Autor Thema: Berandors Stadt in Ketten X: Gebrochene Ketten (7 Updates, abgeschlossen)  (Gelesen 7116 mal)

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Kylearan

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Es schmeckt auch wie Samstag. Nur so...

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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Ihr seid wohl alle in chinesischer Zeit unterwegs.
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Berandor

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Unkraut

Die Kettenbrecher saßen beim Frühstück. Dirim hatte ihnen ein Heldenmahl kredenzt. Boras nahm einen tiefen Schluck Nektar und rülpste. Keiner machte einen Witz. Es war kein Tag, um Witze zu reißen. Plötzlich riss Dirim die Augen auf.

»Oh. Ich habe… einen Gedanken. Nein, eine Idee.« Er lächelte. »Jetzt ist es ein Plan.«

»Verrätst du den auch?«, wollte Thamior wissen.

»Nein. Gebt mir zwei Stunden, dann bin ich wieder da.«

»Zwei Stunden?« Jørgen war skeptisch. »Wer weiß, was bis dahin–«

»Es lohnt sich«, sagte Dirim. »Vertraut mir.« Er stand auf und marschierte die  Treppe hoch.

»Sture Zwerge«, sagte Thamior.

Keiner lachte. Es war kein Tag, um zu lachen.

-

»Los!«

Pellir warf drei Äpfel gleichzeitig in die Luft. Sie taumelten voneinander weg, der eine Apfel höher, der andere niedriger. Pellir versuchte vergebens, alle drei im Blick zu behalten.

Es gab drei knirschende Geräusche, dann fielen die Äpfel auseinander wie von Geisterhand und vielen in sechs Hälften zu Boden. Pellir bekam große Augen.

»Hm«, machte Thamior und deutete zum Obstkorb neben dem Jungen. »Jetzt vier.«

-

Die Barakmordin umkreisten Boras mit ihren Knüppeln. Boras selbst war unbewaffnet. Trotzdem traute sich keiner, anzugreifen. Brynn traute sich dann doch. Er führte einen Seitwärtshieb aus. Boras packte Brynns Handgelenk und nahm ihm zuerst den Knüppel ab, dann warf er den Soldaten gegen Karras, der herangekommen war. Jetzt griffen Alina, Dernholm und Beregard gleichzeitig an. Boras stieß Alinas Knüppel so zur Seite, dass dieser Dernholms Schlag abfederte, dann schlug er selbst zu. Beregard hielt seinen Knüppel zur Abwehr. Die beiden Holzwaffen zersplitterten beim Aufprall. Zwei Atemzüge später lagen alle Barakmordin am Boden.

Boras grunzte. »Noch Mal, und strengt euch diesmal an.«

-

Thargad rannte über das niedrige Dach, stieß sich vom Schornstein ab und ergriff die Kante des höheren Dachs. Mit einem Rückwärtssalto schwang er sich hoch, rollte sich sofort zur Seite und ließ dabei seine Schwerter über die Stelle vor ihm wirbeln. Er kam im Stand aus der Rolle und lief sofort weiter, sprang über die Straße auf das gegenüberliegende Haus, ließ sich durch ein Dachfenster fallen und war sofort aus einem anderen Fenster wieder heraus an die Mauer des nächsten Hauses gesprungen, stieß sich ab und landete wieder auf dem Dach.

Eine kleine Schar Kinder folgte ihm auf dem Boden, konnte aber kaum Schritt halten.

-

Jørgen ging durch die Straßen Redgorges. Er sprach mit Stadtwachen und hörte zu, wenn andere ihn ansprachen. Sein Schwert war scharf. Er war bereit. War es immer gewesen, jedenfalls schien es ihm so. Die Gebete waren vor langer Zeit gesprochen, die Übungskämpfe gefochten worden. Nicht einmal der Tod hatte ihn abhalten können, heute hier zu sein und seinem Schicksal ins Auge zu sehen. Er sah zur Kesselstadt, die so klein schien. Hinter ihm hörte er, wie Dirim sich aus seiner Windgestalt schälte.

Es war Zeit.

-

»Boss!« Der Dude zeigte mit der Zeigeklaue auf Dirim. »Was geht?«

»Alles«, sagte Dirim. Sobald er den Schädel von Occipitus betrat, hier an der Spitze eines alten Astes des Dämonenbaums, spürte er, wie neue Kraft in ihn strömte. Fast gottgleich.

