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Autor Thema: Die Fahrten der Audacia  (Gelesen 35399 mal)

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Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #30 am: 17. Oktober 2012, 12:07:05 »
Persona Dramatis
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Kapitel 5
Wirrungen und Verwicklungen in Aufbruch

Position:
Reede vor Aufbruch
"Audacia"
Zeit: 4 653 783.M41

Aufbruch ist eine zusammengestückelte Raumstation, ähnlich wie die Klause. Aber sie ist deutlich größer. Im Zentrum steht auf einem gewaltigen Sockel eine viele Kilometer hohe Statue des Imperators. Einst hat diese ein äußerst gläubiger Freihändler errichtet, als Zeichen, dass selbst hier der Gottimperator seinen Blick auf die Dunkelheit der Halosterne gerichtet hält. Aber imperiale Autorität hat hier noch nicht wirklich Einzug gehalten. Wandererhafen ist immer noch der letzte Stützpunkt unter imperialer Kontrolle und mit einer Flottenpräsenz ausgestattet. Hier herrschen andere Gesetze. Um die Statue herum sind weitere Stationen in Form von ausgehölten Asteroiden angebracht. Einige enthalten Habs, andere Handelshallen und Kontore. Und da sind natürlich noch die Werften, welche sie um die Wartung und Instandhaltung der Schiffe kümmern. Regiert wird Aufbruch immer vom ranghöchsten Freihändler, welcher sich gerade auf Aufbruch befindet. Jedenfalls in der Theorie. In der Praxis wird Aufbruch nicht wirklich regiert. Verschiedene Gruppierungen aus Handelshäusern und Unterweltssyndikate wenden sehr viel Energie darauf, den Status Quo zu wahren und die alltäglichen Dinge wie Luft, Wasser und Nahrungsversorgung am Laufen zu halten. Alles darüber hinaus ist durch regionale Bräuche geregelt. Ich habe ehrlich gesagt auch weder Zeit noch Lust, diesen Felsen im Nichts wirklich zu regieren.

Wie es aussieht, ist noch ein anderer Freihändler mit dem Namen Moredus Westland, ein berüchtigter Handlanger der schier omnipräsenten Kasballica Mission, auf Aufbruch präsent. Und das wohl schon seit einiger Zeit, da hier kein anderes Freihändlerschiff auf Reede liegt. Ein gewisser Ito Vajun funkt uns an und weist die "Audacia" zu einem Andockpunkt. Meisterin Puppila läuft mal wieder zur Hochform auf und steuert den leichten Kreuzer sanft wie ein Blatt im Wind zur Anlegestelle. Ich sammle meine Entourage ein und wir gehen gemeinsam von Bord. Uns erwartet schon eine Ehrenformation von uniformierten Wachsoldaten, die wohl hier eher repräsentativen Zwecken dienen. Am Ende der Information wartet ein Trio aus zwei Männern und einer Frau in blauen adretten Uniformen, ähnlich geschnitten wie jene der imperialen Flotte. Der dunkelhäutige Mann meiner Größe ist Ito Vajun und heißt mich auf Aufbruch willkommen. Vajun ist so etwas wie das inoffizielle Staatsoberhaupt, welcher die Tagesgeschäfte der Station abwickelt. Nachdem ich das Zeremoniell hinter mich gebracht habe und erklärt habe, dass mein Onkel Ravion wirklich endgültig vom Posten des Lordkapitäns zurückgetreten ist, führt er mich in das Innere der Station. Alles ist äußerst barock ausstaffiert. An den Wänden reihen sich prächtige Heiligenfiguren auf. Sie sehen äußerst uneinheitlich aus und stammen aus verschiedenen Epochen und auch Materialien. Manche sind aus Blöcken feinsten Marmors gemeißelt, andere aus Elfenbein geschnitzt. Andere sind aus Metall gegossen oder bestehen aus wurmstichigem Holz. Der Heilige Drusus ist natürlich überproportional vertreten, aber auch Macharius, Thor, Dolan, Sanginuis und die übrigen Söhne des Imperators sind öfters zu sehen. Andere sagen mir überhaupt nichts und stammen wohl aus sehr entfernten Gegenden des Imperiums. Diese prächtigen Gänge sind gut in Schuss und sauber.

Wir gelangen auf dem offiziellen Markt dieser Station. An den Wänden ziehen sich über mehrere Galerien die Ladengeschäfte entlang. In der Mitte der offenen Halle sind Stände aufgebaut, wo allerlei Waren feil geboten werden. Viele gestrandete Gestalten sind zu sehen: Pilger, Siedler und Glücksritter. Der eine oder andere wird sich bald an Bord der "Audacia" wiederfinden, da die Crewstärke unter meinem Onkel stark abgenommen hat. Und große Schiffe suggerieren eine gewisse Sicherheit, so dass Rekrutierung bei uns leichter fällt als bei einem Transporter oder Zerstörer. Meine Marketender schwärmen jedenfalls schon mal aus, um ihren Geschäften und Tätigkeiten nach zu gehen. Derweil werde ich weiter durch die Station gelotst und nehme die Atmosphäre dieses Ortes in mich auf, über den ich theoretisch regiere. Allerdings macht mir Ito Vajun klar, dass meine Einmischung in Entscheidungsabläufe weder notwendig noch wirklich erwünscht wird. Es gibt immer wieder übereifrige oder dumme Freihändler, die meinen, sie hätten hier etwas zu sagen. Da ich nicht wirklich vorhabe, mich mit diesem Konglomerat an Problemen zu beschäftigen, mache ich gute Miene zum bösen Spiel.

Schließlich lande ich in einer Festhalle und bekomme eine halbe Hundertschaft an offiziellen Mitgliedern der inoffiziellen Regierung von Aufbruch vorgestellt. Jeder Aufgabenbereich hat einen prächtig uniformierten Würdenträger. Selbst für die Schotte gibt es einen Beauftragten. Die meisten Namen merke ich mir gar nicht erst, da dies von mir auch nicht erwartet wird. Eigentlich wäre es viel besser, wenn sich eine ständige Regierung im offiziellen Rahmen bilden würde und nicht diese nicht existierende Regierung aus wechselnden Freihändlern, die sich letztendlich eh nicht in das Tagesgeschäft einzumischen haben. So lasse ich mir die exotischen Gerichte munden, die hier häppchenweise aufgetischt werden. Schließlich erfahre ich, dass mein hier ansässiges Geschäft für den Warpkartenhandel ausgebombt und der leitende Vorsteher Rice Solomon schon vorher spurlos verschwunden ist. Dadurch, dass der Handel mit den Karten die momentan umsatzstärkste Unternehmung meines Geschäftsbereiches ist, ist das natürlich eine verdammt schlechte Nachricht. Thronverdammt!

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #31 am: 21. Oktober 2012, 21:31:55 »
Position:
Aufbruch
"Audacia"
Zeit: 4 654 783.M41

Nachdem ich das Mahl über mich ergehen lassen habe, ist es nun schicklich, dass ich mich verabschiede, um mich um meine Angelegenheiten zu kümmern. Mit Meisterin Puppila, Braddock, Ares und Bruder Obskurus verkleide ich mich zurück an Bord der "Audacia" als Pilger und verlasse Inkognito mein Schiff. Meisterin Puppila kennt sich hier aus, da sie auf dieser Station aufgewachsen ist. Wir gehen auf dem Weg bei der Niederlassung des Handelshauses Krynn vorbei, die wirklich repräsentativ in der Markthalle liegt. Das Büro meines Hauses ist ziemlich weit oben und macht nicht gerade viel her. Auch ohne die schäbige Plastekwand, welche die zerbrochenen Scheiben ersetzt, würde diese Adresse nichts her machen. Ein einsamer Wachmann in meinem Dienst schiebt hier Wache. Ich gebe mich zu erkennen und platze in meinen Laden. Hier sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, was ja wirklich der Fall war. Zwei einsame Gestalten räumen gerade auf. Einer von ihnen ist ein älterer Mann mit dem Namen Sag Oleg. Er ist nun nach dem Verschwinden von Rice Solomon der Chef.

"Und wer ist für diesen Schlamassel verantwortlich?", frage ich gerade heraus.
"Ich weiß es nicht", antwortet Herr Oleg und windet sich sichtlich.
"Welcher Name kam euch als erster in den Sinn?"
"Nun ja, wahrscheinlich war das einer unser Konkurrenten.", mutmaßt er. Und davon scheinen wir einige zu haben. "Und da wäre natürlich noch Inquisitor Karl Oppner."
"Ein Inquisitor? Hier? Und im Warpkartenhandel tätig?"
"In der Tat, ein leibhaftiger Inquisitor. Da wir außerhalb der Zuständigkeit des Imperiums sind, hat seine Rosette nicht die Macht, wie er sie sonst hätte. Einfach Ressourcen beschlagnahmen ist hier auf Aufbruch nicht. Er hat ein paar sehr raue Gesellen unter seinem Kommando." Ich frage mich, was ein Inquisitor hier treibt. Sicher, hier passieren Ketzer, Separatisten, Häretiker zu Tausenden den Schlund, aber wirklich gegen sie vorgehen kann er auch nicht. Jedenfalls nicht gegen größere Gruppen, so ganz allein, von allen offiziellen Quellen abgeschnitten. Mit der Inquisition anlegen will ich mich auch nicht, also setze ich den Namen erst mal ganz nach unten.

"Als nächstes wären da die Gebrüder Askard. Die haben einen berüchtigten Club im Unterdeck und verkaufen hauptsächlich Schatzkarten aus zweifelhaften Quellen."
"Hm, solche Windbeutel sind eigentlich keine Konkurrenz für uns."
"Und da wäre noch Lukas Bärbach, ein kleiner Abhumaner."
"Ein kleiner Abhumaner?"
"Ein Halbling."

"Halbling?" Nach der Prophezeiung würde ich als ersten Boten meines Widersachers auf einen Halbling mit großen Ambitionen stoßen. Interessant. Dessen Name wandert an die Spitze der doch recht kurzen Liste.
"Und was könnt ihr mir über Rice Solomon sagen?" Leider nicht besonders viel. Er scheint wohl ein recht bescheidener und einzelgängerischer Mann gewesen zu sein, der einer ominösen Sekte mit dem Namen "Die Büßer von Dharand" angehörte. Ein Flagellantenkult mit nur wenigen Anhängern auf Aufbruch. Jedenfalls habe ich weder von Dharand noch von diesen Büßern je gehört. Aber ich kann ja auch nicht jeden Heiligen kennen. Vom Gehilfen lasse ich mich zum Quartier von Rice Solomon führen. Obwohl es im gehobenen Mittelsektor liegt, ist es spartanisch eingerichtet. Der einzige Luxus ist ein Bild des Imperators, welcher Büßer mit zerschlagenen Rücken predigt. Es ist ein Original in einem aufwendigen Rahmen. Ich untersuche es, finde aber weder im Rahmen noch dahinter etwas. Unter dem Bett entdecken wir einen abgewetzten Gebetsteppich, sonst findet sich so gut wie nichts. Auf alle Fälle ist er nicht von selbst getürmt, sonst hätte er das sicherlich wertvolle Bild nicht zurückgelassen.

Wir fragen uns zu der Kapelle durch, welche von den Büßern benutzt wird. Die befindet sich in den heiligen Hallen innerhalb der gigantischen Imperatorstatue. Es dauert einige Zeit, bis wir uns dahin durchgearbeitet haben. Die Kapelle des heiligen Dharand ist bar jeder Verzierung. An der gegenüberliegenden Wand steht eine grobe Statue aus generischem Stein. Drei abgerissene Gestalten mit blutigem Rücken knien vor der Statue. Kurzerhand spreche ich einen der drei an und reiße ihn grob aus seiner Gebetsformel, die er immer wieder vor sich hin brabbelt. Meine Zeit ist zu kostbar, um sie mit Höflichkeiten mit solchen unnützen und unwichtigen Leuten zu verschwenden. Viel kommt bei der Konversation auch nicht heraus. Rice ist auch für sie unauffindbar und er hat nichts verlauten lassen, was ihm hätte zugestoßen sein könnte. Der Flagellant beginnt eine Diskussion mit Bruder Obskurus anzufangen, die ich aber rüde abwürge. Wie gesagt, Zeit ist Geld und ich habe weder Zeit noch Nerv, mich auf eine theologische Diskussion mit Fanatikern einzulassen. Nun gut, dann auf zum Halbling, vielleicht findet sich ja da was.

Der Halbling Lukas Bärbach hat sein Ladengeschäft im Außenring. So wie es aussieht, hat er es gerade verkauft und zwar an einen gewissen Herrn Bilka. Dieser Herr Bilka ist zum Glück noch anwesend. Der Mann von vielleicht vierzig Jahren hat schlohweißes kurz geschnittenes Haar und violette Augen. Besonders violette Augen sind nicht normal. Künstlich scheinen sie nicht zu sein und so eine Farbe ist schon eine kleine Mutation. Ich spreche mit ihm und bekomme unverblümt gesagt, dass es besser wäre, wenn ich die Sache auf sich beruhen lassen würde. Der Kerl nimmt mich nicht für voll. Da ich nicht weiß, mit wem ich es zu tun habe und wen ich mir letztendlich zum Feind mache, wenn ich diese violette Missgeburt töte, lasse ich diese kleine Made erst mal am Leben.

Es wurmt mich zwar, dass ich so wenig herausgefunden habe, kann dies aber momentan nicht ändern. Mein Leibdiener Caine ist trotz später Stunde noch wach und ich erzähle ihm, was ich heraus gefunden habe. Er glaubt nicht, dass Herr Bilka etwas mit Kasballica Mission zu tun hat, was mein erster Verdacht gewesen wäre. Diese Organisation tritt vergleichsweise in der Weite offen auf, da sich die einzelnen Mitglieder etwas auf ihre Mitgliedschaft einbilden und sie hier nicht von imperialen Organisationen verfolgt werden. Auf alle Fälle macht sich Caine auf, weitere Informationen zu sammeln, während ich in äußerst gedrückter Laune in mein Quartier schleiche. Aber meine beiden Konkubinen gelingt es schon recht bald, meine Stimmung deutlich zu heben.

