Autor Thema: "Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!  (Gelesen 4906 mal)

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Amurayi

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« am: 03. Juni 2009, 12:42:29 »
Was ich nicht verstehen kann, ist, dass in den derzeitigen WOtC Kampagnen-Settings es nie offene Konflikte und Kriege zwischen Nationen gibt. Das ist doch eigentlich schade, oder? Ein solches Szenario eröffnet dich eine Vielzahl ein Abenteuermöglichkeiten und Kampagnenideen aus dem echte Helden hervorkommen können.

In Eberron spielt man in der Zeit nach "dem großen Krieg".  In den vergessenen Reichen (4E-Zeit): Auf Faerun ist der Angriff der Netheril auf Zhentil Keep vorbei.  Die Shadovar treiben im Hintergrund ihre politischen Schachzüge heimlich voran. In Thay hat der dicke Lich schon gewonnen. An der Schwertküste mögen sich nicht alle Stadtstaaten, oder es werden auch keine Truppen aufgestellt. Die Unruhen während der Zauberpest sind kalter Kaffee. In Calimshan baut der üble Efreet/Djin sein Reich aus, aber niemand unternimmt etwas dagegen. Keine Nation hat (meines Wissens) einen offenen Krieg mit Nachbarn.

Wie ist das in Pathfinder / Golarion?
Habt ihr offene Kriege in euren Heimkampagnen? Funktioniert das?
Ist D&D durch sein intensives Kampfsystem nicht geradezu prädestiniert an großen Konflikten (im Kleinen wie in "Heros of Battle aufgezeigt) teilzunehmen?

Oder ist da D&D (unabhängig von der Edition) letztendlich doch ungeeignet, da es keine richtige Regeln für große Schlachten gibt?
« Letzte Änderung: 03. Juni 2009, 12:46:47 von Amurayi »
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"Piraten der Schwertküste" - Kampagnenlogbuch: http://forum.dnd-gate.de/index.php/topic,25299.0.html

Nathan Grey

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #1 am: 03. Juni 2009, 12:47:41 »
Vielleicht haben die Designer Angst, dass die Spieler/Spielleiter sich genötigt in dem Krieg mitzumischen. Wenn jemand einen stolzen Breländer in der Blüte seiner Jahre spielt, was sollte ihn davon abhalten in den Krieg zu ziehen? Oder warum sollte er ausgerechnet mit einem Karnathi zusammen auf Abenteuer ausziehen, klar das ist moment schon nicht so einfach zu erklären, aber wenn Krieg wäre, wäre es noch schwieriger. Ich denke deshalb wird auf aktiven Krieg verzichtet.

Amurayi

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #2 am: 03. Juni 2009, 12:50:34 »
Selbst wenn in einem Land Krieg herrscht, muß sich das Abenteuer ja nicht darum drehen. Der Krieg kann ja auch das Hintergrundszenario sein. So hätte man klare Feindbilder bei Begegnungen bei einer Reise.
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Xiam

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #3 am: 03. Juni 2009, 12:51:17 »
Golarion eignet sich natürlich auch für selbstgeschnitzte Kampagnen wunderbar, man merkt aber schon, dass die Welt in erster Linie für die Adventure Paths entworfen wurde und die ereignisse dort die Geschichte der Welt voran treiben, wobei die SC eben mitmischen.

Ich denke, dass man die weltbewegenden Konflikte in generischen Welten wie den FR oder Eberron weg lässt, liegt daran, dass sich die Geschehnisse in Kriegszeiten tatsächlich nur um diesen Krieg drehen können und um nichts anderes.
1984 was not supposed to be an instruction manual.

Gerthrac

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #4 am: 03. Juni 2009, 13:02:36 »
Ein Problem ist auch, dass, wenn die Gruppe die Welt verändert und den Krieg siegreich für eine Seite beendet, die Möglichkeit besteht, dass laut Kanon später die ANDERE Seite als siegreich dargestellt wird.

Kampagnenkontinuität  im Waffeleisen.

Amurayi

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #5 am: 03. Juni 2009, 13:10:48 »
Ein Problem ist auch, dass, wenn die Gruppe die Welt verändert und den Krieg siegreich für eine Seite beendet, die Möglichkeit besteht, dass laut Kanon später die ANDERE Seite als siegreich dargestellt wird.

Ah das ist ein Aspekt, den ich nicht bedacht hatte. Stimmt. Daher stammt wohl die grundlegende Designentscheidung, keinen offenen Krieg in einem Setting zu haben.

