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Autor Thema: Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path  (Gelesen 23753 mal)

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shaz´narahd

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #150 am: 08. Februar 2005, 12:22:16 »
 Den ersten Tanglefoot Bag hat im übrigen Anna geworfen   :P

Außerdem: Wer will sich an Anna jetzt noch vergehen und an welcher Hälfte von ihr  :akuma: ???

Wir kämpften am Anfang sehr effektiv und hatten sehr viel Glück (vor allem Anna, daß sie mit ihrer AC von 21 und nur 12 TP nicht getroffen wurde). Nach Anna´s Tod wurde es (aus meiner Sicht) sehr chaotisch, aber dafür umso heroischer. Es war natürlich extrem schockierend, daß Kazmojen wieder aufstand (nachdem wir ihm ALLES entgegengeworfen und ihn zu Fall gebracht haben), aber unser Zwerg war zu stur, um zu sterben oder sich geschlagen zu geben  ;)

Wir werden sehen, wie es weitergeht.
Anna´s Vater ist auf jeden Fall schon aufgebrochen, um nach ihr zu suchen. Nur wann er eintreffen wird, steht noch in den Sternen...

shaz
"Ich höre nichts", sagte Anna zum Zwerg, der ihr beipflichtete. Der Raum hinter Tür schien eindeutig leer zu sein... bis auf den Tod!

Der Wurm

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  • Hair Loss is God's Way to tell me I'm human
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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #151 am: 14. Februar 2005, 15:46:02 »
Zitat von: "Berandor"
"Bei Cyrics pickeligem Hintern"


 
 :D

Zitat
"Heil das!"

  :lol:

Eine tolles Finale! Hat mir gut gefallen... trotz (oder gerade wegen... :) ) der vielen (halb)Toten.
Ein tolle Storyhour!
Arbeitslos in Grönland
"I'm burning gas until I feel all right"

Boras

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #152 am: 25. Februar 2005, 20:07:07 »
 Ich bereue meine Abwesenheit ob Eures wirklich heldenhaften Auftretens.

Freu mich aber schon mal auf Sonntag und wie es weitergeht.

 

Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #153 am: 27. Februar 2005, 21:27:29 »
 So heute haben wir gespielt, und fast schon wieder zwei SC verloren...

Alles weitere demnächst in der Story Hour. Es gibt noch einen Beitrag, der Thargads Erlebnisse in Cauldron zeigt, und dann ein oder zwei Beiträge hier.

Dann mit einem weiteren Beitrag die Eröffnung des zweiten Abenteuers im neuen Thread, komplett mit SH-Download.

Demnächst... :)
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

Lillith

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #154 am: 27. Februar 2005, 22:04:04 »
 
Zitat
Demnächst... 

Ich hoffe diese kryptische Andeutung heisst nicht, dass uns in der Wartezeit graue Haare wachsen ...

Mit anderen Worten: Bitte schnell weiter spielen und weiter Posten. Wir sind alle süchtig und brauchen den Stoff!!!

Bye Lillith.
I love the smell of bat guano in the morning.<br>Smells like ... VICTORY!!!

Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #155 am: 28. Februar 2005, 21:35:27 »
 Bevor die Story Hour so weit ist, hier schon mal ein erstes Extra. Dies sind die Notizen, die ich mir zu Annas Wiederbelebung gemacht hatte. Viel Spaß!

Die Wiederbelebung der Anna S.

In den Vergessenen Reichen kann niemand wiederbelebt werden, der keinen Schutzgott hat oder der seinem Schutzgott untreu wurde. Diese Falschen und Ungläubigen werden in Kelemvors Kristallstadt bestraft. Die Ungläubigen werden in die lebende Mauer  um die Stadt eingefügt, bis der Mörtel sie im Laufe einiger Jahrhunderte (oder länger) zersetzt hat. Die Falschen werden durch Frondienst und Folter bestraft.

Kelemvor hat einen Vertrag mit den Bateezu/Teufeln geschlossen. Sie übernehmen die Bestrafung der Falschen und dürfen vor dem Urteilsspruch diese Seelen für den Blutkrieg holen. Dafür halten die Teufel Frieden in der Stadt und unterwerfen sich dem Urteil Kelemvors und der Wegbegleiter seiner Kirche bzw. den Anhängern Jergals.

Auch Anna findet sich in der Stadt wieder. Der Versuch, sie wiederzubeleben, bringt sie in ein kleines Gerichtszimmer. Es gibt auch Repräsentationen der anderen SC hier – allesamt nur Teile ihrer Selbst, weshalb es keine Erinnerung an diese „Reise“ geben wird. Ansonsten sitzen nur einige weitere Personen im Zuschauerraum (s.u.).

Es sind keine Elfen anwesend. Anna selbst sitzt in einem abgetrennten Bereich links von dem großen Schreibtisch in der Mitte. An diesem Schreibtisch sitzt eine hagere Mumie in einer grauen Robe und weißen Handschuhen. Auf dem Schreibtisch steht ein umgedrehter Schädel, dessen Löcher verstopft sind, sowie Pergamente, Tinte und Feder. Zu guter Letzt eine Sanduhr, die zu etwa der Hälfte abgelaufen ist. Anna gegenüber sitzt  ein kleines Teufelchen mit runzliger Haut, grauen Haaren in den Ohren und einer Brille. Die Mumie ist Domitia, der Skriptor (Jergal), und das Teufelchen ist Roderick Schwarz, Notar.

Ereignis: Anwesenheit
Zunächst wird Domitia die Anwesenheiten überprüfen. Dabei wundert sie sich, dass keine der Jugendfreunde Annas oder ihre Eltern anwesend sind. Die Mutter ist als verschollen gemeldet, während der Vater eigentlich...
Im Zuschauerraum erscheint ein sehr dünner und großer Elf, dessen Geschlecht nicht erkennbar ist. Goldenes Haar fließt seine Schultern herab, ein Gewand aus Blättern hängt von seinem Körper und die Stimme klingt wie flüssiges Gold. Dies ist eine Übersteigerung des elfischen zum Klischee, und gleichzeitig Lleandris, das Gesandte der Seldarin.

Lleandris erklärt, dass die Seldarin die Elfen zurück gehalten hat. Es ist gekommen, um Anna abzuholen nach Arvandor. Domitia scheint genervt, ebenso Roderick Schwarz.
„Es ist doch offensichtlich, dass die Dame Annastrianna, wenn sie nur ein Quäntchen ihrer Lebenszeit darüber nachgedacht hätte, einen elfischen Gott zu ihrem Patron ernannt hätte. Dem Weg nach Arvandor steht also nichts im Wege.“
Roderick Schwarz: „Nun, wenn sie dem Elfischen so sehr verbunden, warum ist sie dann von der Feeninsel fort gereist und ins Land der Menschen, um sich dort mit Menschen zu umgeben und keine Anstalten zur Förderung elfischer Dienste zu machen?“
„Sie war jung für eine Elfe. Übermut trieb sie fort, und ihr menschliches Blut.“
„Sie war eine Halbelfe, und ihr menschliches Blut scheint stärker zu sein.“

Bevor sich das ganze zu einem Streit auswachsen kann, spricht Domitia. Die Halbelfe habe nun mal keine Zeit damit verbracht, einen Gott zu wählen, und sei darob des unglaubens befunden worden. Ob die Seldarin für ihre Erweckung einstünden?
Lleandris  regt sich auf, dass ein Wesen mit elfischem Blut von menschlichen Göttern bestraft werden müsse. Anna solle einfach in ihre heimat einkehren dürfen.
Domitia fragt, ob man dieses Spiel mit jedem Ungläubigen und Falschen spielen müsse, oder ob die Seldarin irgendwann Kelemvor akzeptieren? Ob man sich an einen Avatar wenden müsse? Lleandris verneint.
Domitia fragt, ob die Seldarin für die Erweckung einstünden? Lleandris verneint.
Domitia bedankt sich. Roderick gähnt. Lleandris sieht einmal traurig zu Anna, dann verschwindet er in einem Wirbel aus Sonnenlicht und Glühwürmchen.

