Autor Thema: Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story  (Gelesen 779 mal)

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Nakago

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Star Wars
Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
Band I - Prolog
Vorwort

Ausnahmsweise ist das keine Warhammer 40K Geschichte, sondern spielt im Star Wars Universum. Die ist keine reine Fanfiction, sondern beginnt als Hintergrundgeschichte meines neuen Charakters Lyra Askana für das Pen & Paper Rollenspiel "Am Rande des Imperiums" und geht dann schließlich erspielte Episoden über. Die Geschichte beginnt im imperialen Jahr Zwölf, sieben Jahre vor der Schlacht von Yavin, auf dem Mond Nar Shaddaa im Huttenraum. Wie üblich, werde ich auch hier versuchen, so nah wie möglich am offiziellen Kanon zu bleiben.  Genug der Einführung, viel Spaß beim lesen.
Episode I

Mein Blick wandert wiederholt zum grün leuchtenden Display des Chronometers über der Eingangstür unseres ebenfalls in grünen Farbtönen gehaltenen Apartments. 19.14 Standardzeit Zeit. 69,14 Nar Shadda Zeit. Ein Tag auf dem Mond Nar Shadda hat 87 Stunden, aber wir als Corellianer benutzen auch im Exil unsere eigene Zeit. Meine Mutter hat vor über einer Stunde Feierabend gehabt. Normalerweise kommt sie, wenn sie regulär Feierabend macht, zwischen 18.39 und 18.56 nach Hause. Falls was dazwischen kommt, wie ein Meeting mit einem Kunden oder ein Projekt länger dauert, ruft sie uns an. Mein Blick wandert zur Kommunikationseinheit auf der Küchentheke. Das Symbol für einen verpassten Anruf blinkt nicht und die Kontrollleuchte, die eine vollständige Einsatzbereitschaft der Einheit signalisiert, leuchtet in grün.

"Lyla! Du bist dran!", mahnt meine kleine Schwester Eli mich und zupft mich an den Ärmel meiner Bluse. Früher hat sie mich entweder geboxt oder mit ihren kleinen spitzen Fingern gepiesackt, was ich beides als höchst nervig empfand. Inzwischen habe ich ihr das erfolgreich abgewöhnt und lasse als Ausgleich zu, dass mit am Ärmel ziehen darf. Eigentlich heiße ich Lyra, aber meine Schwester konnte Anfangs einfach kein R aussprechen und auch wenn sie inzwischen normal sprechen kann, der Name Lyla ist geblieben.


"Ich weiß", erwidere ich und blicke auf das Memoryspiel, das zwischen uns auf dem mit einem grasgrünen Teppich ausgelegten Boden befindet. Unsere Stapel sind fast gleich groß. Memory ist eines der wenigen Spiele, wo Eloy, wie meine fünf Jahre alte Schwester eigentlich heißt, mich schlagen kann. Ich lege eine der quadratischen Karten um und blicke auf einen Raumfrachter der YT-1300 Reihe, die Konfiguration mit zentralem Cockpit. Das Gegenstück hatten wir schon aufgedeckt gehabt. Aber zu meiner Schande weiß ich es nicht mehr genau wo. Natürlich greife ich daneben und decke das Symbol der untergegangenen Republik auf. Das Spiel ist schon älter und so nicht mehr zu bekommen.

"Fierfek!", fluche ich verhalten auf Huttisch.

"Das sagt eine Lady aber nicht!", mahnt mich Eli im Tonfall unserer Mutter und mit einem triumphierenden Quietschen deckt sie dann zuerst die beiden YT-1300 auf und dann auch noch das zweite Symbol der Republik, dessen Gegenstück sie erst zwei Züge vorher schon aufgedeckt hatte. Damit liegt nun meine sechs Jahre jüngere Schwester knapp in Führung, was ein äußerst breites Grinsen auf ihr Gesicht zaubert. Ich blicke wieder auf die Anzeige der Uhr, nicht einmal zwei Minuten sind vergangen, Mutter ist weder angekommen noch hat sie sich gemeldet. Obwohl noch kein Triggerschritt unseres Evakuierungsprotokoll ausgelöst wurde, stehe ich auf und gehe zur Kommunikationseinheit und führe einen Check durch, ob die Leitungen noch stehen. Eli flitzt den Thekenhocker hoch und kniet sich darauf hin, um besser zu sehen, was ich da mache.

"Mama ist schon viel zu spät", stellt Eli fest, die inzwischen auch die Uhr lesen kann.

"Ich weiß", erwidere ich wieder kurz angebunden und blicke auf den Bildschirm der Einheit, die mir versichert, dass sie Kontakt zum Netz hat. Es ist mir verboten, Mama in diesem Fall anzurufen. Mama steht auf einer Liste, eine Liste von Leuten, die etwas gegen die Machenschaften des Imperiums unternommen haben. Und die Imperialen haben wiederum Leute, die solche Leute suchen, Kopfgeldjäger nennen diese sich. Oder Agenten des Imperialen Sicherheitsbüros, kurz ISB. Ein eingehender Anruf würde unsere Position verraten, wenn Kopfgeldjäger unserer Mutter gefangen genommen hätten. Oder sie getötet. Aber an beide Szenarien will ich nicht denken, auch wenn meine Mutter mich auf diesen Umstand durchaus vorbereitet hat. Schließlich befinden wir uns in einem Krieg und da spielt es keine Rolle, dass ich selbst erst elf Jahre alt bin.

"Haben die bösen Männer Mama Aua gemacht?", fragt Eloy mich mit einem ängstlichen Tonfall. Sie ist zwar noch ein kleines Kind, hat aber doch viel von unserer Situation mitbekommen.

"Ich hoffe nicht", erwidere ich und versuche optimistisch zu lächeln.

"Warum wollen die bösen Männer uns weh tun?", fragt sie mich weiter.

"Das weißt du doch Eli, ich habe es dir schon so oft erzählt."

"Ja, aber ich will die Geschichte noch einmal hören", meint meine kleine Schwester und ich seufze.

"Bitte, Lyla!", bettelt sie nun und schaut mich ganz süß an. Das wirkt bei mir leider viel zu oft, also gebe ich nach. Vielleicht auch, um mich selbst etwas abzulenken.

"Na gut. Aber hör gut zu und merk es dir mal endlich. Auf Coruscant wohnt ein ganz böser Mann, der ist alt, gierig und verdammt hässlich. Und der hat deswegen immer ganz schrecklich miese Laune. Und er will deshalb, dass auch alle anderen schlechte Laune bekommen. Deswegen hat er fiese Gesetze erlassen, die Nichtmenschen, also Drall, Selonianer, Wookiees, Togruta und ganz viele andere Aliens, zu Wesen macht, die nichts wert sein sollen. Manche wurden daraufhin versklavt oder gar getötet. Andere mussten nur andere Abteile in Zügen benutzen. Und so etwas ist ganz gemein und macht man nicht."

"So was ist voll fies! Ich mag den alten bösen Mann ganz und gar nicht!", pflichtet meine Schwester mir enthusiastisch bei und ballt ihre kleinen Hände zu Fäusten.

"Genau. Mama und Papa fanden das auch. Und viele Corellianer waren ihrer Meinung. Vor vier Standardjahren, als du noch ein ganz kleines Baby warst, gab es einen Streik dort, wo unsere Eltern gearbeitet haben. Du weißt noch, wo das war?", frage ich sie, da ich diese Geschichte ihr schon öfters erzählt habe.

"Das war die Corellianische Ingenieursgesellschaft. Die machen ganz schnelle Raumschiffe. Wusch!" Meine Schwester hat sich doch schon einiges gemerkt. Dumm ist sie wahrlich nicht, nur manchmal unglaublich nervig und überaus anstrengend.

"Genau, Mama und Papa haben bei der CIG gearbeitet. Und sie waren Mitglieder des Komitees. Die haben geholfen, den Streik zu organisieren. Und weißt du noch, warum sie das getan haben?"

"Weil wir Corellianer sind! Corellia! Freiheit oder Tod!", ruft meine Schwester aus, steht dabei auf den Hocker auf und reckt ihre rechte Faust nach oben. Das letztere ist der Leitspruch unserer Welt.

"Genau! Weil wir Corellianer sind! Und weil Mama und Papa Freiheit für alle Rassen wollten, wurde der böse alte hässliche Mann sehr wütend auf uns Corellianer und schickte seine Sturmtruppen. Aber Mama und Papa konnten mit uns rechtzeitig abhauen und sind hier her geflohen. Und der böse alte Mann hat nun andere böse Männer geschickt, um uns zu fangen. Aber Mama ist schlau und hat immer eine kleine Blasterpistole dabei. Nämlich eine HL 27 von Coronet Waffenbau. Also kann ihr gar nichts passieren!", verkünde ich mit mehr Optimismus in der Stimme als wie ich verfüge. Aber Eli ist für das erste beruhigt. Ich bin es nicht.

Wer für die Rechte der ganzen galaktischen Bevölkerung einsteht, der muss damit rechnen, von den Imperialen vernichtet zu werden. Ich verstehe mit meinen elf Jahren nicht alles, was ich da Eli in sehr einfacher Form erzähle, aber ich kann mich noch gut an den Streik auf den Werften von Corellia vor vier Jahren erinnern. Damals hatte der Imperator die sogenannten Imperialen Rassengesetze erlassen, welche letztendlich Apartheid und Entrechtung vieler nichtmenschlicher Rassen zur Folge hatte. Auf einem der ersten Demonstrationszüge gegen diese Unrechtsgesetze bin ich mitgelaufen. Nun ja, genau genommen saß ich auf den Schultern meines Vaters und fand es Toll, dass er mich trägt. Ich hatte mit Buntstiften ein Plakat gemalt gehabt, auf der eine Reihe von Aliens mit Menschen Hand in Hand standen. Von einigen konnte man sogar erahnen, um was sich für eine Spezies handeln könnte. Darüber hat dann mein Vater mit großen Buchstaben geschrieben: Gleiche Rechte für alle Spezies! Das Plakat habe ich dann die ganze Zeit hochgehalten und unseren Slogan gerufen.

Corellia ist einer der drei Gründungsplaneten der Republik. Die Welt auf welcher der selbst heute noch eingesetzte Hyperraumantrieb entwickelt und durch die zwei der wichtigsten Hyperraumrouten der Galaxis verlaufen. Wir Corellianer sind ein stolzes Volk mit einer ebenso glorreichen Vergangenheit. Wir sind ein Maßstab, an dem sich die Galaxis messen muss. Und wir stehen für die Freiheit aller Völker ein. Einst war Corellia eine Sklavenkolonie einer alten, inzwischen längst ausgestorbenen Rasse mit dem Namen Rakata, die mein Volk Jahrtausende in Fabriken unter elendigen Bedingungen schuften ließ und wenn sie zu schwach dafür waren, als Brennstoff für ihren Hyperraumantrieb herhalten mussten. Aber dann gelang uns ein Aufstand, welcher die Sklavenhalter für immer in die Flucht schlug. Den Preis für unsere Freiheit bezahlten wir in Blut und seitdem schätzen wir Corellianer unsere Freiheit so sehr, dass wir bereit sind, dafür zu kämpfen. Und wenn es sein muss, dafür auch zu sterben. Unser Leitspruch: Freiheit oder Tod, kommt nicht von ungefähr.

Bei der Corellianischen Ingenieursgesellschaft, dem größten Werftbetreiber im Orbit unserer Heimatwelt, waren meine Eltern angestellt. Corellia ist die zweitgrößte Werftwelt im imperialen Raum und wahrscheinlich auch der ganzen Galaxis. Er böse alte Mann auf Coruscant, genannt der Imperator, konnte es sich also nicht leisten, dass seine zweitwichtigste Quelle für Raumschiffe lahmgelegt wird. Meine Eltern waren weder Rädelsführer, noch Funktionäre, aber sie waren Mitglieder im sogenannten Komitee. Laut Imperialer Lesart waren das alles Aufwiegler und Terroristen, aber meine Eltern hatten eigentlich nur Snacks für die Streikposten organisiert. Als der Streik dann von Sturmtruppen blutig niedergeschlagen wurde, landeten alle Mitglieder des Komitees auf Fahndungslisten, zum töten freigegeben. Als Warnung für jeden, der es wagt, seine Meinung über die verbrecherischen Machenschaften des Imperators und seiner korrupten Spießgesellen kund zu tun.

Meine Eltern und viele ihrer Kameraden konnten mit ihren Familien schließlich mit "requirierten" YT-1300 die Imperiale Blockade durchbrechen und auf Nar Shaddaa im autonomen Huttenraum haben wir unser Exil gefunden. Vater fand, dass es mit Exil nicht genug war und schloss sich wie viele andere seiner geflohenen Kollegen der CBF, der Corellianischen Befreiungsfront, an und ging in den Untergrund, um von dort aus das Imperium zu bekämpfen. Das ist schon so lange her, dass ich kaum noch weiß, wie mein Vater eigentlich ist. Meine Mutter blieb hier auf Nar Shaddaa zurück und arbeitet seitdem für eine kleine Werft, welche Raumschiffe dem luxuriösen Geschmack und den Bedürfnissen der hier herrschenden Hutten anpasst. Meine Mutter ist gut in diesem Beruf und jedes ihrer Schiffe ist ein Unikat. Deswegen können wir uns auch diese kleine schicke Apartment in einem bewachten Block leisten. Immerhin verfügt es über eine hochmoderne Küchenzeile mit Theke, wo wir unsere Mahlzeiten zu uns nehmen. Die Betten sind in klimatisierten Schlafnischen gegenüber der Küchenzeile untergebracht. Dazwischen befindet sich eine bequeme, mit dunkelgrün eingefärbtem Banthaleder bezogene Sitzgruppe, die sich um ein modernes Holovidgerät gruppiert. Dem gegenüber gibt es eine Tür, die zur Hygienezelle führt und eine weitere Tür führt zum großen Wandschrank. Das ganze Apartment besteht eigentlich nur aus diesem einen großen Raum, der die gesamte notwendige Infrastruktur hat. Auf Corellia war mein Kinderzimmer größer gewesen, aber da leben auch dreißig mal weniger Einwohner als hier und ist als Planet auch viel Größer als dieser Mond.

"Kommt Mama nun bald?", fragt Eloy weiter und schaut mich mit ihren großen braunen Kulleraugen an. Dunkle Haare umrahmen ihr Gesicht und geben ihr etwas unglaublich süßes. Und das schlimmste daran ist, Eli weiß das und setzt das oft genug gegen mich ein.

"Ich hoffe es", erwidere ich mit einem sorgenvollen Seufzen und blicke ein weiteres mal auf die Uhr. Eigentlich soll ich erst nach einer halben Stunde checken, ob es vielleicht in der Nähe einen Stromausfall oder einen Unfall gegeben hat. Aber ich bin zu nervös, um jetzt weiter mit meiner kleinen Schwester Memory zu spielen. Also gehe ich zum Holoprojektor, der auf einem runden Tisch steht, der von unserer Sitzecke umgeben ist.

"Will weiter spielen!", quengelt Eli, da sie gerade am gewinnen ist.

"Ich muss was schauen. Kannst du dich ein paar Minuten gedulden?", frage ich sie freundlich, meine Nervosität so gut wie möglich überspielend.

"Na gut!", meint meine kleine Schwester und wirft sich neben mir auf die Couch. Mit verschränkten Ärmchen und einem schmollen im Gesicht, schaut sie zu, wie ich die Nachrichtentafeln im HoloNet aufschlage und nach Ereignissen schaue, die unsere Mutter aufgehalten haben könnten.

"Wie lange dauert das denn noch!", quengelt Eli nach nicht mal einer Minute und zieht eine Schnute.

"Jetzt noch länger", erwidere ich mit einem deutlich genervten Unterton in der Stimme.

"Ach, Menno!" Aber danach hält meine kleine Schwester endlich ihre Klappe und ich kann mich auf das wesentliche konzentrieren.

Die Newsboards vermelden nichts außergewöhnliches in unserem Sektor. Keine Ausfälle des öffentlichen Nahverkehrs oder ein Zusammenbruch der Kommunikation. Ich blicke ein weiteres mal auf die Uhr und stelle fest, dass sich unsere Mutter noch nie so lange verspätet hat, ohne sich vorher zu melden. Ich habe ein ganz mieses Gefühl bei der Sache.





Nakagos wirre Gedanken

Wie immer schreibe ich am Schluss eines Kapitels meine Gedanken und Anmerkungen auf. Die Rassengesetze waren mal kanonisch. Sie zwar recht früh in kraft getreten, aber ich denke mal, dass eine so wichtige Welt mit einer großen Alienminderheit wie Corellia solche Gesetze so lange wie möglich verschleppt. Besonders da ja auch viele Alienspezies zu den Kunden gehören dürften. Mehrere Jahre Verzögerung halte ich für durchaus realistisch. Gegen die Gesetze gab es einige Aufstände und war die Geburtsstunde der ersten Rebellenzellen. Offiziell gab es keinen Streik bei der CIG, fand es aber sinnig, wenn man sich die Corellianer so ansieht. Ihre Freiheitsliebe ist offiziell, auch das sie den heute gebräuchlichen Hyperraumantrieb entwickelt haben. Es kommt nicht von ungefähr, dass zwei der großen Hyperraumrouten den Namen Corellia führen.

Mir ist klar, dass dieses erste Kapitel mit Infodump überfrachtet ist. Aber ich denke, die meisten kennen sich mit diesem recht speziellen Hintergrund von Star Wars eher weniger aus. Corellia kennt man halt als Han Solos Herkunftsplanet. Und das vielleicht der Millenium Falke auf bei der CIG gebaut wurde. Der Rest dürfte schon recht spezielles Wissen sein. Ich hoffe, ich konnte trotzdem etwas Interesse an dieser Geschichte wecken.

Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #1 am: 05. Juli 2018, 14:41:45 »
Episode II

Eine halbe Stunde ist meine Mutter nun über ihrer Zeit. Normalerweise wäre jetzt der Zeitpunkt die Kommunikationseinheit zu überprüfen und anschließend in den Newsboards nach Nachrichten über Zwischenfälle zu schauen. Das habe ich schon getan und in mir wird die Sorge stärker, dass unserer Mutter etwas Schlimmes passiert ist. Für diesen Fall hat Mama ein Evakuierungsprotokoll ausgearbeitet, dessen einzelne Schritte ich auswendig gelernt habe. Ich bin zwar erst elf Jahre alt, aber wenn man einer politisch verfolgten Gruppe angehört, wird man schneller reifer. Mein Mutter hat mich Dinge gelehrt, für die ich eigentlich noch zu jung bin, aber die Umstände haben uns keine andere Wahl gelassen. Auch wenn ich immer noch hoffe, dass meine Mutter aufgrund einer Kette unglücklicher Ereignisse sich nur verspätet, wird in mir die Angst immer größer, dass ein Kopfgeldjäger oder Imperialer Agent des ISB sie aufgespürt und gefangen, oder gar getötet hat. Sie hat zwar eine kleine Blasterpistole immer in ihrer Handtasche dabei, aber ich weiß, dass es bei Waffen auf die Größe ankommt und man kann davon ausgehen, dass die Kopfgeldjäger viel besser bewaffnet sind. Aber vielleicht ist ja auch alles ganz harmlos, auch wenn mir kein logisches Szenario einfallen will, welche die Funkstille meiner Mutter erklärt.

"Was ist mir dir?", fragt mich Eloy, die sicherlich meine Nervosität spürt, die ich kaum zu verbergen mag. Ich fahre mir andauernd durch meine dunklen Haare, die aus mehreren Zöpfchen besteht, die hinten in einen großen führen. Dazu kaue ich noch nervös an meiner Oberlippe. Beides Angewohnheiten, die ich nicht weg bekomme.

"So langsam mache mir doch Sorgen wegen Mama, weil sie zu spät ist", erwidere ich, da ich keinen Sinn darin sehe, dass Problem mit Lügen zu verschieben. Ich hasse es selbst, wenn Erwachsene mich anlügen und sagen, alles wäre gut, wenn die Generatoren unter Volllast aufheulen, weil Laserstrahlen in das Deflektorschild einschlagen.

"Oooh!", meint Eli und meint dann mit fester Stimme: "Aber Mama ist schlau und hat eine Blasterpistole!"

"Da hast du recht!", pflichte ich ihr bei, schließlich habe ich diese Argumente vor wenigen Augenblicken selbst vorgetragen. Ich checke nochmal das HoloNet nach Nachrichten. Aber es gibt keine besonderen Vorkommnisse in unserem Viertel, welche die Funkstille und das Zuspätkommen unserer Mutter erklären könnten. Ein weiteres Mal sucht mein Blick die Anzeige des Chronometers und es wird Zeit für den nächsten Triggerschritt.

"Eli, räume bitte das Memoryspiel weg", befehle ich meiner Schwester.

"Das ist gemein! Ich bin gerade am gewinnen!", protestiert sie und macht mir klar, wie wenig bewusst es ihr ist, wie ernst die Situation ist. Wahrscheinlich ist sie einfach noch zu jung um zu begreifen, was es heißt, wenn Mama nie mehr wieder kommt.

"Du hast gewonnen. Gratulation zu deinem Sieg, kleine Schwester. Wärst du nun so lieb, das Memory aufzuräumen?", frage ich sie so nett und ruhig wie es mir nur möglich ist. Am liebsten würde ich sie anschreien, aber Eli kann nichts dafür, dass unsere Mutter vielleicht in tödlicher Gefahr schwebt oder gar schon tot ist. Ich bin älter als meine Schwester und trage die Verantwortung in Abwesenheit unserer Mutter für sie. Deswegen kann ich nicht tun, was ich gerne möchte, sondern muss mich korrekt verhalten. Meine Mutter hat mir gesagt: Behandle dein Gegenüber immer so, wie du gerne selbst in dieser Situation behandelt werden möchtest. Das ist ein guter Leitfaden, auch wenn es mir manchmal schwer fällt, ihn in allen Punkten zu befolgen. Besonders Eli gegenüber, die mich manchmal so unglaublich nervt, dass ich ihr eine hauen könnte.

"Na gut!", erwidert Eli etwas versöhnt, da ich ihren Sieg anerkannt und gratuliert habe. Ich suche derweil unsere Rucksäcke heraus und beginne zu packen, so wie meine Mama es mir gezeigt hat. Kleidung zum wechseln für drei Tage, ein paar Packungen Kekse für unterwegs und zwei Flaschen mit süßem Wasser. Dazu noch unsere bunten Datapads, die wir zum Lernen benutzen. Und natürlich etwas Malzeug von Eli, damit sie sich beschäftigen kann. In dieser Galaxis gibt es wenig Schlimmeres, als Eli, die sich langweilt.

"Was machst du da?", fragt mich Eli, die nun meinem Treiben zusieht, da sie nun die wieder gefüllte Schachtel des Memoryspiels in ihren Händen hält.

"Ich packe", erwidere ich wahrheitsgemäß.

"Warum?"

"Weil Mama das so will."

"Warum will Mama das?"

"Weil böse Männer uns holen kommen könnten", versuche ich zu erklären.

"Warum?"

"Das habe ich dir doch vorhin erklärt", rufe ich es ihr in die Erinnerung.

"Versteh ich nicht", erwidert Eli und schaut mich mit ihren großen Augen an. Über dem rechten hat sie eine Narbe, die schräg ihre Augenbraue zerteilt. Das tut ihrer Schönheit keinen Abbruch, sondern gibt ihr etwas Verwegenes.

"Dazu bist du wohl noch zu klein", winke ich ab, da mir jetzt der Nerv fehlt, ihr das noch mal so zu erklären, dass sie das vielleicht auch begreift. Nun hole ich den Notgroschen aus dem Versteck und verteile die Credits an mehreren Stellen. Dann packe ich noch Elis Lieblingskuscheltier Puschel, eine Fellkugel mit sechs Beinen und zwei großen Knopfaugen in den Rucksack. Eigentlich ist Puschel ein richtiger Unterhaltungsdroide mit vielen eingebauten Funktionen, wie mit Kindern komplexe Gespräche zu führen, Musik und Holovideos abzuspielen und Spiele zu spielen. Einst hat Puschel mir gehört, ein sehr teures Geschenk meiner Großeltern mütterlicherseits für ihre erste Enkelin. Als dann Eli um die zwei Jahre alt war, gab es dann immer Streit, wer Puschel haben durfte, immerhin hat das liebenswerte Fellknäuel mir gehört. Aber wir konnten uns keinen zweiten leisten und Mama hat mich dann gebeten, meiner jüngeren Schwester meinen Droidenfreund zu überlassen. Schließlich sei ich ja schon ein großes Mädchen und als Kompensation gab es dann einen fernsteuerbahren Delta-7 Aethersprite mit einer exklusiven Padawan Ahsoka Tano Actionfigur als Pilotin. Das war ein wirklich cooles Spielzeug gewesen, da das Modell des Sternenjägers im Maßstab eins zu fünfunddreißig einen voll funktionsfähigen Repulsorliftantrieb hatte. Aber dann hat meine kleine Schwester verbotenerweise damit gespielt und ist darauf gefallen. Dabei hat sie ihn kaputt gemacht, aber der rotweiße Sternenjäger hat sich selbst gerächt, da sich das stabile Seitenruder tief in ihre Augenbraue geschnitten hat. Ein paar Zentimeter tiefer und es wäre buchstäblich ins Auge gegangen. Wir haben extra zum Arzt müssen, weil das nicht mit einem Bactapflaster drauf kleben zu beheben war.