»Oi«, machte der Dude. »Gut oder schlecht?«

Dirim sah ihn an. »Rat mal.«

»Schon klar, Boss.«

Dirim setzte sich auf den Thron. Es war ein unbequemes Sitzen, mit den spitzen Schwertern, aber durch die Rüstung verursachten sie keine Schmerzen. Dirim zog die Handschuhe aus.

»Boss?«, fragte der Dude. »Alles klar?«

Dirim klatschte die nackten Hände auf die Lehnen des Throns. Metall trieb sich in seine Hände. Blut floss. Gleichzeitig fühlte Dirim noch einmal neue Macht in seinem Griff. Jetzt war er gottgleich. Er merkte, wie das Universum inne hielt, um seinem Wunsch zu lauschen, um seinem Wunsch Folge zu leisten.

»Ich wünsche«, sagte Dirim langsam, »die Kontrolle über das Saatkorn Malgarios.«

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-

Außerhalb von Redgorge wartete eine Menschenmenge auf die Kettenbrecher. Jørgen ritt auf seinem Streitross, die anderen liefen nebenher. Die Menschen standen ihnen im Weg, und es waren nicht nur Menschen, sondern auch andere Völker darunter. Annah Taskerhill, Corah Lathenmire, Krystof Jurgensen, Darigaaz, die Barakmordin, Maavu und die Steinmetze, Skylar Krewis, mehrere Wachen und noch einige mehr. Sogar Shensen Tesseril war über Nacht vom Glücklichen Affen hergekommen.

»Ich weiß, dass ihr die Helden seid«, sagte Annah Taskerhill. »Aber Cauldron ist unsere Stadt. Ihr geht auf keinen Fall dorthin zurück, ohne uns mitzunehmen.«

Zustimmende Rufe folgten ihrer Erklärung. Die Kettenbrecher sahen sich kurz an.

»Also gut«, sagte Jørgen, »aber wir gehen in den Baum und sonst keiner. Ihr haltet die Stadt sauber. Und wenn Hakennase kommt, verzieht ihr euch.«

»Damit kann ich leben«, sagte Annah. »Betonung auf leben.«

Die Menge lachte, und die Kettenbrecher lächelten auch. Das Lachen tat gut, besonders an einem solchen Tag. Die Kettenbrecher bahnten sich ihren Weg durch die Menge, und wen sie passierten, der drehte sich um und folgte ihnen. Den Berg hinauf, nach Cauldron.

-

Die Verteidiger Cauldrons standen am Südtor und blickten auf die Stadt herab. Der See hatte sich zurückgezogen und viele Hütten mitgenommen. Häuser waren eingestürzt und abgebrannt, aber die Feuer waren erloschen. Überall lagen Trümmer oder liegen gelassene Besitztümer.

»Kein Zeichen von Hakennase«, sagte Thamior.

»Und auch nicht von dem Baum«, fügte Boras hinzu.

»Sag sowas nicht«, bat Thargad, aber zu spät. Der Boden erbebte, stärker noch als am Tag zuvor. Einige der Mitgekommenen mussten sich abstützen, um nicht zu fallen. Dann wölbte sich der Kratersee nach außen. Der ganze Kratersee. Die Oberfläche stülpte sich und dann brach sie auseinander, drängte ein gewaltiges Dickicht aus Blättern empor und schüttelte Unzählige kleine Wassertropfen ab wie ein lästiges Insekt. Das Wasser rauschte in den See zurück und der Baum wuchs und wuchs und wuchs immer weiter. Aus dem Boden um den See herum wanden sich Ranken und Büsche und Bäume von normaler Größe. Es dauerte vielleicht hundert Herzschläge, dann stand in Cauldron ein großer, dichter Wald – und in dessen Mitte ein gewaltiger, siebenhundert Schritt großer Baum. Malgario.

»Heilige Scheiße«, sagte jemand.

Thargad sah zu Boras. »Du weißt, dass das deine Schuld ist, oder?«

Aus dem Wald unter ihnen erklang Geschrei.

-

Der Eingang zu Malgario war eine großes Loch in seiner Seite. Davor befand sich eine kleine Lichtung. Drei Dutzend Orks und ein halbes Dutzend Trolle bewachten den Eingang.

»Niedlich«, sagte Boras. »Darf ich die haben? Darf ich?«

»Wer zuerst da ist«, sagte Dirim. Boras rannte sofort los, die Axt erhoben. Thamior wartete noch einen Moment, dann hob er seelenruhig den Bogen.

