Autor Thema: Lords of Darkness III  (Gelesen 9630 mal)

Beschreibung: Update: 16.7.2016

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Gerthrac

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Lords of Darkness III
« Antwort #15 am: 02. August 2009, 19:57:30 »
Der Kampf war wesentlich brutaler abgelaufen, als ich das geschätzt hatte, ja.

Es sind Leute mehrfach fast gestorben, ich glaube Celebes und Asharam, der wieder von einem Gastspieler gespielt wurde, haben es besonders abbekommen. Die Gruppe hat genug Ressourcen, um sich nach dem Kampf wieder zu heilen, aber ohne Dairon ist keine nennenswerte Infight-Heilung möglich.

Gerthrac

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Lords of Darkness III
« Antwort #16 am: 02. August 2009, 20:38:26 »

Kapitel 6: Der Schlund des Chaos

Die Dunkelburg versank in einem Abyss der Gewalt, wahnsinnigem Gelächter und insgesamt einem Blutbad epischen Ausmaßes.

Blut färbte Schnee, schmolz ihn an und verwandelte ihn in Scherben aus rotem Glas.
 
Einheiten loyaler Soldaten wurden von einem riesigen Mob aus Kultisten angefallen, alle mit dem Symbol der Schwarzen Sonne entweder auf die Stirn tätowiert oder sogar einfach mit einem Brandeisen eingebrannt. Bewaffnet mit kruden Waffen, Arbeitsmessern, Knüppeln und in vielfacher Überzahl rannten die Cyricisten mitten in die Speere der Soldaten, zogen sie im Tod nach unten, und die nachfolgenden Kultisten sprangen einfach mitten in die Phalanx der Soldaten.
Orks ermordeten ihre vorgesetzten Offiziere einfach von hinten und rannten in das Chaos, den Namen ihres eigenen Gottes auf den Lippen.
Gnolle fielen über Zivilisten her und zerfleischten sie mit ihren Zähnen, und das war nicht das Schlimmste, was sie anstellten.

Teldra sah Gaeriel aus dem Schacht stürmen, verfolgt von einigen der Hyänenmenschen. Bevor sie reagieren konnte, rammte einer der Gnolle seine Hellebarde in ihren schmalen Rücken und zerrte sie wieder nach unten. Das letzte, was die Zauberdiebin von ihr sah, waren ihre weit aufgerissenen kristallblauen Augen. Sie wollte ihr hinterher fliegen, doch hielt Heram sie am Arm fest. Er schüttelte den Kopf. Dem Schneidermädchen war nicht mehr zu helfen.

***

Der Schlegelkämpfer lag ausblutend am Boden, während der Axtkämpfer brüllend auf Dairon einstürmte. Neben ihm schwang die Hochexekutorin der Dunkelburg ihr Henkerschwert und parierte einen der exotisch anzusehenden Schläge des Peregeistes, dem Krieger in seiner elfenbeinfarbenen Rüstung und dem Katana, ihrem ehemaligen General und Anführer der Streitkräfte. Mitten im brutalen Nahkampf vor den Toren der Nordkathedrale gefangen, bluteten der Eisen-Imperzeptor und die gefallene Paladin bereits aus mehreren Schnitt- und Stichwunden. Den Schmerzen in seinem Brustkorb nach zu urteilen, hatte der Kleriker sich auch mehrere Rippen gebrochen. Er brauchte dringend eine bessere Rüstung.

Der Waffenbruder des Peregeistes kämpfte gut, und die Kampfzauber des Klerikers würden bald ihre Wirkung verlieren. Und die Schädelaxt traf auch trotz der gerechten Macht Tyrannos’ noch hart genug. Ein Krieger der Cyricisten brach durch die Verteidigungslinie und stürmte auf Dairon zu. Ihm reichte es jetzt. Der Kampf musste schnell enden, sonst würde er ohne seine großen Schutzzauber im Nahkampf zerhackt werden.

Seine grünen Augen bohrten sich in die des schwer gerüsteten Menschen, der ein Zweihandschwert schwang, Hass und religiöser Eifer in den Augen. Ein Gedanke, ein infernalisches Wort und sein Wille bohrte sich in den des Gegners. Dann nickte er zum Axtkämpfer.

„Bring ihn um.“

***

Ulfir, der junge Obergefreite der Armee, der bis vor einigen Minuten noch die Hobgoblins in Marschordnungen ausgebildet hatte, hustete Blut. Aus dem aktiven Dienst durch eine schwere Kriegsverletzung ausgeschieden, hatte man ihn hierher versetzt, damit er seine Erfahrungen weiter gäbe an die jungen Rekruten. Und jetzt steckte er in einem Kampf, wie er am Mondsee nicht brutaler hätte geführt werden können. Seine Hobgoblins, diszipliniert, doch in den konventionellen Taktiken noch nicht sehr erfahren, wurden von der Horde der kreischenden und lachenden Cyricisten in eine Ecke gedrängt und einer nach dem anderen wurde nieder gemacht.