"Gehen wir weg?", fragt Eli weiter.

"Wenn Mama nicht innerhalb von zehn Minuten auftauchen sollte, dann ja", erwidere ich wahrheitsgemäß.

"Memory muss auch mit!", befindet Eli und ich packe es kommentarlos in ihren Rucksack, der damit wirklich randvoll ist, so wie meiner auch. Wenn sie es haben will, muss sie es selbst tragen. Ich habe ihr schon ihre Malsachen eingepackt, da es sonst deswegen garantiert auch Theater gegeben hätte.

"Komm, zieh dir Strümpfe und deine Stiefelchen an", befehle ich ihr und mache es ihr vor. Meine kleine Schwester sieht mich nur an.

"Will lieber mit Spaßfuß gehen". Eli nennt Barfuß immer noch Spaßfuß. Wenn wir auf den internen Spielplatz des Blockes gehen, lasse ich das manchmal zu. Hier drin ist es sauber und man kann sich ziemlich sicher sein, dass nichts Gefährliches auf dem Boden liegt. Außerhalb dieser bewachten Anlage sieht das aber anders aus.

"Nein, Eli, sei bitte vernünftig. Wir gehen nicht zum Spielplatz, sondern gehen ganz weit weg. Also zieh dir bitte Strümpfe und die Stiefel an!", befehle ich mit mehr Autorität in der Stimme.

"Will aber nicht!" Sie schiebt ihre Unterlippe vor und verschränkt ihre Ärmchen vor ihrer Brust. Ihre typische Haltung, wenn sie auf stur stellt.

"Eli, du bist kein Baby mehr, sondern eine junge Lady. Bitte sei so nett und tu, was ich sage." So würde unsere Mutter vorgehen und ich fand das immer einleuchtend. Auch wenn ich zugeben muss, dass dies bei mir auch nicht immer funktioniert hat.

"Du redest wie Mama!", mokiert sich Eloy und tut sonst erst einmal nichts.

"Ich meine es ernst. Wenn Mama nicht da ist, hast du zu tun, was ich dir sage! Hast du das verstanden?", frage ich sie nun mit mehr Nachdruck in der Stimme. Ich gehe auf sie zu, bis ich direkt vor ihr stehe und sie zu mir hoch blicken muss. Ich nehme bewusst eine drohende Körperhaltung ein, um sie einzuschüchtern.

"Hmmm", erwidert sie vage, wahrscheinlich abschätzend, wie weit ich gehen werde.

"Eloy! Sei eine junge wohlerzogene Lady und zieh jetzt sofort deine Strümpfe und Schuhe an, sonst....", sage ich nun mit einem unheildrohenden Unterton und betone besonders das sonst. Ich habe keine Ahnung, was sonst genau bedeutet, hoffe aber, dass Eli das genau so wenig herausfinden möchte wie ich.

"Na gut!", lenkt sie schließlich unwirsch ein, kramt demonstrativ langsam in ihrer Schublade, bis sie schließlich ein Paar Strümpfe herauszieht und dann auch anzieht. Ich bin froh, dass ich bis jetzt vor dem Zeitplan des Evakuierungsplans gelegen bin, so frisst dieser Akt meine ganzen Reserven. Besonders da sie noch die Hygienezelle aufsuchen muss. Aber lieber muss sie jetzt als später. Auch ich erleichtere mich noch.

Mama ist jetzt eine Stunde überfällig und hat sich nicht gemeldet. Das macht mir wirklich große Angst. Mein Magen ist inzwischen ein großer Knoten und ich fühle mich richtig elend. Am liebsten würde weinen, aber das würde Eloy nur verstören. Also reiße ich mich zusammen. Nun ist es Zeit, die Wohnung zu verlassen. Meine Mutter hat mir erklärt, dass die bösen Agenten des noch böseren Imperiums durchaus in der Lage wären, dieses Apartment aufzuspüren und damit uns. Als Kinder werden wir zwar nicht direkt gesucht, aber als Angehörige von Dissidenten fallen wir unter Sippenhaft und würden im besten Fall in einem Umerziehungslager des Imperiums landen. Und da will ich nicht hin. Es könnte auch genau so gut sein, dass sie uns einfach töten oder in die Sklaverei verkaufen.

Nakagos wirre Gedanken

Diese Szene dient hauptsächlich dazu, die beiden Protagonistinnen näher zu beleuchten und ihre Charaktere heraus zu arbeiten. Puschel der Spielzeugdroide ist von mir erfunden. Vom Stand der Technologie wäre ein solches Gerät denkbar. Auch der Modellgleiter ist meine Erfindung und als Hommage an die Merchandisingindustrie zu verstehen, die uns mit einigen nützlichen und vielen total unnützen Gimmicks versorgt.

Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #2 am: 08. Juli 2018, 17:54:01 »
Episode III
Ich schaue auf den kleinen Monitor neben der Tür, welcher ein Bild des Flurs vor unserem kleinen Apartment zeigt. Laut den Bildern ist der in unserem Bereich frei, aber Mama hat mir erzählt, dass es Möglichkeiten gibt, so etwas zu manipulieren. Aber auf der anderen Seite wird sich wohl kaum ein Kopfgeldjäger sich diese Mühe machen, um so einen Hinterhalt für zwei Kinder zu legen. Also vertraue ich dem Bild auf dem Monitor. Der Flur vor unserer Wohnung ist tatsächlich leer, als ich die Tür öffne und vorsichtig in beiden Richtungen spähe. In regelmäßigen Abständen gehen braune Türen aus Durastahl links und rechts in weitere Apartments ab. Die Wände sind gelb gestrichen, der Boden mit weißen Kacheln bedeckt. An der Decke hängen in regelmäßigen Abständen Lichtgloben, die für helles Licht sorgen. Es riecht nach Putzmitteln, weil vor kurzem ein summender Reinigungsdroide hier den Boden gesäubert hat und sich gute fünfzig Schritte vor uns befindet. Ich sehe der Maschine einen Augenblick hinter her und komme zu dem Schluss, dass an ihr nichts Außergewöhnliches ist. An den Enden des Flurs befinden sich jeweils ein Turbolift und ein Treppenhaus, falls mal der Strom ausfallen sollte, was durchaus vorkommen kann. Ich wende mich nach links und nehme Eli an die Hand. Ein letztes Mal schaue ich in das Apartment, dass für die letzten drei Jahre meine Heimat war und schließe die Tür. Werde ich es je wieder sehen?

"Egal was passieren wird, du lässt meine Hand nicht los, verstanden Eli?", schärfe ich meiner kleinen Schwester ein.

"Ich bin doch kein Baby mehr!", protestiert sie verhalten, aber tut dann doch, was ich ihr sage. Mit meiner kleinen Schwester in der Hand gehe ich zum Turbolift, als gerade die Kabine auf unserem Stockwerk hält. Für einen Augenblick erstarre ich, gefangen zwischen der Furcht, dass vor mir gleich ein imperialer Kopfgeldjäger stehen könnte und der Hoffnung, dass unsere Mama aus der Kabine aussteigt. Die Tür geht zischend auf und ein Gran steht vor uns, der seine Einkäufe an uns vorbei schleppt. Erleichtert, wie auch enttäuscht, blicke ich ihm hinter her.

Wir gehen in die Kabine und lassen uns auf die Höhe des Schnellbahnanschlusses fahren. Wir steigen aus der Kabine aus und treten durch eine Sicherheitsschleuse, die von einem alten, aber voll funktionsfähigen Sicherheitsdroiden bewacht wird. Sein Kopf ähnelt einem B1 der Handelsföderation aus den Klonkriegen, sein schwer gepanzerter Unterleib ist aber den der Hutten nachgebildet. Den Blaster in der Hand trägt er nicht nur aus Spaß. Nar Shaddaa ist eine dicht besiedelte Welt und hat eine im Vergleich zu Corellia sehr hohe Kriminalitätsrate. Der Bahnsteig ist mäßig besucht, da es eher Feierabendzeit ist und für die Nachtschwärmer noch zu früh. Wobei hier Tag und Nacht relativ sind. Unabhängig von Tag oder Nacht hat sich auch hier im autonomen Huttenraum die coruscanter Standardzeit durchgesetzt.

Wir müssen nur drei Minuten warten, dann fährt ein schwebender Zug ein. Die Türen öffnen sich zischend und ich hoffe, dass ich Mama sehe. Aber sie steigt nicht aus. Eine Hoffnung weniger. Ich steige ihn einen der Wagons und muss Eli mehr ziehen, als dass sie freiwillig mitgeht. Es ist kein gutes Zeichen, dass sie jetzt schon die ersten Anzeichen von Bockigkeit entwickelt.

"Wo fahren wir hin?", fragt Eli mich.

"Weg von hier", erwidere ich wage, da ich keine Lust habe, ihr diese komplexen Dinge zu erklären, die ich selbst nicht ganz verstehe. Aufmerksam blicke ich mich um. Außer uns ist niemand eingestiegen und die Bahn setzt sich in Bewegung. Fassaden gigantischer Sternenkratzer ragen links und rechts von uns auf. Wir sind hier in einem der besseren Viertel, die sicher und gehoben, aber nicht luxuriös sind. Solide Mittelklasse eben.

"Warum?", fragt Eli stoisch weiter.

"Weil Mama das so will", wiegle ich ab und präge mir die Passagiere ein. Menschen, echsenähnliche Niktos verschiedener Hautfarben, grünhäutige Sakiyans, bleichhäutige Evocii, ein stark modifizierter Gank und ein leibhaftiger Hutte. Es gibt wirklich auch nicht so gut begüterte Hutten, die tatsächlich ein öffentliches Verkehrsmittel benutzen müssen.

"Wo ist Mama?"

"Wenn ich das wüsste, wären wir nicht hier." Mir ist klar, dass dies keine besonders ergiebigen Antworten sind, aber momentan fehlt mir der Nerv, das meiner kleinen Schwester wirklich erklären zu können. Eli gibt ein unbestimmtes Geräusch von sich und bläst ihre Backen auf, ein Zeichen, dass meine Antwort sie nicht befriedigt. Dann fängt sie auf einmal zu kichern und zieht an dem Ärmel meiner schwarzen Jacke.

"Guck mal der alte Hutte, der sieht aus wie ein Kackahäufchen!", flüstert mit Eli aufgeregt zu und fängt dann an zu kichern. Der alte verschrumpelte Hutte hat mit seiner braunen Hautfarbe und seiner Körperform durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit menschlichem Exkrement. Eigentlich sollte ich das nicht witzig finden, aber ich kann nicht anders, als in Elis albernes Gekicher mit einzufallen.

Die Bahn wird langsamer und wir steigen nun an dieser Station aus. Ich blicke mich um, dutzende Passagiere steigen ebenfalls aus und verschwinden durch die nächste Tür in der Mitte der Haltestelle. Keiner scheint uns auch nur wahrzunehmen, geschweige denn, zu verfolgen. Hier ist ein großes Einkaufszentrum und wir gehen ebenfalls durch die sich automatisch öffnende Eingangstür. Kleine Läden sind links und rechts der Mall dem Gang entlang aufgereiht, die mit grellen Werbungen auf ihre Produkte und Angebote aufmerksam machen wollen. Grell blinkende Schrifttafeln in Aurebesh und Huttisch wechseln sich fröhlich ab. Die Gänge sind hier schon dichter bevölkert, da gerade Schichtwechsel in den größeren Betrieben von Nar Shaddaa gewesen ist. Der Schmugglermond ist sicherlich nicht für seine industrielle Infrastruktur bekannt, aber auch hier gibt es ein produzierendes Gewerbe für Güter des täglichen Bedarfs, Gewürze und High Tech Geräte, die in anderen Teilen der Galaxis mehr oder weniger verboten sind. Wir gehen bis zum Ende der dicht bevölkerten Einkaufsstraße und nehmen einen Turbolift nach unten. Eli schaut auf dem Weg neugierig links und rechts die Schaufenster an oder an den Angehörigen der verschiedensten Rassen hoch. Menschen und Menschenähnliche sind vielleicht die größte ethnische Gruppe, aber es gibt auch Schneckenköpfige Ithorianer, Rodianer mit ihren Saugfingern, ein bepelzter Talz, ein verdrießlich blickender Ishi Tib, ein gamorranisches Ehepaar, dass laut in ihrer quiekenden Sprache um eine Kleinigkeit zankt und viele andere Spezies, deren Name ich nicht kenne. Zum Glück ist nichts darunter, was Eloys Interesse weckt. Wir fahren bis ganz nach unten und laufen einen weiteren Gang direkt wieder zurück zu einer weiteren Station einer anderen Linie von Schwebebahn.

"Da! Spielzeug!", ruft Eli und bevor ich es verhindern kann, reißt sie sich los und rennt auf ein Schaufenster zu, hinter dem Puppen und Spielzeug zu sehen sind. "Ooooh! Schau mal! Die haben eine "Püppi 1000"! Die hat echte Synthaut, kann tausend Wörter auf Basic plappern und richtig pullern!", ruft meine kleine Schwester begeistert und drückt sich ihre Nase am Schaufenster platt.

"Das ist schön, und jetzt weiter!", befehle ich ihr, ohne darauf einzugehen, dass echte Synthaut ein Widerspruch in sich ist.

"Das ist eine Püppi 1000!", meint sie bockig und wehrt meine Hand ab. Ein Werbespot für dieses Spielzeug läuft in letzter Zeit öfters im HoloNet, daher kennt Eli die Funktionen des Spielzeugs. Und auch ein Mädchen, dass wir öfters auf dem Spielplatz treffen, hat so ein Spielzeug und gibt damit auch ziemlich an. Kein Wunder, dass Eli jetzt auch so was will.

"Eloy! Kommst du jetzt bitte mit?", versuche ich es ein weiteres Mal im Guten. Wir haben noch nicht mal ein Prozent der Strecke geschafft und schon bockt Eli. - Das wird ja heiter werden - , denke ich besorgt.

"Glaubst du, Mama kauft mir so eine zum Geburtstag?", fragt sie mich nun, was mir eine neue Strategie ermöglicht.

"Wenn du brav bist und immer auf mich hörst, dann vielleicht", erwidere ich unbestimmt und meine Schwester ist klug genug, den Wink mit dem Elektrozaun zu verstehen.

"Dann gehen wir halt weiter", meint sie schicksalsergeben und ich bin froh, dass ich sie von diesem Ort losgeeist bekomme. Es geht in einen weiteren Zug, der nun quer zur bisherigen Route fährt. Dieses Mal fahren wir zehn Stationen, steigen aus, nehmen einen Turbolift und fahren mehrere tausend Meter in die Tiefe zu einer weiteren Station. Hier ist alles deutlich schäbiger. Auf dem Bahnsteig liegt Unrat und ich sehe Nunas im Schatten huschen. Auch sind Bewohner deutlich schlechter gekleidet. Auch ist kein Sicherheitsdroide weit und breit zu sehen. Die einfahrende Bahn ist voll mit Graffiti und im Innern haben die Sitze keine Polster, sondern sind pflegeleichte und schnell zu ersetzende Konstruktionen aus stabilen Durastahlstangen. Wir ergattern einen Sitzplatz und der Zug fährt an.

"Hier riecht es komisch", merkt Eli an und rümpft die Nase. Momentan macht sie einen neugierigen und leicht aufgeregten Eindruck, als wollte sie alles Neue aufsaugen. Hier war sie noch nie und ich bin diese Route nur einmal mit Mama gefahren. Damals saß ich auf ihren Schoß, an sie gekuschelt und habe mich doch etwas geängstigt, da diese Gegend deutlich finsterer und gefährlicher ist, als da, wo wir wohnen. Und es riecht hier wirklich komisch, Körperausdünstungen von einem in sich zusammen gesunkenen Nikto ein paar Plätze weiter. Ich weiß nicht, was mit ihm ist und will es auch nicht wissen.

"Ich mag das hier nicht!", stellt meine kleine Schwester fest und ich bin mir ihr einer Meinung, ich mag das hier auch nicht. Mama war der Ansicht, dass die fehlende Sicherheitstechnik in diesem Level uns helfen würde, unterzutauchen. Wir machen praktisch eine Schnitzeljagd für die bösen Männer, die uns eventuell verfolgen. Jeder dieser Schritte soll es ihnen schwerer machen, uns aufzuspüren. Ich versuche mit Eli "Ich seh was, was du nicht siehst" zu spielen. Aber vieles von dem hier macht nicht nur ihr Angst und wir sind beide nicht wirklich bei der Sache. Allerdings kann ich mich so laufend umsehen und prüfen, ob wir verfolgt werden. So sehr ich mich auch anstrenge, einen Verfolger kann ich nicht ausmachen.

Ich zähle die Stationen und schließlich steigen wir wieder aus. Mit einem Turbolift fahren wir einige Ebenen höher und kommen an einem Fernbahnhof heraus. Hier ist immer viel los und ich kann mich in einen Strom von Menschen einschleusen, Familien mit Kindern. An einem Automaten löse ich Karten für einen Vakuumzug, der uns über tausend Kilometer in einer Stunde von diesem Ort bringen wird. Hier ist zwar schon wieder mehr Sicherheitstechnik vorhanden, aber die gewonnene Entfernung ist laut Mama das größere Risiko wert. Ich selber kann das nicht einschätzen und vertraue einfach darauf, dass unsere Mutter sich bei diesem Plan etwas gedacht hat.

"Was machst du da?", fragt Eli mich, als ich den Automaten mit Credits füttere, um unsere Passage zu bezahlen. Mama hat mir mehrmals erklärt, wie das geht und wirklich schwer ist es auch nicht.

"Ich bezahle die Gebühr für einen ganz schnellen Fernzug der uns ganz weit weg bringen wird", erkläre ich Eli. Der Automat spuckt zwei Clips aus und zeige Eli, wie sie den ihren an ihre Jacke befestigen muss.

"Was ist das?", fragt sie mich und fummelt etwas unentschlossen an ihrer Fahrkarte herum. Ich erkläre ihr, dass dies zeigt, dass wir bezahlt haben. Der Zug fährt in dem Moment ein und wir stellen uns an, um einen Sitzplatz ergattern zu können. Mitglieder verschiedenster Rassen ergießen sich aus dem Zug, von denen ich nur einen Teil überhaupt benennen kann. Nar Shaddaa ist wirklich eine intergalaktische Welt. Wir haben Glück und es steigen deutlich weniger Wesen ein statt aus. So haben wir auch keine Probleme, zwei nebeneinander liegende Sitze zu ergattern, die sehr bequem aussehen. Wir stellen unsere Rucksäcke darunter, weil ich nicht groß genug bin, die in die Ablage zu bugsieren.

"Müde!", mein Eli, kaum das wir uns auf die bequemen Sessel gesetzt haben. Sie zieht ihre Schuhe und Strümpfe aus, rollt sich zusammen und ist im nächsten Moment eingeschlafen. Das ist mir lieber, als das sie die ganze Zeit quengelt oder mir Fragen stellt, auf die ich keine befriedigende Antwort weiß. Die Bahn setzt sich sanft in Bewegung und beschleunigt dann recht schnell auf über tausend Stundenkilometer.

Ich hole mein Datapad hervor, verbinde es mit dem zwischen den Sitzen befindlichen Dataslot und schaue mir Newsboards an. Keine aktuellen Meldungen über Unglücke, Verbrechen oder Unregelmäßigkeiten in dem Viertel wo wir wohnen und Mama arbeitet. Auf der einen Seite bin ich erleichtert, dass ich keinen Hinweis auf ein Feuergefecht zwischen Kopfgeldjägern und einer Flüchtigen finde. Auf der anderen Seite ist die Ungewissheit genau so schwer zu ertragen. Da Eli jetzt schläft, kann ich es mir leisten, in Tränen auszubrechen. Vorher schlage ich die Kapuze meiner Jacke hoch, damit mich niemand weinen sieht. Ich will keine Aufmerksamkeit auf uns lenken. Schließlich erreichen wir unser Ziel, trockne meine Tränen und wecke Eloy auf, die darauf äußerst knatschig reagiert. Ich muss sie regelrecht antreiben, sich die Strümpfe und Schuhe wieder anzuziehen und ihren ihr inzwischen viel zu schwer vorkommenden Rucksack selbst zu tragen.

"Ich hab jetzt Hunger!", stellt sie ultimativ fest, als wir endlich auf dem Bahnsteig stehen und uns in der Masse zum Ausgang treiben lassen. Auch ich habe Hunger und es kann nichts Schaden, hier Eloy ihren Kopf zu lassen. Es trifft sich gut, dass hier vor dem Bahnhof an prominenter Stelle eine Filiale von "Bantha Burger" gibt.

"Bantha Burger! Bantha Burger!", fordert sie mit großem Nachdruck, als sie das blaue Logo mit dem B erspäht, das in Aurebesh aussieht, wie zwei Brötchen und eine Bulette dazwischen. Ich habe nichts dagegen, da ich auch inzwischen Hunger habe. Alle Niederlassungen dieser Kette sind auf jeder Welt gleich aufgebaut. Wir stellen uns an und ich bestelle bei einem Toydorianer für uns beide je ein Kindermenü aus Bantha Burger, Sternenfritten und einen blauen Banthamilchshake.

"Tu mir einen gefallen und versuche dich ausnahmsweise mal nicht voll zu kleckern", ermahne ich meine Schwester, als sie stolz ihr eigenes Tablett zu einem freien Tisch trägt. Sie murmelt etwas, dass ich nicht verstehen kann, aber ich denke mal, es war nichts Nettes. Aber ich gehe nicht darauf ein und packe meinen Burger aus.

Selig beißt Eloy in ihren Burger und schafft es gekonnt, sich schon nach kurzer Zeit voll zu kleckern, weil das blaue Dressing zwischen den Brötchen herausläuft. Es liegt dann natürlich an mir, sie wieder halbwegs sauber zu bekommen. Nach dem wir fertig gegessen habe, gehe ich mit Eli auf die Toilette für weibliche Humanoide und versuche ihre Bluse im Waschbecken einer Hygienezelle sauber zu bekommen. Da ich eigentlich nur beim Versuch die Flecken wegzubekommen den Dreck verteile, sehe ich mich gezwungen, dass Kleidungsstück zu wechseln. Da Eli ja schon ein großes Mädchen ist, schafft sie es auch alleine, sich umzuziehen.

"Oh oh! Da wird Mama aber schimpfen", unkt Eli düster, als sie die verschmutzte Bluse in Augenschein nimmt.

"Das wird schon. Mama hat dich nämlich ganz besonders lieb", merke ich leicht verbittert an.

"Mama sagt immer, sie hat uns beide gleich ganz doll lieb", widerspricht Eli in einem vehementen Tonfall.

"Das sagen Eltern nur. Aber sie haben immer einen Favoriten und das bist du."

"Das ist gar nicht wahr!", verneint meine kleine Schwester mit einem heftigen Kopfschütteln.

"Du warst gewollt, ich bin ein Unfall", erkläre ich.

"Wie kannst du ein Unfall sein?", fragt Eli mich mit einem ungläubigen Unterton.

"Weil das so war. Unsere Eltern wollten erst später ein Kind haben und haben verhütet. Aber irgendwas ist schief gelaufen und dann kam ich." Da Eli inzwischen aufgeklärt ist und weiß, woher Babys kommen und auch, wie man sie nicht bekommt, stellt diesbezüglich keine Fragen, sondern hinterfragt die Verlässlichkeit meiner Aussage: "Und woher willst du das wissen."

"Es war kurz nach deiner Geburt. Mamas Eltern waren da, also unser beider Opa und Oma. Es war spät, ich war schon im Bett gewesen, hatte dann aber Durst. Also wollte ich runter in die Küche, um was zum trinken zu holen. Da habe ich Oma im Wohnzimmer sagen hören: Schön, dass es diesmal nach Plan geklappt hat und nicht so wie bei Lyra, die alles durcheinander gewirbelt hat. Mama hat dann gesagt: So was passiert manchmal eben. Keine Methode wirkt zu hundert Prozent. Das war dann ein ziemlicher Schock für mich und ich bin leise wieder in mein Bett geschlichen. Da hab ich dann geweint, bis ich eingeschlafen bin", erzähle ich in einem traurigen Tonfall. Spontan umarmt Eloy mich mit ihren kleinen Ärmchen und meint dann tröstend: "Ich hab dich ganz doll lieb, denn du bist die beste große Schwester in der ganzen Galaxis."

Nakagos wirre Gedanken

Die beschriebenen Lebensmittel sind/waren kanonisch, auch wenn sie ihre irdischen Wurzeln nicht verleugnen können. Das B im Aurebesh besteht aus zwei gegeneinander liegenden Klammern und einem Strich in der Mitte. Es gibt Bantha Burger, aber die Franchise dazu habe ich erfunden.

Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #3 am: 10. Juli 2018, 15:02:27 »
Episode IV

Satt und etwas besserer Laune gehen wir wieder dazu über, das Evakuierungsprotokoll umzusetzen. Mama hat da etwas sehr Komplexes und Kompliziertes ausgetüftelt, um Kopfgeldjägern den Tag zu versauen, in dem wir unterschiedliche Verkehrsmittel benutzen, die jeweils einen anderen Betreiber haben. Sich dann jeweils in das eigenständige Überwachungsnetz zu hacken, dauert Zeit und verschafft uns damit einen immer größeren Vorsprung. Jedenfalls in der Theorie. Ich kann das selbst nicht abschätzen und muss mich auf die Raffinesse meiner Mutter verlassen. Was meine Mama aber bei diesem Plan nicht bedacht hat, ist Eloy. Die ist nämlich gar nicht begeistert, gefühlt hundert sinnlose Haken zu schlagen.

"Wann sind wir da?", fragt Eloy mit nun zum zweimillionsten mal innerhalb von einer halben Stunde. Wir befinden uns in einer kleinen Regionalbahn, die sich mit mäßiger Geschwindigkeit auf der mittleren Ebene durch die Rushhour quält. Wir haben das Glück, uns zu zweit auf einen Sitzplatz quetschen zu können.

"Gleich!", erwidere ich wie immer unbestimmt mit einem äußerst genervten Unterton in der Stimme.

"Will nicht mehr!", stellt meine kleine Schwester in einem kategorischen Tonfall fest. Ich weiß, wenn ich sie jetzt weiter über schier unzählige Bahnsteige treibe, wird sie sich eher früher als später weinend zu Boden werfen und so lange schreien, bis ich nachgebe. Auch mir fehlt inzwischen die Motivation, mich an Mutters komplizierten Plan zu halten. In der Theorie war das alles für mich einleuchtend gewesen, aber jetzt in der Praxis erscheint mir das alles zu komplex und aufwendig.

"Ich auch nicht!", gebe ich ihr einfach recht. Ich krame mein Datapad heraus, fahre ein Navigationsprogramm hoch, lokalisiere unsere Position und lasse eine Route errechnen, die ein Gleitertaxi wohl nehmen würde. Auf der Hälfte der Strecke suche ich einen weiteren Taxistand und davon aus suche ich eine Adresse drei Blöcke weiter, die mit einer geraden Straße zur anvisierten Position verbunden ist. Das sollte mutmaßliche Verfolger etwas aufhalten können. So erspare ich uns noch neun mal umsteigen.

"Schau mal Eli." Mit diesen Worten zeige ich meiner Schwester die Karte und erkläre ihr, dass wir so nur noch einmal den Gleiter wechseln müssen und ob sie das schafft.

"Wie lange müssen wir den da laufen?", fragt sie mich, da sie mit dem Maßstab nicht wirklich etwas anfangen kann.

"Etwa fünf Minuten, schaffst du das?"

"Ja! Das kann ich!", meint sie nun bestimmt und damit ist es beschlossen. Ich hoffe nur, dass sie ihre Meinung nicht gleich wieder ändert. Bei der nächsten Station steigen wir aus und stehen vor einem Sternenkratzer, auf dem eine gigantische Werbetafel für den neuen SoroSuub X-34 Landgleiter hängt, welche das Fahrzeug in Bewegung zeigt und es praktisch immer wieder an den unten eingeblendeten technischen Daten vorbei fährt. Ein schicker kleiner Gleiter, mit 250 Spitze zwar etwas lahm, aber da kann man ja noch etwas drehen.

Wir suchen den Taxistand und steigen in einen automatisierten Gleiter in grüner Farbe ein. Sprich es gibt nur eine Passagierkabine und der Gleiter ist praktisch ein Droide. Ich gebe die Adresse an.

"Seid ihr nicht etwas zu jung dafür?", fragt mich die künstliche Stimme.

"Wir sind alt genug!", erwidere ich, den Sinn und Zweck der Frage nicht verstehend. Immerhin bezahle ich die Fahrt ja im Voraus. Ohne weiteren Kommentar heben wir ab und machen es uns in den wirklich bequemen Sesseln gemütlich. Die großen Fenster der Passagierkabine laden zum Betrachten der vorbei ziehenden Häuser ein. Überall blinken und flackern riesige Werbetafeln, die für sonst was werben. Diese Art zu reisen gefällt uns Askana Schwestern und wir machen uns gegenseitig auf Besonderheiten aufmerksam, die wir durch die Panoramafenster aus Duraplex erspähen. Wir fliegen anfangs sehr hoch und seit langer Zeit erblicken wir die Sterne. Normalerweise sehen wir die nur ganz selten, weil die ganzen Reklamen so hell sind und der Blick nach oben zwischen all den Sternenkratzern doch sehr eingeschränkt ist. Auf alle Fälle ist diese Aussicht die ganzen Strapazen wert. Dann fällt mir ein, warum wir überhaupt hier sind und meine Laune sinkt wieder gewaltig. Ich hoffe immer noch, dass dies nur ein falscher Alarm ist und sich am Ende alles als ganz harmlos heraus stellt. Dann war das ein schönes kleines Abenteuer und das schlimmste was passiert ist, dass Eli sich mit Soße vom Banthaburger eingesaut hat.

Der Gleiter verliert schnell an Höhe und wir tauchen tief in die Straßenschluchten von Nar Shaddaa ein. Die meisten Gebäude der Stadt sind mehrere Kilometer hoch. Irgendwo müssen ja die 85 Milliarden Einwohner des Mondes von Nal Hutta ja wohnen, arbeiten, einkaufen und sich vergnügen können. Je tiefer man geht, desto finsterer und ungemütlicher wird es. Die Reichsten wohnen immer auf dem höchsten Level eines Gebäudes. Und unter den Häusern soll es eine buchstäbliche Unterwelt geben. Wir landen schließlich irgendwo auf der Hälfte der sozialen Leiter, um das mal so auszudrücken.

Wir steigen aus und ich stelle fest, dass wir hier in dieser Gegend die einzigen Kinder auf der Gangway sind. Die Reklamen sind hier besonders grell und aufdringlich und viele Frauen mit seltsam knapper Kleidung laufen hier herum.

"Sind das arme Frauen?", fragt Eloy, nachdem sie sich wie ich etwas umgeblickt habe, um ein Gefühl für das Ambiente zu bekommen.

"Ich bin nicht sicher, warum sie so wenig anhaben", antworte ich ebenfalls irritiert. Viele der Frauen stehen nur an Hauswänden angelehnt und zeigen mehr Haut, als für eine Lady schicklich ist. Ihre Schuhe haben dafür wirklich unbequem aussehende Absätze und wirken teuer. Eloy greift ganz automatisch nach meiner Hand, als wir uns in Bewegung setzen. Auf einem Balkon über einem Eingang zu einem "Lusttempel" tanzt eine äußerst knapp bekleidete Twi´lek an einer Stange und führt ein äußerst akrobatisches Programm auf. Manchmal macht sie komische Bewegungen an der Stange, wie ein schnelles auf und ab bewegen der Hand oder scheint diese wie Eis abzulecken. Ich habe keine Ahnung, was das soll.

"Ist Ihnen nicht kalt?", fragt Eli einfach eine der Frauen, die zuerst amüsiert lacht und dann fragt: "Habt ihr Kleinen euch verlaufen?"

"Nein, wir sind auf dem richtigen Weg", erwidere ich immer noch irritiert von dem ganzen hier und ziehe Eli einfach mit. Da das ganze ihr auch unheimlich zu sein scheint, brauche ich nicht einmal wirklich an ihr zu zerren. In mir kommt der Verdacht auf, dass es sich bei diesen Frauen eventuell um Prostituierte handeln könnte.

"Pros was?", fragt Eli, nachdem ich ihr meinen Verdacht mitgeteilt habe.

"Prostituierte", wiederhole ich das Wort. Eli versucht mehrmals das Wort auszusprechen und scheitert schließlich kläglich.

"Und was soll das nun genau sein, dieses Pros Dings Bums?"

"So wie ich das verstanden habe, verkaufen Prostituierte ihren Körper an Männer", versuche ich zu erklären, was ich selbst nicht verstehe.

"Wie soll das gehen?", fragt Eli irritiert, da sie mit meiner Erklärung nichts anfangen kann.

"Ich denke, Prostituierte machen mit Männern das, was Eltern machen, um ein Baby zu bekommen."

"Und wo sind dann die ganzen Babys?", fragt Eli sich umblickend.

"Ich schätze, die verhüten."

"Ist das dann nicht total sinnlos?", fragt Eli mich kopfschüttelnd.

"Ich glaube, dass ganze macht Männern einfach Spaß und deswegen geben sie den Prostituierten Credits. Genau verstehen tu ich das auch nicht."

"Das ist ja so eklig!", meint meine kleine Schwester und schüttelt sich.

Ich bin froh, dass wir den nächsten Taxistand ohne weitere Zwischenfälle erreichen. Ich gebe als Ankunftsort eine Straße an, die ein Block von dem Hotel entfernt ist, wo ich mit meiner Schwester einchecken soll. Nun geht es wieder höher in die besseren Gegenden von Nar Shaddaa. Wir fliegen etwa zehn Minuten, dann sind wir da. Hier ist es ähnlich bunt, aber Familien prägen das Straßenbild. In der Nähe ist ein Vergnügungspark und deswegen sind Kinder und Familien ein normaler Anblick.

Wir checken in einem Hotel ein, für das ich ein Hotelgutschein für drei Tage habe. Die Heimatadresse wie auch der Name sind natürlich falsch, wird aber ohne weitere Überprüfung akzeptiert. Genau aus dem Grund hat meine Mutter auch diese Örtlichkeit ausgesucht.

"Jetzt sind wir da!", meine ich zu Eli, die durch die ganzen bunten neuen Eindrücke ganz vergessen hat, danach zu fragen.

"Juhu!", meint sie jubelnd und fragt dann: "Wo ist Mama?"

"Die kommt nach", meine ich mit mehr Überzeugung in der Stimme, als wie ich in Wirklichkeit empfinde und bugsiere sie in einen Turbolift, der uns auf Ebene 143 bringt. Wir haben Zimmer 143-28. Ein Familienzimmer mit vier Schlafnischen für Kinder und eine große für Erwachsene. Es gibt eine Holonetkonsole an der Wand, einen Tisch in der Mitte des Raumes mit bequem aussehenden Stühlen drum herum, eine kleine Hygienezelle und einen Wandschrank. Alles wirkt sauber und in gutem Zustand. Eli schaut sich aufgeregt alles ganz genau an. Wie ich auch, nur nicht so aufgedreht. Wir sind am Ziel und wenn Mama innerhalb von drei Tagen sich nicht meldet oder auftaucht, muss ich davon ausgehen, dass sie entweder gefangen oder tot ist. Ein Gedanke, der so entsetzlich ist, dass ich daran gar nicht denken will.

Nakagos wirre Gedanken

Nun haben unsere kleinen Heldinnen ihre Reise durch die "Abgründe" Nar Shaddaas heil überstanden.

Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #4 am: 12. Juli 2018, 17:04:02 »
Episode V

Es ist am zweiten Tag, wo ich Gewissheit erlange. Eli liegt auf dem Boden nur mit einem Schlafanzug bekleidet und malt. Ich sitze auf einem Stuhl und lese mit meinem Datapad News-Seiten. Am ersten Tag hatte ich noch Hoffnung, dass unsere Mutter zu uns stoßen würde. Das sie vielleicht ihre Verfolger abschütteln konnte. In der Nacht konnte ich vor Sorge kaum schlafen und bin dann irgendwann eingedöst.

Es ist nur eine Randnotiz, schon seit vorgestern im Netz, aber ich habe sie bisher nicht auf dem Schirm gehabt, weil sie vom Morgen des Tages stammt, wo Mama verschwunden ist. Mein Suchparameter war immer auf den frühen Abend eingestellt. "Schießerei mit Droiden" steht über der Notiz. Als Ort wird nur rudimentär "Veredlungsbetrieb" genannt. Offenbar hat dort ein Droide der IG-86 Baureihe mit einer Kopfgeldjägerlizenz unvermittelt das Feuer auf eine weibliche menschliche Angestellte kurz nach Arbeitsbeginn eröffnet. Im Laufe des Feuergefecht wurde der Droide zerstört, aber auch die Frau war nur kurze Zeit später ihren Verletzungen erlegen. Da der Speicher des Droiden vernichtet wurde, können die näheren Umstände nicht geklärt werden.

Auch wenn keine Namen genannt werden, weiß ich instinktiv, dass meiner Mutter tot ist. Da, wo meine Mutter gearbeitet hat, wusste niemand, dass sie noch Kinder hat, um uns zu schützen, falls sie dort gefangen genommen wird. Deswegen hat uns auch niemand über ihren Tod informieren können. Die Welt um mich herum verliert zu erst jedwede Farbe, dann wird das Weiß immer weniger, bis nur noch Schwärze da ist. Ich höre nur noch ein rauschen. Alles war ich in einer Endlosschleife denken kann: Unsere Mutter ist tot! Wieder und wieder habe ich nur diesen Gedanken. Dann spüre ich, wie ich an der Schulter geschüttelt werde.

"Lyla! Lyla! Lyla!", brüllt meine Schwester in mein Ohr. Sie wirkt verzweifelt und ich sehe, dass sie weint. Meine Welt bekommt wieder Farbe.

"Lyla, was ist mit dir?", fragte sie schluchzend. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich weg war, aber offensichtlich lang genug, damit Eli sich panische Sorgen macht. Dann kommen mir die Tränen. Ich kann nichts anderes als weinen. Immer wenn ich was sagen will, muss ich noch mehr weinen. Eli drängt sich auf meinen Schoß und umklammert mich in einer tröstenden Geste. Dann fängt auch sie an, hemmungslos zu weinen. Ich begreife nicht, wie Eli es verstehen kann, aber offensichtlich hat sie begriffen, was ich ihr nicht sagen kann. Unsere Mutter ist tot! Niemals wird sie uns küssen, uns schimpfen, uns umarmen, uns knuddeln, uns ermahnen, uns eine Überraschung bereiten, unsere Sorgen und Nöte anhören, uns anleiten, uns eine Gute Nacht Lied vorsingen, uns Essen machen, gesund pflegen und unsere Wäsche waschen. Ich habe keine Ahnung, wie lange wir uns aneinander klammern. Aber irgendwann sind meine Tränen versiegt und ich fühle eine so schreckliche Leere in mir, dass ich nur noch schreien möchte. Ich wünschte, Papa wäre da und würde mich trösten. Aber mein Papa ist irgendwo in dieser Galaxis im Krieg. Wie ich den Imperator dafür hasse!

"Mama ist tot!", spreche ich es nun mit einer Stimme aus, die nicht die meine ist.

"Wie?", fragt Eli mich, ohne die Tatsache an sich in Frage zu stellen.

"Ein IG-86 Kopfgeldjägerdroide hat sie wohl auf der Arbeit erkannt und getötet", erkläre ich das Unbegreifliche, zuerst stockend, dann immer fließender. Es ist nicht bestätigt, dass es Mama ist, aber aus irgendeinem Grund weiß ich es einfach. Es ist eine Tatsache und es leugnen zu wollen, was ich in meinem Innersten mit absoluter Gewissheit weiß, wird sie nicht mehr lebendig machen.

"Hat das Mama weh getan?", fragt Eli mit bebender Stimme weiter. Sie spricht dabei so leise, dass ich meine kleine Schwester kaum verstehen kann.

"Sie hat ihren Angreifer getötet und ist dann gestorben. Mehr weiß ich auch nicht", erzähle ich wahrheitsgemäß. Ich weiß nicht, ob sie gelitten hat. Ich hoffe es nicht, aber ich denke, da sie den Angriff zuerst so lange überlebt hat, um ihren Angreifer zu töten, war sie sicherlich noch eine Zeitlang bei Bewusstsein. Wahrscheinlich hat es sehr weh getan.

"Und wo ist Mama jetzt?"

"Sie ist nun eins mit der Macht, einem Kraftfeld, dass uns alle umgibt", versuche ich zu erklären, was ich selbst nicht so ganz begreifen kann.

"Kann sie uns sehen?" Eli blickt sich dabei nun selber um, als könnte sie so unsere Mutter wiedersehen.

"Das weiß ich leider auch nicht", erwidere ich ehrlich und versuche vergeblich in der Tatsache Trost zu finden, dass Leben nun mal endet und wir alle eines Tages in die Macht eingehen werden. Es wäre besser gewesen, wenn dieser Umstand unserer Mutter noch lange erspart geblieben wäre.

"Oooooh!", meint Eli und blickt ins Leere. Auch sie muss das jetzt erst mal verarbeiten. In einer tröstenden Geste ziehe ich sie an meine Brust und wir sitzen aneinander gekuschelt nur da. Ich mache streichelnde Bewegungen über ihre Schulter und kann hören, wie sie wieder weint. Auch in mir ist nur noch ein Ozean aus Traurigkeit. Es tut so unglaublich weh, als ob ein Teil von mir aus meinem Leib heraus gerissen wäre. Unsere Mutter hat uns auf diesen Tag vorbereitet, und das nächste Protokoll tritt nun in Kraft. Wir müssen nun einen Kontaktmann der Corellianischen Befreiungsfront aufsuchen, der unseren Vater informieren wird. Ich habe die Adresse und Daten auswendig gelernt. Und ich kenne den Weg dorthin. Normalerweise wäre jetzt Zeit für ein Mittagessen, aber ich weiß, dass ich keinen Bissen herunter bekommen würde. Also bestelle ich auch nichts über den Zimmerservice.

Ich denke über die Umstände des Todes meiner Mutter nach und versuche zu ergründen, welche Folgen das für uns hat. Offensichtlich hat dieser Kopfgeldjäger meine Mutter bei der Arbeit gesehen und hatte in seinem Speicher wohl einen Steckbrief von ihr gespeichert. Nach etwas Überlegen komme ich zu dem Schluss, dass es wohl reiner Zufall gewesen ist, dass der IG-86 meine Mutter gefunden hat. Möglicherweise wollte er sein Raumschiff anpassen oder verbessern lassen. Nicht nur Hutten waren Kunden des Betriebes, wo Mutter gearbeitet hat. Deswegen ist wohl auch niemand hinter uns her. Das heißt, wir sind  hier erst mal sicher und ich muss gestehen, ich fühle mich nicht in der Lage, schon heute den Kontaktmann aufzusuchen. Wir haben das Zimmer noch für diese Nacht und morgen Mittag, bevor wir hier raus müssen.

Zusammen kuscheln wir uns schließlich in eine der Schlafnischen und halten uns nur fest. So spenden wir uns gegenseitig etwas Geborgenheit. Was wird nun aus uns werden? Das wird Papa entscheiden müssen. Auf alle Fälle wird es sehr anders werden und ich habe keine Ahnung, was uns erwartet. Das macht mir durchaus Angst. Schließlich schlafe ich ein.

Ich falle in einen unendlich tiefen Schacht aus reinem Licht. Unzählige Fäden sind um mich herum. Von einem werde ich angezogen, berühre ihn und bin einen Augenblick in einem Raum. Ein kleines Büro, grüner Teppich, ein großer Schreibtisch und mehrere Terminals mit großem Bildschirm. Meine Mutter arbeitet an einem, zeichnet einen Entwurf. Ein Anruf, ein Kunde will sein Raumschiff umbauen lassen. Meine Mutter sagt, sie könnte den Kunden noch in ihren Terminkalender rein quetschen. Ein Moment später öffnet sich die Tür. Ich sehe einen langbeinigen Droiden mit einem Zylinderförmigen Körper und lang gezogenen Kopf mit vielen Augenlinsen. Das IG-86 Grundmodell ist noch gut zu erkennen. Diese Droiden sind berüchtigt für ihre Eigenständigkeit. Einst waren das Sicherheitsdroiden, die aber aufgrund ihrer hohen autonomen Programmierung sich oft selbstständig gemacht haben und die über ein großes Aggressionspotential verfügen. Meine Mutter wusste nicht, dass ein Droide ihr Kunde ist. Beide sehen sich kurz an, die fest montierten Waffen an seinen Armen fahren hoch und meine Mutter schießt ihrer kleinen kompakten Blaster ab, den sie unter den Tisch hält. Ich will schreien, meiner Mutter irgendwie beistehen, aber ich bin dazu verdammt, hilflos dem Geschehen zuzusehen.

Der kompakte HL 27 hat eine große Durchschlagskraft und sie trifft den Torso des IG 86 mittig. Der Droide taumelt getroffen zurück, sein Blasterarm feuert und trifft meine Mutter in die Brust. Sie lebt noch, schießt weitere male auf den Droiden und ich kann sehen, dass sie konzentriert auf verschiedene mehrmals Stellen feuert. Ich weiß nicht, wo bei diesem Droiden die Speicher sitzen, aber offensichtlich hat meine Mutter ganze Arbeit geleistet. Dann sackt Mama in sich zusammen, ihr HL 27 von Coronet Waffensystems fällt aus ihrer Hand zu Boden. Sie zuckt, Blut beginnt nun aus ihrem Mund zu quellen. Ihr Todeskampf dauert mehrere Minuten. Es kommen Kollegen hinzu, einer hat ein Medkit und versucht Erste Hilfe zu leisten. Aber vergebens, der Blastertreffer war letztendlich tödlich.

"Lyla! Hab einen bösen Traum!", weckt Eli mich, in dem sie mich an der Schulter schüttelt. Für einen Moment weiß ich nicht, wo ich bin. Dann fällt mir alles wieder ein. Ich hatte gerade einen Traum über den Tod meiner Mutter. Für einen kurzen Moment habe ich das Gefühl, dass meine Lungen mit einer Flüssigkeit gefüllt sind und ich atme keuchend ein und aus. Panik kommt in mir hoch, aber ich kann dann ganz normal wieder atmen. Wieder kommen die Tränen und Eli legt tröstend ihre Ärmchen um mich. Mein Atem wie auch mein Herzschlag beruhigt sich. War das nur ein Traum, den mein Unterbewusstsein fabriziert hat oder eine richtige Vision? Corellia ist ein Planet, auf dem die Macht stark ist und deswegen sind auch die Corellianer ein Volk, das von Grund auf machtsensitiver ist, als Menschen auf anderen Welten. Aus dem Grund kamen auch einst die Rakata nach Corellia, weil diese durch ihre Art von Hyperantrieb nur Welten ansteuern konnten, wo die Macht stark war. Deswegen brachten sie auch ihren Sklaven dort hin und züchteten sie regelrecht auf Machtfähigkeiten, da ihr Hyperraumantrieb mit der Lebenskraft machtsensitiver Wesen angetrieben wurde. Viele Jedi kamen von Corellia. Und es heißt auch, deswegen seinen Corellianer so gute Piloten, weil sie instinktiv mit der Macht vertraut sind, dass sie die Fähigkeit der Antizipation haben. Es könnte natürlich auch nur ein Alptraum gewesen sein, genährt aus den spärlichen Fakten der Newsnotiz. Ich weiß es nicht, aber es fühlte sich alles so echt an, als hätte ich daneben gestanden.

"Was ist mit dir?", fragt mich Eli, nachdem ich mich wieder gefangen hatte.

"Ich hatte einen sehr grusligen Traum darüber, wie Mama gestorben ist", erzähle ich und hoffe, dass dies nur ein wirklich böser Traum war und meine Mutter nicht so qualvoll hat leiden müssen. In Holovid fallen die Getroffenen immer dramatisch um und sind einfach tot.

"So einen bösen Traum hatte ich auch!", meint meine kleine Schwester, die wohl ähnlich traumatisiert sein dürfte als ich.

Mein Magen grummelt und ich fühle trotz allem auch ein gewisses Hungergefühl. Ich lasse Eli frei wählen, was sie essen will und ich stelle mir auch ein Menü zusammen, was wenige Minuten später ein Servicedroide vorbei bringt. Mama würde nicht wollen, dass wir wegen ihr hungern und essen schweigend, der Toten gedenkend. Ich versuche mir ins Gedächtnis zu rufen, wie Mama sich verabschiedet hat. Kurzatmig, in Eile um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen, mir einen Kuss auf die Wange gebend, für den ich mich schon eigentlich zu alt gefühlt habe. Wie sie mir die letzten Instruktionen für den Tagesablauf gibt und welche Lektionen ich zu lernen habe.

Ich weiß nicht, wie unser zukünftiges Leben aussehen wird, aber eines ist sicher, ich werde nun für meine kleine Schwester voll verantwortlich sein. Bis jetzt hatte ich diese Aufgabe immer nur für die Zeit, wo unsere Mutter arbeiten war. Wir hatten immer einen Zeitplan, wie wir unseren Tag zu gestalten hatten. Die zu lernenden Lektionen, die Zeit für freies spielen. Wann wir zum Spielplatz gehen sollten und welche kleinen Aufgaben wir im Haushalt zu erledigen haben. Ich merke, dass Eli mich schon seit einiger Zeit ansieht und schaue sie stirnrunzelnd an.

"Hab dich lieb, große Schwester!", meint sie und isst dann weiter. Ich lächle traurig und schaue auf die Reste des Essens. Ich bin satt und kriege keinen Bissen mehr herunter.

"Ich habe dich auch lieb, kleine Schwester", erwidere ich und Eli meint dann: "Ich weiß!"

Nakagos wirre Gedanken

Das ist sicherlich ein äußerst trauriges Kapitel.

