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Autor Thema: Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path  (Gelesen 23656 mal)

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Nazgul Oddo

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #75 am: 06. Dezember 2004, 23:39:25 »
Zitat von: "Berandor"
1)„Das ist unsere Karte“, sagte Anna und sprach aus, was alle dachten. „Ich frage mich, ob...“

2)„So“, sagte er und deutete auf die vier Ausgänge, dann wies er auf den Tunnel, der neben dem Brunnen aus der Wand kam. „Und wo lang jetzt?“
 
zu 1) Solange Anna sprechen kann, brauchen die anderen wohl nicht denken ;)?

zu 2) Links rum, man geht immer links :D

Sehr schöner Teil mit einem grandiosem Barbar.

Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #76 am: 06. Dezember 2004, 23:43:51 »
 
Zitat von: "Nazgul Oddo"
Zitat von: "Berandor"
1)„Das ist unsere Karte“, sagte Anna und sprach aus, was alle dachten. „Ich frage mich, ob...“
Hehe. "Stating the obvious", ja das lasse ich Anna machen.
Helion fasst halt nix an, and Thargad sagt nix. Ein paar Running gags müssen schon sein :)

Morgen: der harte, harte Fight mit einem
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Olli: Oops, vergessen! Ich hoffe, ich komme morgen dazu! Nicht versprochen, aber fest vorgenommen!
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Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #77 am: 07. Dezember 2004, 09:35:27 »
 Achtung:
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Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #78 am: 07. Dezember 2004, 20:47:53 »
 Jzadirune – Choker und Verschwundene
Der nächste Raum, den sie betraten, war eine Art Versammlungshalle. Bänke standen nebeneinander, und Laternen leuchteten mit ewigem Licht. An einer Seite des Raums stand eine Bühne, auf der anderen Seite führte ein Durchbruch wieder in einen der Tunnel. Dirim folgte diesem in einen Raum, der einem verwüsteten Lager glich. Hinter einem umgestürzten Tisch schoss ein Schleicher hervor. Er hatte ein Wolfsgesicht, und seine Haut schien noch wandelbarer als die seiner Brüder. Anna tänzelte an dem Schleicher vorbei und nahm ihn mit Dirim in die Zange. Schnell lag das Geschöpf vor den beiden auf dem Boden, und Boras gab ihm den Rest. Dirim sah sich den Schleicher genauer an, vor allem seinen Wolfskopf.

„Eine Maske“, sagte er und zog die Wolfsmaske herunter.

„Warum trägt er denn eine Maske?“, fragte Anna.

„Vielleicht gefiel sie ihm“, hatte Boras eine Erklärung parat.

„Seht doch nur“, wandte Dirim ein, „er ist ganz durchsichtig.“

„Das Verschwinden“, sagte Anna düster. „Es geht noch um.“

-

„Ich fasse nichts an“, sagte Helion gleich, als  er davon hörte. Anna nahm eine der ewigen Laternen an sich, doch ihr Bruder lehnte ab.

„Ich geh mal auf die Bühne“, sagte Boras.

„Gute Idee“, antwortete Anna. „Ich komme mit.“

Als sie sich dem Aufstieg näherten, trat ein Gnom in einem Bärenkostüm aus den Schatten. Er tapste in die Mitte der Bühne, um dann zu verkünden:

Zitat
Nacht liegt über dem Zauberwald. Derweil die Waldgeschöpfe schlummern, tanzen Weidenbogen und ihre Feenfreunde unter dem Hexenmond.
„Oh je“, sagte Helion und wandte sich ab.

„Hrm“, machte Boras und reinigte seine Axt.

„Ich frage mich, ob hier eine Geheimtüre ist“, sagte Dirim und machte sich gleich ans Werk, ganz weit weg von der Bühne.

„Oh, toll! Eine Geschichte!“, rief Anna und setzte sich mit großen Augen in die erste Reihe, um die Tragödie von Weidenbogen und ihrem Geliebten zu verfolgen, die von dem Wereber Mondhauer auseinander gebracht werden. Am Ende opferte sich Silberpfeil, um seiner Geliebten Dryade den Baum zu retten.

„Das war wunderschön“, schniefte Anna und wischte sich Tränen aus dem Gesicht. Helion rollte mit den Augen. Boras rollte mit den Augen. Dirim starte auf die Wand.

