Autor Thema: Trilogie der Dunkelheit: Schattental [UPDATE 24.03.2009]  (Gelesen 4203 mal)

Beschreibung:

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Arkos

  • Mitglied
    • Fotos
Trilogie der Dunkelheit: Schattental [UPDATE 24.03.2009]
« am: 25. November 2008, 23:44:45 »
Dies ist die Storyhour zu unserer Marburger Spielerunde. Das aktuelle Abenteuer Shadowdale wird seit Oktober 2008 gespielt.





Elminster’s tower lies in ruins, and the town of Shadowdale has been conquered by evil Sharrans and the nefarious forces of Zhentil Keep. To drive the villains out of Shadowdale, the heroes must organize and lead a desperate revolt of Dalesfolk against their conquerors, as well as thwart the sinister designs of Shar’s servants and the Zhent garrison.


Unsere Gruppe, DIE GREIFENBRUT besteht aus:
•   Malträger Alexander (Dirk) Halborkischer Barbar, zu Beginn Stufe 9
•   Malträger Evendur Taurendil, Späher Cormyrs (Patrick) Halbgenasi Kundschafter, zu Beginn Stufe 9
•   Malträger Galmor d‘Tempus (Niels) Reinkarnierter zwergischer Priester des Tempus, zu Beginn Stufe 9
•   Malträger Garon Ethethiel, Kriegsmagier Cormyrs (Tiemo) Halbelfischer Hexenmeister/Magier des arkanen Orden, zu Beginn Stufe 9
•   Malträger & Klagesängerin Lily Weg (Dani) Halbelfische Bardin/Schurkin, zu Beginn Stufe 9
•   Winfried, ein Adeliger (Tobias) Menschlicher Kämpfer, zu Beginn Stufe 9


Verschollene oder verstorbene Mitglieder der GREIFENBRUT
•   Schicksalslenkerin Elenya Ethethiel d‘Kelemvor (Carina) Halbelfische Priesterin Kelemvors

Enge Freunde der GREIFENBRUT
•   Gathan, verstoßener Stammesführer der Drachentöter-Echsen
•   Sir Kavalorn Sagremor d’Lyrandar, Kapitän der Golden Dragon
•   Moe ir'Vanu, Schiffsmagierin der Golden Dragon

Erzfeinde der GREIFENBRUT
•   Graf Strahd van Zarowich, Aufenthaltsort Barovia
•   Despair, verstorben auf der Schatteneben
•   Esvele Grauburg, Aufentaltsort Schattental
•   Scyllia Düsterhoff, Aufenthaltsort Talländer
•   Hadrhune – Prinz der Schatten, Aufenthaltsort Thultanthar



Inhaltsverzeichnis:
Trilogie Buch 1: CORMYR, DAS ZERREIßEN DES GEWEBES
Trilogie Buch 2: SCHATTENTAL, DIE GEIßEL DES LANDES
•   Vorwort
•   Prolog
•   Kapitel 1
•   Kapitel 2
•   Kapitel 3
•   Kapitel 4
•   Kapitel 5
Trilogie Buch 3: ANAUROCH, IMPERIUM DER SHADES




IM JAHRE 1349 BEAUFTRAGTEN DIE „GREIFEN DER DÄMMERUNG“ EINE MÄCHTIGE FAMILIE, DIE LYRANDARS AUS MULHORAND, MIT DEM BAU EINES SCHIFFS.
…EINES LUFTSCHIFFES.
26 JAHRE SPÄTER SOLLTE DIE GOLDEN DRAGON IHRE JUNGFERNFAHRT ERLEBEN. DIES SIND DIE EINTRAGUNGEN AUS DEM SCHIFFSLOGBUCH,
DEM LOGBUCH DER „GOLDEN DRAGON“.


DIE TRILOGIE DER DUNKELHEIT
EINE D&D STORYHOUR BERICHTET&VERFASST VON DANI „LILY“ GERBER, PRÄSENTIERT VON HOLGER „ARKOS“ MOYSICH
« Letzte Änderung: 25. März 2009, 06:27:55 von Arkos »
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Arkos

  • Mitglied
    • Fotos
Re: Trilogie der Dunkelheit: Schattental
« Antwort #1 am: 25. November 2008, 23:45:16 »
Vorwort

...
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Lily Weg

  • Mitglied
Re: Trilogie der Dunkelheit: Schattental
« Antwort #2 am: 01. Dezember 2008, 07:28:46 »
ist in Arbeit...

Leider ist bis weihnachten bei mir echt ziemlich dicht mit Terminen :(

Und übrigens: in Lilys Tagebuxch steht, wir hätten erst im Oktober angefangen zu spielen ;)

*klugscheiß modus aus*

Arkos

  • Mitglied
    • Fotos
Re: Trilogie der Dunkelheit: Schattental
« Antwort #3 am: 07. Januar 2009, 22:36:20 »
Ist der Prolog schon so, dass man den Anfang als fertig bezeichnen könnte?
Die GREIFENBRUT in CORMYR & SCHATTENTAL

Lily Weg

  • Mitglied
Re: Trilogie der Dunkelheit: Schattental
« Antwort #4 am: 16. Januar 2009, 14:34:19 »
Da du den Prolog bis zu der Stelle haben möchtest, wo die Gruppe letztlich aufbricht nach shadowdale, fehlt noch ein kleines stück.
Hatte stattdessen diesmal zwischendrin immer mal etwas geschrieben, was so sehr der Situationskomik entstammte, dass ich es zeitnah verarbeiten musste.

sorry for that...

ich arbeite dran, ab Februar werde ich mehr Zeit zum Schreiben finden.

Lily Weg

  • Mitglied
Re: Trilogie der Dunkelheit: Schattental
« Antwort #5 am: 17. Januar 2009, 10:36:19 »
PROLOG
 

Er war eine imposante Erscheinung, sehr groß und breitschultrig, eine Statur die er den vielen Jahren des Kampfes zu verdanken hatte. Ebenso wie die vielen Narben die sein ernstes und kantiges Gesicht welches von einem sauber getrimmten Bart geziert wurde, übersäten. Seine schulterlangen, schon hier und da ergrauten Haare trug er zu einem Zopf gebunden, der Einfachheit halber.

