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Stadt der gläsernen Gesänge

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Nightmoon:
Ja, das war schön... Nazis verdreschen :D

Niobe:
Kapitel V: Die verschwundene Magierin 

Grimwardt
Zwei Stunden später auf dem Ästhetenplateau
Grimwardt wartete vor der Zauberakademie auf seine Bekanntschaft vom letzten Abend. Immerhin schien sich das lächerliche Rumgehopse auf dem Ball gelohnt zu haben: Im Gespräch mit seiner Tanzpartnerin, einer jungen Adligen namens Iluvie, hatte Grimwardt erfahren, dass vor etwa sieben Jahren eine Magierin aus der Stadt verschwunden war, von der bekannt war, dass sie sich mit nekromantischen Studien beschäftigt hatte: der erste Hinweis auf die Todesklaue? Um mehr zu erfahren, hatte Grimwardt sich mit Iluvie vor der Kristallzitadelle verabredet. Sie wollte ihn mit dem Blinden Bibliothekar bekannt machen, den sie als das lebende Gedächtnis der Stadt beschrieben hatte. Als Chronist Immerschwinges war er einer der wenigen ungeflügelten Elfen, die sich den Respekt der Adelshäuser verdient hatten. Es hieß von ihm, dass er als Kind durch ein Portal aus dem besetzten Myth Drannor in die Stadt der gläsernen Gesänge geflohen sei.
Grimwardt musste nicht lange warten. Doch statt seiner Bekanntschaft vom letzten Abend trat eine junge Ungeflügelte - vermutlich eine Dienerin - an ihn heran und überreichte ihm zwei versiegelte Briefe. Auf dem einen stand sein Name, der andere war an Dorien gerichtet. In dem Brief an Grimwardt entschuldigte sich Iluvie für ihr Fernbleiben und erklärte, dass ihr Vater ihr und ihrer Schwester den Umgang mit den Fremden verboten hatte, nachdem ihm gewisse Gerüchte über unzüchtiges Treiben im Haus der Gesandten zu Ohren gekommen seien.
„Dorien mal wieder“, knurrte Grimwardt. Was hatte sich der Sune-Anhänger bloß dabei gedacht, ausgerechnet in einer Stadt über die Strenge zu schlagen, deren Heiratspolitik sogar Ehen zwischen Adligen und Ungeflügelten verbot?
Grimwardt blieb keine andere Wahl als die Magierschule allein zu erkunden. Die Kristallzitadelle bestand aus drei gläsernen Türmen, die wie bei einer Kristallformation auseinander wuchsen. Da es keine Türen gab, fragte Grimwardt einige Passanten und erfuhr, dass sich der Haupteingang auf dem Dach der Konstruktion befand. Zudem erhielt Grimwardt die eigenartige Auskunft, dass der Turm all jene wieder „ausspucke“, die keine Zugangsberechtigung hatten, was wohl vor allem den Ungeflügelten den Zugang zu magischen Schriften verwehren sollte. Grimwardt hatte Glück: Der Turm ließ ihn ein.
Die Bibliothek befand sich in einem inneren etagenlosen Turm, der den äußeren Turm in Form und Höhe nachahmte: Bücherregale bedeckten die Wände vom Boden bis unters Dach und geflügelte Avariel spazierten auf Brücken, die sich kreuz und quer durch den schier bodenlosen Bücherturm spannten. Grimwardt wurde allein vom Hingucken schwindelig.
Der Blinde Bibliothekar war gerade im Begriff einige schwere Folianten einzusortieren, als Grimwardt ihn entdeckte und sich beeilte ihm zur Hand zu gehen. Der Mondelf war so alt, dass er durchscheinend wirkte - geistergleich. Seine blicklosen Augen starrten ins Leere und auf seinen Schultern saß ein weißer Rabe. Als Grimwardt sich ihm näherte, wandte sich der Bibliothekar zu ihm um. Doch es waren die Blicke des Raben, die Grimwardt zu durchbohren schienen.
