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Autor Thema: Die Fahrten der Audacia  (Gelesen 43332 mal)

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Nakago

  • Mitglied
Die Fahrten der Audacia
« Antwort #135 am: 22. Juli 2013, 10:47:36 »
Position:
Warpraum
Transfer nach Anmut
"Audacia"
Offiziersquartiere
Zeit: 4 365 784.M41

"Schön Euch wieder zu sehen, Lady Anagai! Dann brauche ich gar nicht zur Klause zu reisen, um Euch für Eure kleine Schicksalsversiegelung zu danken." Ich richte meine Plasmapistole auf sie, drücke aber nicht aber. Wenn sie glauben würde, ich könnte ihr etwas antun, wäre sie nicht hier. Aber als trotzige Geste behalte ich meine bedrohliche Körperhaltung bei. Auch gibt mir die Waffe das notwendige Selbstvertrauen, mich diesem Wesen zu stellen.

"Wie ich sehe, habt Ihr die erste Begegnung mit einem Schicksalsträger überlebt", meint die Frau, die sicherlich in Wahrheit keine Frau ist, mit sanfter Stimme.
"In der Tat, ich konnte mich durchsetzen. So wie ich mich immer durchsetzen werde und am Ende werde ich diesem fünften Chaosgötzen in seinen Hintern treten."
"Das ist nicht so einfach."
"Doch ist es. Gewicht aufs linke Bein verlagern, mit dem Rechten ausholen und dann mit voller Wucht zutreten." Lady Anagai lacht.
"Wie ich sehe, habt ihr Euren Humor nicht verloren."
"Ich habe ihn wiedergefunden. Wie auch meinen Glauben. Nichts was ihr mir androhen könnt, schreckt mich noch."
"Seid Euch da nicht so sicher. Kapitän Conari."
"Lord-Kapitän, soviel Zeit sollte sein, Lady Anagai! Oder was immer Ihr auch sein mögt."
"Ich will Euch warnen, solltet ihr in den Schlund eintreten und die Weite verlassen, dann werde ich Euch samt Eures Schiffes vernichten." Ihre sanfte Stimme hat einen sehr drohenden Unterton angenommen. Auch sonst würde ich ihre Worte nicht einfach in den Wind schlagen. Dieses Ding hat große Macht, das steht außer Frage.

"Da ich ja jetzt nicht mehr zur Klause fahren muss, um Euch zu sehen, erübrigt sich das ja nun", erwidere ich äußerlich unerschrocken. Ich glaube ihr, dass sie die "Audacia" vernichten könnte. Wir sind im Warptransfer und von funktionierenden Gellerfeldern umgeben. Trotzdem ist sie hier, auch wenn der Wirkungsgrad dieser Felder sicherlich nicht 100% beträgt. Ich habe keine Ahnung, wie sie mich hier gefunden hat und hier eingedrungen ist, aber offensichtlich ist es möglich. Für einen kurzen Moment ziehe ich es in Erwägung, schlicht verrückt geworden zu sein. Aber da ich mich selbst auf meinen Geisteszustand hinterfrage, muss ich wohl bei vollem geistigem Bewusstsein sein. "Was sind Eure Pläne, wollt Ihr wirklich einen fünften Chaosgötzen hervorrufen? Ich hoffe mal, dass ihr Euch dann etwas Originelleres als Körnchen, Nörgler oder wie Pfeifen auch heißen mögen, ausdenkt." Lady Anagai lacht wieder deutlich belustigt auf.

"Ihr seid schon ein goldiges Bürschchen. Nein, das, was der Sturmrufer von sich gegeben hat, war nur seine eigene falsche Interpretation der Dinge. Es geht nicht um einen fünften Herrn des Chaos. Stellt Euch das Ganze als ein gewaltiges Puzzle vor. Ihr seid einer von vielen, welche die Puzzelteile zusammentragen."

"Dann habt ihr diese Schicksalsversiegelung also auch noch mit anderen gemacht?", frage ich lauernd.
"Nein und ja. Ich habe viele los geschickt und zwei werdet ihr noch treffen. Und ich habe gewisse Dinge nur forciert. Eure Hexe, diese Seelenwächterin, war eine Dilettantin. Sie hat nur gesehen, was sie sehen wollte. Sie hätte so viel mehr sein können, aber ihr Glaube an einen toten Gott hat sie stark limitiert. So etwas wie eine Schicksalsversiegelung gibt es nicht."

"Warum gerade ich?"
"Ihr seid durchaus etwas Besonderes. Durch Eure hohe Geburt, durch Eure Familie, Eure gute Ausbildung. Euren Wagemut. Und dadurch, dass Ihr viele Eurer Standesdünkel abgelegt habt. Jemanden wie Euch gibt es nur selten. Vieles von dem was Euch noch passieren wird, wäre ohne meine Hilfe wahrscheinlich auch so eingetreten. Ich habe gewisse Dinge nur etwas beschleunigt. Ich spiele dieses Spiel schon sehr lange." Irgendwie habe ich das Gefühl, dass dies nicht alles ist. Aber mit mehr Informationen rückt sie nicht heraus. Thronverdammtes Miststück!

"Seid ihr ein Dämon?" Sie lacht.
"Vielleicht, vielleicht auch nicht. Nun, noch viel Glück auf Euren Fahrten und viel Spaß beim puzzeln." Dann wird ihre Gestalt durchscheinend und sie verschwindet einfach. Missmutig blicke ich auf die Stelle, wo sie gerade noch gestanden hat. Ich senke meine Pistole, sichere sie mit der entsprechenden Litanei und stecke sie weg. Ebenso mein Schwert Rabenklaue. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, sie mit diesen Waffen nicht wirklich verletzen zu können. Thronverdammt!

Über das gerade Geschehene nachdenkend gehe ich zurück zu mein Quartier. Nach meinem Chrono habe ich keinerlei Zeit verloren. Meine Konkubinen machen sich gerade für das Abendessen chic. Heute ist wieder einmal eines der offiziellen Arbeitsessen. Einsilbig gehe ich an ihnen vorbei, öffne meinen kleinen Schrein und zünde die Kerzen an. Ich verbrenne etwas Weihrauch und bete zum Gottimperator. Sein Schutz werde ich auch in Zukunft brauchen. Denn wer auf den Imperator vertraut, der hat auf Fels gebaut.

Gespielt am 05.01.2013
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 3
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 3
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 3
Wächter Hermandez (in Vertretung zu Solun Ares) Rang 2
EP: 500
Schicksalspunkt +1 :yupi:
Besiegte Gegner:
Viele tausend Kultisten
Hohepriester
Vierarmiger Mutant
Jede Menge Schlangen
Effin Kaldis
Sergeant Barakis
Beute:
Maleziel
85 Verkäufe an Beute
Blasphemische Bücher
Bücher über Haloartefakte

Gedanke des Tages
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Nakago

  • Mitglied
Die Fahrten der Audacia
« Antwort #136 am: 24. Juli 2013, 11:49:27 »
Persona Dramatis
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Kapitel 22

Immer Ärger mit den Astropathen!
Position:
Warpraum
Transfer nach Anmut
"Audacia"
Arbeitszimmer des Lord-Kapitäns
Zeit: 8 370 784.M41

Seit vier Tagen sind wir nun im Transfer nach Anmut, um dort den verdammten Kristall zwischen zu lagern. Die obskuren Warpphänomene halten sich noch in Grenzen, trotzdem kommt es zu verschiedenen Phantommeldungen. Irgendetwas geht verstärkt auf der Audacia um, aber zum Glück gibt es noch keine Leichen. Ich hasse es so langsam, mir immer Gedanken um obskure psionische Phänomene machen zu müssen. Deswegen habe ich von Novati die Blaupausen für die Dämonenabwehrmaschine von ihrer Haut auf Papier übertragen lassen. Der oberste Maschinenseher der Audacia, Kyle Ademis und der junge Maschinenpriester Fidilius haben die Pläne inzwischen gesichtet und analysiert.

"Nach eingehender Betrachtung dieser Zeichnung und einer Meditation darüber kann ich mit Bestimmtheit sagen, diese Technologie ist nicht menschlichen Ursprungs", erklärt Ademis mit unheilvoller synthetischer Stimme.
"Dem stimme ich uneingeschränkt zu, Lord-Kapitän Conari", schließt sich der junge Maschinenseher Fidilius Flavius der Meinung des Thuleaners an.
"Ich denke, es ist eine Maschine der Eldar oder der Yuvath."
"Schön und gut, können wir sie bauen?", frage ich gespannt, da mir egal ist, woher die Navigatorin Greta Silvas letztendlich die Idee oder Inspiration für dieses Ding her hatte.

"Die Komponenten wurden der menschlichen geheiligten Technologie durchaus angepasst. Bis auf die drei Kristalle ist alles reproduzierbar. Allerdings übersteigen viele der Komponenten die Möglichkeiten der Audacia. Wir  haben schlicht nicht die notwendigen Maschinen an Bord", erzählt mir Ademis.
"Gut, dann werden wir das wohl extern produzieren müssen. Was genau wird diese Maschine eigentlich machen?"
"Diese Maschine produziert wahrscheinlich nach der Schemata zu urteilen ein hochkomplexes Kraftfeld."
"Ist das Ding tragbar?" Die beiden Maschinenseher geben so etwas wie ein erheitertes Lachen von sich. Da sie dies im Maschinencode machen, hört sich das höchst seltsam an.

"Mitnichten, Lord-Kapitän Conari", erwidert Ademis in einem Tonfall, als ob er einem Kind erklären würde, dass man keinen Kuchen aus Sand essen kann. "Diese Maschine wird etwa 120 Tonnen wiegen und einen Durchmesser von bis zu 35 Metern haben."
"Oha!", erwidere ich, da ich von deutlich kleineren Abmessungen ausgegangen bin. "Wie lange wird es dauern, bis die Maschine einsatzbereit ist?"
"Vorausgesetzt wir finden noch die notwendigen Kristalle, würde ich mit einer Einsatzbereitschaft in etwa dreißig Standardjahren rechnen."
"Dreißig Standardjahre? Sind die Komponenten so kompliziert?"
"Mitnichten! Aber die notwendigen Rituale und Testreihen werden geschätzte neunundzwanzig Jahre dauern. Das Kraftfeld könnte einiges an Wechselwirkungen mit etablierten Maschinengeister haben. Da ist große Vorsicht angebracht."

"Also ein Jahr? Gut, damit kann ich leben. Bereitet Pläne vor, um die notwendigen Komponenten auswärts anfertigen zu lassen." Es folgt eine kurze Diskussion mit meinem gesamten Gefolge, wo wir das am besten machen. Damaris verfügt über Werften und Manufakturen in großem Ausmaß. Allerdings ist dort quasi inoffizielles offizielles Imperiales Hoheitsgebiet und ein Stützpunkt der Inquisition befindet sich angeblich dort. Ich will nicht gerade unter den Augen dieser gefürchteten Institution Komponenten einer Maschine herstellen lassen, die weiß Gottimperator alles bewirken kann. Es ist davon auszugehen, dass so seltsame Komponenten Aufmerksamkeit erregen könnten. Also fällt Damaris flach. Die Schrottwerften dürften wohl am ehesten in Frage kommen. Nun gut, werden wir die demnächst mal wieder aufsuchen müssen.

Ich habe auch die Sternenkarte von Novatis Rücken abzeichnen lassen. So wie es aussieht, ist diese Stück ein Ausschnitt vom Kessel. Wirklich zum Schatz dürfte man erst mit allen fünf Kartenstücken gelangen. Jedenfalls bin ich nun ein gutes Stück weiter. Ein wichtiges Teilziel ist erreicht und der Schatz des Sebastian Winterscale ist deutlich näher gerückt.

