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Autor Thema: Stadt der gläsernen Gesänge  (Gelesen 33247 mal)

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Nightmoon

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #345 am: 07. Juni 2014, 01:35:23 »
oh...dieses warten... wie beim Lied von Eis und Feuer...
Macht Telamont in der Kerzenburg dich fertig? ;)

Niobe

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #346 am: 14. Juni 2014, 03:11:54 »
Hm, ja, aber immerhin wisst ihr, wies ausgeht ;)
Mein Gedächtnis lässt mich dagegen inzwischen etwas im Stich und meine Aufzeichnungen sind auch ein weng kryptisch ... Aber die gute Nachricht ist: Es geht voran, wenn auch nicht besonders schnell ...

Nightmoon

  • Mitglied
    • Schicksalsstreiter
Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #347 am: 15. Juni 2014, 01:22:58 »
Das ist auf jeden Fall gut! :)

Nightmoon

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    • Schicksalsstreiter
Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #348 am: 06. Oktober 2014, 00:57:44 »
Ja, ich mal wieder... muss immer wieder in manchen Situationen oder bei manchen Songs aus Passagen der Kampage denken und denk dann auch wieder an die Story :)
Schreibst du eigentlich nur am Stück, oder hast du auch schon spätere Teile fertig aber eben noch keine Brücke dazwischen?

Niobe

  • Mitglied
Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #349 am: 08. Dezember 2014, 22:50:13 »
Tja, was soll ich sagen? Shame on me ...
Vergessen habe ich die Schicksalsstreiter aber nicht, es geht weiter ... Alles Gute zum Geburtstag, Winter :)

Kapitel VII: Getrennte Wege

Faust
Hochmond, Hochtal, am nächsten Tag.

