen neuen Pfeil ein. Mit einem „Oh oh!“ verschwindet das freche Ding aber, bevor ich den Pfeil abschießen kann. Na, warte!

Ich entschuldige mich noch zerknirscht bei dem armen Kerl, den ich beinahe umgebracht habe und eile dann der Prozession hinter her. Nach zehn Minuten erreichen wir den ersten Laden von Fetch, der nicht wirklich viel her macht. Kaum hat Glücksbote Ryan die notwendigen Utensilien zur Hand, bahnt sich ein Magistrat in Begleitung von zwei Bütteln den Weg durch die Menschenmenge. Mit schwant böses. „Dieses Geschäft wird auf Grund von unbezahlten Schulden bei der Gemeinschaft der Fünf konfisziert.“ Der Büttel klebt einen Zettel auf die Tür. Dieses Timing macht mich Misstrauisch. Der Beshabapriester grinst höhnisch. Xana schlägt vor, dass wir zu Tharador gehen sollten, um ihn dazu zu bringen, die Schulden von dem Mann aufzukaufen. Ist eine Möglichkeit, ich sage Ryan bescheid, dass Xana und ich zu Tharador gehen, um da vielleicht was zu deichseln.

Auf dem Weg dorthin tratschen wir ein wenig und ich frage Xana, ob sie Serenius zum Mitsommerfest einladen will. Sie wird über beide Ohren rot und meint kichernd, soweit wären sie noch nicht. Aber warum was anbrennen lassen? Das ist die Gelegenheit, einen Mann vollständig kennen zu lernen, ohne dass daraus irgendeine Art Verpflichtung entsteht. Was in der Nacht des Mittsommerfest passiert, ist bekanntlich nie passiert. Es gibt in dieser Nacht keine Bindungen, keine Verpflichtungen, alles was freiwillig ist und beiden Spaß macht, ist erlaubt.

Während Xana mit Serenius flirtet, trage ich Tharador unser Problem vor. Er meint, dass würde seine Geldmittel etwas übersteigen. Er eist Serenius von Xana los und fragt, wer dieser Kerl überhaupt ist. Nach etwas hin und her kommt heraus, dass dieser Fetch vom Pech verfolgt zu sein scheint. Er war einst ein recht einflussreicher Gemüsehändler, inzwischen hat er aber nur noch drei kleine Läden. Seine Frau sei verstorben und seine sieben Kinder auch. Und jetzt fällt mir auch ein, woher ich den Namen kenne. Die Fetch Kinder, klar, eines nach dem anderen war gestorben. Die älteste Tochter wurde von einem Ziegelstein erschlagen, ein Sohn ist vom Baum beim spielen gefallen, einer wurde vom Fuhrwerk überfahren, ein anderer ist in einen Brunnen gefallen, eine rutschte am Hafen am Pier aus, fiel ins Meer und ertrank, eine weitere erstickte an einem Hähnchenknochen, der jüngste Sohn fiel von der Stiege und brach sich das Genick. Die Frau erhängte sich schließlich aus Gram. So jemand kann kein Anhänger von Tymora sein. Finsternis!

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #77 am: 19. März 2008, 20:10:34 »
22. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Wir beeilen uns, um Glücksbote Ryan zu warnen, aber wir kommen zu spät. Wir kommen gerade noch rechtzeitig, um Ryan aus den Trümmern des zweiten Ladens herausklettern zu sehen, der über ihm eingestürzt ist. Lia findet schnell heraus, dass die Wände und Stützbalken von Termiten angefressen worden sind und zwar von sehr aggressiven Exemplaren, die eigentlich nur im weit entfernten Chormanthor vorkommen. Da hat jemand aber mächtig nachgeholfen. Um eine Ausbreitung zu verhindern, wird das Holz sofort verbrannt. So ein Pech auch. Finsternis!

Der dritte Laden dürfte tödlich von Ryan werden, da bin ich sicher. Deswegen hat der Händler auch auf die Reihenfolge bestanden. War ja klar, dass ein Priester der Beshaba nicht ehrlich spielt. Diese Typen sind böse. Und nicht nur Lia juckt es in den Fingern, den Kerl gleich hier und jetzt seiner gerechten Strafe zuzuführen. Aber dummerweise hat nicht nur die Schildwacht etwas dagegen, dass Bürger auf offener Straße ihren Religionskrieg austragen, auch wäre offene Gewalt viel zu plump. Nein, wir müssen die tödliche Bedrohung im dritten Laden entfernen. Ich berichte Ryan von unserem Verdacht und davon, dass wir vier voraus eilen werden und den Laden für ihn sicher machen werden. Der Priester der Tymora verschafft uns mit einer ausschweifenden Predigt den notwendigen Vorsprung.

Der Laden ist nicht leicht zu finden, fragen uns aber durch. Der Bau steht frei, ist primitiv und von einer Seite mit Efeuranken überwuchert. Xana schaut sie komisch an und meint dann: „Vorsicht! Das sind keine normalen Efeurranken, die sind magisch aktiv!“ „Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, diese Pflanze ist sehr gefährlich!“ fügt Lia hinzu. Entsprechend vorsichtig, husche ich zur Türe und presse mein Ohr an die Tür. Dahinter ist ein leises rascheln zu hören. Die Türe ist unverschlossen und ich mache sie nur einen kleinen Spalt weit auf. Der Innenraum ist voll von diesen Ranken und eine Frau baumelt umschlugen und nach dem Winkel des Kopfes zum Rest des Körpers tot von der Decke. Einige Ranken schießen auf mich zu und ich knalle gerade rechtzeitig die Türe wieder zu. Verdammnis!

„Wir müssen diese Pflanze vernichten!“ Xana schleudert eine ihre Kugeln aus kleinen Blitzen auf die Ranken außerhalb des Gebäudes. Sie zucken kurz, scheinen aber keinen Schaden davon zu tragen. „Wir müssen die Wurzeln angreifen.“ bescheinigt Lia. Schlachtenrufer Dolon und ich fachsimpeln kurz darüber, ob das wie ein Tiefenbaum aufgebaut ist oder nicht. Es muss was ähnliches sein und Wurzeln sind immer essentiell für eine Pflanze wichtig. Hinter dem Haus gibt es eine Klappe, die wohl zum Keller führt. Ich knacke das Schloss und Xana wendet aus sicherer Entfernung ihren Trick an, wo sie mit einer Handbewegung die Klappe wie von Geisterhand öffnet. Sofort zischen einige Ranken hervor und zucken hektisch hin und her, bevor sie scheinbar enttäuscht sich zurückziehen.

Ich befestige gegenüber ein Seil, um daran leichter herunter klettern zu können und der Tempuspriester stürzt sich mit mutigem Beispiel nach unten in den Kampf, ich folge ihm auf dem Fuß, Lia und Xana stürzen sich auch hinter her. Im Kellerraum stehen uns zwei Stauden von Todesrankenefeu gegenüber. Keine Ahnung, wie man die Dinger wirklich nennt, aber der Name passt. Ich eile auf die Linke zu und versuche mit meinem Kurzschwert darauf zu hauen, was aber an der zähen Rinde scheitert. Lia schnappt sich die rechte Staude, Dolon unterstützt mich bei meiner. Xana zaubert ebenfalls einen Strahl aus Feuer auf meine Staude, welche die Pflanze aber überraschend gut wegsteckt. Unzählige dünne Ranken schlängeln über den Boden und machen jede Bewegung fast unmöglich. Wir sind auf unsere Positionen festgenagelt. Lia gerät sehr schnell in Bedrängnis und wird von den Ranken eingewickelt. Sie schreit gequält auf, als die Ranken anfangen das Leben aus ihr herauszupressen. Aber Xana pumpt ungehemmt mehrere Wellen grüner Geschosse in die Staude, bis diese verwelken. Lia schlürft wieder befreit einen Heiltrank und sieht gleich wieder besser aus. Endlich zeigen auch meine Hiebe etwas Wirkung und Dolon schlägt die Staude schließlich zu Gartenabfall. Puh!

Unten finden wir noch einen Beschwörungskreis, der deutlich die Geweihe der Beshaba zeigt. Damit wurden diese Ranken wohl hier her gebracht. Wir schaffen die Leiche der armen Frau erstmal in den Keller und räumen oben so gut wie möglich auf. Die Frau ist jung und ärmlich gekleidet. Wer sie wohl sein mag? Es macht mich wütend, dass wegen diesem fiesen Beshaba Priester diese unschuldige Frau hat sterben müssen. Dafür wird der Mistkerl bezahlen.

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #78 am: 21. März 2008, 15:13:11 »
22. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Wir eilen wieder nach oben und warten auf das Eintreffen der Beshaba Bande. Die gucken nicht schlecht aus der Wäsche, als Glücksbote Ryan die Türe öffnet und nicht umkommt. Wenigstens diese Segnung geht glatt über die Bühne. Dolon versucht den verräterischen Händler Fetch zur Rede zu stellen. Aber der tut so, als ob er von nichts wüsste. Wie gehen wir jetzt weiter vor? Der Schildwacht bescheid sagen, die Beweise präsentieren und den Priester festnehmen lassen? Ich bin nicht sicher, wie stichhaltig die Beweise sein werden. Beshabasymbole kann jeder malen. Das lässt mich zögern. Erst einmal ist unser Glücksbote der Held des Tages. Er konnte das Unheil hier gerade noch abwenden und er findet, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, im Nächsten Wirtshaus einzukehren. Lia und ich bleiben zurück und behalten den Priester und seine nun auftauchenden Spießgesellen im Auge. Die trennen sich. Lia folgt den Gesellen ich dem Priester. Der schlendert wartend davon. Der führt was im Schilde!

Bei einem Garstand in der Nähe des Tores kauft er sich was zu essen, was ich bei einem anderen Stand auch tue und wir essen in gebührender Entfernung. Nach etwa einer Stunde des herumlungern sind Rufe zu hören und Rauch quillt aus der Richtung, wo das Geschäft liegt. Und ja, es brennt. Lia hat die Gesellen im Labyrinth der Außenstadt verloren und die haben das Geschäft abgefackelt. Jetzt haben wir überhaupt nichts mehr in der Hand. Finsternis!

