Autor Thema: Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story  (Gelesen 430 mal)

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Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #15 am: 07. August 2018, 11:42:13 »
Episode VIII
"Lyra!", meint mein Vater und dann liegen wir uns in den Armen. Wir klammern uns aneinander, als würde unser Leben davon abhängen. Zum ersten mal seit sehr langer Zeit fühle ich mich geborgen. Ein gefühlte Ewigkeit verharren wir so in dieser Pose. Letztendlich habe ich mich so lange nach einer Wiedervereinigung mit meiner Familie gesehnt, dass ich schon fast meine ganze Hoffnung verloren habe. Dann wird mir klar, dass jemand wichtiges fehlt. Ich löse mich von meinem Vater und stelle die Frage, die ich als erste hätte stellen müssen.

"Wo ist Eloy?", frage ich nun, da ich sie hier nicht sehe.

"Ich hatte gehofft, du könntest mir darüber Auskunft geben", erwidert mein Vater mit krächzender Stimme, nach einem Räuspern.

"Ich habe keine Ahnung, wo sie nun ist", erwidere ich, einer weiteren Hoffnung beraubt. Manchmal habe ich gedacht, dass vielleicht mein Vater meine Schwester schon längst aufgespürt hat. Aber dem ist wohl nicht so. Ich fühle grenzenlose Enttäuschung. Und entsetzen darüber, was das für meine kleine Schwester bedeutet. Entweder ist sie schon längst tot oder seit fünf endlosen Jahren eine Sklavin. Ich mag gar nicht daran denken, was sie alles hat erleiden müssen. Ich fange wieder an zu weinen.

"Komm, lass uns in meine Kabine gehen und alles in Ruhe besprechen", schlägt Papa vor und ich nicke bejahend. Er führt mich in eine Nahe gelegene Kajüte, die spartanisch eingerichtet ist. Es gibt eine Tür zur Hygienekabine, zwei Schlafnischen und in der Mitte stehen ein Tisch und zwei halbwegs bequeme Sessel.

Ich setze mich auf einen hin und kann es irgendwie noch gar nicht fassen, dass ich hier bin. Noch nicht mal vor einer Stunde war ich eine zum sterben verdammte Gladiatorin in der Roten Arena und jetzt bin ich frei. Irgendwie habe ich das noch gar nicht richtig realisiert. Nie würde ich mein Leben mehr auf dem mit Blut durchtränkten Sand in der Roten Arena riskieren müssen. Aber ich würde auch nie wieder Prinzessin Xira oder meine Meisterin Tokara sehen können. Beide haben sich in den letzten Jahren für mich als solide Bezugspersonen entwickelt, denen ich letztendlich mein Leben verdanke. Hätte Prinzessin Xira mich damals nicht gekauft, ich wäre wortwörtlich vor die Hunde gegangen. Und wäre Meisterin Tokara nicht immer so geduldig und taktisch so versiert gewesen, ich wäre schon längst in einem der vielen Kämpfe gefallen. Den größten Anteil an meinen Siegen dürfte Meisterin Tokara gehabt haben. Sie hatte jeden Gegner erfolgreich analysiert und darauf eine erfolgreiche Taktik entwickelt, die ich dann in der Arena umgesetzt habe.

"Wie hast du mich gefunden?", frage ich meinen Vater, da mich diese Frage interessiert. Und natürlich auch, warum das fünf Jahre gedauert hat. Immerhin habe ich nach jedem Kampf das Motto meiner Heimatwelt heraus geschrien und mein realer Vorname war auch mein "Künstlername".

"Das ist eine lange Geschichte...", antwortet mein Vater vage.

"Ich hab Zeit, Papa. Nach fünf Jahren hab ich endlich Zeit." Eigentlich wollte ich meinen Vater damit nicht konfrontieren, aber so langsam kocht es doch wieder in mir hoch. Meine Befreiung war nicht wirklich das Problem, habe ich jedenfalls den Eindruck gewonnen. "Was hat so verdammt lange gedauert?"

"Lass mich am Besten am Anfang beginnen. Ich habe erst nach zwei Wochen vom Tod deiner Mutter erfahren. Durch einige unglückliche Umstände sind wohl mehrere untergetauchte Familien aufgespürt worden", beginnt mein Vater.

"War es nicht eher Zufall?", erwidere ich etwas irritiert, da ich bisher immer gedacht hatte, der IG-86 wäre rein zufällig auf meine Mutter getroffen.

"Was genau passiert ist, wissen wir selbst heute nicht wirklich. Auf alle Fälle wurden einige untergetauchte Dissidenten innerhalb kürzester Zeit aufgespürt. Ob Verrat im Spiel war oder alles nur ein unglücklicher Zufall war, wir wissen es schlicht nicht. Deine Mutter konnte jedenfalls einen der Jäger ausschalten, ist dabei aber zu Tode gekommen." Die Stimme meines Vaters bricht und auch ich beginne schon wieder zu weinen, als vor meinem geistigen Auge die Ereignisse von damals wieder hochkommen. Es ist, als wäre es gestern gewesen.

Meine Wut wegen der späten Rettung verfliegt so schnell, wie sie hoch gebrodelt ist. Aber wenn man sehr lange Zeit auf ein Ereignis wartet und Tag für Tag aufs neue Enttäuscht wird, sammelt sich im laufe der Jahre eben eine gewisse Portion von Frustration an. Und Frust schlägt eben schon mal in Wut um.

"Ein Trupp unserer Zelle flog so schnell wie möglich nach Nar Shaddaa, aber da wart ihr zwei Kinder schon längst untergetaucht. Mein Team hat versucht, euren Weg zu rekonstruieren, aber wir haben euch schon kurz nach dem Einkaufszentrum verloren. Eure Mutter hat da recht clever ein Route ausgesucht, der wir nicht folgen konnten", erklärt mein Vater mit ruhiger Stimme. Das war natürlich immer ein Risiko gewesen, wenn man seine Spuren so gut verwischt, wie Mama es für uns geplant hatte. Das die eigentliche Gefahr am Ziel unserer Reise sein könnte, hatte sie nicht in ihre Planung mit einbezogen.

"Ich habe mich so gut wie möglich an das Protokoll gehalten, dass mir Mama beigebracht hat. Wir haben ohne Probleme das Hotel erreicht, wo wir auf Mama warten sollten. Da habe ich dann entdeckt, dass Mama von einen IG-86 erschossen worden war. Da bin ich dann mit Eloy zum Kontaktmann gefahren, der wohl ein paar Tage vorher ebenfalls aufgeflogen sein muss. Auf alle Fälle war das eine gemeine Falle." Ich erzähle Papa, wie wir überlistet wurden, was ich alles probiert habe und wie ich am Ende die Frau erstochen habe. Und dann, wie die zwei Kopfgeldjäger uns voneinander trennten. "Seit dem habe ich Eloy nicht mehr gesehen. Ich weiß noch nicht mal, ob sie überhaupt noch lebt." Wieder übermannen mich meine Emotionen und ich muss noch stärker weinen. Mein Papa legt mir unbeholfen seine schwere Hand auf die Schulter. Ich weiß seine tröstende Geste durchaus zu schätzen. Schließlich beruhige ich mich wieder und wische meine Tränen von den Wangen.