Wenn er im Dienst war (und das war ein Inquisitor sehr oft, wie auch in jenem Moment, in dem unsere Geschichte erzählt werden soll) trug er seine schwere, antik wirkende Rüstung, welche er als seine Uniform ansah und da er sein halbes Leben im Harnisch verbracht hatte fühlte er sich ohne sie oft irgendwie unwohl. Auch sein visierloser Helm war, wie er fand, durchaus gesellschaftstauglich und komplettierte seine martialische Gestalt.

Über der Rüstung trug er immer seinen schweren, weiten Mantel aus braunem Leder welcher seiner eigentlichen Aufgabe, die Auffälligkeit des Templers zu mindern, nicht ganz gerecht wurde. Etwa ein dutzend Schnallen erlaubten es dem Inquisitor den Mantel bei Bedarf enger zu ziehen, so dass er ihn auch über seiner normalen Kleidung tragen konnte, was ihn allerdings sehr extravagant wirken ließ.

Seine schwere Inquisitorklinge war meistens über seinen Rücken geschnallt und der kostbarste Besitz des ansonsten genügsamen Ritters da sie ihn sein ganzes kriegerisches Leben hindurch begleitet hatte und inzwischen sogar noch den Segen der Flamme in sich trug. So mancher Dämon, Lykantrop oder Untoter hatte durch dieses Schwert schon seine Vernichtung erfahren, ohne dass die Klinge je etwas an Schärfe eingebüßt hätte.

Böse Zungen behaupteten, dies stünde im Gegensatz zu seinem Träger, doch diese Behauptung täte dem Inquisitor Unrecht. Zwar fehlte ihm seit vielen Jahren der hitzige Eifer vieler der jüngeren Kirchenstreiter, aber an seiner Hingabe für Beruf und Berufung bestand im Grunde kein Zweifel.

Er bekämpfte in all den Jahren unermüdlich das Böse wo immer er es antraf und würde für das Gute immer noch jederzeit sein Leben opfern, allerdings haben ihn die vielen Dinge die er innerhalb seines Lebens gesehen und erfahren hat ruhiger, ernster und teilweise sogar etwas melancholisch gemacht.

Nun stand er in einer Villa in Wheloon, mitten in Cormyr, so unendlich weit entfernt von seinen Wurzeln, wie er es selten in seinem langen Leben gewesen war. Heute verfolgte er keine Ketzer. Heute würde er nach langen Jahren weiter auf dem Pfad seiner Bestimmung wandern. Und die Bewohner dieser Villa waren eng mit seinem Schicksalsweg verflochten.

 Dabei kannte er diese jungen Leute noch nicht einmal. Er seufzte und ließ seinen Blick durch den seltsam kargen, großen Raum schweifen. Außer den Stuckverzierungen gab es nichts zu sehen. Nichts, außer den fünf reglosen Gestalten, welche in dem rundlichen Raum, um ihn her auf dem Boden lagen und scheinbar schliefen.

Doch er wusste es besser. Seufzend verdrängte er den Gedanken, dass die jungen Leute nicht einfach schliefen. Und so setzte er sich in das Zentrum des Raumes und wartete.

Geduldig wartete er. Seit zwei Tagen und Nächten hatte er nichts anderes getan. Beinahe liebevoll blickte er auf die fünf vor ihm auf dem Boden liegenden Körper. Eine irritierte Stirnfalte bildete sich aus, als er sah, wie die Decke vom massigen, muskulösen Leib des Barbaren hinab gerutscht war. Eilig kniete er sich neben dessen Lager und deckte ihn behutsam wieder zu.

Sein Blick heftete sich sogleich besorgt auf die Bardin, die sich stöhnend hin und her warf, dabei Unverständliches vor sich hin brabbelnd. Beruhigend redete er leise auf sie ein. Einst hatte er so am Bettchen seiner Kinder gesessen, wenn sie nachts von Alpträumen geplagt wurden.

Sein Blick kehrte sich nach innen und überwand die Jahrzehnte bis zu jenen glücklichen Tagen mühelos. Ein Lächeln breitete sich um seine Mundwinkel aus. Doch schon kurz darauf hatte ihn die Gegenwart eingeholt und das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht. Inzwischen hatte er seine eigenen Kinder überlebt. Selbst seine Enkelkinder hatten ein, für Menschen, hohes Alter erreicht. Seufzend blickte er auf den schwarzen Diamanten in seiner Hand. Seit sich dieser magische Stein in seinem Besitz befand, alterte er nicht mehr. Manchmal jedoch fühlte er sich alt… und müde. Er lebte für die Erfüllung seiner Pflicht, die nun in greifbare Nähe rückte.

Was wohl in den Köpfen der jungen Leute, die hier lagen, vor sich ging? Welche Kämpfe mochten sie wohl gerade bestehen? Welches Ungemach meistern? Zweifellos würden sie verwirrt sein, sobald sie erwachten. Wenn sie erwachten … . 
Ärgerlich schob er diesen Gedanken beiseite.

Er durfte nicht an der Heilkraft des Steines zweifeln! Die Greifenbrut musste ins Hier und Jetzt zurück kehren, um die Prophezeiung zu erfüllen. Sein Schicksal war an das ihrige gebunden.

Fast beschwörend starrte er den Diamanten in seiner rechten Hand an. Niemand hatte ihn darauf vorbereitet, was geschehen würde, wenn sich dieser Fluch nicht bannen ließe. Durfte er an anderer Stelle um Hilfe ersuchen für die Greifenbrut? Wäre es dann vielleicht zu spät? Wie lange durfte er warten?

Er rief sich selbst innerlich zur Ordnung. Disziplin und Geduld waren seit jeher seine Tugenden gewesen. Tief und ruhig atmete er hörbar ein und aus und fand wieder in seine meditative Ruhe hinein. Er würde warten.