Diesen Schachzug habe ich jetzt nicht vorhergesehen. Was also tun? Glücksbote Ryan ist natürlich sichtlich geknickt. Wir überlegen verzweifelt hin und her. Aber diese Schlacht haben wir endgültig verloren. Wir haben eine Zeitlang unseren Gegner überholt gehabt, aber wir hätten das Geschäft bewachen müssen. Verdammt! Warum habe ich nicht daran gedacht, dass sie die Bewiese verschwinden lassen würden, wie dünn sie auch sein mögen? Das ist mehr als nur ärgerlich. Lia schlägt vor, die Sache mit Gewalt zu beenden. So gerne ich den Hund von Beshabapriester töten würde, es wäre weder klug und würde es uns den Erfolg bringen.

Der Beshabapriester nutzt die Gunst der Stunde und hält eine gute Predigt und auch der Händler schwingt jetzt offen um. Eine Prozession zu Thagrams Weg setzt sich in Bewegung. Wir hinter her. Auf dem Podest hält der Priester weiter seine Predigt, auf dessen Höhepunkt Fetch Tymora abschwört und sich zu Beshaba bekennt. Dabei zieht er sich aus und hält so die Weihe. Verzweifelt versucht Ryan mit Argumenten und Beschuldigungen über das abgekartete Spiel die Meinung noch mal herum zu reisen, aber dazu ist es zu spät. Finsternis!

Wir ziehen uns in den Vorraum des Schreins zurück und beratschlagen, was wir tun können. Wir beginnen uns schnell im Kreis zu drehen, da wir kaum durchführbare Visionen haben. „Warum fragen wir nicht bei der Gemeinschaft der Fünf nach, ob sie Fetch die Schulden erlassen. Das wäre doch ein Beweiß für das wirken von Tymora.“ schlägt Xana schließlich vor. Zuerst winke ich ab, aber nachdem dieser Vorschlag nach einer halbstündigen Diskussion sich als der erfolgsversprechenste von allen herausstellt, gebe ich mein Einverständnis. Wir ziehen uns im Tempustempel um, haben wir doch jetzt dank Larna viele schöne Kleider. Da kriegt mein kleines Töchterchen aber große Augen, als sie mich in dem herrlichen Kleid erblickt. „Oh! Mama schön!“

Und die Leute behandeln uns ganz anders, als wir in den teueren Kleidern durch die Stadt flanieren. Bei Tharador holen wir Rat. Xana präsentiert sich Serenius, dem sie ein paar gestammelte Komplimente abstrotzt. Tharador hat recht wenig Einfluss in solch hohen Kreisen, aber er kennt wenigstens einen der Fünf persönlich, Holger Hohlstein. Mit dem könnten wir reden. Also nichts wie hin. Auf dem Weg dorthin quetsche ich Tharador wenig über Serenius, der mit einer quasselnden und bei ihm eingehakten Xana vor uns außer Hörweite läuft.  Der Glatzkopf ist weder in festen Händen, noch hatte er jemals eine Freundin. Nein, er gehört nicht zu den Männern, die auf Alternativen stehen, sondern seine Kunst verlangt eine gewisse Zurückhaltung in diesen Dingen. Aha! Das könnte Xana durchaus im Wege stehen. Serenius kommt aus der alten Heimat, aus welcher Stadt genau vermag Tharador nicht zu sagen. Nun, hört sich teilweise nicht mal so verkehrt an.

Wir werden tatsächlich empfangen und nach nur einer weiteren halben Stunde bequemt sich der Handelsfürst mit uns zu reden. Vorher flüstere ich Xana noch zu, was ich über den Glatzkopf, in dem sie so vernarrt ist, herausgefunden habe. Sie ist höchst erfreut über die Tatsache, das Serenius noch nicht vergeben ist. Wir treffen auf ihm in einem sehr nobel eingerichteten Wartezimmer. Tapete aus Stoff bedeckt die Wände. Ein großes Bild von den Fünf am Hafen vor einem stolzen Schiff bedeckt eine komplette Wand. Holger Hohlstein ist ein stattlicher Mann Anfang Fünfzig. Ich erzähle ihm, was sich zugetragen hat.

Er könnte da was drehen, aber billig wird das nicht. Es stellt einige Bedingungen auf, welche die Kirche der Tymora zu erfüllen hätte. Sie sind erfüllbar und er soll schon mal einen Vertrag aufstellen. Dolon wirft ein, dass sich das gar nicht bestimmen könnte. Nein, kann ich sicherlich nicht, da ich nicht zum Klerus der Tymora gehöre. Aber alles hat seinen Preis. Entweder dieser Glaubenskrieg wird heute noch Erfolgreich beendet oder die Kirche der Tymora verliert auf Jahrzehnte ihr Ansehen in dieser Stadt. Da ist eine kostenlose Segnung der Lagerhäuser und Besitzungen der Fünf ein kleiner Preis. Allerdings wird nun auch Dolon mit hineingezogen und auch die Kirche des Tempus wird einige Konditionen erfüllen müssen. Mit einer Liste von Forderungen von der Gemeinschaft der Fünf verlassen wir das Anwesen.

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #79 am: 24. März 2008, 13:58:43 »
22. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Dolon redet zuerst mit seinem Tempelvorsteher. Der ist insgesamt nicht abgeneigt, auch wenn er da ein paar Nachbesserungen anmahnt. Wir werden zusätzlich noch zum Quartiermeister des Tempels geschickt. Der zählt gerade eine nicht unerhebliche Menge an Gold in seinem mit einer massiven Türe verschlossenen Büro, Das Gold liegt glänzend in einer offenen Truhe und in Stapeln auf seinem Schreibtisch. Dolon sieht mich warnend an. Ich werfe ihm einen wütenden Blick zurück. Für was hält er mich, für eine Diebin? Ich vergreife mich doch nicht am Tempelschatz des Tempus! Verdammnis!

Es wird eine Weile hin und her geschachert und ich muss ein Gähnen unterdrücken. Schließlich weiß Dolon, in welchem Rahmen er die Verhandlungen weiter führen kann und wir sausen weiter zum Tymoraschrein. Die Lage ist inzwischen so, dass Ryan noch zu genau einem einzigen verschüchtert wirkenden Anhänger predigt, während der Beshabapriester von einer großen jubelnden Menge umlagert ist. Das sieht nicht gut aus. Wir zerren Ryan in den Schrein und setzen den gesamten Klerus, also die Vorsteherin und die beiden Priester ins Bild. Die Vorsteherin hat den Ernst der Lage erkannt und ist bereit, jeden Preis zu bezahlen. Heute ist ein Tag für ein Koste was es Wolle. Und das hat sie erkannt. Dumm ist die Frau nicht, auch wenn es ihr an Willen zu Mangeln scheint, aus dem Schrein mehr als nur das hier zu machen. Gemeinsam eilen wir nun zurück zu Holger Hohlstein.

Wieder dürfen wir in dem schicken Zimmer warten. Ich setze mich auf eines der Sofas und lehne mich zurück. Hohlstein hat nun einen Schreiber dabei und das Geschacher geht wieder los. Dolon ist recht schnell fertig und handelt auch noch bessere Konditionen aus, als wie gedacht. Aber der Tymoraschrein kommt nicht so billig davon. Für die nächsten Neun Jahren wird der Klerus viele Dienstleistungen umsonst erbringen müssen. Zähneknirschend stimmt die Vorsteherin schließlich zu. Im Nachhinein gibt sie aber zu, dass sie noch viel mehr bereit gewesen wäre, um den heutigen Tag zu einem guten Ende zu bringen. Die Dame lächelt den Mutigen!

Es wird ausgehandelt, dass bald ein Bote erscheinen wird, der die frohe Kunde verkünden wird, dass die Schulden bei der Gemeinschaft der Fünf für nichtig erklärt worden sind. Vorher wird bei uns noch ein Bote eintreffen, der uns die Zeit verschaffen wird, gebührend auf die Eröffnung zu reagieren. Wir eilen wieder zurück zum Tempustempel und bereiten uns auf einen offenen Kampf vor, falls die Lage am Ende eskalieren sollte. Aber die Aggression darf auf keinen Fall von unserer Seite begonnen werden. Hier gilt es einen taktischen Vorteil für einen moralischen zu opfern.

Wie auf Kohlen sitzend warten wir im Tymoraschrein. Ich nutze die Gelegenheit für ein paar Gebete an die Dame. Ich küsse meinen Anhänger und führe ihn an Stirn und Herz. Möge sie uns heute noch mal lächeln. Wer wagt, gewinnt. Schließlich erhalten wir die vereinbarte Botschaft. Jetzt sind es noch zehn Minuten. Glücksbote Ryan wirft sich in seine beste Robe und stellt sich in Positur. Wir stehen hinter ihm und sind bereit, ihn zu verteidigen. Wieder arbeitet sich ein Magistrat durch die Menschenmenge und verkündet dem verdatterten Fetch, der immer noch Nackt auf dem Podest steht, die frohe Kunde. Der ist natürlich total aus dem Konzept gebracht, genau so wie der Beshaba Priester. Ryan arbeitet sich nun ebenfalls auf das Podest und verkündet, dass die Dame nun mal denen lächelt die was riskieren. Und das ist nun mal nicht mal gelogen. Die Situation heizt sich entsprechend auf. Kurz bevor es zur Eskalation kommt, bricht das Gerüst zusammen. Huh?

Wir waren das nicht! Auch wenn wir darüber nachgedacht haben, dass zu tun. Die Menge spritzt auseinander, um von dem Holz nicht begraben zu werden. Verdammnis! Ich muss aufpassen, nicht zu Boden gerissen und zertrampelt zu werden. Aber ich kann mich auf den Beinen halten und schwimme mit der Menge. Schließlich kommt diese zu stehen und ich arbeite mich mit Ellenbogen nach vorne. Die Staubwolke verzieht sich und auf dem Trümmerhaufen steht unverletzt wenn auch total verdutzt Glücksbote Ryan.

