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Autor Thema: Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path  (Gelesen 23645 mal)

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Alaak

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #30 am: 20. November 2004, 21:59:16 »
 Guter Schreibstil Beri. Gefällt mir gut. Ich musste an mehreren Stellen schmunzeln. Mach weiter so!
Ich mag D&D 4 und bin stolz drauf. :P

Boras

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #31 am: 20. November 2004, 22:19:05 »
 Nichts gegen den Zwerg, aber so klingt die Geschichte einfach schöner.

Freu mich schon auf unsere weiteren Exkursionen ins tiefe Gnomenreich.  

Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #32 am: 20. November 2004, 22:44:50 »
 Cauldron

Die vier Nachkommen der Schätze Tethyrs zogen früh los, um ihr Ziel noch vor Anbruch der Dunkelheit zu erreichen. Zuerst unterhielten sie sich noch angeregt, doch schon bald bemächtigte sich ihnen eine große Anspannung, und sie schritten nur noch schweigend nebeneinander her. Für den späten Sommer war es schon recht kühl geworden, was in Tethyr jedoch nur bedeutete, dass man Rüstung tragen konnte, ohne einen Hitzschlag zu erleiden. Ein steter Nieselregen lag über dem Land, und schon bald war die Kleidung der vier außen vom Regen, und innen vom Schweiß durchnässt. Der dichte Dschungel, der den Glücklichen Affen umgab, wurde langsam dünner, während das Gebirge, das wochenlang als Wegweiser ihrer Route gedient hatte, endlich spürbar näher rückte. Gegen Mittag hatten Felsen die Bäume als häufigste Wegbegrenzung abgelöst, und am frühen Nachmittag rasteten die Gefährten am Fuße des erloschenen Vulkans.

„Da rauf?“ fragte Anna und sprach damit aus, was alle dachten. Sie blickte die Flanke des Berges hinauf. Der breite Handelsweg, auf dem sie reisten, wand sich die steile Flanke hinauf wie eine betrunkene Schlange, bevor er kurz vor der Spitze nach Süden hin verschwand.

„Vom Warten wird er auch nicht flacher,“ sagte Dirim, und schulterte sein Gepäck. „Gehen wir.“

Weitere Stunden später hatten die Vier endlich die Stelle erreicht, an der die Straße um den Berg lief, um dann stetig ansteigend auf das Südtor der Stadt Cauldron zuzulaufen. Die „Heimatschleuse“.

Das Erste, was man von Cauldron sehen konnte, waren die großen schwarzen Mauern. Sie erhoben sich fünfzehn Schritt über den Kraterrand, schwarzes Malachit – Vulkangestein, dass jegliches Licht zu verschlucken schien. In dieser gewaltigen Mauer wirkte das große Tor wie ein Maul aus hellem Licht. Das Tor, so breit wie drei Karren und so hoch wie drei Mann, ließ sich im Boden versenken. Bevor Dirim aber die Handwerksarbeit gebührend bewundern konnte, rollte der Karren vor den Vieren wieder an und über die Schwelle zur Stadt, und die vier Wachen wandten sich ihnen zu.

Der Hauptmann trat zu ihnen hin, das flammende Auge der Stadt stolz auf Brust und Helm.

„Den übernehme ich,“ flüsterte Anna und zwinkerte Helion zu. Schaukelnd trat sie vor.

„Guten Abend, Wachtmeister.“

„Guten Abend.“ Der Wachmann strich über sein mit Edelsteinen verziertes Armband und musterte die Vier, einschließlich Dirims Packpony.

„Abenteurer, wie? Für euch kostet die Passage fünf Silberklingen – oder einen König, wenn euch das lieber ist -, das Pony noch mal zwei Klingen. Außerdem,“ schnalzte er mit der Zunge, „habt ihr Magie dabei. Dafür müsst ihr Zoll bezahlen.“

Anna atmete tief ein, und das ohnehin schon enge Mieder spannte sich noch ein wenig mehr. Sie sah dem Wachmann tief in die Augen.

„Hallo,“ sagte sie, „ich bin Anna. Und wie heißt du?“

„Ich... Essuth. Wieso?“ Anna zuckte mit den Schultern.

