Autor Thema: Der Seelenquell (20.04.06: Der Weg nach Gehenna)  (Gelesen 1923 mal)

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Levold

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Der Seelenquell (20.04.06: Der Weg nach Gehenna)
« am: 19. April 2006, 13:10:54 »
Neue Feinde oder alte Bekannte?

Gemütlich schlenderte die Gruppe durch Proskur. Auch wenn sie jetzt schon wieder seit gut zwei Zehntagen an der Oberfläche waren, war dies doch ihr erster Besuch in einer der größeren Städte seit ihrem letzten Abenteuer. Sie hofften, ihre Beute aus Maerimydra in dieser großen Handelsstadt zu Geld machen zu können. Proskur, das von einem Händlerrat regiert wurde, dessen Vergangenheit in den Diebesgilden lag, war eine der größten Städte an der Drachenküste. Händler aus aller Welt trieben sich hier rum, ebenso wie Piraten und Beutelschneider. Manch einer behauptete, man könne oft nicht unterscheiden, wer nun welchem Gewerbe anhängen würde. So überraschte es auch nicht, dass Malithil, der Klingensänger, Windan, der barbarische Halblingskämpfer und Naril, ein Drowelf und Anhänger der Göttin Eilistraee nach ihren Verkäufen auffällig häufig Kontakt mit Straßenschlägern und Taschendieben hatten. Es war ein offenes Geheimnis, dass die Händler, nachdem sie wertvolle Gegenstände angekauft hatten, sich auf diese Weise ihr Gold wieder holten. Doch hatten sie ihre Rechnung ohne diesen kämpferischen Trupp gemacht, der eher belustigt war, wenn ein Taschendieb sich wieder mal einen blutigen Striemen auf seinen zu langen Fingern eingefangen hatte, nachdem er erfolglos versucht hatte, ihre Beutel zu schneiden.

Nachdem ein Großteil der Verkäufe erledigt war, machten sie die Gefährten auf den Weg zum örtlichen Tempus – Tempel. Windan, ein Anhänger Tempus´, hatte in einem Kampf gegen eine mächtige Drowpriesterin einen Teil seiner Kraft eingebüßt und erhoffte sich nun durch einen Priester diese Kraft wiederzuerlangen.
Der Tempel war ein flaches, langgestrecktes Steingebäude. Am Kopfende wurde der Hauptraum durch einen großen Altar dominiert, der offensichtlich auch als Opferstein diente. Eine Vertiefung mit einer abführenden Blutrinne für Opfer waren in seiner Oberfläche eingearbeitet. Vor diesem archaischen Gebilde befand sich eine große, nun kalte, Feuerstelle.
Ein Priester, gekleidet in eine beschlagene Lederrüstung, beaufsichtigte einen Akolyten, der alles für den abendlichen Gottesdienst vorbereiteten. Das Gesicht des Patriarchen war gezeichnet durch diverse Kämpfe. Die Anhänger von Tempus waren kriegerischer Gesinnung. Ihr Lebensinhalt war es, Schlachten zu fördern und nie erlöschen zu lassen, so wie ihr kriegerischer Gott es wünschte.
Als die Gruppe eintrat, drehte sich der Patriarch um, als er ihre Schritte vernahm. Abschätzend musterte er die Neuankömmlinge.
„Was kann ich für euch tun?“
„Mein Name ist Malithil, das ist Windan. Windan braucht eure Hilfe.“
„Dann soll Windan auch für sich selber sprechen!“ schnaubte der Priester.
Ärgerlich blickte der Halbling zu Malithil.
„Das hatte ich auch vor! Mein Name ist Windan, der wirbelnde Wüterich, Sohn von Sohn von Gorm, der den Drachen würgte, Sohn von Redgar dem blinden Basiliskenschlächter, Sohn des berühmten Kreldig Riesenklopper, Nachfahre des Stammesgründers Felgur Sturmwind. Vielleicht habt ihr schon von meinem Stamm gehört?“
„Nein, habe ich nicht. Aber euren Namen habe ich bereits vernommen. Meiner ist übrigens Orgrim. Ihr kommt von Dolchtal, richtig?“
Erleichtert nickte Windan.
„Ja das stimmt. Wegen eures bekannten Tempels bin ich extra nach Proskur gereist, um Tempus zu dienen und eure Hilfe zu erbitten. Vielleicht kann ich ja einen Kampf für Tempus führen, so dass ihr mir eure Hilfe zuteil werden lassen könnt.“
„Es sollte für jeden Anhänger Tempus´ eine Ehre und Selbstverständlichkeit sein, für ihn zu kämpfen!“ entgegnete der Priester aufbrausend.
Beschwichtigend nickte Windan.
„Das ist es ja auch! Aber seht, folgendes ist passiert,“ und ausführlich setzte Windan an, zu erzählen was ihm in Maerimydra wiederfahren war. „..., und deswegen brauche ich eure Hilfe. Ich dachte, vielleicht gibt es einen Kampf, eine Schlacht, eben eine Aufgabe, die für Tempus von großen Interesse ist. Ich würde sie für ihn schlagen und erhoffte mir so, dass ihr mir dann helfen würdet.“
Nachdenklich biss sich Orgrim auf seine Unterlippe. Nach einiger Zeit entgegnete er „Kommt morgen früh wieder. Vielleicht weiß ich dann mehr.“
Windan erklärte sich einverstanden und verließ mit seinen Freunden den Tempel wieder.