„Hier ist bestimmt eine Geheimtür.“

-

Anna und Boras gingen wieder auf die Bühne zu, doch das magische Schauspiel begann nicht erneut.

„Puh“, sagte Boras und atmete durch. Im selben Moment flog krachend eine Falltüre in der Mitte der Bühne auf, und ein langer, hässlich-grauer Tentakel griff nach ihm. Der Tentakel endete in scharfen Widerhaken, die sich in Boras’ Brust bohrten. Er spürte, wie ihn die Tentakel zur Falltür zogen, doch er stemmte sich dagegen. Die Widerhaken rissen ab, und Boras tat wieder einen Schritt zurück, als der Tentakel erneut vorschoss. Diesmal umklammerte das Ende seinen Arm, doch wieder war der Barbar stärker.

Bevor noch jemand reagieren konnte, schlugen schon wieder zwei Tentakel aus der Falltür. Boras wehrte sie mit seiner Axt ab, und Anna wich geschickt aus. Sie nahm ihre Armbrust hervor. Bevor sie noch einen Schuss lösen konnte, traf sie ein weiterer Tentakel in der Brust. Schmatzend saugten sich die Widerhaken fest. Die Wucht des Schlags ließ sie fast ohnmächtig werden, und dann wurde sie in die Grube gezogen.

„Anna!“, rief Helion verzweifelt. Er sprang auf die  Bühne. In der Fallgrube hockte ein grausliches Wesen mit deformiertem Kopf und meterlangen Tentakeln anstelle Händen und Füßen. In einem dieser Tentakel baumelte Helions Schwester. Langsam wickelte sich das graue Fleisch um die Halbelfe, die nur noch halb bei Bewusstsein war.

„Hi... hilfe“, krächzte Anna.

Dirim war derweil zu Boras gelaufen. Auch er sah jetzt das Wesen, und er sah, dass jede Sekunde zählte. Schon waren Annas Bewegungen schwächer geworden. Er sah zu dem Barbaren hoch, der ebenfalls leicht schwankte. Darum musste man sich später kümmern. Der Zwerg berührte sein heiliges Symbol und konzentrierte sich.

„Tyr, Herr der gerechten Strafe. Mache ihn zu deinem Henker.“ Boras’ Muskeln begannen anzuschwellen, und der Barbar wuchs langsam in die Höhe. Die ohnehin großen Hände wurden mächtige Pranken, und seine Axt war nun größer als Dirim selbst. Boras sah mit wildem Blick auf den Zwerg herab. Er lächelte.

Dirim sah der Kreatur direkt in die Augen. „Das Urteil lautet: Tod.“

Boras trat an den Rand der Grube. Sein Griff verkrampfte sich um die Axt, als er die beinahe leblose Halbelfe sah. Muskeln spannten sich, Zähne rieben aufeinander, und mit einem anschwellenden Brummen hob er langsam die Axt über den Kopf.

Das Monster sah ihn an, und zischte. Es war sein letzter Laut. Mit gellendem Kampfschrei schoss die Axt durch die Luft. Ihre Klinge traf den Schädel des Wesens, doch der Knochen konnte der geballten Macht aus Boras’ Wut und Tyrs Macht keinen Widerstand bieten. Stahl schnitt Fleisch und teilte Knochen, und dann erschlaffte der Griff um Annas Körper.

Helion sprang hinab in die Grube und kümmerte sich um seine Schwester. Sie lebte noch. Er half ihr heraus, und während Dirim sich um die beiden anderen kümmerte, studierte der Magier das seltsame Wesen, das beinahe ihren Tod bedeutet hätte. Dabei fiel ihm auch eine Truhe auf, die unter dem Körper begraben war.

Boras entfernte das Schloss auf seine Weise. In der Truhe fanden sie einen magischen Stab, der Geheimtüren offenbarte („Da hinten in der Ecke.“ – „Ich wusste es!“), und einen langen Eisenstab. Ein Ende des Stabs war mit komplizierten Kerben versehen, am anderen Ende prangte eine gnomische Glyphe.

„Ich glaube, das ist ein Schlüssel“, sagte Helion.

„Na prima“, sagte Dirim. „Lasst uns einen Raum suchen, den wir von innen verschließen können. Ich könnte jetzt einen Moment Ruhe gebrauchen.“
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Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #79 am: 07. Dezember 2004, 20:52:02 »
 
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Eigentlich hatte Dirim auch die Geheimtür schon gefunden, bevor der Stab sie fand, aber das habe ich für die Story unter den Teppich gekehrt.

