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Autor Thema: Stadt der gläsernen Gesänge  (Gelesen 87528 mal)

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Nightmoon

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #360 am: 24. Oktober 2023, 23:39:35 »
Kapitel X: Zwischen den Stühlen

Grimwardt
Anauroch
Es war eine quälende Arbeit gewesen sich durch den Sand nach oben zu graben, doch zumindest hatte er durch seinen Schutzzauber die Lawine überlebt. Er klopfte sich die letzten Sandreste ab und wollte gerade entscheiden, wohin er nun gehen sollte, als er bemerkte, dass ihm ein wichtiger Orientierungspunkt fehlte: Umbra war verschwunden. War die Stadt explodiert und die Druckwelle hatte die Lawine ausgelöst? aber wo waren dann die Trümmer. War die Stadt immer noch da, aber unsichtbar? Wie dem auch war, er war sich sicher, dass seine Schwester etwas damit zu tun hatte. Er schaute sich genauer um. Einige Tote auf beiden Seiten waren halb vom Sand bedeckt. Wie viele noch ganz unter den Sandmassen ihr Grab gefunden haben mochten, war schwer abzuschätzen.
„Verräter! Wo ist sie?" Ein mit Krummsäbeln bewaffneter Bedine kam wütend auf Grimwardt zugerannt. In seinen Augen brennender Zorn. „HALT!" Grimwardts göttlicher Befehl durchdrang den verwirrten jungen Mann. Grim hatte ein ungutes Gefühl. „Was habt ihr mir vorzuwerfen? was denkt ihr, was ich getan habe?" Unfähig sich zu bewegen sprach der Bursche weiter: „Alle haben es gesehen! Ihr habt die Elah´ni entführt!" Winters Vision kam ihm sofort in den Sinn. Aber dann wäre sie nicht entführt, sondern getötet worden. „Das war ein Trick der Umbranten, Soldat! Seid kein Tor!" Langsam schien wieder gesunder Menschenverstand in den Geist des Jungen einzukehren. „Sag mir was du gesehen hast. Was genau ist hier passiert, als ich vom Sand überspült wurde?"
Entgeistert blickte er dem Heerführer in die Augen. „Dann wisst ihr es nicht? Die Stadt, sie ist abgestürzt. Wir konnten es aus der Ferne sehen, nachdem die Elah´ni uns von der Schlacht fortgebracht hatte. Doch kurz bevor sie aufschlug, verschwand sie einfach und war fort. Es war eigenartig. Zuvor raste eine gewaltige Düne in Form eines Kopfes genau auf uns zu. Auch euch begrub sie wohl. Doch als die Stadt herunterstürzte, kam auch die Düne plötzlich zum erliegen. Manche behaupten, sie hätten am Himmel ein helles Leuchten und Shar selbst gesehen. Alle jubelten, weil unser Sieg gewiss schien."
Langsam ergab alles Sinn für ihn. Die riesige Düne kannte Grimwardt bereits. ein mächtiger Zauber von Telamont. Offenbar wollte er seine Feinde vernichten, selbst wenn es den Tod seiner eigenen Soldaten bedeutete. Doch dann kam wohl Winter ins Spiel und ließ die Stadt abstürzen. Telamont hatte keine Wahl mehr. Er musste den Zauber abbrechen und die Stadt auf die Schattenebene versetzen, so wie er es schon einmal getan hatte. „Und was ist dann geschehen? Was ist mit meiner Nichte?" Der Bedine senkte den Blick. „Ihr... jemand in eurer Gestalt tauchte plötzlich auf und nahm sie einfach mit." Es war seine Entscheidung gewesen, durch die Scarlet entführt worden war. Er würde es auch wieder gerade biegen müssen. Offenbar steckte der verbliebene Zwillingsprinz hinter der Aktion. Er brauchte mehr Informationen.
