Autor Thema: Schatten der Vergangenheit  (Gelesen 9227 mal)

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Boïndil

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Schatten der Vergangenheit
« Antwort #30 am: 08. April 2008, 22:29:33 »
Ne, schreibst du nicht. Obwohl ich selbst zur Zeit fast nur noch Eberron spiele, habe ich diese Kampagne noch nie gespielt, obwohl sie doch eigentlich den Einstieg ins Setting bieten soll.
Insgesamt eine gute SH, ist eine von den dreien, die verfolge. Mein NSC Liebling ist ja eigentlich Turenhart. Wie eigentlich alle Gnome. Ich finde du bringst die Geheimniskrämerei der Rasse in Eberron sehr schön rüber. Das einzige, was mir an dieser SH noch fehlt, ist ein Lieblings SC. Da konnte ich mich noch für keinen entscheiden (obwohl der Elf gute Chancen hat. Valenar an die Macht.)
"Hört auf zu reden! Lasst uns Köpfe spalten und Knie zertrümmern!"

Hunter

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    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #31 am: 10. April 2008, 14:43:43 »
Die Kampagne sollte man unbedingt mal gespielt haben. Ich fand, dass man sie ohne viel Mühe zu sehr guten Abenteuern entwickeln kann. Vor allem gerade deswegen, weil sie sehr viel Eberron-Flair einfangen. Leider ist nur das Ende der Trilogie sehr offen - was natürlich zu weiteren Abenteuern aus eigener Feder führen kann.

Bezüglich Turenhart: Tja, auf den nächsten Auftritt des Gnoms wird man wohl etwas warten müssen...  :(
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

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    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #32 am: 11. April 2008, 22:11:23 »
Geist der Flamme

Nach einer viel zu kurzen Nachtruhe brachen sie auf. Immer noch waren sie alle vier erschöpft von den Ereignissen der letzten Nacht. Aber niemand wollte, dass Lucan entkam, nur weil sie sich zu lange ausruhten.
Auch wenn klar war, dass er im Tageslicht nicht aus der Pyramide kommen würde; das wäre sein sofortiger Tod.
Sie marschierten bis zum Ufer des Sees. Jenseits des dunkel daliegenden Gewässers lag eine uralte Stufenpyramide, vermutlich ein alter Tempel. Eine breite Treppe führte in der Mitte des Tempels zu einem dunklen, klaffenden Durchgang. Als hätte er auf sie gewartet tauchte Lucan kurz darin auf und blickte zu ihnen zurück. Dann trat er in den Schatten und wurde von der Dunkelheit verschluckt.
„Bei unserem Glück befindet sich irgendein Untier darin, das uns frisst, bevor uns Lucan töten kann“, murrte Astamalia, die sich durch den Kampf in der letzten Nacht immer noch geschwächt fühlte.
„Aber es wird sicherlich nicht sehr gerne Adamantit fressen und gegen Lucan sind wir immerhin vorbereitet“, beruhigte sie Adamant. „Ich werde auf dem Grund des Sees bis zur Pyramide gehen. Dann kann ich euch auch sagen, wie tief es ist. Und wenn mich nichts attackiert, dann werdet ihr auch ungeschoren davonkommen.“
Obwohl Astamalia die Idee für nicht besonders klug hielt, brachte sie keine Einwände ein. Besser der Kriegsgeschmiedete als sie, dachte sie bei sich. Auch wenn es natürlich nicht sehr gut war, wenn sie den einzigen Heiler in der Gruppe verloren.
Doch Adamant war ohnedies bereits losmarschiert und fast zur Gänze im Wasser verschwunden. Er hob noch seine Hand mit dem Schwert hoch über den Kopf, dann war er weg. Aber das Schwert und sogar noch ein Teil seines Armes waren weiterhin zu sehen. Der See konnte also nicht sehr tief sein.
Minuten später erreichte er unbeschadet die Treppe des Ziggurats und winkte ihnen zu.
„Na dann mal los. Wird schon schief gehen“, grinste Thalaën und warf sich ins Wasser. Esra folgte ihm. Astamalia hatte etwas weniger Begeisterung und brauchte etwas länger.

Die Pyramide war riesig! Vor allem dann, wenn man direkt davor stand. Esra überlief ein Schauer, und das sicher nicht nur wegen des kalten Wassers des Sees. Der Eingang, hatte aus der Distanz sehr klein gewirkt. Auch wenn man mit Lucan in seinen Pforten bereits gesehen hatte, dass er größer sein musste, als er wirkte. Aber nun, da sie direkt davor stand, musste sie feststellen, dass sie problemlos auf Adamants Schultern stehen könnte, und wahrscheinlich immer noch nicht die Decke berühren würde.
„Lasst uns dieses untote Monster endlich zur Strecke bringen“, hörte sie hinter sich die Stimme des Klerikers. Adamant hatte bereits zwei Fackeln angezündet und gab eine davon an Astamalia weiter. Dann marschierten sie in die Pyramide hinein. Thalaën ging voran, dann folgten Adamant, Astamalia und Esra bildete den Abschluss. Der Gang brachte sie nur wenige Meter in die Pyramide hinein, bevor er sich wieder weitete.
Die polierten, grauen Marmorwände des ersten Raumes in den sie kamen, waren mit Mustern überzogen, die im Licht der Fackeln an einen bewegten Ozean erinnerten. Zwei Säulenreihen erstreckten sich links und rechts vom Eingang bis zum hinteren Ende des Raumes. Jede der Säulen war mit hervorstehenden Scheiben überzogen, die die Säulen aussehen ließen, wie die Tentakeln eines Tintenfisches.
„Merkwürdige Architektur“, zog Esra eine Augenbraue hoch.
Die anderen stimmten ihr mit einem stummen nicken zu, dann marschierten sie weiter, durch den Ausgang am anderen Ende. Dahinter befand sich eine nach oben führende Treppe, die in einen weiteren Raum führte.

Astamalia musste ehrlich zugeben, dass ihr beinahe Tod in der letzten Nacht sie etwas ängstlich und übervorsichtig gemacht hatte. Andererseits war das sicherlich nichts schlechtes. Aber es zeichnete nicht gerade einen wagemutigen Abenteurer aus, wenn sie die Luft anhielt, als sie zusammen den zweiten Raum betraten. Doch nichts tödliches mit rasiermesserscharfen Zähnen fiel sie an.
Nur ein Podest mit einem riesigen Steinaltar darauf, dominierte den Raum. Bereits vom Eingang konnte Astamalia einen breiten Schlitz sehen, er sich oben in dem Altar befand.
Die Wände waren bedeckt mit den verblassten Fresken von roten Dämonen, die alle in Richtung des Eingangs zu blicken schienen.
Dutzende kleine Haken waren in der Decke verankert und starke Ketten verliefen von den Ecken des Altars zur Decke.
Astamalia trat vorsichtig vor und besah sich den Altar genauer. Spuren von eingetrocknetem Blut waren darauf zu erkennen.
„Ein Opferstock“; flüsterte sie und wich zurück.
„Ein Opferstock mit einer Schublade!“, rief Thalaën und deutete auf eine steinerne Lade, die in den Altar eingelassen war. Er wollte sie schon öffnen, als ihm Astamalia mit ihrem Kampfstab auf die Finger klopfte.
„Lass das. Mir ist das nicht geheuer“, fuhr sie ihn an. Dann betrachtete sie sich das ganze genauer. Aber sie war nun einmal Magierin und kein Dieb, der sich mit versteckten Fallen und Sicherungseinrichtungen auskannte.
„Geht alle bis zur Wand zurück, ich möchte etwas ausprobieren“, gebot sie den anderen und trat selbst bis an die Wand. Dann wandte sie einen Zaubertrick an, den man in sie in der Akademie bereits im ersten Jahr gelernt hatte. Eine hilfreiche unsichtbare Hand.
Damit versuchte sie die Lade zu öffnen, in der Hoffung, dass sie für diese schwache Art von Magie nicht zu schwer war.
Doch so weit kam es gar nicht. Kaum hatte die Hand die Lade berührt, klappte bis auf einen schmalen Bereich am Rand der ganze Boden des Raumes nach unten auf. Die Ketten, mit denen der Altar an der Decke gehalten wurde, knirschten bedrohlich, hielten dem Gewicht aber stand.
„Danke“, machte Thalaën und leuchtete in den entstandenen Schacht nach unten. Die Fallgrube war recht tief. So tief, dass das Licht der Fackel nicht bis nach unten reichte.
„Das hätte mein Tod sein können“, fügte Thalaën hinzu.
„Keine Ursache“, grinste Astamalia. „Beim nächsten Mal einfach nicht wieder alles anfassen.“

Die Treppe hinter dem Opferraum führte hinauf in einen weiteren Raum in der Pyramide. Dieses mal waren die Wände mit aus Stein gehauenen Tierköpfen geschmückt. Bei vielen Köpfen waren die Augen durch Smaragde dargestellt, wodurch sie grün funkelten, sobald ein Lichtschein auf sie fiel. In der Mitte des Raumes stand ein steinerner Tisch und hinter dem Tisch stand eine riesige bewegungslose Kreatur mit dem Kopf eines Stiers. Das Fleisch der Kreatur war bereits stark verfault und an manchen Stellen konnte man sogar Knochen erkennen.
Plötzlich hob der untote Minotaurus seine riesige zweihändige Axt und marschierte langsam auf sie zu.
„Diesmal bin ich dran!“, rief Thalaën und stürmte nach vorne, seinen Säbel kampfbereit in der Hand. Mit Anlauf sprang er auf den Tisch und wirbelte seine Waffe rasend schnell herum. Keiner aus der Gruppe konnte rasch genug reagieren um ihn zu unterstützen, als der Minotaurus auch schon lautlos zu Boden ging.
So als wäre nichts passiert sprang Thalaën über sein Opfer und grinste die anderen an.
„Na los, weiter. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.“

Nun standen sie in einer Art Treppenhaus, indem es sowohl nach oben, nach unten und weiter in das Innere der Pyramide hinein weiterging. Nach kurzer Diskussion entschieden sie sich für die Treppe nach oben.
Sie durchquerten einen lang gezogenen Raum, indem ein Schwarm tollkühner Käfer glaubte ein passendes Mittagessen in ihnen zu finden. Astamalia machte ihnen aber mit einem gut gezielten Zauber den Gar aus.
Weiter ging es nach oben.
Adamant nahm an, dass sie sich schon fast in der Spitze des Ziggurats befinden mussten, als er vor ihnen einen Lichtschein ausmachte. Er deutete den anderen stehen zu bleiben und deutete dann auf den Eingang, aus dem das düstere Licht kam.
Sofort begann Astamalia Schutzzauber auf sich zu wirken und auch Adamant verstärkte Thalaëns Kraft durch ein göttliches Gebet.
Sie nickten einander aufmunternd zu und betraten dann den Raum.
An den Wänden hingen kupferne Feuerschalen, die den Raum in rötliches Licht tauchten. Die Kuppeldecke war an ihrem höchsten Punkt gut und gerne neun Meter hoch und bot damit genug Platz für eine große, groteske Statue, die einen Dämon mit Fledermausflügeln und Widderkopf darstellte. Zwischen den Füßen der Statue befand sich eine Art Thron auf dem Lucan mit halb geschlossenen Augen dem kommenden entgegenblickte.
Vor der Statue befand sich eine Reihe von Steinsarkophagen.
„Warum verfolgt ihr mich?“, fragte Lucan mit leiser, gepresster Stimme. Auf seiner Stirn standen Schweißperlen und sein Gesicht war verzerrt, als ob er Schmerzen hätte. „Warum könnt ihr mich nicht einfach in Ruhe lassen?“
„Du weißt, dass wir das nicht können“, erwiderte Adamant. „Du bist in die königliche Schatzkammer eingebrochen und hast ein mächtiges Schwert gestohlen. Außerdem dürfen es die Königs schatten nicht zulassen, dass die Informationen, die du besitzt, in die Hände von Karrnath oder ein anderen Nation fallen. Wir wurden gut informiert Lucan.“
„Ihr wisst gar nichts!“, schrie er und sprang auf. „Ihr habt keine Ahnung, was ich durchleiden musste. Was ich immer noch mitmache!“
„Wir könnten dir helfen“, versuchte Astamalia diesen Punkt aufzunehmen. „In Sharn kann man dir sicher helfen. Wir bringen dich zurück in deine Heimat, zu deiner Familie…“
„Meine Familie?“, rief Lucan und lachte wie irre. „Die einzige Familie die ich hatte liegt tot am Bahnsteig von Strengtor! Haltet mich nicht für dumm! Ich habe gesehen, wie ihr meine Schwester getötet habt.“
Und damit war das Gespräch für ihn beendet.
Die Seelenklinge erschien plötzlich in seiner Hand und damit sprang er auf den etwas überraschten Thalaën zu. Esra übergoss sich nur eine Sekunde später mit dem stark riechenden Knoblauchöl.

Thalaën bekam nur aus den Augenwinkeln mit, was die anderen machten. Er hatte genug damit zu tun, sich Lucan vom Hals zu halten. Und das war nicht sehr einfach. Er war schnell. Sehr schnell.
Er näherte sich seinem Schwert immer nur für einen Angriff, um sich dann sofort wieder zurückzuziehen. Und meistens noch dazu irgendwo auf die Kuppel hinauf, wo er ihn nicht erreichen konnte.
Damit nicht genug schien seine Waffe gegen den Vampir nicht sehr hilfreich zu sein. Sobald er ihm auch nur eine Wunde zugefügt hatte, schloss sie sich fast augenblicklich wieder.
„Silber! Wir brauchen Silber!“, rief Astamalia, die immer wieder magische Geschosse nach ihrem Gegner warf.
Thalaën sah sie irritiert an, holte dann aber seinen Rucksack vom Rücken und begann fieberhaft nach dem Fläschchen Silberöl zu suchen, das sich irgendwo darin befinden musste.

Esra setzte dem Vampir unbewusst am meisten zu.
Bereits beim Eintreten in den Raum, hatten sie die Särge gestört. Wer wusste schon, was sich unter den Steinplatten noch an Untoten verbarg. Vielleicht noch mehr Vampire, die Lucan dann auf sie hetzen konnte?
Während die anderen versuchten Lucan in Schach zu halten und eine mögliche Schwachstelle zu entdecken – auch Adamants Abwehrversuche mit seinem Symbol der Flamme halfen nicht – platzierte sie eine Knoblauchzehe nach der anderen. Auf jedem Sarg eine.
Sicher war sicher.
Dann erst wandte sie sich wieder dem Kampfgeschehen zu. Lucan hatte sein Kampfgebiet inzwischen auf die Decke und den Bereich hinter der Statue eingeschränkt. Anscheinend war ihm der starke Knoblauchgeruch im vorderen Bereich einfach zuwider.
Esra grinste zufrieden. Vielleicht brachten sie ihn doch noch klein.
Doch dann fiel ihr Blick auf Thalaën. Er war blutüberströmt und schien sich kaum noch auf den Beinen halten zu können. Wenig war von seiner heroischen Kampfkraft geblieben. Es schien, als würden Lucans Klauen, jedes Mal ein Stück seiner Lebenskraft aus ihm saugen. Zumindest aber schien auch Lucan schwächer zu werden. Das kurzzeitig mit Silber überzogene Schwert fügte ihm Wunden zu, die er so schnell nicht wieder schließen konnte.
Esra zückte ihren Bogen und begann in rascher Folge auf den Vampir zu feuern. Die Pfeile bewirkten zwar nicht sehr viel, aber vielleicht konnte sie so die Aufmerksamkeit von Lucan auf sich lenken.
„Adamant, Thalaën! Zieht euch zurück!“, rief Astamalia plötzlich.
Esra warf der Magierin einen Seitenblick zu. Sie webte gerade an einem etwas komplizierteren Zauberspruch, wie es schien.
Die beiden Männer sprangen rasch in Deckung, dann detonierte auch schon ein Feuerball hinter der Statue. Ein Schmerzensschrei von Lucan war zu hören, aber er war immer noch nicht tot.

Adamant sprang wieder hinter die Statue.
Lucans Kleidung schwelte und er selbst taumelte.
Der Kleriker nutzte die Gelegenheit und rammte dem Agenten das Schwert in den Bauch.
Beinahe augenblicklich verwandelte er sich in eine Gaswolke.
Langsam trieb er auf die Wand hinter der Statue zu und verschwand schließlich zwischen den Ritzen mehrerer Steine.
„Los! Wir müssen ihm nach und ihn vollständig vernichten!“
Mit diesen Worten schlug er mit seiner Kampffaust auf die Mauer ein.
Bereits nach wenigen Schlägen brachen Steine heraus und ein Raum dahinter wurde sichtbar.
Adamant leuchtete hinein.
Es war ein senkrechter Schacht, der weit nach unten zu führen schien. Eine rostige Metallleiter führte an einer Wand nach unten und verschwand in der Dunkelheit.
„Er muss irgendwo dort unten sein!“, teile er den anderen mit und machte sich daran den Schacht vollständig frei zu legen.

Astamalias Arme schmerzten, als sie endlich das Ende des Schachtes erreichte. Sie mussten die gesamte Pyramide wieder nach unten geklettert sein. Wahrscheinlich befanden sie sich sogar irgendwo unterhalb des Baues.
Brackiges Wasser stand in dem engen Raum, indem sie sich nun zu viert quetschten. Eine schmale Steintür führte nach draußen.
„Alle bereit?“, fragte Thalaën, wartete jedoch nicht einmal das Nicken der drei anderen ab, sondern öffnete schwerfällig die alte Tür.
Das laute Schlagen von Trommeln schlug ihnen entgegen. Überall im Raum wuchs Moos – an den Wänden, der Decke und auch an den Überresten von Teppichen, die von der Decke hingen und früher wahrscheinlich einmal als Raumteiler dienten. In einem Eck standen zwei Kesseltrommeln, über denen ein schwerer Schlegel in der Luft schwebte und wie von Geisterhand geführt die Trommeln schlug.
Astamalia war überrascht, dass ihr das alles in diesen Details auffiel, wo sie doch eigentlich von dem Monster vor sich sehr abgelenkt war.
Ein dreibeiniges Wesen, mit zwei riesigen Tentakeln und einem Auswuchs, indem sich drei Augen befanden, stand ihnen gegenüber. Der Körper schien fast nur aus einem Maul mit rasiermesserscharfen Zähnen zu bestehen.
Thalaën stürzte sich, ohne lange nachzudenken tollkühn auf das Monster. Neben Astamalias Ohr zischte ein Pfeil vorbei. Sie selbst, ihrer Magierkräfte für diesen Tag schon beraubt, hob ihre Armbrust und feuerte ebenfalls auf das Wesen.
Plötzlich schoss einer der Tentakeln vor und umfasste Esra, zog sie hinaus in den Raum.
Währenddessen schaffte es das Monster aber auch noch problemlos Thalaën mit seinen Zähnen in Schach zu halten.
Adamant sprang der Wandlerin bei und teilte mit einem gut gezielten Schlag den Tentakel des Monsters ab.
Voller Schmerzen schrie es grell auf und versuchte sich zurückzuziehen. Aber dazu ließ es Thalaën nicht kommen.

Adamant öffnete die einzige Tür des Raumes. Ihr gegenüber gab es noch eine Treppe, die nach oben führte. Diese wollten sie inspizieren, falls sie hier unten Lucan nicht fanden. Aber Adamant war sich sicher, dass sie knapp vor dem Ende ihrer Jagd standen.
Mit aller Kraft schob er die Tür auf.
Dahinter stand ebenfalls das Wasser knietief und überall im Raum hoben sich Särge wie kleine Inseln aus dem brackigen Wasser.
„Hoffentlich sind die Särge leer“, seufzte Astamalia. „Mein Bedarf an Kämpfen ist für heute mehr als gedeckt.“
„Lasst uns nachsehen“, schlug Adamant lakonisch vor.
Einen Deckel nach dem anderen hoben sie herab. Unter jedem fanden sie Überreste von Hobgoblinoiden, die hier vor Jahrtausenden begraben worden waren. Zu ihrer aller Zufriedenheit bewegte sich aber keine der Leichen.
In einem der letzten Särge, die sie öffneten, fanden sie schließlich einen friedlich schlafenden Lucan, die Seelenklinge auf sich liegend, die Hände vor der Brust verschränkt.
„Das war es dann wohl, Lucan“, murmelte Adamant und rammte ihm einen Holzpflock mitten durchs Herz.

***

Esra blinzelte in das grelle Tageslicht und atmete laut auf. Es war doch etwas anderes, im Freien zu sein, als in diesen klammen, dunklen und engen Gewölben, in denen einem an jedem Eck der Tod ereilen konnte.
Sie atmete den Geruch der Ebene ein und sah sich dann um. Im hellen Licht der Nachmittagssonne wirkten der Ziggurat und der See bei weitem nicht mehr so bedrohlich wie an diesem Morgen.
In einiger Entfernung war die Blitzbahnstrecke mit dem Zug darauf zu sehen. Ein weiterer Zug mit nur zwei Waggons war inzwischen dazu gekommen und etliche Personen eilten rund um das Schlachtfeld, dass sie letzte Nacht dort veranstaltet hatten.
Und auch am Fuß der Treppe des Ziggurats stand jemand und blickte zu ihnen empor. Es schien ein Mensch zu sein, in dunkler Kleidung. Und neben ihm stand ein sehr großer Vogel, der Esra an die Drachenfalken aus dem Eldeenreich erinnerte.
„Irgendwie habe ich bereits eine Ahnung, wer das ist“, murmelte Astamalia, als sie den Menschen unter sich erblickte.
Gemeinsam gingen sie hinab und schon bald sahen sie, dass es sich um einen alten Bekannten handelte.
Kasha blickte ihnen mit ernstem Gesicht entgegen. Er trug eine schwarze Uniform, auf der der rote Wolf von Karrnath prangte. An seiner Seite baumelte ein Säbel, der sicherlich nicht nur zur Zierde diente. Und neben ihm stand ein Riesenadler, der einen Reitsattel auf seinem Rücken trug. Das erklärte, wie er den Zug hatte einholen können.
„Ich muss sagen, ich habe euch offenbar unterschätzt“, begrüßte er sie. „Nach eurem Auftritt am Ball der Botschafterin, dachte ich, es würde nicht allzu schwer werden Lucan und das Schwert nach Karrnath zu schaffen.“
„Also seid ihr doch nicht nur ein einfacher Beamter aus Karrnath?“, fragte Astamalia zynisch.
„Doch, doch. Allerdings bin ich Oberst in der Armee. Aber immer noch ein einfacher Beamter, der einfach das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Als die Klinge gestohlen wurde, befand ich mich gerade inkognito in Sharn und wurde daher beauftragt zu garantieren, dass die Klinge wieder in die Heimat kommt.“
„Und jetzt wollt ihr sie uns wieder abnehmen?“, fragte Esra. Sie war sich nach den letzten erlebten Abenteuern sicher, dass dieser Soldat auch kein großes Hindernis darstellen würde.
„Das wäre mein Auftrag. Aber nachdem ihr es gerade geschafft habt einen Eliteagenten der Zitadelle auszuschalten und immer noch alle lebt, würde ich mit Rücksicht auf meine Gesundheit davon lieber absehen. Eigentlich war es mein Auftrag auch Lucan nach Korth zu bringen, damit er uns dort als Informationsquelle dienen kann. Von dieser Idee muss ich mich leider wohl verabschieden. Aber das Schwert würde ich doch gerne haben.“
„Versucht es uns doch abzunehmen!“, rief Thalaën provokant und schwang seinen Säbel.
„Das Schwert ist rechtmäßiges Eigentum des Staates Karrnath“, versuchte es Kasha noch einmal. „Aber ich denke, dass ich mit einer Bezahlung besser argumentieren kann. Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, würde euch Hauptmann Viorr Fünfhundert Galifar für das Schwert bezahlen. Was würdet ihr dazu sagen, wenn ich euch eintausend Galifar pro Kopf dafür gebe.“
„Klingt gut“, antwortete Esra spontan.
Auch Astamalia nickte: „Zumal Ihr Recht habt. Das Schwert ist wirklich Eigentum Karrnaths. Damit kann ich leben.“
„Auf keinen Fall!“, entfuhr es Adamant. „Wir werden einen Staat, in dem Untote erschaffen werden sicherlich nicht mit einer dermaßen starken Waffe versorgen!“
„Auch ich kann das nicht zulassen!“, stimmte Thalaën dem Kleriker zu. „Wir haben ja auch keine Ahnung, welche Macht das Schwert entwickelt, wenn es mit den anderen Schwertern der Kriegsfürsten zusammengebracht wird.“
„Aber wir könnten das Geld gut gebrauchen…“, versuchte es Astamalia, doch die beiden Männer schüttelten kategorisch den Kopf.
„In diesem Fall verabschiede ich mich“, wirkte Kasha nun ernsthaft wütend. „Aber denkt daran, dass unser nächstes Zusammentreffen dann unter Umständen nicht mehr so freundlich ausfallen wird.“
Mit diesen Worten schwang er sich auf seinen Adler und jagte ihn in den Himmel.
Astamalia schüttelte den Kopf.
„Das war keine sonderlich gute Idee, wirklich nicht. Jetzt haben wir einen Feind mehr und weniger Geld.“
„Ja, ihr hättet ruhig einmal über euren Schatten springen können“, stimmte Esra dem zu.