»Du kannst ganz schön gemein sein, weißt du das?«, sagte Thargad.

Thamior hob eine Augenbraue. Seine Hand bewegte sich so schnell, dass sie zu verschwimmen schien, und der erste Troll fiel gurgelnd zu Boden. Boras sprang über ihn hinweg und mitten in die Orks hinein. Köpfe flogen und Blut spritzte. Einige Orks versuchten, zu fliehen, aber der Barbar war zu schnell. Thamior und Jørgen erledigten beide noch einen Troll, aber der Rest fiel Boras’ Axt zum Opfer. Thargad übernahm die Aufgabe, die Trolle zu verbrennen.

Dann betraten sie die Höhle. Das Innere war von Moos über- und Ranken durchzogen. Es roch faulig und feucht. Das Moos selbst leuchtete in fadem Licht, das von Dirims Auge überdeckt wurde. Boras sah sich um.

»Also, bislang war es ja nicht besonders schwierig.«

»Boras!«, drohte Thargad. Dann seufzte er.

Ranken erwachten am Eingang der Höhle zum Leben und griffen ineinander, dann zogen sie sich zusammen und schlossen den Eingang. Immer mehr Ranken krochen hervor. Das Ende der Höhle wuchs auf die Kettenbrecher zu und drängte sie weiter vorwärts, in den Baum hinein.

(to be continued)
« Letzte Änderung: 16. August 2008, 11:35:28 von Berandor »
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Hedian

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Da heute Samstag ist gibt es wohl noch ein Update, oder? :-X

Bin gespannt, was aus dem Wunsch wird. Und ob Occipitus Kontrolle über Dirim übernimmt und er sich in einen rasenden Schlächter verwandelt.

Damocles

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stimmt, heute ist ja  Samstag, und das Update kam ja eigentlich am Freitag... also...   :)

Kylearan

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Zum Gruße!

Beim Wunsch waren wir uns einig, dass es doch zu ... popelig wäre, wenn wir damit Malgario einfach so wegbekommen würden. (Wobei auch Angst mitspielte, der Wunsch wäre dann verschwendet.) War aber eine demokratische Entscheidung, auch wenn es komisch klingt.

Termin des nächsten Updates: was die anderen sagen.

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Nadir

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Und wann gehts jetzt weiter, hä?  :D
"Nicht wer als Erster die Waffe ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt." N.M.

Berandor

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Übrigens war dies das Dungeon-Abenteuer "Root of Evil" von Mike Mearls, das ich anstelle von "13 Cages" im Original-Adventurepath gesetzt habe. Weil "Strike on Shatterhorn" ebenfalls ausfiel, war geplant, dass die SC dann inmitten des letzten Abenteuers ein weiteres Mal aufsteigen, um sie auf Stufe 20 zu bringen (Ende dieses Abenteuers sollte Stufe 19 sein). Das ist ja dann aber alles anders gekommen...
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Dirim

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Beim Wunsch waren wir uns einig, dass es doch zu ... popelig wäre, wenn wir damit Malgario einfach so wegbekommen würden. (Wobei auch Angst mitspielte, der Wunsch wäre dann verschwendet.) War aber eine demokratische Entscheidung, auch wenn es komisch klingt.


Die Idee war nach Occipitus zugehen, dort den Wunsch für die Entfernung jeglicher Sicherheitseinrichtungen um das Korn zu nutzen und anschliessend das Korn mit einem Wunder nach Occipitus zu holen.
für die Charaktere wäre das eigentlich die sinnvollste Lösung gewesen. Ganz klar.

Hier haben wir aber halt gemeinsam entschieden, lieber das Abenteuer zu spielen.

Also nur den Wunsch "Ich wünsche die Kontrolle über das Saatkorn von Malgario"

Und die Umsetzung von Berandor war vollkommen passend.

Dirim

Berandor

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Malgario

Das Innere Malgarios ähnelte stark dem Inneren des Astes, der auf Occipitus zum Schädel hinaufführte. Allerdings war die Luft zwar stickig, aber nicht so faul, und die Wände der organischen Höhlen pulsierten beständig von Leben. Auch veränderten sich die Gänge ständig – anders war es kaum zu erklären, dass nach Dirims zwergischem Gespür die Höhle, in der die Kettenbrecher sich befanden, sich hätte bereits mehrmals kreuzen müssen, ohne dass sie tatsächlich an eine Kreuzung gekommen wären. Man gewann den Eindruck, absolut von dem Willen Malgarios geführt zu werden, was in sich wieder die Frage aufwarf, warum Malgario sie nicht einfach zwischen seinen Wänden zerquetschte, oder alle Luft aus seinem Inneren zog, wie er es sicher vermutete. Die einzige Antwort, die ihnen einfiel, war Neugier. Die Kettenbrecher nahmen sich vor, sie zu belohnen.