Und die verschaffte er sich auch. Die meisten Umbranten waren geschlagen. Beunruhigend war, dass er keinerlei telepatischen Kontakt zu seiner Schwester oder ihrem ständigen Begleiter aufnehmen konnte. Er ließ die Gegend also nach Winter und Faust absuchen, während er sich im Lager mit den Gesandten der Talländer und den Elfen aus Myth Draennor unterhielt. Es war schwer ob der ausgelassenen Siegesstimmung zu vermitteln, dass Telamont die Stadt vermutlich auf die Schattenebene gerettet hatte und ihnen bald wieder ein neuer Angriff bevorstünde. Auch die Stimmung im Lazarett war betrübt. Nimoroth kümmerte sich um Laguna, der versucht hatte Scarlet zu beschützen, als Grimwardts Doppelgänger sie angriff und entführte. Ein dunkles Gift trat aus den Wunden des halbdryadischen Halbelfen. Es bewirkte, dass selbst Nimoroth sie nicht zu heilen vermochte. Erst als Grimwardt einen Fluchbrechenden Zauber anwandt, konnte der tapfere Junge gerettet werden.
Schließlich besuchte Grimwardt nun noch einen ganz besonderen Gast. Aus dem Sand hatten sie den beinahe toten Körper von Clariburnus gezogen und mit elfischen Bannzaubern gefesselt. Dennoch war es seltsam, dass Clariburnus solcher Magie nicht gewachsen war. Da saß er nun. Bereit um nun eingängig befragt zu werden. Grimwardt nahm sich in aller Ruhe einen Stuhl und setzte sich dem angeschlagenen Heerführer gegenüber. „Scheint als hätte ich gewonnen, oder?" Immer noch arrogant aber deutlich verstimmt schaute Clariburnus ihm in die Augen. „Ich würde ja applaudieren, aber ihr seht ja selbst..." Er hob seine gefesselten Hände ein Stück weit an. Grimwardt blickte sich um. „Wie kommt es, dass ihr noch hier seid? Ich habe gesehen, dass ihr über beachtliche magische Fähigkeiten verfügt." sein Gegenüber knirschte mit den Zähnen. „Ja, das ist die große Frage, nicht wahr. Das Schattengewebe. ich habe keinen Zugriff mehr darauf." Winter und Faust mussten wirklich Erfolg gehabt haben. Seine mächtigste Waffe hatte vielleicht wirklich den Krieg entschieden. Und doch meldete sich dabei sein emotionaler, sterblicher Teil bei diesem Gedanken bei ihm. Nicht Grimwardt der Auserwählte des Tempus, sondern Grimwardt der Bruder. Warum konnte er die beiden nicht aufspüren? Hatte er seine eigene Schwester in den Tod geschickt? Und was wenn nicht? Was, wenn er den Krieg gewonnen hätte und sie noch leben würde? Es gäbe keinen guten Grund mehr, Hades von seinem Exorzismus abzuhalten und seine Schwester dabei sterben zu lassen. Vielleicht wäre es das Beste, wenn sie im Kampf gegen die Umbranten endgültig gefallen wäre und damit den Sieg gebracht hätte. Sie wäre eine Heldin, eine Märtyrerin. Alles sprach für ein solches Ende. So hätte er sich auch sein eigenes Ende gewünscht. Doch Winter war nicht Grim. Er konnte seine Gefühle nicht verleugnen, die ihn immer noch an diese Welt banden. Winter war immer seine Familie gewesen. Und so sehr er sie auch instrumentalisieren wollte, jetzt wo er sie vielleicht verloren hatte, wusste er, dass er sie immer lieben würde. Auch wenn er sie eines Tages würde töten müssen.
