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Autor Thema: Der Test der Zeit  (Gelesen 81604 mal)

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Nakago

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Der Test der Zeit
« am: 26. Oktober 2007, 09:28:11 »
Dies ist die Geschichte unserer Kampange, die in Pre Sembia des 8 JH in Chondathan, dem späteren Searlon, spielt. Der Prolog, bzw. die Hintergrundgeschichte meines Chars ist hier zu lesen: http://forum.dnd-gate.de/index.php/topic,15865.0.html

Anregungen, Kritik, Bemerkungen und Lob sind ausdrücklich erwünscht. Viel Spaß beim Lesen.  :lol:

Der Test der Zeit
Chroniken der Kundschafterin
1 Kapitel
Tod, aber tödlich


5 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Tymora lächelt mir wahrlich. Renya Harloff hat nach mir geschickt. Die gute Frau Renya Harloff ist die Besitzerin des Brunnenhauses, einer einschlägig bekannten Kneipe in der Weststadt. Man sagt, sie hätte mit der Diebesgilde von Chondathan zu tun gehabt. Die Diebesgilde ist vor etwa ein oder zwei Zehntagen zerschlagen worden, den Anführer Luvius den Schneider und zwei seiner schlimmsten Spießgesellen hat man nach kurzem Prozess an Rallards Baum aufgeknüpft. Dieses Spektakel habe ich mir nicht entgehen lassen, es ist selten, dass auf dem Rallardplatz solch eine exklusive Hinrichtung stattfindet.

Die Sonne geht unter und ich bringe meine kleine zweijährige Tochter Mili zu Bett, nachdem ich sie gewaschen und ihr schönes rotes Haar gebürstet habe. Dann singe ich meinen kleinen süßen Fratz in den Schlaf. Möge sie süße Träume haben. Bald wird es aufwärts gehen, Bald! Ich ziehe mich um, ziehe meine Schürze und mein Kleid aus und meine Lederrüstung an. Lange ist es her, dass ich sie getragen habe. Das Westviertel hat den Ruf, nicht die sicherste Gegend in Chondathan zu sein und es kann nichts schaden, wenn man dort zeigt, dass man kein leichtes Opfer ist. Die Rüstung sitzt gut, wie an dem Tag, als ich sie gekauft habe. Als letztes das Wehrgehänge, ungewohnt das Gewicht an meiner Seite. Probehalber ziehe ich das Rapier, das ich noch nie benutzt habe. Unbefleckt und scharf glänzt die Klinge im Kerzenschein. Das Gewicht der Waffe fühlt sich gut an in meiner Hand. Ich führe ein paar schnelle Attacken und Paraden aus. Ja, ich habe es nicht verlernt. Mit neu gewonnenem Selbstvertrauen stecke ich das Rapier zurück, küsse meine schlafende Tochter auf die Stirn, rücke die Decke zurecht und lösche die Kerze.

Im Schankraum sage ich Frau Erlann bescheid, meiner Gönnerin, Arbeitgeberin und Vermieterin in einer Person, dass ich weggehe und wohl erst spät nach Hause komme. Es wäre nett, wenn sie mal zwischendurch nach Milindra schauen könnte. Die gute Frau verspricht es und meint, ich solle nur vorsichtig sein. “Klar, werde ich“, tätschle mit gespieltem Selbstvertrauen mein Rapier und trete nach draußen. Kalt pfeift der Wind durch die Gasse und ich ziehe meinen Umhang enger. Nach etwa einer Viertelstunde erreiche ich den Innenhof, in dem das Brunnenhaus steht. Den Namen hat es vom Brunnen hier. Auf der ummauerten Fassung steht ein steinerner, übermenschlich großer Dämon, dessen grinsendes Gesicht von Taubendreck gesprenkelt ist. Spitz sind seine Zähne, taxierend sein steinerner Blick. In Chondathan stehen tausende solcher steingewordener Schrecken, um Feen und Elfen draußen zu halten. Man munkelt, dass nicht alle Statuen von Menschenhand gemacht sind, sondern dass wirkliche Gargylen darunter sind, die sich unbeweglich in der Masse der Wasserspeier verstecken und geduldig auf ihre leichte Beute warten. Nicht nur vor Kälte fröstelnd passiere ich den unheimlichen Brunnen.

Lärmende Zwerge im bärtigen Dutzend bevölkern die kleine, verräucherte Kneipe von Renya Harloff. Die übergewichtige Frau, die sich für ihr Gewicht erstaunlich schnell bewegt, begrüßt mich hinter dem Tresen stehend. Sie drückt mir einen Humpen schäumenden, billigen Bieres in die Hand und zeigt mir einen Tisch, wo ich warten soll. Ein in eine bunte Tunika gekleideter Priester der Tymora mit grünen Augen, rotblonden Haaren und gesunder sonnengebräunter Haut sitzt schon dort. Wir begrüßen uns, wie es bei Anhängern der Tymora Brauch ist, indem wir uns umarmen und unsere Anhänger berühren lassen. Seine Hand wandert dabei viel zu weit runter auf meinen Po. So ein Ferkel!

Wir lösen uns und schon bald wird klar, dass er auch aus den Tälern kommt. Er stammt aus dem Nebeltal, seine Eltern haben dort eine Taverne. Er flirtet mir etwas zu sehr und ich zeige meinen Ehering. Manchmal ist es doch gut, verheiratet zu sein, auch wenn der Ehemann einen hat sitzen lassen. Schließlich überredet er mich zu einem Würfelspiel. „Wer wagt, gewinnt!“ Und die Göttin lächelt mir wahrlich. Wenig später kommt ein weiterer, sehr schlanker Mann herein. Er stellt sich als Estarion vor. Im Laufe des Abends stellt sich dann heraus, dass es sich bei ihm um einen elfischen Barden handelt, auch wenn er versucht, dass geheim zu halten. Auch er steigt in unser Spiel ein und der Haufen an Silbermünzen wächst stetig vor mir an. Unsere Runde wird komplett, als eine junge braunhaarige Halbelfe in der Kleidung einer Marktfrau und ein gerüsteter Schlachtenrufer des Tempus sich zu uns setzen. Die wirklich gut aussehende Halbelfe stellt sich mit Xanaphia vor, kurz Xana gerufen, der junge schneidige Tempuspriester als Dolon Braska. Die gute Frau Harloff meint, wir wären so nun komplett und sollten uns ein wenig kennen lernen. Also spielen wir etwas weiter und plappern nichtssagenden Klatsch vor uns hin.

Ein halborkischer Barde betritt den Schankraum und stimmt ein lustiges Sauflied ein, in das die Zwerge sofort grölend mit einstimmen. Ich kenne es von Jondan und singe es mit. Ach Jondan, ich hasse ihn inzwischen so sehr, dass ich ihn fast schon wieder liebe. Als weitere illustre Gäste erscheinen einen dickbäuchiger Magier, der sich hier mit einem leibhaftigen Tiefling trifft. Finstere Verdammnis! Als ob es nicht noch schlimmer kommen könnte, taucht auch noch eine Patrouille der Schildwache auf, als der halborkische Barde gerade ein Spottlied auf Hauptmann Bree zum Besten gibt. Nach kurzem Zögern fallen die Gardisten mit ein, was die ganze Situation beträchtlich entschärft. Mein Silberberg schrumpft im Laufe des Abends, aber als Renya endlich Zeit für uns hat, habe ich noch 9 dreieckige Silberschilde. Immerhin!

Renya führt uns eine enge Stiege zu einem Speicher, wo es einen Spieltisch gibt. Von der Decke hängen Räucherwaren. Wir setzen uns an den Tisch und endlich erfahren wir, um was es geht. Sie zeigt uns einen Schlüssel meisterhafter zwergischer Machart. Das Schloss dürfte kaum zu knacken sein, zu dem der Schlüssel passt. Renyas Problem ist, dass sie zwar den Schlüssel hat, aber nicht genau weiß, wozu der passt. Er stammt aus dem Besitz des Gildemeisters der Diebe, Luvius des Schneiders. Sie weiß zu berichten, dass vor der Zerschlagung der Gilde Luvius in Besitz eines Schatzes gelangt sein soll, was aber genau, weiß sie nicht. Ich finde, sie weiß recht wenig. Und das genau ist ihr Problem. Niemand weiß etwas Genaues, nur Luvius könnte Antworten geben und darum geht es ihr. Aber ich habe doch selbst gesehen, wie er an Rallards Baum sein Leben ausgehaucht hat. Die gute Frau präsentiert nun eine Schriftrolle. „Damit es möglich, Luvius die entsprechende Frage zu stellen. Noch ist seine Leiche in der Kapelle der Gefallenen auf dem Friedhof aufgebahrt. Geht zu ihm und fragt ihn. In zwei Tagen ist das Fest der Toten und von Thargrams Weg aus wird eine Prozession zum Friedhof ziehen. Schließt euch ihnen an und nutzt die Masse, um euch einzuschleichen. Das dürfte die letzte Gelegenheit sein, bevor sein Leichnam von Fleisch und Knochen getrennt wird.“ Das hört sich ja schon beinahe zu einfach an. Unsere Belohnung wäre ein fairer Anteil am Schatz. „Nun gut, wer wagt, gewinnt. Ich bin dabei!“ Auch die anderen sind einverstanden.