„Grimwardt Fedaykin“, erkannte der Bibliothekar noch ehe der Priester sich vorgestellt hatte. Seine Stimme knisterte wie zertretenes Laub. „Ein Gesandter Myth Drannors…  nach all den Jahren.“ Nachdem der Alte für eine Weile in Erinnerungen geschwelgt hatte, rückte Grimwardt mit seinen Fragen zu der verschwundenen Nekromantin heraus.
„Ja, ich entsinne mich“, sagte der Bibliothekar. „Anael Silbertau war eine der Elfen, die zusammen mit den Rückkehrern von Myth Drannor in die Stadt kamen.“ Als er Grimwardts fragenden Blick spürte, fügte er erklärend hinzu: „Der Kronrat sandte offiziell keine Truppen zur Unterstützung der Streitkräfte von Immerdar, doch einige junge Avariel zogen aus eigenem Entschluss aus, um sich dem Kreuzzug der Elfen anzuschließen. Als sie zurückkehrten, schlossen sich ihnen einige Mond- und Sonnenelfen an. Eine von ihnen war Anael Silbertau. Sie war in vielerlei Hinsicht… ungewöhnlich. Nicht viele Elfen studieren die Kunst der Nekromantie. In den meisten Elfenreichen ist die Todesmagie selbst in ihren erkenntnisbezogenen Ausrichtungen verboten, da der Gedanke der Manipulation lebender Materie nicht vereinbar ist mit dem Credo der Seldarine, dem Schutz allen Lebens. Ihr könnt Euch sicher denken, welch einen Eklat es auslöste, als Anael Silbertau bei der Kristallzitadelle um die Errichtung eines Lehrstuhls für Nekromantie bat. Der Meister der Mysterien forderte zunächst ihre Ausweisung. Doch zur gleichen Zeit sammelte Thanduin Aerdimon die ersten Rebellen um sich und da zu befürchten stand, dass sich Anael Silbertau aus Protest gegen die Politik der Kristallzitadelle den Rebellen anschloss, erklärte der Meister der Mysterien sich letztendlich bereit, ihre Forderungen zu erfüllen. Besser eine Nekromantin unter seiner Aufsicht als im Lager der Rebellen. Anael stand der neuen Disziplin vor, doch bereits nach zwei Wochen kehrte sie von einer ihrer Expeditionen in die umliegenden Berge nicht zurück. Der Meister der Mysterien ließ nach ihr suchen, doch ohne Erfolg. Damals vermuteten viele eine Verschwörung der Konformisten gegen die Nekromantin. Möglich, dass sie erpresst wurde die Stadt zu verlassen.“
„Wo verschwand sie?“, fragte Grimwardt.
„Das muss in einer der Ruinen gewesen sein“, erklärte der Blinde Bibliothekar. „Ihre Studien beschäftigten sich mit der Magie des alten Raumatar. Es gibt zwei größere Turmruinen in der näheren Umgebung, eine im westlichen und eine im östlichen Ausläufer des Gebirges.“
Grimwardt nickte. Er und seine Gefährten waren auf ihrem Weg durch die Berge auf Hinweise auf eine alte Menschenzivilisation gestoßen.
„Erzählt mit mehr über die Raumatar.“
„Ein Volk von Kriegsmagiern, doch sie sollen auch mit Nekromantie experimentiert haben. Die Zivilisation ging vor über 1000 Jahren unter und nichts als ein paar alte Ruinen sind geblieben.“
Grimwardt stellte noch ein paar Fragen zu der Nekromantin, zu den Studenten, die ihre Vorlesungen besucht hatten, und nach Namenslisten, doch hier konnte der Bibliothekar ihm nicht weiter helfen. Schließlich entschloss sich Grimwardt zu einem riskanten Schritt. Er erzählte dem alten Bibliothekar von der Todesklaue.