Am Donnerstag kehren wir noch einmal zu Jil zurück, dann kommt die letzte Folge bis dahin, rechtzeitig eine Woche vor dem nächsten Termin am 18.12.
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Kylearan

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« Antwort #80 am: 07. Dezember 2004, 21:39:59 »
 
Zitat von: "Berandor"
Dirim sah der Kreatur direkt in die Augen. „Das Urteil lautet: Tod.“
Nur mal so neben bei, bevor ihr denkt, wir Spieler kämen auf solche Gedanken: das ist ein Beispiel für dichterische Freiheit, die ich sensationell finde.

Kylearan, fasst nichts an
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Nazgul Oddo

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #81 am: 08. Dezember 2004, 00:09:14 »
 Lass uns doch die Illusion, es gäbe Spielgruppen, in denen die Spieler ihren Chars heroische Sätze auf Knopfdruck in den Mund legen können, ohne dabei viel zu dick aufzutragen :D

Ich werde langsam zum Boras Fan, Barbaren sind doch was feines.

Oddo

Gast_Berandor

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« Antwort #82 am: 08. Dezember 2004, 09:10:25 »
 Na ja, im Nachhinein sind diese Sätze ja sehr einfach - im Spiel weiß Dirims Spieler ja nicht, dass nach einem Schlag Sense ist.

Aber ein trockener Kommentar *nach* dem Hieb müsste eigentlich drin sein... ;)

Berandor

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #83 am: 09. Dezember 2004, 19:34:18 »
 Zwischenspiel: Jil (2)
Vorsichtig trug Jil die weiße Farbe auf ihren Lippen auf. Die Maske des Letzten Lachens musste makellos sein. Sie war gerade am letzten Stück angelangt, als ein Klopfen an der Tür sie aus der Ruhe brachte.

Es war Velior Thazo. Der Hofnarr sah sie mit prüfendem Blick an und trat ungefragt ein. Jil schloss die Türe hinter ihm.

„Ich habe dich seit jenem Abend nicht mehr gesehen“, begann Thazo sofort. „Ist alles glatt gegangen?“

„Der Priester hat eine tüchtige Abreibung bekommen“, antwortete sie selbstbewusster, als ihr zumute war. Wie viel wusste Thazo?

„Gut.“ Der Hofnarr schien auf etwas zu warten. Jil begegnete seinem Blick. Thazo hatte passend zu seiner Maske ein schwarzes und ein weißes Auge; beide schienen völlig emotionslos zu sein. Doch Jil wusste, hatte es selbst erlebt, welche Wut dahinter lauern konnte. Ein leichtes Zucken seiner Mundwinkel verriet ihn. Er wusste es.

„Da waren Abenteurer“, sagte Jil.

Thazo schien enttäuscht, dass sie es ihm erzählt hatte. „Probleme?“

„Nicht wirklich. Die Jungs waren mit dem Helmiten schon fertig, als sie auftauchten.“ Jil grinste. „Die haben sich als die Sturmklingen ausgegeben.“

Diese Nachricht ließ selbst den Hofnarren kurz auflachen. „Wirklich?“

Nach einem Moment gemeinsamen Kopfschüttelns fuhr Thazo fort. „Also keine Probleme. Und wenn ich dir sage, dass diese Typen jetzt für das flammende Auge arbeiten? Ist das kein Problem?“

Jil fluchte innerlich. Sie hatte mit ihrer Aktion das Gegenteil dessen erreicht, was Thazo gewollt hatte. Sie schwieg jedoch – der Hofnarr war mit Worten nicht zu besänftigen, nur zu erzürnen.