Der junge Mann hatte nur noch ein Auge; ein Armbrustbolzen vor Mulmaster hatte ihn das linke gekostet. Hochrangige Priester waren Mangelware, ihre Zauber umso mehr, und so trug er eine Augenklappe. Sein Langschwert erschlug einen weiteren der blut- und dreckverkrusteten Irren, die manchmal nur in Säcken und anderen Fetzen in der Winterkälte herum rannten. Sie waren voller Schriftzeichen, bei deren bloßem Anblick dem Soldaten übel wurde. Mit starrem Blick beugte sich sein letzter Gegner vor und packte sein Langschwert an den Parierstangen. Seine Arme waren etwas zu kurz, und so spießte er sich noch weiter auf. Er sackte auf die Knie, seine Hände verkrampften sich mit unglaublicher Kraft an der Waffe.

„BRENNE IM SCHWARZEN LICHT DER SONNE, DIENER DES TOTEN GOTTES!“ drei weitere Cyricisten, voll Dreck, Rotz und verkrustetem Blut, sprangen kreischend über den mittlerweile Toten. Es fehlte nur noch dass sie auf allen Vieren herum sprangen, dann würde er Tiere bekämpfen, dachte sich der junge Mann. Hoffentlich war mit seiner geliebten Gaeriel alles in Ordnung.

Dann prallten die drei gegen ihn und rissen ihn zu Boden. Einer hatte ein Metzgershackbeil, die anderen beiden rangen ihn durch Kraft und schieren Wahnsinn nieder.

***

Ein halbnackter Cyricist hisste das Banner des Prinzen der Lügen, den Schädel auf schwarzer Sonne, über der Zitadelle.

***

Schneeflocken fielen aus dem grauen Himmel, zarte weiße Flocken, die auf den abkühlenden Leichen vergingen.

Alcarin

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Lords of Darkness III
« Antwort #17 am: 02. August 2009, 22:39:30 »
Stimmt, der Kampf/die Schlacht war hart und hat uns einiges gekostet, auch wenn die Gegner uns rein technisch betrachtet unterlegen waren. Allerdings ist auch die Atmospäre nie zu kurz gekommen und ich glaube mich erinnern zu können, dass wir an diesem Abend keine einzige Pause gemacht haben. So etwas kann ungemein fesseln, wie auch der nun aktuelle Beitrag wieder zeigt ;)
Schön auch die Darstellung des Pärchens und deren Schicksal!

Mfg
Alcarin aka Sergenas
百聞不如一見。 / 百闻不如一见。 -  Einmal sehen ist besser als hundertmal hören.

Topas

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Lords of Darkness III
« Antwort #18 am: 03. August 2009, 16:36:32 »
Super Neustart. Gibt es nach der langen Schreibpause auch wieder viel Material oder war wegen der Klausuren auch Spielpause?
Immense harm is caused by the belief that work is virtuous.
- Bertrand Russel

Gerthrac

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Lords of Darkness III
« Antwort #19 am: 03. August 2009, 16:59:07 »
Naja an sich ist die Kampagne hier schon abgeschlossen, aber die geht noch bis Level 17, da mach dir mal keine Sorgen ;)

Falkenbluts SH hab ich läuten hören wird am Freitag upgedated, auch da sind wir noch nicht auf der aktuellen Höhe der Story. Also wird einiges rumkommen, für Stoff ist gesorgt.

Negrim

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Lords of Darkness III
« Antwort #20 am: 04. August 2009, 09:18:10 »
super gut geschrieben so wie immer !

von mir en dickes Respekt. :thumbup:

Relvin

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Lords of Darkness III
« Antwort #21 am: 05. August 2009, 13:21:22 »
Gut geschrieben, macht echt Spass zu lesen.
Bin recht neu hier im Forum, habe mir jetzt aber in recht kurzer Zeit
alle Teile von Lords of Darkness durchgelesen.

Bin gespannt auf mehr und Dank für Inspiration und Unterhaltung  :thumbup:

Relvin
Just wanna be a ninja.

Gerthrac

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Lords of Darkness III
« Antwort #22 am: 07. August 2009, 17:59:58 »
Danke, danke. Freut mich, wenn es euch gefällt.

So, hier Update, dann Session (yaaay).

Kapitel 7: Zorn der Ordnung

Der beherrschte Krieger packte den in einen Kapuzenmantel gehüllten Axtschwinger von hinten und riss ihn zu Boden. Dairon nutzte die Gelegenheit, und mit einem Überhandschlag trennte er seinem Gegner die Waffenhand ab. Blut spritzte hervor. Seltsamerweise schrie der Cyricist nicht. In eisiger Stille zog er einen Dolch aus dem Gürtel und rammte ihn Dairons Knecht ins Auge. Der ehemalige Soldat des I. Dunkelburg ging schreiend zu Boden. Als der Axtkämpfer sich umdrehte schlug Dairon seinen Kopf entzwei. Der Kleriker wirkte einen Zauber, der ihn selbst beschleunigte, indem er seinen Gegnern Energie entzog. Dann schoss er noch einen Bolzen aus schwarzer Energie auf den Peregeist, was ihm eine Wunde im Arm zufügte. Jedoch sorgte die kriechende Kälte des Bolzen dafür, dass das Katana aus seinen tauben Fingern fiel.

Diese Öffnung wurde von der Hochexekutorin brutal und augenblicklich ausgenutzt. Sie trat dem ehemaligen General gegen den stilisierten Schädelhelm, was ihrem Gegner einen Augenblick die Sicht nahm. Dann machte sie einen Ausfallschritt, als er zurücktaumelte, und rammte ihm ihren Schwertgriff gegen den Hals. Sie zog den Arm weiter, und traf ihn genau auf Halshöhe mit ihrem Henkerschwert.