„Du bist süß. Können wir uns nicht mal treffen?“

„Was? Äh, ich meine, natürlich.“ Ein zufriedenes Lächeln erschien auf seinen Lippen, während die anderen Wachen in seinem Rücken grinsten. „Wie wäre es morgen Abend, im Krummen Krug?“

„Ich werde da sein,“ versprach Anna. „Enttäusch mich nicht.“ Sie lächelte ihn an, er lächelte verzückt zurück. „Hast du nicht etwas von einem Zoll gesagt?“

„Hm? Ach ja. Wisst ihr was?“, fragte er in verschwörerischem Ton. „Vergesst den Zoll dieses eine Mal. Aber lasst euch im Stadthaus eine Besitzrolle ausschreiben. Dann müsst ihr die magischen Gegenstände, die ihr nicht verkaufen wollt, nicht jedes Mal bezahlen.“

„Danke, Essuth. Dann bis morgen.“

„Bis morgen...“

„Männer,“ sagte Anna, als sie durch das Tor waren.

„Menschen,“ sagte Dirim.

„Wachen,“ sagte Helion.

Thargad sagte nichts.

Ein breiter Weg führte vom Südtor an den ersten Häusern der Stadt vorbei, hohen imposanten Bauten aus ebenfalls meist schwarzem Malachit oder Obsidian. Über die ganze Straße verteilt boten Händler ihre Waren an, allesamt aus kleinen Ständen oder Bauchläden. Besonders regen Zulauf hatte ein Mann mit frisch gebackenem Brot, während zum Ende der Straße hin eine Gnomin die Dienste ihrer Wäscherei anpries.

„Braucht ihr einen Führer?“, erkundigte sich eine hohe Stimme, und selbst Dirim musste den Blick etwas senken, um den etwa achtjährigen Straßenjungen zu entdecken, der vor ihnen stand. „Für ein Donsar führe ich euch, wohin ihr wollt, und für ein Paxar bleibe ich sogar den ganzen Tag.“

„Eine ganze Silbermünze?“ fragte Anna, als Dirim an ihr vorbeitrat.

„Wie heißt du denn?“

„Pellir, Herr Zwerg.“ Dirim lachte.

„Hör zu, Pellir, ich mache dir ein Angebot.“ Pellir blickte Dirim gespannt an. Helion lächelte zufrieden. Es war doch immer gut, einen Zwerg dabei zu haben.

„Heute bringst du uns umsonst zu einem Wirtshaus, und morgen kommst du wieder. Dann kriegst du zwei Klingen von mir.“

„Zwei?“, fragten Helion und Pellir gleichzeitig. Dirim nickte.

„Zwei. Und jetzt bring uns zur Messingtrompete.“
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Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #33 am: 20. November 2004, 23:59:44 »
 Der erste Abend
„Das ist die Messingtrompete?“ Wieder einmal sprach Anna aus, was alle dachten. Sie standen vor einem Haus aus rauem Malachit. Die Fensterrahmen waren verrußt, verbrannt und halb verrottet. Vor den oberen Fenstern spannte sich schwarze Ölhaut, die unteren Fenster waren ebenso verbarrikadiert wie die Tür, die offensichtlich erst nach dem verheerenden Brand eingesetzt worden war.

„Da muss es ja heiß her gegangen sein,“ sagte Thargad.

„Wir sollten uns darin mal umsehen,“ sagte Anna.

„Später,“ entgegnete Thargad. Er nickte mit dem Kopf zur  Seite, wo gerade ein Trupp Stadtwachen mit ihren Hellebarden um die Ecke bog. „Wir sind schließlich gerade erst angekommen.“

Auf Nachfrage erklärte Pellir, das Haus sei verbarrikadiert worden, seit damals ein kleiner Junge in den Ruinen geklettert war und sich bei einem Sturz das Bein gebrochen hatte. Dirim fragte ihn, ob hier in der Nähe ein Lathanderschrein sei, und Pellir bejahte. Dann führte er die Nachkommen dorthin. Es war ein schmaler Turm, der sich nach oben hin nicht verjüngte. Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend betraten die Vier den Schrein, in dem warmes rotes Licht leuchtete. Eine Treppe am Rand führte nach oben, und von dort kam auch gleich ein junger Mann mit ernstem Gesicht herab geschritten.