Nakago

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« Antwort #5 am: 15. Juli 2018, 18:27:08 »
Episode VI

Nachdem wir mit dem Abendessen fertig sind, schiebe ich den Rolltisch wieder nach draußen und schließe die Tür. Früh gehen wir zu Bett, in das Große, und kuscheln uns gemeinsam aneinander. Körperliche Nähe spendet Trost und lässt uns die Trauer besser bewältigen. Ich fühle immer noch eine große innere Leere, aber ich habe immer noch meine Schwester und meinen Vater.

"Was ist nun?", fragt Eli mich.

"Was meinst du?", hake ich etwas irritiert nach, da ihre Frage sehr unspezifisch ist.

"Was wird nun aus uns werden?", präzisiert meine kleine Schwester.

"Morgen gehen wir zu einem Mann, über den können wir Kontakt zu Papa herstellen. Sobald Papa Bescheid weiß, wird er kommen und uns holen."

"Und wann wird das sein?"

"Ich habe keine Ahnung", erwidere ich wahrheitsgemäß. Die ganze Situation überfordert mich und am liebsten hätte wieder angefangen zu weinen. Eli legt tröstend ihre kleine Hand auf meine Wange und streichelt mich zärtlich, da sie wohl spürt, wie elendig ich mich fühle. Dabei sollte ich es sein, die sie tröstet, statt umgekehrt. Ich fühle mich meiner Schwester so nah wie nie zuvor. Ich umarme Eli und würde sie am liebsten nie wieder loslassen. Meine kleine Schwester erwidert die Umarmung.

"Und wer wird uns so lange beschützen, bis wir bei Papa sind?", fragt sie weiter.

"Ich", erwidere ich mit mehr Selbstbewusstsein, als ich wirklich habe.

"Kannst du das überhaupt, wenn die bösen Männer kommen?" Der Zweifel in der Stimme meiner kleinen Schwester ist nicht zu überhören.

"Ich werde es mit all meiner Macht versuchen."

"Versprichst du mir das?", fragt sie nun und sieht mich an.

"Ich werde dich beschützen, egal was ich dafür tun muss. Kleinfingerschwur darauf!", erwidere ich ernst und meine es auch so. Ich spreize den kleinen Finger meiner rechten Hand ab und Eli macht das gleiche. Wir haken unsere kleinen Finger ein und ich schwöre feierlich: "Egal was passieren wird, ich werde dich beschützen oder bei dem Versuch sterben."

"Und wenn ich sterbe?", fragt sie mich weiter.

"Dann werde ich dich blutig rächen!" Das habe ich aus einem Holovid Actionfilm, den ich gar nicht hätte schauen dürfen und hat sich da besser angehört als jetzt. Aber statt zu lachen oder mich gar zu boxen meint Eli nur: "Dann ist ja gut!"

Wir schweigen und langsam werden wir müde. Bald höre ich die gleichmäßigen Atemzüge meiner kleinen Schwester, während meine Gedanken anfangen zu wandern. Ich trauere um meine Mutter und bedauere es sehr, dass sie nicht so bestattet werden kann, wie es auf Corellia Brauch ist. Wir verbrennen unsere Toten und aus dem Kohlenstoff ihrer Asche wird ein blauer Diamant gepresst, welcher dann meist als Schmuckstück getragen wird. Langsam falle ich auch in den Schlaf, auch wenn Träume mich quälen. Mehrmals wache ich in der Nacht auf, weil Eli im Schlaf um sich schlägt.

Ich wache in der Früh als erste auf, erinnere mich, was passiert ist und schlage die Hand vor meinem Mund, um nicht los zu schreien. In den Holovidfilmen heißt es immer: "Das Leben geht weiter!" Trotzdem fühlt es sich eher an, als ob nichts mehr weiter gehen würde. Ich wünschte, ich könnte mit Papa reden, aber der ist sonst wo. Vielleicht auf Corellia, vielleicht auf einer geheimen Basis, vielleicht auf einem Raumschiff. Ich habe keine Ahnung. Inzwischen ist Papa fast schon ein Fremder für mich geworden, da ich ihn nur noch in seinen kurzen Botschaften sehe.

Ich stehe auf, fühle den Teppichboden unter meinen nackten Fußsohlen. Nach einigen Lockerungsübungen gehe ich in die Teräs Käsi Grundposition. Bewusst atme ich tief ein und aus. Konzentriere mich auf meine Atmung, meinen Herzschlag, auf mein innerstes selbst.

"Alles ist ein Kreis", höre ich die Stimme meiner Mutter in meinen Gedanken. Seit sechs Jahren lehrt sie mich Teräs Käsi. In ihrer Jugend hat sie für ihren Club beim großen Turnier in Coronet teilgenommen und ist damals erst im Achtelfinale ausgeschieden. Dunkel kann ich mich noch an ihre Sammlung von Medaillen, Kränzen und Pokalen in unserem Haus auf Corellia erinnern. Wo mein Zimmer so groß wie unsere Wohnung hier in Nar Shaddaa gewesen ist. Eine Zeitlang hatte es in unserem Wohnblock auf der Kommerzebene ein kleines Dojo gegeben, in dem ich etwas trainieren konnte. Aber das hat vor einem halben Standardjahr zu gemacht und die anderen Dojos in der Nähe gefallen meiner Mutter nicht. Entweder zu weit weg oder haben eine Klientel, der man ansieht, dass sie keiner legalen Arbeit nachgehen.

Ich fokussiere mich, finde meine Mitte und beginne die Kata des Kreises. Durch die räumliche Enge unserer Wohnung ist das die einzige Kata, die ich dort perfektionieren konnte. Sie braucht wenig Raum, zwei auf zwei Meter freier Platz reichen für mich vollkommen aus. Wie schon der Name sagt, beinhaltet diese Lektion viele Drehbewegungen und Tritte aus der Drehung heraus. Große Hebelwirkung und dadurch viel Wucht. Der erste Durchlauf der Kata ist sehr langsam und ohne Kraft. Mit jedem weiteren Mal werde ich etwas schneller und lege mehr Kraft in die Tritte und Schläge. Nun würde Mama sagen, es würde reichen und sollte es für heute nicht übertreiben. Aber da ist niemand mehr, der mich anleitet und zum ersten mal bemerke ich die Wut in mir. Die Wut, auf den Attentäterdroiden, der mir meine Mutter genommen hat. Wut auf das Imperium, dass meine Familie vertrieben hat, nur weil wir gegen die Anti Nichtmenschen Gesetze protestiert haben. Diese Gesetze sind ein großes Unrecht und ein Affront gegen all das, für was Corellia steht. Und natürlich Wut auf den Imperator. Erst als Eli sich regt, höre ich auf, da bin ich schweißgebadet.

Als nächstes dusche ich mit Eli und sorge dafür, dass sie sich auch ordentlich überall wäscht und mache ihr dann die Haare. Anschließend hilft sie mir beim Flechten meiner Zöpfe. Das geht natürlich nicht so schnell wie bei Mama, aber meine kleine Schwester stellt sich dabei nicht ungeschickt an. Wir reden dabei nicht viel und hängen unseren Gedanken nach. Krampfhaft versuche ich mich auf die vor mir liegende Aufgabe zu konzentrieren und mir alles in Erinnerung zu rufen, was mir meine Mutter über diesen Teil des Plans erzählt hat. Besonders vorsichtig müssen wir nicht sein, da wir keine Verfolger haben. Also kann ich einen sehr direkten Weg nehmen. Ein Gleitertaxi würde sich zwar anbieten, aber ich denke, ich sollte aufpassen, dass ich nicht zu viel für Dinge ausgebe, die wir auch billiger haben können.

Ich lasse ein reichhaltiges Frühstück kommen, an dem wir uns satt essen. Das ist im Preis inbegriffen, also sollten wir das auch in Anspruch nehmen. Dann sorge ich so gut wie möglich dafür, dass Eli noch die Toilette aufsucht und dann können wir auschecken. Wieder beginnt eine kleine Odyssee durch Nar Shaddaa, die Welt, die niemals schläft. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nähern wir uns direkt der Kontaktadresse, die ich aufzusuchen habe. Da wir keine Haken mehr schlagen müssen, brauchen wir nur zweimal umzusteigen. Eli reicht mir immer ohne Aufforderung die Hand und quengelt nicht. Vielleicht spürt sie, dass es mir nicht gut geht und ich bin dankbar dafür, dass sie es mir nicht schwerer macht, als es schon für mich ist. Ich vermisse meine Mutter so sehr, dass es schon beinahe körperlich weh tut. Eli ist momentan sehr tapfer, aber ich denke, in ihr sieht es genau so aus wie in mir.

Die Zieladresse liegt in einem sehr herunter gekommenen Viertel. Die Passanten wirken ärmlich, verbraucht und allein gelassen. Ich sehe viele Gewürzabhängige und Eli hält meine Hand so fest, dass es weh tut. Das hier ist kein schöner Ort. Der Permabeton der Wände ist porös, verdreckt oder voller bunter Graffiti. An einer Hauswand hängen die Überreste einer großen Reklametafel, die jemand wohl mit einer Zielscheibe verwechselt hat. Die Beleuchtung ist spärlich und flackernd. Es gibt viele offene Feuer in Tonnen aus nicht brennbarem Material. Ich bin wirklich froh, als wir endlich durch eine Eingangstür in das Innere des Gebäude huschen können, wo unser Kontaktmann lebt. Wir stolpern beinahe über einen Ithorianer, der quer im Flur liegt. Er schnarcht laut und dem Geruch seines Körpers nach zu urteilen ist der vollkommen betrunken. Jedenfalls stinkt er furchtbar nach Alkohol. Wir springen über ihn drüber und machen, dass wir weiter kommen. Auch hier sind viele Leuchtgloben beschädigt, auf dem Boden liegen Flimsi von Verpackungen auch eine Lache mit Erbrochenem.

"Ich mag das hier nicht!", meldet sich Eli zu Wort, während ich versuche herauszufinden, in welchem Level wir uns überhaupt befinden.

"Da sind wir schon zwei", meine ich ebenso von den hier herrschenden Umständen angewidert und stelle fest, dass wir nach oben müssen. Und ich finde heraus, dass der Lift im Gebäude nicht geht. Zwanzig Stockwerke müssen zu Fuß überwunden werden. Das gefällt keiner von uns, aber wir haben keine Alternative. Im Treppenhaus stinkt es noch schlimmer. Ein verendetes Nuna liegt halb angefressen in einer Ecke und eine Wolke Insekten steigt auf, als wir sie passieren. Schnell laufen wir weiter.

"Igitigitigit!", kommentiert Eli sich die Nase mit der freien Hand zukneifend und ich gebe ihr recht. An einer Wand sehe mehrere verbrannte Löcher und ich habe genug Actionfilme im Holovid gesehen, um zu wissen, dass es hier eine Schießerei gegeben hat. Eine rote Lache mit einer eingetrockneten Flüssigkeit sieht stark nach Blut aus. - Ob der Ort, wo meine Mutter getötet wurde, nun auch so aussieht? - überlege ich etwas bange. Wir passieren weitere Einschusslöcher und zwei lachen aus Blut. Sehr viel Blut. Hier sind mindestens drei Wesen entweder sehr schwer verwundet oder gestorben. Bis jetzt habe ich selten reale Kampfspuren gesehen und ich merke, wie sehr dieser Ort mir Angst macht. Ich wünschte, ich müsste nicht hier sein.

Schließlich erreichen wir den richtigen Flur, mit Wänden aus unverputztem Permabeton, offen liegenden Kabeln und einem Boden, der komplett mit Müll bedeckt ist. Viel besser sieht es hier auch nicht aus und ich fühle mich immer unwohler. Ich habe ein verdammt mieses Gefühl bei der Sache.

Nakagos wirre Gedanken

Nun geht es weiter in die Abgründe Nar Shaddaas. Das Beerdigungsritual mit dem Einäschern und dem anschließenden Pressen zum blauen Diamanten ist kanonisch.

Nakago

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« Antwort #6 am: 17. Juli 2018, 12:24:52 »
Episode VII

Endlich finden wir das Apartment, wo der Kontaktmann wohnen soll. Die Tür sieht neu aus, alles andere ist genau so herunter gekommen wie hier wohl üblich. Darüber ist die Kennung, die ich auswendig gelernt habe. Hier muss es also sein Der Klingelknopf ist schmutzig, und nachdem ich den gedrückt habe, wische ich mir die Fingerspitze ab.

"Ich mag das hier gar nicht!", tut Eli mit quengelnder Stimme ein weiteres Mal ihren Unmut kund.

"Ich auch nicht, kleine Schwester", erwidere ich, da es hier nichts schön zu reden gibt. "Aber wir müssen nur noch kurz durchhalten und dann haben wir es geschafft."

"Na gut!", erwidert Eli, bläst ihre Backen auf und gibt ein missbilligendes Geräusch von sich.

Ich habe deutlich die Klingel gehört, aber momentan rührt sich nichts. Mama hat gemeint, falls es beim ersten Versuch nicht klappt, soll ich noch zwei mal wieder kommen und mich dann erkundigen, wo der Mieter hin gezogen sein könnte. Aber normalerweise sollte diese Wohnung als Anlaufstelle des Widerstands immer besetzt sein. Wobei ich mich Frage, ob die CBF so arm ist, dass sie sich keinen besseren Unterschlupf leisten kann. Oder vielleicht spielen auch Faktoren eine Rolle, die ich mit meinem beschränkten Wissen nicht erkennen kann. Es widert mich an, ein weiteres Mal zu klingeln, aber mir bleibt nichts anderes übrig. Dieses Mal drücke ich länger und mehrmals. Dann höre ich etwas rumpeln, als wenn etwas umgeworfen wird, dann höre ich jemanden fluchen. Es scheint wohl jemand zu Hause zu sein. Weitere Augenblicke vergehen, dann wird die Tür aufgemacht. Vor mir steht eine barfüßige Frau, die nur Unterwäsche und ein Top anhat. Die Frau ist schon ziemlich alt, wahrscheinlich sogar schon über zwanzig Jahre. Ihre kurzen blonden Haare sind verstrubbelt und ihre Haut ungesund bleich.

"Was?", fragt sie uns ohne große Begrüßung. Die linke Hand hat sie weiter am Türgriff und die andere Hand hat sie auf dem Rücken versteckt. Eigentlich habe ich einen Mann erwartet, weil es ja Kontaktmann heißt, aber Mama hat mir keine Details nennen können.

"Hallo! Meine Name ist Lyra Askana, dass ist meine Schwester Eloy Askana und ich bin von Corellia", gebe ich mich zu erkennen. Die Frau glotzt mich ein paar Augenblicke scheinbar verständnislos an. Irgendwie wirkt sie desorientiert auf mich. Ihr dumpfer Blick erinnert mich an den von Gewürzsüchtigen, die ich schon öfters auf der Straße gesehen habe. Manche davon an den Wänden regungslos zusammen gesunken und ins Leere starrend. Die Frau riecht ungewaschen und das Top ist verschwitzt. Neben mir rümpft Eli demonstrativ die Nase und ich muss an mich halten, um es ihr nicht gleich zu tun.

"Aaaaaha!", meint sie schließlich und kratzt sich am Kopf, während eine Hand immer noch nicht sichtbar hinter ihrem Rücken ist. Es hat wohl ziemlich lange gedauert, bis meine Worte ihr Gehirn erreicht haben. Und so was arbeitet für die CBF? Ich muss zugegeben, ich kenne nur wenige Mitglieder dieser Widerstandsgruppe, aber keiner von denen würde sich so gehen lassen. Ich bin nicht einmal sicher, eine Corellianerin vor mir zu haben. Sie hat bis jetzt zu wenig gesagt, um den typischen corellianischen Akzent heraus zu hören. Eine dunkle Haarfarbe ist bei uns Corellianer eigentlich die Norm und die Frau scheint von Natur aus blond zu sein.

"Kommt rein, Kommt rein!", meint sie nun den Weg nach Innen frei gebend, ohne sich vorzustellen. Leider gibt es keine Codewörter wie in Holovidfilmen, um sich gegenseitig erkennen zu geben. Mir gefällt das nicht, aber momentan fällt mir keine Alternative ein. Jetzt zu gehen bringt uns nicht weiter. Ich habe nur diesen einen Kontakt und ich kann schlecht in den Corellianischen Sektor von Nar Shaddaa fahren und dort herumfragen, ob jemand Verbindung zur CBF hat. Auch kommen ausgerechnet jetzt eine finster aussehende Gruppe unterschiedlicher Wesen, die aber die einheitliche Kleidung einer Gang tragen, den Gang herunter geschlendert. Die sehen nicht so aus, als ob man mit denen gut Bolbifrüchte essen kann. Das gibt den Ausschlag.

Ich muss Eli regelrecht in die Wohnung zerren. Ein Hauptraum mit ausgeklappten Bett, drei offen stehende Türen gehen links ab. Hygienezelle, begehbarer Wandschrank und eine kleine Küche. Dies hier ist deutlich kleiner als unsere Wohnung, die auch nicht gerade riesig ist. Aber für eine Person reicht das. Sie bugsiert uns in die Küche, die dringend gesäubert werden müsste. In der Spüle stapeln sich schmutzige Teller und ich meine etwas mit viel zu vielen Beinen unter den Küchenschrank huschen zu sehen, als das Licht angeht. Es riecht hier wie wenn man einen Müllschacht aufmacht. Eli gibt ein missbilligendes Geräusch von sich, das deutlich macht, wie eklig sie das hier ebenfalls empfindet.

"Was kann ich für euch tun?", fragt die Frau mich nun direkt, während ich in der kleinen Küche stehen bleibe. Ich frage mich, warum wir nicht im großen Zimmer reden. Alle meine Instinkte raten mir, sofort von hier zu verschwinden. Aber da ich nicht weiß, was ich danach dann machen soll, unterdrücke ich sie.

"Meine Mutter ist tot und ich würde gerne meinen Vater Manan Askana darüber informieren, dass er uns abholt", trage ich mein Anliegen vor. Die Frau schaut immer noch äußerst dumpf aus ihrer knappen Wäsche. Es dauert ein paar Augenblicke, dann nickt sie.

"Bleibt hier drin, ich tätige ein paar Anrufe", erwidert sie und schließt die Tür. Ich kann hören, dass ein Vierregelungsmechanismus einrastet. Sofort bin ich an der Tür und versuche sie zu öffnen. Verschlossen, wie ich es befürchtet habe. Meine Instinkte beharren darauf, genau das vorhergesehen zu haben.

"He! Lassen Sie uns raus!", rufe ich und hämmere gegen die Tür. In mir schrillen nun alle Alarmglocken. Meine Versuche bleiben ohne Resonanz. Langsam wird mir klar, dass ich uns in eine Falle geführt habe. Es ist meine Schuld, dass wir hier drin sind. Ich hätte gar nicht erst die Wohnung betreten sollen. Aber hinter her ist man bekanntlich immer schlauer. Wobei ich mir nicht klar darüber bin, was ich sonst in dieser Situation hätte machen sollen. Ich bin ganz klar mit dieser Situation überfordert und würde nun am liebsten in Tränen ausbrechen. Aber wie ein Kleinkind herum zu heulen bringt uns hier nicht raus. Mama würde jetzt sagen: "Lyra, benutze deine stärkste Waffe, nämlich deinen Verstand!"

Also kämpfe ich meine Panik nieder und sehe ich mich um. Die Küche ist klein, vielleicht zwei auf zwei Männerschritte groß. Es gibt eine kleine Küchenzeile mit Schränken und Schubladen, ein Tischchen mit zwei Stühlen. Ich öffne mehrere Schubladen und finde ein paar Küchenmesser. Ich nehme das größte davon und versuche die Tür damit aufzuhebeln. Leider bricht die Klinge schon beim ersten Versuch ab.

"Fierfek!", fluche ich herzhaft.

"Ich will jetzt hier weg!", ruft Eli nun laut auf und tritt mit aller Kraft mit ihren Stiefelchen gegen die Tür. Leider will die nicht nachgeben. Ich kann hören, wie die Frau auf der anderen Seite sehr schnell auf Huttisch redet. Ich kann die Sprache nicht wirklich gut, da man mit Basic auch auf Nar Shaddaa ziemlich weit kommt. Aber ich verstehe genug um mir zusammen zu reimen, dass die Frau sagt, dass ihr zwei Rebellen ins Netz gegangen sind. Da sie Huttisch spricht, ruft sie wohl nicht die Zweigstelle des ISB auf Nar Shaddaa an. Der Huttenraum ist zwar auf dem Papier noch Autonom, aber das Imperium hat auch schon hier seine dreckigen Finger ausgestreckt. Ich komme zu dem Schluss, dass sie wahrscheinlich regionale Kopfgeldjäger holt, die uns einfangen sollen. Nun ja, in der Falle sind wir ja schon. Wer auch immer diese Frau sein mag, unser Kontaktmann ist sie definitiv nicht. Die Adresse stimmt und ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand aus der Corellianischen Befreiungsfront unserer Mutter eine Falle stellen würde. Ich weiß zwar nicht genau, was hier los ist, aber eines ist sicher, wir sind in großer Gefahr.

Der erste Versuch die Tür zu öffnen, ist gescheitert, aber vielleicht kann ich mit einem herzhaften Banthatritt die Tür zerschmettern. Die Tritte meiner Schwester blieben ohne sichtbare Wirkung. Aber ich bin älter, damit größer und stärker. Und im Gegensatz meiner kleinen Schwester kann ich wirklich etwas Teräs Käsi. Zwar nicht wirklich gut, aber doch ausreichend, um vielleicht diese Tür zu zertrümmern. Oder sie wenigstens mit Gewalt zu öffnen. Also stelle ich mich in Position, überprüfe den Abstand und versuche mich zu fokussieren. Ich sammle meine Kraft, versenke mich in mein innerstes selbst. Schließlich gibt es nur noch mich und mein Ziel.

"Möge die Macht mit mir sein!", bete ich inständig und mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft trete ich zu. Im perfekten Winkel treffe ich. Ich spüre den Aufschlag meines Fußes bis ins Mark. Das Resultat meiner Bemühungen ist eine Tür, die mich höhnisch anzugrinsen scheint, denn meine Bemühungen haben kein sichtbares Resultat zur Folge. Auf alle Fälle tut mein Fuß jetzt weh.

"Das war wohl nix!", kommentiert Eli mit einem großen Seufzer und ich muss ihr leider vollkommen recht geben.

Die Tür ist definitiv zu stabil, als das wir sie mit unseren Mitteln aufbekommen könnten. Ich blicke mich nun etwas genauer um und sehe ein Lüftungsgitter an der Decke. Für mich ist es zu schmal, aber Eli könnte eventuell durchpassen. Ein Versuch ist es wert. Ich wuchte einen Stuhl auf den Tisch und klettere dann darauf hoch. Mit Hilfe eines weiteren Messers heble ich problemlos das Gitter aus seiner Fassung, da es nicht besonders stabil ist.

"Komm Eli, ich hebe dich hoch und du kletterst da rein", schlage ich meiner kleinen Schwester vor, die mich zweifelnd anschaut. Ich helfe ihr hoch auf den Stuhl zu kommen und hebe sie dann hoch.

"Ist Dunkel da drin", meint sie mit wenig Begeisterung, als sie rein schaut. "Und dreckig und es stinkt! Will da nicht rein! Nein! Nein! Nein!"

"Hör zu, Eli. Ich würde das von dir nicht verlangen, aber die Frau ist böse und ruft gerade andere böse Männer, die ganz schlimme Dinge mit uns tun werden."

"Schlimmer als in ein dreckiges und stinkendes Loch zu kriechen?", fragt Eli zweifelnd.

"Ich denk schon...", deute ich an. Ich schätze mal, tot zu sein ist schlimmer als dreckig zu werden.

"Nein! Will da nicht rein!", meint sie immer noch unkooperativ und ich kann sie nicht länger hoch halten, da meine kleine Schwester mir mit der Zeit doch zu schwer wird.

"Ach Eli!", meine ich unsicher und weiß nicht, was ich tun soll. Ich will meine kleine Schwester nicht mit Gewalt gegen ihren Willen in einen engen dunklen Schacht stopfen. Ganz abgesehen davon, dass ich auch keine praktikable Idee habe, wie sie da so ganz alleine wieder raus kommen soll. Genau genommen habe ich gerade überhaupt keine Idee, was ich tun kann, um diese Situation abzuwenden. Ich blicke mich nach einer besseren Waffe als ein Küchenmesser um, kann aber nichts finden. In Ermangelung eines Besseren wähle ein Messer mit einer langen dünnen Klinge, die spitz ausläuft. Aber vielleicht gibt es ja eine Alternative zum kämpfen und fliehen. Momentan sieht es so aus, als wären wir durch das Lüftungsgitter geflohen, jetzt müssen wir nur noch unsichtbar werden. Ich schaue in den großen Küchenschrank und stelle fest, dass der Innenraum nur spärlich bestückt ist. Wahrscheinlich stapelt sich sein normaler Inhalt gerade in der Spüle. Leise und schnell räume ich die verbliebenen Gegenstände nach oben und schaffe so gerade genug Platz für uns zwei ganz unten, um uns darin zu verstecken.

"Wir müssen jetzt ganz still sein! Wenn sie uns hören, ist es aus, hast du das verstanden, Eli?" Es scheint ihr lieber zu sein, mit mir gemeinsam in einem Schrank zu stecken als alleine in einem Lüftungsschacht.