„Meine Gefährten und ich sind vom Hauptmann der Elfenritter von Myth Drannor mit dem Auftrag betraut worden, die gestohlene Klaue wiederzubeschaffen“, beendete Grimwardt seinen Bericht. Wie sie zu dieser Ehre gekommen waren, verschwieg er wohlweißlich.  „Unsere einzige Spur hat uns hierher geführt.“
„Die Todesklaue.“ Der Alte ließ die Worte im Raum schweben, als könne das seinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen. „Nein“, erklärte er schließlich. „Der Name sagt mir nichts. Doch mir ist, als hätte ich schon einmal davon gehört. Allein der Name ist damals nicht gefallen.“
„Wer hat Euch damals danach gefragt?“   
„Das muss der Avalior-Junge gewesen sein.“
„Wer?“
„Verzeiht, ich lebe in der Vergangenheit. Fürst Elijas Avalior, meine ich. Er kam vor etwa acht Jahren zu mir und fragte nach Büchern zur Geschichte der Drow. Er suchte Informationen zu einem Artefakt, ganz wie jenes, das Ihr mir beschrieben habt. Doch ich konnte ihm so wenig weiterhelfen wie Euch heute.“
Grimwardt runzelte nachdenklich die Stirn. Offenbar war ihr Gastgeber nicht so neutral, wie er den Anschein erwecken wollte. Acht Jahre. Etwa zur gleichen Zeit war die Nekromantin verschwunden. Was auch immer damals geschehen war, der Schlüssel lag irgendwo in einer alten Bergruine.
„Eines noch“, Grimwardt räusperte sich. „Unsere kleine Unterhaltung bleibt doch unter uns, hm?“
Der Alte gluckste leise. „Grimwardt, was glaubt Ihr, weshalb die Adligen dieser Stadt mich, einen Mondlelf, in dieser Position akzeptieren? Ich gebe Informationen preis, das ist meine Aufgabe. Aber ich weiß auch, wann ich zu schweigen habe.“
Grimwardt nickte zufrieden. Er ließ sich einige Karten von der Umgebung zeigen, auf denen die Ruinen eingezeichnet waren, die der Alte erwähnt hatte, um sie zu kopieren. Beim Abzeichnen fiel ihm ein Ort auf, der auf der Karte als Drachenfriedhof ausgewiesen war. Der Name kam ihm bekannt vor. Delon Jadsat, der Bergführer, hatte ihn auf dem Hinweg erwähnt.
„Eine Eishöhle im östlichen Ausläufer des Gebirges“, erklärte der Bibliothekar, als Grimwardt ihn danach fragte. „So lange ich denken kann ist ein weißer Wyrm in einer Eiswand im Innern der Höhle eingeschlossen. Niemand weiß, wann oder woran er gestorben ist oder warum das Eis ihn eingeschlossen hat. Die Valendár-Patrouillen wagen sich nur selten in diese Gegend. Die Eishöhle gehört zum Gebiet der Frostriesen. Alle paar Jahrzehnte schickt Hochadmiralin Shelisale einen Erkundungstrupp aus, um sich zu vergewissern, dass der Drache noch dort ist und sich nicht der Drachenkult an seinen sterblichen Überresten vergriffen hat.“
Grimwardt bedankte sich und beieilte sich zu den anderen zurück zu kommen.
Es gab viel zu bereden.

Nimoroth
Zur gleichen Zeit in den Palastgärten
Während Grimwardt aufgebrochen war, um in der Zauberakademie dem Verschwinden der Magierin auf den Grund zu gehen, hatte sich Nimoroth mit Kalith und Winter auf die Suche nach Hochadmiral Shelisale Bareithior gemacht. Fürst Elijas hatte ihnen die Tochter des Coronal aus einer früheren Ehe als „die Einhornjungfrau“ vorgestellt. Nimoroth war bei diesem Titel aufmerksam geworden, da er sich an seine Vision erinnert fühlte. Sicher, das Einhorn war ein Symbol Mielikkis, doch die Göttin mochte ihm auch einen Hinweis gegeben haben, der ihm bei der Suche nach dem gestohlenen Artefakt dienlich sein konnte.
Im Hauptquartier der Valendár hatte eine Gruppe von Schülern, die sich an diesem Festtag einen Spaß erlaubt und die überlebensgroße Pappfigur eines verfassten Lehrers an der Fassade des Gebäudes aufgehängt hatten, den drei Besuchern weitergeholfen und sie in den Seldarinehain in den Palastgärten geschickt. Hier sei die Admiralin in ihrer Freizeit häufig anzutreffen.
