Autor Thema: Schatten der Drachen  (Gelesen 1067 mal)

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Hunter

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Schatten der Drachen
« am: 08. August 2008, 11:43:53 »
Dies ist nach der Geschichte "Schatten der Vergangenheit", die man hier http://forum.dnd-gate.de/index.php/topic,17071.0.html nachlesen und hier http://www.unet.univie.ac.at/~a0203181/vergangenheit.PDF als PDF heruntergeladen werden. Da sich die Gruppe mittlerweile aus Studien- und Arbeitsgründen aufgelöst hat, schreibe ich die Geschichte so weiter, wie ich hoffe, dass sie in etwa geschehen wäre. Aus zeitlichen Gründen wird diese Geschichte jedoch wahrscheinlich nicht so rasch voran schreiten wie die letzte.

The story so far:
Viel ist geschehen, seit vier unterschiedliche Personen eine Einladung von einem alten Freund erhalten haben, der sie alle gefolgt sind.
Nur kurz nach ihrer Ankunft fanden sie ihren Freund tot auf, lernten dessen enge Freundin kennen und begaben sich in die Tiefen von Sharn um dort nach einem verschollenen Relikt zu suchen. Dabei erfuhren sie, dass sie nicht die einzigen waren, die danach suchten. Auch die Schergen des Klingenfürsten waren dahinter her.
Kaum hatten sie das Artefakt abgeliefert, als sie auch schon auf ihre nächste Reise geschickte wurden. Diese führte sie mit dem Schiff von Sharn aus nach Darguun. Während der Reise lernten sie den mysteriösen Bodinar Turenhart, einen Schneider, kennen. Von Darguun aus drangen sie in das Klageland vor um dort eine Schmiede von Haus Cannith zu finden, in der sich ein weiteres Teil des Artefakts befinden sollte. Aber auch hier wurden sie verfolgt. Auch der Orden der Smaragdklaue schien beschlossen zu haben, dass das Artefakt eine Jagd auf die Charaktere wert war.
In der Schmiede fanden sie nicht nur ein weiteres Teil des Artefakts, sondern auch eine vom Haus Cannith angefertigte Kopie, sowie ein Rad, mit dem sich letztendlich alle Teile würden zusammenfügen lassen. Leider mussten sie die Kopie an die Smaragdklaue abgeben um sich so ihr Leben zu erkaufen. Aber so erfuhren sie zumindest, dass der Orden ebenfalls im Besitz eines Teiles war, zuzüglich der übergebenen Kopie.
Das nächste Abenteuer brachte ihnen die Freundschaft ihrer Auftraggeberin mit dem Hauptmann der Königszitadelle ein. Sie sollten ein gestohlenes Schwert und einen flüchtigen Agenten, wenn möglich lebend, zurück nach Sharn schaffen. So begann eine wilde Hetzjagd, die sie über Trolanhafen – wo sie auf einen angesehenen Ball gingen -, nach Strengtor – hierher kamen sie durch die Sabotage ihres Luftschiffes durch die Smaragdklaue – nach Thrane führte. Letztendlich stellten sie den flüchtigen Agenten, der inzwischen ein Vampir war, in einem verlassenen Tempel in der Wildnis von Thrane. Trotz einiger Widrigkeiten mit dem Gesetz des Gottesstaates brachten sie das Schwert und den toten Körper zurück in die Stadt.
Das vorerst letzte Abenteuer führte die Gruppe nach Xen’drik, wo Haus Cannith das letzte Schema vermutete. Mit einem modernen Unterseeboot gelangten sie nach Sturmkap und drangen von hier aus weiter in den Dschungel vor. Das Ziel ihrer Reise war ein altes Observatorium der Riesen. Hier wurden sie bereits von riesigen Skorpionen, dunkelhäutigen Elfen und auch den Schergen der Smaragdklaue erwartet. Doch all diese Herausforderungen besiegten sie. Nur um am Ende festzustellen, dass es ihren Gegnern gelungen war das Artefakt zu vervollständigen und sie dadurch einen riesischen Kriegsgeschmiedeten zum Leben erweckt hatten. Und dieser ist nun spurlos verschwunden.