„Die Dame hat ihm gelächelt! Noch mal Glück gehabt, Glücksbote Ryan!“ Rufe ich. Die Menge schaut etwas verdutzt aus der Wäsche. Einzelne „Tymora“ Rufe werden laut. Ryan fängt sich und beginnt im Schutt herumzuwühlen. Andere und auch ich helfen ihm dabei. Den Händler Fetch finden wir als ersten. Sein Körper ist vollständig zerschmettert, da dürfte kein einziger Knochen mehr heil sein. Tja, da hat wohl jemand eine sonst gutmütige Göttin so gründlich verärgert. Tja, Pech gehabt! Als nächsten graben wir den Beshabapriester aus. Dessen Arm hängt zerschmettert an seiner Seite und auch sonst sieht er nicht gerade gesund aus. „Da hat aber jemand noch mal Glück gehabt.“ Glücksbote Ryan wirft sich in Pose und reicht dem am Boden liegenden Priester seine Hand. Der spukt nur wütend Blut aus. „Möge die lächelnde Göttin dich heilen!“ Er bückt sich und richtet den Arm des Priesters, der wütend aufkreischt und sich vergeblich gegen die Heilmagie stemmt. Nun wieder halbwegs sicher auf den Beinen, stürzt der Unheilsbringer wütend unter Schmährufen von dannen. Glücksbote Ryan ruft noch einige spitze witzige höhnische Worte hinter her und die Menge ist nun ganz auf Tymoras Seite. Glück gehabt!

Es schmerzt mich, dass wir den Priester der Beshaba nicht seiner gerechten Strafe haben zuführen können, aber irgendwie fühle ich, dass wir den Mistkerl heute nicht zu letzten mal gesehen haben. Glücksbote Ryan ist der Held des Tages und den Schrein der Tymora habe ich noch nie so voll wie heute gesehen. Tharador kommt mit einem Gespann vorbei und lädt ein Weinfass ab. Und so wird die Siegesfeier mit einem sehr guten Wein gefeiert. Xana ist ganz hin und weg, da auch Serenius mitgekommen ist. Und so endet dieser Tag mit dem Lächeln von mehr als einer Dame.

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #80 am: 26. März 2008, 11:42:22 »
23. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Am nächsten Tag verlassen wir den Tempel des Tempus, da wir dessen Asyl nicht mehr länger in Anspruch nehmen müssen und wohl auch dürfen. Mili freut sich, wieder zurück in den Silberfisch zu gehen. Auch Frau Erlann ist erfreut, dass wir Beide gesund und munter wieder zurückgekommen sind. Ich richte mich im Eckzimmer wieder häuslich ein und Mili macht es diesmal gar nichts aus, dass ich sie bei Frau Erlann zurücklasse.

Wir treffen uns im Brunnenhaus und beschließen zum Lumpenmarkt zu gehen, weil dort laut Renya Luvius sein erstes Geschäft hatte. Was ja der erste Hinweis gewesen ist. Der befindet sich in der Vorstadt. Mit nur wenigen Fragen finden wir Luvius alten Laden. Merka ist ein Frau um die Vierzig. Wir kommen direkt auf den Punkt. Luvius scheint nach ihrer Aussage aber nichts hinterlassen zu haben und sie beharrt darauf, auch als wir uns als Renyas neue Leute zu erkennen geben. Nun, dann ist der Hinweis irgendwo hier versteckt. Es gibt einen muffigen Keller, denn ich genau durchsuche. Mein Näschen sagt mir, dass wenn hier was versteckt ist, dann muss es hier sein. Und meine Intuition trügt mich nicht. In einer Ecke finde ich einen Haarfeinen Spalt in den Bodendielen, die ich schließlich aufgehebelt bekomme. Schwupps, habe ich eine ganze Luke in der Hand. Darunter befindet sich ein Schacht, der in die Tiefe führt.

„Gratulation, du hast das alte Versteck gefunden. Aber es ist leer. Luvius hat mir das hier gegeben. Ich musste erst sicher sein, dass ihr dessen auch würdig seit.“ Die gute Frau Merka überreicht mir ein paar Handschuhe. Huh? Ich zieh sie über und es passiert nichts. Nur um Sicher zu gehen, klettere ich die Leiter nach unten. Auf dem halben Weg habe ich auf einmal eine Vision, wie diese Leiter von Luvius benutzt wurde, dann, wie sie gekauft und am Ende, wer sie hergestellt hat. Das ist vielleicht mal interessant. Leider hat Merka recht, hier ist nichts zu holen. Der Raum darunter ist leer und das seit Jahren. Schmuggel lohnt sich inzwischen nicht mehr so wie früher. Immerhin haben wir jetzt die Handschuhe.

Da wir schon mal in der Vorstadt sind, gehen wir gleich mal zum Konvent und besuchen Havard Repp. Der hat sich inzwischen von den Vorkommnissen erholt und auch die magischen Gegenstände identifiziert. Der Ring entpuppt sich als ein schwacher Schutzring. Den will unbedingt Xana haben. Normalerweise würde ich so was den Leuten geben, die vorne stehen. Aber so oft, wie Gegner schon durch unsere Reihen gebrochen sind und Xana beinahe getötet haben, gönne ich der Halbelfe den Ring von Herzen. Ich schnappe mir dafür die schicke beschlagene Lederrüstung, die ebenfalls leicht verzaubert ist. Und da Lia als einzige mit einem Schwert umgehen kann, bekommt sie es.

Die Kiste mit den Ritualgegenständen hat Havard noch nicht geöffnet, aber die ersten Schutzkreise stehen schon. Aber er will sich noch weiter absichern. Und dazu braucht er Ruhe! Das war jetzt aber deutlich! Nun gut, wir verabschieden uns und gehen zurück zur Stadt. Wir gehen ins Brunnenhaus, essen zu Mittag und lassen uns von Renya mal den Schlüssel borgen. Vielleicht können wir mit den Handschuhen die Sache etwas abkürzen. Ich sehe, wie Luvius den Schlüssel Renya übergibt, wie er ihn von einem Zwerg erhält, denn der von einem anderen bekommt. Dann sehe ich wie der Schlüssel in dem Maul einer steinernen Gargyle liegt. Und zum Schluss wie er gefertigt wurde. Finsternis, dass war jetzt wohl nichts.

Also folgen wir dem zweiten Hinweis, den der Grube auf der Insel, wo früher Leichen entsorgt worden. Dazu mieten wir uns dann ein Boot. Die Fahrt verläuft mit der kleinen Jolle ohne Probleme und wir finden auch die kleine Insel, ein steinernes Eiland ohne Gebäude und einem flachen Strand, wo wir anlanden können. Es liegt hier ziemlich viel Schutt herum. Als wir die Grube betreten, merken wir auch warum. Teile der natürlichen Höhle wurden zu einem Gang bearbeitet und die Rohentwürfe von Reliefs sind ausgeschlagen worden. Nach den Motiven zu urteilen, wollte man hier wohl mal einen Umberlee Tempel bauen, scheint das Vorhaben aber in einer frühen Phase abgebrochen zu haben. Die Höhle öffnet sich in eine Grotte.

Am Ufer steht eine Winde, an der ein Seil sich befindet. Die Winde ist ein Zusammengerosteter klumpen Metall, den selbst unsere Männer nicht mehr zum funktionieren bringen können. Irgendetwas hängt noch am Seil. Also alle mal ziehen. Mühsam schleifen wir das ans Ufer, was sich daran befindet. Es scheint sich um drei Rüstungen zu handeln, wie sie die Schildwacht tragen. Und in den Rüstungen befinden sich noch Überreste von Menschen.

„Seit mal nicht so grob!“ Beschwert sich einer der Totenschädel.
„Ja, knallt uns doch nur so Rüde ans Ufer. Da kann man sich ja nur noch die Knochen brechen! Sind ja nicht die Euren!“
„Die heutige Jugend, nur noch Rüpel!“

Was sind denn das für untote Gesellen? Ist es jetzt der Zeitpunkt, das Weihwasser herauszuholen? Sicher ist Sicher! Aber wie sich herausstellt, hat Luvius nur sich einen kleinen bösen Scherz mit ihnen erlaubt. Vor etwa zehn Jahren haben die Drei ihn erpresst und dann trotzdem auch noch verraten, nachdem sie bezahlt worden waren. Aber Luvius gelang es mit einigen Gegenmaßnahmen den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Und sein Zorn war groß genug, die drei nicht nur einfach zu ertränken, sondern auch noch ihre Seelen in ihren Schädeln zu binden, dass sie keine ewige Ruhe finden. Finsternis!

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #81 am: 28. März 2008, 12:44:21 »
23. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Insel im Umberlees Schlund

Das ist alles schön und gut, aber können sie was auch über den Schatz erzählen? „Schatz? Luvius hat davon gesprochen. Er liegt in Chondathan, gut versteckt unter der Erde.“ Aber wo genau, wissen sie auch nicht. Irgendwie habe ich mehr von diesem Hinweisen versprochen. Ich fasse das Seil an, aber auch hier offenbaren die Handschuhe nichts Neues. Aber sie fänden es Nett, wenn wir sie beerdigen würden, dass würde den Fluch brechen und sie würden endlich Ruhe finden. Nun, wenn es weiter nichts ist. Also schnappen wir uns jeder einen von ihnen und tragen sie raus. Kaum sind wir draußen, ertönt ein unheimliches Heulen. Was hat das jetzt wieder zu bedeuten?

