Autor Thema: Shalima Shamil  (Gelesen 1065 mal)

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Lord Nibbler

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Shalima Shamil
« am: 04. Dezember 2003, 23:09:20 »
 So, hier hab ich jetzt noch die Vorgeschichte des Charakters meiner Freundin. Wer noch mehr über die Abenteuer von Shalima Shamil lesen möchte, sollte einen Blick in die Story Hour Rubrik werfen und dort nach [4 powered by2] ausschau halten.

Nun aber los:

Grauer Nebel durchzieht in grauen Schlieren die Täler. Es ist so kalt. So eisig kalt. Der Wind pfeift um die scharfen Kanten der zerklüfteten Bergwände. Kein Laut außer dem Wind ist zu hören. Jedes Lebewesen scheint sich in seinem Bau verkrochen zu haben und abzuwarten. Eine fast unerträgliche Spannung liegt in der Luft. Auch als es zu nieseln beginnt löst sich diese Stimmung nicht. Der Sprühregen durchnässt jede noch so kleine Ritze. Das Leben das hier existiert zieht sich noch weiter in sein Loch zurück. Die tote Stille ist fast unerträglich.
Der Nebel scheint immer dicker und undurchdringlicher zu werden. Keine 20 Fuß kann man mehr sehen. Es ist so still. So kalt.
Das Knacken eines Astes war zu hören. Nicht laut. Als ob ein Lebewesen sich seinen Weg an den kargen Berghängen entlang sucht. Leise Tritte werden hörbar. Unregelmäßig. Torkelnd. Als ob es am Ende seiner Kräfte ist.
Dann taucht sie auf. Die Kleider kleben kalt an ihrem gewölbten Leib. Ihre Haare hängen lose und wirr über ihren Rücken. Gehetzt schaut sie sich um. Angst steht in ihren schwarzen Augen. Und Schmerz. Immer wieder bleibt sie stehen. Greift schützend um ihren Leib. Beugt sich unter ihren Qualen. Doch etwas treibt sie weiter. Außer ihr ist jedoch niemand zu hören.
Vorsichtig tritt die Gnomin an den Abhang und blickt hinunter. Ein Entschluss formt sich in ihren Gedanken. Ihr geschundener Körper scheint sich noch einmal zu straffen. Sie breitet die Arme aus, blickt noch einmal in den Nebel und - krümmt sich vor Schmerz zusammen. Ein leiser Schluchzer dringt durch ihre Lippen. Sie dreht sich um und torkelt zurück. Nein, das ist  nicht der richtige Weg. Es ist falsch.
Verzweifelt bricht sie in die Knie und stützt sich auf ihre Hände. Lange verharrt sie so. Dann rafft sie sich noch einmal auf und kommt auf die Füße. Torkelt weiter. Gebeugt, schwach. Langsam kommt sie voran. Doch sie kann nicht mehr. Ihre Kräfte verlassen sie. Völlig am Ende ihrer Ressourcen kriecht sie zu einer verkrüppelten kleinen Fichte um wenigstens ein wenig Schutz zu finden. Wovor weiß sie selbst nicht. Der Regen und die Kälte erreicht sie auch hier. Erschöpft schließt sie für einige Minuten die Augen. Gerne würde sie sich der Wärme des Schlafs hingeben. Doch sie weiß, dass dies ihr Tod sein würde.
Sie zwingt sich ihre schweren Lider zu heben. Doch ihre Umgebung nimmt sie nicht war. Das einzige was nun zählte ist, das kleine Leben in ihrem Bauch. Es muss heraus aus ihr. Jetzt. Bevor sie ohnmächtig wird. Quälend langsam schiebt sie ihre Röcke zur Seite. Immer wieder geschüttelt von der bitteren Kälte und ihren Wehen. Sie kommen nun immer schneller. Es ist soweit. Ein Schrei bricht aus ihr, als es aus ihr herausgleitet. Heiß läuft ihr das Blut und die Nachgeburt über die Schenkel. Mit einem routiniert anmutenden Biss durchtrennt sie die Nabelschnur und wickelt den Säugling in eine Decke. Dann schaut sie ihn an. Oder besser gesagt sie. Es ist ein Mädchen. Doch kein Schrei verhilft dem Kind zum Leben. Mit geschlossenen Augen und fast schon gelassenen Gesichtsausdruck liegt es in den Armen seiner Mutter. Diese schaut auf es herab. Nur langsam dringt es in ihre Gedanken. Eine Totgeburt. Es war alles umsonst gewesen. Die Angst, ihre Flucht. Ihre Panik vor der Prügel ihres Mannes. Ihre Schande die auf ihr liegt. Alles umsonst. Wut, aber auch Erleichterung über das tote Kind überkommen sie. Tränen laufen ihr die Wangen herab. Sie kann nun zurück. Zurück zu ihrer Familie. Es war vorbei.
Dies gibt ihr neue Kraft. Schnell wickelt sie den Säugling aus den Leinen und legt ihn achtlos zwischen die Wurzeln des Baumes. Sie rappelt sich auf mit dem Vorsatz es nun bis zur Gruppe zu schaffen. Hektisch wendet sie sich zum Gehen und tritt vom Baum weg. Doch in ihrer Euphorie überschätzt sie sich. Sie torkelt. Bricht ohnmächtig zusammen. Es ist zuviel für die junge Frau. Schwarze Nebel umfangen sie und reißen sie in die gnädige Umarmung der Ohnmacht.
Was sie nicht mehr sieht, ist, dass der Säugling, der wie achtlos weggeworfen zwischen den Wurzeln der Fichte liegt die Augen öffnet. Ein leises Quäken voller Empörung dringt zu ihr herüber. Doch sie hört es nicht. Zitternd und strampelnd liegt es nun nackt und blos in der eisigen Kälte.