Die Palastgärten waren ein ruhiger und beschaulicher Ort: ein wilder, blühender Garten, der dank seiner ungewöhnlichen Nähe zur Sonne und der magischen Bewässerungsmechanismen der Avariel eine beeindruckende Artenvielfalt zu bieten hatte. Sein größter Stolz war silye, die Silbertraube, die nur in Immerschwinge vorkam. Nach Glasstahl war Silberwein das bedeutendste Exportgut der Stadt der gläsernen Gesänge. Zwischen silye-Stauden und Schattenwipfeln befand sich ein kleiner Blaublatt-Hain. Seldarine-Schreine zwischen den bläulich glitzernden Stämmen der Blaublatte wiesen den Hain als einen heiligen Ort aus. Der größte Schrein war Aerdrie Faenya, der Hauptgöttin der Avariel, gewidmet. Die Einhornjungfrau jedoch kniete betend vor dem Schrein des Corellon. Nimoroth wollte auf sie zugehen, doch Winter hielt ihn zurück.
„Achte darauf, ob sie uns anlügt“, raunte sie ihm zu. 
„Das wird sie nicht“, flüsterte Nimoroth zurück. Er hatte gleich erkannt, dass die Einhornjungfrau nichts mit dem Verschwinden des Artefakts zu tun haben konnte: Die junge Avariel war von einer Aura der Güte und Rechtschaffenheit umgeben. Sie schien sich der Gegenwart der drei Fremden bewusst, sprach ihr Gebet jedoch zu Ende, ehe sie sich aufrichtete, um Nimoroth und seine Freunde zu begrüßen. Nach Austausch der üblichen Höflichkeiten begann Kalith damit, der Anführerin der Valendár Fragen zur geplanten Öffnung des Portals zu stellen.
„Hat dieser Rebellenführer die Wahrheit gesprochen?“
„Es ist noch nicht entschieden, ob das Portal nach Cormanthyr in beide Richtungen geöffnet werden wird.“, gab Shelisale zögernd zu und ihre ernsten grauen Augen waren unverwandt auf Kalith gerichtet. „Solange Ilsevele von Myth Drannor noch nicht der Zhentarim im Norden und der Drow des Waldes Herr geworden ist – ganz zu schweigen von der Unsaat, die sich noch immer in den Mauern der Stadt aufhält – solange würde durch eine beidseitige Portalöffnung für uns eine Gefahr bestehen. Doch ich will ehrlich zu Euch sein, Botschafter“, gestand sie Kalith: „Unsere größte Sorge gilt den Menschen und Halbelfen, denen wir dadurch die Tore der Stadt öffnen würden und deren Anwesenheit in Immerschwinge den Rebellen neuen Zündstoff liefern würde. Diese Stadt steht kurz vor einem Bürgerkrieg und diese Portalöffnung, so wünschenswert der Gedanke einer Annäherung auch sein mag, kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Vergebt mir, doch ich kann diese Sache nicht gutheißen. Unsere einzige Waffe war seit jeher die Abgeschiedenheit. Wir sollten sie nicht so leichtfertig aufgeben.“
Nimoroth schätze die Ehrlichkeit der jungen Admiralin. Und doch kam er nicht umhin, den Funken von Überheblichkeit in ihren Worten zu bemerken. Kalith schien es ähnlich zu gehen.
„Ist die Frage nach der beidseitigen Öffnung des Portals nicht eine Sache, die auch Myth Drannor etwas angeht?“, fragte er.
„Es tut mir leid“, sagte Shelisale ein wenig steif. „Ich kann Euch und Eure Königin nur bitten, Verständnis für unsere Situation zu zeigen.“
Ihr Blick verlor sich in der Ferne und für eine Weile war es still. Als die Einhornjungfrau wieder sprach, hatte sich ein bitterer Zug um ihre Mundwinkel gebildet.