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #32 am: 23. Oktober 2012, 22:45:45 »
Position:
Aufbruch
"Audacia"
Zeit: 4 657 783.M41

Am nächsten Morgen wird die "Audacia" erst mal in die Werft verlegt. Die letzten Verhandlungen müssen aber von mir persönlich geführt werden. Die Werft gehört dem Kult des Inneren Auges. In den Augen des Mechanikus handelt es sich dabei um Ketzer, im Fachjargon Häreteks genannt. Mein oberster Maschinenseher Kyle Ademis hat als Thuleaner keine Probleme, deren Dienste in Anspruch zu nehmen. Schon früher wäre das passiert und es hat dem großen Maschinengeist der "Audacia" immer gut getan. Und das ist ja letztendlich die Hauptsache. In den letzten Wochen wurde hart an den Plänen gefeilt, um zum einem die laufenden Kosten etwas zu minimieren und zum anderen die Lebensbedingungen der Besatzung zu verbessern. Beide Prämissen gleichzeitig zu erfüllen war gar nicht so einfach. An der Besatzung zu sparen ist der einfache Weg, den viele Schiffseigentümer beschreiten. Aber genau das will ich ja nun nicht, auf Kosten der Besatzung zu sparen. Letztendlich werden die schwerfälligen Geschütze der konventionellen Makrokanonenbatterien auf beiden Seiten gegen Lasergeschütze mit höherer Reichweite ausgetauscht. Die kosten weniger Platz, benötigen aber dafür mehr Energie. Wir haben unerklärliche Schwankungen in den Reaktoren, so dass diese weniger Energie produzieren, als sie eigentlich abgeben müssten. Dieses Phänomen muss nun auch auf dem Grund gegangen werden, sonst stehen wir im Ernstfall ohne Geschützbatterie da. Auf alle Fälle fallen so die Kosten für die riesigen Geschosse weg und auch die Aufwendungen der Lagerhaltung fallen so weg. Ganz abgesehen vom eingesparten Raum für die Geschossmagazine.

Mit dem freien Platz werden die Quartiere für die Besatzung erweitert und ein besseres Lüftungssystem wird eingebaut, was nicht nur die Laune meiner Leute, sonder auch die meine hebt. Und dann wird noch eine Arena gebaut werden, wo sich zum einen die Offiziere duellieren können und wo die Mannschaft ihre Hartballspiele vor großem Publikum abhalten kann. Ich glaube, dass eine zufriedene Besatzung im Ernstfall länger durchhält und mir die Treue halten wird. Und durch meine Zeit als Unab weiß ich, wie hart es die unteren Ränge haben.

Meisterin Puppila schafft es, die schwerfällige "Audacia" sauber ins Trockendock zu manövrieren. Als letztes muss ich noch persönlich mit den oberen Anführern des Kultes sprechen. Nun gut, in Begleitung meiner engsten Berater betrete ich das Dock. Zahnradornamentik ist hier allgegenwärtig. Das Symbol des Kultes ist ein menschliches Gesicht umgeben von Zahnrädern. Ich werde von einem wartenden Techpriester in Begleitung zweier stark modifizierter Waffenservitoren empfangen. Die menschliche Komponente der Servitoren ist eigentlich kaum mehr vorhanden. Diese Waffensysteme aus zwei gekoppelten Maschinenkanonen mit ummantelter Gurtzuführung gehen auf vier Beinen. Der Kopf ist gänzlich verschalt. Eventuell habe ich hier ein Robotersystem vor mir, Kunstmenschen, die absolute Techhäresie. Oder vielleicht ist da doch noch ein menschliches Gehirn unter all dem geschichteten Ceramit. Letztendlich kann es mir egal sein, solange diese Leute ihre Arbeit zu meiner Zufriedenheit erledigen. Hier geht es letztendlich nur um Effizienz, nicht um Dogmen eines Kultes, der mir persönlich unverständlich und vollkommen fremd ist. Wer nun den Maschinengeist der "Audacia" salbt, kann mir egal sein, Hauptsache am Ende ist er zufrieden und versöhnt. Und macht das, was er soll.

Ich werde schließlich durch viele Gänge aus Ferrobeton oder Stahlplast in einen kuppelförmigen Raum im gotischen Stil geführt. Aus den Wänden aus Stahl winden sich unzählige Mechadendriten mit Greifarmen, Sensoren und Werkzeugen. Auf einer eckigen Säule im Zentrum stehen drei Glaskästen, in denen Gehirne schwimmen. Die Dreieinigkeit, die sich vollständig von jedem Fleisch befreit hat. Nur ihre Gehirne sind noch übrig. Nach den unzähligen Lüftungsgittern aus Messing zu schließen, thronen die Gehirne wohl auf einem Hochleistungscogitator. Die Gehirne begrüßen mich mit einer wohlmodulierten künstlichen Stimme. Wir unterhalten uns kurz über die bevorstehenden Reparaturen und werden uns grob einig. Kapitäne kommen und gehen, aber das Schiff bleibt. Und das ist für diese Leute alles, was zählt. Ihrer Meinung nach hat die "Audacia" ein Schicksal und deswegen kriege ich Rabatt. Nun ja, soll mir recht sein. Die restlichen Details können sie mit meinen Techpriestern und Marketendern aushandeln. Schließlich unterhalten sich der mich begleitende Maschinenseher und die Dreieinigkeit in ihrem binären Maschinencode, von dem ich keine Ziffer verstehe. Bei der erste Gelegenheit verabschiede ich mich und beeile mich, aus dieser doch recht seltsamen Umgebung zu entkommen. Damit wäre der erste Termin für heute abgehakt. Der nächste ist ein Essen mit dem anderen Freihändler hier auf der Station, mit Lord-Kapitän Moredus Westland. Meine beiden Konkubinen lassen es sich nicht nehmen, mich für diesen Anlass herauszuputzen. Anfangs erwäge ich, die beiden mitzunehmen. Zum einen, um ihnen mal was anderes zu zeigen, zum anderen, mit ihnen etwas anzugeben. Aber ich habe ein seltsames Gefühl und lasse mir von Josephina das Tarot legen.

Die erste Karte ist das Monster, was schon mal kein gutes Zeichen ist und mein ungutes Gefühl bestärkt. Monster ist ganz klar eine Gefahr, die im Dunkeln lauert. Dann der Weise auf dem Kopf, Geheimnisse sind um mich herum. Dann das Auge, ich werde beobachtet. Die nächste Karte ist der Händler auf dem Kopf, die Geschäfte laufen eher mir zuwider. Und als letztes noch der Verräter, der Feind lauert auch im Innern. Na Prima! Aber die schlechte Prognose ist ja nicht Josephinas Schuld, sondern dieses Umfeld hier. Ich danke ihr mit einem dicken Kuss und verspreche ihr, besonders vorsichtig zu sein. Ihre Begleitung ist nun kein Thema mehr. Caine berichtet, dass er diesen Herrn Bilka bis nach Dock 49 verfolgen konnte, wo einige menschliche Söldner in seinem Dienst zu stehen scheinen. Dort befindet sich wohl ein kleines Raumschiff für Systemflüge. Und so wie es aussieht, haben die Gebrüder Askard gerade einen kleinen Konflikt mit dem Inquisitor Oppner am Laufen. Die Sache fängt an, ziemlich kompliziert zu werden. Und mir ist nicht klar, wer alles hier überhaupt mitspielt.

Schließlich ist es Zeit für das Essen mit Westland. Mit einem Guncutter fliege ich zu einer Landebucht, da das Trockendock nicht mit der übrigen Station mit Tunneln verbunden ist. Der Kult des Inneren Auges bleibt wohl gerne unter sich, was sicherlich nicht verkehrt ist. Inzwischen habe ich erfahren, dass der Sohn von Moredus Westland, ein gewisser Kelwor Westland einen Club mit Glücksspiel betreibt und deswegen über einen stetigen Nachschub an Sklaven verfügt. Also die Glücklosen, die verlieren, müssen den Rest ihres Lebens in Knechtschaft verbringen. Nun ja, jedem seine Art von Geschäft.

Nakago

  • Mitglied
Die Fahrten der Audacia
« Antwort #33 am: 25. Oktober 2012, 23:47:17 »
Position:
Aufbruch
Zeit: 4 659 783.M41

Wir werden zu dem Zoo geleitet, den Moredus Westland betreibt. Der befindet sich in der großen Halle am nördlichen Ende. Die aufdringliche Reklame ist nicht zu übersehen. Die Bezeichnung Zoo ist irreführend, wie ich schon in der ersten Ausstellungshalle entdecken muss. Die Exemplare leben nicht mehr so richtig, sondern sind in Kryobehältern eingefroren. Diese Technologie ist anders als auf meinem Schiff, da die Behälter vollständig die Sicht auf die darin eingeschlossenen Probanden gewähren. In der ersten Halle sind hauptsächlich geistlose Xenosbestien ausgestellt. Auf Mortressa hatte ich die Gelegenheit, solchen Exemplare in der freien Natur gegenüber zu stehen. Manchmal habe ich heute noch Albträume aus dieser Zeit. Nun ja, eines ist besonders groß und eklig. Das riesige Ding besteht schier nur aus Stacheln. In der zweiten Halle haben sie eine leibhaftige Eldar in einer blauen Rüstung ausgestellt. Die goldenen Augen der Eldarfrau scheinen immer noch lebendig einen anzublicken. In der Hand hält sie eine filigrane Energieklinge. Ihre blaue Rüstung ist mit unzähligen Edelsteinen verziert. Ich habe das Gerücht gehört, dass die Eldar im Tod ihre Seelen in solchen Steinen speichern sollen. Deswegen muss man sehr vorsichtig sein, wenn man Edelsteine aus Eldarproduktion kauft, da sie manchmal Xenos anziehen, welche die Seelen ihrer Verwandten bergen wollen. In der Halle stehen viele Vitrinen mit Xenoswaffen, hauptsächlich aus Eldar und Orkproduktion. Diese beiden Völker beziehen je den Endpunkt in der Skala der Ästhetik. Während Orkwaffen, krude, grob verbaut und klobig sind, wirken Eldarwaffen schon beinahe wie gewachsen und äußerst filigran. Ihre geschwungenen Linien geben den Gegenständen etwas äußerst Dynamisches. In der dritten Halle sind drei leibhaftige Raggol ausgestellt. Diese Rasse kommt in der Koronusweite häufig vor, wahrscheinlich befindet sich ihre Heimatwelt in diesem Bereich, wurde aber bisher noch nicht entdeckt.

Diese Raggol sind äußerst hässliche Gesellen. Diese Dinger haben drei Beinpaare und ein Paar Arme mit bösartigen Krallen, die eine seltsame Waffe halten, wahrscheinlich ein Gewehr. Die Mäuler sind aufgerissen und zeigen große scharfe Zähne. Ich bin echt froh, dass Dinger nicht mehr leben. Nicht mal ein totes Xenos ist ein gutes Xenos. Denn das Xenos musst du töten! Das darf man nie vergessen, denn so hat es der Gottimperator in seiner unendlichen Weisheit festgelegt!

Hinter dem "Zoo" kommt nun das eigentliche Etablissement zum Vorschein, ein Club mit vielen Tischen. Die Bedienungen sind ausnahmslos jung und hübsch. Ihre Uniform besteht aus einem enganliegenden Korsett, das ihre Brüste stützt, aber nicht bedeckt. Ihr Scham ist mit einem hauchdünnen Nichts von einem Tanga bedeckt und sie stöckeln mit hochhackigen Schuhen durch die die Tischreihen. Für Schauwerte ist hier durchaus gesorgt.

Dafür hat Lordkapitän Moredus Westland keine Schauwerte zu bieten. Er ist ein verkrüppelter alter Mann mit dünnen Ärmchen. Seine breiten Schultern künden davon, dass er einst recht kräftig gebaut war. Seine Beine werden von einem Exoskelett aus gebrüstetem Messing gestützt. Sein weißes Haar ist schütter und teilweise ausgefallen. Der Mann ist krank, schwer krank. Mit heißerer Stimme begrüßt der Lordkapitän mich und geleitet mich in einen privaten Bereich, wo schon sechs seiner Offiziere warten. Caine nimmt an meiner Seite Platz, der Rest meiner Entourage muss im Stehen zusehen. Gänge mit exotischen Gerichten mit Xenosfleisch werden aufgefahren. Ich versuche, mit dem Lordkapitän ein Gespräch anzufangen. Zuerst muss ich erklären, was meinem armen Onkel widerfahren ist. Ich bin sicher, dass die Gerüchte über sein Ableben schon die Runde gemacht haben. Deswegen beschönige ich nichts, bleibe aber trotzdem vage. Es ist äußerst bedauerlich, dass es soweit hat kommen müssen. Als Berater und erster Offizier hätte er noch weiter auf der "Audacia" bleiben können, ich hätte von seiner Erfahrung profitieren können. Aber leider hat mein Onkel anders entschieden und das, was er meinem Bruder Novus angetan hat, ist einfach unverzeihlich. Er hätte damals einfach seinen Posten räumen und meinem Bruder überlassen müssen. Aber dadurch habe ich nun das Kommando über die "Audacia" und bin ein mächtiger Mann. Ein mächtiger Mann, der einen Bombenanschlag aufzuklären hat. Eventuell sitze ich vielleicht sogar mit dem Drahtzieher an einem Tisch, da ich niemandem hier trauen kann.

Schon bald kommen wir auf dieses delikate Thema zu sprechen. Westland redet sich dabei immer mehr in Rage. "Mein Leben, meine Seele ist in Gefahr!", behauptet er unumwunden. "Aber Ihr denkt sicherlich, das ist das Geschwätz eines Narren. Alle denken, ich wäre verrückt. Aber ich sage Euch Conari, hier geht Übles vor sich. Xenos ziehen auf dieser Station die Fäden, soweit ist es schon gekommen. Aber diese Idioten hier wollen das einfach nicht wahrhaben." Mit Idioten meint er seine Offiziere, dich sich betreten anschauen. Die ganze Situation hat etwas Groteskes und ich bin froh, meine beiden kleinen Schätzchen schön auf der "Audacia" gelassen zu haben. Einer der Männer bekommt einen Hustenanfall und stolpert nach draußen. Er hält sich eine Serviette vor dem Mund und ich meine Blut darauf zu sehen. Nun beginnt der Lordkapitän wirres Zeug zu reden. Spricht von Selbstreinigung und dass er Dinge in Bewegung gesetzt hätte. Weitere Offiziere beginnen zu husten und fallen von den Stühlen. Sind sie etwa vergiftet worden? Hat das Westland mit Selbstreinigung gemeint? Oder ist das ein obskures psionisches Phänomen? In der Weite scheint so etwas häufiger vorzukommen.

Mehrere bewaffnete Wachen betreten das Separee. Westland tickt bei ihrem Anblick aus und wird daraufhin von einer der Wachen in den Kopf geschossen. Der Strahl bohrt sich durch den kompletten Schädel und Dampf quillt aus den beiden Löchern hervor. Es gibt eine kurze Schießerei und am Ende stehen noch zwei Wachen. Währenddessen springe ich auf und ziehe meine Boltpistole, weiß aber nicht, auf wen ich jetzt eigentlich zielen soll. Thron! Ich verstehe nicht, was hier eigentlich abläuft und das macht mich wütend! Thronverdammt!

"Na, Conari, was soll es sein? Willst du wissen, was hier los ist? Dann komm einfach alleine mit und ich bringe dich mit den richtigen Männern zusammen.", bietet einer der Überlebenden mir an und richtet seine Waffe auf mich.