Sie waren vielleicht eine halbe Stunde unterwegs gewesen, als sich der Gang plötzlich in eine Höhle öffnete. Diese Höhle war über und über von Ranken und Moos überwuchert und hatte aus Sicht der Kettenbrecher sowohl nach links wie auch nach rechts eine Ausbuchtung. Thamior machte seinen Bogen bereit, und Boras zog die Axt. Jørgen ging langsam in die Höhle hinein.

Eine große, schwarze Gestalt schälte sich aus der Unsichtbarkeit, als der Paladin in ihrer Nähe war. Der humanoide Körperbau mit den langen Klauenhänden und die Tatsache, dass das Geschöpf sowohl drei Meter hoch war wie auch aus lebenden Schatten zu bestehen schien, erklärten es zu einer Nachtschattenkreatur derselben Art, wie sie in der Verteidigung Cauldrons bereits Boras’ Axt Blutrache zerbrochen hatte. Die Klauen griffen sofort nach Jørgen, aber der tat einen Schritt nach hinten und schützte Läuterung für den Moment mit seinem Schild. Thamior feuerte ein halbes Dutzend von Seelenfeuer leuchtende Pfeile in den Nachtwanderer, und unter dieser Deckung steckte Jørgen sein Langschwert wieder in die Scheide und zog seine silberne Axt. Kaum war Thamiors Salve vorbei, stürmte er hinterher und riss weitere tiefe Wunden in die Kreatur, bis sie sich gerade dann auflöste, als von der anderen Seite ein zweites Nachtschattenwesen angriff.

Dirim wollte sofort einen Flammenschlag auf die Kreatur niedergehen lassen, aber plötzlich türmte sich der Boden zu beiden Seiten des Zwerges auf und fiel über ihm zusammen. Malgario griff in den Kampf ein. Boras und Thargad befreiten Dirim. Währenddessen war Jørgen wieder unter Thamiors Deckung zum zweiten Angreifer vorgedrungen und zerfetzte diesen mit der Silberaxt.

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Boras und Thargad standen immer noch unschlüssig neben Dirim. Sie hatten ihre Waffen nicht riskieren wollen, wenn es nicht absolut notwendig wäre. Zum Glück war es das nicht gewesen.

»Stattdessen«, sagte Dirim zum Trost, »haben wir die erste Prüfung bestanden, würde ich sagen. Was meint ihr?«

»Ich meine: weiter«, sagte Thamior. »Wir sollten uns hier nicht ausruhen.«

Dirim rieb sich den blauen Fleck, den Malgarios Angriff an seiner Schulter hinterlassen hatte. »Stimmt. Gehen wir weiter.«

-

Es war eigentlich nicht ganz korrekt, von Malgario als einer Person zu sprechen. Vor Äonen, als ihn der Dämonenprinz Xi’valanbobrig (genannt Bob) erweckt hatte, um ein Tor in die Höllenebene zu schlagen, wo seine Geliebte von ihrem Vater hin versperrt worden war, war es schon nicht korrekt gewesen, denn die drei mächtigen Dämonen, die Bob im Ritual geopfert hatte, waren von Beginn an nicht vollständig in Malgario aufgegangen, sondern als teilweise autonome Geister erhalten geblieben. Über die Jahrtausende hatte der Dämonenbaum die Seelen derer, die in ihm oder für ihn geopfert wurden, aufgesogen und sie den drei Richtungen zugeordnet, sodass aus drei Geistern drei Fraktionen geworden waren. Diese drei Fraktionen sprachen mit den vielen Stimmen ihrer Seelen, und momentan stritten sie darüber, wie mit den Eindringlingen zu verfahren war, die gerade die zwei Nachtschreiter besiegt hatten.