Ereignis: Anna wird gefragt
Als nächstes wendet sich Domitia Anna zu.
„Bevor wir überhaupt über die Möglichkeit einer Erweckung sprechen, muss ich dich fragen. ob du dies überhaupt wünschst. Wisse, dass im Nachleben eine Strafe auf dich wartet – du sollst lebendig in unsere Mauer eingefügt werden, und dort ausharren, bis du von dem Mörtel aufgelöst wurdest.“
Roderick: „Natürlich gibt es Mittel und Wege, diese Strafe zu umgehen. Du müsstest nur für dieselbe unbedeutende Zeitspanne in unsere Dienste treten. Und es sind gute Dienste. Am Ende willst du gar nicht mehr weg.“
Wenn Anna verneint, endet diese Szene. Bejaht sie, geht es zum nächsten Ereignis.

Ereignis: Die SC werden gefragt
Als nächstes wendet sich Domitia an die Gefährten Annas – jedenfalls jene, die anwesend sind.
„Ihr, die ihr für die Ungläubige sprechen wollt, wisst, dass nur auf ausdrücklichen Wunsch eines Gottes hin eine Erweckung erlaubt werden kann. Ihr habt keinen Gott auf Eurer Seite. Darum sprecht, warum der Ungläubigen gestattet werden sollte, wieder ins Leben zurück zu kehren?“
Roderick: „Und lasst euch mal etwas Neues einfallen.“

Die SC müssen entweder ein gutes Argument finden oder einen Diplomatiewurf gegen 25 schaffen (Dirim hat –2, weil Roderick seine Zweifel riecht). Argumente wie „sie hat ihre Aufgabe noch nicht erfüllt“ zählen nicht. Es muss ein konkreter Grund gefunden werden. Je besser der Grund, desto größer der Bonus auf den Diplomatiewurf.

Gelingt es den SC nicht, den Wurf zu schaffen (fünf Versuche, nach zwei Versuchen ankündigen), endet die Szene. Schaffen die SC es, geht es mit dem nächsten Ereignis weiter.

Ereignis: Schutzpatron
Schließlich richtet Domitia das Wort an die anderen Versammelten.
„So komme ich nun zu euch Gesandten. Die Seele eines Ungläubigen ist wertvoll, aber auch gefährlich. Zu viele finden den Weg in die Falschheit. Wer unter euch ist bereit, das Risiko einzugehen und für die Ungläubige zu sprechen?“
Roderick: „Seht sie euch nur an – sie ist zur Falschheit geboren! Ich gebe euch kein Jahr, dann ist sie euch untreu geworden. Lasst sie uns – wir können ihr Loyalität einbleuen. Euch würde sie ja doch nichts nutzen.“

Die Anwesenden und ihre Anforderungen
Jeder der Anwesenden (außer den SC) repräsentiert eine Gottheit, die evtl. Annas Schutz übernehmen würden. Allerdings verlangen sie alle eine mehr oder weniger große Gegenleistung dafür. Die Anwesenden sind:
  • Beshaba: Eine Frau in einer schwarz/lila/purpurfarbenen Robe, die Hüften ausgeschnitten. Auf ihrem linken Knöchel hat sie die Tätowierung eines Geweihs, auf der rechten Hüfte eine unlesbare Zeichnung.
    „Ich spreche für die Maid des Missgeschicks, Beshaba. Unglück hat dich zu Falll gebracht, nun lass das Unglück anderer dein Schutz sein. Als Gegenleistung für dein Leben erwarten wir, dass du Unglücke und Gemeinheiten über dich bringst, wenn sich dir die Gelegenheit dazu bietet.“
    Spoiler: Klicke, um den Beitrag zu lesen
  • Helm: Ein Mann (?) in einem Plattenpanzer, von oben bis unten glänzend sauber. Der Helm ist geschlossen.
    „Ich komme für den Großen Wächter, Helm, und als Gefälligkeit für die Hohepriesterin seines Tempels. Du bist eine Wächterin über Cauldron, und diesen Dienst sollst du weiterhin bestreiten. Wir erwarten von dir, dass du dich den Ansichten Helms annimmst und zumindest kurze Zeit in seinem Tempel dienst.“
    Spoiler: Klicke, um den Beitrag zu lesen
  • Lathander: Ein Junge von acht Jahren in einem scharlachroten Gewand.
    „Ich komme für den Fürst des Morgens, Lathander. Du kanntest keinen Trost in deinem alten Leben, doch wir bieten dir ein neues. Hoffnung ist nie vergebens. Folge uns, und verbreite die Gabe, die dir zuteil geworden, unter deinen Mitmenschen. Erweise Gnade, schenke Hoffnung, und ermögliche einen Neuanfang, wenn sich die die Chance bietet.“
    Spoiler: Klicke, um den Beitrag zu lesen
  • Loviatar: Ein gut gebauter junger Mann in hohen schwarzen Stiefeln, schulterlangen Lederhandschuhen, und einer engen ausgeschnittenen Lederweste unter einer weißen Robe.
    „Ich bin hier auf Geheiß der Jungfer des Schmerzes, Loviatar. Große Schmerzen wurden dir zuteil, und wir wollen dir erlauben, diese Schmerzen heim zu zahlen. Bestrafe jene, die unrecht tun, auf dass sie nie wieder fehl gehen werden. Peinige jene, die es verdienen. Gnade ist fehl, doch Strafe wirkt Wunder.“
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  • Ilmater: Eine ältere Frau mit graubraunem Haar in grauer Tunika und ebensolcher Kappe.
    „Ich erscheine hier für den Weinenden Gott Ilmater. Ungläubige, wir können dich nicht aufnehmen, aber wir wollen dich ersuchen, dich nicht der Umarmung Loviatars hinzugeben. Schmerz, den du anderen gibst, wird deinen nicht lindern. Ertrage deine Strafe, und eines Tages wirst du ein neues Leben erhalten.“
  • Sune: Ein junger, sehr gut aussehender Mann mit wallendem Haar in einer eng anliegenden scharlachroten Mönchstracht ohne Kapuze, die seine glatte Brust sehen lässt.
    „Die Dame Feuerhaar hat mich gesandt, meine Herrin Sune. Du hast die Gabe, Freude zu schenken, und Freundschaften fliegen dir zu. Schönheit und Grazie wurden dir genommen und sollen dir wiedergegeben werden. Folge deinen Gelüsten und Leidenschaften. Tanze, wenn dir danach ist. Pflege die Kunst und dich selbst. Tu, wozu du Lust hast. Als Zeichen deiner Gunst erhofft die Herrin sich nur einen Ort der Andacht.“
    Spoiler: Klicke, um den Beitrag zu lesen
  • Tymora: Ein Mann in Stulpenstiefeln, einer Hose aus Silberfäden und einem nachtblauen Hemd. Er hat kurzes Haar und ein schiefes Lächeln.
    „Die Lächelnde Herrin schickt mich, Tymora. Du hast dein glück gesucht, doch nie gefunden. Suche erneut. Vertraue auf die Gnade der Herrin, nicht auf zähe Planerei, und schreite erneut auf den Wegen der Welt. Als Zeichen deines Vertrauens wird die Herrin dir eine Aufgabe erteilen. Erfülle sie, und du hast dich bewiesen.“
    Er wird die Aufgabe nicht näher erläutern.
Ereignis: Wiederbelebung
Wenn die Ereignisse alle positiv absolviert werden, erwacht Anna im Tempel. Sie kann sich nur grob an die Szene erinnern: Sie wurde gerichtet, und ihr neuer Schutzgott stand ihr bei. Sie weiß um ihre Pflichten.
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #156 am: 01. März 2005, 20:48:20 »
 Hinweis: Ich habe mit Thargads Spieler, der 3 oder 4 Spieltermine in Fpolge verpasste, ein paar Ereignisse per E-Mail durchgespielt. Die folgende Beschreibung ist, wann immer möglich, diesen Mails entnommen; nur zu etwa 20% habe ich es komplett neu geschrieben.

Thargad in Cauldron
Nachdem er den Brief erhalten hatte, zog sich Thargad erst einmal an einen ruhigen Ort zurück und las ihn erneut. Das Schreiben stammte von Berion, dem Anführer seines Ordens. »Suche Meerthan Eliothlorn« stand in dem Brief. Ein elfischer Verwandlungszauberer, der eine Vorliebe für Pfeifentabak hatte, und Thargad sollte ihn in dieser fremden Stadt aufstöbern. Am Besten machte er sich direkt an die Arbeit.