Die Abenteurer:
Magistra Astamalia d’Lyrandar
Die hochnäsige halbelfische Magierin aus dem Haus des Sturms hat sich mittlerweile an das Leben als Abenteurer gewöhnt. Zudem hat sie sich auch einen ihrer größten Träume erfüllt und doch noch den Abschluss an einer magischen Universität in Khorvaire erlangt. Nun strebt sie nach höherem und mächtigeren magischen Wissen, welches in der Welt dort draußen verloren gegangen ist.

Exorzist Adamant
Der Kriegsgeschmiedete, der sich dem Glauben der Silbernen Flamme verschrieben hat, ist immer noch auf der Suche nach seiner Vergangenheit und seinem verschollenen Freund Thalas Feuerkamm. Die einzigen Hinweise zum Verbleib seines Freundes sind das Geschenk des Gnomen Turenharts – ein feurroter Kamm – und mehrere Kriegsgeschmiedete, die wie er, eine Zahl in ihrer Rüstung eingraviert haben. Wenn er sich nicht nach seiner Vergangenheit erkundigt, bemüht er sich den Rest der Welt, oder zumindest die Ansichten seiner Freunde, zu verbessern.

Esra Emorien
Die Wandlerin sucht, wie auch Adamant, einen Teil ihrer Vergangenheit. Ihr Bruder verschwand von zu Hause, um Magier zu werden. Alle Spuren deuten bis jetzt daraufhin, dass er sich im Klageland befindet. Auch ein jüngst an ihre Eltern adressierter Brief hat ihre Hoffnungen wieder größer werden lassen. Aber auch die Suche nur auf das Klageland einzugrenzen bedeutet, die Nadel im Heuhaufen suchen zu müssen.

Thalaën Tedaé
Der valenarsche Elf, von dem immer noch niemand weiß, wie genau er zu dem verstorbenen Freund Bonal Geldem stand, ist immer auf der Suche nach der nächsten großen Herausforderung, um sich seinen Platz unter den Ahnen der Vorfahren zu sichern. Außerdem sucht er nach einer Möglichkeit nicht mehr jede Nacht schlafen zu müssen, wie er es seit einer ereignisreichen Nacht mit der riedranerin Olashtai muss.

Jeder der vier Abenteurer erhielt zudem von der Hüterin der Flamme einen kryptischen Text über die Zukunft:
Astamalia: Liebe und Lüge gehen Hand in Hand.
Adamant: Die wichtigsten Dinge im Leben sind eine Illusion.
Esra: Nicht alles was man findet, lohnt sich gefunden zu werden.
Thalaen: Träume sind schlimmer als der Tod.
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

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Re: Schatten der Drachen
« Antwort #1 am: 08. August 2008, 11:47:10 »
Geschehnisse in Bewegung

Die ganze Welt schien zu brennen. Kapitän Chinxero hörte die Männer seiner Besatzung schreien. Einige versuchten sich in den Fluten des Rachi zu retten nur um dort augenblicklich ein Opfer der Pfeile zu werden, die wie ein Schwarm bösartiger Hornissen vom Himmel herabstürzten. Das Luftschiff stand fast direkt über ihnen. Und der Tod den es säte, schien kein Ende nehmen zu wollen.
Der Gefangene wimmerte und schrie. Aber die Angreifer kannten auch hier kein erbarmen. Feuer fraß sich durch seine Kleidung und seine Haut, ließ das Fett in seinem Gewebe kochen. Chinxero verkroch sich weiter in seiner Kajüte unter seinem Bett. Er wusste, sollte er diesen Tag überleben, dass er diese Schreie nie würde vergessen können.
Abrupt brach der Feuerhagel ab. Sogar die Schreie der Verwundeten und sterbenden verstummten kurz. Erleichtert hob der Kapitän seinen Kopf.
Da erbebte das gesamte Boot unter einem gewaltigen Aufprall. Wieder begann der Gefangene zu schreien. Mit einem hässlichen Krachen von Knochen hörte er wieder auf.
Schlurfende Schritte über Deck waren zu hören, dann das Quietschen einer Seilwinde. Kurz darauf kehrte Ruhe ein.
Zitternd erhob sich Chinxero und wagte einen Blick aus dem Fenster. Das Glas war zersprungen und überall schwelte und brannte noch das Holz. Aber er lebte! Er hatte diesen Wahnsinn tatsächlich überlebt.
Chinxero gönnte sich ein befreiendes lautes Lachen.
Der Feuerball, der das Boot erfasste zerbarst mit seiner Wucht ganze Balken, brachte das Wasser des Rachi zum verdampfen und ließ aus dem Holz des Schiffe eine Stichflamme emporschießen.

