Autor Thema: Schatten der Vergangenheit  (Gelesen 9246 mal)

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Hunter

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Schatten der Vergangenheit
« Antwort #15 am: 27. Januar 2008, 20:13:53 »
Hinter dem Nebel

Failin hatte Wort gehalten. Mit dem ersten Licht der aufgehenden Sonne hielten sie unweit der klar sichtbaren Grenzlinie zum Klageland. Die Wand aus waberndem Nebel ragte vor dem Wagen empor und schien zugleich fest als auch ständig in Bewegung zu sein.
„Danke Failin. Wirst du hier auf uns warten?“, fragte Astamalia, als sie vom Wagen stieg.
„Nicht hier. Rotbruch. Zwei Wochen. Nicht einen Tag mehr. Viel Glück.“
Mit diesen Worten wendete er den Wagen und fuhr in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren.
„Wir hätten ihn fragen sollen, was genau es mit dem Nebel auf sich hat“, flüsterte Esra. Diese Wand war ihr unheimlich. Sehr unheimlich sogar. Alle Instinkte der Tiere, die ihr Erbe bildeten, riefen ihr zu, sofort von hier zu fliehen.
Thalaën trat furchtlos an die Wand heran und steckte seine Hand hinein. Sofort war sie verschwunden, jedoch war sie unversehrt, als er sie wieder herauszog.
„Wir werden auf jeden Fall eine Seilschaft bilden müssen, sonst verlieren wir uns auf der Stelle.“
Er holte ein langes Hanfseil aus seinem Rucksack hervor und warf das Ende den anderen zu, während er den Anfang machte.
„Bereit?“
„Nein“, erwiderte Esra, doch da war der Elf bereits im Nebel verschwunden.
Nach und nach folgten sie ihm, alle bei weitem nicht so sicher wie Thalaën.
Der Eintritt in den Nebel erinnerte Esra an das Hinüberschreiten in eine andere, fremde Welt. Kaum ein Licht drang durch den wirbelnden Dunst und jedes Geräusch, welches die anderen verursachten klang hohl und gedämpft. Der Ort strahlte eine bedrückende, unheimliche Atmosphäre aus und mit jedem Schritt hinein fühlte sich Esra verlassener und einsamer.
Sie konnte kaum ihre eigenen Füße den Boden berühren sehen, geschweige denn ihre Kameraden vor sich. Sie selbst war die letzte in der Reihe und hoffte daher inständig, dass sie nicht verloren ginge, in dieser undurchsichtigen Suppe aus Grau.
Minuten verstrichen, in denen sie hinter den anderen hertrottete, das Seil vor sich immer gespannt. Die Minuten weiteten sich zu einer Stunde, dann zu einer weiteren. In Esra keimten die ersten Zweifel auf, ob es so gut gewesen war, dass sie den Elf vorangehen hatten lassen. Sie selbst hatte seit einiger Zeit das Gefühl, dass sie sich im Kreis bewegten. Doch die anderen sagten nichts und auch das Seil blieb immer weiter gespannt. Anscheinend hatte also auch Thalaën selbst keine Zweifel an seinen Orientierungskünsten und schritt frohen Mutes immer weiter voran.
Nach einer weiteren Stunde hatten sich Esras Zweifel jedoch weiter verhärtet.
„Habe nur ich das Gefühl, dass wir uns im Kreis bewegen?“, rief sie in den Nebel hinein.
„Ich habe keine Ahnung. Wie dick ist diese Nebelwand eigentlich?“, klang Adamants Stimme dumpf zurück.
„Das hätten wir vielleicht vorher erfragen sollen“, meldete sich aus Astamalia, nicht ganz so gedämpft, zu Wort. „Aber ich stimme Esra zu: Wir sind schon sehr lange hier drinnen. Thalaën, vielleicht solltest du Esra die Führung überlassen.“
Vom Elfen war ein Seufzen zu hören, doch Esra deutete das Schweigen der anderen als Zustimmung. Ohne lang zu warten marschierte sie los, bildete die neue Spitze der Gruppe.
Ohne viel zu überlegen, ließ sie sich von ihren Instinkten leiten. Dachte nicht viel nach, wenn sie die Richtung etwas veränderte, ließ nie zu, dass Zweifel sie überkamen.
Und zehn Minuten später standen sie auf der anderen Seite des Nebels, am Rande des Klagelandes.
Ein zernarbtes, totes Land breitete sie vor ihnen aus. Eine eintönige braune Ebene, auf der nicht ein Grashalm zu wachsen schien. Nur die Skelette einiger Bäume boten etwas Abwechslung. Die Sonne, verborgen hinter dicken Schichten aus Nebel und als Scheibe kaum zu erkennen, spendete ein diffuses Zwielicht, indem die Szenerie noch trostloser, noch bedrückender aussah.
„Willkommen im Klageland“, versuchte Thalaën die Stimmung etwas zu heben, doch es misslang kläglich.
„Möge uns die Flamme beistehen“, stöhnte Adamant und griff nach seinem Symbol der Silbernen Flamme.
„Ich denke, dass die Flamme und alle anderen Götter dieses Land schon lange verlassen haben“, stellte Esra trocken fest und versuchte die Himmelsrichtungen zu finden und sie mit der, in der Niederlassung von Haus Cannith gefundenen, Karte in Einklang zu bringen.
„Diese Richtung müsste es sein“, teilte sie den anderen mit und deutete in die endlose Einöde hinaus.
„Ich hoffe, du hast Recht. Ansonsten wird das eine sehr lange und eintönige Reise.“
Sie brachen auf.

***

Adamant war sich sicher, dass, wenn er es gekonnt hätte, ihm ein eiskalter Schauer über den Rücken gelaufen wäre. Dieser Landstich war ihm unheimlich. Er strahlte das Verderben, den Tod und das Gottlose geradezu aus. Und auch sein heiliges Symbol, normalerweise immer ein Hort von Kraft, konnte ihn im Moment nicht unterstützen.
Kein Windhauch regte sich in diesem Land, kein Vogel war am Himmel zu sehen, nichts Lebendiges außer ihnen vieren schien sich auf dem Boden zu bewegen.
Das Licht war den ganzen Tag über diffus geblieben und es war nur schwer zu erahnen, wie viel Zeit vergangen war, seit sie das Klageland betreten hatten. Die Sonne war nur schwer zu erkennen und sie selbst warfen keine Schatten.
Das Schlimmste aber war, so fand Adamant, dass dieses Land, welches so sehr auf ihre Stimmung drückte, sich anscheinend auch auf ihre Sprache niederschlug. Bis auf einige wenige Sätze hatten sie, seit sie losmarschiert waren, nichts miteinander geredet. Nicht, dass es viel gegeben hätte, worüber man hätte reden können, aber dennoch. Es hätte der Stimmung innerhalb der Gruppe sicherlich gut getan.
„Seht ihr die Hügel dort vorne? Auf ihren Gipfeln scheint sich etwas zu befinden!“, rief Esra. Ihre Stimme klang in der Stille seltsam laut und ließ Astamalia zusammenzucken. Wahrscheinlich war sie gerade aus ihren Gedanken gerissen worden.
„Ich sehe nichts“, antwortete die Magiern und spähte in Richtung der Hügelkette, die sich entlang ihrer Position zog. „Was genau befindet sich dort oben?“
„Scheinen Zelte zu sein. Flaggen kann ich auch ausmachen.“
„Ein altes Heerlager?“, wunderte sich Thalaën.
„Sollen wir es umgehen?“, fragte Adamant an alle gewandt.
Doch Esra schüttelte den Kopf.
„Das würde zu lange dauern. Es scheint, als würde sich das Lager über den gesamten Hügelkamm hinweg erstrecken. Und ich möchte nicht eine Minute länger als unbedingt notwendig in dieser Gegend verbringen. Daher stimme ich für den direkten Weg, mitten hindurch. Was soll uns schon geschehen. Wir haben doch bis jetzt auch nichts Lebendiges gesehen…“
Ohne weitere Meldungen marschierten sie weiter. Und bald konnte auch Adamant sehen, was Esras scharfe Augen schon zuvor ausgemacht hatten. Hunderte Zelte und Banner krönten die Hügel und als sie begannen diese zu ersteigen, konnten sie sehen, dass die Armee hier einen wahren Befestigungswall errichtet hatte. Katapulte, Ballisten und andere Belagerungswaffen waren hier nebeneinander aufgereiht, geschützt durch niedrige Mauern.
„Das sind Breländer“, murmelte Astamalia und trat einen Schritt zurück. Vor ihnen lag ein junger Soldat und er sah aus, als wäre er gerade eben erst eingeschlafen und nicht bereits vor vier Jahren umgekommen.
„Wie ist das möglich? Wie kann der Körper so lange unversehrt geblieben sein?“
„Gute Frage. Und … was bei allen Ahnen ist DAS denn?“, rief Thalaën, zog seinen Säbel und deutete dabei das Ungetüm, dass hinter einem der größeren Zelte stand. „Ist das ein Bruder von dir, Adamant?“
Adamant betrachtete sich das riesige, gut sechs Meter hohe Gebilde genauer. Es war ein Kriegsgeschmiedeter, keine Frage. Aber einer von einer Art, wie er ihn noch nie gesehen hatte. Er hatte zwei fest montierte Waffen in den Händen. In der einen eine Axt, die so groß war wie er selbst, in der anderen einen Hammer, welcher der Axt in Größe um nichts nachstand.
„Ich habe keine Ahnung, Thalaën. Ich habe so etwas noch nie in meinem Leben gesehen“, antwortete er daher wahrheitsgemäß. „Aber er scheint zumindest nicht aktiv zu sein.“
„Wenigstens etwas. Gegen so etwas möchte ich nicht kämpfen“, knurrte der Elf und verglich die Größe seines Säbels mit den Waffen des titanischen Kriegsgeschmiedeten.
In diesem Moment sprangen zwei Wölfe zwischen den Beinen des Titanen hervor.
Nein, es waren keine Wölfe, dachte Adamant im selben Moment. Zumindest keine lebenden. Aber es waren auch nicht wirklich reine Skelette. Irgendwie waren die Knochen von Menschen mit ihrem Brustkorb verschmolzen und an ihrem Rücken angewachsen. Doch das schien die belebten Skelette in keiner Weise zu behindern.
Noch während Adamant das alles durch den Kopf ging waren beide Wölfe den Elfen angesprungen. Doch Thalaën, trotzdem er überrascht war, schlug den Angriff des einen mit seinem Säbel ab. Der zweite Wolf verbiss sich ohne rechte Wirkung in seine Rüstung.
Esra zückte ihren Bogen und schoss; doch der Pfeil flog ohne Wirkung zwischen den Knochen der Wesen hindurch. Das magische Geschoss von Astamalia ließ einige Knochen davon wirbeln, brache aber auch keinen der beiden zu Fall.
Dafür ließ eines der untoten Wesen von dem Elfen ab und stürzte sich auf die Wandlerin, verbiss sich in ihren Arm.
Adamant nutzte die Zeit, in der die Kreaturen beschäftigt waren um sein heiliges Symbol hervorzuholen.
„Bei der Silbernen Flamme! Verschwindet ihr Kreaturen des Bösen! Weicht der Macht des Guten!“, dröhnte seine Stimme.
Sofort zuckten die beiden Skelette zusammen, fixierten ihn kurz mit ihren rot glühenden Augen und verschwanden dann lautlos in der aufkommenden Dunkelheit.
„Gut reagiert, Adamant“, lobte ihn Astamalia. „Hoffen wir nur, dass diese Viecher nicht mehr zurückkommen, um sich an uns zu rächen.“
Adamant nickte dankbar und besah sich dann Esras Arm.
„Nicht so schlimm. Eine einfache Kanalisierung meiner Kräfte sollte reichen, um die Wunde zu schließen“, beruhigte er sie.
Er schloss die Augen und sprach das kurze Gebet, um die Flamme um heilende Wirkung für Wunden zu bitten.
Als er die Augen wieder öffnete, fühlte er, dass die Kraft verbraucht worden war. Doch erstaunlicherweise hatte sie nicht gewirkt. Der Biss in Esras Hand sah noch genauso aus wie zuvor.
„Das ist unmöglich. Noch nie haben meine Kräfte dermaßen versagt.“
„Hm. Wir haben zuvor die Leichen gesehen, die nicht verwesen. Vielleicht funktioniert auch keine heilende Magie im Klageland?“, fragte sich Astamalia laut.
„Das würde unsere Aufgabe erheblich erschweren“, fluchte Esra, als sie gemeinsam mit Adamant damit begann ihre Hand auf klassische Art und Weise zu verbinden. „Aber noch ist das nicht ein so großes Problem. Morgen ist davon nichts mehr zu sehen.“

***

Die Stimmung war noch bedrückter als am Tag zuvor und sie hatte auch ihn erfasst, auch wenn Thalaën noch weit davon entfernt war, das zuzugeben.
Sie hatten die Nacht über auf der anderen Seite der Hügelkette genächtigt und wie Astamalia vorhergesehen hatte, waren sie in den frühen Morgenstunden von den beiden vertrieben Wölfen abermals angegriffen worden. Das war aber nicht das, was sie so bedrückte. Keine der beiden Frauen hatte in der Nacht sonderlich gut geschlafen und ihm selbst war es schwer gefallen seine vier Stunden zu meditieren um sich wieder zu erholen.
Adamant hatte, wie so oft seit Beginn dieser Reise, die ganze Nacht mit Wache schieben und lesen verbracht. Es war Thalaën unmöglich zu sagen, was dem Kriegsgeschmiedeten durch den Kopf ging.
Nach dem Kampf, der zum Glück ohne weitere Verletzungen von statten gegangen war, hatte sich Adamant Esras Wunde noch einmal angesehen. Sie sah noch genauso aus wie am Vortag. Gerade einmal die Blutung hatte geendet, doch ansonsten schien es, als ob sich die Wunde nicht weiter schließen würde. Das hatten ihnen dreien – Adamant war von dem Problem ja nicht betroffen – zu denken gegeben. Sie befanden sich immerhin an einem der gefährlichsten Orte von Khorvaire, hatten keinen Zugriff auf magische Heilung und ihre Körper schienen sich nicht zu regenerieren. Das waren keine guten Aussichten, wenn man bedachte, dass sie in eine alte, verlassene Schmiede eindringen wollten. Selbst er, der unerschrockene, todesverachtende Elf bekam bei diesen Gedanken einen flauen Magen.
Dennoch waren sie am Morgen weitermarschiert. Wieder ohne viele Worte, wiederum jeder mit seinen eigenen Gedanken und Gefühlen beschäftigt.
Stunde um Stunde verging. Sie schienen sich nicht einen Meter vom Fleck bewegt zu haben, seit am späten Vormittag die Hügelkette hinter ihnen am Horizont verschwunden war. Es gab nichts, woran das Auge hätte hängen bleiben können. Nichts, worauf man sich konzentrieren konnte, außer darauf einen Fuß vor den andern zu setzen.
Umso überraschender war es, als sie, praktisch plötzlich, vor einem steilen Taleinschnitt standen, der diese Gegend hier kilometerweit von Ost nach West trennte und gut einen Kilometer breit schien. In der Mitte des Tales schien am Tag der Klage eine gewaltige Schlacht getobt zu haben. Hunderte, nein Tausende Männer und Frauen lagen am Boden verstreut.
„Ich sage es nicht gerne, aber es sieht so aus, als müssten wir da hindurch…“, murmelte Astamalia kaum hörbar.
„Zuerst müssen wir einmal hinunter“, meinte Thalaën und deutete auf die steil abfallenden Wände.
„Diese Leute müssen auch hinab gekommen sein, dann werden wir das auch schaffen“, dachte Esra logisch. „Seht, dort, das sieht gut aus.“
Die Wandlerin hatte tatsächlich ein etwas flacheres Stück Hang gefunden, an dem sie hinabrutschen und klettern konnten.
Im Tal war es noch dunkler und deprimierender als auf der Ebene. Nur langsam schlichen sie durch die Reihen von toten Soldaten hindurch. Nicht alle waren in der Schlacht gestorben. Manche sahen auch so aus, als hätten sie sich einfach nur kurz hingelegt und würden jeden Augenblick wieder aufstehen. Was musste hier am Tag der Klage schreckliches geschehen sein.
Ein Tod, den niemand kommen sah, dem niemand entweichen konnte. Thalaën lief ein Schauer über den Rücken, ob dieses Gedanken. So zu sterben war die Hölle für jeden Elfen, der sein Leben den ruhmreichen Taten verschrieben hatte.
„Wir könnten uns ja mal umsehen, ob jemand von denen etwas interessantes dabei hat“, brach Astamalia plötzlich die Stille. „Wir könnten zusätzliche Ausrüstung ganz gut gebrauchen.“
Thalaën hörte nur mit einem Ohr zu. Sein Blick fiel auf eine Gruppe von Elfen in der Kleidung der Valenar, die zusammen mit einer Gruppe von talentanischen Halblingen unweit ihrer Position lagen. Alle hatten einen rumreichen Tod gefunden. Doch fand er es seltsam diese Einheiten zwischen den Überresten zweier menschlicher Armeen zu finden.
„Ich habe hier etwas merkwürdiges gefunden“, meldete er den anderen und arbeitete sich zu seinen gefallenen Brüdern vor, als plötzlich ein Berg von Leichen vor ihm explodierte.

Astamalia fuhr herum, als sie den Elf schreien hörte und setzte ein unterdrücktes Stöhnen dazu. Ein Berg aus Leichen vor Thalaën schien lebendig geworden zu sein. Obwohl man, wenn man genauer hinsah, die Umrisse einer riesigen Krabbe erkennen konnte. Sechs Beine wuchsen in die Höhe und deutlich waren die riesigen Scheren zu sehen, mit denen sie bedrohlich nach dem Elfen schnappte. Von ihrem ganzen Körper standen Speere und Schwerter jener Toten weg, die an ihrem Panzer zu kleben schienen.
Thalaën taumelte zurück und versuchte die Krabbe auf etwas Distanz zu halten, brachte auch den einen oder anderen brauchbaren Schlag an. Esras Pfeile schwirrten durch die Luft und hagelten auf die Krabbe ein. Doch die meisten schienen von der Panzerung und den darauf liegenden Leichen abgelenkt zu werden. Adamant eilte dem Elfen zu Hilfe, bis es Astamalia endlich gelang die ersten Zauber zu kanalisieren und auf das Monster abzufeuern.
Währenddessen blutete Thalaën bereits aus zahlreichen Wunden, seine Rüstung war an vielen Stellen geborsten und er schien sich nur mehr wankend auf den Beinen zu halten. Nichts desto trotz kämpfe er verbittert weiter, schlug mit den beiden Enden seines Doppelkrummsäbels noch so rasch wie zu Beginn zu.
Bis ein weiterer Treffer, den die Krabbe mit einer der Scheren landete, ihn zu Boden gehen ließ. Astamalia konnte aus ihrer Position nicht sehen, ob der Elf schon tot war oder nur kampfunfähig war.
Doch sie merkte, dass sich Adamant nun noch mehr ins Zeug legte und wütend auf die Krabbe eindrosch. Sie konzentrierte ihre Aufmerksamkeit auf ihren neuen bedrohlichsten Gegner. Adamants Attacken schienen ihr nur wenig auszumachen. Aber auch der Kriegsgeschmiedete steckte dank seiner schweren Panzerung viel weg. Und durch Esras und Astamalias Fernkampfunterstützung drängte er die Krabbe nach und nach zurück.
Astamalia gönnte sich ein zufriedenes Lächeln, als die Krabbe kurz einknickte und nur mit Mühe wieder auf ihre Beine kam. Adamant nutzte die Schwäche und Schlug mit dem Schwert nach ihren Vorderbeinen. Einen schmerzenden Schrei ausstoßend brach das Untier zu Boden.
Adamant machte einen Satz nach vorne und rammte das Schwert zwischen den beiden Stielaugen des Monsters bis zum Heft in es hinein.
Keuchend trat er zurück, während Esra und Astamalia rasch zu ihm eilten.
„Alles in Ordnung?“, fragte Esra.
„Ja, aber ich denke Thalaën hat es schlimm erwischt.“
Zu dritt standen sie um den Elfen herum, der in einer rasch größer werdenden Pfütze aus Blut am Boden lag.
„Ohne Heilmagie, werden wir ihn kaum retten können“, bedauerte Adamant mit einem kritischen Blick auf seine vielen Wunden.
„Vielleicht doch. Gebt mir ein Stück Seil“, überlegte Astamalia und zog eine der Schrifttollen hervor, die sie dem Zauberer der Hobgoblins in Darguun abgenommen hatte. „Ich habe mich schon gefragt, warum Leute im Klageland solche Schriftrollen mit sich herumschleppen. Vielleicht ist unser Problem mit der Heilmagie des Rätsels Lösung.“
Sie hielt das Seil in der Hand und las die Worte von der Schriftrolle ab. Sofort begann das andere Ende des Seiles in die Luft zu wandern und an seinem Ende entstand ein schwarzes Loch.
„Ein Extradimensionaler Raum“, erklärte sie den anderen. „Vielleicht gelten die magischen Beschränkungen des Klagelandes in seinem Inneren nicht.“
„Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert“, stimmte Adamant zu, schnappte sich den Elfen und schob ihn durch das Loch. Dann kletterten sie nacheinander ebenfalls hinein.
Das Innere war wie eine Seifenblase. Man konnte ohne Probleme hinaussehen, obwohl man im Klageland von dem Raum, außer seiner Öffnung, nichts gesehen hatte.
„Los jetzt, bevor er uns noch stirbt!“, trieb Esra den Kleriker zur Eile an.
Adamant sprach abermals sein Gebet und hoffte inständig, dass es diesmal wirken würde.
Als er die Augen wieder aufmachte, blickte er in jene des Elfen.
„Wo bin ich“, krächzte er und betastete seinen immer noch geschundenen Körper. „Ich dachte, ich würde sterben.“
„Bist du auch fast. Aber Astamalia hat dich in einen extradimensionalen Raum gebracht und Adamant konnte dich hier heilen“, klärte ihn Esra auf.
„Es werden noch etliche weitere Gebete vonnöten sein, bis du wieder unverletzt bist, aber zumindest bist du außer Lebensgefahr“, fügte Adamant hinzu.
„Wir könnten doch auch die Nacht hier verbringen“, schlug Esra vor.
Doch Astamalia musste diesem Plan einen Strich durch die Rechnung machen.
„Gute Idee, aber das geht leider nicht. Der Raum hält nur für einige Stunden, danach verschwindet er wieder. Darum sollten wir Thalaën noch etwas besser versorgen und dann dieses Tal hinter uns lassen und außerhalb Rast machen. Jetzt da wir wissen, wie wir Wunden wieder heilen können, sollten weitere Begegnungen mit Monstern kein so großes Problem darstellen.“

***

Nicht weit außerhalb des Tales hatten sie ihr provisorisches Lager aufgeschlagen. Ein kleines Lagerfeuer aus Gegenständen, die sie aus dem Lager mitgebracht hatten und für jeden einen Schlafsack. Manchmal beneidete Adamant die beiden Frauen um ihren Schlaf, ja sogar Thalaën um seine Meditation.
Ihm selbst blieb in der Nacht nur das Lesen seiner Bücher und das lauschen in die so unheimlich ruhige Nacht. Doch diese Nacht konnte er sich nicht auf die Wörter und Sätze auf den Seiten konzentrieren.
In der Ferne grollt Donner, begleitet von bunten Lichtern, die immer wieder über die Ebene zuckten. Und auch vom Fuß des Tales drang ein unheimliches bläuliches Leuchten und hin und wieder vermeinte Adamant die Geräusche einer Schlacht zu hören. So als würden zwei gewaltige Armeen aufeinanderprallen und sich bis auf den letzten Mann bekämpfen.
Zwei Armeen, so groß wie jene, welche Tod in ebendiesem Tal lagen.
Adamant griff nach seinem Symbol und begann leise zu beten.

***

„Irgendwo in diesen Hügeln sollte sich die Weißschmiede befinden“, meinte Astamalia am Nachmittag des nächsten Tages.
Eine größere Hügelgruppe lag fast genau in der Richtung ihres Weges.
Esra erlaubte sich ein Grinsen. Anscheinend hatten sie ihre Sinne und ihre Instinkte nicht getrogen und sie auf dem richtigen Weg hierher geführt.
Jetzt mussten sie nur mehr den Eingang finden, was sich wahrscheinlich als der schwerste Teil des ganzen herausstellen würde. Um sich zu orientieren und um abzuschätzen, wie viel Tageslicht ihnen noch bleiben würde, suchte Esra den Himmel nach der schmierigen Sonnenscheibe ab.
Stattdessen entdeckte sie einen Schatten. Den Schatten eines nicht sehr hoch fliegenden Adlers; nein, eines Geiers.
„Seltsam. Wir haben doch bis jetzt sonst noch keine natürlichen Tiere gesehen“, meinte sie, nachdem sie den anderen den Geier gesehen hatte.
„Na ja, warum nicht. Genug Futter gäbe es hier doch“, tat Thalaën das Ganze ab.
„Es könnte aber auch ein Spion der Smaragdklaue sein. Vielleicht solltest du ihn abschießen…“, überlegte Adamant.
„Egal was ihr tut, ich denke, ich habe den Eingang gefunden“, rief Astamalia aus einiger Entfernung und deutete auf einen dunklen Fleck in einem der Hügel.
Esra spannte ihren Bogen, zielte und schoss auf den Geier. Der Pfeil verfehlte ihn und landete weit entfernt in der Ebene. Der Geier stieg höher und kreiste außer Reichweite über ihnen.
„Kommt schon!“, rief Astamalia.
Esra warf dem Vogel noch einen Blick zu und eilte dann der Magierin hinterher.
Tatsächlich hatte die Halb-Elfe den Eingang gefunden.
Zumindest führte ein durch Balken abgestützter Gang in den Hügel hinein und auf dem ersten Pfosten waren Hammer und Amboss eingraviert.
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

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    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #16 am: 27. Januar 2008, 20:16:05 »
Hallo an alle stummen Mitleser (?)!

Prinzipiell schreibe ich hier ja gerne dem für dieses Thema offenen Publikum, aber Resonanz wärde dennoch etwas motivierend für die Arbeit  :wink:  .

Hunter
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Schatten der Vergangenheit
« Antwort #17 am: 01. Februar 2008, 11:36:44 »
Ich habe mir die Story Hour gerade durchgelesen. Sie ist interessant und gut geschrieben.

Da ich vorhabe, das Abenteuer selber zu leiten, würde ich natürlich gerne einen Praxisbericht lesen.

Bitte weitermachen.


(Bei meinen Spielern wird der Seiltrick übrigens nicht immer einwandfrei funktionieren; Sobald sie sich damit zu sicher fühlen, erleidet der Zauber "Klagelandstörungen". Ich denke da an ein extradimensionales Maul oder so, wie bei dem verfluchten Beutel. Oder der Zauber erwacht zum Leben und will Leute mit dem Seil in seine "Magendimension" reißen.)

Hunter

  • Mitglied
    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #18 am: 06. Februar 2008, 00:15:09 »
Hallo Zook!
Danke für das Kommentar.
@ Seiltrick: Meine Spieler wussten nichts von den eingeschränkten Heilungsmöglichkeiten im Klageland und den Zauber Seiltrick hab ich sie auch einfach nur zuvor bei der Bande Hobgoblins finden lassen. Es hat sie dann schon sehr erschreckt, dass man nicht einfach so heilen kann. Und es hat dann auch etwas gedauert, bis sie auf die richtige Idee gekommen sind. Dann das Ding noch in ein Zauberbuch übertragen und jeden Tag ein bis zweima einzuspeichern ist schon lästig genug. Vor allem, wenn man der Gruppe etwas Zeitdruck gibt. Den Zauber dann noch unberechenbar zu machen halte ich daher für keine gute Idee.

Das nächste Kapitel wird in den nächsten Tagen bald mal kommen.

bis dahin
lg
Hunter
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

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    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #19 am: 06. Februar 2008, 12:14:50 »
Weißschmiede

Adamant und Astamalia schlugen beide ein Sonnenzepter an und angenehmes Licht strahlte in den dunklen Tunnel.
„Wenn dieser Geier ein Spion des Ordens war, dann sollten wir uns mit der Suche nach dem Schema beeilen“, schlug Esra vor.
„Einverstanden“, stimmte Adamant zu und übernahm die Führung.
Der Gang war leicht abfallend und führte weiter in den Hügel hinein. Doch schon nach wenigen Metern teilte er sich auf.
„Und nun?“, fragte Adamant und leuchtete in beide Gänge hinein.
„Links“, deutete Astamalia. „Ich habe einmal gehört, dass man am leichtesten aus einem Labyrinth herauskommt, wenn man sich immer links hält. Vielleicht ist das hier auch am besten.“
Die anderen drei nickten und sie drangen weiter in die Tiefe vor.
Nach zwanzig Metern war der Gang zu Ende. Im Boden war eine runde, 1,20 Meter durchmessende Luke aus Adamantit eingelassen. Daneben befand sich ein kleiner Sockel, in den ein blau emaillierter Steckplatz eingelassen war.
„Scheint so, als hätten wir den Eingang zur Schmiede gefunden“, freute sich Astamalia und suchte nach dem blauen Stab, den sie in Elaydrens Rucksack gefunden hatten. „Ich bin mir sicher, das hier ist der Schlüssel für den Eingang. Thalaën, sperr doch auf.“
Der Elf zuckte mit den Achseln und griff nach dem kleinen Stab, während die anderen alle einen Schritt zurück machten. Thalaën steckte den Stab in den Steckplatz und die Luke öffnete sich mit einem leisen Klick. Selbstsicher hob der Elf die Öffnung an.
Esra bildete sich ein, für eine Sekunde lang das Skelett des Elfen zu sehen, als dieser einen enormen elektrischen Schlag erhielt und zurückgeworfen wurde. Schwelend und mit abstehenden Haaren rappelte er sich wieder hoch und blickte Astamalia anklagend an.
„Warum mache ich eigentlich immer das, was du von mir verlangst?“
„Weil ich es dir sage?“, schlug die Halb-Elfe keck vor und warf einen Blick unter de Öffnung. „Fehlanzeige. Hier geht es nur einen halben Meter hinab. War wohl nur eine Attrappe. Wir müssen weitersuchen.“
Wieder zurück im ersten Tunnel übernahm Adamant abermals die Führung. Doch schon bald gabelte sich der Weg erneut.
„Wieder links?“, fragte er.
Dreifaches Nicken war die Antwort. Der Tunnel endete, genau wie sein Vorgänger an einem identisch aussehenden Schott.
„Ich werde es auf jeden Fall nicht wieder öffnen“, stellte Thalaën klar, während sie rund herumstanden.
„Wir sollten die ganze Miene absuchen. Vielleicht gibt es einen Eingang, der anders aussieht als die anderen und der uns dann wirklich in die Schmiede bringt“, schlug Esra vor.
Ausnahmsweise hörte die Gruppe auch einmal auf die Wandlerin.
Sie fanden noch zwei weitere Luken. Keine unterschied sich von der ersten.
„Wir haben ein Problem“, stellte Adamant fest. „Wir werden wohl nicht darum herum kommen, eine Luke nach der anderen zu öffnen. Und hoffen, dass sich hinter einer, der richtige Eingang verbirgt. Es stellt sich nur, die Frage, wer das Versuchskaninchen wird.“
Die vier sahen sich gegenseitig an. Keiner war bereit die Schmerzen einer Falle auf sich zu nehmen. Esra seufzte. Es waren doch alles Feiglinge, inklusive dieses Elfen. Und wenn sie hier herumstanden, würden sie nie in das Innere gelangen.
Sie nahm Astamalia den Schlüssel aus der Hand, steckte ihn in das Loch, hielt kurz inne, um sich auf den Schmerz vorzubereiten und riss dann die Luke hoch. Nichts geschah.
Esra kam nicht umhin erleichtert aufzuatmen.
Neugierig drängten sich nun alle vier um das Loch im Boden. Eine Leiter führte hinab, verschwand jedoch schon bald in einer undurchdringbaren Finsternis, die selbst von ihren Sonnenzeptern nicht erleuchtet werden konnten.
„Merkwürdig“, kommentierte Adamant.
„Lasst mich etwas versuchen“, schlug Esra vor. Sie holte ein Seil aus ihrem Rucksack und band die magische immerhelle Laterne daran. Dann lies sie sie langsam hinab. Kaum, dass die Laterne die schwarze Wand passiert hatte, erlosch ihr Leuchten, das Seil und die Laterne verschwanden. Langsam holte die Waldläuferin ihre Angel wieder ein.
Die Laterne und das Seil waren noch vorhanden. Weder von Säure noch von unsichtbaren Monstern oder anderen Dingen zerfressen.
„Ach was soll’s“, seufzte Thalaën, gab seinen Säbel auf den Rücken und kletterte in die Dunkelheit hinab.
„Das wird eines Tages noch einmal sein Tod sein“, kommentierte Esra diese Tat, jedoch nicht ohne gewissen Respekt. Nacheinander folgten sie dem Elfen hin die Dunkelheit.

Die Leiter führte mehrere Meter nach unten. Erstaunlich war, dass sie, sobald sie die schwarze Wand durchquert hatten, wieder Licht hatten. Anscheinend war es eine Art magische Abschirmung. Astamalia hatten von mächtigen Schutzzaubern nicht so viel Ahnung, wie sie gerne gehabt hätte, aber sie hatte bereits einmal von dem Zauber Mordekains Allerheiligstes gehört, der Gebiete vor magischer Ausspähung schützte. Vielleicht war das etwas in dieser Richtung.
Sie landete als Letzte am Ende der Leiter.
Hier unten gab es, zusätzlich zu den beiden Zeptern, die sie mitgebracht hatten, Licht, welches von einer kristallinen Kugel ausging. Jedoch war dieses Licht schwach, nicht mehr, als eine flackernde Kerze erzeugen würde. Die Metallwände der Kammer, in der sie sich befanden, bildeten eine makellose Kugel mit einem Durchmesser von etwa sechs Metern. Der einzige Ausgang schien der Schacht zu sein, durch den sie gerade gekommen waren. Die einzige Auffälligkeit war ein kleines Podest, dass im Zentrum es Raumes befand. Auf ihm war eine achteckige Metallplatte befestigt, die etwa dreißig Zentimeter breit war und neun Steckplätze aufwies – fünf davon waren blau unterlegt, zwei in grün und zwei in braun.
„Hier scheint es mehr Schlüssel zu geben als wir haben, wenn wir davon ausgehen, dass dieser Stab hier, uns auch weiterhin Türen öffnet“, schlussfolgerte Adamant.
„Es könnten aber auch einfach nur eine ganze Menge mehr Fallen sein“, erwiderte Thalaën bissig.
„Probieren wir es aus“, entschied Astamalia und steckte den Schlüssel in die nordwestliche Einfassung.
Eine halbe Sekunde lang geschah gar nichts.
Dann begannen die Wände der Kammer zu erzittern und der gesamte Raum begann sich langsam zu drehen. Zum Glück langsam genug, so dass sie gegen die Drehung marschieren konnten und keine Gefahr bestand, das Gleichgewicht zu verlieren.
Die Drehung dauerte fast eine ganze Minute.
Dann hatte sich die Kammer soweit gedreht, dass die ehemalige Schachtöffnung nun eine Eingangstür mit Blick auf einen Korridor in nordwestliche Richtung freigab.
„Willkommen in der Weißschmiede“, flüsterte die Magierin.
Der Korridor war in regelmäßigen Abständen mit immerhellen Laternen bestückt, doch diese spendeten nur mehr ein schwaches Licht.
Thalaën zückte einen Säbel und ging leise voran, Adamant folgte ihm dicht auf, dann Astamalia und den Abschluss bildete Esra mit ihrem gespannten Bogen.
Der Gang war nur etwa zehn Meter lang und an seinem Ende gingen drei Türen ab. Zwei davon standen sperrangelweit offen.
„Hört ihr das auch?“, flüsterte Esra.
Ein leises Knurren war zu hören.
Sekunden später traten aus der rechten Tür zwei Wölfe auf den Gang hinaus. Ihr Fell war struppig, die Zähne gefletscht.
Bedrohlich knurrten sie den Elfen an und kamen geduckt näher.
„Irgendwie mag ich diese Tiere hier im Klageland nicht. Weder tot noch lebendig. Sie sind mir im allgemeinen zu aggressiv“, klagte Thalaën und schwang seinen Säbel.
Auch die anderen machten sich bereit, die Wölfe duckten sich zum Sprung.
„Haltet ein!“, knurrte eine dunkle Stimme hinter den beiden Wölfen.
Ein weiterer Wolf war in den Gang getreten. Er war größer als die anderen beiden, größer als jeder andere Wolf, den Astamalia bis jetzt gesehen hatte. Und in ihren Augen glühte eine unnatürliche Intelligenz.
„Wir wollen keinen Kampf“, sprach der Wolf – diesmal war es klar, dass es der Wolf war.
„Meine Brüder sind über eure Anwesenheit nur erschreckt.“
Zögernd senkte Thalaën seine Waffe.
„Du kannst sprechen“, war er verblüfft.
„Ja. Kommt ihr in Frieden?“, fragt sie.
„Wir suchen nur etwas“, meldete sich Adamant zu Wort. „Einen diamantförmigen Gegenstand, so groß wie eine geballte Faust.“
Astamalia verdrehte die Augen. Musste dieser Tölpel jedem alles auf die Nasse binden?
„Kommt doch erst einmal herein“, forderte die Wölfin sie vier auf und ging in das Zimmer zurück aus dem sie gekommen war. Auch ihre beiden Brüder gaben unwillig den Weg frei, ließen dabei aber keinen von ihnen aus den Augen und sie schienen jederzeit dazu bereit ihre Anführerin mit ihrem Leben zu verteidigen.
„Mein Name ist im übrigen Rorsa“, erklärte die Wölfin und ließ sich in der Mitte des Raumes nieder.
Astamalia sah sich interessiert um. Das war wohl eine Art Schlafsaal gewesen. Vierzehn Schlafkojen verteilten sich im Raum, vor jeder stand eine einfache Holztruhe. Zu beiden Seiten der Eingangstür ein runder Holztisch. In drei Betten erkannte die Magierin Schlafmulden, in die die Wölfe gut hinein passten. Anscheinend hausten sie hier.
„Bei der Flamme“, entfuhr es Adamant und deutete auf einige Leichen, die sich im hinteren Bereich des Raumes befanden. Wie die Leichen im Klageland sahen sie aus, als wäre sie gerade eben erst eingeschlafen.
„Sie waren tot, seid ich mich erinnern kann“, erklärte Rorsa. „Wir ernähren uns von ihnen. Nach einiger Zeit wächst das Fleisch wieder nach.“
Astamalia schauderte.
„Ihr sucht einen Gegenstand?“, kam sie auf die Antwort von Adamant zurück.
Der Kriegsgeschmiedete schüttelte sich kurz und wandte den Blick von den Leichen ab. Dann erklärte er der Wölfin bereitwillig, was genau sie hier suchten. Doch am Ende schüttelte Rorsa den Kopf.
„Tut mir leid, aber einen solchen Gegenstand kenne ich nicht. Aber ich kenne auch nur einen Bruchteil der Schmiede. Nur jene Bereiche die ich mit dem blauen und dem grünen Schlüssel öffnen kann…“
„Du hast einen weiteren Schlüssel? Könnten wir den vielleicht haben?“, unterbrach sie Thalaën.
„Wenn ihr mir dazu im Gegenzug helfen könnt?“
„Um was geht es denn?“
„Im Südwesten befinden sich weitere Mitglieder meiner Rasse. Sie werden jedoch von einer riesigen, abscheulichen Kreatur bewacht, die zu stark ist, als das wir uns trauen sie anzugreifen. Wenn ihr sie befreien könnt, dürft ihr den Schlüssel behalten und ich habe noch einen Gegenstand, der von großem Wert zu sein scheint. Den könnt ihr ebenfalls haben.“
„Natürlich werden wir euch helfen“, warf sich Adamant in die Brust „Niemand sollte sein Leben eingesperrt verbringen.“
„Ich danke euch“, verneigte sich Rorsa und löste geschickt mit ihren Zähnen einen grünen Schlüssel von ihrer Halskette um ihn dann dem Kriegsgeschmiedeten zu geben.
„Sag, Rorsa. Warst du immer schon so? Konntest du immer schon sprechen? Seit du auf der Welt bist?“, interessierte sich Astamalia. Für die anderen mochte es ja ganz normal sein, dass dieser Wolf sprach, aber für sie war es das nicht.
„Nein. Aber ich habe an die Zeit, bevor ich erwachte kaum noch Erinnerungen. Ich kann mich an all das nur wie durch einen Nebel erinnern. Ich weiß noch, dass eines Tages alle unsere Herren Tod umfielen und das nächste, woran ich mich erinnern konnte, war, dass ich gemeinsam mit meinen beiden Brüdern in diesem Raum zwischen den Leichen der Menschen war.“
„Das scheint etwas mit dem Tag der Klage zu tun zu haben“, schlussfolgerte Astamalia und verfluchte nicht zum ersten Mal, dass sie sich so schlecht über das Klageland informiert hatten, als sie aufgebrochen waren.
„Wie ist es denn eigentlich dort draußen?“, fragte Rorsa nach. Sie wirkte wirklich interessiert.
„Wahrscheinlich nicht so schön, wie du es dir vorstellst“, winkte Thalaën ab. „Kommt, wir haben einen – mittlerweile zwei – Aufträge zu erfüllen und nur wenig Zeit.“

***

„Sollen wir uns gleich um die Bestie im Südwesten kümmern?“, fragte Esra, als sie wieder in der Schleusenkammer standen.
„Vielleicht sollte wir uns vorher den Rest der Schmiede etwas genauer ansehen?“, schlug Astamalia vor.
„Einverstanden“, nickte Thalaën, der kaum noch erwarten konnte, welche Gefahren ihnen hier unten noch begegnen würden.
Ohne die anderen weiter zu fragen steckte Astamalia den Schlüssel in den nördlichen Steckplatz und die Kammer begann sich wieder zu drehen und stoppte erst wieder, als der Eingang gen Norden zeigte.
Der Gang war wärmer als der letzte, stellte Thalaën fest. Außerdem glaubte er, das Prasseln eines Feuers zu hören. Aber wie sollte so etwas nach all der Zeit noch möglich sein. Andererseits sollte ihn in dieser Schmiede wohl nichts mehr überraschen.
„Ja, wir hören es auch“, kam ihm Esra zuvor, als er die Frage nach dem Prasseln stellen wollte.
Der Gang war etwa so lang wie der letzte, doch diesmal gingen an seinem Ende nur zwei Türen ab. Aus einer schien das Licht etwas heller zu kommen. Neugierig ging Thalaën weiter und ohne große Scheu steckte er seinen Kopf hinein.
Ein starker Geruch nach Ruß und Asche lag in der Luft. Die Wände des Raumes waren schwarz und in der Mitte befand sich eine brennende Kugel aus Protoplasma.
„Brennende Kugel!“, rief Astamalia und zweigte in die andere Tür ab. Thalaën sah die Kugel noch kurz verdutzt an, als sie auch schon Kurs auf ihn nahm. Der Elf hatte irgendwelche Monster erwartete, aber keine brennenden Kugeln, die ihn verfolgen. Rasch ergriff er die Flucht zu den anderen. Sie hatten sich in dem anderen Raum in Sicherheit gebracht, bei dem es sich anscheinend um ein Bad handelte alle standen sie nun in dem eisigen Wasser, dass aus einer der Wände kam und ein Bassin bildete. Jedoch die Kugel schien sich nicht herein zu wagen.
„Langsam wird es kalt“, zitterte Astamalia und bewegte ihre Füße in dem eisigen Wasser. Plötzlich hielt sie inne uns spähte durch die Wasseroberfläche nach unten, griff rasch zu und zog einen braunen Schlüssel hervor. „Zumindest etwas haben wir hier erreicht, mit der Ausnahme, dass wir alle krank werden, wenn wir noch länger hier stehen. Wie sollen wir diese Kugel bekämpfen? Normalerweise hält diese Art von Magie nicht so lange.“
Da schossen ihr die Worte Failins durch den Kopf: Lebende Magie. Lebende Magie mir Körpern.
„Oje“, stöhnte sie. „Ich befürchte, dieser Zauber wurde am Tag der Klage lebendig. Zumindest, wenn das stimmt, was mir Failin erzählt hat.“
„Gut, und wie sollen wir ihn bekämpfen?“
„Wir könnten ihn mit Wasser bewerfen“, schlug Adamant vor. Er leerte seinen Rucksack aus, füllte das Leder mit Wasser und trat auf den Gang hinaus. Sie hörten das Prasseln der sich nähernden Kugel, dann ein lautes Platschen und das dampfen von Wasser. Kurz darauf kam Adamant im Eilschritt in das Bassin zurück.
„Nicht geholfen?“, erkundigte sich Thalaën unnützerweise.
Der Kriegsgeschmiedete schüttelte den Kopf.
„Na, vielleicht hilft das. Thalaën zückte seine Waffe und machte sich für den Kampf bereit. Zauber waren ihm suspekt. Aber lebende Zauber setzten voraus, dass man sie auch töten konnte. Und darin war er gut.
Er hörte, wie die anderen ihm folgten, nun da er mutig voranschritt.
Und da stand sie auch schon, diese ach so gefährliche Kugel und verbreitete ihre Hitze.
Rasch trat Thalaën auf sie zu und schlug auf sie ein. Er merkte, dass er Verbrennungen erlitt, aber sie waren nicht schlimm. Nichts, was einen wahren Elfen stoppen konnte.
Er würde siegen, er würde sie töten.
„Thalaën! Die Kugel ist weg!“, riss ihn eine Stimme aus seinem Rausch. Tatsächlich war es dunkler geworden und zu seinen Füßen breitete ich eine hässliche feuerrote Masse aus, die einmal die Feuerkugel gewesen war.
„Manchmal kannst du einem echt Angst machen“, murmelte Esra und warf dem Elfen einen besorgniserregenden Seitenblick zu.

