Autor Thema: Ereignis in den Bergen  (Gelesen 1040 mal)

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Svorge et Nerge

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Ereignis in den Bergen
« am: 08. September 2010, 08:52:21 »

Sicherlich würden Sie jetzt vermuten, daß all dem, was ich zu berichten habe ganz gewiß ein gut Maß an Realismus abgehe, doch hören Sie selbst...

In einer Berghütte sitzend, kauerte ich mich vom Tosen eines Sturmes verängstigt zusammen. Der Wind des Unwetters zerrte und riß an der Türe sowie den Läden, so daß mir wirklich Angst und Bange war. Der Regen stürzte trommelnd in Schauern vom Himmel und prasselte pausenlos auf das uralte Schindeldach herab. Und ich dachte in Panik, was den geschehen möge, falls Wind, Sturm und Regen in einem infernalischen Crecendo mit urwüchsiger Kraft die Hütte mit mir darinnen zum Einsturz brächten. Begraben wäre ich ganz sicherlich für alle Zeiten - tot und zermalmt - die Knochen zerbrochen und der Körper zerschlagen. Woge über Woge, eine schlimmer als die andere, kam über die Hütte und immer wieder dachte ich voller Furcht nun sei es soweit und mein Ende gekommen, aber jedesmal schienen die Naturgewalten noch einen draufsetzen zu müssen. So kam mir in all meiner Plage mehrfach der Verdacht, das dem Sturme ein gewisses Sinnen oder bewußtes Handeln oblag. Wie wenn in dem Wüten, dem Wilden und Heftigen, ein gewisser Sadismus unterschwellig zu stecken schien.

Natürlich könnten Sie durchaus anmerken, das dies nur meiner Einbildungskraft entsprungen sein könne, aber es gibt da etwas, das damit nicht unwesentlich zu tun hatte und etwa vier Wochen vorher sich zutrug.

Zu dieser Zeit weilte ich gerade in Rom, noch bevor mich meine Reise über die Schweizer Alpen nach Deutschland zurückführen sollte. Nach dem Speisen am frühen Abend noch durch das innerstädtische Forum schlendernd, kam ich an einem kleinen Laden vorbei, der mir wahrscheinlich an jedem anderen Tag mit allergrößter Wahrscheinlichkeit entgangen wäre. Aber nicht an diesem... Als meine behänden Schritte mich gerade an dessen Tür vorbeiführen wollten trat unvermittelt eine alte und gebeugte Frau daraus hervor und wollte gerade eine Vase mit altem Blumenwasser auf die Straße hinausschütten. Ich blieb abrupt stehen und hielt inne und nach der Verrichtung ihres Tuns wandte sie sich um. Sehr wahrscheinlich wollte sie einfach nur wieder in ihr kleines Etablissement zurückgehen. Doch ihr Blick traf mich dabei und uns erfaßte beide im gleichen Augenblick ein seltsames Schaudern, so als wäre dieser Moment irgendwie vom Schicksal vorherbestimmt. Ich weiß es heute zwar nicht mehr so genau, aber irgendwie kamen wir ins Gespräch und sie bat mich in ihr kleines Geschäft. Dort nannte sie mir unvermittelt meinen vollständigen Namen und zu meinem Erstaunen noch allerlei Dinge aus meinem bisherigen Leben, welche sie durchaus nicht wissen oder in Erfahrung gebracht haben konnte...

Und doch geschah dies so, worauf ich Ihnen Stein und Bein schwören möchte...