***

Als sie sich dem Zug näherten sahen sie schon von weiten silbern gepanzerte Gestalten, die ihnen entgegen liefen.
„Im Namen der Flamme! Lasst Eure Waffen fallen und weißt euch aus!“, rief ein besonders groß gewachsener Paladin.
„Tut was er sagt, ich werde das regeln“, nickte Adamant den anderen zu und warf als erstes seine Waffe ins Gras.
„Ich bin ein Priester der Flamme. Ich kann alles erklären“, rief er den Paladinen zu.

„Toll hast du das geregelt“, fauchte Esra.
Man hatte sie zu viert in ein kleines Abteil gebracht und ihre Wunden versorgt. Doch dann hatte ihnen der Anführer der Einsatztruppe, Malik Otherro, mitgeteilt, dass man sie bis nach Flammenfeste bringen würde.
„Es ist sicher auch überhaupt nicht merkwürdig, wenn wir mit einem mächtigen, bösen, verfluchten Schwert und einer Vampirleiche nach Flammenfeste kommen, oder?“, schüttelte sie verständnislos den Kopf.
„Aber Kapitän Otherro meinte, die Hüterin der Flamme persönlich wünscht uns zu sehen. Dagegen konnte ich doch unmöglich etwa einwenden“, verteidigte sich Adamant.
„Du solltest dich wirklich langsam von dem Idealbild deiner Kirche verabschieden, Adamant“, meinte Astamalia. „Die Kirche ist nicht so nobel, edel und verehrungswürdig, wie du dir das immer vorgestellt hast.“
Darauf sagte Adamant nichts.
Was hätte er auch sagen sollen?
Dass er langsam ebenfalls diesen Verdacht hatte und an seinem Glauben zweifelte? Wenn er es aussprach, dann würden es die anderen wissen. So hielten sie ihn zumindest immer noch für einen treuen Gläubigen, auch wenn sie das nicht für sonderlich klug hielten.
Aber der Glaube war nun einmal das einzige im Leben, dass ihm wirklich wichtig war.

***

Nach mehreren Tagen Fahrt erreichten sich nach Zwischenstopps in Aruldusk und Sigilstern die Flammenfeste. Hauptstadt von Thrane, Sitz der Hüterin, Ausgangspunkt des Glaubens der Flamme.
Nacheinander stiegen sie aus dem Waggon und sahen sich mit unterschiedlichen Gefühlen um. Astamalia und Esra war deutlich unwohl zumute. Beide hatten Vorurteile gegenüber dem Glauben der Flamme. Adamant hingegen konnte sich vor Ehrfurcht kaum auf den Beinen halten. Für Thalaën, zu guter letzt, schien die Flammenfeste eine Stadt wie jede andere zu sein. Zumindest ließ er sich keine besondere Emotion ankennen.
Kapitän Otherro erwartete sie bereits.
„Wir sollten uns beeilen. Die Hüterin ist über unser Kommen bereits informiert und sie hat einen vollen Terminkalender. Außerdem solltet Ihr Euch vor der Audienz noch zurecht machen“, fügte er mit einem Seitenblick auf die bereits reichlich mitgenommene Kleidung der vier Abenteurer hinzu.
Adamant nickte heftig.
„Natürlich. Diese Kleidung ist den Augen der Hüterin unwürdig.“
Otherro ging darauf nicht weiter ein und führte sie vom Bahnhof weg gen Norden, über eine Brücke, die zu der Insel führte, welche die eigentliche Stadt beherbergte.

Es war erstaunlich viel los und das Getümmel erinnerte Esra an die vollen Straßen von Sharn. Aber während Sharn voller Lärm und Leben war, schienen die Leute hier alle sehr in sich gekehrt zu sein und gingen still und stoisch vor sich hin. Über der Stadt ragten die weißen Alabastermauern der Kathedrale der Silbernen Flamme.
Aber nicht nur der gewaltige Bau erinnerte Esra daran, dass Flammenfeste das Zentrum einer ganzen Glaubensrichtung war. Die ganze Stadt schien ein einziger Tempel zu sein. An jeder Straßenecke waren Schreine errichtet worden, welche der Flamme huldigten. Viele der Gebäude sahen außerdem aus, als hätte man eigentlich Kirchen errichten wollen: Hohe Buntglasfenster mit religiösen Motiven, offene Bögen und eine enorme Platzverschwendung zeichneten viele dieser Häuser aus. Ganz anders als in Sharn, wo Platz Mangelware war.
Über eine Serpentinenstraße führte sie Otherro zur Kathedrale hinauf, die immer höher vor ihnen aufragte.
„Als würde die Kirche versuchen jeden innerhalb der Stadt zu beherrschen und zu unterdrücken“, flüsterte ihr Astamalia zu, die sich mindestens ebenso unwohl fühlte wie die Wandlerin. Esra erwiderte nichts darauf, sondern wandte ihren Blick von der Kathedrale ab, zu den Menschen auf der Straße. Wohlgemerkt den Menschen. Denn es waren kaum andere Wesen zu sehen. Nur vereinzelt war die kleine Gestalt eines Halblings oder der stämmige Körper eines Zwerges zu sehen. Wandler und Kriegsgeschmiedete sah sie nicht einen einzigen. Das war kein gutes Zeichen.
Otherro führte sie an den Wachen am Eingang der Kathedrale vorbei ins Innere, durch ein wahres Labyrinth an Gängen, bis sie schließlich in einem kleinen Seitentrakt ankamen.
Nacheinander deutete er hier auf vier Türen.
„Hier könnt Ihr Euch frisch machen und angemessen kleiden. Diese Treppe dort führt hinab in den Speisesaal der Hüterin, ich werde Euch dort erwarten. Bitte lasst Eure Waffen und Rüstungen hier zurück, wir würden sie Euch ohnehin spätestens im Saal abnehmen.“
Er nickte ihnen zu und marschierte dann die Treppe hinab.
Esra überlegte, was geschehen würde, wenn sie einfach in ihrem Zimmer bliebe, bis sie die Stadt wieder verlassen konnten. Aber wahrscheinlich war das keine gute Idee.

Astamalia genoss den Luxus von warmen Wasser und flauschigen Handtüchern. Auch wenn sie stark gegen den fanatischen Glauben Thranes war, der soviel Leid und Schmerz über den Kontinent gebracht hatte, so bewunderte sie doch den Stil, den man hier in der Kathedrale offenbar pflegte. Und ob sie die Hüterin nun respektierte oder nicht, so gebot es doch der Anstand, sich bei einem Staatsempfang gebührend zu kleiden.
Darum fasste sie ihre feine Garderobe aus dem Rucksack. Wie durch ein Wunder war sie durch die vergangenen Abenteuer nicht in Mitleidenschaft genommen worden.
Frisch gewaschen und etwas geschminkt, sowie in den sauberen Kleidern fühlte sie sich fast wie neu geboren.
So trat sie auch recht beschwingt auf den Gang und rannte dabei fast eine mürrisch dreinblickende Esra um. Bei ihrem Anblick musste Astamalia grinsen.
Esra hatte zwar gebadet und sich zurecht gemacht, aber sie hatte es nicht für nötig erachtet die Kleidung zu wechseln.
„Was lachst du?“, fragte die Wandlerin mürrisch.
„Ach, nur deine Aufmachung“, grinste Astamalia weiter.
„Ich sehe nicht ein, warum ich mich für eine Person, welche einen Kreuzzug gegen meine Ahnen und meine Rasse angeordnet hat, so präsentieren soll.“
„Es war nicht die jetzige Hüterin, welche diesen Kreuzzug ausgerufen hat“, ermahnte sie Astamalia.
„Mag sein. Aber es war dieselbe Organisation und derjenige saß auf dem gleichen Stuhl, wie die heutige Hüterin.“
Damit stapfte die Wandlerin die Stufen hinab.
Astamalia folgte ihr rasch.
Am Ende der Treppe lag der Speisesaal. Wie alle anderen Räume, die sie bis jetzt in der Feste gesehen hatte, war er schneeweiß und besaß große Buntglasfenster, durch die reichlich Licht fiel. In der Mitte des weiß gefliesten Saales stand eine große Tafel, die bereits gedeckt war. Kapitän Otherro, immer noch in Rüstung und mit seinem Schwert in der Scheide, Thalaën – in seiner neuen Tracht, die ihm Turenhart geschneidert hatte – und Adamant – in seinem schönsten Waffenrock –, saßen bereits an der Tafel.
„Kommt, das Essen wird noch kalt!“, rief der Elf, der bereits gierig auf die dargebotenen Speisen starrte.
Astamalia grinste und sah sich die Tafel an. Nichts darauf erschien ihr bekannt. Aber sie hatte sich mit Thrane auch noch nie sehr intensiv beschäftigt. Geschweige denn mit seiner Küche.
„Kapitän Otherro, könntet Ihr mir vielleicht weiter helfen und mir einige der dargebotenen Speisen erklären?“
„Natürlich“, erwiderte der Paladin trocken. „Ich kann Euch besonders das scharf angebratene Rindfleisch in Thrakel-Sauce, den Silberfischeintopf und den silbernen Gemüse-Bratspieß empfehlen. Ich darf aber darauf hinweisen, dass alle unsere Speisen sehr scharf sind. Nicht alle Ausländer vertragen das sehr gut“, fügte er warnend hinzu. „Die Nachspeise ist ein Waldbeerensorbet mit einem Stück Silberfrucht, die Lieblingsspeise der Hüterin.“
Astamalia nickte dankbar und begann ihren Teller zu füllen. Für ihren Geschmack war in dem Essen eindeutig zuviel Silber. Zumindest vom Namen her.

Adamant musste sich sehr beherrschen um nicht nervös zu zappeln. Gab es eine größere Ehre als die Hüterin persönlich kennen zu lernen? Und das schon so bald nach seiner Weihe zum Priester?
Ungeduldig sah er den anderen beim Essen zu. Noch nie in seinem Leben schien die Zeit so langsam vergangen zu sein, wie in dieser halben Stunde.
Endlich schob auch Thalaën den Teller von sich und rieb sich zufrieden den Bauch. Sofort sprang Adamant auf und sah die anderen erwartungsvoll an.
„Können wir nun zur Hüterin?“, fragte er.
Erstaunt sah ihn Otherro an.
„Natürlich, folgt mir bitte.“
Er führte die vier durch eine Seitentür in einen Gang, der sie immer tiefer in das Innere der Kathedrale brachte. Nur wenige andere Personen waren hier zu sehen.
Eindeutig näherten sie sich dem Heiligsten der Flamme.
Da war sich Adamant ganz sicher.
Und wirklich. Der Gang weitete sich und vor ihnen breitete sich in riesiger runder Saal aus, der von einer riesigen Kuppel gekrönt wurde. In der Mitte des Saales, eingelassen in ein wunderbares Mosaik loderte eine riesige silberne Flamme aus dem Boden empor.
Sofort kniete Adamant nieder und neigte andächtig den Kopf.
Hier war also der Ursprung eines Glaubens, die Quelle der göttlichen Macht.
Er spürte die Blicke der anderen auf sich ruhen, aber er ließ sich dadurch nicht in seiner Andacht stören. Sollten sie doch denken was sie wollten, es war immer noch sein Glauben und nicht der ihre.
Er hörte sich entfernende Schritte und wagte es kurz den Kopf zu heben. Kapitän Otherro hatte sich wieder in den Gang zurückgezogen, ohne ein weiteres Wort zu sagen.

Thalaën war gelinde enttäuscht. Er hatte zwar nicht gewusst was ihn erwarten würde, aber doch etwas mehr als eine silberne Flamme, die in einem großen Saal aus dem Boden kam. Er seufzte unterdrückt und sah sich um. Adamant kniete immer noch mit gesenktem Kopf auf dem Boden; das musste auf die Dauer sehr unbequem sein.
Die beiden Frauen waren ähnlich desinteressiert wie er. Was, bei allen Ahnen, machten sie hier eigentlich?
Er blickte in den Gang zurück, aus dem sie gekommen waren, in der Hoffnung dort nach Kapitän Otherro zu sehen. Vielleicht konnte er ihn in den Speisesaal zurückbringen und dort sitzen lassen, bis dieses ganze Theater vorbei war.
Doch von dem Paladin war nichts mehr zu sehen. Er hatte sie hier alleine zurückgelassen. Sehr merkwürdig.
Aber etwas anderes regte sich in den Schatten. Etwas monströses und unheimliches. Thalaën griff instinktiv auf den Rücken, wo sich normalerweise seine Waffe befand. Doch die hatte er vorschriftsgemäß in seiner Kammer zurückgelassen.
War es möglich, dass man sie hierher gebracht hatte, um sie zu töten oder zu opfern? Etwas umständlich, wie er fand. Man hätte sich ihrer genauso gut an der Bahnstrecke, neben dem Ziggurat entledigen können.
Ein sechsbeiniges schwarzes Monster mit dem Schwanz eines Dinosauriers und den Hörnern und Zähnen eines Dämons, schälte sich aus der Dunkelheit und knurrte sie leise an.
Thalaën hob, in Ermangelung einer Waffe, seine Hände. Zum Kampf bereit gegen die Bestie.
„Nicht“, flüsterte Adamant. „Das ist der Drachenhund Skaravojen, der Wächter der Hüterin. Er wird uns nichts tun, wenn wir die Hüterin nicht bedrängen.“
Thalaën warf dem Kriegsgeschmiedeten einen zweifelnden Blick zu. Aber das hier war seine Welt und vielleicht war es klüger, wenn er auf ihn hörte. So ließ er seine Hände wieder sinken, ließ das Monster aber nicht eine Sekunde aus den Augen.
Scheinbar zufrieden zog sich das Monster wieder in die Dunkelheit zurück. Nur mehr sein dunkles Knurren war weiterhin zu hören.
Dafür gesellte sich das patschen kleiner Füße auf dem Fliesenboden dazu und kurz darauf erschien ein kleines Mädchen aus der Dunkelheit und lächelte ihn an. Ungewollt lächelte Thalaën zurück.
Das Mädchen hatte dunkle Haut, kurz geschnittenes dunkles lockiges Haar und unergründlich tiefe graue Augen, die viel zu erwachsen wirkten, für ihr Alter. Ihre Kleidung bestand nur aus einem einfachen Leinensack.
Sie ging an Thalaën und den beiden Frauen vorbei und klopfte Adamant gegen die Stirn, als würde sie sich davon überzeugen, dass er wirklich aus Metall sei.
„Ist das nicht unbequem?“, fragte sie mit heller Stimme.
„Nein“, erwiderte der Kriegsgeschmiedete, sichtlich verdattert.
„Hm“, machte die Hüterin und besah sich dann den bunt schillernden Umhang von Astamalia, bevor sie sich Esra zuwandte.
Sie grinste die Wandlerin über beide Ohren an und streichelte dann plötzlich ihr buschiges Fell an den Unterarmen.
„Ihr seid eine Wandlerin, nicht wahr?“, fragte sie neugierig und blickte Esra dabei mit großen Augen an.

Esra wusste nicht ganz, wie ihr geschah, als sie das Mädchen plötzlich streichelte. Das sollte die Hüterin der Flamme sein? Die Führerin einer ganzen Nation?
„Ja“, antwortete sie schließlich.
„Du hast weiches Haar“, grinste die Kleine und setzte sich schließlich mit unterschlagenen Beinen auf den kalten Boden, blickte zu ihnen empor.
„Du bist die erste Wandlerin, mit der ich spreche. Und Adamant ist auch der erste Kriegsgeschmiedete, mit dem ich mich unterhalte. Auch wenn er etwas schweigsam ist.“
Esra war sich sicher, wenn er gekonnt hätte, dann wäre der Kleriker errötet. So jedoch senkte er den Kopf nur weiter zur Hüterin herab, die darüber nur belustigt kicherte.
„Darf ich fragen, warum Ihr uns empfangen habt?“, fragte Astamalia schließlich und setzte sich neben ihr auf den Boden.
„Ach, ich habe viel von Euch gehört und da wollte ich euch kennen lernen“, zuckte sie mit den Achseln.
„Darf ich auch fragen, woher Ihr von uns gehört habt?“, fragte Astamalia weiter, was ihr von Adamant einen bösen Blick einbrachte. Anscheinend fragte man die Hüterin keine einfachen Fragen.
„Ein Freund von mir, Bodinar Turenhart hat mir von euch erzählt. Mit ihm zusammen habe ich auch dieses Kleid gemacht. Gefällt es euch?“
Astamalia beeilte sich mit dem Kopf zu nickten und grinste dabei über beide Ohren. Dieses Mädchen gefiel ihr.
„Außerdem habe ich euch in meinen Träumen gesehen“, fügte Jaela Daran noch hinzu.
„In Euren Träumen?“, hakte Astamalia weiter nach.
„Seid Ihr einer jener gefährlichen Elfen, welche von Aerenal kommen?“, fragte sie Thalaën, ohne auf die Frage einzugehen. „Ich habe Bücher über Eure Kultur gelesen und auch einige Geschichten von diesen Elfen gehört. Aber leider habe ich das alles noch nicht persönlich erlebt.“
Sie machte eine Pause, in der sich auch der Elf und die Wandlerin auf dem Boden niederließen.
„Glaubt ihr nicht, dass es Adamant zu unbequem wird?“, fragte sie die drei noch einmal verständnislos.
„Ah, er hat hin und wieder solche Anwandlungen“, wehrte Thalaën ab.
Doch das brachte Adamant dazu, sein Knien zu beenden und sich zur Runde zu setzen.
Als wäre das ein heimliches Kommando gewesen, kippte Jaela Daran plötzlich nach hinten.
Erschrocken sprang Adamant wieder auf. Auch Astamalia war etwas verunsichert.
Doch ebenso plötzlich, wie sie umgefallen war, setzte sie sich wieder auf. Doch ihr Blick wirkte mit einem Mal vollkommen verklärt.
Mit starren Augen fixierte sie den immer noch verdatterten Adamant.
„Die wichtigsten Dinge im Leben sind eine Illusion“, sagte sie und wandte dann das Gesicht dem Elfen zu.
„Träume sind schlimmer als der Tod.“
Thalaën schnaubte trocken.
„Liebe und Lüge gehen manchmal Hand in Hand“, sagte sie Astamalia ins Gesicht.
„Nicht alles was man findet, lohn sicht, gefunden zu werden“, wandte sie sich als letztes auch noch Esra zu.
„Findet ihr Bodinar auch so lustig?“, sprach sie ohne merklichen Übergang, dafür aber wieder mit normaler Stimme weiter.
„Was waren das für Sätze?“, fragte Adamant verdattert.
„Welche Sätze?“
Jaela Daran klang ehrlich verwirrt. Sie schüttelte den Kopf und sah die anderen wieder an.
„Er ist manchmal etwas anstrengend“, beantwortete Astamalia die Frage des Mädchens, als klar wurde, dass sie sich an die letzten Minuten nicht erinnern konnte.
„Ja, das ist er. Manchmal. Aber wir haben doch alle unsere Eigenheiten…“, meinte sie geheimnisvoll.
Dem konnte Astamalia nur zustimmen. Vor allem dann, wenn man orakelhafte Aussagen machte, an die man sich kurz darauf nicht mehr entsinnen konnte.

***

Esra fand, dass der Tag nicht so vergeudet, war wie sie befürchtet hatte. Auch wenn die Hüterin auf Dauer etwas anstrengend war. Fast so wie Turenhart. Sie hatten sich noch länger mit ihr und unterhalten und Astamalia saß immer noch mit ihr und diesem Drachenhund im Speisesaal philosophierte über den Sinn des Lebens und über den Glauben im Allgemeinen und den Glauben der Flamme im speziellen.
Das war nichts für Esras einfachen Intellekt. Interessanterweise hatte sich auch Adamant zurückgezogen. Wie es schien, hatte er sich unter der Hüterin jemand anderen vorgestellt. Jemand weiseren. Jemanden, dem man eher traute ein Land zu regieren und einen Glauben auf der gesamten Welt zu vertreten?
Thalaën wiederum war nur im Speisesaal geblieben, weil die Diener ein reichliches Abendessen aufgetragen hatten. Esra hoffte für den Elfen, er würde seine Essgewohnheiten ändern, sollte er sich eines Tages in den Ruhestand begeben und nicht mehr jeden Tag seine Waffe schwingen. Ansonsten würde er wohl aufgehen wie ein Germkuchen.
Esra unterdrückte ein Gähnen und machte sich bereit für das Bett. Doch da ertönten Schrei von unter dem Fenster, gefolgt von dem Gejohle einer ganzen Menge.
Interessiert blickte sie nach draußen. Ein großer Innenhof war zu sehen, der nun voller Menschen war. Sie schienen sehr aufgebracht zu sein. Zumindest schrieen sie alle durcheinander und schüttelte die erhobenen Fäuste.
In der Mitte des Hofes stand ein Scheiterhaufen und darauf gebunden stand eine junge Wandlerin. Selbst aus dieser Entfernung konnte Esra erkennen, dass die Frau Todesängste ausstand.
Ohne lange zu überlegten packte Esra ihren Bogen und den Köcher vom Bett und rannte damit auf den Gang hinaus.
„Warte auf mich, Esra!“, hörte sie Adamants Stimme hinter sich.
Der Kleriker hatte seinen Wappenrock übergestreift und das Schwert am Gürtel.
„Ich werde mit dir kommen.“
Esra nickte knapp und lief weiter.
Es dauerte nicht lange, bis sie den Hof erreichten. Dennoch schienen Jahre vergangen zu sein. Die Stimmung war am Kochen.
Esra merkte deutlich, dass die Menge Blut sehen wollte.
Vor dem Scheiterhaufen stand ein Prediger und tat sein Schärflein bei, die Stimmung noch brisanter zu machen. In seiner Hand hielt er eine brennende Pechfackel.
Die Wandlerin am Scheiterhaufen schrie vor Panik und Angst.
„Haltet ein!“, rief Adamant mit dröhnender Stimme über den Platz und schob sich mit seinem massigen Körper einen Weg durch die Menge.
Unglaublicherweise wurde es wirklich still in dem Hof. Esra hielt ihren Bogen fest in der Hand und versuchte niemanden aus den Augen zu lassen.
Blickte stierten sie böse und blutrünstig an.
„Wer wagt es dieses heilige Ritual zu unterbrechen?“, rief der Prediger vom Scheiterhaufen herab.
„Ich! Adamant, Priester der Silbernen Flamme! Was wird dieser Frau vorgeworfen, dass Ihr sie auf dem Scheiterhaufen verbrennen wollt?“
„Der Vater dieser Ungläubigen war ein Werwolf! Eine Ausgeburt der Finsternis! Ein Bote des Bösen und des Verderbens!“
„Ja! Verbrennt sie!“, brauste die Menge wieder auf.
„Sie wird für ihre Ahnen bestraft? Für etwas, für das sie nichts kann?“, durchdrang Adamants Stimme wieder die Rufe der Menge. „Ist es nicht möglich, dass auch in ihr eine Gläubige zu finden ist?“
„Das Böse lässt sich nicht zu leicht überwinden. Böses Blut wird weiter vererbt. Und nur indem wir auch die Nachkommen der Teufel auf dieser Welt bekämpfen, werden wir das Böse eines Tages niederringen.“
„Das mag sein“, lenkte Adamant ein, als er sah, dass der Prediger die Flamme gefährlich Nahe an das Reisig brachte. „Aber dennoch ist nicht bewiesen, dass auch sie das Böse in sich trägt. Sie könnte eine wertvolle Verbündete in diesem Kampf sein.“
„Es war der Ruf der Flamme, der uns dazu aufforderte die Lykanthropen zu jagen und zu vernichten!“, kreischte der Prediger. „Und wie lautet das erste Edikt der Flamme?“
„Glaube der Silbernen Flamme!“, kam es im Chor von den Anwesenden zurück.
„Und wie lautet das dritte Edikt der Flamme?“, heischte er weiter.
„Bekämpfe das Böse in all seinen Formen!“, erklang wieder die Menge.
„Daher hat sich diese Wandlerin in zwei Edikten schuldig gemacht!“, geiferte er. „Dafür soll sie brennen!“
Er warf die Fackel.
„Nein!“, rief Esra und stürmte nach vor. Aber eine metallene Hand hielt sie eisern zurück.
„Nicht!“, flüsterte ihr Adamant ins Ohr und zerrte sie langsam, gegen ihren Willen ins Haus zurück. „Du kannst nichts mehr ändern. Sie würden auch dich töten.“
Noch lange verfolgten Esra die Schrei der verbrennenden Wandlerin und die anfeuernden und betenden Rufe der Menge.