„Ich gebe dir eine Möglichkeit, deinen Fehler wieder gut zu machen“, sagte Thazo. „Du suchst jemanden aus, um diese Typen zu beschatten auszuhorchen. Such jemanden aus, dem du vertraust – sein Erfolg ist deine Rettung.“

Er holte ein leicht zerknittertes Pergament aus seiner Robe hervor. „Wenn du das erledigt hast, bringst du diesen Brief zu IHM. Heute noch.“ Thazo wandte und ging. Als er im Flur war, blieb er noch einmal stehen. „Und Jil?“

„Ja?“

„Deine Schminke ist verwischt.“

-

Als der Hofnarr gegangen war, atmete Jil erst einmal tief durch. Wer sollte für sie diese vermaledeiten Glücksritter beschatten? Jemand, dem sie vertraute? Jil vertraute nur sich selbst. Sie musste bei dem Gedanken lächeln. Thazo hatte nichts davon gesagt, dass sie nicht selbst für ihre Rettung sorgen könnte. Sie würde alles herausfinden, was es über diese Typen zu wissen gab. Und als Erstes, warum sie sich als Sturmklingen ausgaben.

Vorher musste sie nur noch diesen lästigen Botengang loswerden. Voller Tatendrang trat sie auf den Flur und hielt den ersten Burschen an, der ihr über den Weg lief.

„Komiker“, sagte sie, „ich habe einen Auftrag für dich.“ Der Junge sah sie mit großen Augen an, und Jil genoss die Mischung aus Furcht und Ehrfurcht, die ihr entgegen schlug. Sie gab ihm den Brief und ein weiteres Pergament.

„Du bringst diese Nachricht zu einem geheimen Ort. Der andere Zettel verrät dir, wie du dort hinkommst. Lies ihn, und dann verbrenne ihn.“ Mit diesen Worten ließ sie den Burschen stehen und wandte sich endlich der wichtigeren Aufgabe zu.

-

Braene sah auf den Brief in seiner Hand. Jil, die echte Jil, hatte ihm einen Auftrag erteilt. Ihm, dem jungen Komiker. Braene war erst seit ein paar Wochen in der Gilde, aber schon hatte er die Gelegenheit, sich zu beweisen.

Er musste gähnen. Es war schwierig, sich an das Nachtleben als Dieb zu gewöhnen. Schwieriger, als er gedacht hatte. Er durfte bei seiner Aufgabe keinen Fehler machen, und der Hofnarr sagte immer: „Müdigkeit führt zu Fehlern.“ Braene sollte sich besser hinlegen. Dann würde er den Brief überbringen, wenn er ausgeschlafen wäre. Gleich morgen früh.
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kaigrass

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« Antwort #84 am: 10. Dezember 2004, 10:34:39 »
 Sehe ich da Ärger für die gute Jil aufziehen  :P  

Sheijtan

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« Antwort #85 am: 10. Dezember 2004, 12:49:33 »
 Auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Rolle von Jil nicht so recht einordnen kann, ist das bisher eine sehr interessante Story Hour, Berandor.

Bitte weiter so.
"Es liegt im Begriffe des Menschen, daß sein letztes Ziel unerreichbar, sein Weg zu demselben unendlich sein muß"<br>J.G. Fichte

Berandor

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« Antwort #86 am: 10. Dezember 2004, 20:39:27 »
 
Zitat
Auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Rolle von Jil nicht so recht einordnen kann, ist das bisher eine sehr interessante Story Hour, Berandor.
"Interessant" ist ein ganz schlechtes Wort, das sagt so gar nichts aus. :)

Jil war der NSC, der den Überfall auf Ruphus Laro (s. gleichnamiges Kapitel) überwacht hat. Damit hat sich ihr Nutzen eigentlich schon erfüllt. Ich verwende sie, um ein wenig Leben in die Geschichte zu bringen und gleichzeitig ein paar Dinge einzubringen, die zwar nicht während des Spiels passieren, aber dennoch in der Spielwelt von statten gehen. Sie ist sicher nicht der letzte NSC, der sein eigenes "Zwischenspiel" bekommt.

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Da ich morgen evtl. nicht da bin, jetzt schon der letzte Teil.
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Berandor

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« Antwort #87 am: 10. Dezember 2004, 20:44:58 »
 Jzadirune – Ragamoffyns, Pulverizer und Hundertfüßler
Als Boras erwachte, war Dirim schon mitten im Gebet, saß Helion über seinem Zauberbuch, und zählte Anna konzentriert mit ihren Fingern als übe sie für eine Prüfung. Sein Rücken tat weh – die Schlafstätten des Raumes waren weniger bequem, als sie aussahen. Nach ein paar kurzen Übungsschwüngen mit seiner Axt war das aber auch verflogen.