-

Im Verlauf seiner Nachforschungen erfuhr er so Einiges. Zunächst einmal bemerkte Thargad einen Mann, den er für den Anführer der Schläger hielt, die den jungen Priester Ruphus Laro angegriffen hatten. Der Mann hatte eine Verletzung dort, wo Annas Bolzen ihn getroffen haben müsste. Vorsichtig folgte Thargad ihm bis zur Garnison der Stadtwache. Der Mann betrat den von einer Mauer umgebenen Bereich und grüßte Einige der Wachen, die ihm entgegen kamen. Es handelte sich anscheinend selbst um einen Wachmann. Thargad schüttelte den Kopf über die Ruchlosigkeit dieses Kerls, merkte sich sein Gesicht aber sehr genau.

-

Anderentags folgte Thargad kampfähnlichen Geräuschen in eine Seitengasse. Dort erblickte er eine junge Frau, die mit ihrem Rapier wildeste Kampfübungen betrieb. Hieb um Hieb schnellten durch die Luft, viel zu sehr auf Kraft bedacht denn auf die der schlanken Waffe typische Eleganz. Es war die Rothaarige, die zu den Sturmklingen gehörte. Corah Lathenmire. Nach einigen Augenblicken, in denen Thargad sie schweigend beobachtete, hatte sie sich scheinbar abreagiert. Leicht keuchend wischte sie sich mit dem Saum ihres Hemdes den Schweiß vom Gesicht. Das Hemd klebte an ihren Armen ebenso wie an ihrem Busen; sie hatte stark geschwitzt.

»War ziemlich dumm, was Todd gemacht hat. Er hat ganz schön geguckt, als er den Wein bezahlen sollte. Geholfen hat euch das aber auch nicht. Geht uns lieber aus dem Weg.« Sie drängte sich an Thargad vorbei, rempelte ihn dabei an.
Thargad zögerte einen Moment, bevor er sich nach ihr umwandte. »Habt ihr eine Ahnung, woher die Kobolde gekommen sind? Angeblich sollen sie doch in Tethyr ausgerottet sein... bis vor Kurzem zumindest.« Für einen Moment schien Corah zu überlegen, dann drehte sie sich zu Thargad um.

»Es sind Kobolde! Wer weiß schon, wo die herkommen?« Beim Reden gestikulierte sie wild, und ihr Rapier zischte durch die Luft, um ihre Worte zu unterstreichen. »Außerdem sind wir hier im Grenzland. Wahrscheinlich sind die vom Dampfsee hochgekommen.« Corah hielt inne. »Trotzdem hast du Recht.  Wir wussten erst gar nicht, was das für Viecher waren, bis wir sie Vortimax Weer zeigten... wie dem auch sei – jetzt sind sie tot.«

»Vortimax Weer? Ist das nicht dieser Tränkemischer? Merkwürdig, dass sich so jemand mit diesem Ungeziefer auskennt...«, überlegte Thargad laut. »Na ja, was solls. Ich nehme an, dass die Kobolde jemand überfallen haben, oder wie habt ihr sie aufgespürt? Überhaupt ist euch an der Höhle etwas Merkwürdiges aufgefallen? Handeltet ihr aus eigenem Willen oder auf fremden Wunsch?« Er sah Corah prüfend an. »Stelle ich Euch zu viele Fragen? Bedenkt, dass dies vermutlich die einzige Gelegenheit ist, mit Euch zu sprechen. Schließlich gabt ihr selbst mir den Rat, von Euch fern zu bleiben. Also jetzt oder nie, nicht wahr?«

Corah schüttelte den Kopf als könne sie selbst nicht fassen, dass sie antwortete.
»Der alte Weer ist das Nächste, was diese Stadt an einem Gelehrten hat. Wir wir die Kobolde fanden? Fürst Valanthru bat uns, nach ihrer Höhle zu suchen. Anscheinend hatte ein Händler etwas Verdächtiges gesehen, und wir haben uns darum gekümmert.« Dann lächelte sie Thargad herausfordernd an. »Und jetzt seid ihr dran. Was wollt ihr in Cauldron? Wer hat euch geschickt, und was sind eure Pläne?«

Thargad antwortete nach kurzem Zögern. »Gleiches mit Gleichem vergelten; das ist gerecht. Niemand hat uns geschickt; wir sind aus persönlichen Motiven nach Cauldron gekommen, um uns nach dem Verbleib einiger Leute zu erkundigen. Leider bislang ohne Erfolg. Kurzerhand haben wir also beschlossen, der Helmkirche bei dem Problem mit den verschwundenen Kindern zu helfen. Wir führen also nichts gegen Euch im Schilde, seid beruhigt.«

Er bemühte sich, zu lächeln. »Ich bin ja schon froh, dass man mit euch reden kann, auch wenn wir nur aus dem einfachen Volk sind. Ihr seid wohl vernünftiger als euer hochmütiger Freund.« Ein verschwiegener Blick. »Was ist Fürst Valanthru denn für einer?«

»Ach, Todd«, seufzte Corah, brach dann aber abrupt ab. »Das geht euch gar nihcts an. Und Vhalantru ist wie er ist – ein Elf eben. Es heißt, er sei aus Cormanthor gekommen. Ein freundlicher Goldelf, aber ein Goldelf eben.« Sie wandte Thargad wieder den Rücken zu. Bevor sie ging, sagte sie noch: »Seid vorsichtig. Todd ist immer noch sauer, und es ist nicht gut, sich mit Annahs Spielgefährten anzulegen. Die Beiden werden sich bestimmt rächen wollen. Und egal, wie wir uns hier unterhalten haben – wenn sie ruft, werde ich folgen.« Dann ging sie, und Thargad sah ihr nachdenklich hinterher.

-

Am nächsten Morgen bemerkte Thargad, dass er beobachtet wurde. Aus den Augenwinkeln sah er einen Halbelfen um eine Ecke verschwinden. Flugs schlich er ihm nach, aber er war nur ein paar Schritt weit gekommen, als der Halbelf sich umwandte und auffordernd zu Thargad hinüber sah. Ein wenig verärgert, aber ohne Groll trat Thargad aus den Schatten zu ihm hin. Der Halbelf war bleich, mit blauen Augen, seine blonden Haare in drei Zöpfe geflochten, und ihm fehlte der kleine Finger an der linken Hand. Anscheinend war dies Fario Ellegoth, von dem die Halblingsfrau den Nachkommen erzählt hatte.

»Seid gegrüßt, Fario Ellegoth«, nickte Thargad ihm zu. »Ihr habt ein gutes Auge. Der Stadtherr scheint eine gute Wahl getroffen zu haben. Ich frage mich allerdings welches Interesse er an mir oder meinen Freunden haben könnte?« Fario sah ihn für einen Moment unsicher an.

»Der Stadtherr? Nun... um ehrlich zu sein, weiß er nichts von uns.« Er lächelte etwas verlegen. »Wir sind Freunde von Elethor Aschstab, einem Magier, der vor gut zwei Wochen verschwunden ist. Ihn suchen wir. Wir dachten nur, dass ein offizieller Auftrag uns helfen würde.«

Thargads Augenbraue hob sich kurz, als der Halbelf die Dreistigkeit, unter vorgetäuschtem Auftrag im Namen des Stadtherrn zu ermitteln, offen zugab.

»Ein Magier namens  Elethor Aschstab ist mir nicht bekannt. Stellt sich also die Frage, warum Ihr glaubt, daß ich Euch zu ihm führen könnte oder weshalb habt Ihr mich beschattet? Die Tatsache, daß ich auch fremd in dieser Stadt bin, kann es doch nicht sein, oder?«

Gleichzeitig überlegte er, ob Elethor vielleicht unter leicht abgewandeltem Namen eben jener Eliothlorn sein könnte, den er suchte.