"Ich werde keinen Mucks machen, versprochen!", flüstert meine kleine Schwester ganz leise und ich habe den Eindruck, dass sie den ernst der Lage versteht. Es ist Mühsam, im Versteck Platz zu finden, aber es gelingt uns, die Tür komplett zu verschließen. Jetzt heißt es warten und hoffen, dass mein Plan aufgeht. Falls nicht, habe ich noch ein scharfes schmales Messer mitgenommen, das ich in der rechten Hand halte. Ich hoffe, es nie brauchen zu müssen.

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Nur noch ein Kapitel, dann ist der Prolog zu Ende

Nakago

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« Antwort #7 am: 19. Juli 2018, 12:33:03 »
Episode VIII

Durch eine Spalte sickert etwas Licht in unser Versteck. Je länger wir warten, desto unbequemer, heißer und stickiger wird es. Ich wünschte, mein Vater wäre hier und würde uns aus diesem Schlamassel herausholen. Die Kopfgeldjäger lassen sich auf alle Fälle viel Zeit. Auf einmal öffnet sich die Küchentür und ich höre schwere Schritte. Vor Schreck zucke ich zusammen und ich bin stolz auf meine Schwester, dass sie wie versprochen keinen Laut von sich gibt. Ich kann zwei Männerstimmen unterscheiden und die der Frau.

"Fierfek! Die Gören sind weg!", höre ich jemanden aufgebracht auf huttisch fluchend. Diese einfachen Wörter kann ich mir gut zusammenreimen.

"Das ist nicht meine Schuld Leute, wenn ihr euch so viel Zeit last!", verteidigt sich die Frau.

"Du hast einen verdammten Blaster, warum hast du sie nicht einfach betäubt?", fragt eine andere Stimme ungehalten.

"Weil ich sie in die Küche eingesperrt habe. Woher sollte ich den wissen, dass die kleinen Nunas über die Belüftungsschächte stiften gehen?", rechtfertigte sich die Frau. Darauf höre ich ein klatschendes Geräusch und die Frau schreit auf.

"Wie weit können sie schon sein?", fragt die zweite männliche Stimme.

"Die werden zum nächsten Gitter gerobbt und dort ausgestiegen sein. Haben dann das Apartment ganz einfach durch die Tür verlassen. Wahrscheinlich haben sie schon eine halbe Stunde Vorsprung."

"Außer Spesen nichts gewesen. Gut gemacht, Schlampe!" Wieder ein klatschendes Geräusch. Ich höre die Frau schluchzen. Ich denke, der eine böse Mann schlägt sie gerade.

"So was passiert, wenn man einer Gewürznutte den Job von einem Mann gibt. Aber was will man machen? Der verdammte Kontaktmann von diesen corellianischen Terroristen hat uns zwei gute Männer gekostet. Komm, lass uns verschwinden. Das waren nur Kinder, für die gibt es eh kaum was. Lohnt den Aufwand nicht."

"Fierfek! Bin gerade knapp bei Kasse, wäre ein netter Bonus gewesen. Meine Braut will jetzt keine gelben Servietten mehr auf der Hochzeit haben, sondern hellgelbe. Die passen aus irgend einem Grund besser zu den Tischdecken. Versteh einer mal die Weiber!" Die Stimmen werden leiser und ich kann sich entfernende Schritte hören. Aus dem gehörten kann ich mir zusammenreimen, dass unser Kontaktmann wohl vor einiger Zeit aufgeflogen ist und von diesen Kopfgeldjägern zur Strecke gebracht wurde. Dabei hat er sich wohl teuer verkauft. Vielleicht stammen die Kampfspuren und das Blut im Treppenhaus von diesem Kampf. Wohl in der Hoffnung, dass sich sein Tod nicht schnell herumspricht, haben die Kopfgeldjäger eine Gewürzsüchtige hier einquartiert, um so weitere Mitglieder der CBF gefangen nehmen zu können.

"Iiiih!", ruft Eloy auf einmal erschrocken aus und ich kann im diffusen Licht sehen, wie sie erschrocken auf ein ekliges Ding mit viel zu vielen Beinen von ihrem Ärmel einschlägt. In dem Moment wird ihr klar, dass sie ganz leise hätte sein sollen und schlägt schuldbewusst die Hände vor dem Mund. Aber es ist zu spät. Die Männer sind schon zu weit weg, um den Aufschrei meiner kleinen Schwester zu hören. Aber die Frau steht immer noch in der Küche und im nächsten Moment wird die Schranktür aufgerissen. Ich muss blinzeln, weil ich einen Augenblick brauche, um mich an das viel hellere Licht zu gewöhnen. Erschrocken nach oben blickend kann ich die Frau sehen. Ihre Lippe ist aufgeplatzt und Blut sickert heraus. Aber was wirklich meinen Blick fängt, ist die Mündung der Blasterpistole, der ungefähr in meine Richtung zeigt. Das macht mir durchaus Angst und mir ist klar, dass wir in Todesgefahr schweben.

"Du verdammtes Balg!", ruft sie aus und ich warte nicht darauf, dass sie abdrückt. Ich rolle mich aus meinem Versteck bis ich auf dem Rücken liegen bleibe und trete aus dieser Position mit aller Kraft gegen ihr Schienbein. Der Blaster geht los und ich spüre eine unglaubliche Hitze neben mir in den Boden einschlagen. Die Pistole ist definitiv nicht auf Betäubung gestellt. Die Gewürzsüchtige taumelt zurück und ich springe auf meine Beine. Die Mündung des Blasters wandert wieder in meine Richtung und bevor ich überhaupt bewusst denken kann, bin ich an der Frau dran und ramme mit voller Wucht ihr das scharfe Messer in den Unterleib. Ein weiterer Schuss löst sich und sonnenheißes Plasma schlägt in die gegenüberliegende Wand ein. Mit ihrer freien Hand packt die Frau mich an meinen Zöpfen und zerrt daran, während ich ein weiteres Mal zusteche, dieses Mal höher, da wo ihr Herz liegen muss. Das scharfe Messer findet eher zufällig seinen Weg zwischen zwei Rippen. Blut spritzt aus dieser Wunde heraus und besudelt mich. Die Frau taumelt einen halben Schritt zurück, stößt an die Wand und sackt zusammen. Irgendwas sagt sie, aber ich kann es nicht verstehen. Die Welt um mich herum verliert wieder ihre Farbe und ich höre nur noch ein Rauschen.

"Lyla!", brüllt Eloy mich an und meine Welt hat wieder Farbe. Ich habe kurz das Gefühl zu fallen, taumle desorientiert und halte mich mit der freien Hand am Tisch fest. In der anderen habe ich noch immer das blutige Messer. Auch meine Hand ist blutig. Überall ist Blut. Ich stehe sogar darin. Mein Blick sucht die zusammengesackte Frau und ich schätze, dass sie tot ist. Gerade eben habe ich einen Menschen umgebracht. Sicherlich in Notwehr, trotzdem habe ich die Frau mit dem Messer getötet. Auf der einen Seite fühle ich abgrundtiefes Entsetzen über meine Tat, auf der anderen fühle ich durchaus eine gewisse Befriedigung darüber, noch am Leben zu sein.

"Fierfek!", flucht eine Stimme.

"Was für eine Sauerei!", meint die andere, viel tiefere.

Ich blicke in Richtung der Stimme, ein roter Nikto mit vielen kleinen Hörnchen in seinem Echsengesicht. Nikto sind im Huttenraum weit verbreitete Sklavenrasse eben jener Hutten. Bekannt dafür, dass sie ebenso humorlos und wie sie stark sind. Und Nikto gelten als sehr humorlos. Neben ihm steht ein grünhäutiger Sakiyan, der trotz seiner Größe wie ein Kind neben einem Erwachsenen wirkt. Beide tragen stark gepanzerte Kleidung, haben gehalfterte Blasterpistolen und tragen offen das Zeichen einer Kopfgeldjägergilde.

Eloy steht heulend neben mir und ich schiebe sie hinter mich. Meine Gefühlslage schwankt wild zwischen Entsetzen und Panik hin und her. Zwei Kopfgeldjäger stehen vor mir und ich versuche krampfhaft zu überlegen, wie ich da wieder heraus komme. Das eine feuerbereite Blasterpistole nicht mal einen halben Meter neben mir auf dem Boden liegt entgeht mir in diesem Moment vollkommen. Ganz abgesehen davon, dass ich damit eh nicht umgehen kann. Das einzige was ich weiß, ist, dass ich meine kleine Schwester um jeden Preis beschützen muss. Notfalls auf kosten meines eigenen Lebens. Und ich mache das, was Corellianer immer machen, wenn sie in die Enge getrieben sind und nicht weiter wissen. Sie greifen an. Also brülle ich: "Corellia! Freiheit oder Tod!" Und beginne eine heroischen, wie auch vollkommen sinnlosen Sturmangriff mit dem gezückten Messer.

Der vorne stehende Nikto verringert mit einem Schritt auf mich zu die Distanz, packt mich am rechten Handgelenk und verdreht es so, dass ich das Messer fallen lassen muss. Ich stehe in schlechter Position, trotzdem setze ich zu einem Kick in seine Schritt an und treffe zu meiner Überraschung sogar. Allerdings löst der mit aller Kraft geführte Treffer keinerlei Resonanz bei dem rothäutigen Echsenwesen aus. Später sollte ich erfahren, dass die Genitalien bei einem Nikto sich vollkommen im Ruhezustand in den Körper zurückziehen. So macht ihnen einen Tritt im Schritt nicht mehr oder weniger aus wie bei jeder anderen Stelle ihres Körpers. Dafür schmerzt jetzt mein Fuß, als hätte ich mit voller Wucht gegen eine Wand geschlagen.

"Niedlich!", meint der Nikto unbeeindruckt von meinen Bemühungen ihn zu töten und boxt mich mit einer äußerst lässig wirkenden Bewegung in den Magen. Sofort klappe ich zusammen, schnappe nach Luft und bin kampfunfähig. Jedenfalls für einige Augenblicke. Obwohl ich weiß, dass ich keine Chance habe und es unglaublich dumm ist, wieder aufzustehen, quäle ich mich keuchend auf die Beine zurück. Meine Augen sind so voller Tränen, dass ich nicht klar sehen kann. Aber wir Corellianer waren noch nie für unsere Einsicht berühmt, sondern eher für unsere Fähigkeit, nie aufzugeben. Ich setze zu einem hohen Tornadokick an, werde aber abgefangen und finde mich im nächsten Moment wieder auf dem Boden. Der Aufprall ist so stark, dass mir alle Luft aus den Lungen gepresst wird und ich höre was ungesund knacken. Ganz abgesehen davon, dass mein ganzer Oberkörper anfängt zu schmerzen.

"Lass es gut sein, Mädchen!", rät mir der Nikto und mir schwinden die Sinne. Als ich nach einigen Momenten erwache, baumelt mein Kopf falsch herum auf etwa anderthalb Meter Höhe.

"Lyla!", höre ich Eloy schreien und versuche mich nach dem Geräusch zu orientieren. Meine Schwester wurde von dem Sakiyan über die Schulter geworfen und zappelt wild herum. Sie blickt in meine Richtung und streckt ihre Hände nach mir aus. Über der anderen Schulter hängen unsere Rucksäcke.

"Eli!", flüstere ich kraftlos und stelle fest, dass meine Hände auf meinem Rücken gefesselt sind und der Nikto mich wie ein Sack über seine Schulter geworfen hat. Gerne würde ich mehr sagen, aber ich kann nicht wirklich reden. Meine Rippen und mein Oberkörper scheinen in Flammen zu stehen. Ich bin fertig, besiegt und am Ende. Nach einem kurzen, heroischen, aber sinnlosen Ankämpfen gegen die Bewusstlosigkeit schwinden meine Sinne und ich versinke in eine Schwärze, die finsterer nicht sein könnte. Mein letzter bewusster Gedanke vor meiner Ohnmacht ist: - Ich habe versagt! -

Ende des Prologs

Und damit endet der Prolog. Ein großes herzliches Dankeschön an meine Beta-Leserin Comet Cat, welche sich die Mühe gemacht hat, die immerhin 29 Seiten zu lektorieren. Ursprünglich sollte damit eigentlich die Hintergrundgeschichte von Lyra abgeschlossen sein, aber dann entschloss ich mich, in einem zweiten Band weitere prägende Ereignisse aufzuschreiben, der dann 15 Kapitel umfasst. Im dritten Band geht es dann mit den eigentlichen Abenteuern los.

Nakago

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« Antwort #8 am: 22. Juli 2018, 16:46:11 »
Star Wars
Die Geschichte zweier Schwestern
Die Rote Arena

Vorwort

So geht nun "Die Geschichte zweier Schwestern" in die zweite Runde. Auch das hier ist noch ein Teil der Vorgeschichte.
Episode I

Ich habe versagt! Mal wieder. Von den 83 Sklaven sind noch knapp ein Dutzend in der großen ovalen Trainingshalle, in der es nach Schweiß riecht. Einen Tag lang haben die Sponsoren Zeit gehabt, uns aus der verspiegelten Galerie zu beobachten und sich die Rechte an uns zu sichern. Nach und nach waren die Glücklichen nach dem Mittagessen in andere Bereiche, sprich zu ihren gesponserten Häuser, abgeführt worden. Was jetzt noch übrig ist, dass ist der Bodensatz unserer Klasse. Und darunter bin auch ich. Letztendlich ist es keine Überraschung, dass ich keinen Sponsor gefunden habe. Ich bin gerade mal zwölf Jahre alt, nicht gerade das beste Startalter für einen Gladiator. Nur noch wenige Minuten, dann ist die Auktion vorbei. Obwohl es eigentlich sinnlos ist, versuche ich im Kampf gegen einen Trainingsdroiden zu punkten. Nicht das ich nicht versucht hätte, in den letzten Stunden alles zu tun, um auf mich aufmerksam zu machen.

Seit einem Dreivierteljahr bin ich im Training. Tag ein, Tag aus, ohne Unterbrechung. In dieser Zeit bin ich zehn Zentimeter gewachsen und habe fünfzehn Kilo zugelegt. Laut meinen Werten fast ausschließlich Muskel und Knochenmasse. Eine spezielle, für meinem Organismus optimierte Diät macht das möglich. Schließlich wollen die Hutten an mir noch Geld verdienen, bevor ich in der Arena sterbe. Und um eine gute Show abliefern zu können, brauche ich den entsprechenden Körper und das notwendige Können. Die Zuschauer wollen nicht nur blutige Kämpfe sehen, sondern auch spannende. Und was am allerwichtigsten ist, darauf zu wetten, wer gewinnt, wie viele Treffer dafür notwendig sind und noch viele andere Dinge, die teilweise mehr als nur krank zu nennen sind. Aber hier sind wir auf Nar Shaddaa, wo ein Leben einen genauen Wert in Credits hat. Als kleines Kind auf Corellia habe ich meine Mutter mal gefragt, wie viel ich Wert bin. Sie hat wie jede Mutter geantwortet: Mehr als alle Credits der Galaxis zusammen und noch viel mehr. Hätte ich das hier auf Nar Shaddaa gefragt, hätte sie nur die entsprechende Tabelle nachschlagen müssen.

Der Droide greift an, ich weiche seinem Hieb aus, kontere und setze einen präzisen Wirkungstreffer mit meinem Kampfstab. Wieder ein Punkt für mich. Noch gibt es Hoffnung, jemand auf mich Aufmerksam zu machen. Einen Sponsor zu finden, der mein Überleben in der Arena ermöglichen wird. In drei Monaten wird mein erster Debütkampf stattfinden. Gegen irgend eine Kreatur, die ich rein physikalisch gerade noch besiegen kann. Wahrscheinlich ein Massiff, die sind für meine Größe und Gewichtsklasse sehr populär. Aber ohne persönlichen Trainer und guter Ausrüstung wird das ein recht einseitiger Kampf werden und mit fast hundert Prozentiger Sicherheit mit meinem Tod enden. Mit einem Sponsor, der mir das notwendige Know How vermittelt und auf mich abgestimmte Ausrüstung stellt, sieht das dann nicht mehr so einseitig tödlich für mich aus. Mit weiteren Hieben treibe ich den kleinen Droiden vor mich her, setze nach und schlag ihn schließlich um. Das war eine gute Leistung, aber wahrscheinlich schaut eh keiner mehr zu.

Die einzige andere Möglichkeit auf Rettung ist mein Vater, der mich sicher schon lange sucht. Ich hoffe, er weiß, wo ich bin und tüftelt mit seinen Kameraden schon an einen Plan, mich aus dieser Hölle zu befreien. Bis jetzt hat er sich ja ziemlich viel Zeit gelassen, aber in meinem innersten weiß ich, dass er mich retten wird. Immerhin ist er mein Papa und Väter gibt es, damit sie ihre Töchter aus einer gefährlichen Situation retten können. Schließlich handelt fast jeder zweiter Holoactionfilm davon. Aber manchmal, in der tiefe des Nachtzyklus, starre ich in die Dunkelheit und ein starker Zweifel bohrt sich in mir. Der Zweifel, dass mein Vater vielleicht schon längst aufgegeben hat. Aber das darf einfach nicht sein. Vielleicht ist auch schon lange mit der Rettung von Eloy beschäftigt, sie ist jünger und dadurch ungleich gefährdeter als ich. Ich hoffe jedenfalls, dass Eloy inzwischen von unserem Papa in Sicherheit gebracht wurde.

"Subjekt LA11-HC-M1, bitte folgen sie mir!", reißt mich eine künstliche Stimme aus meinem Selbstmitleid. Neben mir schwebt eine kleine Kugelförmige Droideneinheit. Wir Sklaven nennen sie Beobachter, weil sie im Zentrum ein großes Kameraauge haben, dass mich gerade surrend fixiert. Im ersten Moment kann ich es gar nicht glauben, dass mich wirklich noch jemand erwählt hat. Da ich wohl zu lange zögere, bekomme ich einen kleinen elektrischen Stromstoß von meinem Sklavenhalsband. Das erinnert mich daran, dass ich meinen zukünftigen Herren am besten nicht länger warten lasse. Angeblich können die Stromstöße dieser Halsbänder sogar tödlich für einen Menschen sein. Ich habe das zwar noch nie mit eigenen Augen gesehen, aber ich schätze, dieses Ding um meinen Hals kann mich töten, wenn ein Aufseher das so will.

Nun komme ich dir Aufforderung nach, steige aus dem Ring, stelle meinen Kampfstab in eine dafür vorgesehene Halterung zurück und folge dem Droiden in einer Mischung aus Bangen und Hoffen durch die fast menschenleere Halle. Ich spüre die Blicke der anderen übriggebliebenen neiderfüllt auf mir ruhen. Was jetzt noch übrig ist, dass sind die zu alten, die schwachen, die langsamen und zu jungen. Für sie wird es wohl keine Rettung mehr geben. Wobei ich mich frage, wer mich erworben hat. Und aus welchem Grund. Als Sklavin habe ich recht wenige Rechte. Und ich bin inzwischen alt genug um zu wissen, was gewissenlose Männer mit wehrlosen Frauen machen, wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Da mache ich mir keine Illusionen. Ich bin zwar noch nicht fraulich gerundet, aber manche sollen darauf nicht besonders viel Wert legen. Diese Gedanken machen mir durchaus Angst und versuche zur Seite zu schieben, was mir aber nicht wirklich zu gelingen vermag.

Ich fahre mir über die Haarstoppeln, da mir das Haar jede Woche geschoren wird. Was habe ich geweint, als mir ein Droide den Kopf zum ersten mal geschoren hat und meine Zöpfe von mir abfielen, auf die ich immer so stolz war. Der erste Tag in der Roten Arena kam mir vor wie ein einziger Alptraum. Da ich eine registrierte Einwohnerin von Nar Shaddaa getötet und obendrein noch illegal hier gelebt habe, gab es nur eine Strafe für mich: Tod in der Arena. Dem Richter hat es nicht interessiert, dass ich in Notwehr gehandelt habe. Wer tötet, wird getötet, außer er hat genug Geld, um eine horrende Geldstrafe zu bezahlen. Oder ist Hutte, für die gelten sowieso andere Gesetze. Und da die Hutten aus allem ein Geschäft machen, werden Mörder nicht einfach hingerichtet, sondern in Arenen verkauft, um dort Publikumswirksam zu sterben. Eine Grundausbildung ist Pflicht, schließlich soll dem Zuschauer auch etwas geboten werden. Dann kommt das Bieten, Sponsoren dürfen Anteile der Gladiatoren erwerben. Dabei bleibt ein Anteil immer bei der Arena, die anderen 99 Anteile können auf dem freien Markt erworben werden. Allerdings erwachsen daraus auch Verpflichtungen, wie den Gladiator zu trainieren, ihn zu ernähren, auszurüsten und zu kleiden.

Der Droide führt mich zu einem Turbolift und es geht nach oben. Der Lift hält, wir steigen aus in einen Gang. Hier oben war noch nie. Das Ambiente sieht nicht gerade Nobel aus. Da es hier nur Huttische Schriftzeichen gibt, kann ich nicht lesen, was hier steht. Aber ich denke, in diesem Level sind die kleinen Häuser untergebracht. Das war zu erwarten gewesen, da mich wahrscheinlich keine der großen Häuser nehmen würde. Zu jung, zu klein, zu schwach. Eigentlich spricht alles gegen mich. Schließlich öffnet sich eine Tür aus massivem Durastahl vor uns und wir betreten zuerst eine kleine Schleuse, bevor wir in die dahinter liegende Halle kommen. Es gibt verschiedene Trainingseinrichtungen und einen Kampfplatz. Alles wirkt neu und ich kann frische Farbe riechen.

Durch eine weitere Tür betreten wir einen Gang, von dem weitere Türen links und rechts abgehen. Auch hier wirkt alles unbenutzt und frisch renoviert. Gut möglich, dass dies ein ganz neues Haus ist, dass nun auf dem Markt drängt. Der Droide führt mich in eine weitere Sicherheitsschleuse, in der ein Sicherheitsdroide mit einem Blastergewehr mit aufgepflanzten Vibrobajonett in Vorhalte Wache hält. Nachdem sich die eine Tür geschlossen hat, öffnet sich erst die andere. Was wir nun betreten wirkt wie das Quartier des Besitzers. Die Wände sind weiß lackiert, weicher Teppich auf dem Boden und an den Wänden hängen hübsche Landschaftsbilder. Alles wirkt äußerst gediegen. Nobel, aber nicht protzig.

Schließlich werde ich in ein Büro geführt, dessen hintere Wand aus einer durchsichtigen Front aus Transpariglas besteht. Der Teppich ist noch flauschiger, die Einrichtung luxuriös und doch geschmackvoll. Mein Blick bleibt zuerst auf die Aussicht fokussiert, sehe ich doch seit einem dreiviertel Jahr zum ersten mal die Stadt mit ihren grellen Reklametafeln. Wenn man sich immer nur in geschlossenen Räumen aufhält, ist ein kurzer Moment einer freien Aussicht ein unschätzbarer Luxus. Ich stelle mich in der typischen Sklavenhaltung in die Mitte des Raumes. Beine leicht gespreizt, die Arme so auf dem Rücken verschränkt, dass ich jeweils mit der Hand den anderen Ellenbogen umgreifen kann. Mein Haupt wie auch Blick sind leicht gesenkt. Einen der fünf Peitschennarben verdanke ich den Umstand, dass ich mich Anfangs gegen diese Haltung gesträubt habe. Aber so ein Hieb mit einer Neuralpeitsche tut so unglaublich weh, dass es bei diesem einen Versuch geblieben ist.

Hinter dem Schreibtisch sitzt eine grünhäutige Frau. Im ersten Moment halte ich sich für eine Sakiyan, da diese die gleiche Hautfarbe und ihre dunkle Haarpracht in ähnlicher Art tragen. Aber die Beschaffenheit der Haut ist etwas anders, eher Schuppenartiger. Ich bin nicht sicher, aber ich denke, ich habe eine Falleen vor mir. Falleen ist eine Welt im Mittleren Rand an der Corellianischen Schnellstraße gelegen. Im Klonkrieg standen sie auf der Seite der KUS und sind seitdem unter Imperialer Besatzung. Mit Hilfe ihrer Pheromone können sie andere humanoide Lebewesen manipulieren. Die Welt ist in viele kleine Königreiche zerfallen, aus deren Reihe wiederum ein zentraler Rat gewählt wird, der überregionale Belange regelt und die Welt nach außen hin vertritt. Aber das war der Stand vor den Klonkriegen und ich weiß nicht, ob das im heutigen Imperium auch noch so ist. Das ist alles, an was ich mich diesbezüglich über Falleen erinnern kann. Es war eine meiner Aufgaben, jeden Tag etwas über eine fremde Welt zu lernen und es gibt da von ja schier unzählige. Mama hat mich dann jeden Abend über meine Lektionen des Tages abgefragt und was davon hängen geblieben ist. Falleen war eine vergleichsweise interessante Welt, deswegen konnte ich mir einige Details merken.

Die Frau trägt ein weißes, prächtig mit Goldfäden besticktes Kleid, dass sehr teuer aussieht. An ihrem Gürtel kann ich zwei Blasterpistolen hängen sehen. An den Fingern hat sie mehrere Ringe, von denen einer ein Siegelstein trägt. Um den Hals hat sie ein glitzerndes Halsband und ihre Ohringe sind ziemlich groß aus einem silbernen Metall. Die Falleen macht einen beschäftigten Eindruck, da sie emsig auf einem Datapad herumtippt. Neben ihr steht ein glänzender Protokolldroide in Jadegrün der 3PO Baureihe von Cybot Galactica.