„Der magische Knoten regeneriert sich langsam – in wenigen Tagen dürfte die gesamte Anauroch wieder an das magische Gewebe angeschlossen sein. Die Silbermarken haben Truppen geschickt, um Rasilith zu sichern, und aus Cormyr und Myth Drannor erreichen uns täglich neue Ströme von Freiwilligen. Darunter ist auch ein elfischer Hochmagier, der die magische Abriegelung der Stadt in die Wege geleitet hat.“, schloss Faust seinen Bericht vor dem Rat der Talländer. Durch einen kurzen Blickwechsel mit Grimwardt vergewisserte er sich, dass er an alles Wesentliche gedacht hatte. Der Freund hatte ihm eingeschärft, auf unsachliche Ausschweifungen zu verzichten, und weil er wusste, wie wichtig Grim diese Provinzveranstaltung war, gab er sich alle Mühe. „Und damit übergebe ich das Wort wieder an den Schlachtenfürsten.“
Grimwardt, der neben ihm Platz genommen und die Präsentation genutzt hatte, um sich an dem üppigen Heldenmahl gütlich zu tun, das er beschworen hatte, um dem Kaffeekränzchen der zwölf Regenten ein wenig mehr Substanz zu verleihen, verschluckte sich bei Fausts letzten Worten an seiner Hähnchenkeule.
„Es gibt nur EINEN Schlachtenfürsten!“, hustete er.
„Kriegskanzler, meinte ich“, beeilte sich Faust, seinen Fuß aus dem Fettnäpfchen zu ziehen. „Kriegskanzler, Priestergeneral, Auserwählter des Feindhammers – bei all den Rängen kann man schon mal durcheinander kommen“, sagte er und erntete wohlwollendes Gelächter von den weniger militanten Talisern.
Erst recht, wenn man ständig von einer Flut fremder Gefühlsausbrüche überrumpelt wird, dachte er düster. Winter hatte ihn an ihren Plänen teilhaben lassen, in Rabenklippe ein monumentales Grabmal zu errichten – wohl eher für ihre Gewissensbisse als für Elijas. Fausts Schweigen kostete ihn einige Willenskraft. Leider musste er feststellen, dass eine talisische Ratssitzung als Ablenkung nicht viel taugte. Drei Stunden hatte er sich Berichte zu feldwirtschaftlichen Bepflanzungsplänen und Beschwerden über Marktrechtsverletzungen anhören müssen, bevor überhaupt die Sprache auf die „Unruhen in der Anauroch“ gekommen war. Frustriert ließ er seine Glücksmünze über die Fingerknöchel tanzen.
„Mit der Entsendung seiner Silbernen Ritter hat der Hochfürst von Silbrigmond de facto seine Bündnispartner Cormyr und den Elfenhof zu militärischem Beistand verpflichtet“, ergriff Grimwardt selbst das Wort. „Ein Krieg zwischen der Westallianz und Netheril ist nun nicht mehr aufzuhalten, denn Rasilith – oder vielmehr der Schattenknoten – ist der Kern des magischen Monopols der Tanthuls. Telamont kann es sich nicht erlauben, die Stadt an die Bedinen zu verlieren. Er wird versuchen, sie zurückzuerobern, bevor die Regneration des Gewebes Umbra erreicht. Ich selbst werde das Oberkommando über das Heer von Rasilith übernehmen. Die Talländer stehen nun vor der Entscheidung, welche Rolle sie in diesem Krieg spielen wollen. Mir ist bewusst, dass wir nicht die Truppenstärke haben, um eine Armee in die Anauroch zu entsenden – als aktive Kriegspartei würden wir zudem riskieren, in einen Zwei-Fronten-Krieg verwickelt zu werden, wenn das von Netheril kontrollierte Sembia in den Krieg eingreifen sollte. Ich schlage darum vor, unsere Truppen in den Grenzgebieten zu Netheril und Sembia zu verstärken und ein Handelsembargo gegen beide Länder zu verhängen.“
Betretene Blicke und unbehagliches Schweigen. Die talisische Geschichte war in Kriegsdingen kein unbeschriebenes Blatt. Offenbar war hier niemandem wohl dabei, die Schrecken der Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Ein Handzeichen aus den hinteren Reihen des Saals ließ einen Schatten über Grimwardts Gesicht huschen.
„Ja?“
Eine junge Priesterin in dunkelblauen Gewändern hatte sich erhoben: Lydia von Schattental, die kleine Abenteurerin, die dem Kriegskanzler in der Vergangenheit so viele Scherereien bereitet hatte.