***

Astamalia betrat das Luftschiff, das sie zurück nach Sharn bringen sollte als letzte. Sie hatte erfahren, was sich im Innenhof zugetragen hatte und verstand deshalb sehr gut, warum Esra und Thalaën rasch das Schiff bestiegen hatten, kaum dass bekannt geworden war, dass die Hüterin ihnen eine Passage zur Verfügung stellte.
Aber auch Adamant war sehr ruhig und in sich gekehrt, als er das Luftschiff bestieg. Ohne weitere Worte zog er sich in seine Kabine zurück.
Astamalia sah ihm nach. Er tat ihr leid. Nach und nach musste er feststellen, dass die Silberne Flamme doch ganz anders war, als er es gelernt hatte; als er sie anbetete.
Sie seufzte und machte sich auf den Weg zu Esras Kabine.
Leise klopfte sie und trat dann ein.
Esra saß auf dem Bett und blickte scheinbar durch sie hindurch.
„Darf ich dich kurz stören?“, fragte die Magierin.
Die Wandlerin nickte steif.
„Die Hüterin entschuldigt sich bei dir. Sie wollte es persönlich erledigen, aber zu dem Zeitpunkt warst du bereits außerhalb der Kathedrale und auf dem Weg zum Schiff. Sie weiß, dass in ihrem Glauben vieles falsch läuft, aber sie meint auch, dass es leider nicht in ihrer Macht liegt, das alles zu ändern. Auch wenn sie es versucht. Aber sie hat ein Geschenk für dich. Ein Leben, dass du retten kannst.“
Astamalia hob eine Leine, an deren anderem Ende ein junger Wolf war, der Esra mit großen, treuen, gelben Augen anstarrte.
„Er wurde nahe der Stadt gefunden und wäre von den Bauern dort beinahe getötet worden. Er wurde beschuldigt, einige Schafe gerissen zu haben. Daher kann er auch nicht auf Dauer in der Stadt bleiben. Die Hüterin dachte sich, bei dir ist er wohl besser aufgehoben.“
Sie lächelte der Wandlerin noch einmal zu und ließ sie dann mit dem Wolf in der Kabine alleine.

***

„Ist es nicht gut, wieder zu Hause zu sein“, rief Thalaën, als er die alte Wohnung Bonal Geldems betrat.
„Ja, wir haben sogar Post bekommen“, fügte Adamant hinzu und hob den Brief auf, den jemand unter der Tür hindurch geschoben hatte.
„Ein Brief. Von Dame Elaydren“, erklärte er und öffnete den Umschlag, während sich die andere im Wohnzimmer verteilten.
Balinor, Esras Wolf, den sie nach dem Gott der Jagd benannt hatte, schnüffelte neugierig in den Ecken der Wohnung umher.
„Sie schreibt uns, dass sie den Aufenthaltsort des vierten Schemas immer noch nicht herausgefunden hat und dass es wahrscheinlich noch etwas dauern wird, bis sie genaueres weiß. Aber die ersten Hinweise scheinen alle nach Xen’drik zu führen. Sie schriet hier aber auch, dass wir nicht damit rechnen brauchen, dass sie den Aufenthaltsort innerhalb des nächsten Monats herausfindet.“
„Was bedeutet, dass wir endlich wieder einmal Zeit für unser Privatleben haben“, freute sich Astamalia. „Ich habe ohnehin einige Dinge zu erledigen, die ich noch schon lange Zeit vor mir aufgeschoben habe.“
„Gleichfalls“, nickte Esra und streichelte über Balinors Nacken.
„Und ich werde nach Trolanhafen reisen und unsere Pferde abholen. Außerdem kann ich vielleicht einiges von Turenhart erfahren, bezüglich des Schemas oder aber auch seiner wahren Identität“, erklärte Adamant
„Bevor wir uns jedoch voneinander verabschieden, sollten wir unseren toten Vampir und das Schwert abgeben und die Belohnung kassieren“,  schloss Thalaën mit einem Grinsen.
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

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    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #33 am: 21. April 2008, 13:54:02 »
Shargons Zähne

Adamant fühlte sich nach der langen Reise erfrischt. Es war sehr angenehm gewesen, ohne Stress durch die Lande zu reisen; ohne verfolgt zu werden und sich gegen mörderische Bestien zu wehren.
Leider war das aber auch fast der einzige Vorteil seiner Reise gewesen.
In Trolanhafen, das er mit dem Schiff angefahren hatte, hatte er sich mit Turenhart getroffen. Doch die erhoffte Aussprach mit dem Gnom war irgendwie ausgeblieben.
Der Kriegsgeschmiedete seufzte.
Wahrscheinlich würden sie nie herausfinden, was er wirklich machte. Schneider war er mit Sicherheit keiner. Zumindest nicht nur.
Aber der Gnom hatte gut auf ihre Pferde aufgepasst. Und er hatte Adamant gebeten, für ihn die Augen und Ohren in Sharn offen zu halten und ihm über alles was interessant erschien, bescheid zu geben.
Nun, warum auch nicht. Bis jetzt hatte der Gnom sich als etwas merkwürdiger, aber doch verlässlicher Freund und Verbündeter erwiesen. Diesen kleinen Gefallen konnte er ihm ohne Probleme erfüllen.
Adamant bezahlte den Tiertrainer von Haus Vadalis für ein Monat im voraus, und ließ die Tiere im Distrikt Terminus in Sharn zurück. In der Stadt selbst wären Pferde keine sonderlich gute Möglichkeit von einem Ort zum anderen zu kommen.
Mit einer Luftkutsche erreichte er ihre Wohnung.
Er war gespannt, ob die anderen in der Zwischenzeit auch schon angekommen waren.

***

Astamalia freute sich immer noch, als hätte sie eine Glücksfee getroffen. Das Blut pochte in ihren Adern und mit festen Fingern umfasste sie das offizielle Schreiben, dass sie in Händen hielt. Sie traute sich fast nicht, es noch einmal anzusehen.
Was, wenn alles nur ein Traum gewesen war und nichts auf diesem Blatt Papier stand?
Aber sie konnte sich doch noch an alle Fragen erinnern. Und, was noch besser, war, an die Antworten. Sie waren ihr alle nur so zugeflogen.
Sie hatte in ihrer Zeit als Abenteurer aber auch mehr über Magie erlernt, als in all ihren Jahren auf den Akademien in Korth und Arkanix.
Langsam öffnete sie das Pergament, begutachtete das Siegel von Arkanix und las dann die Zeilen:
„Wir freuen uns Euch mitteilen zu können, dass Ihr, Astamalia d’Lyrandar, die Abschlussprüfung zur Magistra mit summa cum laude bestanden habt. Ihr dürft fortan den Titel Magistra führen und seid als vollwertige Magierin in den Fünf Nationen anerkannt.
Gezeichnet: Das Konzil von Arkanix“, stand dort.
Endlich hatte sie es geschafft. Endlich hatten die Lügen ein Ende. Vielleicht würde sie sogar ihren neuen Freunden davon erzählen, dass sie ihre spannenden Abenteuer in Wahrheit mit einer Auszubildenden bestanden hatten. Und sie hatte nun endlich den Abschluss, der ihr wieder den Respekt ihrer Eltern einbringen würde. Von den Möglichkeiten für die Zukunft, die sich dadurch auftaten, ganz zu schweigen.
Sie freute sich wirklich darauf, wieder nach Sharn zu kommen. In die kleine Wohnung, gemeinsam mit ihren drei Kameraden. Sie war sich sicher, dass sie sich mit ihr freuen würden.

***

Nach fast einem Monat in den Tiefen des Königswaldes, nur mit Balinor als Begleitung, störte es Esra nicht mehr so sehr, wieder in den Trubel der Stadt zurückzukehren. Es war angenehm, unter sich zu sein, von der Natur zu leben und ihr ausgeliefert zu sein. Aber ein Partner oder auch drei machten das Leben im Wald doch um vieles angenehmer.
Ihr war das früher nie aufgefallen.
Aber da hatte sie auch immer ihren Freund und Mentor Matuc an ihrer Seite gehabt.
Sie war schon gespannt, wie die anderen das letzte Monat verbracht hatten und welche Geschichten sie erzählen würden. Außerdem natürlich war sie schon sehr daran interessiert, wo sich das letzte Schema finden würde und welche Herausforderungen im kommenden Abenteuer auf sie warteten.

***

Thalaën hätte es den andere gegenüber nie zugegeben. Aber er hatte in den vergangenen Monate doch hin und wieder – wenn er Zeit dazu hatte – unter Heimweg gelitten. Er traf doch nur sehr selten Elfen aus Aerenal oder auch aus Velanar an, mit denen er über seine Gedanken sprechen konnte. Mit denen er die Kultur, die Geschichte und die Lebensweise teilte.
Umso mehr hatte er sich gefreut, als ein Brief von seinem Bruder eingetroffen war. Er war im Rahmen seines diplomatischen Dienstes aus Pylas Tlaer nach Sharn versetzt worden. Für seinen weltoffenen Bruder war das sicher ein besonders Erlebnis. Für Thalaën war es eine gute Möglichkeit etwas Heimweh zu überdecken.
Und nach einem Monat zusammen mit seinem Bruder in Sharn fühlte er sich wieder bereit auf Abenteuer auszuziehen und das Rätsel um dieses Artefakt der Riesen zu lösen.

***

Adamant erzählte gerade als letzter seine wenigen besonderen Erlebnisse auf der Reise nach Trolanhafen und wieder zurück – wohlweißlich jedoch ohne den anderen von der Bitte Turenharts zu berichten – als es plötzlich an der Tür klopfte.
„Wer könnte das denn sein?“, fragte Esra.
„Vielleicht Elaydren. Vielleicht ist es ihr endlich gelungen herauszufinden, wo sich das letzte Schema befindet“, vermutete Adamant und öffnete die Tür.
Draußen regnete es, wie fast immer in der Stadt.
Außerdem stand eine riesige Steinstatue vor der Tür und hielt ihm einen etwas durchnässten Brief entgegen. Erst auf den zweiten Blick erkannte Adamant, dass es keine Statue, sondern ein Gargoyle war, der vor seiner Tür stand.
„Ein Brief von der Dame“, grollte seine Stimme, die klang, als würden Steine durch ein Flussbett rollen.
„Danke“, erwiderte Adamant, der immer noch etwas perplex war und nahm ihm den Brief aus der Hand. Ehe er die Tür wieder geschlossen hatte, katapultierte sich der Gargoyle mit einem Satz in den Himmel und war dann mit schweren Flügelschlägen zwischen den Türmen verschwunden.
„Und, was haben wir bekommen?“, fragte nun Thalaën.
„Einen Brief von der Dame, wie wir vermutet haben“, erwiderte Adamant und schälte ein kleines Stück Papier aus dem Umschlag.
„Meine Freunde! Das Glück ist euch hold, denn es bietet sich euch eine weitere Gelegenheit, gutes Geld zu verdienen und Haus Cannith zu Diensten zu sein. Bitte trefft euch mit mir in meinem Stadthaus zum Schlag der zweiten Abendglocke. Ich erwarte euch im Parlanturm im Mittelzentralplateau, Stadthaus 19. Dame E.“, las Adamant vor.
„Sieht wirklich so aus, als würde es bald losgehen.“, freute sich Astamalia. „Außerdem haben wir noch genug Möglichkeiten, uns über Xen’drik schlau zu machen. Ich habe bereits einen Termin mit einem Professor an der Morgrave-Universität ausgemacht. Der Mann ist angeblich eine Koryphäe für diesen Kontinent und reist auch oft genug dorthin.“
Thalaën hob erstaunt eine Augenbraue:
„Als würde sich ein Mensch wahrhaft mit der Geschichte der Riesen auskennen. Aber gut. Bevor wir ohne irgendwelches Vorwissen losziehen, suchen wir besser diesen Professor auf.“

***

„Diesen Besuch hätten wir uns sparen können“, murmelte Esra, als sie die Morgrave-Universität hinter sich ließen. „Rechnet immer mit dem schlimmsten, nehmt immer mehr Seil mit, als ihr denkt, dass ihr brauchen werdet. Was sind das denn für Tipps?“
„Keine besonders wertvollen“, gab Astamalia zu. „Aber wir können immerhin sagen, dass wir es probiert haben.“
„Das da vorne scheint das Staudthaus von Elaydren zu sein“, deutete Adamant durch den Nebel auf eine kleine Brücke, die zu einem weiteren Turm führte, dessen ganze Etage anscheinend von einer einzigen Wohnung eingenommen wurde.
„Etwas stimmt hier nicht“, knurrte Thalaën und zog seinen Doppelkrummsäbel.
Die Tür zur Stadtwohnung hing stand offen und durch den Eingang waren am Boden liegende Körper zu sehen. Eines der Fenster war eingeschlagen.
Der Schrei einer Frau drang durch den Regen zu ihnen herüber.
Das war Thalaëns Zeichen für den Angriff. Mit weiten Schritten sprinte er über die Brücke in das Haus, durchquerte den Flur, warf rasche Blicke in die offenen Türen und stand schließlich in einem Wohnzimmer. Drei Zombies standen im Raum verteilt. Doch es waren keine normalen Zombies; sie waren gut gerüstet und zwei von ihnen fuhren erstaunlich schnell herum, als er den Schauplatz betrat. Zwischen ihnen am Boden lag eine blutende Elaydren, die verzweifelt versuchte sich die drei Angreifer mit einem Dolch vom Leib zu halten.
Thalaën riss seinen Krummsäbel gerade noch rechtzeitig hoch, um den ersten Schlag zu parieren. Das zweite Ende rammte er dem Angreifer in das modernde Fleisch. Ein Gutteil des Schlages wurde jedoch von dem Plattenpanzer abgefangen, den der Untote trug.

Astamalia stürmte als letzte in den Raum, der mittlerweile voll mit Kämpfenden war. Sie hatte gerade noch einen Platz im Türstock. Aber das reichte. Von dieser Position aus schleuderte sie eine Salve aus Magischen Geschossen auf den nächsten Zombie, der durch die Mengen an magischer Energie regelrecht explodierte.
Sie grinste über beide Ohren und feuerte eine zweite Salve.
Ein zweiter Zombie ging zu Boden. Zugleich wurde der dritte durch Adamants Schwert gefällt.
Zitternd stand Elaydren auf und sah sich das Massaker in ihrem Wohnzimmer an, bevor sie sich ihnen zuwandte:
„Ich stehe erneut in eurer Schuld“, bedankte sie sich, während sie immer noch versuchte sich zu fangen. „Die Zombies waren nur ein Teil einer größeren Streitmacht, die meine Wächter und mein Personal angriffen. Wir hatten es mit gut bewaffneten und gerüsteten Kriegern zu tun, die das Symbol des Ordens der Smaragdklaue trugen. Außerdem war ein Kriegsgeschmiedeter dabei. Am schlimmsten aber war der Anführer“, plapperte sie weiter. „Zuerst erschien er uns als lächelnder rundlicher Händler. In dieser harmlosen Verkleidung gelang es ihm, mein Personal dazu zu verführen, ihm die Tür zu öffnen. Dann schien seine Gestalt dahin zu schmelzen und sich zu verformen, bis ein ausgezehrt wirkender, groß gewachsener Mann mit bleicher Haut, roten Augen und spitzen Fangzähnen vor mir stand.“
„Garrow“, nickte Adamant.
Elaydren nickte nur, obwohl sie den Widersacher der Gruppe noch gar nicht persönlich kennen gelernt hatte.
„Sie töteten meine Wächter und meine Diener… Und, und sie haben die Schemata“, schluchzte sie verzweifelt.
„Sie haben was?“, entfuhr es Astamalia.
„Ja, bei der Macht der Großen Schmiede, der Orden der Smaragdklaue hat die Schemata und das Schöpfungsmuster.“
Elaydren hielt inne und fasste sich. Mit stärkerer Stimme fuhr sie fort:
„Aber noch ist nicht alles verloren! Es ist immer noch genug Zeit, um die Schemata zurückzuholen und den Orden daran zu hindern, die Macht, die in diesen uralten Artefakten schlummert, in ihre Fänge zu bekommen. Die Zeit drängt und wir dürfen keine Minute vergeuden. Seid ihr bereit dazu diesen Auftrag anzunehmen?“
„Warum sollten wir, wenn Ihr die Schemata dann doch wieder verliert?“, fragte Astamalia bissig. Sie war ehrlich wütend darüber, dass ihre ganzen bisherigen Anstrengungen anscheinend gerade vernichtet wurden.
„Ich bin mir bewusst, dass Ihr wütend seid, Astamalia. Aber für diesen Auftrag bin ich bereit jedem von euch 5000 Galifar zu bezahlen. Die Hälfte jetzt gleich, die andere Hälfte, nachdem ihr die Schemata zurückgebracht habt. Das Schöpfungsmuster ist rechtmäßiger Besitz des Hauses Cannith. Was aber noch viel wichtiger ist, ist die Tatsache, dass es dem Orden nicht gestattet werden darf, das vollständige Muster einzusetzen. Ich habe zwar immer noch nicht herausgefunden, was man mit dem Schöpfungsmuster eigentlich anstellen kann, doch die alten Legenden künden von enormer Macht und diese darf keinesfalls in den Griff der Smaragdklaue geraten.“
Adamant und Thalaën nickten.
„Natürlich werden wir alles tun, um den Orden zu schaden. Aber woher wissen wir, wohin sie sich wenden werden? Wie finden wir die gestohlenen Gegenstände wieder?“
„Neben den Schemata und dem Schöpfungsmuster wurden mir auch die Aufzeichnungen eines meiner Ahnen, Kedran d’Cannith, gestohlen. Ihr kennt sein Tagebuch ja bereits.“
„Das, welches Bonal Geldem bei sich hatte?“, fragte Esra.
Elaydren nickte.
„Genau dieses. In diesen Aufzeichnungen befindet sich auch der Hinweis auf das vierte Schema. Ich nehme an, dass der Orden dorthin unterwegs ist. Ich habe mir die im Buch enthaltenen Hinweise gemerkt, so dass ihr unter Umständen vor dem Orden das Schema finden werdet. Ich bin mir fast sicher, dass ihr beim Orden auch die anderen Teile finden werdet.
„Und, wo befindet sich das vierte Schema nun?“, fragte Astamalia, schon etwas ungeduldig.
„Wie ich bereits vermutet habe, in Xen’drik. Ich habe auch schon dafür gesorgt, dass ihr ein neues Transportmittel, das erst kürzlich von Haus Cannith entwickelt wurde, zur Verfügung gestellt bekommt.“
Sie machte eine theatralische Kunstpause.
„Es handelt sich dabei um ein so genanntes Unterwasserschiff, das unbemerkt unter den Wellen dahin gleitet.“
Esra verzog das Gesicht.
„Ich mag diese modernen Verkehrsmittel nicht. Sie sind nicht sicher…“, murmelte sie. „Auf dieser Fahrt wird sicher auch etwas passieren.“
Dame Elaydren überhörte den Einwurf und reichte Astamalia einen versiegelten Umschlag.
„Gebt Kapitän Byman im Grauflutdistrikt diesen Transportbrief. Ihr findet den Kapitän meistens in der Nähe des Steindocks. Er wird dafür sorgen, dass ihr sicher nach Sturmkap und wieder zurückkommt. In Sturmkap könnt ihr vermutlich auch die Spur des Ordens der Smaragdklaue aufnehmen. Wenn ihr damit keinen Erfolg habt, solltet ihr direkt zu den Ruinen aufbrechen. Laut Keldras Aufzeichnungen befindet sich das Schema etwa 600 Kilometer den Rachi flussaufwärts. Es soll sich dort befinden, wie sich das Land erhebt und die steinernen Hände nach dem Himmel greifen. Wendet euren Blick zur linken Hand des Riesen und ihr werdet zum Ruheort des Schemas geführt werden. Alles verstanden?“
„600 Kilometer, Riesenhände und dann links. Alles klar“, murmelte Astamalia.
Elaydren lächelte leicht und holte dann vier dickte Lederbeutel aus ihrem Schreibtisch.
„Das ist euer Vorschuss. Bringt mir die vier Schema und das Schöpfungsmuster und es wartet noch einmal die gleiche Summe auf euch. Viel Glück.“

***

„Na das war ein langes Geschwätz“, brummte Thalaën, während sie die Luftkutsche in den Hafen hinab brachte.
„Denkt ihr, dass wir alles eingekauft haben, was wir brauchen werden?“, fragte Astamalia und stöberte noch einmal in ihrem wundersamen Rucksack, der innen größer war als außen.
„Wir haben sicher etwas essentielles vergessen. Etwas, dass wir mitten im Dschungel auf jeden Fall brauchen werden“, murmelte Adamant. „Ich war noch nie im Dschungel. Wie ist es da?“
„Heiß, feucht und gefährlich“, fasste Thalaën zusammen, der irgendwie sehr aufgeregt wirkte, fand Esra.
„Na toll. Und warum müssen wir zu allem Überfluss auch noch mit diesem experimentellen Unterwasserschiff fahren? Warum können wir nicht wie alle anderen Leute auch, einfache ein Segelschiff nehmen?“, maulte Esra. „Jedes mal wenn wir in letzter Zeit ein Elementargetriebenes Fahrzeug benutzten, ging etwas schief. Das abstürzende Luftschiff, der stoppende Zug. Mir gefällt das nicht.“
„Wir werden das schon schaffen, Esra“, versuchte sie Astamalia zu beruhigen. Dabei versuchte die Magiern nicht daran zu denken, was sie von Wäldern hielt. Aber anscheinend mussten sie da durch.