***

Der nächste Raum, den sie fanden, stellte sich als die Buchhaltung heraus. Auch hier fanden sie wieder einen Angestellten des Hauses, zusammengesunken auf seinem Schreibtisch. Gestorben mitten in der Arbeit. Sie hatten den Raum rasch wieder verlassen. Hier würden sie das Schema sicherlich nicht finden.
Die darauf folgende Tür führe sie nach Osten in eine vollautomatische Waschküche. Esra kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Lange Reihen von sauberen Bettlaken und Gewändern reihten sich hier aneinander. Die Luft war von Seifenduft erfüllt. Am hinteren Ende des Raumes wartete das Unglaublichste.
Hier befand sich ein großes Waschbecken, das in den Boden eingelassen war. Zuerst war daran nichts ungewöhnliches zu erkennen gewesen, doch dann erhob sich plötzlich eines der Kleidungsteile aus den Regalen – von einer unsichtbaren Hand getragen – und in das Becken getragen. Dort wurde sie – obwohl ohnedies schon sauber – gewaschen, geschrubbt, eingeseift, noch einmal geschrubbt, ausgewrungen, schließlich getrocknet, zusammengelegt und wieder in das Regal gelegt.
„Dann würde ich die Männer darum bitten, dass sie einmal kurz den Raum verlassen“, unterbrach Astamalia das Staunen.
„Warum?“, war Esra verdutzt. Wieso sollten die Männer gehen und sie bleiben?
„Meine Garderobe könnte durchaus eine Wäsche vertragen, die deinige übrigens auch“, meinte sie mit einem Seitenblick auf Esras Klamotten. „Und ich möchte einfach nicht von den Herren dabei gesehen werden, wenn ich mich ausziehe.“
Adamant sah etwas verwirrt aus, doch Thalaën grinste nur und nahm ihn am Arm.
„Lassen wir die beiden alleine“, meinte er nur.
„Warum?“, war der Kriegsgeschmiedete ebenso verwirrt wie Esra gerade eben noch.
„Ich glaube, darüber muss ich dich aufklären“, hörte Esra den Elf noch lachen. Dann waren sie im Gang verschwunden. Astamalia zog sich aus und warf ihre Robe in das Waschbecken. Sofort begann die Magie darin es zu reinigen.
Esra seufzte. Sie mochte den Geruch von Seife nicht. Besonders nicht, wenn er so intensiv war, wie dieser hier. Aber wahrscheinlich war es wirklich besser, wenn sie nicht mehr so stark stank, dass sie von jedem Monster aus der Entfernung bereits gerochen werden konnte.
„Ihr könnt reinkommen!“, rief Astamalia schon bald wieder, nachdem nicht nur ihre Kleidung, sonder auch sie selbst wieder sauber war.
Langsam kehrten die beiden Männer zurück.
„Was haltet ihr davon, wenn wir hier eine Rast einlegen? Der Raum scheint ungefährlich und mit all den sauberen Tüchern lässt sich sicherlich ein gutes Bett bauen“, schlug Astamalia vor.
Esra horche auf ihre innere Uhr. Ja, es wahr tatsächlich schon der Abend hereingebrochen, auch wenn es hier unten – ohne dem Licht der Sonne – schwer war, genau die Zeit zu bestimmen.
„Einverstanden. Ich werde Wache halten“, stimmte Adamant zu.

***

Es war angenehm, nach den beiden Nächten im Klageland, wieder in so ruhiger Umgebung Wache zu schieben. Adamant konnte sich praktisch die ganze Nacht in Ruhe seinen Büchern widmen. Es wäre nicht zu überhören, wenn irgendjemand die Schleuse betätigte um in ihren Gang zu kommen und so konnte er sich diese Unaufmerksamkeit leisten.
Als nach seiner Inneren Uhr achts Stunden vergangen waren weckte er seine Kameraden. Sie schienen sich in dieser Umgebung auch besser erholt zu haben, als es draußen in den beiden letzten Nächten der Fall gewesen war. Diese Umgebung vermittelte, trotz des flackernden Lichtes und den sie überall umgebenden toten Menschen, ein trügerisches Gefühl der Sicherheit. Trügerisch deswegen weil Thalaëns Brandblasen an diesem Tag genauso aussahen, wie am Tag zuvor. Adamant setzte schon dazu an, ihm seine heilenden Kräfte anzubieten. Doch ohne Astamalias Seiltrick, würden sie nichts wirken. Und so schlimm sahen die Verbrennungen an dem Elfen auch nicht aus.
„Wollen wir heute diese Bestie besiegen, welche die anderen Wölfe gefangen hält?“, fragte er also stattdessen, während die anderen bei einem ausgiebigen Frühstück saßen. Astamalia hatte ihren Zauberstein im Schoß und blätterte durch die Seiten, die in der Luft zu lesen waren.
„Können wir machen. Dann muss ich mir eben für heute mehr Kampfzauber memorieren. Nach der Beschreibung von Rorsa werden wir sie brauchen können.“
Nachdem Astamalia sich die – wie sie glaubte – richtigen Zauber herausgesucht hatte, brachen sie auf. Etwas nervös öffneten sie den südwestlichen Durchgang in der Schleuse. Auch hier erwartete sie dahinter nur das schummrige Zwielicht der fast erloschenen Immerhellen Laternen. Aber am Ende des Ganges war eine weitere Schleusentür zu sehen.
Adamant ging tapfer voran. Ihm lag viel daran, diese Wölfe zu befreien. Es würde eine eindeutige gute Tat im Namen der Flamme sein.
Er trat in die zweite Schleusenkammer. Auch hier fand sich ein Podest mit Steckplätzen, aber es waren nur vier und nicht acht, wie in der vorhergehenden. Und nur einer der Plätze war grün – und er führte sogar weiter nach Südwesten -, daher war die Auswahl eher beschränkt.
Auch diese Kugel drehte sich gehorsam, nachdem sie den Stecker platziert hatten.
Als sie wieder aus der Kugel rümpfte Esra sofort die Nase.
„Hier befinden sich eindeutig einige Wölfe. Das heißt, das Ungeheuer kann auch nicht weit sein. Wir sollten leise…“
„FÜR DIE FLAMME!“, brüllte Adamant mit erhobenem Schwert und rannte den Gang hinab. Er würde der Gerechtigkeit Genüge tun. Er würde diese armen Wesen befreien und in die Freiheit führen. Hinter sich hörte er die erschrockenen Ausrufe der anderen.
Astamalias „Haltet den Spinner auf!“, war dabei am lautesten. Dennoch schienen sie ihm zu folgen.
Im Laufschritt bog Adamant um einen Knick im Gang und stoppte abrupt. Vor ihm stand eine Kreatur, die die Gestalt eine Wolfs hatte. Aber ihr Fleisch war mit dicken, schwarz glänzenden Marmorplatten verbunden. Zusätzlich zu dieser steinernen Rüstung, welche die Flanken der Kreatur bedeckten, bleckte es ein Maul voller scharfer Obsidianzähne.
Vielleicht war der Sturmangriff doch keine so gute Idee gewesen, dachte Adamant noch bei sich, als ihn die Kreatur ansprang.
Mit Mühe konnte er sich die Bestie vom Hals halten und einen eigenen Schlag anbringen. Doch seine Klinge rutschte wirkungslos an den Panzerplatten ab. Ebenso erging es einem Pfeil von Esra und einem geführten Schlag von Thalaën.
Da brauste ein magisches Geschoss an den beiden Männern vorbei.
Stirb, du Bestie!, dachte Adamant noch. Doch entsetzt musste er mit ansehen, wie sich die magische Energie des Geschosses über dem Körper verteilte und wirkungslos verpuffte.
Das würde wahrlich ein schwerer Kampf werden.
Die Bestie sprang ihn abermals an. Diesmal retteten nur Adamants schwere Panzerung vor ernsthaften Verletzungen.
Während sich das Untier in seinen Arm verbiss gelang es Thalaën endlich einen Hieb zwischen den Platten zu platzieren. Der Säbel war voller Blut, als er ihn wieder herauszog.
Knurrend ließ der Wolf von Adamant ab und wandte sich der offensichtlich größeren Bedrohung zu. Während Adamant weiter nutzlos auf ihn einprügelte und Esra einen Pfeil nach dem anderen ohne Wirkung auf den Panzer schleuderte, probierte Astamalia ihr ganzes Repertoire an Zaubern aus, um welche zu finden, die wirksam sein könnten. Aber es gab nur einen Fehlschlag nach dem anderen.
Ein Schmerzenschrei erfüllte den Gang, als sich der Wolf plötzlich in Thalaëns Bein verbiss und ihn mit einem scharfen Ruck zu Fall brachte. Geistesgegenwärtig klammerte sich der Elf weiter an seine Waffe und blocke nun vom Boden aus seinen Angreifer, während der wieder und wieder nach ihm schnappte, ihm immer wieder kleinere Wunden zufügte.
Adamant sah das Ende für Thalaën kommen.
Endlich gelang es aber auch einmal ihm sein Schwert schmerzhaft in der Kreatur zu versenken. Sofort ließ der Wolf von Thalaën ab. Als Adamant den Boden unter den Füßen verlor, dachte er noch, dass das keine gute Idee gewesen war. Der Wolf hatte anscheinend entschieden, dass es am Besten war, wenn beide am Boden lagen.
Hart und mit lautem Getöse landete Adamant neben seinem Freund auf den Boden. Zu zweit versuchten sie nun den scharfen Zähnen ihres Angreifers zu entkommen. Aber Thalaën schien langsam die Kraft auszugehen. Seine Bewegungen wurden langsamer und die Zahl seiner Verletzungen durch die Kiefer des Wolfes nahmen rasant zu.
Plötzlich tauchte ein weiterer Schatten über ihnen auf. Adamant dachte schon an einen Engel, der ihn Dollurth, in das Reich der Toten, mitnehmen wollte. Doch es war Esra, ihre Waffe kess schwingend. Sie hatte eingesehen, dass ihre Attacken mit den Pfeilen nicht so viel Erfolg brachten. Dafür hatte Astamalia offensichtlich ihre Armbrust gezückt und feuerte – wenn auch mit wenig Erfolg – auf den Wolf.
Gemeinsam werden wir das doch wohl schaffen!
Adamant hob sein Schwert und führte es mit aller Kraft gegen den Wolf, rammte es ihm von unten durch den Schädel, währen Esra ihr Schwert in seinen Rachen rammte.
Das Monster taumelte mehrere Schritte zurück, vergoss Unmengen an Blut, röchelte und brach schließlich reglos zusammen.
„Geschafft“, schnarrte Adamant.
War das meine Stimme? Sie klang so seltsam.
„Oje!“, entfuhr es Astamalia und sie kniete neben ihm nieder. „Das wieder zu flicken wird schwer werden.“
Erstaunt sah Adamant an sich herab. Der Wolf hatte ihm härter zugesetzt, als er dachte. Überall war seine Rüstung gesprengt und seine Innereien waren zu sehen. Seine Arme und Beine waren ebenfalls stark mitgenommen und insgeheim fragte er sich, wie er es geschafft hatte, bis zum Ende sein Schwert zu halten.
„Du schaffst das schon.“
„Ja, ich schon. Aber hoffentlich auch Thalaën.“
Astamalia hob den Kopf den Elfen an und tastete nach seinem Puls.
„Er liegt im Sterben. Wir müssen rasch handeln. Kannst du noch seine Wunden heilen, bevor du auseinander fällst?“
„Ich denke schon“, krächzte Adamant mit schwacher Stimme.
Rasch wirkte Astamalia ihren Seiltrick und gemeinsam mit Esra verfrachtete sie Adamant und Thalaën hinein.
„Ich bin immer noch nicht tot?“, fragte Thalaën mit rauer Stimme, als er das Bewusstsein wieder erlangte. „Ich liege schon wieder in diesem Raum?“
„Zweimal ja“, grinste Astamalia und machte sich daran Adamants Zustand zu verbessern. „Ich fürchte, meine Kräfte reichen nicht aus, um das alles auf einmal zu heilen. So stark ist meine Magie nicht. Es wird mindestens noch einen weiteren Tag dauern.“
„Das trifft sich gut“, meinte Adamant und begutachtete Thalaëns Wunden. „Auch Thalaëns Verletzungen sind stärker als meine Kräfte. Aber immerhin haben wir die Wölfe befreit.“
„Durch deine Aktion wären wir aber beinahe zu Wolfsfutter geworden“, warf Esra ein, ohne jedoch wirklich wütend zu klingen. Vorerst waren sie alle sehr zufrieden damit, überhaupt noch am Leben zu sein.

***

Rorsa zeigte sich wirklich erfreut, als sie die sieben gefangenen Grauwölfe zu ihr brachten. Wie versprochen durften sie sich den grünen Schlüssel behalten und sie bekamen zudem noch eine kleine glänzende Perle, welche Astamalia als eine Perle der Macht identifizierte, die es ihr ermöglichte einen Zauber noch einmal zu wirken. Mit Hilfe des braunen Schlüssels, den sie im Bad im Norden der Schmiede gefunden hatten konnten sie jetzt auch die dritte Tür in Rorsas Gebiet öffnen.
Dahinter fanden sie den Raum des Kommandanten, dessen wahren Schätze in einer wahren Waffenkammer, sowie einem Versteck mit etlichem Gold und einem roten Schlüssel bestanden.
Aufgrund der schweren Verletzungen von Thalaën und Adamant verblieben sie fast einen ganzen Tag in Rorsas Nähe. Erst dann machten sie sich weiter nach der Suche nach dem verschollenen Schema.
Diese Suche führte sie zuerst in ein Lager, indem sie sich mit eingelagerten Lebensmitteln und Ausrüstungsgegenständen eindecken konnten. Als nächstes fanden sie eine Kantine mit anschließender Küche. Hier fanden sie auch die größte Anzahl an Leichen, die sie bisher in der Schmiede gefunden hatten. Zehn Menschen lagen hier wie schlafend auf den Tischen. Sogar ihr Fleisch war noch warm, als wären sie gerade eben gestorben. Auch in der Küche fanden sie einig am Boden liegende Mitarbeiter des Hauses Cannith.
Rasch verließen sie diesen Ort wieder.
Schließlich fanden sie noch eine weitere, dritte Drehschleuse im Südosten der Schmiede.
„Hoffentlich gibt es nicht noch mehr solcher Türen“, brummte Thalaën. „Ansonsten werden wir hier unten noch vergammeln.“
Neugierig besahen sie sich dieses Podest. Wie auch in der zweiten Schleuse, die sie entdeckt hatten, gab es hier vier Steckplätze an den Ecken, plus einen weiteren in der Mitte.
„Vielleicht geht es hier nach oben?“, überlegte Esra.
„Wäre möglich. Oder noch weiter nach unten. Aber wir sollten uns mal die anderen ansehen. Hm. Wir haben einen violetten Schlüssel und einen gelben“, deutete Astamalia auf die beiden Steckplätze. „Die anderen haben wir noch nicht gefunden, oder finden sich hier in der Schmiede nicht.“
„Fangen wir doch mit Violett an“, schlug Adamant vor.
Astamalia zuckte mit den Schultern. Im Prinzip war es egal. Sie steckte den Schlüssel hinein.
Sofort erloschen alle Lichter.
Rasch begann sich die Kugel zu drehen, rascher als die beiden anderen. Kurz war ein unterdrückter Aufschrei zu hören, der stark nach Thalaën klang, dann ein lautes Platschen, als wäre etwas schweres ins Wasser gefallen.
„Wir brauchen Licht“, rief Astamalia und fingerte an ihrem Gürtel nach einem Sonnenzepter.
Doch Adamant war schneller.
Das sanfte Leuchten des Zepters erfüllte die Kugel. Im Boden befand sich ein Loch. Thalaën war verschwunden. Ängstlich leuchteten sie in das Loch hinab. Drei Meter darunter befand sich eine dunkle Wasseroberfläche, von Thalaën war keine Spur zu sehen.
„Bei der Flamme. In der Rüstung kann er doch nicht schwimmen. Wir brauchen ein…“
„Seil.“
Esra hielt dem Kriegsgeschmiedeten genau eben dieses unter die Nase. Rasch griff Adamant nach dem einen Ende, während Esra das andere in die Tiefe warf. Rasch spannte es sich und ruckte.
„Er scheint es zu haben!“, rief Astamalia aufgeregt und leuchtete hinab.
Adamant wickelte das Seil um seinen Arm und begann zu ziehen. Er keuchte unter der Anstrengung. Doch Meter um Meter holte er das Seil aus dem Wasser und schließlich durchstieß auch der Kopf des Elfen die Oberfläche.
Laut prustend jappte er nach Luft.
„Das war knapp.“
Ächzend zogen Esra und Adamant den triefnassen Elfen aus dem Schacht.
„Eine wahrlich gemeine Falle.“
„Nur für jene, die nicht wissen, wie diese Schleuse zu bedienen ist“, winkte Esra ab und studierte das Podest erneut.
„Ah“, machte sie und steckte den roten Schlüssel an seinen Platz. Nichts geschah, aber der Schlüssel rastete ein. Dann steckte sie den violetten Schlüssel an seinen Platz. Die Lichter der Kammer gingen wieder an und rumpelnd begann sich die Kugel zu drehen um dann am entsprechenden Ausgang wieder zu stoppen.
„War doch nicht so schwer.“
Thalaën knurrte etwas unverständliches auf elfisch, wischte sich einige Wassertropfen aus dem Gesicht und trat in den schummrigen Gang. Es war das erst Mal, dass ein Gang schräg nach unten, weiter unter die Erde führte.
Und es war auch der erste Gang, der so lange war. Mehr als Einhundert Meter arbeiteten sie sich nach unten durch, bis sie schließlich in einer gewaltigen Werkstatt standen.

Adamant hatte noch nie eine Schöpfungsschmiede gesehen, in der die Kriegsgeschmiedeten bis vor zwei Jahren gebaut worden waren. Er hatte auch noch nie eine der Werkstätten des Hauses Cannith gesehen. Bis jetzt war er immer, wenn er Schäden erlitten hatte, von Astamalia zusammengeflickt worden.
Umso erstaunter war er, als er sich nun in eben einer solchen Werkstätte wieder fand. An den Wänden reihten sich Ersatzteile und Werkzeuge zur Reparatur von Geschmiedeten. Pläne bedeckten die noch freien Flecken an den Wänden. Und in der Mitte des Raumes stand eine riesige Werkbank, auf der ein Kriegsgeschmiedeter lag. Anscheinend war er nicht fertig gestellt worden.
Während die anderen nach und nach den ganzen Raum nach dem Schema absuchten, besah sich Adamant den toten Körper.
Die Brust stand offen und einige Werkzeuge befanden sich noch darin. Auf dem Boden daneben lag ein Angestellter des Hauses. Offensichtlich am Tag der Klage gestorben.
Adamant wollte sich schon wieder abwenden, als ihm etwas auffiel. Sorgfältig wischte er den Staub der Jahre von der Brust seines Bruders und erstarrte. Eine XIV war in die Brust eingraviert. Sie war genau vom gleichen Stil wie seine XIII.
„Adamant, ist das ein Verwandter von dir?“, war Astamalia erstaunt.
„Scheint so“, murmelte der Kleriker. „Ich habe mich immer gefragt, was diese Nummer bedeuten soll. Kein anderer Kriegsgeschmiedeter, den ich bis jetzt getroffen habe, verfügte über etwas ähnliches.“
„War wohl eine Art Seriennummer.“
„Und offenbar warst du der letzte, der fertig gestellt wurde.“
„Vielleicht sollten wir Dame Elaydren fragen, was es damit auf sich hat“, schlug Astamalia vor. „Es kann nicht sein, dass du ewig ohne Kenntnisse deiner Herkunft herumläufst.“
„Ja, das wird wohl das Beste sein“, stimmte Adamant zu.
„Gut, dann lasst uns unseren letzten Schlüssel ausprobieren. Hier befindet sich ebenfalls kein Schema.“

***

Die letzte Tür, der letzte Gang, führte schräg nach oben.
„Endlich wieder Richtung Tageslicht“, ächzt Esra, die die Tage unter der Erde leid war.
Vor ihr stoppte Thalaën plötzlich.
„Ist nur mir so warm?“, fragte er.
„Nein. Es ist hier in der Tat wärmer, als sonst überall in der Schmiede“, wunderte sich auch Esra. „Ich denke, es kommt von dort.“
Der Gang vor ihnen war durch ein schweres Tor aus Adamantit versperrt, auf dem das Siegel von Haus Cannith prangte. Die Luft, die unter der Tür hindurch kam flirrte in der Luft.
„Nicht gut. Dahinter scheint es zu brennen.“
Adamant berührte vorsichtig die Tür und zuckte zurück.
„Heiß.“
Esra schüttelte den Kopf. Das hätte sie ihm auch sagen können.
„Aber wir werden dort hinein müssen“, stellte Astamalia klar. „Irgendjemand muss die Tür öffnen. Und dann immer noch am besten Adamant, oder?“
Der Kriegsgeschmiedete seufzte und Esra fragte sich, warum er dieses Urteil so bedingungslos hinnahm. Niemand hatte Astamalia zur Führerin ernannt.
„Aber gebt mir Deckung“, verlangte Adamant.
Esra griff nach ihrem Bogen, neben ihr zog Thalaën seine Klinge in einer schwungvollen Bewegung hervor.
Mit einem Ächzen riss Adamant die Türen auf und sofort schwemmte eine Welle glühend heißer Luft in den Raum. Esra hatte das Gefühl gleich zu brennen, ihr Bogen schien zu dampfen.
Der Raum vor ihr war riesig und flimmerte ebenfalls in der Hitze. Ein riesiges Feuer wütete etwa 12 Meter von der Tür entfernt, nahe der gegenüberliegenden Wand und ließ Schatten an den Mauern tanzen. Ein anderes Feuer loderte in 18 Meter Entfernung an der Südwand. Im Zentrum des Raumes befand sich ein mit blasen schlagendem flüssigen Glas gefüllter Schmelztiegel, der ebenfalls Hitze auszustrahlen schien. Lange, schlangenartige Köpfe aus Eisen und Messing ragten aus dem Glassee und erinnerten Esra an die Geschichten von Hydren, die sie gehört hatte. Nur ein Stück weiter südlich des Schmelztiegels wurde das gleißende Licht von einer kristallenen Kiste reflektiert. Durch das durchsichtige Material konnte Esra mehrere verschiedene Objekte darin erkennen, darunter auch etwas, das stark an das diamantförmige Schema erinnerte, das sie suchten. Gerade als sie ihre rasche Durchmusterung des Raumes abgeschlossen hatte, schlugen die Flammen der beiden Feuer höher und begannen sich auf sie zu zu bewegen.
„Bei den Göttern! Was ist das!“, rief sie aus und feuerte einen Pfeil in eines der Feuer, ohne zu wissen, ob das etwas brachte.
„Feuerelementare!“, rief Astamalia und hielt sich, um sich vor der Hitze zu schützen, die linke Hand vors Gesicht.
Gleich darauf hörte sie Esra „Frigora!“, rufen und ein Hauch von Kälte streifte sie, während eines der beiden Elementare, unter dem hellblauen Strahl zurücktaumelte.
Adamant bekam von all dem nichts mit, denn er wurde gerade von dem zweiten Elementar in die Mangel genommen. Esra konnte kaum noch sehen, wo sich das Elementar befand und wo der Kriegsgeschmiedete.
Dennoch wagte sie einen Schuss und die Wand aus Feuer zuckte auch. Sie grinste. Anscheinend waren ihre Pfeile doch wirkungsvoll.
Thalaën versuchte inzwischen das zweite Wesen auf Distanz zu halten, doch anscheinend hatte er sich damit etwas übernommen. Seine Kleidung fing fast sofort Feuer und Brandblasen bedeckten rasch seinen ganzen Körper.
Esra fluchte. Diese beiden verdammten Hitzköpfe.
Sie wechselte ihr Ziel und feuerte rasch zwei Pfeile hintereinander in Thalaëns Gegner. Doch da war Thalaën bereits zu Boden gegangen.
Astamalia feuerte noch etwas magisches auf das Elementar ab, aber das schien das Elementar jetzt auch nicht mehr aufzuhalten.
Kurz entschlossen entledigte sich Esra ihres Bogens und griff nach ihrer neuen Waffe: Einem riesigen Bihänder, den sie in der Kammer des Kommandanten gefunden hatte und der fast so groß war wie sie selbst.
Damit in Händen stürmte sie auf das Elementar zu und drosch mit all ihrer Kraft auf das Feuerwesen ein. Der Stahl schien zu glühen, als sie die Klinge fast bis zum Heft in der merkwürdigen Substanz versenkte, aus der das Elementar bestand.
Kreischend krümmte es sich zu Boden und rund um Esra wurde es merklich kühler.
Eine halbe Sekunde später folgte ein ähnlicher Schrei und Esras überreizte Sinne empfanden es plötzlich als recht angenehm, als auch das zweite Elementar starb.
„Rasch, bringt Thalaën hier herein!“, rief Astamalia, die schon wieder ihren Seiltrick angewendet hatte. Esra griff den noch schwellenden Körper gemeinsam mit Adamant auf und verfrachtete ihn – nun bereits zum dritten Mal – in den Raum.
„Nicht schon wieder“, keuchte Thalaën, als er die Augen wieder aufschlug.
Esra konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Es war wirklich schon nach jedem Kampf Routine, dass der Elf hier wach wurde.
„Du bist mir wahrhaft ein glorreicher Kämpfer“, meinte Astamalia bissig. „Und nun lasst uns das Schema holen.“
„Es ist hier?“, war Thalaën erstaunt.
„Ja, es befindet sich in der kristallenen Kiste“, klärte ihn Esra auf.
„Welche Kiste?“, war der Elf verwirrt.
Die Wandlerin seufzte. An der viel gelobten Wahrnehmung der Elfen war auch nicht so viel dran, wie sie immer gedacht hatte.
„Ich zeige es dir.“
Esra führte die anderen durch den Raum, der noch immer sehr heiß war, aber mittlerweile nicht mehr das Gefühl vermittelte, als würde man gleich verbrennen. Und da stand wirklich die Kiste, sogar unverschlossen. Anscheinend hatte nur das Material dazu gedient, dass der Inhalt nicht beschädigt wurde, sinnierte Esra und machte den Deckel auf.
Erstaunt zog sie zwei fast identische Schemata daraus hervor, beide diamantförmig. Eines sah aus, als wäre es erst vor kurzem gefertigt worden, das andere, als hätte es bereits mehrere Tausend Jahre auf dem Buckel.
„Dem Haus Cannith scheint eine Kopie gelungen zu sein“, schlussfolgerte Astamalia und nahm Esra die beiden Gegenstände ab.
Als nächstes holte Esra eine große, gut 60 cm durchmessende Scheibe aus Adamantit heraus, die mit Mithralrunen und Symbolen bedeckt war. Vier Steckplätze auf der Scheibe waren zu sehen.
„Das Schöpfungsmuter!“, rief Astamalia erstaunt.
 „Ah, dafür bekommen wir sicherlich einen Bonus“, grinste Esra. Die beiden Schemata, die sie bis jetzt gefunden hatten schienen exakt in zwei der Steckplätze zu passen. Was auch bedeutete, dass sie noch zwei weitre finden mussten.
Als nächstes holte Esra noch vier Fläschchen aus der Kiste. Zwei davon waren Heiltränke, die sie dem armen Thalaën gaben, damit er sie beim nächsten Aufenthalt im Extradimensionalen Raum trinken konnte. Beim Anblick der anderen beiden Tränke seufzte Esra.
„Die hätten wir beim Kampf gegen die Elementare brauchen können“, jammerte sie und warf sie Astamalia zu. „Sie schützen vor Hitze.“
Die Magierin zuckte mit den Schultern. „Vielleicht ein andermal.“
„Wir sollten zusehen, dass wir wieder an die Oberfläche kommen. Ich bin froh, wenn wir diese Schmiede hinter uns haben“, drängte da Thalaën zur Eile.
„Hast du Sehnsucht nach dem Klageland?“, fragte Esra und grinste. Dann deutete sie auf die Kuppel, die sich über dem Glasbottich befand.
„Vielleicht kann man die irgendwie öffnen.“
Astamalia fand sich angesprochen und machte sich auf die Suche nach den Schaltern.
Als die Kuppel knarrend zurückfuhr, wusste Esra, dass die Halb-Elfe den Mechanismus gefunden hatte. Angenehme, kühle Luft erfüllte den Raum, als die Hitze aufstieg. Zugleich stieg jedoch auch die Apparatur weiter in die Höhe, so dass ihre Köpfe nun weit über das Klageland blickten.
Kurz kam Esra die Idee, dass die glasbedeckten Ruinen von Rotbruch vielleicht auf diesen Gegenstand zurückzuführen waren.
„Los raus hier!“, rief da jedoch Thalaën und unterbrach ihre Gedankengänge.
„Sollten wir nicht vorher noch die Wölfe befreien?“, schlug Adamant vor. „Immerhin haben wir ihnen keine Möglichkeit gelassen, dass sie sonst irgendwie je aus dieser Schmiede herauskommen.“
Esra nickte. Damit war sie einverstanden. Auch die beiden anderen schienen nicht abgeneigt, auch wenn sie weniger Enthusiasmus an den Tag legten.

***

„Wir werden ewig in eurer Schuld stehen“, bedankte sich Rorsa, als sie endlich das ganze Wolfsrudel an die Oberfläche gebracht hatten.
Im schattenlosen Licht des Klagelandes war das Rudel noch unheimlicher, als es in der Schmiede gewesen war, fand Thalaën. Vor allem Rorsa, die sie nacheinander mit ihren tiefen, intelligenten Augen anblickte. „Ich danke euch“, sprach sie noch einmal. Dann machte das Rudel wie ein Mann kehrt und jagte über die Hügel um dann hinter dem nächsten Kamm zu verschwinden.
„Wir sollten auch zusehen, dass wir hier wegkommen. Je früher wir aufbrechen, desto früher haben wir auch das Klageland hinter uns.“
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Situla

  • Mitglied
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #20 am: 08. Februar 2008, 10:33:04 »
phantastische story hour, wir haben das Abenteuer auch schon mal gespielt, aber bei euch kommt so richtig Spannung auf. Bitte weiterschreiben!! Bin eifrig am mitlesen.

Hunter

  • Mitglied
    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #21 am: 09. Februar 2008, 13:11:09 »
Das erste große Abenteuer haben die Helden bald hinter sich, doch das nächste lässt nicht lange auf sich warten. Fleißige Mitleser der verschiedenen Story-Hours hier im Gate wird der Beginn des nächsten Abenteuers vielleicht bekannt vorkommen. Ich habe mich von der Idee her nämlich schamlos an die Geschichte von meist3brau http://forum.dnd-gate.de/index.php/topic,12117.0.html gehalten. Ich hoffe man verzeiht mir diesen Diebstahl.

Gold und Ehre

Adamant hatte gedacht, es würde eine Erleichterung sein, wenn sie die Schmiede hinter sich ließen. Doch die Trostlosigkeit des Klagelandes machte ihm da einen Strich durch die Rechnung. Außerdem hing ihm viel zu viel durch den Kopf. Zuerst dieser merkwürdige Stoffhändler mit seiner Anspielung auf Thalas Feuerkamm. Und dann heute der Körper des Kriegsgeschmiedeten mit der eingravierten Nummer.
Was hatte das alles zu bedeuten?
War es Schicksal, dass ihn seine Wege gerade hierher geführt hatten? Oder wusste gar am Ende Nerina Lichtbringer mehr über seine Vergangenheit, als sie offen eingestehen wollte. Aber nein, das konnte nicht sein, das traute er ihr nicht zu.
„Ich gratuliere, Abenteurer!“, erklang da eine Stimme, die ihm unheimlich vertraut vorkam. Erschrocken blieb er zusammen mit den anderen stehen. Von den umliegenden Hügelkuppen erhoben sich Gestalten – viele Gestalten. Adamant zählte sechs Soldaten des Ordens, vier Skelette, eine hager aussehende Nekromantin und natürlich den Vampir, den sie ebenfalls schon aus Rotbruch kannten.
Sie waren umzingelt.
„Es ist nutzlos sich zu wehren“, rief er. „Gebt mir das dritte Schema und ich werde euch am Leben lassen. Leistet ihr mir jedoch Widerstand werde ich es nach eurem Tod nehmen und eure Leichen als meine Diener auferstehen lassen!“
Adamant horchte auf. Drittes Schema? Sie hatten doch erst zwei gefunden?! Das bedeutete dann wohl, dass der Orden bereits ein drittes in den Händen hielt. Das war nicht gut.
„Was sollen wir tun?“, flüsterte er.
„Wir geben ihm die Kopie“, schlug Astamalia vor.
„Gute Idee“, gab Esra leise zurück.
Thalaën nickte ebenfalls leicht und versuchte unauffällig zu seinem Schwert zu kommen.
Astamalia holte ihren Rucksack vom Rücken und holte die Kopie hervor, während die Armbrustschützen des Ordens sie immer im Visier behielten.
Klar sichtbar für alle hielt sie das Schema über ihren Kopf und warf es dann den Hang hinauf. Einer der Soldaten lief darauf zu, hob es auf und brachte es dem Vampir.
„Eine weise Entscheidung. Ihr seid des Dankes von Garrow und des Ordens würdig“, grinste der Vampir und steckte es.
Zwei seiner Männer verschwanden kurz und kamen dann mit einigen Pferden wieder. Garrow, seine Nekromantin und zwei der Soldaten stiegen auf.
„Tötet sie!“, rief Garrow seinen Männern zu, winkte den Abenteurern zum abschied und ritt mit seiner Begleitung davon.
„Ich denke, er hat gelogen, als er uns unser Leben versprach“, knurrte Adamant und zückte sein Schwert.
Ein Hagel von Bolzen ging auf sie nieder, dann starteten sie Skelette einen Angriff, doch darauf war Adamant vorbereitet. Er zückte sein Symbol und hob es ihnen deutlich entgegen.
„Im Namen der Flamme! Lasst ab von uns und verschwindet in diesem unheiligen Ödland! Hier jedoch ist kein Platz für euer Böses!“
Die Skelette kamen ins taumeln, hielten kurz inne und wandten sich dann zur Flucht. Adamant hörte einen der Soldaten fluchen:
„Verdammte Untote! Bleibt hier ihr Versager!“
„Gut gemacht!“, lobte ihn Thalaën.
Doch da kam schon die nächste Angriffswelle, diesmal bestehend aus den Soldaten des Ordens. Hier würde kein einfaches Symbol reichen.
Adamant griff wieder nach seinem Schwert.
„Kommt nur, ihr Unheiligen!“, schrie er.
„Thys tia eilaerys !“, brüllte Thalaën.

***

Das Gemetzel war kurz und erfolgreich verlaufen. Alle sechs Soldaten des Ordens lagen niedergestreckt im Dreck. Mittlerweile eine halbe Tagesreise hinter ihnen. Thalaën fragte sich, ob sie ebenso wenig verwesen würden, wie alles andere hier im Klageland, oder ob ihnen ein besseres Schicksal zu Teil werden würden.
Nicht, dass er es ihnen wünschen würde. Wer das Leben auf solche kranke Art und Weise verlängerte, verdiente auch nichts anderes im Tod. Dennoch war es ein interessanter Gedanke.
„Wisst, was mich an der Angelegenheit wirklich stört“, unterbrach Adamant plötzlich die Stille. „Ich hänge zwar nicht dermaßen an meinem Gold, aber wir haben eine Fahne für die Passage mit Failin erstanden, die wir auch ab morgen brauchen werden. Aber ich nehme nicht an, dass sich Failin noch in Rotbruch befindet. Nicht nach der Zeit, die wir gebraucht haben.“
„Ah, Adamant, da wäre ich mir nicht so sicher“, lachte Astamalia. Thalaën fand, das dieses Geräusch in dieser Umgebung mehr als nur merkwürdig klang.
„Failin hat nämlich in all der Hektik vergessen den zweien Teil seiner Bezahlung einzufordern.“
Plötzlich brachen auch alle anderen in Gelächter aus.
„Geschieht ihm ganz recht!“, lachte Thalaën.
Daran hatte offenbar wirklich niemand mehr gedacht – bis jetzt. Aber es hob ihre Stimmung enorm. Und auch als sie am Abend das Schlachtfeld durchquerten, indem ihnen bei ihrem Herweg die Krabbe aufgelauert hatte, konnte das ihre Stimmung nur wenig trüben.
Doch nun fand Thalaën endlich die Möglichkeit seine gefallenen Brüder zu untersuchen. Ein Versuch der ihn beim letzten Mal fast das Leben gekostet hätte.
„Es sieht so aus, als wären sie im Kampf gegen diese Halblinge gewesen. Doch dann dürfte die Krabbe aufgetaucht sein“, analysierte er die Schlachtspuren und deutete dabei auf mehrere unterschiedliche Wunden bei den Trupps aus Valenar und aus der Talenta-Ebene.
Dann hielt er plötzlich inne und hob eine der Leichen auf. Halb darunter begraben lag einer der schönsten Doppelkrummsäbel, den er je gesehen hatte. Selbst sein edles Stück sah dagegen blass aus.
Beide Klingen des Säbels waren verziert. Auf der einen befand sich das stilisierte Bild eines Pferdekopfs, auf der anderen ein wehender Pferdeschweif. Der Griff war mit schwarzem Leder und Silberdraht umwickelt und ein Name war mit elfischen Schriftzügen in das Leder eingraviert: Talaen Kara.
Probeweise schwang Thalaën die Klinge durch die Luft. Die stilisierten Bilder schienen zu leuchten zu beginnen und sich zu bewegen, als wäre es ein galoppierendes Pferd.
„Dich werde ich mal behalten“, murmelte er und steckte ihn zu seinem andern auf den Rücken.

***

Astamalia konnte ein erleichtertes Aufseufzen nicht unterdrücken, als sie endlich vor der Wand aus Aschgrauem Nebel standen.
„Bin ich froh! Ich kann es kaum noch erwarten endlich wieder etwas grünes, etwas lebendiges zu sehen“, rief sie.
„Freu dich nicht zu früh. Bei unserem Glück lauert ein Untier auf der anderen Seite“, unkte Esra. Auch sie schien wirklich froh zu sein, dass sie das Klageland bald hinter sich lassen würden. „Wie lange waren wir jetzt eigentlich in dieser Hölle?“
Astamalia rechnete kurz nach.
„Dürften sechs Tage gewesen sein. Dann sollten wir heute den 1. Eyre haben. Gut, das wir die zweite Flagge gekauft haben. Wir werden sie brauchen. Vor allem dann, wenn Failin nicht in Rotbruch gewartet hat.“
Die anderen warfen ihr vernichtende Blicke zu und sie hob abwehrend die Hände.
„Er wird schon gewartet haben. Wir haben ihm das Leben gerettet und, was viel wichtiger ist, wir schulden ihm noch Geld.“
Astamalia hoffte innigst, dass das auch wirklich wahr war. Sie hatte keine Lust auf einen mehrwöchigen Fußmarsch bei nur wenig vorhandener Verpflegung, durch die Ebene von Droaam.

***

Esra hob erstaunt die Augenbraue, als sie den Hügel nahe Rotbruch erklommen, von dem sie zum ersten Mal auf die Ruinen der Stadt hinabgeblickt hatten. Auf der Kuppe stand ein einfacher Planwagen und daneben stand ein kleines Zelt, vor dem ein Feuerchen brannte.
Failin befand sich also tatsächlich noch hier.
Missmutig blickt er ihnen entgegen und rauchte dabei eine alte Pfeife.
„Kommt spät“, meckerte er.
„Es gab ein paar Zwischenfälle, die uns etwas aufgehalten haben“, entschuldigte sich Esra und ließ sich neben ihm in das dürre Gras fallen. „Aber danke, dass du gewartet hast.“
„Schuldet noch Geld“, brummte er und stopfte seine Pfeife.
„Das wir dein Leben gerettet haben, hat nichts damit zu tun?“, brauste Thalaën auf.
Failin brummte etwas, das von einem ja, über ein vielleicht bis hin zu einem nein alle sein konnte.
Esra winkte ab und gebot dem Elfen sich ebenfalls zu setzen. Ein Streit half jetzt niemandem etwas.
„Es reicht uns schon, dass du hier geblieben bist. Ich denke, ein Dank wäre angebracht. Und ein gutes Essen. Und danach sollten wir zusehen, dass wir so viele Kilometer wischen diesen Nebel und uns bekommen.“

***

„Zurück in der Zivilisation“, seufzte Thalaën, als Failin den Wagen am Blutmarkt zum stehen brachte.
„Geld“, brummte der nur und hielt seine Hand auf. Astamalia suchte ärgerlich die entsprechende Anzahl an Goldmünzen aus ihrem Beutel, während Esra den Blick über den Platz schweifen ließ. Langsam kamen ihr Zweifel, ob es so klug gewesen war das Klageland zu verlassen. So viel besser war die Zivilisation auch nicht. Sie hatte siech nicht vorstellen können, dass sie innerhalb dieser wenigen Tage vergessen hatte können, wie schlimm es auf dem Blutmarkt eigentlich zu ging. Unweit ihrer Position sah sie die Leiche eines Goblins, über den alle anderen hinweg stiegen. Zwei Hunde standen knurrend in der Nähe und schienen auf die passende Gelegenheit zu warten, sich den Kadaver zu schnappen.
Schaudernd sprang sie vom Wagen.
Die anderen schlossen sich ihr an.
„Danke noch einmal, dass du gewartet hast“, bedankte sie sich bei Failin. Doch der brummte nur, wendete den Wagen und beschleunigte ihn, ohne Rücksicht auf die vielen Passanten, über den Platz.
„Und nun?“, fragte Thalaën. „Wie geht es weiter?“
„Elaydren hat gesagt, das sie nach unserer Rückkehr hier in Rukaan Draal auf uns warten würde. Aber leider steht in dem Brief nicht, wo sie warten wird“, überlegte Astamalia.
„Vielleicht hat sie wieder eine Nachricht bei einer der Stationen von Haus Sivis zurückgelassen?“, schlug Esra vor.
„Gute Idee. Vielleicht werden wir dort fündig.“

***

Die Hobgoblins in Rukaan Draal schienen nicht sehr interessiert daran zu sein, Briefe zu schreiben, überlegte Adamant, als sie die prachtvolle Halle betraten. Erstaunt sah er sich um. Diese Station hier war um ein vielfaches Größer, als jene, die sie in Sharn regelmäßig aufgesucht hatten. Aber, so überlegte er, in Sharn gab es sicherlich mehrere dieser Niederlassungen, während es in Rukaan Draal nur diese eine zu geben schien.
Die riesige Halle mit der kuppelförmigen Decke war mit Marmor ausgelegt und exotische Pflanzen standen an den Wänden. Überall in der Halle verteilt standen kleine Tische mit je einem Stuhl und Feder, Papier und Tinte darauf.
An der langen Schalterreihe stand nur eine alte Frau, die offensichtlich Probleme hatte, den Gnom auf der anderen Seite zu verstehen; zumindest schrie der arme Kerl bereits ziemlich laut, was in dem ehrwürdigen, herrschenden Schweigen, recht seltsam wirkte.
Astamalia hatte wieder einmal die Führung der Gruppe übernommen und ging schnurstracks auf einen der freien Schalter zu.
„Guten Tag der Herr“, begrüßte sie den Gnom. „Ich wollte fragen, ob eine Nachricht für jemanden von uns bereit liegt.“
„Natürlich. Ihre Namen bitte?“, fragte der Gnom und schnappte sich einen Füller.
„Astamalia d’Lyrandar, Esra Emorien, Thalaën Tedaé und Adamant“, zählte sie auf und schob ihm dabei die Identifikationspapiere jedes einzelnen über den Tresen.
„Nun, es gibt in der Tat eine Nachricht für einen Herrn Adamant. Von einer gewissen Arkada Irulan.“
Er schob Adamant den Brief zu, der ihn verwirrt nahm
Er kannte keine Arkada Irulan.
Interessiert besah er sich den Brief genauer. Der Absender war hier in Rukaan Draal. Soviel stand fest.
„Kann ich ihnen sonst noch helfen?“, fragte da der Gnom.
„Ja, bitte“, riss sich Adamant vom Anblick dieses recht unerwarteten Briefes los. „Ich möchte gerne eine Nachricht abschicken.“
Er ignorierte die verwunderten Blicke der anderen. Während sie im Klageland und in der Schmiede immer wieder geschlafen hatten, hatte er einen sehr langen und detaillierten Brief an Nerina verfasst. Und nun war eine gute Gelegenheit ihn abzuschicken.
Er nannte dem Gnom noch die Adresse und bezahlte die verlangten Regenten.
Dann verließ er den Schalter um sich seiner Post zu widmen.
Die anderen blieben noch dort. Anscheinend war es auch Astamalia überkommen, einen Brief an ihre Eltern zu schreiben; und Thalaën nutzte die Gunst der Stunde um eine Nachricht an seinen Bruder in Aerenal zu schicken.
Nur Esra ließ sich auf einem der Stühle nieder und wirkte etwas bedrückt.
Adamant zog inzwischen das kleine Stück Papier aus dem Umschlag.

Kommt bitte nach Eurer Rückkehr in den Tempel der Silbernen Flamme hier in Rukaan Draal. Ich habe Neuigkeiten für euch.
Priesterin Arkada Irulan


Das war alles, was darin stand. Etwas enttäuscht, aber auch neugierig geworden, steckte er den Brief wieder weg und wartete auf die anderen.
„Und, was stand drinnen?“, fragte Astamalia unverblümt neugierig.
„Er stammt anscheinend von der hiesigen Priesterin der Flamme. Sie möchte, dass ich sie besuche.“
„Gut. Wir sollten uns inzwischen um eine Heimfahrtmöglichkeit umsehen. Immerhin haben wir noch einen Kreditbrief für das Haus Orien. Wir sollten uns erkundigen, wann wir von hier weg können.“
„Fragen wir doch einfach am Bahnhof“, schlug Thalaën vor und erntete dafür verwirrte Blicke.
„Thalaën, hier gibt es keinen Bahnhof“, klärte ihn Astamalia auf. „Das war auch der Grund, warum wir via Schiff hierher gekommen sind. Wir werden eine Karawane nehmen müssen. Wenn mich nicht alles täuscht, dann liegt der nächste Anschluss an die Blitzbahn in Strengtor, und das ist eine ganz gute Strecke von hier. Am besten marschieren wir gleich mal Richtung Hafen. Vielleicht gibt es dort eine Station von Haus Orien. Wir treffen uns dann später wieder im Gasthof Zur geballten Faust?“
Adamant nickte, verabschiedete sich und begann sich in Richtung des Tempels durchzufragen. Auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, dass es in dieser Stadt eine Niederlassung der Flamme geben sollte.