                                            *      *           *
« Letzte Änderung: 17. Januar 2009, 10:38:08 von Lily Weg »

Lily Weg

  • Mitglied
Re: Trilogie der Dunkelheit: Schattental [UPDATE 17.01.2009]
« Antwort #6 am: 24. Januar 2009, 14:37:28 »
                                            *      *           *

Irgendetwas stimmte nicht. Alarmiert blickte sich Garon um. Die feinen Härchen in seinem Nacken standen ihm zu Berge, er konnte beinahe körperlich spüren, dass irgendetwas oder irgendjemand in der Nähe war. Nervös nestelte er in den Innentaschen seines Gewandes herum. Endlich zog er seine Brille heraus und setzte sie mit leicht zitternden Fingern auf.
Warum war sein Alarm-Zauber nicht ausgelöst worden?
Das Blut pochte hart  in seiner Halsschlagader, während er versuchte, das gesamte Lager der Greifenbrut binnen eines Wimpernschlages genau zu betrachten.
Verwirrt griff sich der junge Magier mit beiden Händen an die Schläfen, als das Bild vor seinen Augen zuckte und vibrierte.
„Was zum Abyss und den neun Höllen ist das?“, rief er mit einem Anflug von Panik in seiner Stimme.

Der Wald um ihn herum verblasste, seine Gefährten wurden durchscheinend, als seien sie nicht länger körperlich. Er hörte nicht mehr das Feuer prasseln, roch nicht mehr den beißenden Qualm, den das nasse Holz hervorgebracht hatte. Stattdessen brachen flüchtige Bilder eines von zahlreichen Kerzen hell erleuchteten Raumes in seine Welt ein: die hohe Decke stuckverziert, die Wände kahl und scheinbar von beachtlicher Größe. Die Art des Putzes und die Muster an der Decke des Raumes kamen ihm vage bekannt vor.

                                                                                             *         *           *

Gleich musste sie Myth Drannor, die legendäre Stadt der Elfen erreichen. Die hohen Türme der uralten, stolzen Stadt hatte sie schon seit mehreren Meilen immer wieder durch die hohen Bäume blitzen sehen. Ihr Herz schlug schneller. Endlich würde sie die Bekanntschaft mächtiger Personen machen, die ihr hoffentlich helfen könnten, dieses verfluchte Halsband loszuwerden. Sie seufzte und schickte ein Stoßgebet an Deneir.

 Es bedeutete ihr unendlich viel, endlich von diesem Fluch befreit zu werden.

Natürlich hatte sie anfänglich durchaus von diesem Band profitiert. Doch seit sie herausgefunden hatte, dass sie Familie und Freunde hatte, schien der Ruhm bedeutungslos zu sein.
Lily lächelte tief in Gedanken versunken, als sie an den exzentrischen Garon, ihren treuen Freund Alexander, an ihren Halbbruder Galmor und an den eigenbrötlerischen Evendur dachte.
 Allein der Gedanke an die stolze Elenya ließ das Lächeln auf ihrem Gesicht einfrieren und verschwinden.
Es war ihre Schuld, dass Elenya nun bei Strahd ihr Dasein fristete. Doch nun hatte sie hoffentlich endlich die Möglichkeit, dieses Ding um ihren langen, schlanken Hals loszuwerden, damit sie nicht noch mehr Schuld auf sich laden musste.

Nervös tastete sie nach dem Brief, welchen sie erhalten hatte, und welchen sie eigentlich sofort nach Erhalt hätte vernichten sollen. Er war noch da, in ihrer Innentasche. Sie brachte ihr Pferd zum Stehen und kramte das Pergament hervor.

 „Besser ich lese mir alles noch einmal genau durch und vernichte ihn dann, wie es verlangt wurde“, murmelte sie zu sich selbst.

Ehrenwerteste Lily Weg, ehrenwerteste Mitglieder der Greifenbrut,

stand dort in feiner elfischer Handschrift auf teurem Pergament

ich schreibe Euch diese Zeilen in einer Stunde der größten Not.
Der Efenvater offenbarte mir einige Visionen in den letzten Zehnttagen. Auch, dass Ihr meine Hilfe in einer der Euren Angelegenheiten benötigt. Doch Eure Suche, seid versichert, benötigt keine persönliche Audienz am Elfenhof und die Zeit erlaubt sie erst recht nicht.
Länger schon habe ich nach Euch gesucht und endlich konnte ich Euch einen Boten schicken.
Eure Suche nach Ary’velahr’Kerym muss im Schattental beginnen, dem Land, das geografisch gesehen, unsere Heimatländer trennt.

Ihr habt großen Ruhm erlangt –auch über die Staatsgrenzen Eures condathanischen Königreiches Cormyr hinaus. Selbst die Bewohner meiner Heimat zollen Euch Respekt und stellen Euch auf eine Stufe mit Euren Eltern. Ich weiß um die Macht der Kriegsklinge und in den alten Schriften wird prophezeit, dass Ihr einen Teil dieser Macht einst fordern werdet.

Scheinbar ist dieser Zeitpunkt nun gekommen und ich danke dem elfischen Pantheon, dass ich in dieser Zeit Augenzeuge sein darf. Doch, die Klinge befindet sich nicht in unserem Besitz. Die Visionen deuteten Ary’velahr’Kerym im Erdreich unter Schattental – doch schlimmer noch:
Es gibt viel zu berichten aus der Zeit, in der Ihr auf einer anderen Ebene wandertet. Auch wenn es nicht die Art meines Volkes ist werde ich mich knapp fassen. Während der Zeit Eures Aufstiegs in Cormyr, versammelte mein Vater Lord Seiveril Miritar, Corelleon sei seiner Seele gnädig, unser Heer um der Bedrohung durch die Dämonenhexe Sarya Dlardrath und ihrer Streitmacht Herr zu werden.
Mein Vater schlug die Hexe im Hochwald und trieb die verbliebene Streitmacht zurück in ihre Feste in Myth Drannor. Armeen aus der Hillsfar, Sembia, der Zenthil Feste, die Dunkelelfen aus Cormathor und die Kräfte der Talländer waren in die entscheidende letzte Schlacht involviert. Einige auf der Seite meines Vaters, andere gegen uns. Schließlich eroberte mein Vater den sagenumwobenen Elfenhof Myth Drannors, auch wenn diese letzte Schlacht sein Lebern forderte.