Was auch näher rückt, ist der erste Jahrestag meiner Thronbesteigung, wenn man das so nennen möchte. Noch vierzig Zeiteinheiten und es ist soweit. Natürlich muss das gefeiert werden. Meine Konkubinen sind schon ganz aus dem Häuschen deswegen, weil es einen kleinen Ball geben wird, wo sie die Gastgeberinnen sein werden. Zwar werden nur Gäste aus der Schiffsbesatzung anwesend sein, aber bisher gab es recht wenig Anlässe, wo meine beiden Mädchen ihr Talent für solche Dinge zeigen konnten. Ganz abgesehen davon, dass sie mal wieder rein gar nichts zum Anziehen haben. Zu meinem Glück gibt es auf der Route nach Anmut keinen Planet mit einem akzeptablen Schneider. Da wird es wohl oder übel ein schon getragenes Kleid sein müssen. Oder eines, dass sie unbedingt kaufen mussten, aber noch nie wirklich getragen haben. Wären meine ganzen Probleme doch alle nur so profan.
« Letzte Änderung: 26. Juli 2013, 09:58:40 von Nakago »

Nakago

  • Mitglied
Die Fahrten der Audacia
« Antwort #137 am: 26. Juli 2013, 09:58:56 »
Position:
Warpraum
Transfer nach Anmut
"Audacia"
Arbeitszimmer des Lord-Kapitäns
Zeit: 8 417 784.M41

Ein gutes Jahr bin ich nun offiziell Kapitän der "Audacia". Jedenfalls in meiner zweiten Amtszeit, da ich ja schon für eine halbe Sekunde das vorher schon einmal war, bevor mein böser Onkel mich sofort wieder absetzte, kaum dass er mir den Stab des Lord-Kapitäns überreicht hatte. Der Ball zum ersten Thronjubiläum war ein voller Erfolg. Meine beiden Mädchen haben fast all ihre Energie und Können darin gesteckt und mit den bescheidenen Mitteln, die wir hier an Bord haben, ein erinnerungswürdiges Fest organisiert. Allerdings war ich nicht nur auf diesem Ball, sondern habe auch verschiedene Festsäle der Besatzung besucht, die leer stehende Großraumkabinen in kleine Festbereiche verwandelt haben, wo es Sitzgelegenheiten, Musik und natürlich eine Bar mit freien Getränken gab, die nicht nur aus gepanschtem Fusel bestanden. Diese Feste wurden schichtweise in den jeweiligen Freischichten abgehalten, um allen Besatzungsmitgliedern die Möglichkeit zu geben, auf mein Wohl anzustoßen und sich reichlich Alkohol hinter die Binde zu kippen. Die Moral ist gut und ich wurde überall mit ehrlichem Jubel und Glückwünschen empfangen. Jedenfalls bilde ich mir ein, dass der Beifall ehrlich war.

Dieses Jahr ging schnell vorbei. Ich bin siegreich aus drei Raumschlachten hervor gegangen, habe eine Plattform geentert, zwei Planeten in Besitz genommen und einen überschrieben bekommen. Ich verfüge nun über drei weitere Schiffe, die Fregatten "Knochenschinder" und "Kalkuliertes Risiko", dazu noch der zum Forschungsschiff umgebaute Transporter "Offene Hand". Habe einige haarsträubende Abenteuer erlebt und gelernt, tritt auf keinen Stein, könnte ein obskures Psiphänomen drunter sein. Wenn jemals meine Memoiren veröffentlicht werden, dann wird das wohl das Leit(d)thema sein. Thronverdammt!

Und natürlich mein letzter großer Sieg über den Tempel des Chaos nicht zu vergessen. Was für eine aufregende Zeit. Ich bin noch etwas geschlaucht und habe ziemliche Kopfschmerzen von dem Kater, den ich mir durch die vielen Besuche bei den Feiernden eingefangen habe. Eines der vielen alkoholischen Getränke muss wohl verdorben gewesen sein. Missmutig schaue ich auf die aufgelaufenen Papierstapel auf meinem Arbeitstisch. Dabei hat Caine schon alles Unwichtige für mich im Vorfeld herausgefiltert. Während ich wie ein Häufchen Elend in meinem bequemen Sessel kauere, sieht Caine wie immer aus dem Ei gepellt aus. Wie macht mein treuer Mentor das nur? Wie auch immer, während ich mit meinen Beratern den Papierstapel kontinuierlich abtrage, platzt auf einmal der Vertreter der Familie Kett in mein Arbeitszimmer. Es ist selten, dass mich der Navigator aufsucht. Meist bin ich es, der Rat und Tat bei ihm sucht. Deswegen schaue ich ihn auch sehr überrascht und neugierig an.

Momentan bearbeiten wir gerade die Chancen und Möglichkeiten eines neuen Großprojektes, welches uns schon vor Maleziel zugesandt wurde, aber bisher eher unbeachtet geblieben ist, da es ja viel zu tun gab, wie Beute sichten, was können wir verkaufen und was übergeben wir den Behörden auf Damaris. Auch welche Freihändler reiten wir mit in den Untergang? Es gibt sechs Namen und jede Menge äußerst belastendes Beweismaterial. Ich entscheide, dass erst mal zurück zu halten, um es vielleicht später einmal als Erpressungsmittel einzusetzen. In diesem Fall sind mir potentielle Zwangsverbündete lieber als tote Konkurrenten.

Das nächste Großprojekt wäre es, eine Handelskarawane von Damaris zu der Feudalwelt Vaporius einzurichten. Die Besitzverhältnisse von Vaporius sind strittig, da die Dynastie des ursprünglichen Entdeckers erloschen ist. Dort sollen sich große Bodenschätze an Erzen befinden, welche die Manufakturen auf Damaris dringend brauchen. Damaris ist mit seinen vielen Manufakturen industriell ausgerichtet und die systemeigenen Minen neigen sich dem Ende zu. Die unter meiner Ägide geführte Flotte würde alles transportieren, um gewaltige Minenbagger und die notwendige Infrastruktur einer Minenkolonie zu errichten. Vaporius liegt in der Nähe von Karo Ass. Allerdings ist dort auch das Orkreich der Hunert Hunert Tsäne. Nun, lieber gegen Orks als gegen diese Chaosspinner. Orks beschwören jedenfalls keine Dämonen und ich habe gelernt, dass diese verdammten Kreaturen hinter dem Schleier mir sehr weh tun können. Ich habe den letzten Kampf gegen einer dieser Ebenholzgeister nicht vergessen. Und diese Dinger sollen angeblich die schwächsten ihrer Art sein. Und die Kämpfe auf der "Ruhigen Gezeiten" gegen das andere Dämonengezücht war auch nicht wirklich leicht. Ich hasse Dämonen! Ich hasse sie wirklich mit jeder Faser meines Körpers!

Wir sprechen die Chancen und Risiken des Projektes durch. Es wird Zeit dauern und wir müssten alle anderen Projekte hinten an stellen. Also den Bau der Antidämonenfeldmaschine, die Suche nach den Kristallen und die Suche nach den Schatzkarten. Unsere Barvorräte sind teilweise durch die letzten Reparatur und Umbaukosten bedenklich geschrumpft. Allerdings bersten unsere Laderäume von Schätzen, die wir hoffentlich auf Damaris in reines Vermögen umwandeln können. Aber bevor wir das Thema durch haben, platzt wie gesagt der Navigator Tybald Kett in die vertraute Runde. Was es wohl Wichtiges gibt?

Nakago

  • Mitglied
Die Fahrten der Audacia
« Antwort #138 am: 29. Juli 2013, 10:30:37 »
Position:
Warpraum
Transfer nach Anmut
"Audacia"
Arbeitszimmer des Lord-Kapitäns
Zeit: 8 417 784.M41

"Was kann ich für Euch tun, werter Meisternavigator Kett?", frage ich ihn leicht irritiert und überaus neugierig.
"Nun, Lord-Kapitän Conari, Bruder Obskurus bittet um eine Unterredung."
"Hä?", frage ich ihn total verblüfft, da Bruder Obskurus klinisch tot im Kryotank liegt. Ich habe ihn in die Astropathenkammer in seinem vertrauten Platz versenkt, da angeblich noch ganz leicht Hirnströme zu messen gewesen waren. Ich hatte ihn eigentlich schon als Totalverlust abgeschrieben. Zwei neue Astropathen stehen jedenfalls ganz oben auf meiner Einkaufsliste. Einer als Chorleiter, der andere entweder für mein Gefolge oder als Stellvertreter des Leiters.
"Ich kann Eure Überraschung verstehen, da es der Geist von Bruder Obskurus ist, der um eine Audienz bittet."
"Ist dafür eine Seance oder anderer Hokuspokus notwendig?"
"Nein, er steht neben mir." So was aber auch! Ich kann natürlich nichts sehen, aber Meisterin Puppila meint, dass sich ihr Nackenhärchen aufstellen. Nun gut, dann akzeptiere ich einfach mal, dass Bruder Obskurus noch lebt oder das eben seine Seele hier mitten im Raum steht. Normale Tote sollten ihre Seelen in die gütige Hand des Imperators geben und nicht auf meinem Schiff herumlaufen. Thronverdammt!

Es gibt einiges hin und her, bis ich in etwa herausbekomme, was abgelaufen ist. So wie es aussieht war Bruder Obskurus schon früher in der Lage, einen astrale Projektion durchzuführen, sich also einen eigenen Körper zu erschaffen und damit herum zu laufen. Sein jetziger Körper ist zwar zerstört, aber er könnte einen neuen basteln, um es mal salopp auszudrücken. Ohne fremde Hilfe bräuchte er dafür etwa 70 bis 80 Jahre. Oder er zapft die Energie des Kristalls an. Wir wissen ja, was es letztes Mal für eine Wechselwirkung gegeben hat, als er nur seine Kräfte in der Nähe des Kristalls benutzt hat. Ich bin deswegen von diesem Vorschlag überhaupt nicht angetan. So sehr ich Bruder Obskurus einen neuen Körper gönne, aber dies mit Hilfe dieses Dinges zu tun, erscheint mir äußerst fragwürdig. Wer weiß, wie lange das schon im Chaostempel herumgelegen hat und welche Art von Xenos diese Kristalle überhaupt erschaffen haben. Dieses Psiding als Batterie für eine Maschine zu verwenden, welche Dämonen abwehren kann, ist das eine. Etwas ganz anderes ist es, die Energie in einen Körper oder Seele fließen zu lassen. Sollten die Kristalle die Maschine korrumpieren, kriege ich die relativ einfach wieder los. Hoffe ich in der Theorie zumindest, da ich sie falls möglich in einem Außenbereich mit einer groß Schleuse platzieren werde. Und notfalls kann ich sie noch sprengen. OK, dass letztere kann ich auch mit Bruder Obskurus, so lange er noch im Tank ist. Aber wir sehen ja gerade, dass er auch so noch herum spuken kann.

Mein Astropath rückt nach und nach mit mehr Details heraus, um mich zu überzeugen. Und je mehr er sagt, desto mehr wird mir klar, wie wenig ich über den Astropathenchor an Bord meines Schiffes überhaupt weiß. Mir war bisher bekannt, dass es vier starke einzelne Psioniker im Chor gibt, welche die anderen Psioniker darin unterbuttern. Da wäre der "Riese", der schon unglaublich lange an Bord dieses Schiffes ist. Laut Aufzeichnungen schon über vierhundert Jahre und wohl von Piraten an Bord gebracht worden. Wer weiß, was für finstere Paktierer das gewesen sind. Der zweite ist der "Verwalter", er war wohl Aquinus Vorgänger und hat sich freiwillig einfrieren lassen, um den Chor besser kontrollieren zu können. Er ist ein ruhender Pol in der Kammer. Dann gibt es noch "den Jungen" und "die brennende Frau". Der "Junge" gilt als schwer zu kontrollieren und schlägt sich immer auf der Seite der "brennenden Frau". Über den Jungen ist rein gar nichts bekannt. Die "brennende Frau" stammt von einer Minenwelt und kam nach einem furchtbaren Unfall an Bord des Schiffes, wo 80% ihrer Haut verbrannt war. Immer wenn auf der "Audacia" Feuer ausbricht, manifestiert sie sich. Manchmal hilft sie Opfern, manchmal führt sie diese direkt in die Flammenhölle hinein. Geistig stabil kann man so ein Verhalten nun wahrlich nicht nennen. Das Ganze hatten wir ja schon mal durchgekaut, nachdem der arme Lux Aquinus von meiner Seelenhirtin Gryphonia ermordet worden war und der Chor in Aufregung war.

Nach und nach bekomme ich nun zu hören, dass der "Junge", die "brennende Frau" und der "Riese" ungehindert durch die "Audacia" schlendern können. Rein theoretisch ist die ganze Kammer hermetisch durch Sigel und Schutzvorrichtungen gegen solche Projektionen eigentlich abgeriegelt. Aber allein schon Bruder Obskurus erstes Auftauchen als Schneemann hätte mir zu denken geben sollen. Mir wird in dem Moment mit aller Deutlichkeit bewusst, was für ein fahrlässiger Narr ich bisher gewesen bin. Ich habe diese unglaublich gefährlichen Kreaturen in die Hände von Stümpern gegeben, anders kann ich das nicht nennen. Wenn ich daran denke, wie Lux Aquinus mir mit der angeblichen Gefährlichkeit von Josephina in den Ohren gelegen hat, während sein Chor praktisch tun und lassen konnte, was er wollte, wird mir regelrecht schlecht. Der einzige wirklich gute Rat den mir Bruder Obskurus je gegeben hat, war der, einen neuen kompetenten Chorleiter zu suchen. Thronverdammt!