Fario zuckte mit den Schultern. »Ihr seid ebenso neu wie wir. Ihr untersucht den Fall, ebenso wie wir. Aber anders als wir scheint ihr einen wenigstens halbwegs offiziellen Auftrag zu haben. Und da wir nichts herausfinden konnten, dachten wir uns, es könne nicht schaden, euch zu beobachten. Vielleicht findet ihr mehr als wir?« Er blickte Thargad erwartungsfroh an. »Und, habt ihr?«

Thargad schüttelte den Kopf. »Nein, das tun wir nicht. Ihr sucht diesen Magier, wir hingegen sind auf der Suche nach den verschwundenen Kindern... tatsächlich, nicht nur vorgetäuscht!« Ein durchdringender Blick. »Es sei denn natürlich, Ihr geht davon aus, dass das Verschwinden Eures Freundes und das der Kinder zusammenhängt? Wenn ja, was bringt Euch auf diese Idee?«

Fario runzelte kurz die Stirn. »Nun, Elethor ist eines Nachts verschwunden, ebenso wie viele andere nach dem, was man so hört. Die Kinder waren die Letzten. Ihre Spur ist die frischeste. Ich nehme an, wenn wir die Kinder finden, finden wir auch Elethor Ashstab, oder zumindest seinen Entführer. Aber wenn ihr nichts herausgefunden habt, dann verabschiede ich mich jetzt erst einmal von euch. Ich bin sicher, wir sehen uns noch einmal wieder.« Mit einem Nicken verabschiedete sich der Halbelf, und ging. Thargad folgte ihm nicht.

-

Am Abend saß er in einem Wirtshaus, als ihm eine junge Frau auffiel, beinahe noch ein Mädchen, alleine an einem Tisch. Sie hatte kurzes schwarzes Haar, das strubbelig zu den Seiten abstand. Vor ihr stand ein Weinkelch, seit einigen Minuten schon unangetastet. Die Frau blickte in den Kelch, als sähe sie darin mehr als nur den Alkohol.

Thargad ging zu ihr und sagte: »Entschuldigt die Störung, junge Dame. Mir ist aufgefallen, dass ihr in düstere Gedanken versunken scheint. Ihr starrt nun schon mehrere Minuten in Euren Weinkelch, ohne auch nur einen Schluck getrunken zu haben. Bedrückt Euch etwas?«

Sie erschrak ein wenig. Ihre Augen waren gerötet, als sie hochsah. Sie lächelte verlegen.  »Es ist nichts. Nur... nichts. Aber danke.«

Sie schwieg für einen Moment, dann schien sie sich zu etwas aufzuraffen. »Möchtet... Möchtet ihr euch nicht setzen? Ich könnte etwas Ablenkung gebrauchen. Ich heiße Arlynn.«

Ohne ihre Frage zu beantworten, setzte sich Thargad ihr gegenüber. »Ich fürchte, Euch keine gute Ablenkung bieten zu können. Ihr solltet wissen, dass ich eigentlich ein eigenbrötlericher Einzelgänger bin. Das wirft man mir zumindest des Öfteren vor«, sein rechter Mundwinkel verzog sich zur Andeutung eines Lächelns. Er zögerte kurz. »Aber ich kenne das Gefühl, verloren zu sein.«

Für einen Moment war Thargad überrascht und verunsichert, dass er dieser Fremden gegenüber so offen über seine eigene Einsamkeit spricht. Nach kurzem unbehaglichen Schweigen sagte er: »Ich heiße übrigens Thargad.«

»Seid gegrüßt, Thargad.« Sie rang sich ein Lächeln ab, mehr schlecht als recht. »Vielleicht ist ein eigenbrötlerischer Einzelgänger jetzt genau das Richtige. Ich weiß gar nicht, ob ich so große Lust habe, zu reden. Es genügt schon, dass mir jemand gegenüber sitzt.«

Arlynn hob jetzt den Becher und neigte ihn kurz in Thargads Richtung, bevor sie einen Schluck trank. Sie verzog leicht den Mund, sagte aber nichts. Dann saß sie nur da und sah Thargad an.  Nach einer Weile fragte sie dennoch: »Seid ihr neu in Cauldron?«

Thargad fühlte sich etwas unwohl. Offenbar erwartete Arlynn von ihm, dass sie sich über Belanglosigkeiten wie das Wetter unterhielten, um sich von ihrem Kummer ablenken zu können. In all den Jahren hatte er keine positive Einstellung für müßige Plauderei und auch keine besondere Fertigkeit darin entwickeln können. Arlynn hatte er nur aus der spontanen Besorgnis heraus angesprochen, sie sei in ernsthaften Schwierigkeiten. Doch ihre Probleme würde sie einem Fremden wohl nicht anvertrauen. Wen wunderte es? Würde er das tun? Wohl kaum!

Nun aber hatte er die Sache angefangen und würde sie auch zu Ende bringen. Er
seufzte innerlich und dachte darüber nach, welches oberflächliche Thema sich für ein Gespräch eignen würde, als Arlynn ihn aus seinen Gedanken riss. »Seid Ihr neu in Cauldron?«

»Ja, ich bin neu in Cauldron. Ich bin vor einigen Tagen mit ein paar Freunden hier eingetroffen, um hier nach einigen alten Bekannten zu suchen. Wir hatten jedoch keinen großen Erfolg... leider.

»Wie sieht es denn mit Euch aus? Kommt Ihr aus Cauldron oder von außerhalb? Was auch immer, verzeiht mir, aber Ihr seht nicht so aus, als könnte man Euch normalerweise in einer Wirtschaft wie dieser antreffen.«, er deutete auf ihren Weinkelch, »und der Wein scheint Euch auch nicht gerade zu munden. Möchtet Ihr vielleicht etwas anderes trinken? Falls Ihr Euren Kummer ertränken wollt, gibt es sowieso Besseres, welches Euch schneller zum Ziel führen sollte. Aber Alkohol würde ich Euch generell nicht empfehlen. Ihr solltet Euch lieber jemandem anvertrauen, jemanden aus Eurer Familie oder einem guten Freund.«

Thargad stöhnte: »Da habt Ihr es. Statt Euch abzulenken, spreche ich direkt wieder Eure Sorgen an ... Hm, verzeiht mir, ich bemühe mich, es nicht wieder zu tun.«
Arlynn seufzte. »Es scheint, ich komme ohnehin nicht darum herum, mit jemandem zu reden. Aber ich glaube, ein Fremder wäre viel besser geeignet. Schließlich«, sie sieht dich betont an, »kann ein Fremder nur zuhören, ohne unbedingt eingreifen zu müssen.«

Sie nahm einen weiteren Schluck Wein, als müsse sie Mut fassen. »Also, Fremder namens Thargad, hört zu. Ich arbeite als Hausmädchen im Hause Aslaxin. Die Familie handelt hauptsächlich mit Kunst und Holzmöbeln. Sie ist eine der einflussreichsten Adelsfamilien. Nun, Zacharias der Erste hat ein Auge für Kunstwerke.«

Sie schluckte.  »Und, wie er sagt, für Schönheit.« Sie stoppte wieder, nahm noch einem Schluck.

»Als Hausmädchen ist es normal, vom Hausherren angesehen zu werden. Man gewöhnt sich ebenso daran wie daran, überhaupt nicht wahrgenommen zu werden. Auch ein paar anzügliche Bemerkungen muss man sich gefallen lassen - die Arbeit ist gut bezahlt, sicher, und meistens angenehm, wenn auch hart. Was ist da schon ein schräger Blick, ein Satz oder auch ein Kniff in den Po?«

Arlynn sah jetzt zu Boden, vermied Thargads Blick. »Heute hat er mich in der Bibliothek überrascht. Ich habe gerade die Buchregale abgestaubt. Plötzlich stand er hinter mir und hat mich... Er fasste mir von hinten an den Busen. Ich wollte nicht, aber er hat gelacht, und gesagt, ich soll mich nicht wehren. Ich wusste nicht, ob ich schreien sollte.«

Ihre Stimme zitterte ein wenig. »Dann... Dann ist sein Sohn hereingekommen, Zacharias der Zweite. Da hat er von mir abgelassen, und ich bin sofort aus dem Zimmer geflüchtet.«

Die Worte sprudelten jetzt geradezu, als ob ein Damm gebrochen oder sie möglichst alles erzählen wollte. »Später habe ich mit dem Sohn gesprochen. Er ist ein bekannter Abenteurer - von den Sturmklingen. Er hat mich beruhigt und gesagt, dass sein Vater das nicht wieder tun würde. Und dann hat er gesagt, dass mir sowieso niemand glauben würde, wenn ich es erzählte. Und ich solle mich geehrt fühlen.«  Sie nahm noch einen Schluck Wein. »Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich brauche das Geld, und wenn ich kündige - wo soll ich dann arbeiten? Meine Mutter sagt, die Arbeit in der Scheuen Fee sei sehr angenehm und gut bezahlt... da könnte ich mir die Leute wenigstens aussuchen, mit denen ich aufs Zimmer gehe, zumindest zu Beginn, und die Vanderborens achten darauf, dass nichts passiert...«

Sie rieb sich mit dem Ärmel ihres Hemdes durchs Gesicht, sah dann wieder zu Thargad mit geröteten Augen, und lächelte hilflos. »Ich weiß nicht, was ich tun soll.«

Thargad verfolgte Arlynns Worte mit versteinerter Miene. Lediglich seine geballte Faust verriet seinen aufwallenden Zorn. ‚Einer von dieser Sorte also’, ging es ihm durch den Kopf. ‚Von denen gibt es viel zu viele. Notgeile Mistkerle, die glauben, ihr Adelstitel, ihr Geld oder ihre Macht erlaube ihnen, sich an anderen vergehen zu dürfen wie es ihnen gefällt.’