Gespielt am 26.05.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 1
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 1
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 1
EP: 200
Besiegte Gegner:
Niemand!
Beute:
Noch nix

Gedanke des Tages
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Nakago

  • Mitglied
Die Fahrten der Audacia
« Antwort #34 am: 29. Oktober 2012, 13:58:03 »
Persona Dramatis
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Kapitel 6
Der Engel des Imperators

Position:
Aufbruch
Club "Zoo"
Zeit: 4 659 783.M41

Thronverdammt! Wie ich es hasse, wenn mir jemand eine Laserknarre ins Gesicht hält. Während es in mir brodelt, bleibe ich äußerlich ruhig. Ich ziele ebenfalls auf seine hässliche Birne und lasse mir sein Angebot durch den Kopf gehen. Wenn ich den Bastard vor mir erschieße, komme ich meinem eigentlichen Ziel, Licht in diese Angelegenheit zu bringen, nicht weiter. Aber alleine will ich auch nicht mitkommen.

"Nur mit meiner Entourage!" Ich weise mit einer Kopfbewegung auf meine engsten Berater.
"Das muss ich erst mit den Bossen abklären.", meint der Söldner und spricht in ein Mikrokom, dass er bei sich trägt.
"Nun gut, die Bosse sind einverstanden. Folgt mir!", erklärt er mir, nachdem er wohl eine Rückantwort bekommen hat. Er steckt seine Waffe weg und ich folge seinem Beispiel. Wirklich wohl ist mir nicht bei der ganzen Sache, aber äußerlich lasse ich mir nichts anmerken. Die Geräusche der Schießerei haben die Gäste aufgeschreckt und die Meute schwankt zwischen Weglaufen und neugierig Gaffen. Die menschliche Seite siegt schließlich und das Gaffen triumphiert über die Vernunft. Trotzdem kommen wir unbehelligt durch. Der Söldner führt uns von der Haupthalle in die Tiefen der Station. Also in die wenig noble Unterseite. Bald wird alles äußerst schäbig. Der Ferrobeton liegt unverputzt offen und manchmal ist es auch nur grob behauener Fels. Die Behausungen sind schäbig und die Klientel ist es auch. Hier haben sich viele Mittellose zurückgezogen. Manch einer macht den Eindruck eines Obskura Süchtigen. Prostituierte beiderlei Geschlechts bieten ihre Dienste an, um so an das notwendige Geld für ihre Sucht zu bekommen. Ich schwanke zwischen Verachtung und Mitleid für diese gestrandeten Kreaturen. Noch vor einigen Monaten hätte ich nur Ignoranz und Verachtung für sie übrig gehabt, aber wenn man selbst mal ganz unten war, ändert das die Perspektive auf solche Dinge. Hier und da missioniert ein Betbruder und verspricht die Erlösung im Glauben. Als ob der Gottimperator sich um so jemand auch nur ansatzweise scheren würde. In letzter Zeit frage ich mich, ob der lebendige Gott auf seinem Goldenen Thron auf Terra wirklich alles sieht oder ist ihm einfach alles egal? Von klein auf hat man mich gelehrt, dass der Gottimperator der Menschheit über einen wacht und ihn vor dem Grauen jenseits des Schleiers beschützt. Ohne je zu präzisieren, was dieses Grauen überhaupt ist. Inzwischen bin ich nicht mehr so überzeugt, dass er wirklich vor diesen Kreaturen schützt.

In einigen Abschnitten funktioniert die Schwerkraft nicht so, wie sie sein sollte. Manchmal fühlt man sich leicht wie eine Feder und bewegt sich mit großen Sprüngen vorwärts, dann läuft man, als würde das Gewicht von einem Zentner zusätzlich auf einen lasten. Wir kommen nun in einen Bereich, der mit unzähligen Statuen geschmückt ist. Allerdings ist ihre Machart äußerst befremdlich. Die Proportionen stimmen nicht und alles wirkt verschoben. Als hätte ein Kind sich als Bildhauer versucht und teilweise mitten im Schöpfungsprozess aufgehört. Schließlich kommen wir zum "Ventura", dem berüchtigten Club der Gebrüder Askard. Hätte ich mir beinahe denken können. Zwei stämmige vernarbte Männer in Drillich stehen mit Automatikgewehren in Vorhalte Wache vor einer schäbigen Tür aus verstärktem Plaststahl, deren Oberfläche genau so ramponiert wie die Gesichter Türsteher aussieht. Der Innenraum des Ventura entpuppt sich als übelste Obskura-Höhle. Auf dreckigen Liegen sitzen genau so heruntergekommene Konsumenten und geben sich ungehemmt ihrer Sucht hin. Auf einer treiben es gerade zwei abgemagerte Süchtige miteinander. Ein überaus ekelerregender Anblick, was den Rest der Klientel aber nicht groß zu stören scheint, da sie sich ihren Drogenträumen hingeben. Manche brabbeln unzusammenhängendes Zeug vor sich hin. Es stinkt hier entsprechend und allein schon die Düfte fangen an, einen zu benebeln. Es hat schon seinen Grund, warum die Rausschmeißer hier Gasmasken tragen. Hinten an der Theke aus zusammengestückeltem Schrott macht uns eine stark geschminkte Frau die Tür für eine etwa zehn Meter in die Tiefe führende Treppe auf, indem sie einen Knopf unter dem Tresen drückt. Dort werden wir in einen Raum mit etwa zwei Dutzend weiteren Söldnern geführt. Die lümmeln sich an Plasttischen und spielen hauptsächlich verschiedene Kartenspiele. Ihre Waffen, sprich Laser- und Automatikgewehre sind meist in der Nähe griffbereit. Ein recht junger Mann, sprich jünger als ich, stellt sich als Kelwor Westland vor. Also der Sohn des just verstorbenen Moredus Westland. Aber auch er ist nicht der Boss, wenn auch wohl im höheren Management dieser ominösen Verschwörung anzusiedeln. Wir setzen uns zu zweit an einen freien Tisch. Der Boss ist in der Nähe und Kelwor bereitet mich seelisch und moralisch darauf vor, ihm zu begegnen. Ich spreche ihm mein Beileid aus, was er ohne große Gefühlsregung akzeptiert. Mir ist die ganze Sache nicht geheuer und ich muss gestehen, dass ich etwas Angst habe.

"Mein Meister ist ein Engel des Imperators!", verkündet er mir und ich muss so verdutzt aus der Wäsche schauen, dass Kelwor das gerade Gesagte noch einmal wiederholt. Meine Ohren können das akustisch schon verstehen, nur mein Verstand weigert sich, das einfach so zu glauben. Engel sind in der imperialen Religion ein oft vorkommendes Motiv. In vielen gängigen Darstellungen steht ein verhüllter Engel unmittelbar in der Nähe des Imperators, um dessen Göttlichkeit zu unterstreichen. Hin und wieder gibt es Geschichten von Sichtungen von Engeln, die in der höchsten Not auf der imperialen Seite eingegriffen haben, um dann anschließend spurlos zu verschwinden. Es gibt auch eine Heilige der Sororitas, die sich in einen leibhaftigen Engel verwandelt hatte. Aber selbst Drusus hatte in seiner ganzen Amtszeit nie einen Engel an seiner Seite gehabt und das ist immerhin der heiligste Mann in diesem Sektor.
« Letzte Änderung: 29. Oktober 2012, 21:04:24 von Nakago »

Nakago

  • Mitglied
Die Fahrten der Audacia
« Antwort #35 am: 31. Oktober 2012, 14:21:19 »
Position:
Aufbruch
Club "Ventura"
Zeit: 4 659 783.M41

Dieser ominöse Engel hat wohl den Befehl gegeben, den Warpkartenhandel unter seine Kontrolle zu bringen. Auch Engel scheinen wohl von irgendetwas leben zu müssen. Der Bombenanschlag geht auf das Konto der Askard Brüder, welche auch hohe Gefolgsleute des Engels zu sein scheinen. Allerdings ist Rice Solomon hier, der zu mir her gewunken wird, dass ich mich überzeugen kann, dass er aus freien Stücken hier ist. Der Mann ist ein Fanatiker, wie ich mit einem Blick in sein Gesicht erkenne. Seine Worte, die aus ihm heraus sprudeln, bestätigen mir das.

"Großes steht uns bevor, mein Lord! Ein gewaltiger Kreuzzug wird die Koronus-Weite in den Schoß des Imperiums führen, so wie einst der heilige Drusus den Calixis Sektor dem Imperium angeschlossen hat. Der Imperator hat uns seinen Engel geschickt, um der Weite das Licht zu schenken." Etwas wirklich Sinnvolles hat er nicht zu der Situation beizutragen. Religiöse Fanatiker waren mir schon immer etwas suspekt. Alles ist Gift, nur die Dosis macht es erträglich, war einer der Lieblingssprüche von Caine während meiner wilden Zeit. Und er hat Recht. Ein Glas Amasec schadet nicht, eine Flasche am Tag führt zu drastischen Langzeitschäden. So ist es mit allem, auch mit Religion. Wer das Leben vor lauter Geboten und Verboten nicht mehr sieht, ist dazu verdammt eine Kutte zu tragen.

Letztendlich läuft es darauf hinaus, entweder ich unterwerfe mich diesem Engel oder ich sterbe. Keine tollen Aussichten. Mir gefällt diese Lage immer weniger. Nun weiß ich, was ich wissen wollte. Der Feind hat eine Adresse, aber ich kann hier nicht die Initiative an mich reisen. Braddock, Ares und mein Waffenservitor Novus, der einzige Engel, den ich wirklich brauche, sind fähige Kämpfer. Meisterin Puppila eine gute Schützin und Lady Helmchen ist durch ihr drittes Auge recht offensiv, aber beide halten keinen Gegenschlag aus. Bruder Obskurus ist kein Kämpfer und hier wird er sich nicht einfach nach einer tödlichen Wunde in ein Schneemännchen mehr verwandeln können, da dies hier sein richtiger Körper und keine Projektion ist. Die letzten drei genannten werde ich in einem Feuergefecht in diesem Raum bei so vielen automatischen Waffen auf alle Fälle verlieren. Novus ist sehr widerstandsfähig und kann auch austeilen. Die Hälfte der Söldner hat sich taktisch günstig im Raum verteilt und ihre Waffen, Schrotflinten, Autogewehre und Laserkarabiner feuerbereit in den Händen. Ich komme zum Schluss, dass ich das Gefecht hier nicht überleben werde.

"Falls ich in zwei Stunden nicht zurück sein sollte, dann holt mich gefälligst raus!", meine ich halb im Scherz, halb im Ernst zu ihnen, als ich Kelwor in die Tiefe des Clubs folge. Mein Gefolge wird in andere Gemächer geführt. Als erstes bringt mich Kelwor in eine Kammer, die überwältigend nach Verwesung stinkt, auch wenn sie gekühlt ist. Hier sind in Leichensäcken diejenigen untergebracht, welche ein Gespräch mit dem Engel des Imperators nicht überlebt haben. Nicht jeder Geist war rein genug, um mit diesem Wesen kommunizieren zu können. Ich berechne ein weiteres Mal meine Chancen, mich hier heraus kämpfen zu können und komme auf ein Ergebnis annähernd gegen Null, von der negativen Seite her.

"Wie kommt es eigentlich, dass ein imperialer Engel hier auf diesen Außenposten gelangen konnte?", frage ich, um etwas Zeit Schinden zu können.
"Mein Vater hat einen Kristall aus der Weite mitgebracht, in dem er sich befand."
"Der Engel war in einem Kristall eingesperrt?"
"In der Tat, in einem Xenosartefakt."
"Wie beim Imperator soll ein Engel in ein Xenosartefakt kommen? Die Weite war niemals imperiales Gebiet."
"Das müsst ihr ihn schon selbst fragen." Na Prima. Die Sache kommt mir immer verdächtiger vor.
"Könnte es bei diesem Engel nicht um eine andere Art Wesen handeln? Eventuell ein Dämon?" Zum ersten Mal spreche ich dieses verbotene Wort im Zusammenhang mit einem Wesen jenseits des Schleiers aus. Inzwischen hat sich in mir die Vorstellung manifestiert, dass der namenlose Schrecken jenseits des Schleiers nicht nur aus geistlosen Warpraubtieren besteht, sondern dass diese Wesen durchaus von schrecklicher bösartiger Intelligenz erfüllt sind. Und solche Wesen nennt man abergläubisch "Dämon". Dummerweise nutzt mir dieses Wissen nun nicht weiter und mir bleibt nichts anderes übrig, als mich meiner Nemesis zu stellen. Vielleicht ist es ja wirklich ein imperialer Engel, versuche ich mir Hoffnung zu machen, wenn auch mit wenig Erfolg.

Nun werde ich von Kelwor in eine andere Kammer geführt. Hier ist es noch kühler und ich sehe hier keinerlei dafür notwendige Aggregate. Im Zentrum der Kammer ist eine Säule aus bleichen Knochen arrangiert. Ein Kunstwerk voll morbider Schönheit und doch grauenvoll anzusehen. Im Innern der hohlen Knochensäule befindet sich ein schwarzer Kristall, der von weißen Blitzen umzuckt wird, ähnlich wie bei einer Energieklinge. Hinter mir schließt Kelwor die Tür.

"Komm her!" spricht eine körperlose Stimme und ich fühle mich wie eine Marionette, die an unsichtbaren Fäden nach vorne gezogen wird. Ich bewege mich wie unter Wasser. Auf dem Anwesen meiner Familie haben wir mehrere Schwimmbecken, wo ich einst als kleiner Junge geschwommen und getaucht bin. So ähnlich fühlt es sich jetzt auch an. Schließlich stehe ich vor der Säule aus Knochen, die anfängt sich zu verschieben. Zuerst unmerklich, dann immer schneller. Knochen gruppieren sich um, schieben sich aufeinander und bilden schließlich einen Engel aus Knochen. Ich beginne zu schreien.

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #36 am: 02. November 2012, 13:35:19 »
Position:
Aufbruch
Club "Ventura"
Kammer des imperialen Engels
Zeit: 4 659 783.M41

Ich gerate in Panik und will vor diesem Ding nur noch weglaufen. Aber meine Beine gehorchen mir nicht mehr.
"Schwacher Sterblicher!", höhnt eine Stimme, die nicht von dieser Welt ist. "Sieh meine Herrlichkeit in Ewigkeit und schwör ab deinem schwächlichen Leichenimperator!"
"Niemals!", keuche ich mit aller Willenskraft. Wenn ich mich diesem Wesen unterwerfe, ist meine Seele verloren. Das wird mir in diesem Augenblick klar. Ganz abgesehen davon, dass unser aller Imperator lebt!