***

Den Hafen zu finden war nicht schwer. Immerhin waren sie hier auch gelandet und er befand sich nur unweit des Blutmarktes. Dann jedoch schienen sie anzustehen. Astamalia verrenkte sich fast den Hals, um irgendwo ein Siegel des Hauses Orien zu sehen, wo sie eine Karawanenfahrt buchen konnten. Thalaën und Esra trotteten hinter ihr her.
Esra war in Gedanken.
Es bedrückte sie etwas, dass sie keinen Brief an ihre Eltern schreiben konnte. Aber in Grünherz gab es nun einmal keine Station von Haus Sivis und aus dem Dorf kamen ihre Eltern selten heraus.
Eine kräftige Pranke, die sie von hinten an der Schulter packte, ließ sie fast in die Knie gehen.
„He Divar! Du traust dich aber auch einiges, dich nach all den Jahren wieder hier blicken zu lassen! Du schuldest mir noch Geld!“, dröhnte eine dunkle Stimme und Esra wurde herumgerissen.
Vor ihr stand ein riesiger, stinkender und wütend aussehender Grottenschrat, der sie ebenso verwirrt anstarrte, wie sie ihn. Woher kannte dieser Koloss ihren Bruder, fragte sich Esra.
„Du bis nicht Divar“, stellte er fest.
„Richtig erkannt.“
„Könntest aber glatt seine Schwester sein“, brummte der Grottenschrat und kratzte sich nachdenklich am Kopf. Anscheinend hatte es ihn etwas aus dem Konzept gebracht, dass er nicht seinen Schuldner gefunden hatte, sondern jemand anderes.
Esra gab darauf sicherheitshalber einmal keine Antwort.
„Hätte mich auch gewundert, wenn der Bursche sich wieder hierher verschlagen hätte“, erzählte der Grottenschrat dann plötzlich von sich aus. „Wahrscheinlich ist er schon gar nicht mehr am Leben. War am Tag der Klage in Cyre. Schade darum. Dann werde ich mein Geld wohl nie mehr wieder sehen.“
„So ein Pech.“
„Ja. Dabei schien er am Anfang so anständig zu sein. Nur alle Tassen hatte er nicht im Schrank. Er erzählte jedem, dass er ein Magier werden wollte, darum ging er ja auch nach Cyre. Seine Magie wird ihn aber auch nicht geholfen haben.“
Er besann sich und sah auf die drei verdutzten Abenteurer.
„Na egal. Wenn ihr ihn zufällig seht, dann richtet ihm aus, dass er mir immer noch Geld schuldet.“
„Machen wir“, versicherte Esra.
Der Grottenschrat nickte, anscheinend zufrieden, und wandte sich ab, verschwand irgendwo in der Menge.
„Ging es hier gerade um einen verlorenen Bruder?“, erkundigte sich Astamalia.
Esra nickte betrübt und von dem Schwall an Informationen etwas benommen.
„Ja. Aber so wie es aussieht, ist er nicht mehr am Leben. Wir waren im Klageland. Nichts hat dort überlebt. Wenn er wirklich am Tag der Klage dort war, dann…“
Ihre Stimme brach und sie wandte sich ab.
Die beiden anderen ließen ihr genügend Zeit sich wieder zu fangen.

***

Es war schwerer gewesen, als er gedacht hatte, sich den Weg bis zum Tempel durchzufragen. Anscheinend war der Glaube der Flamme in der Stadt nicht sehr verbreitet und daher wussten auch nur wenige den Standort des Tempels. Auch wenn das schiefe Haus, vor dem er jetzt stand, den Namen Tempel kaum verdient hatte. Es war früher ganz eindeutig einmal ein ganz normales einfaches Wohnhaus gewesen. Jetzt hatte jemand das Symbol der Silbernen Flamme über dem Türstock eingeritzt und die Fenster durch Buntglasscheiben ersetzt. Die Tür war natürlich auch nicht nach der Flammenfeste ausgereichtet. Aber Adamant sah ein, dass man manchmal Kompromisse schließen musste, wenn man einen Standort für einen Tempel in einer Stadt wie dieser haben wollte.
Er trat ein und blinzelte.
Staub hing in dem leeren Raum über den ebenso leeren grob gebauten Bänken. Der Tür gegenüber befand sich ein einfacher marmorner Altar auf dem ein Kelch stand. Sonst war niemand hier.
„Hallo?“, rief er probeweise.
Im hinteren Teil bewegte sich ein Vorhang und eine junge Halb-Elfe erschien. Kurz starrte sie ihn entgeistert an, dann lächelte sie.
„Ah, Ihr müsst bestimmt Adamant sein. Kommt herein. Ich bin Arkada Irluan, die hiesige Priesterin.“
Sie reichte Adamant ihre zierliche Hand, die in seinen Kampffäusten vollkommen verschwand.
„Nerina hat mir viel von Euch erzählt. Aber ich konnte Euch mir nicht so richtig vorstellen. Ein so riesiger Kriegsgeschmiedeter, der unseren Glauben in der Welt vertritt; das ist doch eher etwas außergewöhnliches.“
„Ihr kennt Nerina?“
„Natürlich. Wer in unserer Kirche kennt sie nicht. Sie ist doch fast so etwas wie eine Berühmtheit. Sie hat mich gebeten Euch zu schreiben und Euch eine frohe Nachricht zu überbringen.“
Adamant legte verwirrt den Kopf schräg.
„Aber Nerina wusste doch gar nicht, wo ich mich befinde!“
Arkada lachte hell.
„Aber Adamant. Denkt ihr nicht, dass Nerina Möglichkeiten hat, euren Aufenthaltsort herauszufinden?“
Adamant dachte darüber nach. Wahrscheinlich hatte die Priesterin recht. Nerina war eine mächtige Klerikerin der Flamme.
„Nun, Nerina wollte es euch eigentlich persönlich übermitteln, aber ihr seid anscheinend zu rasch aus Sharn aufgebrochen. Sie hat beim Kardinal erwirkt, dass ihr die Priesterweihe erhaltet!“
Adamant glaubte, nicht recht zu hören.
„Das ist ja wunderbar!“, freute er sich.
„Ja, das denke ich auch“, lachte Arkada. „Wenn ihr Zeit habt, dann würde ich die Weihe morgen an Euch vollziehen. Bringt einige Freunde mit, dann wird es eine schöne Zeremonie.“
Adamants Freude verschwand wieder.
„Wir können die Zeremonie auch heute abhalten. Ich glaube nicht, dass einer meiner Freunde daran Interesse haben wird.“
Nerina winkte ab.
„Glauben, mein Freund, ist das wichtigste in unserem Beruf. Deshalb solltet ihr ihn nie leichtfertig aufgeben.

***

Admanat traf gleichzeitig mit den drei anderen vor der Geballten Faust ein.
„Alles erledigt?“, fragte Astamalia.
„Fast“, erwiderte der Kleriker. „Ich habe die Nachricht bekommen, dass ich bereit bin für die Priesterweihe. Sie wird morgen im Tempel stattfinden.“
Er machte eine kurze Pause.
„Und es würde mich freuen, wenn ihr mich begleiten würdet“, fügte er hinzu.
„Danke. Aber ich werde keinen Fuß in den Tempel der Flamme setzen. Ich bleibe bei meinen Ahnen“, winkte Thalaën ab.
„Kein Interesse“, verneinte Astamalia.
„Nun, haben wir eine Fahrtgelegenheit?“, schwenkte Adamant auf ein anderes Thema um. Er war betrübt, dass er seine Freunde in dieser Hinsicht richtig eingeschätzt hatte.
„Ja, haben wir. In zwei Tagen startet eine Karawane nach Strengtor“, klärte ihn Esra auf. „Und, Adamant, ich werde dich begleiten.“
Sie grinste ihn an und betrat die Gaststube.
Im Inneren herrschte wie bei ihrem letzten Besuch reges treiben. Dennoch war es nicht schwer Dame Elaydren Cannith auf den ersten Blick zu erkennen. Sie saß alleine an einem großen Tisch und alle anderen Anwesenden schienen einen großen Bogen um sie zu machen. Sie trug wieder, wie bei ihrer ersten Begegnung teure Kleider und eleganten Schmuck. Verschwunden waren der abgetragene Umhang und die Dreckspritzer auf der Haut.
„Setzt euch meine Freunde!“, begrüßte sie sie vier. „Setzt euch, trinkt und berichtet mir.“
Sie schielte neugierig auf Astamalias Rucksack.
„Wir haben das Schema“, klärte sie Astamalia auf. „Aber es zu bekommen war nicht so einfach.“
Sie bestellten beim Wirt trinken und ein Abendessen und begannen dann abwechselnd zu erzählen. Von der Überfahrt, dem merkwürdigen Gnom, der Fahrt mit Failins Wagen, dem Zwischenfall mit der Smargadklaue in Rotbruch, die Flucht aus den Ruinen, die Wanderung durch das Klageland, die Schmiede.
Elaydren hörte gebannt zu und unterbrach sie nicht einmal.
Schließlich kam Esra zum Ende:
„Und als wir aus der Schmiede kamen, lauerte uns schon wieder der Vampir auf. Er verlangte das Schema oder unser Leben. Wir haben uns für unser Leben entschieden. Immerhin haben wir eine Kopie davon gefunden. Was uns jedoch auffiel war, dass er davon sprach, dass wir ihm das dritte Schema geben sollen. Wisst ihr, was das zu bedeuten hat?“
Elaydren nickte gedankenschwer mit dem Kopf.
„So wie es aussieht, weiß auch der Orden genau, wo er nach den Teilen des Artefakts suchen muss. Das ist nicht gut. Das bedeutet, dass wir nun beide zwei Teile in den Händen halten. Das vierte jedoch ist bis jetzt spurlos verschwunden und alle unsere Nachforschungen sind im Sande verlaufen. Es wird aber gerade auf dieses letzte Teil ankommen. Ich muss rasch zurück nach Sharn und die Suche wieder aufnehmen. Vielleicht hat auch ein anderer meines Hauses bereits etwas gefunden. Habt ihr bereits eine Reise gebucht?“
Astamalia nickte.
„In zwei Tagen geht die nächste Karawane.“
„Gut. Wenn ihr mich begleitet, erhaltet ihr in Sharn für eure Dienste und den Fund des Schöpfungsmusters weitere Einhundert Platindrachen. Einverstanden?“
Thalaën keuchte auf und Astamalia nickte erfreut.
„Damit können wir leben.“

***

Neben Esra, Adamant und Arkada war nur ein alter Gläubiger anwesend, der in der letzten Reihe saß. Nicht ganz die würdevolle Zeremonie, die sich Adamant immer wieder vorgestellt hatte. Dennoch war er froh, nicht alleine zu sein und Arkada hatte sich wirklich Mühe gegeben ihren baufälligen Tempel herauszuputzen.
Alles glänzte vor Sauberkeit und frische Blumen brachten Leben in den leeren Raum.
Die Predigt war kurz, aber eindrucksvoll und als das Ende näherte und sich Adamant vor ihr hinknien musste, zitterten ihm leicht die Knie.
Bis zu diesem Tag war ihm nicht klar gewesen, dass er dazu überhaupt möglich war.
„Erhebt euch, Hochwürden Adamant“, sprach Arkada gerade, nachdem sie ihm ein wundervoll gearbeitetes Heiliges Symbol umgehängt hatte. „Ihr seid nun ein vollwertiger Priester der Silbernen Flamme; mit all den damit verbundenen Rechten und Pflichten. Möge euch die Flamme immer einen klaren Weg vorgeben.“
Adamant verneigte sich noch einmal.
„Danke“, brachte er leise hervor, was der Halb-Elfe ein schelmisches Lächeln entlockte.
„Keine Ursache, Hochwürden.“

***

Caldera seufzte zufrieden und leckte sich die Lippen. Der Wind ließ ihr Haar und ihr Negligé flattern. Das Leben einer Fürstin war herrlich. Und der Abend würde noch besser werden.
Es klopfte.
Sie wandte ihren Blick von den Tausenden Türmen ab und kehrte in das Wohnzimmer zurück. Trotz der fast tropischen Hitze flackerte ein Feuer im Kamin. Vor dem Kamin, auf dem Fell eines Geistertigers lag ein junger Mann, fast noch ein Junge, nackt, wie er geschaffen worden war.
Seine bleiche Haut schien im Schein des Feuers zu glänzen und er selbst schien friedlich zu schlafen. Das Leben bestand doch nur aus Trug. Er schlief nicht, und sie war in Wirklichkeit keine Fürstin.
Caldera lächelte.
Zumindest keine echte.
Es klopfe erneut.
Caldera blickte an sich herab. Das Negligé, dass sie getragen hatte um den Jüngling zu verführen, würde ihr auch jetzt noch gute Dienste erweisen. Es gab mehr frei, als es verbarg.
„Komm herein“, rief sie und wandte sich ihrer Bar zu.
Hinter ihr wurde die schwere Tür geöffnet. Schritte waren zu hören und eine einzelne Person betrat den mit Teppichen ausgelegten Raum.
Ruhig schenkte sich Caldera ein Glas besten Lhazaar-Rums ein.
„Möchtest du auch etwas?“
„Nein danke.“
Sie lächelte und wandte sich ihm zu.

Er war abgehärtet, das gehörte zum Job. Aber noch nie hatte er sein Leben so bewusst einer Gefahr ausgesetzt, wie an diesem Abend. Er konnte nicht umhin, dass seine Hände feucht waren. Als er endlich eintreten durfte, hatte er sich aber wieder etwas gefangen.
Aber das hielt leider nicht lange.
Sofort fiel sein Blick auf den jungen Burschen vor dem Kamin.
Dann auf Caldera.
Ein eisiger, aber auch wohliger Schauer überkam ihn.
Ihre Beine waren lang und schlank und in aller Pracht zu sehen. Der Fetzen, den sie trug, bedeckte kaum ihre Schenkel. Eigentlich, war auch das, was er bedeckte, gut zu sehen. Der flache Bach, der muskulöse Rücken, die kleinen, festen Brüste.
„Du willst sicher nichts?“, fragte sie noch einmal und lächelte ihn an.
„Nein“, krächzte er und versuchte den Blick von ihren Brüsten zu nehmen.
Er war sich ganz sicher, dass die Hitze, die ihn gerade schwitzen ließ, nicht durch die Frühlingstemperaturen und den Kamin kamen.
Langsam setzte er sich in eines der Fauteuils. So, dass er sowohl den Jüngling als auch Caldera im Auge behalten konnte.
Sie setzte sich ihm Gegenüber und schlug langsam die Beine übereinander, so dass er deutlich ihren Schoß sehen konnte. Er schluckte und versuchte sich zu konzentrieren.
„Warum hast du mich kommen lassen?“
„Meine Spione haben mir interessantes berichtet. Sie haben ein wertvolles Artefakt gefunden.“
„Schön für dich. Was habe ich damit zu tun?“, wunderte er sich. Endlich gelang es ihm, woanders hinzusehen. Aber der nackte Bursche war auch keine große Alternative.
„Leider befindet sich dieses Artefakt in der Sicherheitsschatzammer des Königs hier in Sharn“, säuselte sie und spielte gedankenverloren mit einer Strähne ihres Pechschwarzen Haares.
Nun war er wieder voll bei der Sache.
„Du willst in eine Sicherheitskammer einbrechen? Vergiss es, Caldera! Egal wen du schickst, die Wache würde ihn aufhalten. Du müsstest schon selbst gehen. Und bedenke, die Königs Schatten würden nur auf eine solche Gelegenheit warten, dich dingfest zu machen“, brauste er auf. Zumindest hoffte er das. Wenn Caldera herausfand, dass er innerlich lachte, wäre er auf der Stelle tot.
„Nein, ich werde nicht selbst gehen, Dummerchen“, lachte sie und stand auf. Ihr Negligé verrückte dabei und entblößte ihre rechte Brust.
„Nicht? Wen willst du dann schicken?“
„Jemanden, von dem die Königs Schatten nie ausgehen würden, dass ich ihn schicke“, säuselte sie und setzte sich auf seinen Schoß. Ohne es zu wollen wurde seine Hose zunehmend enger.
„Denn seien wir uns ehrlich, Liebster. Die Königs Schatten wissen doch genau, was ich vorhabe nicht?“
Ihr Finger fuhr unter sein Kinn und hob sein Gesicht an. Ihre Augen verwandelten sich von grün in rot.
„Darum dachte ich, ist es am besten, ich schicke dich!“
Er erstarrte. Verdammt! Sie hatte ihn durchschaut. Er musste hier weg!
Doch er konnte den Blick nicht von ihr lösen. Sie hatte ihn.
Er hatte einen Fehler gemacht. DEN Fehler. Jenen einen Fehler, für den er bezahlen würde müssen.
„Aber bevor du für mich in die Schlacht ziehst, wollen wir noch etwas Spaß haben“, hauchte sie und öffnete seine Hose. Aus den Augenwinkeln sah er, wie der Jüngling erwachte.
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

  • Mitglied
    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #22 am: 15. Februar 2008, 11:47:48 »
Eine ereignisreiche Nacht

Thalaën streckte sich ausgiebig, als sie endlich den Zug verließen. Die Zugfahrt war zwar recht angenehm gewesen, aber mehrere Tage hindurch nur sitzen war auch etwas langweilig. Und es tat den Gelenken nicht gut.
„Ich danke euch noch einmal“, vernahm er Elaydrens Stimme. „Mein Haus steht in eurer Schuld. Aber noch ist das Schöpfungsmuster nicht komplett. Kann ich auf euch zählen, sollte es uns gelingen das vierte Schema zu finden?“
„Bei dieser großzügigen Bezahlung? – Immer“, verlautbarte Thalaën.
„Gut. Aber es könnte noch etwas dauern. Sollte ich anderorts von interessanten Aufträgen erfahren, werde ich mich ebenfalls bei euch melden, beziehungsweise euch vermitteln. Seit ihr damit einverstanden?“
„Natürlich.“
„Nun denn.“
Elaydren gab jedem einzelnen die Hand und winkte dann ein Luftkutsche. Das Quartett blieb alleine auf dem Bahnsteig zurück.
„Wisst ihr, eigentlich mag ich diese Stadt nicht so sehr.“
Astamalia hatte ihre Schultern gegen den Regen hochgezogen. Ihnen allen – mit Ausnahme von Thalaën, dem die Schwüle nichts auszumachen schien – klebte die Kleidung wie eine zweite Haut am Körper.
„Im Hochsommer soll es hier noch schlimmer werden“, teilte Adamant den anderen mit. Das war etwas, was keiner von ihnen hören wollte.

***

Thalaën verschlang genüsslich sein Frühstück. Die Küche in Sharn war zwar seltsam, aber dennoch lecker. Vor allem war es möglich, Spezialitäten aus fast jedem Land zu bekommen. Nachdem Elaydren sie bezahlt hatte, war auch die Bezahlung dafür kein Problem mehr. Auch die anderen kosteten von den verschiedenen Leckerein, hielten sich aber deutlich mehr zurück als er.
Unverständlich war das.
Oben an der Eingangstür klopfte es.
„Adamant, geh doch du, wir sind gerade alle am essen“, bat Thalaën mit vollem Mund, was ihm einen schiefen Blick von Astamalia einbrachte, die gerade in der aktuellen Ausgabe des Sharner Kobolds blätterte.
Adamant stieg ohne Widerspruch die Treppe empor und machte auf um mit dem unangekündigten Besucher zu sprechen.
„Hört mal, was hier in der Zeitung steht“, unterbrach Astamalia die anderen beim Essen. „Ihr erinnert euch doch sicherlich noch an diesen Arkaban, den Professor, der kurz nach Bonal Geldem ermordet wurde, und nach den uns der Feldwebel befragt hat.“
Zweifaches nickten antwortete ihr.
„Nun, er steht auf dem Titelblatt: Sharn wird immer unsicherer! Nicht nur, dass die bekannteste und größte Stadt des Kontinents in den Klauen eines gefährlichen Fiebers liegt und Verbrecherorganisationen Unter-Dura fest im Griff haben, kommt nun das Verbrechen auch in die Oberstadt von Sharn. Augenblicklich scheint die Morgrave Universität unter keinem guten Stern zu stehen. Zuerst erschütterten die beiden Morden an Professoren Geldem (Lehrstuhl für Prä-Galifarsche Geschichte) und an Professor Arkaban (Lehrstuhl für Xen’drik) die noblen Hallen. In beiden Fällen tappen die zuständigen Behörden im Dunklen: „Wir tun, was in unserer Macht steht, aber diese dreisten Verbrecher sind uns im Moment immer noch einen Schritt voraus!“, so Feldwebel Dolom, welcher die Aufklärungsarbeit übernommen hat. Heute Nacht kam es zu einem erneuten Eklat: Das Grab von Professor Arkaban wurde geschändet und seine Leiche verschwand auf mysteriösen Wegen. Anrainer berichteten von vermummten, in smaragdgrüne und schwarze Mäntel gekleideten Menschen, welche sich am Grab zu schaffen gemacht haben. Ein weiterer Fall für die Stadtwache, die diesmal hoffentlich mehr Erfolg haben wird“, las sie den Artikel vor.
„Kling ganz danach, als hätte ihn der Orden der Smaragdklaue wieder ausgegraben“, überlegte Thalaën.
„Wir wurden eingeladen“, rief da Adamant von der Galerie und stapfte zu ihnen herab. In den Händen hielt er einen kleinen Brief, der stark an ein Billet erinnerte. „Einladung zum Festbankett des Barons Tamlet d’Orien. Heute Abend im Glitzerstaubklub. Abendkleidung erwünscht. Ich freue mich bereits auf Euer kommen“, zitierte Adamant den Text und gab dann die Einladung durch. „Kennt jemand diesen Baron?“
„Nein, aber das will nichts heißen. Vielleicht hat Elaydren ihm von uns erzählt“, überlegte Astamalia und gab die Karte an Esra weiter. „Ich denke wir sollten auf jeden Fall mal hingehen.“
„Ja, dort gibt es sicher was zu essen“, freute sich Thalaën, der gerade seinen letzten Teller von sich schob.
Astamalia ignorierte ihn.
„Aber dann müssen wir uns noch entsprechende Kleider besorgen. Ich habe vielleicht noch etwas, mit dem man auf einem solchen Bankett auftreten kann, aber ich nehme nicht an, dass ihr drei über etwas anderes als eure einfach Kluft verfügt?“
Die angesprochenen sahen an sich herab. Keiner schien etwas ans seinem Aussehen auszusetzen zu haben.
„Das wird schwerer als ich dachte“, seufzte die Magierin.

Oben an der Tür klopfte es erneut und Adamant stapfte wieder die Treppe empor ohne darauf zu warten, dass ihn jemand dazu aufforderte.
Die anderen unterhielten sich inzwischen weiter über die Einladung. Adamant öffnete die Tür und starrte den Mann davor erstaunt an. Adamant hatte, mit Ausnahme von Esra kaum noch andere Wandler hier in Sharn gesehen und der, der gerade vor ihrer Tür stand, passte so gar nicht in das Bild eines Stadtbewohners. Er sah mit seinen verfilzten Haaren und seinen etwas schäbigen Kleidern eher so aus, als wäre er gerade aus dem Wald gekommen.
„Ah, Entschuldigung“, murmelte er und blickte zu dem Kriegsgeschmiedeten empor. „Wohnt hier zufällig eine Esra Emorien?“
Adamant nickte.
„Ja. Kommen Sie doch herein.“
Er ließ den Wandler an sich vorbei und rief über die Galerie hinab:
„Esra! Besuch für dich!“
Esra blickte erstaunt vom Frühstückstisch auf und sprang dann erfreut auf, als sie den Wandler offensichtlich erkannte.
„Matuc! Was machst du denn hier!“
Die beiden Wandler fielen sich in die Arme.
„Ahm, willst du uns den Besuch nicht vorstellen?“, fragte Astamalia nach einer Weile.
„Oh“, machte Esra und deutete auf Matuc. „Das ist mein Freund und Mentor Matuc aus Grünherz. Er ist ebenso Jäger wie ich. Aber Matuc, was genau machst du hier? Nicht das ich mich nicht freuen würde, dich zu sehen, aber von Grünherz bis hierher, ist es doch eine ganz schöne Strecke. Und die Reise ist nicht billig.“
Matuc lächelte.
„Ich wollte dich unbedingt wieder einmal sehen. Herausfinden, wie es dir geht, was du so machst. Vor allem aber wollte ich dir einen Brief überbringen, den deine Eltern erhalten haben. Ich dachte, es wäre das beste, wenn du ihn persönlich erhältst und nicht durch einen Kurier eines der Häuser. Es betrifft deinen Bruder.“
Der Wandler zog einen sehr mitgenommen wirkenden Brief aus seiner Tasche und überreichte ihn Esra. Der Brief sah aus, als wäre er ins Wasser gefallen, oder aber auch, als ob jemand darüber geweint hätte.
Esras Hände zitterten, als sie ihn öffnete und zu lesen begann:

Hallo, geliebte Familie!
Ich möchte mich gleich einmal entschuldigen, dafür, dass ich mich all die Jahre nicht gemeldet habe. Nach unserem Streit, liebe Eltern, musstet ihr annehmen, dass ich tot sei! Umgekommen, in dem Krieg, der unsere Welt so schwer erschütterte. Ich hoffe, liebste Schwester, auch dein Kummer ist nicht zu groß. Vor allem aber hoffe ich, dass du unseren Eltern weniger Schmerzen verursachst und mehr Freuden bereitet hast, als ich. Darf ich mich bereits Onkel nennen?
Ihr werdet euch sicher fragen, warum ich mich, nach all diesen Jahren, ausgerechnet jetzt bei euch melde. Der Grund ist ein einfacher. Mein Leben verlief, nachdem ich Grünherz verlassen und nach Sharn gekommen war, nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Alles was ich anpackte ging schief, und am Ende entschied ich mich auch noch, auf der falschen Seite zu kämpfen. Dennoch kam ich als einer der wenigen cyrischen Soldaten mit dem Leben davon! Ja, ich kämpfte auf der Seite Cyres! Mit Ausnahme Aundairs gab es kein Land, welches bessere Magier hervorbrachte, und ein solcher wollte ich ja unbedingt werden. Nachdem Cyre vernichtet war, war ich etwas orientierungslos. Doch nun habe ich wieder etwas, für das es sich zu Leben lohnt – nein, liebe Mutter, keine Frau und auch keine Kinder. Aber ich habe Leute gefunden, die das richtige für uns alle wollen und ein besseres Khorvaire erbauen wollen. Der Weg wird nicht einfach sein, aber wir werden das schon schaffen. Im Moment ist alles noch viel zu gestresst und einige Leute stellen sich uns auch in den Weg – es scheint, sie wollen, dass die Welt so chaotisch bleibt. Sogar ein Wandler scheint darunter zu sein! Darum kann ich Euch noch nicht besuchen kommen. Aber bald, lieber Vater, liebe Mutter, liebste Schwester, werde ich nach Grünherz zurückkehren und euch mit mir in ein Paradies führen, wie ihr es Euch nicht vorstellen könnt!
   Divar


Zitternd faltete sie das Papier wieder zusammen.
„Er lebt also noch?“, flüsterte sie mit erstickter Stimme.
„Sieht so aus“, lächelte Matuc. „Auch wenn nicht ganz klar ist, was oder wem er sich angeschlossen hat.“
„Um was ging es denn eigentlich in dem Brief. Wenn man fragen darf“, mischte sich Astamalia abermals ein. Esra erklärte ihr es bereitwillig.
„Klingt danach, als hätte er sich dem Klingenfürsten angeschlossen. Aber was gäbe das für einen Sinn? Ein fleischliches Wesen würde der Fürst doch nie in seinen Reihen aufnehmen“, sinnierte Adamant.
„Richtig, also muss es etwas anderes sein. Er wird sicherlich wieder einen Brief schreiben, in dem er genaueres berichtet“, schlussfolgerte Thalaën, für den die Sache damit gegessen schien.
„Matuc, wenn du willst, kannst du hier wohnen, solange du in Sharn bist. Aber wir müssen heute noch einige Besorgungen machen und heute Abend sind wir auf einem Bankett eingeladen…“
Der Wandler lachte.
„Keine Angst, Esra. Ich habe nicht erwartet, dass du bei meiner überraschenden Ankunft viel Zeit für mich aufbringen wirst können. Keine Sorge, ich kann mich auch alleine beschäftigen. Ich werde die Zeit nützen und mir die Stadt etwas genauer ansehen. Das Angebot, hier zu nächtigen, nehme ich natürlich gerne an.“

***

Die Glocke über der Eingangstür läutete, als sie die Niederlassung von Turenhart & Kompanie hier in Sharn betraten. Das Geschäft befand sich in den höchsten Etagen der Türme und war dementsprechend nobel eingerichtet.
Sie waren die einzigen Kunden im Laden und daher dauerte es auch nicht lange bis ein skurril gekleideter Gnom auf sie zu trippelte.
„Eindeutig der Laden von Turenhart“, seufze Astamalia.
„Willkommen, willkommen! Ich begrüße euch bei Turenhart & Kompanie. Wie ich sehe, haben Sie vier meine Hilfe dringend notwenig. Was genau kann ich ihnen anbieten.“
Astamalia unterdrückte ein Lachen, als sie die verblüfften Gesichter der anderen sah. Sie hatten immer noch nicht eingesehen, dass einmal ein Kleidungswechsel angesagt war.
„Ja, wir brauchen eine Abendgarderobe für uns. Wir sind heute auf einem Bankett im Glitzerstaub eingeladen. Wir brauchen also etwas modisches, aber doch schickes.“
„Mhm“, machte der Gnom und umrundete jeden einzelnen von ihnen. „Ich hoffe, sie haben etwas länger Zeit. Setzen Sie sich doch. Kaffee, Kuchen? Bedienen sie sich. Ich fange inzwischen mit der Dame an“, fuchtelte er herum und deutete auf einen Teetisch und ein kleines Buffet. Dann schnappte er Esra an der Hand und führte sie in den hinteren Bereich des Geschäfts, wo ein Bereich durch Vorhänge vom Verkaufsraum abgetrennt war.
Astamalia nahm mit den anderen Platz.
Und wartete.
Sie warteten lange.
Doch als Esra wieder hervorkam standen sie geschlossen auf.
Thalaëns Unterkiefer klappte nach unten.
Adamant brummte etwas, das stark nach „Unglaublich!“ klang.
Und Esra fühlte sich offensichtlich nicht sehr wohl in ihrer Haut.
Sie trug ein schlichtes, fast bodenlanges Kleid in dunkelgrüner Farbe. Dazu glänzende Ohrringe und eine schlanke Halskette. Den Abschluss bildeten grüne Schuhe mit niedrigen Absätzen.
„Voila! Die Madame ist fertig. Wer will als nächster?“
Ohne eine Antwort abzuwarten entführte er Adamant. Astamalia war schon gespannt, welche Kleidung der Gnom dem massigen und breiten Geschmiedeten anlegen würde. Bis jetzt hatte sie Adamant nur in seinem schlichten Wappenrock gesehen, den Turenhart an Bord der Wellental etwas verbessert hatte.
Als er zurückkam musste Astamalia an sich halten um nicht laut loszulachen. Wobei Adamant im Grunde genommen gut aussah. Jedoch hatte sie noch nie in ihrem Leben einen Kriegsgeschmiedeten im Anzug gesehen.
Im Grunde war es ein edler schwarzer Smoking mit Fliege, Stock und Zylinder, den er trug. Nur seine Füße waren frei. Aber für die dreiklauigen Füße des Kriegsgeschmiedeten hatten sich wohl keine Schuhe gefunden.
„Ich fühle mich seltsam“, meinte er zerknirscht und blickte an sich herab.
„Daran wirst du dich gewöhnen“, munterte ihn Astamalia auf.
„Wer möchte als nächster?“, sah sich der Gnom nach seinem nächsten Opfer um.
„Ich bleibe in meiner Kleidung“, beharrte Thalaën, doch der Gnom schnappte ihn an der Hand und zerrte ihn, ohne Widerspruch zu zulassen, mit sich.
Astamalia konnte ein Lachen nicht verkneifen. Dieser Einkaufsbummel war lustiger, als sie ihn sich vorgestellt hatte.
Hinter dem Vorhang hörten sie Thalaën fluchen. Zumindest nahm Astamalia an, dass er fluchte, denn er sprach elfisch dabei. Aber es klang nicht nett.
Doch als er wieder herauskam, hatte Astamalia das Gefühl, dass es sich gelohnt hatte
Er trug immer noch valenarsche Tracht. Doch sie war golden und schien aus reinster Seide zu bestehen. Sowohl das Kopftuch, als auch die Stoffschuhe schimmerten in Gold und waren reichlich verziert.
„Wahnsinn! Verändert deine Persönlichkeit“, war Astamalia erstaunt. Aus dem rauen, wilden Elfen war ein stattlicher Mann geworden.
„Dann fehlt wohl nur noch eine junge Dame. Darf ich bitten?“, führte sie der Gnom als letzte in die Anprobe.
Doch Astamalia ließ sich auf nicht viel ein. Sie ergänzte ihre Robe aus Schöngewebe nur durch neue Schuhe, elegante Ohrringe und ein schickes Halstuch, welches ihr Drachenmal verdeckte. Doch sie fand, dass das ausreichte.

***

Es regnete leicht, als sie die Brücke zum Glitzerstaubklub überquerten. Vor dem Klub standen die beiden Hobgoblinwächter im Anzug und wiesen scharenweise Leute ab. Anscheinend war heute wirklich eine geschlossene Gesellschaft angesagt. Esra wich den Blicken der Leute aus, als sie in Astamalias und Adamants Windschatten auf den Eingang zumarschierten. Alle Welt schien sie anzustarren; sie die Wandlerin im teuren Kleid, auf den Weg in einen der besten Klubs der Stadt.
Das Getuschel wurde lauter, als die Wachen Astamalias Einladung sahen und sie freundlich durchwinkten.
Doch dann waren sie endlich im Inneren.
Ein Mann im Livree nahm sie in Empfang.
„Wen darf ich melden?“, fragte er nasal und blickte von einem zum anderen.
„Was geht dich das an?“, fauchte Thalaën ihn an und griff nach seinem nicht vorhandenen Säbel.
„Nicht doch“, beruhigte ihn Astamalia und nannte dem Mann ihre Namen, die er dann laut durch den Klub rief.
Esra war erstaunt und hatte nicht die geringste Ahnung, was das sollte. Aber Thalaëns Gesicht zu urteilen, war sie nicht die einzige, der es so erging.
Nur einige wenige Köpfe wandten sich in ihre Richtung, als sie die Treppe hinab stiegen. Gut Einhundert Leute waren zugegen und schienen sich blendend zu unterhalten. Überall huschten livrierte Diener mit Gläsern herum und an einer Wand stand ein gewaltiges Buffet. Esra fiel auf, dass die meisten Diener Kriegsgeschmiedete waren. Dafür waren fast alle geladenen Gäste Menschen. Kaum jemand zeigte die schlanken Züge eines Elfen oder die stämmige Gestalt eines Zwerges. Und Wandlerin war sie ohnehin die einzige.

Astamalia hatte die Personen ebenfalls rasch überflogen und winkte inzwischen einem Kellner, der mehrere Gläser Champagner auf einem Tablett trug und nahm sich einen herab. Thalaën tat es ihr gleich und griff in seinen Lederbeutel um einen Silberregenten hervorzuziehen. Der Diener und auch Astamalia sahen den Elfen irritiert an.
„Was machst du denn da?“, war Astamalia ehrlich verwirrt.
„Ich wollte bezahlen“, versuchte sich Thalaën zu rechtfertigen, steckte aber den Regenten rasch wieder weg.
„So etwas macht man auf einem solchen Bankett nicht. Hier ist alles gratis, der Gastgeber bezahlt für das Essen und die Getränke“, schüttelte Astamalia den Kopf und schickte den Diener mit einer Handbewegung wieder weg.
„Entschuldigt, aber ich kenne so etwas nicht. Auf Aerenal gibt es etwas in der Art nicht und seit ich auf dem Kontinent bin, ist das meine erste derartige Veranstaltung.“
„Dann beherzige dir diese Regel gleich einmal.“
„Danke. Kann ich noch etwas fragen?“
Astamalia nickte. Besser der Elf stellte ihr unhöfliche Fragen, als irgendjemandem sonst.
„Warum wollte der Mann am Eingang unsere Namen wissen und rief sie dann durch den Klub?“
Astamalia grinste.
„Ach das. Der Mann ist ein Ausrufer. Er kündigt so die Gäste an. Das ermöglicht es den bereits Anwesenden herauszufinden, wer die Leute sind, die gerade das Parkett betreten haben. Wir, beispielsweise, scheinen nicht besonders interessant zu sein. Zumindest haben sich nur wenige nach uns umgesehen, als wir genannt wurden.“
„Ah“, machte der Elf. Schien aber von der Notwendigkeit dieser Einrichtung immer noch nicht restlos überzeugt zu sein.
„So, ich werde mich einmal daran machen den Gastgeber zu suchen. Vielleicht kann ich herausfinden, warum wir heute hier eingeladen wurden und welchem Zweck dieses Bankett dient. Versucht in der Zwischenzeit uns nicht zu blamieren.“
„Ich werde es versuchen.“
Astamalia wollte sich schon abwenden, als sie Adamant in einer Ecke mit einem der Diener stehen und sprechen sah.
„Wo wir gerade bei Manieren sind, Thalaën. Es schickt sich nicht, mit dem Personal zu sprechen!“

Adamant stand mit Esra etwas unschlüssig in einer Ecke und begutachtete die Menge. Da er weder Essen noch trinken konnte, fühlte er sich etwas fehl am Platz. Und da Esra auch so aussah, als würde sie am liebsten auf der Stelle wieder gehen, fand er, dass sie ein gutes Paar abgaben.
„Ich freue mich, dich zu sehen, Bruder Adamant“, hörte er da die dunkle Stimme eines Kriegsgeschmiedeten.
Einer der Diener war neben ihm zum Stehen gekommen.
„Bollwerk!“, freute sich Adamant. „Lange nicht gesehen!“
„Gleichfalls, Bruder. Dir scheint es gut ergangen zu sein. Bist du nicht mehr im Tempel der Flamme?“
Adamant schüttelte den Kopf.
„Nein. Ich wurde auf verschlungenen Wegen zu einer Art Abenteurer, aber ich vertrete immer noch den Glauben der Flamme. Wie ist es dir ergangen?“
Sein alter Freund seufzte und sah sich kurz im Raum um. Doch niemand schien sie zu beachten.
„Leider nicht so gut, wie dir, scheint mir. Ich habe immer noch keine feste Anstellung gefunden. Obwohl wir unsere Bürgerrechte mit dem Ende des Krieges erhalten haben, werden wir immer noch wie Bürger zweiter Klasse behandelt. Dies ist die erste Arbeit seit meiner Ankunft hier in Sharn die ich erhalten habe. Und die Bezahlung ist sehr schlecht. Das ist auch ein Grund, warum sich fast nur Kriegsgeschmiedete gefunden haben sie zu machen. Außerdem werden wir schlecht behandelt. Fast schon so, als wären wir Sklaven und keine Angestellten.“
„Das tut mir leid. Vielleicht kann ich beim Tempel ein Wort für dich einlegen…“ versuchte es Adamant, doch der andere Kriegsgeschmiedete winkte ab.
„Danke, Freund. Aber ich habe dir bereits einmal gesagt, dass dieser Glaube nicht das richtige für mich ist. Nein, ich habe andere Pläne für die Zukunft. Ich habe von einem Kriegsgeschmiedeten im Klageland gehört, der die Vision einer Nation für unsere Rasse hat. Er wird der Klingenfürst genannt.“
Adamant stockte.
„Das kann nicht dein ernst sein. Der Weg des Klingenfürsten ist nicht richtig. Glaube mir. In den letzten Wochen haben seine Schergen mehrmals versucht mich und meine Freunde zu töten.“
Bollwerk seufzte
„Es mag sein, dass seine Methoden nicht immer die besten sind. Aber nur so haben wir eine dauerhafte Zukunft, das musst du doch sehen. Ich werde es mir auf jeden Fall einmal ansehen. Schlimmer als hier in Sharn kann es mir kaum ergehen.“
Adamant sah, dass er seinen alten Freund nicht von dieser Idee abbringen konnte und legte im sanft seine riesige Hand auf die Schulter.
„Ich hoffe du machst das Richtige, Freund. Auf jeden Fall wünsche ich dir für dieses Unternehmen viel Glück.“
„Das werde ich brauen können, Adamant. Immerhin weiß niemand, wo im Klageland der Klingenfürst den Grundstein für unsere Nation gelegt hat.“
Mit diesen Worten verneigte sich Bollwerk noch einmal vor seinem Freund und begann dann wieder seine Runde zwischen den Gästen zu drehen.

Nachdem Astamalia den Elfen die notwendigsten Dinge erklärt hatte, die er an dem heutigen Abend zu wissen brauchte, begann sie eine Runde zu drehen und sich nach dem eigentlichen Gastgeber umzusehen. Sie brauchte nicht lange zu suchen. Inmitten des Raumes stand ein etwas dickerer älterer Mann gemeinsam mit einem ebenso gut gekleideten jüngeren. Um diese beiden herum befand sich eine Traube stets wechselnder Besucher, die alle sehr gezwungen lachten.
„Es ist doch immer das gleiche. Sobald die Hohen zusammenkommen, scharen sich alle anderen um sie herum um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten“, hörte sie eine angenehme Stimme an ihrem Ohr. Erstaunt drehte sie sich um und erblickte einen gutaussehenden, recht muskulösen Mann mit kantigem Gesicht, dunklen Bartstoppeln und ebenso dunklem Haar. Es wunderte Astamalia, dass ihr der Mann nicht vorher schon aufgefallen war.
Nicht nur, weil er sehr gut aussehend war, sondern auch, weil er sehr dunkel gekleidet war und als einziger eine Waffe trug; en teuer aussehender Rapier baumelte an seiner linken Seite.
„Entschuldigt, ich habe mich noch nicht vorgestellt. Mein Name ist Kasha“, lächelte er und reichte Astamalia die Hand.
„Mein Name ist Astamalia“, stellte sie sich vor und war erfreut, als er ihr einen sanften Handdruck gab. Sie war schon zu lange nicht mehr in guter Gesellschaft gewesen.
„Und was führ Euch hierher?“, fragte er.
„Ich wurde gemeinsam mit meinen Freunden von Baron Tamlet d’Orien eingeladen, auch wenn ich noch nicht herausgefunden habe, was der Grund für diese Einladung war. Ich kenne diesen Baron nicht. Und was führt Euch hierher?“
„Die Pflicht. Ich bin offizieller Vertreter der Nation Karrnath hier. Aber ich bin erstaunt, dass Ihr von den irren Plänen des Herrn Barons noch nichts gehört haben.“
Astamalia sah Kasha interessiert an.
„Offizieller Vertreter? Irre Pläne? Tut mir leid, Kasha, aber ich war eine Zeit lang nicht in der Stadt und um ehrlich zu sein, stamme ich nicht einmal aus Breland, sondern aus Aundair. Ich bin etwas überfragt.“
„Nun, am besten, Ihr fragt den Baron selbst. Er scheint Euch ohnehin gerade entdeckt zu haben.“
Er nickte an Astamalia vorbei. Die Magierin wandte sich um und sah, dass die beiden gut gekleideten Männer, die sie vorhin beobachtet hatte, direkt auf sie zukamen.
„Ah, meine Ehrengäste sind ebenfalls gekommen. Es freut mich, dass Ihr Zeit hattet, meiner plötzlichen Einladung zu folgen. Gestatten, mein Name ist Baron Tamlet, der Gastgeber des heutigen Abends.“
Er küsste Astamalias Hand und lächelte sie überschwänglich an. Dann nickt er Kasha zu.
„Wie ich sehe, habt Ihr schon unseren Vertreter aus Karrnath kennen gelernt.“
Astamalia lächelte zurück.
„Ja, aber er wollte mir nicht verraten, warum meine Freunde und ich hier sind. Und mittlerweile würde mich das doch sehr interessieren.“
Der Baron wirkte ehrlich schockiert.
„Ihr habt noch nichts von meinen Plänen erfahren? Ich bin erstaunt. Aber auch erfreut. Das bringt mich in die angenehme Lage, endlich wieder einmal davon zu erzählen. Normweilerweise sind die Leute schon sehr voreingenommen, wenn sie das erste Mal mit mir persönlich sprechen.“
Beim letzten Satz warf er Kasha einen Seitenblick zu.
„Wie Ihr vielleicht wisst, wurde durch die Zerstörung Cyres die Blitzbahnstrecke in zwei Teile getrennt. Das hat zur Folge, dass der Warenverkehr aber auch der Personenverkehr umständlich immer wieder zwischendurch auf Schiffe umgeladen werden muss. Ein unhaltbarer Zustand. Darum habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, die Strecke durch das Klageland wieder befahrbar zu machen.“
Astamalia verkniff sich die Meldung, ob er verrückt geworden sei. Was sie vom Klageland gesehen hatte – und das war sicherlich nicht viel – hatte gereicht um ihr bewusst zu machen, dass es dort auch auf lange Sicht gesehen nichts mehr geben würde, außer mutierten Monstern. Und dieser Wahnsinnige wollte eine Blitzbahnstrecke dadurch bauen.
„Ich habe von Elaydren erfahren, dass Ihr euch im Klageland bereits auskennt. Darum dachte ich, Ihr wärt die richtige, um die alte Blitzbahnstrecke zu erkunden. Ich muss wissen, was sich alles auf der Strecke befindet, wie gut sie noch in Stand ist.“
„Klingt interessant“, antwortete Astamalia ausweichend.
„Ihr wollen doch das hübsche Püppchen nicht in diese unwirtliche Gegend schicken?“, fragte da der dickere Mann. Er schwenkte seinen leeren Becher.
„Du da! Bring mir noch etwas zu trinken!“
„Tut mir leid, ich bin kein Diener“, antwortete der angesprochene Adamant, der sich ebenfalls zur Gruppe gestellt hatte.
Erstaunt hob der dicke Mann eine Augenbraue.
„Ah, erstaunlich. Na dann könntet Ihr eurem Erschaffer einen Drink bringen?“
„Erschaffer?“, fragten Astamalia und Adamant wie aus einem Munde.
„Ah, ich habe noch nicht vorgestellt. Dies ist Baron Merrix d’Cannith, Leiter des Hauses Cannith hier in Sharn und in ganz Breland.“
„Ja ja, wissen wir doch alle. Was ist jetzt mit meinem Drink?“
Einer der Kriegsgeschmiedeten Diener nahm ihm sein Glas aus der Hand und ersetzte es durch ein neues. Der Baron schien es nicht einmal zu registrieren.
„Liebste, wenn Ihr diesen Auftrag meines geschätzten Verwandten annehmt, muss ich Euch für dümmer halten als Ihr wahrscheinlich seid“, wandte er sich wieder Astamalia zu. „Nie und nimmer wird er es schaffen, die Blitzbahn durch das Klageland wieder in Betrieb zu nehmen. Die Entwicklungskosten für eine besonders geschützte Bahn, ist hinausgeworfenes Geld. Aber ich werde ihn wohl nicht davon abhalten können. Wenn Ihr euch jedoch weigern würden, diesen Auftrag anzunehmen, dann würde dieses Projekt wohl etwas auf Eis gelegt werden.“
Astamalia zuckte mit den Achseln und sah Adamant an.
„Ich denke nicht, dass ich für die ganz Gruppe sprechen kann. Aber im Moment haben wir eigentlich immer wieder Aufträge hier in Sharn und ich bin mir nicht sicher, ob wir uns für längere Zeit im Klageland verpflichten wollen.“
Baron Tamlet lachte belustigt auf.
„Nicht doch. Das ganze Projekt wurde gerade erst begonnen. Bis es zu einer wirklichen Expedition kommt, wird es noch eine geraume Weile dauern. Ich wollte mich schon jetzt erkundigen, ob Ihre Gruppe prinzipiell Interesse daran hätte.“
Astamalia setzte zu einer Antwort an, doch der Baron winkte ab.
„Gebt mir noch keine Antwort. Überlegt Euch alles gut und sprecht auch mit den anderen Gästen hier; und natürlich auch Euren Freunden. Wenn Ihr mich dann kurz entschuldigen würdet, wie ich gerade sehe, sind weitere Gäste eingetroffen, die ich begrüßen sollte.“
Damit wandte er sich mehreren Damen zu, die gerade die Galerie herabkamen und ließ Astamalia und Adamant mit Kasha zurück.