Die Straßen von Proskur waren stark gefüllt. Da das Mondfest anstand, welches das Ende des Jahres einläutete, waren überall Stände aufgebaut, die ihren Waren feilboten. Hier konnte alles erworben werden, was das Herz begehrte: von Töpfen über fremdartige Gewürze und Waffen bis hin zu Sklaven aus dem fernen Calimshan oder noch exotischeren Orten. Und natürlich waren auch die Priester vieler Götter auf der Suche nach neuen Anhängern. Auf ihrem Weg durch die Stadt kamen sie so auch an einem Priester Ilmaters vorbei. Er war in eine einfache graue Robe gekleidet und hatte seine Hände mit einer roten Kordel als Zeichen seines Glaubens umwickelt. Was allerdings am meisten auffiel, waren seine Augen: durchdrungen von einer Gottergebenheit, die dem Wahnsinn nicht weit schein, starrten sie die Schaulustigen an während er seine Predigt hielt.
„... geboren ohne Seelen! Dies ist ein Zeichen Ilmaters, dem Schützer aller Kinder, Träger der Leiden des irdischen Lebens! Wendet euch ab von Tand und Flitter! Sucht Erlösung im der Barmherzigkeit Ilmaters und nehmt auch wie er die Leiden der Welt auf eure Schultern! Nur dann, und nur dann, werden die Kinder auch wieder mit einer Seele erfüllt sein!“
Kopfschüttelnd wandte sich Malithil wieder ab und ging weiter.
„Verrückter Alter“ murmelte er noch im weitergehen.
Die Gefährten waren noch nicht weit gekommen, als vor ihnen plötzlich eine Panik ausbrach. Menschen rannten schreiend auseinander in dem Bestreben dem Platz zu machen, was dort plötzlich erschienen war.
Mitten auf der Straße wand sich plötzlich eine riesige Schlange. Doch ihr Oberkörper war der einer Frau, eingehüllt in Stachelketten, die ihr anscheinend als Kleidung als auch als Waffen dienten. Gebannt starrte Windan auf dieses Monstrum. Ihr Gesicht hatte ihn in seinen Bann gezogen, denn er kannte diese Züge: es war das Gesicht von Irae Tsarran! Jene Drowpriesterin die sie in Maerimydra gehofft hatten zu töten. Noch während der Halbling darüber nachdachte, wieso dieses Viech aussah wie die Priesterin, schossen die Ketten nach vorne. Zu schnell waren sie, als das jemand von ihnen hätte reagieren können. Brutal wurde Windan von den Ketten nach vorne gerissen. Im gleichen Augenblick schoss der mächtige Schlangenschwanz auf ihn zu und schlang sich um seinen Hals. Gewaltige Muskeln spannten sich, als der Unterleib des Dämons ihm die Luft abdrückten. Langsam schwanden dem Halbling die Sinne. Malithil und Naril stürmten nach vorne, entschlossen das Ungeheuer zu töten und ihren Freund zu retten, ihre Waffen trafen jedoch Luft. Wo eben noch ihr Kamerad mit der Schlangenfrau in einen tödlichen Ringkampf verwickelt war, befand sich nun... nichts!
Malithil strengte sein Wissen über die Magie an und erinnerte sich, dass dieses Monstrum einen Helm getragen hatte. Er hatte solche Helme schon mal gesehen: sie dienten der Teleportation.
Fluchend schaute er sich um. Noch immer flüchteten die Menschen in Panik. Doch aus dem Chaos um ihn herum trat eine Mensch heraus. Er hatte markante Züge, unterstrichen durch seine grünen Augen. Seine Haare waren militärisch kurz geschnitten und seine dunkle Kleidung machte einen gepflegten Eindruck. In seiner rechten Hand hielt er ein Schwert, welches aber harmlos nach unten zeigte. Trotzdem hob Malithil abwehrbereit seine Waffe, wohlwissend um die Schnelligkeit mancher Schwertmeister.
„Was wollt ihr!“ fuhr er ihn an.
„Ich hatte gehofft, euch helfen zu können. Doch die Cathezar war zu schnell.“
„Die Cathezar?“ Fragend runzelte der Elf die Stirn.
„Ja, sie ist...“ Der Fremde verstummte und schaute sich um. „Vielleicht sollten wir uns einen Ort suchen, der etwas vertraulicher ist. Was meint ihr?“
Malithil nickte zustimmend.
„Gute Idee. Geht doch bitte vor, ihr scheint euch hier auszukennen.“
Der Fremde steckte seine Waffen weg und machte sich auf den Weg. In dem Augenblick als er ihnen den Rücken zuwendete, hob der Klingensänger seinen Bogen und murmelte leise ein paar Worte. Die fremdartige Waffe vermochte es, ihrem Träger etwas über die Absichten einer anderen Person zu vermitteln. Doch in diesem Fall blieb der Bogen stumm. Das hieß, dass ihre neue Bekanntschaft ihnen zumindest nicht übel gesonnen war.