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #139 am: 31. Juli 2013, 10:13:32 »
Position:
Warpraum
Transfer nach Anmut
"Audacia"
Arbeitszimmer des Lord-Kapitäns
Zeit: 8 417 784.M41

Weitere Details, die ans Tageslicht kommen sind die, dass zumindest die "brennende Frau" schon die Energie des Kristalls angezapft hat. Sie berichtete davon, dass sich dahinter ein großes Netz befindet und das dort eine unglaublich mächtige Wesenheit lauert. Ich kann mir grob vorstellen, um was für eine gar finstere Kreatur es sich handeln dürfte. Dieser Kristall ist mehr als nur eine Batterie oder Warpintercom. Das scheint ein Warpportal zu sein. Gar nicht auszudenken, damit herum zu spielen. Und als Sahnestückchen bekomme ich noch zuhören, dass sich um den Kristall herum schon Warpraubtiere versammelt haben. Damit scheinen sie das Gellerfeld umgehen zu können, aber sind nicht in der Lage, stoffliche Gestalt anzunehmen. Das wird echt immer besser.

Es gibt eine heftige Diskussion darüber, wie Bruder Obskurus darauf zugreifen könnte. Auf keinen Fall, so lange wir uns im Warp befinden. Auch kristallisiert sich heraus, dass wir den Kristall auf gar keinem Fall auf der "Dolch des Schicksals" oder auf Anmut verstecken sollten. Die Wechselwirkungen sind nicht absehbar. So langsam wird mir auch klar, warum die Forschungsstation voll korrumpierter Wesen war. Das lag einzig und allein am Kristall. Und ich frage mich auch, ob der Warpsturm damals den Kristall ausgelöst oder der Kristall den Warpsturm. Dieses Ding muss von Bord und zwar so schnell wie möglich. Ich setze mich mit Brücke und Navigatorturm augenblicklich in Verbindung und befehle Kursänderung auf das nächste unbewohnte System, das wir erreichen können. Dieses Ding muss von Bord, solange es wir nicht wirklich professionell sichern können. Nullfelder würden wohl auf alle Fälle helfen, auch das kommt auf meine Einkaufsliste.

Da mir die ganze Sache immer obskurer wird, verbiete ich Bruder Obskurus jedwedes Ritual mit dem Kristall, solange wir ihn nicht kontrollieren können. Da bekomme ich zu hören, dass es im Chor zu kämpfen kommen könnte, da der "Riese" immer dominanter wird. Obskurus hat wohl dem "Jungen" versprochen, ebenfalls auf den Kristall zuzugreifen, um Energie zu tanken. Ohne Ritual wäre das Gleichgewicht im Chor nicht mehr herzustellen. So langsam beginne ich ernsthaft die Existenz des Chores in Frage zu stellen. Caine fasst schließlich die Optionen zusammen.

Wir können das Problem einfach ignorieren und hoffen, dass alles so weiter läuft wie bisher. Ich schätze mal, die Schrotwerft bekommt wöchentlich Wracks von Leuten angespült, die genau so gedacht hatten. Bis  jetzt hat es geklappt, warum also reagieren?

Zweitens, wir lassen Bruder Obskurus das Ritual durchführen, Kett ist der Meinung, mit den eventuell auftretenden Nebenwirkungen fertig zu werden. Allerdings gibt er auf Nachfrage zu, so etwas noch nie gemacht zu haben. In der Vergangenheit hat man so was schon erfolgreich gemacht, aber wirklich Ahnung hat er offensichtlich auch nicht. Wenn es klappt, hat Bruder Obskurus einen neuen Körper und das Gleichgewicht im Chor ist wieder hergestellt. Außerdem könne der Chor nun offensiv als Waffe eingesetzt werden. Wobei diese Waffe wohl einem Schwert ohne Griff gleicht. Sollte es nicht so klappen, wie vorgesehen, werden unsere Überreste wahrscheinlich in so hundert bis tausend Jahren in der Schrotwerft angespült werden. Die Vorteile liegen auf der Hand, die Risiken ebenso.

Drittens, wir verschieben die ganze Sache, besorgen die notwendigen Schutzvorrichtungen und verstärken die psionischen Sigel um den Chor. Das wäre immer noch mit einem gewissen Restrisiko verbunden, aber kalkulierbarer als bisher. Allerdings würde so das Gleichgewicht im Chor nicht wieder hergestellt werden können.

Viertens, wir machen das Ritual in kontrollierter Umgebung außerhalb der Audacia, zum Beispiel auf der Oberfläche eines Asteroiden. Sollte es schief gehen, passiert nicht mehr, als dass ein paar Dämonen eine tote Welt invasionieren können. Natürlich würde das den Tod von Bruder Obskurus bedeuten, aber die "Audacia" wäre nicht in Gefahr.

Fünftens, wir trennen uns vom Chor. Er ist sicherlich praktisch, Botschaften werden schneller und umfangreicher verschickt und wir empfangen besser. Die Vorteile eines Chors liegen auf der Hand, aber erst so langsam wird mir bewusst, mit was für ein gefährliches Potential wir hier durch die Gegend fahren. Die "Audacia" gilt in der Weite als verflucht und als Geisterschiff. Und momentan wird mir klar, wer dafür verantwortlich ist. Klar, wenn der halbe Chor einfach so durch das Schiff wandern kann und sich teilweise auch noch materialisieren, dann ist klar, woher dieser Ruf kommt. Der Rote Knopf ist natürlich die letzte Option. Um mir endgültig die Laune zu verderben meint Navigator Primus Kett noch, dass eine Sprengung des Riesen ihn nicht unbedingt töten würde. Oder besser gesagt, dass ist die Meinung von Bruder Obskurus. Na prima, unkontrollierbare Psioniker an Bord der "Audacia"!

Nach kurzem Überlegen und Einholen aller Meinungen meines Gefolges treffe ich die Entscheidung, dass Ritual erst mal auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Ob ich den Chor auslagere und verkaufe, das wird sich noch zeigen. Momentan habe ich genug davon gehört. Enttäuscht und traurig zieht sich Bruder Obskurus zurück. Diese Entscheidung hat ihn sicherlich hart getroffen, aber ich muss auch an das Leben der Besatzung und an mein Schiff denken.

Nakago

  • Mitglied
Die Fahrten der Audacia
« Antwort #140 am: 02. August 2013, 11:07:27 »
Position:
Warpraum
Transfer nach Anmut
"Audacia"
Brücke
Zeit: 8 421 784.M41

"Noch zwei Minuten bis zum Wiedereintritt!", schallt Extons Stimme durch die Brücke. Sein herausgerissenes Auge ist inzwischen ersetzt worden, aber sein Armstumpf verkündet von den schweren Folterungen, die er hat ertragen müssen. Vor mehreren Stunden haben wir das "System der toten Monde" verlassen, wo wir den verfluchen Kristall vergraben haben. Der nächste Austritt dient zur neuen Kursberechnung, Damaris ist nur noch wenige Flugstunden entfernt. Wir folgen einem Hymnensignal einer Warpboje, die einen sicheren Austrittspunkt markiert. Die letzten Meldungen gehen ein und verkünden volle Gefechtsbereitschaft. Inzwischen bin ich so vorsichtig geworden, dass ich immer bei jedem Austritt das Schlimmste erwarte. Das Anspringen der Warpgeneratoren ist zu hören, dann fallen wir zurück in den Realraum.

"Kollisionsalarm!", brüllt Meisterin Puppila von ihrem Pilotenstand heraus. Und schon kracht es vernehmlich. Thronverdammt! Laut Boje sollte der Raum frei von Trümmern sein! Die Schäden zieh ich aber von der Maut ab, da können sich die Besitzer dieser Route aber mal auf einen Besuch von mir freuen. Weitere Asteroiden krachen herein. Die "Audacia" dröhnt wie ein Gong. Wäre ich nicht angeschnallt, die Wucht hätte mich wahrscheinlich aus dem Thron geschleudert. Da geht einiges zu Bruch und ein gutes Dutzend Warnicons beginnen hektisch in Rot zu flackern. Das hat deutlich weh getan und viele meiner Besatzungsmitglieder werden durch herumfliegende Trümmerstücke oder ungesicherte Sachen erschlagen. Oder sie stürzen einfach unglücklich. Auch viele Maschinengeister sind offensichtlich verschreckt worden.

"Wir sind in einem Asteroidenfeld gelandet, Lord-Kapitän Conari!", meldet mir die Augurenabteilung.
"Ach ne? Wäre ich gar nicht darauf gekommen", gebe ich säuerlich zurück. Die Panzerschotts der Fensterbrücke fahren hoch und wir sind optisch mit bloßem Auge sichtbar in einem Feld voller riesiger Felsbrocken heraus gekommen. Wo zum Teufel kommen die nur wieder ausgerechnet hier her?

"Drei Schiffe der Barrakutta Klasse geortet!", melden nun die Auguren und in einer Holoanzeige baut sich ein taktischer Bildschirm auf. Drei rote Punkte befinden sich vor uns aufgereiht. Offensichtlich haben wohl Orks dieses Feld angelegt und warten nun auf leichte Beute. Blöd für sie, dass die "Audacia" ihnen in die Falle getappt ist. Daran werden sie sich verschlucken. Und wieder einmal bewahrheitet sich die Imperiale Weisheit, "Das Xenos musst du töten!"

"Meisterin Puppila! Aus dem Feld heraus, eindrehen, Feuer konzentrieren auf den mittleren Barrakutta. Vernichtet zu werden, dass ist das Schicksal des Xenos!", befehle ich. Sirenen hallen nun durch das Schiff. "Achtung, das ist keine Übung! Wir sind im Gefecht mit Orks. Bereitmachen, um Entermanöver abzuwehren!", befehle ich über das Interkom an alle Stationen. Vor lauter Aufregung habe ich vergessen, den Maschinengeist mit einer Litanei zu versöhnen. Hoffentlich quittiert der Maschinengeist jetzt nicht den Dienst, weil er deswegen eingeschnappt ist. Offensichtlich ist das nicht der Fall und ich bekomme positive Rückmeldungen. Die meisten Orks versuchen einen zu Entern. Diese zähen Xenos können mehrere Minuten ohne richtige Schutzausrüstung in der Leere überleben und sind deswegen Meister im Entern. Und Orkskriegsschiffe haben immer eine viel zu große Besatzung. Sollte eines dieser fregattengroßen Schiffe uns entern, haben wir mit einer gewaltigen Übermacht zu rechnen. Meisterin Puppila treibt die "Audacia" aus dem Feld, ohne dass wir weitere Kollisionen zu verzeichnen hätten.

"Gut gemacht! Feuer frei!", lobe ich die geschickte Pilotin und gebe der Feuerleitstelle das Feuer frei. Die Makrokanonen und die Lanze feuern. Die Makrokanone trifft noch recht gut, die Lanze geht aber knapp vorbei. Trotzdem sind Schäden am feindlichen Schiff zu sehen. Allerdings sind diese Schiffe eher darauf ausgelegt, einen in Stücke zu schießen oder viele Truppen zu transportieren. Panzerung ist in diesem Konzept nur bedingt wichtig. Der links von uns befindliche Barrakutta eröffnet das Feuer und nimmt schnelle Fahrt auf. Orks sind bekanntlich schlechte Schützen und sie verfehlen uns weit. Der mittlere nimmt volle Fahrt auf, saust aber knapp an uns vorbei und das Entermanöver verpufft ins Leere. Der linke, Barrakutta 3, eröffnet das Feuer und seine Salven liegen gut. Wahrscheinlich hat der Boss dort seine Leute oft genug in den Hintern getreten, dass sie treffen gelernt haben. Mehrere Einschläge erschüttern mein Schiff. Weitere Schadensmeldungen trudeln ein und die Schadenskontrolle hat alle Hände voll zu tun. Kritische Systemausfälle haben wir nicht, auch die Verluste an Menschenleben halten sich in Grenzen. Trotzdem ist drei gegen eins kein gutes Verhältnis. Thronverdammt!