"Sieh!" Er zeigt mir zwei menschliche Körper. Ich weiß nicht, ob sie schon vorher im Raum waren oder er sie jetzt erst her geholt hat. Ich bin nicht sicher, aber es könnte sich um die Brüder Askard handeln. Eine der armen Kreaturen wird von unsichtbarer Hand hochgehoben. Das Wesen greift mit seinen Knochenfingern nach ihm und presst ihm das Leben aus dem Leib. Und das wortwörtlich, denn aus dem Mund tritt eine Wolke heraus. Dabei dürfte es sich um die Seele des Menschen handeln, der gerade gestorben ist. Der Dämon greift sich nun die durchscheinende Wolke, die an Rauch eines Lho-Stäbchens erinnert. Er knüllt die Seele zusammen und stopft das windende Ding in sein Maul. Mit dem anderen Menschen verfügt er genauso.

"Liebe den Imperator
denn er ist die Rettung der Menschheit
Gehorche seinen Geboten
denn er führt uns in das Licht der Zukunft
Vertraue seiner Weisheit
denn er schützt uns vor dem Bösen
Spreche seine Gebete mit Demut
denn er rettet unsere Seele
Achte seine Diener
denn sie sprechen mit seiner Stimme
Erzittere vor seiner Erhabenheit
denn wir gehen in seinem unsterblichen Schatten," stimme ich den Lobgesang auf dem Imperator an, in der Hoffnung das er mit seinem allsehenden Auge die Situation erkennt und eingreift. Leider scheint sein Blick gerade auf wichtigeren Dingen zu weilen als auf mir. Was ich in dieser Situation natürlich als äußerst bedauerlich empfinde.

"Diene mir und ich gebe dir Macht!", grollt der Engel des Imperators. Ha, als ob ich das nicht schon hätte. Ich bin ein Lordkapitän und verfüge über die Kampfkraft eines leichten Kreuzers. Ich kann Planeten in Schutt und Asche legen. Solange diese nicht in der Lage sind, zurück zu schießen. Was kann mir dieses Ding bieten, was ich nicht aus eigener Kraft erreichen kann? Ich bin Flavion Conari! Adliger aus Tarsus und ich diene nur meiner Familie, dem Gottimperator und mir selbst! Ich brauche kein Ding aus dem Warp um meine Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen.
"Nein!", antworte ich, da ich zu mehr keine Kraft habe.
"Narr! Ich biete dir Ruhm, Reichtum und Macht. Dafür musst du mich nur in die alte Heimat bringen. Ist das zu viel verlangt von so einem schwächlichen Fleischsack?" grollt der Engel. Alte Heimat? Was meint er damit? Den Warp? Irgend ein Halostern? Terra?
"Nein!", stelle ich mich stur.
"Schwöre Treue oder stirb!", brüllt er mich an.

"Niemals!", widersetze ich mich. Das Ding braucht mich, wird mir klar, deswegen kann er mich nicht so einfach töten. Aber er kann mir mit seinen Kräften verdammt weh tun. Ich hoffe nur, dass mein Gefolge eine Möglichkeit findet, mich hier herauszuholen. Auch wenn ich mich jetzt noch widersetzen kann, irgendwann werde ich brechen. Jeder bricht irgendwann einmal und ich bete, dass meine Leute mich rechtzeitig hier heraus holen werden. Vielleicht kriegt ja das der Imperator geregelt. Der Dämon fügt mir Schmerzen zu, die unbeschreiblich sind. Das tut natürlich verdammt weh und verwandelt mich in ein Häufchen wimmerndes Elend. Dann versucht er mich mit süßen Versprechungen von Macht und Reichtum zu verführen. Mir wird klar, dass dieses Ding nicht weiß, dass ich Macht und Reichtum schon habe. Dieser Dämon weiß wenig über Menschen meines Schlages. Wahrscheinlich hat diese Taktik bei den meisten Menschen gewirkt, da Macht und Reichtum nur wenige haben und viele dies erringen wollen. Mein Antrieb ist doch etwas anders geartet. Hin und wieder versuche ich mich mit Gebeten über Wasser zu halten, aber der Imperator greift weder persönlich ein, noch schickt er einen seiner richtigen Engel, um mich zu retten. Irgendwie habe ich doch etwas mehr erwartet. Offenbar scheint er doch nicht alles zu sehen und seiner Allmacht sind Grenzen gesetzt. Oder, was noch schlimmer wäre, ich bin ihm schlicht einfach total egal. Trotzdem gelingt es mir trotz meines schwindenden Glauben an seine Herrlichkeit auf Terra stur zu bleiben. Caine hat schon immer gesagt, ich wäre ein verdammter Trotzkopf. Und das lässt mich nun durchhalten. Nach einer Ewigkeit der Agonie wird das Wesen vor mir doch etwas ungehalten.

"Schwör mir Treue oder stirb den vollständigen Tod!", brüllt er mich an. Ich bin sicher, dass er es diesmal ernst meint und meiner überdrüssig ist. Ich bin nicht gebrochen, aber das ist nur ein geringer Trost. Just in dem Moment kommt mein Gefolge angestürmt, besser gesagt, Bruder Obskurus, Yuri und Althea. Und ein gewisser Herr Bilka ist mit ihnen. Der Rest meines Gefolges ist nicht auszumachen. Und so wie es aussieht, sind sie nicht körperlich da, sondern nur ihre Seelen. Ich versteh das zwar nicht, freue mich trotzdem über ihre Anwesenheit. Ich hoffe nur, dass ihre Anwesenheit als Seelen nicht bedeutet, dass sie körperlich tot sind. Jedenfalls verfüge ich wieder Kontrolle über meinen Körper und ziehe meine Waffen. Nun ist es an der Zeit, dem Ding zu zeigen, was Schmerzen sind. Und ich gebe zu, dass ich besser darin bin, Schmerzen zuzufügen als sie zu ertragen. Leider brechen Meisterin Puppila und Bruder Obskurus schreiend zusammen und rühren sich nicht mehr, als sie einen näheren Blick auf ihren dämonischen Gegner erhaschen. Das gibt mir Auftrieb, dass ich nicht der einzige bin, dem es so ergeht.

"Imperator! Führe meine Hand und hilf mir zu vernichten, was nicht existieren darf!" Wahrscheinlich bewirkt dieses Gebet rein gar nichts, aber mir Schaden tut es sicherlich auch nicht. Ich überlade meine Plasmapistole und gebe mehr als die Hälfte des Energiespeichers in einer Salve ab. "Sprich deinen Namen und sähe den Tod!", motiviere ich den Maschinengeist und begeistert brüllt Rabenschwinge auf. Der Imperator scheint diesmal wirklich beim Zielen und Treffen zu helfen, denn beide Geschosse gehen in den Torso des Dinges. Knochen verdampfen und der Kristall wird frei gelegt. Aber nach nur wenigen Augenblicken wachsen die meisten Knochen wieder nach. Thronverdammt!

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #37 am: 05. November 2012, 11:56:33 »
Position:
Aufbruch
Club "Ventura"
Kammer des imperialen Engels
Zeit: 4 659 783.M41

Lady Helmchen öffnet ihr drittes Auge und der Dämon schreit gepeinigt auf. Was immer die Navigatorin dort tut, es scheint diesem Ding nicht gut zu bekommen. Das verdammte Warpraubtier zeigt auf Yuri und sie stöhnt gequält auf. Die beiden scheinen sich höchst schmerzhaft auf geistiger Ebene zu messen. Solange der falsche Engel abgelenkt ist, nutze ich die Gelegenheit und stürme an ihn heran. Mit einem wuchtigen Hieb schlage ich nach dem Kristall. Leider wird meine Klinge von einigen zäheren Knochen so abgelenkt, dass mein Hieb abprallt. Das geistige Duell geht weiter und Yuri scheint zu unterliegen. Thronverdammt!

Das Ding aus dem Warp schlägt mit seiner Klaue nach mir. Ich versuche den Schlag mit Rabenklaue abzuwehren, aber er ist zu stark und durchbricht meine Deckung. Es trifft mich hart und meine Panzerung kann nur einen Teil der Wucht nehmen. Gerade eben noch kann ich mich auf den Beinen halten. Mir ist ganz schummrig zu Mute. "Imperator! Gib mir die Kraft meinen Feind zu vernichten!" Ich tänzle etwas zur Seite und ramme dann mit aller Kraft mein Energieschwert in den Kristall. Der Aufprall prellt mir beinahe Rabenklaue aus den Händen. Und wirklichen Effekt erziele ich damit nicht. Thronverdammt! Ich hasse es, wenn man mit reiner Gewalt keine sichtbaren Resultate erzielen kann.

"Bilka! Los!", brüllt Yuri. "Kapitän! Hinter mich!" Ich vertraue meiner Navigatorin und tu, was sie mir sagt. Bilka sprintet heran und der Dämon schnappt ihn sich einfach. Mit einer beinahe schon überheblich lässigen Bewegung zerquetscht er ihn einfach. Aber diesmal kommt keine kleine Rauchwolke zum Vorschein, sondern ein gewaltiger violetter Lichtblitz blendet mich. Ich sehe für einen kurzen Moment nur violette Punkte, kurz darauf kehrt dem Imperator sei Dank mein Sehvermögen wieder zurück. Dann kommt der Donner und der Engel explodiert einfach.

"Was war das denn?", frage ich verdattert über dies höchst obskure psionische Phänomen. Irgendwie kann ich nicht glauben, was da gerade passiert ist. Hat sich mein Verstand verabschiedet? Aber der Dämon schient wirklich vernichtet worden zu sein, da nichts weiter mehr geschieht. Und das mit dieser violetten Explosion, ich kann mir keinen richtigen Reim darauf machen. Ich blinzle mehrmals und ich sehe klar genug, dass der selbsternannte Engel des Imperators nicht mehr da ist.

"Herr Bilka ist ein Wesen der Stryxis. Lange Geschichte, hier die Kurzfassung. Wir haben einen Deal mit den Xenos gemacht, sie helfen uns Euch zu befreien, dafür bekommen sie den Kristall.", erklärt mir Yuri gehetzt. Althea und Bruder Obskurus rühren sich wieder. "Wir müssen schnell zurück, da es hier nicht sicher ist." Der Astropath macht einen äußert mitgenommenen Eindruck und man kann ihm das Grauen, was ihnen in den letzten Stunden widerfahren ist, deutlich ansehen. Später bekomme ich erzählt, dass sie von Herrn Bilka aus ihrem Verlies gerettet worden sind. Allerdings konnten sie nicht unbemerkt entkommen und es kam zu einem hässlichen Feuergefecht, wo sie wohl nur mühsam sich wieder heraus kämpfen konnten. Jedenfalls trugen einige von ihnen da schon ein paar Blessuren davon. Sie erreichten Dock 49 und wurden mit einem Raumschiff zu einem Schiff der Stryxis geflogen. Die Stryxis sind eine recht hochgewachsene Rasse, die sich in fleischfarbene Gewänder hüllen und der Gesichter an die von gehäuteten Bulldogen erinnern. Sie gelten als niederträchtig, schließlich sind es Xenos. Aber man kann mit ihnen Handel treiben, da sie in erster Linie Händler sind. Es sind Nomaden, wo sie ursprünglich her kommen ist unter einem Geflecht aus Lügen und Täuschungen verborgen. Man ist bisher nur auf Händler gestoßen, entweder gibt es nur diese Kaste oder die anderen ihrer Rasse haben überhaupt kein Kontakt mit Fremdweltlern. Vielleicht sind die Stryxis der Koronus-Weite auch Renegaten. Auf alle Fälle gelten sie als Quell exotischer Technologien und Artefakte, da sie mit so ziemlich jedem Handel treiben. Jedenfalls schickten die Stryxis mein Gefolge in den Warp, um mich hier retten zu können. Das geschah mit Hilfe eines anderen Kristalls. Diese Kristalle sind eine Art warpfähiges Vox. Und wer immer diese Dinger hergestellt hat, der hat sie mit Seelen bezahlt. Mir ist nicht wohl, diese Abmachung mit hinterhältigen Xenos einzuhalten. Und ich mache mir auch durchaus Gedanken darüber, warum diese Stryxis in der Lage waren, den Dämon zu zerstören. Dafür ist sicherlich sehr viel Wissen über den Warp und seine widerlichen Bewohner nötig. Wissen, das sicherlich seine Spuren an der Seele hinterlassen dürfte. Thronverdammt!

Erst jetzt realisiere ich, dass ich gar nicht körperlich hier gewesen bin, sondern nur meine Seele. Ich werde zurück in meinen Körper gesogen und erwache in einem Raum mit vielen Knochenfragmenten, die hier überall herumliegen. Ebenso die Leichen der Askard Brüder. Mein Gefolge hat offensichtlich den Weg zurück durch den Warp angetreten. Hoffentlich kommen sie durch. Kelwor finde ich vor der Tür zusammengebrochen und entwaffne ihn. Mein Schiff hat inzwischen eine dreißig Mann starke Einsatzgruppe unter dem Kommando von Wachtmeister Loredus geschickt, welche das "Ventura" stürmen. Ich lotse sie nach unten und sie machen kurzen Prozess mit den Söldnern. Ich beteilige mich kurz an dem Gefecht und achte darauf, nicht von meinen eigenen Leuten ausversehen erschossen zu werden. Vorsichtig lasse ich den Kristall in einen Leichensack wickeln und auf einen umgedrehten Tisch hieven. Peinlich achte ich darauf, dass niemand dieses verfluchte Ding anfasst. Vielleicht ist es harmlos, aber irgendwie bezweifle ich das. Die letzten Wochen haben mich gelehrt, immer das Schlimmste anzunehmen und Recht damit zu haben. Die ganze Aktion lief ohne Verluste für meine Leute ab und mit großer Eskorte durchquere ich die untere Ebene von Aufbruch zu Dock 49. Das bleibt natürlich nicht unbemerkt und ich kann förmlich schon die wildesten Gerüchte durch den Äther flitzen sehen.

Dock 49 ist eine kleine Landebucht, die von einem wilden Haufen hart aussehender Söldner okkupiert ist. Der eine oder andere könnte durchaus auch in einer Renegatenpiratencrew Dienst tun. Ich erkläre dem Abschaum mein Anliegen und werde mit kleinem Gefolge an Bord gelassen, um meine treuen Gefolgsleute im Austausch gegen das Xenosartefakt auszulösen. Offiziell werden sie zwar nicht als Geiseln gehalten, aber ich schätze, wenn ich mich weigere, den Kristall auszuliefern, ich meine Leute Stückweise zurück bekomme. Zuerst die Finger, dann die Arme, dann die Beine, dann die inneren Organe in Frischhaltefolie verpackt. Diese Drohung wird zwar nicht ausgesprochen, aber ich schätze mal, dass es so laufen wird, bevor die Stryxis dann wirklich unangenehm werden könnten. Auf dem Weg zur Bucht überlege ich, ob ich den auf der Station befindlichen Inquisitor Oppner aufsuchen soll. Aber niemand bei klarem Verstand lässt sich freiwillig mit der Inquisition ein. Das könnte unangenehme Fragen aufwerfen. Und ich will weder meine Leute noch mich einem peinlichen Verhör ausgesetzt sehen oder prophylaktisch wegen möglicher Warpbefleckung erschossen und verbrannt werden. Immerhin war ich mehrere Stunden in dieser Ebene. Nein, das ist keine wirkliche Option in dieser verfahrenen Situation.