»Wir müssen sie töten«, zischte die Fraktion des ehemaligen Tanar’ri-Hauptmanns  Krang. Bei Krang hatten die Seelen Zuflucht gefunden, denen die pure Lust an der Zerstörung inne gewohnt hatte. Wie üblich sprach Krang mit mehreren Stimmen, die alle dasselbe ausdrückten, aber anders formulierten, sodass gleichzeitig töten gesagt wurde wie auch massakrieren, vernichten, zerreißen und eine Vielzahl anderer Wörter. »Sie sind gefährlich!«

»Gefährlich!«, höhnte Ting. Der Eroberer sprach mit einer Stimme, in der die übrigen Seelen nur flüsternd wahrzunehmen waren. »Nützlich trifft es wohl eher. Wir können sie für unsere Zwecke einspannen. Danach können wir sie immer noch töten.«

»Einspannen? Sie haben einen Paladin dabei, und einen Tyrkleriker.«

»Ting hat Recht«, meldete sich die dritte Stimme, die selbst nur einem Zischen glich. Weitere Stimmen hörte man nicht heraus. Die Seelen, die sich um Arda gesammelt hatten, waren nur auf eines konzentriert, und das so sehr, dass sie mit einer Stimme sprachen: Rache. »Sie könnten nützlich sein. Vielleicht können wir sie gegen jene hetzen, die uns nun beherrschen, und sie als Instrument unseres Zorns verwenden. Wir sollten sie prüfen, um zu sehen, ob sie unseren Herrschern gefährlich werden können.«

»Schicken wir sie zu den Würmern!«, rief Krang. »Die Würmer!«

Die drei Fraktionen wandten ihre Aufmerksamkeit wieder den Eindringlingen zu, während Malgario den Gang, in dem sie wanderten, in die nächste Kammer münden ließ.

-

»Was ist es diesmal?«, fragte sich Dirim. »Was müssen wir jetzt töten?«

Der Gang mündete in einer langgezogenen, gekrümmten Kammer. Überall wuchsen große Stämme aus dem Boden, die wenig mehr als einen breiten Weg durch die Mitte gangbar ließen. Es war die perfekte Umgebung für eine Falle.

»Lassen wir uns überraschen«, meinte Thamior und ging voraus. Er hielt sich dank seines Tempos problemlos ein wenig abseits der anderen Kettenbrecher, damit sie nicht alle ein einfaches Ziel boten, ebenso wie Dirim mit etwas Abstand die Nachhut bildete.

Der Boden wölbte sich vor und hinter ihnen, und dann stießen zwei riesige Würmer aus der Erde hervor. Erst kamen ihre Mäuler zum Vorschein. Mehrere Meter weiter brachen giftstachelige Hinterseiten aus dem Boden. Aus der Decke bohrten sich  zwei weitere Würmer. Dann begann es, Säure zu regnen.

Thamior hastete von Deckung zu Deckung, um dem Regen zu entgehen, und feuerte Pfeile auf einen der Würmer. Währenddessen griff Jørgen einen weiteren an. Einer der Würmer schnappte nach Thargad und verletzte den Schurken schwer genug, dass der Säureregen ihn zu töten drohte. Dirim stellte sich mit seinem Schild schützend über ihn, war dadurch aber wehrlos, als sich der zweite Wurm mit Stachel und Maul über ihm positionierte. Der Wurm kreischte.

Plötzlich tauchte auf seinem Rücken Boras auf. Der Barbar dampfte, weil die Säure langsam seine Pflanzenrüstung zerfraß, aber er kümmerte sich nicht. Stattdessen hob er Uthgars Zahn zu einem Überhandschlag und ließ die Axt wie ein Holzfäller niederfahren, der auf einem Stamm balancierte und diesen spalten wollte. Und er spaltete. Uthgars Zahn versprühte Eiskristalle, als sich ihre Klinge durch den Hals des Wurms fraß und den Kopf sauber abtrennte. Blut schwallte heraus und über Dirim und Thargad, während sich der kopflose Wurm in Muskelzuckungen wand. Anstatt sich festzuhalten, nutzte Boras den Schwung einer solchen Zuckung, um zum nächsten Wurm geschleudert zu werden, den Thamior ja bereits schwer verletzt hatte. Er landete mit der Axt voraus und schlug sich selbst tief in die Haut des Wurmes vor, sodass auch dieser zu Boden ging.

Jørgen sah sich um. Sein Wurm war schwer verletzt gerade von Thamiors Pfeilen ins Jenseits befördert worden. Der Säureregen hielt an. »Wir müssen hier raus«, rief er den anderen zu. »Kommt schon!«

Die Kettenbrecher hasteten zum Ausgang der Höhle, während der letzte Wurm sich in der Decke anschickte, ihnen zu folgen. Jørgen sah sich noch einmal um. Dirim folgte so langsam wie üblich, und Thargad war wieder auf den Beinen. Thamior war bereits am Ausgang angekommen. Nur Boras fehlte… da war er. Er stand mitten auf dem Weg und blickte dem Wurm in der Decke entgegen.