"Nun ja, wir taten alles, was in unserer Macht stand, haben euch aber nicht gefunden."

"Hättest nur die die offiziellen Daten der Hutten durchforsten müssen", merke ich etwas schnippisch an. Ich stell mir das jetzt nicht so schwer vor. Gut, in meinen Akten hatte sich ein Rechtschreibfehler eingeschlichen, trotzdem hätte man das durchaus überprüfen können. Lyra ist nun nicht so ein weit verbreiteter Vorname auf Nar Shaddaa.

"Manchmal übersieht man das offensichtlichste eben. Ich sehe dich an und kann nicht glauben, dass du mit elf Jahren eine erwachsene Frau erstochen hast."

"In Notwehr, um Eloys und mein Leben zu schützen", rechtfertige ich mich, da ich mich durch die Worte meines Vaters etwas angegriffen fühle.

"Tut mir Leid, dass ich dir nicht schon früher helfen konnte", wechselt mein Vater nun das Thema, dass offensichtlich für uns beide äußerst unangenehm ist. Normalerweise wäre es wohl angebracht, meinem Papa zu versichern, dass dies alles nicht so schlimm ist, dass ich gut zurecht gekommen bin. Aber es war schlimm und ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich Todesangst hatte. Ich habe zwar alle kämpfe überlebt und wurde nicht verstümmelt, aber manchmal war es verdammt knapp.

"Also, Papa, wie hast du mich nun gefunden?", frage ich nach, da mich dieses durchaus interessiert, ohne auf seine Entschuldigung einzugehen.

"Ehrlich gesagt, wurde diese Information über deinen Aufenthalt in der Roten Arena über dubiose Kanäle zugespielt. Es gab einige Stimmen, die das ganze für eine perfide Falle des ISB hielten. Aber die Daten waren real und auch die aufgezeigten Möglichkeiten, dich zu befreien, waren korrekt", erklärt mein Papa stockend.

"Moment, willst du mir etwa sagen, du hast nicht weiter nach mir gesucht? Das keiner auf mich Aufmerksam wurde?", hake ich etwas ungläubig nach und bin unglaublich enttäuscht.

"Als ich nach drei Monaten keine konkrete Spur gefunden habe, musste ich die Mission auf Nar Shaddaa abbrechen. Ich hielt euch für Tod, Agenten des ISB waren uns auf den Fersen und da habe ich losgelassen." Auf der einen Seite bin ich Froh, dass mein Vater ehrlich zu mir ist, auf der anderen Seite bin ich entsetzt, dass er nicht weiter gesucht hat. Aber es hat schon seinen Grund, warum auf Nar Shaddaa viele Dissidenten Unterschlupf suchen. In der Masse von 85 Milliarden Lebewesen kann man gut untertauchen und die Hutten sind sehr nachlässig, wenn die Credits stimmen.

"Ich verstehe", erwidere ich etwas reserviert. Ich kann die Handlungsweise meines Vater nachvollziehen, aber wirklich verzeihen tu ich ihm das nicht. Jedenfalls jetzt noch nicht. "Und woher kamen nun die Daten, die zu meiner Befreiung führten?"

"Ehrlich gesagt, wir wissen es nicht. Es lief letztendlich über einen Schwarzmarkthändler, der die Daten einer anderen Zelle der CBF übergab. Die leiteten das Datenpaket an mich weiter, da es an mich adressiert war. Da stand drin, wo du dich aufhältst und wann die Sicherheit der Anlage besonders niedrig ist, dazu noch ein paar Codes, um die Brandmauer der Sicherheitsanlage zu umgehen."

Bei seinen Worten wird mir nun endlich klar, wem ich meine Befreiung zu verdanken habe. Prinzessin Xira hat tatsächlich Wort gehalten. Ich habe ihr vier Jahre lang treu gedient und sie hat einen Weg gefunden, mir die Freiheit zu schenken. Momentan kann ich aber ihre Beweggründe nicht nachvollziehen. Was hat sie davon gehabt? Bei all ihrer Freundlichkeit und Umgänglichkeit habe ich gelernt, dass Prinzessin Xira nichts ohne Grund tut und sie immer ihren Schnitt dabei macht. Das erklärt auch das seltsame Verhalten meiner Meisterin Tokara und die Anwesenheit der Prinzessin in der Trainingshalle vorhin. Jetzt ergeben deren Worte erst wirklich Sinn. Sie haben sich von mir verabschiedet, weil sie wussten oder zumindest ahnten, dass meine Befreiung unmittelbar bevorstand. Aber warum hat Xira das getan? Warum hat sie mir damals versprochen, mich nach vier Jahren gehen zu lassen? Ich könnte mir vorstellen, um mir Hoffnung zu geben, in einen absehbaren Zeitpunkt wieder in Freiheit zu gelangen. Über Sieg oder Niederlage entscheidet oft der Wille zu siegen. Und nach einer gewissen Zeit resignieren viele Gladiatoren und zerbrechen, suchen freiwillig den Tod. Soweit war es sinnvoll, von der Prinzessin, mich das glauben zu lassen. Aber das sie letztendlich auch noch Wort gehalten hat, dass ist das Mysterium, welches ich nicht begreifen kann.

"Und wie ist es dir so ergangen, Papa? Du bist jetzt Leutnant, hat mir Kayleen erzählt", wechsle ich ein weiteres mal das Thema, da mir die Rettung wie ein Wunder vorkommt.

"Das stimmt, ich habe mich im laufe der Jahre etwas in der Hierarchie hocharbeiten können und bin bekleide inzwischen den Rang eines Leutnant. Und, na ja, ich habe vor einem Jahr wieder geheiratet." Den letzten Satz sagt mein Vater in einem Tonfall, als würde ein Junge eine Dummheit gestehen. Und ich muss sagen, seine Worte schneiden tief.