Auf einmal sehen wir uns drei Hunden gegenüber. Und diese Hunde sind sehr komisch. Ihre Haut ist halb durchscheinend und innere Organe zeichnen sich unter der Haut ab. Ich halte sie für untotes Gesindel, lasse die Rüstung samt Knochen fallen. „He, seid doch vorsichtiger!“ quengelt einer der toten Schildwächter und ich zücke zwei Phiolen mit Weihwasser. Auch die anderen machen sich Kampfbereit. Die Hunde greifen an und Ryan ruft „Möge Tymora dich heilen!“ Mit diesem Wort tatscht er nach der Kreatur. Aber die heilende Magie, welche auf Untote sich verheerend auswirkt, scheint dem komischen Hund nichts auszumachen. Dann verschwinden die Hunde auf einmal. „Was war das denn?“

Aber die Viecher kommen zurück und attackieren ein weiteres mal. Und Poff, verschwinden einfach wieder.
„Ich habe keine Ahnung!“ meine ich, in Vaters Geschichten kam so was nie vor.
„Dämonen sind das nicht!“ meint Lia.
„Untote auch nicht!“ gibt Ryan seine Meinung hinzu. Wir reden wild durcheinander. Ich stecke mein Weihwasser weg und ziehe meinen Bogen und lege einen Pfeil ein. Dann taucht so ein Wesen schon wieder auf. Ich lasse meinen Pfeil von der Sehne schnellen und der Hund heult auf. „Was immer sie auch sein mögen, Bluten tun sie auf alle Fälle!“ Und so stellen wir uns auf sie ein und bekämpfen sie, wann immer sie auftauchen. Xana, Ryan und Lia werden mehrmals von den Hunden gebissen. Auch ich werde zweimal attackiert, kann aber ihre Bisse mit meiner Tartsche ablenken.

Schließlich stellen wir uns so auf, dass wir uns gegenseitig unterstützen können und schlagen so einen Hund noch dem anderen Tod. Puh! Das war jetzt was. „Endlich sind sie tot. Jedes mal wenn uns jemand erlösen wollte, kamen diese Mistviecher.“
„Warum habt ihr uns nichts gesagt?“ fragt Glücksbote Ryan.
„Hätte ihr uns geholfen, wenn wir euch das gesagt hätten?“
„Ja! Verdammt noch mal!“ meine ich. „Nun gut, wo wollt ihr beerdigt werden?“
„Egal wo, Hauptsache wir liegen nicht mehr im Wasser in der Grube.“
„Da drüben ist ein schönes Plätzchen.“ Ich zeige auf eine Stelle, von wo man den Sonnenuntergang aus sehen kann. Dort schaffen wir die drei toten Schildwächter hin und fangen an, sie dann mit Schutt zu bedecken. Schließlich geben sie Ruhe und das heißt wohl, dass sie die ewige Ruhe gefunden haben. Wir machen weiter, bis wir drei Ordentliche Hügel haben. Dann sprechen unsere Priester ein kurzes Gebet und wir gedenken kurz der Toten. Es wäre vielleicht angebracht gewesen, nach ihren Namen zu fragen. Vielleicht haben sie noch Angehörige in der Stadt, die sicherlich gerne gewusst hätten, was aus ihren Lieben geworden ist. Ich kann so was nur zu gut nachfühlen. Aber dazu ist es nun zu spät.
„Ruht in Frieden!“ meine ich noch, dann drehen wir uns um und fahren zurück.

Einen Hinweis haben wir ja noch. Zurück im Brunnenhaus nehmen wir das Blatt mit der letzten noch unverschlüsselten Botschaft und fangen an zu knobeln. Der Text geht so:

Drachengold, Beute, Giftwein und Mondschein. Widerstand, Richter,
Dietrich, Garotte, Botschafter, Meuchler und Soldräuber. Waldwicht,
Nebelfrau und Gargyle. Wurfpfeil, Blutspuren, Leichen, Hinterhof, Rapier
und Totschläger. Zirkuszelt, Schuldmauer und Dämmerung. Überblick,
Warenhaus, Armbrust, Blutraben, Wildnis, Dunkelheit und Kurzschwert.

Am späten Nachmittag fangen wir an, unterbrechen dann, um ein Abendessen unten im Schankraum einzunehmen. Gäste sind wieder da und es herrscht gute Stimmung. Etwas gestärkt kehren wir zurück. Inzwischen haben wir unzählige Methoden ausprobiert. Von jeden zweiten Buchstaben bis zum letzten. Oder nur jedes dritte Wort und davon nur jeweils die vordere oder hintere Hälfte. Oder versuchen den Beschreibungen Orte zuzuweisen. Aber nichts ist wirklich schlüssig. Auch die Handschuhe habe ich schon ausprobiert, aber sie zeigen nur, wie er die Botschaft schreibt, nicht, was sie bedeuten könnte. Kurz vor Mitternacht ruckt Lia etwas seltsam auf und entschuldigt sich dann. Nach etwa zehn Minuten kommt sie zurück und setzt sich wieder.

„Ich glaub, ich habe es! In jedem Wort befinden sich immer zwei gleiche Buchstaben, wenn man die zusammen setzt kommt folgender Satz heraus: Dein dritter Weg führt dich zum Barbier!“ Verkündet sie dann nach zwei Minuten. Tatsache, Lia hat das Rätsel gelöst. Manchmal ist es so einfach.

„Luvius Vater war Barbier. Und er lebt noch, wenn er auch nicht mehr seinem ursprünglichen Gewerbe nachgeht. Inzwischen ist er ein Büßer Illmaters. Fragt am Siechenhaus nach.“ meint Renya, nachdem wir ihr die entschlüsselte Botschaft überbracht haben. Aber dafür ist es heute zu spät. Ich mustere intensiv Lia, bin ich die einzige, die diesen „Geistesblitz“ nach einer Pinkelpause etwas seltsam findet?

Gespielt am 12.1.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon (Stufe 4), Kaira (Stufe 5), Lia (Stufe 3), Ryan (Stufe 3), Xana (Stufe 4)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte: 720 für Kaira weil gerade fünfte Stufe dank eingelösten Bonus für SH, 1020 Rest.
2 Todeswürgeranken
3 Teleporterhunde
Beute
Ein paar Handschuhe

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #82 am: 31. März 2008, 12:40:57 »
Kapitel 10
Mein Schatz!

24. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Es ist inzwischen spät in der Nacht. Zeit für ins Bett gehen. Wir verlassen das Brunnenhaus. „Eigentlich seltsam, dass die Braunkapuze sich nicht um den Schlüssel mehr gekümmert hat.“ merkt Lia an und wie auf das Stichwort tritt uns jemand in den Weg. Just die braune Kapuze. Wir halten etwas Smalltalk, bevor er meint, er hätte inzwischen den Schlüssel aus anderer Quelle erhalten. So was auch. Für uns hat er ein kleines Geschenk mitgebracht. In einem verschlossenen Glas flattert Spaßmacher und sein Gesichtsausdruck wechselt zwischen Trotzig zu Ängstlich. Da haben wir ja das kleine böseartige freche Mistvieh. Wegen ihm war ein Mensch verletzt worden und der Streich, den er uns gespielt hat, war auch nicht ohne. Ich klopfe mit dem Finger an die Glaswand und die gemeine Fee streckt rotzfrech die Zunge heraus. Aus irgendwelchen Gründen bekomme ich den kleinen Kerl in meine Obhut überstellt. Was mach ich nur mit dem? Verdammnis!

Der Kapuzenmann gratuliert uns noch zu unserem Sieg über Larna und geht dann seiner Wege. Was war das jetzt? Versteh ich nicht ganz und was mach ich jetzt mit dem inzwischen unsichtbaren Spaßmacher im Glas? Wir trennen uns nun und ich gehe in den Silberfisch. Mein kleiner Schatz schläft tief und fest in ihrem Bettchen und hat ihr Püppchen im Arm. Irgendwie süß. In einer Kiste verstaue ich erstmal die gemeingefährliche Fee. Beizeiten muss ich mir überlegen, was ich mit ihm mache.

Als ich mich für die Nacht umziehen will, fällt mir ein kleiner Zettel aus meiner Tasche. Huh? „Besuche mich heute Abend noch in den drei Fässern.“ Der braune Kapuzenmann muss ihn mir zugesteckt haben. Hm, was er wohl von mir will? Ein Hinterhalt? Nein, wohl weniger, so wie ich sein Können was heimliche Dinge anbelangt, hätte er mich auch einfach vor dem Silberfisch auflauern können. Also ziehe ich mich wieder an und eile zu der besagten Taverne.

Ich finde ihn tatsächlich dort in einer Ecke mit dem Rücken zur Wand sitzend vor. Zu solch später Stunde ist hier noch einiges los. Nach kurzer Begrüßung kommt er zum Thema. „Als ihr Larnas Lagerhaus geplündert habt, hast du dort ein Buch gefunden, dessen Einband aus Blättern besteht?“ „Aus Blättern? Wie die von Bäumen?“ Er nickt mit dem Kopf. „Nein, so was haben wir nicht gefunden.“
„Hm, Luvius hatte es in seinem Besitz.“
„Larna hat den Schatz auch noch nicht gefunden gehabt.“
„Dann muss es darunter sein. Tu mir einen Gefallen, nimm das Buch an dich, öffne es aber unter keinen Umständen. Es ist sehr gefährlich. Und übergebe es dann mir.“
„Aha? Und wer bist du überhaupt?“
„Mein Name ist Karn.“
„Und was ist deine Rolle bei der ganzen Sache?“
„Ich gehöre zu Hütern von Wissen. Und nur wir sind in der Lage mit den Geheimnissen dieses Buches umzugehen. Auch andere Fraktionen sind dahinter her und die führen nichts Gutes im Schilde. Und traue dieser Lia auf keinen Fall, sie verbirgt etwas mit Magie.“

„Der Frau traue ich schon lange nicht mehr.“ Und dir auch nicht unbedingt, füge ich in Gedanken hinzu. Er beschreibt mir eine Statue eines Schildwächters am Nordtor, bei der ich Nachrichten hinterlassen kann. Auch warnt er mich von Merl dem Geldeintreiber. Er wäre äußerst ungehalten über die Entwicklung mit Larna und den Verlust seiner Leute im Brunnenhaus. Der Geldeintreiber hätte seinen besten Mann auf uns angesetzt, einen Kerl namens Larmar, an dem einige magische Experimente durchgeführt worden sind. Er wäre ein sehr zäher Bursche und wir sollten uns in Acht nehmen. „Hört den das niemals auf? Zuerst Larna und ihre Tieflingsspießgesellen. Und jetzt Merl!“ Karn zuckt nur mit den Schulten. Dann steht er auf und verschwindet im Dunkel der Nacht. Auch ich mach dass ich endlich ins Bett komme.