„Ihr seid ein Mann des Grübelns, oder?" Holte ihn Clariburnus zurück in das hier und jetzt. „Wo hat der Zwilling die Elah´ni hingebracht?" Der Gefangene hob eine Augenbraue. „Der Zwilling? Mattik und Vattik stehen nicht unter meinem Kommando." Der Zauber zeigte Grimwardt, dass Clariburnus die Wahrheit sagte. Er hatte keine Ahnung, dass einer der Brüder schon länger tot war. „Mit Verlaub, aber eure Familie scheint ein ziemliches Problem mit der Kommunikation zu haben." Der Prinz krauste die Nase. „Das ist nicht das einzige Problem, das meine Familie hat. Aber ganz sicher würde keiner meiner Brüder das Schattengewebe unterdrücken oder schlimmeres, nur um meinem Vater zu schaden." Grimwardt rückte näher. „Aber ihr wisst, dass eine Verschwörung gegen ihn im Gange ist?" „Zumindest wundert es mich nicht. Mein ältester Bruder und mein Vater waren sich oft uneinig. Er wollte die Herzlande mit Krieg überziehen, während mein Vater an einer Politik der Diplomatie festhält. " Der Kriegspriester runzelte die Stirn. „Diplomatie? Ihr führt doch gerade Krieg!" Ein abwertendes Lächeln legte sich auf des Gesicht des Prinzen. „Wir verteidigen nur unser Land gegen die Eindringlinge. Ihr habt diesen Krieg gegen uns begonnen." Grimwardt schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Ihr könnt nicht einfach nach tausenden von Jahren von der Schattenebene zurückkehren und euer altes Nesser-Reich beanspruchen. Es sind nun die Lande anderer Völker." Clariburnus lehnte sich zurück. „Nun, in dem Punkt werden wir uns wohl nicht einig werden. Und was habt ihr nun mit mir vor, Auserwählter des Tempus?" „Mich mit den anderen Heerführern beraten und mit ihnen zusammen überlegen, was mit euch geschieht." Da war es wieder, das arrogante Grinsen des Prinzen. „Nun, ich könnte mich gut vorstellen, dass das Votum zu meinen Gunsten ausfallen könnte..." Schnaubend wandte Grimwardt seinen Blick ab um nicht zuzuschlagen. „Dann werde ich ein Veto einlegen." „Oh, eine interessante Vorstellung von Demokratie habt ihr. Ihr seid ja wirklich so viel zivilisierter als wir Shadovar. Und welches Ergebnis wäre euch genehm?" Nun drehte sich Grimwardt wieder zu ihm und lächelte selbst. „Wir werden sehen, wie viel eurem Vater das Leben seines drittältesten Sohns wert ist - sofern meine Freunde die Erbfolge nicht verändert haben. Vielleicht sind ja Glückwünsche angebracht und euer Wert ist gestiegen." Wieder lächelte Clariburnus, doch gelang es ihm diesmal nicht zu verbergen, dass dieser Gedanke ihn durchaus beunruhigte. Vermutlich war ihm vorher noch gar nicht klar geworden, dass seine Seite verloren hatte. Ein Gefühl, das er bisher wohl nicht kannte. „Ihr werdet vorerst mein Gast bleiben, aber in meiner Abtei. Hier würde euch früher oder später jemand die Kehle aufschneiden. Alle Bedinen wollen euren Tod und den aller Tanthuls." Mit diesen Worten trat er aus dem Zelt und donnerte in die Menge. „DIESER KAMPF IST GEWONNEN! WIR ZIEHEN AB!" Der ausbrechende Jubel war groß und so bemerkte er kaum den fülligen Glatzkopf, der neben ihm aufgetaucht war... und daneben eine reglose schwebende Winter! „Grimwardt Fedaykin? Eurer Schwester ist es gelungen durch ein wahrlich gewitztes Ausnutzen Der Matrix, welche den umbrischen Mythal umgab, eine Schwachstelle zu finden und..." „Hört auf zu reden und sagt mir, was mit meiner Schwester ist und warum ich sie nicht aufspüren konnte!" Fardo legte die Hand an sein Kinn. „Nun, sie träumt. Offenbar hat ihr jemand einen Traum gesendet, den ich jedoch nicht entschlüsseln kann. Das ist wirklich faszinierend und wäre ein äußerst interessantes Forschungsfeld! Jedoch muss nun weiterziehen und meinen Schützling Brennus finden und befreien. Wirklich schade, das ist alles so aufregend und lehrreich!" Grimwardt verschränkte die Arme. „Wer genau seid ihr noch gleich?" „Nennt mich Fardo. Ein reisender zwischen den Welten. Es interessiert euch vielleicht, dass der Aufstand gegen Telamont Tanthul vermutlich zerschlagen wurde." Er hatte sich schon umgedreht um davon zu teleportieren. Sofort belegte der Kriegspriester den fremden mit einem Dimensionsanker um ihn daran zu hindern. „Wartet! Ihr seid mir einige Erklärungen schuldig. Zunächst einmal: Was ist mit Faust?" Fardo fasste sich an den kahlen Kopf. „Ach ja, das hätte ich beinahe vergessen. Er ist wohl tot. Und Shar übrigens auch." Seine Zornesader begann
anzuschwellen. „Was soll das heißen? Shar. Ist. Tot?!"