»Ich verstehe jetzt Euer Problem«, brachte er etwas gepresst hervor, nachdem Arlynn ihre Geschichte beendet hatte. »Ihr seid wirklich in Schwierigkeiten und es tut mir leid, daß Euer Herr so ein Schwein ist. Verzeiht meine Ausdrucksweise, aber so etwas regt mich doch auf. Vor allen Dingen, dass man nichts gegen ihn unternehmen kann.«

Er hielt einen kurzen Moment inne, um sich zu beruhigen und nachzudenken. Dabei nahm er wieder seine übliche gelassene, etwas unterkühlte Haltung ein, welche so typisch für ihn war.

»Nun, Arlynn, letzlich gibt es nur eine Möglichkeit: Ihr müßt das Haus Aslaxin verlassen, je früher, desto besser. Auch wenn es hart klingt, macht Euch keine Hoffnung darüber, dass der Sohn Eures Herrn recht haben könnte und er tatsächlich von Euch ablassen wird. Er wollte lediglich sicherstellen, dass Ihr den Mund haltet. Ihr habt seine Lust geweckt und so sehr Ihr auch versucht, ihm aus dem Weg zu gehen, früher oder später wird eine weitere Gelegenheit für ihn kommen.«

Thargad zögerte einen Moment: »Ich möchte Euch helfen, Arlynn, aber da ich neu in der Stadt bin, sind meine Möglichkeiten hier arg begrenzt. Ich könnte Euch finanziell für eine kleine Weile unterstützen, das würde Euch etwas Zeit verschaffen, Euch nach einer neuen Beschäftigung umzuschauen... aber ich vermute mal, dass Ihr hier in Cauldron nach der Kündigung bei den Aslaxin keine Stelle als Dienstmädchen mehr bekommen würdet, oder?« Er beugte sich zu ihr vor. »Ich habe allerdings einige Bekannte in Darromar. Wenn Ihr bereit wäret dorthin zu gehen, ließe sich vielleicht etwas machen. Wäret Ihr dazu bereit?«

Arlynn war bei dem Angebot blass geworden. »Vielen Dank, Thargad. Aber ich kann Euer Angebot, und sei es noch so großzügig, nicht annehmen. Ihr habt mir schon genug gedient, indem ihr mir zugehört habt – ich will meine Probleme aus eigener Kraft lösen. Aber ihr habt Recht, ich muss fort von Aslaxin. Morgen werde ich mich umhören. Vielleicht kann ich bei Lady Knowlern unterkommen, oder der Dame Rhiatavi. Zur Not nimmt mich vielleicht auch Fürst Taskerhill auf, und sei es nur aus Vergnügen, Aslaxin damit einen Stich zu verpassen.« Sie lächelte Thargad dankbar an.

»Habt dennoch Dank für Euren Großmut. Warum kommt Ihr nicht wieder einmal hier vorbei, dann erzähle ich Euch, wie es mir ergangen ist. Und dann könnt Ihr mir Eure Probleme klagen.« Ihr tapferer Gesichtsausdruck machte klar, dass Arlynn einen Scherz gemacht hatte. Dann verabschiedete sie sich von Thargad und ging, nicht ohne sich an der Türe noch einmal umzudrehen.

-

Trotz all dieser Erlebnisse richtete Thargad die meiste Zeit des Tages darauf aus, Meerthan Eliothlorn zu finden. Endlich spürte er ihn auf, und mit den vereinbarten Kennwörtern brachte ihn der Magier in seinen Unterschlupf. Überrascht sah Thargad, dass dort auch Fario und Felliarn seiner harrten.

»Willkommen in Cauldron, Thargad«, sagte Meerthan. »Wir können deine Hilfe brauchen.«

»Immer langsam«, mahnte Thargad ihn. »Fangt besser am Anfang an.«
Meerthan lächelte. Er war eindeutig ein Mondelf mit seiner hellen Haut, dem dunklen Haar und den bernsteinfarbenen Augen. »Hast du schon einmal von den Silbertreitern gehört?« Thargad verneinte.

»Die Silberstreiter sind so etwas wie eine Schwesterbewegung der Ritter des Silberkelches. Während jene sich im Adel für Siamorphes Lehren einsetzen, stützen und schützen wir Tethyr aus dem Volk heraus – solange die Königin ihre Pflichten dem Volk gegenüber nicht vergisst.« Thargad nickte, um zu zeigen, dass er verstanden hatte. Fario brachte Getränke, bevor Meerthan weitersprach.

»Vor siebzehn Jahren tauchten in dieser Stadt die ‚Käfigschmiede’ auf, eine Gruppierung, die zu einer Gefahr für Tethyr werden würde, wenn man unseren Weissagungen glauben konnte. Die Käfigschmiede sind Agenten des Chaos und des Bösen, müsst ihr wissen. Ich weiß immer noch nicht genau, was sie damals planten«, Thargad merkte, dass Meerthan etwas zurück hielt, »aber bevor sie ihre Pläne durchführen konnten, machte ihnen die Zeit der Sorgen einen Strich durch die Rechnung. Leider auch, bevor ich sie aufspüren konnte. In dem Chaos damals machten sie sich davon. Leider verschwanden damals auch die Schätze Tethyrs, ohne mir sagen zu können, ob sie den Unterschlupf der Bande gefunden hatten.« Um Thargads Erwähnung zuvorzukommen, fügte er hinzu: »Ja, ich kannte sie, wenn auch nur flüchtig.«

Ein grimmiger Zug umspielte Meerthans Gesicht. »Jetzt sind die Käfigschmiede wieder in der Stadt. Sie haben ihre Pläne wieder aufgenommen – ich spüre es. Aber diesmal werde ich sie stellen. Sie werden mir nicht noch einmal...« Er schluckte.
»Nun, jedenfalls bin ich so etwas wie der General der Silberstreiter hier in Cauldron. Fario und Felliarn dienen mir, ebenso Shensen, die ihr im Glücklichen Affen getroffen habt.« Thargad erinnerte sich an die Dunkelelfe.

»Und hier kommst du ins Spiel. Ich möchte, dass du wieder zu deinen Gefährten gehst. Fario und Felliarn werden sich als Verstärkung im Hintergrund halten. Wenn du meine Hilfe brauchst, zerbrich diese Brosche.« Er reichte Thargad einen Anstecker aus zerbrechlichem Perlmutt. »Finde heraus, was du kannst, und berichte mir. Später habe ich vielleicht weitere Aufgaben für dich.«

Thargad erklärte sich einverstanden, und beratschlagte die Nacht über mit den Anderen. Am nächsten Morgen hörte er, dass seine Gefährten im Helmtempel gesehen wurden. Gemeinsam mit den Halbelfen brach er auf, aber zu spät. Jenya schickte ihn weiter zu Keygans Schlossmacherei. Es bedurfte keiner großen Überzeugungbei dem Gnom, und schon waren Thargad und die zwei Silberstreiter auf dem Abstieg nach Jzadirune. Am zweiten Treppenabsatz gähnte eine Geheimtüre offen, und dahinter vernahmen sie Kampfgeräusche. Thargad sah um die Ecke, wie seine Gefährten gerade den letzten Hobgoblin niederstreckten und die Plattform, auf der sie standen, langsam in die Tiefe glitt. Behende hastete er durch den Gang, und mit einem beherzten Ruf sprang er der Plattform hinterher: »Nicht so schnell!«
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Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #157 am: 06. März 2005, 17:05:19 »
 Die Malachitfeste: Aufräumarbeiten
Alle waren sie blutbesudelt. Ihre Gesichter waren gezeichnet von den letzten Augenblicken. Der Kampf hatte nur ein paar Minuten gedauert, doch schien es, als sei eine Ewigkeit vergangen. Ihre Kleidung war zerrissen, ihre Rüstung ramponiert. Ihre Gemeinschaft zerbrochen. Sie hatten gesiegt, und niemand jubelte.