Brutal wird sie aus der Finsternis gerissen. Kälte. Schmerzen. Ein Schlag. Wach auf du Hure. Immer lauter dringt dieser Satz in ihren hämmernden Kopf. Langsam lichtet sich auch die Dunkelheit in ihrem Kopf. Noch ein Schlag in ihr Gesicht bringt sie in die kalte grausame Welt. Mit zusammengekniffenen Augen blickt sie nach oben. Scheissfotze, komm endlich zu dir. Wander. Ihr Mann. Nein, das darf nicht sein. Sie erinnert sich. An ihre Flucht, die Geburt, ihre Angst und ihre Erleichterung. Doch jetzt war wieder nur Angst in ihr. Er war ihr gefolgt. Und er hatte sie gefunden.
Er zerrt sie auf die Beine. Als er sie loslässt knallt sie wieder mit voller Wucht auf den Boden. Ihre Beine tragen sie nicht. Miststück, komm hoch! Sein fettiges Haar klebt in Strähnen an seinem Kopf. Die scharf geschnittenen Wangen, gehakte Nase und die zornig zusammengekniffenen Augen stehen im krassen Gegensatz zu seinem sinnlich geschwungen Mund. Dieser ist jetzt allerdings auch zusammengekniffen und zeugt von seiner unbändigen Wut. Erbarmungslos zerrt er sie wieder hoch. Seine Finger schneiden ihr in den Arm und hinterlassen Male. Schwankend und schwach bleibt sie diesmal stehen. Sie muss ihren ganzen Willen aufbringen um nicht wieder zusammenzubrechen.
Wo ist das Baby? Er muss sie mehrmals anschreien bis sie fähig ist zu antworten. Es ist tot. Ein böses Grinsen überfliegt sein Gesicht. Na, dann ziehst du vielleicht eine Lehre daraus. Wieder packt er sie am Arm und zerrt sie in die Richtung aus der sie gekommen war. Sein Begleiter läuft auf einen Wink hin zur Fichte um ihr Tuch aufzuheben. Dabei sieht er auch das Baby. Seine großen schwarzen Augen verfolgen ihn, als ob es jetzt schon richtig sehen könnte. Wie vom Donner gerührt bleibt er stehen und blickt es an. Wander - komm mal her.
Was ist denn noch, Tadis. Schnauzt Wander aus einiger Entfernung.
Das Baby lebt. Vorsichtig hebt er es auf. Erstaunt stellt er fest, dass der Körper des Babys seltsam warm, ja schon fast fiebrig ist.
Scheiße. Wander kommt zurück. Seine Frau taumelnd im Schlepptau. Was für ein Bastard. Nimm´s halt mit. Wer weiß, was es noch wert ist.
Das sind seine letzten Worte. Dann dreht er sich um und stapft zurück. Zurück zu seiner Gruppe.