Winter
Abtei des Schwertes, einige Stunden später

Sie wusste, es war ein Traum oder eine Vision, doch konnte sie gerade deswegen nicht die Augen abwenden von dem Grauen, welches sich vor ihren Augen abspielte. Scarlet die für ein grausames Ritual missbraucht wurde, irgendwo in einem verfallenen Haus. Erst als ihrer Tochter der Ritualdolch in die Brust gerammt wurde, wachte Winter schweißgebadet auf.
Sie sah sich um. Grimwardts Abtei! Ihr Bruder musste es geschafft haben. Aber was war mit ihr, Faust und Miu? Winter war nicht mehr ganz klar, was Traum und was Wirklichkeit gewesen war. Hatten sie wirklich gegen Shar gekämpft? und warum lebten sie dann noch?
„Weilst du wieder unter den Lebenden?" Erst jetzt bemerkte sie ihren Bruder, der auf einem Stuhl in der Ecke saß. Allein. „Was ist passiert? Haben wir gewonnen?" Grimwardt erhob sich. „Ich hatte gehofft, dass du mir das sagen könntest. Die Schlacht ist gewonnen, aber Umbra ist auf die Schattenebene zurückgekehrt. Allerdings ohne den Mythal. Sollte Telamont die Stadt zurückkehren lassen, so wird sie nicht mehr fliegen können. Ich glaube das war seine letzte Tat, ehe das Schattengewebe zerfiel." Winter brauchte einen Moment um diese Botschaft zu realisieren. „Das Schattengewebe ist... zerfallen?" Sein nicken war kaum wahrnehmbar. „Was habt ihr erwartet? ihr habt Shar getötet." Die Erinnerungen wurden deutlicher. Wollte sie die nächste Frage wirklich aussprechen? Sie schaute sich noch einmal um. „Wo ist Faust?" Der Gesichtsausdruck ihres Bruders genügte eigentlich als Antwort. „Er ist nicht mehr da." Warum sprach er es nicht einfach aus? „Du meinst, er ist ...tot?" Kopfschütteln. „Nein, er ist nicht mehr da. Er existiert nicht mehr. Alle Magier des Lagers, euer neuer Freund Fardo und auch ich haben auf jede erdenkliche Weise nach ihm gesucht, aber er existiert nicht mehr." Ihr wurde übel während Grim weiterredete. „Winter, er hat die vielleicht mächtigste Göttin des Pantheons erschlagen. Niemand konnte vorhersehen, welche Konsequenzen das nach sich ziehen würde. Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass er, seine ganze Existenz, ausgelöscht wurde."