Esra stand immer noch in der gleichen Ecke, wie zu Beginn und fragte sich langsam, was um alles in der Welt, sie noch hier auf dieser Veranstaltung hielt. Lustlos schwenkte sie ihr Glas und blickte in die Menge. Viel zu viele Menschen, viel zu viel Geschwafel. Zudem war die Luft hier sehr schlecht.
Ein junger Mann schlenderte auf sie zu. Er trug etliche schwere Ringe an jeder Hand, eine Goldkette um den Hals und teuer aussehende Kleidung. Die Knöpfe seines Hemdes waren fast alle geöffnet und gaben so den Blick auf seine muskulöse Brust frei. Er schwankte bereits etwas und stank nach hochprozentigem Alkohol.
„Aber hallo!“, rief er. „Wer bist denn du?“
„Esra Emorien“, antwortete die Wandlerin steif, als sich der Mann sehr nah an sie heranbewegte.
„Ah. Nun, du weißt sicher, wer ich bin.“
„Nein, weiß ich nicht.“
Ihr Gegenüber schien ehrlich erstaunt.
„Nun, dem kann rasch abgeholfen werden. Mein Name ist Kassus ir’Wynarn“, erklärte er feierlich und hielt Esra seine Hand zum Kuss hin.
Irritiert blickte sie ihn und seine Hand an.
„Solltet nicht Ihr es sein, der mir einen Handkuss gibt?“, fragte sie.
„Einem ir’Wynarn gibt man immer einem Handkuss. Ungeachtet des Geschlechts“, fauchte Kassus und wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum. Doch Esra ignorierte sie vehement, so dass er sie schließlich aufgebracht wieder senkte.
„Und, was führt dich hierher?“
„Eine Einladung von Baron Tamlet d’Orien.“
Kassus’ Interesse schien wieder erwacht.
„Ah, dann gehörst du sicherlich zu jenen Abenteurern, welche der Baron angeheuert hat. Willst du mir nicht davon berichten?“
„Ich denke nicht. Danke“, lehnte Esra ab. Doch Kassus ließ sich so leicht nicht abwimmeln.
„Vielleicht unter vier Augen. Bei mir?“
„Nein danke“, antwortete Esra scharf.
„Esra? Ich denke ich werde jetzt gehen“, hörte sie da Adamants stimmte und atmete innerlich erleichtert auf. „Ich kann mit solchen Feiern nicht sehr viel anfangen.“
Esra nickte.
„Ich werde dich begleiten.“
Sie drückte Kassus ihr Glas in die Hand und wandte sie auf der Stelle ab. Gemeinsam mit Adamant stapfte sie die Stufen hinauf und verließ das Bankett.

Um nicht noch mehr Fehler bei diesem formellen Anlass zu begehen und sich dadurch eine Strafpredigt von Astamalia anhören zu müssen, widmete sich Thalaën voll und ganz dem Buffet; welches, und das musste er wirklich bewundernd zugeben, sehr beeindruckend vielfältig war. Er hatte sogar einige Speisen aus Aerenal gefunden, auch wenn sie nicht ganz richtig zubereitet worden waren.
Nachdem er sich zum wiederholten Male seinen Teller gefüllt hatte, blickte er schmausend in die Runde. Die Gäste standen alle in kleinen Grüppchen zusammen und schienen sich sehr gut zu amüsieren. Astamalia lachte mit einem Mann, den Thalaën nicht kannte. Esra und Adamant waren nirgends zu sehen. Am anderen Ende des Raumes stand eine schöne Frau ebenso alleine wie er. Sie hielt gedankenverloren ein Glas Champagner in den Händen und ließ wie er den Blick durch den Raum schweifen, bis er auf ihm hängen blieb. Sie lächelte ihn an und blinzelte mir violetten Augen.
Thalaën spürte, wie ihm heiß wurde. Die Frau war groß, schlank, fremdartig gekleidet und die richtigen Rundungen zeichneten sich unter ihrem Umhang ab. Ihre Haut war sehr blass und stand in starkem Widerspruch zu ihren langen dunklen Haaren, die sie zu einem losen Knoten zusammengebunden hatte. Er merkte gar nicht, dass er sie beinahe anstarrte. Erst als sie ihren Platz verließ und zu ihm kam, wurde ihm klar, dass das wahrscheinlich nicht sehr höflich gewesen war.
„Hallo“, hauchte sie und lächelte ihn an, wobei sie ebene, weiße Zähne entblößte. „Du scheinst ebenso einsam hier zu sein wie ich.“
„Ahm, äh, ja. Scheint so“, stammelte Thalaën, der von der Person völlig fasziniert war.
„Mein Name ist Olashtai.“
„Ich bin Thalaën Tedaé.“
„Du stammst aus Aerenal?“, fragte sie. „Das ist weit von hier.“
„Du scheinst auch nicht von hier zu sein“, deutete Thalaën auf ihre Kleidung.
„Das ist richtig. Ich bin erst seit kurzem hier im Lande. Und auch ich komme von weit her.“
„Von wo genau kommst du denn her?“, fragte Thalaën und versuchte das Gespräch am laufen zu halten.
„Ist denn das so wichtig?“, winkte sie ab. „Bist du einer der Abenteurer, die der Baron anheuern will?“
Thalaën, der eigentlich immer noch keine Ahnung hatte, warum er mitsamt seinen drei neuen Freunden hier war, nickte einfach.
„Ja, zu denen gehöre ich. Du kennst den Baron?“
„Nur flüchtig. Ich habe ihn kennen gelernt, kurz nachdem ich in Sharn angekommen bin. Aber ich würde gerne mehr von dir erfahren. Wie wäre es, wenn wir den Klub verlassen und uns irgendwohin zurückziehen, wo es gemütlicher ist?“
„Ähm, ja. Aber ist es denn nicht auch hier sehr gemütlich? Das Essen ist doch ganz gut…“
„Ich habe eine Wohnung nicht weit von hier“, lächelte Olashtai und schnappte sich eine Flasche Champagner vom Buffettisch. „Dort ist es viel ruhiger als hier. Und wir beide passen doch in Wahrheit gar nicht so gut hierher. Wir sind doch beides Außenseiter.“
„Ähm, ja…“, fing Thalaën wieder an zu stammeln.
„Ich habe die Wohnung erst seit kurzem und ich habe ein ganz neues Bett dort“, hauchte ihm Olashtai ins Ohr.
„Wenn du dort reden willst…“, krächzte Thalaën, der merkte, dass sich seine Stimme fast überschlug.
„Nun, wenn du unbedingt reden willst“, kicherte sie. „Eigentlich hatte ich etwas anderes im Sinn. Also, was ist nun?“
Anscheinend hatte er eine Sekunde zu lange gezögert, denn sie nahm ihn am Arm und führte ihn in Richtung Ausgang. Etwas überrumpelt ließ sich Thalaën von ihr mitziehen.

Astamalia konnte sich nicht erinnern, wann sie sich in letzter Zeit so gut unterhalten hatte, wie heute. Kasha war ein hervorragender Gesprächspartner. Intelligent, gebildet und witzig. Zudem war er ein guter Zuhörer und so konnte sie die besten Episoden ihres vergangenen Abenteuers zum besten geben.
Als sie plötzlich jemand an die Schulter tippte, war sie daher über die Unterbrechung auch nicht sonderliche erfreut. Sie hatte immer noch Tränen in den Augen, von dem Witz, den Kasha ihr gerade erzählt hatte und den sie unbedingt einmal ihren Kameraden erzählen musste, als sie sich umwandte. Vor ihr stand der Gastgeber, breit grinsend.
„Tut mir leid, Euch so zu stören. Aber ich dachte, Ihr solltet vielleicht auch noch meinen Neffen kennen lernen. Er hat gerade erst vor kurzem die Magierakademie in Arkanix abgeschlossen und wird mir bei der Verwirklichung meiner Pläne helfen. Vielleicht habt Ihr einige Fragen an ihn, die Ihr mir nicht stellen wollt. Darf ich vorstellen, Fraedus d’Orien.“
Astamalia spürte, wie ihr heiß und kalt zugleich wurde. Sofort hatte sie Kasha vergessen und nur mehr Augen für den Burschen, der neben Tamlet stand.
„Fraedus!“, rief sie und versuchte den Drang zu unterdrücken, ihm um den Hals zu fallen.
„Ah, Ihr kennen euch?“, war der Baron überrascht.
„Ja, wir waren in derselben Klassen in Arkanix, Onkel“, klärte Fraedus auf und grinste Astamalia dabei bis über beide Ohren an.
„Nun, dann denke ich, wird es viel mehr zu besprechen geben, als nur mein Projekt. Dann will ich nicht weiter stören. Kasha, was haltet Ihr von einem gemeinsamen Drink?“
Das lange Gesicht des Karrnathi, der vom Baron an die Bar geführt wurde sah Astamalia nicht, sie hatte nur Augen für Fraedus.
„Komm“, flüsterte er. „Es gibt hier einige Separées, wo wir ungestört sind.
Er ging voraus und Astamalia hatte das Gefühl, dass er ebenso das Bedürfnis hatte zu rennen, wie sie selbst. Doch sie beherrschten sich beide und gingen langsam durch die Menge. Fraedus schüttelte vereinzelt ein paar Hände und hielt ihr dann die Tür zu einem Separée auf. Zitternd trat sie ein, hinter sich schloss er die Tür.
„Fraedus! Du hast mir so gefehlt!“, rief sie und fiel ihm um den Hals, bedeckte ihn mit Küssen.
„Du mir auch!“, seufzte er in ihr Haar.
Plötzlich durchzuckte Astamalia eine Befürchtung und schob ihn sanft von sich.
„Weiß dein Onkel von uns?“
Fraedus schüttelte heftig den Kopf.
„Nein! Sei unbesorgt! Er wird keinen Verdacht schöpfen.“
Er zog sie wieder an sich, küsste sie stürmisch, schob sie sanft nach hinten.
Astamalia spürte einen Tisch unter sich, auf den Fraedus sie drängte, spürte seine Hände überall auf ihrem Körper. Rasch begann er damit sie aus ihrem Kleid zu schälen. Sie grinste und begann ihm dabei zu helfen. Sie hatte schon zu lange auf ihn gewartet!

***

Olashtais Wohnung befand sich wirklich nur einen Turm weiter. Sie war sicherlich hübsch eingerichtet, dachte sich Thalaën. Aber ob das der Wahrheit entsprach konnte er nicht feststellen, denn außer dem Schafzimmer sah er nicht viel. Kaum war die Tür hinter ihnen geschlossen, stürzte sie sich auf ihn, riss ihm seine Kleidung vom Leib, drängte ihn ins Schlafzimmer auf das riesige weiche Bett.
Keuchend kam sie auf ihm zu sitzen, zog sich selbst die letzten Fetzen Kleidung aus, den sie noch am Leib trug. Thalaën starrte bewundernd zu ihr hoch.
Ihr Körper schien makellos, perfekt geformt, die Haut ohne jede Verunreinigung, der Bauch flach, die Brüste: perfekt.
Doch noch bevor er sich satt sehen konnte, hatte sie den Knoten in ihren Haaren gelöst und sich voll seinem Körper gewidmet. Seine Aufmerksamkeit war dahin.

Die ersten Sonnenstrahlen drangen durch das Fenster in das Schlafzimmer, als sich Olashtai mit einem seufzen von ihm herunterrollte. Thalaën hatte das Gefühl gerade einen wilden Kampf hinter sich zu haben. Jeder einzelne Muskel in seinem Körper tat weh. Aber er hatte sich noch nie so entspannt und so glücklich gefühlt.
Auch Olashtai trug ein breites Lächeln zur Schau und ihre Augen waren ganz klein, als stünde sie knapp vor dem Einschlafen. Das konnte Thalaën nur recht sein. Nach all den Stunden brauchte er endlich eine Ruhepause. Olashtai hatte bis jetzt noch keine gebraucht.
„Weißt du, dass du der erste Elf warst, mit dem ich Sex hatte?“, murmelte sie. „Du hast mich praktisch entelft.“
Sie kicherte über diesen Wortwitz.
„Nun, es war auch mein erstes Mal mit einer… Bist du eigentlich ein Mensch?“, fragte Thalaën, doch Olashtai ging nicht darauf ein.
„Stimmt es, dass ihr Elfen keinen Schlaf braucht?“, fragte sie schläfrig und fuhr sanft mit ihrer Hand über seine nackte Brust.
„Ja, das ist richtig.“
„Dann hast du also noch nie geträumt?“
„Nein.“
Olashtai setzte sich wieder auf.
„Hast du dich nie gefragt wie es ist? Wenn man träumt, wenn man schläft?“
Thalaën dachte nach und nickte schließlich.
„Doch schon.“
„Willst du träumen? Ich kann dich träumen lassen?“
Thalaën sah sie erstaunt an. Er glaubte an einen Scherz, aber sie wirkte vollkommen ernst und wach.
„Nun, warum nicht“, antwortete er unsicher.
Sie lächelte nun und setzte sich wieder auf ihn. Bei dem Anblick der sich ihm bot, konnte Thalaën eine erneute Erregung nicht verhindern. Doch diesmal schien Olashtai kein Bedürfnis danach zu haben, erneut Sex mit ihm zu haben. Starr blickte sie ihn an und legte ihm ihre Hände an die Schläfen.
„Schließ deine Augen. Schließ deine Augen und schlafe. Schlafe. Schlafe und Träume. Shtak ath kash. Kash!“
Ein merkwürdiges Gefühl erfasste Thalaën. Seine Glieder wurden schwer, seine Augenlieder sanken herab und er unterdrückte ein Gähnen. Er war müde!
Dann sank sein Kopf zur Seite und er war eingeschlafen.

***

Astamalia glaubte sterben zu müssen. Nie wieder würde sie auf einem Tisch in einer Bar schlafen. Ihr Rücken schien zu brechen, als sie aufstand. Aber sie beschloss, dass es das wert gewesen war. Zumal es Fraedus nicht besser ging. Er schien nur etwas mehr in Eile zu sein als sie. Er hatte sich schon wieder fast ganz angezogen.
„Schnell! Es ist schon spät. Mein Onkel erwartet mich zum Mittagessen und wird Verdacht schöpfen, wenn ich dann immer noch nicht aufgetaucht bin.“
Mittagessen?
Erschrocken sah Astamalia aus dem Fenster. Draußen stand die Sonne hoch am Himmel. Es war wirklich schon Mittag? Rasch griff sie nach ihrem Kleid und schlüpfte wieder hinein, richtete es her, so gut es wieder ging. Es war nicht nett behandelt worden, in der letzten Nacht.
Dabei musste sie grinsen.
„Wann kann ich dich wieder sehen? Wo kann ich dich finden?“
„Ich bin in nächster Zeit in Wroat. Aber ich habe keine Ahnung, wie lange mein Onkel mich dort lassen wird und wann er mich woanders hinschickt. Aber ich werde dir schreiben. Mein Onkel hat ja deine Adresse. Ich denke nicht, dass das auffallen wird, wenn wir uns regelmäßig Briefe schreiben.“
„Ja, gut“, flüsterte Astamalia. Irgendwie verschwand ihr Glücksgefühl rasch wieder. Dieses ewige Verheimlichen dieser Beziehung war schwer. Und die langen Trennungspausen machten es nicht besser. „Ich werde dir schreiben. Du mir auch?“
„Natürlich“, versicherte Fraedus und gab ihr einen Kuss. „Und nun komm. Wir müssen los.“

***

Die Strahlen der Abendsonne weckten Thalaën wieder. Er war verwirrt und brauchte seine Zeit, bis er sich wieder auskannte, wo er war. Er lag immer noch in dem breiten Bett, nackt und ohne Decke, alle viere von sich gestreckt. In seinem Kopf waren verwirrende Erinnerungen, die so nicht stimmen konnte. Ob das Träume waren?
Er sah sich um.
Olashtai war nirgends zu sehen.
Er lauschte.
Kein Geräusch war aus der Wohnung zu hören.
„Olashtai?“
Niemand antwortete. Doch ein Brief und ein violetter Stein, die auf dem Nachtkästchen lagen, stachen ihm ins Auge. Er griff nach dem Brief:

Es tut mir leid, dass ich nicht auf dich warten konnte. Ich hoffe du hast gut geschlafen und geträumt. Wahrscheinlich werden sich unsere Wege bald wieder kreuzen. Hoffentlich dauert es nicht zu lange. Bis dahin soll dieser Stein dich immer an diese Nacht erinnern. Ich hoffe, du hattest soviel Spaß wie ich.
Olashtai


Thalaën lächelte und sah sich den länglichen Stein an. Er war recht hübsch und hatte die Farbe ihrer Augen. Ein dünnes Lederband ermöglichte es ihn um den Hals zu tragen.
In Erinnerungen schwelgend legte er es an und suchte dann seine Kleider zusammen um sich auf den Weg zu seinen Kameraden zu machen.

***

„Und du musst wirklich schon abreisen?“, fragte Esra betrübt.
„Ich denke nicht, dass ich noch mehr von dieser Stadt sehen möchte“, lehnte Matuc ab. „Aber es war mir eine Freude, dich wieder zu sehen. Und es ist gut zu wissen, dass es dir gut geht. Und dass du gute Freunde gefunden hast. Lass den Kopf wegen deinem Bruder nicht hängen. Der Brief sagt uns immerhin, dass er noch am Leben ist.“
„Ja, das tut er“, nickte Esra.
„Wenn er erneut von sich hören lässt, werde ich dich benachrichtigen.“
„Und ich werde schreiben, wenn ich etwas herausfinde.“
Matuc lächelte.
„Wenn ihn einer finden kann, dann du Esra. Die beste Fährtenleserin von Grünherz.“
Er umarmte sie freundschaftlich und öffnete die Tür, die Thalaën von der anderen Seite gerade öffnen wollte.
„Ihr verlasst uns?“, war der Elf verblüfft.
„Ja“, nickte Matuc und gab ihm die Hand. „Lebt wohl.“
Er nickte Esra noch einmal zu und marschierte dann durch die Gassen davon. Die beiden blickten ihm nach, bis Esra plötzlich laut die Luft durch die Nase einzog.
„Du stinkst“, stellte sie fest.
Thalaëns blasser Teint wurde blassrosa und rasch zwängte er sich an der Wandlerin vorbei in die Wohnung. Esra schüttelte den Kopf. Nicht einmal Astamalia hatte so stark gerochen, als sie vor Stunden in die Wohnung gekommen war, und das war schon kaum auszuhalten gewesen. Aber der Elf. Das war ja fürchterlich. Dass man sich so auf die Straße wagen konnte. Erstaunlich!

***

„Das ist unmöglich! Warum sollte er auch so etwas tun? Er hat keinen Grund dazu!“
„Er hat es aber getan. Und nun müssen wir ihn aufhalten. Anscheinend hat er vor kurzem die Stadt in ihrer Kutsche verlassen.“
„Er ist zu ihr übergelaufen? Aber warum versteckt er sich dann nicht in der Stadt, in ihrem Mausoleum?“
„Das wissen wir nicht. Aber wir müssen ihn aufhalten. Anscheinend ist er auf dem Weg nach Trolanhafen. Wir wissen aber nicht, wohin er dann weiter will. Er und die Waffe dürfen aber auf keinen Fall in die falschen Hände geraten.“
„Ich werde sofort einige Agenten losschicken…“
„Nein, das ist keine gute Idee. Er war sehr bekannt und beliebt unter seinen Kollegen. Das könnte zu Verwicklungen führen. Außerdem, vielleicht hat er vielleicht einige der Männer auf seine Seite gezogen. Das dürfen wir nicht riskieren. Ich dachte an eine unabhängige Abenteuergruppe.“
„Hm… Habt Ihr da an jemand bestimmten gedacht?“
„Ja. Eine alte Freundin hat mir gerade gestern von vier Abenteurern erzählt, die anscheinend sehr brauchbar sein sollen. Wir werden diese auf den Fall ansetzen.“
„Nun, wenn Ihr meint…“
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

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    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #23 am: 23. Februar 2008, 10:59:08 »
Affen und andere Gefahren

Es war ruhig in der Wohnung. Adamant saß im Wohnzimmer und schrieb einen Brief an Bollwerk. Er musste irgendwie versuchen, seinen Freund davon abzubringen, sich dem Klingenfürsten anzuschließen. Mittlerweile war es ein recht langer Brief. Aber immer noch war er der Meinung mehr sagen zu müssen. Bollwerk hatte so überzeugt geklungen, von seiner Idee ins Klageland zu ziehen und den Fürsten zu finden.
Es klopfte an der Tür.
Irritiert sah Adamant auf. Es war praktisch noch mitten in der Nacht. Dennoch stand er auf und öffnete die Tür. Davor stand ein etwas verschlafen aussehender Bote des Hauses Orien. Derselbe, der bereits vor zwei Tagen hier gewesen war und die Einladung des Barons überbracht hatte.
„Eine Nachricht für Euch“, gähnte er. „Scheint wichtig zu sein.“
„Danke“, brummte Adamant und warf ihm einen Silberregenten zu.
Der Kurier brummte noch etwas und verschwand wieder in der Dunkelheit. Adamant öffnete den Brief. Zwei Seiten befanden sich auf dem Kuvert. Auf dem einen waren vier Platinmünzen mit Wachs aufgeklebt. Auf dem zweiten standen einige wenige Zeilen:

Diese Münzen haben viele Freunde, die euch ebenfalls gerne kennen lernen würden. Kommt zur Mittagszeit zur Nordosttreppe des Myriadenturms in der Oberstadt. Bringt Reiseausrüstung und eure Vertrauten mit. Ein Sinn für Eile und Diskretion wäre ebenfalls angebracht. Gebt dem Wächter am Fuß der Stiege dieses Schriftstück und er wird euch passieren lassen. Ihr kommt mit besten Empfehlungen der Dame E. d’C.
V.


Unter dem V. war noch eine stilisierte Laterne aufgezeichnet, mit der Adamant nicht sehr viel anfangen konnte.
Ein neuer Auftrag also. Und diesmal nicht von der Dame Elaydren. Er war gespannt, um was es diesmal gehen würde. Interessiert blickte er auf die große Pendeluhr im Wohnzimmer. Es war noch früh und sie mussten erst mittags am Myriadenturm sein. Er brauchte die anderen also noch nicht zu wecken. Aber vielleicht würde Thalaën diese Nachricht schon interessieren.
Leise ging er zum Zimmer des Elfen und klopfte. Niemand antwortete. Etwas erstaunt öffnete Adamant die Tür. Normalweise saß Thalaën mit überkreuzten Beinen im Bett, wenn er meditierte. Heute jedoch lag er im Bett, die Augen geschlossen, die Bettdecke bis zum Kinn hochgezogen. Und er schnarchte leise.
Adamant wunderte sich etwas. Bis jetzt hatte er immer gedacht, dass Elfen keinen Schlaf benötigen würden. Anscheinend hatte er sich geirrt.
Nun, die Benachrichtigung konnte warten.

***

„Ich bringe ihn um! Ich bringe den verdammten Mistkerl mit meinen eigen Hände um!“, schrie die Frau aus Leibeskräften, so dass ihre grelle Stimme durch die leeren Korridore halte und das Klacken ihrer hohen Absätze übertönte. „Wie bei allen Dämonen konnte er sich von mir trennen? Das ist unmöglich!“
Sie stieß eine schwere Eisentür auf und betrat einen Fackelerleuchteten Raum.
„Urosh! Nichtsnutziger verfaulter Sack! Hierher!“, kreischte sie.
Eine Gestalt schlurfte aus der Dunkelheit auf sie zu. Anscheinend war sie normal nicht so schnell unterwegs, denn sie stolperte fast über ihre Füße.
Vor ihr warf sie sich nieder und robbte an sie heran. Bandagen hingen von ihrem fauligen Körper.
„Ih’ habt ge’ufen?“, krächzte er. Es klang, als hätte er keine Zunge mehr.
Sie trat mit ihren Stiefeln nach ihm und sein Kopf schlug hart zurück, so dass er nun zu ihr aufsah.
„Sieh mich gefälligst an! Ich brauche keine scheinheilige Unterwürfigkeit! Nicht jetzt!“
Sie starrte in die leeren Augenhöhlen der Gestalt unter ihr. Das bandagierte Gesicht schien Angst auszuströmen, was ihre Stimmung etwas verbesserte. Aber nur minimal.
„Er hat es gewagt zu verschwinden! Mit meinem Schwert! Und in meiner verdammten besten Kutsche! Kannst du dir das vorstellen, Urosh?“
„Nein, meine He’’in. Kann ich nicht.“
„Unterbrich mich nicht!“, fauchte sie und trat abermals nach ihm. „Finde diesen Verräter! Bringe ihn zu mir zurück! Bring mir meinen treuen Untertanen und Gespielen zurück! Mit der Waffe und meinem Wagen! Und ich will ihn lebend, verstehst du?“
„Ja, meine He’’in.“
„Ich will ihn selbst umbringen! Und ich will wissen, wie er das geschafft hat. Wage es nicht mich zu enttäuschen, Urosh! Du würdest es bitter bereuen! Und das willst du doch nicht“, säuselte sie mit gefährlicher Stimme. Die Gestalt vor ihr sank in sich zusammen und schüttelte so heftig den Kopf, dass sich Bandagen davon lösten.
„Man hat mir berichtet, dass er auf der Oststraße unterwegs ist. Finde ihn! Und pass auf, die Schatten setzen sicher Leute auf ihn an, um ihn zurückzubringen. Und nun verschwinde!“
Sie trat noch einmal fest nach ihm, so dass er rücklings auf den Boden stürzte. Ohne sich noch einmal umzudrehen ging sie den Gang wieder zurück. Das Klacken ihrer Stiefel verhallte in der Ferne.

***

„Guten Morgen Botschafter“, begrüßte er den Mann hinter dem schweren Schreibtisch. Hinter den Fenstern des Büros waren die ersten Schemen der Türme zu sehen, die sich aus der Morgendämmerung herausschälten.
„Ah, Oberst. Danke, dass Ihr so rasch Zeit hattet“, gähnte der Botschafter. „Setzt Euch doch.“
Während er Platz nahm und seine Uniform glatt strich gähnte sein Gegenüber noch einmal herzlich. Er trug einen Morgenmantel und die Haare standen in den wildesten Richtungen von seinem Kopf ab. Er hoffe, dass er ein besseres Bild abgab.
„Wir haben gerade die Nachricht eines unserer Agenten erhalten, dass in der Schatzkammer eingebrochen wurde.“
„Pech. Aber was geht das uns an?“, fragte er. Auch wenn er weniger Schlaf brauchte als der Botschafter, so ließ er sich doch ungern mitten in der Nacht in ein Büro zitieren.
„Es wurde etwas gestohlen, dass einmal uns gehörte. Und wie es aussieht ist es wieder auf dem Weg in die Heimat“, grinste der Botschafter und schob ihm ein Blatt Papier zu. Der Oberst las die wenigen Zeilen darauf und hob erstaunt die Augenbrauen.
„Ich bin beeindruckt. Konnte dieses erfreuliche Ereignis nicht bis zum Frühstück warten?“
„Nein, leider, Herr Oberst. Es ist davon auszugehen, dass Breland uns dieses Fundstück nicht so einfach überlassen wird. Ebenso wenig wie die Waffe selbst. Daher werdet Ihr dafür sorgen müssen, dass es auch sicher in der Heimat ankommt. Ihr wisst selbst, wie schlecht unser Geheimdienst ist, darum seid Ihr der Mann der Wahl. Brecht heute noch auf. Bleibt unauffällig, aber unternehmt alles, damit unser Eigentum über die Staatsgrenzen kommt.“
„Wie Ihr wünscht, Botschafter.“
„Gut. Hier sind Ihre Papiere und ihre Tickets. Wir gehen davon aus, dass er alte Verbindungen nutzen wird, um zu uns zu kommen. Darum nehmen wir an, dass wir sein nächstes Ziel kennen. Genauere Details entnehmt bitte der Akte“, womit er einen recht schmalen Ordner über den Tisch schob. „Beeilt Euch. Das Schiff geht in einer Stunde. Viel Erfolg, Oberst.“
„Danke, Herr Botschafter.“

***

Thalaën war immer noch etwas benommen, obwohl der frische Wind, der ihm durch Gesicht fuhr, seine Geister rasch belebte. Er hatte eigentlich nicht angenommen, dass er eine weitere Nacht schlafen würde. Aber es war geschehen. Er hatte sich zur Meditation hingesetzt und war dann heute Morgen aufgewacht, als ihn Adamant geweckt hatte. Wie war das möglich? Was hatte diese Olashtai mit ihm angestellt?
Die Luftkutsche legte sich in eine sanfte Kurve und er hielt sich fest, als sie wieder tiefer nach unten sanken.
„Wissen wir etwas über einen V.? Oder jemanden, der eine Laterne als Erkennungssignal nutzt?“, fragte Astamalia zum wiederholten Male, während sie den Brief in ihrer Hand musterte.
„Nein. Aber wir werden bald erfahren, um wen es sich handelt“, gab Esra zurück, die während des ganzen Fluges ihre Augen geschlossen hatte. Sie war offenbar kein Freund dieser Transportmethode. Thalaën konnte es ihr nicht verdenken. Auch er hatte lieber festen Boden unter den Füßen.
„Der Myriadenturm“, verkündete ihr Fahrer, als die Kutsche sanft auf einer offenen Plattform aufsetzte. Astamalia bezahlte ihn und nacheinander stiegen sie aus; sofort erhob sich die Kutsche wieder in die Lüfte und ließ sie zurück. Vor ihnen erstreckte sich eine Turmspitze in den wolkenverhangenen Himmel und ein schweres Eisentor blockierte den Zugang zu der dahinter liegenden Treppe nach oben. Interessiert sah sich Thalaën um. Von einem Wächter, wie in dem Schriftstück die Rede war, war nichts zu sehen. Nur ein Bettler saß zusammengekauert an eine Mauernische. War es vielleicht nur ein Gag gewesen, dass man sie hierher bestellt hatte?
Auch die anderen schienen ratlos zu sein, was Thalaën beruhigte. Er tendierte oft dazu, etwas offensichtliches zu übersehen, doch diesmal schienen ihm die anderen nicht voraus zu sein.
Da ihm nichts anderes einfiel ging er zu dem Bettler hin.
„Entschuldigt, wisst Ihr vielleicht etwas von einem Hüter, der hier normalerweise das Tor bewacht?“
Als Antwort hob der Bettler eine kleine Schale und schwenkte damit auffordernd herum. Seufzend zog Thalaën einen Silberregenten hervor und ließ ihn in die Schale fallen.
„Vielen Dank. Aber das ist der falsche Schlüssel“, ertönte die recht kräftige Stimme des Bettlers.
Falscher Schlüssel? Ah, Schlüssel.
Er ging zu Astamalia, die inzwischen das Schriftstück abermals durchlas, in der Hoffnung, etwas übersehen zu haben, und nahm es ihr aus der Hand. Damit kehrte er zum Bettler zurück und warf es in die Schale.
„Das ist der richtige Schlüssel“, bedankte sich der Bettler und das schwere Eisentor schwang wie von Geisterhand auf.
„Dann seid Ihr der Wächter?“, war Thalaën erstaunt.
„Ihr seid mir ein ganz ein schlauer“, gab der Mann lachend zurück.
Thalaën schnaubte und schloss sich den anderen an, die bereits die Treppe erklommen.

Die Steintreppe führte sie bis in das oberste Stockwerk des Turms, das anscheinend zur Gänze von einem großen Glashaus eingenommen wurde. Durch das Glasdach fiel das ungefilterte Licht der Mittagssonne und die Luft im Raum war daher sehr heiß; aber auch feucht. Eine unangenehme Kombination, fand Esra.
Nur wenige Meter vom Eingang entfernt saß ein Mann an einem Arbeitstisch am Rande dieses überdachten Dschungels. Der Mann war bleich und wirkte irgendwie ausgezehrt und so, als hätte er wenig geschlafen. Er war offenbar gerade damit beschäftigt Orchideen in einer Vase zu arrangieren.
Über der Rückenlehne seines Stuhls hing eine lederne Satteltasche und am Stuhl selbst lehne ein silberner Gehstock.
Als sie vor ihm stehen blieben sah er auf und musterte sie interessiert.
„Ich grüße Euch“, begrüßte er sie mit einer flüsternden, trockenen Stimme. „Ich bin Viorr Malaek. Ich hoffe euch gefällt mein kleines, privates Stück Wildnis.“
„Wir sind dann wohl die Leute, denen Ihr einen Brief geschrieben habt. Warum sind wir hier?“, erkundigte sich Esra und warf dabei einen Blick über seine Schulter in den dichten Dschungel.
„Nun, ich habe einen Auftrag für euch. Es handelt sich um einen Auftrag, der euch reich machen wird“, fügte er lächelnd hinzu. Er griff in eine Tasche und holte einige Phiolen hervor, die er vor sich auf den Tisch stellte.
„Doch bevor ich euch anheuern kann, müsst ihr noch einen Test bestehen. Hier im Gewächshaus treibt sich ein wild gewordener Affe herum. Ihr müsst ihn besiegen, ohne ihn zu töten. Ihr könntet ihn mir bewusstlos liefern, schwer verwundert, oder ihn auch auf magischem Wege niederringen. Ihr dürft ihn nur nicht töten. Das in den Phiolen sind Heiltränke. Benutzt sie, wenn ihr sie braucht. Und bitte seid vorsichtig: Der Affe ist Fleischfresser und er ist ziemlich hungrig.“
„Darf ich fragen, woher Ihr Dame Elaydren kennt?“, erkundigte sich Astamalia.
„Ich gehe des Öfteren mit ihr Essen. Aber alle weiteren Frage bitte erst nach diesem kleinen Test“, wehrte Viorr ab.
„Und warum sollen wir diesen Affen lebendig fangen? Und was ist das überhaupt für ein Affe?“, hakte Esra nach, die etwas großes in dem Dschungel witterte.
„Es ist doch nicht etwa einen Pavian? Diese Tiere sind mir nämlich heilig…“, fügte Thalaën hinzu.
„Nein, kein Pavian. Der Affe ist groß und es soll ein Test sein“, erklärte Viorr ärgerlich. „Wollt ihr euch nun an die Arbeit machen, oder soll ich mir eine andere Gruppe suchen?“
„Schon gut“, wehrte Esra ab. „Wie gehen wir vor?“, fragte sie die anderen in der Gruppe.
„Ich könnte ihn einschlafen lassen“, schlug Astamalia vor. „Wenn er nicht zu mächtig ist.“
„Und danach könnten wir ihn fesseln“, nickte Esra zustimmend.
„Sonst kann auch ich versuchen, ihn einfach festzuhalten“, schlug Adamant vor und klopfte sich selbst auf seine metallene Brust.
„Dann mal los“, grinste Thalaën und schwang seinen Säbel.
Langsam arbeiteten sie sich in den Dschungel hinein vor, Viorr blieb hinter ihnen zurück. Vorsichtig ließ Esra ihren Blick zwischen den Bäumen und dem Boden hin und her pendeln. Ihr wäre viel wohler zu Mute, wenn sie genau wüsste, was auf sie zukommen würde.
Da in den Bäumen! Sie stockte, als sie den riesigen Berg Fleisch und Fell sah, der sich elegant aus dem Baum schwang und mit einem lauten Krachen auf dem Boden landete. Sie schluckte. Der Affe war fast drei Meter groß und ließ ein ohrenbetäubendes Brüllen hören.
„Astamalia! Jetzt!“
„Somnus ilico!“, war die Stimme der Magierin zu hören. Doch der Zauber zeigte keine Wirkung und das Monster stürmte auf sie zu.
„Er ist zu stark!“, rief Astamalia den anderen zu.
Na toll, dachte Esra. Das half ihr jetzt auch nicht weiter.
Ein Schatten sprang zwischen sie und den Affen. Ein blitzendes, wirbelndes etwas in der Hand. Blut spritzte auf die Blätter der Bäume und das Monster heulte getroffen auf. Dann holte es jedoch mit seiner Pranke aus und schlug nach Thalaën, der sich so mutig in den Weg geworfen hatte. Er landete mit einem hässlichen klatschenden Geräusch am nächsten Baumstamm und stöhnte schmerzerfüllt auf.
Esra feuerte mit ihrem Bogen auf das Monster, doch das schien ihm nicht viel auszumachen. Adamant preschte aus dem Unterholz hervor und stürzte sich ebenfalls todesmutig auf das viel größere Tier und von irgendwo trafen es zwei magische Geschosse.
Wild schlug der Affe um sich, schaffte sich Adamant vom Hals und versuchte wieder in die Bäume zu gelangen. Esra feuerte weiter Pfeile auf ihn ab, so schnell es ging. Adamant versuchte ihn wieder herunterzuziehen.
Esra war froh, dass sie aus der Distanz heraus angreifen konnte. Aber sie bewunderte auch die Verwegenheit von Adamant und Thalaën. Während Adamant die schweren Hiebe weniger ausmachten, legte Thalaën mit seinen flinken Beinen vor allem Wert darauf gar nicht mehr getroffen zu werden, was ihm auch mehr oder minder gut gelang. Dennoch ging der Affe nur langsam in die Knie. Jede Wunde, die sie ihm zufügten, schien ihn nur noch wütender zu machen.
Bis es endlich Adamant gelang ihm mit seinem Streitkolben einen schweren Schlag auf den Kopf zu versetzen. Der Affe rollte mit den Augen, torkelte und fiel schwer zu Boden.
Keuchend versammelten sie sich alle rund um ihn.
„Wir sollten ihn gut fesseln, bevor wir ihn heilen“, schlug Astamalia vor. Sie war ebenso unversehrt wie Esra.
„Ihn heilen?“, jappte Thalaën, der über und über Blutverschmiert war. „Wie wäre es, wenn sich jemand einmal meine Wunden ansehen könnte?“
Adamant legte ihm beiläufig die Hand auf die Schulter und murmelte einige Worte. Die schlimmsten Wunden des Elfen verschlossen sich.
Esra machte sich inzwischen mit Astamalia daran den Affen nach allen Regeln der Kunst zu einem regelrechten Paket zu verschnüren. Dann erst weckte ihn Adamant mit etwas Heilmagie wieder auf, was den Affen sofort wieder in Rage brachte. Aber anscheinend hatten sie beide ihr Werk gut gemacht, freute sich Esra. Die Fesseln hielten.
„Bravo“, klatsche Viorr, der sich zu ihnen durchkämpfte. Vorsichtig träufelte er dem Affen etwas aus einer Phiole ein, was ihn sofort einschlafen ließ. „Ihr habt ihn zwar etwas mehr ramponiert, als ich mir gehofft hatte, aber es wird reichen. Kommt mit nach vorne, dort können wir dann alles weitere besprechen.“
Damit wandte er sich ab und ihnen blieb nichts anderes übrig als ihm zu folgen. Beim Eingang angelangt begann Viorr in der Satteltasche herumzuwühlen.
„Ich repräsentiere eine Abteilung der Königszitadelle, die als des Königs Schatten bekannt sind“, begann er zu erklären. „Wir ... äh... kümmern uns um ... Informationsdienste für König Borenal von Breland. Wir benötigen die Hilfe einer fähigen und tapferen Abenteuergruppe, die einen abtrünnigen Agenten jagen, stellen und zurückbringen kann. Wenn möglich sollte er dabei am Leben bleiben. Deshalb auch dieser Test“, fügte er mit einem Seitenblick auf Esra hinzu. „Wenn ihr bereit seid zu schwören, dass ihr alles, was ihr jetzt hören werdet, wie Staatsgeheimnisse behandeln werdet, kann ich euch mehr darüber erzählen.“
Esra blickte die anderen vier an. Astamalia und Thalaën nickten.
„Sicher doch“, sagte der Elf lauf.
„Ja“, stimmte Astamalia zu.
„Ich denke nicht, dass das ein Problem darstellen wird“, war auch Esra einverstanden.
„Wird dieser Auftrag im Widerspruch zur Lehre der Silbernen Flamme sein?“, hakte jedoch Adamant nach und erntete dafür einen lauten Seufzer von Astamalia. Auch Viorr schien leicht erstaunt über diese Frage, schüttelte jedoch den Kopf.
„Nein, das wird er auf keinen Fall sein. Ganz im Gegenteil.“
„In diesem Fall bin ich ebenfalls einverstanden“, nickte der Kriegsgeschmiedete zufrieden.
„Nun gut“, fuhr Viorr fort und setzte sich auf seinen Stuhl. „Lucan Stellos, einer unserer besten Agenten, ist vorgestern verschwunden und gestern Nacht drang jemand in eine Hochsicherheitsschatzkammer hier in Sharn ein. Ein mächtiges magisches Schwert wurde gestohlen. Kurz vor der Morgendämmerung wurde Lucan dabei beobachtet, wie er Sharn über die Oststraße verließ. Wir möchten, dass ihr ihm folgt, ihn einholt und gefangen nehmt. Wir sind bereit jedem von euch 2000 Galifar zu bezahlen, wenn ihr ihn stellt und weitere 500 Galifar, wenn ihr das Schwert bergen könnt. Wenn Lucan stirbt, erhält jeder von euch statt dessen 1000 Galifar, aber nur, wenn ihr mir Beweise seines Todes liefern könnt. Wir brauchen Lucan entweder zurück oder wir müssen sicher sein, dass er tot ist, damit er uns nicht verraten kann. Oh, und dann gibt es noch eine Komplikation: Den Augenzeugenberichten zufolge hat Lucan erstaunlich Fähigkeiten und Kräfte erlangt, über die er zuvor nicht verfügte. Nun, interessiert?“, grinste er an.
Esra war nicht wirklich begeistert. Eine Agentenjagd und ein magisches Schwert – wo sie doch mit Magie so wenig anfangen konnte. Doch die anderen nickten und so tat sie es ihnen gleich.
Viorr lächelte sie an:
„Gut. Ich werde die Sache nur einmal durchgehen. Ihr solltet also besser aufpassen.“
Er machte eine dramatische Pause und fuhr dann fort:
„Hier ist ein Bild Lucan. Es wurde von einem der königlichen Zeichner angefertigt. Lucan ist männlich, ein Mensch und sowohl als Kämpfer, als auch als Spion geschult und gefährlich.“
Er gab ein Bild durch und Esra musste zugeben, dass der Zeichner gute Arbeit geleistet hatte und Lucan wirklich gut aussah. Stattlich gebaut, schöne schmale Augen und langes blondes Haar. Während sie das Bild musterte, erzählte Viorr aber schon weiter:
„Hier seht ihr ein Bild der schwarzen Kutsche, mit der er gereist ist, als man ihn auf der Oststraße erspähte. Hier sind Reisepapiere, die euch als Agenten im Dienste des breländischen Königs ausweisen. Haus Vadalis stellt euch magiegeschaffene Pferde zur Verfügung. Sie warten in den Stallungen nahe dem Osttor auf euch. Seht die Pferde als einen Bonus an. Die Königszitadelle begleicht die Rechnung mit dem Haus.
Hier ist weiters ein Kreditbrief. Wenn ihr unterwegs unerwartete Ausgaben habt, braucht ihr den Brief nur bei einer Zweigstelle Haus Kundaraks vorlegen, und man wird euch den Betrag aushändigen. Aber eine kleine Warnung im guten: König Boranel sieht es gar nicht gerne, wen man sein Gold aus Jux und Tollerei verschleudert. Benutzt den Kreditbrief also nur, wenn ihr das Geld wirklich nötig habt.
Das Schwert das wir außerdem wollen, nennt man die Seelenklinge und man erkennt es an dem großen Rubin, der im Schwertgriff eingefasst ist. Unsere Magier meinen, die Klinge würde Böses ausstrahlen. Ich an eurer Stelle wäre daher vorsichtig mit dem Ding.
Wir haben keine Ahnung, was genau Lucan plant, aber wir haben bei der Durchsuchung seines Quartiers einen Hinweis gefunden. Gemäß dieser ist er nach Trolanhafen unterwegs. Ansonsten war er bei der Vernichtung seiner Aufzeichnungen sehr gründlich. Wir konnten nur mehr aus einer zerstörten Notiz das Wort ‚Krell’ retten. Leider haben wir keine Ahnung, wer oder was ein Krell ist.“
Er machte eine Pause und dachte nach. Nickte schließlich für sich.
„Ihr wisst jetzt alles, was ich auch weiß. Lucan hat mehrere Stunden Vorsprung und ich an eurer Stelle würde mich sputen. Habt ihr noch ein paar rasche Fragen, bevor ihr aufbrecht?“
Esra nickte und legte das Bild von Lucan beiseite.
„Ja. Warum durften wir den Affen vorhin nicht töten?“
„Weil wir auch Lucan lebend wollen.“
„Und warum dürfen wir ihn nicht einfach umbringen, wenn er Euch doch verraten hat“, wunderte sich Thalaën.
„In unserem Geschäft stellt die Information die wertvollste Ware dar. Wir müssen herausfinden, was er weiß, was er ausgeplaudert hat und an wen; außerdem mit wem er jetzt gemeinsame Sache macht. Natürlich ist es uns immer noch lieber er ist tot, als in den Händen unserer Feinde.“
„Und welche Aufgaben erfüllte Lucan, dass er nun so geheime Informationen hat?“
„Gegenspionage. Und darin war er unser Meister. In dieser Mission war er auch bei der Fürstin Caldera unterwegs. Er sollte sie ausspionieren“, lächelte Viorr.
„Mich würde noch interessieren, über welche Kräfte Lucan verfügte, als er das Schwert stahl. Ihr meintet, es waren besondere?“, hatte auch Adamant eine Frage.
„Ja. Lucan ist ein Meister darin, ungesehen wo einzudringen. Aber sein Können in der Schatzkammer übertraf alles was er können dürfte. Er hat Angriffe weggesteckt, die einen normalen Mann gefällt hätten. Und er spazierte einfach die Seite des Turms hinab, als wäre es ebener Boden. Da er manche dieser Fähigkeiten einsetzte, bevor er das Schwert hatte, gehen wir davon aus, dass er sie unabhängig davon erlangt hat. Aber das Schwert wird noch zusätzliche Kräfte verfügen, die er einsetzen kann.“
„Klingt toll“, murrte Astamalia. „Was wissen wir denn über diese Seelenklinge eigentlich?“
„Leider nicht sehr viel. Sie fiel uns während des Letzten Krieges in die Hände und befindet sich seither in der Schatzkammer. Davor war sie im Besitz eines karrnischen Kriegsfürsten. Soweit wir wissen gibt es dreizehn Waffen dieser Art und alle sind sehr mächtig und bösartig.“
Er seufzte.
„So, nun solltet Ihr euch aber auf den Weg machen. Der Vorsprung von Lucan wird nicht kleiner.“

***

Urosh hatte die Kapuze seines Mantels tief in das Gesicht gezogen, so dass er nur schwer zu erkennen war. Dennoch war es riskant für ihn, sich mitten in der Stadt am helllichten Tag zu zeigen. Es brauchte nur irgendjemand einen Blick auf sein Gesicht zu erhaschen und Alarm zu geben und schon wäre die halbe Stadt hinter ihm her. Aber er musste wissen, ob diese dilettantischen ‚Helden’ wirklich auf der Suche nach Lucan waren. Wenn ja, konnte er sich gut an ihrer Fährte orientieren.
Sie waren bei einer Zweigstellte von Haus Vadalis eingekehrt und kamen nun mit vier edlen magiegeschaffenen Pferden wieder heraus. Das war schlecht. Diese Pferde waren schneller als seines. Dafür aber nicht so ausdauernd.
Außerdem, dachte er mit einem breiten grinsen im Gesicht, konnten sie nicht gut reiten. Zumindest hielt sich niemand von ihnen besonders gut im Sattel. Das würde es einfacher machen.