Sie fanden Byman beim Kartenspiel im Hafen. Bei ihm handelte es sich um einen – sogar für einen Gnom – recht kleinen Mann, mit sonnengebräunter Haut und kurzem rabenschwarzem Haar. Sobald sie sich mit dem Transportbrief von Elaydren auswiesen führte er sie ohne viel Gerede zu einem abgelegenen Lagerhaus.
„Habt ihr zuvor schon einmal von den Unterwasserschiffen gehört?“, fragte er die vier, während er sich mit dem Tor abplagte.
Alle vier schüttelten sie den Kopf und er grinste.
„Na dann.“
Er öffnete die Tür und sie betraten das Gebäude, dass fast zur Gänze von einem tiefen Wasserbecken eingenommen wurde. Auf den ersten Blick sah das Ding darin aus, wie ein Luftschiff, dass man auf den Kopf gestellt hatte. Sogar ein Elementarring war vorhanden, allerdings bestand er bei diesem Gefährt aus wild tosendem Wasser. Mehrere Gnome waren gerade dabei das Schiff zu beladen.
„Das“, erklärte Byman mit stolzer Stimme, „ist die Meerespfeil.“
Er ließ seinen Blick noch kurz auf dem prächtigen kleinen Schiff ruhen, bevor er sich wieder seinen Passagieren zuwandte.
„Die Reise nach Sturmkap dauert mit der Meerespfeil normalerweise fünf Tage. Aber die Dame Elaydren war sehr darauf bedacht, dass die Reise rascher vonstatten geht. Wir werden daher die Shargonzähne direkt durchfahren. Dadurch wird die Reise zwar gefährlicher, aber sie verkürzt sich auch auf dreieinhalb Tage. Schneller geht es dann wirklich nicht.“
Esra rollte bei dem Wort „gefährlicher“ die Augen. Als wollte sie sagen: „Ich habe es euch doch gesagt.“
„Die Meerespfeil ist kein Passagierschiff, sondern für den Transport wertvoller Fracht und für Spionage gebaut. Wir haben daher nur zwei sehr kleine Kabinen für euch zur Verfügung. Ich hoffe, ihr leidet nicht unter Platzangst.“
Er lachte.
„Habt ihr sonst alles dabei, was ihr benötigt?“
„Wir hoffen es“, nickte Astamalia.
„Gut. Dann können wir gleich aufbrechen.“

***

„Wie Ihr sehen könnt, deuten alle Hinweise nach Xen’drik. Wie wir vermutet haben“, erklärte im der Anführer des Ordens der Smaragdklaue, während sich das Luftschiff immer weiter von der Küste entfernte.
Krummsäbel sah sich das Buch noch einmal an und nickte dann langsam. Was auch immer Garrow sagte, er würde es vorerst glauben müssen. Ihm war weder die alte Sprache geläufig, noch konnte er mit den Beschreibungen, die der Kleriker übersetzt hatte, etwas anfangen. Das war eindeutig sein Gebiet.
Und das war auch sein Glück. Noch konnte er Garrow gebrauchen. Aber sobald er die vier Teile des Schöpfungsmusters in Händen hielt, würde die Sache anders aussehen. Dann würde der Klingenfürst keine weitere Verwendung mehr für den Orden haben und sich seiner entledigen.
Krummsäbel freute sich bereits darauf.
Wirklich sehr.
Er hasste diese Tage, in denen er vor Garrow und seinen Männern katzbuckeln würde. Aber schon bald würden sie vor ihm knien und liegen und dabei ihr eigenes Blut saufen.
„Sie werden uns folgen. Elaydren d’Cannith wäre dumm, hätte sie nicht zumindest eine Abschrift der Wegbeschreibung gemacht“, meinte er und gab das Buch mit dem Mithralumschlag an Garrow zurück.
„Mag sein“, zuckte Garrow mit den Achseln und verstaute das Buch in seinem Gewand. „Aber sie haben sicherlich kein Luftschiff zur Verfügung. Und nichts anderes, auch keine Elementargaleone ist so schnell wie ein Luftschiff. Vor allem über Xen’drik wird sich dieser Geschwindigkeitsvorteil als Entscheidend erweisen. Bevor sie die Ruinen erreichen, befinden wir uns längst wieder auf dem Rückflug nach Sharn. Und sollten sie uns doch einholen, nun, ich habe einige Freunde in Sturmkap, mit deren Hilfe wir unsere lästigen Verfolger vielleicht für immer los werden können.“
Dabei gab er ein heiseres Lachen von sich und entblößte seine scharfen Reißzähne.
Krummsäbel wandte sich angewidert ab und blickte nach unten. Sie überflogen gerade die Zähne Shargons und weiße Gischt brach sich an den hunderten kleinen Felsnadeln, die nur knapp unter der Oberfläche lauerten. Sollten ihre Verfolger ein Schiff nehmen und hier durch wollen, waren die Chancen gut, dass nie jemand jemals wieder von ihnen hören würde.
Was fast schade wäre.

***

„Als er sagte, es gäbe wenig Platz, meinte er wohl, es gäbe wenig Platz, wenn das Schiff leer ist und keine Passagiere an Bord sind“, ächzte Esra, die das Gefühl hatte, dass die Wände des Schiffes immer näher kamen.
Sie hatte bereits nach einer Stunde ihr Nachtlager von ihrer Kajüte in den Frachtraum verlegt, der mit Abstand der größte Raum an Bord des Schiffes war. Was aber nicht viel hieß. Zumal auch hier einige Kisten standen und immer wieder die Mannschaftsmitglieder zwischen ihrer Unterkunft und der Brücke hin und her eilten.
„Die Reise wird ja nicht lange dauern. Und es ist immer noch besser als über den Wellen zu fliegen und vielleicht abzustürzen“, versuchte sie Astamalia zu beruhigen.
Ihr selbst war das Gefährt auch nicht ganz geheuer, aber sie fand es wahnsinnig aufregend un faszinierend. Und nach den Worten von Byman hatte es bis jetzt noch nie einen Unfall mit dem Elementar gegeben.
Andererseits hatte Astamalia auch vor ihrem Absturz noch von keinem Luftschiff gehört, dass abgestürzt war.
Rasch versuchte sie diesen Gedanken wieder zu verdrängen.
„Komm doch mit mir mit in den Beobachtungsraum. Dort wirst du dich sicher viel wohler fühlen.“
Sie reichte der Wandlerin die Hand und hob sie vom Boden hoch.
Es war doch erstaunlich, wie gut sie sich zusammengerauft hatten, seit sie sich zum ersten Mal begegnet waren, fand Astamalia. Wahrscheinlich lag das daran, dass sie sich alle, nicht nur die beiden Frauen, sehr verändert hatten, seit sie gemeinsam auf Abenteuer auszogen.
Astamalia führte Esra in den Bugbereich des Schiffes, indem sich auch der Beobachtungsraum befand.
Byman hatte ihnen diesen Raum bei der Besichtigung des Schiffes ganz besonders ans Herz gelegt. Er meinte, hier würden auch er und die Besatzung den Großteil ihrer Zeit verbringen.
Und schon bald nachdem sie den Hafen von Sharn hinter sich gelassen hatten, wussten die vier auch warum.
In dem kleinen Raum gab es ein Fenster, dass so eingestellt werden konnte, als würde es sich an einem beliebigen Platz an der Außenfläche des Unterwasserschiffes befinden. Es war sogar möglich direkt nach hinten zu blicken.
Als sie beide den Raum erreichten fanden sie bereits Adamant, Thalaën und Byman vor, die die Unterwasserwelt bestaunten.
Vor dem kuppelförmigen Beobachtungsfenster schwammen tausende leuchtende Fische durch das Wasser. Riesige Steinsäulen, mit leuchtenden Moosen bewachsen, stiegen aus der Tiefe empor und reichten nach oben bis knapp unter die Oberfläche, wobei sie sich immer weiter verjüngten. Manche dieser Säulen hatten nur einen Durchmesser von wenigen Metern, aber in der Ferne waren auch größere zu erkennen, deren Spitzen auch die Wasseroberfläche durchstießen und dort kleine Inseln bildeten.
„Die Shargonzähne einmal aus einer anderen Perspektive gesehen“, lächelte Byman und deutete auf das Fenster. „Wunderschön, nicht?“
Gerade als er das sagte entdeckte Esra einen dunklen Schatten, der durch das Wasser auf das Boot zuschoss.
Noch bevor sie etwas sagen konnte ging ein Stoß durch das Schiff, der sie alle durcheinander wirbelte. Die Lichter an den Wänden flackerten und das Boot drehte sich und schlingerte.
Für den Bruchteil einer Sekunde erfasste Esra den Leib eines schlanken Fisches mit einer dreieckigen Flosse am Rücken und einem Maul voller rasiermesserscharfen Zähne.
Dann holte sie die Wirklichkeit des Schiffes wieder ein.
Ein Gnom der Besatzung riss die Tür zum Beobachtungsraum auf:
„Kapitän!“, rief er mit vor entsetzen geweiteten Augen. „Wir haben ein Leck und der Bindering wurde beschädigt!“
Byman spuckte wütend aus.
„Verflucht sei diese übergroße Sardine! Der Verschlinger soll sie holen!“
In seiner Stimme kämpften Furcht und Entschlossenheit gegeneinander an.
„Rasch, wir müssen zur Oberfläche aufsteigen, bevor wir den Elementar verlieren! Auftauchen! Auftauchen!“
Sein Ruf wurde weiter getragen und war rasch von überall aus dem Schiff zu hören.
Esra und die anderen sahen einander verdattert an. Für sie blieb nichts zu tun als sich hier in dem kleinen Raum zusammen zu kauern. Balinor schmiegte sich ängstlich an Esra, den Schweif schon fast zwischen den Vorderbeinen. Er schien schreckliche Angst zu haben.
„Wir scheinen zu steigen“, flüsterte Astamalia, als ein leises Rauschen ertönte.
„Du scheinst recht zu haben“, nickte Adamant.
Doch da ging ein erneuter Ruck durch das Schiff und ein unaussprechlicher gnomischer Fluch drang von der Brücke zu ihnen.
Astamalia steckte den Kopf auf den Gang hinaus.
„Was ist passiert?“
„Wir stecken fest. Die Meerespfeil ist in ein Netz der Sahuagin gefahren. Wir werden rausgehen müssen, ein paar Schwimmstunden machen und die Meerespfeil los schneiden“, erklärte er und versuchte dabei das lauter werdende Geräusch von tropfendem Wasser zu übertönen.
„Aber da draußen treibt sich noch ein riesiger Hai herum!“, rief Esra, der der Schatten wieder einfiel, den sie gesehen hatte.
„Wenn ihr uns zur Hand gehen könntet, würde das natürlich nichts Schaden“, fügte Byman zähneknirschend hinzu.
Astamalia sah die anderen an. Keiner wirkte sonderlich begeistert.
Andererseits war wahrscheinlich auch niemand sehr erpicht darauf in den Shargonzähnen zu sterben.
„Ich gehe mit“, nickte Thalaën als erster.
Dann stimmten auch die anderen zu.

***

Thalaën war gelinde gesagt etwas mulmig zumute, als das Wasser in der Schleuse immer höher stieg. Er konnte nicht ganz glauben, dass der Trank, den er gerade zu sich genommen hatte, ihm ermöglichen würde im Wasser zu atmen. Daher ging sein Atem auch schnell und Schweiß stand auf seiner Stirn.
Das Wasser erreichte seinen Hals, stieg über seinen Kopf.
Instinktiv hielt er den Atem an. Esra neben ihm tat es ihm gleich. Auch sie wirkte nicht sonderlich überzeugt von der Magie.
Schließlich hielt es Thalaën aber nicht mehr aus und inhalierte tief das kalte Meerwasser. Erstaunlicherweise ertrank er nicht.
Erstaunt stieß er sich vom Boden der Schleuse ab und schwamm ins Freie Wasser hinaus. Esra folgte ihm.
Beide zogen sie eine Sicherheitsleine hinter sich her, auf der Byman bestanden hatte. Und sie hatten spezielle Unterwasserarmbrüste in den Händen, aus den Beständen des Unterwasserschiffes.
Anscheinend hatte die Besatzung des Öfteren Außeneinsätze unter Wasser, dachte Thalaën bei sich.
Während er durch das Wasser ruderte sah er sich nach den vier Gnomen um, die vor ihm das Boot verlassen hatten. Sie waren bereits auf halben Weg zu dem riesigen Netz, indem sich die Meerespfeil verheddert hatte.
Die Sahuagin hatten es zwischen vier der steinernen Säulen gespannt. Zu den Eckpunkten des Netzes waren sie nun unterwegs. Je zwei Personen zu einem Netz.
Thalaën schwamm weiter, mit Esra an seiner Seite. Hinter ihnen spuckte das Schiff Adamant und Astamalia aus.
Der Elf wünschte, er würde sich mit den anderen verständigen können. Aber das ermöglichte der geheimnisvolle Trank, den er getrunken hatte, leider nicht.
Plötzlich schüttelte ihn Esra an der Schulter und deutete in die Dunkelheit vor ihnen.
Aus der schoss plötzlich ein riesiger Hai hervor. Ein so großes Tier, wie es Thalaën noch nie gesehen hatte. Das Maul schien groß genug um einen von ihnen problemlos in einem Stück zu verschlingen. Über den Augen und bis hin zur Rückenflosse zogen sich Hornauswüchse und Knochenplatten.
Das war kein Hai, sondern ein Monster!
Das Tier zog an ihnen vorbei und raste auf einen der Gnome zu. Sein Gesicht war zu einem stummen Schrei verzerrt. Luftblasen stiegen vor seinem Mund auf. Dann hatte ihn der Hai erreicht, schnappte beiläufig nach ihm und verschwand in der Dunkelheit. Nicht einmal Blut blieb zurück.
Sein Kollege schwamm tapfer weiter. Schneller nun.
Thalaën deutete Esra, dass sie sich auch weiter um ihren Abschnitt des Netzes kümmern sollten.

Astamalia schwamm Adamant voraus. Der schwere und unbeholfene Kriegsgeschmiedete taumelte mehr durch das Wasser, als das er schwamm und mittlerweile lag er ein gutes Stück hinter ihr. Den Tod des ersten Gnomes hatte Astamalia nicht mitbekommen, sehr wohl aber, als der Hai ein zweites Mal zuschlug und den zweiten auffraß.
Das Vieh schien immer aus dem Nichts aufzutauchen, rasch zuzuschlagen und dann wieder zu verschwinden. Wie sollten sie diesem Ungeheuer bei kommen?
Am Besten wahrscheinlich, indem sie rasch wieder aus dem Wasser verschwanden.
Sie strampelte weiter und suchte dabei eifrig nach dem Hai.
Die beiden überlebenden Gnome hatten inzwischen ihren Netzabschnitt und begannen mit dem durchschneiden desselben.
Wieder raste ein Schatten aus der Dunkelheit des Meeres. Diesmal waren Esra und Thalaën sein Ziel.
Der Elf schien den Hai ebenfalls zu sehen und zog seinen Säbel, doch es war zu spät, der Hai hatte ihn zwischen seinen Zähnen und Sekunden später war er verschwunden.
Astamalia lag ein Schrei auf der Zunge. Doch der hätte doch nichts gebracht. Er wäre nicht zu hören gewesen und er würde Thalaën auch nicht zurückbringen.
Tapfer schwamm sie weiter, erreichte das Netz und zog ihren Dolch.

Thalaën beschloss, dass das eine Erfahrung war, die er nie wieder machen wollte. Und eine, die er ein zweites Mal wahrscheinlich auch nicht überleben würde. Hinter ihm schloss sich die Wunde, die er geschlagen hatte, fast ohne Spuren zu hinterlassen.
Thalaëns Körper war von den Zähnen des Monsters gezeichnet und von der Magensäure zerfressen. Er spürte, dass er Blut in das Meer verströmte. Eine Menge Blut.
Aber zumindest war er wieder frei.
Verrückt.
Er war aus dem Magen eines Hais entkommen! Die Überreste der beiden Gnome, die er gesehen hatte, zeigten ihm, dass die anderen nicht soviel Glück gehabt hatten.

Adamant hasste es zu schwimmen. Das nächste Mal würde er auf dem Boden des Meeres kämpfen. Mit Festen Boden unter den Füßen war ihm wesentlich wohler, als hier durch das unsichere Wasser zu treiben und zu versuchen, dass sein schwerer Körper nicht absoff.
Mittlerweile war es den beiden Gnomen gelungen ihr Netz zu kappen – dafür wurden sie nur Sekunden später ebenfalls von dem Hai verschlungen, der wie ein Schatten aus der Dunkelheit kam. Esra hatte ebenfalls ein Eck erreicht und Astamalia schnitt immer noch an ihrem Ende herum.
Thalaën taumelte, mittlerweile ohne Sicherheitsleine, durch das Wasser und zog eine rote Spur hinter sich her.
Noch während sein Blick auf dem Elfen ruhte, fühlte sich der Kleriker herumgewirbelt, Zähne durchbohrten seine Rüstung und dann fand er sich in einer Speiseröhre wieder.
„Ich schmecke sicher nicht gut“, dachte Adamant bei sich, als er schließlich im Magen der Bestie landete.
Adamant fand die morbide Zeit sich kurz umzusehen. Er war von den Überresten der gnomischen Mannschaft umgeben. Und die vier bildeten keinen sehr schönen Anblick. Hätte er nicht gewusst, worum es sich handelte, hätte er die vier sicherlich nicht als Gnome identifizieren können.
Seufzend zog er sein Schwert und hieb damit gegen die Magenwand. Nichts wies daraufhin, das Thalaën vor noch nicht einmal einer Minute hier seinen Weg nach draußen gesucht hatte. Er würde also ganz von vorne anfangen müssen.
Als er gerade seinen zweiten Schlag anbrachte stieß etwas von hinten gegen ihn. Es war Thalaën, schon wieder.
„Du hast auch kein Glück“, dachte Adamant bei sich. Der Elf reagierte nicht mehr.
Sein Körper war über und über mit Bisswunden versehen. Diesmal schien ihn der Hai voll erwischt zu haben.
Rasch legte er ihm die Hände auf und murmelte ein Gebet. Sofort schlossen sich die schlimmsten Wunden des Kämpfers und der Elf schlug die Augen wieder auf.
Er lächelte zerknirscht und zückte im gleichen Augenblick seinen Säbel.
Die Aufforderung war klar.
Sie mussten hier raus, bevor die Magensäure sie komplett zerfraß.

Die beiden Männer kamen aus dem Magen des Hais, in dem Moment, als das vierte Ende des Netzes durchschnitten wurde.
Astamalia winkte den anderen zu: Rasch zurück ins Schiff war das Zeichen.
Der Hai schien verschwunden.
Aber niemand wusste, ob er nicht doch noch zurückkommen würde um seine Arbeit zu vollenden.

***

Die Meerespfeil durchstieß die Wasseroberfläche und kam sanft neben einer der zerklüfteten Felseninseln der Shargonzähne zur Ruhe. Die Felseninsel, die sich Byman ausgesucht hatte, war relativ flach und gut begehbar, während alle anderen Inseln in Sichtreichweite allesamt stark zerklüftet oder gewölbt wirkten.
„Viel besser wird es wohl nicht werden“, bemerkte Byman. „Steigen wir aus und sehen wir zu, dass wir das Schiff wieder flott bekommen. Es wäre mir recht, wenn ihr Wache schieben könntet. Für den Fall, dass es weitere böse Überraschungen gibt.“
Die vier nickten einheitlich, wenn auch nicht sehr überzeugt. Sie hatten alle zusammen gerade erst ihre Wunden geheilt und sich nur kurz ausgeruht. Die Aussicht jetzt schon wieder einen Kampf zu beginnen war nicht sehr verlockend.
Dennoch verließen sie gemeinsam mit den beiden überlebenden Besatzungsmitgliedern und Byman das Schiff.
Die Wellen brachen sich an der Steinküste und die Monde spendeten ein kaltes weißes Licht.
In diesem Licht waren vier große Gestalten zu sehen, die über die Felsinsel auf das Schiff zukamen.
„Wir haben Besuch“, murmelte Thalaën und zog seinen Krummsäbel.
Als die Wesen näher kamen waren die vier eindeutig als Sahuagin zu erkennen.
„Wollen euer Geld! Sonst nehmen Leben!“, krächzte einer von ihnen gebrochen in der Handelssprache.
„Kein Geld! Nie und nimmer werden wir Plünderer unterstützen!“, rief Adamant und zog sein Schwert.
Astamalia seufzte. Sie sollten wirklich einmal an seinen Wortmeldungen bei Verhandlungen üben. Aber vielleicht konnte sie die Dinge wieder richtig stellen.
Rasch sprach sie eine Bezauberungsformel auf den Anführer.
„Die Reichtümer die ihr sucht, befinden sie am Grund des Meeres beim Hai!“, rief sie, nachdem der Sahuagin für ihre Einflüsterungen empfänglich war.
Der Seeteufel gab ein Geräusch von sich, dass warhscheinlich ein Lachen sein sollte.
„Mein Hai! Keine Schätze dort!“, rief er und hob drohend seinen Dreizack.
„Das waren wohl die Verhandlungen“, seufzte Astamalia und hob ihre Armbrust.
Nur eine Minute später war alles vorbei.
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

  • Mitglied
    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #34 am: 28. April 2008, 20:42:10 »
Hallo ihr schweigenden Mitleser  :D
Die Helden befinden sich ja bereits mitten im dritten Abenteuer und damit nähert sich die Geschichte langsam aber sicher seinem Ende.