"Subjekt  LA11-HC-M1 ist abgeliefert. Bitte Empfang bestätigen und letzte Zahlungsrate überweisen!", verlangt der "Beobachter".

"Bestätige Empfang von Subjekt  LA11-HC-M1. Zahlungsrate wird überwiesen", erwidert die 3PO Einheit. Optisch sichtbar passiert nichts.

"Komplette Bezahlung von  LA11-HC-M1 ist bestätigt. Vorgang ist abgeschlossen."

"Vorgang ist abgeschlossen", bestätigt die 3PO Einheit und der kugelförmige Droide verlässt daraufhin surrend den Raum. Damit habe ich wohl einen Hauptsponsor, der immer noch damit beschäftigt ist, auf seinem Datapad herum zu tippen. Meine Mutter hat mich immer ermahnt, doch wenigstens beim essen mal das verdammte Datapad in Ruhe zu lassen. Offenbar ist diese Frau nicht so erzogen worden wie ich. Aber ich bin ja auch nur eine Sklavin, nicht mehr als ein lebender Einrichtungsgegenstand. In meinem Falle, sogar einer, mit einer sehr begrenzten Haltbarkeit. Schließlich legt die Falleen ihr Datapad zur Seite und fixiert mich mit ihren gelben Augen, die geschlitzte Pupillen haben.

Nakagos wirre Gedanken

Über das huttische Rechtssystem habe ich recht wenig gefunden. Alles was Lyra hier erzählt ist mehr oder weniger auf meinem Mist gewachsen. Aber ich fand es schlüssig, dass die Hutten ihre Justiz auch gewinnorientiert aufbauen. So was wie Gefängnisse oder Resozialisierung bringe ich für mich selbst nicht mit den mir bekannten Fakten über die Hutten in Einklang. Ich denke, alles ist nur eine Frage des Geldes und wer keines hat, der wird in die Sklaverei verkauft. Da Sklavenaufstände immer ein Thema sind und Mörder nicht unbedingt die Art von Wesen sind, die sich kampflos unterordnen, kam es mir schlüssig vor, dass die Hutten diese dann öffentlich in der Arena bei kämpfen mit hohem Unterhaltungswert hinrichten. Und um den Unterhaltungswert zu steigern und dabei durch Wetten noch mehr zu verdienen, erschien es mir nachvollziehbar, dass die Gladiatoren zuerst auf ein gewisses Level gebracht werden, damit den zahlenden Zuschauern auch was geboten wird.

Wie immer freue ich mich über Kommentare, Lob, Kritik, Anmerkungen und Empfehlungen. Vielen Dank fürs lesen.

Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #9 am: 24. Juli 2018, 16:05:13 »
Episode II

"Dein richtiger Name ist Lyra Akasa, nicht wahr?", fragt sie mich als erstes mit einer sehr melodisch anmutenden Stimme.

"Das ist nicht korrekt, Herrin. Mein Nachname lautet Askana.", erwidere ich weiterhin in devoter Haltung verharrend.

"Oh, da hat wohl jemand bei Gericht deinen Namen falsch notiert", meint meine Herrin in einem neutralen Tonfall.

"Dem ist wohl so, Herrin", schließe ich mich ihren Verdacht an.

"Du darfst bequem stehen, Lyra!", befiehlt sie mir und ich lasse meine Arme frei zur Seite baumeln und wage es, sie direkt anzusehen. Mir ist bewusst, dass ich nicht gerade fotogen aussehen dürfte in meinem verschwitzten Tankshirt und der kurzen Sporthose. Beides ist mir inzwischen zu klein, aber die Arena gibt nur am Anfang Kleidung aus und die wird nicht mehr ausgetauscht bis zum Zeitpunkt des großen Bietens. Die wenigsten Mörder sind Kinder wie ich, deswegen falle ich durch das Raster. Ich bin durch das Training und dem Kampf gegen den Übungsdroiden vollkommen verschwitzt und mein kahlgeschorener Kopf sieht bestimmt sehr hässlich aus. Jedenfalls fühle ich mich hässlich ohne meine schönen Haare.

"Nicht schlecht für ein Mädchen", meint sie schließlich in einem eher bitteren Tonfall, nachdem sie mich eine recht unangenehme Zeitspanne schweigend gemustert hat. Da sie mir nicht gestattet hat zu reden oder dies eine Frage war, schweige ich zu der Feststellung. Wobei ich den eher negativen Tonfall in dem Zusammenhang nicht nachvollziehen kann. "Mein Vater hat das immer zu mir gesagt, wenn ich Aufgabe erfüllt, in einem Test sehr gut abgeschnitten oder einen Preis gewonnen habe. Bei meinen drei größeren Brüder hieß das dann immer: Gut gemacht, Junge. Aber bei mir was es halt nur: Nicht schlecht für ein Mädchen. Auch wenn ich bessere Platzierungen in Wettbewerben und bessere Noten wie meine Brüder bekommen habe." Mir ist nicht klar, was sie mit dieser Rede bezwecken will. Nach ihren Worten scheinen die Falleen ein eher rückständiges Rollenverhältnis zu haben, was unterschiedliche Geschlechter anbelangt. Nicht viele Welten haben eine so fast vollkommene Gleichberechtigung in allen Bereichen wie Corellia. Ich schweige weiter, da sie mir keine Frage gestellt hat. Auch eine Lektion, die ich nach einem Peitschenhieb mit der Neuralpeitsche verinnerlicht habe.

"Du fragst dich sicher, warum ich in aller Welt dich ausgewählt habe, nicht wahr?", fragt sie schließlich.

"In der Tat, Meisterin", erwidere ich sofort wahrheitsgemäß, da ich mich das wirklich frage. Noch weiß ich nicht, was ich von der Frau halten soll. Aber da sie mich noch nicht angeschrien oder mir irgendwelche Drohungen an den Kopf geworfen hat, werte ich das mal als gutes Zeichen. Bis jetzt haben mich alle Aufseher immer angeschrien, bedroht oder auch beim kleinsten Anlass geschlagen. Normalerweise mit einem massiven dicken Stock und insgesamt fünf mal mit der Neuralpeitsche.

"Du bist zu jung, zu klein und zu schwach. Das ist der allgemeine Tenor, den ich von allen zu hören bekommen habe, die dich begutachteten. Ich habe 99 von 100 Anteilen für nicht mal 2000 Credits erworben. Die Hutten der Roten Arena waren froh, dich noch irgendwie los zu bekommen und dich nicht als vollkommenen Totalverlust abzuschreiben. Toter Ballast nennt man solche wie dich hier, wenn eine Arena ein komplettes Kontingent übernehmen muss. Ich bin sicher, die Hutten sind sauer, dass du so lange überlebt hast."

"Das dürfte im Bereich des möglichen liegen, Herrin!", erwidere ich. Am Anfang gab einige recht heikle Trainingseinheiten, welche die schwachen, langsamen und viel zu alten Delinquenten aussortiert haben. Der Begriff Toter Ballast trifft es ziemlich gut. Einige der Übungen habe ich nur durch Glück überlebt. Und vielleicht, weil es der Wille der Macht war. Aber momentan bin ich etwas sauer auf die Macht, da ihr Plan äußerst schmerzhaft ist und ich mir wirklich verdammt große Sorgen um meine kleine Schwester Eloy mache. Aber meine eigentliche Frage hat sie nicht wirklich beantwortet, sondern nur bewiesen, dass sie sich dessen bewusst ist, was sie da eingekauft hat.

"Die Hutten sehen in dir nur Toten Ballast, aber ich sehe ein gewaltiges Potential eines Mädchens, dass bald zur Frau wird. Du hast neun Monate Grundausbildung überlebt. Siebenunddreißig andere sind gestorben, du nicht. Ich habe dich kämpfen sehen, du kämpfst für mehr, als nur zu überleben. Ich sehe in dir eine wahre Kriegerin, die noch im Körper eines Kindes gefangen ist. Aber die Zeit wird das ändern. Was treibt dich genau an?" Die Falleen sieht mich intensiv an. Versucht sie schon mich zu manipulieren? Soll ich die Wahrheit sagen? Habe ich etwas davon, wenn ich lüge?

"Ich kämpfe, um zu überleben, um eines Tages meine Schwester Eloy zu retten, Herrin", rutscht es mir mehr oder weniger freiwillig heraus. Das ich auch darauf hoffe, dass mein Vater mich irgend wann retten wird, verschweige ich lieber.

"Du hast also eine Schwester. Ich nehme an, du bist die Ältere?"

"Das ist korrekt, Herrin", erwidere ich und merke, wie sehr ich Eloy vermisse. In der kleinen Wohnung habe ich sie innerlich oft verflucht, weil sie eben so klein, so nervig und so anhänglich war. Aber erst wenn einem etwas genommen wird, kommt die Erkenntnis, wie sehr ich Eli eigentlich geliebt habe.

"Und du weißt, dass die Wahrscheinlichkeit in die Freiheit entlassen zu werden, sehr gering ist?" Die Fallen sieht mich fragend an, während ihr Tonfall neutral bleibt.

"Das ist mir durchaus bewusst, Herrin. Aber wir Corellianer sind für unseren grenzenlosen Optimums bekannt, Herrin", bestätige ich ihre Worte. Die einzige Möglichkeit für einen zum Tod in der Arena verurteilen Gladiator legal in die Freiheit zu kommen, in einem Battle Royal zu triumphieren. Der Finale Endkampf, wenn man zwölf Standardjahre in der Arena überlebt hatte. Die Anzahl der Teilnehmer war immer unterschiedlich, aber unter einem Dutzend waren es normalerweise nie. Und nur der Sieger kommt frei, der Rest stirbt. Und manchmal vereendet auch der Sieger, wenn er zu schwere Blessuren im Kampf davon getragen hat. Wenn man es überlebt, wird man begnadigt und in die Freiheit entlassen. Ein kleines Fünkchen Hoffnung, um die Illusion eines Auswegs aufrecht zu erhalten.

"Wie ich sehe, ist die sprichwörtliche corellianische Arroganz kein Klischee", erwidert sie lachend. Ich erwidere nichts darauf, da dies nur eine Feststellung gewesen ist.

"Du bist eine Mörderin, wie ist es dazu gekommen?", wechselt die Falleen das Thema.

"Nach dem Tod meiner Mutter versuchte ich unseren Vater zu kontaktieren. Ich hatte die Adresse eines Kontaktmannes, aber der ist ein paar Tage vorher aufgeflogen und die Kopfgeldjäger setzten einen Gewürzsüchtige ein, um eventuell weitere Dissidenten von Corellia dingfest zu machen. Sie sperrte uns in eine kleine Küche, aber wir versteckten uns und täuschten eine Flucht durch den Lüftungsschacht vor. Leider wurden wir trotzdem entdeckt und in Notwehr tötete ich die Frau mit einem Küchenmesser, weil sie mit einem Blaster auf mich schoss. Die zwei Kopfgeldjäger waren mir leider über, so dass wir gefangen genommen wurden", erzähle ich wahrheitsgemäß meine Geschichte. Wahrscheinlich steht das eine oder andere sogar so in meiner Akte und ich sehe keinen Vorteil darin, darüber zu lügen.

"Das deckt sich mit den mir bekannten Fakten. Dein Vater lebt demnach noch und ist im Untergrund?" Damit bestätigt meine neue Herrin, dass dies wohl gerade ein Test meiner Aufrichtigkeit war.

"Ich denke, dass mein Vater noch lebt, Herrin", hoffe ich, da ich ja schon länger keinen Kontakt mehr mit ihm habe und ich nicht weiß, ob er überhaupt noch lebt. Wenn ja, scheint er nicht besonders Erfolgreich nach mir gesucht zu haben.

"Xesh, hole uns doch bitte eine Karaffe Wasser und zwei Gläser aus der Küche", befiehlt meine Herrin wohl dem Protokolldroiden.

"Wie ihr wünscht, Prinzessin Xira", bestätigt der Protokolldroide mit einer angedeuteten Verbeugung und watschelt davon. Meine Herrin wartet, bis die Tür sich hinter ihm geschlossen hat, dann stellt sie ein Gerät auf den Schreibtisch, dass ich nicht kenne und aktiviert es. Außer das eine Leuchte anfangt zu blinken passiert nichts erkennbares. Die Adlige, nach ihrem Titel wohl die Tochter eines der vielen Herrscherhäuser von Falleen, winkt mich zu sich her und beugt sich vor.

"Diene mir vier Jahre nach bestem Kräften und ich verspreche dir, dass ich eine Möglichkeit finde, dich ich die Freiheit zu entlassen und wenn dein Vater noch lebt, dich ihn zu übergeben. Was hältst du davon, Lyra?", fragt sie mich. Ich bin irritiert und überrascht zugleich über ihren Vorschlag, der in meinen Augen nicht wirklich Sinn ergibt. Zu neunundneunzig Prozent gehöre ich ihr ja schon und ich bin ihre Sklavin, mit der sie fast alles tun und lassen kann, was ihr in den Sinn kommt. Warum dieses Angebot, dass sie so nicht nötig hat?

"Das wäre Toll, Herrin. Aber ich verstehe nicht, warum ihr mir dieses Angebot unterbreitet", erkläre ich ehrlich meine Verwunderung über diesen unerwarteten Vorschlag.

"Damit du mit all deiner Kraft für mich kämpfst. Ich brauche dich als Partnerin, die mit jeder Faser ihres Seins mit mir am gleichen Strang zieht. Kämpfe für mich vier Jahre in der Arena mit all deiner Kraft und ich schenke dir die Freiheit, mein Wort darauf, kleine Kriegerin. Kann ich mich auf dich verlassen, Lyra?" Mit diesen Worten reicht sie mir ihre gepflegte Hand mit kunstvoll bemalten Fingernägeln, die eher schon Krallen sind. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich komme mir vor wie ein Rancor, auf dem Zeichentrickfigur Tricky Trixi sitzt und mir ein Nuna an einer Angelleine vor die Nase hält. So das ich für eine gewisse Zeit dazu gezwungen bin, dem Köder vor meiner Nase zu jagen. Puschel hatte alle Staffeln der Serie in seinem Speicher und ich habe alle Episoden mehrmals angesehen, weil die kleine trickreiche Corellianerin die meisten Probleme mit ihrem scharfen Verstand gelöst hat, was mir sehr imponiert hat.

Nakagos wirre Gedanken

Ich finde die Falleen als Rasse recht faszinierend. Leider haben sie es nicht in den jetzigen Kanon geschafft.

Nakago

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« Antwort #10 am: 26. Juli 2018, 15:01:09 »
Episode III

"Du fragst dich sicher, ob ich nicht nur mit dir spiele und ob du mir vertrauen kannst. Dessen kannst du dir nicht sicher sein und egal was ich sage, es wird daran nichts ändern. Du kannst es nur darauf ankommen lassen und darauf hoffen, dass ich dich nicht hintergehe, Lyra", versucht meine Herrin Xira mich zu überzeugen. Mit ihren Worten hat sie durchaus recht, ich werde nie sicher sein können, ob sie Wort hält oder nicht. So was nennt man wohl Vertrauen.

"Na gut, Prinzessin Xira!" Mit einem Handschlag bekräftigen wir unser Abkommen. Ist ja nicht so, dass ich groß eine Wahl habe. Sie setzt sich wieder bequem hin und der Droide kommt mit einem Tablett durch die sich öffnende Tür gewankt. Protokolldroiden sind keine Butlerdroiden, dass merkt man gleich. Da nehme ich dem Droiden lieber das Tablett ab, bevor noch was zu Bruch geht. Unaufgefordert schenke ich uns beiden ein Glas Wasser ein.

"Das wäre ja dann geklärt. Nun bist du mein Besitz und wir haben noch drei arbeitsreiche Monate vor uns. Morgen früh beginnt dein Training. Trink aus und begebe dich in deine Zelle!", befiehlt meine Herrin. Ich befolge dem Befehl und folge schließlich einem schwebenden Droiden in den Zellenblock, der sich im oberen Geschoss befindet.

Meine Einzelzelle ist winzig und in einem sanften Grün gehalten. Die eine Hälfte wird von einer Schlafnische und die dazu gehörenden Einbaufächer eingenommen. Der Rest wird noch einmal durch eine Hygienezelle geteilt. Aber dafür ist alles sauber und wirkt neuwertig. Ich schaue mich nach Überwachungsgeräten um, kann aber keine entdecken. An der Decke gibt es zwei Öffnungen für die Lüftung und einen Lichtgloben, den ich sogar an und aus machen kann. Ich blicke in die Verschläge und Schubladen. Zu meiner Überraschung finde ich darin saubere Trainingskleidung. Überall steht mein Kennung, aber auch mein realer Name darauf, auch wenn der Nachname falsch geschrieben ist. Auf der Brust findet sich ein Wappen in Form eines schwarzen Kreises mit einem roten, auf der Spitze stehenden Dreieck darin. Wahrscheinlich ist dies das Wappen dieses Gladiatorenstalls.

Ich zieh mich aus und probiere die Hygienezelle aus. Auch im großen Gemeinschaftsraum hatte es Hygienezellen gegeben, aber die hatten muffig gerochen und wirklich richtig funktioniert haben sie nie. Die hier ist neu und hat viele Funktionen, von denen ich einige gleich ausprobiere. Eine Seite dient als Spiegel und ich kann mich seit langer Zeit wieder selbst betrachten. Mein Gesicht wirkt hager, ausgezehrt und man sieht mir die Strapazen und den Stress der letzten Monate an. Ich erschrecke etwas über meinen Anblick, der mehr einem Totenschädel als einem lebendigen Mädchen gleicht. Ich hasse meinen Anblick ohne Haare. Mein Körper ist so durchtrainiert, dass sich auf meinem Bauch sogar die Muskulatur deutlich abbildet. Überall habe ich blaue Flecken in den verschiedensten Farben und viele Schrammen. Dann drehe ich mich um und schaue über meine Schulter blickend meinen Rücken an. Fünf hässliche Narben sind dort zu sehen, jeder kündet von dem Hieb mit einer Neuralpeitsche. Die stammten vom ersten Monat meiner "Ausbildung", als ich noch versuchte, ein Rest Würde und Stolz zu bewahren. Aber dieser Anfall von corellianischen Trotz ging schnell vorbei.

So sauber wie seit über neun Monaten nicht mehr ziehe ich einen richtigen Schlafanzug an. Meine alte Kleidung werfe ich in einen Müllbehälter, der sich in einer der Ausziehbaren Fächer befindet. Etwas befremdet lege ich mich in die Schlafnische und entdecke mehrere Regler, wo ich Temperatur der Zelle steuern kann. Mein Herrin verwöhnt mich. Ich denke über meine jetzige Situation nach. Für eine Sklavenhalterin scheint Herrin Xira ja recht umgänglich zu sein. So ziemlich jeder hat mich in den letzten Monaten eigentlich nur angeschrien und meist dann seine Worte mit dem einen oder anderen Stockhieb Nachdruck verliehen. Das sollte uns für den Kampf abhärten. Da ist Xira eine wohltuende Abwechslung. Ich scheine ihr am Herzen zu liegen, jedenfalls hat sie das recht gut vermittelt. Ob sie mir nur was vorgespielt hat, als sie mich quasi zur "Partnerin" gemacht hat, kann ich nicht sagen. Will sie so meine Loyalität erringen? Braucht sie die überhaupt? Ich gehöre ihr ja schon zu neunundneunzig Prozent. Dieses ganze Gerede hätte sie so gar nicht gebraucht. Ob sie mir wirklich eine Möglichkeit verschaffen wird, nach vier Jahren hier aus der roten Arena irgendwie zu entkommen? Ich habe keine Ahnung. Warum ausgerechnet vier Jahre?

Ich habe viele Fragen und so gut wie keine Antworten. Diffus kann ich mich an die Geographie Lektion über die Kultur der Falleen erinnern, dass es unter gut begüterten Falleen üblich ist, dass sie in ihrer ersten Erwachsenenjahren eine Reise antreten, um die Galaxis kennen zu lernen. So eine Art Pilgerreise um sich letztendlich selbst finden und Lebenserfahrung zu gewinnen. Ich schätze meine Herrin als vergleichsweise jung ein. Und offensichtlich ist sie sehr vermögend. Ihre Manieren, ihre Sprache, diese Einrichtung, alles deutet darauf hin, dass sie zur herrschenden Oberschicht gehört. Ist das ihre Pilgerreise? Warum dabei aber einen eigenen Gladiatorenstall zu errichten? Ich finde darauf keine Antwort.

Irgendwann übermannt mich der Schlaf. Als ich aufwache, weiß ich einen Moment nicht, wo ich überhaupt bin. Dann fällt mir alles wieder ein. Die Beleuchtung brennt und ein durchdringendes Gepiepse ertönt. Offensichtlich habe ich die letzten elf Stunden durchgeschlafen. Ich stelle den Alarm ab und eine automatische Stimme erklärt mir, dass ich eine Viertelstunde habe, mich zu richten und hier alles ordentlich zu hinterlassen. Da ich gelernt habe, die Anweisungen meiner Herren geflissentlich umzusetzen, mache ich das auch und nach genau fünfzehn Minuten öffnet sich zischend die Zellentür und ich warte in devoter Haltung auf weitere Befehle.

Ich werde von einem kleinen schwebenden Droiden hinunter geleitet in einen kleinen Konferenzraum. Nun sehe ich zum ersten mal meine neuen Kameraden, die ich alle schon kenne, da wir aus der gleichen Klasse stammen. Offensichtlich ist dieser Stall entweder ganz Neu oder alle anderen Gladiatoren sind auf dem roten Sand gefallen. Wir sind gerade mal drei Stück. Die anderen beiden sind eine Rodianerin und eine sehr stark vernarbte Sakiyan aus der Unterwelt von Nar Shaddaa. Arlak heißt die Sakiyan der Haut aussieht, als hätte ein Kind versucht, aus verschiedenen Stoffresten künstliche Haut für eine Puppe herzustellen und ist kläglich dabei gescheitert. Die Frau stammt aus den Düsterlanden, wie Teile der Unterwelt von Nar Shaddaa passend genannt werden. Deswegen ist ihre grüne Haut fast ausgebleicht und ihre Augen sind sehr lichtempfindlich. Nur die härtesten und gemeinsten Kreaturen überleben in den Düsterlanden, die für ihre psychotischen Banden aus Kannibalen und Menschenfresser berüchtigt sind. Viele ihrer Narben und Verbrennungen sind ritueller Natur. Mit der ist nicht gut Bolbifrüchte essen, dass habe ich schon früh gelernt, da sie in einem Übungskampf einen Gegner so verstümmelt hat, dass dieser "entsorgt" werden musste. Die erwachsene Rodianerin ist mir vorher nie wirklich aufgefallen und hört auf den Namen Kobia.

Unsere Trainerin entpuppt sich ebenfalls eine Sakiyan mit sehr vielen Narben. Aber die sind von unzähligen Kämpfen. Ihre Augen sind künstlich, ebenfalls ihr Arme. Die Cyberware sieht optisch sehr hochwertig aus und vielleicht ist das sogar freiwilliger Ersatz, da künstliche Gliedmaßen durchaus mehr Kraft übertragen können  als ein natürliches Gliedmaß.

"Willkommen im Haus Triangulum! Mein Name ist Meisterin Tokora. Ich bin nun eure Trainerin. Wenn ihr überleben wollt, tut das, was ich sage. Und nur das!"

Nakagos wirre Gedanken

Keine Angst, jetzt kommt keine Kapitel über Training oder ähnliches. Im nächsten Kapitel geht es dann direkt vor Lyras Debütkampf.

Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #11 am: 29. Juli 2018, 17:31:56 »
Episode IV

"Das war wohl nix!", murmle ich, während der Holoprojektor des gänzlich in Rot gehaltenen Aufenthaltsraum mir äußerst detailreich zeigt, wie eine schwarze Stoßzahnkatze die bedauernswerte Arlak äußerst brutal in Stück zerreißt. Die Sakiyan hatte nie wirklich eine Chance gegen dieses vernarbte und kampferfahrene Kreatur mit dem bezeichnenden wie auch etwas irreführenden Namen "Reißwolf" gehabt, die inzwischen 37 Kämpfe in der Roten Arena überlebt hat. Stoßzahnkatzen sind als domestizierte Reittiere so weit in der Galaxis verbreitet, so das keiner mehr sagen kann, von welchem Planeten sie ursprünglich stammen. Auf vielen dünnbesiedelten Planeten lebt auch eine wilde Population dieser Wesen, Nachfahren von entlaufenen Reittieren, die als gefürchtete Raubtiere sich oft an die Spitze der Fresspyramide gekämpft haben.

Ich sitze mit Meister Tokara auf einer der im Raum verteilten Sitzgelegenheiten und starre entsetzt auf das live übertragene Bild aus dem Oval der Roten Arena. Die blassgrüne Arlak hatte immer so selbstsicher gewirkt, als gäbe es nichts in der Galaxis, was ihr irgend etwas anhaben könnte. Wirklich Nahe standen wir uns trotz der drei Monate gemeinsames Training nie, trotzdem tut es mir schon fast körperlich weh, die Sakiyan so sterben sehen zu müssen.