Nach viel zu kurzer Nacht weckt mich meine Kleine. Ich mach sie fertig und helfe unten noch etwas auf, bevor ich aufbreche, um mich wieder mit den anderen zu treffen. Im Tymora Schrein ist richtig viel los und Glücksbote Ryan hält sichtlich verzückt eine Predigt vor dem Schrein. Drei junge Zwerge mustern mich grimmig. Ich schau an mir runter und prüfe dann meine Frisur. Ich bin sauber und sehe ordentlich aus. Keine Ahnung, warum die mich so Finster mustern. Als wir alle zusammen sind, kommen die drei Zwerge auf uns. „Ihr seid Wächter der Kavernenwacht!“ blafft der mittlere höchst unfreundlich und das war keine Frage.

„In der Tat!“ antworte ich auf Zwergisch.
„Ihr seid keine Zwerge!“
„Ihr seid wahrlich mit zwei gesunden Augen und einem wachen Verstand gesegnet.“ Der Sprecher läuft rot an.
„Ihr müsst zum Olan kommen!“
„Müssen wir das?“
„Natürlich! Der Olan wird entscheiden, wie mit euch zu verfahren ist.“ Da uns allen die Dickköpfigkeit von Zwergen bekannt ist, folgen wir dem Trio zum Hafen in ein trutziges Gebäude, das mehr Festung als Wohnhaus ist. Unten ist eine Stube voller Zwerge beim Frühstück, die komisch aussehendes Brot essen und pures Wasser trinken. Von oben poltert ein schwer gepanzerter Zwerg herunter, der einen großen Hammer auf dem Rücken geschnallt hat. Er stellt sich als Olan vor und befiehlt uns, nach oben zu folgen. Er scheint hier so was wie ein Clanchef zu sein. Sein weißer Bart reicht bis zum Boden.

„Noch nie wurden Nichtzwerge zu einem der Vier Orden einberufen.“ stellt Olan fest. „Wie kommt es, dass Sagrell euch erwählt hat?“ Ich erzähle natürlich nur die halbe Geschichte.
„Wir haben uns beworben, haben die Prüfungsaufgaben gelöst und wurden eingestellt. So einfach ist das.“
„Das ist einfach unerhört. Auch wenn die Kavernenwacht nicht zu den angesehensten Orden des Talynstein Clan gehört, so würden sich doch passende Rekruten finden lassen, die das richtige Erbe mitbringen.“ poltert Olan.
„Sagrell hat aber anders entschieden.“ Etwas verstimmt verschränke ich meine Arme vor der Brust.
„Was ist Sagrell eigentlich?“ wirft Xana neugierig ein.
„Manche Wächter beschließen zu Lebzeiten, dass sie über den Tod hinaus dienen möchten. Sagrell wurde ein steinerner Körper für die Ewigkeit angefertigt, die er nun bewohnt, nachdem sein fleischlicher Körper den Weg alles Lebenden gegangen ist. Also wie ist es, tretet ihr nun aus dem Orden wieder aus?“
„Lass uns darüber nachdenken.“ Meine ich verstimmt, da ich es nicht gewohnt bin, wegen meines Menschseins angefeindet zu werden. So verabschieden wir uns und gehen wieder.

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #83 am: 02. April 2008, 11:56:49 »
24. Tarsak Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Nach diesem kleinen Zwergenintermetzo widmen wir uns wieder der eigentlichen Aufgabe zu, dem Schatz. Das Siechenhaus liegt außerhalb der Mauer im Norden. Es ist ein Einstöckiges Langestrecktes Gebäude von primitiver Bauweise, auch wenn es ein gemauertes Fundament verfügt, so ist der Oberbau recht einfach gehalten. Ein Büßer des Illmaters nimmt uns in Empfang. Nach kurzer Begrüßung komme ich direkt zu unseren Anliegen, dass wir einen gewissen Selan suchen. Der Priester erklärt uns, dass ein Büßer alles weltliche ablegt, wenn er dem Orden beitritt. Darunter fällt auch sein Name. Alles was vorher war, wird ausgetilgt. Nur der Vorsteher, Meister Zargos kennt die Vergangenheit der Büßer. Nun, dann nix wie hin zu dem.

Aber das geht leider nicht, da Meister Zargos im Keller in seinem Laboratorium sitzt und Seuchen erforscht. Normal sterbliche können dort nicht herunter. Nur Büßer, welche Immun gegen jede Krankheit sind. Also schreibe ich Meister Zargos einfach einen Brief, wo ich so ehrlich wie möglich meine Gründe darlege, diesen Selan zu finden. Der Brief wird über eine Apparatur nach unten befördert. Es dauert etwa zehn Minuten, dann wird eine Glocke geschlagen. Der Büßer kriegt große Augen und eilt schnell von Bett zu Bett und zieht einen schwarzen Vorhang davor. Vom Keller heraus kommt eine in Tücher eingewickelte Gestalt hervorgehumpelt, die von unzähligen Seuchen gezeichnet ist. Iiiks!

Ich binde mir ein Tuch vor den Mund und höre mir an, was Meister Zargos zu sagen hat. Wir finden den Büßer, der einst Selan hieß, in der Weststadt auf seiner Runde. Ein Brief hätte uns auch gereicht. Wir verabschieden uns und stürzen dann nach draußen. Beim nächsten Brunnen reinigen wir uns. Dann auf zur Weststadt. Wir suchen über eine Stunde, bis wir den Büßer finden. Es ist ein alter Mann, der schwer gebeugt unter seinem Gestell mit Heilmitteln ächzt. „Einen wunderschönen guten Morgen, Meister Selan.“ grüße ich ihn freundlich. „Diesen Namen habe ich seit zehn Jahren nicht mehr gehört. Seit dem Tag, wo ich ein Büßer wurde, um ein Versprechen an Illmater einzulösen. Ich betete in meiner finstersten Stunde zu ihm, und wurde geheilt. Illmater hat schon einen seltsamen Humor.“

„Setzen wir uns doch und reden ein wenig.“ Der alte Mann entledigt sich seines schweren Gestells und setzt sich darauf. „Wir kommen wegen eurem Sohn.“
„Das habe ich mir beinahe schon gedacht. Er hat mir gesagt, kurz bevor sie ihn geschnappt haben, dass jemand kommen wird, der mich nach ihm fragen wird.“
„Nun ja, was war seine Botschaft?“
„Nun, er würde in seinen letzten Augenblicken den Ort sehen, den ihr sucht.“
„Das ist alles?“ Der alte Mann nickt. „Das ist alles, was mein Nichtsnutziger Sohn euch zu sagen hat. Mögen die Götter ihm Gnädig sein.“ Der alte Büßer streckt sich und nimmt sein schweres Gestell wieder auf. „Entschuldigt mich, aber ich habe noch zu tun.“

Das war jetzt nicht gerade ergiebig. Von den ganzen Hinweisen habe ich mir irgendwie mehr erwartet, als diese kryptischen Andeutungen. Wir haben diese Handschuhe, wir haben von den drei Toten Schildwächtern erfahren, dass der Schatz unter der Erde in Chondathan versteckt ist und das Luvius in seinem letzten Augenblicken einen Blick auf das Versteck haben würde. Nun gut, dann auf zum Rallardplatz. Es ist gerade Mittagszeit, als wir den Platz erreichen. Auf dem Rallardbaum hängt einsam ein Erhängter. Auf dem Platz selbst ist wenig los. Am Magistrat lümmeln sich gelangweilt zwei Schildwächter herum. Wir sehen uns um, auf zwei Gebäuden sehe ich Dreigruppen von Gargylen wie ich sie in der Vision mit dem Schlüssel gesehen habe. Vielleicht hat es damit was zu tun. Die erste Gruppe steht auf einem normalen Wohnhaus, die zweite auf dem Magistrat. Ich würde ja ganz frech mal in das Wohnhaus reingehen, auch wenn ich dazu das Schloss öffnen müsste. Aber leider sind die anderen dagegen und finden, wenn was hier ist, muss es unter dem Haus sein, also ab in die Kanalisation.

Dort unten ist es kalt. Verdammt kalt. Schon nach wenigen Minuten quengelt Xana eigentlich nur noch herum, dass es hier kalt, feucht und schmutzig ist. Ist es, aber wir sind ja nicht aus Spaß hier. Die Aufsicht auf baldigen Reichtum macht mich gegen alle Widrigkeiten immun. Nach zwei Stunden akribischen Suchen stellen wir fest, dass hier definitiv nichts ist. Unter dem stetigen Gejammer von Xana bewegen wir uns unter den Magistrat. Die haben sogar ihren eigenen Zugang zur Kanalisation, eine massive Türe, die von innen mit einem schweren Riegel verschlossen ist. Ich nehme mal an, dass nicht mal Luvius so unverfroren ist, seinen Schatz in einem öffentlichen Gebäude zu verstecken. Drum herum finden wir auch nichts.

Wir gehen wieder hoch, waschen uns, essen was und beraten dann. Vielleicht sieht man ja was vom Rallardsbaum selbst, wenn man ganz oben ist. Leider predigt dort gerade ein Tyrpriester. Als der endlich abgezogen ist, versuche ich den Galgen hoch zu klettern. Leider meinen die beiden Schildwächter, dass dies grober Umfug ist und hindern mich daran. Menno! So wird das nicht. Wir beschließen, heute Abend weiter zu machen. Vielleicht sieht man ja dann mehr.

Pelor

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #84 am: 07. April 2008, 07:36:43 »
tststs... Du hast am Freitag vergessen zu aktualisieren. Das wars mit meinem Wochenende. Ich hoffe heute bekomme ich dann wieder mehr von meiner Lieblingsschurkin zu lesen.