„Ich verstehe nicht viel von Kriegsdingen, außer, dass sie sehr viel Geld und noch mehr Leben kosten“, setzte sie arglos an. Faust hätte ihr ihre Naivität fast abgekauft, wenn der Bürgerherr von Federtal, der ihr unablässig den Arm tätschelte, nicht bei ihrer wohlplatzierten Andeutung von Kriegsausgaben unruhig auf seinem Stuhl hin und her gerutscht wäre. „Aber haben die Sandfürsten nicht Netherils Souveränitätsrechte verletzt, als sie in dieser Wüstenstadt eingefallen sind? Sie liegt doch mitten in der Anauroch.“
„Rasilith ist eine Bedinenstadt, die sich Umbra ungefragt einverleibt hat“, erklärte Grimwardt schroff. „Die Sandfürsten haben nur ihr Eigentum zurückgefordert.“
„Rasilith – das ist ein alt-illuskischer Name, nicht wahr?“, gab die Shar-Priesterin zu bedenken. „Also war die Stadt bereits Teil des Imperiums, lange bevor die Bedinen kamen. Wurde sie nicht sogar von den Netherim gegründet?“
„Von den alten Netherim. Das ist über zehntausend Jahre her. Die Gründung dessen, was die Tanthuls das ‚Imperium von Netheril‘ nennen, war ein einziger Raubzug durch die Wüste.“
„So oder so ist die Legitimation für den Krieg, den Ihr uns da aufdrängt, mehr als fragwürdig“, ertönte eine blecherne Stimme. Der Sprecher war einer der drei Kaufmannsfürsten von Bogental, die ihre Gesichtern der Tradition nach hinter goldenen Tiermasken verborgen hielten. „Fast so fragwürdig wie die Grundlage Eurer Kriegskanzlerschaft.“
„Wenn Ihr hin und wieder etwas anderem Gehör schenken würdet als dem Klimpern sembianischer Münzen, die Bogentals Staatskassen so prall gefüllt halten, hätte Euch zu Ohren kommen können, dass ich meine Ernennung längst durch Bürgerwahlen habe bestätigen lassen, wie es das Gesetz von Essembra fordert“, schnaubte der Kriegskanzler.
Ein hohles Lachen ertönte hinter der Stiermaske.
„Gehören zu einer Wahl nicht mindestens zwei Kandidaten? Nun, wenn Ihr zur Urnengang mit solch kriegerischer Unterstützung erschienen seid wie heute, hätte ich es wohl auch nicht gewagt, Euch meine Stimme zu verweigern. Weniger Stahl und mehr Stoff und wer weiß, vielleicht wäre die Wahl anders ausgegangen …“
„Weniger Schwachsinn und mehr Schneid und Ihr bräuchtet Euch nicht hinter einer Bullenmaske zu verstecken“, murmelte Faust trotz Grimwardts warnender Blicke. Dieses scheinheilige Getue war ihm zuwider. Soweit er wusste, hatten die Drei Kaufmannsfürsten das Volk von Bogental noch nie um seine Meinung gefragt, also was sollte diese Farce?
„Wie auch immer Ihr an den Titel des Kriegskanzlers gekommen seid, durch ihn ist Euer Schicksal unwiderruflich mit dem der Talländer verknüpft. Für die Umbranten macht es keinen Unterschied, ob Ihr die Rebellen von Rasilith als Auserwählter des Tempus oder als Kriegskanzler von Schlachtental ins Feld führt. Mit Eurer Kriegstreiberei in der Anauroch bringt Ihr den Zorn Netherils über uns. Und wer soll uns beschützen, während Ihr diese Wüstenprovinz verteidigt?“
Damit hatte er offenbar einen empfindlichen Nerv getroffen. Aufgeregtes Stimmengewirr erhob sich unter den Regenten.
„RUHE!“, donnerte Grimwardt. Augenblicklich kehrte Stille ein. Der Auserwählte des Tempus schritt mit schwerem Tritt zwischen den Tischen entlang und ließ grimmige Blicke über die Anwesenden schweifen. „Reden wir nicht länger um den heißen Brei herum. Es ist ganz offensichtlich, dass einige der hier Versammelten nicht mehr imstande sind, für die Talländer zu sprechen. ICH stehe für einen Talisischen Rat ein, der nicht aus Furcht vor Netherils Macht den Missionierungsversuchen der Sharianer erliegt oder habgierig nach Sembias Handelsprivilegien schielt. Telamont braucht keinen weiteren Vorwand, um mit der Invasion der Talländer zu beginnen. Das hat er längst getan. All jene, die wie ich für ein Handelsembargo und für die Grenzschutzverstärkung sind, die mögen sich jetzt erheben.“
Der alte Ritterherr von Narbental und die Bürgerherrin von Misteltal waren die ersten, die sich erhoben. Nach und nach folgten die anderen Regenten, wenn auch zögerlicher. Am Ende saßen nur noch die Kaufmannsfürsten von Bogental und Baleira von Federtal auf ihren Plätzen.
Grimwardt nickte zufrieden in seinen Bart hinein.