Auch wenn mein Vater diese Schlacht für uns entscheiden konnte, so ist der Elfenhof weiterhin in Gefahr. Wie Ihr sicher wisst hat Fzoul Chembryl, Tyrann der Zentilfeste und Auserwählter Tyrannos, die Macht in Hillsfar an sich gerissen. Die Drow vom Hause Jaelre und weitere Clans stehen gegen uns. In meinen Visionen sah ich Tyrannos und Shar verbündet – der Elfenhof ist umgeben von Feinden und nur wenige stehen uns bei.

Die Talländer, das mächtigste Tal – Schattental – war unsere Hoffnung. Doch im Sommer des letzten Jahres fiel das mächtigste Tal an die Schwarze Hand. Lord & Commander Scylliya Düsterhoff besetzte das Tal und unterjochte es dem Banner Tyrannos.
Meine Armee kam zu spät und somit jede Hilfe für unseren langjährigen Verbündeten.
 Zu allem Übel schien es als sei Mystras Gewebe im Zentrum des Tals beschädigt. Ähnlich einem Schaden wie ich sie aus Schriften Eurer Reisen entnehmen konnte. In den folgenden Monaten hat Düsterhoff die umliegenden wehrlosen Täler besetzt. Nun ist der Elfenhof umzingelt.

Schattental ist der Schlüssel zu unserer Befreiung. Auch wenn mein Volk den Elfenhof noch eine lange Zeit zu verteidigen weiß, so sind auch unsere Mittel einmal erschöpft. Nur mit einem freien Schattental vermag ich die Heimat unserer Vorfahren unseren Kindern zu schenken.

 Ich erflehe Eure Hilfe. Meine Armee ist an den Elfenhof gebunden – doch Ihr seid auf den Spuren Eurer Eltern. Schattental sollte Euer nächstes Ziel sein – es muss der Aufenthaltsort der Kriegsklinge sein.

Auch habt Ihr Informationen über ein Buch der Sharisten auf Euren Reisen erlangt. Meine Visionen deuteten mir, dass sich eine Hohepriesterin Shars, Esvele Greycastle, in Schattental aufhält. Ihr müsst das Vertrauen des gebeutelten Volks für Euch gewinnen. Die Talländer sind ehrliche Menschen.

Reist verhüllt und unter falschem Namen.
Vernichtet diesen Brief sobald ihr ihn gelesen habt.
Seid vorsichtig und sprecht nicht darüber. Das schwarze Netzwerk hat Augen und Ohren an mannigfaltigen Orten. Solltet Ihr die Shar Hohe-Priesterin und die Kommandantin des schwarzen Netzwerkes ausschalten können, dann stehen Euch sicher die Wege offen Ary’velahr’Kerym in Euren Besitz zu bringen.

Noch einmal flehe ich Euch an das Tal und damit mein Volk zu befreien. Ich weiß, Ihr müsst nicht mehr beweisen, dass Ihr vom Schlag Eurer Eltern seid. Aber diese Tat würde Euch weiter in Ihren Spuren wandern lassen.
Ich erwarte Euer Kommen, auf dass ich Euch einen Teil der Macht der Klinge meiner Urahnen übertragen kann.
In tiefer Hochachtung,
Ilsevele Miritar

Nachdem sie den Brief genau durchgelesen hatte und die wichtigsten Passagen für spätere Zwecke in ihrem Gedächtnis gespeichert hatte, zog die Bardin ihre Zunderbüchse aus einer Tasche ihres Kleides und verbrannte den Brief auf dem Waldboden.
Als das Pergament zur Unkenntlichkeit verbrannt war und es keinen Beweis mehr für dessen Existenz gab, erhob sie sich, um das letzte Stück dieser Reiseetappe anzutreten.

Plötzlich veränderte sich die Landschaft um sie herum. Wo eben noch Sonnenstrahlen durch ein üppiges Blätterdach auf den Boden fielen und Vögel sorglos zwitscherten, roch es nun nach Feuer. Der Himmel war Rauch verhangen und eine unangenehme, bedrohliche Stille lastete über dem Ort. Verwirrt blickte sich Lily um. Ihr wurde schwindelig als eine Vision ihre Gedanken durchzuckte: Myth Drannor war nicht länger frei! Die „Giftgrüne Faust“ hatte es unterjocht.

In ihrem Kopf hörte sie SEIN höhnisches Lachen, welches jäh unterbrochen wurde. Stattdessen spürte sie, wie die riesige Woge SEINES Zornes auf sie zu rollte.

Die Welt um sie herum drehte sich und die Bardin fiel bewusstlos zu Boden. Als sie wieder zu sich kam, lag sie jedoch nicht auf dem Waldboden des nördlichen Schattentals, sondern auf einem provisorischen Lager, zugedeckt bis zum Hals. Sie blickte sich um und sah, dass die übrige Greifenbrut auch hier lag.

Ähnlich wie sie selbst, schienen in diesem Moment alle zu sich zu kommen. Ihre Lager waren kreisförmig um das Zentrum eines großen Raumes angeordnet, in dessen Mitte ein alter Mann stand, der eine imposante Erscheinung bot.
 
                                                                                        *          *                 *

Lily Weg

  • Mitglied
Re: Trilogie der Dunkelheit: Schattental [UPDATE 24.01.2009]
« Antwort #7 am: 05. Februar 2009, 16:06:40 »
Auf dem Gesicht des alten Mannes breitete sich ein Lächeln aus, als er bemerkte, dass die Greifenbrut erwachte.
„Macht langsam, ihr seid noch benommen und schwach von den Nachwirkungen.“, sprach er sie mit einer volltönenden Stimm an, in welcher ein starker südlicher Akzent mitschwang.
Evendur und Galmor sahen sehr blass und mitgenommen aus. Alexander versuchte sofort aufzustehen und sein Blick suchte panisch nach seinem Schwert. Doch Schwindel übermannte ihn und der große Barbar fiel kraftlos auf sein Lager zurück.
Lily beobachtete alles in Ruhe und versuchte sich einen Reim auf die Szenerie zu machen.