Der Kopf des Peregeistes flog zusammen mit seinem Schädelhelm durch die Luft.

***

Ulfir schrie und wand sich im Griff der Cyricisten, doch konnte er sich nicht selbst befreien. Das Hackbeil kam auf seine Kehle herunter…

Feuerstrahlen zuckten an ihm vorbei, brannten Löcher in die Brustkörbe die Kultisten, die ihn hielten und sengten dem Beilschwinger den halben Kopf weg. Feuerwände erschienen um ihn herum, verbrannten dutzende Kultisten, während die, die im Nahkampf mit den Hobgoblins verstrickt waren, von Präzisionsfeuer seltsamer schwarzer Pfeile niedergemäht wurden. Ein Kleriker des Lügenprinzen wirkte seine Magie und verbannte eine der Feuerwände, als plötzlich eine kapuzenverhüllte Gestalt in dunkelblau und schwarz aus seinem Schatten gestiegen, kam. Sie war völlig lautlos, bis sie kurz die Halswirbel knacken ließ und dann dem sich überrascht umdrehenden Priester das Rapier ins Auge steckte. Plötzlich kam ein in Kupfer gerüsteter Krieger brüllend mitten durch die Feuerwände gerannt und hieb einen Cyricisten mit einem beidhändig geführten Streich entzwei, riss das Schwert aus der gespaltenen Bodenplatte und setzte das Massaker fort.

Innerhalb einer halben Minute war der Kampf vorbei. Der Obergefreite konnte nur noch glotzen.

Das war also die Macht der Spiegelritter.

Ein Schatten fiel über ihn. Der kupferne Kämpfer streckte ihm die Hand hin. „Alles in Ordnung, Soldat?“

„Ich kann kämpfen.“ Die Antwort aller Soldaten auf allen Schlachtfeldern aller Ebenen des Multiversums auf eine solche Frage, selbst wenn es eine Lüge war. Er ließ sich aufhelfen.

Ein weißhaariger Mensch mit einer etwas unnatürlichen Aura und den Händen in den Taschen seiner Robe kam auf ihn zugeschlendert. „Ich schlage vor, Ihr nehmt eure Soldaten und unterstützt eure Kameraden, die alle versprengt sind.“
„Jawohl, Herr Spiegelritter.“

Der Soldat schrie Befehle, und seine Truppe sammelte sich um ihn, bildete Flankensicherung aus und fing an, Richtung Zitadelle vorzurücken. Durch die wiederhergestellte Moral und Schlachtordnung konnten sie die einzelnen Cyricistenhaufen gut im Griff behalten, trotz deren gewaltiger zahlenmäßiger Überlegenheit. Verstreute Loyalisten schlossen sich der Kompanie, die mittlerweile irgendwoher eine Standarte der Schwarzen Hand erbeutet hatte, an, und die Situation auf der Oberfläche der Dunkelburg schien sich langsam zu stabilisieren.

***

Blut lief aus den Spalten der Rüstung. Das schulterlange braune Haar klebte am Kopf. Die Hochexekutorin und der Kleriker standen auf dem Platz vor der Nordkathedrale. Um sie herum lagen dutzende Leichen. Festgestampfter Schnee war rot von den Blutspritzern. Die Herrscherin der Dunkelburg war wütend. Während der Schnee langsam die Leichen zudeckte, requirierte sie ein halbes Dutzend kompetenter Kleriker und Tempelwachen, und marschierte Richtung Zitadelle.

„Pereandros?“

„Hochexekutorin?“

„Findet Dhamir. Ich will wissen wo er sich verkrochen hat.“

„Jawohl, Hochexekutorin.“ Der Kleriker wirkte einige Zauber auf sich, trank einen Trank aus seinem Gurt und flog dann davon.

***

Ungezählte Tote ließen ihr Blut in das Abflussystem der Dunkelburg laufen. Unzählige Seelen, die gleichzeitig in den Abgrund, oder zum Höchsten Thron fuhren. Die Verrückten, die in der Dunkelburg für Chaos sorgten, waren ein Cyric-Kult. Allerdings waren sie nicht der einzige davon. Die Seelenenergie schwächte das Gefüge der Materiellen Ebene, besonders im Ritualkreis in einer Kammer der Nacht, unten in Blau West. Dort knieten dreizehn Priester im Gebet um ein Beschwörungspentagramm.

In der Luft im Zentrum des Symbols tat sich ein Riss auf.

***

Sergenas’ Kopf hob sich. „Hört ihr auch diese … Stimmen?“

Negrim

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Re:Lords of Darkness III
« Antwort #23 am: 17. August 2009, 06:24:54 »
Gute Überleitung, lässt den Leser in Spannung zurück.  :thumbup:

will ja nicht drängeln  :wink: aber wann geht es denn weiter :question:

Gerthrac

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Lords of Darkness III
« Antwort #24 am: 17. August 2009, 22:22:28 »
Kapitel 8: Apostel des Untergangs

 Asharam brachte sie alle um. Alte Freunde, ehemalige Geliebte, Bekannte, Kameraden. Seine Waffe spie das Feuer der Hölle, und es machte keinen Unterschied zwischen Engeln und Dämonen. Wie eine Maschine tötete er und tötete. Nicht Kupfer war es, das seine Rüstung rot färbte.