Wir beschließen, dass wir morgen Früh uns diesen Friedhof mal genauer ansehen. Zur zehnten Stunde am Nordtor. So soll es sein. Nur die Halbelfe Xana, die Töpferwaren auf dem Markt verkaufen muss, hat dazu keine Zeit. Sie verspricht aber, sich auf dem Markt nach schwarzen Kapuzenmänteln, wie sie von den Pilgern getragen werden, umzusehen.

Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #1 am: 29. Oktober 2007, 14:49:55 »
6 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Ich beeile mich, früh mit der Arbeit fertig zu werden und auch meine süße zwei Jahre alte Tochter Mili zu versorgen. Glücksbote Ryan ist wieder der Erste und nutzt die Gunst der Stunde, um mit mir zu schäkern. Nach und nach trudeln auch der elfische Barde Estarion und der fesche Schlachtenrufer Dolon Braska ein. Gemeinsam machen wir uns auf dem Weg. Es heißt, auf dem Friedhof würden die Untoten umgehen. Und Untote bekämpft man am besten mit stumpfen Waffen, die Knochen zerbersten lassen, da Untote meist wenig Fleisch zum Durchschneiden haben. Also besorge ich mir in einem der Gehölze etwas Bruchholz, das mir gut in der Hand liegt. Kommt nur, ihr Untoten, den Mutigen gehört die Welt, nicht denen, die schon tot sind! Verdammnis!

Der düstere Friedhof liegt am Fuße des Berges Alkroth, etwa eine halbe Stunde zügige Fußmarsches außerhalb der Stadt. Er ist umgeben von einer etwa zwei Meter hohen Mauer aus grobem Bruchstein, auf der nicht nur stählerne Spitzen drohen, sondern gar schrecklich anzusehende Dämonen und Gargylen, die zähnefletschend nach außen Wache zu halten scheinen. Ein großes gusseisernes Tor steht offen. Hier und da ist ein maskierter Priester des Myrkul zu sehen, wie auch einige Gläubige, die Grabstelen zu pflegen scheinen. Vier in Schuppenpanzer gehüllte und mit Speeren bewaffnete Wächter gammeln mehr oder weniger aufmerksam herum. Angeführt werden sie von einem Schwarzgewandeten Müllermädchen mit weiß geschminktem Gesicht, das eine Sense trägt. Jedes Jahr werden drei Tote auf dem Fest der Toten ins Leben zurückgeholt. Sie war eine von diesen Auserwählten, aber statt wie üblich zurück ins Leben zu gehen, blieb sie hier und wacht nun mit ausdrucksloser Miene über die Toten. Die junge Frau ist mir unheimlich. Die ist echt gruselig!

Wir laufen an den Stelen vorbei, wo die wohlhabenden Toten begraben liegen. Die normalen Toten werden durch Käfer entfleischt, ihre Knochen aufgelöst, nur der Schädel wandert in die Beinhäuser, wo sie in unendlichen Reihen mit leeren Augenhöhlen grinsend in die Ewigkeit starren. Die ganz reichen Handelsfamilien wie auch die Adelsfamilien haben steinerne Grüfte, die sich in ihrer Düsterheit zu übertreffen drohen. Welch trauriger farbloser Ort das hier doch ist. Grau in Grau mit etwas Schwarz hier und da. Kein Wunder, dass Myrkulpriester als Trauerklösse verschrieen sind. Man munkelt, dass einige der Priester selbst schon tot sind. Finstere Verdammnis!

Unser Ziel die schwarze Kapelle der Gefallenen, hier kommen die Verurteilten und Hingerichteten Verbrecher. Es gibt sieben Kapellen auf dem Areal, jede einem der Schutzheiligen und Diener Myrkuls zugeordnet, die sich um ihre Toten kümmern. Die Kapelle der Gefallenen liegt etwas abseits, aus dem Alkroth herausgeschlagen und doch mit ihm verbunden. Keck gehe ich in den Vorraum und ein unnatürliche Stille umgibt mich. Ich schnippe mit dem Finger, aber kein Geräusch entsteht! Verfluchte Verdammnis!

Von der Vorhalle, die zum Gebet dient und allen Gläubigen und Besuchern offen steht, geht eine verschlossene Türe ab, die mit einer Kordel versehen ist. Ebenso führt ein offener Durchgang in einen weiteren Raum. Ein Schädelmaske tragender Myrkulpriester oder Akolyth säubert in meditativer Haltung einen Altar.  Ich drehe mich um und berichte den anderen von meiner Beobachtung. Nicht gut! Das verkompliziert die Sache etwas. Estarion schlägt vor, den toten Luvius in einen der Umhänge zu packen und ihn zu zweit nach draußen zu zerren, als wäre ihm schlecht, um ihn dort dann außerhalb der Stille zu befragen. Schluck! Aber da mir nichts Besseres einfällt, stimme ich halbherzig dem Plan zu.

Wir kehren in die Stadt zurück und suchen den Markt auf. Die schöne Xana war bis jetzt noch nicht in der Lage gewesen, den Familienstand zu verlassen. Ihre menschliche Mutter mustert uns äußerst finster, wie ehrliche Leute eben scheinbares Gesindel zu mustern pflegen. Ich schätze mal, dass sie wohl auch mit ihrer Tochter sitzen gelassen wurde. Ich kann mir vorstellen, dass sie einigen Anfeindungen ausgesetzt gewesen ist. Die Leute in der Stadt haben ein tiefes Misstrauen gegen alles elfische, kein Wunder, wenn man bedenkt, wie oft ihre Vorfahren gegen Elfen gekämpft haben und was aus ihrer Heimat geworden ist. Auch wir aus den Tälern stammen von diesen Leuten ab, aber da wir öfters Kontakt mit den Elfen hatten und der meist friedlich und freundlich verlief, habe ich nichts gegen Elfen oder Halbelfen. Nicht auf die Rasse oder das Aussehen kommt es an, sondern wie es im Herzen eines Wesens aussieht.

Xana führt uns zu einem der Händler, der schwarze Kapuzenmäntel verkauft. Ich handle ihn soweit runter, dass wir sechs Mäntel für den Preis von fünf bekommen. Da wir jetzt eigentlich alles haben, was wir für unsere Aufgabe brauchen, verabreden wir uns zur vierten Mittagsstunde an der Kathedrale der Triade am Thargrams Weg. Wer wagt, gewinnt.

Sirius

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Der Test der Zeit
« Antwort #2 am: 30. Oktober 2007, 22:11:35 »
Sehr gut geschrieben, interessante Geschichte und faszinierende Charaktere. Ich freue mich auf die Fortsetzung!

Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #3 am: 31. Oktober 2007, 14:21:19 »
Danke für das Lob!  :D

7 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Viel zu früh bin ich an der Kathedrale der Triade, in der die Götter Torm, Tyr und Ilmater angebetet werden. Ich laufe etwas gebeugt unter meinem Kapuzenmantel, da ich meinen Rucksack voll mit wichtigem Werkzeug dabei habe. So sieht es aus, als ob ich einen Buckel hätte. Mili war etwas knatschig, als ich gegangen bin. Meine kleine Tochter ist es nicht gewöhnt, dass ich sie allein lasse. Wenn ich im Silberfisch arbeite, läuft sie mir beim Zimmermachen meist hinterher, mit ihrer bunten wippenden Ente auf Rädern im Schlepptau und schaut mit großen Augen zu, was ich mache. Manchmal singe ich dabei und sie quietscht vergnügt mit. Oder sie hockt sich in eine Ecke und spielt mit ihrer kleinen Stoffpuppe, die sie letztens zum Geburtstag bekommen hat. Mein kleiner Schatz ist schon zwei Jahre alt. Vor zwei Jahren hat mich Jondan Rea sitzen gelassen. Was er wohl gerade treibt? Da fallen mir ein paar sehr ausgefallene Sachen ein. Aber vielleicht irre ich mich ja, und er wurde tatsächlich in die Sklaverei verschleppt. Der Tag wird kommen, wo ich genug Geld haben werde, um mich darum zu kümmern. Die Zeit wird es zeigen.

Nach und nach kommen die anderen und wir reihen uns gemeinsam in die aufbrechende Prozession der Gläubigen zum Friedhof. Schweigend marschieren wir in die Nacht hinein. In der Nacht sieht der Friedhof noch unheimlicher und grusliger aus als am Tag. Verdammnis! Da läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Auf dem Friedhof angekommen setzen wir uns nach und nach ab. Nur Ryan macht das etwas zu auffällig und muss zurück bleiben, weil er die Aufmerksamkeit der Wache auf sich gezogen hat. Finstere Verdammnis!