Wir brechen nach links aus und feuern auf Barrakutta 3, da die wie gerade bewiesen, gut schießen können. Unsere Salven richten leider keinen wirklich intensiven Schaden an. Der mittlere Barrakutta 2, der uns zu entern versucht hat, rast in sein eigenes Trümmerfeld und nimmt dabei große Schäden in Kauf. Ich schätze mal, das war so nicht geplant und wahrscheinlich übernimmt jetzt ein anderer Ork den Platz des bisherigen Piloten. Barrakutta 1 fliegt weiter auf Kurs und feuert, treffen aber wieder nicht. Auch sie rauschen in das Asteroidenfeld.

"Volle Energie!", befehle ich und wir rasen scheinbar aus dem Gefecht davon, um die feindliche Flotte zu separieren. Aus drei gegen eins mache ich nun ein eins gegen eins, was ich als deutlich fairer empfinde. Barrakutta 3 bleibt uns an den Fersen und wir müssen eine Reihe weiterer Treffer einstecken, die aber nur oberflächlichen Schaden verursachen. Während Barrakutta eins und zwei vorsichtig aus ihrer eigenen Falle manövrieren, lasse ich Barrakutta 3 aus nächster Distanz unter Feuer nehmen. Wir erzielen eine ganze Reihe von Wirkungstreffen und das krude Orkraumschiff zerbricht in tausend Trümmerstücke, die durch das All trudeln.

"Erster Abschuss!", brülle ich begeistert durch das Interkom. Das plötzliche Beschleunigen und Abbremsen hat die Orks offensichtlich total überfordert. Die beiden verbliebenen Raumschiffe sind inzwischen beschädigt aus dem Trümmerfeld entkommen. Moral der Geschicht, schleppe keine Asteroiden zu einem Haufen, krachst am Ende doch nur selbst hinein. OK, reimt sich nicht. Egal, die beiden orkischen Äquivalente zu imperialen Fregatten schließen schnell auf. Der Kampf ist noch nicht vorbei. Möge der Imperator uns beschützen und sein Auge wohlwollend auf uns ruhen, denn wir vollbringen weiter sein heiliges Werk. Das Xenos sollst du töten!

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #141 am: 05. August 2013, 10:26:56 »
Position:
Kessel
Transfer nach Damaris
"Audacia"
Brücke
Zeit: 8 421 784.M41

"Konzentriert das Feuer auf Barrakutta 2!", befehle ich. "Lanzenschlag 20 Sekunden!" Die Audacia dreht auf den Verfolger ein, der mit Höchstgeschwindigkeit auf uns zuschießt. Diese kruden Schiffe sind recht schnell für ihre Größe. Ihre Triebwerke sind auch zum Rest des Rumpfes deutlich überdimensioniert. Und ich will nicht warten, dass sie uns rammen und eine Ladung Orks abladen. Die können verdammt hart zuschlagen, wie ich noch aus dem Gefecht auf der "Dolch des Schicksals" weiß. Diese Xenos sind verdammt zäh und schwer wieder loszuwerden. Die Temperatur auf der Brücke ist deutlich angestiegen und es wird noch heißer, als die Breitseite und die Lanze feuern. Beides trifft ziemlich gut und die Orkfregatte wird der Länge nach gespalten. Zwei große Trümmersegmente trudeln durch die Weite.

"Das zweite Orkschiff ist zerstört. Nur noch ein Barrakutta übrig!", gebe ich aufgeregt über Interkom durch. "Volle Kraft voraus!" Die Audacia nimmt wieder gemächlich Fahrt auf, nachdem wir vorher stark nach dem Beschleunigungsmanöver abgebremst haben. Damit verwirren wir die Orkbesatzungen an den riesigen Geschützen zur Gänze. Ohne aus den Fehlern ihrer Kameraden zu lernen, kommt nun Barrakutta 1 sehr schnell näher. Mut haben sie, das muss man diesen Xenos lassen. Bei Orks weiß man wenigstens immer, wo man dran ist. Die wollen immer nur kämpfen. Ich lasse das Feuer eröffnen, aber die Wirkungstreffer bleiben diesmal aus. Die Lanze trifft zwar, prallt aber Schutzschirm ab. Das war wohl nix. Thronverdammt.

Die Orkfregatte feuert aus allen Rohren und Gottimperator weiß, die haben garantiert keine Unterbewaffnung. Unsere Schilde brechen unter dem massiven Ansturm von Geschossen zusammen, aber die Panzerung bewahrt uns vor dem Schlimmsten. Auch die neuen doppelt gestaffelten Schutzfelder haben sich schon rentiert. Ohne hätten wir viele weitere Treffer einstecken müssen. Es knallt ganz schön, aber wirklich Schlimmes passiert diesmal nichts. Imperator sei Dank! Oder in dem Fall eher, Omnissiah sei Dank.

"Beidrehen und Überflügeln!", befehle ich und die "Audacia" wird von Meisterin Puppila schwerfällig in eine Kehre gezwungen. Es knirscht bedenklich, während wir weiter Fahrt aufnehmen. Das alte Mädchen ist eben kein Rennpferd sondern eher ein behäbiger Ackergaul. "Makrokanonen Feuer frei! Lanzenschlag 25 Sekunden!", befehle ich und der Waffenmeister zeigt sein ganzes Können. Die Strahlen der Makrokanone fetzen das Schild auseinander, die Lanze zerteilt den Barrakutta Mitschiffs in zwei Teile.

"Der letzte Barrakutta ist zerstört! Der Blick des Imperators hat auf uns wohlwollend geruht. Gut gemacht!", gebe ich kurz durch und studiere nun die umfassenden Schadensmeldungen eingehender. Wir haben wieder mal einiges abbekommen. Zum Glück scheint alles mit Bordmitteln reparierbar zu sein. Die Besatzung ist weiterhin guter Dinge und die Verluste halten sich im Verhältnis zu den Schäden in enge Grenzen. Wir hatten wahrlich den Imperator auf unserer Seite. Ich lasse die Wracks als mein Eigentum markieren.

"Meisterin Puppila, traut ihr Euch zu, die Boje aus dem Trümmerfeld zu schleppen?" Die Meisterin der Leere hat genug Selbstvertrauen, um sofort die Sache mit Bravour zu lösen. Fliegen kann sie, die Althea. Nachdem die Verwundeten versorgt und die Dichtigkeit des Rumpfes wieder halbwegs hergestellt ist, lasse ich die "Audacia" nach Damaris springen. Dieser Abschnitt dauert nur knapp über vier Stunden. Die Zeit verbringe ich damit, die Schäden in Augenschein zu nehmen und einige Verwundete auf der Hospitalebene zu besuchen.

Schließlich liegt das System Damaris vor uns. Dominiert wird das System vom Gasriesen Skadi, der von einem gewaltigen Asteroidenfeld aus Eis umgeben ist. Die Passage ist so schwer, dass es noch keiner geschafft hat, auf den Monden des Gasriesen zu landen. Damaris selbst hat hauptsächlich Landmasse und nur kleine Ozeane. Damaris ist der wohl am meisten entwickelte Planet in der Weite und hat einen halboffiziellen Status als Imperiale Welt, da sie keinem Sektor angehört. Sie zahlen Steuern an das Imperium und die Flotte hat eine Basis im Orbit. Der kleine Mond ist ausgehöhlt und beherbergt riesige Werften und einen imperialen Flottenstützpunkt. Ebenso hat die hiesige Systemflotte hier ihr Hauptquartier. 

Wir geben uns auf allen Kanälen zu erkennen und werden sofort von einem Haufen Anfragen überrollt. So wie es aussieht, scheint man als Freihändler hier willkommen zu sein. Ich bekomme auch eine Einladung zu einem Treffen mit dem Gouverneur zugestellt. Da es sich um eine Welt mit drei Milliarden Einwohner handelt, ist das schon was. Da haben meine beiden Mädchen mal wieder Gelegenheit, ihre teure Garderobe spazieren zu führen. Aber wahrscheinlich muss ich mir vorher wieder anhören, dass sie ja rein gar nichts zum Anziehen haben. Wobei ich nicht sicher bin, ob ich Josephina überhaupt auf die Oberfläche lassen will, immerhin hat sie da ein ganz kleines Problem mit ihrer psionischen Fähigkeit. Imperiale Behörden verstehen da keinen Spaß. Mal sehen, wie sich die Geschäfte auf Damaris entwickeln werden.

Gespielt am 19.01.2013
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 3
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 3
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 3
EP: 250
Besiegte Gegner:
3 Barrakutta
Beute:
3 markierte Wracks

Gedanke des Tages
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Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #142 am: 07. August 2013, 11:07:17 »
Persona Dramatis
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Kapitel 23
Etwas ist Faul im Staate Damaris!
Position:
Kessel
System Damaris
Orbit über Damaris
"Audacia"
Brücke
Zeit: 2 428 784.M41

Langsam kommt Damaris näher und wir schwenken in den stationären hohen Orbit über Damaris ein. Nur die Äquatorregion dieser Welt ist dicht besiedelt. Nord und Südpol sind von gewaltigen Eiskappen bedeckt, deren gigantische Gletscher sich weit nach Süden oder Norden erstrecken. Die kleine blaue Sonne hat nicht genug Leuchtkraft, um den Planeten in dieser Distanz schön warm zu halten. Drei Milliarden Einwohner hat diese Welt. Für eine imperiale sehr wenig, für die Weite wiederrum sehr viel. Hier haben große Manufakturen und Kartelle ihren Sitz. Hier pulsiert das wirtschaftliche und industrielle Herz der Koronus Weite. Der einzige Mond hat den passenden Namen "Bollwerk", denn er ist zu einem Flottenstützpunkt und Werftkomplex ausgebaut worden. Raumschiffe werden hier gebaut, aber ohne Warpantrieb. Also nur Schiffe für den planetaren Raum. Die drei inneren Planeten des Systems sind Minenwelten, welche die Manufakturen auf Damaris versorgen. Angeblich sollen die Minen ja so langsam versiegen, was bei gerade mal sechs Jahrhunderten Ausbeutung eigentlich nicht sein kann.

Von einer Freihändlerfregatte mit dem Namen "Sternenweber" bekomme ich freundliche Grüße von der dortigen Lord-Kapitän Elisabeth Orleans übermittelt. Die Orleans sind eine uralte Freihändlerdynastie und schon weit herumgekommen. Die "Sternenweber" ist mit Lanzen bewaffnet. Für so ein kleines Schiff eine beachtliche Bewaffnung. Drei Zerstörer liegen beim Bollwerk, ebenso ein leichter Kreuzer mit dem Namen "Aegis". Die drei Zerstörer werden recht bald als jene identifiziert, die wir über Anmut getroffen haben. Dann müsste der kleine Stinkstiefel Covalek auch nicht weit sein. Thronverdammt!

Ich lasse nichts anbrennen und sammle meine Führungscrew ein. Mit einem Aquila Lander fliegen wir zur Planetenoberfläche. Wir kommen in ziemlich starke Turbolenzen, aber Meisterin Puppila bringt uns sicher auf den Boden des Raumhafens. Mächtige Bastionen umgeben das Landefeld. Damaris selbst ragt in wenigen Kilometer Entfernung auf. Die kleine Makropole hat etwa eine Milliarde Einwohner, damit lebt ein Drittel der Gesamtbevölkerung von Damaris in dieser Stadt. Die ganze Stadt ist von einem fünfunddreißig Meter hohen Wall umgeben, aus dem in regelmäßigen Abständen massive Bastionen herausragen. Fast alle imperialen Städte in gefährdeten Regionen sind mit massiven Verteidigungsanlagen umgeben. Ein kleiner Konvoi rollt heran. Angeführt wird er von einer langgezogenen Limousine, die schwer gepanzert aussieht. Zwei geländegängige Zweiachser mit schweren Maschinengewehren auf einer Säulenlafette dienen mit je vier Mann Besatzung als Begleitschutz. Die Soldaten tragen Armaplastrüstungen mit den Insignien der Palastgarde des hiesigen Gouverneurs. Sie haben Lasergewehre als Hauptbewaffnung. Ein Diener steigt aus und hilft einem kleinen runden Mann aus der Limousine. Der stellt sich als offizieller Abgesandter des Gouverneurs Kupak vor. Der Blonde selbst heißt Adjutant Jotan Alexander und macht einen äußerst dienstbeflissenen Eindruck, als er mich mit äußerst blumigen Worten herzlich auf Damaris willkommen heißt. Ich bin etwas irritiert, dass ich sogleich abgeholt werde, lasse aber das ganze Prozedere mit einem Lächeln über mich ergehen.