Nur falls es da draußen jemanden geben sollte, der immer ungeduldig auf die Fortsetzung wartet. Der zweite Teil der Kampagne wird noch etwas auf sich warten lassen. Aber nun weiter...
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

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    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #35 am: 28. April 2008, 20:43:13 »
Sturmkap

Zwei Tage später erreichte die Meerespfeil die Küste von Xen’drik.
„Wir sind nicht direkt in der Stadt gelandet“, erklärte Byman den Ausblick auf den Dschungel. „Niemand darf herausfinden, dass es dieses Schiff gibt, daher diese Sicherheitsmaßnamen.“
Er deutete den Sandstand entlang.
„Wenn ihr in diese Richtung geht kommt ihr in die Stadt. Ich werde hier mit meinen Männern und dem Schiff dreißig Tage lang auf euch warten. Solltet ihr dann noch nicht zurück sein, muss ich annehmen, dass ihr im Dschungel ums Leben gekommen seid. Solltet ihr später kommen, müsst ihr euch selbst einen Weg zurück suchen“, erklärte er trocken.
„Ihr solltet Sturmkap vom Hafen her betreten“, weihte er sie weiter in die Pläne ein. „Diese Reisepapiere belegen, das ihr auf der Starkwind, einer Galeone von Haus Lyrandar, in die Stadt gekommen seid und dass ihr Angehörige einer Forschungsexpedition der Morgrave-Universität seid.“
Er gab jeden von ihnen einen Umschlag mit dem Siegel von Haus Sivis darauf. Dann lachte er:
„Ihr solltet das allerdings nicht herumerzählen. Ansonsten würde es wohl nicht lange dauern, bis eure Geschichte auffliegt.“
Er sah die vier Abenteurer nacheinander mit ernstem Gesicht an.
„Viel Glück. Ihr werdet es brauchen.“

***

Sie marschierten eine gute Stunde, bis sie Sturmkap vor sich sahen.
„Das ist ja eine Ruine!“, entfuhr es Adamant. „Irgendetwas schreckliches muss dieser Stadt passiert sein…“
Astamalia lachte. Sie kannte die Geschichten über die Stadt.
„Nein, Adamant. Sieh genauer hin. Die Stadt ist noch weiter entfernt, als es scheint.“
Der Kriegsgeschmiedete blickte die Magiern verwirrt an, warf dann aber noch einen genaueren Blick auf die Mauern der Stadt. Dann sah er, was Astamalia gemeint hatte. Was er auf den ersten Blick gesehen hatte, waren die Ruinen der Riesenstadt, die hier einst gestanden hatte. Zwischen den gewaltigen Blöcken befanden sich aber kleinere, neuere Gebäude in den unterschiedlichsten Stilrichtungen. Der geflammte Stil Thranes war ebenso zu erkennen wie die Holzhütten aus den Schattenmarschen. Etliche riesige Steinmauern liefen quer durch die Stadt und außen rundherum.
„Eine beeindruckende Stadt“, nickte Adamant staunend.
„Nur von Riesen gebaut“, lenkte Thalaën ein. Sein Blick war düster und nicht sehr freundlich, als der die Stadt musterte.
Astamalia nahm an, dass es an der Vergangenheit der Stadt lag.
Sie marschierten weiter und betraten die Stadt über den Hafen, wie es ihnen Byman geraten hatte. Direkt an den Hafens schloss sich das Marktviertel der Stadt an.
Quer durch das Marktviertel lief ein breiter Kanal, der von einer breiten Brücke überspannt wurde. Überall im Viertel, ja sogar auf der Brücke, standen kleine Verkaufsstände und Händler priesen lautstark ihre Waren an: Geflügel, Vieh, Süßigkeiten, Holz, Silber, Perlen, Felle, Kristalle, Pergament, Waffen und exotische Früchte; hier schien es wahrhaft alles zu geben. Zwischen den Ständen buhlten Tänzer, Jongleure, Feuerschlucker, Puppenspieler und angebliche Hexenmeister um die Aufmerksamkeit der vorbeieilenden.
Staunend schritten sie durch die Straßen, die nur so überquollen vor mit Waren beladenen Wagen und karren und Dutzenden verschiedenen Spezies, die hier alle ihrem Tagesgeschäft nachgingen. Hunderte Stimmen in ebenso vielen Sprachen ertönten rund um sie. Sturmkap schien ein Schmelztiegel der Kulturen zu sein, neben dem sogar Sharn alt aussah.
„Wir sollten uns eine Unterkunft suchen. Beziehungsweise herausfinden, wie wir am besten in den Dschungel kommen“, schlug Esra vor.
Astamalia lief ein kalter Schauer über den Rücken. Dschungel. Wald.
Sie unterdrückte ihre Furcht und nickte.
Immerhin war es einer einfachen Waldläuferin gelungen ihre Furcht vor dem Wasser und den modernen Transportmöglichkeiten zu bezwingen. Dann würde es ihr als Magierin doch möglich sein, in einen Wald zu gehen. Zumal sie schon gefährlicheres bezwungen hatten, als ein paar Tiere, die im Wald lebten.
„Wir sehen am besten am Fluss nach. Ich bin mir sicher, das ist der Rachi, der hier ins Meer mündet. Jener Fluss also, an dem wir auch das Schema finden werden; wenn alles gut geht.“
Die anderen nickten zustimmend.

Thalaëns Gefühle waren zwei gespalten. Auf der einen Seite freute er sich, endlich einmal die Heimat seiner Vorfahren zu besuchen und hier beweisen zu können, dass er seiner Ahnen würdig war. Auf der anderen Seite beschworen die Ruinen der Riesen – jenes Volk, dass das seinige erschaffen und als Sklaven gehalten hatte – Urängste in ihm, die ihn dazu drängten den Kontinent sofort wieder zu verlassen.
Er verstand nun, warum sein Volk es damals vorgezogen hatte, die Riesen und Xen’drik hinter sich zu lassen und auf Aerenal noch einmal ganz von vorne anzufangen. Dieser Ort hier war zu alt und hatte zu viel erlebt, als dass es einer neuen Kultur möglich wäre, hier etwas neues aufzubauen.
Das zeigte schon alleine das Flickwerk hier in Sturmkap. Die Menschen hatten nichts neues aufgebaut, sondern sich die Ruinen der Riesen zunutze gemacht. Nun hausten sie hier zwischen Jahrtausende alten Ruinen, ohne wirklich zu wissen, worauf sie ihre Stadt hier in Wahrheit errichtet hatten.
Das war nicht gut.
„Das hier sieht gut aus!“, rief Esra und deutete auf eine kleine Baracke am Ufer des Rachi, neben der ein kleines Flussboot in den Wellen trieb. Über der Tür der Baracke war das verblasste Siegel des Hauses Orien zu sehen.
„Aber ob hier noch jemand zu Hause ist“, zweifelte Adamant.
Die Fensterläden waren geschlossen und die Büsche und Wiesen rund um die Baracke wirkten verwildert. Immerhin schien das Flussboot noch in einem einigermaßen passablen Zustand zu sein. Zumindest schwamm es noch.
„Es gibt wohl nur eine Möglichkeit das herauszufinden“, erklärte Thalaën und klopfte fest gegen die Tür.
Von drinnen war ein Fluch und ein poltern zu hören.
Dann geschah länger gar nichts, ehe die Tür einen kleinen Spalt weit geöffnet wurde. Der Geruch nach billigem Schnaps und Schweiß schlug Thalaën entgegen.
„Ja?“, lallte der unrasierte Mann, der dem Elfen entgegen blickte. Seine Alkoholahne ließ Thalaën schauern.
„Wir suchen eine Passage den Rachi hinauf und wollten fragen, ob man Euer Flussboot mieten kann.“
„Ja, kann man“, gähnte der Mann und öffnete die Tür weiter. Er hatte dunkles Haar und eingefallenes rotgeränderte Augen. Sein Oberkörper war nackt, die Hose bestand wahrscheinlich aus Leinen, aber da war sich Thalaën nicht so sicher.
„Ich bin Chinxero, Kapitän der Marlow. Wo soll’s denn hingehen?“, fragte er und kratzte sich unter der rechten Achsel.
„Den Rachi hinauf.“
„Wie weit denn?“
„Etwa sechshundert Kilometer. Bi dorthin wo…“, begann Adamant.
Doch noch bevor jemand aus der Gruppe ihm einen Tritt geben konnte hatte der Kapitän schon heftig den Kopf geschüttelt.
„Sehe ich aus, als wär’ ich lebensmüde? Ich fahre doch nicht so tief in den Dschungel hinein. Hab ja außerdem auch noch andere Geschäfte am Laufen, die ich nicht so lange liegen lassen kann.“
Er warf einen Blick in die Dunkelheit der Baracke.
„Außerdem ist der Schnaps alle. Muss neuen besorgen. Ist dieser Tage etwas schwierig geworden guten Stoff in der Stadt zu bekommen.“
Er rülpste.
„Sucht euch jemanden anderen“, lachte er. „Auch wenn es schwer werden dürfte. Marlow ist das beste und schnellste Flussboot am Rachi. Ist aber auch fast das einzige.“
Er lachte grölend über seinen eigenen Witz und schlug Thalaën dann die Tür vor der Nase zu.
„Das war dann wohl nichts“, murmelte der Elf.
„Wir könnten das Boot stehlen“, schlug Esra vor, was ihr einen bösen Blick von Adamant einbrachte.
„Äh… leihen.“
Astamalia schüttelte den Kopf.
„Nein, wir brauchen jemanden, der sich hier auskennt. Außerdem kann ich nicht mit einem Schiff fahren und ich denke, von euch kann das auch keiner. Wir brauchen also diesen Kapitän und seine Mannschaft, oder ein anderes Fortbewegungsmittel.“
Sie drehte sich zur Stadt um und überlegte.
„Hm, wie wäre es, wenn wir dort nachfragen!“, rief sie plötzlich und deutete auf einen hohen schlanken Turm.
„Das sieht mir sehr nach einer Andockstation für Luftschiffe aus.“
Esra seufzte.

***

Der Andockturm stand auf den Überresten einer alten Mauer der Riesen und war relativ klein und schäbig. Zwar war die Einrichtung um ein vielfaches besser als in der Baracke am Fluss, aber die Arbeitseinstellung hier schien die gleiche zu sein.
Die leitende Halbelfe der Enklave hatte die Füße auf ihrem Schreibtisch und blickte die vier gelangweilt an.
„Ja, was gibt’s denn?“
„Wir wollten fragen, ob es möglich ist eine Passage mit einem Luftschiff zu buchen? Oder am besten ein Luftschiff zu mieten“, kam Astamalia gleich zur Sache.
„In Sturmkap gibt es keinen regelmäßigen Luftschiffverkehr. Daher könnt Ihr auch keine Reise buchen. Und wie Ihr sicherlich feststellen konntet, liegt im Moment auch kein Schiff vor Anker, welches man mieten könnte. Tut mir leid.“
„Wann ist denn damit zu rechnen, dass wieder ein Luftschiff vorbeikommt?“, erkundigte sich Esra.
Die Halbelfe zuckte mit den Achseln.
„Was weiß ich. Über das letzte wurde ich ja auch nicht informiert. Das waren auch so merkwürdige Typen wie Ihr.“
Astamalia spitzte die Ohren.
„Was waren denn das für Typen?“, fragte sie.
„Bin ich ein Auskunftsbüro?“, giftete die Angestellte zurück.
Astamalia unterdrückte die Worte, die ihr auf der Zunge lagen und legte eine Handvoll Galifar auf den Tisch. Diese Stadt fing an sie zu nerven.
„Sind nur kurz hier gewesen und haben etwas Proviant aufgenommen. Außerdem wollten sie zu einer Stelle mitten im Dschungel. Ich habe ihnen davon abgeraten auf direktem Weg dorthin zu fliegen und stattdessen dem Rachi zu folgen. Waren darüber nicht sehr erfreut.“
„Könntet Ihr uns noch sagen, wer Kapitän des Schiffes war, oder ob Ihr etwas merkwürdiges festgestellt habt?“, erkundigte sich Astamalia weiter.
Der Blick der Angestellten fiel auf grinsend auf ihren Geldbeutel und die Magiern legte abermals ein paar goldene Münzen auf den Tisch.
„Der Kapitän nannte sich Rarwog. Er war auch der einzige, der das Schiff verlassen hat. Alle anderen sind während des ganzen Aufenthalts nicht einmal vom Schiff gekommen. Sehr seltsam. Dabei reißen sich die meisten darum sich etwas die Beine zu vertreten, sobald sie die Shargonzähne hinter sich haben. Achja, ich habe einmal einen Kriegsgeschmiedeten an Bord gesehen. Finsterer Bursche wie mir schien.“
Sie zuckte mit den Achseln.
„Aber egal. So unerfahren, wie sie alle wirkten, werden wir sie wahrscheinlich alle nie wieder sehen.“
Sie grinste.
„Danke für die Information“, bedankte sich Astamalia und wandte sich zum gehen.
„Ah, noch eine Frage“, warf Esra ein. „Ihr habt doch sicherlich gute Beziehungen zu den Märkten. Wo könnten wir denn eine gute Flasche Alkohol erstehen, wenn wir eine brauchen würden?“
Die Angestellte nahm ihre Füße vom Tisch und wirkte mit einem Mal sehr professionell.
„Wie viel seid ihr denn bereit auszugeben?“
„Was verlangt Ihr denn wofür?“
„Eine Flasche besten Lhazaar Rum für 50 Galifar.“
„Das kommt mir etwas teuer vor“, murrte die Wandlerin.
„Nun, es ist wahrscheinlich auch eine der letzten Flaschen in der Stadt, ehe Nachschub eintrifft. Und wenn das sein wird, weiß wohl nur die Heerschar.“
Ohne weiter zu murren warf Esra das Geld auf den Tisch und erhielt im Austausch eine Flasche mit dunklem Inhalt, von der offenbar jemand versucht hatte ein Etikett abzulösen.
„Schmu..ware besch…nahmt“, las Esra, bevor sie die Flasche wegsteckte und sich verabschiedete.

***

Die Taverne zur Schiffskatze war zwar sicherlich nicht die beste in der Stadt, aber auch nicht die schlechteste. Und sie hatte sich auf Abenteurer und ihre begleitenden Tiere spezialisiert und kam ihnen daher recht gelegen.
„Das essen hier ist immer noch um einiges besser als die Trockennahrung auf der Meerespfeil“, erklärte Thalaën mit vollem Mund, nachdem er gerade de dritten Teller leer gemacht hatte.  „Und wenn die Zimmer auch noch etwas größer sind, dann stört mich gar nichts mehr.“
„Da hast du wohl recht“, nickte Astamalia und lächelte dabei innerlich.
Es war doch erstaunlich, wie weit ihre Ansprüche gesunken waren, seit sie ihre drei Freunde kennen gelernt hatte. Früher wäre sie nie und nimmer in einer solchen Absteige hängen geblieben. Heute teilte sie die Meinung Thalaëns, dass eine warme essbare Mahlzeit und ein trockenes Bett schon mehr war, als man sich erwarten konnte.
„Entschuldigt bitte, aber ich denke ich habe eine Nachricht für Euch.“
Alle vier drehten sich zu dem blonden Jungen um, der etwas unsicher an ihrem Tisch stand und ihnen ein schmales Stück Pergament entgegen hielt.
„Ich sollte vier Personen finden, die gerade aus Sharn angekommen sind. Eine Gruppe bestehend aus einem Kriegsgeschmiedeten, einer Wandlerin, einem Elfen und einer Halbelfe. Seid Ihr gerade aus Sharn gekommen?“
„Ich denke, wir sind diejenigen, die du suchst“, nickte ihm Adamant freundlich zu. „Wer schickt uns denn diese Nachricht?“
„Ein Mann hat mich vor ein Paar Tagen beauftragt nach Euch Ausschau zu halten.“
„Das hast du gut gemacht“, nickte Adamant und warf dem Jungen einen Galifar zu.
Staunend betrachtete der das goldene Stück, ließ es dann aber ganz schnell in seiner Hosentasche verschwinden und lief davon, ehe es sich der Besitzer anders überlegen konnte.
Inzwischen hatte Thalaën den Brief geöffnet.
„Ich antworten - Fragen für Gold. Ich Surthain. Mich treffen jetzt Xaponath Straße, altes Viertel“, las er vor. „Ich nehme nicht an, dass jemand von euch diesen Surthain kennt, oder?“
„Nein. Aber ich nehme auch an, dass es eine Falle des Orden ist, um uns unschädlich zu machen“, vermutete Astamalia.
„Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht hat nur jemand mitbekommen warum wir hier sind und will uns helfen. Oder es handelt sich um einen Freund oder Bekannten von Elaydren. Du solltest öfter das Positive in den Wesen rund um dich sehen“, forderte sie Adamant auf.
„Egal. Wir werden es ohnehin nur herausfinden, wenn wir uns dorthin auf den Weg machen und ihn fragen, oder?“, warf Thalaën ein.
Und dagegen konnte niemand etwas sagen.

***

Die Straße, die sie suchten, befand sich in einem eher schlechteren Teil der Stadt. Die meisten Marktstände hatten immer noch geöffnet, obwohl es schon längst dunkel war. Aber wenn Esra einen Blick auf die Waren warf, dann war ihr auch klar warum. Viele von den Dingen schienen gebraucht zu sein und sie war sich sehr sicher, dass nicht jeder der ursprünglichen Besitzer sich freiwillig von ihnen getrennt hatte.
„Sieht so aus, als wäre das unsere Straße“, meinte Astamalia und bog in eine schmale, dunkle Seitengasse ein.
Die sich rasch als Sackgasse entpuppte.
„Ich denke, das ist eine Falle…“, murmelte Thalaën und zog seinen Krummsäbel.
Auch Esra hatte bereits ihren Bogen in der Hand und wandte sich um. Aus den Schatten kam ein riesiger Oger. Allerdings schien es kein normaler Oger zu sein. Zumindest wirkter er sauberer, seine Augen intelligenter, vor allem aber seine Ausrüstung teurer und gepflegter, als die eines normalen Vertreters seiner Art.
Mit einem grölenden Schrei zog er sein riesiges Bastardschwert und stürmte auf sie zu.
Zwei Pfeile trafen ihn beinahe gleichzeitig, aber das schien ihn nicht zu stören.
Mit einem gewaltigen Schlag hieb er auf Thalaën ein.
Blut spritzte in alle Richtungen und der Elf taumelte.
„Für die Flamme!“, rief Adamant und drang nun seinerseits auf den Oger ein, während sich der Elf von dem Angriff erholte und Seite an Seite mit dem Kriegsgeschmiedeten auf den Feind einhieb.
Astamalia zauberte magische Geschosse und Unterstützungszauber so rasch sie konnte. Aber nur langsam zeigten die Schläge auf den Oger Wirkung.
Irgendwann gab es Esra auf, ihn mit Pfeilen zu verletzen und griff nach ihrem Bihänder.
Zu dritt im Nahkampf und mit Astamalia im Rücken als Unterstützung gelang es ihnen nach und nach den Oger zurückzudrängen, bis er schließlich in die Knie ging und ihm Adamant sein Schwert durch die Kehle rammte.
„Nun, der wird uns wohl nichts mehr verraten“, keuchte Astamalia. Sie war die einzige, die nicht von oben bis unten mit Blut besudelt war, wie Esra feststellte.
„Ich verfüge über einen Zauber, mit dem ich mit ihm sprechen könnte. Aber ich kann nichts garantieren.“
„Was soll der uns schon sagen?“, wunderte sich Thalaën. „Er wurde sicherlich nur angeheuert uns hier zu töten und mehr wird er auch nicht wissen.“
Er blickte auf die Leiche hinab.
„Lasst uns nachsehen ob wir seine Ausrüstung verkaufen können. Dann sollten wir wieder in die Schiffskatze zurück, wenn wir wirklich morgen mit der Marlow aufbrechen wollen. Immer vorausgesetzt natürlich, dieser versoffene Kapitän ist bereit uns zu fahren.“

***

Der Schankraum der Schiffskatze war gut gefüllt.
Und Adamant fiel sofort beim eintreten eine schlanke silberne Gestalt auf, die gegenüber dem Eingang saß und ihn anstarrte.
Bis gerade eben war ihm noch gar nicht aufgefallen, dass er noch nicht einen anderen Kriegsgeschmiedeten gesehen hatte, seid sie in der Stadt angekommen waren.
Umso erstaunter war er über die Gestalt, die ihn gerade mit unverhohlener Offenheit musterte.
Die Kriegsgeschmiedete war sehr klein, zierlich und besaß außerdem nicht zu übersehende weibliche Formen. Etwas, das Adamant noch bei keinem seiner Art gesehen hatte.
Als Panzerung trug sie eine schimmernde Mithralrüstung.
Ohne auf seine Gefährten zu achten ging er auf sie zu.
„Hallo“, begrüßte er sie.
„Ich grüße Euch“, erwiderte sie mit heller, klingender Stimme.
„Mir ist gerade, als ich Euch gesehen habe, aufgefallen, dass ich hier in Sturmkap noch keine anderen Kriegsgeschmiedeten gesehen habe. Habt Ihr etwas dagegen, wenn ich mich daher kurz zu Euch setze?“, fragte Adamant und war selbst etwas überrascht über diese Frage.
Sein Gegenüber nickte.
„Es ist wahr, es gibt nicht sehr viele von uns hier. Die meisten, die es nach Xen’drik verschlägt, versuchen ihr Glück im Dschungel. Nur wenige bleiben in der Stadt. Mein Name ist übrigens Mithralklinge“, stellte sie sich vor und reichte ihm die Hand.
Adamant konnte sich nicht erinnern, je einen Kriegsgeschmiedeten erlebt zu haben, der sich so menschlich verhielt wie sie.
„Mein Name ist Adamant“, stellte er sicht vor.
Dann musterte sie genauer und Misstrauen stieg in ihm hoch.
„Ihr seid doch nicht Mitglied des Klingenfürsten, oder?“
Sie lachte, leise und hell.
„Nein, warum sollte ich? Ich kann mit diesem Fanatiker nichts anfangen. Unser Volk tauscht mit ihm nur eine Herrschaft gegen eine andere aus. Es wird dadurch nichts gewinnen. Aber denkt deshalb nicht, dass ich seinen Lehren ablehnend gegenüber stehe.“
„Wie meint Ihr das?“
„Nun, ich finde die Idee, unserer Rasse einen eigenen Staat zu geben durchaus vernünftig. Und warum nicht auch im Klagland. Dieser Landstrich wird doch ohnehin von keiner anderen Spezies mehr beansprucht und außer uns kann dort auch niemand überleben.“
„Hm“, machte Adamant. „Wahrscheinlich habt Ihr damit recht. So habe ich das noch nie betrachtet.“
„Ihr dachtet wohl immer nur, dass der Klingenfürst schlecht ist und damit auch alles andere, was er verkörpert?“
„So etwas in der Art“, gestand der Kleriker, worauf sie wieder lachte.
„Macht deswegen kein so trauriges Gesicht. Es geht doch vielen so. Aber Ihr solltet wahrlich bedenken, dass eine schlechte Umsetzung noch lange keine schlechte Idee bedeutet.“
„Da habt Ihr recht“, musste ihr Adamant abermals zustimmen, worauf eine kurze Pause entstand.
„Eine interessantes Symbol habt Ihr hier auf Eurer Brust“, begann sie wieder zu sprechen und fuhr mit ihren Fingern die eingebrannte XIII nach. „Ich hatte so etwas ähnliches“, erwähnte sie nebenbei, als sie aufstand und sich dem Ausgang zuwandte. „Es war eine II. Ich habe sie mir schon vor geraumer Zeit entfernen lassen.“
„Dann wisst Ihr, was es damit auf sich hat?“, staunte Adamant.
„Wer weiß. Bis bald!“, lachte sie und winkte.
„Werden wir uns wieder sehen?“, wunderte sich der Kleriker.
„Ah, ich denke doch. Eberron ist eine so kleine Welt“, meinte sie geheimnisvoll und verließ das Lokal. An ihr vorbei drängte sich eine junge Elfe herein.