***

Der Dschungel mit seinen fröhlich zwitschernden Vögeln, den kreischenden Affen und den grellen Farben schien sie zu verhöhnen. Die Stimmung unter den vier Freunden war sehr konträr zu der sie umgebenden Landschaft.
„Was machen wir nun?“, fragte Adamant betrübt.
„Wir sehen zu, dass wir diese von allen Göttern verlassene Ruine hinter uns lassen und wieder in die Zivilisation kommen“, schlug Thalaën vor.
Der Elf deutete mit der Spitze seines Krummschwertes auf das kleine Luftboot, das sanft an den Ufern des Rachi schaukelte. Eine Strickleiter reichte bis zum Boden.
„Astamalia, kannst du so etwas fliegen?“
Die Halb-Elfe blicke den Kämpfer abschätzend an.
„Natürlich kann ich das. Immerhin trage ich das Mal des Sturms. Im Übrigen teile ich deine Auffassung. Wir sollten sehen, dass wir hier wegkommen. Mit etwas Glück können wir sogar noch die Marlow überholen, bevor sie in Sturmkap ankommt.“
Die Magierin setzte sich in Bewegung, blieb dann aber noch einmal stehen und drehte sich zu Esra um.
Die Wandlerin blickte sehr unglücklich zu dem kleinen Boot empor.
„Ich nehme nicht an, dass es eine andere Möglichkeit gibt, von hier wegzukommen, als mit dem Luftboot?“
Astamalia schüttelte den Kopf.
„Nein Esra. Aber So schlimm wird es nicht werden. Ich verspreche es. Ich werde das Boot knapp über dem Boden halten. Es wird auch nur ganz wenig schaukeln.“
Astamalia lächelte der Wandlerin aufmunternd zu und zog sie sanft am Arm mit sich. Erstaunlich, wie gut sie sich mittlerweile meistens verstanden, wenn man daran dachte, wie sehr sie sich Gegenseitig zu Beginn dieser Wahnwitzigen Abenteuer verabscheut hatten.
Nacheinander erkletterten sie das Boot und machten es sich darin so gemütlich wie nur irgend möglich. Da es für zwei Piloten und sechs Passagiere ausgelegt war, stand ihnen einigermaßen viel Platz zur Verfügung, aber diese Beiboote waren nicht für lang Fahrten konzipiert worden. Es würde daher wahrscheinlich ein sehr eintöniger Flug werden.
Zumindest hofften das alle vier an Bord.
Behutsam steuerte Astamalia das Boot vom Ufer weg und beschleunigte dann langsam, indem sie dem Flusslauf des Rachi folgte, der sie untrügerisch zur Küste und nach Sturmkap bringen würde.