Wie Schatten schlüpfen wir in die menschenleere Kapelle der Gefallenen. Vorsichtig spähe ich in alle Richtungen, als ich mich der mit der Kordel verhangenen Tür nähere. Fallen oder ähnliche Gemeinheiten kann ich keine entdecken, macht ja bei einem Raum, der tagsüber Jedermann zugänglich ist, keinen Sinn. Aber das Schloss ist feinste Zwergenarbeit, da versagt meine Kunst erstmal kläglich. Nun gut, es gibt noch andere Türen. Wir gehen nun durch den Durchgang und kommen in einen weiteren Raum, der wohl der Meditation dient. Und hier kann man wieder reden. Gut!

Zwei Türen befinden sich hier, eine die tiefer in die Kapelle führt und aus der komische, schwer einzuordnende Geräusche kommen, eine, welche in den Raum führen könnte, der mit dem Zwergenschloss versperrt ist. Ich knie mich nieder, küsse mein heiliges Symbol der Tymora, berühre Stirn und Brust und bete darum, dass Tymora mit den Mut, die Geschicklichkeit und die Kraft verleiht, um das hier heil zu überstehen. Nicht um meinetwillen allein, sondern auch wegen meiner noch so jungen Tochter Milindra. Gestärkt und vom innerem festen Glauben erfüllt mache mich nach sorgfältiger Sondierung des Schlosses an die Arbeit. Aber da! Wir zucken alle erschreckt zusammen, als etwas hinter einer Statue in der gegenüberliegenden Ecke kreischt. Ein Klumpen, der mir sehr nach Kot aussieht, klatscht vor meiner Nase an die Türe. Iiiks! Das schreit auch Xana und ein grüner Punkt löst sich von dem Zeigefinger ihrer rechten Hand und saust mit großer Wucht in das Äffchen, als das sich der kreischende Schatten im Licht meiner Blendlaterne entpuppt. Der grüne Punkt verschwindet im Balg des Tieres und einen Herzschlag später verteilt sich die Hälfte davon  höchst unmalerisch an der Wand. Iiiks!

Wie in aller Welt kommt ein kleines Äffchen in die Kapelle? Der elfische Barde fischt ein Halsband aus den Überresten, es schien wohl zahm gewesen zu sein. Vielleicht hat es einem der Priester gehört. Auf alle Fälle wissen wir nun, warum die Töpferwarenverkäuferin hier ist, sie scheint zaubern zu können. Und wahrscheinlich ist sie eine Hexenmeisterin, denn sie sieht nicht so aus, als ob sie auf das Kollegium gehen würde. Wenigstens kann ich nun das Schloss knacken. Schwupps! Und auf. Wir sehen die Kammer, in der die Toten den Käfern zum Fraß vorgeworfen werden. Iiiks!

Zwei weitere Türen sind interessant. Ich versuche das Gewusel in den Nischen zu ignorieren, wo gerade Tote von den Käfern gefressen werden. Örks! Eine der Türen ist noch mit einem Riegel verschlossen, da gehe ich nur im Notfall hin, die andere Türe ist interessanter. Das Schloss ist kein Problem. Dahinter befindet sich der seltsamste Lagerraum, den ich je gesehen habe. In Einmachgläsern jeder Größe schwimmen in einer klaren Flüssigkeit Knochen, Augäpfel, innere Organe, ein Unterkiefer mit scharfem Gebiss und Dinge, die ich nicht so richtig einordnen kann. Und ehrlich gesagt auch nicht will! Finsterste Verdammnis!

Das einzig Interessante ist ein Buch, wo Vorkommnisse der Kapelle vermerkt sind. Unser Luvius scheint sich noch im Aufbahrungsraum zu befinden, sein Empfang wurde hier bestätigt. Das komische ist, die nächste Seite wurde herausgerissen. Estarion versucht zwanghaft, was zu erkennen, da die Feder vielleicht durchgedrückt hat. „Lass mich mal!“ Vorsichtig mache ich die Schrift mit etwas dunkler Kreide sichtbar und lese den anderen vor. So wie es aussieht, scheint der Tod von Mehrat Totenrufer negative Schwingungen ausgelöst haben, die einige der Toten beeinflusst haben. Es wird empfohlen, den Hohepriester zu benachrichtigen und einen Exorzismus durchzuführen. Aha?

Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #4 am: 02. November 2007, 15:10:53 »
7 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan Friedhof Kapelle der Gefallenen

Das hört sich irgendwie nicht so gut an. Ohne wirklich weiter gekommen zu sein, gehen wir zurück in den Meditationsraum und untersuchen die andere Türe. Auch diese öffne ich nach kurzer Zeit und das Schlimmste erwartend betreten wir die Kammer. Ein Schreibpult in der Mitte ist das einzige Möbelstück. Ein grob geschmiedeter Käfig steht am Rand, in dem ich kurz eine Bewegung zu erhaschen glaube. Aber als ich mit der Laterne hineinleuchte, ist der Käfig leer. Ein Glas mit einem bleichen Totemschädel, der mit menschlichen Augen in einer Flüssigkeit schwebt, befindet sich in der anderen Ecke. Und natürlich ein dicker Wälzer, in dem sorgfältig alle hier je eingelieferten Toten aufgelistet sind.

Ein leeres Schlüsselbrett befindet sich an der Wand gegenüber. Während die anderen morbide fasziniert den Schädel betrachten, im Buch blättern oder das Schreibpult nach Fächern untersuchen, gehe ich zum Schlüsselbrett. Das macht für mich keinen Sinn, also zerre ich etwas daran und schon habe ich es in der Hand und gucke in eine Nische, wusste ich es doch. Tymora lächelt denen, die gewitzt sind. Ein Beutel mit achtzig Goldmünzen springt mir freudig entgegen und wandert in meinen Sack, genau so vier unbeschriftete Phiolen mit einer klaren Flüssigkeit und zwei Schriftrollen. Am Ende wird fair geteilt werden. Und ein Buch ist noch hier. Es scheint sich um eine Anleitung zu handeln, wie Tote zu präparieren sind und enthält einige Liturgien des Myrkul Glaubens. Da es uns nicht weiterhilft, lege ich es zurück.

„In dem Käfig ist was!“ kreischt Xana etwas zu hoch. Meine Ohren! Und tatsächlich, als ich ein weiteres mal hineinleuchte, sehe ich ein kleines menschenförmiges Wesen mit Schmetterlingsflügeln, das mich aus traurigen Augen anschaut. Estarion redet es auf Elfisch an, das ich auch etwas beherrsche. So wie es aussieht, ist das ein Fee, der von bösen und gemeinen Priestern gefangen wurde, weil er etwas Schabernack getrieben hätte. „Spaßmacher nennt man mich.“ Und es bittet uns, es frei zu lassen. Nun gut, ich breche den Käfig aus kaltgeschmiedetem Metall auf und das kleine Wesen flattert begeistert im Raum herum. „Das ist nicht gut! Feen sind Böse!“ Xana macht eine abwährende Geste, aber wenigstens bringt sie ihn nicht gleich um. „In dem Schädel ist ein Schatz versteckt!“ meint Spaßmacher. Nun, danke für den Tipp. Xana macht eine hebende Geste und wie von Geisterhand öffnet sich das Glas und der Schädel flutscht heraus. Ich hole Hammer und Meißel und will den Schädel öffnen. Aber dann beißt der Schädel auf einmal zu. Iiiks!

Ryan macht kurzen Prozess und zertrümmert unter dem Gelächter von Spaßmacher den Schädel. Knochensplitter fliegen durch den Raum und die Augäpfel klatschen auf den Tisch. Örks! „Habe ich es nicht gesagt, Feen sind Böse!“ Xana hatte da wohl nicht ganz unrecht. Vorurteile basieren meist auf wahren Gegebenheiten. Verwünschungen vor mich hinmurmelnd verlassen wir das Büro, während Spaßmacher sich unsichtbar immer noch einen ablacht. Traue keiner Fee, merken. Nun gut, dann bleibt nur die Türe mit dem Riegel. Glücksbote Ryan kommt auf die Idee, Untote entdecken zu wollen. Vielleicht findet sich ja so was. Als er mit dem Zauber den Käferraum betritt, scheint es eine Wechselwirkung zu geben, denn auf einmal lösen sich aus dem Gewühl der Käfer vier besonders große Exemplare. Und die greifen unseren Glücksboten an. Iiiks! Es gibt einen kurzen heftigen Kampf mit diesen ekligen, riesigen, untoten Käfern, die etwa so groß wie eine Hauskatze sind, aber schließlich schlagen wir sie alle tot. Oder untottot. Oder wie auch immer. Xana ist voll von der Rolle, aber Estarion schaut ihr tief in die Augen und beruhigt sie wieder. Ich hätte nicht gedacht, dass das Abenteuererleben so eklig sein könnte. Irgendwie fange ich an, mich zurück in die Schankstube des Silberfisches zu sehnen. Ach!