"Aha!", äußere ich mich so neutral wie möglich, während ich innerlich durchaus aufgewühlt bin. Für mich kommt das wie ein Verrat an seiner eigentlichen Familie vor. Nicht nur, dass er seine Töchter aufgegeben hat, mein Vater hat sich auch einen Ersatz für seine Frau, meine Mutter, gesucht. Ich muss mir auf die Lippen beißen, um ihn nicht meine Gedanken laut in sein Gesicht zu schreien. Andererseits ist mir klar, dass mein Vater durchaus das Recht hat, sich nach immerhin vier Jahren Trauerzeit eine neue Frau zu heiraten. Meine Mutter, seine Frau ist tot, dass ist Fakt und ebenso geht das Leben eben weiter. Meine Gefühlcocktail aus Trauer, Zorn und Resignation kämpft gegen meine Liebe zu meinem Papa und dieser Kampf dürfte sich wohl noch etwas hinziehen.

Anfangs in meiner Gefangenschaft habe ich mir oft ausgemalt, wie ein Wiedersehen mit meinem Papa verlaufen könnte, aber keines meiner Szenarien war auch nur dieser niederschmetternden Realität nahe gekommen. Und das allerschlimmste für mich ist, dass Eloy definitiv nicht in Sicherheit ist. Bis zum heutigen Tag hatte ich immer das Quäntchen Hoffnung, dass meine kleine Schwester in Sicherheit gebracht wurde. Aber dem ist nun definitiv nicht so. Mir ist einfach nur zum heulen zumute.

Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #16 am: 09. August 2018, 22:32:07 »
Episode IX

Der Flug an Bord des Frachters der YV-100 Baureihe vergeht buchstäblich wie im Flug. Die neusten Entwicklungen in meinem Leben wirken wie ein Schock auf mich. Nach fünf Jahren bin ich endlich frei, mein Vater lebt, hat neu geheiratet und meine kleine Schwester Eloy ist noch immer spurlos verschwunden. Meine Gefühlslage wechselt in Minutentakt von Erleichterung, Freude, Wut und Trauer. Erleichterung darüber Frei zu sein und darüber, dass mein Gefangenschaft in der Roten Arena zu Ende ist. Freude, dass mein lange totgeglaubter Vater noch lebt. Wut darüber, dass er es fünf Jahre lang nicht geschafft hat, mich aus der Roten Arena zu retten. Erst durch Hinweise, die meine Besitzerin ihm gegeben hat, ist er in die Gänge gekommen. Und da ist Trauer und Sorge über meine kleine Schwester Eloy. Eine Zeitlang habe ich mir eingeredet, dass mein Vater sie sicher schon längst gerettet hat. Es war ein durchaus logisches Szenario, dass Papa versucht, die deutlich jüngere Eloy aus den Fängen der Sklavenhändler zu retten. Eine Hoffnung, an die ich mich lange geklammert habe. Und jetzt erfahre ich, dass er gerade mal drei Monate nach uns gesucht hat. Die rationale, erwachsene Seite in mir kann das durchaus nachvollziehen. Aber gefühlsmäßig fühlt sich das für mich wie Verrat an.

Und das Papa nun auch noch einmal geheiratet hat, macht es nicht besser. Seine Frau kenne ich schon, es handelt sich dabei um Kayleen, die dieses kleine Detail bei unserem ersten Treffen gekonnt unterschlagen hat. Wäre sicherlich auch nicht hilfreich gewesen, sich als meine Stiefmutter vorzustellen, besonders da sie erst Anfang zwanzig ist. Mein Vater ist fast doppelt so alt wie sie. In Kriegszeiten relativiert sich das vielleicht etwas, aber auch das fällt mir schwer einfach so zu akzeptieren. Meine "Eltern" lassen mir genug Freiraum, um diese ganzen neuen Tatsachen erst einmal zu verdauen.

Nach wenigen Augenblicken und einem Äon treten wir wieder aus dem Hyperraum heraus. Momentan habe ich kein Zeitgefühl und keine Ahnung, wie lange der Transfer wirklich gedauert hat. Ich bin wieder auf der Brücke und kann einen Blick auf mein neues zukünftiges Zuhause werfen. Im freien Raum schwebt eine massiv modifizierte L-2783, eine vollständig autarke Abschleppeinheit für im freien Weltraum havarierte Raumschiffe. Diese zeigt sogar noch die alte Kennung des Allgemeinen Corellianischen Raumschiff Club: ACRC. Solche Schiffe werden dazu eingesetzt, um liegengebliebene kleinere Raumschiffe einzusammeln und sie wieder Instand zu setzen. Diese Anlagen sind aber auch in der Lage, größere Raumschiffe im freien Raum wieder flott zu bekommen oder abzuwracken. Allerdings wurden schon in der Vergangenheit diese Schiffe von Piraten auch als Träger für Jägerflottillen eingesetzt. Das Trägerschiff hat die Ästhetik eines fliegenden Backsteins, aber dieses Schiff ist als eines der wenigen Raumfahrzeuge aus corellianischer Produktion nicht auf Geschwindigkeit hin optimiert. Mehrere stark modifizierte YT-1300 sind angedockt. Zusätzliche Geschütztürme sorgen für Nahverteidigung und unten scheint eine starr nach vorn ausgerichtete schwere Turbolaserbatterie montiert worden zu sein, was das Schiff eine beeindruckende Feuerstärke verleiht. Die ganzen Details bekomme ich von meinem Vater erklärt, der einige der Veränderungen wohl mit geplant und wohl auch ausgeführt hat. Unser YV-100 dockt oben an.

Mein Vater geht voraus, ich bin in der Mitte und meine Stiefmutter läuft hinter mir durch die oberen und doch recht engen Gänge des Tenders. Wir sind hier in dem eigentlichen Mannschaftsbereichen, alles ist sauber und in gutem Zustand. Mit einem Turbolift fahren wir auf die Ebene, wo sich ein Kommandozentrum befindet.

"Das ist Commander Shelly, die Leiterin der 77. Zelle der Corellianischen Befreiungsfront, genant Shelly Gundarks", stellt mein Papa mich seiner obersten Anführerin vor. Commander Shelly ist eine brünette Frau in den Vierzigern und trotz des martialischen Namens hat sie etwas mütterliches an sich. Sie wirkt nicht wie eine knallharte Rebellenoffizierin. Überraschenderweise werde ich mit einer herzlichen Umarmung empfangen. Im ersten Moment bleibe ich überrascht stocksteif stehen, dann erwidere ich die Umarmung.

"Du bist groß geworden!", meint sie und dann erfahre ich, dass Shoreh Shelly eine Cousine meiner Mutter ist. Ich kann mich Dunkel an sie erinnern. Einmal hab ich sie auf der Hochzeit meiner Tante, der jüngeren Schwester meiner Mutter gesehen. Das war ein Jahr vor dem Streik und ich hab mit ein paar anderen Mädchen Blütenblätter verstreuen dürfen. Das war spaßig. Ich erzähle davon und wir setzen uns.