„Mein Vater hätte die Chance Fürstin Mathalaya zu entmachten ergreifen sollen als sie sich ihm bot“, sagte sie mit einer Härte, die Nimoroth der zarten Elfe gar nicht zugetraut hätte. Er begriff, dass sie über ein Thema sprach, was bei Hof tabu war. „Damals, als das verfluchte Kind geboren wurde, hätte er juristisch das Recht dazu gehabt, die Shantilea und ihre elenden Kinder aus der Stadt zu verbannen.“
„Welches Kind?“, fragte Nimoroth.
„Vanyas Kind. Der rechtmäßige Thronfolger. Es starb gleich nach der Geburt. Die Priesterin behauptete, es sei ohne Seele zur Welt gekommen. Wollt ihr wissen, weshalb die Seldarine ihm eine Seele verweigerten? Sie verdammten diese Missgeburt als ein Zeugnis der Unzucht zwischen der Hure Vanya Shantilea und ihrem degenerierten Bruder.“
Kalith und Winter waren zusammengezuckt; Nimoroth erstarrte.
„Ein Kind ohne Seele?“, wiederholte er. Sofort stand ihm alles wieder vor Augen. Ihre vergebliche Suche nach dem Seelenquell. Die jahrelangen Studien, in denen er das Geheimnis um die seelenlosen Geburten zu lüften versucht hatte.
„Ich denke nicht, dass die Götter dieses Kind verdammt haben“, sagte er mit belegter Stimme.
Ein weiteres Opfer.    
Wer wusste, wie viele es dort draußen noch gab?
Nimoroth erwachte aus seiner Starre, als ein leiser Windhauch seine Wange streifte. Die Zweige der Blaublatt-Bäume teilten sich und ein geflügeltes Einhorn tauchte aus dem Dickicht des Waldes. In seinen klugen schwarzen Augen leuchtete ein celestisches Licht. Als Nimoroth sich dem Tier näherte, schreckte es zurück.
„Sie lässt sich nur von Jungfrauen berühren“, erklärte Shelisale, während sie dem Einhorn sanft die Nüstern streichelte.

Winter
Kurz darauf in der Nähe der Drachenhöhle
„Ein Liebesbrief, hm?“, löcherte Winter einen verkaterten Dorien, während die Gefährten durch die Kälte stapften. Grimwardt hatte darauf bestanden den Ort, den der Blinde Bibliothekar ihm auf der Karte gezeigt hatte, genauer unter die Lupe zu nehmen. Winter musste sich jedoch eingestehen, dass sie keine Ahnung hatte, was sie hier eigentlich suchten. Während des Berichts ihres Bruders hatte ihre ganze Aufmerksamkeit dem Brief gegolten, den Grimwardt Dorien mit einem Grummeln auf die Brust gedrückt hatte und sie hatte keine Ruhe gegeben, ehe Nimoroth ihr den Inhalt übersetzt hatte. Als sie die Drachenhöhle erreichten, war sie noch nicht einmal annähernd mit ihm fertig, und erst, als Grimwardt sie zur Ordnung rief, weil ihre Stimme von den Wänden widerhallte, hielt sie für einen Augenblick die Luft an.
In diesem Moment setzte der Gesang ein. Ein grollender Singsang.
Kalith und Nimoroth tauschten einen Blick und der Druide wechselte lautlos die Gestalt. Ein Schneehase flitzte kurz darauf zwischen Winters Beinen hindurch. Winter konzentrierte sich auf ihre Mission und schloss, einen Zauber auf den Lippen, die Augen, um die Gedanken der mysteriösen Höhlenbesucher wahrzunehmen.
„Verfluchter Mist“, entfuhr es ihr.