„Was wolltest du denn von der? Kanntest du die?“, forschte ihn Astamalia aus, während sie sich alle zusammen zu Adamant setzten.
„Nein, ich wollte nur mit ihr reden. Sie hatte einige interessante Erkenntnisse bezüglich des Klingenfürsten. Aber bevor ich mit euch darüber rede, muss ich mir wohl selbst erst darüber klar werden, was sie mir alles gesagt hatte“, murmelte Adamant und verfiel in Schweigen.
„Die Prophezeiung hatte recht. Ich wusste, dass ich euch hier finden würde“, sprach sie plötzlich die Elfe an, die gerade das Lokal betreten hatte.
Alle vier wandten ihr interessiert den Blick zu.
Sie hatte schulterlanges schwarzes Haar und gebräunte Haut. Über ihrer schweren Rüstung trug sie eine Kleidung aus seltsamen Fellen. Darunter musste sie erbärmlich schwitzen. Um den Hals hatte sie eine Kette mit den Zähne und Klauen von Tieren und das Haar hatte sie sich mit vielen kleinen leuchtenden Perlen geschmückt. Ihre blauen Augen wirkten, als würden sie durch die vier und das ganze Lokal hindurchblicken.
„Ah, und wer seid Ihr, wenn ich fragen darf?“, warf Astamalia schließlich ein.
„Mein Name ist Muroni. Eine einfache Gelehrte, die den Mythen der Drachenprophezeiung folgt, um die wahre Bedeutung hinter den Geschehnissen der Welt zu enträtseln.“
Sie verbeugte sich leicht.
„Angenehm, wir sind…“, begann Adamant, der froh war, dass ihn etwas von seinen Gedanken ablenkte.
„Ich weiß wer ihr seid“, wehrte Muroni ab. „Die geschickte Esra Emorien, der tapfere Thalaën Tedaé, der weise Adamant und die kluge Astamalia d’Lyrandar. Die Prophezeiung hat mich direkt zu euch geschickt. Sie spricht von großen Ereignissen, die sich hier in Xen’drik abspielen sollen. Ereignisse, bei denen ihr eine zentrale Rolle spielen werdet.“
Sie holte tief Luft und kurz schienen ihre Augen klar zu werden.
„Würdet ihr mir erlauben Zeugin dieser Ereignisse zu werden? Ich würde euch unterwegs beistehen, so gut es in meinen Kräften steht.“
„Wenn das nicht die dümmste Falle des Ordens ist, die uns je untergekommen ist…“, murmelte Thalaën und griff langsam nach seinem Säbel. Doch Astamalia schüttelte den Kopf.
„Ich glaube nicht, dass das eine Falle ist. Denkt doch an die Male, die uns immer wieder erscheinen. Wir scheinen wirklich ein Teil der Prophezeiung zu sein. Auch wenn ich nicht sehr erfreut darüber bin“, meinte sie mit einem Seitenblick auf Muroni, die immer noch lächelnd auf eine Antwort wartete.
„Aber wenn Ihr die Prophezeiung schon kennt, wenn Ihr wisst, was kommen wird, warum wollt Ihr dann dabei sein, wenn sie sich erfüllt“, wunderte sich Adamant.
„Nun, zum einen kann ich selbst die Linien der Drachen nicht lesen“, erklärte sich Muroni geduldig. „Das kann nur mein Meister. Und auch er kann nicht alles erkennen, was da kommen wird. So weiß er etwa nicht, welche Ereignisse hier ihren Höhepunkt finden werden. Darum bin ich hier.“
„Und wer ist dein Meister?“, hakte Thalaën misstrauisch nach.
„Ein weiser alter Drache namens Vuulaytherus“, erklärte die Elfin offen.
„Drachen“, fauchte Thalaën. Doch Esra legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter.
„Drachen bekämpfen mein Volk schon seit Jahrtausenden.“
„Mag sein“, erklärte Muroni gleichmütig. „Aber nicht alle Drachen sind wütend auf die niederen Rassen oder sind der Meinung, dass man sich von ihnen distanzieren sollte. Manche sind der Meinung, dass die niederen Rassen durchaus einer Beobachtung und Einmischung wert sind. Diese Drachen haben sich in der Kammer zusammengefunden – der auch meine Herrin angehört. Sie riskieren ihr Leben indem sie das Leben auf den anderen Kontinenten untersuchen und den Menschen und den anderen Völkern helfen und bei ihnen das auftreten der Drachenmale untersuchen.“
„Scheint mir nichts böses“, nickte Esra. „Auch wenn ich von dem Begriff ‚niedere Rassen’ nicht begeistert bin.“
Astamalia grinste.
„Dann hat wohl niemand etwas dagegen, wenn wir Muroni mit uns nehmen?“
„Nicht, wenn wir dauerhaft ein Auge auf sie werfen“, warf Thalaën ein.
„Damit bin ich einverstanden, schlafender Elf“, nickte Muroni, immer noch lächelnd.

***

Mit aller Kraft schlug Thalaën gegen die Holztür der Baracke, bis endlich ein Geräusch aus dem Inneren zu hören war.
„Verschwindet!“, lallte Chinxero. „Ich fahre erst morgen wieder!“
„Wir wollen aber heute Ihr Flussboot mieten!“, rief Thalaën und trommelte weiter gegen die Tür.
Esra hielt ihn gerade noch davon ab sie einzuschlagen.
„Wir haben außerdem Rum dabei“, rief sie in der kurzen Ruhepause.
Sofort waren schlurfende Schritt von drinnen zu hören, dann öffnete sich die Tür einen Spalt weit.
„Kein Witz?“, fragte der Kapitän.
Esra schüttelte den Kopf und schwenkte die Flasche vor seinem Gesicht.
Sofort öffnete Chinxero die Tür vollends und griff nach der Flasche. Doch Esra war schneller und zog sie ihm weg.
„Wir wollen 600 Kilometer den Rachi hinauf“, erklärte sie ihm noch einmal.
„Ich habe euch doch schon gesagt, dass das zu weit und zu gefährlich ist“, brummte er und fixierte dabei die Flasche wie die Schlange das Kaninchen. „Ich kann euch die Halbe Strecke fahren.“
Thalaën schüttelte den Kopf, als er sah, dass Astamalia darauf eingehen wollte.
„Dann schaffen wir es nie rechtzeitig vor dem Orden. Ein Fußmarsch durch den Dschungel bei dieser Entfernung würde Monate dauern. Nein, er muss uns bis zum Ende fahren.“
„Ah kommt schon, so schlimm wird der Dschungel für einen mutigen Mann wie euch doch nicht sein“, versuchte es nun auch Adamant. Und anscheinend hatte er Chinxero damit bei der Ehre gepackt.
„Mutig pah!“, rief er. „Nun gut. Für 4000 Galifar fahre ich euch. Aber nicht für eine Münze weniger“, stellte er klar.
„Das ist Wucher!“, rief Astamalia aus. „Dafür können wir das Schiff ja kaufen!“
„Und wer soll es dann fahren?“, grinste Chinxero zurück.
„Viertausend sind in Ordnung“, vernahmen sie da eine ruhige Stimme aus dem Hintergrund. Muroni trat vor und drückte dem Kapitän einen dicken Lederbeutel in die Hand der sehr schwer aussah und laut klimperte.
„Ihr könnt das Geld nachzählen, wenn wir uns an Bord befinden. Los jetzt.“
Damit stapfte sie den anderen voraus zum Dock hinab, wo das Flussboot von der Besatzung gerade beladen wurde.

***

Kaimane, Flussotter und zahllose Fische schwammen neben und hinter der Marlow her. Der Dschungel zu beiden Seiten des Schiffes wurde immer dichter, je weiter sie sich von der Stadt entfernten. Hin und wieder waren Bereiche kahl geschlagen und kleine Gehöfte oder auch Ansiedlungen waren zu sehen. Aus dem Dschungel waren hunderte verschiedene Vogelarten zu hören und zu sehen. Selbst die Mannschaft schien sie nicht alle zu kennen, denn immer wieder blickten sie staunend einem der Vögel hinterher oder lauschten einem besonders markantem Ruf.
„Es war sehr freundlich von Euch, uns das Geld für die Fahrt zu geben“, bedankte sich Astamalia bei der Elfe und setzte sich neben sie an den Bug des Bootes.
„Keine Ursache“, wehrte sie ab und starrte dabei weiter den Fluss entlang. „Ich sagte bereits, dass ich euch mit all meinen Kräften unterstützen werde. Allerdings sind meine finanziellen Mittel nun aufgebraucht. Nur zu eurer Information.“
„Ah“, machte Astamalia.
„Wisst Ihr auch, wie dieses Abenteuer ausgehen wird?“
„Natürlich“, lachte Muroni. „Die Prophezeiung hat es vorhergesagt. Aber es hat keinen Sinn mich danach zu fragen, ich werde es euch nicht verraten. Die Pfade von Schicksal und Bestimmung dürfen sich erst zur rechten Zeit verweben und nicht vorher.“
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

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    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #36 am: 07. Mai 2008, 23:11:44 »
Die Ruine

Fünf Tage, einen Angriff durch zwei Trolle und durch mehrere aggressive Dinosaurier später erblickte Esra jene Landschaftsmerkmale am Fluss, welche die Dame Elaydren ihnen beschrieben hatte.
Der Rachi floss hier um eine Biegung und das Land ringsum begann sich aus der dichten Vegetation des Dschungels empor zu heben. Und als die Marlow um die Biegung fuhr konnte Esra auch die beiden riesigen Hände aus Stein sehen, die sich zum Himmel empor zu recken schienen. Esra fröstelte beim Anblick der titanischen Ruinen. Selbst für die Riesen mussten diese Hände gigantisch gewesen sein.
„Scheint so als wären wir da“, atmete Astamalia an Esras Seite durch. Sie bebte. Wahrscheinlich bei der Aussicht bald durch den dichten Wald laufen zu müssen, dachte sich Esra.
Sie selbst konnte es kaum erwarten endlich wieder den Waldboden unter sich und das Laub der Bäume über sich zu haben. Die Flussfahrt war zwar im allgemeinen sehr angenehm gewesen aber sie zog doch einen etwas langsameren Fußmarsch vor.
Sie spähte entlang des linken Flussufers. Hier irgendwo sollte das letzte Schema liegen. Hoffentlich war es nicht in den letzten Jahrhunderten vom Urwald überwuchert worden.
„Sieh mal, dort!“, rief sie und deutete auf eine Lichtung am Ufer.
Ein kleines Luftschiffbeiboot lag dort sechs Meter über dem Boden vor Anker und ein Mann stand darunter. Anscheinend etwas hilflos, was er machen sollte. Einige Hundert Meter hinter dem Boot und dem Mann erhoben sich die Überreste eines alten riesischen Gebäudes aus dem Dschungel. Wahrscheinlich der Ruheplatz des vierten Schemas.
Kurz darauf legte die Marlow direkt neben dem Boot an und Thalaën sprang mit erhobener Klinge von Bord.
„Nur eine Bewegung du nichtsnutziger Abschaum und ich werde dir die Kehle aufschlitzen“, fuhr er den Mann an, der den Wappenrock des Ordens der Smaragdklaue trug, an. Aber Esra hatte nicht das Gefühl, dass er eine Gefahr darstellte Er hatte seine zitternden Hände erhoben und war käsebleich.
„Wir sollten ihn fesseln und dann befragen“, schlug Adamant vor und sprang, bereits mit einem Seil in der Hand von Bord.

„Ich nehme einmal an, du gehörst zu jener Gruppe des Ordens, welche das Schema sucht“, begann Adamant die Befragung. „Ist Garrow immer noch euer Anführer?“
Der Soldat nickte eifrig.
„Ja, der mächtige Garrow führt uns!“
„Wie viele Männer hat er bei sich?“
„Alles in allem fast fünfzig Mann, unter ihnen auch eine brutale kriegsgeschmiedete Kriegerin“, grinste der Soldat. „Und ihr seid nur wenige!“
„Fünfzig Mann sind ziemlich viel“, warf Astamalia ein.
„Ah, der übertreibt doch. Und selbst wenn. Fünfzig Mitglieder des Ordens sind keine zehn wahre Männer wert. Und zehn auf einmal haben wir auch schon getötet“, hat Thalaën die Zahlen ab.
„Seit wann befindet sich denn Garrow mit seinen fünfzig Männern in der Ruine?“
„Seit gestern früh. Ich wurde beauftragt hier Wache zu schieben.“
Esra kratzte sich an den Kotletten.
„Sie haben mehr als einen Tag Vorsprung, das könnte zu einem Problem werden.“
„Ich denke nicht, dass das Schema so einfach zu finden sein wird“, warf Astamalia ein. „Und wenn wir daran denken, dass Garrow auch damals in Rotbruch fast an dem Rätsel gescheitert wäre, habe ich wenig bedenken, dass wir noch rechtzeitig kommen werden.“
„Gut. Was machen wir mit ihm?“, fragte Thalaën und zog seinen Säbel.
„Wir übergeben ihn Chinxero. Er kann ihn in Sturmkap einer Gerichtsbarkeit überstellen“, überging Adamant Thalaëns offensichtliche Idee. Missmutig steckte der Elf seine Waffe wieder weg.
„Aber eine Frage hätte ich noch“, warf Adamant ein und wandte sich wieder dem Gefangenen zu. „Ist Garrow ein Vampir?“
„Oh ja!“, lachte der Soldat. „Er ist ein mächtiger Vampir! Und wenn er euch zu fassen bekommt, dann wird er euch alle zu treuen Soldaten machen.“
„Dazu muss er uns erst einmal bekommen“, grinste Thalaën zurück. „Und er wäre nicht der erste Vampir, den wir töten. Schafft ihn weg und lasst uns aufbrechen.

***

Adamant musste den Kopf in den Nacken zu legen, um zur Spitze der Ruine zu blicken. Sie war sicherlich 100 Meter hoch! Die Türme in Sharn waren natürlich deutlich höher, aber dabei nicht so massiv, so wuchtig, und auch nicht so groß dimensioniert!
Adamant konnte nicht anders, als sich etwas klein zu fühlen.
„Das hier scheint der Eingang zu sein“, staunte auch Thalaën, der vor fünf Stufen stand, die etwa fünfzehn Höhenmeter überwanden und hinauf zu einer offenen Galerie führte.
„Wir nehmen den Dienstboteneingang“, schlug Muroni vor und deutete auf einen Einschnitt, der neben der Haupttreppe lag. Die Stufen hier schienen eher für Kreaturen ihrer Größe gemacht worden zu sein.
Und sie waren anscheinend nicht die ersten, die hier hochwollten. Auf der Treppe hatte ein Massaker stattgefunden.
„Nun, wie viele Männer Garrow wirklich hatte. Fünfzig sind es keine mehr“, stellte Thalaën klar und musterte die Toten.
Dutzende Körper lagen kreuz und quer über die Treppe und in der Umgebung verstreut. Ein paar Leichen trugen die Uniformen der Smaragdklaue. Aber bei dem Großteil der Leichen handelte es sich um kleine, dunkelhäutige Elfen mit weißem Haar, die primitive Rüstungen und Kleidung trugen.
„Verwandte von dir?“, fragte Esra an Thalaën gewandt.
„Nicht alle Elfen sind nach Aerenal ausgewandert, als die Riesen untergingen“, war alles, was der Elf dazu sagte. Er wandte seinen Blick von den Leichen ab und die Treppe empor.
„Der ideale Platz für einen Hinterhalt“, stellte er fest.
„Aber wir müssen hier hoch.“
„Ich werde vorweg gehen und berichten, was sich oben befindet“, fand sich in Adamant ein Freiwilliger. Und mit diesen Worten marschierte er auch schon los.
Die anderen hoben vorsorglich ihre Waffen. Sogar Muroni zog ihren Streitkolben, dessen Waffenkopf den Kopf eines Drachen darstellte.
Adamant kam nicht weit.
Mit lautem gepolter fiel ein riesiger Stein die Treppe herab.
Der Kriegsgeschmiedete warf sich zu Boden und versuchte sich so klein wie möglich zu machen; der riesige Fels überrollte ihn, raste an den anderen vorbei und verschwand krachend im Wald.
Thalaën blickte die Treppe hinauf.
Einen trällernden Kriegsruf ausrufend stürmten sieben dunkle Elfen die Treppen herab.
Adamant rappelte sich gerade wieder hoch. Sein Körper war an vielen Stellen von dem Felsen eingedellt.
„Ich komme, Adamant!“, rief Thalaën aus und stürmte den Elfen entgegen.

***

„Zumindest wissen wir jetzt, warum der Orden nur so wenige Leute verloren hat“, schlussfolgerte Adamant, während er von Astamalia mit einem Zauberstab zusammengeflickt wurde.
Kaum einer aus der Gruppe hatte einen Kratzer abbekommen. Nichts zumindest, was Adamant nicht in wenigen Sekunden wieder heilen konnte.
„Denkt ihr, dort oben ist es jetzt sicher?“, überlegte Esra und warf einen Blick die Treppe empor.
„Nun, es gibt nur eine Möglichkeit das herauszufinden“, lächelte Thalaën.

Sie standen auf einer riesigen Galerie, die von gewaltigen, sechs Meter hohen Säulen gestützt wurde.
„Atemberaubender Ausblick“, flüsterte Astamalia und blickte über den Dschungel hinweg. Sie konnte von hier aus die Riesenhände sehen, einen Teil des Flusses und etliche andere Ruinen, die überall im Urwald verteilt lagen. Welche Schätze waren hier wohl verborgen?
„Leider sind wir nicht wegen der Landschaft hier. Wir sollten weitermachen. Weiter nach oben, oder erst einmal dieses Stockwerk untersuchen?“, erkundigte sich Thalaën und deutete dabei auf die breite Treppe, die vor ihnen steil weiter nach oben führte. Auch hier gab es Stufen für Riesen und für ihre elfischen Sklaven.
„Dieses Stockwerk zuerst. Damit kann uns niemand in den Rücken fallen“, schlug Adamant vor. Damit waren auch die anderen einverstanden.

Sie stöberten mehrere Schreckensratten auf, die sich in einem seltsamen, an Nester erinnernden Gebilde versteck hielten, das sich auf der Westseite der Galerie befand. Ohne einen Kratzer davonzutragen entledigten sie sich der Tiere und suchten weiter.
„Seht mal, dort steht eine Tür offen!“, deutete Esra auf einen Spalt in einer nahen Mauer.
„Tür?“, keuchte Thalaën. „Das ist das größte Portal, das ich je gesehen habe!“
„Du musst beginnen in anderen Dimensionen zu denken“, lachte Esra und besah sich die Öffnung genauer. Die Tür stand weit genug offen, dass man sich hindurchzwängen konnte. Dahinter war es dunkel und still.
Ohne auf Esras Antwort zu warten schoben Adamant und Thalaën die Tür weiter auf.
Dann entzündeten sie Fackeln und traten in das Innere.
Der Boden des riesigen Raumes dahinter war mit einer dicken Staubschicht bedeckt, die man sogar im Schein der Fackeln gut erkennen konnte. Quer durch den Raum zur gegenüberliegenden Tür verlief eine breite Spur durch den Staub.
„Hier müssen im Verlauf von Jahrhunderten immer wieder Kreaturen entlanggegangen sein“; vermutete Esra und kniete nieder um sich die Spuren genauer anzusehen. „Die Spuren sind sogar im Felsen selbst zu sehen“, staunte sie.
Sie hob ihre Fackel wieder höher.
An der gegenüberliegenden Tür lag ein Stapel von Blättern, mit Wein gefüllte Gefäße und Stücke verrottenden Fleisches.
„Hier wurden jemandem geopfert, wie es scheint“, kombinierte Thalaën. „Und das eigentliche Heiligtum befindet sich sicherlich auf der anderen Seite dieser Tür.“
Er leuchtete das große Portal an. Auch dieses stand einen Spalt weit offen.
„Adamant hilf mir, das hier aufzudrücken!“, forderte er den Kriegsgeschmiedeten auf und legte seine Fackel beiseite.
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist“, warf Astamalia ein, doch da war die Tür schon weit aufgeschwungen. Hinter der Tür lag der verdrehte und zermalmte Körper einer humanoiden Kreatur.
Astamalia leuchtete dorthin.
Die Leiche schien blutleer und war fürchterlich verstümmelt. Unter all den Fetzen waren die Überreste eines grünen Wappenrockes zu sehen.
„Der Orden hatte hier wohl auch kein Glück“, stellte Esra ohne großes Bedauern fest.
„Ich weiß auch warum“, keuchte Astamalia. „Und uns hat das Glück ebenfalls verlassen.“
Aus der Dunkelheit vor ihnen schälte sich ein ins gigantische vergrößerter Skorpion heraus, der bedrohlich mit seinen Scheren klapperte und seinen Giftstachel hoch erhoben hatte.
„Verdammt“, murmelte Thalaën und zog seine Waffe. Die anderen taten es ihm gleich. Sekundenlang blickten sich der Skorpion und sie bewegungslos an. Dann brach die Hölle los.
Der Skorpion stürmte vor und schnappte mit seinen riesigen Klauen nach Adamant und Thalaën. Adamant gelang es zurückzuspringen, doch der Elf wurde voll von der linken Klaue erwischt. Blut spritzte durch den Fackel erhellten Raum.
Dann brach eine Kältewelle herein. Muroni hatte sich nach vor gebeugt und den Mund weit geöffnet. Eine kegelförmige Welle aus kalter Luft und Eis strömte daraus hervor und erfasste den monströsen Skorpion. Das Monster war nun mit Eis überdeckt, schien aber ansonsten keine größeren Beeinträchtigungen zu haben.

Esra feuerte in rascher Folge ihre Pfeile auf den Skorpion ab und versuchte dabei ständig in Bewegung zu bleiben, außerhalb der Reichweite seiner Klauen und des Stachels. Sie beneidete die drei Nahkämpfer – Adamant, Thalaën und Muroni – nicht wirklich, die sich immer wieder in die Nähe der tödlichen Greifwerkzeuge wagten. Thalaën blutete um die Taille und Fleischfetzen hingen von ihm herab. Auch von Adamants Körper hatten sich bereits zahlreiche Strähnen gelöst.
Zu Esras rechten stand Astamalia und wirkte die stärksten Zauber, die sie noch im Repertoire hatte. Dazu gehörte auch ein Beschwörungszauber. Mit einem Mal stand ein riesiger Bison im Raum, hinter dem Skorpion, und attackierte ihn mit seinen scharfen Hörnern.
Esra war erstaunt über dieses Stück mächtige Magie. Und die Methode schien Erfolg versprechend zu sein. Der Skorpion wandte sich von ihren Freunden ab und dem neuen Kampfteilnehmer zu.
Die beiden riesigen Tiere waren auf jeden Fall würdige Gegner, dachte Esra und grinste. Nur Sekunden später verging ihr das Lachen wieder. Die linke Schere verpasste dem Bison eine schwere Wunde am Kopf und die Rechte riss ihm die Eingeweide heraus. Mit einem Brüllen brach das Tier zusammen.
Damit war die Angelegenheit für den Skorpion erledigt. Zumindest hatten Thalaën und Adamant zwei gute Treffer anbringen können, bevor er sich wieder ihnen zuwandte. Sich sehr rasch umwandte, wie Esra feststellen musste. In einer fließenden Bewegung fuhr er herum und traf Thalaën voll an der Brust. Lautlos segelte der Elf quer durch den Raum und schlug dann hart auf dem Boden auf. Er rührte sich nicht mehr.
Esra fluchte und zog einen weiteren Pfeil aus ihrem Köcher.
„Adamant, kümmere dich um Thalaën!“, rief Astamalia und feuerte eine Salve magischer Geschosse auf den verwundeten Skorpion. Doch in diesem Augenblick wurde auch der Kriegsgeschmiedete kurz hintereinander von beiden Scheren und dem Stachel getroffen. Wie ein nasser Sack fiel er zu Boden.
„Wir werden hier sterben“, flüsterte Astamalia.
Der Skorpion sonderte zwar bereits aus vielen sehr großen Wunden ein widerliches gelbliches Sekret ab, aber dennoch zog er sich nicht zurück.
Muroni schwang weiter ihren Drachenkopfbesetzten Streitkolben. Doch auch sie blutete bereits stark. Und untätig mussten die beiden Frauen mit ansehen, wie auch die Elfe schließlich zu Boden ging.
Kurz hielt der Skorpion inne und wandte sich dann seinen letzten beiden Opfern zu.
„Das sieht gar nicht gut aus“, murmelte Esra, warf ihren Bogen weg und zog ihren Bihänder. Der Skorpion zögerte noch, taumelte unter seinen Wunden.
Esra nutzte diese Pause, stürmte vor und sprang zwischen die weit gespreizten Klauen. Das Schwert hoch erhoben rammte sie es dem Monster zwischen den Augen durch den Panzer.
Mit einem hohen Quicken brach er zusammen.