Tatsächlich bemerkte sie eine ungewohnte Stille. Etwas fehlte in ihrer Welt. Wie würde es nun sein, ohne Fausts chaotische, herrlich laute Aura an ihrer Seite. Es tat weh daran zu denken. Einen würdigeren Abgang hätte er kaum hinlegen können. Und doch fühlte es sich falsch an, dass er das ultimative Opfer hatte zahlen müssen um sie alle zu retten. Doch da war noch mehr. Die Stille war noch größer. Das Gefühl von Verlust war präsent wie ein gewaltiges bodenloses Loch in ihrer Seele. Sie musste sich nun konzentrieren auf das was sie gewonnen hatten um nicht irre zu werden. „Also ...haben wir gewonnen? Das Schattengewebe ist nicht mehr da und die Umbranten haben keine Macht mehr? " Er sah sie nicht an, als er brummte. Es war wohl schlimmer als sie dachte. Ihre Vision kam ihr wieder in den Sinn und sie wurde noch ernster. „Grim ...wo ist Scarlet?" Er konnte sie nicht ansehen. Tränen stiegen in ihre Augen. „Der überlebende Zwilling hat sie entführt. Wir suchen noch nach ihm, aber..." Das klatschen ihrer Ohrfeige schallte durch den Raum. „Du hast es mir versprochen Grim! du solltest auf sie aufpassen! Wie konntest du..." „Ich habe sie aus der Schlacht fortgeschickt, damit sie in Sicherheit ist! Wer auch immer sie hat, er hat nicht nur uns, sondern auch Clariburnus und Telamont an der Nase herumgeführt!" Fuhr er sie an und hielt ihren Arm dabei. Sie konnte den Schmerz auch in seinem Gesicht lesen. Natürlich hatte er alles getan um Scarlet zu schützen, das wusste sie, doch ihre Gefühle mussten sich Luft verschaffen. „Ich werde sie aufspüren, lass mich los!"
Sie konzentrierte sich um Ihre Magie zu bündeln. Nun spürte sie, woher das gewaltige Gefühl des Verlustes rührte. Ihre Magie war fort. Sie wusste es in ihrem Innersten, sie brauchte es nicht weiter versuchen. Es war nicht mehr da. Nackt und schutzlos fühlte sie sich, verkrüppelt, getrennt von dem was sie doch am meisten ausmachte. Sie musste sich setzen und wurde blasser. Sie starrte auf ihre Hände. Die Hände einer gewöhnlichen Frau in den Vierzigern. Das Grau der Schatten war aus ihnen gewichen, und ein rosiger Hautton zurückgekehrt. Doch fühlte es sich nicht mehr so an, als wären es noch ihre Hände. Ihre Stimme bebte „Grim, ich kann nicht mehr Zaubern... meine Magie... sie ist fort!" Er musterte seine Schwester wie ein Arzt. „Vermutlich auch eine Folge des Kampfes. Vielleicht kehrt sie bald zurück, wenn du dich ausgeruht hast." Weinend schüttelte sie den Kopf ehe sie ihr Gesicht schluchzend in seiner Brust vergrub. „Nein Grim, ich spüre es! Sie ist weg. So wie Faust! aus der Existenz gelöscht!"
Die Minuten zogen sich wie Stunden und die Stunden wie Tage. Nie war sie so hilflos. Faust war nicht mehr da. Ihre Magie war nicht mehr da. Und Scarlet wurde gefangen gehalten von einem rachsüchtigen Umbranten dessen Familie sie dezimiert hatte. Sie hatte den Überlegungen von Nimoroth, Fardo und Grimwardt kaum folgen können, nur dass der Zwilling auf irgendeine andere Quelle der Macht musste zugreifen können. Eigentlich sollte er mit dem Zusammenbruch des Schattengewebes machtlos gewesen sein - wie sie. Nun saß sie alleine im Zimmer, um sich von etwas zu erholen, wovon sie sich nie würde erholen können. Nutzlos, nur eine Behinderung für die anderen, die mit aller Macht versuchten Scarlet zu helfen. Sie hätte in diesem Moment alles gegeben um ihre Magie zurückzubekommen und ihre Tochter zu finden.