***

Heram war auf das Flachdach eines Hauses gestiegen. Sein Mantel flatterte im Wind des Schneesturms. Er war froh, dass sein Schattenbogen sich seine eigenen Pfeile erzeugte, denn sonst hätte er längst keine mehr. Keiner kam seinem Aussichtspunkt auch nur mehr nahe, denn sie starben schneller als sie sich sammeln konnten.

***

Teldra warf einen verbrauchten Zauberstab weg. Sie stand in einem Flammenmeer. Die Luft verschwamm um sie herum, von den Leichen stieg öliger Qualm auf. Ihr schwarzes Haar flatterte im Wind und um ihr Gesicht. Sie verwendete einen gestohlenen Heilzauber, um einige Splitterwunden an ihrem Arm zu entfernen.
Dann zog sie den nächsten Zauberstab.

***

Eine Säule aus Licht fuhr auf den Priester des Lügenprinzen hernieder, Blitze zuckten um den stählernen Schädelhelm. Die purpurne Robe ging in Flammen auf. Sergenas schwebte herunter auf das Schlachtfeld, arkane Restenergie ließ seine Augen leuchten. Der nächste Zauber kam über seine Lippen.

***

Jeder Schlag nach ihm traf entweder Luft oder Schatten. Wo er ging, sanken Menschen mit durchstochenen Lungen zu Boden. Er gab sich nicht einmal mehr die Mühe, sich zu verstecken, auch wenn er leise war wie eine Schneeflocke.

***

Der Apostel brach durch den Riss im Gefüge der Welt. Mit ihm durch das Portal kamen eintausend aufgequollene, schwarzbraune Tausendfüßler. Achtlos stampften seine behuften Füße durch die zuckende Masse. Fast beiläufig durchbrach er das Beschwörungspentagramm und brach einen der Kultisten, die sich auf die Knie geworfen hatten, entzwei. Er war unbesiegbar, und er würde diese Burg mit dem Blut ihrer Bewohner tränken.

Nachdem er jeden einzelnen der betenden Kultisten, die in ihm ihre Rettung gesehen hatten, umgebracht hatte, brach er durch die Wand und sah eine Einheit Soldaten mit den Symbolen von Tyrannos und des Schwarzen Netzwerkes auf den Schilden und Uniformen vor sich. Eine Schockwelle der Energie des Abgrundes später sanken sie mit geplatzten Köpfen zu Boden. Er wusste, wo sich seine Ziele befanden. Er bog die Wirklichkeit um sich herum und verschwand.

***

Dairon konnte Ercals nicht finden. Wo sich dieser rückgratlose Feigling bloß versteckt haben mochte?
Da sah er den Fahnenschwinger auf der Zitadellenspitze. Ein Lächeln, das man eher als Grimasse des Hasses bezeichnen konnte, legte sich auf sein Gesicht. Von Hass getragen, beschleunigte der Kleriker in der Luft und raste auf den Cyricisten zu. Er traf ihn mit einem zweihändig geführten Hieb in die linke Schulter und hieb ihn und die Flagge von Cyric entzwei. Er empfand die leichte Kühle, die er immer dann spürte, wenn sein Hass kurzfristig besänftigt worden war.

Plötzlich erschien mit einem lauten Knall der Apostel vor ihm und rammte ihm beide Zangen in die Brust.

Knochen barsten.

Der Kleriker wurde vom Dach in die kalte Luft geschleudert.

***

Die Spiegelritter sahen die Trümmerwolke im Hof aufsteigen, als der Tyrannospriester auf dem Boden aufschlug. Über ihm, auf der Spitze der Zitadelle der Dunkelburg, stand der Apostel. Größer als ein Hügelriese, bedeckt von blutroten Schuppen, schnappten seine Zangen gierig an seinen oberen Armen, bewegt von ganzen Knoten von Muskeln. Plötzlich verschwand er so schnell wie er gekommen war.

***

Sergenas schwebte fünf Meter über dem Boden, als der Apostel über ihm erschien, auf ihn herunterfiel und ihn ebenfalls in den Boden stampfte. Er stand über der keuchenden, zerschlagenen Gestalt des Hexenmeisters und trat ihm fast verspielt in die Rippen, als Asharam schreiend angerannt kam und einen Rückhandschlag setzte. Das Höllenfeuer versengte die dämonische Haut zwar etwas, aber sonst prallte die Klinge einfach ab. Aus seinem Schatten stieg Celebes, Rapier in Hand, und setzte seinen eigenen Angriff, doch auch dieser verursachte nur wenig Schaden, obwohl er gut gezielt war. Allerdings hatte er Sergenas die Zeit verschafft, sich heraus zu teleportieren. Er stand jetzt zwanzig Meter hinter Asharam und riss wieder an seinem Bewusstsein, um einen grünen Strahl auf den Glabrezu Dämon abzufeuern, der diesen traf und in ein smaragdenes Leuchten tauchte. Dummerweise war nicht mehr viel Magie übrig, dachte er sich noch, als er verlangsamt wurde, als die arkanen Energien ihren Preis forderten. Auch Celebes und Asharam waren bereits erschöpft, ihre jeweiligen Kraftquellen fast ausgeschöpft.

Er schüttelte den Kopf, um ihn klar zu bekommen.