Grimwardt
Rasilith, am Tag darauf.

„Ich habe es wirklich versucht!“
Als er eintrat, lief Scarlet aufgebracht in ihrem Zelt auf und ab. Fast wäre sie über die langen, seidenen Priestergewänder gestolpert, die an ihr noch so ungewohnt waren, und Strähnen ihrer roten Mähne lugten unter dem silbernen Kopftuch hervor. Mit einer unwirschen Handbewegung schickte sie die verschüchterte Elah-Novizin hinfort, die ihr im vergeblichen Versuch, ihre Frisur zu bezwingen, mit einer sichelförmigen Haarspange hinterher tapste.
„Ich habe versucht, mich damit abzufinden, dass meine Mutter eine Götzenanbeterin ist!“, schimpfte sie drauflos, kaum dass das Mädchen fort war. „Ich dachte, ich könnte damit leben, dass sie Shar ihre Gebete schenkt! Immerhin hat sie es für uns getan, für dich und mich, wegen dieser Vision. Aber Seelen, beim Feuersch…, äh ich meine, ach verflucht! Sieht sie denn nicht, was sie damit anrichtet? Die Clanführer werden uns beide steinigen, wenn dieser Richter seine Drohung wahrmacht und ihr Geheimnis an die große Glocke hängt! Blut ist Blut!“
„Hades hat also mit dir gesprochen“, schloss Grimwardt aus ihrer wirren Schimpftirade.
„Was hat sie sich dabei gedacht?“, wetterte Scarlet. „Dieser Avariel wird hier als Volksheld gefeiert. Dass niemand Fragen stellen würde, wenn er einfach verschwindet?“
„SCHLUSS JETZT!“, dröhnte Grimwardt. Verblüfft sank Scarlet auf einen Stuhl und sah verschüchtert zu ihm auf.
„Du weißt, deine Mutter würde alles für dich tun“, wies er sie zurecht. „Ein Wort von dir und sie würde auf Nimmerwiedersehen von hier verschwinden. Aber nicht sie steht jetzt hier, sondern ich. Also willst du mir weiter Moralpredigten halten oder sagst du  mir endlich, warum du nach mir hast rufen lassen?“
Beschämt grub sie die Sandalen in den Boden.
„Der Richter wird ernsthaft zum Problem“, sagte sie schließlich gedämpft. „Zum ersten Mal seit zehn Jahren haben wir eine reelle Chance gegen den Usurpator. Und wir … wir brauchen sie, wir brauchen euch – die Schicksalsstreiter.“ Sie sah niedergeschlagen zu ihm auf. „Kannst du ihn zum Schweigen bringen?“
Grimwardt stieß düster die Luft aus.
„Ich schätze, ich werde Hades lehren müssen, dass dies nicht die richtige Zeit ist, um Hetzreden zu schwingen.“
Er spürte Scarlets zaudernden Blick in seinem Rücken, als er sich auf den Weg zur Unterkunft des Kelemvor-Priesters machte, doch er teilte ihre Gewissensbisse nicht. So sehr er die Kaufmannsfürsten von Bogental verachten mochte, in einem hatten sie Recht: Als Kriegskanzler trug er nicht nur Verantwortung für seine Taten, sondern auch für das Bild, das der Rest der Welt von ihnen gewann. Dies wäre nicht der erste Krieg, der durch innere Zwistigkeiten verloren wurde. Und das Wort des Obersten Richters von Rabenklippe hatte Gewicht. Wenn Hades bereits damit gedroht hatte, Winter an den Pranger zu stellen, war Eile geboten.
Rasilith platzte aus allen Nähten. Mit dem Heer der Sandfürsten, den Silbernen Rittern und den Freiwilligen aus  den umliegenden Ländern beherbergte die Stadt nun fast das Vierfache ihrer Bevölkerung. Trotzdem hatte Hades eine Baracke ganz für sich allein – offenbar hatte er keine zwei Tage gebraucht, um seine Gastgeber aus dem Haus zu vergraulen. Ein Jüngling mit jenem beflissen-hysterischen Blick, der charakteristisch für jene bedauernswerten Geschöpfe war, die mehr Zeit mit Hades verbrachten, als ein gesunder Verstand ertrug, öffnete Grimwardt und ließ ihn wissen, dass „Meister Hades“ zurzeit keine Besuche empfing. Wo trieb der Richter bloß an jedem Ort so schnell einen Lakaien auf? Der Kriegskanzler trat an dem protestierenden Jungen vorbei und überraschte den „Hausherren“ beim Essen.
„Hades, auf ein Wort“, sagte er bestimmt. Unglückliche Wortwahl. „Es können auch mehrere Wörter werden“, schob er schnell nach, um dem unverbesserlichen Pedanten keine Vorlage für ein allzu kurzes Gespräch zu liefern.
„Ich muss Euch vertrösten, Kriegskanzler, in einer Viertelstunde bin ich mit dem Hochfürsten von Silbrigmond verabredet.“
Hades wischte den leeren Teller mit einem Brotrest blank. Kaum hatte er sich erhoben, war der unfreiwillige Knappe auch schon herbei, um seinem Herrn in die Rüstung zu helfen.
„Ich kann mir denken, worum es geht. Ihr beschädigt mein Kriegsinstrument und das kann ich nicht dulden.“
„Ich verstehe nicht.“
„Eine Diffamierung Winters zu diesem Zeitpunkt würde die Stellung der Elah’ni gefährden und könnte unsere Bündnispartner ins Wanken bringen. Einigkeit ist das erste Gebot im Krieg.“
„Ich diffamiere nicht, ich spreche die Wahrheit.“
Mit einem unterstreichenden Ruck rückte der Richter den Harnisch zurecht.
„Eure Wahrheit schadet meinem Krieg.“
„Es ist nicht meine Wahrheit. Wahrheit ist unparteiisch. Euer Krieg ist bedeutungslos verglichen mit der Häresie Eurer Schwester. Die göttliche Ordnung muss wiederhergestellt werden.“
„Mein bedeutungsloser Krieg dient dazu, einen Tyrannen zu stürzen“, knurrte Grimwardt.
„Es geht hier nicht um Gut und Böse, sondern um Recht und Unrecht.“
„Und nach welchem Recht wiegt Winters Schuld mehr als ihr Nutzen in diesem Krieg?“
„Nach dem Gesetz der Ewigen Seelen.“
„Darüber sollen Schwert und Axt entscheiden.“ Grimwardt sah keinen Sinn darin, das Unvermeidliche hinauszuzögern. „Hades, ich erwarte Euch in einer halben Stunde am Somaj-See.“
„Warum?“
Er riss sich seinen Panzerhandschuh von der Rechten und schleuderte ihn dem Unbelehrbaren vor die Füße.
„ICH FORDERE EUCH ZUM RICHTKAMPF“, donnerte er. „IST DAS DEUTLICH GENUG?“
Hades‘ Mundwinkel zuckten. Es schmeckte ihm nicht, dass ein Turniersieg über Wahrheit oder Unwahrheit entscheiden sollte, doch er konnte nichts dagegen tun, solange der Richtkampf von der Mehrzahl der Gerichte Faerûns als Rechtsmittel anerkannt wurde. Den Kelemvorianer schlug man am besten mit seinen eigenen Mitteln.
„Also gut.“ Er sah seinem Herausforderer in die Augen. „Aber ich bestehe auf einen anderen Austragungsort. Der Kampf soll auf dem Marktplatz stattfinden.“
Grimwardt schnaubte. Die Kehrseite seiner Taktik. Nach einem Richtsieg in aller Öffentlichkeit würde es niemand wagen, Hades‘ Worte in Zweifel zu ziehen – selbst, wenn sie sich gegen ein Mitglied der mächtigen Schicksalsstreiter richteten.
„Lassen wir die Münze entscheiden.“ Klimpernd zog er ein Goldstück hervor. „Kopf oder Zahl?“
Hades zog die Stirn in Falten.
„Sagt bloß, dafür gibt’s keine Richtlinie!“, frotzelte Grimwardt.
„Zeigt mir die Münze!“
„Ihr verletzt meine Ehre“, sagte er trocken und reichte ihm das Goldstück.
„Zahl“, sagte Hades.
Grimwardt warf die Münze. Zahl. Kopfschüttelnd sah er den Priester an.
„Zufall oder göttliche Eingebung?“, brummte er.
„Es ist eine gerade Zahl“, belehrte ihn Hades mit eiserner Miene. „Gerade ist gut.“
„Das solltet Ihr Euch auf Euren Umhang sticken lassen.“