Die Vier hatten kurz überlegt, ob sie zu Keygan zurückkehren sollten, um ihm die Nachschlüssel zurück zu geben, die sie bei einem der Schleicher gefunden hatten, sich aber dagegen entschieden. Dann hatten sie sich in einen Raum zurückgezogen, ihre Wunden versorgt und gerastet.

-

Etwas später traten sie aus einem Tunnel. Ein Ende das Raums war erhöht und nur durch eine Treppe zu erreichen. Am hohen Ende stand ein Holzthron, auf dem ein schlafender Gnom saß. Eine Krone war ihm über die Schläfe gerutscht.

Dirim näherte sich dem König. Bei dem Treppenabsatz hatte man ein Gnomengesicht in die Wand gehauen, und als der Zwerg daran vorbeikam, sprach es.

„Wer eine Audienz beim König will, der lege sein wertvollstes Geldstück in meinen Mund.“

Kurzentschlossen platzierte Dirim eine Goldkönigin im offenen Mund des Reliefs. Sogleich verschwand das Geldstück. Sonst passierte nichts.

„Na, dann.“ Dirim stieg die letzten Stufen hoch und näherte sich dem schlafenden Gnom. Er konnte jetzt leises Schnarchen hören.

„Hr-rm“, räusperte Dirim sich. Keine Reaktion.

„Hr-rm.“ Nichts.

„Euer Majestät?“ Weniger als gar nichts.

Dirim lehnte sich vor, um den König wachzurütteln, doch seine Hand glitt durch den Gnom hindurch. Der Zwerg unterdrückte einen Fluch.

„Nur eine Illusion“, sagte Anna und sprach aus, was alle dachten.

Dirim wollte schon weiter gehen, als ihm eine kleine Unebenheit im Rücken des Thrones auffiel. Als er darauf drückte, öffnete sich eine der Armlehnen und gab ein Geheimfach frei. Im selben Augenblick ächzte der König wie unter einem Albtraum, dann flüsterte er:


Zitat
Von unserer eigenen Magie verraten
Wir schwinden dahin, Tag und Nacht
Jzadirune verloren! Welch’ unserer Taten
Hat diesen Fluch über uns gebracht?

Im Geheimfach fanden Dirim einen Haufen Münzen – die oberste Goldmünze war mit Zwergenbissen versehen – und zwei weitere Schlüsselstäbe.

„Diese Dinger sind doch fast so lang wie die Gnome selbst“, sagte Helion mit einem begeisterten Gesichtsausdruck. „So etwas stellen auch nur Gnome her.“

-

Auf Dirims Anraten ging man erst alle Türen ab, die man jetzt öffnen konnte, die zuvor aber verschlossen waren. Dabei stieß man auf eine Geheimtüre, die in eine versteckte Waffenkammer führte. Fast alle Waffen und Rüstungen fehlten, und die Kammer war auch scheinbar etwas ungünstig platziert.

-

Wieder etwas später fand man einen Geheimraum, in dem ein Hebel aus der Wand ragte.

„Ich frage mich, wofür der ist?“, sagte Anna.

„Ich fasse ihn nicht an“, sagte Helion.

Dirim verließ den Raum durch eine weitere Türe und stand in einem schmalen Gang, an dessen anderem Ende eine weitere Türe war. Als er jedoch einen Schritt darauf zu tat, brach unter ihm der Boden weg. Taumelnd fiel Dirim nach hinten und sah abermals von oben in eine Fallgrube, in der spitze Pfähle auf Opfer warteten.

„Zieh mal an dem Hebel“, rief er zu Anna herüber. Der Hebel bewirkte nichts, doch ein anderer Hebel in einem weiteren Raum verschloss diese zweite Fallgrube – der erste Hebel verschloss eine andere Falle. Die Nachkommen ließen die Fallen jedoch scharf, um etwaige Eindringlinge abzuschrecken.

-

Erneut kamen die Vier aus einem Tunnel heraus. Sie standen in einer Art Werkstatt. Ein weiterer Tunnel führte wieder aus dem Raum, und seltsame Fächer hingen an der Decke. In der Mitte des Raums stand ein metallenes Ungetüm, ein menschengroßes Ding aus Zahnrädern und Hebeln, wie halb fertig gestellt.

Dann schoss dahinter eine Gestalt hervor, doch Dirim stellte sich in ihren Weg. Es war ein weiterer Schleicher, der jedoch über und über mit Stofffetzen bedeckt war – selbst im Gesicht.