Gruß, Pelor :D

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #85 am: 07. April 2008, 11:48:13 »
Spoiler (Anzeigen)


24. Tarsak Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

So helfe ich den Rest des Tages ein wenig den Erlanns und albere sonst mit meiner kleinen niedlichen Tochter herum. Sie wächst ja so schnell und jeden Tag überrascht sie mich, wie klug sie doch ist. Ich nutze den Abend, mit der Kleinen ins Badehaus zu gehen und uns beide mal ordentlich abzuschrubben. Mili hat ordentlich Spaß beim planschen und ist kaum mehr aus dem Becken herauszubekommen. Jetzt ist aber genug. Zu Hause im Silberfisch bringe ich sie dann ins Bettchen und erzähle ihr noch eine Gute Nacht Geschichte, bevor ich sie in den Schlaf singe. Träum was süßes, kleiner Schatz.

Dann mache ich mich fertig und habe nun meine komplette Ausrüstung dabei. Wir treffen uns am Rallardplatz und klettern dann das Wohnhaus hoch. Oder besser gesagt, Lia und ich tun das, während die gutaussehende Hexenmeisterin Xana und Glücksbote Ryan unten Schmiere stehen. Dolon hat sich entschuldigen lassen, eine Totenfeier im Tempel, wo er nicht fehlen kann. Ich ziehe die neuen Handschuhe an und fühle mal den mittleren Gargyle. Leider Fehlanzeige. Auch die Gruppe beim Magistrat ist nicht die richtige. Aber von hier haben wir einen ähnlichen guten Überblick wie vom Galgen. Ich sehe von hier aus ein weiteres halbes Dutzend Gruppen von Gargylen, die in Frage kämen. Das wird noch eine lange Nacht.

So klettern wir von Dach zu Dach und von Gargyle zu Gargyle. Schließlich werden wir bei einer Dreiergruppe hinter der Taverne zu den drei Fässern fündig. Das ist die Gruppe, wie mir die Handschuhe vermitteln. Wir sind am Ziel. Ich suche nach fiesen gemeinen Fallen, finde aber nichts. Meine Hände zittern leicht, als ich den Schlüssel einführe. Ich drehe ihn und auf einmal kommt mir eine Feuerlohe aus dem Maul entgegen. Iiiks! Ich stoße mich ab, drehe mich und weiche gerade so der Feuerlohe aus. Dann rolle ich mich ab und steh wieder auf den Beinen. Puh!

So wie es aussieht, scheint in jedem der drei Statuen sich ein Schloss zu befinden. Sehr sorgfältig suche ich diesmal eine Falle und entdecke was. Scheint ein magisches Symbol zu sein. Ich versuche es vorsichtig wegzukratzen, als auf einmal sich jede menge kleiner Spinnen aus dem Maul ergießt. Iiiks! Ich hüpfe zurück und schau angeekelt auf den Schwarm. Jetzt bräuchten wir was wirklich gut brennendes. In den drei Fässern kaufen wir uns eine Flasche Hochprozentigen und werfen die dann als Alchemistenfeuerersatz auf die größte Ansammlung von Spinnen. Das macht die recht schnell alle. Gut!

Jetzt ist noch ein Schloss übrig. Ich habe kein gutes Gefühl dabei. Ich führe mein heiliges Symbol aus Silber an meiner Lippen, küsse es, führe es an die Stirn und an mein Herz. Dazu spreche ich ein kurzes Gebet. Wieder finde ich eine magische Falle und wieder gelingt es mir nicht, sie zu deaktivieren. Verdammnis! Und zu allem Unglück trifft mich die Kälteaura so stark, dass ich halb gefroren umkippe. Das tut vielleicht mal weh, wie eine Verbrennung. Autsch! Glücksbote Ryan ist so lieb und heilt mich von meinen schlimmen Verletzungen. Magische Fallen sind nicht einfach zu entschärfen. Mit einem nicht sehr Damenhaften Fluch auf den Lippen rapple ich mich wieder hoch. Wenigstens öffnet das dritte Schloss nun den Zugang zum Schatz.

Es gibt ein kurzes Gerangel am Anfang der Treppe, die nach unten führend nun freigelegt ist, nachdem die Gruppe aus Gargylen mit einem leisen knirschen zur Seite geglitten ist. Ich setze durch, dass ich als erste hinunter gehe. Die Treppe verläuft an der Wand entlang eines Schachtes, der am Grund Wasser führt. Der Schacht weitet sich etwas aus und gibt zum einen Vorraum nach Norden platz, während eine verschlossene Türe nach Osten abgeht. Weitere Fallen sind nicht zu erkennen. Glück gehabt. Die verschlossene Türe ist aus massivem Stein und mit Zwergischer Ornamentik verziert. Handwerklich perfekt, aber irgendwie langweilig. Mein Instinkt sagt mir, dass diese Türe zum Schatz führt. Leider passt der Schlüssel nicht in Zwergenschloss dieser Türe. Also packe ich meinen Dietrich aus und taste die Mechanik des Schlosses ab. Glücksbote Ryan merkt an, dass er lieber zuerst den anderen Raum machen möchte, aber ich bin schon bei der Arbeit. Da schreit Lia auf, die in Teich am Fuß des Schachtes gestarrt hat. Eine gigantische Schlange bricht aus dem brackigen Wasser hervor, beißt Lia mit ihrem giftigen Biss, die Musterung der Schlange zeigt die typischen Warnzeichen der Natur für ein giftiges Reptil und quetscht dazu noch der Waldläuferin das Leben aus. Verdammnis!

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #86 am: 09. April 2008, 14:48:27 »
24. Tarsak Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Die Schlange lässt die leblose Lia los und ich eile zu ihr. „Alles wird gut!“ Aber jetzt hat die Schlange mich auf den Kieker. Ihre großen Zähne schlagen in mein Fleisch. Aua! Sie spritzt irgendwas in mich, aber ich kann der gemeinen Wirkung widerstehen. Aber sie rollt sich um mich und quetscht mich. Nicht gut. Ich beginne mich zu winden und bevor sie mir alle Rippen bricht, flutsche ich heraus und beeile mich, auf Abstand zu kommen. Xana versucht die Schlange mit einem feurigen Strahl zu rösten. Aber leider schlängelt die Schlange so schnell, dass der Strahl zischend ins Wasser dahinter fährt und verlöscht.

„Möge Tymoras Waffe dich strafen!“ Eine feurige Wurfscheibe erscheint in der Luft und fräßt sich in den Schlangenleib. Ha! Lia rappelt sich auf und humpelt in die letzte Reihe, während Glücksbote Ryan schwer gerüstet mutig nach vorne tritt, trotzig das Schild hochgehoben. Auch ich ziehe mein Kurzschwert blank. Nun geben wir dem Mistding Saures. Uns einfach beißen und erdrücken zu wollen. Wie Gemein! Lia spickt das Ding mit Pfeilen, Xana steuert drei grüne Geschosse bei, Ryan gibt ihm Morgenstern und Tymoras Wurfscheibe zu schmecken und ich piekse es mit meinem Kurzschwert. Leider schaffe ich es nicht, eine empfindliche Stelle zu treffen, da ich einfach nicht an die Seite von dem Ding komme. Schließlich bleibt es Regungslos vor uns liegen. Hat es nun davon!

Ryan versorgt uns mit der Hilfe der Göttin und wir sind wieder halbwegs Fit. Mein Gürtel stellt mich ganz wieder her. Jetzt habe ich nur noch eine Ladung für den heutigen Tag. „Lia, du hättest ruhig deine Rüstung anziehen können.“ merke ich nun etwas spitz an, als offensichtlich wird, dass sie unter ihrem bauschigen Cape keine wirklichen Schutz trägt. Xana erbarmt sich ihrer und schenkt ihr eine magische Rüstung, welche sie für die nächsten Stunden schützen wird. Ich kümmere mich nun um die Türe, die sich schließlich überraschend einfach bewegen lässt. Dahinter ist ein recht kleiner Raum. Als erstes fällt mir auf, das keine Truhe zu sehen ist. Dafür ein verschrecktes kleines Wesen, dass sich hinter einer Statue eines Zwergenkriegers kauert. Drei Türen gehen von hier ab. Zwischen zwei Türen ist ein steinernes Portal eingemeißelt, dass von altzwergischen Runen umrahmt ist. Die Überreste von zwei weiteren kleinen Humanoide mit Hundeschädel sind im Raum verteilt, als wären Objekte mit hoher Wucht eingeschlagen und im Körper explodiert.

„Achtung! Die beiden Steinzwerge sind böse! Haben Meppos Freunde getötet.“ So bleiben wir erstmal an der Türe stehen. Meppo scheint ein Kobold zu sein. Sie haben nicht gerade den Besten Ruf. Er erzählt, dass er mit seinen Kameraden hier rein geschwommen ist. Dies scheint ein Zwergengrabmal zu sein. In der Türe nach Norden scheint eine Grabkammer zu sein. In der nach Osten auch, aber da sind zwei ganz böse Wesen, die Meppos Kameraden getötet haben. Und eine böse Schlange sei ihnen gefolgt und hätte ihm den Rückweg abgeschnitten. Und zu guter Letzt haben sich alle Türen geschlossen. Und zwar gerade erst. Das waren wohl wir. Meppo hatte wohl heute das, was man einen verdammt schlechten Tag nennen könnte. Ich vertröste ihn erstmal und wir machen die Türe zu.