Das Raumschiff bringt mich zum Mutterschiff der Xenos. Es scheint sich um eine ehemalige Imperiale Fregatte zu handeln. An gewaltigen Ketten hängen an der Fregatte angekoppelt ausgehölte Asteroiden, ein Zerstörer aus einer ketzerischen Renegatenbaureihe und ein Schiff unbekannter Herkunft. Eine typische Stryxis Karawane. Ich denke mal, die "Audacia" könnte es mit diesem Ding aufnehmen, wenn sie denn nicht gerade im Trockendock wäre. Hoffentlich spielen die Xenos ohne gezinkte Karten, was aber eher unwahrscheinlich ist. Das kleine Raumschiff dockt an der Fregatte an und wir werden auf das stinkende Xenosschiff geleitet. Das meine ich jetzt nicht im übertragen Sinne oder als Beleidigung. Es stinkt hier wirklich. Die Luft an der "Audacia" war ja schon nicht die Beste, aber die hier erinnert an einen Müllplatz, Seuchenstation und Jauchegrube in einem. Ich habe ein verdammt mieses Gefühl, als ich schließlich in eine Art Besprechungszimmer geführt werde, wo mich ein leibhaftiger Stryxis erwartet. Der Anblick ist durchaus schockierend. Thronverdammt!

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #38 am: 07. November 2012, 10:55:14 »
Position:
Stryxis Karawanenschiff
Reede vor Aufbruch
Zeit: 4 660 783.M41

Bis jetzt habe ich nur Bilder dieser Wesen gesehen. Aber erst wenn man davor steht, wird einem klar, wie große und hässlich diese Dinger in Wirklichkeit sind. Ich bin mit einem Meter einundneunzig nicht gerade klein, aber der Stryxis ist mit seinen zweieinhalb Metern einfach nur riesig. Sein fleckiges Gewand reicht bis zum Boden, aber durch seine Bewegungen verrät er, dass er drei Beine haben muss. Das Gesicht hat mehrere Facettenaugen in einem Gesicht, das wahrlich an das eines gehäuteten Hund erinnert. Der Rest von seinem Gefolge sind menschlicher Abschaum mit mehr als nur einer Mutation. Stryxis sind dafür bekannt, dass auf ihrem Schiff hauptsächlich Menschen und andere Xenos Dienst tun. Wie gesagt, sie sind Händler, nicht mehr und auch nicht weniger. Die Stimme ist überaus unangenehm, aber gut verständlich. Der schäbige Raum ist überladen mit Tand und erinnert an einen armseligen Trödelladen in einem der oberen äußeren Bereiche meiner Heimatmakropole. Von Ordnung und Sauberkeit halten diese Xenos offensichtlich nichts, wenn das hier ein repräsentativer Bereich des Schiffes sein soll. Selbst eine Rumpelkammer auf der "Audacia" macht mehr her als dieser Raum hier. Das eine oder andere hier ausgestellte Ding mag an sich durchaus interessant sein, aber ich fokussiere mich auf die momentane Situation.

Ohne größere Probleme wird der Handel vollzogen. Die riesige Kreatur lobt mich für meine Vernunft, den Deal meiner Leute zu respektieren. Mir blieb ja auch kaum was anderes übrig, wenn ich meine Vertrauten nicht opfern will. Auch wenn mir nicht wohl bei der ganzen Sache ist. Schließlich ist das ein Warpartefakt, was einen leibhaftigen Dämon beherbergt hat. Aber das ist jetzt deren Problem, sollen die sich mit obskuren Warpphänomenen herumschlagen. Die Kreatur fasst den Stein an und violette Energie springt auf den Kristall über. Was immer das Xenos da auch tut, es scheint zu wirken, denn schließlich sprüht der Stein violette Funken. Nun gut, wir verabschieden und beeilen uns, von Bord dieses Xenosschiffes zu kommen.

"Gut gemacht, Leute! Ihr habt echt was gut bei mir!", lobe ich mein Gefolge, dass wortwörtlich für mich durch die Hölle gegangen ist. Nun habe ich noch Kelwor Westland an der Backe und mit der Stationsleitung ein Hühnchen zu rupfen. Also marschiere ich mit dem gesamten Gefolge und Eskorte zu den Kommandobüros dieser Station. Ito Vajun und seine beiden Adjutanten erwarten mich schon. Schnell kristallisiert sich heraus, dass kein wirkliches Interesse besteht, die Sache zu regeln. Die Rechtsgrundlage ist für Dämonenpakte nicht wirklich gegeben, besonders bei einem Freihändler – da sein Vater ja tot und er der Erbe des Briefes ist, ist nun Kelwor Westland ja einer. Das macht die ganze Sache äußerst kompliziert. Da ich nicht will, dass die Sache nach Wandererhafen oder zur Inquisition ausgelagert wird, schnappe ich mir meinen Gefangenen und verfrachte ihn erst mal in eine Arrestzelle auf die "Audacia".

Ich bin froh, als ich endlich in meinem Quartier bin. Hier kann ich endlich meinen Gefühlen freien Lauf lassen. Was bin ich fertig. Diese Kreatur hat mich leiden lassen, wie ich noch nie gelitten habe. Körperlich bin ich inzwischen unversehrt, da Bruder Obskurus mich geheilt hat. Aber meine Seele hat Narben davon getragen. Oder besser gesagt, Wunden, die noch nicht verheilt sind. Meine beiden Konkubinen, den neben Caine wohl einzigen Menschen, die mich wirklich so kennen, wie ich wirklich bin, trösten mich. Das tut gut und irgendwann versiegen meine Tränen. Ich nehme mit ihnen ein langes warmes Bad in wohl duftendem Wasser und genieße dann eine ausgehende Massage meiner beiden versierten Liebesdienerinnen. Sie sind sehr zärtlich und kümmern sich ganz um meine Bedürfnisse. Es wird noch ein angenehmer und höhepunktreicher Abend, der mich die Schrecken des Tages halbwegs vergessen lässt. In der Nacht schlafe ich äußerst schlecht und schrecke mehrmals aus Albträumen auf.

Am nächsten Morgen kümmere ich mich frisch ausgeruht nach einem wohlschmeckenden Frühstück, mit dem sich Colette mal wieder selbst übertroffen hat, um Kelwor Westland. Zuerst hole ich die Meinung meiner Berater ein. Bruder Obskurus predigt Feuer und Flamme, würde den jungen Mann am liebsten brennen sehen. Tja, Extremisten lieben das Feuer. Die Meinung der anderen ist gemäßigter und auch eher auf den Tatsachen fußend. Also lasse ich Kelwor herkommen und befrage ihn. Letztendlich hat er keine andere Wahl gehabt, als sich zu unterwerfen. Natürlich hat seine Freiheit einen gewissen Preis. Wir teilen den Warpkartenhandel unter uns auf und beschließen einige weitere gemeinsame Projekte. Ich habe einen neuen Verbündeten gewonnen, auch wenn Bruder Obskurus immer noch für den Scheiterhaufen ist. Aber eine verbrannte Leiche bringt nun mal kein Profit und letztendlich brauche ich genau den, um mich auf diesem Posten halten zu können. Mein Onkel hat dies nicht berücksichtigt und nun ist er tot. Wobei ich mich immer mehr frage, warum er die Möglichkeiten der "Audacia" so schlecht genutzt hat. Was hat ihn abgelenkt, um dieses Schiff so verkommen zu lassen?

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #39 am: 09. November 2012, 11:24:45 »
Position:
Aufbruch
Zeit: 4 663 783.M41

In den nächsten Tagen kümmere ich mich erst mal um die gesellschaftlichen Verpflichtungen. Meine Konkubinen sind hellauf begeistert, mich auf kleinen Bällen begleiten zu dürfen und ihre freie Zeit zum Einkaufen zu nutzen. Schließlich haben sie trotz ihrer wandschrankgroßen Garderobe, manche Familien haben weniger Wohnraum zur Verfügung, rein gar nichts zum Anziehen. Nun ja, auch hier gibt einige Schneidergeschäfte und exotischen Stoff. Ich bin froh, dass ich durch geschäftliche Verpflichtungen gebunden bin und sie nicht bei ihren Einkaufstouren begleiten muss. Sie lassen es sich nicht nehmen, das Quartier radikal umzubauen und teilweise neu zu möblieren. Dabei scheinen sie es nicht für nötig zu befinden, meine Erlaubnis einzuholen. Aber letztendlich haben sie sicherlich das bessere Händchen für solche Dinge und bis jetzt haben sie immer meine Quartiere nach ihren Gutdünken gestaltet und ich habe mich immer sehr wohl darin gefühlt.

Auch stellt sich die Frage, was wir als nächstes unternehmen werden. Zum einen ist ein Flug nach Damara im Gespräch. Damara ist der wohl bevölkerungsreichste Planet in der Weite. Auch befindet sich dort ein großer, dem heiligen Drusus geweihter Tempelkomplex. Das zieht viele Pilger an. Besonders Bruder Obskurus drängt darauf, in diese Richtung sich einen Ruf zu erarbeiten. Allerdings ist der Transfer von Pilgern nicht sehr profitabel. Nur in Verbindung mit dem Kopfgeld, dass auf die "Ignes et Amnestia" ausgesetzt ist, eine Überlegung wert. Die dortige Ekklesiarchie verfügt über ein großes Archiv über die Untaten des ehemaligen schwarzen Schiffs der Inquisition. Damit könnte man auf die Spur dieses Unholds kommen, welche die "Ruhige Gezeiten" in Stücke geschossen hat. Allerdings ist die "Audacia" noch nicht bereit, sich mit einem solchen Schiff zu messen.

"Da brauchen wir schon eine kleine Flotte dafür, um es mit diesem formidablen Kreuzer aufnehmen zu können.", meint Meisterin Puppila und ich gebe ihr Recht. Deswegen bringt es uns momentan nichts, jetzt Einblick in die Archive zu bekommen.

"So gerne ich mich mit dem Glauben gut stellen möchte, Profit ist wichtiger. Die Besatzung muss sehen, dass was läuft. Wir haben momentan nur kleine Erfolge vorzuweisen und es ist die Hoffnung auf mehr, welche die Besatzung bei der Stange hält. Wenn wir uns jetzt mit Pilgertransporten ohne weitere Unternehmungen verzetteln, sinkt die Moral wieder. Und auch meine Familie will Profit sehen und je schneller wir schwarze Zahlen schreiben, desto eher ist dieses Kommando von langer Dauer." -Und auch eure Posten, - füge ich in Gedanken hinzu. Schließlich würde ein neuer Lord Kapitän auch eine neue Kommando Crew mitbringen. Ihr Schicksal ist mit dem meinen eng verbunden.

Mein Onkel hat einige Schwierigkeiten mit Calligos Winterscale, was es auch mir schwer machen wird, in seinem Herrschaftsbereich erfolgreich zu handeln. Aber hinter Winterscales Reich gibt es eine frisch entdeckte Todeswelt. Und darauf gibt es Bestien. Die Menagerien und Arenen des Calixissektors hungern nach exotischen Raubtieren, um sie vom Plebs begaffen und sie vor den Augen zahlender Kundschaft zerfleischen zu lassen. Da steckt viel Geld drin, dort eine Fangstation zu errichten und einen Transfer einzurichten. Auf dem Weg liegt eine Vergnügungswelt zweifelhaften Rufes mit dem Namen Karmesin-Trost, für die wir Passagiere aufnehmen können, die für den Transfer besser als ein paar Pilger bezahlen werden. Und auf dem Rückweg können wir versuchen, uns mit Calligos Winterscale gut zu stellen und unsere Lagerräume mit Fässern voll Nephilium zu füllen. Nephilium ist ein Petrochem mit einem sehr hohen Wirkungsgrad, das selbst Promethium schwach aussehen lässt. Durch diese Besonderheit ist dieses Petrochem sehr begehrt und kommt nur auf einem Planeten mit dem Namen Lucins Odem vor, welcher in Winterscales Reich liegt. Dieser Planet ist umkämpft und dadurch sind die Ressourcen von Calligos gebunden. Vielleicht ergibt sich da eine lukrative Möglichkeit.

"Also zuerst nach Karmesin-Trost, der Vergnügungswelt der Kasballica Mission und dort werden wir Vergnügungssüchtige abliefern. Dann weiter zu der noch namenlosen Todeswelt, wo wir eine Fangstation errichten werden und einen Teil der Lagerräume und Tanks mit Bestien füllen. Und als krönender Abschluss nach Lucins Odem, um Nephilium aufzunehmen.", fasse ich den Plan zusammen. Bis auf Bruder Obskurus sind damit alle einverstanden. Meine Marketender leiten alles in die Wege und mir gelingt es sogar noch ein Refraktorfeld für Bruder Obskurus zu ergattern, der doch etwas schwach auf der Brust ist. Nach nur drei Wochen im Trockendock kommt der große Moment, wo die "Audacia" frisch renoviert sich im Licht von Furibundus sonnt. Was für ein Schiff! Die Krater und Beschädigungen sind auf der Hülle verschwunden. Neue schlanke Sonnenlasergeschütze drohen von den Längsseiten aus. Der Rest ist im Innern von statten gegangen und äußerlich nicht sichtbar. Aber die Luft ist deutlich besser und die Quartiere der Besatzung erstrahlen im neuen Glanz. Die Stimmung an Bord ist hervorragend.

Auf diesem Hoch bittet Leutnant Nimdock von den Eisenwölfen um eine Audienz. Einst hatte ich ihr angeboten, als Hauptmann auf der "Audacia" dienen zu können. Inzwischen ist sie sicher, dass ich ein besserer Anführer als mein Onkel bin und nimmt mein Angebot an. Sie empfiehlt mir, den Drill und Training für die Soldaten zu intensivieren. Nach ihrer Einschätzung sind wir momentan nicht in der Lage, ein ernsthafte Entermanöver abwehren zu können. Nun gut, ich befehle dem Magister Militaris Ares, in dieser Richtung tätig zu werden.