Faust
Das Scheppern der Rüstungen und das Singen der Klingen waren bis an die Stadtgrenzen zu hören. Ansonsten war es in der ganzen Stadt so still, dass man den Sand wandern hören konnte. Auf den Stufen zur Sandfeste, auf den Dächern rund um den Marktplatz und auf der Wehrmauer tummelten sich die Zuschauer in gebanntem Schweigen. Jene, die dem Geschehen am nächsten standen, konnten spüren, wie jeder Hieb der beiden Kontrahenten bis tief in den Boden drang.
Wenn Krieg und Tod sich eine Schlacht liefern …, dachte Faust. Das klang wie der Anfang eines apokalyptischen Schauerreims. Der Auserwählte des Tempus und der Richter des Kelemvor waren so mit göttlicher Energie aufgeladen, dass sie die Gestalt ihrer Herren angenommen hatten. Und offenbar waren sie gleichermaßen entschlossen, die Redensart „unumstößlich im Glauben“ wörtlich zu nehmen. Die Sonne, die zu Beginn des Kampfes noch über dem Osttor gestanden hatte, brannte nun im Zenit auf den Markplatz und ließ ihnen den Schweiß in Strömen über die verbissenen Grimassen rinnen. Doch keiner von beiden hatte auch nur einen Fußbreit seiner Stellung abgetreten. Mit jedem Axthieb, jedem Schwertstreich stemmten sie die Füße fester in den Boden und der aufgepeitschte Sand hatte einen Ringwall um die beiden Unerschütterlichen geformt wie um einen Einschlagskrater.
Plötzlich tauchte Winter lautlos wie ein wandernder Dünenschatten neben Faust auf. Es gehörte nicht viel Kombinationsgeschick dazu, zu erkennen, dass sie auch diesmal die Ursache dieses epischen Scharmützels war. Er trug ihr die Sache mit Elijas immer noch nach – trotzdem musste er bei ihrem Anblick ein spontanes Glücksflattern unterdrücken. Immerhin konnte er die daraus resultierende Grimasse damit rechtfertigen, dass Hades gerade nach einem schmetternden Hieb in die Weichteile in die Knie gegangen war. Offenbar gab es doch einen Teil von ihm, der nicht aus Eisen war.
Oder doch nicht.
Grimwardt stieß einen unwilligen Laut zwischen Grunzen und Kampfgebrüll aus, als sein am Boden liegender Gegner schweratmend wieder auf die Beine kam. Der Tempus-Auserwählte war fraglos der zähere Kämpe, aber Hades‘ Sturheit war legendär. Zudem waren sich die beiden in ihrem Kampfstil und ihren Überzeugungen so ähnlich, dass es ihnen schwerfiel, den anderen zu überraschen. Wahrscheinlich sahen Kelemvor und Tempus in diesem Schauspiel eher eine Art waffenbrüderliche Stichelei als einen handfesten Glaubensstreit. Noch zweimal musste Grimwardt seinen Kontrahenten Sand schlucken lassen, ehe dieser besinnungslos liegenblieb.
Alles war still bis auf Grimwardts Schnaufen, als er seinen Blick über die Menge schweifen ließ, bis seine Augen an Scarlet hängenblieben.
Er hob die Axt, sodass sie wie ein Richtbeil über Hades‘ Nacken schwebte. Eine stumme Frage.
Scarlet zögerte nur kurz, dann schüttelte sie den Kopf.
Faust stieß scharf die Luft aus.
Wenn dein Bruder sich auf deine Seite schlägt, dann tut er’s richtig, wie?“ murmelte er an Winter gewandt.
„Er ist nicht auf meiner Seite; er hasst mich“, sagte sie sachlich. Ihr Blick war nachdenklich auf ihre Tochter gerichtet. „Ich sollte Hades‘ Erinnerung löschen, bevor er den nächsten Plan ausheckt, uns in die Quere zu kommen.“
„Ich habe letztens von einem Zauber gelesen, der den Körper eines Sterblichen unter der Erde einsperrt und seine Seele auf Eis legt.“ Faust verschränkte die Arme. „So eine Art Tod auf Zeit, bis der Zauberwirkende ihn wieder befreit. Xara könnte dir vermutlich eine entsprechende Schriftrolle besorgen. Danach tauchst du noch ein, zweimal in Verkleidung als Hades in Rasilith auf, murmelst irgendwas von einer dringlichen Ordensmission und die Sache sollte erst mal gegessen sein … Ich meine, es sei denn, du brauchst seelenmäßig noch einen Nachschlag.“
Den Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen, doch er bereute ihn sogleich, als er sah, wie Winters Kiefer zu mahlen begannen, als sie sich bemühte, ihre gerade erst zurückgewonnene Fassung zu wahren. Plötzlich kam er sich schäbig vor. Vielleicht war er auch nicht besser als diese Jämmerlinge von Maskenfürsten, die ihre Gesichter verbargen, sodass sie nicht die Verantwortung für ihre Entscheidungen tragen mussten. Mal ehrlich, was würde er schon dagegen tun, wenn Winter sich entschließen sollte, seinen gesamten Bekanntenkreis zu entseelen? Er sagte sich immer, dass sie diese Sache schon in den Griff bekommen würden, wenn die Tanthuls besiegt wären, wenn Scarlet in Sicherheit wäre, wenn sich Desayeus‘ Vision als Trug herausstellte …
Ziemlich viele Wenns.