Kazmojen war tot. Aber noch waren die letzten Gefangenen nicht befreit, die letzten Hobgoblins besiegt. Was tun? Konnte man einfach so in den Aufzug steigen und nach oben fahren? War das Risiko, weiter vorzudringen, nicht zu groß? Die Fragen standen in all ihren Gesichtern zu lesen, doch niemand wusste die Antwort.

Dann öffnete sich die dritte Tür in der Halle. Zwei Hobgoblins kamen dahinter zum Vorschein, die mit großen Augen auf die Leiche ihres Anführers und die sich zu ihnen umdrehenden Abenteurer blickten.

»Frell!«, rief einer der Hobgoblins und schlug die Türe wieder zu. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen war den Gefährten damit genommen. Boras stürzte zur Tür, Thargad hinterher. Die Hobgoblins waren schon über die dahinter liegende Steinbrücke und hatten sich dahinter aufgeteilt.

»Du rechts, ich links«, raunte Boras, und die beiden jagten los. Währenddessen bezog Dirim eine Verteidigungsposition an der Türe, und Helion stellte sich mit bereiter Armbrust schützend über die verbliebenen Waisenkinder.

Thargad rannte hinter seinem Hobgoblin her, die Schwerter zum Schlag erhoben. Der Söldner erreichte eine weitere Türe und warf sich dagegen, um mit der Türe in den Raum dahinter zu stolpern. Zwei Hobgoblins sahen von ihrem Kartenspiel auf, während zwei weitere auf ihren Pritschen aus dem Schlaf gerissen worden. Thargad hielt an. Einer gegen Fünf, das war ihm zu riskant. Er tat zwei vorsichtige Schritte zurück, und als er das Grinsen im Gesicht der Hobgoblins sah, wusste er, dass er sie hatte.

»Folgt mir, Jungs«, flüsterte er vor sich hin, dann rannte er über die Brücke zurück in Kazmojens Halle, die Hobgoblins im Schlepptau – und Dirim und Helion in kampfbereiter Erwartung.

Boras verfolgte sein Ziel ebenso hartnäckig. Auch dieser Hobgoblin warf sich gegen eine Türe und in einen Raum dahinter. Auch hier warteten weitere Hobgoblins. Boras nahm seine Axt hoch. Drei gegen Einen war gerade noch angemessen. Vier oder Fünf hätten ihm besser gepasst. Aus den Augenwinkeln sah er, dass einer von Thargads fünf Verfolgern ebenfalls in seine Richtung kam.

»Schon besser«, murmelte der Barbar.

Der erste Hobgoblin stürmte in die Halle. Noch während er seinen Schild hob, um Helions Bolzen abzuwehren, stach ihm Thargad tief in die Flanke, und Dirim erledigte den Rest mit seinem Langschwert. Dann drängten die anderen Hobgoblins nach, und Zwerg wie Mensch waren umstellt.

Boras parierte einen Hieb mit seiner Axt und zwang das Langschwert des Hobgoblins zu Boden. Er verpasste ihm einen Kopfstoß, dass der Söldner benommen zu Boden sank. Dann waren die anderen drei Hobgoblins herbei und umstellten den Barbaren.

Helion hob die Armbrust, und ließ sie wieder sinken. Er hatte kein freies Schussfeld. Er begann, den Hobgoblins Beleidigungen zuzurufen. Leider waren dies keine Orks, sondern disziplinierte Kämpfer, und Helions Taktik ging nicht auf. Thargad blutete schon wieder aus mehreren Wunden, und Dirim hielt sich ohnehin kaum auf den Beinen. Helion fluchte. Kazmojen besiegt – und jetzt an Kroppzeug scheitern?

Boras fluchte. Er hatte es bislang vermeiden können, schwere Wunden davon zu tragen, aber der Schweiß stand ihm auf der Stiirn. In dem Bemühen, den drei Hobgoblins auszuweichen, die sich gezielt um ihn herum bewegten, um ihn stets von Neuem in die Zange zu nehmen, fand er keine Möglichkeit, selbst anzugreifen. Er stieß seine Axt nach vorne, aber bevor  sein Schlag ins Ziel ging, musste er die Waffe herumreißen, um einem Stoß von hinten zu entgehen. Die Hobgoblins lachten, und einer spie ihm ins Gesicht.

Thargad brachte seine Schwerter über Kreuz und verkeilte das Langschwert seines Gegners darin. Er riss die Klingen zur Seite, und der Hobgoblin stolperte gegen seinen Gefährten, dessen Hieb dadurch ins Leere ging. Thargad nutzte die Gelegenheit und trat dem ersten Hobgoblin gegen die Kniescheibe. Das Knie brach, und der Hobgoblien schrie. Dirim fing einen Schlag in seiner behandschuhten Rechten auf und schlug seinem Gegner den Knauf des Langschwerts ins Gesicht. Der Zwerg keuchte. Er hörte den Hobgoblin schreien, als ihm das Knie durchgetreten ward, und stieß dem armen Kerl sein Schwert von hinten durch die Kehle.

»Ruhe«, ermahnte der Zwerg den Toten, »ich versuche zu arbeiten.« Von grimmigem Humor beflügelt, machten sich Thargad und Dirim wieder ans Werk.

Boras sprang vor, direkt auf den plötzlich ängstlich drein blickenden Hobgoblin zu.
Der Speichel tropfte von Boras’ Wange, als der Barbar seinen Gegner am Kragen packte und zu sich hinzog.

»Du spuckst mich an? Du spuckst mich an? Du?!« Zorn lief heiß durch Boras Adern, pulsierte in seinen Muskeln, färbte seine Sicht rot. »Was erlaubst du dir?«, schrie er, dann schleuderte er den Hobgoblin gegen die Wand. Das Genick brach mit einem hässlichen Knacken, und der Körper sackte zu Boden. Boras spie aus.

»Ich spucke auf dich.« Die beiden übrigen Hobgoblins wichen einen Schritt zurück. Ihre Schwerter lagen plötzlich etwas schwerer in der Hand.

Thargad stand zwischen zwei Hobgoblins und tat sein Bestes, ihre Schläge abzuwehren. Dirim nutzte die Gelegenheit und schnitt einem der beiden die Kniekehlen durch. Thargad erledigte  den Knieenden mit einem achtlosen Hieb, dann drehten sie sich zu dem letzten Überlebenden um, der unsicher auf sein Langschwert starrte.

Einer der beiden Hobgoblins nahm seinen Mut zusammmen und schlug nach Boras. Der Barbar fing die Klinge mit seiner bloßen Hand und achtete gar nicht auf den Schmerz und das Blut, als er dem Hobgoblin seine Axt in den Magen rammte. Der letzte Hobgoblin warf sein Langschwert weg und hob die Hände, um sich zu ergeben. Boras schüttelte den Kopf.

Plötzlich wurde eine weitere Türe aufgerissen, und aus dem angrenzenden Raum strömten weitere Hobgoblins, einer davon ein einarmiges Monstrum mit pechschwarzer Haut und gewaltigen Muskeln. Boras ließ die Axt, die er schon zum Schlag erhoben hatte, sinken. Er packte den letzten Hobgoblin und stieß ihn in Richtung Neuankömmlinge, dann hastete er über die Brücke zurück in die große Halle.

Auch dort hatte sich der letzte Hobgoblin ergeben wollen, aber Thargad hatte keine Gnade walten lassen. Gerade säuberte er seine Klingen an der Leiche, als Boras herein kam.

»Da sind noch mehr«, sagte der Barbar schwer atmend. Der Zorn, der ihm für einen Moment Kraft gegeben hatte, war verschwunden und hatte nur Leere hinterlassen. Boras sehnte sich nach einer Ruhepause.

Ein Blick zur Türe hinaus zeigte, dass der einarmige Hobgoblin – wohl der Anführer der Söldner – die Verwundeten geborgen und die Türe hinter sich geschlossen hatte.

»Ich denke, wir haben einen Moment Zeit«, sagte Helion, dann schloss auch er die Türe zur Halle. »Bringen wir erst die Kinder raus.«

-

Die Gefährten befreiten die drei Kinder aus ihren Fesseln. Gemeinsam betraten sie die Plattform nach oben, wo Fario auf die Gruppe wartete und sogleich Felliarn in die Arme nahm, als er den Zustand seines Freundes sah. Den Heiltrank, den Fario ihm geben wollte, lehnte Felliarn jedoch ab und reichte ihn an die Gefährten weiter.