Überraschenderweise bittet auch der oberste Maschinenseher Ademis um eine Audienz. Ich erwarte schon beinahe eine Hiobsbotschaft, werde stattdessen aber positiv überrascht. Bei der Suche nach dem Energieverlust wurde eine geheime Kammer gefunden, die wohl mein Onkel durch Kräfte außerhalb hat installieren lassen. Ich werde dorthin geführt und kann die Kammer mit meinem Stab öffnen. Zischend fährt die getarnte breite Tür auf und gibt den Blick auf eine Kryokammer frei. Diese Kapsel ist über und über mit Siegeln und Gebetsbändern bedeckt. Darin befindet sich der erste Kapitän der "Audacia", ein gewisser Kapitän-Explorator Zathor Rak. Einst hatte dieser die Koronus-Weite auf der Suche nach STKs bereist. Bis jetzt war sein Schicksal ungeklärt. Die Siegel zeigen an, dass der Inhalt unter keinen Umständen aufgetaut werden darf, was als absolute Techhäresie einzustufen wäre. Ich frage mich, warum man ihn nicht einfach umgebracht, sondern ihn für die Ewigkeit eingefroren hat. Aber letztendlich ist dies nicht das wirklich Interessante in dem Raum. Es gibt ein Regal mit Warpkarten. Ich schaue sie mir durch, was an diesen so interessant sein soll. Schließlich finde ich eine Karte, die ein Teil von einer größeren sein muss. Schon bald wird mir klar, was mein Onkel die letzten Jahrzehnte getrieben hat. Er hat Winterscales Schatz gesucht.

Sebastian Winterscale hat als einer der ersten die Koronus-Weite erforscht und dabei sein Reich gegründet. Der Legende nach hat er vor seinem Verschwinden einen gewaltigen Schatz versteckt. Die Karte mit der Warproute zum Versteck teilte er in fünf Teile auf und gab sie seinen fünf vertrauensvollsten Untergebenen. Und diese Karte, die ich in der Hand halte, ist angeblich eines dieser fünf Stücke. Die restlichen Notizen, Karten und Unterlagen beschäftigen sich mit dem Verbleib der anderen vier Karten. Mit diesen Unterlagen gibt es sogar eine theoretische Chance, den größten Schatz der Weite zu heben. Das ist ein erstrebenswertes Ziel, aber momentan sind mir schneller Profit und langanhaltende Einnahmequellen lieber. Dieser Punkt hat mein Onkel außer Acht gelassen. Nur wenn meine Familie ihre Einnahmen bekommt, würde ich nebenher nach Hinweisen für die anderen vier Stücke suchen können. Es sieht ganz so aus, als wäre das meine Chance, in die Geschichtsbücher der Weite und des Imperiums einzugehen. Flavion Conari, der Mann, welcher Winterscales Schatz fand. Dieser Gedanke erfüllt mich mit großem Stolz.

Gespielt am 09.06.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 1
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 1
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 1
Yuri aka Lady Helmchen Navigator Rang 1
EP: 350
Besiegte Gegner:
Ein "Engel des Imperators"
Mehrere Söldner
Beute:

Gedanke des Tages
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Nakago

  • Mitglied
Die Fahrten der Audacia
« Antwort #40 am: 12. November 2012, 20:31:20 »
Persona Dramatis
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Kapitel 7
Aufbruch von Aufbruch

Position:
Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Zeit: 4 744 783.M41

Ich lese mich etwas in die Notizen meines Onkels ein. Er hat in den letzten Jahren wohl sehr viele Informationen zusammen getragen. Nur die, die er aus mehreren unabhängigen Quellen verifizieren und damit ihre Authentizität bestätigen konnte, fanden in diesen gesammelten Notizen einen Platz. Es muss ein unglaublicher Aufwand gewesen sein, diesen immensen Wissensschatz zusammenzutragen. Und dieser Aufwand hat dazu geführt, dass er die "Audacia" so hat verkommen lassen und beim Familienrat in Ungnade gefallen ist. Kein Wunder also, dass mein Onkel sich so vehement gegen seine Ablösung gewehrt hat. Er hat sich von der Gier blenden lassen und das hat ihn sein Leben gekostet. Ein Fehler, den ich nicht zu wiederholen gedenke. Auch wenn es mir natürlich in den Händen kribbelt, sofort weiteren Hinweisen nachzujagen, bin ich doch in der Lage, schnell den nötigen objektiven Abstand zu dem gigantischen Projekt zu gewinnen. Gut Ding will Weile haben, hat mein Kindermädchen immer gesagt und erst als Erwachsener habe ich begriffen, wie Recht sie mit ihren Ratschlägen immer hatte.

Das schon vorhandene Stück stammt aus dem ehemaligen Besitz des XO, als des ersten Offiziers von Winterscale, ein gewisser Sedric Calva. Das erste fehlende Stück gehört einem Magister Militaris mit dem Namen Lorenzus von Ilberstein, dessen Nachfahren auf Lucins Odem residieren. Lucins Odem ist übrigens nach dem Atem eines Kerls benannt, der einst auf Aufbruch das Sagen gehabt hat. Dieser Lucin muss Sebastian Winterscale ziemlich geärgert haben, dass er einen Planeten nach dessen wohl stinkendem Atem benannt hat. Um auf Lucins Odem selbst tätig werden zu können, werden wir uns erst mal einen militärischen Ruf erarbeiten müssen.

Das zweite Teil bekam Kapitän Ilidas Kim, der in der Schlangenwiege verschwunden ist. Die Schlangenwiege ist eine Raumregion, die als ziemlich verflucht gilt. Von dort ist angeblich noch niemand zurückgekommen. Wirklich Genaues weiß niemand über diese Region. Es wird ziemlich gefährlich werden, dort zu forschen.

Der dritte Teil wurde Quartiermeisterin Ida Riverton zur treuhänderischen Aufbewahrung übergeben. Laut uralter Gerüchte waren die beiden lange Zeit liiert. Deren Nachfahren leben auf der Hauptwelt Lilbarum in Winterscales Reich. Um dorthin reisen zu können, muss ich die Fehde meines Onkels mit Calligos Winterscale beenden. Und selbst dann wird es nicht leicht werden, dort die Karte zu ergattern.

Das letzte fehlende Stück besaß die Navigatorin Greta Silvas, die schließlich in Ungnade gefallen ist. Ihre Spur verliert sich auf der Gefängniswelt Maleziel. Ein berüchtigter Planet voll mit psychopathischem Abschaum. Nicht gerade die Art von Planet, auf dem man gerne sein möchte. Aber mit diesen Informationen ist es wenigstens theoretisch möglich, den legendären Schatz von Sebastian Winterscale zu heben. Auf alle Fälle ist das ein wirklich ambitioniertes Langzeitprojekt. Interessant ist, dass Sebastian kein Stück der Karte seinem Erben oder Angehörigen der eigenen Familie vermacht hat. Wollte er damit die Beziehung seiner geschätzten Gefolgsleute zu seiner Familie auch über sein mögliches Ende festigen? Oder hat er seine eigene Familie so verachtet, dass er ihnen nichts von seinem Schatz gönnen wollte? Schwer zu sagen, da die Bücher, die ich über Sebastian Winterscale habe, eben nie aus erster Hand sind, sondern die Geschichten mündlich immer über viele Stationen gingen, bis sie schriftlich festgehalten wurden. Und jeder Erzähler hat natürlich die Geschichte ausgeschmückt oder nach seinem Gutdünken verändert. Was nun der wahre Kern ist, kann ich nicht wirklich erkennen.

Aber momentan habe ich andere Probleme. Das Militär auf dem Schiff muss dringend reorganisiert werden. Magister Militaris Solun Ares schlägt vor, die etwas über anderthalbtausend Mann in zwei Bataillonen zu je fünf Kompanien mit zwei Zügen zu organisieren. Jeder Zug besteht aus sechs Trupps und einem Kommandotrupp mit einem Leutnant. Jeder Trupp hat zehn Mann, von dem je ein Team ein Maschinengewehr oder Schrotkanone trägt. Die knapp hundertfünfzig Mann der Brückenwache werden zu drei Zügen mit je fünfzig Mann eingeteilt. Der Ausbildungstand der Truppe ist gelinde gesagt katastrophal. Mein Onkel hat die Leute hauptsächlich für die innere Sicherheit eingesetzt. Sie sind gut darin, Unabs unter Kontrolle zu halten. Aber einem ernsthaften Entermanöver können sie nichts entgegen setzen. Ich befehle daher dem Magister Militaris, ein Trainingsprogramm zu erstellen, wo eine Kompanie einen Monat vom regulären Dienst befreit und dann auf Enterabwehrmanöver gedrillt wird. Nach elf Monaten hat jede Einheit den Drill durchlaufen und dann werden Entermanöver exerziert. Außerdem sollen Wiederholungsübungen und Manöver abgehalten werden. Ich hoffe inständig, dass bis dahin uns niemand entern wird, da wir da wohl hoffnungslos unterliegen würden. Thronverdammt!


Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #41 am: 14. November 2012, 20:45:36 »
Position:
Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Zeit: 4 750 783.M41

Seit zwei Tagen sind wir nun im Warptransfer nach Karmesin-Trost. An Bord habe ich einige hundert vermögende Renegaten mit ihrem Gefolge und wirklich voluminösen Gepäck, welche meine Verlademeister beim verstauen in den Laderäumen an den Rand des Wahnsinns getrieben haben. Diese illustre Gesellschaft zu hüten, ist wie auf einen offenen Sack mit kleinen Katzen aufzupassen. Andauernd tapst neugierig eine heraus und kaum hat man diese wieder in den Sack getan, büchst auch schon die nächste auf Suche nach aufregenden Abenteuern aus. Ich habe ein kleines harmloses Zerstreuungsprogramm auf die Beine gestellt, um diese Leute etwas vom Unsinntreiben abzuhalten. Einer der Passagiere ist Alophus Leyfield I von Sephrem. Auf Sephrem hatte er eine kleine Auseinandersetzung mit seinem Bruder und hat den Planeten in einen wortwörtlichen Bruderkrieg gestürzt. Auf alle Fälle nahm die Sache für ihn kein gutes Ende und er musste vor den imperialen Behörden fliehen, die es nicht gut fanden, keinen Zehnt zu bekommen. Das alte Lied, wenn die Abgaben nicht stimmen, gibt es ziemlichen Ärger. Sonst kann man so ziemlich alles als Adliger erlauben. Nur die Steuern sollte man einfach nicht hinterziehen, da  hat man dann die Arbites recht schnell am Hals.

Ich bin damit beschäftigt, die letzten Detailfragen für ein Kapitänsdinner für heute Abend abzustimmen, als mich Magister Ares auf einen bedenklichen Zwischenfall aufmerksam macht. Es hat wohl ein obskures Warpphänomen gegeben, bei dem ausgerechnet ein Diener von Alophus Leyfield zu Tode gekommen ist. Ausgerechnet von diesem aufgeblasenen Schnösel, als ob ein tödliches Warpphänomen nicht an sich schon schlimm genug wäre. Ich denke mit Schaudern an die Geschichten über die Reisen von Sebastian Winterscale, wo er auf jedem Transfer gewaltige Horden gar fürchterlicher Warpbestien abgewehrt hat. So langsam kommt mir der schreckliche Verdacht, dass dieser Teil der Geschichten gar nicht so übertrieben sind, wie es einst den Anschein hatte. Ich finde mich auf der Krankenstation ein, wo die Leiche des armen Tropfes aufgebahrt ist. Die Ärztin, die mich einst behandelt hat, erwartet mich schon.

"Ich sollte Euch warnen, Lordkapitän Conari, das ist ein schrecklicher Anblick", unkt die etwas verlebt aussehende Ärztin mit ihren kurzgeschnittenen blonden Haaren und zieht dann das Laken von dem Leichnam. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe, aber das ist doch seltsam. Statt eines aufgeplatzten und schrecklich verstümmelten Körpers sehe ich einen total deformierten vor mir. Die Proportionen stimmen einfach nicht mehr. Das Gesicht sieht aus, als wäre es aus geschmolzenen Wachs, auf der Brust wachsen dicke Kopfhaare, ein Arm ist unglaublich lang, der andere dagegen kurz und scheint nur aus Gelenken zu bestehen. Aus seinem Rücken ragen Stacheln aus seltsamen Knochen.

"Thron! Sicher, dass dies ein Diener von Alophus ist und kein Mutant aus einem schwarzen Deck, der sich hier herum getrieben hat?", frage ich etwas verdattert.
"Es gibt Zeugen für dessen Verwandlung. Es ging wohl recht schnell und urplötzlich."
"Es gab Zeugen für dieses Warpphänomen?"
"Falls es überhaupt ein Warpphänomen ist."
"Beim Thron! Was beim Imperator sollte es sonst sein? Was in aller Welt kann sonst so etwas Entsetzliches bewirken?"
"Polymorphin!", meint Caine, mein Leibdiener und Berater.
"Polymorphin?" Davon habe ich nun wirklich noch nie etwas gehört.
"Polymorphin erlaubt einer trainierten Person eine andere Gestalt anzunehmen. Bei einem Untrainierten führt es zu sinnlosen Mutationen und schließlich zum Tod.", doziert Caine wie aus einem Lehrbuch.
"Aha? Und wer nimmt so was?", fragte ich neugierig.
"Es gibt im Offizium Assassinorum einen Tempel, dessen weibliche Assassinen dies benutzen, um sich in jemanden anderen verwandeln zu können. Manchmal wird diese Droge jemanden als Warnung und Botschaft verabreicht, dass sie dabei sind, den Zorn des Imperators auf sich zu ziehen."
"Das Offizium Assassinorum?", hauche ich etwas erschreckt und gehe die Liste meiner letzten Untaten durch. Ich bewege mich schon lange in Bereichen, die nicht wirklich legal sind und nur wenige der eine oder andere von mir produzierte Tote fiel unter Notwehr. Allerdings sind meine Vergehen eher harmlos, da ich doch immer pünktlich meine Abgaben bezahlt habe. Und das sie wegen dem Transport von ein paar Renegaten mir gleich eine Tempel Assassine auf den Hals hetzen, ist auch etwas arg weit hergeholt. Auch die Reaktionszeit wäre phänomenal kurz im Anbetracht der Arbeitsgeschwindigkeit imperialer Behörden. Aber hätten sie dann nicht eher jemand aus meinem Gefolge als Warnung gewählt? Ich atme tief durch und komme zu dem Schluss, dass nicht ich das Ziel der Botschaft sein kann, sondern eher Alophus Leyfield I, ein Despot der keinen Zehnt gezahlt hat. Aber warum sollten sie den warnen? Er hat die Verbrechen schon begangen, also warum jetzt noch lange fackeln?