 Mitfühlend ging der alte Mann, welcher in fremdländische, martialische Gewänder gekleidet war, zu Alexander herüber. „Ich sagte doch, mach langsam. Die Übelkeit und den Schwindel sollte auch ein starker Mann wie Ihr es seid, Sir Alexander, nicht unterschätzen.“
Ungläubig und unfähig sich zu äußern, starrte der Barbar den Mann, der in seiner rechten Hand einen großen Diamanten trug und auf dessen Rücken ein prächtiges Schwert geschnürt war, mit rollenden Augen und wildem Blick misstrauisch an.

Garon ergriff schließlich das Wort: „Wer seid Ihr, der uns offenbar namentlich kennt und der einen magischen Diamanten besitzt wie ihn vor uns nur unsere Eltern besaßen?“
„Ich bin Sir Kavalorn Sagremor D´Lyrandar.“
„Müssten wir Euch kennen?“, fragte Evendur mit matter Stimme.
„Nein.“, erwiderte Sir Sagremor knapp.
„Ihr seid recht einsilbig, alter Mann.“, stellte Alexander fest.
„Dem stimme ich zu“, sagte Lily, „es wäre höflich ein wenig Licht ins Dunkel unserer verwirrten Gedanken zu bringen. Ich denke, ich bin nicht die einzige hier, die eine Menge Fragen auf der Zunge hat.“
Der Rest der Greifenbrut nickte.
„Meinen Namen kennt Ihr nun, so will ich euch nun erzählen, wer ich bin und was ich hier tue.“, begann Sir Sagremor geheimnisvoll, „Ich war – oder bin – ein Freund eurer Eltern. Wir lernten uns im Jahre 1349 Thalisischer Zeitrechnung in Mulhoran, meinem Heimatland, kennen. Heute bin ich hier, um euch ein Geschenk von euren Eltern zu überbringen. Leider wart ihr, als ich vor zwei Tagen hier ankam, in einem Fäulnistraum gefangen, welchen ich glücklicherweise mit diesem Diamanten und den mir durch meinen Berufsstand anerkannten Fähigkeiten, zu bannen vermochte. Ich hoffte und bangte zwei volle Tage und zwei Nächte, dass es mir gelingen möge, euch rechtzeitig zu erwecken.“
„Moment, macht langsam, Sir Sagremor!“, unterbrach Evendur die Ausführungen des alten Mannes, „Fäulnistraum? Im Traum gefangen seit zwei Tagen und zwei Nächten? Was redet Ihr, Mann?“
Kavalorn Sagremor D´Lyrandar seufzte: „Es ist ein wenig kompliziert. Je geduldiger ihr zuhört, desto schneller werdet ihr die Zusammenhänge verstehen.“
„Scheiß auf die Geduld!“, donnerte Alexander, „Wo ist Graf Strahd? Wo ist das Haus auf dem Greifenhügel? Was macht Lily auf einmal hier? Wo ist Brocdar hin? Und was zum Abyss ist ein verdammter Fäulnistraum?“

Ärgerlich blickte Garon den Barbaren an: „Lass ihn sprechen, Alexander! Deine Fragen stellen wir uns auch, aber es bringt nichts, wenn alle durcheinander reden.“
„Wir reden doch gar nicht durcheinander“, entgegnete Alexander trotzig, „Durcheinander ist ja wohl, wenn alle gleichzeitig reden, oder?“
Als Erwiderung verdrehte Garon lediglich die Augen.

Sir Kavalorn Sagremor wartete diszipliniert, bis die beiden jungen Männer ihren Disput beigelegt hatten, ehe er fortfuhr: „Brocdar Ruhnhain ist zu Hause und ich bezweifele, dass er euch kennt. Es wundert mich, dass ihr ihn kennt. Lily war die ganze Zeit hier, daher vermag ich nicht zu beantworten, was sie auf einmal – um mit Eurem worten Sir Alexander zu sprechen – hier macht.“

Hilfesuchend und mit wildem Blick starrte Alexander seine Freundin Lily an, doch die wehrte nur knapp ab und gab ihm mit einer raschen Handbewegung zu verstehen, dass sie jetzt lieber dem alten Mann zuhören wollte. Wut stieg in dem Barbaren auf, aber er versuchte, sich zusammenzureißen.
Sir Alexander hörte sich nicht schlecht an, dachte er bei sich und lächelte gefällig in sich hinein.

„Wo liegt eigentlich dieses Mulhoran?“, wollte Evendur wissen.
„Darüber können wir zu späterer Stunde sprechen. Ich erzähle euch gern mehr über mein fernes Heimatland, doch nun liegen dringlichere Themen vor uns.“, entgegnete der Inquisitor.
„Fahrt fort mit Eurer Erzählung, Sir Sagremor“, forderte ihn Lily auf.
„Wie ich bereits erwähnte, kannte oder kenne ich eure Eltern. Wir waren sozusagen Geschäftspartner. Die Greifen der Dämmerung, allen voran Eure hinreißende Mutter“, sagte D´Lyrandar mit einem Blick zu Lily, „beauftragte meine Familie mit dem Bau eines Schiffes.“
„Ein Schiff?“, warf Evendur skeptisch ein.
„Kein normales Schiff, Sir Taurendil, sondern ein Luftschiff.“ , erklärte Kavalorn der verblüfften Greifenbrut.
Die Überraschung stand allen fünfen allzu offensichtlich ins Gesicht geschrieben, so dass der ansonsten eher ernsthafte Inquisitor sich eines Schmunzelns nicht erwehren konnte.

Garon fasste sich als erster wieder: „Was sollen wir mit einem Luftschiff? Und warum kommen Sie erst heute zu uns? Was wissen Sie über den Verbleib unserer Eltern?“
Lily stieß dem Magister ihren linken Ellenbogen unsanft in die Seite und unterbrach auf diese Weise seinen Redeschwall. „Nun lass ihn doch einfach erzählen!“, fuhr sie den Magier an, der ihr einen ärgerlichen Blick zuwarf. Lächelnd wandte sie sich Sir Sagremor zu und bedeutete ihm weiter zu erzählen, was selbiger dann auch dankbar tat.