»Sie brauchen ihn dringender.«

»Wollt ihr etwa noch einmal runter?«, fragte Fario mit Unglauben in Blick und Stimme. Die Gefährten sahen sich an.

»Wir müssen«, sagte Helion. »Wir müssen.«

Fario schüttelte den Kopf. »Wenn ihr meint. Wir werden die Kinder in Sicherheit bringen, und dann holen wir Hilfe«, versprach er.

»Geht zum Helmtempel«, sagte Thargad. Boras betätigte den Hebel, dann fuhr die Plattform wieder in die Tiefe. Als die Gefährten im Dunkel verschwanden, fragte Fario sich, ob er sie zum letzten Mal gesehen hatte. Seufzend drehte er sich herum und brachte die Kinder fort.

-

Die Gefährten betraten die Brücke. Dirim sah über die Brüstung, aber auch seine Dunkelsicht reichte nicht bis zum Grund. Es hörte sich allerdings so an, als fließe Wasser unter der Brücke hindurch.

Gegenüber der Brücke lag eine Holztür, und der Quergang, den die Hobgoblins zu den anderen beiden Ausgängen genommen hatten. Statuen von Zwergenkriegern säumten den Gang.

Die Türe, hinter der die Hobgoblins verschwunden waren, öffnete sich, als die Gefährten sich ihr näherten. Heraus kam der einarmige Anführer und vier Hobgoblins in kampfbereiter Pose. Zwei weitere Hobgoblins, schwer zerschunden und wacklig auf den Beinen, bedrohten jeweils eine gefesselte Person mit ihrer Waffe: ein aufmüpfig dreinblickender Mann und eine von Folter gezeichnete Frau mit einem steifen Bein.

»Kazmojen ist tot«, begrüßte Helion die Söldner.

»Das wissen wir«, raunte der Anführer. »Lasst uns ziehen, und ihr bekommt die Sklaven zurück.«

»Warum sollten wir euch ziehen lassen?«, fragte Thargad. »Wir könnten euch einfach töten.«

»Vielleicht«, stimmte der Hobgoblin zu. »Aber die Gefangenen wären zuerst tot. Lasst uns einfach ins Unterreich. Wir werden nicht mehr zurückkehren. Und wir verraten euch, was wir von diesem Ort wissen.«

»Das gefällt mir nicht«, sagte Thargad leise.

»Mir auch nicht«, gab Boras ihm Recht.

»Was haben wir für eine Wahl?«, fragte Dirim mit schlecht verhülltem Zorn.

»Außerdem schwirrt hier noch der Wandler rum«, gab Helion zu bedenken.

Schließlich ließ man die Hobgoblins ziehen. Zum Dank verriet ihnen der Anführer noch, wie man die Wache haltenden mechanischen Konstrukte ausschalten konnte, die in den Zellentrakten lauerten. Dann verschwand die Söldnertruppe über eine weitere Steinbrücke ins Unterreich.

-

Dirim kümmerte sich um die beiden Gefangenen.

»Ihr habt sie laufen lassen!«, beschwerte sich der Mann.

»Um euch zu schützen«, sagte der Zwerg. Der Mann zuckte mit den Schultern.

»Mach mir wenigstens die Fesseln auf.«

Die Gefährten schüttelten den Kopf. Das war ja ein Prachtbursche. Helion wandte sich an die Frau.

»Wie geht es eurem Bein?«

Die Frau lächelte müde. »Diese Verletzung ist schon sehr alt. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt. Ich bin Coryston Pike, und das ist Krylscar Endercott, der Unverkäufliche.«

»Ich frage mich, wie er diesen Namen bekommen hat«, sagte Thargad in einem Ton, der das genaue Gegenteil ausdrückte. Coryston Pikes Lächeln wurde etwas echter. Der Galgenhumor schien zu helfen.

»Folgt mir«, sagte Krylscar Endercott selbstbewusst. »Ich führe euch zu den Anderen.« Helion blieb mit Coryston Pike zurück, um ihr den Weg zu ersparen.

»Seit ihr eine Abenteurerin?«, fragte Helion mit Blick auf die Verletzung.

»Früher einmal. Heute helfe ich meinem Vater in Saradush. Dürfte ich euch um etwas bitten?» Helion nickte. »Wenn ihr meinen Gehstock findet – würdet ihr ihn mir zurück geben? Er ist ein Andenken. Der Griff lässt sich abschrauben, und in der Höhlung ist ein Heiltrank, wenn ihr den benötigt.«

»Wenn wir ihn finden, werdet ihr ihn zurückbekommen.«

»Danke. Solltet ihr einmal besondere Ausrüstung benötigen, wendet euch an mich. Meine Familie kann einiges besorgen.«

Helion lächelte. »Ich werde es mir merken.«

-

Unterdessen hatten die Anderen den Zellenblock gefunden. Ein Mann sah ihnen mit großen Augen entgegen und begann zu wimmern, als sie sich näherten. Krylscar machte eine lapidare Handbewegung.

»Deven ließ sich nicht verkaufen. Die Schweinenasen haben ihm gedroht, ihn zu fressen, wenn er bei Monatsende noch hier wäre.«

»Ich denke, du bist jetzt besser ruhig«, gab Dirim zurück. Dann befreite er Deven Myrzal aus seinem Gefängnis. Die nächste Gefangene, Irruth Mercadi, hockte in der Ecke ihrer Zelle und schluchzte vor sich hin. Es dauerte einen Moment guten Zuredens, bevor Dirim sie heraus gelockt hatte. In der Zwischenzeit hatte Boras bereits den letzten Gefangenen befreit, einen Gnom namens Jasper Drundlesput. Dieser hatte sich die Zeit in der Zelle mit Mathematik vertrieben, und die ganze Wand war voll mit Gleichungen.

»Oghma sei Dank«, sagte Drundlesput und hielt einen fingergroßen Stein hoch. »Mein Kreidestein war fast verbraucht.«

In einem Geheimraum fanden sie das Eigentum der Gefangen wieder: Kleidung, Säcke, ein Seil, und ähnliche mondäne Materialien. Kein Spazierstock, jedenfalls.  Krylscar schnappte sich ein blutverkrustetes Kurzschwert und ein ebensolches Kettenhemd. Sogleich begann er, Schattenkämpfe durchzuführen.

»Jetzt ist gut«, sagte Dirim mahnend. Krylscar sah ihn herausfordernd an, steckte die Waffe aber weg.

Thargad hatte inzwischen die Liste der Vermissten hervor geholt und die Namen verglichen. Jasper Drundlesput, ein Mathematiker. Irruth Mercadi, eine Krämerin. Deven Myrzal, ein Lampenanzünder. Krylscar Endercott, der wegen Trunkenheit und – wenig überraschend – Befehlsverweigerung aus der Stadtwache geflogen war. Coryston Pike, die alte Abenteurerin. Jeneer Immermorn, der Lehrling eines Juweliers. Maple, die vermutliche Diebin. Sondor Eisenfalz, die Frau des Wagenmachers. Gryffon Malek, der Wirt des Krummen Kruges. Die drei Kinder Deakon Sturmschild, Evelyn Radavec, und Lucinda Aldreen. Terrem Karathys, den der Betrachter geholt hat. Zwölf hatten sie gerettet, einer war verschwunden. Und weitere zwölf waren bereits verkauft worden, ins Unterreich verschleppt. Zu viele.

-

Die Gefährten übertrugen Coryston Pike das Kommando über die Gefangenen und schickte sie zur Plattform. Krylscar schien nicht begeistert davon zu sein, ging jedoch in der Pose eines Leibwächters hinterdrein.

Weitere Erkundungen führten die Gruppe zu zwei leeren Zellenblöcken, nachdem sie die Wächter ausgeschaltet hatten, wie der Anführer der Hobgoblins es ihnen geraten. Sie fanden eine Folterkammer, in der die Brandeisen noch heiß waren, und wieder einmal verfluchten sie sich, die Hobgoblins gehen gelassen zu haben, auch wenn ihnen kaum eine Möglichkeit blieb. Und dann stießen sie auf Kazmojens Kammer.