***

Nachdem sie eine Nacht im freien Verbracht hatten, war jedem aufgefallen, dass er nun schlief. Und so war er genötigt gewesen, sich zu erklären. Adamant, der diese Tatsache bereits mitbekommen hatte, fand daran nichts sehr merkwürdiges. Er war vielmehr etwas enttäuscht, nun ganz alleine in der Nacht munter sein zu müssen. Esra hatte die Angelegenheit mit einem Achselzucken abgetan. Nur Astamalia war sehr erschrocken und hatte ihn aufgefordert das ganze weiter zu verfolgen. Immerhin, und da hatte sie ja auch nicht unrecht, war es sehr seltsam, wenn ein Elf schlief und träumte.
„Seht, dort vorne ist ein Gasthof. Heute Nacht müssen wir nicht wieder im freien schlafen!“, rief Astamalia und holte ihn in die Gegenwart zurück.
„Mich hat das nicht gestört“, war Esras Stimme zu vernehmen.
Doch Thalaën achtete gar nicht auf die Kabellaien der beiden Frauen sondern betrachtete das einsam dastehende große Haus am Wegesrand. Über der Tür war ein Rad angebracht, um welches sich eine hässliche Gestalt mit Flügeln wand. Darunter stand: „Gasthof zur überfahrenen Harpyie“.
„Reizend. Sehr einladend“, murrte er und stieg ab. Er war das lange reiten nicht mehr sehr gewöhnt. Ihm tat alles weh. Aber anscheinend ging es ihm immer noch besser als den anderen beiden fühlenden Wesen in der Gruppe. Astamalia und Esra gingen beide sehr breitbeinig und mit schmerzverzerrtem Gesicht. Adamant schien der Ritt gar nichts auszumachen. Dafür war sein Ross – das ausdauerndste und stärkste von allen, am Rande des Zusammenbruchs. Sein immenses Gewicht zeigte hier eben seine Wirkung.
Sie banden ihre Pferde vor der Tür an und traten ein.
Der Schankraum war gut besucht. Anscheinend waren mehrere Händler hier abgestiegen und auch einige Bauern aus der Umgebung tranken noch gemütlich ein Bier. Der Wirt war ein dicker, glatzköpfiger Mann, den nichts aus der Ruhe zu bringen schien. Die Kellnerin schien seine Tochter zu sein.
„Guten Abend, hättet ihr noch vier Zimmer für einige Reisende?“, fragte Astamalia, den Wirten, kaum dass sie an der Schank stand.“
„Ne, nur mehr zwei mit je zwei Betten. Kann auch eure Pferde versorgen, wenn ihr das wollt. Abendessen ist auch noch da.“
Astamalia nickte.
„Ja, klingt alles sehr gut. Wie viel?“
„Fünf Regenten pro Person für alles zusammen“, brummte er und putzte ein dreckiges Glas.
Astamalia nickte noch einmal und suchte sich dann einen freien Tisch. Thalaën folgte ihr und Esra schloss sich ihnen ebenfalls an.

“Entschuldigt, Herr Wirt. Ihr habt heute nicht zufällig eine schwarze Kutsche vorbeikommen sehen?“, fragte Adamant.
„Keine Ahnung“, antwortete der Wirt und putzte weiter sein Glas. Seufzend schob ihm der Kleriker einen Galifar über den Tresen.
„Ja hab ich“, grinste der Wirt und ließ die Münze verschwinden. Ich mach dann mal das Essen für eure Freunde.“
Damit ließ er den verdatterten Adamant an der Bar stehen.
„Ich hab sie gesehen. Verdammte Teufelskutsche“, hörte er da aber eine lallende Stimme hinter sich. Ein älterer Bauer, der anscheinend schon den einen oder anderen über den Durst getrunken hatte, schielte ihn von seinem Bier empor an.
„Diese Kutsche ist verflucht.“
„Achso? Woher wisst ihr das? Kennt ihr die Kutsche etwa?“
„Kommt öfter mal vorbei. Kommt nie was Gutes dabei raus. Ist wie’n Dämon, dieses Ding. Aber sieht ja auch so aus.“
„Und warum denkt Ihr, dass sie Verflucht ist?“, fragte Adamant weiter.
Der Bauer winkte ihn näher heran, sah sich verschwörerisch um und flüsterte dann lallend:
„Also von meiner Frau der Bruder, dessen Frau hat einen Bekannten. Als bei dem die Kutsche am Hof vorbei fuhr, verlor dessen Frau ihr Kind. Und mein Nachbar hat mir erzählt, dass ihm die Milch sauer wurde, kaum dass die Kutsche am Hof vorbei war.“
„Ahja…“, machte Adamant. Nun wirklich verwirrt und setzte sich zu seinen Freunden, denen gerade das Abendessen serviert wurde.

Kaum standen die Teller auf dem Tisch fühlte Esra ein großes fellbehaftetes Etwas zwischen ihren Beinen. Erschrocken fuhr sie zurück. Ein riesiger Bernhardiner schaute sie aus treuherzigen großen Augen an, nur um dann ihren Teller zu fixieren.
„Nein, sicher nicht“, versuchte ihn Esra abzuwehren. Aber der Hund ließ sich nicht wegschieben.
„Wuff, komm her!“, rief ein kleiner junge, kaum vier Jahre alt, und zog ihn heftig am Schwanz. Der Hund bewegte sich keinen Millimeter, knurrte aber auch nicht, sondern sah den Jungen nur still an.
Das war ziemlich mutig von dem Burschen, sich mit dem riesigen Tier anzulegen, dachte sich Esra. Oder Dumm.
„Tobie! Lass das Tier in Ruhe!“, rief der Wirt.

Ein heftiges Gewitter tobte rund um das Gasthaus, doch Thalaën schien seelenruhig zu schlafen. Adamant seufzte. Es war doch etwas einsam, die ganze Nacht alleine zu wachen.
Donner grollte.
Unten bellte der Hund. Wuff hatte ihn das Kind genannt.
Der Hund bellte lauter, schien fast durchzudrehen. Merkwürdig.
Adamant sah aus dem Fenster, doch nichts war zu sehen. Aber es war auch stockdunkel und der Regen prasselte in dichten Strömen herab. Ein Reiter auf einem weißen Pferd preschte auf der Handelstraße vorbei; weit über den Hals seines Tieres gebeugt.
Der Hund bellte noch immer. Wie konnte der Elf bei diesem Lärm nur schlafen. Er ging zu ihm hin und rüttelte ihn heftig, bis er endlich die Augen aufschlug.
„Was’n los?“, murmelte er Schlaftrunken.
„Der Hund bellt“, erklärte Adamant.
„Is’n Hund. Bellt nun mal“, versuchte sich Thalaën wieder ins Traumland zu flüchten.
„Aber nicht so!“
Adamant zerrte ihn aus dem Bett und schliff ihn hoch.
„Zieh dich an.“
Draußen auf dem Flur trafen sie auf Esra uns Astamalia. Esra hatte ihre Lederrüstung angezogen und ihren Bogen in Händen.
„Der Hund?“, fragte sie, worauf Adamant nickte.
Zu viert schlichen sie die knarrende Treppe hinab. Unten versuchte der Wirt seinen aufgebrachten Hund zu beruhigen. Irritiert sah er die Vierergruppe an.
„Schlaft ihr immer voll gerüstet?“
„Kann praktisch sein“, erwiderte Thalaën mürrisch; langsam schien er wieder zu erwachen. „Verhält sich der Hund öfters so?“
„Nein, nie“, schüttelte der Wirt den Kopf.“
Der Elf machte ein undefinierbares Geräusch und öffnete den Türgucker. Draußen auf der Straße stand ein mager aussehendes weißes Pferd und sah ihn an. Seltsam.
Ein Schatten verdeckte die Tür und plötzlich schien die Welt rund um ihn zu explodieren.

Astamalia unterdrückte einen Aufschrei, als die Tür in einem Splitterregen verschwand und der Elf quer durch den Raum geschleudert wurde und dann am Tresen gelehnt liegen blieb. In der Tür stand eine massige Gestalt und der Geruch von Anis und anderen Gewürzen strömte in den Raum. Eine unnatürliche Angst ergriff die Magierin, doch irgendwie gelang es ihr, sie niederzukämpfen. Den anderen schien das nicht so gut zu gelingen. Esra klammerte sich an Adamant und gemeinsam liefen sie schreiend die Treppe nach oben. Der Hund knurrte.
„Wo ist Lu’an?“, rief das Wesen und warf beiläufig den Hund zur Seite, als er es ansprang.
Nun konnte Astamalia erkennen, dass das Wesen in Bandagen gehüllt war: Eine Mumie!
„Ich weiß nicht?“, rief Astamalia und wich bis den Tresen zurück. Doch die Mumie folgte ihr, holte aus und traf die Magierin hart. Astamalia spürte wie das Leben aus ihr wich.
„Wo Lu’an? E’ gehö’t meine’He’’in Callde’a! U’osh muss ihn finden!“
„Nach Trolanhafen. Nach Trolanhafen…“, flüsterte Astamalia und rutschte die Theke hinab. Ihr wurde langsam schwarz vor Augen. Kaum bekam sie noch mit, dass die Mumie durch die zerstörte Tür wieder verschwand.

„Was ist mit ihr?“, fragte Esra verwundert. Astamalias Haut war alt und faltig. Modrig; so als würde sie verfaulen.
„Mumienfäule“, stellte Adamant fest.
„Dann macht doch was dagegen!“, fuhr sie Thalaën an, der sich seine blutende Wunde hielt.
Doch der Kriegsgeschmiedete schüttelte den Kopf.
„Würde ich gerne. Aber ich bin nicht in der Lage Flüche zu brechen. Dazu ist höhere Magie von Nöten.“
„Dann wird sie sterben?“, fragte Thalaën.
Adamant gab darauf keine Antwort; was ebensoviel aussagte.
„Es gibt in der Nähe eine Kapelle der Göttlichen Heerschar mit einem alten Kleriker. Angeblich war er früher ebenfalls Abenteurer wie ihr. Vielleicht kann er euch weiterhelfen?“, mischte sich die Wirtstochter ein, ihren kleinen Sohn auf den Armen.
„Führe uns!“
Durch den dichten Regen und das tobende Gewitter rannten sie auf die Kapelle zu. Adamant trug die immer schwächer werdende Astamalia auf den Armen. Endlich schälte sich eine einfache Kapelle aus der Dunkelheit.
„Aufmachen! Wir brauchen Hilfe! Macht auf!“
Es dauerte scheinbar unendlich lange, bis ein verschlafen wirkender alter Mann im Schlafrock die Tür öffnete.
„Sie wünschen?“
„Heilung! Wir haben einen Fall von Mumienfäule!“, rief Adamant und drängte sich an dem Kleriker vorbei ins Innere.

***

Als der Morgen graute hatte Astamalia wieder Farbe angenommen, ihre Haut war wieder normal. Die Kräfte des Priesters hatten den Fluch behoben. Zufrieden begutachtete Adamant in der Morgensonne das Werk.
Blinzelnd schlug die Magierin die Augen auf.
„Was ist passiert?“
„Du wurdest von der Mumie verflucht. Aber ein in der Nähe wohnender Kleriker konnte dich retten und… Was ist das?“
Erschrocken sprang er einen Schritt zurück. Der Boden des Zimmers leuchtete blau und verwirrende Linien bedeckten jeden Zentimeter davon.
„Sieht aus wie ein Drachenmal. Ein riesengroßes. Aber es ist keines von denen die ich kenne“, wunderte sich Astamalia.
Die Tür wurde aufgerissen und die anderen beiden stürmten herein.
„Wir haben da etwas auf dem Boden, in unserem Zimmer… Genau wie das hier“, staunte Thalaën.
Gemeinsam bestaunten sie das Mal weiter, das so unverhofft aufgetaucht war. Doch es ergab sich für keinen von ihnen eine logische Erklärung.

***

Die Reise ging weiter.
Ein weiteres Mal tauchte das Mal unter ihnen auf, doch dann verschwand es ebenso plötzlich wieder, wie es gekommen war. Sie trafen auf einige Händler, die ihnen von der Begegnung mit der Kutsche berichteten. Zwei Oger wollten sie um ihr Geld erleichtern, doch Thalaëns Schlachtruf ließ die beiden recht schnell flüchten. Als sie schließlich Zilspar erreichten – die letzte Stadt auf breländischem Gebiet – wurde sogar das Wetter besser und die Berichte, dass sie die Kutsche langsam einholten, häuften sich.
Eine kurze Pause gab es dann wenig später mit einer Patrouille der breländichen Grenzwache, die aber durch ihre Papiere, die sie als Agenten im Dienst des Königs auswiesen, rasch beendet wurde.
Dann endlich waren sie in Zilargo, dem Reich der Gnome.
Am 8. Dravago schließlich, dem elften Tag ihrer Reise, erreichten sie gen Vormittag eine Niederlassung des Hauses Orien, bei der zwei qualvoll verendete Pferde lagen. Wie ihnen der Stationsvorsteher sagte, wäre in den frühen Morgenstunden eine schwarze Kutsche angekommen, deren Pferde bei der Station eingegangen wären.
„Es hat etwas gedauert, bis wir Ersatz hatten. Und die Frau auf dem Kutschbock war darüber gar nicht sehr erfreut, das kann ich euch sagen“, berichtete der Mann.
„Frau auf dem Kutschbock?“, fragte Adamant neugierig.
„Ja. Eine ziemliche Schönheit mit langen roten Haaren. Aber sie war so bissig, dass man sich ihr lieber nicht nähern wollte.“
„Habt ihr zufälligerweise noch jemanden gesehen? Einen Mann mit blonden Haaren vielleicht?“, erkundigte sich Astamalia.
„Nein. Aber die Vorhänge der Kutsche waren auch die ganz Zeit über zugezogen und es ist während des gesamten Aufenthalts niemand ausgestiegen. War mir irgendwie unheimlich dieses Ding.“
„Danke für die Auskunft!“, rief Esra und schon trieben sie ihre Pferde weiter an. Tief über die Hälse der Tiere gebeugt galoppierten sie dahin. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis sie Lucan eingeholt hatten!

Die letzten Strahlen der Sonne erleuchteten noch die Straße, als sie eine kleine Anhöhe erreichten. Dahinter erstreckte sich die Straße in einer Linie weiter und nur wenige Hundert Meter entfernt raste die Kutsche in halsbrecherischem Tempo dahin.
„Nun aber los! Die haben wir!“, rief Esra.
Sie preschten los.
Thalaën schien auf seinem Pferd förmlich zu fliegen. Er steuerte es gekonnt mit den Schenkeln und schwang seinen Doppelkrummsäbel gefährlich in der Hand.
„Tysti ol !“, feuerte er sein Pferd an.
Ein roter Haarschopf erschien vom Kutschbock her. Es folgte ein bezauberndes Gesicht.
„Anhalten!“, brüllte Thalaën. Doch die Frau schien ihn nicht zu hören oder ihn zu ignorieren.
Thalaën konnte erkennen, dass sie gestikulierte und mit ihren Lippen leise Worte formte. Aber er konnte nichts tun!
Eine kleine Kugel flog dicht an seinem Kopf vorbei, während er versuchte die letzten Meter zur Kutsche aufzuschließen. Er grinste. Verfehlt!
Hinter ihm brach die Hölle aus. Eine kurze Hitzewelle erfasste ihn.
Erschrocken wandte er sich um. Hinter ihm war ein Feuerball explodiert, der seine Kameraden und deren Tieren mit einschloss.
Er hörte Schreie und dann sah er Esra und Adamant, sowie zwei Pferde über die Straße fallen. Astamalia fegte auf ihrem Ross aus der Feuerwand heraus. Beide schienen schwere Verbrennungen zu haben, doch noch immer Kampfbereit zu sein.
Thalaën fluchte, trieb sein Pferd weiter an und schaffte es neben die Kutsche zu kommen. Beinahe sofort traf ihn ein magisches Geschoss. Dennoch holte er nach einem der Pferde aus. Aber den Säbel auf einem wild galoppierenden Pferd zu schwingen, war nicht so einfach.

Adamant stand ächzend wieder auf, half Esra ebenfalls auf die Beine. Esras Pferd schien etwas zu lahmen, das von Adamant glühte noch etwas und lag regungslos im Straßengraben.
Rasch legte er dem Tier die Hand auf, seine Wunden schlossen sich wieder und schnaubend sprang es auf.
„Los ihnen nach!“
Der Kleriker schwang sich auf das Pferd; Esra folgte ihm nach.

Astamalia bewunderte die Hartnäckigkeit des Elfen. Immer wieder hieb er auf die Pferde der Kutsche ein. Sie selbst hatte erst einmal einen Heiltrank zu sich genommen und versuchte nun magisch gegen die Kutsche zu kämpfen, die in der Dunkelheit nur schwer auszumachen war.
Die Magierin auf dem Kutschbock verstand ihr Handwerk aber besser als sie selbst. Oder sie war besser vorbereitet.
Außerdem hatte sie auch nicht mit einem bockenden Pferd zu kämpfen. Astamalia hätte sich nie träumen lassen, dass es so schwer sein würde, vom Rücken eines Pferdes herab zu kämpfen. Hinter sich hörte sie lautes galoppieren und Adamant überholte sie auf einem schwer atmenden Pferd. Er schaffte es sogar Thalaën und die Kutsche zu überholen. Was hatte er vor?
Ein Pfeil zischte an ihr vorbei und dann war auch schon Esra neben ihr, den Bogen gespannt in der Hand. Anscheinend hatte die Wandlerin aber ähnliche Schwierigkeiten wie sie selbst.

Weit vor der Kutsche riss Adamant sein Tier hart an den Zügeln. Er begann eine göttliche Waffe zu beschwören. Er merkte nicht, wie ein bleiches Gesicht aus der Kutsche blickte und einen schauderhaftren Ruf in den nahen Wald schickte, der von einem ganzen Rudel Wölfe erwidert wurde.

Astamalia schauderte bei dem Ruf. Aber es war eindeutig Lucans Gesicht, welches aus der Kutsche blickte. Wieder trieb sie ihr Pferd an. Die Frau auf dem Kutschbock begann wieder zu zaubern. Blaue Blitze umzuckten plötzlich Astamalias Körper und sie hörte jemanden peinvoll aufschreien.
Hart schlug sie auf dem Boden auf und als die Bewusstlosigkeit nach ihr griff, wurde ihr klar, dass es sie selbst war, die vor Schmerz schrie.

Adamants Klinge erschien genau dort, wo er wollte, zwischen den Pferden und begann ihr blutiges Werk. Es dauerte nur Sekunden, bis eines der beiden Tiere zusammenbrach. Die Frau auf dem Kutschbock wurde hoch durch die Luft geschleudert und kam hart vor der ramponierten Kutsche zum liegen.
Wütend funkelte sie den Kleriker an.
„Das werdet Ihr noch bereuen!“, rief sie, machte eine Handbewegung und war verschwunden.
Verdattert blickte Adamant auf die leere Fläche, wo sich gerade noch eine junge Frau befunden hatte. Aus dem Inneren der Kutsche sprang inzwischen ein großer Wolf und hastete in den Wald hinein. Lucan war entkommen…

***

„Unsere Informationen scheinen zu stimmen. Er kommt hierher“, grinste sie ihre alte Freundin über den Rand ihrer Teetasse hinweg an. „Und hier können wir ihn dann problemlos festnehmen.“
Sie nickte abwesend:
„Sicher doch, Meena.“
Wenn ihre Freundin wüsste, dass sie schon lange über seine Ankunft informiert war. Und dazu hatte sie nicht einmal das Netzwerk zu Rate ziehen müssen. Er hatte sich selbst bei ihr angekündigt. Und sie wusste auch warum: Er hatte diese heißen Sommernächte ebenso wenig vergessen wie sie. Er dachte, sie würde ihm helfen. Womit er auch völlig recht hatte.
„Wenn wir nur wüssten, an wen er sich hier zu wenden gedenkt. Er kennt hier doch niemanden.“
„Doch“, grinste sie und nippte an ihrem Tee. „Er kennt mich. Und zufällig weiß ich, dass er eine Einladung für meine kleine Veranstaltung hat.“
Eine Teetasse fiel polternd auf den Teppich.
„Meena, sieh nur was du angerichtet hast“, seufzte sie.
„Er hat mit dir gesprochen? Und du hast ihm geantwortet?“, fragte Meena ungläubig.
Sie nickte.
„Natürlich. Er fragte, ob ich ihm helfen kann und ich sagte ja.“
„Aber… Du verrätst unser Land!“, rief ihre Freundin aufgebracht.
„Nein, tue ich nicht. Ich habe es dir gesagt. Somit weißt du soviel wie ich. Wenn es dir gelingt ihn zu fassen: schön. Wenn nicht: sein Glück.“
Sie lächelte und trank noch einen Schluck.
„Aber es ist eine Pflicht als Angehörige der…“, begann Meena doch sie schnitt ihr hart das Wort ab.
„Ich bin als Botschaftern hier in der Stadt und sonst in keiner Funktion. Andere Leute zu fangen, das ist deine Aufgabe. Diplomatie die meine.“
„Sicher doch“, fauchte Meena und hob die Teetasse auf.
Sie nickte und erklärte das Gespräch für beendet. Sie hatten alles notwendige geklärt. Mit einer Ausnahme: Sie hoffte innständig, dass er entkam.
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

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    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #24 am: 27. Februar 2008, 22:47:21 »
Viele Masken und ein Ball

Zwei Tage später erreichten sie völlig erschöpft den Trolan. Auf der anderen Seite des riesigen Stromes, der sich hier ins Meer ergoss, auf einer Landzunge und vielen kleinen Inseln, befand sich die Stadt Trolanhafen.
Astamalia hatte das Gefühl jeden Augenblick vom Pferd zu fallen. Adamant hatte sie noch von der Klippe des Todes zurückreißen können. Aber dennoch litt sie noch unter starten Gliederschmerzen von dem starken Blitz, den sie abbekommen hatte. Und noch immer verfluchte sie die Tatsache, dass sowohl Lucan als auch die unbekannte Frau, die anscheinend seine Begleiterin war, entkommen konnten. Der Wald war zu dicht, als das sie ihm hätten folgen können und die Frau hatte sich im Nichts aufgelöst; wahrscheinlich ein Unsichtbarkeitszauber.
Was sie jedoch am meisten irritiert hatte war, dass sie im Inneren der Kutsche nur einen leeren Sarg gefunden hatten. Wozu brauchte Lucan einen Sarg? Vielleicht ein Relikt von Caldera, wenn es denn ihre Kutsche war. Und war Lucan ein Werwolf? Es sah fast so aus, nachdem er in Forme eines Wolfes seine Flucht angetreten hatte. Und war er dann weiter nach Trolanhafen gereist oder hatte er nach diesem Zwischenfall seine Pläne geändert? So viele Fragen und kaum Antworten. Es gab viel zu viele Unbekannte in diesem Auftrag.
Nun waren sie zwar hier in Trolanhafen, aber sie hatten immer noch keine Ahnung wie es weitergehen sollte.
„Wir werden mit einem der Boote hier übersetzen müssen“, deutete Thalaën auf die vielen Stege, an denen schlanke, reich verzierte Boote lagen.
Esra seufzte, sagte aber nichts.
„Wir brauchen etwas größeres. Wir müssen auch die Pferde unterbringen können“, erinnerte Astamalia sie müde an ihre treuen Gefährten.
Schließlich fanden sie was sie suchten. Eine relativ große Fähre, die sogar über ein kleines Segel verfügte. Dafür verlangte der räuberische Gnom fünf Silberlinge für die Überfahrt; von jedem.
„Könnt ihr uns ein Hotel in der Stadt empfehlen, in dem wir auch unsere Pferde unterbringen können?“, erkundigte sich Esra und tätschelte den Hals ihres Tieres.
„Natürlich. Wie teuer darf es denn sein?“, erkundigte sich ihr Bootsmann, während er die Fähre schräg gegen den Strom Richtung Landzunge steuerte.
„Wenn die Preise überall so überteuert sind, wie Ihre Bootsfahrt, dann in etwas billigeres“, schlug Thalaën vor.
Der Gnom zuckte mit den Achseln.
„Gut, dann setze ich euch im Hafen ab. Das ist das billigste und schäbigste Viertel der Stadt.“
Astamalia überlegte, ob sie etwas sagen sollte. So mies wollte sie nun auch wieder nicht wohnen. Zumal selbst die teuersten Zimmer locker aus ihrer Reisekassa zu zahlen waren.
„Könnt Ihr zufällig mit den Namen Krell etwas anfangen?“, fragte sie stattdessen.
„Nein. Aber ich bin auch nicht die Information. Wendet Euch bei solchen Dingen am besten an den Turm des Triumvirats, dort erfahrt Ihr sicher alles, was Ihr wünscht.“

***

Astamalia grinste, als sie vor einem der „billigen und schäbigen“ Hotels des Hafenviertels standen. Die Fassade war mit Gold verziert, ein Diener öffnete höflich die Tür, der Boden der Eingangshalle war mit Marmor ausgelegt.
Welchen Eindruck sie hier wohl machten?
Sie waren seit zwei Wochen auf Reisen und hatten kaum Gelegenheit gehabt sich ordentlich zu waschen. Doch das Personal hinter der Rezeption ließ sich nichts anmerken.
„Willkommen im Goldenen Anker. Womit kann ich Euch dienen?“, begrüßte sie der Gnom freundlich.
„Guten Abend. Wir hätten gerne vier Zimmer. Und die Pferde vor der Tür sollten auch versorgt werden“, teilte Astamalia ihre Wünsche mit.
„Außerdem ein warmes Essen und ein heißes Bad“, setzte Thalaën hinzu.
Auch diesmal verzog der Gnom nicht einen Mundwinkel.
„Sehr wohl. Einer unserer Bediensteten wird Euch nach oben bringen, wo hoffentlich alles zu Eurer Zufriedenheit sein wird. Der Speisesaal hat noch mehrere Stunden geöffnet. Ihr braucht euch also nicht zu beeilen.“
Astamalia überlegte, ob das eine unterschwellige Anmerkung auf ihr dreckiges Auftreten war. Aber es war wohl besser nicht darauf herumzureiten. Und ein langes Bad war wirklich überfällig.
„Mein Herr, wir haben einen Magiewerker im Haus, wenn Ihr einen wünschen“, merkte der Gnom noch in Richtung Adamant an. Doch der schüttelte den Kopf.
„Danke, ich komme auch so klar.“

***

Esra hatte sich ihr Kleid vom Bankett des Barons angezogen. Eine innere Stimme hatte sie dazu gedrängt, auch wenn sie etwas gegen diese formelle Kleidung hatte.
Als sie den Speisesaal betrat, sah sie, dass es eine gute Entscheidung gewesen war. Vornehme Stille herrschte in dem großen Saal, der durch Dutzende große Luster erleuchtet wurde. Thalaën saß in seinem Reisegewand bereits an einem kleinen Tisch und mampfte fröhlich vor sich hin. Einige Gäste warfen ihm hin und wieder einen pikierten Seitenblick zu.
Esra setzte sich zu ihm, worauf prompt ein Ober erschien und ihre Bestellung aufnahm.
Kaum war er verschwunden, kamen auch schon Adamant und Astamalia herein. Ersterer trug einen sauberen Wappenrock, letztere ihre Robe aus Schöngewebe.
Aus Astamalia bestellte, jedoch bei einem anderen Kellner. Anscheinend schien es sehr viele davon zu geben, obwohl Esra nie einen entdecken konnte, der irgendwo tatenlos herumstand. Bemerkenswert.
Ihr Essen wurde gebracht. Frisches Wild aus dem Eldeenreich. Heimatliche Küche war doch das beste. Sie nickte dem Kellner dankbar zu, der auch sofort wieder entschwinden wollte, doch sie hielt ihn zurück. Astamalia warf ihr einen bitterbösen Blick zu.
„Entschuldigt, aber vielleicht könnt Ihr uns helfen. Sagt, könnt Ihr mit dem Begriff Krell etwas anfangen?“, fragte die Wandlerin den Gnom.
Der überlegte kurz und nickte dann steif.
„Ihr meinen sicherlich Neya ir’Krell? Die aundairsche Botschafterin? Ich kenne sie nicht persönlich, aber sie ist Stadtbekannt. Immerhin hat sie die Beziehungen zwischen Zilargo und Aundair stark verbessert und sie ist zudem bekannt für ihre rauschenden und recht bezaubernden Feste. Morgen Abend soll auch wieder ein Ball in der Botschaft stattfinden.“
„Denkt Ihr, es wäre möglich dafür noch Karten zu bekommen? Wir müssten die Botschafterin dringend sprechen.“
Der Kellner schüttelte den Kopf.
„Das wage ich zu bezweifeln. Die meisten Gäste wurden persönlich geladen, weil es Freunde oder einflussreiche Personen der Stadt sind. Die wenigen zum Verkauf stehenden Karten sind schon seit Wochen vergeben. Ihr werdet euch wohl bis zum nächsten Fest gedulden müssen. Entschuldigt mich jetzt bitte. Die anderen Gäste warten bereits.“
Damit verschwand er wieder.
„Nun, zumindest wissen wir jetzt, was Krell bedeutet.“
„Aber wir haben keine Ahnung, wie wir auf den Ball gelangen können“, merkt Adamant an, der den anderen beim Essen zusah. „Wir könnten natürlich Bodinar Turenhart fragen. Er meinte, wir sollten bei ihm vorbeisehen, wenn wir wieder einmal in Trolanhafen sind.“
„Der Stoffhändler? Oh nein“, verdrehte Astamalia die Augen, so dass Esra kicherte.
„Warum nicht? Er kann uns auch eine entsprechende Abendkleidung besorgen, sollte diese hier nicht reichen“, stimmte Esra zu.
Sie ahnte bereits, dass die Kleider für das Bankett in Sharn hier nicht so gut ankommen würden.
„Ich begleite euch“, sagte Thalaën.
„Ich nicht“, lehnte Astamalia kategorisch ab. „Ich werde einmal unseren Kreditbrief einlösen, den uns Viorr gegeben hat. Dann haben wir wieder etwas mehr Geld in der Kassa. Der Kleriker hat doch etliches verlangt, um diesen Fluch von mir zu nehmen. Und dann dachte ich, dass ich direkt bei der Botschaft fragen könnte. Vielleicht weiß Krell mehr darüber, was eigentlich los ist.“
„Gut, dann trennen wir uns eben“, nahm Esra die Entscheidung der Magiern achselzuckend hin. Es war wahrscheinlich ohnedies sinnlos mit ihr darüber zu diskutieren.

***

Thalaën empfand es immer noch merkwürdig müde zu sein. Erschöpfung, ja das kannte er. Das war ein Zeichen für die nächste Meditationseinheit. Aber der Schlaf…
Er taumelte zu seinem Bett und war eingeschlafen, kaum dass er es berührte.
Verwirrt blinzelte er. Wo war er?
Eine endlose graue Ebene breitete sich vor ihm auf. In regelmäßigen Abständen lagen faustgroße Steine darauf verteilt, die sich ebenfalls bis zum Horizont erstreckten. Der Himmel war schiefergrau und der Horizont nur schlecht zu erkennen. Keine Sonne war zu sehen; er warf auch keinen Schatten.
Mehrmals drehte er sich auf der Stelle im Kreis, ging ein paar Schritte.
Er hinterließ keine Spuren auf dem Boden.
Schließlich bückte er sich und sah sich einen der Steine genauer an.
Ein fein gearbeitetes Halb-Ork Gesicht blickte ihm entgegen.
Interessant.
Was immer es auch bedeuten mochte.
Thalaën erinnerte sich, dass die Menschen immer wieder davon sprachen, dass die Träume ein Spiegel zur Wirklichkeit waren; dass man die Zukunft vorhersehen konnte, wenn man sie richtig deutete. Aber was sollte das hier alles bedeuten?
Ein tiefes Brummen erklang. Wie von einem riesigen Hornissenschwarm.
Erschrocken drehte er sich um.
Ein monströses Wesen hing über der Ebene. Eine Art fliegender Wurm mit einem riesigen zentralen Auge, das ihn anstarrte.
Nicht gut. Gar nicht gut.
Keine Waffen, keine Rüstung.
Da fiel ihm etwas ein, von dem er einmal gehört hatte. Wie man Alpträume beenden konnte.
Er zwickte sich so fest er konnte in die Hand.
Sofort verschwand die Ebene und das Wesen ebenfalls. Er lag in seinem Bett, die Hand schmerzte teuflisch. Aber er war in Sicherheit.
Von draußen strömten die ersten Strahlen der Morgensonne in sein Zimmer.
Was für ein Traum!

***

Nach einem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück, bei dem er wieder einmal die passive Rolle gespielt hatte, hatten sie sich in zwei unterschiedlich große Gruppen aufgetrennt. Während Astamalia versuchte mit ihrem Einfluss etwas zu erreichen, hatten sie sich zu dritt eine der schlanken Gondeln gemietet, die durch die engen Kanäle der Stadt fuhren und befanden sich nun auf dem Weg in den nördlichen Teil der Stadt. Dort wo nach Auskunft ihres Fahrers die Villen von Trolanhafen lagen.
Interessiert sah sich Adamant die Architektur und das Leben in der Stadt an. Alles schien viel sauberer und geordneter als in Sharn zu sein. Dabei aber ebenso lebendig. Aber irgendwie wirkte bei den Gnomen alles viel angenehmer und Verbrechen oder Armut schien es nur wenig oder gar nicht zu geben. Zumindest konnte Adamant nicht einen Bettler sehen, der am Rande eines der Kanäle saß. Erstaunlich!
Vielleicht taten auch die vielen Wachen, die auf den schmalen Brücken und in den engen Gassen patrouillierten das ihre.
Ihr Bootsführer stoppte an einem kleinen Kai, von dem ein Weg durch einen sauberen Rasen hinauf zu einer großen Villa führte, die sehr einsam inmitten des Grüns stand. Andere Häuser waren in geraumer Entfernung zu sehen. Sie alle erschienen Adamant sehr prachtvoll.
„Als Stoffhändler lässt es sich wohl gut leben“, stellte er fest.
Ein Gnom nahm sie am Kai in empfang.
„Ihr wünscht?“
„Wir würden gerne Bodinar Turenhart treffen. Wir sind Freunde aus Sharn“, versuchte Adamant aufzuklären.
„Habt Ihr einen Termin?“, erkundigte sich der Gnom weiter.
„Nein. Wir kamen gestern Abend erst an und…“
„Nun, folgt mir bitte.“
Der Gnom wandte sich um und ging den kiesbedeckten Weg zum Haus hinauf. Die drei Freunde folgten ihm nach kurzen Zögern. Der Diener brachte sie in einen edel ausgestatteten Salon.
„Bitte wartet hier. Ich werde nach meinem Herrn sehen.“
Damit ließ er sie zurück.
Adamant betrachtete staunend die edlen Polster der Stühle, die Zigarrenkästchen und die teuren Liköre, die auf einer Anrichte standen. So viel Geld ausgeben nur für das leibliche Wohl? In dieser Hinsicht waren Kriegsgeschmiedete wahrlich besser dran.
Krachend flog die große Eichentür auf und ein strahlender Bodinar Türenhart stürmte herein.
„Ah meine Freunde! Ich wusste, dass ihr mich nicht vergesst! Gebt Küsschen!“
Und ehe sie sich alle versahen hatte er jedem von ihnen – sogar Adamant – einen Kuss auf jede Wange gedrückt. Was vor allem bei Adamant gar nicht so einfach gewesen war.
„Entschuldigt, dass ich euch habe warten lassen. Wenn ihr mir gesagt hättet, dass ihr kommt. So habe ich gar nichts vorbereitet. Aber mein Koch wird schon was für uns zaubern. Aber setzt euch doch! Erzählt. Was führt euch hierher.“
Adamant setzt schon zu einer Antwort an, aber Esra kam ihm zuvor.
„Das können wir leider nicht sagen. Aber wir sind hier, weil wir denken, dass Ihr uns eventuell helfen könntet.“
„Ah, eine geheime Mission! Wie spannend! Gefährlicher als der letzte Auftrag?“
„Hoffentlich nicht“, murrte Thalaën, der daran denken musste, wie oft er dem Tod von der Schippe gesprungen war.
„Nun, wir wollten eigentlich wissen, ob Ihr etwas über den Ball heute Abend wisst, der in der aundairschen Botschaft stattfinden soll.“
„Natürlich“, ereiferte sich der Gnom du hopste aufgeregt auf und ab. „Ich habe immerhin die Dekoration entworfen. Wie auch das Kleid der Botschafterin. Ich bin mir sicher, der Ball der Tausend Lichter, wird der beste werden, den die Botschafterin je gehalten hat.“
Esra nickte und versuchte Interesse an all dem zu heucheln.
„Dann ist es Euch doch sicherlich auch möglich, Karten für uns aufzutreiben? Wir müssen nämlich unbedingt auf diesen Ball und mit der Botschafterin sprechen…“
„Das dürfte schwierig werden“, unterbrach sie Turenhart. „Sicherlich nicht unmöglich, für so begnadete Abenteurer wie euch, aber sehr schwierig. Davon abgesehen“, er musterte die Kleidung von allen dreien – sie hatten die Gewänder an, die sie auch am Bankett getragen hatten.
„So kommt ihr nicht in die Botschaft. Zumindest nicht, ohne aufzufallen. Aber ich erkenne die Handschrift meines alten Lehrlings aus Sharn in den Schnitten. Sehr schön. Für Sharn. Aber hier in Trolanhafen muss man etwas mehr mit der Mode gehen. Ich werde mir die Freiheit nehmen, euch neu einzukleiden. Eure besten Freunde werden euch darin nicht wieder erkennen.“
Er fuhr sich glücklich mit der Hand durch das Haar und seine Augen funkelten vor Freude; die Wangen waren rot vor Glück.
„Ich wusste es“, seufzte Esra.

***

Auf der Bank das Geld zu erhalten war kein Problem gewesen. Eine Landkarte von Zilargo und einen Stadtplan von Trolanhafen zu erstehen auch nicht. Ebenso wenig schwer war es gewesen das Botschafterviertel zu finden und vor die aundairsche Botschaft zu gelangen.
Aber hier fingen die Probleme so richtig an. Überall herrschte hektisches Treiben. Karrenweise wurde Essen und Trinken für den Ball herangeschafft.
Und vor dem Tor zum Botschaftsgelände standen zwei schwer gerüstete Gnome und ließen sie keinen Zentimeter weiter.
„Ich muss unbedingt die Botschafterin sprechen“, wiederholte sie zum x-ten Male.
„Die Botschafterin ist nicht zu sprechen“, gab einer der Gnom schon etwas gereizt zurück.
„Aber es ist dringend!“, fuhr Astamalia auf. Wie konnte man nur so sturköpfig sein?
„Na gut“, brummte der eine Gnom. „Wen soll ich melden?“
„Astamalia d’Lyrandar“, seufzte die Magiern erleichtert.
Der Gnom nickte und marschierte in Richtung Botschaft.
Es dauerte fast eine Stunde, bis er wieder erschien. Schon von weitem schüttelte er den Kopf.
„Die Botschafterin entschuldigt sich, aber sie kennt Euch nicht. Daher kann die Dame Euch jetzt auch nicht empfangen. Sie bittet euch, es morgen wieder zu probieren, wenn die Botschaft wider regulär geöffnet ist.
„Aber…“, setzte Astamalia wieder an. Doch das Gesicht des Gnomes machte ihr klar, dass es sinnlos wäre, weiter darauf zu beharren.
„Gut, danke“, murmelte sie stattdessen.

***

Turenhart hörte gespannt zu, wie Thalaën immer weitere Episoden ihres letzten Abenteuers berichtete. Etwas beschönigt und heldenhafter dargestellt, als es eigentlich gewesen war. Der Elf war nur froh, dass Adamant nicht zuhörte.
Es klopfe an der Tür und der Diener steckte den Kopf in den Salon, in den sie sich zu viert zurückgezogen hatten und indem sie gerade auf ihr Mittagessen warteten.
„Eine Dame Astamalia d’Lyrandar für Euch.“
„Soll reinkommen!“, rief Turenhart und sprang auf. Kaum trat die Magierin ein hatte auch sie schon ein Küsschen auf den Wangen.
„Ah, Ihr seht gut aus! Wirklich! Dieses Halstuch! Es stammt aus meiner Kollektion, oder? Sieht man sofort! Aber setzt Euch doch. Euer Freund Thalaën gab gerade Geschichten des letzten Abenteuers zum Besten. Darf ich Euch etwas zu trinken anbieten? Das Essen ist bald fertig.“
„Ah danke“, wehrte Astamalia ab, die das Gefühl hatte, dass der Gnom rasch wieder zu anstrengend für sie werden würde.
„Aber, aber! Auf ein Mittagessen werdet Ihr doch noch bleiben können?“, lachte Turenhart und tätschelte sie am Arm. „Außerdem braucht Ihr noch ein besseres Kleid, wenn Ihr ebenfalls zu dem Ball heute Abend gehen wollt. Dieser Fummel ist gut genug für die Adeligen von Sharn, aber nicht für uns Gnome in Trolanhafen. Wir setzen andere Maßstäbe!“
Astamalia seufzte, wie schon Esra zuvor.
Es war sinnlos sich zu wehren, soviel stand fest. Aber vielleicht konnte sie das Thema während des Essens in andere Richtungen wenden.
„Ihr könnt uns also sicherlich keine Karten für den Ball besorgen?“, fragte sie den Händler, der sofort den Kopf schüttelte.
„Ich fürchte nein, meine Liebste. Und ich kenne auch niemanden in Trolanhafen – und ich kenne hier wirklich viele Leute – die noch Karten zu vergeben hätten. Ich kann Euch leider nicht helfen, so gerne ich das auch tun würde.“
Astamalia nickte und wandte sich wieder den anderen zu.
„Ich habe versucht zur Botschafterin zu kommen, aber sie war nicht zu sprechen. Aber ich habe unseren Brief eingelöst, wir haben also wieder klimpernde Galifar in unseren Taschen.“
„Wir könnten es doch auch bei der breländischen Botschaft versuchen?“, schlug Thalaën in einem unglaublichen Anflug von Intelligenz vor. „Immerhin sind wir im Auftrag des…“
Er unterbrach sich, als ihn die anderen böse fixierten. Turenhart tat so, als hätte er nicht zugehört und suchte eine Zigarre aus einem der Kästchen.
„Aber das ist eine gute Idee“, sprach Astamalia rasch weiter. „Vielleicht kann man uns dort weiterhelfen. Ich werde jedoch sicherheitshalber noch die hiesige Enklave meines Hauses aufsuchen. Das könnte auch einen Versuch wert sein.“
„Und ich werde in der Kirche der Silbernen Flamme nachfragen“, stimmte Adamant ein. „Immerhin bin ich jetzt ein Priester, das muss doch auch etwas wert sein.“
„Dann werde ich also Thalaën in die breländische Botschaft begleiten“, nickte Esra.
Somit hatte wohl jeder einen netten Nachmittag vor sich.
„Am Abend treffen wir uns am besten direkt am Ball wieder. So verlieren wir keine Zeit.“
„Aber zuvor bekommt Ihr noch ein neues Kleid!“, erinnerte sie Turenhart an ihre Verpflichtung.