Wir steigen schließlich in die luxuriös ausgestattete Limousine ein und die Fahrt geht sogleich los. Über das recht karge Landefeld geht es an einem Terminal und einer Bastion vorbei auf eine vierspurige Straße. Hier hat man recht groß gebaut, denn es gibt kaum anderen Verkehr auf dieser Route. Alle anderen Fahrzeuge fahren sofort an den Straßenrand, als der Konvoi sie passiert. Jeden Kilometer ragt eine Statue eines verdienten Würdenträgers in den Himmel. Die Makropole mit der Mauer kommt schnell näher. Alles sieht recht gut in Schuss aus. Wir durchfahren einen gigantisches Torhaus und passieren zwei Leman Russ, die hinter Sandsackbarrieren Stellung bezogen haben. Man könnte meinen, hier wird Ärger erwartet. Links und rechts ragen Habs hoch, hier und da ist ein Comerciagebäude oder eine Manufakturanlage zu sehen, deren Schlote Abgase in die Atmosphäre blasen. Wir kommen an einen Kreisverkehr, in dessen Mitte ein Elektogalgen steht, an dem sechs Leichen im Wind baumeln. Die Fahrt geht weiter und wir erreichen den zentralen Platz, der von einem Kreisverkehr umrundet wird. In der Mitte steht eine gewaltige Statue des Kardinals Kregory Hestor von den Drususmarken. So wie es aussieht, hat der Kardinal die Welt Damaris vor knapp dreißig Jahren mit seiner Anwesenheit beehrt. Die Statue ist wirklich gigantisch und unterstreicht, wer hier wohl das Sagen hat, wohl das Adeptus Ministorum. Aufgrund dieser Tatsache, wird wohl meine kleine Josephina wirklich auf dem Schiff bleiben müssen. Nicht auszudenken, wenn sie irgendein fanatischer Hexenjäger in seine Finger bekommt.

Während der Fahrt bekommen wir einen geschönten Abriss über die Geschichte von Damaris. Diese Welt wurde als eine der ersten in der Weite kolonisiert. Hier befinden sich Produktionsstätten für die Herstellung von Systemraumschiffen, da die Welt leider keine Schablonen für einen Warpantrieb zur Verfügung hat. Der Großvater des amtierenden Gouverneurs war sehr imperiumsfreundlich eingestellt und seinem Sohn gelang es schließlich, einen semioffiziellen Status zu erringen. Sprich, sie zahlen den Zehnt an Steuern, Soldaten und führen ihre Psioniker auf die Schwarzen Schiffe ab. Die Imperiale Flotte hat im Orbit einen Stützpunkt errichtet und das Adeptus Ministorum hat hier ihr Hauptquartier für die Koronus Weite, wo die Missionen der Missionare koordiniert werden.

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #143 am: 09. August 2013, 09:42:47 »
Position:
Kessel
System Damaris
Damaris
Stadt Damaris
Regierungsviertel
Zeit: 2 428 784.M41

Schließlich landen wir im Regierungsviertel und dann erreichen wir den Palast des Gouverneurs, der eher wie eine Festung als wie ein Schloss wirkt. Auf der Fahrt spreche ich mit Jotan Alexander über gewisse Dinge, die mir hier aufgefallen sind, wie die zwei Begleitfahrzeuge, die Leman Russ hinter Sandsäcken und ein zur Festung ausgebauter Palast.

"Nun ja, in den letzten Wochen und Monaten gab es ein paar kleine Unstimmigkeiten mit Mutanten in der Bevölkerung."
"Mutanten?"
"Ja, durch die Nähe des Kessels ist die Mutationsrate etwas höher als die Imperiale Norm es vorsieht."
"Aha? Gab es einen Aufstand?"
"Nun ja, so was in der Art. Unser Gouverneur Belkan Kupak ist erst seit einigen Monaten an der Macht und sein Bruder, der Gottimperator möge seine Seele gnädig aufgenommen haben, hat es etwas mit den Imperialen Reinheitsgeboten, was Genetik anbelangt, nicht so ernst genommen. Deswegen musste Gouverneur Kupak ein paar nicht so populäre Dekrete erlassen, was bei der Mutantenbevölkerung leider auf keinerlei Verständnis gestoßen ist."
"Tja, Undank ist der Herrscher Lohn. Ist der Aufstand noch aktuell?"
"Nein, wir haben entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen und uns der Dienste einiger williger Freihändler versichert, die das Problem ein für allemal gelöst haben." Für einen kurzen Moment frage ich mich, wie Freihändler bei einem solchen Konflikt sinnvoll eingreifen können. Eigentlich nur mit Makrokanonensalven und Lanzenschlägen aus dem Orbit. Und in der Tat wurde das so gehandhabt. Holla! Da geht aber jemand rabiat vor.

Wir fahren in eine Tiefgarage und bekommen mitgeteilt, dass der Gouverneur sich gerade zur Askese zurückgezogen hat, um den Imperator mit einem dreitägigen Fasten für den Sieg zu danken. Solch eifrige Herrscher sind selten und mir wird immer mehr bewusst, dass die Kirche hier mehr als nur einen Stein im Brett hat. Ich erfahrene noch, dass ein Ball morgen zu Ehren des Generals Dante stattfindet, wo er den höchsten Orden von Damaris, den "Blauen Stern", verliehen bekommen wird. Offenbar waren wohl mehr als nur ein paar Makrokanonensalven notwendig, um den Aufstand in der Provinz "Pariah" zu befrieden.

Wir werden von der sehr jungen Frau des Gouverneurs in Empfang genommen, die sich in ihrer Rolle nicht besonders wohl zu fühlen scheint. Ich schätze Urdi Kupak vom Alter her als jünger als meine Konkubinen ein und wahrscheinlich entspricht ihr Aussehen auch ihrem wahren Alter. Wir halten etwas unverbindlichen Smalltalk und bekommen ein kleines Menü serviert. Die Blondine ist sichtlich erleichtert, als sie uns wieder los wird. Schließlich bin ich nicht hier, um Suppe zu schnorren, sondern um gewisse Personen so schnell wie möglich los zu werden. Also lasse ich mich zur Kathedrale fahren, wo auch der Bischof seinen Amtssitz hat. Wieder fahren wir im Konvoi durch die Stadt. Vor der Kathedrale hat sich eine Menschenmenge zusammengerottet. Im Zentrum steht ein Gitterwürfel, in dem ein Gestänge aus vier Säulen sich befindet. Davor steht auf einem Podest ein Prediger mit einem Megaphon und scheint der Menge eine wütende Predigt zu halten. Noch während der Predigt werden sechs Männer an dem Gestänge hochgezogen. Darunter muss sich ein Verlies mit der entsprechenden Technik befinden. Die Menge brüllt wütend auf und beginnt spitze Gegenstände nach den nur mit einem blutgetränkten Lendenschurz bekleideten Männern zu bewerfen. Diese armen Teufel sind gefoltert worden. Übereinander hängen sie nun in diesem Metallbaum, dann schießen Flammen aus den Säulen und hüllen sie ein. Da die Flammen recht rot sind, ist das Feuer wohl nicht besonders heiß. Sie leben noch, während sie am lebendigen Leib verbrennen. Schließlich schießt eine Feuersäule aus reinem Licht aus dem Boden und verbrennt die armen Schweine innerhalb von zwei Sekunden komplett zu Asche.

"Was haben diese Kreaturen getan? Sie sahen nicht mutiert aus?", wage ich zu fragen, während wir in gedrückter Stimmung zum Parkplatz fahren.
"Das waren Arbeitsverweigerer, die die Weisheit unseres Gouverneurs und der Kirche zum Thema Mutanten einfach nicht einsehen wollten. Sie haben für ihre Verstocktheit nun ihren gerechten Lohn dafür erhalten. Ihre Körper wurden im reinigenden Feuer geläutert. Über ihre Seelen richtet nun der Imperator." Irgendwie gefällt mir diese Welt immer weniger. Natürlich muss man manchmal hart durchgreifen, aber wenn man schon zu solchen Maßnahmen greifen muss, um Arbeiter an ihre Pflichten zu erinnern, ist irgendetwas schon im Vorfeld ganz entschieden schief gelaufen.

Wir steigen beim abgesperrten Parkplatz aus und werden von zwei berobten Akolythen in die Kathedrale geführt. Momentan sind wir die einzigen Gäste in diesem gigantischen Gebäude. In Tarsus steht die Kathedrale des Lichts, was das größte und wichtigste Gotteshaus im Calixis Sektor ist. Diese hier würde bequem als Schrein darin Platz haben. Trotzdem ist sie immer noch gigantisch und auch äußerst eindrucksvoll. Die Glasfenster zeigen das Leben des heiligen Drusus. Der gute Mann hat vor eineinhalbtausend Jahren gelebt und seine angeblichen Abenteuer füllen ganze Bibliotheken. Aber es gibt einige Fakten, die unumstößlich sind. Er war Mitglied des Angevinischen Kreuzzuges und hat ihn als Führer beendet. Eines der Bilder zeigt den brennenden Heimatplaneten der Yu´vath, was die letzte Schlacht des Kreuzzuges markiert. Ein weiterer Fakt ist, er wurde von einem oder mehreren Assassinen getötet, wer und wie viele ist in jeder Geschichte anders, aber Drusus steht nach seinem Tod sofort wieder lebendig auf und die Assassinen sterben spektakulär. Deswegen gibt es zwei heilige Todestage des Drusus, die feierlich begangen werden. Seinen ersten und seinen letzten. Viele Gesetze des Calixissektors tragen noch seine Unterschrift. Auch der Freihändlerbrief meiner Familie trägt seine Unterschrift und sein Siegel.

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #144 am: 12. August 2013, 11:33:18 »
Position:
Kessel
System Damaris
Damaris
Stadt Damaris
Kathedrale
Zeit: 2 428 784.M41

Aber letztendlich bin ich nicht hier, um über die Handwerkskunst und Kunstfertigkeit der damarischen Künstler zu philosophieren, sondern um handfeste Geschäfte zu tätigen. Nur ich werde zum Bischof Mikael Arendt vorgelassen, der in einer abgesperrten Seitenkapelle betet. Ich schärfe meinem Gefolge noch ein, keine dummen Witze über die Bilder zu machen, da die Navigatorin schon ein paar flapsige Bemerkungen in der Richtung gemacht hat. Ich werde in die prächtig ausstaffierte Kapelle geführt, die überladen ist von Heiligenstatuen aus erlesensten Materialien. Einige kenne ich ziemlich gut, von anderen glaube ich schon mal irgendwo gehört zu  haben, während das Gro mir gänzlich unbekannt ist. Die meisten Heiligen hatten oft ein sehr grausames Ende und teilweise sind die Bildnisse recht drastisch geraten. Einer trägt sogar seine eigene abgezogene Haut wie einen zusammengelegter Mantel über den Arm.

Der Bischof ist ein dürrer Mann mit Glatze, der etwa einen Kopf kleiner als ich ist. Da er noch im Gebet vertieft ist, sinke ich ebenfalls auf die Knie und fange an zu beten. Ich danke dem Gottimperator für seine Güte und dass er mir auf Maleziel beigestanden ist. Ich bin geistig und körperlich gesund wieder zurück gekehrt und das können die wenigsten aus meinem Gefolge von sich behaupten. Deswegen senke ich demütig mein Haupt und spreche den Gottimperator für seine unendliche Geduld und Gnade meinen tief empfundenen Dank aus. Schließlich reißt der Bischof mich aus meinem innigen Gebet.