Negrim

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Lords of Darkness III
« Antwort #25 am: 28. August 2009, 13:05:19 »
coole Story,

warte wie immer gespannt auf die Fortsetzung.  :thumbup:

Gerthrac

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Lords of Darkness III
« Antwort #26 am: 28. August 2009, 16:50:00 »
Heute oder spätestens morgen gehts weiter.

Gerthrac

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Lords of Darkness III
« Antwort #27 am: 29. August 2009, 15:30:45 »
Kapitel 9: Triumph des Hasses

Der Glabrezu verschwendete keine Zeit und begann, den Krieger und den Meuchelmörder in einem Hagel von Klauen zu zerfetzen.
Doch waren die beiden nicht allein. Ein schwarzviolett glühender Pfeil schlug in die Schuppenhaut des Glabrezu ein und durchdrang sie mühelos. Purpurnes Glühen durchzog die Adern, die von der Einschlagsstelle wegführten, und das Gebaren des Apostels wirkte plötzlich nicht mehr ganz so selbstsicher. Er ließ nichtsdestotrotz einen Hagel aus Schlägen auf Asharam und Celebes niedergehen. Er packte den Schattenfürsten durch dessen schützende Schatten hindurch einfach mit einer Zange und drückte zu.

Er zermalmte nur Schatten. Er schnappte mit seiner anderen Zange nach Asharam, doch überhitzte dieser die Luft um sich herum explosionsartig, und in einem Aufgleißen von rot und Purpur wurde das dämonische Mordwerkzeug weggestoßen.

Asharam hob sein Schild, doch es zitterte merklich von der Überanstrengung. Eine Klaue kratzte darüber und hinterließ tiefe Furchen.

Ein weiterer Strahl traf den Dämon, diesmal blieb er jedoch halbfest und wickelte sich um das Bein des Tanar’ri. Sergenas tat sein Bestes, um seine mittlerweile fast erschöpften Reserven in den Kampf zu bringen.

Dann sprang zu Füßen des Dämons eine Wand aus Feuer in die Höhe. Teldra griff in den Kampf ein.

Der Apostel hatte die Gegenwehr unterschätzt. Doch er hatte noch Reserven. Er knurrte ein arkanes Machtwort, und der Hexenmeister wurde von einer körperlosen Schockwelle getroffen. Er konnte nichts mehr sehen und brach in die Knie, betäubt. Dann wandte er sich Heram zu, der Pfeil um Pfeil auf ihn verschoss, und ihm langsam echten Schaden zufügte.

Sechshundert Kilogramm Dämonenfleisch rannten los.

Der Konflagrator hieb dem Dämon das Schwert in die Kniekehle, als dieser sich von ihm abwandte. Er packte die Waffe fester, und stieß sie in die Bodenplatte vor ihm.

Jetzt bildete die Klinge eine Fußangel. Asharam wurde nach vorne gerissen, als Dämon und Schwert sich trafen, doch blieb er auf den Beinen.

Der Glabrezu krachte so schwer auf den Boden, dass die Steinplatten brachen. Dann schlugen Schattenpfeile in seinen Rücken ein. Eine Schallsphäre. Celebes bohrte ihm sein Rapier in den schuppigen Rücken und nagelte ihn am Boden fest.

„Jetzt schneid’ ich dir den Kopf ab.“ Asharam stand neben dem Kopf des Tanar’ri, Klinge in beiden Händen.

Der Apostel teleportierte weg…

Und wurde von Sergenas’ Dimensionsanker wieder auf die materielle Ebene gerissen.

Asharams Hieb spaltete die Bodenplatte unter dem Hals des Apostels mit.

***

Dairon stieg gerade aus dem Krater, als der Rest der Spiegelritter bei ihm ankam.

„Alles klar?“ fragte Celebes den Kleriker.

„Mittlerweile außer meinem Stolz nichts mehr verletzt.“

„Was machen wir mit den ganzen herumspringenden Cyricisten?“

„Na was wohl? Jagen und töten. Ich würde sagen, wir unterstützen die Soldaten weiter, während die die Dunkelburg von oben nach unten säubern.“

„Soll mir recht sein“, merkte Sergenas an. „Aber erst will ich mir die Ausrüstung der Drakotauren näher ansehen.“

Und das taten sie.

***

Die Dunkelburg wurde von Soldatentrupps, die von Tyrannosklerikern angeführt wurden, systematisch gereinigt. Jeder, der auch nur verdächtig wirkte, mit dem Lügenprinzen im Bunde zu sein, wurde abgeholt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit hingerichtet. Angst und Misstrauen herrschten vor. Dairon wurde zum Flammen-Inquisitor ernannt, und hatte alle Hände voll zu tun. Er kam manchmal erst im Morgengrauen aus seinem Büro im dritten Stock des Kathedralenkomplexes.

Auch unter den Nichtmenschen wurde blutige Ernte gehalten, und einige Volksgruppen wurden, wie die Gnolle, ohne weiteres Nachfragen oder Auslesen ausgelöscht.

Skyllua Düsterhoff ließ in der Dunkelburg jetzt nichts mehr anbrennen. Sergenas ließ es sich nicht nehmen, gelegentlich selbst die Scheiterhaufen anzuzünden. Dairon und Heram, den er gelegentlich für die Spurensicherung dabei hatte, waren eher pragmatischer und töteten die Ketzer mit Adamantit oder Schattenpfeil. Doch nachdem die Kernstreitkräfte der Cyricisten tot waren, war es mehr wie eine blutige Aufräumarbeit. Dennoch bemerkte Dairon anhand der Spuren mancher gewirkter Zauber und gewisser Untoter, dass mindestens ein hochrangiger Kleriker der Schwarzen Sonne nicht gefunden worden war.