Grimwardt
Am nächsten Abend.

Breitbeinig hatte sich Grimwardt vor dem umbrantischen Prinzen aufgebaut. Melegaunt Tanthul hatte Schweißperlen auf der Stirn, das lange Haar hing ihm strähnig in die Stirn und seine schweren Roben mussten ihn in der Hitze umbringen, die sich über den Tag in dem kleinen Nomadenzelt aufgestaut hatte. Er wirkte fehl am Platz, auf dem schlichten Schemel kauernd wie ein Büßer auf dem Beichtstuhl. Nachdem sich der Kriegskanzler das versiegelte Schreiben, das der Umbrant bei sich getragen hatte, zweimal sorgsam durchgelesen hatte, ließ er die Schriftrolle bedächtig sinken.
„Ein Sohn des Hochprinzen schleicht sich bei Nacht ins Heerlager der Bedinen. Ohne Gefolge. Ohne magischen Schutz … Die Wachen hätten Euch töten können, ohne zu wissen, wer Ihr seid, bevor überhaupt irgendjemand dieses Schreiben zu Gesicht bekommen hätte.“
 „Ich schätze, diese Möglichkeit hat mein Vater in Betracht gezogen, als er mich herschickte“, erwiderte der Netherprinz mit einem gequälten Lächeln.
„Ihr habt es verbockt, hm?“, erriet Faust. „Ihr konntet Rasilith nicht halten und jetzt lässt er Euch dafür den Kopf hinhalten.“
„Ich war 26, als ich den ersten Kreis der Magie meisterte, mein jüngerer Bruder war 5“, erwiderte Melegaunt bitter. „Ich schätze, was Rasilith angeht, habe ich den Erwartungen meines Vaters voll entsprochen.“
Faust lachte beinahe mitfühlend, aber Grimwardt war nicht bereit, Melegaunt die Schwarze-Schaf-der-Familie-Nummer so schnell abzukaufen. In dem Schreiben, das er bei sich trug, bat Hochprinz Telamont Tanthul höchstpersönlich „die Schicksalsstreiter“ noch in dieser Nacht um eine „Aussprache“ auf neutralem Territorium in der Kerzenburg. Weder die kurzfristige Einladung noch die Art ihrer Überbringung gefielen dem Kriegskanzler. Und Melegaunts Versagen als Verteidiger der Stadt verstärkte nur seine Not, gegenüber seinem Vater einen Erfolg vorzuweisen.
„Was garantiert uns, dass dies keine Falle ist?“, knurrte er und wedelte mit der Schriftrolle.
„Mein Vater ist ein Mann der Politik, kein Meuchelmörder.“
Winters höhnisches Schnauben quittierte Melegaunt mit einem herablassenden Stirnrunzeln. Er stand unter dem Einfluss eines Wahrheitszaubers. Wusste er tatsächlich nicht, wer ihnen Artemis Entreri auf den Hals gehetzt hatte?
Grimwardt musste zugeben, dass es ihn in den Fingern juckte, dem berüchtigten Schattenherrn gegenüber zu treten, den außerhalb der Stadt der Schatten kaum jemand je zu Gesicht bekam.
„Ich will mich darüber erst mit den anderen Heerführern beraten.“
„Er hat ausdrücklich verlangt, mit den Schicksalsstreitern zu sprechen.“
„Ich werde mich nicht zu geheimen Absprachen verführen lassen.“
„Das Treffen ist nicht geheim. Aber Telamont wird niemanden außer Euch empfangen.“
Grimwardt beriet sich kurz telepathisch mit den anderen beiden.
„Wir kommen mit Euch“, brummte er schließlich in seinen Bart hinein. „Aber Ihr zahlt für den Eintritt in die Kerzenburg.“
Wie sich herausstellte, als sie wenig später an der berühmten Bibliothek an der Schwertküste ankamen, erwartete man sie dort bereits. Melegaunt führte sie zu einer Nachtpforte, wo ihnen einer der Oghma-Mönche Einlass gewährte, ohne wie üblich eine teure „Leihgabe“ in Form eines Buchs im Wert von 1.000 Gold zu verlangen. Sie folgten dem Mönch durch das Labyrinth der Bücherhallen, bis sie an einer unscheinbaren Holztür ankamen. Nachdem Winter sie mit Schutzzaubern eingedeckt hatte, traten sie ein.
Kerzen brannten vereinzelt in dem Raum – einem einfachen Lesesaal –, doch ihr Licht wirkte kraftlos und verloren, als existiere es nur, um den tiefen Schatten, die in den Ecken lauerten, eine Leinwand zu bieten. Telamont Tanthul saß lesend an einem Pult. Als die Schicksalsstreiter eintraten, legte er das Buch beiseite – ohne Hast, aber auch ohne unhöfliche Verzögerung – und deutete auf die bereitstehenden Stühle. Der Hochprinz von Netheril war vor allem eines – alt. Unter der schwarzen Robe war er ausgemergelt und kahl und  tiefe Schatten zerfurchten sein langes, graues, faltiges Gesicht wie Risse ein altes Monument. Er trug keinen Schmuck bis auf einen Siegelring, keine Krone, kein Zepter, keine Symbole der Macht. Grimwardt hatte vor genug Thronen und Herrschern gestanden, um zu wissen, dass Diplomatie im Krieg eine Schlacht wie jede andere war, wo der Auftritt über Sieg und Niederlage entschied. Wenn Telamont sich entschlossen hatte, keine „Waffen“ mitzubringen, dann wollte er sie entweder täuschen oder Ihnen zeigen, dass er sie nicht brauchte. Grimwardt tippte auf Letzteres. Die Umwandlung zum Umbranten verlängerte das Leben eines Menschen, doch sie machte ihn nicht unsterblich. Telamont hätte den Untod wählen können wie Szass Tam oder sich in Illusionen hüllen können, die alle sichtbaren Zeichen des Alters verschleiern. Aber die Zurschaustellung seines Alters war eine Botschaft: Seht her, ich habe Karsus‘ Fall überlebt und den Niedergang des alten Imperiums und die Jahrtausende währende Diaspora meines Volkes. Die Jahre haben meinen Körper zerfurcht wie einen alten Baum, aber meinen Geist haben sie geschärft, den Geist, der sich noch an das Goldene Zeitalter von Netheril erinnert und nicht eher ruhen wird, bis es wieder erstrahlt.
Grimwardt war erleichtert, als er spürte, wie in ihm so etwas wie Respekt für den alten Tyrannen aufkeimte. Nichts war bedauerlicher als ein Feind, der den Stahl nicht wert war, der ihn richten sollte. Nachdem sie die üblichen Förmlichkeiten ausgetauscht hatten, kam Telamont gleich zur Sache.