Die Gruppe ist ein Trupp von fahrenden Zigeunern. Wander, ihr Anführer war berüchtigt für seinen Jähzorn. Als er mit seiner Frau, Tadis und dem Kind zurückkommt wagt es keiner ihn anzusprechen. Auch wagt es keiner der geschundenen Frau zu helfen. Kopfschüttelnd beobachten sie, wie er sie in seinen Wagen zerrt. Noch lange hören sie sein Gebrüll. Erst Stunden später kommt er heraus. Er hatte getrunken. Unangenehm lag der Geruch von Schnaps um ihn. Doch er steigt ohne ein weiteres Wort auf den Kutschbock seines Wagens und gibt rüde den Pferden die Peitsche. Das Zeichen zum Aufbruch. Die Gruppe atmet auf. Sie kennen ihn. Das Schlimmste war ausgestanden. Bis zum nächsten Abend würde er nicht mehr vom Bock steigen, sondern dort grimmig vor sich hin brüten. Es hätte keinen Sinn ihn anzusprechen. Das Äußerste was man sich nun einfangen konnte war eine Tracht Prügel.
Tadis läuft zu seinem eigenen Wagen, in dem ihn seine Frau schon erwartet. Als er mit dem Säugling im Arm eintritt sieht sie ihn vorwurfsvoll an. Was will ich mit dem Balg?
Füttere es. Wander will nicht, dass es stirbt.
Ungläubig schaut sie ihn an, streckt aber die Arme nach dem Kind aus und nimmt es an die Brust. Schnell findet das Mädchen die Lebensquelle. Hastig beginnt es zu trinken. Nicht ohne dabei die junge Frau zu fixieren. Du bist unheimlich, sagt diese und legt es so schnell wie möglich zur Seite. Sie ist sich ihres Loses bewusst. Ihre Aufgabe ist es nun, das Kind zu versorgen. Aber sollte sich kein Käufer für den Bastard finden, könnte sie später seine Dienste unentgeltlich in Anspruch nehmen. Zurück zur Mutter kommt das Kind eh nicht mehr. Nicht bei dem Vater.

Das Kind bliebt bei Tadis und seiner Frau. Es wuchs in einer unfreundlichen Welt auf. Ohne Namen. In der Gruppe hielt es keiner für nötig sich über so etwas Gedanken zu machen. Sobald es stehen und sprechen konnte musste es in der Gruppe dienen. Die niedrigsten Arbeiten musste es verrichten. Dazu kam, dass die fahrenden Gaukler schnell ihr Talent erkannten und sie zwangen jeden Tag das Verstecken und Stehlen zu trainieren. Erbarmungslos trieben sie sie immer zu neuen Höchstleistungen. Doch sie wusste ihr Talent auch innerhalb der Gruppe zu nutzen. Oft stahl sie sich innerhalb der Gruppe etwas zusammen um wenigstens etwas zum Leben zu haben. Die Strafen waren hart. Doch ihr Trotz wuchs mit jedem Schlag, mit jeder Beleidigung, mit jeder Prügel.
Die einzigste, der sie ein gewisses Maß an Vertrauen entgegenbrachte war die Frau des Anführers. Sie wusste nicht, dass dies ihre Mutter war. Sie kannte die Frau nur als eine, die ihr immer wieder Kleinigkeiten zusteckte, wenn mal keiner hinsah.
Doch eines Tages kam Wanders so zornig aus der Stadt zurück, dass sich lieber alle verkrochen.