"Das ist wirklich bedauerlich, dass der Suchtrupp dich damals nicht gefunden hat. Wir haben während dem Nar Shadda Massaker viele Angehörige verloren. Die 77. allein über zwanzig Frauen, Kinder und Nichtkämpfer. Dem ISB muss es irgendwie gelungen sein, in das Netzwerk der CBF einzudringen. Um so mehr freut es mich, dich heute wohlbehalten hier zu haben. Du muss schreckliches erlebt haben." Den letzten Satz interpretiere ich als Aufforderungen, etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern. Ich berichte zuerst von unserem doch behüteten Leben mit unserer Mutter in den Wohnblock. Wie dann der IG-86 unsere Mutter tötete und wir in den Untergrund gingen. Und das so gut, dass nicht mal unser eigener Vater uns folgen konnte. Dann die Falle am Ende und unsere Gefangennahme durch die Kopfgeldjäger.

Dann erzähle ich von meiner Verurteilung zum Tod in der Arena und mein Leben als Gladiatorin des Hauses Triangulum. Wie viel ich meiner Besitzerin und meiner Trainerin verdanke. Ohne sie wäre ich auf dem Roten Sand gestorben.

"Es ist natürlich, dass du für deine Ausbeuter etwas empfindest", merkt Commander Shelly an.

"Prinzessin Xira hat mir das Leben gerettet, als sie alle frei verkäuflichen Anteile erworben hat. Und Meisterin Tokara hat mich durch ihre ausgefeilten Taktiken durch jeden Kampf geführt. Ohne sie hätte den ersten Kampf schon nicht überlebt", erwidere ich heftiger, als beabsichtigt. Mir ist klar, dass ich da nur eine zum Tode verurteilte Sklavin war, trotzdem empfinde ich viel für diese beiden Frauen und darunter sehr viel Dankbarkeit. Commander Shelly und Papa tauschen nur Blicke aus, was mir zeigt, dass sie meinen Worten keine Bedeutung beimessen. Also wechsele ich das Thema von der Vergangenheit in die Zukunft.

"Und was passiert nun mit mir?", frage ich, da es mir unklug erscheint, gleich mit Forderungen zu beginnen.

"Du bleibst natürlich hier", meint mein Vater.

"Unser Protokoll bezüglich nicht kämpfender Angehöriger hat sich nach dem Nar Shaddaa Massaker deutlich geändert. Nicht kämpfende Familienangehörige leben und arbeiten auf dem Basisschiff."

"Und wenn ich mich der Befreiungsfront anschließen möchte?", erwidere ich.

"Das kommt gar nicht in Frage!", blockt mein Vater sofort ab.

"Warum?", frage ich und verschränke meine Arme vor meiner Brust.

"Das ist zu gefährlich für dich", versucht mein Vater sich zu erklären. Ich lache bitter auf und fühle mich nicht ernst genommen.

"So gefährlich, wie auf Nar Shaddaa zu bleiben? So gefährlich wie 134 Kämpfe auf Leben und Tod in der Roten Arena zu bestehen? Falls du es noch nicht gemerkt hast, ich bin kein kleines Kind mehr, sondern eine ausgebildete und kampferfahrene Gladiatorin!", argumentiere ich ruhig, aber mit schärfe in meiner Stimme.

"Du bist immer noch minderjährig und ich bin dein Vater! Und ich erlaube es nicht", versucht mein Vater einen auf autoritär zu machen, was ihm aber nicht wirklich gut gelingt.

"Biologisch gesehen, ja! Aber Papa, in meinen Augen hast du jedes Recht verloren, in irgend einer Art über mich zu bestimmen. Noch einmal, ich bin kein kleines Kind mehr!"

"Lyra ist in der Tat kein kleines Kind mehr, Many", bekomme ich überraschend von Kayleen Unterstützung. Das irritiert mich doch etwas und weiß nicht, was ich davon halten soll. Will sie sich damit bei mir gut Freund machen? Immerhin ist sie meine Stiefmutter, auch wenn ich diese Tatsache immer noch äußerst befremdlich, wenn nicht gar abstoßend empfinde. Ich denke Kayleen ist in Ordnung, aber es käme mir wie Verrat an meine Mutter vor, sie jetzt gleich in mein Herz zu schließen.

"Lyra ist sechzehn und damit alt genug, um zum Rekrutentraining zugelassen zu werden", wirft auch Commander Shelly ein.

"Ich will dich nicht wieder verlieren, Lyra", wechselt mein Vater nun seine Taktik.

"Hast du so wenig Vertrauen in mich? Ich habe fünf Jahre in der Roten Arena überlebt. Und ich habe nicht vor, zu sterben."

"Das hat niemand, trotzdem haben wir Verluste", argumentiert mein Papa und ich sehe, dass er sich wirklich Sorgen um mich macht.

"Ein Restrisiko bleibt wohl immer", meine ich dazu nur. "Aber es ist mein Leben und damit meine Entscheidung!"

"Ich habe vergessen, wie unglaublich Dickköpfig du sein kannst", erwidert mein Vater mit einem Seufzer und fährt sich nachdenklich über seinen Bart. "Es gefällt mir zwar nicht, aber wir können wohl jeden brauchen, der in der Lage ist einen Blaster in die richtige Richtung zu halten. Nun gut, wenn du unbedingt in den Krieg willst, kann ich dich wohl nicht wirklich aufhalten. Versuche aber bitte nicht den Helden zu spielen und denke daran, es ist besser auch noch Morgen zu kämpfen", gibt mein Vater schließlich nach.

"Danke, Papa!", meine ich und fühle obwohl ich meinen Willen durchgesetzt habe keinen Triumph.

"Dann willkommen in der Rebellion, Rekrut Askana", meint Commander Shelly und scheint sich darüber zu freuen, dass ich mich den Rebellen angeschlossen habe.

"Und was machen wir nun in Bezug auf Eloy?", spreche ich ein weiteres heikles Thema an.

"Hast du eine Ahnung, wo sich deine kleine Schwester befindet?", fragt Commander Shelly.

"Wir wurden vor fünf Jahren getrennt und Eloy wurde von einem Kopfgeldjäger in die Sklaverei verschleppt. Ich habe keine Ahnung, ob sie überhaupt noch lebt", erzähle ich niedergeschlagen. Commander Shelly und mein Vater beginnen mich nach Details auszufragen. Nach fünf Jahren ist viel nur noch verschwommen.

"Puschel!", meine ich schließlich, mich an etwas wichtiges erinnernd. Alle Erwachsenen im Raum wiederholen irritiert nachfragend dieses Wort.

"Puschel war mein Unterhaltungsdroide, den ich schließlich Eli überlassen musste. Der Sakiyan hat unsere Rucksäcke mitgenommen und darin war Puschel. Da der ziemlich wertvoll ist, hat er ein Ortungssystem, falls er mal gestohlen wird oder Eloy ihn verliert. Das hat Mama damals installiert. Vielleicht ist es noch aktiv."