Nach ein paar Minuten kehrten sie in eine Schenke ein. Nurn, so hatte sich der Fremde inzwischen vorgestellt, gab dem Wirt ein paar Goldmünzen. Dafür wies er ihnen eine Nische zu, die durch einen Vorhang abgetrennt werden konnte und so den Gästen ermöglichte, in intimer Atmosphäre  sich zu vergnügen oder Geschäfte abzuwickeln. Beide Möglichkeiten wurden von Händlern die in Proskur verweilten gerne in Anspruch genommen.
Nachdem eine Schankmaid die Getränke gebracht hatte, eröffnete Nurn das Gespräch.
„Wie ich bereits erwähnt habe, kenne ich die Cathezar. Ich verfolge sie schon lange. Sie steht in den Diensten eines Dämonenfürsten. Sein Name ist Aameul, Wisst ihr, was sie von euch will?“
Malithil und Naril schüttelten beide mit den Köpfen.
„Nein, keine Ahnung. Hast du einen Verdacht?“
„Den habe ich tatsächlich. Die Cathezar sucht einen Nachfahren eines Halblingkriegers mit dem Namen Erbendorz. Anscheinend glaubt sie, dass euer Freund dieser Nachfahre ist.“
„Warum sucht sie diesen Nachfahren?“
„Das weiß ich leider auch nicht genau. Was ich weiß, dass Aameul, wie fast alle Dämonen, nach größerer Macht strebt. Allerdings hat er, soviel konnte ich in Erfahrung bringen, anscheinend einen Weg gefunden, seine Macht immens zu vergrößern. Das muss verhindert werden!“
„Und was hat Windan damit zu schaffen?“
„Dieser Nachkomme soll den Wyrm zähmen, was immer das auch bedeuten soll. Ach ja, in diesem Zusammenhang fiel auch noch ein Name: Die Bastion der ungeborenen Seelen.“
„Was soll das schon wieder sein?“
Nurn zuckte mit den Schultern.
„Ich habe keine Ahnung.“
„Was sollen wir als nächstes tun?“
Fragend blickte Malithil zu Naril. Der oft in Gedanken abwesende Drow schreckte auf, als er angesprochen wurde.
„Was? Wie? Oh, ähm... ich weiß nicht?“
Malithil seufzte.
„Wir könnten den Tempuspriester aufsuchen. Er wollte Windan doch sowieso helfen. Vielleicht hilft er auch uns ihn zu suchen.“
„Wenn es euch nichts ausmacht, werde ich euch begleiten.“
Malithil nickte zustimmend.
„Nein, es macht uns nichts aus. Du weißt viel über unseren neuen Feind. Vielleicht kannst du uns behilflich sein. Ach ja, bevor ich es vergesse: verändert sie ihr Gesicht in einen altbekannten Feind?“
„Ja, das kann sie. So verunsichert sie ihre Feinde und erhofft sich einen Vorteil.“
„Mistvieh!“ Malithil spuckte angewidert aus, als sie wieder auf die Straße traten.
Inzwischen hatte es angefangen zu schneien. Die dunklen Straßen von Proskur wurden durch Fackeln erleuchtet, die an hohen Stangen befestigt waren und in regelmäßigen Abständen erneuert wurden. Das Mondfest war inzwischen in vollem Gange und eine große Anzahl von Feiernden schob sich durch die Straßen und Gassen. Es dauerte einige Zeit, bis sie wieder am Tempus – Tempel angekommen waren. Als sie ihn erreichten, sahen sie, dass ein Gottesdienst abgehalten wurde.
Der Priester stand vor dem Altar und hatte eine lauten Gesang angestimmt. Das Lied an seinen Gott war natürlich ein Schlachtengesang. Währenddessen führten zwei andere Priester einen zeremoniellen Schwertkampf auf, den sie um die Feuerstelle herum austrugen, in der hohe Flammen loderten. Ihre Körper bewegten sich im perfekten Rhythmus zur Melodie des Gesangs und das Klirren ihrer Waffen schien abgestimmt zu sein auf das Lied.
Unsicher schaute sich Malithil um, da er nicht den Dienst an Tempus stören wollte, es ihn aber auch drängte, seinen Freund zu retten. Nach einem kurzen Augenblick sah er einen jungen Akolyten am Rande der Gemeinde stehen. Leise sprach er ihn an.
„Ich war heute morgen mit einem Freund bei eurem Patriarchen. Mein Freund ist ein Anhänger Tempus und in großer Gefahr. Wir brauchen eure Hilfe.“
„Wartet bis der Gottesdienst vorbei ist. Dann könnt ihr mit ihm sprechen.“
Nach dem Gottesdienst verteilten sich die Gläubigen in die Nacht und unter den Feiernden. Kurz darauf kam Orgrim zu ihnen.
„Ich hatte euch doch gesagt, ihr sollt morgen kommen!“
„Es ist dringend!“ Kurz berichtete Malithil, was ihnen heute passiert war.
„Das ist in der Tat übel. Was wünscht ihr nun, was ich für euch tue?“
„Könnt ihr ausfindig machen, wohin dieses Monstrum ihn verschleppt hat?“
„Das kann ich in der Tat. Ich werde es auch für machen. Am besten bringt ihr mir noch etwas, was ihm gehört. In der Zwischenzeit werde ich alles vorbereiten.“
Naril machte sich schnell auf den Weg in ihre Herberge, um etwas zu suchen, was Windan gehörte. So schnell wie möglich kehrte er danach mit seinem Schlafzeug wieder.
„Das ist gut, damit lässt sich was anfangen. Nun,“ begann er gedehnt, „die Kirche Tempus freut sich auch...“
„Wieviel?“ unterbrach ihn Malithil.
„Vierhundert!“
Ohne zu zögern fischte der Elf das Gold aus seinem Rucksack und überreichte es an den Priester, der es wiederum an einen Akolyten übergab. Danach machte er sich daran, das Ritual durchzuführen.
Er hatte eine große silberne Schüssel mit heiligem Wasser gefüllt. Langsam strich er mit einem Zeremonienschwert über die glatte Oberfläche. Als er das tat, stimmte er eine Litanei an.
„Tempus, Herr aller Schlachten!
Ein Krieger in deinem Namen ist in der Hand eines Feindes.
Zeige mir den Ort, um ihn zu befreien,
dass seine Klinge auch fürderhin deinen Namen preisen kann!“
Er wiederholte die Worte immer und immer wieder. Dabei ließ er ab und zu einige Fäden von der Decke und einige Haare Windans in das Wasser fallen. Malithil, Naril und Nurn  hatten sich auf eine Bank am Rande des Raumes gesetzt und beobachteten schweigend den Priester.
Nach ungefähr einer Stunde verstummte das Gemurmel plötzlich. Der Patriarch hatte seine Stirn in tiefe Falten gezogen und er starrte angestrengt in das Wasser, als würden seine Augen Dinge erblicken, die für andere nicht zu erkennen waren. Nach einiger Zeit erhob er sich langsam. Schweiß stand auf seiner Stirn und er blickte die Gefährten, die sich ebenfalls erhoben hatten und nun wieder näher heran getreten waren, ernst an.
„Ich habe gute, aber auch sehr üble Neuigkeiten für euch. Euer Freund lebt.“
„Das ist die gute, nehme ich an?“
Erleichtert blickte Malithil den Priester an.
„Ja, er lebt. Er ist allerdings sehr schwer verletzt und gefangen in einer dreckigen Zelle.“
„Lass mich raten. Die üble Nachricht ist der Ort, an dem sich diese Zelle befindet?“
„Richtig. Sie liegt in Gehenna. Um genau zu sein, in der Kriechenden Stadt!“
Fragend blickten die drei ihn an. Seufzend schüttelte der Priester seinen Kopf.
„Gehenna ist eine andere Ebene. Sie ist die Heimat von üblen Dämonen. Und ihre Hauptbewohner sind die Yugoloth.“
Wieder blickten die drei verständnislos.
„Ich werds euch zeigen.“
Der Patriarch verschwand kurz in Räumlichkeiten, die anscheinend den Priestern vorbehalten waren. Kurz darauf erschien er wieder mit einem Buch. Er schlug eine Seite auf und zeigte den Recken ein Bild.
„Oh Scheiße!“ entfuhr es daraufhin Malithil.
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Ihr fetten, wohlgenährten Städter! (Shakespeare)