Nachdem wir uns alle wieder gefangen haben, gehen wir zu der Türe mit dem Riegel. Schwupps und auch das Schloss ist auf. Vor mir ist eine Treppe, welche in die Tiefe führt. Vorsichtig gehe ich voran, jede Stufe erst mit den Augen nach Unregelmäßigkeiten abtastend, aber keine Falle lauert hier. Die Treppe führt zu einem Raum, in deren Zentrum ein reich verzierter Sarg aufgebahrt ist. Totenkopfsymbole sind die vorherrschende Verzierung. Mächtige Ketten sind um den Sarg geschlungen und scheinen ihn fest mit dem Podest zu verbinden. Um das Podest befindet sich ein Kreis mit seltsamen Symbolen. Ryan und Eltarion fachsimpeln über die Bedeutung des Kreises und meinen, dass etwas im Innern gehalten werden soll. Es wäre also weder gut, den Kreis zu beschädigen noch ihn zu überschreiten. Die ganze Sache ist uns zu gruselig, auch wenn es weiterführende Türen aus dem Raum gibt, drehen wir um und eilen zurück nach oben. Ich will nach Hause!

Nun gut, versuchen wir es noch mal mit der ersten Türe. Da ich das Schloss auf keinen Fall aufbekomme, nimmt Dolon seine Axt und zertrümmert die schwere Türe an den schwächsten Stellen, sodass wir sie schließlich öffnen können. Eine kurze Treppe führt uns zum Ziel unserer Mission. Auf drei Podesten liegen Luvius und seine beiden Spießgesellen in einem erbärmlichen Zustand. Krähen haben sich schon sehr gütlich an ihnen getan. Iiiks! Dummerweise versperrt ein Fallgatter aus zwergischer Herstellung uns den Weg. Der Mechanismus ist mit einem Schloss aus bestem Stahl gesichert, das kriegen wir nicht kaputt. Und Luvius liegt zu weit, als dass der Zauber wirken könnte. Verdammte Verdammnis!

Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #5 am: 05. November 2007, 11:57:57 »
7 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan Friedhof Kapelle der Gefallenen

Nun schlecht. Ich packe mein Seidenseil aus und binde es an meinen Wurfhaken. Nach dem dritten Versuch verhakt es sich in seinem Gürtel. Nun dürfen die starken Männer ziehen, leider löst sich der Haken, als der Leichnam vom Podest fällt und liegt nun in einer nicht einsehbaren Position zwischen den Podesten. Finsterste verdammte Verdammnis! Frustriert schlage ich gegen das Gatter. Was nun? Es gibt noch auf der anderen Seite einen offenen Durchgang. Sieht so aus, als müssten wir doch den anderen Weg nehmen. Also wieder zurück, die Türe angelehnt, leider sieht man auf dem zweiten Blick, dass die nicht mehr ganz ist. Wieder durch den Käferraum die Treppe nach unten in den Raum mit dem Kettensarg.

„Solange wir den Kreis nicht durchschreiten, dürfte auch nichts passieren.“ macht Ryan uns Mut. Na dann, ich laufe zur ersten Türe an der rechten Seite, mit etwas Glück kommen wir von der anderen Seite in den Aufbahrungsraum. Ich lausche an der Türe und kann nichts hören. Die anderen rücken nach und auf drei mache ich die Türe auf. Ich sehe in eine verwüstete Krypta. Überall zerschlagene Skelette und die Verursacher grinsen mir entgegen. Selbst meine blitzschnellen Reflexe bewahren mich nicht davor, überrascht zu werden. Verdammt sind die schnell! Finsternis!

Eine Keule trifft mich unterhalb meiner Brust und bricht mir mehrere Rippen. Vor Schmerz keuchend taumle ich zurück und spucke Blut, während Ryan sein Tymora Symbol vor sich hält und schreit. „Im Namen Tymoras werde ich euch, hust, keuch?“ Das war wohl nix und es gibt ein dumpfes Echo, als Schläge auf ihn niederprasseln. Eltarion fängt an zu summen und Xana fuchtelt wild mit ihren Händen, Stücke aus einem der Skelette brechen ab. Aber Ryan sammelt sich und brüllt,  „Im Namen Tymoras vertreibe ich euch, untote Brut!“ Diesmal ist seine Stimme voll Kraft und beide Skelette drehen augenblicklich um, nur um Herzschläge später unter den Hieben unserer Keulen zu zerbersten. Geschieht ihnen Recht! Tote sollten ruhen, nicht herumlaufen. Tut man nicht!

Dolon bittet Tempus um Heilung und meine Rippen richten sich wieder. Hat ganz schön wehgetan. Wirklich. Nachdem wir uns von diesem Schrecken erholt haben, öffne ich die zweite Türe auf der rechten Seite. Nach kurzen Herzschlägen der Anspannung rührt sich nichts in dieser noch intakten Kammer voller in Nischen liegender Skelette. Puh! Nun gut, wir haben nun eine geradeausführende Doppeltüre und eine Türe, die nach links führt. Aber nach links wollen wir nicht, also die Doppeltüre. Dahinter scheint sich was zu bewegen, meine ich zu hören. Unser elfischer Barde summt weiter aufmunternd vor sich hin und ich öffne die Türe. Vor uns ist ein großer Raum, etwa neun Schritte breit und fünfzehn bis zwanzig lang. Vier große, mit steinernen Totenschädeln verzierte Podeste dominieren den Raum. Aber für die architektonische Schönheit haben wir kein Auge, denn in der Mitte des Raumes steht ein Skelett mit einer Schlinge um den Hals. In seinen Augenhöhlen glimmt das Feuer der Hölle und sein Blick könnte Eisen erweichen lassen. Verdammnis!

Mit aller Kraft schleudert Xana dem Skelett einen Schleuderstein aus ihrer Schleuder entgegen, der genau in eine der Augenhöhlen fliegt und dort stecken bleibt. Ha! Ryan stürmt mit einem „Tymora!“ auf den Lippen und seinem Streitkolben in der Hand auf die untote Ausgeburt zu. Auf einmal wiegt sich das Skelett und sein Strick wird lebendig, schlingt sich um Ryans Brust und zieht ihn auf sich zu. Aaaaarrrrgh! Ryan spuckt Blut, nachdem eine der Fäuste auf seinen Brust eingeschlagen hat. Finsterste Verdammnis! Der Elf stürmt vor und schlägt leider vor sich hin summend vorbei. Ich überwinde meine Lähmung, springe auf eines der Podeste und haue von oben auf dieses Ding ein. Krachend fährt meine Keule hernieder, Knochen splittern, aber das Skelett mustert mich nur finster mit seinem brennenden Auge. Oh oh!

Dann haut er auch schon zu. Einem seiner Hiebe kann ich ausweichen, nur um von der zweiten Faust um so härter getroffen zu werden. Mir wird kurz schwarz vor Augen, ich kann mich aber auf meinen Beinen halten. Das hat wehgetan! Die Halbelfe zeigt auf den Untoten und einen Herzschlag später hämmert ein grünes Geschoss in seinen Körper und sprengt einige Rippen von ihm ab. Ryan geht einen Schritt zurück und spricht ein Gebet der Heilung auf sich. Der Barde summt weiter aufmunternd vor sich hin und fuchtelt wenig eindrucksvoll mit seiner Keule durch die Luft. Ich hüpfe von dem Podest und versuche die Seite des Dings zu treffen, aber ich haue mit voller Wucht vorbei. Huch!

Ein weiteres grünes Geschoss hämmert in den Untoten und Splitter fliegen aus seinem Brustkorb.  Ryan schließt wieder auf, trifft aber nur kalte Luft mit seinem Hieb, auch Estarion fuchtelt nur ablenkend und kann so beiden Hieben mit einer Körperdrehung entgehen. Der Gehenkte löst sich mit einem Schritt von uns. Ich umgehe ihn, aber meine Keule prallt harmlos an ihm ab. Um besser sehen zu können, kommt Xana über die Flanke näher, wirkt einen weiteren Zauber, der große Stücke aus dem Becken des Untoten bricht, nur im nächsten Augenblick vom Seil umschlungen zu werden. Kreischend wird sie zu dem Ding gezogen. Eine der Klauen fährt ihr mit voller Wucht in den Unterleib und sie bricht keuchend und Blut spuckend zusammen, rappelt sich dann aber wieder auf. Finsterste verdammte Verdammnis!

endier

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Der Test der Zeit
« Antwort #6 am: 05. November 2007, 16:12:56 »
Holla die Waldfee...da geht es ja richtig rund. (Sind doch alle Stufe 1, oder ?)

Schön geschrieben. Bitte mehr davon.

Nakago

  • Mitglied
Der Test der Zeit
« Antwort #7 am: 07. November 2007, 10:53:41 »
Yup! Wir sind noch alle Stufe 1 und das war das erste Abenteuer überhaupt mit diesen SC.