„Willkommen in der Rose des Morgens. Ich bin Kristof Jurgensen. Wie kann ich euch dienlich sein?“

„Mein Name ist Dirim Gratur,“ stellte sich der Zwerg vor. Schon war es mit der Ruhe des Priesters vorbei.

„Gra... Gratur?“

„Meine Mutter war Branda Gratur.“

„Bra... Branda Gratur?“

„Ja?“, sagte Dirim.

„Bra... Oh je. Willkommen. Willkommen, ihr alle. Wie... Wie kann ich... Kann ich euch helfen? Wollt ihr... Ihr könnt hier schlafen, wenn ihr wollt. Es gibt nur zwei Betten, aber... Ich schlafe auf dem Boden. Ich... Oh je. Wartet einen Moment.“ Der junge Mann lief nach oben und kehrte nach einigen Augenblicken mit einer Karaffe Wein und fünf Kelchen wieder zurück.

„Wein?“, fragte er und stürzte den ersten Becher hinunter. „Oh je.“

„Nun mal ganz ruhig,“ sagte Helion. „Woher kennst du den Namen?“

Kristof sah den Magier mit verdutzten Augen an.

„Branda Gratur hat diesen Schrein erbaut.“

Nach einem weiteren Becher Wein erzählte Kristof, was er wusste. Seine Vorgesetzte Tao Sintal hatte einst von Branda Gratur die Priesterweihe empfangen und unter der Zwergin in dem Schrein gedient. Leider war Sintal vor einem Jahr verstorben, und nun war Kristof, ein einfacher Dämmerungsgrüßer, der amtierende Dämmerfürst der Stadt.

„Wisst ihr irgendetwas von meiner Mutter?“, fragte Dirim schließlich.

„Was ich weiß, kenne ich nur aus Erzählungen. Tao hat immer gesagt, sie sei eine gute, ja gütige Frau gewesen. Jemand mit reinem Herzen, der den Schwachen geholfen und das Dunkel mit ihrem Sein erhellt hat.“

Dirim lächelte. Seine Augen glänzten feucht. „Schön.“

Auf Anraten von Kristof machte man sich dann auf zum besten Haus am Platz, dem Trunkenen Morkoth.
Der Morkoth sah von außen aus wie der Bug eines Schiffes, der Obsidian des Fundaments mit rustikalem Holz verkleidet. Die Galionsfigur des Schiffes ragte über den Eingang hinweg, ein fischähnliches Wesen mit einem Humpen in der Hand. Im Inneren umgab heimelige Düsternis die Gäste, auf den Tischen brannten Kerzen, und ruhige Musik driftete durch den Schankraum. Sogleich war eine Schankmaid bei den Vieren. Pellir hatte sich draußen verabschiedet und versprochen, Dirims Pony in den örtlichen Stallungen abzugeben.

„Willkommen im Trunkenen Morkoth,“ sagte die junge Frau. „Ich bin Doreen. Wünscht ihr einen Tisch und etwas zu Essen? Oder nur etwas zu trinken? Vielleicht ein Zimmer?“

„Klingt alles gut,“ sagte Dirim.

„Vielleicht zuerst das Zimmer, damit wir unser Gepäck abladen können?“

„Wie ihr wünscht.“

Man entschied sich für vier Einzelzimmer, die alle geräumig und luxuriös ausgestattet waren. Auf Wunsch, so erklärte Doreen ihnen, konnte man sich sogar Badezuber auf die Zimmer bringen lassen.

„Was kostet denn die Nacht hier so?“, fragte Dirim schließlich. Doreen lächelte.

„Fünfzehn Klingen für die Nacht, Herr.“ Betretenes Schweigen breitete sich aus. Schließlich sagte Helion:

„Na ja, für eine Nacht...“

Als sie unten am Tisch saßen, schüttelte Dirim den Kopf.