Boras stürmte vor und verpasste dem Schleicher einen Hieb, unter dem ein Ochse zusammengebrochen wäre, doch die Kreatur rührte sich kaum und schlug dann mechanisch nach dem Barbaren.

„Arcanex!“, rief Helion. In seiner Hand bildete sich eine weißliche Kugel, die sogleich in den Schleicher donnerte. Haut- und Stofffetzen flogen gleichermaßen davon, aber das Wesen schien wenig beeindruckt. Erst nach mehreren Hieben fiel der Schleicher zu Boden, und die Fetzen fielen von ihm ab – schwebten aber in der Luft.

„Bei Uthgars räudigem Pelz“, sagte Boras, „was ist denn...“ Er wurde von den Fetzen unterbrochen, die sich auf den Barbaren warfen, mit einer Wucht, die er nicht für möglich gehalten hatte. Er spürte, wie die Fetzen sich auf seinem Körper festsaugen wollten. In seinem Kopf hörte er plötzlich eine leise Stimme: Hab keine Angst. Es geschieht dir nichts.

Boras griff nach den Fetzen, die auf seiner Haut lagen. Er packte sie und riss sie fort. Sofort war die Stimme verschwunden. Die Axt fuhr hernieder, und plötzlich stoben die Fetzen auseinander wie nach einer Explosion. Die bösartige Intelligenz, die sich in ihnen fest gesetzt hatte, war besiegt.

„Ragamoffyns“, erklärte Helion nach kurzer Überlegung. „Sie können Wesen beherrschen. Es sind Parasiten, auf unerklärliche Weise intelligent gewordene Objekte. Sehr schwer zu besiegen, da sie keine Wunden erleiden und bluten wie wir.“

„Danke für die Information“, sagte Anna frotzelnd. „Geht es das nächste Mal auch vor dem Kampf?“ Helion verdrehte zur Antwort die Augen. Anna lachte.

-

Im nächsten Raum, den sie betraten, stand eine weitere Maschine unter einem großen Tuch. Als Dirim das Tuch wegzog, hatte er für einen Moment den Eindruck, sie hätte sich bewegt. Aber nichts geschah.

Die Maschine schien sich auf zwei großen Beinen zu bewegen. Seine beiden Arme endeten in Bohrern. Das Gerät war ebenfalls vollständig gepanzert.

„Damit haben sie die Tunnel gegraben“, sagte Dirim überzeugt.

„Was steht denn da?“, fragte Anna. Sie hatte Schriftzeichen auf der Panzerung entdeckt. Mit ein wenig Hilfe ihres Bruders konnte sie die Zeichen entziffern. Die Vier stellten sich in den Rücken der Maschine, bereit zur Verteidigung.

„Thrymbryl“, sagte Anna. Mit einem Surren und Rattern erhob sich die Maschine. Die Bohrern begannen, sich zu drehen.

„Myglym“, sagte Anna schnell. Die Bohrer erstarben, das Summen verstummte, und die Maschine fiel wieder in sich zusammen.

„Faszinierend“, sagte Helion, während Boras vorsichtig mit seiner Axt gegen die Stahlpanzerung klopfte.

-

Ein weiterer Tunnel führte die Vier zu einem Durchbruch, hinter dem dichter Nebel hing. Es gab nur eine Möglichkeit herauszufinden, was für ein Raum im Nebel verborgen lag.

„Ich gehe rein“, sagte Anna. Dann trat sie ein, und ein wenig Nebel schlug in den Gang, bevor er sich wieder zusammenzog und den Schatten der Halbelfe verschluckte.

Anna sah kaum die Hand vor ihren Augen. Sie hielt ihren Dolch kampfbereit. Schnell hatte sie das Ende des Raumes erreicht. Anscheinend war er leer.

Dann spürte sie eine tastende Bewegung an ihrem Bein.

„Bitte keine Spinne. Bitte keine Spinne“, flüsterte sie. Zitternd sah sie nach unten. Keine Spinne. Ein Hundertfüßer von der Größe eines Hundes kroch langsam ihr Bein herauf. Seine Kneifzangen bewegten sich unablässig.

„Iiiih!“ Anna stürzte aus dem Raum heraus. Immer noch ein wenig zitternd nahm sie ihre Armbrust hervor, dann wandte sie sich an die Männer.