"Damit hat auch die zweite Gladiatorin aus dem neu aufgestellten Haus Triangulum ihren Debütkampf nicht überlebt. Weiter geht es nun mit...", verkündet der Stadionsprecher mit deutlicher Häme in der Stimme, aber ich höre seine weiteren Worte nicht mehr. Meine Gedärme sind verknotet, mein Mund ist trocken, mein Herz rast und ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen. So fühlt sich also Todesangst an. Kein schönes Gefühl.

"Halte dich an das, was ich dir beigebracht habe, Askana und du wirst da draußen überleben", versucht die Sakiyan mir Mut zu machen.

"Genau das habt Ihr Kobia und Arlak auch gesagt, Meisterin Tokara!", erwidere ich mit Bitterkeit in der Stimme, die ich nicht zu verschleiern suche. Die Rodianerin Kobia habe ich durchaus gemocht, da diese doch recht umgänglich war. Die arme Rodianerin wurde von einem wolfartigen Raquar´daan von der Wüstenwelt Sriluur getötet. Von Arlak habe ich mich immer fern gehalten, weil die Sakiyan doch sehr ätzend war.

"Die Anderen haben letztendlich auch nicht das gemacht, was ich ihnen beigebracht habe!", verteidigt sich meine Meisterin und ich muss ihr durchaus recht geben. Die tödlichen Fehler, die meine Kameradinnen bei ihrem Kampf gemacht haben, waren bekannt und hätten vermieden werden können. Aber Theorie und Praxis sind zwei Paar Schuhe. Und im Eifer des Gefechtes kann man schon mal was vergessen.

"Da mögt ihr Recht haben." Ich bin zwar noch nicht wirklich überzeugt, aber vielleicht geht es bei mir ja besser. Wobei das eigentliche Problem eher sein dürfte, dass unsere zugelosten Gegner jeweils die erfahrensten Kreaturen ihrer Klasse sind. Dieses "Losverfahren" scheint durchaus manipuliert gewesen zu sein. Irgendjemand muss ja die erfahrensten Kreaturen abbekommen, aber wenn ein Stall jeweils die berüchtigte Kreatur ihrer Kategorie zugelost bekommt, ist das eine statistische Anomalie, die eigentlich nur den Schluss zulässt, jemand hat da im Hintergrund massiv manipuliert. Über das Warum kann ich nur grobe Vermutungen anstellen. Sei es, dass jemand den Stall sofort zerschlagen will, dass meine Herrin alte Feinde hat, die nun mit ihr auf diese Weise abrechnen oder jemand meine Herrin ruinieren will. Letztendlich ist das rein akademisch, da nur die Tatsache zählt, dass ich in wenigen Minuten gegen einen Massiff kämpfe, der in über zwanzig Kämpfen nicht ein einziges mal besiegt worden ist. Diese Kreaturen stammen von Geonosis, haben sich aber inzwischen recht weit in der gesamten Galaxis als Wachtiere verbreitet. Dieser spezielle Massiff trägt den Namen: "Blutreißer" und ist der mit Abstand gefährlichste aller Massiffs, welche die Rote Arena zur Verfügung hat. Nicht gerade der originellste Name für eine Bestie, aber durchaus aussagekräftig.

"Es geht gleich los! Mach dich bereit!", befiehlt meine Trainerin und ich stehe auf. Für einen Moment schwanke ich, weil die Welt sich um mich zu drehen scheint. Mein Blick verschleiert sich und für einige Augenblicke kann ich meine Umwelt nur noch durch einen Grauschleier wahrnehmen. Meine Trainerin packt mich und hält mich fest, sonst wäre ich wohl gestürzt.

"Mut! Glaube an dich und du wirst überleben! Besinne dich auf deine Stärken und zeige es ihnen da draußen!", versucht Meisterin Tokara mir Mut zuzusprechen und lässt mich los.

"Corellia! Freiheit oder Tod!", flüstere ich und versuche mich zu straffen. Ich fühle mich immer noch dem Tode geweiht, aber wenn ich sterbe, dann im Kampf. Wir Corellianer sind dafür bekannt, niemals aufzugeben, auch wenn alles gegen einen spricht. Und ich habe nicht vor, heute mit Aufgeben anzufangen. Mehrmals atme ich bewusst ein und aus, fokussiere mich auf mein innerstes selbst und finde meinen Mut zum Überleben wieder. Und ich kämpfe nicht nur für mich, sondern auch für Eloy, die nun ein ganzes Jahr in Gefangenschaft ist. Weiß die Macht, wo sie nun sein mag. Und ein kleiner Teil von mir fragt sich berechtigt, ob meine Schwester überhaupt noch lebt. Einzelne kleine Kinder in ihrem Alter haben einen recht geringen Wert. Aber ich versuche mir einzureden, dass meine Schwester hübsch genug ist, dass man sie am leben lässt. Und vielleicht hat ja auch mein Vater sie schon längst gerettet.

"Überlebe und Siege!" Mit diesen Worten überreicht meine Meisterin mir meinen Vibrospeer. Die Waffe ist auf mich und meine Art zu kämpfen angepasst. Seit gut zweieinhalb Monaten habe ich jeden Tag damit trainiert und mich mit dieser Waffe durchaus vertraut gemacht. Meine Handflächen sind so klitschnass vom Schweiß, dass sie mir beinahe aus den Händen flutscht. An einem Tuch reibe ich sie trocken und halte den Speer dann so fest, dass meine Knöchel deutlich hervor treten. An dieser Waffe hängt mein Leben. Genau genommen ist sie mein Leben. Den Speer zu verlieren ist gleichzusetzen mit meinem Tod. Und ich will, darf noch nicht sterben. Nicht nur für mich, mein Überleben kämpfe ich, sondern auch für Eloy, meine kleine Schwester. Ich habe geschworen, sie zu beschützen oder blutig zu rächen.

Der Kampf in der roten Arena, zwischen einem stämmigen Nikto und einer doppelt so großen grauen Bestie mit zwei Hörnern am Kopf neigt sich dem Ende entgegen. Dieses mal kann der Gladiator sein Debüt gewinnen. Möge mir das auch gelingen. Ich bin die übernächste, werde jetzt aber schon von zwei schwer gepanzerten Sicherheitsdroiden dazu genötigt, einen der Beobachterdroiden zu folgen. Es ist nicht weit vom Aufenthaltsraum, der nur noch mäßig besetzt ist, mein Kampf wird der letzte der Debütkämpfe für heute sein.

"Glaub an dich!", ruft mir Meister Tokara ein letztes mal hinter her, dann betrete ich einen Gang. So fühlt es sich also an, wenn man zum Schafott geführt wird. Meine Beine scheinen aus Wachs zu sein. Jeder Schritt kostet Überwindung, trotzdem schreite ich zwischen den Droiden mit erhobenen Haupt einher. Ich habe gesehen, wie einige der Todeskandidaten regelrecht in die Arena geschleift wurden. Widerstand ist sinnlos und schwächt einen nur für den eigentlichen Kampf in der Roten Arena.

Eine Schleuse öffnet sich, ich folge dem Droiden, während die beiden Wachen zurückbleiben. Nun bin ich in der Kammer ohne Wiederkehr, wie das so schön genannt wird. Schmucklos ist sie, auch wenn der Durastahl gebürstet ist, aus dem die Kammer besteht. Mehrere Minuten verharre ich in der Kammer, versuche mir ins Gedächtnis zu rufen, was ich die letzten Wochen gelernt habe. Der Speer in meiner Hand vibriert leicht, was es mir leichter machen wird, durch das Fleisch meines Gegners zu schneiden. Sein vertrautes Gewicht gibt mir durchaus Mut. Meisterin Tokara hat mich gut vorbereitet, mich sehr viel gelehrt in den Wochen, die wir zusammen verbracht haben.

Nach einigen Versuchen mit verschiedenen Waffen hat sich der Vibrospeer als die Beste für mich geeignete Waffe herauskristallisiert. Ich bin aufgrund meines Alters nun mal kleiner und schwächer als die meisten Gladiatoren. Was im Umkehrschluss schlicht bedeutet, die meisten sind größer und stärker. Je länger ich lebe, wird sich dieser Nachteil verringern, aber momentan brauche ich eine Waffe, für die man wenig Kraft braucht und den Reichweitenvorteil meiner Gegner minimiert. Viele Bestien greifen nicht nur mit ihrem mit Reißzähnen bewehrten Maul an, sondern auch mit Klauen an den Enden meist recht langer Extremitäten. Ein Speer ist eine zweihändige Waffe, so dass ich deutlich mehr Kraft übertragen kann, als durch ein einhändiges Schwert. Ein Axt kann zwar auch zweihändig geführt werden, braucht aber auch entsprechende Stärke. Ein zweihändiges Schwert wäre auch eine Lösung gewesen und habe damit einen ganzen Tag geübt. Aber letztendlich gibt ein Speer die größere Reichweite und eine große Bandbreite an Manövern. Durch die lange gebogene Klinge am Ende, sind nicht nur Stiche möglich, sondern auch Hiebe, sind viele tödliche Kombinationen möglich. Ich hoffe, dass sich meine Wahl heute als Vorteil herausstellt.

In den letzten drei Monaten bin weitere vier Zentimeter gewachsen und habe sechs Kilo zugelegt. Deutlich zeichnen äußerst unweiblich die Muskeln unter meiner Haut ab. Bis auf einen sehr knapp bemessenen Lendenschurz, auf dem das Wappen von Triangulum aufgedruckt ist, bin ich nackt. Da ich noch keine Brüste habe, empfinde ich das nicht als so schlimm.

Nun beginnt ein Countdown zu zählen, ich straffe mich, gehe in eine siegesgewisse Pose und schon öffnet sich die die vordere Schleuse. Zu bewegen brauche ich mich nicht, denn die Plattform auf der ich stehe wird ausgefahren und überbrückt den gut zwölf Meter tiefen Graben der Schande, wie die Barriere rund um das Oval des Kampfplatzes genannt wird. Auf dem Grund befinden sich unzählige Dornen aus Durastahl, auf dem sich jeder aufspießt, der das Pech hat, in die Grube zu fallen. Oder hinein zu springen. Es gibt sogar die Möglichkeit darauf zu wetten, ob ein Gladiator bei seinem Debüt freiwillig in die Grube springt. Bei manchen Gegnern ist das sicherlich eine Alternative. Aber Selbstmord kommt für mich nicht in Frage. Ich muss leben, da ich meine Schwester finden und retten muss.

Die Rote Arena hat wirklich beeindruckende Ausmaße. Sie gehört zu den zehn größten Arenen auf Nar Shaddaa und umfasst angeblich eine halbe Million Plätze. Die Ränge wirken gut besucht, Debütkämpfe sind besonders bei Wettern beliebt, da es oft Überraschungen gibt. Es wird nicht nur auf Sieg oder Niederlage getippt, sondern es gibt viele Kategorien, zum Beispiel wie lange der Kampf dauert oder wie viele Treffer für einen Sieg notwendig sind. Wobei ich mich schon Frage, wie krank man sein muss, ein Kind in die Arena zu schicken und dann darauf zu wetten. Aber ich bin nun mal eine Mörderin und deren Schicksal ist es, in der Arena zu sterben, egal wie alt sie sind. Ich spüre den namengebenden roten Sand unter meinen bloßen Füßen, als ich mich auf meine Startposition begebe. Der rote Sand hat seine Farbe, von dem vielen Blut, dass hier vergossen wird. Der Legende nach, ist er noch nie ersetzt worden. Der Stadionsprecher redet die ganze Zeit über, aber ich höre nur ein stetiges Rauschen.

Nun habe ich meine Startposition erreicht und über einen Fahrstuhl wird mein Gegner ausgefahren. Ein normaler Massiff hat eine Schulterhöhe von einem dreiviertel Meter. Der hier ist deutlich größer, seine gepanzerte Oberseite ist mit einem dichten Narbengewebe durchzogen. Dieses Ding hat schon viele Kämpfe überlebt. Für einen Moment droht die Todesangst überhand zu gewinnen, aber mir gelingt es gerade noch, mich zu fokussieren, bevor ich eine ernsthafte Panikattacke bekomme. Genau genommen werde ich sogar vollkommen ruhig, scheine meinen Geist von meinem Körper abzukoppeln. Ich bin bereit! Möge die Macht mir sein.

Nakagos wirre Gedanken

Mögen die Spiele nun beginnen.

Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #12 am: 31. Juli 2018, 16:56:33 »
Episode V

"Ein Massiff ist ein Rudeltier. Ein Raubtier, dass nur eine Taktik wirklich gut beherrscht. Den frontalen Angriff aus der vollen Bewegung heraus. Auch wenn man ihm mit Geduld ein paar Tricks antrainieren kann, letztendlich verfällt ein Massiff immer in sein instinktives und seit Jahrtausenden bewährtes Angriffsmuster. Das ist dein Ansatzpunkt!", höre ich die Stimme wieder in meinem Kopf erschallen. Eine der ersten Lektionen, die mir Meisterin Tokara beigebracht hat. Der Trick ist, den Massiff nicht sein Ding machen zu lassen. Ihm die Initiative zu nehmen und selbst in den Angriff zu gehen, bevor er das tun kann.

Also setze ich mich sofort in Bewegung und renne auf die Echsenartige Kreatur zu, die eigentlich von Geonosis stammt, aber inzwischen auf vielen Welten und auch von Truppen des Imperiums als Wachkreatur eingesetzt wird. Niemand bei klaren Verstand legt sich freiwillig mit einem Massiff an, dessen Gebiss im Verhältnis zu seiner Größe zu einem der mit der kräftigsten in der bekannten Galaxis gehört. Das Gebiss ist darauf ausgelegt, schon beim ersten Biss schon eine ordentliche Menge Fleisch aus seinem Opfer herauszureißen. Trifft er mich nur einmal richtig, bin ich tot. Der Trick ist nun, ihn zu treffen, bevor er mich treffen kann. Durch meinen Speer habe ich die höhere Reichweite, kann ihn auf Distanz halten. So jedenfalls die Theorie.

Schnell verringern wir unter dem Gejohle der Zuschauer, die ihre blutige Show wollen, die Distanz. Von meinem Angriff wirkt die Kreatur nicht irritiert, da er diese Gegentaktik schon öfters erlebt haben muss. Normalerweise weicht man dann links oder rechts aus und versucht dann den Speer in den Unterleib zu rammen, da dieser nicht durch einen Panzer aus flexiblen Knochenplatten geschützt ist. Das Problem dabei ist, dass ein Massiff durchaus wendig ist und dadurch, dass er ursprünglich von einer Welt mit ausgedehnten Sandwüsten stammt, prädestiniert ist, auch auf rutschigen Sand einen sicheren Halt zu finden. Obendrein wird diese Taktik so ziemlich jeden Anfänger beigebracht, so das ein so erfahrener Gegner wie "Blutreißer" mit diesem Manöver also vertraut ist. Also springe ich über ihn drüber. Leider bin ich nicht so schnell und gelenkig um ihn beim Überflug meinen Speer hinein zu rammen. Im letzten Moment versucht er noch hoch zu steigen, aber seine Zähne schlagen nur harmlos in die Luft. Ich komme hinter ihm auf, rolle mich ab und bin sofort wieder auf den Beinen. Dieses Manöver habe ich die letzten Wochen buchstäblich bis zum umfallen geübt.

Der Massiff wird langsamer und dreht dann um. Seine dunklen Augen fixieren mich ein weiteres mal, als ob er mich neu einschätzen würde. Sofort nimmt er wieder Geschwindigkeit auf und ich renne ebenfalls mit voller Kraft auf ihn zu. Der Massiff ist nun deutlich langsamer und zeigt mir, dass er lernfähig ist. In seinen kleinen Knopfaugen vermag ich schier etwas wie Intelligenz schimmern zu sehen. Aber wahrscheinlich ist das nur eine Reflektion von Licht und ich interpretiere da mehr hinein, als wirklich ist.

Ich tu so, als wollte ich wieder wie vorhin über ihn drüber springen und der Massiff steigt sofort hoch, sein Maul mit den scharfen Reißzähnen weit aufgerissen. Aber ich bremse nun stattdessen ab, stoße meinen Speer vor und treffe die von mir anvisierte Stelle präzise von vorne, da ich dahin ziele, wo der Hals sein wird und nicht dahin, wo er am Beginn meiner Bewegung ist. Dieses Manöver habe ich in den letzten Monaten sicherlich mehrere tausend mal geübt, bis es mir in Fleisch und Blut übergegangen ist. Fast widerstandslos fährt die vibrierende Klinge durch die zähe Haut in das darunterliegende Gewebe des empfindlichen Halses. Der Speer gräbt sich tief in das Fleisch hinein und ich lasse den Schaft los, da ich sicher bin, ihn tödlich getroffen zu haben. Mit einem Sprung nach hinten bringe ich mich aus dem Bereich des im Todeskampf sich hin und her wälzenden Massiff. Schnell werden seine unkontrollierten hektischen Bewegungen langsamer, als seine Lebenskraft aus ihm hinaus fließt. Der Jubel des Publikums ist äußerst verhalten, als ich meine Faust in die Höhe recke und auf Orys Corellisi heraus schreie: "Corellia! Freiheit oder Tod!" Ehrlich gesagt kann ich auch nicht viel mehr als diese Worte auf der alten indigenen Sprache von Corellia sprechen. Vielleicht hört das jemand und eventuell wird die Corellianische Befreiungsfront darauf aufmerksam. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zwar verschwindend gering, aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Der Massiff ist nun tot und ich ziehe den Speer wieder hinaus.

Mein Abgang erfolgt unter wütenden Buhrufen, da die meisten wohl auf meinen Tod gewettet haben und da die Quote dafür ziemlich niedrig, aber dafür sicher erschien, wohl viele nun ihr Geld verloren haben dürften. Manchmal ist es eben cleverer, auf den Außenseiter zu wetten und nicht auf den vermeintlichen Sieger. Erhobenen Hauptes verlasse ich die Arena, während ein Droide den Kadaver des Massiff aus der Arena befördert.

"Das hast du gut gemacht, Askana!" Anerkennend legt Meister Tokara eine ihrer Cyberhände auf die Schulter.

"Ihr habt mich viel gelehrt, Meisterin Tokara, Danke!", erwidere ich ehrlich dankbar, denn mir ist klar, dass ich ohne ihre Erfahrung, ihre Fähigkeit ihr Wissen zu vermitteln und ihren Trainingsplan ich nun zu Bestienfutter verarbeitet würde und nicht der Massiff. Auf Nar Shaddaa wird nichts verschwendet. Warum jemanden bestatten, wenn man ihn auch an die Kreaturen verfüttern kann? Sie nickt mir noch einmal anerkennend zu und ich darf zurück in meine Zelle. Mehr Worte braucht es nicht, letztendlich ist alles gesagt.

In meiner Zelle wartet als Überraschung auf mich ein Kleid, ein Paar Stiefel und etwas Modeschmuck. Dazu übermittelt mir ein Droide, dass meine Herrin mich erwartet, sobald ich mich frisch gemacht habe. Viel zum ausziehen habe ich ja nicht, als ich in die Hygienezelle steige. Während der Schweiß und der Sand von meiner Haut abgespült wird, beginne ich zuerst zu zittern, dann sinke ich in mich zusammen und fange an hemmungslos zu weinen. Mit meinen Armen umklammere ich meine an meinen Körper heran gezogenen Beinen und wiege mich vor und zurück. Ich weine um meine Mutter, meine verschleppte Schwester und ich würde lügen, wenn ich leugnen würde, dass ich mich auch selbst bedauere. Ein Jahr lang lebe ich nun in Todesangst in dem Wissen, eines Tages in der Arena zu sterben. Ob meine Herrin wirklich einen Weg finden wird, mich in knapp vier Jahren zu befreien, halte ich für eher unwahrscheinlich. Natürlich hoffe ich, dass die Prinzessin mich nicht anlügt, aber ich werde es erst wirklich wissen, wenn ich tot oder von hier entkommen konnte.

Schließlich beruhige ich mich, wische mir die Tränen vom Gesicht und dusche mich. Die Hygienezelle trocknet mich ab und sich schlüpfe in frische Unterwäsche. Das Kleid passt mir wie angegossen. Kleider und Röcke waren nie so mein Ding und ich habe schon als kleines Kind Hosen bevorzugt. Aber in dem hier fühle ich mich wohl, was auch an den passenden Stiefeln liegen dürfte, die mir ebenfalls gut passen. Als letztes lege ich den Schmuck an und fühle mich zum ersten mal seit langem wie ein weibliches Wesen. Normalerweise sollte bei mir so langsam die Pubertät einsetzen, aber noch rührt sich da nicht viel.

Nach einer Weile werde ich dann zum essen abgeholt. Wieder schwebt der kleine Droide vor mir her und führt mich in die privaten Gemächer, die ich nun zum zweiten mal betrete. Der Speisesalon ist luxuriös eingerichtet, hat aber wie auch das Arbeitszimmer nichts protziges an sich. Auf dem großen Tisch befinden sich nur drei Gedecke. Eines für meine Herrin, die Prinzessin Xira, meine Trainerin Tokara und eines für mich. Da beide Damen schon sitzen, weiß ich, wo ich platz zu nehmen habe.

"Gratulation zum Sieg, Lyra", begrüßt mich die Prinzessin mit einem huldvollen Nicken.

"Ich habe Euch zu danken, Prinzessin Xira. Und natürlich auch Meisterin Tokara, ohne deren Rat und Tat ich nicht überlebt hätte", erwidere ich von ehrlicher Dankbarkeit erfüllt. Von noch 81 Debütanten des heutigen Tages haben nur 32 überlebt. Eine Verlustquote von 50 Prozent ist Normal, die heutige war überdurchschnittlich.

"Es war mir ein Vergnügen, Askana", meint meine Meisterin durchaus gut gelaunt und ich schätze, die beiden Ladys haben schon deutlich ein alkoholisches Getränk konsumiert, da die Karaffe aus geschliffenen Kristall nicht mal mehr halb voll ist.

"Die anderen haben es nicht geschafft", meine ich durchaus betrübt über den Verlust meiner Kameradinnen.

"Jede hatte eben sehr starke Gegner", stellt die Prinzessin in einem neutralen Tonfall fest.

"Als ob da jemand etwas gedreht hätte, Herrin!", stelle ich mal meinen Verdacht in den Raum und warte gespannt auf ihre Antwort.

"In der Tat, meine Brüder haben da sicherlich einige Hutten mehr als nur großzügig bestochen", erwidert die Prinzessin, während ein Butlerdroide als erster Gang eine Suppe aufträgt, in einem Tonfall, als hätte sie nichts anderes erwartet.

"Eure Brüder, Herrin?", wage ich nachzuhaken, da diese angedeutete Familienfehde ganz direkt mein Leben bedroht.

"Du musst wissen, mein geliebter Vater hat einen Wettbewerb darüber ausgerufen, wer ihm auf den Thron folgen darf. Jedem ist ein Startkapital zur Verfügung gestellt und wer nach vier Jahren den höchsten Gewinn erwirtschaftet hat, der wird Kronprinzessin", erzählt mir Prinzessin Xira frei heraus. Und nach ihrer Wortwahl scheint sie sehr von sich überzeugt zu sein. Offensichtlich ist etwas von meiner corellianischen Arroganz auf sie abgefärbt.

Nakagos wirre Gedanken

Damit ist der Kampf nun zu Ende und das nächste Kapitel beinhaltet einen Zeitsprung von vier Jahren. Der Massiff ist wirklich von Geonosis und ein Großteil der Dinge, die Lyra darüber erzählt, sind kanonisch.

Nakago

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« Antwort #13 am: 02. August 2018, 16:34:44 »
Episode VI

Vier Jahre diene ich nun Haus Triangulum. 134 Kämpfe auf Leben und Tod habe ich gewonnen, meist gegen Bestien, aber auch gegen intelligente Spezies. Es ist kurz vor dem Mittagessen, als ich vom Laufband herunter geholt werde, nachdem ich schon über zwanzig von den geforderten fünfundzwanzig Kilometer herunter gespult habe. Heute Morgen steht Ausdauertraining auf dem Plan.

"Ein Fantreffen?", hake ich nach, da dies ein eher ungewöhnlich knapper Termin ist. Normalerweise werden solche Treffen in den Abendstunden nach dem Training abgehalten. Es gibt immer wieder Fans, die viel Geld dafür bezahlen, um ein paar Minuten mit mir verbringen zu dürfen. Normalerweise ist es genau das, nach dem es sich anhört. Aber meine Herrin hat nie zugelassen, dass ich mich prostituieren musste. Ein Umstand, für den ich meiner Prinzessin sehr dankbar bin.

"Ja, ein Fantreffen! So was soll durchaus vorkommen, Askana!", blafft mich meine Meisterin recht barsch an. "Mach dich frisch, zieh dir was hübsches an und dann ab mit dir!"

"Jawohl, Meisterin!", bestätige ich ihren Befehl und will mich umdrehen, dass legt sich ihre Cyberhand auf meine Schulter.