„Man hat einen Angriff auf eine meiner Städte verübt.“ Der Blick der nebeltrüben Augen in den tiefen Höhlen war unverwandt auf Grimwardt gerichtet. „Es ist meine Pflicht, meine Bürger zu schützen und Rasilith zurückzuerobern. Viele werden in diesem Krieg sterben. Nicht Ihr. Nicht ich. Ihr denkt vermutlich, dass ich Tausende opfern würde, um Faerûn unter meinem Banner zu vereinen. Doch dieser Krieg nützt niemandem. Ich habe Netheril unter einem Glauben vereint und ich werde Faerûn unter diesem Glauben vereinen. Ich habe viele Tausend Jahre gewartet und wenn es mich weitere tausend Jahre kosten soll, bis die Menschen erkennen, dass die Stärke in der Einheit der Dunkelheit liegt, dann soll es so sein. Dies sind meine Forderungen: Die Sandfürsten und ihre Verbündeten ziehen sich aus Rasilith zurück und kommen für die Reparatur des magischen Knotens auf.“ Faust stieß ein empörtes Schnauben aus, das der Herr von Netheril ignorierte. „Die Stadt wird künftig von einem Rat regiert, der zu gleichen Teilen aus Bedinen und Netherim besteht. Die Bedingung: Alle Bedinen haben in Rasilith oder einer anderen Wüstenstadt sesshaft zu werden und die Sandfürsten müssen ihre Waffen abliefern und ihre Aktivitäten einstellen.“
„Das ist lächerlich“, bemerkte Faust. „Die Bedinen sollen zulassen, dass Ihr all diejenigen, die sich nicht zu Eurer Dunklen Göttin bekennen, wieder vom magischen Netz abschneidet und auch noch dafür bezahlen?  Vielleicht ist Eure Stadt nicht das einzige, das ein bisschen Erhellung gebrauchen könnte.“
Telamont Tanthul verzog keine Miene, als er Faust musterte.
„Für einen Mann Eurer Stellung seid Ihr offenbar schlecht geschult in diplomatischen Fragen, sonst wüsstet Ihr, dass Mangel an Respekt kein Zeichen von Mut ist.“
Wo er Recht hat, hat er Recht.
„Was mein Begleiter auf seine ungehobelte Art ausdrücken will“, brummte Grimwardt, „ist, dass die Bedinen in ihrer derzeitigen Situation einem solchen Handel niemals zustimmen werden.“
Was wollte Telamont mit diesem Angebot bezwecken? Ihm musste klar sein, dass seine Forderungen unrealistisch waren. Warum sollten sich die Bedinen auf einen solchen Kuhhandel einlassen, wenn sie die Unterstützung der Westallianz hatten? Hoffte er tatsächlich, einen Krieg abwenden zu können und zu seiner alten Taktik der schleichenden Unterwanderung zurückkehren zu können?
„Darum sollt Ihr es ihnen ja auch unterbreiten.“ Der Hochprinz sah Winter an. „Euch sollte am meisten daran gelegen sein, diesen Krieg zu verhindern mit Eurer Attentäterin von einer Tochter in der Schusslinie. Oder glaubt Ihr, ich hätte vergessen, wer für den Tod meines Sohnes Hadhrune verantwortlich ist?“
Grimwardt stutzte.
Hadhrune?, wunderte sich auch Faust. Das ist eine halbe Ewigkeit her. Was ist mit dem Zwilling, den ich in Eileanar geköpft habe? Entweder der Kerl kann nicht richtig zählen oder er weiß nicht, was unter seinem eigenen Dach passiert.
Womöglich ist die Intrige der Eileanar-Verschwörer gegen den Hochprinzen selbst gerichtet, mutmaßte Grimwardt. Er zögerte einen Moment, dann sagte er telepathisch: Wir sollten ihn aufklären.
Warum?,
wandte Winter ein. Was kümmert es uns, wenn seine Söhne ihn stürzen wollen.
Wir wissen nicht, was sie planen, hielt ihr Bruder dagegen.
Sehe das wie Winter, pflichtete Faust der Zauberin bei. Alles, was Umbra schwächt, stärkt uns.
Grimwardt verzog missmutig das Gesicht. In letzter Zeit wurde er nur allzu häufig überstimmt und sowohl Winters zynischer Pragmatismus als auch Fausts draufgängerische Brecheisen-Tour stießen ihm immer bitterer auf.
Wir. Sagen. Es ihm.
Grimwardts Kieferknochen mahlten. Er hatte lange genug tatenlos zugesehen, wie die beiden diesen Krieg zu ihrem persönlichen Schlachtfeld machten.
Wie du meinst.
Schulterzuckend wandte Faust sich an den Hochprinzen: „Vielleicht solltet Ihr Euren Blick statt in die Wüste einmal nach innen richten und Eure Söhne durchzählen.“
Telamont zog verärgert die Augenbrauen zusammen.
„Sofern Ihr Eure kryptischen Andeutungen nicht weiter ausführen wollt, darf ich diesen Einschub wohl als Desinteresse an unseren Verhandlungen werten.“
„Vielleicht könnte ich ausführlicher werden, wenn Ihr gewillt wäret, Euer Angebot ein wenig zu erweitern.“ Faust machte sich nicht einmal die Mühe, seinen Hohn zu kaschieren. Grimwardt konnte nur verdrossen den Kopf schütteln.
Telamonts Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Ich glaube, Ihr missversteht meine Absicht“, sagte der Hochprinz schneidend und mit einer Kälte, die die Kerzen zum Flackern brachte und die Schatten noch tiefer in sein zerfurchtes Gesicht grub. „Ich bin kein Händler, der um ein Gut feilscht, sondern ein Bestohlener, der sein Eigentum zurückfordert. Nur dem Umstand, dass netherisches Blut durch ihre Adern fließt, haben die Bedinen es zu verdanken, dass sie nicht längst unter dem Wüstenstaub der Anauroch begraben liegen.“ Er erhob sich. „Ich erwarte Eure Antwort innerhalb von drei Tagen. Ansonsten werde ich entsprechende Schritte einleiten.“
Auf eine harsche Geste trat sein Sohn Melegaunt an seine Seite und setzte zu einer Teleportationsformel an. Das Gespräch war beendet. Kopfschüttelnd starrte Grimwardt auf die Stelle, an der er verschwunden war. Seine Zornader grub sich tief in seine Stirn. Winter und Faust schienen es nicht einmal zu bemerken, während sie ihre weiteren Schritte diskutierten, als hätten sie nicht soeben den mächtigsten Mann des westlichen Faerûns aufs Schändlichste beleidigt und jede Hoffnung auf eine diplomatische Lösung für diesen Konflikt in den Wind geschlagen. Ihre Worte rauschten an Grimwardt vorbei wie ferner Schlachtenlärm.
„ … hast recht. Wir sollten nicht zu den Sandkämpfern in die Anauroch zurückkehren und mit ihnen in den Krieg ziehen. Genau das erwartet Telmont doch. Gehen wir lieber dem Geheimnis von Eileanar auf den Grund“, drangen Fausts Worte schließlich zu ihm durch.
„Ohne mich.“
Grimwardts Worte drangen ganz tief aus dem Keller. Die beiden sahen ihn verwundert an.
„Ein General lässt seine Truppen nicht im Stich, erst recht kein Priestergeneral. Unsere Wege trennen sich hier.“