„Irgendwie habe ich mir das leichter vorgestellt.“ merke ich an. „Ich dachte, der Schatz wäre jetzt irgendwo in einer hübschen Truhe, die wir einfach mitnehmen könnten. Mist auch!“ Wir beschließen erstmal den offen zugänglichen Raum im Norden zu untersuchen. Er enthält keinen Schatz, jedenfalls nicht den gesuchten. Glücksbote Ryan identifiziert den Raum als einen Schrein des Zwergengottes Armanthor, den mal ganz grob als zwergisches Gegenstück zu Maske bezeichnen könnte. Die sprichwörtliche Gier der Zwerge nach Gold, Edelsteinen und Edelmetallen ist sein Metier. Im Zentrum des Raumes steht eine zwergengroße Statue von ihm auf einem prächtigen Sockel. Davor ist eine offene Truhe, dahinter ein Schacht. Xana kann’s nicht lassen und wirft ein paar Goldmünzen hinein. Die Truhe schnappt zu, irgendetwas rumpelt und kurze Zeit später hört man Münzen in den Schacht aufschlagen. Schätze mal, dass der Schacht mehr als dreißig Meter tief ist. Das Licht meiner Laterne verliert sich in der Tiefe. Wäre natürlich raffiniert einen Schatz in einem Schatz zu verstecken. Oder auch nicht. Nein, halte ich für eher unwahrscheinlich.

Lia findet eine Geheimtüre. Vorsichtig untersuche ich sie nach Fallen, kann aber nichts entdecken, was bekanntlich gar nichts zu sagen hat. Aber diesmal geht ausnahmsweise nichts unangenehmes hoch. Vorsichtig erkunde ich im Licht meiner Blendlaterne den dahinter liegenden Raum, der hinter einem kurzen Gang liegt. Es ist zwar eine Truhe in ihm, aber der dicke Staub drum herum zeigt mir, dass sie dort seit Jahrzehnten, wenn nicht gar seit Jahrhunderten unberührt hier liegen dürfte. Und hier brauche ich gar nicht erst nach Fallen zu suchen, denn die Kiste ist offensichtlich mit einigen beweglichen Elementen versehen. Vorsichtig nähere ich mich der Truhe und berühre sie mit den Handschuhen. Ich sehe wie ein Zwerg, der die Kiste verschließt. Und dann nichts mehr weiter. Auch dies ist nicht der gesuchte Schatz. Verdammnis!

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #87 am: 11. April 2008, 14:47:01 »
24. Tarsak Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Weiter geht es hier auch nicht. Nun gut. Dann müssen wir wohl in den sauren Apfel beißen. Meppo kauert immer noch hinter den Statuen. „Wie kämpfen diese Zwergenkrieger aus Stein?“

„Aus ihren Augen kommen grüne Geschosse, die ganz arg wehtun!“ Wir beschließen, die Augen von den Statuen zu verhängen. Sollte helfen. Mit ihrer Magierhand transportiert Xana zum einen ihren Unterrock auf eine Statue, zum anderen meinen Beutesack zur anderen. Vorsichtig nähere ich mich den beiden Statuen. Plötzlich fängt sich die Tür hinter mir an zu schließen. Nicht gut. Ich muss irgendetwas ausgelöst haben, was ich nicht gesehen habe. Eine Druckplatte war es nicht, muss irgendetwas magisches gewesen sein. Die anderen drei spurten in den Raum und das Schloss rastet hörbar ein. Jetzt gibt es keinen Weg zurück.

Ich packe meinen Stahlspiegel und halte es vor die Augen einem der Statuen. Glücksbote Ryan macht das gleiche bei der anderen mit seinem Blankpolierten heiligen Symbol. Aber die grünen magischen Geschosse lassen sich davon nicht täuschen und jeder bekommt ein paar ab, bis auf Xana, die sich hinter einer der Statuen gerettet hat. Aua! So war das nicht gedacht. Jetzt ist guter Rat teuer. „Kaira! Hinter der Statue ist eine magische Rune!“ Quietscht Xana aufgeregt und wir tauschen die Plätze. Jetzt steht sie im Schussfeld und ich bin in Sicherheit. Erst jetzt dämmert es mir, dass wir es gar nicht mit Konstrukten aus Stein zu tun haben, sondern mit einer magischen Falle! Verdammnis! Da hätte ich eher drauf kommen müssen. Aber leider nicht mehr zu ändern. Mit magischen Fallen kenne ich mich nicht so gut aus. Theoretisch schon, aber praktisch habe ich bis jetzt jede dadurch entschärft, in dem ich sie ausgelöst habe. Finsternis!

Aber vielleicht kann ich die Rune ja kaputt machen. Ich hole einen kleinen Meisel und mein Hämmerchen hervor und schlage eine Kerbe hinein. Weitere Geschosse schlagen in meiner Kameraden und Glücksbote Ryan beschwört einen Nebel, in dem sie sich verstecken können, nachdem sie vergeblich versucht haben, die andere Statue zu beschädigen. Irgendwie scheint meine Kerbe nicht Tief genug zu sein und ich muss einen weiteren Versuch starten. Schließlich entrinnt die Magie aus der Kerbe und wenigstens diese Statue hört auf zu feuern. Auch die andere hört endlich auf. Aber der Preis war hoch. Xana und Lia liegen verkrümmt auf dem Boden und sind mit blutigen Kratern übersät. Der Tymorapriester bittet um die Hilfe seiner Göttin und schließlich sind beide wieder auf den Beinen, wenn auch angeschlagen. Meppo wagt sich vorsichtig auch hinter der Staute hervor. „Diese Zwerge sind gemeine Mistkerle! So was zu bauen gehört echt verboten!“

Da spricht der Kleine mir nur zu sehr aus der Seele. Wir fragen ihn noch etwas über diese Anlage aus. Für heute haben wir alle genug. Ich öffne für den Kobold wieder die Türe. „Keine Angst, die böse Schlange ist tot. Du kannst nach Hause gehen, Meppo.“

„Danke!“ Er winkt uns noch zum Abschied zu uns springt dann ins dunkle Wasser. Er schwimmt bis zur Mitte und taucht dann unter.

„Gehen wir noch in den Raum im Norden, laut Meppo ist der Raum sicher.“ Die Türe ist schnell geöffnet und diesmal gibt es keine gemeinen Fallen. Der Raum bietet drei Sarkophagen genug Platz. In einer Ecke sind die Überreste eines Lagerfeuers zu sehen, die andere haben die Kobolde als Toilette benutzt. Ich berühre vorsichtig, nachdem ich mich überzeugt habe, dass an der Oberfläche keine weiteren Auslöser von irgendwelchen gemeinen Fallen sind, nach und nach die Sarkophage. Im ersten ist eine Zwergenfrau begraben, im zweiten ein Zwergenkrieger und im dritten ein Zwerg mit Bergmannsausrüstung. Keiner enthält den gesuchten Schatz und sind das, was nach sie auch aussehen, die letzte Ruhestätte von Zwergen. Wir beschließen, die Ruhe der Toten nicht weiter zu stören.

Nach kurzer Beratschlagung kommen wir zu dem Schluss, dass wir heute keinen weiteren Kampf mehr durchstehen werden. Glücksbote Ryan verteilt noch seine letzte heilende Magie und wir gehen die Treppe wieder zurück. Über uns hat sich die Öffnung geschlossen, aber ein Schloss ist zu sehen. Paranoid wie ich inzwischen bin, rechne ich mit dem schlimmsten und untersuche sorgfältig alles nach Fallen. Ich lasse mir sehr viel Zeit und erst als ich wirklich sicher bin, dass hier keine weitere Gefahr lauert, öffne ich den Ausgang. Wir treten hervor und stehen direkt vor einem Schildwächter, der sich gerade an der Mauer im Hinterhof erleichtert hat. Aus verquollenen Augen schaut er uns an und schüttelt dann den Kopf. „Für heute habe ich wirklich genug, ich seh schon Leute aus der Erde kommen.“ schwankend wankt er von dannen. Wir verabreden uns für den Abend zu zehnten Stunde an der Taverne zu den drei Fässern. Das war ja jetzt vielleicht eine Exkursion. Hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #88 am: 14. April 2008, 15:00:28 »
25. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Der Tag ging schnell mit den üblichen Pflichten vorbei und Mili war glücklich, dass sie mich den ganzen Tag immer im Blickfeld hatte. Nun denn, auf zum zweiten Versuch. Hoffentlich stellen wir uns diesmal besser an. Wir treffen uns in der Taverne zu den drei Fässern. Dolon ist immer noch im Tempel beschäftigt. Schatzsuche gehört bei seinen Leuten nicht zu den unabkömmlichen Pflichten. Eine Schlacht wäre ein anderes Thema, aber so? Nun, dann muss es eben so gehen. Diesmal hat jeder seine volle Ausrüstung dabei und wir gehen wieder in den Hinterhof der Taverne. Ryan hat schon mal Schnaps gekauft und alle halten den notwendigen Abstand, als ich nun Falle auf Falle ein weiteres Mal entschärfe. Da ich diesmal in etwa weiß, was ich zu tun habe und weil Glücksbote Ryan mir noch einen Zauber zuteil hat  werden lassen, der mich wappnet, klappt es diesmal ganz prima. Wäre auch zu peinlich gewesen, wenn ich alle drei Fallen noch mal ausgelöst hätte.

Unten entschärfe ich ein weiteres Mal diese Zwergenstatuen, die sich inzwischen wieder aufgeladen haben und die anderen können nachrücken. Mal sehen, was Meppos Kameraden in dem hinteren Raum getötet hat. Ich öffne die nördlichere Türe nach Osten. Im Licht der Blendlaterne sehen wir einen lang gezogenen Raum, der mindestens fünfzehn Schritt lang und etwa halb so breit ist. An der nördlichen Mauer verläuft ein Wassergraben, dessen Sinn ich nicht verstehe. Ja, er führt Wasser, aber was soll das Wasser hier? In der Mitte des Raumes steht eine beschädigte Statue eines Zwerges, unter deren Hülle eine komplexe Ansammlung von Zahnrädern zu sehen ist. Aus den Wänden ragen in kleinen Abständen Rohre heraus. Ganz am Ende ist ein Podest mit einem Sarkophag zu sehen. Die Decke ist gewölbt und zwar in sich auch noch einmal, so dass es dort viele Nischen im Dunkeln gibt.

