Autor Thema: [Descent: RtL] Freud und Leid eines aufstrebenden Overlords  (Gelesen 2624 mal)

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Darastin

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Da es ja wohl einige Descent-Spieler hier gibt könnt Ihr mir vieleicht ein paar Tips geben, wie ich am Besten strategisch und taktisch vorgehen soll.

Ich hatte gerade drei Sitzungen Descent: Road to Legend als Spieler hinter mir als die Helden aufgegeben haben (unter anderem aufgrund eines eklatanten, durch extrem den Overlord begünstigende Regelauslegung entstandenen Geldrückstands) und ich zum neuen Overlord ernannt wurde. Äh... jaaaaa... öhm... OK so eine Herausforderung lehne ich natürlich ab, auch wenn einer der beiden Spieler mir strategisch und taktisch wohl überlegen und der andere zumindest ebenbürtig ist.

Nun ja, in der ersten Sitzung habe ich kräftig Lehrgeld bezahlt und es endete mit Helden: 29 CT, Overlord 28 CT. Das nächste Mal lief es dann besser; ich verlor zwar durch Nachlässigkeit und Unerfahrenheit zwei Lieutenants (Alric und Merrick), aber dafür steht es in Sachen Conquest nun 69 : 103 :twisted:

Nun hat sich eine Situation ergeben, die nich (noch) nicht so richtig einschätzen kann. Die Helden befinden sich in Talamir, einer meiner Lieutenants (der Special des Dämonenprinzen; kann mir den Namen net merken) hockt gerade am Anus Mundi (Vynelvale) und belagert fröhlich die Stadt (2 Tokens). Die Helden haben nun angekündigt, ihn da 'rausekeln zu wollen... und für mich ergibt sich eine Gelegenheit, von der ich nicht so recht weiß ob und wie ich sie ausnutzen soll. Denn es besteht die Möglichkeit, das Conquest Total über 200 zu treiben und den Helden ihr Kupfer-Special Training zu verweigern.

OK, Fakten zur Lage:

Die Helden:
  • Nanok of the Blade. Skills: Enduring (+1 Rüstung wenn keine Rüstung getragen wird) und Bear Tattoo (Grapple, +2 Health). +1 Nahkampfwürfel. Ring of Protection und diese Kupferkeule mit Knockback (Mace of Kellos?).
    Juchee, sieben Punkte Panzerung. Kaum totzukriegen, aber der Fluch des Affengottes und ein paar Sorcerer haben auch diesen Tank schon dahingerafft.
  • E...irgendwas. So ein komischer Elf dessen Namen ich mir nicht merken kann - dieser Kämpfer-Magier-Mischling der für zwei Ausdauer einen Rundumschlag machen kann. Wird als Magier gespielt. Skills: Quick Casting (zusätzlicher Zauberangriff für zwei Ausdauer) und Tiger Tattoo (+1 Geschwindigkeit, +1 Ausdauer). +1 Magiewürfel. Hat nen fetten Kupfer-Zauberstab (1:1 Energie in Schaden umwandeln), dazu Magierrobe, Stun-Rune und Blast-Rune aus dem Shop.
    Vielseitig und effektiv.
  • Ronan of the Wild. Skills: Shadow Soul (Familiar mit dem er den Platz tauschen kann) und Crack Shot (+2 Pierce, IIRC auch +1 Reichweite). Benutzt Ripper und nen Kristallschild oder den Knockback-Hammer aus dem Shop; außerem eine Lederrüstung.
    Sehr vielseitig; macht aber nicht ganz so viel Schaden (Ripper hat gute Würfel und Pierce 2, kann aber keine Energie in Schaden umwandeln). Kommt mühelos auch an die bestgesicherten Plätze aber nicht unbedingt lebendig wieder zurück
  • Silhouette. Skills: Skilled (+2 Ausdauer) und Swift (+2 Speed). Hat die Falkenklauen, einen normalen Schild, einen Kupferbogen und diese komische Kupferrüstung, die mit 1/6 Wahrscheinlichkeit Schaden absorbiert.
    Au verdammt, ist die schnellllllllllllllllllllllllllllllll.....
An Upgrades haben sie den Staff of the Wild, das magische Boot und außerdem den großen Tempel für Talamir (Temple Rating auf 7).