Wie ist das jetzt in Golarion? Ist da auch nirgendwo ein offener Kireg?
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Ferrus Animus

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #6 am: 03. Juni 2009, 13:18:56 »
Calimshan ist im Krieg in der 4E.
Mit Memnonnar.
Nur weil daas Ganze auf das frühere Calimshan beschränkt ist, sehen die Betroffenen das nicht so eng.

Coldwyn

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #7 am: 03. Juni 2009, 13:19:10 »
Wenn WotC bei dem Modell jeweils ein Buch für SL und eines für Spieler bleibt, dann wären offene Kriege eher unhandlich, denn es kommt niemals eine Auflösung. Dazu kommt dass es wesentlich einfacher ist als SL einen Krieg irgendwo zu starten als einen in den Büchern beschriebenen Krieg herauszueditieren.
Zusätzlich kommt bei Kriegen noch das kleine Problem der Fantasy hinzu, denn jeder hier stellt sich wohl einen Krieg in einer Fantasy-Welt anders vor, je nachdem wie hoch der Fantastikanteil ist (Katapullte oder steinwerfende Riesen, Phalanxe und Stahl oder viel Magie, etc.), eine Situation zu der es keine Patentlösung gibt. [Nachtrag] Wer die Schlachtenszenen aus dem Comic "Die Chroniken des Schwarzen Monds" kennt, dürfte wissen was ich meine. Das ist halt alles andere als der Herr der Ringe nicht-wirklich-Fantasy Quatsch [/Nachtrag]
« Letzte Änderung: 03. Juni 2009, 13:27:16 von Coldwyn »
Inhalltsstoffe dieses Beitrags: 50% reine Polemik, 40% subjektive Meinung, 10% ungenau recherchierte Fakten.

Arldwulf

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #8 am: 03. Juni 2009, 13:30:22 »
Habt ihr offene Kriege in euren Heimkampagnen? Funktioniert das?

Ja, ich habe schon häufiger mal Kampagnen mit Massenschlachten gespielt und geleitet. Kriege sind eigentlich ein wesentliches Element wenn ich leite, oder zumindest habe ich es gern so. Allerdings muss man dabei ein paar Dinge bedenken.

D&D ist (je nach Edition mehr oder weniger) darauf ausgelegt das einzelne Charaktere deutlich mächtiger sind als ihre Umgebung. Viele Fähigkeiten der Spieler werden abhängig von der Anzahl ihrer Verbündeten mächtiger, vielfältiger einsetzbar. Dadurch verändert sich nicht nur der Charakter des Krieges sondern auch der Status der Spieler die (will man logisch und konsistent bleiben) sehr leicht zu Zielscheiben werden.

Am besten funktionieren Kriege deshalb aus meiner Sicht wenn die Spieler nicht direkt in eine grosse Feldschlacht ziehen - sondern kleinere (wenn auch nicht zwingend weniger wichtige) Aufgaben erledigen. Das kann das anführen eines Spähtrupps sein, die Spionage im feindlichem Lager, das entführen des gegnerischen Anführers oder das vereiteln verschiedener Pläne des jeweiligen Gegners. Dabei müssen die Spieler nichtmal allein in der Gruppe agieren - eine kleinere Streitmacht an ihrer Seite verstärkt das Gefühl in einer Armee zu sein.
1st Edition Nekromantentöter
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Ich hab nichts gegen niedrige Wahlbeteiligung. Irgendwann regier ich den Laden eben alleine. ;-)

Windjammer

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #9 am: 03. Juni 2009, 13:32:01 »
Ein Problem ist auch, dass, wenn die Gruppe die Welt verändert und den Krieg siegreich für eine Seite beendet, die Möglichkeit besteht, dass laut Kanon später die ANDERE Seite als siegreich dargestellt wird.

Ah das ist ein Aspekt, den ich nicht bedacht hatte. Stimmt. Daher stammt wohl die grundlegende Designentscheidung, keinen offenen Krieg in einem Setting zu haben.

Wie ist das jetzt in Golarion? Ist da auch nirgendwo ein offener Kireg?
In Golarion herrscht genau die gleiche Problematik (s.v. Metaplot). Ich halte ja Forge of War nachwievor für eines der schönsten Eberron-Bücher, weil man da konkret den 100-jährigen (?) Krieg als Spieler miterleben kann. Siehe auch die beiden Aufsätze von Keith Baker (auf wizards.com) zum von Dir im OP genannten "Heroes of Battle" (also "HoB in Eberron").
« Letzte Änderung: 03. Juni 2009, 13:34:38 von Windjammer »
A blind man may be very pitturesque; but it takes two eyes to see the picture. - Chesterton

Nathan Grey

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #10 am: 03. Juni 2009, 13:37:48 »

Habt ihr offene Kriege in euren Heimkampagnen? Funktioniert das?