„Ah, siehst du Layo, frisches Essen. Lecker!“
„Aber einer davon ist Dosenfutter, Ziega!“
„Wie seid ihr denn drauf?“, werfe ich in den Raum hinein.
„Hungrig! Immer hungrig.“
„Hört mal her, ihr könnt uns durchlassen. Luvius hat mit euch bestimmt einen Vertrag geschlossen“, bluffe ich mal ins Blaue hinein.
„Hat der gute Luvius, hat er in der Tat. War gemein zu uns, nicht wahr, Ziega?
„Jaaaaa, Layo, jaaaa. War er, gemein der Kerl. Aber wir haben Vertrag gemacht. Alles töten was hier herein kommt. Alles Essen dürfen. Ja, Lecker!“

Ich wechsle bezeichnende Blicke mit den anderen. Mit reden kommen wir hier nicht weiter. Die beiden scheinen sich irgendwo in den Bögen der Decke zu verstecken. Es gibt allerdings keinerlei Hinweise, um was es sich bei Layo und Ziega handeln könnte. Jedenfalls scheinen sie eine große Portion Selbstvertrauen zu haben. Ich lege einen Pfeil in meinen Bogen ein und wir rücken in den Raum vor.

Etwas springt von der Decke und zieht mit einem hämischen Lachen etwas aus der Statue, was wir aber nicht genau sehen können. Genausowenig, um was sich gehandelt hat. Aber was es bewirkt, schon eher. Die Zahnräder beginnen sich zu drehen und mir schwant Böses, was die Löcher an der Wand betrifft. Das zweite Vieh springt mich an. Es ist grob humanoid, seine Arme und Beine laufen in drei zylinderartigen, kurzen Gliedmaßen aus, an deren Oberfläche sich nadelspitze Zacken befinden. Iiiks! Es schlägt nach mir, was mich ordentlich durchschüttelt und beginnt dann mich zu umklammern und zu würgen. Schmerzhaft dringen die scharfen Zacken seiner Oberfläche in meine Haut, selbst durch meine Rüstung. Innerhalb kürzester Zeit wird wieder mal das Leben aus mir herausgepresst. Das zweite Ding greift Glücksbote Ryan an. Auch er wird gewürgt. Lia schießt auf den meinen mit Pfeilen und der lässt mich schließlich los, bevor ich in die Schwärze gleiten kann. Ich fühle mich richtig durch die Mangel gedreht. Inzwischen sind mehrere Pfeilsalven aus den Wänden durch den Raum geschossen. So wie es aussieht, müssen verschiedene Fußbodenplatten versteckte Auslöser sein, welche ganze Schwärme von Bolzen durch den Raum schießen lassen. Aber zum Glück treffen diese mich nicht.

Xana versengt das Mistding ordentlich, welches Glücksbote Ryan triezt. Der mich attackiert hat, geht nun auf Lia los, weil die ihn so gemein mit Pfeilen gepiekst hat. Ich zieh mein Kurzschwert und flankiere den, welcher Lia würgen will. Mein Kurzschwert dringt bis zur Parierstange in den Körper von Layo. Ich scheine etwas Wichtiges getroffen zu haben, aber leider steht er oder sie gerade noch so. Böse schaut es mich an und dann rammt es mir seinen Arm in den Unterleib. Ich klappe keuchend zusammen. Wenige Augenblicke später bringt mich ein Heilzauber von Glücksbote Ryan wieder auf die Beine. Ich rapple mich auf und setze Layo nach, der sich an Xana gütlich tun will. Tja, da kriegt er von mir eins von hinten zwischen die Rippen, was ihn jetzt dazu bringt, zu Boden zu gehen. Tymora sei Dank. Die Dame hat mir gelächelt.

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #89 am: 16. April 2008, 15:42:15 »
25. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Nachdem Layo zu Boden gegangen ist, macht auch Ziega nicht mehr so den glücklichen Eindruck. Aber so schnell das komische Würgeding auch sein mag, Xanas grüne Geschosse sind um einiges schneller. So geht er auch tot zu Boden. Jetzt muss ich nur noch diese komische Schussanlage dazu bringen, keine Pfeile mehr durch die Gegend zu schießen. Ich eile also geschwind zu der Stelle, wo die Falle aktiviert wurde. Am Boden hinter dem Sockel liegt eine Eisenstange. Die muss im Mechanismus gesteckt haben. Aber nur wo? Ich studiere im Bolzenhagel die Falle und finde schließlich eine Stelle zwischen zwei Zahnrädern, die mir viel versprechend aussieht. Mit aller Wucht ramme ich die Stange dazwischen. Zuerst rutsche ich ab, aber dann finde ich eine Lücke und presse mit aller Kraft dagegen. Es gibt ein lautes, ungesundes Knirschen, als der Mechanismus aufhört, sich zu bewegen. Dies scheint eine Art Uhrwerk zu sein, nur viel komplexer und bewegt die Mechanik, welche dafür sorgt, dass sich die Armbrüste hinter der Wand nach wenigen Herzschlägen wieder neu spannen und feuern. Wer immer diese Anlage gebaut hat, gespart an der Ausstattung hat er wirklich nicht.

Nachdem ich mich mit einem „Alles wird gut!“ halbwegs wiederhergestellt habe, schaue ich mich suchend um. Mein Augenmerk fällt auf den großen Sarkophag am Ende des Raumes. Hier ruht laut zwergischen Runen der Baumeister Hagran Talynstein. Ich ziehe die Handschuhe an und berühre den Stein. Ich bekomme eine Vision, dass dieser Sarg keine Leiche birgt, sondern einen Geheimgang. Schnell finde ich einen Auslöser, der ausnahmsweise mal nicht mit einer Falle gekoppelt ist. Jedenfalls bin ich mir nach wirklich intensivem Suchen danach sicher. So öffne ich nun per Druckknopf den Sarkophag, der einfach zurückgeleitet und eine Treppe nach unten frei gibt. Etwas bange gehe ich wieder mal voran, nach einer der hier obligatorischen Fallen Ausschau haltend. Aber ich kann weder was entdecken, noch fliegt mir was Unangenehmes um die Ohren. Glück gehabt!

Schließlich endet die Treppe und öffnet sich zu einem Raum, der etwa fünfzehn Schritt lang und zehn Schritt breit ist. Hier stehen zwei Truhen und zwei Tische. Auf einem der Tische liegt das Buch mit dem Einband aus Blättern. „Dieses Buch ist gefährlich. Dass mir niemand das Buch anfasst. Dass hier überhaupt niemand was anfasst, bevor ich nicht nach Fallen geschaut habe.“
„Woher willst du wissen, dass dieses Buch gefährlich ist?“, fragt Glücksbote Ryan.
„Lange Geschichte, erzähle ich dir nachher.“ Vorsichtig nähere ich mich den Schätzen. Im Licht der Laterne treten weitere Kostbarkeiten zu Tage, wie je drei reich verzierte Dolche und Rapiere. Ein goldenes Service mit Tellern, Besteck und Kelchen. Zwei Bilder von Landschaften, allerdings keine Gregor Verns. Ein Bild, das seltsam unfertig aussieht, als wäre ein Portrait angefangen, aber nie beendet worden. Sechs Bücher, die von Magie zu handeln scheinen.

Ich knie mich vor der ersten Truhe nieder und finde eine kleine gemeine Bolzenfalle, die ich dadurch stilllege, dass ich die Sehne durchschneide. Darunter befinden sich Handelsbarren, Schuldverschreibungen und Goldmünzen im Wert von etwa elftausend Goldmünzen. Die zweite Truhe ist ähnlich gesichert und enthält jede Menge magische Gegenstände. Die Dame lächelt uns heute wahrlich. Sofort spreche ich ein kurzes inbrünstiges Gebet an Tymora.

„Kaira hat gesagt, das Buch ist gefährlich, Lia!“ Xanas Stimme reißt mich aus dem Freudentaumel. In der Tat hat Lia das Buch mit dem Blättereinband in der Hand und sieht gar nicht glücklich aus, dass sie nun im Fokus des allgemeinen Interesses steht.
„Das Buch ist nicht für euch bestimmt!“
„Das Buch gehört auch dir nicht, Lia! Leg es zurück!“ Ich stehe geschmeidig auf und baue mich vor ihr auf. Zögernd legt sie das Buch wieder an seinen Platz. Nur um im nächsten Augenblick ihren Bogen auf uns zu richten.
„Was soll der Mist?“ Glückbote Ryan bezieht nun ebenfall neben mir Front.
„Dieses Buch ist nicht für Menschen bestimmt. Es enthält Dinge, die für immer verborgen bleiben müssen.“
„Ich wusste ja schon immer, dass du was zu verbergen hast!“, meint Xana triumphierend.
„Halt bloß dein dummes Maul, dreckiges Halbblut!“, keift Lia und Xana sieht für einen Moment etwas geschockt aus.
„Ich würde es sehr zu begrüßen wissen, wenn du, Lia, die Waffe nicht auf mich richten würdest und wenn du, Kaira, uns erleuchten könntest, was es genau mit dem Buch auf sich hat.“ Glücksbote Ryan macht ebenfalls keinen glücklichen Eindruck.
„Nun gut. Ich weiß das von Karn, dem braunen Kapuzenmann. Er hat mich gebeten, falls ich das Buch finden sollte, es ihm zu geben. Es wäre sehr gefährlich und mächtige Magier würden danach suchen. Ich soll es unter keinen Umständen öffnen. Mehr weiß ich auch nicht.“
„Und warum willst du das Buch haben?“
„Das geht euch einen verdammten Scheiß an!“ Lia hält immer noch den Bogen auf uns gerichtet. Glücksbote Ryan gelingt es schließlich einen Kompromiss zu vermitteln. Wir werden das Buch erstmal hier lassen und unsere Fraktionen, die wir vertreten, an einen Tisch bringen. So soll es geschehen. Auf einmal meint Lia, „Wir bekommen Besuch von drei Leuten.“ Wer mag das schon wieder sein? Und woher will sie das verdammt noch mal so sicher wissen?

  • Drucken