Der Overlord:
Plot: Ascension
Avatar: Dämonenprinz. Ja, sicher nicht der Beste, aber die Startposition schien mir günstig da ich ja Städte plattmachen muß und da einiges in unmittelbarer Reichweite liegt.
Start-Upgrades: Focused (OL-Deck um vier Karten verkürzen) und... wie auch immer das heißt womit man eine Karte mehr auf der Hand haben darf.
gekaufte Upgrades/Plotskarten:
  • Dreams of Power (Ascension-Grundkarte)
  • silberne Eldritch-Monster
  • Lord Merrick Farrow (RIP)
  • 2x Event Treachery
  • Transport Gem (bereits genutzt)
  • Unaussprechlich (Special-LT des Dämonen)
  • Temple of the Waves (in Nerekhall)
Die Helden befinden sich gerade in Tamalir. Nerekhall liegt in Schutt und Asche, ich kriege also zwei Conquest pro Woche. Sie brauchen zwei Züge nach Vynelvale und von da vier Züge nach Olmric's Hut um das Special Training abzugreifen. Damit wären 184 Conquest im Spiel; ich müßte also irgendwie vorher noch an 16 Conquest kommen.

Überlegungen dazu:

  • Ich könnte noch etwas Treachery und vielleicht das Dämonen-Upgrade (oder eben noch mehr Treachery) kaufen und auf enen TPK hoffen. Das gäbe 13 Conquest +2 für jeden Helden, den der Chef persönlich auseinandernimmt. Es würde ihnen aber auch eine Woche für den Weg in Olmric's Hut sparen (Respawn in Tamalir); ich müßte also drei mit dem Lt. erlegen. Das klingt - gelinde gesagt - schwierig. Allerdings ist Flucht keine Option für die Helden, denn dann kann ich sie angreifen anstatt weiter zu belagern und in zwei Kämpfen kriege ich die 16 CTs bestimmt zusammen.
  • Ich kaufe Eliza und Siege Engines; der Special Lt. flieht. Dann kriege ich beide nach Greyhaven, drei Siege Tokens drauf und kann in der Woche, in der die Helden Olmric's Hut erreichen, ein Mal würfeln ob ich die Stadt niedermache, was 10 CT bringen wird.  Ich müßte also in dem Kampf noch irgendwie 6 CT 'rausholen, was zu bewerkstelligen sein dürfte. Wenn die Belagerung aber nicht sofort erfolgreich ist waren diese beiden Käufe zu diesem Zeitpunkt IMHO nicht so sonderlich sinnvoll.
  • Oder ich gehe auf Nummer sicher, kaufe etwas Treachery, fliehe mit dem Lt., nehme vielleicht noch ein oder zwei Helden mit, lasse ihnen ihr Special Training und habe mehr Pulver für das nächste Dungeon. In der Zwischenzeit kann ich auch fröhlich weiter Greyhaven belagern; da die Helden auch noch Skills in Olmric's Hut erwerben wollen dürfe ich genug Zeit haben um die Stadt einzuebnen.
Die strategische Frage nun: Lohnt es sich, ein Risiko dafür einzugehen das Special Training auf dem Kupferlevel zu blockieren? Ich kann es mir nicht leisten den Lt. zu verlieren und nur deswegen Eliza und die Siege Engines zu kaufen (OK, die müssen irgendwann sein) ist auch nicht das Wahre.