"Das wäre eine Chance, aber es ist fraglich, ob Puschel noch im Besitz des Kopfgeldjägers ist. Der wird den weiter verkauft haben", gibt mein Vater zu bedenken.

"Nicht unbedingt. Der wollte damals heiraten. Vielleicht hat er das teure Spielzeug für seine Kinder behalten", erinnere ich mich an einen weiteren Umstand.

"Gut, dem können wir nachgehen. Ich werde bei nächster Gelegenheit deinen Vater und ein Suchteam nach Nar Shaddaa schicken, welche diese Spur verfolgen wird. Aber nicht heute, es gibt noch andere Dinge in diesem Krieg, die erledigt werden müssen. Und du, Lyra, wirst schön hier bleiben und die notwendigen Grundlagen erlernen", sagt Commander Shelly in einem bestimmenden Ton. Für mich ist Pflaster wohl momentan auf dieser Welt zu heiß. Aber diese Zelle scheint über genug Personal zu verfügen und es freut mich, dass mein Commander sofort Leute darauf ansetzt. Natürlich wäre ich am liebsten selbst auf die Suche gegangen, aber meine Flucht aus der Roten Arena hat sicherlich einiges an Staub aufgewirbelt.

Nakagos wirre Gedanken

Die ACRC habe ich erfunden und ist als Homage an den ADAC zu verstehen, der mir schon mehrmals aus der Patsche geholfen hat.

Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #17 am: 12. August 2018, 17:58:11 »
Episode X

Ich bin unglaublich wütend. Mein Schwester ist noch irgendwo da draußen und statt nach ihr zu suchen, stehe ich an einem Becken und wasche Teller ab. Ich, die 134 Kämpfe auf Leben und Tod überstanden habe, verplempere ich meine Zeit mit Tellerwachen. Am liebsten würde ich jedes einzelne Stück Geschirr an die Wand werfen, bis nur noch ein Haufen Scherben davon übrig bleiben. Als Commander Shelly von den Grundlagen gesprochen hat, habe ich mir etwas anderes als Teller abwaschen darunter vorgestellt.

Auf der einen Seite kann ich Froh sein, dass die CBF überhaupt jemanden darauf ansetzt, meine Schwester zu finden, aber dass soll erst in einigen Wochen geschehen, da momentan einige Einsätze anstehen. Was genau, weiß ich nicht. Familie ist wichtig, aber den Krieg zu gewinnen wohl wichtiger.

Auch bin ich deshalb wütend, dass man, statt mich sofort zur vollwertigen Soldatin auszubilden, ich erst drei Monate damit verbringen muss, verschiedene untergeordnete Arbeiten zu erledigen. Normalerweise dauert diese Phase bei den meisten Rekruten ein halbes bis ein ganzes Jahr, bis es zur Kampfausbildung kommt. Aber ich bin in einer hervorragenden körperlichen Verfassung und durchaus kampferprobt. Arenakämpfe haben sicherlich wenig mit einem realen Gefecht mit Blastern auf einem Schlachtfeld zu tun. Aber wenn ich etwas wirklich gut kann, dann ist es töten.

In dem Moment stellt sich eine Person an die Spüle neben mir und nimmt sich einen Teil meiner Arbeit vor. Überrascht blicke ich Kayleen an, meine neue Stiefmutter.

"Ich brauche deine Hilfe nicht!", blaffe ich sie rein reflexartig schon aus Prinzip an, obwohl ihre Hilfe durchaus willkommen ist. Ich bin immer noch wütend, dass mein Vater einfach so wieder geheiratet hat und dazu noch eine Frau, die deutlich jünger als er ist.

"Ich weiß", erwidert Kayleen und macht unverdrossen weiter. Ein kurzen Moment überlege ich, ob ich was nach ihr werfen oder sie einfach nur anschreien soll, dann wird mir bewusst, wie kindisch und unreif das wäre. Genau so kindisch, wie über all das hier wütend zu sein. Ich weiß es und ich kann trotzdem nicht anders. Gestern war ich noch der Champion des Hauses Triangulum, nun bin ich ein Küchenmädchen. Das ist überaus frustrierend.

"Ich werde dir dafür nicht danken!", meine ich, weiter in meiner unreifen Haltung verharrend. Statt mich weiter in Selbstmitleid baden zu können, fängt Kayleen obendrein auch noch ein fröhliches Liedchen an zu summen, ohne weiter auf meine Worte einzugehen. Ich überlege kurz, ob ich einfach gehen soll, aber damit würde ich nur eingestehen, nicht reif für die kämpfende Truppe zu sein. Verbissen und immer noch wütend schrubbe ich Teller ab und stelle mir vor, dass mit jedem sauberen Teller ein Sturmtruppler stirbt. Stoisch schweigend bringe ich meine Arbeit zu Ende und räume die nun sauberen Teller in die dafür vorgesehenen Staufächer. Kayleen hilft mir dabei immer noch unverdrossen vor sich hinsummend. Wie ich sie dafür hasse, dass sie es mir so schwer macht, sie zu hassen!

"Du bist wütend", meint sie schließlich, als wir fertig sind und ich mir unwirsch die Handschuhe von den Hände ziehe.

"Ja!", erwidere ich kurz angebunden, da dieser Fakt wohl zu offensichtlich ist, um ihn auch nur ansatzweise abstreiten zu können.

"Ich wäre das an deiner Stelle auch. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was du in den letzten Jahren alles hat durchmachen müssen. Ich bin mit der Familie meiner Tante damals auch nach Nar Shaddaa geflohen. Im Gegensatz zu dir, war ich die letzte Überlende meiner Familie. Ich kam bei netten Verwandten unter, die mich quasi adoptiert haben und mich wie eines ihrer drei Kinder behandelt haben. Wir hatten Glück und flogen nicht auf. Du warst gerade mal elf, als deine Mutter ermordet wurde und du die alleinige Verantwortung für deine Schwester übernommen hast. So eine große Aufgabe und du hast gerade deine Mutter verloren, während dein Vater sonst wo gekämpft hat. Das muss dich unglaublich überfordert haben. Dann diese schreckliche Falle und die Trennung von deiner Schwester. Schließlich fünf Jahre lang in der Hölle einer huttischen Arena gefangen zu sein. Tag für Tag auf Rettung hoffend und um dein Leben kämpfend, dass muss hart für dich gewesen sein", fasst Kayleen überraschend präzise meine letzten Jahre zusammen. Ihr Tonfall ist dabei sachlich.