„Ich spreche mal mit dem Wirt.“ Und das tat er dann auch, doch selbst die beste Zwergenfeilscherei vermochte nichts auszurichten, und der Zwerg trottete wieder zurück. Er warf einen Blick auf die Karte, und ächzte.

„Ich mag es hier nicht. Ich schlafe bei Kristof. Bis morgen.“ Er stand auf und ging, einem überglücklichen Lathanderpriester entgegen.

„Er war nur zu grummelig,“ sagte Anna. „Ich versuche es mal.“
Kurz darauf kam sie zurück.

„Der Kerl steht nicht auf Frauen, glaube ich. Er wollte mich nicht mal auftreten lassen, ohne dass ich bei ihm vorspreche.“ Sie zog eine Schnute. „Was gibt’s denn zu essen?“

„Geräucherte Muscheln mit Pfeffer und Krustenbrot,“ sagte Thargad. „Und dazu elfisches Bier?“

Sie entschied sich für Beerenbier, während Helion bei Wein und Thargad bei Wasser blieb.

„He, Spitzohr!“, rief plötzlich eine männliche Stimme herüber. „Bring mir noch was zu trinken.“

Anna sah sich um und bemerkte einen jungen Mann in Begleitung von zwei Frauen an einem Tisch in der Nähe. Die Frau zu seiner Linken war groß und schön, mit weicher calishitischer Haut, ihr schwarzes Haar zu einzelnen Zöpfen geflochten, die eng am Kopf anlagen. Ihm gegenüber saß ein Mädchen mit kurzen roten Haaren und mehreren Narben auf den Händen. Beide trugen eng anliegende und teure Kleidung. Er selbst war dünn und schmächtig, ebenfalls gut gewandet, und lächelte gemein. Alle trugen Rapiere an der Seite. Er bemerkte Annas Blick.

„Schau nicht so verdrossen. Ich bin sicher, auf meinem Schoß ist noch ein Platz für dich.“

„Ihr scheint reich zu sein,“ rief Anna zurück, „warum leistet ihr euch keine hübschen Frauen?“ Die Rothaarige wollte aufspringen, aber die Andere hielt sie zurück.

„Lass Todd das machen,“ flüsterte sie. „Mal sehen, wie er sich schlägt.“

„Weißt du nicht, wer wir sind, Spitzohr? Wir sind die Sturmklingen! Und jetzt hol mir was zu trinken.“

„Oho, die Sturmklingen,“ sagte Anna gespielt beeindruckt. „Sofort, Herr.“ Mit einem spöttischen Lächeln ging sie zum Wirt.

„Was ist euer teuerstes Getränk?“

„Wir haben einige wenige Flaschen Verethere Amnae.“ Die Antwort verblüffte Anna. Dieser kostbare Amnae – Elfenwein – war das Prunkstück elfischen Weinbaus. Die Flüssigkeit hatte eine ätherische Qualität, ein beinahe unbezahlbares Gut. Sie lächelte.

„Der Herr dort wünscht etwas davon.“ Sie wies zu Todd. Der Wirt blickte hinüber. Als Todd das bemerkte, rief er:

„Was ist denn, Welvihk? Nun mach schon!“ Der Wirt schluckte, verschwand dann aber im Hinterzimmer und kehrte mit einer kleinen Flasche aus kostbarem Bleiglas zurück. Vorsichtig und mit zittriger Hand goss er drei kleine Gläser voll.

„Was kostet das jetzt?“, fragte Anna.

„Die Flasche kostet 250 Platinkelche, jedes Glas also etwa 50 Kelche.“

„500 Goldköniginnen also. Gut.“ Mit einer schwungvollen Bewegung drehte sie sich herum und brachte unter den wachsamen Augen von Helion, Thargad und dem einzigen anderen Gast, einem Zwerg, das kostbare Getränk zu den Sturmklingen.

Todd schluckte, als er sah, was Anna angeschleppt hatte.

„Dafür wirst du bezahlen,“ drohte er.