"Ist das sicher?", hake ich nach. "Dass es sich wirklich um Polymorphin handelt und nicht um etwas anderes?"
"Es gibt einige komplizierte Tests, um es nachweisen zu können", meint die Ärztin, "Aber die brauchen ein paar Stunden."
"Dann macht diese Tests und informiert mich sofort, sobald Ihr ein brauchbares Ergebnis habt.", weise ich die Ärztin an und verlasse die Krankenstation nachdenklich. Ich teile Caine meine Gedanken mit.
"Durchaus möglich, dass Alophus das Ziel ist. Allerdings ist die Anwesenheit einer Assassine an Bord dieses Schiffes nicht gerade verkaufsfördernd.", meint Caine. Ich schnaufe auf, leicht verärgert, wie auch amüsiert. Noch auf dem Rückweg erreicht mich die nächste Nachricht, es gab einen schwerwiegenden Sicherheitsvorstoß in der Chorkammer der Astropathen. Thronverdammt! Hören den heute die Probleme gar nicht mehr auf?

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #42 am: 16. November 2012, 14:59:15 »
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Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Zeit: 4 751 783.M41

Also eile ich in die Chorkammer des Schiffes und schaue mir das Malheur an. Eine Passagierin mit dem Namen Lady Silla Marati hat den Maschinengeist des Schlosses mit einem meinem Techpriester unbekannten Mittel ins Koma versetzt und ist in den abgesperrten Bereich der inneren Chorkammer eingedrungen. Dabei scheint sie sich nur umgesehen zu haben und hat etwas Smalltalk mit Bruder Obskurus gehalten, der dort gerade Dienst geschoben hat. Schließlich sollten Astropathen ab und zu auch Nachrichten verschicken oder empfangen. Dieses freche Fräulein hat ein paar verstörende Fragen über die Kammern gestellt. Was soll das jetzt schon wieder bedeuten? Caine hat nur die Information bereit, dass Lady Silla Marati zum weitläufigen Gefolge von Lord Alophus Leyfield I gehört. Es ist nicht genau bekannt, was nun ihr genauer Status ist. Aber wahrscheinlich ist sie eine Kurtisane mit festem Vertrag. Oder eine Abenteuererin mit einem interessanten Hobby und gefährlichen Wissensdurst. Und im schlimmsten Fall, eine Callidus Assassine, die gerade dreist mir gegenüber ihre Tarnung gelüftet hat. Ich kann nur spekulieren und das mag ich ganz und gar nicht. Aber schließlich kann ich mir auch harte Fakten verschaffen.

Aber bevor ich das freche Fräulein her zitieren kann, macht Lord Alophus mächtig Wind und verlangt mich umgehend zu sprechen. Natürlich geht es um seinen kürzlich auf so dramatische Art verstorbenen Diener. Ein wahrlich traumatisches Erlebnis. Also empfange ich den untersetzten Lord in meinem Arbeitszimmer. Der ehemalige Despot von Sephrem ist zwei Köpfe kleiner, hat sein Haar künstlich ersetzen lassen und seine vielen Verjüngungskuren haben deutliche Spuren hinterlassen. Seine Halbwertszeit ist schon lange überschritten. Er dürfte in etwa mein Gewicht haben, nur dass ich deutlich größer bin und meinem Körper man den täglichen Waffendrill ansieht. Er ist ein sehr gut zahlender Passagier und ich bekomme den Großteil davon am Ende des Transfers auf meine Konten überwiesen. Also lasse ich mir seinen fordernden Auftritt gefallen. Allerdings rede ich die Sache klein und vermute vehement ein obskures Psiphänomen, was auf diesem Schiff ja nicht so ungewöhnlich ist. Böse Zungen behaupten schon lange, dass die "Audacia" verflucht sein soll. In solchen Situationen kommt das natürlich einem zugute. Trotzdem ist der Kerl ziemlich aufgebracht, als er sich mit einer knappen Verbeugung verabschiedet.

"Unangenehmer Zeitgenosse.", murmle ich in Richtung Caine, der sich die ganze Sache mit angesehen hat.
"Ein typischer Vertreter der Herrscherkaste.", erwidert Caine unverbindlich und ich überlege, ob mein Lebenswart schon immer so sarkastisch war. Nun ist aber Zeit, um sich einem anderen Problem zuzuwenden und ich habe das Gefühl, dass das eine mit dem anderen zusammen hängt.

Meisterin Puppila und Lady Helmchen werden die Kabine von diesem Früchtchen durchsuchen, während ich ein ernstes Gespräch über die Bedeutung von Schildern mit der großen roten Aufschrift "Betreten Verboten" und "Dieser Bereich ist nur für Fachpersonal" zu führen gedenke. Mit Bruder Obskurus und Magister Ares an meiner Seite erwarte ich Lady Silla Marati. Das Fräulein trägt ein wallendes Kleid in der gerade aktuellen Mode von Aufbruch. Ihr sorgfältig frisiertes Haar fällt lockig über ihre Schultern. Ihre Haut ist weiß, macht aber einen gesunden und gepflegten Eindruck. Ihr überaus großzügiger Ausschnitt macht Lust auf mehr. Diese Frau ist schön und ich sehe ihr an, dass ihr dieser Umstand nur zu bewusst ist. Sie ist jemand, der weiß, was sie will und auch weiß, wie sie es bekommt. Da sie durchaus eine professionelle Attentäterin sein kann, halte ich meine Gefühle in Zaum, spiele aber den etwas naiven Trottel.

Sie versucht die ganze Sache abzuwiegeln, sie war nur neugierig auf die Astropathenkammern des Schiffes. Diese Technik, Psioniker einzufrieren und sie als Kraftverstärker zu verwenden, ist nicht wirklich weit verbreitet. Und wahrscheinlich nach imperialen Gesetzen auch nicht erlaubt. Während wir noch um den heißen Brei herumreden, meldet sich Meisterin Puppila. Zwei der Koffer aus dem Gepäck der Lady sind mit einem Fallensystem versehen, das Lady Helmchen verletzt hat. So wie es aussieht, hat die Falle einen Monofilamentdraht abgefeuert. Die Navigatorin hat viel Blut verloren und befindet sich auf dem Weg zur Krankenstation. Das passiert, wenn man Amateure schickt. Monofilament ist nichts, was man beim Trödelladen im Außenbezirk kaufen kann. So etwas ist hoch exotisch und riecht schon nach Archotech oder Xenos. Die junge Frau vor mir ist definitiv nicht so harmlos, wie sich gibt. Nun gut, ich weise Caine an, die Sache in die Hand zu nehmen.

Während ich Smalltalk mit der überaus charmanten wie auch undurchsichtigen Lady halte, schafft es Caine mit zwei Spezialisten aus den Reihen der Unab die Koffer zu öffnen. Allerdings ist kein verstecktes Vorgehen mehr möglich. Das hat sich schon in dem Moment erledigt, als die Navigatorin die Falle ausgelöst hat und das Zimmer mit ihrem Blut umdekoriert hat. Die gewaltsame Öffnung der beiden Koffer fördert eine große Menge an Polymorphin Kapseln zu Tage, ebenso eine Eldar Rüstung und zwei Energieschwerter aus der gleichen Herkunftsquelle. Caine teilt mir diesen Umstand unverzüglich mit. So eben muss ich meine bisherigen Vermutungen über den Haufen werfen. Keine imperiale Assassine würde so massiv auf Xenostechnologie zurückgreifen. Besonders da Eldarenergieschwerter nun wirklich nicht so viel besser sind als die aus menschlicher Produktion. Der einzige vernünftige Grund für diese Ausrüstung in Kombination von Vorhandensein von Polymorphin ist, dass ich eine Eldar Assassine oder Agentin vor mir habe.

"Lady Silla Marati, es gab ein weiteres Sicherheitsproblem und zwar in Eurer Kabine. Ich glaube, wir können aufhören so zu tun, als wäre dies alles nur ein Zufall und Ihr wolltet Euch nur mal kurz in einer gruseligen Astrophatenkammer umsehen. Warum habt Ihr den Diener von Alophus vergiftet?", frage ich sie nun konkret. Sie schaut mich prüfend an, genauso wie ich sie. Ich bin bereit, augenblicklich das Refraktorfeld zu aktivieren und meine Waffen zu ziehen. Sie sieht unbewaffnet aus, aber ich schätze sie als lebende Waffe ein, die mich auch mit bloßen Hände töten kann, wenn ich sie nah genug an mich heran lasse. Was ich aber nicht vorhabe.

"Touche! Der Diener war wohl zu neugierig und hat eine Falle an meinem Gepäck ausgelöst. Leider habe ich davon zu spät erfahren. Sonst hätte ich den kleinen Ausflug in Euer Eisgefängnis unterlassen. Tja, sieht so aus, als hättet Ihr mich erwischt.", erklärt sie vollständig ruhig. Die Frau hat Selbstvertrauen, muss ich ihr lassen.

"Was wollt Ihr hier auf der "Audacia"?"
"Nach Karmesin-Trost reisen."
"Ziemlich exotisches Gepäck für einen Trip auf einen Vergnügungsplaneten. Wer ist Eure Zielperson?"
"Alophus Leyfield I", antwortet sie offen frei heraus. Die Frau hat keine Angst vor mir und das gibt mir zu denken. Wahrscheinlich ist sie nicht allein. Die Eldar gelten als fähige Hexer und überaus gefährliche Xenos. Manchmal kämpfen sie an der Seite der Imperialen Armee, aber genau so oft gegen sie. Es gibt nur noch wenige von ihnen und die meisten befinden sich angeblich auf gigantischen Schiffen aus Kristall, die nicht warpfähig sind. Auch wenn viele Eldar Hexen sind, so scheinen sie ein Problem mit dem Warpraum an sich zu haben, denn ihre Schiffe sind gezwungen über ein alternatives Transportnetz zu reisen.
"Und warum?"
"Für das, was er meiner Welt angetan hat. Dafür muss er bezahlen-", erzählt sie mir in einem Tonfall, als würden wir uns über das anstehende Kapitänsdinner unterhalten.

"Ich wäre Euch äußerst verbunden, wenn ihr jedwegliche Mordversuche an bezahlenden Passagieren und Besatzungsmitgliedern während des Transfers unterlassen würdet. Ich nehme Euer spezielles Gepäck in Verwahrung und händige es Euch dann bei der Ankunft aus.", bestimme ich und sie scheint damit einverstanden zu sein. Ich hoffe nur, dass ich richtig gehandelt habe. Als guter Untertan des Gottimperators hätte ich sie eigentlich auf der Stelle töten müssen, aber ich fürchte die Vergeltung von einem Feind, der offenbar in der Lage ist, sich in normale harmlos aussehende Menschen zu verwandeln. Thronverdammt!

Gespielt am 23.06.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 2
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 1
Yuri aka Lady Helmchen Navigator Rang 1
Ares Magister Militaris Rang 1
EP: 150
Besiegte Gegner:
Niemand
Beute:
Nix

Gedanke des Tages
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Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #43 am: 19. November 2012, 13:03:50 »
Persona Dramatis
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Kapitel 8
Nur ein zahlender Passagier ist ein guter Passagier!

Position:
Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Zeit: 4 753 783.M41

Das in dieser Situation äußerst nervige Kapitänsdinner steht an und ich lasse mich von meinen beiden Konkubinen in Schale werfen. Sie selbst haben schon ihre äußerst aufwendige Garderobe angelegt und sehen äußerst appetitanregend aus. Aber es würde zu lange dauern, sie aus dieser Kleidung zu schälen, um sie auf der Stelle zu vernaschen. Außerdem beschäftigen sich meine Gedanken mehr mit dieser mutmaßlichen Eldaragentin auf meinem Schiff als mit meinen niedlichen Konkubinen. Normalerweise sollte ich diese kleine hinterhältige Eldar einsperren oder besser gleich exekutieren. Das Xenos sollst du töten, denn das ist das Schicksal des Xenos. Aber Eldar haben sich als äußerst widerstandsfähige Rasse entpuppt, deren Vernichtung seit Jahrzehntausenden nicht wirklich vorangekommen ist. Die meisten Konflikte mit Eldar in den letzten Jahrtausenden waren für das Imperium meist langwierige und verlustreiche Kriege, deren Kosten in keinerlei Relation mit dem Nutzen standen. Außerdem ist nicht gesagt, dass sie die einzige Agentin an Bord des Schiffes ist. Es gibt eine ominöse Gruppe unter den Eldar, die sich Harlequine nennen. Meist reisen sie in Gruppen. Vielleicht gehört sie zu einer solchen Gruppe. Thronverdammt! Ich hasse den Gedanken, dass Xenos auf meiner geliebten "Audacia" sind.

Meine Konkubinen tun alles, um meine düstere Stimmung zu heben und ich muss gestehen, sie sind verdammt gut darin. So gelingt es mir, das Zeremoniell zu überstehen, welches dem Dinner vorausgeht. Natürlich erweist sich Lord Alophus Leyfield I von Sephrem als äußerst penetranter Gesprächspartner. Er hat ein paar sehr seltsame Ansichten über das Regieren und wie man mit Siedlern in der Weite zu verfahren hat. Sklaverei ist da noch die harmlosere Variante gegen das was diesem gescheiterten Despot vorschwebt. Eine Meinung, die sicherlich viele den Realitäten des normalen Lebens entrückte Adlige teilen mögen. Viele in meiner Familie denken ebenso. Für sie sind gewöhnliche Menschen nicht viel mehr wert als eine Ratte. Traurig, aber leider nur zu wahr. Dann kommen wir auf meinen leider verstorbenen Onkel und meine Familie zu sprechen. Auch dass es für mich schwer sein muss, so alleine in der Weite und fern der Heimat Scintilla, der Perle der Golgenna Weite.

"Nun, die "Audacia" ist nun meine Heimat und die Besatzung ist meine Familie. Ich habe nun Quasi sechzigtausend Brüder und Schwestern.", erkläre ich dem aufgeblasenen Popanz, der mit voller Bewaffnung zum Dinner erschienen ist. In dieser Lage sicherlich eine gute Idee, denn auch ich trage unter meinem prächtigen roten Mantel meine vertraute Rüstung und meine obligatorischen Waffen sind gut sichtbar im Wehrgehänge versorgt. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Und bei diesen Passagieren erwarte ich nur noch das schlimmste.

Ich bin froh, als ich den Kerl endlich abwimmeln kann. Sein Gefolge ist ähnlich drauf. Die geheimnisvolle Lady Marati ist ebenfalls anwesend. Ich tu, als ob nichts gewesen wäre, als ich sie förmlich mit einem Handkuss begrüße, ohne dass meine Lippen wirklich ihre Haut berühren. Wer weiß, vielleicht ist diese mit einem Gift oder ähnlichem präpariert. Eldar gelten mit als die hinterhältigsten Xenos, die es zwischen den Sternen gibt. Besonders die Pirateneldar sind äußerst unangenehme Zeitgenossen. Da hört man manch gruselige Geschichte.