Hallo Winter! Das Summen einer magischen Stimme in ihrem Kopf war geradezu berauschend und doch zuckte sie vor Schreck zusammen. Wer spricht da? Stille. Dann wieder die fremde Stimme, die voller Würde in ihrem Kopf widerhallte. Ich beobachte dich schon lange und ich bin so froh, dass du mich genau im richtigen Moment gefunden hast. Dass dein Freund mich im genau rechten Augenblick vernichtet hat. Winter riss die Augen auf. Shar? Aber ...du bist tot! ein überhebliches Kichern ging durch ihren Geist. Du hast recht. Die Göttin Shar ist tot. Aber du weißt ja, so einfach ist das mit dem Töten von Göttern nicht, oder? Sie erinnerte sich an Mephisto, dessen Seelenkeime sie immer wieder beschäftigten. Ganz genau, bei Mephisto hast du es bereits mehrfach erlebt. und er ist - war- nur ein niederer Gott, ist nun gar kein Gott mehr. Sie sprach nicht nur mit ihr, sie konnte also auch Winters Gedanken lesen. Natürlich musst du nun sehr verwirrt sein und viele Fragen haben. Lass mich kurz erklären warum wir nun so eng miteinander verbunden sind! Lehn dich zurück und entspanne dich! Seit Äonen schon bin ich teil des Pantheons, so alt wie die Dunkelheit selbst. Kaum ein Wimpernschlag schien es her zu sein, dass ihr Sterblichen auf die Welt freigelassen wurdet. So unbeholfen und unwissend. Und doch habt ihr gelernt die Gnade der Götter und die Macht der Magie für euch zu nutzen. Und dabei wurdet ihr Übermütig, wie ein Kind, das die Armbrust seiner Mutter gefunden hat und aus Dummheit auf diese geschossen hat. Natürlich musste man euch diese Waffe wegnehmen und euch stattdessen eine Spielzeugarmbrust in die Hand drücken. Karsus Fall und die darauf folgende Begrenzung auf die Magie des maximal neunten Kreises - Die Metapher war nur zu deutlich. Ich sehe, du verstehst was ich meine. Aber du warst ein böses Mädchen, oder Winter? du hast dich einfach über diese Regeln hinweggesetzt. Genau wie meine Kinder, die Shadovar. Eigentlich müsste ich also böse auf dich sein, wie meine Schwestern und Brüder. Aber ich fand dich immer interessanter, je mächtiger und rücksichtsloser du wurdest, meine süße Winter! Nun fragst du dich natürlich, warum die größte aller Göttinnen sich von einem sterblichen hat töten lassen. Ich habe wirklich vieles dadurch verloren. Nach euren Maßstäben strotze ich noch immer vor Macht, doch meine göttlichen Fähigkeiten sind nun zu einem großen Teil verschwunden. Ein großer Verlust also. Doch aus meiner Verachtung euren kurzen sterblichen Leben gegenüber wurde mit der Zeit immer mehr ein Gefühl von Neid. Eure kurzen Leben sind so viel spannender. Ihr müsst so verzweifelt hart darum kämpfen. Und ihr seid dabei in all euren Entscheidungen so vollkommen frei. Deine Magie ist für immer weg Winter, dein Gefühl trügt dich nicht. Aber du hast bereits ein so erfülltest Leben gelebt wie kaum ein Sterblicher. Du solltest es genießen, die Jahre die dir noch bleiben, ganz ohne Magie. Eine Mischung aus Trauer und Wut stieg in Winter auf. Ah, da ist sie ja wieder, die sture Entschlossenheit für die ich dich auserwählt habe! Weißt du, es war lange schon abzusehen, was Rivalen vor hatte. Hätte ich seinem Vater auch nur einen kleinen Hinweis gegeben, so wäre sein Plan natürlich sofort gescheitert. Aber es war die beste Gelegenheit für mich eine von euch zu werden. So gab ich euch immer wieder kleine Hinweise um genau euch und euren Freund zu eben jenem Moment zu führen, an dem wir uns verbanden. Winter bekam eine Gänsehaut. Heißt das, das war alles geplant? Sagen wir, ich habe die