Zuerst muss ich mir die übliche Leier über meinen Onkel anhören. Er scheint es tatsächlich geschafft zu haben, es sich wirklich mit jeder Institution und Macht in der Weite zu verscherzen. Aber ich bin ja nicht mein Onkel. Natürlich muss ich wieder bissige Bemerkungen über den Ruf meiner "Audacia" über mich ergehen lassen. Der Ruf des Schiffes ist wahrlich nicht der Beste und wahrscheinlich ist der dreimal verflixte Astropathenchor damit in Verbindung zu bringen. Am liebsten würde ich die verdammte Kammer heraus reißen und eine Kapelle einbauen. Dummerweise würden dann wahrscheinlich Kleriker der Ministorums dort ihren Dienst tun. Und solche Spione kann ich wahrlich nicht gebrauchen. Wahrscheinlich hat die Kirche sowieso Informanten in meine Crew eingeschleust, aber Kleriker haben die Tendenz, sich in die inneren Angelegenheiten eines Schiffes einzumischen. Und ich will  nicht eine unkontrollierte Macht gegen eine andere austauschen. Die Geister, die ich rief und nicht mehr loswurde. Diese Parabel hat Caine in vielen Geschichten versteckt, die er mir erzählt hat, als ich noch ein kleiner Junge war. Und darin liegt viel Weisheit. Innerlich habe ich mich eigentlich schon vom Chor verabschiedet. Das Ganze ist mir inzwischen zu unheimlich, eine latente Gefahr. Aber das Entfernen der Kammer könnte vielleicht die Art Katastrophe herauf beschwören, vor der ich die "Audacia" eigentlich bewahren will. Wie auch immer, ich habe diese dämlichen Anspielungen inzwischen einfach über. Also lenke ich das Gespräch in profitablere Bahnen und komme auf mein eigentliches Anliegen zu sprechen.

"Ich habe den Ketzer Reißer von Maleziel nach Damaris überführt. Und auf Maleziel tat sich der Abgrund auf!" Bischof Arendt unterbricht mich und führt mich in eine Nebenkammer, wo eine Sororitas in Zivil wartet. Nicht alle Schwestern rennen schwer gerüstet mit Boltern, Meltern oder Flammenwerfern herum. Es ist eher so, dass die meisten Schwestern einem höchst zivilen Beruf nachgehen. Die Schwester hört auf den Namen Principales Litea Gilgeas vom Ordo Famulus. Dieser Orden ist dafür bekannt, dass er Adelsregister führt und darauf achtet, dass Blutlinien sich nicht zu oft kreuzen und Inzucht erzeugen. Der Ordo Famulus stellt überall im Imperium Beraterinnen und Kämmerinnen für Adelshäuser zur Verfügung. Allerdings misstraut meine Familie traditionsgemäß dem Adeptus Ministorum und allem was dazu gehört. Die Schwester trägt zivile Kleidung, allerdings ist überall das "Fluor-de-Lys" zu sehen. Ihre Frisur ist der mit den kämpfenden Schwester identisch, also vergleichsweise kurze Haare zu einem Bubikopf frisiert. Sie scheint noch recht jung zu sein, kann mich aber auch täuschen.

Ich berichte in einer geschönten Geschichte über die Ereignisse auf der Gefängniswelt Maleziel, lasse aber alle persönlichen Implikationen außen vor. Niemand braucht von Lady Anagai und ihren Spielchen zu erfahren. Letztendlich schildere ich nur die Kämpfe wirklich detailliert und wie es mir schließlich gelang, den Hohepriester zu töten. Und dann natürlich, wie die Vorstandschaft den Tempel des Erzfeindes nicht nur geduldet, sondern mit ich auch konspiriert hat. Der Bischof hört sehr interessiert zu, seine Gehilfin Litea ebenfalls. Ab und zu muss ich ein paar Fragen beantworten, die ich, soweit ich kann, wahrheitsgemäß beantworte. Hier und da bleibe ich bewusst undeutlich. Jedenfalls ist die Katze jetzt aus dem Sack und es gibt kein Zurück mehr. Ich hoffe nur, dass ich das Richtige getan habe. Aber letztendlich hatte ich keine wirkliche Alternative, schließlich sieht der Imperator alles und ich konnte diese Abscheulichkeit auf Maleziel nicht dulden. Dem musste ein Ende bereitet werden, auch wenn es vielleicht mich noch etwas kostet. Männer oder vielleicht auch mein eigenes Leben. Wer zu lange dem Erzfeind ausgesetzt war, wird entweder zu einem wahren Streiter des einzigen Gottes im Universums oder er fällt den Götzen anheim. Ich hoffe  nur, dass der Bischof mich nicht als zu leicht einstuft.

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #145 am: 14. August 2013, 11:08:25 »
Position:
Kessel
System Damaris
Damaris
Stadt Damaris
Kathedrale
Zeit: 2 428 784.M41

Nach dem Verhör, ein wirkliches nettes Gespräch kann man das gerade nicht mehr nennen, lasse ich alles Notwendige in die Wege leiten, dass der Reißer der Ekklesiarchie übergeben und das Kopfgeld auf meine Konten überwiesen wird. Ein erkleckliches Sümmchen, was da zusammen kommt. Ich verabschiede mich vom Bischof Arendt erst einmal in Freundschaft. Ich hoffe, dass dies auch so bleibt. Draußen atme ich befreit auf, da der ganze Weihrauch in der Kapelle doch ziemlich penetrant war. So schnell es die Höflichkeit gebietet, verlassen wir die Kathedrale und schauen uns in den gehobenen Commercias nach neuen Spielzeugen, sprich praktischer Ausrüstung um. Für Leutnant Exton besorge ich einen guten bionischen Ersatz für seinen verlorenen Arm. Ich gebe auch für ein kleines Vermögen vierundzwanzig prächtige Gardistenrüstung in Auftrag, genug, um die Führungscrew, mein Gefolge und die Hauptmänner samt Ausbilder, Spezialeinheiten und Brückenwacht zu rüsten. Auch versuche ich Hexagrammfelder zu bekommen, aber auf die hat das Adeptus Ministorum hier ein Monopol und die geben die nicht einfach so heraus. Dazu muss man sich schon mit dem Glauben gut stellen. Aber wenigsten bekomme ich eine medizinische Einheit, die in der Lage ist, Erste Hilfe zu leisten. Und einen Auspex. So was ist immer praktisch. Das Gehäuse des Gerätes ist reich verziert und die Knöpfe bestehen aus Elfenbein.

Mein Seneschall von Braun hat inzwischen schon die Ladung an den Mann gebracht, leider zu keinem  sehr tollen Preis, genau genommen einem höchst enttäuschenden, und stellt mir seinen Nachfolger vor. Ein gewisser Aris, ein sehr unscheinbares Bürschchen, das mit einer viel zu großen Infernopistole bewaffnet ist. Von Braun eröffnet mir, dass die Schulden nun getilgt sind, die mein Onkel angehäuft hat und er nun vom Handelshaus Krynn abberufen worden ist. Zum einen ist es gut, dass der Berg Schulden nun endlich weg ist, das wird die Moral der Besatzung heben, aber ich hatte auch von den Diensten dieses alten Fuchses profitiert. Sein persönlicher Mitarbeiter und designierter Nachfolger hat etwas an sich, das mich stört. Mich stören prinzipiell Leute, die ich nicht selbst angeheuert und ausgesucht habe. Letztendlich kann ich nur meinem engsten Gefolge und Meisterin Puppila vertrauen, die ich höchst persönlich angeworben habe. Und ich muss sagen, sie ist die kompetenteste Person in meinem Gefolge. Sie ist zuverlässig, hält nichts hinter dem Berg und sie versteht ihr Geschäft. Das sie einmal in ein paar Gesteinstrümmer hinein gerauscht ist, habe ich ihr sofort verziehen, da dies schlichtweg offensichtlich nicht ihre Schuld gewesen war. Manchmal hat man keine Chance. Auf alle Fälle verabschiede ich mich von von Braun in aller Freundschaft, da mir der alte Mann sehr ans Herz gewachsen ist. Ein Erbe meines Onkels sicherlich, trotzdem hatte ich nie Grund zum Klagen. Mal sehen, wie sich der Neue so schlägt.

Ich lasse ihn sogleich mal die Aufträge für die Rüstungen aushandeln und er kann den Preis ziemlich gut drücken. Gut gemacht. Inzwischen ist es spät geworden und wir fahren zurück in den Gouverneurspalast. Während des Commerciaaufenthalts habe ich mich natürlich auch umgehört. Der Gouverneur Belkai Kupak ist der dritte Sohn gewesen. Sein älterer Bruder ist bei einem Unfall vor mehreren Monaten plötzlich kinderlos verstorben. Der zweite in der Erbfolge ist schon vor vielen Jahren gestorben, allerdings als Erwachsener. Belkai ist demnach der dritte Sohn und den bildet man normalerweise nicht zum Nachfolger aus. Er schien lange Zeit sich dem Müßiggang hingegeben zu haben, was man als reicher Adliger eben so tut, seine Apanage verjubeln und Schulden anhäufen. Der Vater hat es geschafft, Damaris einen Semioffiziellen imperialen Anstrich zu verpassen. Wahrscheinlich haben die hier draußen eine recht romantische Vorstellung vom Imperium und seine Behörden. Die wenigsten Kolonien sind wirklich freiwillig beim Imperium, wegen den Abgaben, Gesetzen und vielen Einschränkungen. Ganz abgesehen von Behörden, die hauptsächlich damit beschäftigt sind, sich selbst zu verwalten. Nun ja, es liegt viel im Argen und in der Weite hat man die ganze Zwänge nicht, besonders da man hier ja auch so gut wie keine Vorteile, wie den Schutz des Imperiums vor allen äußeren Bedrohungen bekommt. Sein älterer Bruder hat die ganze Sache wieder ruhen lassen und die Zügel diesbezüglich schleifen lassen. Würde mich nicht wundern, wenn da das Adeptus Ministorum beim jetzigen Regierungswechsel etwas nachgeholfen hat. Wie auch immer, die vielen Dekrete bezüglich der Mutantenpopulation kamen nicht nur bei den Betroffenen nicht gut an und eine ganze Provinz mit den Namen "Pariah" erhob sich. Die PVS rückte aus und der Gouverneur nahm auch die Dienste zweier Freihändler in Anspruch, eben die von Elisabeth Orleans und einem gewissen Jeremiah Blitz, welcher einen Kreuzer mit dem Namen "Ripper" unter seinem Kommando hat. Jeremiah Blitz ist ebenso wie ich noch sehr jung und vor kurzem zu seinem Kommando gekommen. Auf alle Fälle hat er die Bemühungen von General Dante und der PVS wortwörtlich torpediert, die Sache noch friedlich zu lösen. Mit einem orbitalen Bombardement schaffte er Fakten und ebnete die aufständischen Städte ein. Die PVS durfte dann die letzten Widerstandsnester ausräuchern. So was nennt man wohl Markokanonenbootdiplomatie.

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #146 am: 16. August 2013, 12:32:34 »
Position:
Kessel
System Damaris
Damaris
Stadt Damaris
Gouverneurspalast
Zeit: 2 430 784.M41

Meine Bemühungen, neue Astropathen zu finden, sind ins Leere gelaufen. So wie es aussieht, hat die Flotte alle offiziell registrierten Astropathen der Welt auf den Mond mit dem Namen Bollwerk geschafft. Selten war ein Name so passend gewählt worden wie hier. Seneschall Aris hat aus zweifelhaften Quellen ein Angebot für zwei bis drei Astropathen bekommen. Allerdings werden wir erst morgen nach der Ballnacht dort vorankommen. Ich bin nicht begeistert über diese Situation. Der Chor ist unbeaufsichtigt und es kann sonst was passieren. Es gibt eine hitzige Diskussion, wie wir weiter mit dem Chor verfahren sollen. So langsam habe ich von der ganzen Angelegenheit die Schnauze gestrichen voll. Ich habe das Gefühl, auf einer scharfen Bombe zu sitzen und egal was man macht, sie könnte jederzeit explodieren. Wiedermal vertagen wir das Problem auf einen späteren Zeitpunkt. Aber innerlich habe ich mich von dem Experiment schon verabschiedet. Normale Astropathen sollten es auch tun und die spuken dann wenigstens nicht durch das Schiff.

Dann fahren wir zu einem Saal eines angesehenen Hotels, welchen das Aestus Kartell zur Verfügung stellt. Der Unterhändler ist ein Mann von etwa fünfzig Jahren mit Namen Leobald Crane. An seiner Seite steht als Vertreterin der Besitzerfamilie eine gewisse spröde Blondine mit dem Namen Dariah von Hellgrett, die sichtbar schon einige Verjüngungskuren hinter sich gebracht hat, was man deutlich an der Haut um ihre Augen erkennen kann. Was sich anfangs wie ein einfaches Minenprojekt angehört hat, entpuppt sich nun als Exodus des Aestus Kartells von Damaris nach Vaporius. Also nicht nur Minenfördergeräte und Personal dorthin bringen, sondern eben komplette Verhüttungswerke und Manufakturen mit der gesamten dafür notwendigen Infrastruktur. Wobei das Personal für die niedrigen Arbeiten auf Vaporius "angeworben" werden soll. Ich ging davon aus, dass dort einfach nur ein paar Minen erschlossen werden sollten, stattdessen will das komplette Aestus Kartell umziehen. Als Vorwand sollen die Minen auf den inneren drei Welten versiegt sein. Auf allen drei gleichzeitig nach vergleichsweiser so kurzer Zeit? So was könnten sie meiner jungen Köchin Colette erzählen, die würde das vielleicht noch glauben, weil die keine Ahnung von Bergbau hat, aber doch nicht mir! Thronverdammt!