Dann, zwei Zehntage nach dem Tag der Plage, wie man das Datum des Putsches,  den 26. Uktar 1372, mittlerweile nannte, bestellte die Hochexekutorin die überlebenden hochrangigen Vertreter der Kirche, Gaia Finsterbaum und Dairon Pereandros, zu einer Besprechung in ihr neues Büro. Die beiden Kleriker hatten ihre Rüstungen an, doch waren die Armschienen gelockert, die Handschuhe an der Koppel eingehängt, genauso wie im Falle der Finsterbaum ihr Helm.

Gaia Finsterbaum war Dairons unmittelbare Vorgesetzte, ein Ratsmitglied im Rat der Schwarzen Hand und eine Adamantene Imperzeptorin. Sie war eine Elfe, und so war ihr wahres Alter nicht abzuschätzen. Sie hatte rotbraunes Haar und sehr helle Haut, war wesentlich kleiner und schmaler als ihr Untergebener, doch trog der Eindruck: Sie hatte sich durch die von Tyrannos verliehene Macht unnatürliche Stärke angeeignet. Dairon hatte sie mit ihrem Panzerhandschuh schon Orkschädel zerquetschen sehen. Sie war auch ziemlich attraktiv, doch war es ein offenes Geheimnis, dass jede Frau in der Tyrannoskirche der Dunkelburg, die möglicherweise als noch attraktiver wahrgenommen werden könnte, entweder einen entstellenden Unfall erlitt oder gleich verschwand.

Wer dies alles jedoch nicht wusste, würde sie als eine sehr charmante, anmutige und nahezu immer gut gelaunte Dame kennen lernen, die fast immer ein leichtes Lächeln auf den Lippen und ein Lachen gleich dahinter hatte. Sie schaffte es sogar in Ritterrüstung, ihre Hüften beim Gehen schwingen zu lassen. Und genau das tat sie jetzt, als die beiden die letzte Treppe zum behelfsmäßig eingerichteten Besprechungsraum der Hochexekutorin nahmen. Dairon klopfte, denn Skylluas Adjutant war das erste Opfer des Peregeistes gewesen, gleich vor ihren treuen Wachen. Es folgte ein „herein“ von innen, und der Imperzeptor öffnete die Tür und bedeutete seiner Herrin, hineinzugehen. Gaia zwinkerte ihm zu und schritt beschwingt durch die Tür.

Dairon trat ein.


***

„Putz dir bloß die Füße ab!“

Er schloss die Tür hinter sich. Er war in der Wohnung der Spiegelritter eingetroffen, nach vier Stunden taktischer Besprechungen mit seinen Vorgesetzten.

Teldra saß in eine Decke gewickelt mit einer Tasse von etwas in der Hand, was wie heiße Mazticanische Schokolade roch, vor dem offenen Kamin. Sie sah ihn streng an.

Er konnte aus dem Beschwörungszimmer von Sergenas die Schreie des Dieners hören.

Er seufzte resigniert und schmierte den Schneematsch an der Bodenmatte ab.

„Es gibt Neuigkeiten.“ 

Gerthrac

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Lords of Darkness III
« Antwort #28 am: 05. September 2009, 17:45:58 »
Kapitel 10: Der Prinz von Telflamm

Der Kleriker hatte seine Rüstung bis zur Hüfte abgelegt, seine Handschuhe lagen auf dem Tisch neben seinem Bierkrug. Sergenas wischte sich gerade die blutigen Hände ab.

Heram und Teldra saßen auf dem Sofa vor dem Kamin. Asharam war in seine eigene Wohnung zurückgekehrt. Celebes saß Dairon gegenüber am Tisch auf einem Stuhl und trank eine Tasse Tee.

„Wir haben einen neuen General. Der Kerl heißt Misarugi und kommt aus Kara-Tur. Dem fernen Osten also. Scheint kompetent zu sein.“

„Hat der auch Schlitzaugen?“ fragte Sergenas.

Dairon nickte. „Sieht aus wie einer der alten Männer im Shu- Viertel in Tammar. Scheint sehr kompetent zu sein und weiß auch taktisch gut Bescheid. Offenbar ein sehr fähiger Nahkämpfer, trotz seines Alters. Er wird unsere Aufträge übernehmen, wenn die Hochexekutorin mit der Inquisition und der Zentharim-Innenpolitik beschäftigt ist. Sie steht nämlich innerhalb der Zentharim gerade ziemlich schlecht da wegen dem Aufstand.“

„Warum hat die Hochexekutorin einen Fremdländer als General ausgewählt? Haben wir keine eigenen Leute?“ fragte Heram.

„Sind alle im Krieg oder von Abenteurern getötet worden. Oder waren Verräter. Misarugi hat sich als sehr atheistisch erwiesen, was dieser Tage ein Vorteil ist.“

„Wodurch wird dann seine Loyalität gesichert?“ fragte Teldra.