„Meine Familie, deren einziger Überlebender ich inzwischen bin, begann mit dem Bau des Schiffes. Doch kurz darauf verschwanden eure Eltern. Das Schiff stellten wir trotzdem fertig und ich bin seitdem der Hüter dieses einzigartigen Bauwerks. Mein Schicksal ist es, euch das Schiff zu übergeben und es für euch zu führen. Denn wisset, dass nur die Familie D´Lyrandar dies kann.“
„Warum das denn?“, unterbrach Alexander den alten Mann unwirsch, „Was ist so besonders daran, ein Schiff zu fahren?“
„Die Golden Dragon ist kein gewöhnliches Schiff, Sir Alexander!“, entgegnete Kavalorn energisch, „Sie wurde aus Drachenknochen gefertigt und ihr Herzstück ist ein unterworfener Feuerelementar, den eure Eltern einst besiegten, jedoch vom Tode verschonten. Wir Mulhorani sind die Herren des Feuers und daher in der Lage, den Feuerelementar zu kontrollieren und dienstbar zu machen.“
Abermals starrten ihn die Mitglieder der Greifenbrut mit offenen Mündern und staunenden Augen an. Und abermals lächelte Sir Sagremor; diese jungen Leute waren wahrlich noch ungeduldig und voller Tatendrang.

„Meine Familie zählt zu den wenigen Menschen, welche befähigt sind, Kapitäne hervorzubringen, die ein Luftschiff fliegen können.“, fuhr er fort, „Das Schiff sollte ursprünglich den Greifen der Dämmerung als Basis für geheime Operationen dienen. Nun, da die Gruppe eurer Eltern verschollen ist, nehme ich an, seid ihr die rechtmäßigen Erben der Golden Dragon und sie und ich werden fortan euch als Stützpunkt dienen. Wie ich hörte, habt ihr euch bisher mehr als würdig erwiesen, aus dem Schatten eurer berühmten Eltern heraus zu treten und das Erbe anzunehmen.“

Der Kapitän der Golden Dragon ließ seine Worte noch ein wenig nachwirken, doch auch nach vielen Augenblicken starrten ihn die Gesichter der fünf Nachkommen der Greifen der Dämmerung ungläubig und staunend an, so dass der alte Mann schließlich wieder das Wort ergriff und schmunzelnd meinte: „Ihr hattet vorhin eine Menge Fragen. Nun wäre es vielleicht an der Zeit, sie zu stellen.“
„Wo ist das Schiff?“, fragte Lily, die sich als erste fing.
Sir Sagremors Brust schien vor Stolz anzuschwellen, als er der Bardin antwortete: „Sie liegt in den Minen des Clan Ruhnhain. Dort wurde sie in einem Hangar gebaut.“
„Wann können wir sie sehen?“, fragte die junge Frau weiter.
„Es müssen, sofern ihr euch wohlauf und reisefähig fühlt, lediglich zwei Vorbereitungen getroffen werden“, erklärte D´Lyrandar.
„Was wäre das?“, wollte Evendur wissen.
„Mit diesem Kristall hier, werde ich zunächst ein Ritual initiieren, durch welches eure Verbindungen untereinander gefestigt werden und die euch durch die Geburtsmale innewohnenden Kräfte erweitert werden. Danach werden wir mit eurer neuen gemeinsamen Kraft unter Mithilfe des Steins zunächst einen Turm hier in der Villa entstehen lassen, an welchem die Golden Dragon andocken kann. Sobald dies vollbracht ist, werden wir nach Suzail reiten, wo ihr euch mit Vorräten eindecken könnt, bevor wir weiter zu den Minen des Clan Ruhnhain reisen.“

Lily Weg

  • Mitglied
Re: Trilogie der Dunkelheit: Schattental [UPDATE 05.02.2009]
« Antwort #8 am: 21. Februar 2009, 19:05:57 »
Die Mitglieder der Greifenbrut warfen sich erwartungsvolle und überraschte Blicke zu, während Sagremor die letzten Vorbereitungen für das Ritual traf. Schließlich fragte er: „Wer von euch führt den neunzackigen Stern aus Metall mit sich?“
Lily griff in ihren Rucksack und beförderte das kostbare Utensil hervor.
Der alte Mann wies die jungen Gefährten an, sich an den Händen zu fassen und legte, nachdem der rituelle Kreis um den Stern geschlossen war, den Kristall auf die Spitze des kleinen Konstrukts. Sofort spürten alle die Wellen der Kraft, welche sich von dem Kristall im Zentrum des Sterns, über dessen verzierte Spitzen, hin zu den Händen und Herzen der Greifenbrut ausbreiteten.
Die magischen Hautmale begannen zu glühen und zu pulsieren und vergrößerten sich zusehends. Mit einer massiven Woge aus reiner Kraft, die alle Gruppenmitglieder aufbäumen ließ und sie anschließend rücklings auf den Boden warf,  war das Ritual vollendet.
Ein jeder der Nachkommen der Greifen der Dämmerung verspürte in sich einen Quell der Kraft und Energie. Allen war bewusst, dass sie ein Stück mächtiger als noch vor einigen Augenblicken waren.
Verstohlen blickte jeder auf sein Mal und stellte fest, dass sich um das ursprüngliche Mal herum, welches nun im Zentrum des neuen Bildes lag, ein Labyrinth neuer, verschlungener Linien angeordnet hatte.

Als die jungen Leute wieder bei klarem Verstand waren, forderte sie Lyrandar auf, sich abermals an den Händen zu fassen und ihn diesmal in den Kreis einzubeziehen. Gemeinsam konzentrierten sie sich auf die Kraft, welche dem Kristall in ihrer Mitte innewohnte.

Um die Gruppe herum begann der steinerne Boden zu beben. Die dicken Wände wackelten, Risse bildeten sich in der Stuck verzierten Decke, die von riesigen, unsichtbaren Händen auseinandergerissen wurde. Aus dem Boden erhob sich aus einer Staubwolke heraus eine Plattform, welche sich langsam, Zentimeterweise nach oben schob.
Voller Staunen konzentrierte sich die Greifenbrut auf das enorme Gebilde inmitten des Raumes. Als hätte die Konzentration der Gruppe eine direkte Auswirkung auf das Wachstum der Plattform, baute sie sich schneller und schneller, immer höher und höher auf, bis sie schließlich ein etwa 100 Fuß hoher Turm mit Verzierungen und einer Art Reling an der Spitze geworden war.