***

Wie nicht anders zu erwarten, wurde die Reise schnell recht langweilig. Adamant genoss das Gefühl seiner weisen Voraussicht, genug Bücher auf dieses Abenteuer mitgenommen zu haben. Abgesehen von Astamalia – welche mit der Steuerung des Bootes genug zu tun hatte – schien er der einzige zu sein, der etwas mit sich anzufangen wusste. Esra hatte zu Anfang noch sehr interessiert den Wald unter dem Boot beobachtet, doch mittlerweile starrte sie nur mehr mit leeren Augen in das grüne Einerlei. Sie waren einfach zu weit entfernt, um etwas genaueres ausmachen zu können. Und Adamant störte es auch nicht wirklich, dass sie nicht alles sahen, was sich unter diesen Jahrhunderte alten Bäumen versteckte und sie mit aufmerksamen Augen begutachtete. Er hatte die Trommeln aus dem Dschungel, die sie bei ihrer Anreise gehört hatten, nicht vergessen. Thalaën hatte den ganzen letzten Tag jede einzelne Waffe der Gruppe instand gesetzt, gereinigt und geschliffen. Nun gab es für den Elfen nichts mehr zu tun und er saß gelangweilt auf der hintersten Bank. Er hielt den violetten Stein, den er von Olashtai erhalten hatte, in der Hand. Adamant kannte sich mit den Kräften der Träume nicht aus. Aber er war mit Astamalia einer Meinung: Er sollte den Stein einfach wegwerfen und darauf hoffen, dass er dann nicht mehr schlafen und träumen musste.
Aber irgendetwas schien den Elfen davon abzuhalten, das zu tun. Zumindest wehrte er sich heftig gegen diese Idee.
„Bin ich eigentlich die einzige, die voraus eine Rauchfahne sieht?“, fragte Astamalia die anderen und riss sie damit aus ihrer Lethargie.
Esra war sofort hellwach und sprang an den Bug. Mit ihren scharfen Augen spähte sie den Rachi entlang.
„Stimmt. Dort scheint etwas zu brennen. Etwas, das auf dem Fluss ist. Merkwürdig.“
„Durchaus“, stimmte Thalaën zu und zog seinen Bogen hervor. Sicher war sicher.
Astamalia verlangsamte das Tempo des Luftschiffes und brachte es näher an die Wasseroberfläche.
Der Rachi machte hier einen weiten Bogen, den sie normalerweise überflogen hätten, aber die Magiern war der Ansicht, dass es schlauer war, sich vorsichtig anzunähern.
Das Boot schob sich um die nächste Kurve und dann sahen sie es.
Es war unzweifelhaft einmal ein Boot gewesen. Aber nun war davon nicht mehr viel übrig. Die rußgeschwärzten Balken sahen aus, als würden sie bei der ersten größeren Welle auseinander fallen.
„Bei der Flamme. Mögen ihre Seelen den Weg nach Dollurh finden“, flüsterte Adamant und hob sein heiliges Zeichen zum Gruße.
„Denkt ihr dasselbe, wie ich?“, flüsterte Astamalia.
„Wenn du denkst, dass das einmal die Marlow war: Ja“, nickte Esra. „Aber was kann ein Schiff derartig zerstören?“
„Gute Frage. Sieht nach Magie aus. Fragen wir doch unsere Magierin“, schlug Thalaën trocken vor und sah Astamalia erwartungsvoll an.
Doch die Halb-Elfe zuckte nur mit den Schultern.
„Ich kenne niemanden, der zu derartig mächtiger Magie in der Lage wäre. Geht man davon aus, dass es nur ein oder zwei Magier waren. Ich denke nicht, dass hier ein Dutzend Magier vorbeigekommen ist, die nichts anderes zu tun hatten, als die Marlow als Zielscheibe zu benutzen.“

***

Lowarell kam nicht umhin zuzugeben, dass er langsam nervös wurde. Unruhig wippte er von den Zehen auf die Fersen und wieder zurück. Das Meer der Stürme lag unruhig, aber vor allem vollkommen leer unter ihm. Kein Boot und vor allem aber kein Luftschiff waren am Horizont zu erkennen. Es konnte doch nicht sein, dass die Expedition so lange dauerte. Irgendetwas musste geschehen sein. Nur was? Mittlerweile sendete er jeden Tag Nachrichten nach Sturmkap und nach Sharn. Aber das Luftschiff schien vom Raffer persönlich verschluckt worden zu sein. In keiner der beiden Städte wusste irgendjemand über den Verbleib des Schiffes bescheid. Das einzig beruhigende war, dass man auch von den vier Abenteurern noch immer nichts gehört hatte. Das bedeutete, dass Haus Cannith ebenfalls noch nicht im Besetz der Artefakte sein konnte.
„Mein Herr“, riss ihn eine Stimme aus den Gedanken. „Das Schiff ist bereit.“
Er nickte leicht, ohne sich nach seinem Diener umzudrehen.
„Gut. Gut. Es soll auslaufen und ohne Umwege Kurs nach Sturmkap nehmen. Außerdem möchte ich, dass mein Pferd gesattelt wird. Ich werde ebenfalls aufbrechen.“
„Sehr wohl mein Herr. Darf ich Eure Lordschaft fragen, wohin die Reise gehen wird?“
„Nach Sharn. Diese Abenteurer werden nach getaner Arbeit auf jeden Fall wieder dorthin zurückkehren.“
Lowarell griff nach seiner smaragdgrünen Robe und ging langsam die Stufen des alten Wachturmes hinab.
Stopper der Grausamen Flut, Töter des Erben des Feuers, Vernichter der Kadaverkrone und Erlöser des Fluchs des Purpurthrons.