»Wenigstens weiß ich jetzt, warum die Rüstung so stinkt«, sagte Dirim, der inzwischen den Plattenpanzer des Sklavenhändlers trug.

Die Kammer war über und über mit Trophäen bestückt. Tier-, Monster- und auch Schädel zivilisierter Rassen lagen in verschiedenen Nischen. Ein Thron aus Knochen, der mit Häuten – nicht Fellen – überzogen war, diente als Sitz, ein Echsenschädel darüber starrte die Gefährten aus dunklen Augenhöhlen an. Auf dem Boden lagen Überreste und vereinzelte Stacheln von Kazmojens Haustier. Das Bett in der Ecke war überhäuft mit Aas, und überwuchert mit Pilzen und Moosen.

»Ist das ein Drache?« Dirim deutete auf den Echsenschädel.

Helion schüttelte den Kopf. »Hydra.« Keiner war davon beruhigt.

»Wo hatte er denn seine Schätze?«, fragte Boras, dem das Ganze noch am Wenigsten auszumachen schien. Mit einem Ziel beschäftigt, suchten und fanden die Vier eine weitere Geheimtüre.

Dahinter befand sich eine kleine Kammer voller Reichtümer. Drei große Truhen standen im Raum, Fässer voller Münzen, umgedrehte Schilde voller Edelsteine, und vieles mehr. Ein großer goldener Gong hing sogar an einem hölzernen Rahmen.

»Denkt an den Wandler«, mahnte Helion, und vorsichtig schritten die Vier in den Raum. Boras nahm eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahr.

Der Gong bildete mit einem Mal zwei große Arme aus und schlug nach dem Barbaren. Einer der Arme traf Boras am Bein, und die klebrige Masse auf seiner Oberfläche zog den Barbaren mit sich zum Gong.

»Hilfe!«, rief Boras. Thargad sprang herbei und schlug mit seinen Schwertern zu, musste jedoch acht geben, seine Waffen nicht ebenfalls an den klebrigen Überguss zu verlieren. Helion schoss mit der Armbrust, immer darauf bedacht, nicht Boras zu treffen, und auch Dirim schlug mit seinem Schwert zu.

Der Wandler ließ sich nichts anmerken und umschlang Boras mit seinem Körper, presste ihm die Luft aus den Lungen. Erst als der Barbar bewusstlos an ihm hing, führte er einen lässigen Hieb gegen Thargad, der auch prompt an ihm kleben blieb.
Wie ein Wilder schlug Dirim auf den Wandler ein, während dieser Thargad ebenso umschloss wie zuvor Boras. Eine bräunliche Masse quoll aus den Wunden hervor, und ab und zu zitterte der Wandler, aber dennoch ließ er nicht von Thargad ab, bis dieser erschlaffte. Dirim sah zu Helion. Dieses Monster wäre ihr Untergang. Und selbst wenn nicht, konnten sie ihre Gefährten womöglich nicht retten. Sollte so kurz nach Anna wieder jemand sterben?

»Geh«, sagte Dirim in der Sprache des Unterreichs. »Lass unsere Gefährten hier, und zieh von dannen.« Er klang müde. Zu viele Schurken waren schon ihrer Strafe entkommen.

Boras und Thargads Körper fielen von dem Wandler ab, und er floss zu einer gallerten Masse zusammen. Dann ‚schwamm’ er davon, ebenfalls schwer verletzt.
Sogleich waren Dirim und Helion bei Thargad, der stark blutete. Hektisch verbanden sie seine Wunden.

»Das Leben ist nur noch eine Kerzenflamme im Wind«, sagte Dirim der Verzweiflung nahe. »Tyr, lass uns nicht zu spät sein.«

Ein paar Augenblicke später wurde klar, dass sie gerade noch rechtzeitig gekommen waren. Thargads Wunden bluteten nicht mehr. Sanft weckten Helion und Dirim ihre Freunde und schleppten sie aus der Kammer. Kazmojens Schätze würden auf sie warten müssen. Sie holten Annas Leiche und begaben sich zur Plattform. Eine bislang verborgen gebliebene Geheimtüre enthüllte einen weiteren Hebel, der die Plattform nach oben fahren ließ. Oben angekommen schleppten sich die Vier die Treppe hinauf in Keygans Wohnung. Der Gnom erwartete sie schon.

»Da seid ihr ja! Ich habe mir solche Sorgen...« Er brach ab, als er des Zustandes der Überlebenden gewahr wurde, und des Körpers über Helions Schulter. »Oh.«

»Wir müssen zum Tempel«, sagte Dirim erschöpft.

»Ah, ihr wollt... ihr wollt rausgehen?«, druckste Keygan herum, aber keiner schenkte ihm Beachtung. Dirim öffnete die Türe zur Straße.

Jubel brandete ihnen entgegen.

»Da sind sie! Da sind die Helden!« Etwa vier Dutzend Bewohner der Stadt hatten sich eingefunden. »Da sind Keygan und seine Mannen! Hoch! Hoch! Hoch!« Keiner bemerkte Annas Leiche, zu sehr waren sie mit dem Jubel beschäftigt. Hände klopften den Gefährten auf die Schultern, Fremde umarmten sie, schüttelten ihre Hände. »Hoch! Hoch den...« Es wurde still.

Ein Mann mittleren Alters rief in die Stille: »Wie nennt ihr euch?«

Dirim, Thargad, Helion und Boras sahen einander an. ‚Die rechte Hand Tyrs’, dachte Helion, und wollte gerade sprechen, als er sah, dass Thargads Lippen sich bewegten.

»Die Kettenbrecher«, flüsterte er, kaum hörbar.

»Was hat er gesagt?«, rief eine Frauenstimme aus der Menge. Wieder sahen sich die Gefährten an, und dann nickten sie.

»Die Kettenbrecher!«, riefen sie im Chor.
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Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #158 am: 06. März 2005, 17:08:00 »
 Thargad war übrigens bei -13 angelangt, bei -15 (oder -14?) wäre er tot gewesen. Bei -12 hatten noch alle die Heilkundeprobe verhauen. Spannung pur, während Boras sich bei -11 bequem mit einem Heldenpunkt stabilisiert hatte :)

Es folgt jetzt noch der Epilog, dann geht es in einem neuen Thread weiter.
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Kylearan

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« Antwort #159 am: 08. März 2005, 12:18:08 »
 Thargad wäre bei -14 tot gewesen. Wann kommt der Epilog?

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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« Antwort #160 am: 08. März 2005, 12:58:13 »
 Hetz nich rum! Hat doch noch niemand kommentiert. :)
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Doombrand

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« Antwort #161 am: 08. März 2005, 14:06:07 »
Zitat von: "Berandor"
Hetz nich rum! Hat doch noch niemand kommentiert. :)
Ich les erst mal heut Nachmittag. Dann wird kommentiert.
Well, some people hate it, some people love it.<br><br>Therefore..<br><br>Balanced! :)

Gast_Berandor

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« Antwort #162 am: 08. März 2005, 14:14:17 »
Zitat von: "Doombrand"
Zitat von: "Berandor"
Hetz nich rum! Hat doch noch niemand kommentiert. :)
Ich les erst mal heut Nachmittag. Dann wird kommentiert.
Siehste? Fürn Epilog wärs viel zu früh :D

Sheijtan

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« Antwort #163 am: 08. März 2005, 15:57:53 »
 Ich habs schon gelesen und will jetzt einen Epilog - Zwickmühle würd ich sagen ;)

Aber Kompliment, liest sich gut.
Zitat
»Ruhe«, ermahnte der Zwerg den Toten, »ich versuche zu arbeiten.« Von grimmigem Humor beflügelt, machten sich Thargad und Dirim wieder ans Werk.
:D
"Es liegt im Begriffe des Menschen, daß sein letztes Ziel unerreichbar, sein Weg zu demselben unendlich sein muß"<br>J.G. Fichte

uncleheavy

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« Antwort #164 am: 08. März 2005, 16:34:53 »
 Bin jetzt auch durch; tolle Kapmpfbeschreibungen, und auch die "eher diplomatischen" Lösungen romanreif ausgeführt.
Trockene Kämpferkommentare runden denn alles ab.
Bin auch zur Gänze für den Epilog  :)

Was war das mit dem Heldenpunkt? Sowas wie Extra-XP in anderer Form, die man bei Bedarf einsetzen kann?

Grx,
Uncle
 

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