"Und?", frage ich unwirscher, als ich wirklich bin. Aber Kayleen ist meine Stiefmutter und irgendwie fühle ich mich aus irgend einem irrationalen Grund dazu verpflichtet, sie zu hassen. Aber ich muss gestehen, wirklich gelingen tut mir das nicht, was mir wie ein Verrat an meine Mutter vorkommt. Das ist die Neue von meinem Vater, die er geheiratet hat, kaum dass sie tot war. Wenn man vier Jahre als kaum bezeichnen mag.

"Dein Vater hatte es auch nicht leicht. Getrennt von seiner geliebten Familie. Es war mein erster Auftrag als Soldatin der CBF deinen Vater als ortskundige Führerin auf Nar Shaddaa zur Seite zu stehen. Wir waren nur ein kleines Team von vier Personen, mehr konnte Commander Shelly damals nicht entbehren. Sie hat einer der besten Hacker der Zelle mitgegeben, trotzdem konnten wir nichts finden. Dein Vater hat sehr emotional darauf reagiert..." An der Stelle unterbreche ich sie mit einem geblafften: "Wie gut, dass du zur Stelle warst, um ihn zu trösten." Aber sie fährt fort, als hätte ich sie nie unterbrochen. "Er hat viel von seiner Frau und seinen Kindern erzählt. Jeden Tag hat er gelitten und gehofft. Leider haben wir damals versagt. Die Hutten im Gericht haben deinen Namen falsch geschrieben, wie ich heute erfahren habe, deswegen schlug das Suchprogramm wohl nicht an."

"Lyra ist kein sehr häufiger Name. Eine kleine Überprüfung wäre vielleicht nicht so verkehrt gewesen!", gebe ich zu bedenken.

"Da wäre ein sorgfältigeres Vorgehen sicherlich angebracht gewesen. Aber die Zeiten waren hart. Uns waren Agenten des ISB auf der Spur und mussten oft unseren Standort wechseln. Einmal verloren wir einen erheblichen Teil unserer Ausrüstung. Auch haben wir noch nach anderen Verschollenen gesucht und uns dadurch sicherlich verzettelt. Fehler wurden gemacht, Friktion fand in immer stärkeren Maße statt und die Operation war ein vollkommener Fehlschlag. Heute würden alle Beteiligten anders vorgehen. Aber damals wussten wir es eben nicht besser. Das alles tut mir so unendlich Leid und ich hoffe, du kannst eines Tages deinem Vater und vielleicht auch mir verzeihen", erklärt Kayleen ruhig die damalige Situation und ich merke, wie meine Wut langsam aber sicher verraucht. Stattdessen ist da nur noch Leere und Traurigkeit. Dann kommen die Tränen, die sicherlich schon seit sehr langer Zeit überfällig waren. Spontan umarmt mich Kayleen tröstend und ich weiß das zu schätzen. Zum ersten mal habe ich das Gefühl, zu Hause und in Sicherheit zu sein.

Nakagos wirre Gedanken

Damit wäre ein weiterer Schritt in Lyras Entwicklung vollbracht. Nächstes Update gibt es ein wiedersehen mit einem kanonischen Charakter. Anfangs wollte ich ja keine offiziellen Charaktere einbringen, aber da dies ja einst als eigenständiger Band geplant war, hat sich das nun geändert

Nakago

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Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story
« Antwort #18 am: 14. August 2018, 16:13:46 »
Episode XI

Das letzte dreiviertel Jahr ist wie im Flug vergangen. Drei Monate ziviler Durchlauf durch die meisten Stationen der "Gundark", wie das massiv modifizierte L-2783 Raumschiff heißt, waren recht lehrreich. In der Zeit konnte ich bei meiner neuen "Familie" eingewöhnen. Anfangs habe ich die ganzen verschiedenen Aufgaben des Durchlaufes als Zeitverschwendung aufgefasst, aber dann wurde mir klar, dass ich dadurch zum einem viele verschiedene Fertigkeiten rudimentär habe erlernen können. Zum anderem konnte ich mich an mein neues Leben in Freiheit gewöhnen. Während dieser Zeit hat mir Kayleen sehr geholfen und inzwischen kann ich sie als meine Stiefmutter akzeptieren, auch wenn sie nie den Platz meiner leiblichen Mutter in meinem Herzen einnehmen wird.

Dann drei Monate Grundausbildung zum Soldaten. Dann weitere drei Monate allgemeine Kampfausbildung. Ich habe nun das notwendige Rüstzeug, um ein vollwertiges kämpfendes Mitglied von "Shellys Gundarks" zu werden. Da ich durch meine Zeit in der Arena schon sehr fit war, fiel es mir recht leicht, die Ausbildung zu bestehen. Aber mir ist klar, dass ich in vielen Bereichen noch am Anfang stehe. Meine Fähigkeiten mit dem Blaster lassen noch sehr zu wünschen übrig.

Die Rekrutenausbildung fand nicht auf diesem Schiff statt, sondern bei der Zelle 23. Die haben einen stark modifizierten Gozanti Kreuzer mit dem Namen "Lehrreich". Auf zehn Rekruten kam ein Ausbilder und insgesamt gab es sechs Gruppen. Die eigentliche Feldausbildung fand auf einen Namenlosen Planeten statt. Wir nannten ihn intern einfach "Übungswelt". Wahrscheinlich hat die Welt schon einen Namen, aber der war wohl zu geheim. Jedenfalls gab es dort mehrere Stützpunkte und auch weitere Ausbildungseinheiten der Zelle 23, dessen primärer Zweck wohl die Ausbildung von Rekruten und weiterführende Kampfausbildung für andere Zellen sein dürfte.

Der Tonfall war sicherlich streng, aber immer sachlich. Niemand wurde gedemütigt oder zur Schnecke gemacht. Schließlich waren wir alles Freiwillige, wild entschlossen für die Freiheit aller Völker und Rassen zu kämpfen. Die Gruppen waren so eingeteilt, dass es die gleichen Stärken wie auch Schwächen gab. Wir von Gruppe Esk waren alle körperlich Fit und hatten Nahkampferfahrung, aber keiner konnte wirklich mit einem Blaster umgehen. Also hatten wir verstärkt Training mit der Blasterpistole, dem Blasterkarabiner und dem Blastergewehr.

Die meisten Trainingseinheiten waren darauf angelegt, dass nur Teamarbeit zum Erfolg führt. So lernt jeder Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen. Das war für mich lehrreich, da ich bisher als zum Tode verurteilte Gladiatorin immer nur eine Einzelkämpferin war. Es hat natürlich etwas gedauert, bis wir ein Team wurden, aber dann lief es ziemlich gut. Wir waren zwar nicht die Besten bei der Abschlussprüfung, aber zweiter Platz ist trotzdem ein Erfolgserlebnis.