7 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan Friedhof Kapelle der Gefallenen Crypta

Ryan und Estarion rücken nach, aber ihre Schläge sind zu unkonzentriert. Ich springe auf eines der Podeste und befinde mich genau über dem Ding. Hoch hole ich mit beiden Händen die Keule fest umklammernd aus und mit voller Wucht schlage ich auf den Schädel ein. Der Kopf des Gehenkten zerbirst und das unheilige Feuer erlischt in seiner Augenhöhle. Einen kurzen Moment wankt der Torso und zerbricht dann in kleine Stückchen. Tymora sei Dank!

Dolon rückt nun nach, der bis jetzt nach hinten gesichert hat (Der Spieler musste früher gehen, sodass der SC nur noch nach hinten sicherte, bzw. seine Heilzauber zur Verfügung stellte) und legt seine Hände auf die schmerzende Stelle. Augenblicklich sinkt der Schmerz zu einem Pochen herunter und erlischt dann. Auch die hübsche Halbelfe kommt dank der Führsorge von Ryan wieder auf die Beine. Vom Gehenkten sind nur noch Splitter übrig, aber ich durchsuche mal die Podeste und tatsächlich öffnet sich da ein Geheimfach. Acht Halbedelsteine mit einem schönen Schliff wandern in meinen Sack, dazu noch ein Armband aus Gold. Tymora lächelt wahrlich den Tapferen.

Aber wir sind nicht zum Plündern hier. Jedenfalls nicht nur. Hm! Es geht hier tatsächlich zu dem Aufbahrungsraum. Dolon und Ryan legen die Leiche zurück auf das Podest. Wir überlegen gemeinsam, wie wir die Frage am Besten formulieren, um so viele Informationen wie möglich zu halten. Dann liest Ryan die Schriftrolle vor. Er endet und wir warten gespannt. Als nach zwanzig Herzschlägen sich immer noch nichts rührt, schauen wir ihn kollektiv fragend an. Ryan lächelt etwas gequält. „Vielleicht habe ich die eine oder andere Silbe nicht so richtig betont.“ Tymora hilf!

Sollte etwa alles umsonst gewesen sein? Xana scheint den Tränen nahe zu sein, wie ich auch. Wir haben verdammt noch mal dafür geblutet hier zu sein, was soll das? Sollte etwa alles umsonst gewesen sein? Unser Blut wurde vergossen, wir haben uns wie die Helden in den Geschichten durch (ganz kleine) Horden von Untoten gekämpft. Können die Götter so grausam sein? Ich könnte echt anfangen loszuheulen. Aber halt! Da waren doch Rollen in dem Geheimfach im Büro mit dem frechen Spaßmacher gewesen. „Wir haben noch diese Rollen hier! Vielleicht handelt sich auch um diese Spreche mit Toten Zauberdingersachen.“ „Das werde ich gleich wissen.“ Estarion reißt mir die Rollen förmlich aus den Fingern und murmelt etwas vor sich hin. „In der Tat!“ Nun denn. Ryan nimmt die nächste Rolle und diesmal stellt er sich etwas geschickter an. Juhu! Kaum ist die letzte Silbe verklungen, als sich die Leiche mit einem Ruck stöhnend aufrichtet. Finsternis!

Nicht nur ich schrecke zurück. „Wer stört mich in meiner ewigen Ruhe?“
„Du hast einen Schlüssel hinterlassen. Wir möchten wissen, wo sich das passende Schloss dazu befindet.“
„Ihr wollt meinen Schatz!“
„He, wir stellen hier die Fragen.“ Überlegend kratzt er sich an einem Loch im Schädel. Etwas von seinem Hirn drückt es heraus. Örks! Nach kurzem hin und her stellt sich heraus, dass er es nicht mehr weiß, aber er hat es aufgeschrieben, auf einen Zettel und den Zettel hat Barkess, ein korrupter Schildwächter, der ihn eigentlich Renya hätte geben sollen. Dieser Lump!

Wir haben unsere Frage gestellt und eine wahrlich unbefriedigende Antwort erhalten. In diesem Moment wird mir klar, dass dies der Anfang von einem längeren Abenteuer ist. Aber nun ist es Zeit zu gehen. Wir gehen wieder zurück und im Raum mit dem angeketteten Sarg, ein wahrlich skurriler Anblick, findet Estarion eine Geheimtür. Eines muss man den Elfen lassen, sie haben feine Sinne. Nach kurzer Beratung öffnen wir die Türe, vor uns ist ein enger Gang, der gemauert ist und sehr muffig riecht. Könnte ein Fluchtgang sein. Also nix wie rein. Wir verschließen die Türe hinter uns und ich gehe voraus. Doch da! Ein Stolperdraht, welch perfide Falle. Ich warne die anderen, zeichne mit heller Kreide ein Warnsymbol an die Wand über dem Draht und steige darüber. Die anderen tun es mir gleich und wir erreichen schließlich eine weitere Türe. Dahinter herrscht Stille. Ich öffne die Türe langsam und spähe in eine Gruft einer Adelsfamilie. Auf einem siebenarmigen Leuchter brennen Kerzen und ich kann das Wappen derer von Rallard erkennen. Nach Rallard ist der Platz mit dem Henkersbaum benannt. Da ich mit denen keinen Streit will, lasse ich die Finger von den silbernen Pokalen, die an der Wand aufgereiht sind und gehe zielstrebig zu der Ausgangstür, welche verschlossen ist.

Nachdem wir festgestellt haben, dass die Luft draußen rein ist, mach ich das Schloss auf und wir schleichen aus der Gruft. Ich mach die Türe wieder richtig zu und wir mischen uns unter die Gläubigen. Gerade jetzt marschieren mehrere Myrkulpriester in die Kapelle der Gefallenen hinein. Zeit zu verschwinden. So laufen wir einfach zur Stadt zurück, ziehen die Kapuzenmäntel aus und finden uns alle im Brunnenhaus ein.

Wir berichten Renya Harloff, was wir herausgefunden haben. Sie kennt diesen schmierigen Schildwächter mit dem Namen Barkess. Allerdings meint sie, dass er den Schatz wohl noch nicht gehoben hat, da sie es wüsste, wenn er zu Geld gekommen wäre. Na, dann ist ja noch nicht alles verloren. Sie wird ihre Fühler ausstrecken und sehen, wie sie am Besten an Barkess herankommt. Sie wird nach uns schicken, sobald sie was weiß. Tja, dann bis bald.

Gespielt am 08.09.2007
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon, Estarion, Kaira, Ryan, Xana
Schrein des Ruhmes: Ein schwarzer Kapuzenumhang
Erfahrungspunkte: 512 + 25 Bonus für jeden
Überwundene Gegner von Gruppe:
1 zahmer Affe
1 fliegender Schädel
4 untote Käfer
2 Skelette
1 Gehenkter
Beute von Gruppe: 8 bunte Halbedelsteine mit gutem Schliff Wert 50-60 GM
1 goldenes Armband 50-60 GM
4 unbekannte Tränke
2 Rollen mit Toten sprechen (1 aufgebraucht)
80 Goldmünzen

Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #8 am: 09. November 2007, 11:31:03 »
2 Kapitel
Planlos in Chondathan

8 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Am nächsten Morgen treffen wir uns im Sinnvogel, einer Taverne am Hafen. Xana ist die Erste und tut sich gerade an einer Suppe gütlich. Wir plappern etwas und schon kommen die anderen. Gemeinsam gehen wir zu Meister Talynsteins Juwelierladen. Vier Zwerge halten sich im Verkaufsraum auf und feilschen in ihrer Sprache, die sich anhört, als würde Stein gemahlen werden, um Edelsteine. Einer der vier kommt auf mich zu und ich sage, was ich möchte. Der Meister ist nicht da, aber er leitet die Geschäfte. Er nimmt die Steine und das goldene Armband mit einer Lupe in Augenschein. Der Zwerg, der sich als Khondar Talynstein vorgestellt hat, brummelt missmutig in seinen Bart, dass der Schliff besser sein könnte. „Menschen lassen sich einfach nicht die notwendige Zeit. Immer schnell, schnell, wo man mit etwas Geduld es doch soviel besser machen könnte.“ Nach etwas hin und her einigen wir uns auf 480 Goldmünzen für alles.

Draußen springe ich vor Freude erstmal in die Luft. Ich bin reich! So reich! Haha! Nun gut, nachdem wir geteilt haben, ist das doch nicht mehr so viel. Aber immerhin mehr Gold, als ich je besessen haben. So ne Schatzsuche ist wirklich eine gute Methode reich zu werden und dabei haben wir den Schatz noch nicht mal gefunden. Nun gilt es die vier Tränke zu identifizieren. Die gute Frau Harloff hat uns einen Magier mit dem Namen Havard Repp empfohlen, der in der Akademie wohnt. Nun gut, dann mal los. Es ist ein anstrengender Weg nach oben. Puh!