„Einen Haufen Gold.“ „Hat er sonst was Besonderes an sich?“ „Er scheint viele Leute um sich herum ziemlich einzuschüchtern. Seltsam, seine Erscheinung an sich ist nicht sehr bedrohlich. Die Hochexekutorin und die adamantene Imperzeptorin sind aber nicht betroffen, genauso wenig wie ich. Ich weiß nicht, warum.“

„Was gibt es sonst noch?“ fragte Sergenas.

„Wir haben es tatsächlich geschafft, ein Portal anzuzapfen und einen Transport von Telflamm nach Niewinter abzufangen. Unser Gefangener wird gerade in die Folterkammer der Zitadelle gebracht.“ Der Tyrannospriester strich sich durch das schwarze Haar und grinste diabolisch.

„Wer ist es denn?“ wollte der Schattenfürst wissen.
„Wendren Balindre. Der Handelsprinz der Stadt Telflamm.“

Celebes riss die dunklen Augen auf. „WAS?“ Er sprang auf. „Ich muss sofort nach Thesk. Sergenas, kannst du mich rüberteleportieren, wenn ich meine Sachen zusammengesucht habe? Die Gelegenheit kann ich mir nicht entgehen lassen.“ Der Hexenmeister, die Arme vor der Brust verschränkt und an der Wand lehnend, verdrehte die Augen, nickte aber.

„Wir haben morgen früh zur neunten Stunde ein Treffen mit Misarugi und der Hochexekutorin. Ich weiß aber leider noch nicht, um was es geht. Aber bevor ich es vergesse…“ Aus seinem Nimmervollen Beutel fischte Dairon vier Schriftrollen heraus. Skyllua Düsterhoffs persönliches Siegel prangte darauf.
„Das sind Kreditrahmen für jeden von euch. Ihr könnt Dienstleistungen und Waren innerhalb der Dunkelburg im Wert von zehntausend Goldstücken erwerben. Das ist ein Dankeschön der Hochexekutorin für eure Rolle am Tag der Plage.“ Er verteilte die Schriftrollen nach Name.

„Ich würde sagen, wir treffen uns dann morgen, eine Viertelstunde vor der neunten, hier an diesem Tisch.“ Merkte Heram an.

„Ich nicht. Ich muss nach Thesk. Ist sowieso meine eigentliche Aufgabe.“ Celebes rief aus seinem Zimmer heraus, da er bereits seine Sachen in einen Nimmervollen Beutel stopfte.

„Ich gehe einkaufen.“ Teldra zog sich an. „Ich auch.“ Sergenas wirkte einen Zauber und verschwand.

***

Der Himmel war dunkelblau. Und es schneite. Die Schneeflocken waren nicht zu sehen, außer wenn sie die orangegelben Lichtkreise der Laternen passierten. Aus den Schächten schien Licht, welches die darüber fallenden Schneeflocken glitzern ließ, grün, rot, blau und purpur. Die Leute waren in dicken Mänteln über der Kleidung unterwegs. Heram, Teldra, Sergenas und Dairon gingen über das Plateau der Dunkelburg in Richtung der Zitadelle, aus deren Fenstern Licht schien. Kerzen-  und Fackellicht, nicht das grellgrüne Glühen aus der Kathedrale. Bis auf Dairon hatten sich alle der Witterung entsprechend angezogen, Heram und Teldra auffallend gut,  doch nicht unbewaffnet, und marschierten durch den Schnee, der in der Nacht gefallen war. Der Kleriker hatte sich einfach dicke Unterwäsche unter der schwarzen Rüstung zugelegt. Die Mäntel bauschten sich etwas beim Laufen.

Kleine Wolken stiegen vor den Mündern der wenigen Leute auf, die in der Kälte der Bergluft unterwegs waren.

Es war windstill.

Sie passierten die drei Eingangstore und die Wachen an jedem Tor. Dann, in der relativen Wärme der Festung, wurden sie in einen kleinen Saal geführt, der ebenerdig lag und einen kleinen Ofen, einen Tisch und acht ungepolsterte Holzstühle hatte. Der Soldat verschränkte die Hände hinter dem Rücken, wartete, bis er sicher war, dass er nicht mehr gebraucht wurde, und ging dann. Vor der Gruppe stand offensichtlich der neue General der Dunkelburg, Misarugi.

Gerthrac

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Lords of Darkness III
« Antwort #29 am: 27. September 2009, 20:24:28 »
Kapitel 11: Neue Gelegenheiten

Misarugi war vor sieben Jahren, 1365, aus dem Fernen Osten Faerûns aufgetaucht. Er hatte sich in der Zitadelle des Rabens einen Namen gemacht und sich in der Hierarchie der Zentharim hochgearbeitet. Dabei kam ihm sein ihm eigener strikter Ehren- und Verhaltenskodex sehr zupaß. Er war absolut furchtlos, es kam sogar so weit, dass er eigentlich nie starke Gefühle zeigte. Durch unbekannte aber zweifellos zuverlässige Quellen war er in der Lage, einen Informationsvorsprung vor seinen politischen Gegnern aufzubauen. Er entwickelte eigenständig innovative Pläne, um den Zentharim Vorteile zu verschaffen. So war er bei der Zerschlagung mehrerer Harfner- und Cyricistenzellen in der Zentilfeste, der Dunkelburg, und seit neuestem auch Mulmaster und Fernbergen beteiligt.