Levold

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Der Seelenquell (20.04.06: Der Weg nach Gehenna)
« Antwort #1 am: 19. April 2006, 13:13:34 »
Der Nachfolger zu unserer CotSQ - SH (Kampf um Marerimydra). Und zwar "Bastion der gebrochenen Seelen".
Die Gruppe hat sich etwas verändert.
Bei Fragen stehe ich euch gerne zur Verfügung.
Levold
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Levold

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Der Seelenquell (20.04.06: Der Weg nach Gehenna)
« Antwort #2 am: 20. April 2006, 19:50:09 »
Der Weg nach Gehenna

„Könnt ihr uns nach Gehenna bringen?“
Fragend schaute Malithil Orgrim, den Patriarchen des Tempus – Tempels in Proskur an. Dieser schwieg einen Augenblick. Dann nickte er ernst.
„Das könnte ich theoretisch wirklich. Allerdings bräuchte ich dafür eine Art Schlüssel, der mir die Ebene von Gehenna öffnet. Und wenn ich diesen hätte, könnte ich euch auch nur hinbringen. Euren Rückweg müsstet ihr selber finden.“
„Wo könnten wir so einen Schlüssel bekommen?“
„Ich weiß es nicht. Vielleicht wendet ihr euch für so was an Olrain. Er ist ein Auftragsmagier. Wenn es jemanden gibt, der euch helfen kann, dann er.“
„Wo finden wir diesen Olrain?“
Orgrim beschrieb ihnen den Weg und sie machten sich noch am selben Abend auf den Weg, bestrebt ihren verlorenen Kameraden möglichst schnell wieder zu befreien.
Olrain lebte in einen Turm inmitten der Stadt. Die Eingangstür war aus schweren Eichenbohlen gezimmert und mit dicken Stahlbändern verstärkt. An der Vorderseite prangte ein mächtiger gusseiserner Türklopfer. Malithil hämmerte ihn feste gegen das Holz. Kurz darauf öffnete sich die Tür und gab den Blick auf einen kurzen Flur frei. Schemenhaft war eine Treppe zu erkennen, die nach oben führte.
„Hallo?“
Malithil machte vorsichtig einen Schritt hinein.
„Entschuldigt bitte, wenn wir euch stören. Aber wir benötigen dringend eure Hilfe. Ihr wurdet uns empfohlen, dass ihr der Richtige seid.“
„Mit wem redest du?“
Irritiert blickte Naril Malithil an. Inzwischen hatte auch Nurn den Flur betreten und verharrte lauschend auf der untersten Stiege.
„Ich glaube, ich habe oben jemanden gehört. Lasst uns hinauf gehen.“
Oben angekommen standen sie wieder vor einer verschlossenen Tür.
Malithil räusperte sich.
„Entschuldigt bitte, wenn wir...“
„Jetzt kommt endlich rein! Oder was glaubt ihr, warum ich euch unten die Tür aufgemacht habe!“
„Na... natürlich.“
Verdattert verstummte Malithil und öffnete die Tür. Dahinter lag eine Art Studierzimmer. Bücherregale, Tische, Stühle und auch der Boden waren über und über mit Büchern bedeckt. Dazwischen steckten Schriftrollen, Trankflaschen, ausgestopfte Tiere, Einmachgläser mit undefinierbaren Inhalten, eine Kristallkugel und noch allerlei anderes Zeug. Auf einem der Regal saß sogar ein lebendiger Rabe, der ein mürrisches „Krah!“ verlauten ließ. Inmitten dieser heillosen Unordnung saß ein Mann. Seine Robe spannte sich bedenklich über seinen feisten Bauch. Das Gesicht wurde von wild wuchernden schwarzen Haaren und einem ungepflegten Bart eingerahmt. Irgendwo in diesem Gestrüpp musste sich auch sein Mund befinden, denn er stopfte Löffel um Löffel eines Eintopfes, dessen Schüssel auf einem Bücherstapel balancierte, in ihn hinein, während er dabei in einem Buch blätterte. Die Hälfte des Essens landete im Bart und auf der Kleidung und gesellte sich dort zu den Resten längs vergangener Mahlzeiten. Malithil wirkte angewidert, während Nurn belustigt und Naril einfach nur überrascht die Szenerie vor sich in Augenschein nahmen. Malithil setzte wieder an, etwas zu sagen.
„Also, wir...“
Ärgerlich winkte der Mann, von dem sie annahmen, dass er Olrain sei, ab.
„Jetzt nicht! Setzt euch irgendwo hin und seid still!“
Die drei Besucher schauten sich um und räumten einige Sessel frei, auf die sie sich setzten. Danach warteten sie darauf, dass Olrain seine Lektüre beendete. Nach ein paar Minuten hatte er die Schüssel geleert. Danach fing er an zwischen seinen Büchern zu wühlen.
„Irgendwo... ich weiß, dass ich doch... verdammt noch mal!... Hah, ich habs gewusst!“
Triumphierend hielt er eine Korbflasche in die Höhe. Vom Schreibtisch klaubte er sich einen Becher, den er gründlich inspizierte und von alten Getränkeresten befreite.
„Wenn ihr wollt, sucht euch auch ein paar Becher und ich schenk euch ein.“
Vorsichtig nahmen sich die Gäste Becher vom Tisch, die zwischen den Büchern verteilt waren und hofften, dass sie nicht allzu lange dort ungereinigt gestanden hatten. Malithil säuberte seinen Becher mit einem kleinen Zaubertrick, bevor er sich einschenken ließ. Als er daran nippte, verzog er den Mund. Dieser Fusel war selbst nach menschlichen Maßstäben sauer! Allerdings ließ sich der fette Kerl davon nicht weiter abhalten, einen tiefen Schluck zu nehmen. Mit einem lauten Rülpser und einem wohligen Seufzen lehnte er  sich danach zurück. Er schaute seinen Besuch neugierig an.