Hoch thront der ungastliche Bau aus dunkelgrauem, fast schon schwarzen Stein auf dem Berg Alkroth, das große Gildenhaus des Kollegiats der Magier. Noch finsterer drohen nach allen Richtungen steinerne Wasserspeier, die einen aus erloschenen Augen taxierend anstarren, nur darauf wartend, auf einen einsamen Wanderer niederzufahren. Ich betätige einen schmucklosen Türklopfer und dumpf hallt der Schlag. Nach einer scheinbaren Ewigkeit wird hart ein Sichtschlitz geöffnet und wir werden mit einem „Wer stört?“ angeherrscht. „Wir würden gerne beim Ehrwürdigen Magister Repp eine Audienz erbitten, auf dass er uns einige Tränke identifiziert.“ Die Antwort ist ein nichtssagendes Grunzen und der Sichtschlitz wird verriegelt. Nach einer weiteren Ewigkeit werden massive Riegel zur Seite geschoben und geräuschlos schwenken die schweren Türflügel auf und wir betreten eine Halle, von deren Wänden Männer und Frauen aus Portraits vergangener Zeitalter auf uns niederstarren.

Wir werden in einen Raum geführt, an dessen Wänden die Regale bis zur Decke reichen und   die Folianten herauszuquellen drohen. So viele Bücher habe ich noch nie auf einem Fleck gesehen. An einem Tisch sitzt der etwas stämmige Magier und schaut uns an, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen. Unwirsch nimmt er die Tränke entgegen, schnüffelt an einem und meint „Die Herren hier sind eigentlich besser geeignet, diese Tränke als das zu erkennen, was sie sind. Das ist Weihwasser.“ Ach ne. Um diese Erkenntnis reicher und um fünf Goldmünzen ärmer, drehen die anderen sich um und ich bleibe noch kurz. Ich frage nach, wie viel es kosten würde, jemanden auf magischen Weg zu finden, nämlich Jondan Rea, meinen treulosen Ehemann. Er verweist mich an einem Kollegen, aber so was ist nicht billig. Beim Nennen der Summe verschlägt es mir die Sprache. So viel? Verdammte Finsternis!

Auf dem Heimweg meint Glücksbote Ryan noch bei den Gerbereien vorbeischauen zu müssen. Warum das denn? Er bräuchte eine Lederrüstung. Aha? Im Schuppenpanzer sieht er eigentlich recht schick aus. Er kauft sich letztendlich einen Wappenrock. Aha? Unsere Wege trennen sich dann, nachdem wir das Geld aufgeteilt haben. Ich eile zurück zum Silberfisch, um meine tägliche Arbeit zu erledigen und mich um Mili zu kümmern. Arme Kleine, so alleine ohne Mami. Gleich mal richtig abherzen.

Nakago

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« Antwort #9 am: 12. November 2007, 14:50:15 »
9 Tarask Morgens Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Ein Klopfen reißt mich aus dem Schlaf. Nach einer kurzen Phase der Desorientierung rapple ich mich auf und frage, wer da ist. Es ist ein Bote von Renya, ein untersetzter Kerl mit struppigen dunkelroten Haaren namens Thropp. „Renya schickt mich, soll euch helfen, diesen Barkess aufzuspüren“. Da der ja wie vom Erdboden verschluckt ist, tut jede Hilfe gut. Nun gut, er soll draußen warten. Ich zieh mich an, richte meine Kleine und drücke sie Frau Erlann in die Arme. „Mama muss jetzt leider arbeiten gehen. Sei Brav, mein kleiner Schatz.“ Dann gebe ich ihr gleich noch einen dicken Schmatz.

Nach und nach sammeln wir die anderen ein. Nur der elfische Barde ist nicht mehr auffindbar, hat sich wohl aus dem Staub gemacht. Nachdem Dolon, Xana und Ryan zu uns gestoßen sind, machen wir uns zu der Wohnung von Barkess auf. Er hat ein Zimmer in einem Gebäude im Nordviertel, direkt an der Stadtmauer. Thropp zeigt uns, welches Fenster zu Barkess’ Wohnung gehört, nennt uns „Drei Fässer“ und „Singvogel“ als Stammkneipen von dem korrupten Schildwächter und macht sich dann vom Acker. Na, dann mal rein. Die Haustür ist unverschlossen und wir trampeln in den dritten Stock. Hinter der Türe, die zu Barkess Zimmer gehören muss, sind Schritte zu hören. Es herrscht kurze Uneinigkeit über das beste Vorgehen. Ich bin selber unsicher, öffne dann aber Tatsachen schaffend einfach das Schloss mit meinem Dietrich und dann die Türe.

In der Wohnung hält sich ein Mann mittleren Alters auf, der eine gespannte Armbrust auf mich richtet. Barkess ist es nicht, der hat eine andere Haarfarbe. Ich zeige mich äußerlich unbeeindruckt und bringe den Mann schließlich dazu, die Waffe zu senken. Er ist angeblich der Hausvermieter und will wohl ausstehende Miete eintreiben. Glaube ich ihm zuerst nicht, stellt sich dann aber als wahr heraus. Auch sind wir nicht die einzigen, die nach Barkess suchen, ein gewisser Merl scheint auch hinter dem guten Mann herzu sein. Merl gilt als rechte Hand von Tharador, einem berüchtigten halborkischen Geldverleiher. Eine Durchsuchung des Raumes bringt zu Tage, dass hier nichts zu holen ist. Das einzige was wir überhaupt finden ist ein halbvoller Weinschlauch mit stark gewürztem Wein, auf dem Leder sind drei Krüge eingeprägt. Das ist das Zeichen von einem angesehenen Weinhändler mit dem Namen Hagar Gartland in der Altstadt. Da dies unsere einzige Spur ist, beschließen wir, den guten Mann aufzusuchen.

Sein Geschäft ist leicht zu finden, drei Krüge über der Eingangstür zeigen, dass wir hier richtig sind. Wir stolpern gerade in eine Geschäftsverhandlung zwischen ihm und einer jungen Adligen in einem sehr schönen Kleid, die zwei grimmige Leibwächter im Kielwasser hat. Wir werden geflissentlich ignoriert. Erst als die hochnäsige Frau draußen ist, wendet sich Meister Gartland uns zu. Ich frage höflich nach Barkess, bekomme nur die wirsche Antwort, dass sein Wein überall in der Stadt verkauft wird. Na toll. Wir entschuldigen uns für die Störung und gehen unseres Weges. Und nun?

Wir haben ja noch die beiden Tavernen Singvogel und Drei Fässer. Drei Fässer liegt in der Nähe, also hin. Vor der Taverne sind drei große leere Fässer gestapelt, die dort schon seit Jahrzehnten zu stehen scheinen. Drinnen ist nicht allzu viel los. Wir stellen die entsprechenden Fragen nach Barkess und erfahren, dass der tot sein soll. Echt? Ein gewisser Schildwächter mit Namen Redgar verbreitet das Gerücht. Der Kerl ist da und wir fühlen ihm etwas auf den Zahn. Auf bohrende Nachfragen erhalten wir nur Ausflüchte. Dieser Redgar lügt und das noch nicht mal besonders gut. Wir behalten den Kerl im Auge und Xana und ich folgen ihm schließlich durch den abendlichen Trubel der Stadt durch deren Gassen und Straßen. Wir können sie gut im Auge behalten, Xana gerät einmal aber in ihr Blickfeld, scheint ihnen aber nicht aufzufallen. Oder etwa doch? Denn sie verschwinden schließlich in einer besonders dunklen Gasse. Ist das ein Hinterhalt?

„Wer wagt, gewinnt!“ Ich führe mein heiliges Symbol an die Lippen, die Stirn und das Herz. Dann ziehe ich meinen Dolch und verstecke ihn im Ärmel. Mit Xana im Schlepptau tauchen wir in das Zwielicht der stinkenden Gasse ein. Nach wenigen Augenblicken entspannen wir uns, es ist kein Hinterhalt. Wir können sogar Stimmen hören. Vorsichtig schleichen wir uns näher und ich kann hören, wie Redgar davon spricht, dass ihm die Sache mit Barkess Verschwinden nicht so gut gefällt, da zu viele Leute zu viele Fragen deswegen stellen. Aha?

Es gibt etwas hin und her, dabei kommt heraus, dass Redgar auf keinen Fall Barkess getötet oder so was in der Art gesehen hat. Dieser Redgar ist dafür bezahlt worden, um das Gerücht zu verbreiten. Dann gehen die drei in eine andere Richtung weiter und der vierte bleibt zurück und meint schließlich, „Du kannst heraus kommen, ich habe dich schon längst gehört“. Es handelt sich um einen Kapuzenmann. Sprich, wahrscheinlich einen Menschen, dessen Gesicht im Schatten einer dunkelbraunen Kapuze liegt. Wir kommen ins Gespräch. Er will wissen, was ich von Barkess will. Nun ja, geht ihn ja eigentlich nichts an. Er bietet mir fünf Goldmünzen. Ne, ist etwas zu wenig. Dann erhöht er auf lässige Art auf fünfzig Goldmünzen. Finstere Verdammnis! Das ist etwa das, was ich als Schankmaid und Zimmermädchen mit Trinkgeld in einem Jahr verdiene.