***

„Ich hoffe dieser Tag wird besser als der letzte“, murrte Astamalia, als sie den Sonnenaufgang über dem Dschungel betrachteten und dabei ihr kärgliches Frühstück verzehrten. Die Wunden von Adamant, Thalaën und Muroni hatten sie so gut es ging am letzten Tag noch versorgt. Dennoch waren sie alle noch über und über mit Blut beschmiert, erschöpft und wahrscheinlich auch alle etwas traumatisiert.
„Wie soll es weitergehen?“, fragte sie die anderen.
„Wir sollten weiter nach oben. Irgendwie scheint mir das der richtige Weg zu sein“, schlug Adamant vor. „Was denkst du, Muroni?“
„Es wird so passieren, wie es die Prophezeiung vorhergesehen hat“, erwiderte sie ominös.
„Dann eben aufwärts“, beendete Thalaën das Frühstück.

Im hinteren Bereich des Gebäudes gab es ein Treppe nach oben. Sie schien in das zweite Stockwerk zu führen. Im Gegensatz zur vorderen Treppe, die so steil nach oben führte, dass sie wahrscheinlich in das dritte führte.
Rasch beschlossen sie, sich zuerst das zweite anzuführen.
„Wartet mal“, wehrte jedoch Esra ab, als sie am Fuß der Treppe standen und Thalaën nach oben stürmen wollte. „Ich denke, ich habe da etwas gehört. Wartet hier, ich gehe nachsehen!“
Sie legte ihren Rucksack ab und huschte die alte Sklaventreppe hinauf. Die letzten Meter legte sie robbend zurück.
Vorsichtig lugte sie über die letzte Treppe hinauf.
Im Licht flackernder Kerzen sah sie sechs Soldaten der Klaue, die auf dem Treppenabsatz an irgendeiner Gerätschaft hantierten, mit der sie offenbar versuchten die beiden riesigen verschlossenen Torflügel zu öffnen. Sie wirkten sehr beschäftigt.
Rasch kroch Esra wieder eine Schritte zurück und winkte den anderen zu. Während die sich ebenfalls nach oben arbeiteten – Esra fragte sich, wie man dabei so viel Lärm machen konnte – zog sie ihren Bogen.

„Irgendwie sind diese Burschen keine Herausforderung“, murrte Thalaën und wischte seinen Säbel an einer der Leichen ab, die nun den Treppenabsatz säumten.
„Wäre dir ein Riesenskorpion lieber gewesen?“, fragte Adamant.
„Streitet nicht. Sehen wir lieber zu, dass wir die Tür aufbekommen“, warf Astamalia ein.
Dem konnten die anderen auch nicht widersprechen.
„Wahrscheinlich wollten sie das Tor mit diesen Dornen aufbrechen und die Winde als Seilzug benutzen.“
„Was die Burschen können, können wir doch schon lange“, grinste Thalaën und ging gemeinsam mit Adamant zur Winde. Mit aller Kraftanstrengung warfen sie sich in die Konstruktion.
Ein zweites Mal.
Ein drittes Mal.
Knirschend ging die Tür auf. Und mit einem Mal brach das Chaos aus.
Die Tür wurde aufgerissen und eine wahre Wasserwand schoss daraus hervor.
Adamant sah nur noch die wirbelnden Körper seiner Freunde, die Überreste der Maschinerie und die Leichen der Ordensmitglieder. Die Stufen der Sklaventreppe wirbelten rund um ihn herum, als sie wieder in das erste Stockwerk hinunter gespült wurden.
Langsam wurde das Wasser weniger, aber noch immer trieb ihn die Flutwelle vor sich her, quer durch die Galerie. Verzweifelt versuchte er sich mit seinen Händen am Boden festzukrallen. Aber der Steinboden ließ keinen Halt zu und mit einem Mal fühlte Adamant, wie er flog.
Neben ihm schrie Astamalia auf.
Dann schlugen sie hart am Boden des Dschungels auf.
Benommen blieb Adamant liegen und starrte in den blauen Himmel hinauf. Weit über ihm lag das Galeriestockwerk, von dem Esra und Muroni ängstlich herabblickten. Sie waren gut und gerne 15 Meter weit abgestürzt.
Ächzend setzte sich Adamant wieder auf. Neben ihm lagen Astamalia, Thalaën und Esras Wolf Balinor. Bis auf den Wolf schien es jedem den Umständen entsprechend gut zu gehen. Doch Balinor lag mit verrenkten Gliedmaßen am Dschungelboden, die Zunge hing ihm aus dem Maul und er lag in einer mit viel Wasser verdünnten Blutlache.
Zögernd tastete er nach dem Wolf, doch er spürte kein Lebenszeichen mehr in ihm.

***

Noch immer strömte Wasser aus dem abgeschlossenen Stockwerk, doch zumindest war es nun möglich die Treppe hinaufzuklettern, ohne wieder hinabgeschwemmt zu werden.
Astamalia warf Esra einen flüchtigen Seitenblick zu, als sie wieder am Portaleingang standen. Die Wandlerin hatte kurz geweint, als sie Balinors zertrümmerten Körper gesehen hatte. Nun war sie sehr schweigsam und in sich gekehrt. Aber sie wollte auch mit niemandem darüber sprechen. Astamalia respektierte das, auch wenn sie es nicht ganz verstand. Sie selbst wäre mit dem Verlust etwas anders umgegangen.
Vor der Tür zündeten sie – mit etwas Mühe – ihre Fackeln an und traten dann in die Dunkelheit. Rasch erkannten sie, dass ein einziger riesiger Raum das gesamte Stockwerk einnahm. Mehrere mächtige Säulen stützten das Gewölbe. Außerdem gab es einen Abfluss von Lamannia, der Ebene des Wassers. Was erklärte, warum hier bis unter die Decke Wasser gestanden hatte. Noch immer strömte ein steter Fluss aus kaltem kristallklarem Wasser aus dem Portal. Ein zweites Portal am Entgegengesetzten Ende des Raumes zeige ebenfalls nach Lamannia. Jedoch strömte hier kein Wasser hervor. Astamalia nahm an, dass es sich hierbei um eine Art Einwegportal handelte, durch welches man die Ebene erreichen konnte, jedoch nichts herauskam.
Was die Magierin und auch die anderen jedoch viel mehr faszinierte, war ein Ziggurat, der im hinteren Bereich des Raumes stand. Die Pyramide hatte drei Stufen mit je drei Metern Höhe und bis auf die oberste Stufe waren alle mit verwirrenden und verschlungenen Mustern bedeckt. Auf der dritten Stufe prangten auf drei Seiten je eine riesige seltsame Glyphe, wohingegen die vierte Seite völlig glatt war.
„Kannst du das lesen?“, fragte Thalaën und bewunderte die Schriftzeichen auf der Pyramide.
Astamalia schüttelte den Kopf.
„Ich nehme an, dass es riesisch ist, auch wenn ich mir dessen nicht sicher bin. Ich kann die Sprache nämlich nicht. Wir haben sie zwar kurz einmal auf der Akademie besprochen, aber das ist schon lange her. Außerdem hatte ich damals anderes im Kopf als alte Runen zu studieren“, grinste Astamalia. „Ich habe einen Zauber in meinem Kristall, der uns dabei weiterhelfen könnte, die Zeichen zu lesen. Aber ich habe ihn für heute nicht vorbereitet.“
„Vielleicht wäre es ohnehin am besten, wenn wir für heute aufhören würden“, schlug Adamant vor und nickte dabei in Esras Richtung, die etwas abseits stand und ins Leere blickte. „Wir sind alle mitgenommen von dem Sturz und vor allem Esra scheint etwas Zeit zu brauchen, bis sie wieder voll auf der Höhe ist.“
Astamalia wirkte nicht sonderlich überzeugt.
„Ihr habt natürlich recht, dass wir eine Rast gut gebrauchen könnten. Aber bedenkt auch, dass wir mit jedem Tag in der Ruine dem Orden mehr Vorsprung geben das letzte Schema vor uns zu finden. Davon abgesehen, dass es Garrow und seinen Männern bald einmal auffallen wird, das jeden Abend weniger in ihr Lager zurückkehren. Sie werden bald gezielt nach uns suchen.“
Thalaën winkte ab.
„Gegen diese einfachen Soldaten kämpfen ist doch kein Problem.“
„Auch dann nicht, wenn sie von einem Vampir geführt werden?“, hakte Astamalia nach, was den Elfen zum verstummten brachte.
„Wir gehen am besten in den Raum zurück, indem sich der Skorpion befand. Andere Tiere der Ruine werden diesen Bereich hoffentlich noch meiden, aus Angst vor dem Monster.“

***

Der nächste Tag begann wie der vorhergehende. Nur, dass Balinor ihr diesmal beim Frühstück keine Gesellschaft leistete. Esra seufzte unterdrückt und zwang sich noch ein paar Bissen ihrer Trockennahrung zu sich zu nehmen. Die Stimmung im Lager war allgemein eher schlecht, fand sie. Kaum jemand redete, alle kümmerten sich nur im ihr Essen und darum, dass die Waffen für diesen Tag bereit waren. Das ewige Kämpfen, ohne einen sicheren Platz zum Schlafen zu haben, schlug auf ihr aller Gemüt. Es war an der Zeit, dass sie aus der Ruine herauskamen und wieder ein Stück Zivilisation sahen.
Für diesen Tag hatten sie sich das dritte Stockwerk vorgenommen.
Am Treppenabsatz oben angekommen, sahen sie sich mit drei weiter führenden Türen konfrontiert.
„Welche nehmen wir?“, fragte Adamant.
„Die, hinter der Stimmen zu hören sind?“, schlug Esra vor und deutete dabei auf die Tür gegenüber der Treppe. „Leute, ihr solltet wirklich öfter die Ohren spitzen“, meinte sie kopfschüttelnd und wagte einen Blick durch die angelehnte Tür.
Ein riesiger, gut beleuchteter Raum lag dahinter, in dessen Mitte ein Ziggurat stand, ähnlich dem, den sie am Vortag bereits entdeckt hatten. Am Südende der Pyramide hatte der Orden ein Lager aufgeschlagen und überall im Raum standen und arbeiteten Mitglieder der Smaragdlaue. Selbst auf der Pyramide standen welche.
Insgesamt zählte sie sechs Personen. Aber es konnten noch etliche mehr sein, die sich in den Zelten oder im nördlichen Bereich des Raumes in der Dunkelheit versteckten.
Sie zog ihren Kopf wieder zurück und erzählte den anderen was sie gesehen hatte.
„Sechs? Die schaffen wir doch locker. Auch wenn noch weitere hinzukommen sollten“, wehrte Thalaën ab und zog seine Waffe.
Auch die anderen schienen mit einem Kampf einverstanden zu sein. Astamalia begann die ersten Zauber auf sich zu wirken und Adamant sprach rasche Gebete, welche ihren Mut und ihre Kampfkraft steigern sollten.
Geduldig warte Esra mit den anderen beiden, bis sie fertig waren.
Mit einem knappen nicken gab Adamant das Signal zum Angriff.

Esra warf sich in einer Rolle durch die offene Tür und feuerte eine rasche Salve von Pfeilen auf einen der Soldaten auf dem Ziggurat ab. Hinter ihr stürmte Astamalia herein, nicht ganz so leichtfüßig wie sie, aber doch elegant.
Eine kleine rote Kugel sprang aus ihrem ausgestreckten Zeigefinger und flog rasch wie ein Pfeil durch den Raum hoch zur Pyramide. Dort blähte er sich zu einer riesigen flammenden Kugel auf und erfasste mehrere Soldaten, die schreiend zu Boden gingen.
Esra hob über diesen gezielt angebrachten Feuerball erstaunt die Augenbrauen.
Adamant feuerte an ihr vorbei einen Bolzen auf einen weiteren Soldaten, der lautlos zusammenbrach. Er hatte nicht einmal mehr die Zeit die Waffe zu heben.
Thalaën und Muroni kamen Seite an Seite durch die Tür und hielten sich nicht lange mit Fernkämpfen auf. Ohne auf ihre eigene Sicherheit zu achten stürmten sie mit hoch erhobenen Waffen auf den Ziggurat zu. Wahrscheinlich hofften sie so, aus den Zelten kommende Soldaten rechtzeitig abzufangen.
Für das nächste Mal, entschied Esra, sollten sie sich einen besseren Plan zurechtlegen, bevor sie ein solches Lager stürmten.
Dann kam der Gegenangriff. Ein Bolzen durchschlug ohne Probleme Adamants Panzerung und ließ den schweren Kriegsgeschmiedeten kurz taumeln. Dann folgte ein magisches Geschoss jenes Ordenmitglieds, das auf der obersten Stufe des Zigguarts stand.
Ein Magier, durchzuckte es Esra. Er musste ausgeschaltet werden.
Es war schon erstaunlich, dass er den Feuerball überstanden hatte.
Mehrere weitere Bolzen wurden in ihre Richtung abgefeuert, aber alle verfehlten ihre Ziele.
Esra nutzte die Sekunden, welche die Soldaten zum Nachladen brauchten, um den Magier auf der Pyramide unter Beschuss zu nehmen. Einer ihrer Pfeile traf, aber das schien ihn nicht zu stören.
Wie war das möglich?
Ein magisches Geschoss aus einem Zauberstab von Astamalia, verpuffte wirkungslos an einer unsichtbaren Wand vor dem Magier.
„Konzentrier euch auf diesen Magier!“, rief Esra.
Das hätte sie besser bleiben lassen sollen.
Ein magisches Geschoss traf sie in der Brust du hinterließ ein hässliches Brandloch in ihrer Rüstung und auf ihrer Haut.
Inzwischen hatten Thalaën und Muroni die Zelte erreicht. Ohne in seiner Bewegung langsamer zu werden riss der Elf eine Fackel des Lagers los und fuhr damit über die Zeltplanen, die in seiner Reichweite lagen.
Inzwischen standen nur mehr jene beiden Soldaten, welche auf der Pyramide standen. Die anderen waren unter Esras Pfeilen, Adamants Bolzen und Astamalias Magie gefallen.
Der Elf und die Elfe kämpften sich eine Leiter hoch, auf die erste Stufe der Pyramide.
Der Kämpfer dort warf seine Bolzen weg und zog sein Landschwert. Doch er blutete bereits aus zahlreichen Wunden und hatte kaum noch genug Kraft das Schwert zu halten.
Esra hatte das Gefühl, dass Thalaën ihm nicht einmal die volle Aufmerksamkeit schenkte, als er ihm den Säbel durch den Bauch rammte und zur nächsten Stufe hochblickte.

„Es ist eine Mumie!“, keuchte Thalaën auf, als er in die leeren Augen des Magiers blickte, der ihm entgegenblickte. Bandagen hingen von seinem Körper herab. Sein untöter Körper schien bereits schwer beschädigt zu sein. Aber nicht so stark, dass er Thalaën nicht noch mit Magie befeuern konnte.
Thalaën ignorierte den Schmerz der Säure, welche die Mumie auf ihn abgefeuert hatte und begann die Leiter hoch zu klettern. Der Mumienmagier wich vor ihm zurück.
Keuchend beförderte sich Thalaën mit einer Rolle vorwärts auf das Plateau des Ziggurats und machte sich im Bruchteil einer Sekunde ein Bild von der Lage. Die Mumie stand am anderen Ende der Plattform, die Klauen furcht erregend erhoben und das Gesicht zu einer Maske aus Schmerz und höhnischem Lachen verzerrt. Aus der Mitte des Plateaus erhob sich ein Stab mit einer kleinen schimmernden Kugel darauf.
Wahrscheinlich war es das, was Astamalias Zauber zurückwarf, überlegte Thalaën und wandte sich dann wieder dem ernsteren Problem der Mumie zu.
Der Magier schien seine Zauber verbraucht zu haben. Zumindest versuchte er nicht ihn in einen Frosch zu verwandeln oder in Staub aufzulösen.
„Gib auf!“, keuchte Thalaën und machte einen Schritt zur Seite, um Muroni Platz zu machen. „Gib auf, und wir werden dich am Leben lassen!“
„Am Leben!“, kreischte die Mumie. „Seht mich an! Ich lebe nicht mehr! Ich wurde ermordet und dann zu dem hier gemacht, was vor euch steht! Tötet mich! Tötet mich! Das ist das beste, was Ihr machen könnt!“
Mit diese Worten stürmte er nach vor und hieb nach Thalaën. Nur seine Rüstung beschützte ihn vor den Leben aussaugenden Klauen seines Angreifers.
Dann schlug er zurück.
In einem wahren Blutrausch ließ er seine Doppelklinge wirbeln und zersäbelte die Mumie in kleine handliche Stücke.

Zu fünft blickten sie auf die Überreste der Mumie hinab.
„Warum habe ich das Gefühl, dieses Gesicht schon einmal gesehen zu haben?“, wunderte sich Adamant und drehte mit seinem Fuß den abgetrennten Kopf mehrmals hin und her.
„Weil wir nach ihm gefragt wurden“, erwiderte Astamalia und kniete sich nieder, um die Konturen des Kopfes unter den Bandagen besser erkennen zu können. „Erinnert ihr euch nicht? Feldwebel Dolom hat uns nach ihm gefragt und uns sein Bild gezeigt. Das hier ist Professor Arkaban von der Morgrave-Universität! Anscheinend hat ihn der Orden wieder belebt, nachdem ihn die Agenten des Klingenfürsten ermordet hatten.“
„Kein Wunder, dass er mich angefleht hat, ihn zu töten“, zuckte Thalaën mit den Achseln.
„Wie es scheint, ist der Orden daran interessiert, hinter die Geheimnisse dieses Ziggurats zu kommen“, wechselte Adamant das Thema. „Vielleicht enthalten seine Inschriften einen Hinweis auf den Verbleib des letzten Schemas.“
„Wäre möglich“, überlegte Astamalia. „In diesem Fall hätten wir einen entscheidenden Vorteil. Der Orden weiß noch nicht, dass es einen zweiten Ziggurat in dem verschlossenen Stockwerk gibt.“
„Aber das hilft uns leider nicht weiter. Wir haben keine Ahnung, was auf diesen Wänden steht“, warf Esra ein.
Astamlia grinste sie an.
„Nicht ganz. Ich habe heute Morgen einen Zauber gelernt, der es mir ermöglicht alle Sprachen zu lesen. Schon bald werden wir wissen, was auf diesen Wänden steht.“
Mit diesen Worten stieg Astamalia eine Stufe des Ziggurats hinab.
Dort begann sie ihren Zauber zu wirken und plötzlich schienen all die unterschiedlichen Glyphen an den Wänden vertraut. Aber dennoch ergaben sie keinen Sinn. Sie waren willkürlich aneinander gereiht, ohne Wörter oder gar Sätze zu bilden.
„Da habe ich die Riesen wohl etwas unterschätzt“, stöhnte sie auf und beendete den Zauber.
Die anderen blickten sie verwirrt an.
„Die Zeichen auf den Wänden scheinen nicht in normalem Riesisch geschrieben zu sein. Sie wurden verschlüsselt. Und nur derjenige, welche den richtigen Codeschlüssel besitzt, kann die Zeichen entschlüsseln.“
„Womit wir doch wieder nicht besser dran sind, als der Orden“, stellte Esra unnötigerweise fest.
„Wonach müssen wir also suchen?“, fragte Adamant.
Astamalia zuckte die Schultern.
„Es kann alles möglich sein. Vielleicht eine Schriftrolle, auf der sich der Code befindet. Oder aber auch ein magischer Gegenstand, der, wenn man ihn trägt, die Glyphen richtig anordnet. Ich weiß es nicht. Aber auf jeden Fall wird er, wenn die Inschriften wirklich so wichtig sind, gut versteckt sein.“
„Dann sollten wir uns auf die Suche machen, oder nicht?“
„Am besten weiter nach oben. Wenn wir den Schlüssel dort nicht finden, finden wir dort sicher noch andere Ordensmitglieder. Und je weniger von ihnen noch durch die Ruine streifen, desto besser“, schlug Thalaën vor.
Damit waren alle einverstanden.

Am oberen Treppenabsatz hielten sie zwei Soldaten des Ordens kurz auf, stellten aber kein Hindernis dar.
„Und wie nun weiter?“, fragte Esra und lugte um die Ecke.
„Dort ist eine verschlossene Tür. Vielleicht sollten wir einen Blick dahinter wagen“, schlug Thalaën vor. „Vielleicht befindet sich dort der Schlüssel.“
„Habt ihr immer noch nicht genug davon, verschlossene Türen in dieser Ruine aufzumachen“, stöhnte Astamalia. Aber irgendwie wurde sie nicht gehört.
Auch wenn Muroni ebenfalls nicht sonderlich begeistert wirkte. Aber wie schon die ganz Zeit über, seit sie in der Ruine waren, kommentierte sie ihre Pläne nicht.
Knarrend drückten die beiden Männer die Tür auf.
Ein großer Raum kam dahinter zum Vorschein, relativ staubfrei, wenn man die Jahrtausende bedachte, die er verschlossen gewesen war. Im schein ihrer Fackeln betraten sie den Raum. Diesmal war sogar Muroni mit in der ersten Reihe.
Fließen in unterschiedlichen Farben bedeckten den Boden. Im Osten befanden sich zwei halb geöffnete Türen.
Eine öffnete sich langsam
„Verdammt, nicht schon wieder“, fluchte Astamalia und überlegte nach passenden Zaubersprüchen, die sie noch in Reserve hatte.
Ein riesiges Monster kam hinter der Tür zum Vorschein. Ein Monster, dass von der Größe her sehr gut in diese Räumlichkeiten passte.
Es war ein Riese.
Ein Riesenskelett.
„Pah“, machte Thalaën und entspannte sich sichtbar. „Und ich dachte schon, es käme etwas gefährliches.“
Mit einem elfischen Kriegsschrei stürzte er sich nach vor.
„Nein!“, kreischte Muroni im gleichen Moment und sprintete ihm hinterer.
Kurz bevor der Elf den Riesen erreichte, hob dieser seine knochige Hand zum Schlag, zielte er auf den Kopf und ließ die Hand herab krachen.
Muroni erreichte Thalaën den Bruchteil einer Sekunde, bevor die Hand den Elfen erreichte. Mit aller Kraft warf sie den Elfen zur Seite.
Krachend traf die Klaue ihren Kopf. Sie wurde herumgeschleudert und mit einem hässlichen Knacken brach ihr Rückgrat. Leblos fiel sie in sich zusammen.