"Ich bin Stolz auf dich, Askana. Erinnere dich immer, was ich dir beigebracht habe und du wirst es weit bringen." Mit diesen Worten dreht sie sich brüsk um und ich kann nicht nachvollziehen, warum sie das zu mir gesagt hat. Irgend etwas oder jemand muss sie verärgert haben, anders kann ich mir ihr komisches Verhalten nicht erklären. Wie befohlen gehe ich in meine Zelle, mach mich frisch und zieh mich schick an. Dann gehe ich in Richtung der Sicherheitsschleuse, da solche Treffen in gesonderten Räumen außerhalb der Ställe stattfinden. An diesen Treffen verdient die Arena deutlich überproportional über ihren Anteil mit, da sie die Räume zur Verfügung stellt. Hutten wissen, wie man Credits verdient.

Auf dem Weg treffe ich die Prinzessin. Es ist selten, dass Xira sich in der Trainingshalle aufhält. Wahrscheinlich will sie die Neuzugänge unter die Lupe nehmen. Sie nickt mir zu und lächelt kurz, während ich mich respektvoll vor ihr Verbeuge und sie dann passiere. Hinter der Schleuse nehmen mich zwei Wachdroiden in Empfang und eine der "Beobachter" führt mich durch die Gänge zu einem Turbolift. Inzwischen bin ich sechzehn Jahre alt und mein Körper ist nun der einer Frau. Kind war ich schon lange nicht mehr. Eigentlich war ich seit der Flucht von Corellia schon eine kleine Erwachsene im Körper eines Kindes. Der Imperator hat mir nicht nur meine Heimat gestohlen, meine Mutter und meine Schwester, sondern letztendlich auch meine Kindheit.

Es dauert fast eine Viertelstunde, bis wir den Raum erreichen, in dem das Fantreffen stattfinden soll. Meine Fans sind noch nicht da, also warte ich in dem durchaus protzig luxuriös eingerichteten Raum auf der roten Sitzecke, welche mit Banthaleder bezogen ist. Die Luft ist hier mit aromatischen Stoffen angereichert, was süßlich schwer riecht. Im hinteren Teil des Zimmers gibt es ein Bett und in der Anrichte daneben gibt es Schubladen mit Spielzeugen ganz besonderer Art.

Etwas nervös fahre ich durch meine Haare, die ich wieder in meiner gewohnten Zöpfchenfrisur trage. Eines der vielen Privilegien, die ich aufgrund meiner Siege und Status als Champion des Hauses Triangulum genieße. Ich weiß nie, was für Fans mich erwarten. Manche fragen mir ein Loch in den Bauch, andere bekommen kaum ein Wort heraus. Andere wollen nur, dass ich Autogrammkarten signiere, um diese dann weiter zu verkaufen. Andere Gladiatoren müssen für den Fanservice viel weiter gehen, ihre Hüllen fallen lassen und sich prostituieren. Anders kann man das nicht bezeichnen.

Die Tür fährt auf und zwei schwarz gekleidete Frauen in bodenlangen und hochgeschlossenen Gewändern betreten den Raum. Eine ist komplett verschleiert, von der anderen ist ihr gelbes Gesicht zu sehen. Sie trägt Tätowierungen in geometrischen Formen. Um die Schulter hat sie große, reich mit metallenen Ornamenten verzierte Handtasche gehängt. In der anderen Hand trägt sie eine Rolle. Ich schätze, ich habe zwei Mirialanerinen vor mir. Mirial ist eine trockene und heiße Welt am Äußeren Rand. Während dem Klonkrieg waren sie auf der Seite der Separatisten. Und damit erschöpft sich mein Wissen. Der Sektor will mir partout nicht mehr einfallen, letztendlich ist diese Welt auch nicht wirklich wichtig. Ich weiß aber, dass die Mirialaner sich ihr Gesicht und Körper tätowieren lassen und jedes Symbol hat eine spezielle Bedeutung, so dass jemand, der die Zeichen zu lesen vermag, sehr deutlich sieht, was der andere alles erlebt oder erreicht hat. Dieses Detail fand ich damals bemerkenswert und hab es mir entsprechend gemerkt.

"Ah, da ist sie ja! Champion des Hauses Triangulum. Lyra, das Speermädchen! Ich bin ja so glücklich, dich zu sehen!", ruft die eine unverschleierte enthusiastisch aus. Aus der Rolle zieht sie einen Stapel mit kleinen Postern von mir. Sieht ganz so aus, als stünde eine arbeitsreiche Autogrammstunde vor mir. Mit einem gequälten Lächeln stehe ich auf und frage mich, warum diese quirlige Frau sich an blutigen Kämpfen mit einer Jugendlichen ergötzt. Was mag bei ihr Falsch gelaufen sein?

Wir setzen uns und die Unverschleierte schiebt den nicht ganz dünnen Stapel an Postern mit meinem Abbild in verschiedenen Posen zu mir rüber. Dazu ein Stift. Die Vollverschleierte setzt sich einfach schweigend hin. Irgendwas stimmt mit der nicht, aber ich kann nicht genau sagen, was. Ist es ihre Art sich zu bewegen? Ihre Vollverschleierung? Ihre Schweigsamkeit? Bevor ich das ausführlich analysieren kann, beansprucht die andere Mirialanerin meine volle Aufmerksamkeit. Sie trägt ein recht aufdringliches Parfüm, dass sie wie Duftwolke umgibt.

"Es wäre so Toll, wenn du die signieren könntest. Ich habe alle deine Kämpfe gesehen und ich kann gar nicht genug davon bekommen", meint die Mirialanerin aufgedreht. Sie sagt mir die Widmung und ich schreibe sie auf das Poster. Als ich das Poster zur Seite legen will, besteht sie darauf, dass ich es nach unten in den Stapel schiebe. Offensichtlich werde ich wohl einige Zeit damit beschäftigt sein, Widmungen für eine schier unendliche Anzahl an Freundinnen dieser Mirialanerin zu schreiben. Während die eine ununterbrochen quasselt, ist die andere vollkommen still und regungslos. Das geht etwa zehn Minuten so, dann straft sich die Mirialanerin auf einmal und unterbricht ihren Redefluss für einen Moment, bevor sie in veränderter Tonlage ein ernstes Wort an mich richtet.

"Lyra Askana, Tochter von Manan und Hylia Askana. Schwester von Eloy Askana. Dein Vater schickt mich. An deinem vierten Geburtstag ließ dein Vater dich zum ersten mal an das Steuer seines Gleiters und du flogst eine lange Kehre. Ich bin Kayleen von der CBF. Mein Auftrag ist es, dich hier hinaus zu schaffen. Hast du das verstanden?", fragt mich die Frau nun in einem sehr ernsten Tonfall.

"Diese Räume sind überwacht", erwidere ich unsicher, was ich von der ganzen Situation halten soll. Die Fakten über meine Familie stimmen und auch das mein Vater mit mir am Abend meines vierten Geburtstages eine Runde mit seinem Flitzer gedreht hat. Ich saß auf seinem Schoß und durfte das Fahrzeug steuern. Das war immer unser großes Geheimnis, dass keiner außer uns zwei wusste. Meine Mutter hätte sicherlich sehr mit ihm geschimpft, hätte sie davon gewusst. Also kann ich ihr glauben, dass sie von der Corellianischen Befreiungsfront ist und meinen Vater kennen muss. Sieht so aus, als hätten die mich nach fünf Jahren Sklaverei gefunden. Momentan bin ich zu erstaunt, um irgend etwas anderes als Verwirrung über diese plötzliche Veränderung meiner Lage zu fühlen. Auch realisiere ich im ersten Moment nicht, dass mein Vater noch lebt. Nach drei Jahren in der Arena war ich zu dem Schluss gekommen, dass mein Vater tot sein musste, weil er mich sonst schon längst aus der Roten Arena befreit hätte.

"Keine Angst, die Aufnahmen sind nun in einer Endlosschleife, deswegen wollte ich, dass du die Poster immer nach unten in den Stapel legst."

"Wenn das stimmt, habt ihr aber verdammt lange gebraucht, bis ihr mich gefunden habt", mache ich auf den Umstand aufmerksam, dass ich seit schier endlosen fünf Jahren hier gefangen gehalten werde.

"Ich habe keine Zeit für große Erklärungen und brauche deine Mithilfe!" Beschwörend sieht sie mich an.

"Und wer ist das?", frage ich immer noch zu verwundert, um klar denken zu können.

"Das bist du, sozusagen", meint Kayleen und lüftet den Schleier. Darunter kommt eine schwebende Droideneinheit zum Vorschein, welche über mehrere frei schwebende Komponenten verfügt, die es ihr erlauben, einen Humanoiden Körper in einem Kleid zu simulieren. - Das ist schon raffiniert -, denke ich von diesem technischen Einfallsreichtum beeindruckt.

"Nun gut, wie sieht der Plan aus? Und was ist mit dem?", frage ich und zeige dann auf meinen Sklavenring. Der kann nicht nur schmerzhafte Stromschläge verteilen, sondern auch meine Vitalwerte messen, meinen Standort bestimmen und auch einen Alarm absondernd, falls etwas nicht stimmen sollte.

"Wir haben nun zwanzig Minuten Zeit, von hier zu verschwinden. Wir machen jetzt ein paar Aufnahmen mit dieser Holocam, als ob du dich von uns verabschieden würdest. Und los!" Wir brauchen drei Anläufe, bis Kayleen zufrieden ist. Sie platziert unter der Decke einen Holoprojektor, der sich auf den ersten wie auch auf den zweiten Blick fast nahtlos in den Stuck der Decke einfügt und vorher eines der vielen aufwendig gestalteten Ornamente auf ihrer Tasche war. Offensichtlich ist dieses Unternehmen sorgfältig vorbereitet. Es ist seltsam, ein Hologramm von mir auf dem Sofa sitzen zu sehen. Sollte jemand dieses ansprechen, wird der Schwindel sofort auffliegen.

Dann stellt Kayleen eine Verbindung zum örtlichen Netzwerk her, in dem sie aus dem Boden der Tasche einen Stecker samt Kabel in einen Datenanschluss an der Wand einführt. Dann steckt sie einen weiteren Stecker hinten mein Halsband ein.

"Das wird etwa eine Minute dauern, bis unsere Hacker das Halsband umprogrammiert haben." Sie erwähnt nicht, falls was schief geht, ich wahrscheinlich einen tödlichen Stromstoß abbekomme. Jedenfalls wurde uns Neulingen das beim Anlegen des Halsbandes klar gemacht, dass eine Manipulation des selben tödliche Konsequenzen haben würde. Ob das nun eine leere Drohung war oder wirklich so ist, kann ich nicht sagen. Stromschläge kann das Band auf alle Fälle abgeben, habe in den ersten Neun Monaten meist mehrere täglich zusätzlich zu den Stockschlägen abbekommen. Und so denke ich, dass die Drohung kein Bluff war. Entsprechend besorgt bin ich, dass etwas schief gehen könnte.

"So, dass wäre geschafft!" Mit einem hörbaren klicken rastet der Verschluss auf und nach fünf Jahren kann ich diesen Ring endlich abnehmen. Im ersten Moment erscheint mir irgend etwas wichtiges zu fehlen. Aber das Gefühl verflüchtigtet sich gleich und das Halsband verschwindet unter einem Kissen direkt neben dem Holo von mir.

Als nächstes ziehe ich das Kleid über. Die Komponenten des Droiden sind so geformt, dass ich diese als Kopfbedeckung, Arm- und Beinschienen tragen kann. Probehalber bewege ich mich und empfinde das Gewicht als kaum störend. Trotzdem bin ich etwas skeptisch, ob ich so an all den Wachen und Scannern vorbei komme und teile Kayleen meine Bedenken mit.

"Keine Sorge, wir von den Shellys Gundarks haben gute Hacker im Team, welche alle Sicherheitssysteme die uns betreffen, unter Kontrolle haben", erklärt mir Kaylee in einem ruhigen Tonfall.

"Shellys Gundarks?", hake ich neugierig nach.

"Das ist der Name unserer Zelle, da Gruppe 77 der CBF doch eher langweilig klingt."

"Mein Vater ist dann Mitglied der Zelle 77? Und wo ist er?", frage ich aufgeregt weiter, da so langsam der Schock über diese plötzlichen Veränderungen abklingt und realisiere, dass mein Vater irgendwo da draußen sein muss und noch lebt.

"Er leitet den Einsatz und wartet draußen auf dich. Und ja, dein Vater ist Leutnant und damit Zugführer. Wie auch immer, konzentriere dich auf den Plan. Bewege dich ganz normal, passe dich meiner Geschwindigkeit an und sag besser kein Wort. Überlasse das reden mir. Hast du das Verstanden?"

"Ich soll mich unauffällig verhalten und die Klappe halten", erwidere ich, Kayleens Worte zusammenfassend.

"Genau so!", meint Kayleen und drapiert mich nun neben sich auf die Garnitur, um die Position der Verschleierten einzunehmen. Nachdem sie etwas an mir herum gezupft hat, beginnt sie die Holoaufnahme abzuspielen.

"Wir verlassen die Schleife in drei, zwei, eins... Das hast du Toll gemacht! Ich bin ja so froh, dass du alle Poster hast signieren können!" Es folgt ein kleiner, schon vorher aufgenommener Smaltalk mit meinem Holo und wir verabschieden uns. Mein Holo flegelt sich jetzt auf der Couch, während wir zwei Besucherinnen zur Tür gehen und Kayleen drückt den Türknopf. Nach einem Augenblick, der nicht länger als ein Herzschlag gedauert hat, sich aber für mich wie ein Äon angefühlt hat, öffnet sich surrend die Tür. Und ich blicke anschließend in die Mündung zweier Blaster.

Nakagos wirre Gedanken

Damit nimmt das Ganze nun eine dramatische Wendung. An dem Fluchtplan habe ich recht lange getüftelt. Ein aggressives Vorgehen erschien mir aufgrund der Umgebung nicht opportun. Ich habe hier die Möglichkeiten des Setting ausgereizt. Der schwebende Droide, der eine humanoide Person emulieren kann, habe ich erfunden, sollte aber mit der Hochtechnologie was Miniaturisierungsgrad und die Möglichkeiten der Antigravitationstechnologie zu realisieren sein. Die getarnte Holoeinheit gibt es dort tatsächlich. Auch das Sklavenhalsband ist kanonisch.

Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #14 am: 05. August 2018, 16:32:05 »
Episode VII

Für einen ganz kurzen Moment erschrecke ich, dann wird mir klar, dass die Blaster auf das Holo und nicht auf mich unter dem Schleier zielen. Eigentlich ist dies das übliche Procedere, dass ich aber noch nie so empfunden habe, weil ich eben immer recht weit weg vom Eingang saß. Kayleen schreitet äußerlich vollkommen unbeeindruckt an den beiden droidischen Wachen vorbei in den Gang und ich folge ihr auf den Fuß. Mein Herzschlag beruhigt sich wieder und ich versuche mich ganz unauffällig zu verhalten.

"Und sind Eure Erwartungen erfüllt worden?", fragt ein blauer Twi´lek, der sehr charmant wirkt und gutaussehend ist. Er trägt einen weißen Körperanzug, der deutlich die Schauwerte des sportlich trainierten Mannes gut zur Geltung bringt. Die Kundin ist hier wirklich Königin.

"Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie!", erwidert die Mirialanerin in einer schier albern hochgeschraubten Stimme. Und danach lässt sie den Twi´lek gar nicht mehr zu Wort kommen, während dieser uns gemessenen Schrittes durch die Anlage führt. Zuerst einen langen Gang entlang, dann betreten wir einen Turbolift. Ich denke, dass Kayleen mit ihrer aufdringlichen und durchaus kindischen Art ihr Gegenüber so nervt, dass der gar nicht merkt, dass ich gar nichts sage. Die Tür des Turbolifts öffnet sich und wir betreten eine Lounge, ausgestattet mit bequemen Sitzgruppen und an den Wänden links und rechts ziehen sich lange Theken entlang. Links werden Getränke von hauptsächlich droidischen Barkeepern ausgeschenkt, rechts scheinen Fanartikel verkauft zu werden. Wir müssen irgendwo oben am Gebäude sein, denn die gegenüberliegende aus Transpariglas bestehende Wand eröffnet einen freien Blick auf die Spitze der umliegenden Gebäuden. Alles hier nur vom feinsten und äußerst protzig, was den Huttischen Geschmack gut widerspiegelt.

"Es freut mich außerordentlich, dass der Service der Roten Arena ihren Geschmack getroffen hat", unterbricht der Steward den stetigen Redefluss von Kayleen und setzt mit eine paar Floskeln den Endpunkt für seine Zuständigkeit. Es steht uns frei, uns hier noch aufzuhalten, etwas zu trinken oder noch einzukaufen. Der Twi´lek verlässt uns dann überstürzt und kümmert sich um die nächsten wartenden weiblichen Besucher. Es ist wenig los, da die nach meiner Erfahrung die Termine in der Regel nach dem Abendtraining stattfinden, weil dann die Preise günstiger sind. Kayleen schlendert nun angemessen schnell den Verkaufstheken entlang, betrachtet die Auslagen, als hätte sie alle Zeit der Welt. Ich derweil bin inzwischen ein reines Nervenbündel. Jeden Augenblick kann entdeckt werden, dass da nur noch ein Hologramm von mir im Zimmer ist. Auf einen Fluchtversuch steht als Strafe ein äußerst schrecklicher Tod in der Arena. Beliebt ist, den Delinquenten an einem Seil in eine Bestiengrube mit ausgehungerten Kreaturen herunter zu lassen. Die Geschwindigkeit ist dabei sehr langsam und irgendwann kommt man dann in Reichweite der Bestien, die anfangen, springend nach dem Opfer zu schnappen. Eine Zeitlang kann man versuchen, die Beine anzuziehen, aber entweder verlassen einem dann bald die Kräfte oder man hängt irgendwann einfach zu tief, um noch entkommen zu können. Stück für Stück wird man dann lebendig gefressen. Ein wirklich schrecklicher Tod.

Schließlich erreichen wir durch eine Sicherheitsschleuse das Landedeck für Besucher. Besonders an der Schleuse stehen einige bewaffnete Sicherheitsdroiden herum, deren Kopf an den einen B1 Klappergestells aus den Klonkriegen erinnert, während der Unterleib den eines Hutten gleicht. Langsam, aber dafür sehr schwer gepanzert und jeder trägt ein Blastergewehr. Ich habe das Gefühl, dass jeder mich anstarrt und die Blastermündungen in meine Richtung wandern. Mein Herzschlag rast, mein Mund ist trocken und in meinem Gedärmen ist ein Knoten. Kayleen hält nun zielstrebig auf einen langgezogenen schwarzen Gleiter zu. Auf dem noblen Chassis des G35 "Silberwolke" der Marke CIG ist ein buntes Logo, dass ich nicht kenne. Lautlos schwingt eine Einstiegsluke auf und offenbart das luxuriöse Innere.

In dem Moment packt mich Kayleen am Arm und schreit: "Los!" Im gleichen Augenblick kommt deutlich Leben in die bisher stoisch herumstehenden Wachdroiden der Plattform. In der Luke des Gleiters tauchen zwei Mündungen auf, die sofort das Feuer auf die Droiden eröffnen. Von einem in der nähe vorbei fliegenden Gleiter wird ebenfalls auf die Plattform gefeuert. Einen Augenblick später fallen ein halbes Dutzend dieser Droiden funkensprühend einfach in sich zusammen. Nur einen Herzschlag danach springe ich in den Gleiter und Kayleen fällt halb auf mich drauf, als der Gleiter sofort sehr schnell fahrt aufnimmt.

"Such dir einen Platz und schnalle dich an!", befiehlt Kayleen, nachdem sie sich aufgerappelt hat, nun mit ihrer normalen Stimme und ich tu, was sie mir sagt. Ich suche mir einen freien Sessel, schnalle mich an und hoffe das Beste. In der Kabine befinden sich zwei Männer in Kampfmontur, die beide schwere Blastergewehre haben. Das gleiche DLT-19 Modell, welche auch die imperialen Truppen verwenden. Der Gleiter fliegt derweil mit sehr hoher Geschwindigkeit weg und wir gewinnen sehr schnell Abstand. Der Pilot macht einige gewagte Flugmanöver, die das Chassis des Gleiters knirschen lassen. Dann fädelt er sich in den Verkehrsstrom von Nar Shaddaa und der ist verdammt dicht. Ich kann sehen, wie sich inzwischen die Farbe des Gleiters gewechselt hat. Offensichtlich hat dieser hier irgend eine Technologie, um die Farbe ändern zu können.

"Das war jetzt einfacher als gedacht", meint Kayleen und schlüpft aus dem Kleid. Darunter trägt sie einen hautengen Anzug, der aber deutlich gepanzert ist. Dann beginnt sie sich abzuschminken und heraus kommt eine gutaussehende brünette Corellianerin von vielleicht Mitte Zwanzig.

"Das war einfach gute Arbeit!", meint einer der Schützen, nach Akzent und Aussehen ebenfalls ein Corellianer.

"Gute Vorbereitung, ein guter Plan und der Rest läuft von selbst", bestätigt der Andere, ohne seinen Blick von der Umgebung zu lassen. Auf einmal gewinnt der Gleiter schnell an Höhe und wir fliegen jetzt mit sehr hoher deutlich über den Sternenkratzern von Nar Shaddaa. Unter mir breitet sich ein grandioses Panorama aus. So schön habe ich diese Welt noch nie gesehen. Hinter uns sind zwei weitere Gleiter, die ich als CAV-11 "Kondor" erkenne. So einer hat mein Vater früher besessen. Vor uns erscheint nun ein YV-100 Raumfrachter, dessen hintere Luke zwischen den vier Triebwerken offen steht. Unser G35 fliegt in den offenen Lagerraum des Frachters und landet, die beiden anderen Gleiter folgen. Kaum sind sie drin, schließt sich die Frachtluke. Ich kann hören, wie die Triebwerke hoch fahren und der YV-100 gewinnt spürbar an Geschwindigkeit. Die Baureihe YV ist relativ neu und eine Nummer größer als YT Frachter der Corellianischen Ingenieursgesellschaft. Gehört zwar immer noch zu den kleinen Raumfrachtern, hat aber eine größere Passagierkapazität und einen großen Hauptfrachtraum.

"Dein Vater ist auf der Brücke. Ich bring dich zu ihm", meint Kayleen und lotst mich durch die Gänge zur Brücke. Alles wirkt aufgeräumt und ordentlich. Aber dafür habe ich kaum einen Blick. Der Boden unter meinen Füßen vibriert leicht, ich kann die Triebwerke arbeiten hören, dass säuseln der Lebenserhaltungssysteme und das nachhallen unserer Schritte auf den Bodenpaneelen. Der typische Geruch von aufbereiteter Luft umgibt uns.

Ich sehe meinen Vater nun nach über sechs Jahren wieder. Vor sechs Jahren war er mal für ein paar Wochen da gewesen, bevor er wieder zurück in den aktiven Dienst ging. Vor meiner Verhaftung habe ich ihn dann nur auf einem Holoprojektor gesehen, meist aufgezeichnete Botschaften, ohne die Möglichkeit, mit ihm interagieren zu können. Schließlich steht er vor mir und ich erkenne ihn kaum wieder. Er wirkt auf mich so klein, was wohl daran liegt, dass ich seit unserem letzten Abschied etwa einen halben Meter in die Höhe geschossen sein dürfte. Nun ist er nur noch unwesentlich größer als ich. Bekleidet ist mein Vater wie ein Zivilist mit weißem Hemd, schwarzer Weste, grauer Hosen und schwarzen Stiefeln. Bewaffnet ist er mit einer Blasterpistole im Tiefziehhalfter. Und mein Papa hat einen Bart, so dass ich ihn erst auf den zweiten Blick erkenne. Offensichtlich lebt er wirklich noch und meine Gefühle könnten widersprüchlicher nicht sein. Auf der anderen Seite grenzenlose Erleichterung und Freude, ihn lebend wieder zu sehen. Auf der anderen ein gewaltiger Zorn auf ihn, weil er mich fünf Jahre lang auf sich hat warten lassen.

"Du bist groß geworden, Lyra", meint mein Vater schließlich, als wir uns eine halbe Minute nun schweigend anstarren. In dem Moment gibt es einen Ruck, als wir den Hyperraum betreten. Mein Blick wandert kurz zu dem blauen Tunnel, durch den wir nun rasen, dann wieder zurück zu meinem Vater. Die Vibrationen werden deutlich weniger und der Geräuschpegel leiser, da die Unterlichttriebwerke nun nicht mehr laufen. Oft in den letzten Jahren habe ich mir ausgemalt, wie es wohl sein würde, wieder vor meinem Papa zu stehen. Je nach Laune bin ich ihm entweder dankbar um den Hals gefallen oder habe ihn angeschrien, weil meine Rettung so verdammt lange auf sich warten gelassen hat. Nun beginnen Tränen über meine Wangen zu rollen und das einzige was ich noch artikulieren kann ist: "Papa!"

Nakagos wirre Gedanken

Anfangs habe ich mir noch überlegt, eine rasante Verfolgungsjagd durch die Straßenschluchten von Nar Shaddaa zu designen. Aber ich denke, die äußere Sicherheit ist eher darauf ausgelegt, abzuschrecken und weniger darauf, einen Gleiter zu verfolgen. Das ganze Konzept dürfte darauf ausgelegt sein, dass ein potentieller Flüchtling gar nicht so weit kommen kann.