Da bringt er mich in Versuchung. Wenn aus der ganzen Sache nichts wird, könnte ich so fünfzig Goldmünzen retten. Aber auf der anderen Seite würde ich wohl zu viel verraten. Ne, lieber nicht. Der Kapuzenmann lacht mich aus und geht dann seines Weges. Der Kerl ist mir nicht geheuer. So ziehen wir beiden Mädels wieder Leine und kehren zurück zu den Drei Fässern. Glücksbote Ryan macht einen betrunkenen Eindruck und ich zerre ihn kurzerhand zum nächsten Brunnen, wo ich ihm eine Erfrischung verabreiche. Er protestiert lautstark und meint, er würde nur so tun, als ob er betrunken wäre. Ups, dass war jetzt aber eine gekonnte schauspielerische Leistung. Ich setze die anderen ins Bild und wir beschließen, dass wir zur guten Frau Harloff zurückkehren und das Erfahrene berichten.

Auf dem Weg dahin schaue ich mich immer wieder um und tatsächlich kann ich den Kapuzenmann schließlich ausmachen. Nicht gut. In mir reift ein gewagter Plan. Ich löse mich von den anderen und lasse den Kapuzenmann passieren. Jetzt folge ich ihm. Und was habe ich dadurch gewonnen? Eigentlich gar nichts! Das war jetzt nicht gerade pfiffig gewesen. Die Situation bekommt noch an Schärfe, als der Kerl sich umdreht und mich auslacht. He! Dann verschwindet er einfach. So, Puff! Finstere Verdammnis!

Ich eile zu den anderen und erzähle, was ich gesehen habe. Und nun? Ryan betet mehrere seiner Sprüche herunter, aber der Kapuzenmann taucht nicht mehr auf. Puh! Und nun? Ich kann den Kerl nicht einschätzen. Ob das einer der legendären Assassinen ist? Möglich. Da wird mir ganz klamm zumute. Da uns rein gar nichts mehr einfällt, beschließen wir uns zu trennen, da er alleine uns nicht allen folgen kann. Dolon wird alleine Frau Harloff aufsuchen. Also trennen wir uns und morgen werden wir uns auf dem Markt treffen. Ich gehe in eine Taverne, suche mir einen Platz, wo ich die Wand im Rücken und die Türen im Blick habe. Hach, wie in den Geschichten von Vater, dann bestelle ich mir ein herzhaftes Mahl und esse. Niemand scheint mir gefolgt zu sein. So gehe ich schließlich nach Hause.

Azrath

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« Antwort #10 am: 13. November 2007, 00:31:35 »
Schöne Geschichte, vor allem mit Einblick auf einen etwas unkonventionelleren Charakter, eine abenteuernde Mutter gibt es wohl nicht alle Tage :wink:
Nur manche Anhängsel an die Sätze fand ich etwas irritierend und haben meiner Meinung den Lesefluss leicht gestört, da sie unpassend wirkten(z.B. "Gleich mal richtig abherzen." ).
Aber ansonsten sehr schön geschrieben, weiter so! :)

Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #11 am: 14. November 2007, 13:31:00 »
Danke für das Lob. OK, wenn die Anhängsel stören, werde ich sie etwas herunterfahren.

10 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Am nächsten Morgen treffen wir uns wieder auf dem Markt. Xana ist unglücklich, weil ihre Mutter einen Angestellten hat, der nun ihre Arbeit erledigt. Autsch! Das ging ja schnell. Thropp taucht auch auf. Er meint, wir könnten Redgar ja noch mal etwas auf den Zahn fühlen. Nun gut, tun wir das. Wir finden ihn im Singvogel, jemand hat ihm ein dickes Veilchen verpasst. Entsprechend missgelaunt ist er. Aber er packt nach ein paar freundlichen Worten aus. Er hat Geld dafür bekommen, zu behaupten, dass Barkess tot wäre. Gesehen hat er das nie, weiß auch nicht wirklich, ob das stimmt. Auf alle Fälle waren schon Merls Knochenbrecher bei ihm und auch Larna Marrars Schläger. Wer ist das nun wieder? Lanar Marrar ist wohl eine Hehlerin, ehemals direkte Untergebene von Luvius, genannt der Schneider. So wie es aussieht, sind nun alle drei überlebenden Offiziere der Diebesgilde hinter Barkess her. Na toll.

So langsam beginne ich den Überblick zu verlieren. In Vaters Geschichten gab es immer die Helden und die böse Partei. Hier gibt es nun uns traurigen Haufen als Heldenersatz und jede Menge Parteien. Ich versuche das mal zu entwirren. Wir sind die Fraktion, welche die gute Frau Renya Harloff unterstützt, ehemals Offizierin der Diebesgilde und Wirtin des Brunnenhauses. Sie hat den Schlüssel zum Schatz. Dann haben wir Merl, den Geldeintreiber, und Tharador, den Verleiher. Tharador ist der höchstrangige Überlebende der Gilde und ein ziemlich übler Halbork. Und zu guter Letzt ist jetzt diese Hehlerin Larna Marrar aufgetaucht, die auch ziemlich weit oben in der Diebesgilde gewesen ist. Und dann noch diese ominöse, geheimnisvolle Braunkapuze. Keine Ahnung, wer der jetzt ist. Also vier Fraktionen. Verdammnis!

Und was machen wir jetzt? Keine Ahnung. Etwas ziellos schlendern wir über den Markt und treffen dann auf drei Schlägertypen, die uns in eine Gasse drängen. Sie fragen uns, was wir von Barkess wollen. Geht sie ja wohl gar nichts an. Das Gespräch beginnt sich recht schnell im Kreis zu drehen. So kommen wir nicht weiter. Wenn Wörter einen nicht weiterbringen, dann hilft meist den Leuten eins auf die  Nüsse zu geben. Zu dem gleichen Schluss kommen auch die drei Schläger vor uns. Als der erste gerade zuckt, um uns anzugreifen, stehe ich schon vor ihm und trete ihm gekonnt meinen Absatz ans Kinn. Tat das weh? Ich glaub nicht, denn er spürt nix mehr, als er mit verdrehten Augen KO zu Boden geht.

Die anderen hauen mich oder besser gesagt, sie versuchen es. Aber da müssen sie etwas früher aufstehen. Wo ihre Fäuste die Luft durchschlagen, stand ich noch vor dem Bruchteil eines Herzschlages, aber jetzt nicht mehr. Ätsch! die anderen schließen auf und prügeln auf die Schläger ein, welche die Hiebe aber mit einem Grunzen quittieren. Der nächste Hieb von einem der Kerle trifft mich, bringt mich aus dem Takt und ich hau daneben. Blöd! Aber der Schlachtenrufer schickt den zweiten mit wuchtigen Hieben seiner geballten Fäuste auf die Bretter, hat er nun davon. Den letzten verwirre ich mit einem Flick Flack und trete ihm dann mit voller Wucht mit meinem hochgezogenen Knie zwischen die Beine. Er läuft zuerst knallrot an, wird dann bleich und kippt wimmernd zu Boden.

Glücksbote Ryan bückt sich und fängt an die Schläger zu durchsuchen und klaut ihnen tatsächlich 12 Stahlpfennige. „Glücksbote Ryan! Was bei den Neun Höllen machst du da bitte?“ Er fährt ob meines scharfen Tones etwas zusammen. „Das ist für die Armen.“ „Das darf ja wohl nicht wahr sein. Bist du ein Räuber? Beklaust die Kerle einfach! Das tun Helden in den Geschichten nie!“ „Aber sie haben uns angegriffen!“ Eigentlich habe ich zuerst zugetreten, kam ihnen wohl knapp zuvor. „Na und? Wir sind die Helden, sie die Schurken. Sie liegen im Staub und wir stehen heldenhaft davor. Die Göttin hat uns gelächelt und wir haben unsere Chance genutzt. Sie jetzt wie feige Diebe zu beklauen, ist einfach nur falsch!“ Ganz besonders dann, wenn wie in diesem Fall einige Leute den Kampf interessiert beobachtet haben. Man muss auf seinen Ruf achten und ich will nicht, dass es in den späteren Balladen über uns heißt, dass wir es nötig hatten, ein paar tumbe Schläger zu beklauen. Vor sich hin fluchend wirft er die Pfennige den Kerlen auf den Leib. OK, die werden sich sofort in Luft auflösen, wenn wir uns umgedreht haben. Aber dann haben wenigstens wir sie nicht geklaut. Beute machen ist OK, wenn es die Situation zulässt, aber das hier könnte man mit etwas Unwillen als Raub titulieren, auch wenn es nur um ein Dutzend Pfennige geht. Ich will hier wegen so was nicht in die Pfennigfeste geschleift werden. Auch wenn der Name dann sogar recht passend wäre.