Mit offenen Mündern betrachteten die jungen Leute, was sie gemeinsam geschaffen hatten.
„Wie kommen wir da hinauf?“, wollte Galmor schließlich wissen.
Kavalorn schmunzelte und deutete auf eine fast unsichtbare Tür am Fuße des Turmes.
Geheimnisvoll merkte er noch an, dass es ohnehin bedeutungslos sei, ob eine Tür in diesem Turm sei oder nicht, da dieser lediglich als Dock für das Luftschiff dienen würde. Etwaige Vorräte kämen auf anderem Wege an Bord, versicherte er den gespannt drein schauenden Malträgern.

„Am besten ist es denke ich“, fuhr er schmunzelnd fort, „wenn wir so rasch wie möglich aufbrechen. Dann könnt ihr euch selbst ein Bild von eurem Besitz machen.“
„Wo liegt das Schiff denn vor Anker, wenn man das so nennen kann?“, wollte Evendur wissen.
„Das Schiff wurde in den Minen des Clans Ruhnhain gebaut und liegt dort bis zum heutigen Tage“, antwortete D`Lyrandar.

Da das neue Ziel der Greifenbrut nun bekannt war, beeilten sich alle, reisefertig zu werden und so konnte die Gesellschaft noch am späten Nachmittag desselben Tages aufbrechen von Wheloon, in Richtung Suzail.

Garon konnte es sich nehmen lassen, beim Verlassen des Anwesens eine mächtige Illusion, bestehend aus Bild und Ton, herauf zu beschwören, in welcher die mordlüsternen Kampfschreie von Flugdrachen aus dem erst vor wenigen Stunden quasi aus dem Nichts entstandenen Turm erschallten, und die Bevölkerung Wheloons in Angst und Schrecken versetzte.

Freilich erntete der kreative Magier für diese Idee keinen Beifall, sondern einige schmerzhafte Rippenstöße. Der Aufforderung, sich öffentlich bei der Bevölkerung zu entschuldigen und die Situation aufzuklären, kam er nicht nach.

Zeternd, schimpfend und kritisierend zog also die Greifenbrut schließlich von dannen.
Unterwegs wurden Pferde erstanden, Reiseproviant eingekauft und Sir Kavalorn erzählte bei den frostigen Temperaturen, welche während der Reise herrschten, von seinem warmen Heimatland Mulhoran.
Um wie vieles kälter aber sollte die Reise in das neue Abenteuer der Greifenbrut noch werden… .

In Suzail, der lebhaften Hauptstadt Cormyrs, verschwanden die Malträger zunächst in den engen Gassen des Basars, wo sie zahlreiche nützliche Gegenstände kauften. Auch Rüstungen und Waffen wurden ausgetauscht oder erneuert. Lily freute sich diebisch, dass sie bei einem kleinen Abstecher, den sie ohne die Männer unternahm, zwei magische Gegenstände ergattern konnte, welche eines Tages vielleicht sehr nützlich werden könnten, und falls nicht zumindest einen einträglichen Unterhaltungswert versprachen.

Lily Weg

  • Mitglied
Re: Trilogie der Dunkelheit: Schattental [UPDATE 21.02.2009]
« Antwort #9 am: 24. März 2009, 17:47:09 »
Die weitere Reise von Suzail nach Espia und von dort aus zu den Minen des Clans der Ruhnhains verlief ereignislos. Lediglich Alexander forderte die Grenzen der Belastbarkeit seiner Freunde das eine oder andere Mal heraus, weil er einfach nicht verstehen wollte, was ein Fäulnistraum war.


In den Minen der Ruhnhains – die Jungfernfahrt


Kurz vor Sonnenuntergang des 8. Hammer 1375 erreichte die Greifenbrut gut gelaunt die Minen der Ruhnhains. Ehrfürchtig verstummten die Gespräche und die Reisegesellschaft blickte auf das kunstvoll mit zwergischen Runen und schmiedeeisernen Verzierungen geschmückte Tor.
Bei näherer Betrachtung waren Sehschlitze in dem Eingangstor zu erkennen, hinter denen sich offenbar auch Augenpaare verbargen, welche die Ankömmlinge musterten.
Lily erhob ihre Stimme in Richtung des eisernen Bollwerks und den darin befindlichen kleinen Öffnungen:
„Seid gegrüßt, Zwerge des Clans Ruhnhain! Vor eurem Eingangstor erbitten die Nachfahren der Greifen der Dämmerung Einlass in eure Hallen.“
Weitere „Sehschlitze“ wurden aufgeschoben, aber es kam weder eine Antwort, noch wurde das Tor geöffnet, noch wurden sie mit Armbrustbolzen davon gejagt. Also fuhr die junge Frau fort, gegen die eiserne Wand zu rufen:
„Mein Name ist Lily Weg. Ich bin die Tochter Rubinija Wegs, die eine Freundin und treue Gefährtin von Gloria und Arthemis Ruhnhain war…ich meine IST!“
Doch es bedurfte letztlich des Hervortretens von Kavalorn Sagremor D`Lyrandar, bis das Tor von den misstrauischen Zwergen geöffnet wurde.
„Zwerge…“, murmelte Galmor missbilligend den Kopf schüttelnd vor sich hin.

Der Mulhorani erklärte den wachhabenden Zwergen knapp, dass dies die rechtmäßigen Erben der Golden Dragon seien und ihren Besitz nun gerne in Augenschein nehmen würden.
Durch das Wirrwarr der auf Fremde (oder nicht Zwerge) Labyrinth artig wirkenden Gänge und Höhlensysteme hindurch gelangte die Greifenbrut schließlich in eine riesige Halle. Diese war so groß, dass sie nicht vollständig beleuchtet war und allein der Schall erahnen ließ, von welchem Ausmaß der Raum sein musste.