Dinge geschehen lassen, die geschehen sollten und die richtigen Informationen zur richtigen Zeit durchsickern lassen. Mehr war nicht nötig. Die handelnden Akteure wart nur ihr Sterblichen. Rivalen dachte, er würde mich in sich hinabrufen. Tatsächlich ließ er mich zu einem Teil von euch werden. Du und ich, wir sind nun eins, Winter! Und es fühlt sich so wunderbar an! Zusammen werden wir dieses sterbliche Leben so richtig zu schätzten lernen! Winter schnaubte wütend auf. Und warum sollte ich euch das gestatten? Ihr habt es selbst gesagt, mein Wille ist frei und ihr habt keine Macht über mich. Wieder eine kurze Pause. Das Stimmt. Aber ich bin natürlich nicht ohne ein Geschenk gekommen. Wie ich bereits sagte, habe ich nicht mehr meine göttlichen Kräfte, aber ich habe immer noch die magischen Kräfte einer unendlich alten Zauberin- und die ist sogar größer als es deine jemals gewesen ist, Winter. Und du hast nun auch Zugriff auf diese Magie. Ihr Misstrauen war greifbar. Natürlich weißt du, dass es immer einen Haken gibt und den will ich dir auch nicht verschweigen. Es ist so, ich bin nun ein Teil von dir. Doch wie viel Macht dieser Teil über dich hat, hängt davon ab, wie viel Macht du mir gewährst. Du kannst über meine Magie verfügen, aber das bedeutet, dass du bald die Kontrolle an mich abtreten - und irgendwann ganz verschwinden wirst. Von Wegen Geschenk. Es hatte nicht lange gedauert und schon hatte die Göttin der Dunkelheit ihr wahres Gesicht gezeigt. Warum sollte ich das tun? Das ist mein Leben, nicht deines! Es war ein jämmerlicher Versuch, natürlich kannte Winter die Antwort. Ja. Eure Tochter hat euch verwundbar gemacht, dich und Dorien. Wieder so ein aufregender Aspekt eurer sterblichen Leben. Du weißt, dass wir sie retten können. Keine Angst, der Einsatz meiner Magie, die dazu notwendig ist, wird dich nicht die Kontrolle verlieren lassen. Ganz so schnell geht es nicht. Glaub mir, ich tue das nicht aus Bosheit. Leider sind die anderen Götter gar nicht davon begeistert, wenn eine von uns die Rolle mit einer Sterblichen tauscht. Für einige war es schon schrecklich frustrierend, als Sterbliche zu Göttern wurden. Aber eine Göttin die zu einer Sterblichen wird... So ein Frevel ist nicht entschuldbar. Daher ist es, liebste Winter, für unser beider Leben äußerst wichtig, dass du über mich Stillschweigen bewahrst! Angst klang in Shars Gedanken mit. Auch sie konnte ihre Gefühle nicht wirklich von Winter verbergen. Du hast Recht, der Gedanke, dieses neue Leben so schnell zu verlieren macht mir Angst, ein Gefühl, das mir auch neu ist. Doch daran ist nichts verwerflich, oder? Lass uns die Sache wie zwei erwachsene Frauen auf Augenhöhe behandeln. Ich werde dich dein Leben so gut es geht weiter leben lassen, als stille Betrachterin werde ich von dir lernen. Und eines Tages, wenn immer mehr von dir und deinem Selbst schwindet, dann übernehme ich und du kannst dich zur Ruhe setzen. Du weißt, dass das beste Angebot für deine Zukunft ist, das du seit langem bekommen hast. Nun ja und um ganz ehrlich zu sein, eine wirkliche Wahl hast du nicht. Aber es ist auch in meinem Interesse, dass du dein Leben genießen kannst. Shars Worte machten Sinn, doch Winter fühlte, dass auch dieses Angebot nicht zu etwas Gutem führen würde. Aber das hatte nun keine Bedeutung. Sie musste Scarlet finden. Sehr schön! Freu dich auf die mächtigste Erkenntnismagie, die du je erleben durftest, meine liebe Winter! Auf bald! Du wirst all meine Macht intuitiv verstehen. Keine ist darin so gut wie du...