„Was wollt ihr von mir?“
„Ihr wurdet uns empfohlen. Von Olgrim.“
„So? Kenn´ ich nicht!“
„Ein Freund von uns wurde verschleppt. Nach Gehenna! Olgrim sagte uns, ihr könntet uns einen Schlüssel dorthin besorgen. Ihr kennt die Ebenen bestimmt doch wie eure eigene Westentasche, nicht wahr?“
Malithil ließ seinen Worten ein joviales Augenzwinkern folgen.
„Ich habe gar keine Weste!“ antwortete Olrain verschmitzt.
„Nun, dann vielleicht wie die Tasche eurer Robe?“ gab Malithil nicht auf. Naril hatte bei den Worten angefangen, seine Jackentasche zu inspizieren.
„Hör zu, Elflein. Dein schleimendes Gewäsch kannst du dir hier sparen. Euch nach Gehenna bringen! Ha! Vielleicht könnte ich das. Aber warum sollte ich das machen? Ich kenn euch dahergelaufenes Gesindel doch überhaupt nicht! Wer seid ihr überhaupt“
Malithil versuchte sich zusammen zu nehmen. Dieser Magier war wirklich eines der unangenehmsten Exemplare der Spezies Mensch. Der Klingensänger atmete tief durch.
„Mein Name ist Malithil.“
„Ich bin Nurn.“
„Ich habe einen Dietrich in meiner Tasche.“ verkündete Naril. Verdutzt blickten ihn die anderen an.
„Ich-habe-einen-Dietrich-in-meiner-Tasche ist mir eindeutig zu lang als Name. Ich werde euch der Einfachheit halber nur Dietrich nennen. Haha! Ein Drow der Dietrich heißt!“
Olrain amüsierte sich köstlich. Aber auch Nurn und Malithil konnten ein Grinsen nicht ganz unterdrücken.
„Ihr kennt ja nun unsere Namen. Werdet ihr uns helfen?“
Malithil lenkte das Gespräch wieder auf ihr eigentliches Ansinnen.
„Und immer noch: Wieso sollte ich so was tun? Woher soll ich wissen, dass ihr nicht Pest und Hölle mit hierhin bringt?“
„Dann testet uns doch einfach. Wirkt einen Zauber, der uns die Wahrheit sprechen lässt.“
„Ihr habt anscheinend keine Ahnung von so was. Das können nur Priester. Aber wenn ihr mir ein Zeichen eurer Vertrauenswürdigkeit geben würdet, ja dann...“
„Was soll das denn sein?“ fragte Malithil inzwischen etwas entnervt.
„Wieviel wollt ihr?“ Naril blickte den Magier auffordernd an.
„Wenn ihr mich schon so direkt fragt. Also mit 300 Goldmünzen würde ich euch schon trauen.“
„Und was bekommen wir dafür?“ Malithil war eindeutig angeekelt von soviel Gier.
„Ich zeige euch einen Weg, der euch nach Gehenna bringt... und wieder zurück!“
Malithil war überrascht.
„Das ist tatsächlich ein gutes Angebot.“
„Aber erst das Geld.“
Naril zog einen Beutel mit Goldstücken hervor und fing an betont langsam den Betrag Münze für Münze abzuzählen. Nachdem dies geschehen war, überreichte er Olrain mit einem breiten Grinsen das Gold. Dieser nahm den Beutel entgegen und grinste nun ebenfalls Naril an.
„Ich werde vorsichtshalber noch einmal nachzählen.“
„Ich werde euch helfen.“
Und so ging es noch ein Weilchen hin und her, bis jede Münze mindestens fünfmal gezählt worden war. Naril stellte übrigens einige Tage später fest, dass ihm fünf Goldmünzen abhanden gekommen waren.
Nachdem das Gold gezählt und wieder verstaut war, erhob Olrain wieder seine Stimme.
„Wie ihr vielleicht wisst, gibt es zu allen Ebenen Portale. Man muss nur wissen, wo sie stehen und wie man sie zu nutzen hat. Und so gibt es auch ein Portal nach Gehenna. Es wird bestimmt noch mehr geben, aber nur dieses eine ist mir bekannt. Es wurde von den Yugoloth eingerichtet, um eine ständige Verbindung zu unserer Welt zu haben. Allerdings ist es schwer bewacht von ihnen, denn sie wollen schließlich nicht, dass jedermann dadurch reist, wie es ihm beliebt. Und es gibt noch einen weiteren Haken. Es liegt nicht gerade um die Ecke. Es ist in einem alten, längst vergessenen Tempel in der Anauroch.“
Malithil verdrehte die Augen.
„Könnt ihr uns dahin bringen?“
„Natürlich. Ihr habt sogar die Wahl. Zwischen dem Luxuspaket oder dem Ochsenkarren!“
„Was soll das schon wieder heißen?“
„Ich kann euch direkt vor der Tür absetzen oder euch nur ungefähr in die Richtung bringen.“ Olrain fuchtelte bei seinen Worten wild in der Luft herum. „ Der Unterschied macht sich natürlich auch im Preis bemerkbar.“
„Wir nehmen das Luxuspaket. Wieviel?“
„Das kostet euch tausend Goldmünzen.“
Malithil blickte Naril und Nurn an.
„Ich denke, wir müssen noch ein paar von den Dingen verkaufen, die wir aus Maerimydra mitgebracht haben.“ Danach wandte er sich wieder an Olrain.
„Wann könnt ihr uns hinbringen?“
„Kommt morgen zu mir... aber nicht soo früh!“
„Natürlich nicht. Wir würden es nicht wagen, euren Schönheitsschlaf zu stören.“