Als sie den Kampf mit Taktik und Hirn bestritten, erwies er sich als nicht mehr so schwierig. Zwar bluteten sie aus zahllosen Wunden, aber sie lebten alle.
Alle, bis auf Muroni.
„Warum hat sie das getan?“, wunderte sich Thalaën, der neben ihr auf dem Boden kniete. Ihr gesamtes Gesicht war durch die Wucht des Riesen eingedrückt worden.
„Wahrscheinlich dachte sie, dass sie selbst für die Erfüllung der Prophezeiung nicht erforderlich sein würde. Im Gegensatz zu dir, Thalaën“, murmelte Adamant und begann dann weiter damit, ihr die letzten Ehren nach der Kirche der Silbernen Flamme zu erweisen.
„Wir sollten sie mit uns nehmen“, schlug Esra vor.
„Wozu? Sie ist tot?“, wunderte sich Thalaën.
„Sei nicht so herzlos. Sie hat sich wegen dir geopfert. Und ich bin mir sicher, dass wir eine Möglichkeit finden werden, sie von den Toten zurückzuholen. Immerhin“, lächelte Esra. „kennen wir mittlerweile die Hüterin der Flamme persönlich. Und mit all den Schätzen, die wir hier gefunden haben und der Bezahlung durch Dame Elaydren, wenn wir ihr die Schemata bringen, sollte es nicht zu schwer werden, einen Priester zu finden, der mächtig genug für einen solchen Akt ist.“
Astamalia nickte und auch Adamant schien beeindruckt zu sein.
„Das ist eine gute Idee. Wir werden ihren Körper jedoch vor dem natürlichen Verfall bewahren müssen. Aber das sollte mit der Macht der Flamme kein zu großes Problem darstellen.“
„Nachdem wir das geklärt haben“, fuhr Esra fort. „Ist außer mir noch jemandem aufgefallen, dass die Fliesen hier ein Mosaik bilden.“
Die anderen schüttelten den Kopf und blickten zugleich nach unten.
„Der Raum ist zu groß“, stellte Astamalia fest. „Man müsste das ganze von weiter oben betrachten. Etwas von der Höhe eines Riesen herab. Esra, kannst du auf Adamant klettern?“
Esra nickte.
Adamant stellte sich breitbeinig hin und machte ihr eine Räuberleiter auf seine Schulter.
„Und, was stellt es dar?“
„Ich bin mir nicht sicher. Aber es sieht aus wie das Bild einer Schöpfungsschmiede. Und es wird gerade ein Kriegsgeschmiedeter gebaut. Sieht ziemlich merkwürdig aus. Und ziemlich groß.“
„Vielleicht ist es das, wozu man das Schöpfungsmuster brachen kann?“, spekulierte Astamalia. „Man kann damit Kriegsgeschmiedete bauen?“
„Aber warum sollten dann alle dahinter her sein?“, wunderte sich Adamant. „Die Menschen wissen bereits, wie man solche Geschöpfe wie mich erzeugt. Und es gibt angeblich immer noch aktive Schöpfungsschmieden.“
„Dann muss es etwas mächtigeres, etwas einfacheres sein. Aber darüber müssen wir später spekulieren. Wenn wir das Muster haben. Jetzt lasst uns aufbrechen. Der Orden hat schon genug Vorsprung, wir müssen ihn nicht unnütz vergrößern.“

Ein großer Bereich des obersten Stocks schien von einem einzigen Areal eingenommen zu werden, welches sich quer von Ost nach West durch die Ruine zog und an eine breite künstliche Schlucht erinnerte. Obwohl es hellster Tag und der Bereich nach oben hin offen war, war es relativ dunkel und schattig, da die beiden Wände zur Längsseite hoch empor stiegen. Gut 30 Meter hoch stiegen sie empor und waren über und über mit kleinen Höhlen und Brüstungen versehen. Eine Unzahl von Spinnennetzen spannte sich in großer Höhe kreuz und quer zwischen diesen Wänden. In der Mitte der ganzen Anlage stand ein riesiger Stuhl aus Stein und Metall, der an einen Thron erinnerte, auf einer Scheibe. Rund um den Thron standen mehrere Holzkisten, Fässer und ein Schreibtisch, auf dem sich allerlei Dinge stapelten.
„Scheint, als hätten wir einen der Rückzugspunkte des Ordens gefunden“, grinste Thalaën.
„Sch!“, machte Esra und deutete auf eine kleine dickliche Frau, die über der Scheibe, auf der der Thron stand, gebeugt war, und sie anscheinend noch nicht bemerkt hatte.
„Keine falsche Bewegung, oder Ihr seid des Todes!“, rief Thalaën, bevor ihn jemand aufhalten konnte. Doch zum Glück schien die Frau nicht daran interessiert zu sein, zu fliehen. Sie blickte nur irritiert auf und sah ihnen entgegen.
„Ihr gehört nicht zum Orden oder seid Agenten des Klingenfürsten?“, stellte sie mit alter gebrechlicher Stimme fest.
„Das ist richtig“, erklärte Astamalia und sah sich zaghaft um.
„Dann seid ihr wohl die Abenteuergruppe, deren Ankunft Garrow so sehr fürchtet“, grinste sie.
„Mag sein“, wich Astamalia einer klaren Antwort aus. „Wer seid Ihr?“
„Ich bin eine Professorin an der Morgrave-Universität. Der Orden entführte mich und brachte mich hierher, weil ich mich sehr für die alte Zivilisation der Riesen interessiere. Sie gaben mir die Aufgabe, das Geheimnis dieses Throns zu entschlüsseln.“
„Warum?“, hakte Adamant nach.
„Anscheinend bringt es einen zum Aufenthaltsort des letzten Schemas.“
„Wie?“
„Das ist eine gute Frage“, erwiderte die Frau und deutete auf die Scheibe. „Irgendetwas haben diese Glyphen damit zu tun.“
Sie begann langsam rund um den Thron herumzuwandern.
„In einer bestimmten Anordnung öffnen sie den Zugang.“
Sie verschwand hinter dem Thron.
„Einen Zugang, den Ihr niemals findet werdet!“, rief plötzlich eine sehr veränderte Stimme, die sie alle gut kannten. Es war Garrow.
„Helft mir! Zu Hilfe! Eindringlinge!“
Astamalia warf einen raschen Blick hinter den Thron und erkannte, dass die alte Frau und damit auch Garrow verschwunden war.
Dafür waren aus einer anderen Richtung hastige Schritte mehrer Personen zu hören.
„Thalaën, jetzt bekommst du deine Chance, Soldaten des Ordens im größeren Maßstab zu töten.“
Acht Soldaten, angeführt von einem Kriegsgeschmiedeten mit einem Krummsäbel in den Händen, stürmten den Thronraum.

***

Garrow sah seinen heranstürmenden Soldaten mit Freuden entgegen, während er sich, unsichtbar, gegen die Wand des Throns presste. Das Schöpfungsmuster mit den ersten drei eingesetzten Schemata hielt er fest in seinen Händen.
So knapp vor dem Ziel würde ihn niemand mehr aufhalten.
„Nahe…“, hörte er da plötzlich eine Stimme in seinem Kopf. „Muss… vervollständigen…“
„Was?“, flüsterte er und sah sich um. Niemand war in seiner Nähe, der Kampf wurde weiter entfernt von ihm ausgetragen.
Verwundert blickte er auf die Teile aus Metall in seinen Händen.
Das Schöpfungsmuter?
„Wie kann ich dir helfen?“, flüsterte er. „Wie kann ich dich vervollständigen? Hilf mir, damit ich dir helfen kann!“
„Thron… Klettere auf den Thron“, erklang die Stimme wieder, diesmal gebieterischer. „Sprich mir nach…“
Ohne weiter darüber nachzudenken kletterte Garrow den Stein hinauf und tat, was das Muster von ihm verlangte.
Kurz darauf war er verschwunden.

***

Thalaën atmete schwer, als der letzte Soldat der Klaue zu Boden ging.
„Die Masse macht es aus“, stellte er fest.
„Und dieser Kriegsgeschmiedete“, fügte Esra hinzu. „Ich frage mich immer noch, was diese beiden Parteien dazu bringt, zusammen zu arbeiten.“
„Egal. Wir müssen uns jetzt um etwas wichtigeres kümmern“, unterbrach Astamalia. „Garrow ist verschwunden. Und er hatte mit Sicherheit die Schemata bei sich. Wenn er herausfindet, wie der Thron funktioniert, dann ist alles verloren!“
Sie hatte diese Worte kaum gesprochen, als ein irres Lachen durch den Raum gellte.
Überrascht und mit erhobenen Waffe sprangen sie alle herum.
Garrow stand auf dem Thron, das Gesicht vor Wahnsinn verzerrt.
„Ihr seid verloren! Ihr seid tot! Wir sind alle tot!“, gellte er und dabei veränderten sich seine Gesichtszüge ununterbrochen. So, als wären sie aus Wachs.
„Er ist ein Wechselbalg“, knurrte Thalaën. „Und kein verfluchter Vampir.“
„Und er ist offenbar wahnsinnig!“, rief Adamant.
„Aber immer noch in der Lage seine Göttin anzurufen“, flüsterte Astamalia, die ihre Armbrust spannte. Der Tag war lang gewesen. Sie hatte keine wirkungsvollen Zauber mehr.
„Vol! Meine geliebte, gnadenlose Vol! Gib mir Kraft, diese Ungläubigen zu vernichten!“, schrie er und beschwor seine göttlichen Kräfte.
„Langsam nervt mich diese Vol“, rief Thalaën und stürmte auf den Thron zu.
„Das beste, was ihr tun könnt, ist mich zu töten!“, lachte Garrow, als ihn die ersten Geschosse trafen. „Erlöst mich vom Wahnsinn des Lebens!“
Eine Welle magischer Energie durchflutete den Raum und traf Adamant, während Thalaën weiter rannte. Esra feuerte einen Pfeil nach dem anderen aus ihrem immer mehr schwindenden Reservoir und auch Astamalia versuchte das ihre, um Garrow zu treffen. Aber der Kleriker war nicht unvorbereitet in diese Konfrontation gegangen. Mehrere schützende Zauber lagen auf ihm und wehrten Pfeile und Bolzen ab. Auch Adamants göttliche Kräfte hatten ihre Mühe gegen jene des Wechselbalgs.
Thalaën erreichte den Fuß des Throns und versuchte mit dem einen Ende seines Doppelsäbels die Beine von Garrow zu erreichen. Mehr als eine Fleischwunde konnte er dem Kleriker aber nicht zufügen.
„Ihr Dilettanten werdet mich nicht aufhalten!“, lachte Garrow irre, während sich sein Gesicht immer noch rasend schnell von einer Mimik in die andere verwandelte. Er zog einen schweren Streitflegel und hieb damit auf den unter ihm stehenden Elfen.
Thalaën war bereits vom Kampf gegen die Soldaten und den mysteriösen Kriegsgeschmiedeten geschwächt und dieser von oben herab geführte Schlag ließ ihn taumeln. Wieder brach Garrow in ein irres Gelächter aus, welches aber gurgelnd abbrach, als Esra ihn an der Kehle erwischte.
Erstaunt sah er zu der Wandlerin herüber. Er fixierte sie immer noch, als ein zweiter Pfeil seine Rüstung durchschlug und ihn Astamalias Bolzen in die Beine traf.
Ein Hieb von Thalaën riss ihm den Boden unter den Füßen weg und er landete hart zu Füßen des Throns.
Das wütende Gesicht des Elfen, der zu einem erneuten Schlag ausholte, war das letzte, dass der Kleriker sah.

Astamalia trat etwas unsanft gegen den Körper des Toten. Sie wollte sicher sein, dass dieser Garrow nie mehr wieder ihren Weg kreuzte. Aber anscheinend hatten sie ihn wirklich besiegt.
Vorsichtig kniete sie neben ihm nieder, nahm ihm die Waffe ab und klopfte dann seinen weiten Umhang ab.
„Ich fürchte, er hat die Schemata nicht bei sich“, schüttelte sie den Kopf.
„Aber wo können sie dann sein?“, wunderte sich Adamant, während er immer noch mit Verachtung auf die Leiche hinabblickte. „Wir sind doch immer davon ausgegangen, dass Garrow die Schemata persönlich bei sich tragen würde.“
„Die alte Frau – also Garrow – meinte vorhin doch, dass der Thron eine Art Portal sei, wenn man den Schlüssel kenne“, überlegte Esra. „Was ist, wenn Garrow während des Kampfes die Lösung des Problems erkannt hätte. Das würde auch erklären, warum er plötzlich auf dem Thron wieder erschien.“
Astamalia nickte bedacht.
„Ja, das wäre eine Möglichkeit“, erwiderte sie gedehnt. „Aber das nützt uns insofern nichts, als dass wir den Code, mit dem wir das Portal öffnen können, nicht kennen.“
Thalaën zuckte mit den Schultern.
„Aber das ist doch kein großes Problem. Wo auch immer die Schemata jetzt sind, sie werden nicht vor uns weglaufen. Und es gibt immer noch weite Bereiche der Ruine, die wir nicht kennen. Vielleicht findet sich dort irgendwo der letzte Hinweis.“
„Wir sollten ihn verbrennen“, warf Adamant plötzlich ein.
„Was?“
„Wir sollten Garrows Leiche verbrennen“, wiederholte der Kriegsgeschmiedete. „Er hatte recht, als er meinte, wir sollten ihn vom Wahnsinn des Lebens erlösen. Für einen Angehörigen des Blutes der Vol, gibt es keine größere Ehre, als wenn man nach seinem Tod als Untoter wieder auferweckt wird. Das sollten wir auf jeden Fall verhindern. Und das ginge am besten, wenn wir ihn verbrennen…“
„Aber denkst du wirklich, dass ihn hier, mitten im Dschungel jemand finden und in einen Untoten verwandeln wird?“, zweifelte Esra.
Adamant zuckte wieder mit den Schultern.
„Die Möglichkeit ist zugegeben ziemlich gering, aber sie ist gegeben. Und dem möchte ich gerne vorbeugen.“
Thalaën hatte währenddessen bereits eine Fackel angezündet und als nun niemand mehr einen Einwand brachte hielt er sie gegen den Leichnam des Priesters, der kurz darauf in Flammen aufging.

***

Am nächsten Tag, nachdem sie ihre schlimmsten Wunden versorgt und sich mit neuen Zaubern eingedeckt hatten, durchsuchten sie die letzten Räume im zweiten Stockwerk, die sie zuvor so sträflich vernachlässigt hatten. Thalaen hatte, wie üblich, die Führung der Gruppe übernommen. Doch seit sie am Vortag Garrow nach Dollurh befördert hatten, waren sie auf keine gefährlichen Bestien oder Anhänger des Ordens mehr gestoßen.
Die Tatsache, dass die meisten Räume, die sie bis jetzt durchsucht hatten, alle leer gewesen waren, trug auch nicht gerade dazu bei, seine Aufmerksamkeit auf einem Hohen Level zu halten.
„Ich hasse es, wenn nichts passiert“, ärgerte er sich, als er sich zum wiederholten Male an diesem Tag durch eine fast geschlossene Riesentür quetschte.
Interessiert hob er seine Fackel und sah sich um. Dieser Raum war genauso leer wie der vorhergehende und wies ebenfalls eine weiterführende Tür auf.
„Hier geht es weiter“, rief er zu den anderen zurück, die sich dann ebenfalls in den Raum zwängten. Vor allem für Adamant war das eine Tortur.
Nachdem endlich alle eingetroffen waren, deutete Thalaën auf die verschlossene Tür.
„Die werden wir gemeinsam aufstemmen müssen.“
Ohne eine Antwort abzuwarten ging er auf die Tür zu.
Und plötzlich verlor er den Boden unter den Füßen.
Eine riesige Falltür, passend für ein Gebäude, das von Riesen gebaut worden war, öffnete sich unter ihm. Irgendwie gelang es ihm, sein Gewicht nach hinten zu werfen. Seine Waffe landete klirrend irgendwo in der Dunkelheit, die Fackel stürzte in das Tiefe Loch während er sich mit den Fingern einer Hand an der Kante festkrallte.
„Helft mir!“, kreischte er und warf einen flüchtigen Blick nach unten. Die Fackel war bereits nicht mehr zu sehen.
Einen solchen Sturz würde er nicht überleben.
Eine kalte metallische Hand packte ihn und zog ihn wieder nach oben.
„Das war knapp“, keuchte er und lehnte sich gegen die Adamants breite Brust.
„Das geht hier wirklich weit nach unten.“
Inzwischen waren auch die anderen beiden näher gekommen und inspizierten die Falle, die er ausgelöst hatte.
„Wir vor allem auch schwierig werden, jetzt zur Tür zu kommen“, kommentierte Astamalia.
Esra nickte.
„Schwierig ja. Aber nicht unmöglich. Es gibt immer noch einen schmalen Sims zwischen Tür und Abgrund. Zu schmal für einen Riesen, aber breit genug für einen von uns.“
„Mag sein, aber wir können von diesem Sims aus nicht die Tür aufdrücken“, warf Thalaën ein.
„Aber es muss doch auch hier einen Mechanismus geben, mit dem man die Falle deaktivieren kann. Wie sonst wären die Riesen in diesen Raum dort gekommen?“, warft Astamalia ein und begann die Wände abzusuchen.
„Vielleicht sind sie auch gar nie in diesen Raum gegangen, nachdem er erbaut worden ist“, warf Adamant als Theorie ein, wurde jedoch von niemandem beachtet.
Wenig später hatten sie des Rätsels Lösung gefunden.
Esra fand einen versteckten Hebel in einer der Wände, mit dem man die Fallgrube wieder verschließen und anschließend fixieren konnte.

***

Der Raum unterschied sich nicht sehr von den anderen, die sie am heutigen Tag gesehen hatten. Jedoch war er staubfrei. Und das war nach all den Jahrtausenden doch sehr erstaunlich. Zudem stand in der Mitte des Raumes ein niedriges Podest. Gerade groß genug, dass einer von ihnen einen Blick auf den Gegenstand darauf werfen konnte.
„Was ist das?“, wunderte sich Esra und betrachtete den Gegenstand genauer. Es sah aus, wie eine Scheibe Glas, die von einem Ring eingefasst wurde.
„Nicht sonderlich spektakulär“, schüttelte Thalaën den Kopf. „Deswegen soviel Aufhebens mit einer eigenen Falle zu machen…“
Astamalia schüttelte leicht den Kopf.
Es war eine der ersten Lektionen gewesen, die sie Punkto Magie gelernt hatte: Sie konnte in allen Formen auftreten.
Unbemerkt von den anderen wirkte sie einen schwachen Zauber, der ihr zeigte, dass der Gegenstand Magie ausstrahlte.
„Wir sollten ihn auf jeden Fall mitnehmen“, merkte sie an. „Vielleicht ist es wichtig. Oder zumindest wertvoll. Aber wir sollten…“
Sie wollte noch anmerken, dass es besser wäre vorsichtig zu sein. Der Elf war da aber anscheinend anderer Ansicht. Ohne zu zögern griff er nach dem Gegenstand.
Augenblicklich schoss eine Flammensäule aus der Decke und erfasste sowohl ihn als auch das Podest mitsamt dem Gegenstand darauf.
Schreiend und brennend sprang er von dem Podest weg. Aber zumindest besaß er noch genug Verstand dabei zumindest den magischen Gegenstand nicht loszulassen.
„Irgendwann wird deine Unvorsichtigkeit noch einmal dein Tod sein“, rügte Astamalia den Elfen und riss ihm den Gegenstand aus der Hand. Wimmernd ließ sich Thalaën inzwischen von Adamant erst versorgen. Doch die Verbrennungen sahen schlimmer aus, als sie waren.
Astamalia hatte keine Ahnung, was sie mit dem Gegenstand anfangen sollte. Sie blickte durch das Glas. Doch alles sah genauso aus, wie immer.
Für welche Art von Magie war dieser Gegenstand also gedacht?
Für gewöhnlich war es damit möglich die Wahrheit zu erkennen oder versteckte und getarnte Dinge zu entdecken.
„Ich denke, ich habe unseren Schlüssel für das Portal auf dem Thron“, grinste sie die anderen an.

***

„Ich habe immer noch Zweifel“, bemerkte Adamant.
„Aber warum?“, wunderte sich Astamalia. „Der Stein hat uns die Glyphen auf den Ziggurats entziffert und uns sechs Namen genannt. Bei zwei davon bin ich mir ziemlich sicher, dass sie alte riesische Sternbilder benennen. Das würde gut passen. Immerhin sieht das hier aus wie ein Sternobservatorium.“
„Aber es war zu einfach“, merkte Adamant abermals an.
„Ich finde nicht, dass es einfach war“, schmollte Astamalia. „Zumal nicht einmal Riesen ohne diesen Codeschlüssel die sechs Wörter erraten würden. Probieren wir es einfach aus, oder?“
Die beiden anderen nickten, während Adamant immer noch zweifelte. Alle jedoch hielten sie ihre Waffen in Händen, während Astamalia zu sprechen begann:
„Affenpfote, Einhornhuf, Ios Glitzern, Skorpionschwanz, Flussmündung, Gyroxauge.“
Für jeden Namen leuchtete auf dem Himmel ein Stern hell funkelnd auf. Beim sechsten verschwand plötzlich der Thron rund um sie und sie fanden sich in einer riesigen Halle wieder.
Fünf titanische Steinstufen führten von ihrer Ankunftsplattform zu einer Art Labor hinab. Überall waren titansiche, an Türme erinnernde Steinsäulen verteilt von denen ein unheimliches Leuchten ausging.
„Ich kenne diesen Raum“, keuchte Esra.
„Wir alle kennen ihn, denke ich“, nickte Thalaën und steckte seinen Säbel weg.
Es war derselbe Raum, von dem sie in einem der Räume ein Mosaik gesehen hatten. Ein Kriegsgeschmiedeter, der hier nicht zu sehen war.
„Seht nur“, flüsterte Esra und kniete sich hin. „Spuren eines Humanoiden im Staub.“
„Garrow.“
„Anzunehmen. Und das hier?“, deutete sie auf Spuren, groß wie die eines Riesen, welche aus dem Zwielicht die Treppen heraufführten und auf der Plattform, auf der sie standen, verschwanden.
„Sieht so aus, als wäre der Kriegsgeschmiedete hier gewesen.“
„Dann war auch das Schöpfungsmuster hier“, überlegte Astamalia. „Langsam ahne ich, was daran so mächtig ist. Es ist Teil einer riesischen Schöpfungsschmiede.“
„Dame Elaydren wird nicht sehr erfreut sein zu hören, dass wir es verloren haben“, vermutete Adamant.

***

Xulo war wieder eins und Xulo war frei. Aber es schien sehr viel Zeit vergangen zu sein, seit es das letzte Mal eins gewesen war. Seine Herren waren im Fluss der Zeit untergegangen, wahrscheinlich besiegt von den Invasoren. Doch auch die schien es nicht mehr zu geben. Seine ganze Heimat war wieder von Dschungel überwuchert und unbewohnt zu sein.
Nur die Sklaven hatten überlebt.
Sie hatten überlebt und sich entwickelt. Sie sahen etwas anders aus, als ihre Ahnen.
Aber sie waren immer noch Sklaven.
Sklaven, welche Magie einsetzten und anscheinend einen ganzen Kontinent ihr eigen nannten. Einen Kontinent, den Xulo zu beherrschen gedachte.

ENDE

des 1. Teils...
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Boïndil

  • Mitglied
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #37 am: 12. Juni 2008, 14:48:36 »
Wann geht es den mit dem zweiten weiter?  :)
"Hört auf zu reden! Lasst uns Köpfe spalten und Knie zertrümmern!"

Hunter

  • Mitglied
    • Savage Tide
Schatten der Vergangenheit
« Antwort #38 am: 13. Juni 2008, 15:03:28 »
Zur Zeit komme ich durch Diplomarbeit und vor allem durch Prüfungen und internationales Projekt gar nicht zum spielen und schon gar nicht zum schreiben.

Es sieht zudem so aus dass diese Runde nicht weiter fortgeführt wird. Darum habe ich - im Kopf - schon mal beschlossen das ganze einfach so weiter zu schreiben. Der Beginn eines Exposees steht bereits, verdient aber noch eine Fertigstellung und eine weitere Auformulierung.

Aber es geht hier definitiv einmal weiter!
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

AfterBusiness

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Schatten der Vergangenheit
« Antwort #39 am: 05. Februar 2014, 12:48:25 »
Wann gehts denn definitiv weiter?  :D
Lache viel, so lebst Du länger! :-)