Im Zentrum des Raumes war ein Baugerüst zu sehen, welches sowohl in die Höhe gebaut war, als auch in die Tiefe des Höhlenbodens zu reichen schien. Eine gewagte Rampen Konstruktion führte in die schwarze Höhe der Höhle. Irgendetwas Großes war dort oben als undeutlicher, gewaltiger Schemen zu erahnen.

Die Greifenbrut kam sich sehr verloren vor in den dunklen Weiten dieser zwergischen Werft. Unsicher blickte einer zum anderen und schließlich klebten alle Blicke an Sir Sagremor, der mit vor stolz geschwellter Brust und einem Glänzen in seinen Augen in die Höhe blickte. Als er die auf sich ruhenden Blicke spürte, räusperte er sich und sagte dann:
„Wir warten noch auf den jungen Brocdar Ruhnhain, der quasi die Obhut über die Golden Dragon hat. Er ist der Sohn von Artemis und Gloria Ruhnhain, die auch zu den Greifen der Dämmerung gehörten.“
„Das wissen wir, alter Mann“, brummte Alexander ungeduldig.
Evendur ergänzte: „Müssen wir hier Wurzeln schlagen oder wurde bereits nach Brocdar geschickt?“
„Willkommen in den Hallen meines Clans!“, rief in diesem Augenblick ein aus dem Hauptgang kommender Zwerg, den alle bis auf Lily unschwer als Brocdar Ruhnhain erkannten.
„Ich bin…“, versuchte sich der Zwerg vorzustellen, als er energisch von Alexander unterbrochen wurde.
„Spar dir deinen Atem, Kleiner!“, rief dieser dröhnend und schlug dem verwirrt dreinschauenden Zwerg beherzt auf die Schulter. Das breite Grinsen wich allmählich aus Alexanders Gesicht, als er das blanke Entsetzen in Brocdars Augen sah, der unter dem freundschaftlich gemeinten Schlag beinahe zusammen gebrochen wäre.
Galmor lachte hämisch, Evendur warf seinem Bruder einen missbilligenden Blick zu und Garon meinte trocken:
„Alexander, der arme Brocdar scheint dich in so – nun, wie soll ich es noch nett formulieren – bleibender Erinnerung behalten zu haben, dass er es augenscheinlich vorzog, eure innige Bekanntschaft zu verdrängen.“
Der Barbar schoss dem Magier einen wilden Blick zu und wandte sich dann hilfesuchend an die Bardin, die jedoch auch nur Schulter zuckend da stand und versuchte, sich einen Reim auf die Szenerie zu machen. Leise fragte sie:
„Kennt ihr euch?“
„Na klar kennen wir uns! Was auch immer dieser Irre da“, wobei er auf Garon zeigte, „dem armen Kerl und uns allen einreden will!“
 Zaghaft erwiderte der Zwerg namens Brocdar jedoch mühsam beherrscht und seinen Blick starr auf D´Lyrandar gerichtet:
„Wer sind die? Was wollen die von mir? Und wer hat diesen Brutalo da rein gelassen?“
Sir Sagremor seufzte. Das konnte ja noch heiter werden. Dieser verfluchte Fäulnistraum komplizierte die Situation erheblich. Vermittelnd antwortete er dem in Verteidigungsstellung und sprungbereit dastehenden Brocdar:
„Diese Leute hier sind alle Nachfahren der Greifen der Dämmerung, genauso wie du. Alle bis auf Lily haben dich in einem Fäulnistraum, der scheinbar die Regeln des Hier und Jetzt überschritten hat, kennen gelernt. Soweit ich auf der Reise hierher erfahren habe, bist du in diesem Traum mit den Herrschaften hier in ein gemeinsames Abenteuer verwickelt gewesen. Fast alle von ihnen haben verstanden, dass dieser von einem mächtigen Vampirfürsten geschickte Zaubertraum eben nur ein Traum war. Nur Alexander weigert sich hartnäckig, diese Gegebenheit zu akzeptieren.“

Brocdar nickte verstehend. In dem Barbaren jedoch stieg eine Welle dunklen Zorns auf. Die Ader an seiner Schläfe schwoll an und begann zu pulsieren, wie Lily alarmiert feststellte. Sofort stellte sie sich dicht neben ihren großen Freund und legte ihm beschwichtigend die Hand auf den Oberarm. Dennoch brach es aus ihm heraus:
„Was soll das heißen? Willst du mich hier als Trottel hinstellen? Pass bloß auf, alter Mann!“
„Lass ihn, Alexander, er hat schon irgendwie Recht.“
„Bist du jetzt etwa auch noch gegen mich, Lily?“, fragte der Muskelprotz donnernd mit einem Blick wie ein verletzter, vor Wut und Enttäuschung rasender Bär.
Lily zuckte innerlich bei diesem Anblick zusammen, äußerlich antwortete sie kühl:
„Nein, bin ich nicht.“
„Warum sagst du dann sowas?“, wollte er mit einer Spur von Verletzung in der Stimme wissen.
„Weil er die Wahrheit sagt, Alexander. Ich werde es dir bei einem Bierchen erklären, in Ordnung?“
Alexander knurrte.
„Würde also mal irgendwer Bier holen?“, fragte die junge Bardin lächelnd mit einem Unterton in ihrer Stimme, der scheinbar magisches Gewicht hatte, denn sogleich rannten zwei der zwergischen Wachen los und kehrten nur wenig später mit einem kleinen Fässchen und einigen Trinkhörnern zurück.
Man setzte sich und trank starkes Zwergenbier, bei dessen Genuss sich der Barbar merklich entspannte. Leise sprach seine Freundin auf ihn ein. Die Anderen unterhielten sich taktvoll ein wenig abseits und schließlich kam Alexander verlegen, mit ausgestreckter Hand auf Brocdar zu, der die Geste misstrauisch beäugte.
„Muss mich wohl entschuldigen“, murmelte der massige Kämpfer undeutlich, „Lily hats mir nochmal erklärt und ich habs nun kapiert.“
Brocdar schlug in die Pranke des Barbaren ein und versuchte bei dem schmerzhaften Händedruck keine Mine zu verziehen.