Hunter

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Re: Schatten der Drachen
« Antwort #2 am: 17. August 2008, 21:08:34 »
Esra wusste noch nicht ganz, ob sie froh sein sollte, wieder in die Zivilisation zu kommen. Auf der einen Seite mochte sie keine großen Städte – auch nicht, wenn sie so zersiedelt waren wie Sturmkap – auf der anderen Seite hatte sie genug von diesem mysteriösen tödlichen Dschungel mit seinen unbekannten Gefahren. Dunkle Elfen, Trommeln, unheimliche Magier, vergessene Ruinen mit schrecklichen Geheimnissen.
Nein, das war nichts für sie.
Auch nicht nach all den anderen Abenteuern, die sie bis jetzt erlebt hatten. Da hatte sie zumindest immer gewusst, dass es bis zur nächsten Siedlung und damit bis zur nächsten Hilfe, nie mehr als ein paar Tagesreisen waren.
Wahrscheinlich war sie ausnahmsweise einmal wirklich in einer Stadt besser dran als in der Natur. Zumal sie sicherlich nicht lange hier bleiben würden.

Sanft setzte Astamalia das kleine Flugboot auf dem Platz vor dem Andockturm ihres Hauses auf. Ein verwirrter Bediensteter kam auf sie zu und sah sie unsicher an.
„Meine Dame? Darf ich fragen, wo Ihr gerade her kommt?“
„Aus dem Dschungel natürlich!“, fuhr ihn Astamalia an. Sie hatte nach dem langen anstrengenden Flug und der nagenden Frage, was mit der Marlow geschehen war, keinen Nerv für neugierige Beamte. „Teile deiner Herrin mit, dass sie in Zukunft besser auf das Material des Hauses aufpassen soll, da ich ansonsten eine Meldung nach Sturmkap machen werde. Es kann nicht sein, dass zufällige Wanderer mitten im Dschungel ein Beiboot finden!“, warnte sie ihn weiter. Dabei wurde ihre Stimmung schon wieder etwas besser, als das Gesicht des Mannes vollkommene Unwissenheit zeigte. Der Mann hatte eindeutig keine Ahnung, wovon sie sprach.
Dennoch ließ sie ihn einfach stehen und kehrte zu ihren drei Freunden zurück, die bereits etwas abseits standen.
„Nun, wie soll es weitergehen?“, erkundigte sie sich.
„Ich hätte gegen ein Bad und Bett in dem man sich ausstrecken kann nichts einzuwenden. Wir sollten eine Nacht in einem ordentlichen Gasthaus genießen und es uns gut gehen lassen, bevor wir mit der Meerespfeil abtauchen.“
Esra verdrehte die Augen. Daran hatte sie schon gar nicht mehr gedacht.
„Wir sind doch nicht mehr in Eile. Wäre es nicht möglich…“
„Nein Esra“, unterbrach sie Astamalia. „Du hast dich deinen Ängsten schon so gut gestellt. Gib jetzt nicht wieder auf. Zudem ist ja auch beim letzten Mal alles gut gegangen.“
„Aber nur fast“, murrte die Wandlerin, sagte jedoch nichts mehr.
„Also wieder in die Schiffskatze?“, mischte sich nun auch Adamant ein. „Oder sollen wir woanders einkehren, nun da wir keine Tiere mehr bei uns haben…“
Adamant wurde gegen Ende immer leiser, als sein Blick auf Esra fiel, in deren Augen sich Tränen sammelten.
„Es tut mir leid…“, stammelte er. „Es war nicht so gemeint… Ich meinte doch nur…“
Thalaën schüttelte abfällig den Kopf, nahm Esra an der Hand und ging mit ihr voran. Astamalia seufzte unhörbar und folgte dann den beiden. Geknickt trottete Adamant hinter den drei anderen her.