Die taktische Frage: Wie gehe ich in dem Kampf mit dem Lt. am Besten vor? Meine Überlegung war: Möglichst nahe am Ausgang aufbauen um die Helden erstmal marschieren zu lassen und Threat aufzubauen. Die Event Treachery stecke ich in Poltergeist, Danger und Dark Charm. Ich kaufe mir direkt in der ersten Runde einen zweiten Dämonen. Nanok darf sich via Dark Charm seine eigene Keule vor den Latz knallen und schiebt sich dabei selbst durch die Auren des Lt. und vielleicht noch eines Dämonen. Oder er fliegt durch den Ausgang von der Karte (falls er günstig positioniert ist). Mit Poltergeist kann ich das Selbstbraten in der Aura nochmal wiederholen und die anderen Helden aus den Bäumen 'rausholen, wo der Lt. und seine Minions sie recht schnell zusammenschießen dürften.

Falls ich noch mehr Treachery kaufe würfe eine davon Monster Treachery sein; ich dachte da an die Dunklen Priester und entweder Tiermenschen (wegen Command) oder Shades (weil Eldritch und dank Ghost und Stealth schwer zu treffen).


So, und nun dürft Ihr Experten Euren Senf dazu abgeben :)

Bis bald;
Darastin
Darastins Grundregeln des Rollenspiels:
1. Sei kein Arschloch!  2. Spiele nicht mit Idioten!  3. Redet miteinander!

Hetzer

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Re: [Descent: RtL] Freud und Leid eines aufstrebenden Overlords
« Antwort #1 am: 21. April 2009, 09:33:05 »
Hmmm ich bin bei RTL noch nicht Experte; ich spiele an diesem WE das erste Mal diese Erweiterung. Hier nur meine grundsätzliche Meinung die bitte nicht als Kritik aufgefasst werden soll.

Beim langfristigen Brettspielhobby ist es eher kontraproduktiv nach Tipps zu fragen. Meines Erachtens ist der halbe Spaß selbst Strategie und Taktik zu erarbeiten und die andere Hälfte ist das man die Tipps zwar versteht aber nicht begreift. Hört sich jetzt seltsam an ist aber so. Wenn ich dir jetzt sagen würde mache xy dann könntest du das natürlich machen aber weißt du auch warum? Was machst du wenn ein Gegenspieler auf diese Strategie nicht eingeht und du deine Pläne anpassen musst? Wenn du nicht verstehst wie der Plan entstanden ist kannst du ihn auch nicht umstricken...

Trotzdem hier ein Tip als Diskussionsgrundlage, in Descent war es bis jetzt immer so das der OL am Anfang die Überhand hat und diese früher oder später verliert. Ich würde also im Idealfalle neue Leutnants besorgen und immer die Hauptstadt bedrohen damit die Spieler unter Druck geraten. Die einfachste Siegbedingung ist nämlich die Hauptstadt platt machen also ran an den Speck und von allen Seiten. Ich glaube das Spieler die gerade auf ihre Stadt aufpassen müssen gerade nicht am gewinnen sind.

Immer dran denken und wie ein Mantra aufsagen: der OL ist kein SL; der OL ist kein SL.... sei so fies wie es gerade eben geht denn du willst gewinnen, dein mächtigster Freund ist die Moral der Gegenspieler verpasse ihr Tritte wo es nur eben geht ob auf dem Brett oder in Form von dummen Sprüchen immer feste druff...  wink
In the battle between good and evil evil has more fun

Darastin

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Re: [Descent: RtL] Freud und Leid eines aufstrebenden Overlords
« Antwort #2 am: 21. April 2009, 11:52:23 »
Zunächst einmal Danke für die Antwort, auch wenn diese etwas spät kommt und sich die Sache mittlerweile erledigt hat (Kar-Amag-Atoth hat die Helden gnadenlos vaporisiert, woraufhin diese kapituliert haben).

Meines Erachtens ist der halbe Spaß selbst Strategie und Taktik zu erarbeiten
Nun, ich hatte ja bereits etwas zusammengebraut und suchte eigentlich eher nach "qualifizierten" Beurteilungen.

Zitat
und die andere Hälfte ist das man die Tipps zwar versteht aber nicht begreift.
Nur wenn sie schlecht sind (d.h. unbegründet).