„Im Gegenteil,“ sagte Anna, „ich fürchte, der Wirt wird bei dir kassieren. Schließlich war der Wein für dich.“

Seine Augen versprühten Dolche, die Rothaarige schien sich kaum zu beherrschen, aber die dunkle Schöne taxierte Anna nur mit eiskaltem Blick.

„Gehen wir.“ Die drei stürzten ihren Wein herunter – es tat Anna in der Seele weh, das zu sehen – und verließen die Kneipe schnellen Schrittes.

„Am ersten Abend in der Stadt, und schon haben wir neue Freunde,“ sagte Anna leichthin, als sie sich wieder setzte. Der Wirt kam zu den dreien an den Tisch. Er warnte sie vor den Sturmklingen, Kinder von örtlichen Adelsfamilien, die nicht nur selbst erfolgreiche Abenteurer waren – gerade erst hatten sie ein Koboldnest ausgehoben – sondern auch über großen Einfluss verfügten. Falls das überhaupt möglich war, sah Thargad danach noch mürrischer drein.

Nach dem Mahl bezahlten die Drei  schweren Herzens für ihr Zimmer und das Essen – jeder wurde 26 Silberklingen los – und gingen zu Bett. Zurück blieb nur der Zwerg, der bedächtig an seiner Pfeife zog, um dann mit dem Kopf zu schütteln.

„Menschen.“
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Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #34 am: 21. November 2004, 00:00:13 »
 So, genug für heute.
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kaigrass

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« Antwort #35 am: 21. November 2004, 01:38:54 »
Zitat von: "Berandor"
So, genug für heute.
Schade ... liest sich nämlich einfach spitze ... auch wenn ich mit den ganzen Münzen ganz schön durcheinander komme  ;)

Auf jeden Fall mußt Du ganz bald weiterschreiben.

Berandor

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« Antwort #36 am: 21. November 2004, 08:05:10 »
 Die Münzen verwende ich auch für meine Spieler und mich, damit wir die vielleicht auch im Spiel benennen :) Sie heißen:

KM: Donsar, im Volksmund „Peitsche“
SM: Paxar / "Klinge"
EM: Corlar / (Elektrum, 5 SM wert) "König"
GM: Aenar / "Königin"
2 GM: Brakar / "Stern"
PM: Daublar / "Kelch"

Für Interessierte gibt es hier eine Karte von Cauldron:
http://www.p-pricken.de/images/cauldronlegende.jpg' target='_blank'>http://www.p-pricken.de/images/cauldronlegende.jpg
 
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Berandor

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« Antwort #37 am: 21. November 2004, 11:06:48 »
 Der erste Tag
Am nächsten Morgen hatten die Neuankömmlinge erst einmal Zeit, sich die Stadt in Ruhe anzusehen. Cauldron war in den Krater eines erloschenen Vulkan gebaut, um den zentralen Kratersee herum; die Häuser drängten sich an den Rand wie Käfer an den Rand einer Schüssel voll heißem Wasser. Je näher man am Rand war, desto größer wurden die Käfer und umso prunkvoller und imposanter die Häuser. Vier große Hauptstraßen umkreisten den See – diese hatte man eingeebnet, während alle anderen Wege eine stete und spürbare Neigung zum See hin aufwiesen.

„Nicht mal eine Kanalisation gibt es hier,“ mokierte sich Dirim, als er einer Schmutzlache auswich, die in Richtung See floss. „Da muss man schon fast dankbar für den Regen sein.“

„Die Priester reinigen das Wasser regelmäßig, Herr,“ sagte Pellir. Der Junge hatte sich wie verabredet im Morkoth eingefunden.

„Und den Rest überdeckt der Schwefelgeruch,“ sagte Helion verdrießlich. „Azuth sei dank.“

Dirim war von den anderen schnell über die Sturmklingen informiert worden. Der Zwerg hatte wiederum vom Sonnenaufgang im Schrein berichtet.