Ich äußere meine Zweifel, werde aber mit halbseidenen Ausflüchten hingehalten. Hier stimmt was nicht! Irgendetwas geht hier vor und ich weiß nicht was. Niemand verlegt einfach so ganze Produktionsstätten komplett über die halbe Weite ohne wirklich triftigen Grund. Die ganzen Astropathen auf dem Bollwerk, diese Eile des Aestus Kartells. Hier ist was oberfaul! Da wir so nicht weiter kommen, schiebe ich notwendige Prüfungen des Vertragswerkes durch meine Advokaten als Grund vor, die Verhandlungen hier an dieser Stelle ergebnisoffen zu unterbrechen. Vielleicht lässt sich ja auf diesem Ball in Erfahrung bringen, was hier genau los ist. Ich kehre mit meinem Gefolge auf die Audacia zurück. Meine beiden Konkubinen erwarten mich schon aufgeregt. Es tut mir richtig leid, Josephina verkünden zu müssen, dass sie an Bord der "Audacia" bleiben muss. Sie ist den Tränen nahe, als ich ihr erkläre, welche Macht das Adeptus Ministorum auf dieser Welt hat. Dass Josephina eine Hexe ist, ist leider ein nicht tot zu kriegendes Gerücht auf dem Schiff. Irgendjemand könnte quatschen, aus Absicht mir zu Schaden oder nur um sich ganz profan wichtig zu machen sei mal dahin gestellt. Hier auf dem Schiff kann ihr nichts passieren, auf Damaris kann ich sie vielleicht nicht beschützen. Ich nehme sie in den Arm und drücke sie fest an mich. Dann hauche ihr einen sehr zarten Kuss auf die rosige Wange. Sie versteht, dass es nicht anders geht und widmet sich dann mit vollem Elan der Aufgabe, uns auszustaffieren. Carmina erstrahlt schließlich in einer Weise, wie es sich für eine Weltklasse Konkubine ihres Formates gehört. Ihr Kleid ist aus wallender Spinnenseide mit eingewebten Elektrumfäden. Das hat ein Vermögen gekostet, besonders da ich diese Sachen oft paarweise kaufen muss. Aber für einen solchen Anlass kann man ruhig mal ein paar Throne springen lassen. Ich verabschiede mich von Josephina und sammle dann alle ein, die mich auf den Ball begleiten werden. Lady Helmchen fühlt sich nicht so wohl und bittet darum, lieber auf dem Schiff bleiben zu können. In der letzten Zeit hat sie nadelspitze Zähne bekommen und wenn sie lächelt, ist das ein höchst verstörender Anblick. Da gebe ich ihr gerne frei, da sie auf dem Ball eher negativ auffallen würde. Neben meiner normalen Entourage begleiten mich fast alle Führungsoffiziere, die sich alle in Schale geworfen haben. Ich halte eine kurze Rede und warne davor, irgendwelche Witze über das Imperium oder die Kirche zu machen. Viele sind Separatisten, Renegaten und Deserteure. Das Imperium ist hier an Bord oft ein Ziel ätzenden Spotts. Die philosophische Frage, was arbeitet schneller, ein Beamter des Adeptus Administratums oder eine marmorne Statue des Ministorums ist oft schon heiß diskutiert worden.

"Also Leute, denkt immer daran, die denken dort unten, sie wären Mitglied des Imperiums und die verhalten sich dementsprechend auch so. Also keine dummen Witze über das Imperium oder den Imperatorglaube, das mögen die gar nicht und die haben einen Flammenbaum, wo sie Leute für weit weniger zu Asche verbrennen", schließe ich meine Rede.
"Ihr habt den Lord-Kapitän gehört! Wer Mist baut, der kann sich freuen, wenn ihn die Ekklesiarchie als erstes bekommt, denn ich werde nicht so gnädig sein!", fügt mein XO Kyrr noch an. Damit wäre wohl alles Notwendige gesagt.

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #147 am: 19. August 2013, 13:17:07 »
Position:
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Zeit: 2 432 784.M41

Diesmal sind wir mit einer ganzen Kolonne von Limousinen vom Raumhafen abgeholt worden. Überall ist Militär auf den Straßen zu sehen. Die wenigen Zivilisten gehen schon beinahe im Meer der Uniformen verloren. Hier wird Sicherheit wirklich großgeschrieben. Wir halten vor der großen Freitreppe am Eingang des Palastes und flanieren auf einem roten Teppich nach oben. Links und rechts steht jubelndes Volk, wahrscheinlich akribisch für diesen Anlass ausgewählt und zum Jubeln abgestellt. Und da wir ja wissen, was mit Arbeitsverweigern passiert, sind diese armen Tröpfe schwer dabei, alles zu bejubeln. Wahrscheinlich könnte ich einen Furz von mir lassen, was zu wahren Beifallsstürmen führen würde. Natürlich lasse ich so etwas Niveauloses sein. Ein Zeremonienmeister kündigt mich dann namentlich an. Auch mein ganze Gefolge wird namentlich erwähnt, was eine ganze Zeit dauert. Der Saal ist schon gut gefüllt und es strömen noch weitere Gäste nach. Der Ehrengast hat sich hinter einer Traube von Stabsoffizieren verschanzt und macht böse Mine zum guten Spiel. Der General Remi Dante ist ein Mann um die fünfzig in guter trainierter Verfassung. Man sieht ihm an, dass er seine Truppen eher von vorne führt. Auch ist sonst viel Offizielles zu Gast, darunter eine leibhaftige Marschall des Hofes. So nennt man die oberen einer Arbites Station. Die Frau hat den Namen Solaria Thrace und macht einen harten Eindruck. Die Frau prügelt selbst, habe ich schnell den Eindruck. Sie redet die Aufstände klein und meint, je mehr man Druck ausübt, desto schneller erledigt sich das Problem. Nun ja, da bin ich etwas anderer Ansicht und wir haben eine kurze Diskussion darüber, ob mehr Druck den Rebellen nicht mehr Zulauf verschafft. Sie ist der Ansicht, je länger man drückt, desto mehr spritzt das Blut und die Abschreckung wird irgendwann greifen. Bei der ersten Gelegenheit ergreife ich die Flucht, als Carmina mich auf ein unmerkliches Zeichen von der Irren loseisen kann. Puh!

Als nächstes laufe ich der Kommandantin Silvia Lock über den Weg. Sie ist der Lord-Kapitän des leichten Kreuzers "Aegis" und Chefin des imperialen Flottenstützpunktes auf "Bollwerk". Sie ein recht adrette Person und mit ihr kann man sich schon netter unterhalten. Leider kann ich von ihr nicht den Grund heraus kitzeln, warum sich alle Astropathen auf dem "Bollwerk" befinden. Sie weicht jeder meiner bohrenden Fragen geschickt aus und speist mich mit Nichtigkeiten ab. Die Frau hat was drauf, muss man ihr lassen. Als nächstes treffe ich auf Kapitän Covalek, Herr der "Gerechten Pfad", den wir auf Anmut an der Backe kleben hatten. Wie immer ist er mies drauf und macht abfällige Bemerkungen über meine Crew. Leider hat er mit dem Vorwurf recht, dass der Großteil meiner Crew wohl aus Verbrechern, Deserteuren, Separatisten, Renegaten und Gesuchten besteht. Wenigstens brauche ich nicht für jedes Besatzungsmitglied fünf Schreiber, die sie verwalten. Ha, das hat gesessen und er rauscht wie eine altersschwache Dampflock vor Wut schnaubend von dannen.

Jeremiah Blitz wird angekündigt. Er ist ein Mann in meinem Alter, aber noch etwas größer als ich. Seine schwarze Haut glänzt wie Ebenholz und er hat sich den Schädel rasiert. Er hat gleich fünf albern kichernde Mädchen dabei. Carmina rümpft die Nase und meint sofort, dass diese Konkubinen von keinem zertifizierten Haus stammen. Der Kerl säuft auf alle Fälle wie ein Loch und seine ewig albern kichernden Gören treiben ihn zu immer dämlicherem Verhalten an. Man könnte meinen, seine Kinderstube hätte in einem drittklassigen Bordell am Raumhafen gestanden. Nun ja, ich treffe auf Lord-Kapitän Elisabeth Orleans und halte mit ihr etwas Smalltalk. Sie ist eine Lady mit vollendeten Manieren, genau das Gegenteil von Blitz. Sie erzählt mir noch ein paar weitere Details über die "Ripper", die in einem schrecklichen Zustand sei. So ein Kreuzer ist sehr viel teurer im Unterhalt als eine Fregatte oder ein leichter Kreuzer. Kreuzer sind Linienschiffe, die austeilen und einstecken können. Für mehr sind sie kaum zu gebrauchen. Die laufenden Kosten haben wohl ein Teil der Panzerung aufgefressen, so dass nur noch eine Seite gepanzert ist, selbst die Bugspitze fehlt ihm inzwischen.

Ein Gong wird geschlagen und der Gouverneur betritt die Bühne, um es mal so auszudrücken. Der kleine Kerl verliert sich beinahe auf der Freitreppe. Er dürfte etwa zwei Köpfe kleiner sein als ich, selbst Carmina ist größer als er, wie sie mir kichernd mitteilt. Als ob ich das nicht selbst sehen würde. Er ist für sein Alter noch sehr schlank und prächtig gekleidet. Seine Frau ist deutlich größer als er, was etwas lächerlich wirkt. Die junge Frau lächelt etwas gequält, während der Gouverneur eine kurze Ansprache hält. Er heißt uns willkommen und schreitet dann die Treppe nach unten. Da ich ziemlich weit vorne stehe, nutze ich die Gelegenheit und fange ihn zu einem kurzen Gespräch ab, um mir ein Bild zu machen. Schnell wird mir klar, dass Belkai sehr Naiv ist und ein sehr verklärtes Bild vom Imperium hat. Dieser Mann hat offensichtlich nie einen Turm des Administratums von innen gesehen. Er hat noch nie das Munitorum bei der Arbeit erlebt. Und er hat wohl nie davon gehört, wie lange es dauert, bis eine wichtige Anweisung vom Senat auf eine Welt überstellt ist. Und wie nervig es sein kann, wenn die Anweisung keinen Sinn macht und man zurückfragen muss, was Jahrzehnte dauern kann. Nun ja, er freut sich, dass ich hier Geschäfte mache. Er denkt, dass Damaris sich im Aufschwung befindet. Dass die von Hellgretts und ihr Aestus Kartell gerade verzweifelt versuchen, hier das Weite zu suchen, ist wohl ihm noch nicht zugetragen worden und ich hüte mich, dieses Geheimnis auszuplaudern. Wenn dieses Kartell geht, werden auch andere gehen. Und dann hat Damaris nichts mehr. In einer solchen Situation braucht man einen Fuchs, keinen verträumten Narren. Es steht wahrlich schlecht um Damaris. Thronverdammt!