Endlich wird die Suppe serviert und das Dinner beginnt. Nach und nach werden Köstlichkeiten der Weite aufgetischt. Leider habe ich nur wenig davon, da ich nach dem dritten Gang die Nachricht übermittelt bekomme, dass mehrere Feuer an Bord ausgebrochen sind. Thronverdammt. Ich beordere Caine und den Magister Militaris Ares mit zu mir und verlasse umgehend das Dinner. Auf der Brücke ist einiges an Konfusion zu spüren. Kurz hintereinander sind mehrere Alarme gegeben worden. Schotten wurden versiegelt, Löschteams losgeschickt. Nach und nach kommt die Meldung, dass es sich um einen Fehlalarm handeln muss, da es keinerlei Feuer zu entdecken gibt. Einmal kann das ein missgelaunter Maschinengeist sein, der sich nach mehr Aufmerksamkeit sehnt. Aber drei Fehlalarme in drei weit auseinander liegenden Sektoren ist kein missgelaunter Geist, das ist Sabotage. Es fragt sich nur, was mit diesem Manöver bezweckt wird? Soll die Standardreaktion auf einen solchen Vorfall getestet werden?

Ich versuche Maschinenseher Kyle Ademis an das Interkom zu bekommen, was geschlagene zwanzig Minuten dauert, bis ich eine Rückmeldung von ihm bekomme. Ich frage mich, was ihn aufgehalten haben könnte, bohre aber nicht nach. Es gibt Wichtigeres zu bereden. Inzwischen gab es weitere Fehlalarme, deren Ursache weiter rätselhaft bleibt.
"Was könnte das sein?", frage ich den alten Maschinenseher.
"Wir sind uns noch nicht sicher", bleibt er äußerst vage.
"Könnte ein bösartiger Maschinengeist in das System der "Audacia" eingeschleust worden sein?"
"Der wäre an den hohen und dicken Brandmauern gescheitert, welche unsere Systeme vor ketzerischem Schreddercode und anderer verdorbener Techhäresie schützen. Unsere Routinen laufen einwandfrei, es wurde keine Abwehr oder gar ein Durchbruch registriert."
"Könnte hochentwickelte Xenostechnologie so etwas verursachen?"
"Möglich, aber wie sollte die an Bord gelangt sein? Mit unseren betuchten Gästen?"
"Nicht auszuschließen. Wäre so etwas möglich?"
"Xenostechnologie tut sich meist schwer, da unsere vitalen Maschinengeister ihnen normalerweise Paroli bieten können.", erklärt mir der Maschinenseher mit seiner künstlichen Stimme. Da ich nicht möchte, dass das Gerücht von einer mutmaßlichen Eldaragentin die Runde macht, kann ich nicht ins Detail gehen. Thronverdammt!

In dem Moment kommt Bruder Obskurus auf die Brücke gestürmt und berichtet mir von einen obskuren psionischen Phänomen, welches er gerade erlebt hat. Manche Leute scheinen diese Dinge einfach anzuziehen. Den Psioniker musst du töten! lautet eine der einhundertundacht bindenden Gebote der Ekklesiarchie. Allerdings ist das kein äußerst praktikables Gebot, da wir leider von Psionikern abhängig sind. Wie auch immer, der Psioniker hat ein paar oberflächliche Brandverletzungen davon getragen, als er Zeuge eines "Fehlalarms" wurde. Die ganze Sache scheint definitiv nicht durch infamen Schreddercode zustande zu kommen, sondern durch bösartige Hexerei. Er hat eine richtig brennende Straße gesehen, das Feuerlöschteam, was gleichzeitig anwesend war, hatte von alldem nichts mitbekommen. Also haben wir es wohl definitiv mit verwerflicher Xenoshexerei zu tun. Ich überprüfe, ob Lady Marati noch auf dem Dinner anwesend ist. Das ist sie und damit hat Lady Marathi ein unumstößliches Alibi. Was wiederrum bedeutet, dass es noch mindestens einen getarnten Eldar an Bord dieses Schiffes geben muss. Vielleicht sogar noch mehr. Oder was noch schlimmer wäre, eine Warpentenität hat sich an Bord geschlichen und das Ganze hat mit der Eldarschickse gar nichts zu tun. Beim goldenen Thron von Terra!

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #44 am: 21. November 2012, 15:47:04 »
Position:
Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Zeit: 4 753 783.M41

Inzwischen gab es acht Fehlalarme und die Acht ist eine besondere Zahl in gewissen verbotenen Kultreligionen. Ich lasse mir die Positionen der Fehlalarme auf eine Karte projizieren und versuche die Punkte miteinander zu verbinden. Zum Glück kommt dabei kein Symbol oder Stern zu Tage, von dem mir schlecht wird. Ich habe wenig Ahnung vom Erzfeind, weiß aber, dass die Acht dort eine unheilige Zahl ist.

Auf alle Fälle versetze ich das Raumschiff in einen allgemeinen Alarmzustand und lasse die Wachen an den kritischen Systemen verdoppeln und lasse die Areale zusätzlich von Patrouillen absuchen. Das Gellerfeld lasse ich überprüfen, ob es zu einem Flackern gekommen ist, was zum Glück aber nicht der Fall ist. Auch wurde nichts an den Einstellungen verändert. Im Warp ist das Gellerfeld das einzige, was uns vor den Schrecken da draußen schützt, wenn auch nicht zu hundert Prozent. Es gibt immer minimale Schwankungen und 99,99% gilt als guter Wert, den wir auch halten. Schließlich gibt es einen weiteren Feueralarm und einige Leichtverletzte, die Brandverletzungen davon tragen. Ich suche sie in der Krankenstation auf und sie haben ähnliches gesehen, wie Bruder Obskurus, eine brennende Straße in einer ihnen unbekannten Stadt. Auf Sephrem wurde viel mit Brandbomben in Schutt und Asche gelegt. Sieht so aus, als wären diese Anschläge zielgerichtet, um uns mürbe zu machen. Im realen Raum waren bis auf die Brandverletzungen keine Auswirkungen zu spüren. Also haben wir es eindeutig mit einem obskuren psionischen Phänomen zu tun. Thronverdammt! Ich fange an, diese Phänomen zu hassen!

"Meine Damen und Herren, was können wir gegen diese Bedrohung unternehmen?", frage ich in die Runde.
"Wir müssen herausfinden, wer die getarnten Eldar sind!", meint Magister Militaris Ares und spricht nur aus, was getan werden muss, aber mir kommt es auf das wie an. Für diese simple Erkenntnis brauche ich keinen Beraterstab. Ich brauche sie, damit sie mir praktikable Lösungen anbieten. Aber da sieht es momentan nicht so gut aus.
"Wir müssen alle Überwachungskameras auswerten, die Besatzung befragen und so heraus finden, wer zu den Zeitpunkt an den Brandherden vor Ort war.", schlägt Bruder Obskurus vor.
"Die "Audacia" ist über vier Kilometer lang und etwa fünfhundert Meter breit und hoch. Wir haben etwa sechzigtausend Menschen an Bord. Und letztendlich kann ich bei keinem wirklich ausschließen, dass er nicht von einem Eldar ersetzt wurde." Auch in dieser Runde könnte mir ein getarnter Spion gegenüber sitzen und ich würde es nicht mal merken, führe ich den Gedanken still zu Ende. "Dies ist keine Suche einer Nadel im Heuhaufen, sondern von Minen im Treibsand ohne Detektor. Wir sind in zwei Tagen auf Karmesin-Trost. Damit wäre dann spätestens das Problem geklärt. Also würde ich eine praktikablere Lösung favorisieren."

Leider kommt keine wirkliche Lösung dabei heraus. Die Meldung, dass sich getarnte Xenos eingeschleust haben könnten, würde unter der Besatzung zur Panik führen. Jeder würde jeden verdächtigen und die cleveren würden die Gelegenheit nutzen, unliebsame Konkurrenten oder alte Feinde aus dem Weg zu räumen. Einfach indem man behauptet, derjenige hätte sich verdächtig verhalten, bevor man ihn über den Haufen geschossen hat. Überwachungskameras gibt es zwar, aber nur wenige. Mit etwas Ortskenntnis sind die zu umgehen. Und wer weiß, ob derjenige dann nach zwei Stunden überhaupt noch so aussieht, wie auf dem Bild. Nein, eine Suche mit Leuten über den engsten Kreis heraus ist nicht möglich. Nach einer halbstündigen Diskussion komme ich zu dem Schluss, dass wir nur wenig tun können. Auf alle Fälle werden wir früher in den Realraum zurückkehren und dann direkt hinter das System von Karmesin-Trost springen. Ich befürchte, dass wir an diesen Punkten eventuell aufgelauert werden könnten. Es macht vielleicht keinen Sinn, da ein Angriff von außen auch die Agenten an Bord gefährden könnte, aber da mindestens einer der Eldarhexer an Bord sich beliebig durch das Schiff bewegen kann in einer Geschwindigkeit, die physisch nicht so zu erreichen wäre, dürften die auch Mittel und Wege kennen, das Schiff zu verlassen, wann es ihnen beliebt. Thronverdammt!

Ich kehre zurück zum Dinner und schaffe es wenigstens noch den Nachtisch abzubekommen, der sogar ziemlich köstlich ist. Von allen Seiten werde ich mit neugierigen Fragen bestürmt, was den eigentlich Vorgefallen sei.

"Wir hatten einen weiteren temporären Warpeinbruch, welcher zu obskuren psionischen Phänomenen geführt hat.", lüge ich mit geschmeidiger Zunge. Mit Warpeinbrüchen kann man wirklich so ziemlich alles erklären und keiner kann wirklich bei diesem heiklen Thema einen der Lüge bezichtigen. Die Gesellschaft löst sich schließlich auf und ich kann auf die Brücke zurückkehren, um der schlimmen Dinge zu harren, die auf uns noch zu kommen werden. Kurz bevor wir den nächsten neuen Austrittspunkt erreichen, gibt es einen weiteren Feueralarm in dem Bereich, wo die Luxusquartiere für betuchte Passagiere liegen. Diesmal ist es kein Fehlalarm, denn die Suite, welche Lord Alophus Leyfield I von Sephrem bewohnt, ist ein realer Raub der Flammen geworden. Richtigen Flammen, keine eingebildete. Mal wirklich was neues. Zum Glück, oder Unglück, ist Lord Alophus nichts passiert und erfreut sich hysterischer Gesundheit. Er ist vollkommen durch den Wind und ein nervliches Wrack. Ich versuche ihn zu beruhigen und schiebe alles mal wieder auf ein obskures Warpphänomen.

Inzwischen sind einige haarsträubende Gerüchte im Umlauf. Der Geist des toten Bruders soll sich an Bord geschlichen haben und für all die Vorkommnisse verantwortlich sein, ist das am weitest häufigste Gerücht. Dies ist wahrscheinlich von Eldar an Bord gezielt im Umlauf gesetzt worden, würde ich jedenfalls wetten. Zum Glück kommt auch keines der vielen Gerüchte nur halbwegs der Wahrheit nahe. Gezwungenermaßen schicke ich Lord Alophus auf die Krankenstation, wo ihm ein paar starke Beruhigungsmittel verabreicht werden, um ihn ruhig zu stellen. Fast könnte einem der Kerl leidtun, wenn er denn nicht so ein verdammtes Arschloch wäre. Thronverdammt! Auf alle Fälle habe ich die Faxen dick und zitiere die Eldarschlampe in mein Büro. Sie trägt immer noch die Kleidung des Dinners, auch wenn es schon vor Stunden aufgelöst wurde und sieht wie aus dem Ei geperlt aus. Am liebsten würde ich sie wie ein freches Mädchen einfach über das Knie legen. Und sie dann anschließend aus der Luftschleuse werfen. Soll doch der Warp diese hinterhältige gemeine und doch so gut aussehende Xenos fressen.

"Was soll dieser Unsinn? Hatten wir nicht vereinbart, ihr lasst Alophus so lange in Ruhe, bis wir auf Karmesin-Trost sind?"
"Nun, betrachtet die "Audacia" einfach als Bühne für ein außergewöhnliches Schauspiel.", meint sie mit einem koketten Augenaufschlag.
"Beim Thron von Terra! Mein Schiff ist verdammt noch mal keine Bühne für dieses unwürdige Possenspiel." Wütend schlage ich mit der geballten Faust auf den Tisch. Das kracht ordentlich, schüchtert mein Gegenüber am nicht im Geringsten ein.
"Akzeptiert Eure Rolle in diesem Stück, mein lieber Lord-Kapitän", meint sie süffisant, als ob sie mir ein eindeutig zweideutiges Angebot machen würde. Die Xenos spielt mit mir und sie nicht mich ich keinster Weise wirklich ernst. Täuscht sie mich oder ist sie wirklich so gut? Eldar gelten trotz der imperialen Propaganda, die sie als schwächlich mit antiken Waffen darstellt, als sehr gute Kämpfer. Ihre Lebensspanne soll angeblich Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende betragen. Es gibt einige berühmte Exemplare, die schon seit Jahrtausenden ihr Unwesen treiben. Es kann natürlich sein, dass es sich um Wahrheit um verschiedene Individuen handelt, die einfach denselben Namen tragen. Aber wie auch immer, wahrscheinlich ist sie auch unbewaffnet eine ernst zu nehmende Gegnerin. Vielleicht trägt sich auch getarnte Xenoswaffen bei sich. Die Frau ist eine gestaltgewordene Lüge und wer weiß, was sie alles kann.
"Niemand zwingt mich zu irgendetwas. Ich bin Lord-Kapitän Conari und die "Audacia" ist mein Schiff! Hört auf mit diesem Spiel oder es nimmt ein böses Ende.", knurre ich drohend.
"Das Ende steht schon fest, dass Schicksal ist schon geschrieben. Nichts was ihr tun könnt, kann daran etwas ändern."
"Der Regisseur kann immer etwas an einem Stück ändern!" So langsam muss ich sagen, macht sie mich mit ihrer Art richtig wütend.
"Das mag vielleicht sein, aber das seid weder Ihr noch ich."
- Das werden wir noch sehen, Miststück! - denke ich zerknirscht und frage, "Wie viele von Euch sind noch an Bord? Zwei, Sieben? Wie viele?"
"Genug!"
"Ihr solltet mich nicht reizen!"
"Ihr mich lieber auch nicht!", erwidert sie ungerührt. Ich wünschte, ich wüsste, mit wem ich es genau zu tun habe. Mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Eldar, welche sich für die Zerstörung einer ihrer Welten rächen wollen und den Schuldigen mit Spielchen in den Wahnsinn treiben wollen. Vielleicht Harlequine, vielleicht ein Bund von Hexern oder irgend welche Weltenwanderer mit guter Ausrüstung. Hätten sie ihn töten wollen, wäre er schon längst tot. Oder sie wollen dieses Drama einfach in die Länge ziehen. Es ist nur die Frage, wie viele von meinen Leuten dabei den Tod finden werden. Thronverdammt!

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