Nightmoon

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #350 am: 09. Dezember 2014, 01:20:30 »
Wow, das kam unerwartet, obwohl ich immer wieder überlegt habe, wie es wohl weitergeht! Aber das Warten hat sich ja gelohnt! Inhaltlich echt schwerer Stoff den du da in eine schöne Form gebracht hast! Gerade der Kampf der beiden Auserwählen war legendär! Da werden Erinnerungen wach! ...hab ja im Januar auch bald Geburtstag... ;)

Winter

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #351 am: 09. Dezember 2014, 22:43:49 »
Oh was für ein wunderbares Geschenk   ::)
Ich denke immer wieder gern an diese Kampagne...und bin froh dass wir die Gelegenheit hatten, sie zu vollenden...

Nightmoon

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    • Schicksalsstreiter
Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #352 am: 14. August 2015, 20:06:16 »
Lang ists her, aber ich denk immer wieder an die alte Runde zurück... irgendwann muss ich glaub ich wieder nen Faust spielen, egal in welchem System. Ich habe die Theorie aufgestellt, dass Rollenspiel mehr ist, oder sein kann, als eine andere Rolle zu spielen. Wie Faust schon sagt "zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust", doch ich glaube es sind eben noch mehr. In der realen Welt gibt es aber zumindest immer den Teil des eigenen Ichs, welcher eher bodenständig ist und ein "normales" Leben anstrebt und den Teil, welcher eben immer nach mehr strebt. Man kann aber nur dem einen Weg folgen, da sich beide gegenseitig mehr oder weniger ausschließen. Rollenspiel gibt einem die Möglichkeit dem anderen Ich seinen Lauf zu lassen, ihm ein alternatives Leben zu ermöglichen. Ich glaube Faust ist sozusagen mein rastloser Part, der nie zum Augenblick "verweile!" sagt. Ab und zu bricht der Gute auch so nochmal im wahren Leben aus einem raus, aber durch das Rollenspiel kann man ihn wirklich leben lassen. Wenn ich mit allen Prüfungen durch bin, werd ich die Geschichte nochmal ganz von Anfang an lesen, hab ich mir vorgenommen, da es sich anfühlt, als hätte wirklich ich diese Dinge erlebt und es einem wie ein Schwelgen in alten Erinnerungen vorkommt.

Denk also nicht wir würden nicht mehr auf weitere Kapitel warten! ;)
Hab nur leider im Moment echt viel um die Ohren...

Winter

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #353 am: 20. Januar 2018, 21:58:07 »
 Schaue einen der diversen Teile aus Pirates of the Carribean und muss an euch, an uns denken

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