Zitat
Wenn ich dir jetzt sagen würde mache xy dann könntest du das natürlich machen aber weißt du auch warum?
Nein; ist aber auch egal da ich das ohne Begründung höchstwahrscheinlich eh verwerfen würde.

Zitat
Was machst du wenn ein Gegenspieler auf diese Strategie nicht eingeht und du deine Pläne anpassen musst? Wenn du nicht verstehst wie der Plan entstanden ist kannst du ihn auch nicht umstricken...
Ein berechtigter Einwand, aber bei dieser speziellen Problematik irrelevant. Die Strategie der Helden war klar; hätten sie da irgendwas anders gemacht hätten sie ihr Ziel verloren.

Zitat
Trotzdem hier ein Tip als Diskussionsgrundlage, in Descent war es bis jetzt immer so das der OL am Anfang die Überhand hat und diese früher oder später verliert.
Das sagt man im Allgemeinen von RtL; aber mittlerweile kann ich diese Einschätzung nicht mehr teilen weil:

Zitat
Immer dran denken und wie ein Mantra aufsagen: der OL ist kein SL; der OL ist kein SL.... sei so fies wie es gerade eben geht denn du willst gewinnen
Das weiß ich natürlich und spiele entsprechend. Und wenn man das tut, dann wird es keine Verlagerung des Kräftegleichgewichts geben. Liegt der OL zu Beginn deutlich vorne und spielt konsequent auf Sieg, dann gewinnt er auch. Läuft es hingegen schlecht und er gerät ins Hintertreffen, dann kann er diesen Rückstand nie mehr aufholen. Das oftmals als "normal" postulierte CT-Verhältnis von 2:1 ist ein Witz. Ein OL, der gegen Ende des Kupferlevels mit 2:1 führt und das Spiel noch nicht entschieden  hat macht was falsch.

Bis bald;
Darastin
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1. Sei kein Arschloch!  2. Spiele nicht mit Idioten!  3. Redet miteinander!

Hetzer

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Re: [Descent: RtL] Freud und Leid eines aufstrebenden Overlords
« Antwort #3 am: 21. April 2009, 22:21:37 »
Hmm wir spielen am Samstag... mal schauen wie schnell meine Spieler die Moral verlässt... Ich habe bis jetzt auch immer geglaubt das bei Descent der OL die Oberhand hat... bis ich das erste Mal gesehen habe wie es Spieler zu einer Silbertruhe schaffen... danach war einfach Feierabend. Bin Mal gespannt wie das bei Rtl mit dem aufsteigen der OL Fähigkeiten klappt...
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Darastin

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Re: [Descent: RtL] Freud und Leid eines aufstrebenden Overlords
« Antwort #4 am: 22. April 2009, 11:01:11 »
So stark verbessert sich der Overlord eigentlich nicht - es sei denn er liegt wirklich deutlich mit den Punkten vorne, und dann sollte er den Sack zumachen bevor die Helden Silberschätze und entsprechende Upgrades in die Finger kriegen.

Als OL kauft man sich nomalerweise erstmal bessere Monster (Empfehlung: Nimm Eldritch wenn Du kannst; lass' die Finger von Beasts) und dann Treachery. Letzteres bringt in den Dungeons noch nicht so viel aber die Leutnants werden dadurch drastisch aufgewertet. Sofern die Helden hier noch nicht deutlich vorne liegen ist es keim Problem, ihnen hier kräftig den Hintern zu versohlen. Wichtig ist: Spiele den Lt. selbst immer defensiv und lass' die Minions die Drecksarbeit erledigen. Und nutze die Macht... äh... Treachery. Für ein Moster-Treachery kriegst Du z.B. eine Beschwörungskarte mit vier normalen und zwei Elite-Skeletten; für ein zweites kannst Du Dir dann die beiden normalen Skelettbeschwörungen aus dem OL-Deck holen. Die halten zwar nicht viel aus, schießen aber auf Silber alles über den Haufen und sind obendrein noch ziemlich flott.

Bis bald;
Darastin
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