***

Thalaën kam sich in der Rolle des Trösters etwas Falsch am Platz vor. Daher war er auch sehr froh, als er endlich das verblasste Türschild der Schiffskatze vor sich sah.
„Wir sind da!“, rief er den anderen zu und beschleunigte seine Schritte. Ein warmes Bett und ein Teller warmer Suppe. Oder auch zwei. Oder mehr…
Ungeduldig öffnete er die Tür und trat in den schummrigen Schankraum. Nur wenige Gäste waren anwesend und warfen dem eintretenden Elfen nur einen flüchtigen Blick zu. Alle, bis auf einen Gast.
Am Tisch der fast genau in der Mitte des Lokales stand, saß eine Frau, deren Kleidung und aussehen so gar nicht in dieses Etablissement passen wollten und sie lächelte Thalaën mit ihren strahlend violetten Augen an.
„Oh nein“, flüsterte Thalaën, ging aber dennoch langsam auf sie zu.
„Willst du dich nicht setzen?“, fragte Olashtai freundlich. Ebenmäßige weiße Zähne lächelten ihm entgegen.
„Ich bin mir da nicht so sicher. Als wir das letzte Mal miteinander Kontakt hatten, hatte das keine so guten Auswirkungen.“
„Was wollt Ihr denn hier?“, mischte sich Astamalia unwirsch ein. Sie war gemeinsam mit den beiden anderen ebenfalls an den Tisch gekommen.
„Das versuche ich Eurem Freund gerade zu erklären, aber zuerst hätte ich gerne, dass ihr euch setzt.“
Diesmal hatte Olashtais Stimme jeden freundlichen Beigeschmack verloren.
Kurz hielt Thalaën ihrem stechenden Blick stand, dann zuckte er jedoch mit den Schultern und setzte sich. Er wollte immerhin auch ein Wörtchen mit seiner Bekanntschaft sprechen.
Schließlich nahmen auch seine Freunde platz, was Olashtai wieder ein kurzes Lächeln entlockte, bevor sie wieder ernst wurde.
„Ich möchte gleich zur Sache kommen und ich denke ihr wisst auch bereits, worum es geht. Ich suche ein Artefakt. Es besteht aus einer großen Scheibe und vier Teilen, die man in dieser Scheibe verankern kann.“
„Wir kommst du darauf, dass wir so etwas besitzen könnten?“, versuchte Thalaën zu bluffen, doch das entlockte seinem Gegenüber nicht einmal ein Wimpernzucken.
„Versucht nicht mich zu übertölpeln. Ich verfolge euch vier immerhin schon länger. Und ich weiß genau, das ihr wegen den Schemata hier wart.“
Thalaën beschloss, dass Lügen keinen Sinn hatte. Entweder konnte sie ohnehin seine Gedanken lesen, oder ihre Informationen waren so detailliert, dass er sie kaum hereinlegen konnte. Zumal Lügen nicht wirklich seine große Stärke war. Aber er konnte versuchen etwas Zeit zu schinden. Vielleicht würde den anderen in der Zwischenzeit etwas einfallen oder Olashtai würde sich verplappern und ein paar interessante Informationen Preis geben.
„Es ist nett von dir, dass du denkst, dass wir immer Erfolg haben“, sagte er daher.
„Bis jetzt hatte eure Gruppe immer Erfolg…“, erwiderte Olashtai.
„Sagt, wen repräsentiert Ihr eigentlich?“, warf Astamalia wie nebenbei ein.
„Die Nation Riedra“, gab Olashtai bereitwillig Auskunft.
„Nun, als Kleriker der Silbernen Flamme muss ich Euch mitteilen, dass wir bereits mit anderen Personen eine Abmachung bezüglich der Schemata getroffen haben. Und ich fühle mich nicht genötigt diese Abmachung zu widerrufen“, erklärte Adamant seinen Standpunkt.