Am nächsten Tag wurden noch einige Dinge aus dem Rucksack von Windan zu Gold gemacht, bevor die Recken am frühen Nachmittag zu Olrain zurückkehrten. Als sie an seine Tür klopften, öffnete sie sich wieder auf magische Weise von aleine. Nurn erspähte allerdings ein ausgeklügeltes System von Drähten, die über Spulen liefen und man so die Tür vom Arbeitszimmer des Magiers aus öffnen konnte. Ein nachsichtiges Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Sollte der dicke Mann doch seinen Spaß haben. Er würde ihn auf jeden Fall nicht verraten.
Olrain erwartete sie bereits zwischen seinen Büchern. Er hatte einen detaillierten Atlas von der Anauroch auf den Knien, wohl um sich noch einmal vertraut mit dem Ort zu machen, an den er die drei teleportieren wollte. Als sie eintraten schaute er auf und legte das schwere Buch an die Seite.
„Seid ihr so weit?“
Heute schien er etwas ernster bei der Sache zu sein als am gestrigen Abend. Als die Helden auf seine Frage hin nickten, schien er zufrieden.
„Gut. Öhm, ihr legt wahrscheinlich keinen Wert auf großes magisches Brimborium oder so?“
Naril schaute ihn entgeistert an.
„Was meint ihr damit?“
„Naja. Unheimliche Worte der Beschwörung, kleine Rauchwolken und so was eben. Ist alles im Preis mit inbegriffen, wenn ihr es haben wollt. Übrigens müsst ihr mir das Geld noch geben.“
Malithil reichte ihm einen Beutel mit Münzen.
„Bemüht euch nicht. Bringt uns einfach in die Anauroch. Das genügt.“
„Hab ich mir gedacht. Gut. Ich werde euch etwas außerhalb des Tempels ankommen lassen. Fasst euch nun an den Händen.“
Nachdem sie alle einen Kreis gebildet hatten, reihte sich Olrain ein. Er schloss die Augen und konzentrierte sich. Dann murmelte er leise eine Beschwörungsformel. Sofort begannen die Konturen des Arbeitszimmers zu verschwimmen und wurden durch eine karge Felsen- und Sandlandschaft abgelöst. Während in Proskur gerade der Winter Einzug hielt, war es hier unangenehm heiß. Sie waren in der Anauroch, der größten Wüste in Faerun.
Malithil sprach einen Zauber, der ihn gegen die Hitze unempfindlich machte, Nurn und Naril entledigten sich zwar einiger ihrer Kleidungsstücke, waren aber ansonsten der Sonne schonungslos ausgeliefert.
Als sie sich umschauten, sahen sie, dass sie sich am Rande einer kleinen Schlucht befanden. Auf dem Boden der Schlucht konnten sie die Vorderfront eines in die Felswand eingearbeiteten Gebäudes ausmachen. Gemeinsam begannen sie den Abstieg über eine natürlich entstandene Treppe. Unten angekommen konnten sie erkennen, dass der Tempel aus dunkelrotem Marmor erbaut war, der von schwarzen Adern durchzogen war. Die Eingangstür hing schief in ihren Angeln. Vor dem Tempel befand sich ein Bassin, das sogar noch mit Wasser gefüllt war. Allerdings war das Wasser durch Algen und anderen Unrat stark verschmutzt. Links und rechts des Bassins standen große Säulen, die abwechselnd aus schwarzem und weißem Marmor errichtet worden waren. Als Nurn sich umblickte, erhaschte er eine Bewegung innerhalb des Beckens. Neugierig trat er näher. Er konnte zwei mächtige Körper ausmachen, die in dem großen Bassin schwammen. Er machte seine Gefährten auf seine Entdeckung aufmerksam.
„Wir sollten besser einen großen Bogen um diesen Teich machen. Wer weiß, wer darin jetzt haust.“
Einem Halbkreis folgend näherten sie sich dem Eingang, als plötzlich vor ihnen der Sand in Bewegung geriet. Schneller als er reagieren konnte, schlugen zwei lange Tentakel nach Malithil und fügten ihm eine tiefe Verletzung zu. Die Tentakel hingen an einem fassförmigen Wesen, was sich gerade mit Hilfe seiner sechs Arme und den beiden Tentakeln aus dem Sand wühlte. Offensichtlich hatte es dort gelauert. Sein Körper war mit langen Binden umwickelt, was die Helden vage an eine Mumie erinnerte.
Nachdem es so überraschend angegriffen hatte, schlug es blitzschnell noch einmal zu, verfehlte diesmal allerdings Malithil. Naril schien auf einmal mit dem spärlichen Schatten zu verschmelzen und verschwand, während Nurn sein Kurzschwert zog und gemeinsam mit Malithil zum Angriff überging. Wieder schlugen die Arme zu, verfehlten aber ein weiteres Mal. Inzwischen war auch Naril wieder aufgetaucht. Geschickt hatte er sich hinter dieses Monstrum geschlichen und attackierte es nun von hinten. Gemeinsam bezwangen sie so diesen merkwürdigen Feind, der nach seinem Überraschungsangriff keine weiteren Treffer mehr hatte anbringen können.