„Sobald die Sonne über dem Azuthtempel erscheint, leiten Spiegel das Licht in den Turm. So eine gleißende und warme Helligkeit...“ Er zog genießerisch die Luft ein. „Herrlich.“

Im Augenblick war man auf dem Weg zum Lichtstraßen-Waisenhaus. Zuerst hatte Dirim den Tempel der Dreifaltigkeit besuchen wollen, doch dieses Gebäude, das Tyr, Torm und Ilmater geweiht war, schien schon lange verlassen. Auf dem Weg dorthin hatten sie hier und dort gehalten, um ein paar Gerüchte aufzuschnappen, und eines davon handelte von Waisenkindern, die aus eben jenem Waisenhaus entführt worden seien. Die Nacht im Morkoth hatte ein scheußlich ehrliches Licht auf die Finanzen der Gruppe geworfen – auch wenn alle vermuteten, dass Dirim noch einige Schätze hortete – und so war man auf eine Möglichkeit erpicht, die Börse ein wenig zu füllen. Wenn man dabei noch Kindern helfen konnte, umso besser.

Der schwarze Stein des Waisenhauses war von außen moosbedeckt; links davon umgab eine niedrige Mauer einen kleinen Vorhof und Garten. Zwei große Laternen flankierten die Tür, deren Klopfer in Form eines grinsenden Goblin mit Nasenring gestaltet worden war.

„Den fasse ich nicht an,“ sagte Dirim. Anna rollte mit den Augen und klopfte. Nach einiger Zeit wurde ein Riegel zurückgeschoben. Die Tür öffnete sich einen Spalt. Dahinter sahen die Nachkommen eine kleine, alte Frau mit ergrauendem Haar, zu einem Dutt geformt, und misstrauischem Blick. Ein Halbling.

„Ja?“

Helion stellte die Vier vor. „Wir kommen, um wegen der Kinder zu helfen.“

Die Augen der Halblingsfrau verengten sich. „Wir brauchen keine Hilfe.“

„Und wenn wir euch Geld geben?“, fragte Dirim. Als Antwort schloss die Frau die Tür, sichtlich erbost. Die Vier sahen sich an.

„Man nennt uns übrigens die Sturmklingen!“, rief Anna durch die geschlossene Türe.

„Was sollte das denn?“, fragte Helion, als sie ein wenig vom Haus entfernt waren.

„Wenn sie schon sauer ist, dann doch besser auf die Sturmklingen als auf uns, oder?“

Das Mittagsmahl nahm man auf der Straße ein. Während sie hungrig in die aufgespießten Würstchen bissen, überlegten die Nachkommen ihre weiteren Schritte. Es galt, noch eine günstigere Unterkunft als den Trunkenen Morkoth zu finden, und die Sache mit den Entführungen ließ sie auch nicht mehr los. Es schien unvorstellbar, dass noch keine Abenteurer mit der Untersuchung beauftrag wurden. Am besten würde man einmal im Stadthaus vorbeigehen, und vielleicht auch im Helmtempel.

„Braucht ihr noch eine Führerin?“ Ein kleines Mädchen war vor Dirim aufgetaucht.

„Was machst du denn hier?“, rief Pellir. Er marschierte auf das Mädchen zu. „Verschwinde, los!“

„Hau du doch ab!“, rief sie zurück. Ein Streit entbrannte, in dem klar wurde, dass Pellir mit seinem Verdienst geprahlt hatte, und nun hoffte das Mädchen, ebenfalls etwas abzubekommen. Während die anderen nur mit den Augen rollten, erwies sich Dirim wieder einmal als rechter Kinderfreund.

„Wir wollen mal sehen, ob wir nicht was für dich finden. Komm erst mal mit.“ Mit triumphierendem Blick schloss sich das Mädchen der Gruppe an.

Das Flammende Auge, wie der Helmtempel in Cauldron genannt wurde, war ein großer Tempel im klassischen Stil, ganz aus weißem Marmor erbaut, mit blauen Venen aus Bergkristall durchzogen. Eichene Doppeltüren wurden von Kriegerstatuen flankiert, die ihre Streitkolben in den Himmel reckten. Über den Türen stand wie eingebrannt: ‚Die Nacht kommt, und meine Wacht beginnt. Sie soll nicht enden bis zum Morgen.’