Laut schreiend und zeternd tritt er in den Rund der Wagen. Die Kinder, die sich gerade beim Spielen vergnügten rennen quiekend auseinander. Wanders schlägt mit geballten Fäusten auf unsichtbare Gegner. In seiner Wut versteht man kein Wort. Doch es spielt auch keine Rolle. Selbst wenn man etwas verstehen könnte, würde Wanders in seiner Laune keinen an sich heranlassen.
Neugierig, aber sehr vorsichtig spähen viele Augen zwischen den Ritzen der Wagen hervor.
Wanders tritt gegen seinen Wagen. Seine Frau kommt veränstigt heraus. Sie weiß, was nun folgt. Demütig senkt sie den Kopf und erwartet die Schläge. Wanders bleibt vor ihr stehen. Zuerst blickt er sie nur an. In seinem Gesicht arbeitet er es. Unfassbare Wut verzerrt sein Gesicht zu einer hässlichen Fratze. Er greift neben sich und hebt eine Peitsche auf, die wie zufällig neben ihm auf dem Boden liegt. Sie schaut auf. Ihre Augen weiten sich in Erwartung des Schmerzes. Schützend legt sie die Arme um ihren Bauch, der sich unter dem Kleid leicht zu wölben scheint.
Dann scheint er völlig aus sich heraus zu treten. Als sei ein Damm gebrochen lässt er die Peitsche knallen und prügelt besinnungslos auf die Frau ein. Kein Schrei kommt über ihre Lippen. Lautlos bricht sie in die Knie und kippt nach unzähligen Schlägen besinnungslos zur Seite. Wanders hört nicht auf auf sie einzuprügeln. Die Luft knistert vor Zorn und Spannung. In den Wägen werden die Gruppenmitglieder unruhig. Wieso lässt er nicht von ihr ab? Sie ist doch schon ohnmächtig. Wieso schlägt er immer noch auf sie ein. Er wird sie totprügeln. Schon jetzt blutet sie aus Wunden die ewig nicht heilen würden. Hunderte von Peitschenstriemen hatten ihre Kleidung zerfetzt und legten ihren schwangeren Bauch frei. Wieder und wieder drischt er auf sie ein. Die Männer und Frauen in den Wägen schwankten zwischen der Angst in diesen Konflikt einzugreifen und dem Verlangen dem ein Ende zu bereiten.
Wanders selbst ist in Rage. Nichts nimmt er war. Alles was für ihn existiert ist seine Wut, dieser verfluchte Körper vor ihm und seine Peitsche. So bemerkt er auch nicht, wie sich ein kleines Wesen hinter ihm heranschleicht. Ein Stöhnen geht durch die Männer und Frauen in den Wägen. Es ist die Namenlose. Inzwischen ist sie fast zur Frau herangewachsen. Ihre großen schwarzen Augen leuchten vor Hass und Entschlossenheit. Ihr wirres Haar ist mit einem einfachen Band gebunden. Aber die Strähnen fallen ihr immer wieder in das sinnliche Gesicht.
Vorsichtig tastet sie sich Schritt für Schritt vor. In der rechten führt sie einen Dolch. Sie fixiert Wanders. Als sie nah genug an ihn herangetreten war verharrte sie kurz. Ihr Blick fällt noch einmal auf die Frau, die unter dem Tobenden liegt. Dann spannt sie ihre Muskeln und springt Wanders von hinten an. Ohne auch nur einen Moment zu zögern zieht sie ihm die kalte Klinge durch die Kehle.
Blut spritzt. Wanders dreht sich um. Überraschung steht in seinen Augen. Unverständnis. Doch noch bevor er die Situation wirklich wahrnimmt kippt er gurgelnd vorne über und verreckt im Dreck.
Die Namenlose steht über ihm. Triumph. Das ist das einzige das sie spürt. Doch lange kann sie sich diesem Gefühl nicht hingeben. Denn in den Wägen bricht ein Tumult aus. Alle stürzen Hals über Kopf heraus und laufen auf sie zu.
Schnell dreht sie sich um, entwindet sich aus den Händen die nach ihr greifen und rennt davon. Sie sollte diese Gruppe nie wieder sehen.

Sie flüchtete weit. In Yûlash schloss sie sich einer Gruppe von Gaunern an. Es war das erste Mal, dass sie gerecht und fair behandelt wurde. Ihr Anführer, ein Halbgnom namens Mondao Shamil, wurde für sie zum großen Vorbild und zum Vater den sie nie gehabt hatte. Sie schwor sich auch einmal, wie er, eine Gruppe von Dieben anzuführen und so weit zu reisen wie er es offensichtlich getan hatte. Er war es auch, der sie weiter trainierte und ihr den Namen Shalima gab. Nachdem er allerdings auf einem Diebeszug durch einen verirrten Pfeil der Wache fiel, nahm sie seinen Nachnamen Shamil an und machte sich auf, die Welt zu sehen.
 
Lift with the legs, Rogar, not the back.

NeuroDad

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Shalima Shamil
« Antwort #1 am: 05. Dezember 2003, 15:53:03 »
 Auch wenn ich die Geschichte und vorallem wieder den Schreibstiel gut finde, muss ich sagen hat mir ihre Vorgeschichte von Rowen deutlich besser gefallen. Diese ist dafuer mehr eine Geschichte fuer Erwachsene :)

Poste doch die Rowen-Geschichte auch hier damit die anderen auch wissen was ich meine! :) - kannste ja in diesem Post hinten dran haengen.