***

Esra taten die Füße weh. Sie war es absolut nicht gewohnt in diesen Schuhen mit diesen Absätzen weite Strecken zu gehen. Dabei hatte ihr Turenhart versichert, dass es nicht mehr viel niedriger ginge, wollte sie wirklich auf den Ball gehen.
Mittlerweile war sie sich aber nicht mehr so sicher, ob sie überhaupt auf den Ball kommen würden. Die breländische Botschaft hatte nämlich schlicht und ergreifend geschlossen gehabt. Aufgrund des Balls natürlich. Man hatte sie freundlich aber bestimmt auf morgen verwiesen. Auch ihre Ausweise hatten sie nicht weiter gebracht. Der Botschafter war nämlich nicht einmal im Haus gewesen. Zumindest hatte das der Mann am Empfang behauptet.
Na, vielleicht hatten Adamant oder Astamalia mehr Glück gehabt.
In der Zwischenzeit stand sie gemeinsam mit dem Elfen vor der Botschaft. In rascher Folge stoppten hier Kutschen und entluden die Edlen und Reichend der Stadt, die dann den Garten durchschritten und im Inneren der Botschaft verschwanden.
Mehrere der gnomischen Wächter die auf der Straße patrouillierten, hatten ihnen bereits merkwürdige Blicke zugeworfen. Es war wohl nicht üblich, sich so lange vor dem Festgelände aufzuhalten.
Endlich kamen die Halb-Elfe und der Kriegsgeschmiedete um die nächste Ecke. Aber beide sahen nicht sonderlich erfolgreich drein.
„Und?“, fragte Esra dennoch.
Adamant schüttelte den Kopf.
„Die hiesige Priesterin meinte, der Glauben sei in Trolanhafen zu unbedeutend als das sie eingeladen wäre. Außerdem sind Thrane und Aundair immer noch nicht gut aufeinander zu sprechen. Das hätte ich mir eigentlich denken können, dass dann die Botschaftern niemand von meinem Glauben einlädt.“
„Und mich hat man doch tatsächlich ausgelacht“, brummte Astamalia. „Die Führerin der Enklave meinte, nicht jede dahergelaufene des Hauses würde einfach so Karten für den begehrtesten Ball des Jahres bekommen und mich vor die Tür gesetzt. Eine Frechheit so was.“
„Vielleicht kommen wir einfach hinein, wenn wir sagen, dass wir unsere Karten verloren haben?“, schlug Esra vor. Das war die einzige Möglichkeit, die ihr noch einfiel.
„Das ist sehr schwach, aber wir können es probieren“, nickte Astamalia.
Zu viert durchquerten sie das schmiedeeiserne Gartentor und gingen durch den gepflegten Garten auf die Botschaft zu. Der Eingang wurde zu beiden Seiten von einem schwer bewaffneten und mürrisch dreinblickenden Gnomenwächter bewacht. Sie trugen prächtige Ritterrüstungen und schwere Hakenhämmer am Gürtel. Neben dem Rechten stand eine einfache Box auf dem Boden, in der zahlreiche Zettel lagen.
„Willkommen zur Nacht der tausend Sterne. Ihre Einladungen bitte“, leierte der Gnom gelangweilt herunter.
„Ah, es tut uns leid, aber wir haben unsere Einladungen verloren…“, begann Esra, doch der Gnom schüttelte heftig den Kopf.
„Tut mir leid, aber ohne Einladung kann ich Euch nicht auf den Ball lassen. Es kann dabei auch keine Ausnahmen geben. Die Botschafterin legt großen Wert auf die Sicherheitsvorkehrungen“, leierte er weiter. Es klang so, dachte sich Esra, als hätte er diese Phrase heute ebenfalls bereits sehr oft gesagt.
„Natürlich“, seufzte Astamalia und zog die anderen mit sich zurück durch den Garten nach draußen auf die Straße. „Das war’s dann wohl.“
Esra seufzte ebenfalls resignierend und schnupperte dann. Da lag der Geruch von Essen in der Luft. Nach sehr gutem Essen sogar.
Sie lugte um die Ecke in eine kleine Seitengasse und sah, wie von einer Kutsche frisches Fleisch und Gemüse durch eine schmale Tür gebracht wurden aus der eben diese Gerüche kamen. Diese Tür sah aus, als würde sie weiter in die Botschaft führen.
„Kommt!“, rief sie und lief los.
Die anderen folgten ihr verdattert.
Rasch kamen sie zur Kutsche und Esra drückte jedem eine Kiste mit Lebensmitteln oder Wein in die Hand, ehe sie, selbst schwer beladen, die Küche betrat.
Hier herrschte geschäftiges Treiben, doch zum Glück waren die vielen Diener des Balls nicht minder herausgeputzt wie sie selbst.
„Na los, stellt das ab und helft mir dort drüben!“, rief ein Koch mit hochrotem Kopf. „Du da! Schnapp dir einen Besen und kehr die Scherben zusammen!“, nickte er Adamant zu und stellte die anderen drei zu einem Berg von Rosenkohl, ehe er wieder verschwand.
„Los jetzt“, flüsterte Esra und drückte sich mit den anderen beiden durch eine weitere Tür, die sie in den Ballsaal brachte.
Die Wände des Ballsaales waren mit schwarzem und weißem Krepppapier geschmückt und Tanzende Lichter schwebten kreuz und quer durch den Raum und tauchten ihn in ein beständig wandelndes Meer aus Lichtflecken. In der gegenüberliegenden Ecke spielte ein Elfenquartett auf und auf der Tanzfläche befanden sich ungefähr ein Dutzend Tänzer. Ungefähr 40 weitere Leute saßen an den Tischen der standen am Rande der Tanzfläche. Besonders beeindruckend waren die Kostüme, die von allen Anwesenden getragen wurden, egal ob es sich um Gäste oder Diener handelte. Jeder der Anwesenden trug zudem eine aufwendig geschmückte Maske. Die meisten Frauen trugen lange, atemberaubend schöne, halbdurchsichtige Kleider während die Männer in eng anliegenden Hosen und Sakkos gekleidet waren, die durch eingearbeitete Goldfäden und kleine Edelsteine funkelten.
Esra merkte gar nicht, dass ihr der Mund offen stand, als sie den Raum musterte, ehe sich jemand vernehmlich neben ihr räusperte.
„Entschuldigt bitte. Wenn die Herrschaften bitte am Eingang ihre Waffen und die Rüstungen ablegen würden“, forderte sie ein livrierter Diener auf. „Der Krieg ist doch schon zwei Jahre vorbei. Außerdem würde ich Euch gerne auffordern Masken zu tragen.“
Er reichte jedem von ihnen eine einfache schwarz-weiße Maske, wie auch er selbst eine trug und führte sie Richtung Ausgang.
Rasch setzte Esra die Maske auf, so dass die Wächter sie nicht wieder erkennen konnten und löste dann ihre Rüstung und ihre Waffen, die der Diener in einem kleinen Raum im Eingangsbereich versperrte.
„Sie erhalten ihre Ausrüstung natürlich wieder, sobald sie den Ball verlassen“, versicherte er ihnen und nahm auch Thalaëns und Astamalias Ausrüstung entgegen ohne sich etwas anmerken zu lassen. Aber Esra war sich sicher, dass er sich fragte, was sie so schwer gerüstet auf einem Ball zu suchen hatten.
„Ah, das seid ihr ja. War nicht einfach dem Koch zu entrinnen…“, rief Adamant und kämpfte sich durch die Menge zu ihnen durch.
Esra war sicher, dass sie sich nicht einbildete, dass der Diener unter seiner Maske seufzte. Doch forderte er auch Adamant freundlich auf, die Waffen abzugeben und sich eine Maske aufzusetzen, auch wenn man ihn dennoch leicht erkannte. Seine Gestalt war einfach nicht zu verbergen.
„Und nun?“, flüsterte Esra unsicher.

„Am besten mal an die Bar“, schlug Astamalia vor.
Die Magierin fühlte sich endlich wieder wohl in ihrer Haut. Keine Nächte unter freiem Himmel oder in alten Betten. Keine stinkenden und scheuenden Pferde sondern endlich wieder etwas Zivilisation. Beinahe könnte sie vergessen, weswegen sie eigentlich hier waren.
„Habt Ihr auch stärkere Getränke?“, fragte sie den Mann hinter dem Teakholztresen.
„Natürlich. Darf es etwas bestimmtes sein?“
„Rum aus Lhazaar?“, fragte Astamalia. Ihr Vater hatte sie hin und wieder einen Schluck dieses teuflischen Gebräus trinken lassen. Es schmeckte köstlich, aber die Wirkung war mörderisch.
Der Kellner schenkte ohne zu bedenken ein großes Glas der bernsteinfarbenen Flüssigkeit für sie ein und reicht es ihr.
Astamalia bedankte sich und trank einen kleinen Schluck. Wohlige Wärme breitete sich ihre Kehle entlang in den Magen aus.
Zufrieden lächelte sie und sah sich um. Neben ihr stand ein Mann, der nachdenklich die Tanzenden musterte.
„Darf ich Euch um einen Tanz bitten?“, fragte sie, plötzlich von der Lust nach einem Tanz erfasst.
„Natürlich“, freute er sich und nahm sie an der Hand. Astamalia drückte Adamant das Glas in die Hand und verschwand au der Tanzfläche.

Esra bewundert Astamalia wieder einmal für ihre Sicherheit auf solchen Anlässen. Aber dafür kam sie in der Wildnis besser zurecht als die Magiern, dachte sie bei sich, was ihr ein Grinsen entlockte.
„Ist das nicht Turenhart?“, fragte Thalaën plötzlich laut und deutete auf einen Gnom in sehr farbenprächtiger Montur und einer Teufelsmaske, der gerade mit einem anderen Gnom – einem männlichen Gnom – tanzte.
„Scheint mir so. Aber er scheint keine Tanzpartnerin gefunden zu haben. Warum sonst würde er mit einem Mann tanzen. Ich dachte es wäre Brauch, mit jemandem des anderen Geschlechts zu tanzen“, überlegte Adamant laut und drehte dabei Astamalias Glas in den Händen.
Esra versuchte ein Kichern zu unterdrücken.
Sie hatte schon länger, ebenso wie die Magiern, den Verdacht, dass Turenhart mit Frauen nicht sehr viel anfangen konnte.
Der Tanz endete und Turenhart kam schnurstracks auf sie drei zu. Anscheinend hatte er sie noch während des Tanzes gesehen.
„Ich wusste es! Ich wusste, es würde für euch keine Schwierigkeiten darstellen auch ohne Karten auf den Ball zu kommen“, freute er sich. Galant drückte er Esra einen Kuss auf die Hand und bewunderte die Kostüme der beiden Männer – die er am Vormittag noch eigenhändig hergestellt hatte.
„Haben die Herren etwas dagegen, wenn ich Ihnen die Dame kurz zu einem Tanz entführe?“, fragte er plötzlich.
„Was?“, fragte Thalaën verdattert.
„Darf ich Euch um einen Tanz bitten?“, hatte sich Turenhart aber inzwischen schon an Esra gewandt.
„Ich weiß nicht“, erwiderte sie ausweichend. „Ich kann nicht tanzen…“
„Ah, ich auch nicht wirklich“, lachte Turenhart und zog sie auf die Tanzfläche.
Sofort fühlte sich Esra noch unsicherer. Doch Turenhart hatte offenbar gelogen. Er war ein guter Tänzer – glaubte sie. Aber zumindest stieg sie ihm nie auf die Füße. Dennoch kam sie sich sehr fehl am Platz vor, wie sie so über das Parkett tapste.
„Wisst Ihr, dass ich eigentlich immer noch nicht weiß, warum Ihr eigentlich in Trolanhafen seid?“, fragte er plötzlich und klang recht interessiert.
„Ähm, ja. Aber wir dürfen nicht darüber sprechen“, antwortete Esra ausweichend und versuchte nicht vollends aus dem Takt zu kommen.
„Schade“, schnurrte der Gnom. „Ich dachte, Ihr könntet mir etwas mehr über einen Diebstahl erzählen, der sich jüngst in Sharn zugetragen hat.“
Esra versuchte nicht zu stolpern und überzeugend zu antworten:
„Ein Diebstahl? Passiert so etwas nicht öfters in Sharn?“
Turenhart lachte.
„Ja, das ist wohl richtig. Aber es kommt nicht jeden Tag vor, dass jemand einfach so in die Sicherheitsschatzkammer des Königs spaziert und sie dann auch lebend wieder verlässt.“
„Ah“, machte Esra. „Und wo erfährt man solche Geschichten?“
„Man erfährt so das eine oder das andere als Händler“, wich nun Turenhart aus. Aber Esra war sich sicher, dass sie seine Augen unter der Maske schelmisch blitzen sah.
„Darf ich Euch auch eine Fragen stellen?“, fragte Esra.
„Nachdem Ihr die Meinigen mit so viel Begeisterung beantwortet habt?“
Esra beschloss das zu übergehen.
„Wisst ihr zufälligerweise hinter welcher Maske sich die Botschafterin Krell befindet?“
Turenhart lachte auf. Und diesmal klang es wirklich belustigt.
„Aber Dame Emorien. Das macht doch den Reiz eines Maskenballs aus, dass man nicht weiß, wer sich unter welcher Maske befindet. Und man fragt daher auch nicht, wer welche Maske trägt. Ich finde das besonders reizvoll.“
Er machte eine Pause.
„Wie gefällt Euch eigentlich die Dekoration? Ich habe sie entworfen!“
„Oh ja. Ah, ganz gut“, stammelte sie, vom plötzlichen Themenwechsel überrascht.
Das Lied endete und die Leute applaudierten.
„Die Botschafterin trägt die Maske eines Drachen“, flüsterte ihr Turenhart leise ins Ohr. Sogar durch die Maske hindurch konnte sie sein Grinsen sehen. Ihm schien dieses Versteckspiel unglaublichen Spaß zu machen.

Astamalia applaudierte mit den anderen und lächelte ihrem Tanzpartner unter der Maske kokett zu. Es war doch sehr angenehm sich mit einem zivilisierten Mann zu unterhalten, der auch noch Sinn für Humor hatte. Und nicht mit einem fanatischen Kriegsgeschmiedeten oder einem Elf, dem man alles zweimal erklären musste.
„Entschuldigt, aber dürfte ich euch die Dame für den nächsten Tanz entführen“, fragte eine dunkle Stimme plötzlich ihren Partner. Der neu aufgetretene Mann trug die rote Maske eines Wolfes und ein sehr einfaches dunkles Kostüm. An seiner linken Seite hing ein einfacher Rapier.
„Kasha?“, fragte Astamalia erstaunt und merkte kaum, wie sich ihr Tanzpartner mit einem Handkusse verabschiedete und sich zurückzog. „Was macht Ihr denn hier?“
„Der Zufall hat mich hergeführt. Dokumente, die ich im Auftrag Karrnaths an die Botschaft von Aundair bringen sollte. Nichts besonders.“
„Aber dennoch ein wahrer Zufall“, lächelte Astamalia.
„Und was führt Euch hierher?“, fragte Kasha.
„Ein Auftrag über den ich nicht sprechen darf“, erklärte Astamalia ausweichend.
Die Musik setzte ein und Kasha ergriff ihre Hand zum Tanz.

„Wir auf Aerenal verwenden auch hin und wieder Masken bei gesellschaftlichen Anlässen. Allerdings sind es dann Totenmasken, die ein Teil unserer Religion sind und nicht für Vergnügen gefertigt wurden, wie hier“, erklärte Thalaën gerade, als Turenhart mit Esra zurückkam.
„Entschuldigt mich, aber ich muss noch mit einigen potentiellen Kunden sprechen“, verabschiedete sich der Gnom und verschwand wieder in der Menge.
„Ihr habt euren Spaß?“, erkundigte sich die Wandlerin.
„Ich habe Adamant gerade über unsere Riten aufgeklärt in denen Masken eine Rolle spielen“, nickte Thalaën. „Hast du etwa herausgefunden?“
„Ja, die Botschafterin hat eine Drachenmaske. Und unser Freund Turenhart weiß etwas über den Diebstahl in Sharn.“
Thalaën zuckte mit den Achseln und streckte seinen Hals. Er durchsuchte den Raum nach einer Frau mit Drachenmaske. Rasch stellte er fest, dass sie kein Glück hatten.
„Es gibt zwei Drachenmasken und beide werden von Frauen getragen. Eine goldene und eine blaue.“
„Was sollen wir nun machen?“, fragte Adamant, der sich seit sie an der Bar standen, nicht einen Schritt weit bewegt hatte.
Die Frau mit der goldenen Maske stand etwas abseits der Tanzfläche und wurde beständig von einer Traube Personen umgeben. Die andere Frau stand an der Wand, neben ihr zwei recht einfach gekleidete Männer und musterte die Ballgemeinschaft.
„Ich werde mit der Dame in gold tanzen und sie einfach fragen“, nickte Thalaën selbstsicher und durchquerte den Saal.
Es dauerte etwas, bis er sich seinen Weg bis zu der edel gekleideten Dame vorgearbeitet hatte.
„Darf ich um einen Tanz bitten?“, fragte er, kaum dass er vor ihr stand.
Die Frau blickte ihn irritiert an; gut eine Sekunde lang. Doch dann nickte sie schließlich und ließ sich von ihm auf die Tanzfläche führen. Erst jetzt bemerkte Thalaën den kleinen Fehler in seinem Plan: Er konnte absolut nicht tanzen. Zumindest nicht das, was hier als Tanz bezeichnet wurde.
Langsam begann er sch mit der Frau im Kreis zu drehen und stieg ihr auch prompt auf die Füße. Doch sie ließ sich nichts anmerken.
„Gefällt es Euch hier?“, erkundigte sie sich.
„Ja, doch sehr gut. Ich war noch nie auf einer solchen Veranstaltung“, antwortete Thalaën wahrheitsgemäß und machte eine weitere Drehung. Dabei kamen Adamant und Esra ins Blickfeld, die sich ebenfalls auf das Parkett gewagt hatten. Anscheinend um ihn zu belauschen. Aber sie hatten das Problem, dass keiner von ihnen beiden tanzen konnte. Sie hatten rund um sich sehr viel Platz, aber es wurden ihnen auch sehr erboste Blicke zugeworfen. Zumal der große Kriegsgeschmiedete mit der kleinen Wandlerin sehr lustig aussah.
„Wie habt Ihr denn das geschafft?“, fragte die Frau interessiert weiter.
„Oh, ich bin noch nicht so lange auf dem Kontinent. Ich komme aus Aerenal“, erwidere er weiter Wahrheitsgemäß. Thalaën beschloss auf der sicheren Seite zu fahren und sich nicht in ein Lügenkonstrukt zu verwickeln.
„Ah, darf ich dann so unverfroren sein und nach Eurem Namen fragen?“
„Thalaën Tedaé.“
Die Frau schwieg und schien nachzudenken.
„Gehört Ihr zur aerenalschen Delegation hier auf dem Ball?“
Thalaën nickte und spürte zugleich, dass er einen Fehler gemacht hatte. Und nicht nur den, dass er der Frau gerade voll auf den Fuß gesprungen war. Astamalia wanderte durch sein Blickfeld und schüttelte bei seinem Anblick und dem ihrer beiden Freunde nur hoffnungslos den Kopf, bevor sie sich wieder ihrem Tanzpartner – einem Mann mit Wolfsmaske – zuwandte.
„Ich kann mich nicht erinnern Euren Namen auf der Gästeliste gesehen zu haben“, sagte seine Partnerin schließlich kalt.
„Ah, ich bin spontan für meinen Bruder eingesprungen, der krank geworden ist“, antwortete Thalaën blitzschnell und mit soviel Überzeugung wie er konnte. Er war selbst überrascht über diese Schlagfertigkeit.
„Interessant. Da muss ich mit meinem Personal reden. Solche Änderungen in letzter Minute, ohne darüber informiert zu werden, sind ärgerlich.“
Thalaën nickte beflissentlich und zuckte plötzlich zusammen, als sich ihm eine eiskalte Hand auf die Schulter legte. Er drehte sich und sah auf die bloße linke Hand, die dort auf seiner Schulter lag.
„Ihr entschuldigt sicher, wenn ich Euch die Dame für den nächsten Tanz entführe“, sprach der Mann hinter seiner Adlermaske mit bestimmter Stimme.
Ohne eine Antwort abzuwarten nahm er die Hand der Frau mit der goldenen Maske und tanzte mit ihr davon. Thalaën blieb verdattet stehen.

Adamant war nicht lange mit Esra auf der Tanzfläche geblieben. Er hatte rasch erkannt, dass das keine gute Idee gewesne war. Zumal ihn immer noch geringschätzige Blicke trafen. Als ob er etwas dafür könnte, dass seine Erschaffer ihm keine Tanzschritte mitgegeben hatten.
Auch Thalaën kehrte zu ihnen beiden zurück und schließlich auch eine etwas verschwitzte Astamalia, die auf Anhieb ein halbes Glas Rum hinabstürzte.
„Was für ein Tanz“, keuchte sie. „Karawane ist wirklich nur etwas für Personen mit guter Kondition.“
„Ist euch schon aufgefallen, dass der Mann mit der Adlermaske im Zentrum der Aufmerksamkeit von etlichen Personen steht?“, versuchte Adamant ihren Blick wieder auf den Auftrag zu richten.
Die anderen sahen ihn erstaunt an, so dass er nacheinander auf eine Reihe von Personen zeigte. Zuerst die Frau mit der blauen Drachenmaske, die den Blick nicht mehr von dem Mann nahm. Und aber auch eine weitere Frau mit einer hübschen Eulenmaske, die ihn ebenso fixierte wie die Schlange das Kaninchen.
„Na, habt Ihr Spaß?“, fragte Turenhart, der plötzlich zwischen ihnen stand. Er sah ebenso verschwitzt aus wie Astamalia.
„Sagt, Ihr kennt doch so viele Personen hier. Wisst Ihr zufällig wer sich hinter der Adlermaske verbirgt?“, fragte Adamant, was Turenhart dazu brachte mit den Augen zu rollen.
„Also selbst wenn ich es wüsste, würde ich es Euch nicht sagen. Es schickt sich nämlich nicht, so etwas zu fragen.“
„Ihr wisst es also nicht?“, war Adamant nicht gelinde erstaunt.
„Nein. Aber ich würde gern wissen, wer sein Schneider ist. Vor allem dieser eine einfache Handschuh an der rechten Hand ist recht Schick. Na ja, die Arbeit ruft. Vielleicht sehen wir uns noch einmal.“
Adamant sah ihm nicht einmal nach, als der Gnom wieder in der Menge verschwand.

Astamalia spürte, dass der Rum seine Wirkung tat. Sie war zwar noch nicht betrunken, aber doch schon recht beflügelt. Außerdem hatte sie das Gefühl durch den Ballsaal zu schweben, als sie sich der Dame mit der blauen Maske näherte.
„Guten Abend“, sagte sie höflich und erntete nur einen stummen Blick von der Frau und den beiden Männern, die sie flankierte. Astamalia beschloss alles auf eine Karte zu setzen:
„Fragt Ihr euch ebenfalls, wer der Mann ist, der gerade mit der Botschafterin tanzt? Niemand hier scheint ihn zu kennen, wo er doch so gut aussieht…“
„Nein, das frage ich mich nicht“, erwiderte die Frau. „Zudem denke ich, ist es nicht Euer recht zu spionieren, mit wem die Botschafterin tanzt.“
Astamalia lächelte leicht. Zumindest wussten sie nun sicher, wer sich unter der goldenen Maske verbarg, auch wenn es daran kaum noch einen Zweifel gegeben hatte.
Das aktuelle Lied endete und Astamalia applaudierte mit den anderen Gästen. So bekam sie auch nicht sofort mit, wie die Botschafterin ihren Partner stehen ließ und eifrig mit einem ihrer Diener sprach, der dann durch eine Tür im Inneren der eigentlichen Botschaft verschwand. Die Botschafterin selbst blieb neben der Tür stehen und wippte anscheinend ungeduldig mit ihren Füßen. Nun war sie es, die ihren Tanzpartner nicht mehr aus den Augen ließ.
„Interessant“, murmelte die Magiern. Nur zu sich selbst, wie sie feststellte. Denn die Frau mit der blauen Maske war auf die Tanzfläche geschritten und hatte den Mann in der Adlermaske zum Tanz gefordert. Er schien darüber nicht begeistert zu sein, lehnte aber auch nicht ab.
Sehr merkwürdig das alles hier, dachte Astamalia bei sich und wünschte sich inzwischen, sie hätte weniger Rum getrunken.

Adamant raffte sich auf und durchquerte den Ballsaal in Richtung der Frau mit der Eulenmaske. Er konnte immerhin auch versuchen seinen Teil zur Aufklärung dieses Verwirrspiels beizutragen. Es dauerte ziemlich lange sich durch die dichte Menge zu zwängen, auch wenn ihm viele freiwillig versuchten Platz zu machen. Einen so massiven Körper zu haben, hatte auch seine Vorteile.
„Ich grüße Euch“, grollte er mit seiner tiefen Stimme, als er schließlich neben ihr stand.
„Hallo“, antwortete die Frau mit heller Stimme recht wortkarg und würdigte ihn gerade mal eines kuren Blicks.
„Gefällt Euch der Abend?“, versuchte sich Adamant in Konversation.
„Geht einigermaßen.“
Die Dame schien nicht sehr an einem Gespräch interessiert zu sein. Doch auch Adamant wusste, dass es sehr unhöflich war, ihn so zu behandeln.
„Kennt Ihr diesen Herrn oder die Dame etwa? Der Herr scheint heute ja im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu sein. Dabei konnte mir noch niemand mit dem ich bis jetzt gesprochen habe sagen, wer er eigentlich ist.“
Die Frau sah ihn irritiert an und ging dann ohne weitere Worte auf die Tanzfläche. Die Musik hatte gerade geendet.

Astamalia hatte sich bereits strategisch in Position gebracht und kaum hatte die Musik geendet ging sie auf den Mann in der Adlermaske zu. Es konnte nicht so schwer sein, einen Tanz mit ihm zu ergattern.
Doch plötzlich standen sie zu dritt um ihn herum. Seine aktuelle Tanzpartnerin, die Frau mit der Eulenmaske und sie selbst.
„Dürfte ich Euch um einen Tanz bitten?“, fragte Astamalia rasch, bevor es eine der andern konnte. Doch er ignorierte sie und ging mit der Frau in Eulenmaske weg.
„Wie unhöflich!“, fauchte Astamalia.
„Ja, durchaus“, stammelte die Frau mit der blauen Drachenmaske und taumelte unsicher zu ihrem Platz an der Mauer zurück. Irritiert sah ihr Astamalia nach. Was war denn in die gefahren?

Adamant beschloss hartnäckig zu sein und schloss zu dem Pärchen auf. Währenddessen versuchte er auf magischem Wege Untote zu entdecken. Der Bericht Thalaëns über die eiskalte Hand hatte ihn stutzig gemacht, auch wenn er keine Untoten kannte, die sich in Wölfe verwandeln konnten. Tatsächlich spürte er von dem Herrn eine unheilig Aura ausgehen.
„Entschuldigt, wenn ich störe“, begann er nicht sehr freundlich. „ Aber ich frage mich schon eine geraume Zeit, wer Ihr seid, der ihr soviel Aufmerksamkeit auf Euch zieht.“
„Kennen wir uns?“, fragte der Mann und musterte ihn von Kopf bis Fuß.
„Das kann ich erst dann sagen, wen Ihr mir verratet, wer Ihr seid.“
Der Mann überhörte die Frage.
„Ich denke ich kenne Euch. Ich habe Euch von meiner Kutsche aus gesehen. Ihr habt versucht mich umzubringen!“
Er riss sich die Maske vom Kopf. Eine Perücke flog mit davon und langes blondes Haar fiel herab. Lucan musterte Adamant aus gefährlich aussehenden roten Augen.
„Ihr werdet mich nicht stoppen!“, schrie er wie irre.
Er machte eine Bewegung mit seiner offenen Hand und plötzlich hatte er ein Schwert in der Hand. Ein Schwert mit einem großen roten Rubin im Griff: Die Seelenklinge!
Schreie ertönten, als die ersten Besucher des Balls die gezückte Klinge entdeckten. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Panik, die Musik verstummte und die Leute begannen in Richtung der Ausgänge zu laufen.
Adamant blockte den ersten Schlag der Klinge mit seiner Faust. Eine tiefe Furche blieb zurück. Erschrocken taumelte er zurück.
Gerade rechtzeitig, denn ein magischer Energiestrahl von Astamalia zuckte an ihm vorbei und traf die Frau mit der Eulenmaske, die gerade einen Schutzzauber auf sich gewirkt hatte.
Adamant holte sein silbernes Amulett hervor und hob es gegen Lucan.
„Weiche, Ausgeburt der Finsternis!“, dröhnte seine Stimme durch den Lärm im Saal.
Doch Lucan lächelte nur milde und holte zu einem zweiten Schlag aus, der voll seine Panzerung durchschlug. Noch aber war er nicht außer Funktion. Er schmetterte seinerseits die Faust gegen den Kopf Lucans, der jedoch darüber keine Reaktion zeigte.
Das würde interessant werden.

Astamalia versuchte eine vernünftige Wahl zwischen Schutzzaubern und Angriffszaubern zu finden. Aber immer wieder kam ihr die Menge in die Quere, die ihr durch das Schussfeld lief. Hinzu kamen noch die Wachen, die überall im Raum stationiert gewesen waren und nun wahllos auf jeden schossen, der so aussah, als würde er kämpfen wollen. Auch an ihr war bereits ein Bolzen vorbeigezischt.
Thalaën und Esra waren irgendwo in Richtung Vordereingang verschwunden. Hoffentlich um nach ihren Waffen zu suchen und nicht um sich aus dem Staub zu machen.
Ein magisches Geschoss der Begleiterin Lucans prallte an ihrem magischen Schild ab, sie feuerte mir gleicher Münze zurück. Aber auch hier war das Ergebnis das gleiche. Da musste sie wohl schwerere Geschütze auffahren.
Doch ihre brennenden Hände verfehlten ihr Ziel. Verdammt! Langsam gingen ihr die wirkungsvollen Zauber aus. Aber noch hatte sie ein paar in Reserve.

Thalaën hätte sich nie von einem Kampf zurückgezogen. Doch ohne Waffen in den Kampf zu ziehen war wohl ebenso erbärmlich, wie das fliehen vor dem Kampf feige war.
Er schaffte es gemeinsam mit Esra vor der Menge den Eingang zu erreichen, vorbei an einem fleißig mit seiner Armbrust feuernden Wachposten.
„Wir brauchen unsere Waffen und unsere Rüstungen!“, bellte er den Wachposten vor der Waffenkammer an. Doch der Gnom zuckte nicht einmal mit einer Wimper.
Thalaën fauchte.
„Das habt ihr euch dann selbst eingebrockt!“
Mit aller Kraft schlug er dem Gnom ins Gesicht. Aber er hatte den kleinen Posten wohl etwas unterschätzt. Er schlug zwar heftig gegen die Tür hinter ihm, schüttelte aber dann nur den Kopf und zückte seinen Hakenhammer mit dem er nach dem Elfen hieb und ihm eine hässliche Fleischwunde zufügte.
Thalaën unterdrückte einen Aufschrei. Doch noch bevor ihn der Gnom ein weiteres Mal treffen konnte hatte ihm Esra schon gegen die Hand geschlagen. In einem hohen Bogen flog die Waffe in ihre Hand, was sowohl Thalaën als auch den Wachposten verblüffte.
„Na, was sagt Ihr jetzt?“, lächelte ihn Thalaën an. Da blieb ihm das Lachen auch schon im Hals stecken. Eine Meute von gut und gerne zwanzig Personen stürmte auf den engen Eingang zu. Und sie wurden keinen Deut langsamer, obwohl sie zu dritt fast den ganzen Eingang blockierten.
„Halt!“, rief Thalaën noch, bevor die Menge über ihn hinwegrollte.

Langsam wurde es Adamant zu bunt. Nicht nur, dass Lucan immer wieder auf ihn einschlug, nein, er musste sich auch noch gegen die Bolzen ducken, die immer wieder durch den Raum pfiffen. Sie mochten zwar Lucan nichts anhaben und auch seine Rüstung durchschlugen sie nur schwer, aber dennoch wurden sie lästig. Ebenso wie der Mann, der seinen Rücken seit einer Minute mit harten Handkantenschlägen bearbeitete. Nicht, dass es schmerzte, aber es war eben auch lästig.
Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich die Botschafterin erschrocken über die Geschehnisse auf ihrem Ball hinter der Tür zur Botschaft und hinter den beiden schwer gerüsteten Wachen verbarg. Hinter Lucan landete Astamalia mit einem Zauber einen schweren Treffer bei der Begleiterin Lucans. Das lenkte den Vampir endlich ab. Er ließ von ihm ab und wandte sich seiner Begleiterin als Unterstützung zu. Adamant hatte nun endlich Zeit den hinteren Angreifer zu mustern. Es war einer der beiden Männer, die zuvor neben der Frau mit der blauen Drachenmaske gestanden waren. Er prügelte immer noch ohne Erfolg auf seine Brust ein. Die Frau mit der blauen Maske schrie, einen Zauberstab hoch erhoben, in einer der Menschenmengen. Anscheinend versuchte sie sich von ihr loszureißen.
Wieder landete der Mann vor ihm einen Treffer, der dazu führte, dass er schmerzhaft das Gesicht verzog und sich seine geschwollene Hand hielt. Das reichte.
Adamant holte aus und verpasste ihm einen harten Schlag an den Kopf, der ihn zu Boden gehen ließ. Der Kriegsgeschmiedete gönnte sich ein Grinsen.

Esra keuchte, als sie sich wieder aus der Menge befreit hatte. Neben ihr auf dem Boden lag der bewusstlose Gnom. Thalaën hatte grinsend den Schlüssel zur Waffenkammer in der Hand.
„Gut gemacht!“, lobte sie den Elfen, nahm ihm den Schlüssel ab und schloss die Kammer auf. Rasch langte sie nach dem Krummsäbel für Thalaën und ihrem Bogen. Für mehr war keine Zeit. Schon gar nicht für ihre Rüstungen. Auch wenn sie sicherlich gut zu gebrauchen gewesen wären.
Als sie wieder in den Ballsaal zurückkehrte, hatte sich die Situation etwas vereinfacht. Die meisten Nichtkämpfenden waren durch die Ausgänge bereits verschwunden. Nur mehr Lucan, seine Begleiterin, drei Wachposten, die Frau mit der blauen Maske und ihre beiden Männer, sowie die Botschafterin waren anwesend.
Ohne lange zu überlegen zog Esra einen Pfeil und feuerte auf Lucan, der das Geschoss in seinem Arm aber nicht beachtete. Esra fluchte und feuerte das zweite Geschoß auf die bereits recht geschwächte Begleiterin. Ihr Pfeil ließ sie Taumeln.
„Grilsha! Flieh!“, hörte sie Lucans Stimme.

Thalaën stieß seinen Kriegsschrei aus und stürmte an Esra und einem der gnomischen Wächter vorbei in den Saal. Wild schwang er seinen Doppelkrummsäbel und stürzte damit auf den völlig überraschten Lucan zu. So gelang ihm auch eine Hand voll Treffer. Doch dann hatte sich der ehemalige Agent gefangen und begann zu parieren. Dabei musste Thalaën ungläubig zusehen, wie sich seine Wunden nach und nach wieder schlossen und nur zerschlissene Kleidung zurückließen. War denn dieser Kerl gar nicht klein zu kriegen?

Astamalia wandte ihren letzten und stärksten Zauber an, den sie noch im Repertoire hatte: Gedankenbrand. Er saugte die Magie aus dem getroffenen Wesen. Und tatsächlich taumelte die Frau noch stärker, doch mit einem Mal war sie verschwunden.
Astamalia stutzte. Nein, das durfte nicht wahr sein.
„Sie hat sich unsichtbar gemacht! Schließt die Türen!“
Zugleich löste sich auch Lucan aus seinem Kampf mit Thalaën und strebte die Küchentür an. Der Elf versuchte sich noch dazwischen zu werfen, doch Lucans Konturen begann sich langsam zu verflüchtigen.
„Meena! Wage es nicht!“, gelte die Stimme der Botschafterin durch den Saal.
Erschrocken fuhr Astamalia herum. Die Frau in der blauen Maske hatte die Arme erhoben und verwob sie zu raschen, komplizierten Gesten. Dennoch erkannte sie den Zauber. Ein Feuerball…
…zischte an ihr vorbei und detonierte nahe der Küchentür. Eine Feuerkugel stand im Raum, entzündete die Dekoration. Thalaën wurde ebenfalls erfasst, schaffte es aber noch sich zu einer kleinen, schützenden Kugel zusammen zu rollen. Einer der beiden Gefährten von Meena starb schreiend im Feuer. Sie schien keine Skrupel zu kennen.
Die Feuerkugel verebbte und ließ eine verkohlte Leiche, einen angesengten Elfen und brennende Dekoration zurück. Von Lucan und seiner Begleiterin war keine Spur zu sehen.
„Das war wohl nichts“, flüstere Astamalia und versuchte sich langsam wieder zu entspannen.

Es zeigte sich rasch, dass das Botschaftspersonal und die gnomischen Wächter sehr effizient waren. Die aufkeimenden Feuer wurden rasch gelöscht und die vier Abenteurer ebenso rasch in Gewahrsam genommen.
Aus der Distanz bekamen sie mit, wie die Botschafterin mit einer sichtlich erschütterten Meena sprach. Auch wenn sie immer noch nicht genau wussten, wer diese Meena war und wie sie in dieses Spiel einzuordnen war.
Adamant seufzte und begutachtete seine Wunden. Dann sah er sich im Saal um. Zum ersten Mal fiel ihm auf, dass er seit geraumer Zeit weder von Turenhart noch von diesem Kasha, mit dem Astamalia zuvor getanzt hatte, eine Spur gesehen hatte. Fast wirkte es, als hätten sich beide vor der Eskalation des Balls zurückgezogen. Glück? Oder wussten sie mehr als sie vier?
Endlich kam die Botschafterin zu ihnen. Sie wirkte halb neugierig und halb wütend.
Genau so baute sie sich auch vor ihnen auf.
„Ich hoffe, ihr habt eine Erklärung für all das hier!“, rief sie und deutete auf den verwüsteten Raum.
„Für den Feuerball können wir nichts. Das war Eure Freundin Meena“, rechtfertigte sich Astamalia schmollend.
Die Botschafterin winkte ab.
„Manche Agenten der königlichen Augen pflegen ihre Arbeit etwas zu übertreiben.“
„Königliche Augen?“, war Adamant verwirrt. Er konnte sich nicht erinnern jemals von einer solchen Organisation gehört zu haben.
„Das ist der Geheimdienst meiner Heimat Aundair“, erklärte Astamalia. Sie klang plötzlich nicht mehr so abweisend.
„Sehr richtig. Somit wäre geklärt, was sie hier machte. Aber nicht, warum ihr unerlaubterweise auf meinen Ball eingedrungen seid. Und wer ihr eigentlich seid.“
Adamant beschloss, dass es an der Zeit war, die Wahrheit zu sagen. Ohne würden sie hier ohnedies nicht mehr herauskommen.
Also erzählte er von ihrer Mission, ihrem Auftraggeber Viorr und den Auftrag Lucan und das Schwert wieder zu beschaffen.
„Nun wisst Ihr alles, was wir wissen. Aber das erklärt uns noch nicht, warum Lucan bei Euch auf dem Ball war.“
Krell lächelte, als würde sie sich an etwas erinnern.
„Lucan und ich waren alte Freunde. Er bat mich um Hilfe und ich habe sie ihm gewährt.“
„Obwohl die königlichen Augen nach ihm suchten? Obwohl er ein Untoter war?“, fragte Adamant ungläubig.
„Damals wusste ich noch nicht, dass er ein Vampir war. Das wurde mir erst klar, als ich mit ihm tanzte und seine kalte Hand auf meiner spürte. Ich wollte noch, dass er etwas hier bleibt, sich ausruht und sich etwas amüsiert, während ich nach einem Kleriker schickte. Aber da ist leider schon alles aus dem Ruder gelaufen.“
„Ihr habt ihm also bereits geholfen?“, fragte Esra.
Die Botschafterin nickte.
„Ja. Ich habe ihm eine Passage auf dem Luftschiff Wolkenschicksal besorgt. Ebenso gültige Reisepapiere und Dokumente.“
„Wohin ist dieses Schiff unterwegs?“
„Nach Korth in Karrnath.“
Astamalia schüttelte den Kopf.
„Viel wichtiger ist: Wann fliegt das Schiff ab?“
„In weniger als einer Stunde.“
Ein dreifaches Seufzen war die Antwort.
„Schaffen wir es von hier aus in einer Stunde zum Turm?“
„Das könnte knapp werden“, erwiderte Krell.
Wieder schien sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sprechen. Adamant war sich sicher, dass sie nicht wirklich bereute, dass sie dem Vampir geholfen hatte.
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

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    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #25 am: 25. März 2008, 11:22:50 »
Von hier nach da

Manchmal machte es das normale Leben schwieriger, wenn man ein so ungewöhnliches und gefürchtetes Wesen war, wie er selbst. Er zog sich seine Kapuze tiefer ins Gesicht und lehnte sich gegen die Hauswand gegenüber der Botschaft.
Der Ball im Inneren war anscheinend in vollem Gange. Und irgendwo da drinnen war Lucan mit der Seelenklinge. Und wahrscheinlich waren diese vier merkwürdigen Gestalten ebenfalls dort drinnen. Für die Lebenden war es leichter auf so offene Veranstaltungen zu kommen. Mumien wurden dazu eher selten eingeladen.
Dafür hatte es andere Vorteile untot zu sein. Urosh verzog ein mumifiziertes Gesicht zu einem kurzen Grinsen bevor er wieder in Gedanken versank.
Er hatte sehr viel Glück gehabt, doch noch hierher zu kommen. Dabei hatte alles so gut angefangen. Er hatte die Spur der Abenteurer verfolgen können und die Magierin hatte ihm auch noch gesagt, wo sie Lucan würde finden können. Doch dann war er auf diesen verdammten Kleriker der Silbernen Flamme gestoßen, in einem Tempel nahe Zilspar. Und es musste auch noch dazu ein alter Kriegsveteran sein, einer der den Grundsätzen seines Glaubens treu war und anscheinend ganz heiß darauf, eine Mumie zur Strecke zu bringen. Er hatte Urosh tagelang durch die Wälder nahe der Grenz gejagt und schließlich ein recht unrühmliches Ende auf einer Waldlichtung gefunden. Wahrscheinlich würde er niemals gefunden werden. Aber er hätte ja durchaus auch in seinem Tempel bleiben können.
So war er erst vor wenigen Stunden in die Stadt gekommen. Und hier hatte er endlich wieder etwas Glück gehabt. Die vier Abenteurer waren deutlich zu offen aufgetreten, seid sie sich hier in der Stadt befanden. Es hatte nur weniger Tote und einiger gebrochener Knochen bedurft, bis er herausgefunden hatte, wonach sie suchten: Eintrittskarten für den Ball der Botschaftern von Aundair. Das konnte nur bedeuten, dass Lucan auch hier war. Zumindest war das seine Annahme. Er hoffte inständig, dass er damit recht hatte, denn ansonsten würde Caldera sehr wütend werden.
Die Zeit verging weiter und langsam wurden die Wachen am Tor auf ihn aufmerksam. Es kam wohl nicht oft vor, dass so dunkle Gestalten im Botschafterviertel herumhingen. Wenn der Ball noch länger dauerte, dann würde er sich eine neue Taktik überlegen müssen.
Wie auf Kommando erklangen Schreie von drinnen, die Wachen verschwanden durch das Tor. Weitere Schreie erklangen und erste Gäste stürmten erschrocken ins Freie.
Es klang ganz danach, als ob Lucan seine Tarnung aufgegeben hätte.
Urosh richtete sich auf und sah sich gebannt um. Lucan würde den Ball wohl kaum erhobenen Hauptes durch die Vordertür verlassen.
Im Inneren ging das Gefecht anscheinend seinem Höhepunkt entgegen. Immer mehr Leute strömten aus dem Gebäude hervor, doch nirgends waren Lucan oder seine Schwester zu sehen. Auch die Aura der Seelenklinge war nirgends zu entdecken.
Hinter den Fenstern loderte plötzlich ein Flammenmeer auf, die Scheiben zersplitterten und durch die Menge auf der Straße ging ein Schreckensschrei. Dann wurde es mit einem Male ruhig. Anscheinend war der Kampf vorbei.
Aber wie war er ausgegangen?
Eine Ecke weiter erschien plötzlich eine rothaarige Frau im Ballkostüm – praktisch aus dem Nichts. In der einen Sekunde war sie da, in der anderen verschwunden. Sekunden später schwebte eine Nebelwolke heran und materialisierte neben ihr, zu einem hochgewachsenen blonden Mann. Lucan!
Doch noch bevor Urosh weiter reagieren konnte, hatten sich die beiden eine Kutsche herbei gewunken, die nun ratternd davonfuhr.
Aber das würde ihn nicht aufhalten. So schnell es seine Beine ermöglichten, und ohne die Fähigkeit Erschöpfung zu spüren, rannte Urosh der Kutsche hinterher. Und schon bald erkannte er das Ziel seiner beiden Opfer. Der Luftschiffturm des Hauses Lyrandar.