Thargad schien besonders von diesem Spruch beeindruckt, aber schnell stand auch er wie seine Gefährten im großen Kirchenschiff, umgeben von weiteren Kriegerstatuen in Alkoven. Ein großer Mann in Rüstung trat auf die Gruppe zu.

„Willkommen im Helmtempel. Wünscht ihr zu beten?“ Er klang ernst und kühl.

„Auch,“ entgegnete Dirim, „aber wenn möglich, würden wir gerne Sarcem Delasharn sehen?“

„Der Hohe Wächter weilt nicht in Cauldron. Bis er zurückkehrt, ist Beschützerin Jenya Urikas mit der Leitung des Tempels betraut. Sie ist jedoch im Augenblick ebenfalls nicht zu sprechen.“

„Und an wen sollte man sich wenden, wenn man über die vermissten Kinder sprechen will?“, fragte Helion. Der Priester zögerte nur einen Moment, bevor er antwortete.

„Wendet euch am besten an Ruphus Laro. Der Betraute“, ein Lächeln umspielte seine Lippen, „erledigt gerade einige Besorgungen. Er wird jedoch heute Abend hier sein, wenn er vom Waisenhaus zurück ist.“

„Dann können wir ja gehen“, sagte Anna, die sich in diesem imposanten Gebäude ähnlich unwohl fühlte wie Pellir und seine Freundin, wenn die Halbelfe dies auch nicht so offen zur Schau stellte.

„Noch nicht“, entgegnete Dirim. „Erst wird gebetet.“

Thargad, Helion und Anna saßen auf den Stufen vor dem Tempel. Thargad blickte zum Himmel, wo vereinzelte Sonnenstrahlen durch die graue Wolkendecke brachen. Helion blickte in die Ferne. Anna sah sich um.

„Erst schon fast zwei Stunden da drin“, sagte Anna. „Ob er noch lange braucht?“

„Die armen Kinder“, sagte Thargad. Helion stimmte ihm mit einem stummen Nicken zu.

„Das ist die zwei Silberklingen nicht wert.“ Erneutes Nicken.

Endlich kamen Dirim und die Kinder aus dem Tempel. Den Blicken nach zu urteilen, die Pellir und das Mädchen dem Zwerg zuwarfen, hatten auch sie eine neue Einschätzung ihres Lohns gewonnen.

„Das tat gut“, sagte Dirim zufrieden. „Nicht wahr, Kinder?“

„Ja“, sagten beide in müdem Gleichklang, um nicht wieder hinein gehen zu müssen.

„Dann besorgen wir uns mal ein Zimmer.“
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Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #38 am: 21. November 2004, 11:07:59 »
 Zwischenspiel – Jil
Velior Thazo saß an seinem Schreibtisch und studierte noch einmal die vermaledeite Liste. Er verfluchte Kazmojen und seine Diener, und er verfluchte sich selbst. Kazmojen hatte den Falschen entführt und er, der Hofnarr Velior Thazo, hatte es herausgefunden. Er hatte es schriftlich, in eben dieser Liste, die jetzt vor ihm lag. Als einer der Anführer des Letzten Lachens hatte Thazo wenig zu befürchten, aber die Diebesgilde konnte ihn nicht vor dem Zorn seines Meisters beschützen. Und zornig würde er werden, wenn er es herausfände. Dieser verfluchte Kazmojen!

Wie schon an den Tagen zuvor entschied sich Thazo, erst einmal keine Entscheidung über die Liste zu treffen, und legte sie in die Schublade seines Schreibtisches zurück. Vielleicht würde er morgen jemanden auswählen – jemand, der entbehrlich war – und die Nachricht überbringen lassen. Heute galt es, sich um andere Dinge zu kümmern.

Er griff zu einer Glocke, die auf dem Tisch stand, und läutete.

„Hol Jil her!“

Kurz darauf stand die junge Frau vor ihm, mit ihrem kurzen schwarzen Haar, ihren schwarz und weiß geschminkten Gesichtshälften – dieselbe Maske, die auch Velior Thazo aufgetragen hatte – und ihrem spöttischen Lächeln. Sie war ein Emporkömmlingen, aber Thazo traute ihr nicht so recht. Jil war wegen des Nervenkitzels zum Letzten Lachen gekommen, nicht aus einem Drang zum Kriminellen. So jemand war gefährlich. Vielleicht könnte sie morgen den Brief überbringen?