Als sie sich wieder dem Tempeleingang zuwanden, bemerkten sie, dass sie beobachtet wurden. Hinter der Tür, die nur noch schief in ihren Angeln hing, sahen sie mehrere beunruhigende Gestalten. Es waren zwei menschengroße Kreaturen, doch schienen sie mit Insekten verwandt zu sein. Sie hatten große Facettenaugen, einen dicken Chttinpanzer und vier Arme, die in gefährlichen Klauen endeten, in denen sie lange Dreizacke trugen. Bei ihnen befanden sich noch vier hundeähnliche Wesen. Sie hatten einen gedrungenen Körper, ebenfalls menschengroß, der von schweren Panzerplatten geschützt wurden. Aus ihren Mäulern, das kreisrund von insgesamt vier Kiefern umgeben war, hingen lange Zungen. Vorsichtig näherten sich die Gefährten dem Eingang. Malithil ging vorne weg.
„Wir möchten nach Gehenna!“ erhob er seine Stimme. Die Wesen erwiderten etwas in einer Sprache, die einem eine Gänsehaut über den Rücken jagte.
„Das ist Abyssisch“ mischte sich Nurn ein. „Lasst mich mit ihnen reden.“
Nurn erwiderte etwas in derselben Sprache und es entspann sich ein kurzes Gespräch.
Malithil musterte Nurn misstrauisch.
„Was hast du ihnen gesagt.“
„Ich hab ein wenig über die Ebenen gelesen, so auch über Gehenna. Ich weiß, dass die Kriechende Stadt von einem Yugoloth regiert wird, denn sie den General nennen. Sie sind sehr militärisch organisiert. Ich habe gesagt, dass der General nicht sehr erfreut wäre, wenn sie uns wieder wegschicken würden. Nun holen sie ihren Befehlshaber.“
In diesem Augenblick trat eine neue Gestalt hinzu. Auch dieser war in Etwa menschengroß, allerdings hatte er einen in die Länge gezogenen Schädel und eine dunkelgraue Haut. Seine Augen hatten anstatt einer Pupille eine Art Wirbel, der ständig die Farben wechselte. Gekleidet war er in eine lange dunkelviolette Robe. An seiner Seite hing ein Langschwert. Selbstsicher stellt er sich in die Tür und musterte die Helden.
„Was wollt ihr hier?“
Überrascht blickten die Recken sich an. Der Yugoloth sprach die allgemeine Handelssprache.
Nurn wiederholte ihr Anliegen und wies auch hier noch mal auf den General hin. Nachdenklich schwieg der Anführer einen kurzen Augenblick. Als er wieder sprach hatte seine Stimme einen gehässigen Unterton.
„Gut, ihr dürft passieren. Aber ihr müsst einen Wegezoll entrichten.“
Erleichtert atmeten sie auf. Ihr Trick schien funktioniert zu haben.
„Wir zahlen 300 Goldmünzen“ bot Malithil an.
„Für jeden von euch!“
Malithils Hand senkte sich auf sein Schwert, als er seinen Blick über diese merkwürdigen Wesen schweifen ließ, dann entspannte er sich wieder.
„Wir nehmen es aus Windans Vorrat. Er wird es wohl für seine Rettung gutheißen.“
Nachdem sie den Obolus entrichtet hatten, wurden sie in den Tempel geführt. Das Innere schien größtenteils unverändert. An der Decke im Vorraum konnten sie die Darstellung eines Gottes ausmachen, der ihnen gänzlich unbekannt war. Es ging einige Gänge entlang, Malithil merkte sich aufmerksam jede Abzweigung, und durch zwei Geheimtüren, die durch einen einfachen versenkbaren Stein geöffnet werden konnten, als sie in einem kleinen Raum ankamen. Ehemals schien er als eine Schlafkammer gedient zu haben. Die Möbel waren zerschlagen und an die Seite geräumt um so an einer Wand Platz zu schaffen. An dieser Wand war nun ein schwarzer wirbelnder Strudel sichtbar, der anscheinend ins Nichts führte.
„Bitte. Euer Weg.“
Der Yugoloth lud sie mit einer herablassenden Bewegung ein einzutreten. Malithil zögerte kurz und warf dann der Kreatur einen drohenden Blick zu, bevor hindurch trat. Die anderen taten es ihm gleich.