Nakago

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Die Fahrten der Audacia
« Antwort #148 am: 21. August 2013, 14:46:22 »
Position:
Kessel
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Zeit: 2 432 784.M41

Schließlich ist es endlich an der Zeit, dass der Orden verliehen wird. Die Zwischenzeit habe ich mit einigen Gesprächen mit verschiedenen Adligen verbracht. Die Stimmung ist nicht besonders gut, aber ich finde nicht heraus, warum. Wiedermal ertönt ein Gong und der Gouverneur hält eine kurze Rede. Nun gut, die Rede ist nicht wirklich kurz, sondern ziemlich ausschweifend. Im Kern geht es darum, dass er das Imperium und seine Errungenschaften preist. Jedenfalls die, von denen er glaubt, dass es mit dem Imperium zu tun hat. Seine naive Vorstellung und die harte Realität klaffen ziemlich weit auseinander. Dann kommt er langsam zum Kern. Durch einige bedauerliche Vorkommnisse war es notwendig, die Provinz "Pariah" dem Erdboden gleich zu machen. Und General Remi Dante hat dann in einer Reihe heroischer Gefechte den übrig gebliebenen Dreck weggewischt, um es mal Salopp auszudrücken. Das ist die Kurzform der blumig formulierten Umschreibungen einer Reihe von "Schlachten", sprich Scharmützel, gegen berüchtigte Anführer, die alle ihr verdientes Ende gefunden haben. Der General macht den Eindruck, als würde zum Schafott schreiten und nicht zu einer Ordensverleihung. Auf einem dunklen Kissen, gehalten von einem livrierten Diener, liegt ein blauer Sternförmiger Orden. Dies ist der "Blaue Stern" am Band, der bisher von seinem Vater nur einmal und von seinem Großvater nur zweimal verliehen worden war. So was bekommt also nicht jeder, aber der General lässt die Ansprache mit sichtlichem Widerwillen über sich ergehen. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass der General schon eine friedliche Lösung ausgehandelt hatte, als das Bombardement begann und alle seine Bemühungen zunichte gemacht hat. Kein Wunder, dass er so angepisst wirkt.

Schließlich kommt der Gouverneur zum Ende und hängt den Orden dem hochgewachsenen General um. Dazu muss er eine Stufe nach oben steigen, was höchst lächerlich wirkt, aber nicht mal die dummen Gören von Jeremiah Blitz wagen es zu lachen. Der General deutet ein Nicken an und schreitet von dannen. Danach redet Belkai noch weiter, zieht Vergleiche mit Drusus und kommt schließlich zum Ende. "Damaris ist sicher und wir können wieder alle ruhig schlafen!" Eine Schwester des Ordo Famulus tritt zum Gouverneur und flüstert ihm etwas ins Ohr. Kurz darauf hin verlässt das Oberhaupt von Damaris den Ball. Damit ist deutlich geworden, wie es um die Machtverhältnisse in Damaris bestellt ist.

Ich wage es und kämpfe mich in Richtung des Offizierschores vor. Die Männer sind von meiner Statur, aber das charmante Lächeln von Carmina schmilzt ihren Widerstand dahin, so dass ich bis zum General vorstoßen kann.

"Sieger sehen anders aus", beginne ich das Gespräch. Er widerspricht mir nicht und wir halten etwas Smalltalk. Seine Laune schwankt zwischen Resignation und unterdrückter Wut. Leider dringe ich nicht wirklich zu ihm vor, wahrscheinlich ist das auch gerade nicht der allerbeste Augenblick für so etwas. Aber wenigstens bekomme ich eine Audienz bei ihm morgen in der Früh gewährt. Vielleicht erfahre ich von ihm, was hier los ist. Ich sammle meine Entourage ein und wir gleichen ab, was wir heraus gefunden haben. Eigentlich recht wenig. Caine äußert den Verdacht, dass die ganzen Astropathen nicht zum gemeinsamen Senden oder besserem Empfang auf das Bollwerk gebracht worden sind, sondern um eine Nachrichtensperre zu errichten. Das ist sicherlich auch möglich. Die Frage bleibt, was ist Faul auf dem Planeten Damaris? Aber wenigstens beginnt so langsam der vergnügliche Teil des Abends. Bis jetzt wurde nur geredet und dem Alkohol mehr oder weniger reichlich zugesprochen. Besonders Jeremiah Blitz schüttet teuren Amasec in sich hinein, als wollte er ganz alleine allen anderen die umfangreichen Bestände des Gouverneurs wegtrinken. Dabei steckt er den edlen Tropfen weg, als würde er Blubberwasser trinken. Endlich wird nun zum Tanz aufgespielt. Natürlich reihe ich mich mit Carmina in die Reihe der Paare ein. Ich muss gestehen, ich bin ziemlich eingerostet, aber meine Konkubine ist in der Lage, mich trotzdem halbwegs eine gute Figur machen zu lassen. Ich hatte zwar Tanzunterricht zu Hause und auf der Schola für höhere Gentleman, aber ich war nie ein begeisterter Tänzer. Nach drei Tänzen mit meiner lieben süßen Carmina, fordere ich Anastasia Chorda zum Tanz auf. Als junge Offizierin hat sie mit auf die Oberfläche gedurft. Und sie sieht ja gut aus. Außerdem ist sie einer der wenigen, die nicht in das Schema des Renegaten, Deserteurs oder Separatisten passt, aus dem mein Offizierschor vorwiegend besteht. Wobei sie genau genommen ja doch eine Deserteurin ist, wenn auch unfreiwillig, da sie ja von ihrer Schwester Aspyce entführt worden war. Natürlich ist es etwas seltsam, mit ihr in Uniform zu tanzen, da die ganzen Tänze meist darauf ausgelegt sind, Röcke und Kleider wirbeln zu lassen.

Wie immer versucht Jeremiah Blitz mit einem überaus ausladenden Tanzstil alle anderen zu überflügeln. Der große Mann muss echt etwas kompensieren. Je größer das Schiff, desto kleiner der Schwanz, sagt man. Aber das ist natürlich dummes Geschwätz, wie meine lieben Konkubinen bestätigen können. Ich tanze danach noch mit einer weiteren Reihe von illustren Damen, da ich mich so langsam wieder ins Tanzen einfinde. Den letzten Tanz des Balles hebe ich für Carmina auf. Inzwischen ist der Gouverneur schon längst wieder gegangen und auch viele der Gäste haben ihre Heimreise begonnen. Wir haben Quartiere im Palast und beziehen diese. Danach demonstriert Carmina noch ihr Können in der Kunst der Einhundertundacht Seufzer und erschöpft begebe ich mich nach diesem langen Tag zur Ruhe.

Gespielt am 02.02.2013
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 3
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 3
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 3
Yuri aka Lady Helmchen Navigatorin Rang 3
Aris als Ersatz für Bruder Obskurus Seneschall Rang 2
EP: 300
Besiegte Gegner:
Niemand
Beute:
Nix

Gedanke des Tages
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Nakago

  • Mitglied
Die Fahrten der Audacia
« Antwort #149 am: 23. August 2013, 14:16:00 »
Persona Dramatis
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Kapitel 24
Zeit zu Handeln!

Position:
Kessel
System Damaris
Damaris
Stadt Damaris
Gouverneurspalast
Privates Schlafzimmer
Zeit: 2 433 784.M41

Viel zu früh läutet jemand an die Tür. Ich habe gerade so schön geträumt, wie ich in einem Meer von Thronen schwimme. Nein, gelogen, ich habe gerade geträumt, wie ich von schwarzen Schlangen durch unendliche lange Gänge gehetzt werde, die ganz leicht gebogen sind und keine Abzweigung  haben. Und ich laufe immer und immer wieder in einem gewaltigen Kreis, ohne meinen Verfolgern entkommen zu können. Nach einem kurzen Moment der totalen Desorientierung weiß ich wieder, dass ich Flavion Conari und Lord-Kapitän der glorreichen und gleichzeitig ach so verfluchten "Audacia" bin. Der Summer ertönt ein weiteres Mal und ich betätige die Sprechtaste auf der kleinen Interkomeinheit auf dem Nachttischchen, die sich hinter einem reich dekorierten Gehäuse aus Holz befindet.

"Wasnlos?", nuschle ich etwas undeutlich.
"Ähm! Lord-Kapitän Conari, Ihr solltet aufstehen. Es ist etwas passiert."
"Äh?"
"Eure Meisterin der Leere wurde von der Kirche eingeladen."
"Eingeladen?"

Nach etwas hin und her wird klar, dass Althea Puppila von Wachgardisten der Kirche aus ihrem Zimmer geführt worden war. Thronverdammt! Dieser hinterlistige Bischof Arendt hat meine treue Pilotin Althea einfach aus dem Palast entführen lassen! Ich bin wie der Blitz fertig angezogen und eile aus dem Zimmer. Ich trommle die Führungscrew zusammen, schicke eine Hälfte mit Carmina hoch zur Audacia, um alles für eine heiße Evakuierung vorzubereiten, während ich mit dem Rest zur Kathedrale im Konvoi fahre. Während der Fahrt durch die frühmorgendliche Stadt sitze ich wie auf heißen Kohlen. Nicht meine Althea, sie ist die einzige aus meinem Kampfgefolge, die ich selbst persönlich ausgesucht habe. Schon damals habe ich gespürt, dass die Frau was kann und meine Menschenkenntnis hat mich nicht getäuscht. Es war eine kluge Wahl gewesen, sie in meinen Dienst zu nehmen und sie hat mich noch nie enttäuscht. Alle anderen meiner Gefolgsleute haben mehr oder weniger mich gefunden, sei es als Überbleibsel meines Bruder Novus oder weil sie schon länger zur "Audacia" gehören. Und Althea Puppila hat mich noch niemals wirklich enttäuscht oder schlecht da stehen lassen, was man von den anderen nicht in vollem Umfang behaupten kann. Sie ist eine gute Gefolgsfrau und ich werde nicht zulassen, dass man sie foltert!

Nach einer Äon lang dauernden Fahrt kommen wir endlich vor der Kathedrale zum Stehen. Im Licht der morgendlichen Sonne erscheint es mir eher wie ein Gefängnis, als ein Ort des Trostes zu sein. In mir ist wirkliche Wut über diese Unverschämtheit, meine Gefolgsfrau einfach so zu entführen. Zwei Akolythen reißen die Tür für mich auf, bevor ich sie eintreten kann. Ohne aufgehalten zu werden, dringe ich bis das Verhörzimmer vor. Meisterin Puppila liegt geschwächt in einem Bett und hängt an einem Tropf, ein sanktionierter Psioniker in der Kutte eines Klerikers, ein äußerst verstörender Anblick, steht hinter ihr. Die hinterlistige Famula, die Principalis Litea Gilgeas, ist gerade in einem Streitgespräch mit ihrem Herrn und Meister, dem Bischof Mikael Arendt vertieft. Althea ist bei Bewusstsein und scheint soweit in Ordnung zu sein.

"Was fällt Euch eigentlich ein! Mitten in der Nacht entführt Ihr eine meiner Leute?", herrsche ich den Bischof an, denn in mir kocht eine Wut, wie ich sie zuletzt im Tempel des Chaos verspürt habe. Nach etwas hin und her glättet der Bischof etwas die Gemüter und schiebt die Schuld für die nächtliche Aktion auf die etwas übereifrige Principalis ab. Allerdings ist er von der Notwendigkeit eines psionischen Verhörs überzeugt, das bei Meisterin Puppila schon vollzogen worden ist. Da nun sehr sensible Dinge besprochen werden, die durchaus Seelen korrumpierten könnten, schicke ich die anderen erst einmal raus. Auch werden ein paar Informationen besprochen werden, die niemals nach außen dringen dürfen, auch wenn wahrscheinlich das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Meisterin Puppila ist in fast alles eingeweiht und meines Wissens kann man ohne psionische Konditionierung keinem psionischen Verhör standhalten. Damit ist auszugehen, dass der Bischof alles weiß und das ist verdammt noch mal gar nicht gut!

Es gibt eine kurze Grundsatzdiskussion über Korrumpierung und die Auswirkungen vom Kontakt mit Chaos allgemein.
"Meisterin Puppila ist über jeden Zweifel erhaben! Auch nachdem man ihr die Augen herausgerissen hat, war sie selbst unermüdlich dabei, den Tempel und seine finsteren Schergen zu bekämpfen. Ich nenne so etwas aufopferungsvolle Hingabe, grenzenloser Mut und wahrer Glaube! Für sie halte ich meine Hand ins Feuer!" Und zwar nur für sie, da sie die einzige ist, von der ich zu hundert Prozent weiß, dass ich mich auf sie verlassen kann.

"Manchmal kann es Jahre dauern, dass die Saat des Chaos in einem reinen Herzen aufgeht."
"Manchmal geht die Saat des Imperators in den vernagelten Verstand seines Klerus auch nur sehr langsam auf", erwidere ich höchst undiplomatisch und die Famula läuft Rot an. Momentan ist es mir egal, ob ich hier Porzellan zerbreche oder nicht. Niemand rührt meine Leute an, nicht ohne meine Erlaubnis. Ich bin ein Freihändler und verfüge über weitgehende Privilegien. Und die erstrecken sich auch auf meine Leute. Und das sollte solch Erbsenzählern vom Adeptus Ministorum durchaus bewusst sein. Thronverdammt!

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