„Ihr geht jetzt da rein. Ich bewache die Öffnung.“

Es wurde ein mühsames Hauen und Stechen. Im diffusen Nebel ging so mancher Hieb und manche Kneifzange daneben, aber schließlich hatte Boras alle vier Kriecher umgebracht, während Helion und Dirim unfreiwillige Köder spielten.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte Anna Helion besorgt, als sie die Ringe unter seinen Augen sah.

„Eines der Viecher hat mich gebissen“, sagte der. „Es muss irgend ein Gift sein. Es geht aber.“ Anna wollte noch etwas sagen, ließ es aber.

Dirim beschäftigte sich derweil mit einer Reihe von hohen Metallkästen, die er gefunden hatte. Nach ein wenig Probieren setzte er die Kästen in Gang, und die Fächer, die an der Decke mancher Räume hingen, begannen sich zu drehen und die Luft zu bewegen.

Schnell verzog sich der Nebel und gab den Blick auf die vier Kriecher frei. Auch in diesem Raum befand sich so ein Fächer. Ansonsten befanden sich dort nur leere Buchregale.

„Schade“, sagte Helion.

-

Später stießen die Vier noch auf ein Schulzimmer, das eine geheime Verbindungstüre zu diesem Regalraum hatte, aber mehr nicht.

-

„Ich könnte schon wieder etwas Ruhe gebrauchen“, sagte Helion, aber Dirim bestand darauf, zumindest noch einen Tunnel zu erforschen.

Sie gelangten in einen Raum, in dem trotz drehenden Fächers ein leichter Säuregeruch hing. Umgestürzte Tische, zerbrochene Fläschchen, schief hängende Regale ließen die Überreste eines Labors erkennen.

„Vielleicht ist noch etwas ganz geblieben“, sagte Helion, und stapfte in den Raum hinein. Schnell begannen alle, nach einem Überbleibsel zu suchen.

„Leute?“, fragte Boras. „Wollte dieser Lumpensack nicht hierhin?“

„Ja“, sagte Helion, der gerade an einer braunen Flüssigkeit schnupperte.

„Ich weiß jetzt, warum.“

Der Ton in Boras Stimme rief die Aufmerksamkeit der anderen auf sich. Vor dem Barbaren flatterte ein weiterer Ragamoffyn und versuchte in diesem Augenblick, sich auf Boras zu stürzen, aber der wehrte lässig ab.

„Na warte!“, sagte Dirim. Die Vier umstellten den Fetzen – in seinem Rücken war ein umgestürzter Tisch – und schnell hatten sie ihn bezwungen.

Anna sah auf die langsam zu Boden gehenden Lumpen. „Ordentlicher wird es dadurch aber auch nicht.“

Sie untersuchten den Raum gewissenhaft. Dann hielt Dirim ein kleines Döschen aus Eichenholz in der Hand. Er öffnete den Klappdeckel und schnupperte. Gewürze. Er dachte an das Fass selbst gebrauten Bieres, dass in Cauldron auf ihn wartete. Bislang hatte jeder das Gebräu ungenießbar gefunden, und auch wenn Dirim es nie zugeben würde, hatten sie gar nicht so unrecht damit. Er schloss den Deckel wieder und sah sich das Symbol an. Ein schäumender Humpen.

„Tyr sei gelobt“, rief Dirim. „Bierkraut!“
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Berandor

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« Antwort #88 am: 10. Dezember 2004, 20:47:28 »
 Und da geht es nächsten Samstag weiter (im Spiel!) :)

Der Ragamoffyn/Skulk war ein recht heftiger Gegner; er teilte den Schaden unter sich auf. Als dann Boras einen kritischen Treffer machte und ich sagte: "Nö. Gibts nicht." - das war ein gutes Gefühl  :akuma:  
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Sheijtan

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Stadt in Ketten - Dungeon Adventure Path
« Antwort #89 am: 11. Dezember 2004, 15:49:09 »
 Mit Interessant meinte ich natürlich sehr gute Story Hour.

Ich kannte allerdings den Hintergrund des Abenteuers mit dem Waisenhaus schon. Deswegen interessant, wie deine Spieler rangegangen sind.

Also großes Lob und weiter so.
"Es liegt im Begriffe des Menschen, daß sein letztes Ziel unerreichbar, sein Weg zu demselben unendlich sein muß"<br>J.G. Fichte

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