Nach einem viel zu frühen Wecken gab es Morgensport, dann Zeit zum frisch machen und die Bude auf Hochglanz zu bringen, um die übliche Inspektion ohne Strafeinheiten wie Liegestütze zu überstehen. Dann ein reichhaltiges Frühstück. Bis zum Mittagessen gab es theoretischen Unterricht wie allgemeine militärische Rituale und Gepflogenheiten, Rangabzeichen, Fahrzeugkunde, Waffenkunde und viel militärische Theorie. Oder wie baue ich meinen Blaster auseinander, wechsel ein defektes Teil und bastle ihn wieder zusammen. Nach dem Mittagessen ging es dann auf den Parcours. Das ist ein Trainingsaufbau, den man ablaufen muss und einige Hindernisse darauf sind nur durch koordinierte Teamarbeit zu überwinden. Die ersten zwei Wochen machten wir das in Sportkleidung, dann in voller Montur. Nach vier Wochen kam ein Tornister hinzu. Anfangs nur mit leichten Gewichten beladen, bis er schließlich das normale Kampfgewicht aufwies. Und im letzten Monat der Grundausbildung gingen wir mit regulärer Bewaffnung und Ausrüstung auf den Parcours.

Darauf folgten dann verschiedene Trainingseinheiten wie Waffenloser Nahkampf, Kampf mit dem Messer oder Knüppel. Oder es ging auf den Schießstand. Oder weitere Sporteinheiten zum verbessern der körperlichen Kondition. Manchmal auch Mannschaftsspiele wie Schlagball.

Nach fünf regulären Tagen ging es für zwei immer ins Gelände. Wir fingen mit zehn Kilometer Geländemarsch an, dazwischen gab es verschiedene Übungsszenarien. So Sachen wie Scharfschützenangriff aus dem Hinterhalt, Artillerieschlag oder robben durch das Gelände. Dann wurde ein Lager aufgebaut, also Zelte aufstellen, Schützenlöcher ausheben und Perimetersicherung installieren. Nach einer Übernachtung mit verschiedenen Diensten ging es dann wieder zu einem Marsch ins Gelände. Mit jeder Woche wurden die Distanzen länger und die Aufgaben anspruchsvoller.

Die Abschlussprüfung war dann ein Marsch von fünfzig Kilometern, auf dem es zehn besondere Aufgaben zu meistern gab. Das hat den ganzen Tag gedauert und wir waren am Ende entsprechend fertig. Aber nun waren wir keine Rekruten mehr, sondern Soldaten. Das war ein sehr erhebendes Gefühl. Trotzdem war uns allen klar, dass dies nur der erste Schritt war, dass waren nur die Grundlagen. Nun kamen weitere drei Monate Kampfausbildung. Hier wurden nun reale Gefechtssituationen trainiert. Stellungskampf, Bewegungskampf, Abwehr, Angriff, offenes Gelände, schwieriges Gelände, Gebäudekampf, Entermanöver und viele verschiedene Szenarien. Auch hier gab es dann einen Parcours, nur war der jeden Tag etwas aufgebaut. Mal zusätzliche Hindernisse oder ein Ausbilder galt als Verwundeter und das Ziel war, ihn unbeschadet von Start zum Ziel zu tragen. Oder wir wurden die ganze Zeit dabei beschossen, mussten uns aufteilen, eine Gruppe rannte zur nächsten Deckung, die andere gab Deckungsfeuer. Wir wurden nun darauf vorbereitet, dass nichts so ist, wie es scheint.

Informationen der Aufklärung verlieren sehr schnell an Wert. Schon eine Viertelstunde später ist eine gesicherte Information nur noch zu 95% korrekt und je mehr Zeit vergeht, desto mehr kann sich geändert haben. Eine leicht verteidigte Stellung kann gerade massive Verstärkung erhalten haben. Truppenverbände haben sich umgruppiert. Das einzige sichere im Krieg war, dass nichts sicher war. Und darauf wurden wir nun vorbereitet. Die CBF war nicht groß genug, um jetzt das Imperium eine offene Feldschlacht zu liefern, aber irgendwann würde der Zeitpunkt kommen, wo wir mehr als kleine Nadelstiche setzen würden. Deswegen wurde dann im letzten Monat der Fokus auf die Art von Missionen gelegt, die wir momentan am häufigsten machen. Infiltration, Gefangenenbefreiung, Rettungsmissionen und Sabotage.

Die Abschlussprüfung dieses zweiten Lehrganges zog sich dann über zwei Tage hin und insgesamt mussten über 70 Kilometer zu Fuß zurück gelegt werden. Auch hier gab es dann verschiedene Aufgaben zu meistern. Darunter auch ein befestigtes Nachtlager aufzubauen, zu sichern und es dann schnell unter Feindfeuer zu evakuieren. Das war schon deutlich anspruchsvoller, aber auch das konnten wir dank unserer guten Ausbildung meistern. Nun waren wir so gut es eben ging auf den Ernstfall vorbereitet. Aber uns war allen klar, wirkliche Erfahrung würden wir nur im richtigen Einsatz sammeln können. Die Ausbildung dient nur dazu, um uns in die Lage zu versetzen, unser ersten Kontakt mit dem Feind zu überleben.

Mit neun anderen frisch gebackenen Soldaten stehe ich nun in meiner neuen grauen Uniform vor Commander Shelly und nehme als Zeichen der Aufnahme in die CBF aus ihrer Hand ein Vibromesser entgegen, dessen Griff aus dem Horn eines Gundarks besteht. Ein erhebender Moment, der mich mit Stolz erfüllt. Meine Euphorie verfliegt, als ich erfahre, dass ich Commander Shelly als Adjutant zugeteilt werde. Ich hatte eigentlich auf einen aktiven Posten bei einer der Kampfeinheiten gehofft, für die man mich ausgebildet hat. Stattdessen bekomme ich einen Schreibtischposten.

"War das deine Idee?", frage ich meinen Papa nach der Beendigung der Zeremonie in einem scharfen Tonfall. Nach feiern ist mir nun nicht mehr zumute, als alle anderen zur Cantina strömen, um auf ihr neues Leben mit einem Glas corellianischen Whiskey anzustoßen.

"Nein, ich habe nichts mit der Entscheidung unseres Commanders zu tun", erwidert mein Vater und hebt beschwichtigend die Hände. Ich schaue ihn prüfend an und komme zu dem Schluss, dass er mir die Wahrheit sagt.

"Warum kommt unser Commander auf die Idee, mich auf einen Schreibtischposten abzuschieben?", frage ich ihn etwas ruhiger.

"Weil dein Commander findet, ein sechzehnjähriges Mädchen sollte erst noch einige wichtige Dinge lernen, bevor es in den Krieg zieht", höre ich hinter mit die Stimme von Commander Shelly, die offensichtlich sehr leise zu uns getreten ist.