Er war ein älterer Mensch, mit Shou-Gesichtszügen und –farbe. Klein, aber drahtig, trug er ein Katana wie der Peregeist und eine kleinere Variante davon in seinem Waffengurt, doch kannte Heram diesen Waffentyp nicht. Sein weißes Haar war zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden und auf die Mitte seines Kopfes zurückgewichen.

Als er zu sprechen anfing, konnte man seinen Akzent deutlich hören.

„Willkommen. Ich möchte keine Zeit verschwenden und komme gleich zur Sache. Wir haben den Fürsten der Stadt Telflamm aus Thesk abgefangen, als er auf dem Weg zu einer Zusammenkunft der Herrscher der Staaten Faerûns in der Stadt Niewinter im Norden war.“

„Welche Zusammenkunft?“ fragte Sergenas.

„Eine Zusammenkunft um Verhandlungen für ein Bündnis gegen die Zentharim zu beginnen. Man will eine Allianz schmieden… eine Allianz gegen uns.“

Blicke wurden am Tisch getauscht. Diese Neuigkeiten klangen sehr unerfreulich. Der Krieg lief im Moment gut, doch konnte sich das nach dem Tauwetter wieder ändern.

„Und was können wir da tun?“ fragte Teldra.

„Wir wollen, dass Eure Gruppe hier“, Misarugi machte eine Geste mit einer vernarbten Hand. „diese Zusammenkunft infiltriert.“ Eine weitere Runde Blicke wurde getauscht. Ein Treffen der Herrscher fast aller Nationen im Norden und Westen Faeruns und einiger an der See des Sternenregens? Und sie sollten das infiltrieren? Ohne Celebes?

„Dazu müssten wir eventuell einige Informationen mehr einholen.“ Merkte Heram an.
„Wo haben wir den Fürsten?“ fragte Dairon.

„Der ist mittlerweile hier angekommen. Ihr wollt ihn verhören?“

Nicken.

„Wir haben ihn im Turm der Zitadelle untergebracht. Folgt mir bitte.“
Er stand auf. Sie folgten ihm in den westlichen Turm der Zitadelle, wo der schwarzhaarige sechs Fuß große Fürst von Telflamm festgehalten wurde. Die Zelle war schwer mit Wächtern der Rabengarde, starker göttlicher und arkaner Sperrmagie gesichert. Der Fürst war in schwere Ketten gelegt.

Er war bei Bewusstsein. Als sich die Tür öffnete und die Gruppe eintrat, hob er den hängenden Kopf. Er hatte blaue Flecken und Blutergüsse. „Ihr könnt mich foltern wie ihr wollt, ihr werdet nichts aus mir herauskriegen. Sklaven verrate ich nichts.“

Dairon trat in seiner Rüstung vor und sah unbarmherzig auf den Fürsten herunter.

„Folter? Nein.“

Der Kleriker schüttelte sich.

„Nein. Sowas machen wir hier nicht.“ Er holte das Puppenspielerzepter aus seiner Tasche und sein heiliges Symbol. Das Geflüster, das von seiner Klinge ausging, wurde durchdringender, als er infernalische Worte für einen Zauber flüsterte. Er starrte den Prinzen an. Doch dieser schüttelte sich. Geschwärzte Ketten klirrten. „Deine Magie ist nutzlos, Tyrannosknecht.“ Er legte ein Grinsen auf seine gesprungenen Lippen.

Dairon legte den Kopf schief und wirkte den gleichen Zauber noch einmal. Der Blick von Balindre wurde leer. Er hob das Zepter und verband die geisterhaften Schnüre mit dem stillen Leib des Prinzen. Seine Lider schlossen sich halb und flatterten, als Informationen in sein Gedächtnis strömten.

Sergenas drehte sich zu Misarugi um. „Ich denke, wir sind hier gleich fertig.“ Der General nickte anerkennend.

***

„Anscheinend hat von den eingeladenen Persönlichkeiten niemand Balindre persönlich gesehen.“ Schloss Dairon seine Zusammenfassung der Fakten, die er aus dem zerschlagenen Geist des Handelsprinzen von Telflamm gezogen hatte. „Man weiß nur sein ungefähres Aussehen.“

Heram lehnte sich vor. „Dann ist das Vorgehen doch klar.“
Sergenas und Teldra nickten zustimmend. Alle sahen Dairon an.

Dairons blaugrüne Augen verengten sich. „Moment… ihr wollt mich doch nicht als den Kerl verkleiden und dann Eintritt erschleichen?“

„Warum nicht?“, fragte Teldra. „Du hast seine Figur, seine Farben und seine Kleidung steht dir ganz hervorragend.“ Sie hatte ein verspieltes Lächeln aufgesetzt und sah ihn von unten herauf an.

Dairon ließ den Stuhl, auf dem er gekippelt hatte, krachend nach vorne fallen.

„Also damit das klar ist, ich werde mich NICHT als so ein feiner Pinkel verkleiden und dann auf der Zusammenkunft höfisches Geplauder machen ist das klar?“ 
 
„Also gut Dairon, wir versprechen dir, dass wir dich nicht als Wendren Balindre verkleiden um Zugang zur Zusammenkunft zu erlangen, in Ordnung?“ sagte Heram beschwichtigend.

Der Tyrannospriester beäugte die drei misstrauisch.

„Also gut, in Ordnung.“

***

„Ihr habt mich angelogen.“