***

Thalaën kämpfe immer noch damit seine Rüstung richtig anzulegen, als sie auf die Straße hinausrannten.
„Wie kommen wir am schnellsten zum Luftschiffturm?“, fragte sich Astamalia und blickte die Straßen und den Kanal hinauf und hinunter.
„In dieser Stadt wahrscheinlich mit einem der Boote“, deutete Esra auf die schlanken Boote, die entlang der Kanalmauer festgemacht waren und auf Kundschaft warteten.
„Sehr gut!“, nickte Astamalia und sprang als erste in den langen Kahn. „Zum Luftschiffturm! Schnell!“
Der alte Gnom nickte bedächtig und griff nach seinem Ruder. Aber er stach es erst ins Wasser, als sie alle vier auf ihren Plätzen saßen, und keine Sekunde früher.
Langsam stakte er den Kanal hinunter.
„Kann ich Euch ein Lied während der Fahrt singen?“, fragte er freundlich.
„Nein, aber Ihr könntet etwa schneller fahren“, ereiferte sich Astamalia und versuchte an Hand der Sterne und der Stellung der Monde die Uhrzeit zu bestimmen.
„Wirklich eine klare Nacht“, stellte der Gnom fest und richtete ebenfalls seinen Blick gen Himmel. Worüber er auf der Stelle sein Boot vergas.
„Könntet Ihr Euch wohl etwas beeilen? Wir müssen dringend noch dieses Luftschiff erreichen! Wir legen auch zehn Goldmünzen zum regulären Fahrpreis hinzu“, versuchte es Astamalia auf diese Art und Weise.
Das Gesicht des Gnom fuhr herum und trug nun ein breites Lächeln.
„Warum sagt Ihr das denn nicht gleich?“
Er murmelte etwas gen Heck des Bootes und plötzlich wurde es rasch schneller und schoss geradezu durch die Kanäle der Stadt.
„Magie ist etwas herrliches!“, rief der Gnom über das Rauschen des Fahrtwassers hinweg.
Esra hielt sich mit beiden Händen am Rand des Bootes fest und versuchte nicht in die weiße Gischt zu blicken, die zu beiden Seiten des Bootes rauschte. Auch Thalaën und Adamant schien dieses haarige Tempo in den engen Kanälen nicht ganz koscher zu sein.
Erst als der Kahn in die Bucht von Trolanhafen einfuhr und der Turm des Hauses Lyrandar vor ihnen aufragte, atmeten sie etwas auf.
Der Turm erhob sich deutlich über alle anderen Gebäude der Stadt und Astamalia konnte erkennen, dass ihr Haus hier bereits für die Zukunft geplant hatte. Es gab fünf Andockbuchten, was sehr viel war, für die doch noch recht kleine Luftschiffflotte, die ihr Haus unterhielt. Im Augenblick lagen zwei Schiffe am Turm vor Anker.
Ein sehr kleines Schiff, das aus kaum mehr als dem Elementarring und einem Platz für die Besatzung bestehen konnte – wahrscheinlich ein Kurierboot, nahm sie an – und ein weiteres, dessen Feuerelementar immer wieder hell aufleuchtete. Es machte sich bereit für den Abflug.
„Das Schiff auf der obersten Plattform muss die Wolkenschicksal sein. Es macht sich gerade bereit für den Abflug. Wir müssen uns wirklich beeilen, sonst ist Lucan weg!“

Thalaën hastete den anderen voran die enge Wendeltreppe im Inneren des Turms nach oben. Etwas außer Atem gelangte er am oberen Ende es Turms in ein leeres Büro, von dem aus eine Tür auf die Andockplattform führte. Die Tür stand weit offen und das laute Rasseln des Feuerelementars war bis hier herein zu hören. Mehrere gnomische Hafenarbeiter befanden sich auf der Plattform und waren gerade dabei die letzten Seile einzuholen, die das Schiff noch am Turm festhielten. Eine einzelne schmale Planke stellte die letzte verbliebene Verbindung zwischen dem Turm und dem Schiff dar.
„Halt! Nicht ablegen! Wir müssen auch noch an Bord!“, rief Thalaën den Gnomen zu und stürmte auf die Plattform.
Irgendwie reagierten die Gnome nicht so, wie er erwartete hatten. Jede der fünf Gestalten ließ fallen, was sie gerade in der Hand hatte und plötzlich hatten sie Langschwerter und Bögen in den Händen.
„Was soll denn das?“, fluchte Thalaën, wobei jedoch seine jahrelange Konditionierung als Kämpfer wieder durchkam. Ehe er sich versah hatte er seinen Krummsäbel gezückt und damit den ersten Angriff geblockt. Nicht jedoch den Pfeil, der ihn im selben Moment schmerzhaft an der Schulter traf.
„Arrgh!“, rief er lauft und prügelte auf den erstbesten Gnom ein, der es auch auf ihn abgesehen hatte. Astamalias Bolzen und Esras Pfeile zischten an ihm vorbei. Doch die Gnome waren klein, gut gepanzert und hatten durch die Kisten, die überall auf der Plattform standen, gute Deckung.
Thalaën schlug weiter auf den Gnom ein, der langsam aber sicher unter den wuchtigen Schlägen zu Boden ging.
„Das Schiff! Es legt ab!“, rief Astamalia.
Thalaën wagte eine Blick an seinem Opfer vorbei ans Ende der Plattform. Tatsächlich waren mehrere Halbelfen gerade dabei weitere Seile zu lösen. Sie würden wohl nicht auf den Ausgang dieses Kampfes warten.
„Wir müssen so rasch als möglich auf dieses Schiff!“, übertönte abermals die Stimme der Magiern die Kampfschreie und das Elementar.
„Dann mir nach!“, rief Thalaën und sprang über die ersten Kisten auf das Schiff zu. Die Gnome hieben nach ihm. Schwerter und Pfeile krachten in seine Rüstungen und drangen in sein Fleisch. Doch so leicht brache man einen wahren Elfen nicht zu Fall!
Adamants schwere Schritte hinter ihm brachten die Plattform zum vibrieren. Und auch ihn deckten die Gnome mit Schlägen ein. Thalaën konnte das Schaben von Stahl auf Adamantit vernehmen. Aus den Augenwinkeln sah er, wie auch die beiden Frauen im Windschatten von Adamant und ihm folgten. Esra sprang so elegant zwischen den Kisten und den Angreifern hin und her, dass sie kaum getroffen wurde. Zudem war sie fast unhörbar. Wie eine Katze.
Astamalia wiederum hatte ihren Rucksack an die Brust gepresst und rannte mit eingezogenem Kopf. Doch waren die meisten der Gnome mit den ersten drei Angreifern offenbar zur genüge beschäftigt. Nur wenige machten sich noch die Mühe nach ihr zu schlagen.
Thalaën überquerte die schmale Planke und machte am Schiff Platz für die nächsten. Achtlos warf er seinen Säbel zur Seite und holte in einer fließenden Bewegung Pfeil und Bogen hervor, um seinen Freunden Rückendeckung zu geben. Die Halbelfen, welche hinter und neben ihm das Schiff weiter für den Abflug bereit machten, beachtete er gar nicht. Ebenso wenig wie sie ihn.
Adamant folgte wenig elegant, Esra und Astamalia dicht auf.
Keine Sekunde zu spät.
Auf magischen Wege verschwand die Planke im Inneren des Schiffs und das Luftschiff entfernte sich zuerst langsam, dann aber rasch schneller werdend vom Turm. Trolanhafen und das Meer blieben im Süden hinter ihnen zurück.

„Das war knapp“, lächelte Esra und zog sich einen abgebrochnen Pfeil aus der Rüstung.
„Ja, in der Tat. Aber ich denke, es ist am besten, wenn ihr vier hier gleich wieder aussteigt oder mir sofort Eure Passagescheine zeigt!“, dröhnte eine dunkle Stimme hinter ihnen.
Erschrocken drehte sich Esra gemeinsam mit den anderen um. Ein grimmig blickender Halbelf und vier Besatzungsmitglieder standen vor ihnen. Jeder hatte eine Waffe in Händen. Und auch wenn sie damit nicht sehr bedrohlich wirkten, so schienen sie doch auf jeden Fall sehr entschlossen.
„Ihr habt schließlich gesehen, dass wir etwas spät kamen. Wir dachten, wir könnten vielleicht noch an Bord Karten kaufen“, rechtfertigte sich Esra und verfluchte sich dafür, den Bogen bereits wieder weggesteckt zu haben.
„Falsch gedacht. Und wenn Euch keine bessere Ausrede einfällt, dann werdet ihr sehr schnell über meine Planke marschieren.“
„Wir können uns doch sicherlich über einen Preis für die Passage einigen. Von einem Mitglied des Hauses zu einem anderen?“, fragte Astamalia und löste das Halstuch, das ihr Drachenmal verbarg.
„Gerade Ihr solltet am besten wissen, dass man mit Bestechung nur einen raschen Flug nach unten erhält und vor allem aber, dass man Tickets ausnahmslos vor Antritt der Fahrt erwirbt!“, grollte er weiter und machte einen bedrohlichen Schritt auf die Gruppe zu.
Esra wagte einen Blick hinter sich. Hinter ihr war nicht einmal eine Reling. Dafür darunter eine rabenschwarze Dunkelheit, soweit das Auge reichte.
„Wie teuer müsste die Passage denn sein, damit wir nicht über die Planke gehen müssen?“, fragte Esra und versuchte von dem endlosen Abgrund wegzukommen.
„Ich sagte Euch doch bereits, dass ich mich nicht bestechen lassen! Wer will als erster gehen?“
Es schien ihm wirklich ernst zu sein. Esra seufzte. Da war sie soweit gekommen, nur damit sie von einem Luftschiff gestoßen wurde?
„Aber Zweitausend Galifar für das Haus werdet Ihr doch kaum ablehnen können“, probierte es Astamalia ein letztes Mal.
„Hm“, machte da der Kapitän und trat wieder einen Schritt zurück. Rasch holte die Magiern einen Lederbeutel hervor und warf ihm den zu. Mit einer Hand machte ihn der Kapitän auf und warf einen raschen Blick hinein. Dann deutete er seinen Männern die Waffen sinken zu lassen.
„Das sollte bis Starilaskur reichen. Dann aber fliegt ihr keinen Kilometer weiter mit der Wolkenschicksal, wenn ihr nicht ordentliche Reisepapiere und Tickets vorweisen könnt. Außerdem ist das Schiff ausgebucht. Ich kann Euch nur eine kleine Kammer zur Verfügung stellen. Man wird Euch zeigen, wo sie zu finden ist.“
Er nickte ihnen vier zu und zog sich dann mit seinem Geld und seinen Männern zurück.
Sofort machte Esra einen Sprung von der offenen Reling weg.
„Was für ein Tag“, keuchte sie.
„Auf jeden Fall. Ich brauche dringend ein Bett“, stimmte ihr Astamalia zu.
Thalaën brummte etwas unverständliches, aber es klang nicht sehr freundlich und bezog sich sicherlich auf seine Schlaferlebnisse.

***

Thalaën öffnete träge seine Augen. Wie jedes Mal nach dem Aufwachen, brauchte er eine Weile um sich zu orientieren. Er lag auf dem Rücken in einem winzigen Raum. Nur wenig Handbreit über ihm befand sich eine hölzerne Decke. Schritte und das Knarren von Holz war zu hören. In seinem Kopf spukten immer noch verwirrende Bilder seiner Träume umher.
„Guten Morgen! Komm, aufstehen! Die anderen sind schon längst am Frühstücken!“, rüttelte ihn Astamalia wach.
Die Erinnerungen kehrten wieder. Der Ball, Lucans Flucht, die Hatz zum Luftschiff, der Kampf am Turm.
Er rollte sich aus der Pritsche und landete federnd am Boden. Der Raum war gerade groß genug, dass Astamalia und er nebeneinander darin stehen konnten.
Zum Glück ging die Tür nach draußen auf.
Die Halbelfe führte ihn sicher durch die verwirrenden Gänge des Unterdecks bis in den Bug, wo sich die Messe für die Besatzungsmitglieder befand. Esra und Adamant saßen bereits an einem Tisch, der sich vor Essen fast bog. Außer ihnen war nur eine alte Dame und ein dicker, etwas verschlafen und alkoholisiert wirkender Halbling anwesend.
„Morgen“, begrüßte sie Esra mit vollem MUnd.
Sie setzten sich und begannen schweigend zu essen. Adamant sah ihnen zu.
„Wie geht es jetzt weiter?“, fragte Thalaën, ebenfalls mit vollem Mund. „Sollen wir anfangen das Schiff zu durchsuchen? Immerhin wissen wir ja nicht einmal mit Sicherheit, ob sich Lucan an Bord befindet.“
Astamalia seufzte.
„Könntet ihr es euch bitte abgewöhnen, mit vollem Mund zu sprechen? Das gehört sich einfach nicht. Abgesehen davon: Ich denke nicht, dass uns der Kapitän gestatteten wird herumzusuchen. Und unsere Ausweise werden uns auch nicht weiterhelfen. Die Luftschiffe des Hauses unterstehen keinem König, wodurch unsere Dokumente hier in der Luft auch keine Gültigkeit haben.“
„Ich könnte versuchen ihn mittels meiner göttlichen Kräfte zu lokalisieren. Wenn er wirklich ein Vampir ist. Auch wenn es mich wundert, dass sich ein Vampir in einen Wolf verwandeln kann“, warf Adamant ein. „Wir werden dann zwar immer noch nicht einfach in seine Kajüte stürmen dürfen um ihn festzunehmen, aber dann wissen wir wenigstens, dass wir auf der richtigen Spur sind.“
„Ich denke, dass er auf jeden Fall an Bord ist“, sinnierte Astamalia. „Wie wäre sonst das Verhalten der Gnome auf der Plattform zu erklären? Und auch der Kapitän verhielt sich etwas unfreundlicher, als es notwendig gewesen wäre. Außerdem erhielt er von Krell die Papiere für eine Reise nach Korth. Nein, Lucan ist an Bord.“
„Aber was will er ausgerechnet in Korth?“, überlegte Thalaën, wiederum mit vollem Mund.
„Vielleicht führt ihn das Schwert dorthin?“, schlug Esra vor.

An Deck war wesentlich mehr los, als unten in der düsteren Messe. Eine steife Brise umwehte sie, als sie das Oberdeck erreichten. Unter ihnen zog sich die Landschaft Zilargos dahin. Ebenen und Wälder, hin und wieder unterbrochen durch kleine Ortschaften und Straßen. Über ihnen spannte sich ein azurblauer Himmel.
„Das Schiff ist ziemlich groß. Ich hoffe, dass ich jeden Bereich erfassen kann“, überlegte Adamant und überschlug dabei im Kopf, wo in etwa die Mitte des Schiffes sein würde.
Dorthin stellte er sich und begann seinen Zauber zu weben. Er bereitete sich darauf vor, die Präsenz eines Untoten zu spüren, so nah und stark, wie er es auf dem Ball erlebt hatte. Doch nichts passierte. Keine Untoten Seelen waren in seinem Erfassungsbereich.
„Und?“, fragte Thalaën, dem sein enttäuschtes Gesicht offenbar nicht aufgefallen war.
„Nichts. Gar nichts“, schüttelte Adamant den Kopf. Er war niedergeschlagen. Das Böse war ihnen entwischt.
„Lucan befindet sich nicht an Bord der Wolkenschicksal. Wir haben ihn verloren.“
„Gibt es nicht eine Möglichkeit, solche Zauber abzublocken? Es muss doch für einen Untoten möglich sein, seine wahre Natur gegen so einfache Magie zu verstecken“, warf Esra ein.
Adamant legte seine Hand ans Kinn und überlegte. Aber ihm fiel kein Zauber ein, der dazu in der Lage wäre. Nun, vielleicht hätte er sich bei seinen Studien auch die Kräfte des Bösen ansehen sollen, das zu vernichten er geschworen hatte. Aber irgendwie war er zu sehr auf seine Bereiche der Ausbildung fixiert gewesen.
„Vielleicht gibt es etwas magisches, dass das kann?“, fragte er daher an Astamalia gewandt. Doch die Magierin schüttelte sofort den Kopf.
„Nein, daran habe ich auch schon gedacht. Fehlanzeige.“
Schweigen breitete sich rund um sie aus und Adamant hatte irgendwie das Gefühl, dass er nun Schuld daran war, dass sie Lucan verloren hatten.
„Ist es möglich, dass ein Extradimensionaler Raum, so einer, wie wir ihn im Klageland des Öfteren verwendet haben, solche Zauber blockiert?“, meldete sich Esra wieder zu Wort und wurde daraufhin von allen anderen angestarrt.
„Entschuldigung“, sagte sie leise. „Ich verstehe davon nicht so viel. Es war ja nur eine Idee.“
„Das war eine gute Idee!“, rief Astamalia und auch Adamant nickte: „Das wäre wirklich eine Möglichkeit, sich vor uns zu verstecken. Aber wenn das wirklich so ist, dann müssen wir bis mindestens Starliskatur warten, bis er wieder aus seinem Versteck kommt. Untote müssen weder essen, noch trinke, noch atmen. Er kann beliebig lange in seinem Raum bleiben.“
„In diesem Fall: Genießen wir doch einfach den Flug“, schlug Astamalia vor.

Der Aufenthaltsraum der Wolkenschicksal befand sich in einem Aufbau mitten auf dem Oberdeck und war mit allem ausgestattet, was das Herz begehrte. Eine große Bibliothek, bequeme Stühle, eine hervorragend sortierte Bar, mehrere Spiele, um sich die Zeit zu vertreiben. Es war offensichtlich, dass die Wolkenschicksal für sehr betuchte Personen gebaut worden war.
Dennoch zog es Astamalia nicht nach drinnen. Es war schon fast ein Jahr her, seid sie das letzte Mal mit einem Luftschiff geflogen war und sie genoss dieses Gefühl. Sie stand an der Reling und starrte abwechselnd in die Landschaft unter ihr und in den Himmel.
„Ihr genießt diese Reise wohl ebenso sehr wie ich“, hörte sie eine bekannte Stimme neben sich und ein dunkelhaariger Mann in schwarzer Kleidung lehnte sich neben ihr an die Reling.
„Was macht Ihr denn hier?“, war Astamalia erstaunt. „Ich dachte, Ihr hattet einen Auftrag in Trolanhafen zu erledigen.“
„Das hatte ich auch“, verteidigte sich Kasha. „Und nun wurde ich beauftragt mehrere Dokumente in die Flammenfeste zu bringen. Man kommt in meinem Beruf viel herum.“
„Aber Ihr müsst doch zugeben, dass es etwas merkwürdig ist, dass wir uns so oft über den Weg laufen.“
„Das moderne Khorvaire wird immer kleiner“, lachte er.
„Ich habe vielmehr das Gefühl, dass Ihr mich verfolgt. Wer seid Ihr wirklich?“
Nun wirkte er ehrlich betroffen.
„Bei meiner Ehre, ich würde Euch nie einfach so verfolgten. Und, wie ich Euch bereits mehrmals gesagt habe, ich bin nur ein einfacher Beamter aus Karrnath. Nicht mehr, und nicht weniger.“
„Und ich sage ganz offen, dass Ihr lügt!“
„Dann tut es mir leid. Ich wünsche Euch noch eine angenehme Reise.“
Astamalia schüttelte den Kopf.
„Verabschiedet Euch nicht zu früh. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich unsere Wege spätestens in der Flammenfeste wieder kreuzen werden.“
Mit diesen Worten lies sie ihn an der Reling stehen und suchte sich ein schattiges Plätzchen, um sich ihren magischen Studien zu widmen.

Diese Luftschiffreise war weniger gefährlich und unangenehm als sie gedacht hatte. Dafür aber auch langweiliger. Schon den ganzen Tag lang, war sie untätig herumgesessen und hatte in ihrer Not – Thalaëns Hobby übernommen und angefangen ihre Waffen und ihre Ausrüstung zu reinigen und zu erneuern. Und nun brach endlich der Abend herein. Die immerhellen Laternen überall an Bord wurden abgedeckt und das gebundene Feuerelementar in seinem Ring begann Schatten zu werfen.
„Wird wohl Zeit fürs Abendessen“, meldete sich Thalaën und stand auf, reckte seine Glieder und sah sich um. Die meisten anderen Gäste befanden sich entweder im Aufenthaltsraum oder bereits unter Deck.
„Ziemlich viel Verkehr in der Luft“, meinte er schließlich und deutete schräg hinter die Wolkenschicksal.
Stirnrunzelnd erhob sich Esra und blickte in die angegebene Richtung. Ein Luftschiff, etwas kleiner, als die Wolkenschicksal, war dort zu sehen. Und es holte rasch auf.
„Merkwürdig“, sagte Astamalia, die sich neben sie stellte.
Das andere Schiff war nur mehr etwa Hundert Meter von der Wolkenschicksal entfernt. Plötzlich sprangen vier Luken an der Seite auf und aus jeder schoss eine bemannte Scholle hervor. Drei der kleinen, an Ruderboote erinnernden, Jollen rasten direkt auf die Wolkenschicksal zu, die vierte begann das Schiff in weitem Bogen zu umkreisen.
„Marodeure auf Steuerbord, Kapitän!“, gellte plötzlich die Stimme eines Besatzungsmitgliedes.
Mehrere Aufschreie gellten nun über das Deck, als die anderen Passagiere von dem Angriff Wind bekamen. Dennoch war die Stimme des Kapitäns ohne Probleme über den Lärm hinweg zu hören:
„Passagiere unter Deck! Alle Mann auf Kampfstationen!“

Astamalia konnte kaum sagen, wie die Waffe in Thalaëns Hand gekommen war. Aber plötzlich war sie da und der Elf stand Kampfbereit an der Reling. Esra gönnte sich etwas mehr Zeit, war aber nicht weniger effizient darin einen Pfeil in ihren frisch polierten Bogen zu legen.
Adamant murmelte leise ein Gebet und griff nach seinem Schwert und Schild. Endlich kam auch Astamalia in den Sinn einen Zauber auch sich zu sprechen. Eine kaum sichtbare Energiepanzerung materialisierte rund um sie.
Keine Sekunde zu spät. Die ersten beiden Jollen landeten recht unsanft an der Steuerbordseite und sofort sprangen Menschen herab.
Ein flüchtigre Blick auf den ersten Angreifer genügte um den Feind zu erkennen. Streitflegel, Kettenpanzer, Schild und ein Waffenrock auf dem eine grüne Hand prangte.
„Nicht schon wieder diese Kerle!“
Thalaën stürmte vor und hieb auf den ersten ein, der aus der nächsten Jolle trat. Dann entbrannte auf dem gesamten Oberdeck das Chaos. Die nur leicht bewaffneten Mannschaftsmitglieder der Wolkenschicksal hatten gegen die gut gerüsteten und kampferprobten Männer der Smaragdklaue keine Chance. Dennoch kämpften sie tapfer.
Astamalia feuerte magische Geschosse auf jeden Soldaten des Ordens, der ihr nur irgendwie versuchte näher zu kommen, während Adamant und Thalaën Seite an Seite mit den Crewmitgliedern in der ersten Reihe kämpften.
Ein Pfeilhagel ging über die Kämpfenden nieder. Zwei Halbelfen der Wolkenschicksal gingen getroffen zu Boden. Auch Astamalia spürte einen schmerzhaften Stich am Bein.
Sie blickte an sich herab und sah einen Pfeil darin stecken. Blut floss ihre Hose hinab.
Diese Salve reichte aus, damit ein Soldat an dem Elfen und dem Kriegsgeschmiedeten vorbeikommen konnte. Plötzlich zischte ein Streitflegel an Astamalias Kopf vorbei und schrammte ihr die Wange auf.
So war das nicht geplant gewesen. Erschrocken taumelte die Magiern zurück und suchte im Kopf nach einem passenden Zauber für diese Situation. Aber ihre meiste Energie hatte sie bereits verbraucht. Wieder holte der Soldat zum Schlag aus, doch diesmal warf sich ein großer Mensch – nein, ein Halbelf – zwischen sie und die Waffe.
Es war Morgris, de Kapitän der Wolkenschicksal.
„Ihr Wahnsinnigen! Verschwindet von meinem Schiff! Ihr werdet es noch bereuen, dass ihr euch dieses Schiff als Opfer ausgesucht habt!“, schrie er wie irre.
Der Schlag des Soldaten hatte ihn hart getroffen und ihm mindestens eine Rippe gebrochen. Dennoch hieb er mit mehr Kraft als Können auf sein Gegenüber ein. Eine zweite Truppe aus sechs Soldaten des Ordens traf gerade in diesem Augenblick von der anderen Seite her ein und nahm die Abenteurer, sowie den Kapitän in die Zange.
Astamalia wurde es zuviel, als sie einen Schlag abbekam, der ihr die Luft aus den Lungen presste. Sie taumelte nach hinten, fand einen Türknopf und riss die dazugehörige Tür auf. Sie fand sich im Aufenthaltsraum wieder, durch dessen große Panoramafenster der Kampf in seiner ganze Größe zu sehen war.
Das vierte Boot umkreiste die Wolkenschicksal und schickte eine Pfeilsalve nach der anderen auf die Verteidiger. Das dritte Boot hatte an Backbord festgemacht. Daher auch die plötzliche Verstärkung von hinten.
Astamalia überlegte gehetzt, was sie weiter machen sollte. Hier herinnen schien sie im Augenblick sicher zu sein.

Flamme, gib mir Kraft, dachte Adamant bei sich. Gib mit die Kraft, das hier zu überstehen. Egal wie viele Soldaten er niederwarf, von überall schienen ständig neue zu kommen. Ein schmerzerfüllter, mit Flüchen durchsetzter Aufschrei ließ ihn herumfahren.
Kapitän Morgris hatte seine Kräfte wohl etwas überschätzt und sich mit drei Soldaten angelegt. Diese hatten es nun geschafft ihn niederzuringen.
Das war gar nicht gut.
Adamant wirbelte herum und schwang sein Langschwert gegen den erstbesten Soldaten. Dessen Kopf hüpfte grotesk durch die Luft und verschwand in der Dunkelheit neben dem Schiff. Der zweite hob den Schild und erwartete einen weiteren Schlag, während der dritte das Leben des Kapitän mit einem dumpfen Schlag auf dessen Kopf beendete.
„Wir haben unseren Fahrer verloren!“, rief Adamant über den Lärm der Schlacht hinweg und versuchte dabei die Deckung des Soldaten zu durchdringen.
Ein Krummsäbel stach von hinter ihm vorbei und tötete ihn.
„Ich hab es gesehen“, knurrte der Elf. „Dafür werden diese Klauen langsam weniger.“
Adamant sah ich um. Tatsächlich hatten sich die Kämpfe etwas gelichtet. Der Boden war bedeckt mit Leichen in grünen und blauen Kleidern.
„Thalaën, Adamant! Sie sind auf das Unterdeck gelangt!“, hörte Adamant Esras Stimme und fuhr gemeinsam mit dem Elf herum. Gerade noch konnte er erkennen, wie ein Mann mit erhobener Waffe die Treppe hinabstürmte.
„Schnell, ihnen nach!“
Erschrockene Schreie drangen von unten empor und das ekelhafte Klatschen von Metall auf Fleisch war dazwischen zu hören.
„Thalaën, nimm du die linke Treppe, ich nehme die rechte!“, rief der Kriegsgeschmiedete und stürmte voran.
Ein Schauer aus Pfeilen zwang sie jedoch beide nieder.
„Esra, schalte endlich diese Schützen aus!“, rief Thalaën noch, bevor er sich die Treppe hinunter schwang.

Esra sah dem wendenden Boot hinterher und lief auf die andere Seite der Wolkenschicksal, den Bogen bereits in der Hand. Wie vorherzusehen gewesen war, kam die Jolle hier vorbei um auch hier ihre tödliche Last abliefern. Balinor sei dank waren sie so dumm gewesen und hatte zwei Immerhelle Laternen an Bug und Heck der Jolle angebracht. Das Boot war in der Dunkelheit ein hervorragendes Ziel.
Sie feuerte den ersten Pfeil und schwenkte bereits auf das nächste Ziel.
Der Soldat kippte absurd langsam nach hinten und rauschte in die Dunkelhit davon, als der zweite bereits zusammen sackte.
Rasch wendeten die anderen das Schiff und versuchten auf Abstand zur Wolkenschicksal zu gehen. Ein dritter kippte noch getroffen über die Reling, bevor es außer Reichweite war.

Astamalia wagte einen Blick bei der Tür hinaus und sah sofort den blutüberströmten Körper des Kapitäns an Deck liegen.
„Nicht gut“, murmelte sie. Nur mit einem Kapitän konnte ein Luftschiff fliegen. Mit einem Kapitän oder einem anderen Drachenmalträger mit dem Mal des Sturms.
So wie sie einer war.
Jedoch hatte sie in ihrem ganzen Leben noch nie eine Luftschiff geflogen. Einmal ihrer Mutter assistiert, aber da war es dann auch schon. Aber so schwer konnte das ja nicht sein.
Sie verließ ihr Versteck und rannte in Richtung Brücke.
Vor ihr sickerte Nebel durch den Boden und verfestigte sich.
Schlitternd kam sie zum stehen und beobachte fasziniert, wie sich der Nebel in eine humanoide Gestalt verwandelte. Schließlich grinste sie Lucan an und entblößte seine übergroßen Eckzähne. Eine Sekunde später verwandelte er sich in eine Fledermaus und flatterte in die Dunkelheit davon.

Zufrieden blickte Esra dem davoneilenden Boot nach. Es war erstaunlich schnell.
Nein, halt, es war etwas anderes.
Das andere Schiff kam näher. Sie konnte bereits die Buchstaben am Bug ausmachen: Jadezorn.
Und sie konnte eine Gestalt am Steuerrad am Heck erkennen, die ihr bekannt vorkam.
Sie kniff die Augen zusammen und erkannte Garrow, den Vampir, mit dem sie bereits in Rotbruch und im Klageland Freundschaft geschlossen hatten. Sein Gesicht war zu einer wütenden Fratze verzerrt und er schüttelte seine Hand gegen Esra.
Im nächsten Moment nahm er Anlauf und stürzte sich über die Reling ins Nichts.
Die Jadezorn war bereits sehr groß.
„Wir kollidieren!“, schrie Esra aus vollem Hals.

Thalaën hatte das sehr gute Gefühl, dass die Soldaten überrascht waren, von beiden Seiten angegriffen zu werden. In den engen Gängen unter Deck würde das den raschen Tod aller Ordensmitglieder bedeuten. Und keiner würde ihnen entkommen können.
Adamant und er besetzten beide Ausgänge zum Oberdeck.
„Thalaën! Sie dürfen nicht zu den Quartieren!“, rief der Kriegsgeschmiedete von der anderen Treppe.
„Kein Problem!“, gab der Kämpfer zurück und rammte einem Soldaten seinen Säbel in den Rücken.
„Wir kollidieren!“, hörte er in dem Moment Esras Stimme vom Oberdeck, in einer fast schon panischen Stimmlage. Für den Bruchteil einer Sekunde blieb im das Herz stehen.
„Adamant! Wir müssen hier raus!“
Dann wurden ihm die Füße weg gerissen. Planken splittern und plötzlich konnte er auf das Frachtdeck sehen. Verzweifelt versuchte er sich irgendwo festzuhalten, doch er rutschte noch ein Deck tiefer und schlug hart in irgendeinem Laderaum auf.

Astamalia fuhr herum und es entfuhr ihr ein spitzer Schrei, als sie die Jadezorn in voller Größe vor sich aufragen sah. Dann lief sie los, riss einen der Schwimmreifen von der Wand und versuchte die Brücke zu erreichen. Doch sie schaffte es nicht.
Der Boden schwankte plötzlich wie bei einem Schiff auf hoher See. Rund um sie herum war das Geräusch von überstrapazierten Holz zu hören. Planken brachen und Taue rissen mit peitschenden Geräuschen. Die Jadezorn schien sich unendlich lange in die Wolkenschicksal zu schieben.
Dann endlich hörte der Boden auf sich zu Bewegen und Astamalia rollte sich erleichtert auf den Rücken. Über ihr berührten sich das Feuerelementar der Wolkenschicksal und das Luftelementar der Jadezorn.
Mit einem Knall vernichteten sich die Elementare selbst. Und plötzlich war es ruhig.
Astamalia hatte gar nicht gemerkt, wie sehr sie sich an das stete Prasseln und Knistern des Feuerelementars gewöhnt hatte.
Die nun einsetzende Stille war total.
Als die Schiffe trudelnd abzustürzen begannen, wurde sie durch die Schreie der Passagiere wieder unterbrochen.
Astamalia schrie mit ihnen und klammerte sich an den Rettungsring, den sie von der Wand gerissen hatte.
Wie funktionierte dieses Ding bloß? War es ein magischer Gegentand, der einen schweben ließ, oder war er wirklich nur für Notwasserungen gedacht? Warum hatte sie ihre Mutter nur nie nach der Verwendungsweise für diese Dinger gefragt?

Die Luft wurde ihm hart aus den Lungen gepresst und er sah Sterne. Dennoch rappelte er sich schnell wieder hoch. Von oben waren Schreie zu hören und er konnte förmlich spüren, wie sich das Schiff drehte, kippte und nach unten stürzte. Wenn er nur irgendeine Chance haben wollte, musste er wieder auf das Oberdeck kommen. Er wusste zwar nicht, wie es dort weitergehen sollte, aber ihm war klar, dass er hier im untersten Deck die geringsten Chancen haben würde zu überleben. Thalaën griff nach dem erstbesten Balken und zog sich hoch. Aus den Augenwinkeln sah er Esra, die wenige Meter weiter ebenfalls nach oben kletterte. Anscheinend war auch sie durch eines der Löcher gefallen.
Wie eine Katze kletterte sie die Streben nach oben. Was ihm an Geschicklichkeit fehlte, versuchte der Elf aber wieder an Kraft wett zu machen.
Etwas außer Puste rollte er sich auf das Oberdeck, auf dem Panik pur herrschte. Die überlebenden Passagiere rannten planlos umher und nicht weit von seiner Position schwang sich jemand todesmutig über die Reling und verschwand in der Nacht.
Neben den fallenden Schiffen waren die Gipfel eines Gebirges zu sehen, die immer höher über der Reling aufragten. Sie mussten jeden Augenblick aufschlagen!

Astamalia klammerte sich immer noch an ihren Ring, als die ersten Passagiere von Bord sprangen. Einige versuchten so ihr Glück, andere schnappten sich zuerst einen Ring und sprangen dann. Es musste einfach ein Schwebezauber darin gefangen sein!
Versuchsweise sprang sie mit dem Ring in die Luft.
Nichts passierte.
Sie schlüpfte in den Reifen hinein, doch immer noch blieb sie am Boden.
„Ach was soll’s“, schluchzte sie schließlich und schwang sich ebenfalls über die Reling, die Augen fest geschlossen.
Sie spürten einen sanften Lufthauch und machte die Augen wieder auf. Die ineinander verkeilten Luftschiffe rasten unter ihr ihrer Vernichtung entgegen. Sie schwebte!
Eine katzenhafte Gestalt sprang ebenfalls von Bord und segelte langsam weiter: Esra.

Adamant schnappte sich einen Reifen und sah sich nach dem Elfen um. Thalaën rappelte sich gerade hoch und suchte hastig die Wände der Aufbauten ab. Doch alle Reifen waren weg. Nur mehr einer hing an seinem Platz, doch versuchte den gerade ein anderer Passagier herab zu reißen.
„Thalaën! Hierher! Vielleicht trägt er uns beide!“, rief der Kleriker seinem Freund zu.
Doch der Elf warf seinem massigen Körper und dem kleinen Ring nur einen abschätzigen Blick zu und lief zu dem armen Passagier, der endlich den Ring in Händen hielt.
„Thalaën nicht!“, rief Adamant. Er war schockiert, das hätte er wirklich nicht von dem Elfen erwartet.
Er entriss dem Menschen brutal den Ring und schubste ihn zur Seite. Schnell stieg er in den magischen Gegenstand hinein.
Doch dann stutzte Adamant.
Der Elf riss den verängstigten, am Boden liegenden Mann hoch, wuchtete ihn über die Schulter, lief mit ihm zur Reling und sprang in einem Satz darüber.
Er hatte ihn doch nicht einfach sterben lassen!
Adamant seufzte und sprang als letzter.

„Ich dachte, Ihr wolltet mich töten, oder ohne Rettung auf dem Schiff zurücklassen“, stotterte der Mann mit kreidebleichen Gesicht. Thalaën grinste ihn nur an und wandte sich den zertrümmerten Überresten zu, die unweit von ihnen lagen.
Die Schiffe waren irgendwo in den Bergen auf einem Pass eingeschlagen. Eine schmale Straße schlängelte sich durch das Geröll und im Nordwesten waren die Lichter einer Ortschaft zu sehen. Sie hätten es schlechter treffen können.
Im Licht eines hoch stehenden Vollmondes erkannte Thalaën andere Überlebende und winkte.
Drei Personen winkten rasch zurück. Ihre Schemen waren unverkennbar seine Freunde.
„Los jetzt. In der Stadt wird man uns sicherlich freundlich aufnehmen“, munterte er seinen Begleiter auf, der langsam wieder an Farbe gewann.“
„Ich dachte, du würdest den armen Mann sterben lassen, nur um dein Leben zu retten“, rief Adamant, als er näher kam und schüttelte bewundernd den Kopf. „Ich hatte wohl eine schlechte Meinung von dir.“
„Scheint so. Jetzt aber los. Wir sollten den Anschluss an die anderen nicht verlieren. Wer weiß, was sich hier in der Nacht herumtreibt“, forderte sie Astamalia zum Abmarsch auf.

***

Urosh konnte sich nicht erinnern jemals so knapp seinem untoten Ende entgegengeblickt zu haben. Hätte er sich nicht einen dieser magischen Ringe gesichert, läge sein zertrümmerter Körper jetzt bei den anderen unter all dem Holz begraben. Und er dankte seiner Herrin im stillen dafür, dass sie ihn mit magischen Schutzgegenständen ausgestattet hatte. Er hatte von seinem Versteck aus gesehen, wie dieser lästige Kleriker versucht hatte Untote zu suchen. Fast wäre ihm das gelungen.
Allerdings beunruhigte es Urosh, dass der Kleriker anscheinend auch keine Spur von Lucan gefunden hatte. Das war ganz und gar nicht gut.
Aber vielleicht wussten diese Abenteurer mehr. Vielleicht musste er sie nur nett fragen.
Ein gemeines Lächeln umspannte seinen bandagierten Mund.
Dann lief er los.
Er war nicht sehr vorsichtig. Sollten sie ruhig hören, dass er kam. Vielleicht sagten sie ihm dann schnell genug, was er wissen wollte.
Die Wandlerin drehte sich als erste nach ihm um und fuhr erschrocken herum, Pfeil und Bogen bereits in der Hand. Das machte ihm nicht viel aus.
„Wo ist Lu’an?“, rief er. „Wohin ist e’ unte’wegs? U’osh muss ihn finden!“
Nun hatten alle vier ihre Waffen bedrohlich gezogen. Anscheinend zeigte seine Aura bei ihnen keine Wirkung. Nur ihr unbekannter Begleiter schien sich vor Angst in die Hose zu machen.
„Weiche endlich von uns, du Ausgeburt der Finsternis!“, rief der Kriegsgeschmiedete zornig und hob sein heiliges Symbol.
Urosh erstarrte, als er die Wellen guter Energie spürte, die gegen seinen Körper brandeten. Anscheinend hatte er die wachsenden Kräfte der Gruppe unterschätzt.
„He’’in, ich habe ve’sagt“, keuchte er, als er zurückwich und die Abenteurer sich schreiend auf ihn stürzten.

***

Die Stadt erwies sich mehr als eine Festung, denn eine Siedlung. Es war Strengtor, die Grenzstadt von Breland am Marguul Pass. Sie waren bereits einmal durch diesen recht ungastlichen Ort gekommen, als sie von ihrem Abenteuer aus dem Klageland heimreisten. Von hier weg hatten sie die Blitzbahn genommen um weiter nach Sharn zu reisen.
Auch in dieser Nacht stand ein Zug fahrbereit im Bahnhof.
„Wir sollten uns erkundigen, wann dieser Zug fährt, und was sein Ziel ist. Vielleicht versucht Lucan damit weiter zu reisen“, schlug Astamalia vor.
„Können wir gerne machen. Aber zuerst lasst uns ein Quartier suchen, indem wir schlafen können. Der Kampf gegen diese lästige Mumie war nicht gerade sehr erfrischend. Ich kann mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten.“
Mittlerweile ließen Worte dieser Art vom Elfen kaum noch jemanden aufhorchen.
Die Schenke, die für sie noch geöffnet hatte trug den einfachen Namen Zur Feste und erwies sich als nicht sonderlich luxuriös.
Astamalia seufzte, sagte aber nicht mehr zur kalten und klammen Ausstattung der Zimmer. Mittlerweile war sie einfach schon zu viel gewöhnt, als dass sie sich über solche Belanglosigkeiten noch aufregen wollte. Dennoch empfand sie es immer noch als Zumutung.
„Nacht“, sagte sie in Richtung des anderen Bettes, in dem sich Esra zusammengerollt hatte. Doch die Wandlerin schien bereits zu schlafen.

***

Thalaën unterdrückte einen resignierenden Aufschrei, als er die endlose graue Ebene vor sich erblickte. Er drahte sich einmal im Kreis, doch wie bei seinem letzten Besuch, erstreckte sich diese Ebene scheinbar endlos in alle Richtungen.
Und wieder waren überall diese merkwürdigen Gesichter zu sehen.
An einem der steinernen Köpfe blieb er hängen.
Es war das Gesicht einer jungen hübschen Elfe.
Der einzigen Elfe, so weit er sehen konnte.
Interessant.
Er hob den Stein auf und wog ihn abschätzend in der Hand.
„Was wohl passiert, wenn ich diesen Stein einstecke?“, fragte er sich selbst.
Seine Stimme klang unangenehm laut in dieser stillen Landschaft.
Rasch ließ er den Stein in seiner Kleidung verschwinden.
Hinter ihm schnaubte etwas.
Schnell drehte er sich um…
… und erstarrte.
Vor ihm stand ein prächtiger schwarzer Hengst. Ein valenarsches Reitpferd, von seinen Ahnen zur Perfektion gezüchtet.
„Na, wie kommst du denn hierher?“
„Ich bin hier, weil du hier bist“, antwortete das Pferd. „Mein Name ist Talaën Kara…“
„Der Name auf meinem Säbel“, flüsterte Thalaën zu sich.
„Ich bin hier um dich zu schützen.“
„Wovor zu schützen?“; wunderte sich der Elf.
Doch da hatte das Pferd bereits Anlauf genommen und sprang ihn an. Mitten im Sprung verwandelte es sich in einen sirrenden Doppelkrummsäbel, der sicher in Thalaëns Hand landete. Es war seine Waffe, die er im Klageland gefunden hatte.
Er spürte, dass er beobachtet wurde.
Er drehte sich um.
Auf der Ebene stand ein Alptraum.
Das Monster stand auf mehr als einem Dutzend Beinen und sein segmentierter Körper erinnerte sehr an einen riesigen Tausendfüßler. Doch der aufgerichtete, muskulöse Oberkörper strafte diesem Vergleich Lügen. Zwei Klingen aus reiner Energie entsprangen den Armen und zehn blau leuchtende Augen starrten ihn von dem kopflosen Torso herab an.
Ohne Vorwarnung griff das Monster an und schnitt ihm hart ins Fleisch.
Thalaën schrie auf vor Schmerz und Überraschung, schlug ebenfalls zu.
Rasch kam er in den Takt des Kämpfens.
Teilte aus, parierte, steckte ein.
Das Monster war ein hervorragender Kämpfer und seine Waffen richteten furchtbare Wunden an.
„Bald werde ich herausfinden, ob das alles wirklich nur ein Traum ist, oder ob ich hier auch sterben kann. Zumindest fühlen sich die Schmerzen schon sehr echt an“, dachte er bei sich und parierte abermals einen harten Schlag, der ihm die Hand prellte.
Für die nächste Parade war er zu langsam und die Energieklinge des Monsters bohrte sich tief in seine Brust.
Er kippte nach hinten, die Landschaft verschwamm vor seinen Augen.
Es wurde schwarz.
Aus der Dunkelheit war ein lautes Lachen zu hören.
Olashtai!