»Boras!«, rief Jørgen.

Boras drehte sich um. Er grinste. »Geht schon mal vor«, rief er. »Ich komme gleich nach.« Er spannte die Muskeln an und fasste die Axt fester. Der Wurm konnte einem fast leidtun.

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»Ahh«, machte Krang, als der Hüne den letzten Wurm der Länge nach aufschlitzte. »Mehr!«

»Sie sind nicht sehr organisiert.« Man konnte Tings Kopfschütteln fast hören. »Ineffizient.«

»Aber effektiv!«, sagte Krang.

»Noch ein Test?«, fragte Arda.

»Jaa!«, rief Krang.

»Ja«, sagte Ting. »Das wäre besser. Ein Test, bei dem sie Taktik anwenden müssen.«

»Der Barbar braucht keine Taktik«, gab Arda zu bedenken. »Er könnte selbst uns gefährlich werden.«

»Pah!«, machte Krang. »Wir könnten ihn zerfetzen.«

»Dann tu es doch!«, sagte sie.

»Wir wollen nicht.«

»Arda hat Recht«, sagte Ting. »Außerdem ist der Barbar schwer zu kontrollieren. Ein Risiko. Wir sollten ihn aus dem Spiel nehmen. Wenn die anderen ohne ihn hilflos sind, dann sterben sie eben.«

»Sterben! Vergehen! Fallen!«, machte Krang.

»Und wenn nicht, dann haben wir sogleich ein Faustpfand, das sie gefügiger machen wird.«

-

Boras kam tatsächlich kurze Zeit später nach. An ihm klebte immer noch feuchtes Wurmblut. »Habe ich etwas verpasst?«

Plötzlich wurde er von einer dünnen, viskosen Blase umgeben, und bevor einer der Kettenbrecher reagieren konnte, versank er im Boden, der sich über ihm nahtlos schloss, als habe man einen Stein im Sand versenkt.

»Boras!«, rief Dirim. Er wollte einen Zauber beginnen, aber Thargads warnende Hand auf seinem Arm ließ ihn innehalten. Der Schurke sah den Gang entlang, wo sich gerade die Öffnung erst schloss und dann in eine weitere Halle öffnete.

»Der nächste Test«, mutmaßte er.

Dirim zog Schuldspruch. »Gut«, sagte er. »Ich habe gerade Lust, jemanden zu töten.«

(to be continued)

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Serath

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War ja klar, das Boras wieder allen die Schau stiehlt. Schade dass er das nächste mal nicht dabei ist.

Berandor

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Oh, Jørgen und Thamior sind auch ziemliche Hämmer. Und Thargad... bei Thargad haben wir nachher beschlossen, Sneak-Schaden mit dem Durchschnittswert zu berechnen, weil 72w6 ein wenig mühsam wären...
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Serath

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Klar haben die es auch drauf, sind dabei aber mir nicht so sympatisch.
Mit Thamior konnte ich mich irgendwie nie richtig anfreunden, Jorgen ist zwar cool, aber ich trauer immer noch Helion/Pecarri hinter her und Thargad war zwar mal genial, bevor er zu einem lebenden Konstrukt wurde, aber hat mMn durch sein jetziges Dasein an Reiz verloren.
So hat eben jeder seine Lieblinge und meine waren schon immer Boras, dicht gefolgt von Dirim.
« Letzte Änderung: 23. August 2008, 16:21:16 von Serath »

Berandor

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Thamior ist auch eher ein Schweiger, und den dann so darzustellen ist schwierig, wenn er denn einen ähnlichen SH-Anteil haben soll. Auch habe ich immer Probleme gehabt, das Bognern gleichwertig darzustellen. Thamior ist am Spieltisch derjenige, der zuverlässig viel Schaden macht, und diesen zuverlässigen Arbeiter kann man gut brauchen.

Bei Thargad ist es sicher auch ein Problem, dass er durch seine Story glänzt und die sehr stark in den Hintergrund gerückt ist. Außerdem war Helion/Pecarri cool.

Na ja, ich mag sie halt alle, aber Boras ist sicher schreibtechnisch der einfachste. Darum ist er beim Endkampf auch nicht dabei. Da durfte jemand anderes glänzen.
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Nadir

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ich wär' soweit, kann weitergehen!  :D
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