Aber was machen wir jetzt? Genau genommen wissen wir nur, dass die anderen auch nichts wissen. Wie auf das Stichwort taucht der ominöse Kapuzenmann auf. Er macht uns klar, dass er nichts Böses von uns will. Genau das würde ich auch sagen, wenn ich jemand noch brauche, um ein paar Informationen zu bekommen. Wir reden etwas und er eröffnet uns, dass Barkess tot ist. Der Händler Hagar Gartland hätte ihn auf den Gewissen. Häh? Der Weinhändler mit dem drei Krüge Symbol? Was hat der denn damit zu tun? Das sollen wir doch bitte selbst herausfinden. Haben wir hier noch ne fünfte Fraktion am Werk? Kapiere ich jetzt nicht so ganz, scheint aber so zu sein. Das wird komplizierter als gedacht und ich denke schon verdammt kompliziert. Wir beschließen, uns auf den Weg zu Renya Harloff zu machen, vielleicht kann die ja etwas Licht ins Dunkel bringen. Glücksbote Ryan gibt demonstrativ jedem Bettler reichlich Almosen, nur um mich zu ärgern. Finsternis!

Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #12 am: 14. November 2007, 13:32:05 »
Ups!  :o  Doppelpost.

Um die unten stehende Frage zu beantworten: Bis jetzt spielt es sich mit Kind ganz gut. Was zum einen daran liegt, dass Kaira einen Babysitter in Form von Frau Erlann immer zur Hand hat, dazu kommt natürlich noch, dass wir bis jetzt nur in der Stadt bzw. im Umland waren und mein Char dann entsprechend schnell wieder zu Hause war. Wie das später sein wird, wenn Mili älter und die Abenteuer dann vielleicht weiter weg spielen, wird sich noch zeigen.

Topas

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Der Test der Zeit
« Antwort #13 am: 14. November 2007, 17:47:02 »
Wirklich schön geschrieben, dennoch würde ich das Doppelpost entfernen. Zweimal lesen will ich es doch nicht. Wie spielt es sich deiner Erfahrung nach so als Char mit Kind ?
In meiner Runde komme ich mir wie eine Rabenmutter vor, die Kinder sind ständig alleine mit Papa, aber die Abenteuer zwingen uns dauernd zum Reisen.
Immense harm is caused by the belief that work is virtuous.
- Bertrand Russel

Nakago

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Der Test der Zeit
« Antwort #14 am: 16. November 2007, 14:45:52 »
10 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Ohne Zwischenfälle kommen wir zum Brunnenhaus zurück. Verfolgt scheinen wir nicht zu werden. Bin jetzt nicht sicher, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist. Hm. Die gute Frau Harloff kann auch nicht wirklich was Neues zu den ganzen Verwicklungen beitragen. Aber sie rät uns, mal diesem Weinhändler auf den Zahn zu fühlen. Allerdings sollten wir das nicht gerade am helllichten Tag machen, sondern dem Mistkerl mal in der Nacht einen Besuch abzustatten. Estarion hat definitiv die Stadt verlassen, hatte wohl Probleme mit einem Ehemann, der es nicht so toll fand, dass Estarion das Bett seiner Frau wärmte. Aber es wären zwei neue Kandidaten aufgetaucht, die sich uns anschließen könnten. Nun gut, heute Abend werden die uns mal begleiten. Hoffentlich taugen die was. Bei der Gelegenheit frage ich Renya nach Werkzeug für spezielle Fälle, das wirklich gut ist.

Ich verbringe den restlichen Tag damit, Hausarbeiten zu erledigen und Mili etwas aufzumuntern. Ich kaufe ihr auf dem Rückweg einen bunten Ball aus stabilem Leder. Anfangs weiß meine Kleine nicht viel damit anzufangen und als ich ihn ihr zuwerfe, guckt sie mich nur groß an. Aber schließlich begreift sie, was man damit machen kann und quietscht schließlich begeistert, als sie damit spielen darf. Rechtschaffen müde bringe ich sie dann zu Bett und bitte die gute Frau Erlann ein Auge auf mein liebliches Töchterchen zu haben. Sie ist ja noch so klein. Ich wünschte, ich müsste sie nicht so oft alleine lassen.

Zurück im Brunnenhaus nehme ich in der Dachstube mein neues Werkzeug in Augenschein. Alles scheint recht neu zu sein und von sehr guter Qualität. Auch ist es etwas umfangreicher als mein altes Werkzeug. Es fühlt sich wirklich gut in der Hand an. Ich kann es kaum erwarten, bis ich es ausprobieren kann. Die Neuzugänge überzeugen mich weniger. Eine hat sich stark vermummt, aber ihre Hände sind frei. Zuerst halte ich sie für eine finstere Tieflingsmissgeburt, bis mir klar ist, dass sie aussieht wie die bösen Elfen aus dem Tal unter den Schatten. Finsternis! Schlimmer als ein Tiefling. Vater hat furchtbare Geschichten über sie erzählt. Wie sie Siedler überfallen und sie zu Sklaven machen. Oder wie sie diese ganz langsam und unglaublich grausam zu Tode foltern. Angeblich beten diese Dunkelelfen eine Spinne an. Da friert es mich richtig. Trau keinem Elf, sagen die Leute hier, schon gar nicht, wenn er schwarze Haut hat. Finstere Verdammnis! Sie nennt sich Shia. Ich bin sicher, dass dies nicht ihr richtiger Name ist. Aber da man ja nicht nach Äußerlichkeiten gehen soll, erhebe ich keinen Einspruch. Wie auch die Anderen nicht.

Die andere ist eine menschliche Frau namens Lia, helle Haut, Städterin schätze ich mal, behauptet aber Waldläuferin zu sein. Riecht aber gar nicht wie eine. Seltsam. Ich habe ein komisches Gefühl bei ihr, was ich mir nicht ganz erklären kann. Als würde sie vortäuschen, etwas ganz anderes zu sein. Sie hat auf alle Fälle etwas sehr Graziles an sich und bewegt sich noch geschickter als ich. Nun gut. Leider lässt sich Glücksbote Ryan entschuldigen, da ihn eine Unpässlichkeit ereilt hat. Finsternis! Jemand der heilen kann, ist immer willkommen. Nun gut, müssen wir eben mit dem Schlachtenrufer alleine vorlieb nehmen. Wir legen ein Vorgehen fest und machen uns dann auf den Weg in die Altstadt. Wir mogeln uns bis in die Altstadt durch, die durch eine alte Mauer vom Rest der Stadt getrennt ist. Nur Lia wird von den Wachen angehalten und bringt ne lahme Entschuldigung an, die aber ausreicht, um die nicht gerade motivierten Schildwächter zu beruhigen.

Finster ragt das dunkle steinerne Gebäude massiv vor uns auf. Nur aus einem Fenster unter dem Dach schimmert etwas diffuses Licht. Wir beschließen, über den Hinterausgang in das Haus einzudringen. Wir schleichen von einer Gasse in den stinkenden Hinterhof. Es raschelt verdächtig. Auf dem Boden sind die Kadaver von Ratten verteilt. Zerbissen, aber nicht wirklich angefressen, wie ich vage im kaum vorhandenen Licht von Selune erkennen kann. Aus einer Ecke, wo ein leckes Fass steht, höre ich schlabbernde Geräusche. Dort sind die deformierten Leiber von Ratten zu erkennen. Lang und spitz sind ihre Zähne, aufgebläht und deformiert ihre Körper. Teile von ihnen sind größer, als es der Rest erlaubt. So was habe ich noch nie gesehen. Die Viecher zischen uns aggressiv an, Shia erschießt eine der Kreaturen mit ihrer kleinen Handarmbrust und zwei von ihnen kommen auf uns zu gehuscht. Es gibt im Dunkeln ein Hauen und Stechen und erst als ich eine Kerze entzünde, töten wir zwei von diesem Ungeziefer. Der Rest der Kreaturen verzieht sich in Ritzen und Löchern. Da wir weder Zeit noch Lust haben, diese Dinger aufzuscheuchen, ignorieren wir sie.

Xana hält meine Kerze, während ich das Schloss geschwind öffne, nachdem ich mich davon überzeugt habe, dass ich weder was höre, noch dass ich eine Falle entdecke. Wir kommen in eine Art Lagerraum, überall Weinfässer verschiedener Größe, fast alle leer. Eine größere Tür führt weiter in die Tiefe, eine Türe in den Laden. Der Keller dürfte interessanter sein. Leider übersehe ich trotz aller Sorgfalt eine Falle, ein Glöckchen bimmelt wild und die Türe geht auch nicht auf. Dieses zwergische Meisterschloss übersteigt mein Können bei weitem. Verdammnis!

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