Als sie auf der anderen Seite ankamen, waren sie alle einen kurzen Augenblick desorientiert. Das erste was sie bemerkten, war die drückende Hitze. Als sie sich umsahen, bemerkten sie, dass sie sich in einer Kammer befanden, Wände und Boden waren aus schwarzem Stein, Obsidian, gefertigt. Doch sie waren nicht alleine. Mit ihnen befanden sich vier Yugoloth hier. Sie hatten ebenfalls diese längliche Schädelform. Als die Recken sich wieder orientieren konnten, hatte ihr Empfangskomitee bereits seine Waffen gezogen. Nurn trat beschwichtigend nach vorne um mit ihnen zu reden. Seufzend teilte er seinen Kameraden mit, dass diese Yugoloth ebenfalls Gold wollten. Zähneknirschend entrichteten sie daraufhin noch einmal 500 Goldmünzen. Malithil erwog diesmal in Blut zu zahlen, doch konnte er seine Gegner nicht einschätzen und wusste auch nicht, wie viele sich von ihnen noch in der Nähe aufhielten.
Als sie den Raum verließen, kamen sie über einen Gang in eine große Halle. Hier führte ein großes Tor nach draußen. Draußen verschlug es ihnen erst einmal den Atem. Die Luft war hier unerträglich heiß. Über ihnen hing ein schwarzer Himmel, der von einem Feuer erleuchtet schien. Alle Gebäude in dieser Stadt schienen aus Obsidian gefertigt worden zu sein. Durch die Straßen schoben sich Wesen, die in den Reichen nie gewagt hätten sich offen zu zeigen. Vor ihnen rumpelten große Karren über das Pflaster, gezogen von riesigen Echsen. Der Händler schien ein Gedankenschinder zu sein, bewacht von dämonenartigen Wesen. Hinter dem Karren wanderte eine Kolonne von Kobolden, die alle in Eisen geschlagen waren. Und so ging es weiter: sie sahen Truppen von Dämonen und Teufeln, die militärisch diszipliniert durch die Straßen marschierten. Normalerweise, so erinnerte sich Malithil, hassten und bekriegten sie diese Wesen bis aufs Blut. Doch hier, so schien es, hielten sie eine Art Waffenstillstand. Über eine der großen Straßen sahen sie einen Betrachter schweben. Als die Helden durch diese Stadt gingen, hielten sie ständig ihre Waffen bereit und warfen immer wieder Blicke über ihre Schultern. Doch noch etwas fiel ihnen auf: der Boden schien ständig ein wenig zu zittern, als ob ein nicht enden wollendes Beben ihn erschütterte.
Nach einiger Zeit kamen sie an die Grenzen der Stadt. Ihnen öffnete sich ein unvorstellbarer Blick. Die Stadt war auf riesigen Beinen erbaut, die sich bewegten und über Gehenna trugen. Diese dämonischen Füßen wateten durch ein Meer aus Lava und Feuerströmen. Noch während die Recken mit offenen Mündern über eine niedrige Mauer auf dieses Schauspiel starrten, begann der Boden unter ihren Füßen zu kippen. Die ganze Stadt begann sich zu neigen, als die Füße begannen einen Abhang zu erklimmen. Schnell suchten sich Malithil, Nurn und Naril Möglichkeiten, um sich festzuhalten. Nach ein paar Minuten schien die Stadt in einem Winkel von ca. 45° zu bleiben, während die Beine sie ständig weiter trugen.
Ernst blickte Malithil seine Kameraden an.
„Dann lasst uns mal überlegen, wie wir Windan hier finden wollen.“
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kreuzi

  • Mitglied
Wann geht es denn weiter ?
« Antwort #3 am: 07. Juli 2006, 11:16:09 »
Hallo Levold,

wann stürzt sich Deine Gruppe denn mal wieder in ein neues Abenteuer ? Schließlich ist Windan immer noch weg.

Wie geht es denn weiter ?

Gruss,

kreuzi

Heretic

  • Mitglied
Der Seelenquell (20.04.06: Der Weg nach Gehenna)
« Antwort #4 am: 07. Juli 2006, 14:44:31 »
@Levold: Du hast dir deine FR-Kosmologie umgebaut?
Wie sieht die bei dir genau aus?

Levold

  • Mitglied
  • AD&D 2nd Ed-Reptil
    • Kopfguerilla
Der Seelenquell (20.04.06: Der Weg nach Gehenna)
« Antwort #5 am: 07. Juli 2006, 15:34:52 »
@Kreuzi: sorry, aber die Kampagne liegt z.Z. auf Eis  :(
@Heretic: ich hab mich da am MotP orientiert, weil mir diese Anordnung eigentlich ganz gut gefällt
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Heretic

  • Mitglied
Der Seelenquell (20.04.06: Der Weg nach Gehenna)
« Antwort #6 am: 07. Juli 2006, 15:37:04 »
Und wie bringst du das in Verhältnis mit der "offiziellen Kosmologie"?
Oder lässt du die aussen vor?