"Ich habe 134 Kämpfe in der Roten Arena überlebt und bin auch bald siebzehn. Ich kann gut auf mich aufpassen!", wiederhole ich mal wieder meine Argumente, warum ich in die kämpfende Truppe gehöre.

"Das mag sein. Aber ich bin nicht Prinzessin Xira und auch kein Jedi, der eine Jugendliche in einen blutigen Konflikt schickt. Ich weiß, du hast gut in der Ausbildung abgeschnitten und deine Ausbilder sind voll des Lobes. Betrachte dies alles als Chance, um dich weiter zu entwickeln und nicht als Strafe. Übe weiter mit dem Blaster und wenn du das goldene Blasterabzeichen errungen hast, reden wir weiter."

"Jawohl, Commander Shelly!", bestätige ich den Befehl, da weiterer Widerstand meinerseits mir nicht zielführend erscheint. Mein kommandierender Offizier hat sich meine Argumente angehört und anders entschieden. Das habe ich nun als Soldat von "Shelly Gundarks" zu akzeptieren. Und natürlich bin ich auch erfreut über die Tatsache, dass ich mit Erringen des goldenen Blasterabzeichens die Sache selbst in die Hand nehmen kann.

Der Dienst an sich entpuppt sich als relativ angenehm, auch wenn es mir nach etwas Handfesterem steht. Unsere Einheit operiert momentan am Äußeren Rand in der Nähe von Zygerria. Diese Welt hat sehr vom Aufstieg des Imperiums profitiert und ist eine Drehscheibe des Intergalaktischen Sklavenhandels geworden. Zelle 77 hat den Auftrag, den Warenverkehr durch die Kaperung und Übernahme von Sklaventransportern oder, falls möglich von Sklavenjägern zu behindern. Dadurch sollen dem Markt Sklaven, Fänger und Transportkapazität entzogen werden. Gleichzeitig werden so neue Raumschiffe gekapert und potentielle Rekruten für den Widerstand gewonnen. Natürlich wäre ich lieber bei den Entermannschaften, welche die Schiffe stürmen und nicht hier an einem Schreibtisch mit organisatorischen Arbeiten beschäftigt.

Eine meiner Aufgaben ist es, Besucher zu empfangen und mit um deren Wohlergehen zu kümmern. Hin und wieder besuchen uns Vertreter anderer Zellen oder Boten von der Führungsebene, welche neue Befehle bringen oder Statusmeldungen entgegen nehmen.

"Lyra, es hat sich ein Gast angekündigt. Eine Agentin der Alderaaner mit dem Codenamen Fulcrum. Nimm sie bitte im Haupthangar Empfang und führe sie in mein Büro."

"Zu Befehl, Commander!" Mit diesen Worten stehe ich auf und eile in den Hangar, wo gerade ein kleiner YT-1760 landet. Diese kompakten und sehr schnellen Raumschiffe sind primär Shuttles für betuchte Reisende. Diese schnittige Baureihe wird auch für Kurierdienste verwendet. In unserer Zelle gibt es mehrere Exemplare davon, die zu Waffenstarrenden Kanonenbooten ausgebaut wurden. Aus der Luke hinten am Rumpf tritt eine verhüllte Gestalt. Sie ist deutlich größer als ich. Die graue Robe mit dem über den Kopf gezogenen Kapuze verhüllt die Person fast vollkommen, so dass ich nicht erkennen kann, ob ich nun einen Mann oder eine Frau vor mir habe. An der Ausformung der Kapuze kann ich aber sehen, dass ich vor mir keinen Mensch habe.

"Willkommen an Bord der Gundark, Fulcrum. Ich bin beauftragt, Euch zu Commander Shelly zu führen. Wenn Ihr so freundlich wärt, mir zu folgen?", sage ich mein für diese Situation übliches Sprüchlein auf und gehe voran. Der Agent folgt mir auf dem Fuß. Ich führe Fulcrum direkt in das Büro meines Commanders und frage: "Brauchen Sie mich noch?"

Jetzt wo wir nur noch zu dritt sind, schlägt die Gestalt ihre Kapuze zurück und darunter kommt eine Togruta zum Vorschein. Eine humanoide Rasse von der Welt Shili. Ich bin mir nicht sicher, in welcher Region diese Welt liegt. Statt Ohren haben diese Wesen sogenannte Montrals, mit denen sie gut hören. Besonders feine Sinne erhalten sie durch ihre Lekku, die aber deutlich kürzer sind als bei den Twi´lek. Eine berühmte Jedimeisterin und ein ebenso berüchtigter Padawan stammen von dieser Welt. Und wenn mich nicht alles täuscht, habe ich genau diesen berüchtigten Padawan mit dem Namen Ahsoka Tano vor mir.

"Von Ihnen hatte ich mal ein Actionfigur und einen rot weiß lackierten Delta-7 Aethersprite, der fernsteuerbar und flugfähig war!", stoße ich aufgeregt hervor. Erst danach wird mir klar, wie unangebracht diese Bemerkung war und ich spüre, wie ich knallrot werde. Am liebsten würde ich vor Scham im Boden verschwinden. Aber Lady Tano lacht nur.

"Da gebe ich mir solche Mühe, meine Identität geheim zu halten und jetzt erfahre ich, dass von mir Spielzeug zu kaufen gibt", meint die ehemalige Jedi durchaus gut gelaunt. Aber dann fährt sie mit ernsterem Tonfall fort: "Ich hoffe, ich kann auf deine Diskretion zählen?"

"Aber selbstverständlich, Lady Tano. Ich werde niemanden etwas davon erzählen!", verkünde ich und meine es auch so. Bevor es noch peinlicher wird, fliehe ich schier aus dem Büro. Draußen halte ich inne und muss an mich halten, nicht wie ein kleines Kind vor Begeisterung quietschend auf und ab zu hüpfen. Ich habe eine Leibhaftige Heldin meiner Kindheit kennen gelernt, wer kann so was schon vor sich behaupten?

Nakagos wirre Gedanken

Ich habe die militärische Ausbildung von Lyra mit ein paar Sätzen zusammen gefasst, da ich das Militärgedöns nicht zu sehr auswalzen wollte. Wir erreichen nun den Zeitpunkt, wo sich im alten Kanon die Rebellenallianz mit der Erklärung von Corellia bildet. Momentan gibt durch Solo eine gewisse Diskrepanz, da Enfy Nest in ihrer Rede schon deutlich  früher von einer Allianz spricht. Aber auf der anderen Seite dürfte es schon früh hier und da Zellen gegeben haben, die überregional zusammen gearbeitet haben dürften. Wie auch immer, da fand ich es einfach sinnig, Ahsoka Tano als Emissär von Bail Organa auftauchen zu lassen. Im nächsten Kapitel taucht dann ein weiterer kanonischer Charakter auf.