„Er hat recht. Wenn wir einmal davon ausgehen, dass wir sie haben: Warum sollten wir sie Euch geben?“, fragte Astamalia neugierig nach.
„Weil ich euch dann am Leben lasse?“
„Und wenn wir sie gar nicht haben?“, kehrte Thalaën zum Anfang zurück.
„Ihr seid die einzigen, die wieder aus dem Dschungel zurückgekehrt sind. Ihr müsst es einfach haben!“, knirschte Olashtai, auch wenn ihre Meinung etwas zu wanken schien.
„Überraschung! Wir haben es wirklich nicht. Was für ein Pech für dich.“
Diesmal gelang es Thalaën ohne Probleme ihrem Blick stand zu halten. Und er konnte deutlich ihre Wut, aber auch ihre Verzweiflung darin sehen.
„Auch Pech für euch“, brachte sie schließlich hervor und wandte den Blick von Thalaën ab.
„Aber wir können Euch sagen, wo im Dschungel es sich befindet“, schlug Astamalia vor.
Thalaën glaubte sich verhört zu haben. Olashtai anscheinend auch: „Und das soll ich Euch dann einfach so glauben?“
„Nun, genau genommen, befinden sie sich ohnedies nicht mehr dort“, warf Adamant ein. „Die Schemata sind nämlich davongelaufen.“
„Ah?“, machte Olashtai und warf Adamant einen verwirrten Blick zu.
„Wie wir bereits sagten: Unsere Mission war nicht erfolgreich“, warf Esra ein, die dieses sinnlose Gespräch bereits recht überdrüssig war.
„In diesem Falle tut es mir sehr leid. Denn dann habe ich keine weitere Verwendung mehr für euch“, erklärte Olashtai. Und Thalaën bildete sich ein wirklich einen Hauch von Bedauern daraus zu hören. Sie erhob sich und blickte einen nach dem anderen scharf an: „Ich wünsche euch noch eine angenehme Überfahrt.“
Sie setzte dazu an zu gehen, doch da räusperte sich Thalaën dermaßen übertrieben, dass sie sich wieder dem Tisch zu wandte.
„Ah, ich hätte da noch eine Frage“, brachte der Elf etwas ungewohnt kleinlaut vor. „Es gehr dabei um gewisse Schlafgewohnheiten…“
Auf Olashtais Gesicht erschien ein Lächeln.
„Warum habt ihr das gemacht?“
„Ich lasse dich träumen. Das wolltest du doch. Außerdem bist du mir so näher.“
„Aber ich muss doch nicht jede Nacht schlafen, oder? Immerhin träume ich doch auch nicht jede Nacht“, warf der Elf noch ein.
„Das wird sich noch ändern“, erwiderte Olashtai lachend und ging diesmal wirklich.
Thalaën blickte ihr eingeschüchtert nach.
„Das klingt nicht gut“, murmelte er.
Er schüttelte sich und versuchte den kalten Schauer los zu werden, der seinen Rücken hinab kroch. Zur Ablenkung wandte er sich seinen Freunden zu.
„Habt ihr euch eigentlich schon überlegt, wie Dame Elaydren reagieren wird, wenn wir ohne die Schemata wieder auftauchen?“
„Sie wird nicht erfreut sein“, stellte Adamant fest.
„Vielleicht könnte uns Olashtai ja dabei helfen, die Schemata wieder zu bekommen“, schlug Thalaën vor.
Die Magiern rollte mit den Augen und schüttelte vehement mit dem Kopf: „Sie hat und schon einmal geholfen. Willst du das wirklich noch einmal?“
„Kann es denn schlimmer werden?“, fragte Thalaën kleinlaut.
„Ja“, kam es dreifach zurück.

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