„Was ist?“
„Sie haben mich bemerkt. Jetzt wissen sie, dass wir hier sind.“
Grimwardt war bereits vorausgeeilt. Winter, Dorien und Kalith folgten ihm und betraten kurz darauf eine Eishöhle von gigantischem Ausmaß. An einer Seite des Raumes waren große Stücke aus der Eiswand heraus gebrochen. Vor den weißen Trümmern kauerte ein Frostriesenschamane mit einem zähnefletschenden Winterwolf, flankiert von zwei bewaffneten Kriegern, die ihre Knüppel gegen die Eindringlinge erhoben hatten und mit blutgiereigen Blicken auf den Befehl zum Angriff warteten. Kaum hatte der Schamane seine Stimme erhoben, preschten sie auch schon vor. Der Schneehase, der als erster die Höhle erreichte, verwandelte sich im Sprung und hielt geradewegs auf den Schamanen zu. Der schleuderte ihm mit wütendem Gebrüll einen mannsgroßen Eiszapfen entgegen, den er mit bloßen Händen aus dem Boden riss, doch das Geschoss verfehlte Nimoroth um Haaresbreite. Als dieser den Schamanen erreichte, gab es längst nichts mehr zu tun: Ein Zauber Doriens hatte den Schamanen in einen Schmetterling verwandelt; Winters sengende Strahlen waren dem Winterwolf zum Verhängnis geworden und Kalith und Grimwardt hatten sich um die beiden Barbaren gekümmert.
„Ein Schmetterling?“ protestierte Winter und stemmte empört die Hände in die Hüften. „Dorien, er wird in der Kälte elendig zugrunde gehen! Etwas Brutaleres ist dir wohl nicht eingefallen, hm?“
Dorien erwiderte die Anschuldigung mit einem seiner säuerlichen schlechter-Tag-Blicke und wandte sich Grimwardt und Kalith zu, die einen der bewusstlosen Frostriesen mit ihren Waffen bedrohten.
„Verwandle ihn in irgendetwas Harmloses“, kommandierte Grimwardt. „Ich will ihn befragen.“
Dorien tat wie ihm geheißen und kurz darauf erwachte Gargantul der Fürchterliche als greiser Gnom.
„Na, der Name war wohl etwas hochgegriffen“, kommentierte Nimoroth trocken. Gargantul winselte beschämt und schielte nach seinem Knüppel. Offenbar verbot es ihm seine Frostriesenehre in der Gestalt von etwas zu leben, das weniger wog als seine rechte Faust.
„Wenn du jemals wieder in der Lage sein willst, diesen Knüppel auch nur anzuheben“, knurrte Grimwardt. „dann erzähl uns, warum ihr uns angegriffen habt und was ihr hier tut.“
Mit einem Stimmchen, das ihm die Schamesröte ins Gesicht trieb, begann der verwandelte Frostriese zu erzählen: Er und sein Volk hatten den weißen Wyrm, der hier bis vor acht Jahren im Eis eingeschlossen gewesen war, als ihre Göttin verehrt. Noch immer kamen sie oft her, um ihr Andenken zu bewahren und ihr Opfer darzubringen.
„Einmal im Jahr“, erklärte Gargantul, „kommt auferstandene Göttin ins Dorf. Nimmt die besten unserer Krieger mit, um sie zu ihren Dienern zu machen.“
„Auserwählte, so so“, grummelte Grimwardt. „Und wie genau funktioniert das: dass sie sie zu ihren Dienern macht?“
„Ein Opfertod“, erklärter Gargantul. „Ein guter Tod. Göttin nimmt die Toten mit wenn wir sie das nächste Mal sehen sind sie… verändert. Göttlicher.“
Grimwardt wandte sich mit viel sagendem Blick zu den anderen um. Nimoroth nickte besorgt.
„Untote“, sagte er. „Irgendwer hat vor acht Jahren den toten Drachen aufgeweckt und rekrutiert nun eine Armee.“

Nightmoon:
hatte der Bibliothekar eigentlich Stufen?

Niobe:
Nö, wenn ihr im Turm der Mysterien einen Kampf losgebrochen hättet, wäre der Bibliothekar noch eure geringste Sorge gewesen;)... Hätte er Stufen gehabt, wäre er wahrscheinlich episch gewesen, aber kein Hochmagier - das hätten die Avariel dann doch nicht zugelassen. Warum fragst du? 

Nightmoon:
Der machte einen so überlegenen Eindruck...

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