Ja, wir hatten mal in Ravenloft einen Krieg angezettelt und die Spieler waren halt mittendrin, da hat doch einer dieser Kriegsherren immer Feldzüge gestartet und war immer Erfolglos und diesmal hatte einer gestartet und es schien als wenn er gewinnt, leider hat sich die Gruppe vor der Auflösung, selbst Aufgelöst.

Oder ist da D&D (unabhängig von der Edition) letztendlich doch ungeeignet, da es keine richtige Regeln für große Schlachten gibt?
Ich habe es damals so geregelt, dass ich einzelne Punkte der Schlacht gespielt habe und für den Rest einen W6 gewürfelt habe, welche Seite momentan den Vorteil hat und stark sie im Vorteil ist.

"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #11 am: 03. Juni 2009, 13:53:58 »
Calimshan ist im Krieg in der 4E.
Mit Memnonnar.
Nur weil daas Ganze auf das frühere Calimshan beschränkt ist, sehen die Betroffenen das nicht so eng.
Ja das ist echt mal ein Kümmelkrieg im Gegensatz zu dem Rest der in den FR so passiert. Da interessiert nichtmal der Ausgang...

Zechi

  • Globaler Moderator
"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #12 am: 03. Juni 2009, 14:16:15 »
Ich denke es gibt zwei Gründe dafür, dass es wenige "Kriegskampagnen" bzw. entsprechende Elemente gibt:

1.) Das grds. Konzept der kleinen Abenteuergruppe kommt in einem langandauernden Krieg nicht wirklich perfekt zur Geltung. Natürlich gibt es Dinge, die Abenteurer im Krieg erledigen können (Stichwort: Spezialeinsätze und ähnliches), aber als Rädchen in einem "großen" Krieg ist die Abenteuergruppe nicht mehr so sehr im Fokus, wie das bei D&D sonst der Fall ist. Nicht zuletzt fehlt es an entsprechenden gut umsetzbaren Regeln für Schlachten in den neueren Editionen bzw. sind die nicht Kernelement des Regelsystems.

2.) Das D&D Regelsystem, insbesondere die 3E Ära, eignet sich für die Simulation eines Krieges aufgrund seine im Kern gamistischen Ansatzes überhaupt nicht. Das dürfte sogar der Hauptgrund dafür sein, dass es nur wenige solcher Elemente gibt. Hier wird das Dilemma Gamismus vs. Simulationismus nämlich besonders schön deutlich das in der 3E steckt.. Auf Basis des 3E Systems sind eigentlich klassische Kriege und alles was dazugehört wie Burgen, große stehende Heere usw. eigentlich "unrealistisch". Keiner würde eine Armee aufstellen oder eine Burg errichten, wenn einzelne High-Level NSC (oder auch nr Mid-Level Gruppen) quasi im Alleingang eine Armee oder eine Burg ausschalten können. Spielt man also eine klassische Kriegskampagne, möglicherweise mit entsprechenden Schlachten, so werden genau diese Schwachstellen des Systems bei der "Weltensimulation" besonders offenbar und es besteht die Gefahr, dass es der ganzen Kampagne an "Glaubwürdigkeit" im Rahmen der Spielwelt mangelt.

Nicht ganz so krass ist das bei AD&D, welches noch stärker simulationistische Ansätze verfolgt und das Dilemma nicht so offenbar ist. Unabhängig davon ist es natürlich möglich entsprechende Kampagnen zu leiten (habe ich auch schon gemacht), auch wenn man dann gewisse Glaubwürdigkeitslücken ignorieren muss, aber D&D ist nicht bestens dafür geeignet.

Gruß Zechi
« Letzte Änderung: 03. Juni 2009, 14:18:02 von Zechi »
Planen ist alles, Pläne sind nichts.

1of3

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #13 am: 03. Juni 2009, 14:59:45 »
Zechi hat das wunderbar zusammengefasst. Wir haben jetzt neulich die Belagerung von Zuzael durch das Orkheer im Spiel erlebt, aber der Handlungsbogen war meines Erachtens auch wirklich der Tiefpunkt der Kampagne.

Da bleibt eigentlich nur noch der Verweis auf OotS, der wie immer keinesfalls fehlen darf.
1of3's - Der deutsche Blog zum Thema Rollenspieldesign und -theorie: http://1of3.blogspot.com

Amurayi

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"Der Krieg ist vorbei" - schade eigentlich!
« Antwort #14 am: 03. Juni 2009, 15:07:23 »
Ja das ist echt mal ein Kümmelkrieg ...

Was ist denn ein "Kümmelkrieg" ?
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