Mit einem Schrei setzte er sich auf, sank aber mit einem Stöhnen sofort wieder zurück auf das Bett. Etwas ängstlich schob er die Bettdecke von sich.
Er hatte keine offenen Wunden, kein Blut bedeckte seinen Körper.
Doch jeder Schlag, den das Monster bei ihm angebracht hatte, war durch einen fast schwarzen Bluterguss gut gekennzeichnet.
„Ich will nicht mehr schlafen“, seufzte er und setzte sich langsam auf. Seine Hand berührte dabei etwas.
Etwas aus Stein.
Erstaunt sah er das in Stein gemeißelte Gesicht der Elfe an, das neben ihm im Bett lag. Thalaën war zwar kein Experte was Schlafen und Träume anging, aber er war sich sehr sicher, dass es mehr als nur ungewöhnlich war, wenn man Gegenstände aus seinem Traum mitbrachte.
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

  • Mitglied
    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #26 am: 05. April 2008, 23:15:36 »
Alte Feinde

Es war nicht schwer herauszufinden, dass die Blitzbahn am frühen Morgen des nächsten Tages abfahren würde. Mit Ziel in die Flammenfeste.
„Das ist nicht weit von Korth entfernt. Mit einem Schiff kann man in einem halben Tag leicht übersetzen“, klärte Astamalia die anderen über die geographische Lage auf. „Es ist stark anzunehmen, dass Lucan diesen Zug nehmen wird. Wenn wir davon ausgehen, dass er immer noch nach Korth und damit nach Karrnath reisen will.“
„Davon müssen wir ausgehen. Das ist die einzige Spur die wir haben“, nickte Adamant. „Ich werde Fahrkarten kaufen gehen.“
„Ich komme mit“, schloss sich Esra an.
„Gut. Ich werde inzwischen die hiesige Bibliothek aufsuchen und nachlesen, wie man Vampire und Mumien am besten unschädlich macht. Ich denke zwar nicht, dass ich hier viel finden werde, aber ein Versuch ist es wert.“
„Darf ich mich dir anschließen?“, fragte Thalaën, der schon den ganzen Morgen über auffällig still gewesen war.
„Sicher doch“, war Astamalia erstaunt. „Aber was willst du in einer Bibliothek?“
„Ich möchte etwas über Träume und die Kalashtar nachlesen.“
Astamalia zuckte mit den Achseln.
„Wie du meinst. Brechen wir auf.“

***

Thalaën kannte Bibliotheken bis jetzt mehr oder minder nur vom Hörensagen. Er war in den Ebenen von Aerenal groß geworden, wo große Siedlungen, die so etwas enthielten, nicht existierten. Er hatte sich solche Bibliotheken aber immer sehr eindrucksvoll vorgestellt.
Deswegen war er auch etwas enttäuscht.
Die hiesige Bibliothek wurde von der Kirche der Göttlichen Heerschar und der hiesigen Kommandantur der breländischen Armee betrieben. Daran lag es wohl, dass sie nicht sehr umfangreich war.
Zudem war das Wissen sehr speziell.
Die meisten Bücher behandelten Lokalfolklore, Geschichte Zilargos und Brelands. Außerdem fanden sich viele Informationen zu den Goblinoiden die jenseits des Passes in den Bergen und in der Ebene lebten.
Zu den Kalashtar gab es nur ein Buch. Aber das war besser als nichts.
So fand er zumindest heraus, dass die Kalashtar den Kontinent Sarlona bewohnten. Die alte Heimat der Menschen, bevor sie nach Khorvaire gekommen waren. Sehr viel war aber über diesen Kontinent nicht bekannt. In dem Buch stand, dass große Teile Sarlonas von einem Imperium regiert wurde, dass sich Riedra nannte. Riedra wiederum stand unter der Kontrolle der Erleuchteten. Menschen, welche den Geist eines Quori in sich trugen. Die Quori wiederum waren Bewohner von Dal Quor, der Ebene der Träume.
Thalaën massierte sch seine Schläfen. Er hatte das dumpfe Gefühl, dass er bald Kopfschmerzen bekommen würde. Es mochte gut sein, dass dieses Buch nur sehr oberflächlich war und nur eine sehr grobe Einführung in die Geschichte Sarlonas gab, aber für ihn war das schon mehr als genug.
Er blätterte weiter, irgendwo musste es doch noch Informationen zu den Kalashtar geben.
Endlich hatte er ein recht kurzes Kapitel gefunden, dass sich anscheinend mit dieser Spezies beschäftigte.
Rasch überflog er die wenigen Seiten.
Alle Kalashtar gemeinsam beherbergten die Reste eines Quori in sich. Im Gegensatz zu den Erleuchteten, die von ihrem jeweiligen Geist besessen waren, behielten sie weiterhin ihr freies Handlungsvermögen. Außerdem waren sie in einer Art Widerstandskampf gegen Riedra verwickelt, der schon seit Jahrhunderten andauerte.
Aber auch hier sagte das Buch nichts genaueres aus.
Seufzend schlug er den Deckel wieder zu und schob es von sich.
Irgendwie fühlte er sich nun nicht schlauer als zuvor.
„Hast du etwas herausgefunden?“, fragte er an Astamalia gewandt, die intensiv in drei Büchern zugleich schmökerte.
„Mhm“, murmelte sie, blieb aber ansonsten still.
Es verging gut eine weitere Stunde, bis sie das erste Mal aufsah.
„Ich habe etwas herausgefunden, auch wenn es nicht viel ist. Und das meiste war uns eigentlich schon bekannt“, beantwortete sie seine Frage, als wäre nicht eine Minute in der Zwischenzeit vergangen.
„Die Bibliothek hier hat leider keine eigene Abteilung, die sich mit Untoten beschäftigt. Ich habe nur gelesen, dass Mumien sehr anfällig sind gegenüber Feuer, dafür aber sehr resistent gegen jede andere Art von Waffe. Aber das wussten wir ja schon.“
„Wir haben es am eigenen Leib erfahren, ja“, nickte Thalaën. Er war froh, dass der Kampf gegen diese Mumie Urosh auf dem Pass in der letzten Nacht so glimpflich ausgegangen war. Im Gasthof Zur überfahrenen Harpyie hätte es sie fast das Leben gekostet.
„Außerdem habe ich etwas über Vampire gelesen“, fuhr Astamalia fort. „Auch über die habe ich nicht viel Neues erfahren. Schon gar nicht, wie man sie effektiv bekämpft. Mehr, wie man sie sich im Alltag vom Hals halten kann. Sie mögen kein Sonnelicht, keine heiligen Symbole und keinen Knoblauch. Und man kann sie nur mit einem Pflock wirklich umbringen.“
„Dann sollten wir uns wohl alle mit Knoblauch eindecken, bevor uns Adamant ein Symbol seiner Kirche aufdrängt“, lächelte Thalaën. „Lass uns nachsehen, was die anderen in der Zwischenzeit erreicht haben.“

***

Esra war inzwischen weit herumgekommen. Dennoch war sie der Meinung, dass sie noch nicht einmal in Rukaan Draal so schlecht gegessen hatte, wie in diesem Gasthof.
Oder verweichlichte sie inzwischen? Durch den vielen Umgang mit Astamalia?
Sie nahm einen weiteren Löffel von ihrer Haferschleimsuppe, die nicht einmal gesalzen war und schob dann angewidert die Schüssel weg. Nein, das war es nicht. Das Essen war wirklich widerlich.
In diesem Moment ging die Tür auf und der Elf kam zusammen mit der Magiern wieder.
„Ich habe einen gigantischen Hunger“, seufzte Thalaën und ließ sich auf einen freien Stuhl fallen. „Diese Bibliotheken sind nichts für mich. Was gibt es zu essen?“
„Haferschleimsuppe. Nimm meine“, lud ihn Esra ein und schob ihm die Schüssel hin. „Bist du schlauer geworden, Astamalia?“
Die Halbelfe nickte und begann zu erzählen, was sie herausgefunden hatte.
„Es ist nicht viel“, schloss sie. „Aber im Notfall wissen wir, wie wir uns Lucan vom Hals halten und dann verschwinden können. Habt ihr schon Fahrkarten besorgt?“
Esra nickte.
„Ja, vier Plätze zweiter Klasse nach Flammenfeste.“
Als sie das angewiderte Gesicht von Astamalia sah, zuckte sie mit den Achseln.
„Ging leider nicht besser. War auch so schon sehr teuer und hat fast alle unsere Reserven aufgebraucht. Sehr lange darf diese Hetzjagd nicht weite gehen, sonst müssen wir etwas verkaufen. Wir haben außerdem beim Rückweg einen Spaziergang gemacht und ein Hospital von Haus Jorasco in der Stadt gesehen. Wir könnten dort wegen Knoblauch anfragen. Immerhin ist das ein universal einsetzbares Heilmittel.“
Diesmal erntete sie von Adamant und Astamalia zweifelnde Blicke.
„Wirklich“, verteidigte sich die Wandlerin. „In Grünherz wird das oft eingesetzt.“

***

Adamant sah sich neugierig um. Er war das erste Mal in seinem doch sehr kurzen Leben in einem Krankenhaus. Die Eingangshalle war recht groß und sehr teuer ausgestattet. Überall eilten Halblinge geschäftig hin und her. Alles wirkte sehr professionell, eingespielt, vor allem aber sauber. Adamant konnte sich nicht erinnern, je einen so reinlichen Raum gesehen zu haben.
„Fragen wir am besten dort nach, ob sie Knoblauch für uns haben“, deutete Astamalia in eine Richtung, an der sich ein riesiger dunkler Schreibtisch befand, hinter dem ein etwas genervt wirkender Halbling saß.
Vor dem Schreibtisch lag eine Bahre, um die herum sich zwei Elfen und ein Halbling versammelt hatten. Die Elfen wirkten recht aufgelöst.
Neugierig trat Adamant näher.
„…wenn ich es Euch doch sage. Sie ist gestern Abend eingeschlafen und heute morgen nicht aufgewacht“, jammerte die Elfenfrau und streichelte dabei die Haare einer jungen elfischen Frau, die mit geschlossenen Augen auf der Bahre lag und scheinbar schlief.
„Nun, ich weiß nicht recht, was wir hier machen können“, wehrte der Halbling ab. „Ihr wisst, dass dies ohnehin ein sehr außergewöhnlicher Fall ist. Daher kann ich auch keine Diagnose stellen, wie sich der Zustand der Dame weiter entwickeln wird. Ich habe bereits Anfragen an Enklaven überall auf dem Kontinent versandt, aber bis jetzt scheint jeder meiner Kollegen ebenso ratlos zu sein, wie ich. Wir stehen vor einer medizinischen Kuriosität. Noch nie zuvor hat jemand davon gehört, dass Elfen schlafen.“
Adamant wurde hellhörig und drängte sich näher. Da stach ihm etwa violettes ins Auge und er schob den Mediziner sanft zur Seite.
„Einen solchen Anhänger hat unser Elf auch“, murmelte er und hob den Kristall hoch, den die junge Elfe an einer Kette um den Hals trug.
„Was?“, entfuhr es dem Elfen, anscheinend dem Vater des Mädchens.
„Thalaën, sie mal. Ich denke du hast einen Leidensgenossen gefunden!“, rief er zu den andere hinüber, die sich gerade mit einem anderen Arzt unterhielten, der Esra sehr skeptisch anblickte.

Thalaën fühlte sich in dem Krankenhaus ebenso wenig wohl, wie in der Bibliothek. Er freute sich schon darauf, wenn sie endlich wieder einmal ein Stück Wildnis durcheisen würden. Ohne Luftschiff aber diesmal.
„Was gibt es denn?“, fragte er den Kriegsgeschmiedeten.
„Ihr schlaft ebenfalls in der Nacht?“, fragte der Elf, bevor Thalaën antworten konnte.
„Äh ja“, antwortete Thalaën verdattert. „Eure Tochter etwa auch?“
„Ja, seid längerer Zeit. Wir haben sie deswegen schon regelmäßig hierher zur Untersuchung gebracht“, klärte ihn die Mutter auf. „Aber die Ärzte konnten nichts ungewöhnliches feststellen. Nur, dass sie eben Abends müde wird und dann zu schlafen anfängt. Aber heute morgen ist sie einfach nicht aufgewacht und wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen.“
Interessiert beugte sich Thalaën über das Mädchen und er spürte, wie er jede Farbe verlor.
Er kannte dieses Gesicht.
Es war das Gesicht der Elfe, deren Steinkopf er aus dem Traum mitgenommen hatte!
„Stimmt etwas nicht?“, fragte der Vater.
Rasch schüttelte Thalaën den Kopf und deutete sofort auf den Anhänger, den die Elfe trug.
„Woher hat sie diesen Kristall? Ich habe einen gleichen und muss seitdem ich ihn geschenkt bekommen habe ebenfalls jede Nacht schlafen.“
„Vor über einem Monat war eine Frau bei uns zu Gast. Wir betreiben eine kleine Gastwirtschaft. Sie hatte kaum noch Geld und fragte uns, ob sie uns nicht etwas von ihrem Hab und Gut als Bezahlung anbieten könnte. Dabei verwies sie besonders auf den Kristall, der meiner Tochter auch sehr gut gefiel. Darum haben wir das Angebot angenommen. Wenn wir nur geahnt hätten, was das für Folgen haben würde, dann hätten wir auf eine Auszahlung bestanden.“
Der Elfe standen die Tränen in den Augen. Fürsorglich legte ihr ihr Mann den Arm um die Schultern.
„Hatte die Frau vielleicht auffallend violette Augen, dunkles Haar, war sehr groß?“, fragte Thalaën weiter.
„Ja.“
„Hatte sie den Namen Olashtai?“
„Mir scheint, meine Tochter und Ihr hattet Bekanntschaft mit derselben Dame“, nickte der Vater ernst. „Vielleicht sollten wir in Verbindung bleiben. Dürfte ich wohl um Euren Namen und Eure Adresse bitten? Ihr seid unser einziger Ansprechpartner in dieser speziellen Situation.“
Thalaën nickte.
„Natürlich.“
Während er mit der Familie Informationen austauschte, versuchte er sich nicht schuldig an dem Zustand des Mädchens zu fühlen.

„Wir haben für jeden ein Fläschchen Knoblauchöl und für jeden fünf Knoblauchzehen. Damit werden wir zwar alle schlimm stinken, aber es wird hoffentlich auch gegen Lucan nützlich sein“, präsentierte Esra ihre Beute, als sie das Krankenhaus wieder verlassen hatten.
„Mhm“, machte Thalaën abwesend.
„Was ist denn mit dir los?“, fragte Astamalia verwundert.
„Nichts“, schüttelte Thalaën den Kopf. Es war noch nicht an der Zeit, seinen Freunden von den letzten Erlebnissen in seinem Traum, sowie dem Steinkopf zu erzählen. Später vielleicht, wenn er selbst genauer wusste, was hier eigentlich vor sich ging.

***

Es war noch dunkel, als sie von Adamant geweckt wurde.
„Warum kann der Zug nicht eine Stunde später fahren?“, gähnte die Wandlerin.
„Tut er auch. Aber es ist etwas passiert, dass ihr sehen solltet“, klärte sie der Kleriker auf und deutete auf den Boden.
Verwirrt blickte Esra aus dem Bett.
„Nicht schon wieder…“, seufzte sie.
Zwischen ihrem und Astamalias Bett leuchtete ein verworrenes Drachenmal auf dem Boden.
„Wenn wir wenigstens wüssten, ob dies ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist“, murrte Esra. Wenn solche Male an anderen auftauchten, dann störte sie das eher weniger. Allerdings wenn diese Zeichen anfingen sie zu verfolgen, dann war ihr das unheimlich.
„Die letzten beiden Male haben sie eigentlich nichts ausgelöst“, beruhigte sie Astamalia. „Vielleicht kommt das, womit sie in Zusammenhang stehen erst noch auf uns zu. Aber wir sollten uns über etwas, das wir ohnehin weder verstehen noch lösen können, nicht den Kopf zerbrechen. Der Augenblick, indem diese Male wichtig werden, kommt sicherlich noch früh genug. Lasst uns aufbrechen und das Frühstück im Zug einnehmen. Noch so eine Mahlzeit in dieser Schenke werde ich nicht überleben.“
Esra hatte wie die anderen bereits am Vortag gepackt und so waren sie rasch zum Aufbruch bereit. Ohne ein weiteres Wort zu den ebenfalls noch recht verschlafenen Wirtsleuten traten sie in die Dämmerung hinaus.
Es war recht klamm und Nebel hing zwischen den Häusern der Stadt. Kein Laut war durch die Schwaden hindurch zu hören und selbst ihre eigenen Schritte wirkten stark gedämpft. Rasch eilten sie in dem Zwielicht durch die Straßen der Stadt zum Bahnhof.
Als sie diesen erreichten hatte die Sonne die ersten Sonnenstrahlen zwischen zwei Berggipfeln in die Stadt geschickt und den schlimmsten Nebel vertrieben. Am Bahnsteig herrschte außerdem geschäftiges Treiben, der die Stimmung in der Gruppe wieder beträchtlich hob.
Esra beobachtete das Gedränge am Bahnsteig mit wenig Begeisterung. Sie hätte eine Weiterreise auf einem Pferd oder einem anderen Reittier vorgezogen. Alleine auf einer Landstraße mit all der Natur rundherum. Nun nicht mit all diesen geschäftigen und gestressten Personen auf engem Raum.
Nur diese Frau am anderen Ende des Bahnsteiges schien ebenso die Ruhe zu genießen, wie es Esra noch tat, bevor sie in den Waggon stieg.
Die Frau.
Sie kannte diese Frau!
Das war Lucans Begleiterin.
Esra griff nach ihrem Köcher, als die Frau ihre Hände hob und rote Kugeln daraus hervorsprühten und Esra in die Brust trafen. Hart wurde sie nach hinten geschleudert.
„Was?!“, hörte sie Astamalia verwirrt rufen.
Thalaëns Schritte waren zu hören, wie er sich im Laufschritt auf die Frau zustürzte. Von einem Augenblick zum Nächsten war der Bahnsteig menschenleer. Alle hatten sich entweder in die Waggons oder in das Bahngebäude geflüchtet.
Esra sprang auf.
Plötzlich war die Luft mit Knistern erfüllt und ein blauer Blitz sprang über den Bahnsteig. Quer durch Thalaën hindurch, der vor Schmerz aufschrie. Dennoch lief er stur weiter, seinen Doppelkrummsäbel hoch zum Schlag erhoben.
Als er seinen ersten Treffer landete begann Adamant ebenfalls zu laufen. Astamalia schleuderte magische Geschosse ab, die aber durch einen magischen Schild abgelenkt wurden.
Esra feuerte. Die ersten beiden Pfeile gingen daneben, doch der dritte fand sein Ziel. Ebenso der nächste.
Die Begleiterin Lucans kämpfte verbissen. Sie hielt länger stand, als Esra normal einem Magier zugetraut hätte, der gerade von einem Valenarelfen bearbeitet wurde.
Doch schließlich ging sie erschöpft zu Boden. Sie hatte bis zu ihrem letzten Zauberspruch gekämpft.
Der Zug pfiff.
„Schnell, wir müssen an Bord!“, rief Esra und verstaute ihren Bogen wieder am Rücken. Sie fand es erstaunlich, dass noch niemand aufgetaucht war, um sie festzunehmen. Immerhin hatten sie gerade mitten auf einem belebten Bahnsteig ein Frau getötet.
Astamalia lief an ihr vorbei und kniete neben der toten Frau nieder, klopfte ihre Kleider ab und zog etwas daraus hervor.
„Rasch jetzt!“, rief auch die Magierin und sprang durch eine offene Tür in den Waggon.
Esra und die beiden anderen hetzten hinterher.

Astamalia hatte sich gerade auf einer freien Sitzbank niedergelassen, als sich der Zug in Bewegung setzte. Durch das Fenster konnte sie auf den Bahnsteig blicken. Mehrere Wachen waren dort gerade erschienen und blickten dem abfahrenden Zug ratlos hinterher. Solange sie nicht versuchten den Zug anzuhalten waren sie erst einmal in Sicherheit.
Natürlich konnten sie mit Hilfe von Haus Sivis die Garnison in der nächsten Stadt benachrichtigen, aber bis dorthin würde ihnen sicherlich noch etwas anderes einfallen. Zur Not konnte sie immer noch ihre Ausweise herzeigen.
„Was hast du der Frau am Bahnsteig abgenommen?“, fragte Esra, die ihr Gepäck fertig auf einer Ablage verstaut hatte.
Grinsend zog Astamalia einen ledernen Einband hervor, auf dem das Siegel von Haus Sivis prangte.
„Ausweispapiere. Mich interessiert sehr, wer diese Frau war.“
Sie öffnete die Mappe. Darin befand sich ein fein gezeichnetes Porträt der Frau, die sie gerade umgebracht hatten.
„Grilsha Stellos, wohnhaft in Sharn, Magierin“, las sie die wichtigsten Eckpunkte vor. „Entweder war es seine Frau oder seine Schwester.“
„Egal, nun ist sie nicht länger unser Problem“, knurrte Thalaën, der immer noch Zuckungen durch den Stromschlag erlitt. Außerdem standen seine Haare wild nach allen Seiten ab und widerstanden jedem Versuch wieder geglättet zu werden. Adamant war schon damit beschäftigt seine schlimmsten Wunden mittels göttlicher Magie zu versorgen.
„Entschuldigt, ist hier noch frei?“, fragte plötzlich jemand.
Alle vier sahen erstaunt auf.
Eine junge Gnomin mit Rastafrisur und in recht robust wirkende Hosen und Weste gekleidet stand bei ihrem offenen Abteil. Ohne eine Antwort abzuwarten setzte sie sich zu Esra und Astamalia auf die Bank.
„Das war ja ein beachtlicher Kampf auf dem Bahnsteig. Würdet Ihr so frei sei und mir ein Interview geben? Man hat nicht oft die Möglichkeit Abenteurer in Aktion zu bewundern und sie danach auch noch in zivilisierter Ruhe über das gerade erlebte zu befragen.“
Sie zog einen Notizblock und eine Feder hervor, wobei die Feder von alleine in der Luft über dem Block schweben blieb.
„Wer seid Ihr eigentlich?“, fragte Astamalia pikiert. Sie war über das plötzliche eindringen dieser Person gar nicht erfreut. Das war eben der Nachteil, wenn man zweiter Klasse reiste.
„Mein Name ist Raffina Aliana Sanadal Federkiel Dalian, freie Mitarbeiterin der Korranberger Chronik. Stets zu diensten.“
Sie machte eine angedeutete Verbeugung.
„Ah“, machte Thalaën. „Ich kenne nur den Sharner Kobold. Ist die Korranberger Chronik eine bekannte Zeitung?“
Astamalia musste sich beherrschen um ein lautes Auflachen zu unterdrücken. Von solchen Dingen hatte Thalaën eben keine Ahnung. Das war ihm aber nicht einmal anzukreiden. So lange befand er sich immerhin noch nicht auf dem Kontinent.
„Ich habe schon gehört, dass Ihr mit den hiesigen Sitten noch nicht so vertraut seid, Thalaën Tedaé. Wie fühlt man sich so, so weit weg von zu Hause?“
Thalaën sah sie ebenso erstaunt an wie die drei anderen.
„Vielleicht könnt Ihr eine politische Stellungnahme abgeben: Wie steht Ihr dazu, dass Eure Landsmänner einen Teil der Fünf Nationen annektiert und dann den Friedensvertrag unterzeichnet haben, aber bis heute immer noch mit Karrnath in einem inoffiziellen Krieg liegen?“
„Äh…“, machte Thalaën.
„Stimmt es, dass Ihr Volk Unsterblichkeit durch das Töten von anderen zu erlangen versucht? Findet Ihr das vertretbar?“, hakte sie nach und blickte den verdatterten Elfen erwartungsvoll an.
„Ich denke, Ihr verallgemeinert hier etwas“, versuchte Adamant seinem Freund zur Seite zu stehen.
„Ah, Priester Adamant“, lächelte sie an. Dabei betonte sie das Wort, Priester, als sei es etwas abwertendes.
„Habt Ihr etwas gegen die Kirche der Silbernen Flamme?“, erkundigte sich Adamant. Bereit sofort ein Streitgespräch über seinen Glauben anzufangen.
„Nein, wir Gnome sind allgemein sehr offen für alle Glaubensrichtungen. Aber haltet Ihr wirklich so viel auf Euren Titel, den Ihr von einer zweitklassigen Priesterin an einem Ort wie Rukaan Draal erhalten habt?“
„Ihr wisst ziemlich viel über uns“, mischte sich nun auch Astamalia an.
„Nun, Ihr seid Berühmtheiten. Bekannte Helden. Auch wenn es etwas schwer ist, Eure Abenteuer zu verfolgen, da sie immer sehr im Unbekannten passieren.“
„Dann würde es mich umso mehr interessieren, woher Ihr diese Informationen habt“, ließ Astamalia nicht locker.
„Nun. Man kann Informationen ebenso leicht beschaffen, wie man sie verstecken kann“, antwortete Federkeil orakelhaft. „Wollt Ihr vielleicht etwas über Eure Erlebnisse in den Magierakademien in den Fünf Nationen sprechen? Meine Leser sind immer sehr an Geschichten über die Hohe Kunst interessiert.“
Astamalia spürte, dass sie bleich wurde und beschloss nichts mehr zu sagen. Dennoch war ihr die Frau unsympathisch.
„Um wieder auf Euch zurückzukommen, Priester Adamant.“
Wieder diese abfällig Betonung.
„Da Ihr ja Priester seid, seid ihr auch der Meinung, dass Ihr eine Seele habt? Ich meine, da Ihr ja nur ein erschaffenes Konstrukt seid.“
„Ja, ich habe eine Seele“, antwortete Adamant rasch und mit Überzeugung. Über diese Frage hatte er schon viel früher nachgedacht und eine recht eindeutige Antwort für sich darauf gefunden.
„Interessant. Aber findet Ihr es nicht auch einen Widerspruch gerade Diener jener Kirche zu sein, die den Kriegsgeschmiedeten dieses Recht abstreitet, oder zumindest anzweifelt? Und die außerdem den Kriegsgeschmiedeten immer noch nicht die Freiheit wieder gegeben hat?“
Adamant erstarrte. Das hatte er nicht gewusst. Eigentlich hatte er angenommen, dass die Kriegsgeschmiedeten überall auf der Welt frei wären, jetzt, nachdem der Friedensvertrag unterzeichnet worden war.
„Ich denke, es reicht jetzt“, knurrte Esra.
„Ah, ja. Esra Emorien. Die Wandlerin mit der schlichten Vergangenheit“, freute sich Federkiel. „Findet Ihr es nicht einen Verrat an Euren Ahnen, mit einem Kleriker ebenjener Kirche befreundet zu sein, die Eure Ahnen und vielleicht auch Verwandten unbarmherzig jagte und an den Rand der Ausrottung brachte?“
„Ihr solltet jetzt wirklich besser gehen“, sagte Esra noch einmal und verschränkte die Hände vor der Brust.
Auch die anderen machten jetzt deutlich, dass sie nicht ein weiteres Wort sagen würden. Das schien Federkiel aber leider nicht zu stören. Sie blieb sitzen.
So verlief die Weiterfahrt sehr schweigsam.

Am Abend, nach dreizehn Stunden Fahrt, erreichte der Zug Starliskatur.
„Ich verabschiede mich hiermit“, brach Federkiel das Schweigen und lächelte sie alle von oben herab an. „Ihr könnt in der nächsten Ausgabe der Korranberger Chronik sicherlich einen spannenden Artikel über Euch finden. Vielleicht solltet Ihr Euch eine Ausgabe kaufen. Bildet sicherlich auch mehr als der Sharner Kobold.“
Damit verließ sie die vier Abenteurer und stieg aus dem Zug.
„Endlich“, stieß Astamalia die Luft aus, als hätte sie sie die ganzen letzten Stunden angehalten. „Woher hatte diese Person all diese Informationen?“
„Keine Ahnung“, brummte Esra. „Aber wenn wir Pech haben, sehen wir sie gleich wieder. Sie hat einen Brief bei uns verloren.“
Damit zog sie ein Kuvert aus den Ritzen zwischen den Sitzen.
„Interessant: An meine Freunde, steht hier“, las Esra vor und machte dann ungefragt den Brief auf.
„Ich grüße Euch, treue Freunde!“, begann Esra vorzulesen. „Ihr seid sehr schnell vom Ball aufgebrochen, dabei war doch gerade sein Ende sehr spektakulär…!“
„Nicht der schon wieder!“, stöhnte Astamalia und schlug die Hände vors Gesicht.
„…Und wenn ich euch daran erinnern darf: Ihr habt eure Pferde in der Stadt vergessen. Aber keine Angst, sie sind bei mir gut aufgehoben. Habe ich bereits erwähnt, dass ich eine Modekollektion für Pferde geplant habe? Wenn ihr das nächste mal in Trolanhafen seid, könnt ihr sie bei mir abholen. Und vielleicht bleibt ihr dann auch länger, so dass wir uns etwas unterhalten können. Bis dahin wünsche ich euch auf eurer Reise noch viel Glück.
Bodinar Turenhart.“
„Unsere armen Pferde“, jammerte Astamalia weiter.
Esra grinste und deutete auf den Brief:
„Hier gibt es noch ein post scriptum: Nehmt euch in acht. Dieses Spiel, an dem ihr teilnehmt, spielen Profis seit vielen Jahren. Nicht wie ihr erst seit einigen Wochen. Und es sind sehr viel mehr Leute an dem schönen Blondschopf und seiner Waffe interessiert, als ihr euch vorstellen könnt.“
„Es war klar, dass Bodinar mehr über unseren Auftrag weiß, als er zuzugeben bereit war“, nickte Adamant. „Der Kerl scheint über so ziemlich alles Bescheid zu wissen.“
„Ebenso wie diese Reporterin. Die arbeiten sicher zusammen“, vermutete Esra und faltete den Brief wieder zusammen.
„Aber wir sollten ihn wirklich einmal besuchen. Wenn er uns schon bittet, sich etwas mit ihm zu unterhalten, dann will er uns vielleicht etwas mehr sagen. Vielleicht bekommen wir dann endlich raus, wer oder was er wirklich ist“, schloss Adamant.
Und damit konnten alle gut leben.

***

Am nächsten Vormittag erreichte der Zug die Grenzstadt Vathirond. Hier besorgte sich Thalaën noch gültige Reisepapiere für Thrane und Karrnath. Das war mit den Ausweisen von Hauptmann Viorr nicht weiter schwierig. Am Nachmittag gab es an der Grenze zu Thrane einen weiteren Aufenthalt. Ritter aus Thrane prüften den gesamten Zug und jeden Ausweis genauestens.
Es schien fast unmöglich, dass ein mächtiger Vampir ihren Durchsuchungen nicht auffallen konnte. Doch der Zug fuhr weiter, ohne dass Lucan ihn verlassen hätte.
Der restliche Nachmittag verging ohne weitere besondere Ereignisse und die vier machten sich für eine weitere Nacht im Zug bereit.
Von weiter hin waren Schrei zu hören.
Irritiert sahen sie sich an.
Ein weiterer Schrei ertöne und Adamant steckte seinen Kopf auf den Gang, blickte nach hinten.
Am Gang im vorderen Waggon stand ein Kriegsgeschmiedeter, er einer älteren Frau ein Langschwert an die Kehle hielt. Sie schrie kurz auf, bevor ihr der Stahl den Kopf von den Schultern trennte.
Adamant wirbelte herum, suchte nach seinem Schwert.
Draußen vor dem Fenster zischte ein Halbling auf dem Rücken eines geflügelten Dinosauriers vorbei.
„Wir werden angegriffen“, erklärte er den anderen, die ebenso verblüfft waren, wie er selbst.

Im Bruchteil einer Sekunde hatten Thalaëns Instinkte die Kontrolle übernommen und er sprang mit seinem Säbel in der Hand auf den Gang hinaus. Der Kriegsgeschmiedete war nicht alleine. Sie waren insgesamt mindestens zu viert. Vielleicht auch noch mehr.
Der Elf bleckte die Zähne und stürmte auf den ersten los.
Der Gang war schmal und für das Kämpfen nicht sonderlich geeignet. Aber das sollte ihn nicht aufhalten.
Was schon viel unangenehme war, war die Tatsache, dass die Körper der Kriegsgeschmiedeten ohne Ausnahme aus Adamantit zu bestehen schienen. So konnten sie viel Schaden einfach absorbieren und sein Schwert wurde schartig.
Thalaën atmete schmerzhaft ein, als ihm sein Gegner einen tiefen Schnitt am Arm zufügte.
Wütend holte er heftig aus und rammte ihm das Schwert durch seine Körperrüstung hindurch.
Bis zum Heft rammte er es hinein, bevor er es genüsslich wieder herauszog.
Thalaën seufzte.
Irgendwie war es langweilig Kriegsgeschmiedete zu töten. Sie hatten weder einen theatralischen Todeskampf, noch verströmten sie literweise Blut.
Aber zumindest stand bereits der nächste bereit.
„Wo ist das Schöpfungsmuster?“, schrie der Geschmiedete, als er den ersten Schlag von ihm parierte.
„Was?“, war Thalaën erstaunt und vergas fast den nächsten Angriff abzuwehren. Nur ein rascher Sprung nach hinten rettete ihn vor einem vernichtenden Treffer.
„Das haben wir schon lange nicht mehr bei uns!“, schrie er zurück und hieb gleichzeitig nach ihm.
„Lügner!“, rief der Kriegsgeschmiedete und kämpfte verbissen weiter.

Adamant stand untätig hinter seinem Freund Thalaën. Der Gang war einfach zu eng, als das sie zu zweit kämpfen konnten und Adamants Fernkampfwaffen lagen alle gut verstaut in seinem Rucksack, der sich wiederum im Gepäckfach ihres Abteils befand.
Es würde in diesem Moment zu lange dauern, sie zu suchen und einsatzbereit zu machen.
Doch der Elf schien auch so gut klar zu kommen, auch wenn er schon einige schwere Treffer kassiert hatte.
Kurz entschlossen legte er dem Elfen die Hand auf und murmelte einige Worte. Durch göttliche Magie schlossen sich einige der Wunden wieder und gaben Thalaën Kraft weiter zu kämpfen.
Der zweite Kriegsgeschmiedete fiel.
„Thalaën pass auf! Sie verschwinden auf das Dach!“, rief Adamant, als er einen Blick an dem Elfen vorbei wagte. Der erste Kriegsgeschmiedete stand bereits auf der Leiter und versuchte das Dachluk zu öffnen. Hinter ihm stand noch ein weiterer, während ein dritter wieder auf Thalaën losstürmte.
„Ich sehe es, aber ich komme hier nicht vorbei!“
Adamant sah sich rasch um und sah sich um. Dann steckte er rasch ein Schwert weg und versuchte zwischen den beiden Waggons auf das Dach zu kommen. Es erwies sich jedoch als nicht so einfach seinen schweren Körper hochzuheben und an der recht glatten Außenwand des Waggons hochzuklettern. Er hinterließ einige sehr tiefe Beulen in der Metallverschalung, ehe er auf dem Dach anlangte.
Sofort sirrte ihm ein Speer um die Ohren, geworfen von einem der Halblinge.
„Bei der Flamme! Was bringt diese Halblinge dazu sich mit dem Klingenfürsten einzulassen?“, fragte er sich, während er wieder sein Schwert zog.
Auf dem anderen Waggon waren bereits die zwei Kriegsgeschmiedete hochgeklettert und wirkten wenig begeistert, dass man ihnen auch hier den Weg versperrte.
Einer der beiden nahm Anlauf, übersprang den gut zwei Meter breiten Abgrund zwischen den Waggons und stürmte auf Adamant zu, der unter der Heftigkeit dieses Sturmangriffs zurückwich.

Esra machte es dem Kleriker gleich und arbeitete sich auf das Dach hoch. Für sie erwies es sich als viel einfacher, als für den schweren und beiweite nicht so behänden Kriegsgeschmiedeten.
Dafür landete sie inmitten des Kampfgetümmels. Sie machte eine Rolle seitwärts um einem Schlag auszuweichen, versuchte nicht vom Dach zu Fallen und zog im aufstehen ihr Schwert. Ein Kriegsgeschmiedeter mit einem gefährlich aussehenden Krummsäbel starrte sie an.
Und er wirkte, als hätte er im Nahkampf mehr Erfahrung als sie.

Thalaën rang den letzten Kriegsgeschmiedeten im Waggon nieder und folgte seinen beiden Freunden auf das Dach hinterher.
Astamalia überlegte kurz, tat es ihm dann aber gleich, hetzte dem Elf auf den Fuß die Leiter hinauf nach.
Oben herrschte das Chaos und die Magierin bereute fast augenblicklich, dass sie nicht unten geblieben war. Die beiden Kriegsgeschmiedeten wehrten sich tapfer und über ihnen allen glitten immer wieder die Halblinge dahin, die zwar mit wenig Präzision, dafür aber mit viel Kraft Wurfspeere nach ihnen schleuderten.
Astamalia versuchte sich von dem Tumult nicht abdrängen zu lassen und schleuderte dem erstbesten der beiden Kriegsgeschmiedeten eine Ladung magischer Energie entgegen.

Plötzlich wurde Thalaën von hinten angerempelt, geriet ins stolpern und glitt auf dem geneigten Dach aus. Im Fallen sah er aus den Augenwinkeln das unergründliche Gesicht des Kriegsgeschmiedeten mit dem Krummsäbel.
Dann war das Dach plötzlich aus.
Doch seine Reflexe waren noch nicht eingerostet. Er warf sich herum und krallte seine Finger an den Rand des Daches, versuchte nicht nach unten zu blicken, wo die Landschaft in Windeseile vorbei flog.
Der Kriegsgeschmiedete tauchte vor ihm auf und hob seinen Säbel.
Doch dann kam auch der Geschmiedete ins Taumeln, hieb nach etwas hinter ihm und verschwand dann wieder aus Thalaëns Sichtfeld. Kurz bekam er eine wirbelnde Esra zu sehen, die ihn anscheinend ablenkte.
Eine wahre Freundin, dachte Thalaën bei sich. So gut er konnte sammelte er seine letzten Kräfte und spannte seine überstrapazierten Muskeln an, zog sich mit letzter Kraft wieder auf das Dach.

Astamalia musste wieder einmal am eigenen Leib erfahren, dass es gefährlich sein konnte, wenn einen die Gegner als ernsthafte Bedrohung einstuften. Und das geschah ihr in letzter Zeit leider immer öfter.
Ein Kriegsgeschmiedeter ließ plötzlich von Adamant ab, überwand den Abgrund zwischen den Waggons und sprang sie mit hocherhobenem Schwert an. Die Magierin hatte kaum Zeit zu reagieren.
Ihre Magierrüstung half in diesem Moment relativ wenig, als ihr das Schwert tief ins Fleisch schnitt.
Sie schrie auf und presste ihre Hände auf die Bauchwunde, aus der ein steter Strom aus Blut floss. Das war das Ende, dachte sie bei sich.
Der Kriegsgeschmiedete ragte hoch über ihr auf, hob das Schwert, und kippte plötzlich lautlos zur Seite und vom Zug. Hinter ihm stand Adamant, gespickt mit Speeren und etlichen klaffenden Wunden in seinem künstlichen Körper. Er hielt sich nicht lange bei ihr auf, sondern sprang gleich zu Esra weiter.
Astamalia blickte immer noch ungläubig auf die Menge Blut, die aus ihrem Körper floss.
Sie musste rasch hier weg, weg aus diesem Kampfgeschehen, bevor sie jemand in diesem Zustand fand und ihr den Gnadenstoß verpasste.
Ungelenkig sprang sie auf die Plattform zwischen den beiden Waggons und holte ein Fläschchen blauer Flüssigkeit hervor, das sie rasch hinunter stürzte.
Sie spürte sofort, wie der Blutschwall nachließ und als sie an sich herabsah, konnte sie eine leicht vernarbte Bauchdecke sehen. Sie atmete erleichtert auf.
Vielleicht würde sie den heutigen Tag doch noch überleben.
Sie horchte auf.
Es waren neue Kampfgeräusche zu hören. Diesmal kamen sie von weiter vorne.
Anscheinend gab es dort einen weiteren Trupp an Kriegsgeschmiedeten oder anderen Gegnern.

Esra wurde unter den harten Schlägen des Anführers – zumindest kämpfte er besser als die anderen – immer weiter zurückgedrängt und sie spürte hinter sich bereits das Ende des Daches. Dennoch wich sie Zentimeter um Zentimeter zurück. Adamants Schläge von hinten schienen ihren Gegner nicht sehr zu stören.
Schließlich trat sie ins Leere und unterdrückte einen Aufschrei, als der Waggon an ihr vorbeiraste.
Sie tastete mit den Händen nach irgendetwas, woran sie sich festhalten konnte.
Sie fand im Sturz einen kleinen Vorsprung am Fahrgestell des Wagens. Knapp unter ihr rauschte die Landschaft dahin. Sie konnte die Blitzsteine sehen und die Entladungen, die zwischen dem Waggon und den Steinen stattfanden.
Sie spannte ihren Körper an und versuchte probeweise einen ihrer Haltepunkte loszulassen um sich nach oben zu ziehen.
Das hätte sie besser nicht getan.
Hart schlug sie auf der Erde auf und kullerte noch einige Meter weiter, bis sie endlich zum liegen kam.
Der Zug raste an ihr vorbei in die Nacht hinein.

Astamalia hatte noch genau einen wirkungsvollen Zauber im Repertoire und den gedachte sie jetzt anzuwenden. Sie wartete geduldig, bis sie drei Kriegsgeschmiedete sah, die durch den Salonwaggon auf sie zustürmten. Dann brachte sie einen gut gezielten Feuerball an.

Esra lief dem Zug hinterher so schnell sie konnte. Wenn sie sich nicht täuschte, dann wurde er ohnedies bereits langsamer und würde in absehbarer Zeit stehen bleiben.
Plötzlich erleuchtete Feuer die Nacht. Aus einem der Waggons schossen Feuerlanzen aus den Fenstern, Schreie waren bis zu ihr zu hören.
Irgendjemand hatte einen Feuerball gezündet. Hoffentlich war es Astamalia gewesen.

Thalaën langte nach seinem Bogen. Diese Halblinge wurden nun wirklich lästig. Sie beschränkten sich mittlerweile nicht mehr nur darauf Speere zu werfen, sondern machten auch Sturzkampfangriffe gegen ihn und seine Freunde.
Eigentlich wäre das Esras Aufgabe gewesen, aber nachdem sie vom Zug gefallen war, würde er zur Abwechslung einmal mit Pfeil und Bogen kämpfen.
Er ziele, schoss, traf.
Der Halbling grunzte laut auf, flog noch kurz auf seinem Dinosaurer mit und kippte dann in die Dunkelheit nach unten.
Im selben Moment kam der Zug abrupt zum stehen und Thalaën landete unsanft auf seinem Gesäß.

Der plötzliche Stopp war das Todesurteil des letzten Kriegsgeschmiedeten. Er stürzte nach vor, direkt in Adamants Klinge und der zog das Schwert einmal brutal durch den bereits schwer in Mitleidenschaft gezogenen Körper.

Esra sah, dass der Zug angehalten hatte und beschleunigte ihre Schritte, als sie über sich ein Geräusch hörte.
Einer der Gleitflügler zog nur wenige Meter über ihr dahin und dann landete etwas schwer vor ihr im Gras.
Erschrocken sprang sie zurück, bevor sie erkannte, was es war.
Vor ihr lag ein Halblingsreiter. Einen Pfeil direkt zwischen den Augen.
„Gut geschossen, Thalaën“, lobte sie.
Im Zug vor ihr war es ruhig geworden.
Achselzuckend wandte sie sich der Leiche zu. Vielleicht hatte der Reiter Reichtümer bei sich, die verwendbar waren.

Astamalia war selbst überrascht von der Wirksamkeit des Feuerballs. Vier geschmolzene und verbrannte Überreste von Kriegsgeschmiedeten lagen im Waggon verstreut.
Leider aber auch die Leichen zweier Passagiere, die hier Zuflucht gesucht hatten. Astamalia unterdrückte ein schlechtes Gewissen.
Sie hatte die beiden nicht gesehen und ohne den Feuerball wären sie wahrscheinlich durch die beiden Kriegsgeschmiedeten gestorben.
Auch wenn das natürlich nicht sicher war und nie jemand würde beweisen können…
Ein Geräusch schreckte sie hoch.
Am anderen Ende des Waggons stand ein Wesen und starrte sie an.
Auf den ersten Blick wirkte es wie ein Wandler. Aber es war keiner. Zumindest nicht nur. Das Wesen hatte verschiedene Teile in sich implantiert, die stark an einen Kriegsgeschmiedeten erinnerten. Und eine der Hände schien komplett amputiert zu sein und wurde durch eine riesige adamantene Faust ersetzt.
„Wer bist du? Was bist du?“, keuchte Astamalia.
Doch das Wesen gab keine Antwort es sprang aus dem Waggon und raste mit unglaublicher Geschwindigkeit in die Dunkelheit davon.
„War das Lucan?“, fragte Adamant, der gerade in dem Moment vom Dach kam.
„Nein, das war etwas anderes“, fröstelte Astamalia immer noch. Noch nie in ihrem Leben hatte sie etwas so unheimliches gesehen. Und das bei all dem Erlebten in der jüngsten Vergangenheit.
„Nun, dann befindet er sich noch irgendwo im Zug. Und da niemand mehr von Haus Orien übrig ist, wird uns auch niemand daran hindern, ihn gründlich zu durchsuchen.
„Seht!“, rief Thalaën. „Da läuft er!“
Ein riesiger Wolf entfernte sich vom Zug und rannte auf eine Stufenpyramide zu, die nur unweit der Bahnstrecke stand.
„Jetzt haben wir ihn“, freute sich Adamant.
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

  • Mitglied
    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #27 am: 05. April 2008, 23:17:27 »
:!:

Nach langen Kapitel wieder einmal ein verzweifelter Aufruf nach Kommentaren seitens der stummen Mitleserschaft, so sie denn existiert...

 :!:
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Topas

  • Mitglied
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #28 am: 08. April 2008, 16:44:48 »
Aber ja sie existiert. Ich lese diese Storyhour mit großem Vergnügen.

Die Gnomin Federkiel erinnert ich stark an die Reporterin aus Harry Potter, mit der schwebenden Feder und den unangenehmen Fragen. Hast du dich da inspirieren lassen ?
Immense harm is caused by the belief that work is virtuous.
- Bertrand Russel

Hunter

  • Mitglied
    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #29 am: 08. April 2008, 16:48:09 »
Erwischt  :D
Es fielen auch am Tisch sofort die ersten Anmerkungen deswegen. Dafür konnte sich jeder augenblicklich die penetrante Art und Weise vorstellen, mit der sie ihre Fragen vortrug und jeden einzelnen Charakter löcherte.

Es ist zudem gut zu wissen, dass man nicht nur schreibt um die Leere des WWW zu füllen...  :grin:
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.