Anhand der Unmengen an seltsamen und durchaus auch skurilen Gegenständen, welche sich in dem geschmackvoll eingerichteten Räumchen häuften und ihrem unstrittig vorhandenen seherischen Fähigkeiten, die sie mir ja schon zur Genüge dargeboten hatte, war ich geneigt - trotz meiner üblichen Zweifel - zu glauben. Vorerst... Doch dann verfinsterte sich ihre Miene zusehends und sie erklärte mir mit ernstem Blick, das sie momentan etwas in der Bredouille stecke und mir gegen eine großzügigere Spende mir etwas mitteilen wolle, was mir in Bälde sicherlich äußerst nützlich sein würde und dabei spielte sie auf meine bevorstehende Weiterreise an, ohne aber ins Detail gehen zu wollen. Unweigerlich fing ich zu lachen an und viel lauter als ich es mir später gerade wegen meines guten Benehmens eingestehen konnte. Dieser dreiste und vor allem dazu noch äußerst plumpe Versuch mich um einen Teil meiner Reisekasse zu bringen, grenze für mich schon ans Unglaubliche. Erbost ob meiner unausgesprochenen Ablehnung ihres großzügigen Angebotes begann sie mir schimpfend und zeternd nachzurufen, das ich in nicht allzuferner Zukunft im Gebirge der Schweizer Alpen unvermittelt und völlig überraschend in einen schrecklichen Sturm geraten würde. Und mich dort in einer bruchreifen Hütte dort oben in den Bergen verstecken würde, doch dies täte sich als nutzlos erweisen. Im Augenblicke meiner größten Angst solle ich mich an ihre Worte erinnern und falls ich nach einem dreifach gefolgten Blitz immer noch in der Kate verbliebe, würde diese mich unter Donner und Getöse unter sich begraben.

Und dann saß ich da, Wochen später, im Zentrum dieses fürchterlichen Unwetters und ließ einen ersten gewaltigen Blitz furchtlos über mich ergehen und harrte etwas ängstlicher auf den zweiten, der auch allsbald folgen sollte und noch bevor der dritte niederging, hatte ich trotz aller Angst, welche mich fast zu paralysieren schien, einen fast schon tollkühnen Plan ersonnen. Ich mußte hier raus, riß also die poröse Tür auf und sprang mit gewaltigen Sätzen, welche ich mir nur durch eine beginnende Todesangst erklären konnte, ins Freie und versuchte dabei soviel Abstand wie möglich zwischen mich und die vom Verfall bedrohte Kate zu bringen. Und scheinbar keine Sekunde zu früh war mir dies gelungen, als sie von einem weiteren gewaltigen himmelabwärts fahrenden Stromstoß getroffen, berstend und krachend in sich zusammenfiel.

Ich war gerettet und obwohl der Sturm, jetzt zwar nachlassend , aber immer noch wütend über mich weiter herniederging und mich der Regen rasch durchnäßt hatte, tanzte ich und schrie außer mir vor Freude, das die bedrohliche Prophezeiung der alten römischen Vettel nicht zugetroffen hatte. Schneller und schneller hüpfte und tanzte ich wie ein Derwisch um die Reste der lodernden Hütte herum, wie es die mittelalterlichen Hexen in der Walpurgisnacht seit Jahr und Tag vollführten. Wie im Rausch drehte und wirbelte ich umher und dann, wie in einem großen Finale urplötzlich mit brennender Haut und dampfendem Atem, welcher aus meiner Kehle strömte, zu Boden sank...

Ich erwachte erst wieder, als Sie sich bereits über diesen ausgestreckt da liegenden und verkohlten Körper beugten und ich auf ihre Frage "Was dem armen Teufel wohl wiederfahren sei?" hin, die sie ihrer Reaktion zufolge, wohl sich selbst und nicht mir gestellt hatten, wahrheitsgemäß und ohne darüber nachzudenken geantwortet habe. Doch Sie würdigten meine nebelhafte Erscheinung keines Blickes...


Muotathal, den 3. Juli 2010
Ihr seid alle Individuen! - Ich nicht!

Svorge et Nerge

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Ereignis in den Bergen
« Antwort #1 am: 09. September 2010, 21:02:58 »
Sorry, vergessen zu schreiben:

Wußte die Story denn dem ein oder anderen zu gefallen und falls ja, was den besonders. Bin generell an Feedback zu meinen Geschichten interessiert (natürlich schmeichelt einem Lob und Tadel stachelt für die nächsten Versuche an)...


Mit gespannten Grüßen Bernar LeSton
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