Thazo schob den Gedanken von sich fort und wies Jil an, sich zu setzen.

„Der Priester kümmert sich zu sehr. Wir müssen ihm einen Denkzettel verpassen – heute noch, wenn es geht. Schaffst du das?“

„Keine Sorge“, sagte Jil, und ihr Lächeln wurde noch breiter. „Ich kenne genau die richtigen Leute dafür...“
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Der Wurm

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« Antwort #39 am: 21. November 2004, 11:44:49 »
 Ein wirklich toll geschriebene Geschichte. Ich bin ehrlich begeistert... wie als wenn man ein Buch liest.
 
Arbeitslos in Grönland
"I'm burning gas until I feel all right"

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« Antwort #40 am: 21. November 2004, 12:17:23 »
 Wow... klasse geschrieben, Beranor.

Der Hofnarr gefällt mir! Geniale Idee als einer der Anführer des Letzten Lachens.

Trunkene Morkoth ist die beste Übersetzung des "Drowning Morkoth", die mir untergekommen ist.

Und die Einführung der Sturmklingen ist wahrlich meisterlich gelungen (genauso wie die Einbindung von Shensen).

Aber am meisten habe ich über Männer, Menschen, Wachen gegrinst...

Berandor

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« Antwort #41 am: 21. November 2004, 12:38:56 »
 Danke!

Nur noch mal zur Vorsicht - bitte beschränkt Spoiler auf ebensolche Formatierungen (spoiler) (/spoiler), da auch meine Spieler hier mitlesen.

Ebenfalls danke!
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dude

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« Antwort #42 am: 21. November 2004, 16:54:05 »
 bin begeistert! ist ziemlich genial beschrieben. ich verneige mich vor dem autor!
noch ne frage dazu: werden eigentlich die stats der charaktere mal aufgelistet, oder wurde das aus atmosphärischen gründen weggelassen?

lg
dude

Berandor

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« Antwort #43 am: 21. November 2004, 17:05:02 »
 Eigentlich habe ich das bewusst weggelassen.

Aber ich habe die Stats auch nicht :)

Leider kann ich meine eigene Homepage immer noch nicht updaten, sonst würde ich dort solche Informationen offenbaren. Man findet aber zumindest ein paar Hintergrundinfos dort (siehe die ersten posts hier).

Im Moment sind alle noch Stufe 1. Helion ist ein Magier (Bannwirker), Dirim ein Kleriker (Tyr), Anna eine Bardin (Halbelfe) und Thargad ein Schurke (rouge). In der Kampagne sind sie gerade auf Stufe zwei aufgestiegen, und ein neuer Spieler ist dazu gekommen.

Wir haben die Charaktere nach unserer Kartenmethode ermittelt (siehe Homepage), also sind sie Wertemäßig alle gleichauf und relativ gut ausgestattet.
Spoiler: Klicke, um den Beitrag zu lesen


Im weiteren Verlauf der Geschichte werde ich wichtige Meta-Informationen sicher einfließen lassen, aber bislang ist es fast nur Rollenspiel und ein paar Fertigkeitswürfe gewesen. Aber ich werde sicherlich bei Kämpfen nicht Runde für Runde beschreiben, sondern auch da freier erzählen.

Ich habe noch ein paar Updates fertig, vielleicht heute abend noch eins, dann die Woche über.
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Zechi

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« Antwort #44 am: 21. November 2004, 22:08:57 »
 Respekt! Das liest sich wirklich gut, also immer nur weiter so :) Es ist vor allem cool zu sehen, das es sich wirklich lohnt den Adventure Path bis zum Ende komplett abzuwarten und dann erst zu leiten. Das werde ich beim nächsten auch machen. Wann lesen wir denn mal was von dir was im Bücherregal stehen kann ;)

Nur eins solltest du dringend ändern:
Spoiler: Klicke, um den Beitrag zu lesen


Gruß Zechi
Planen ist alles, Pläne sind nichts.

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