Winter schloss die Augen. Als sie sie wieder öffnete, waren sie von Schatten erfüllt und ihr geistiges Auge wurde in die Anauroch katapultiert. Der Weg dorthin dauerte keine Sekunde und doch kannte sie jedes Detail. Sie sah Scarlet ohnmächtig auf dem Tisch. Einem Tisch aus Stein. Sandstein. 4230 Jahre alt, von poröser Natur. Die Informationen, die ihren Geist fluteten waren überwältigend. Sie fand schnell auch den Zwilling, Vattick war es also, der überlebt hatte. Und noch jemanden. Artemis Entreri. Seine Haut war noch immer grau, doch darunter schien sich nun auch in seinen Adern etwas zu regen, da das Schattengewebe zerfallen war. Die kleinen Fältchen der Gram, die sich seitlich in seine Augenlider gefressen hatten zeugten vom unterdrückten Zorn des Assassinen über seine unfreiwillige Hilfe den Umbranten gegenüber. Ob er nun wieder aus eigenem Willen agierte? Winter erinnerte sich an eine Begebenheit vor einiger Zeit. Drake hatte sie tatsächlich zu einer Art Date überredet, worauf Faust natürlich theatralisch missmutig reagiert hatte. Natürlich war es eine Falle gewesen. Entreri hatte Xaras Sohn entführt und Drake damit erpresst. Eigentlich wollte Sie den Albino für seinen erneuten Verrat am liebsten zu Staub auflösen, doch der Umstand, dass Drake sich für das Leben eines Kindes erpressen ließ, zeigte ihr auch eine neue Seite an ihm. In Drakes Welt gab es keine größere Schande als Verletzlichkeit und diese hatte er ihnen damit offenbart. Faust kam ihr zu Hilfe und Artemis Entreri konnte fliehen. Immer wieder dachte sie seit jenem Tag daran, dass nun auch er möglicherweise Scarlet als Druckmittel nutzen würde. Sie würde dem nun eine Ende bereiten.
Ihre Gedanken konzentrierten sich wieder auf das verlassene Gebäude. Die Falle war durchdacht. Grim wäre gewiss hinein getappt, genau so wie Winter auch, hätte sie ihre eigenen Kräfte gehabt. Wieder arbeitete der Attentäter mit Antimagie. Doch sie war nun mehr als sie selbst. Und Vattiks nervös schwitzende Stirn und seine pochende Halsschlagader ließen sie sicher sein, dass er keine Magie mehr besaß. Zur Sicherheit würde sie aber Fardo mitnehmen, dessen psi-Kräfte auch hier nützlich sein dürften.
Der Einsatz verlief schnell. Winter wusste genau an welcher Stelle Entreri warten würde, während er sich in seiner Hülle aus Antimagie sicher fühlte. Eben diese wurde ihm aber zum Verhängnis, als Winter einfach die Seitenwand auflöste und die einstürzende Decke den Assassinen unter sich begrub. Um sich zu retten hatte er die Antimagische Zone fallengelassen und schoss hervor um Winter aufzuschlitzen. Doch während sie ihm mit einer Hand mit einem Schauer Flammender Strahlen zurückschleuderte, entzog die andere Hand bereits alles Wasser im Körper des legendären Antagonisten und versetzte es in dessen Lunge. Entreri windete sich am Boden, ertrinkend an seinen eigenen Körpersäften. Mit letzter Kraft zog er einen Trank der ihn rettete. Doch er blieb unten, hob seine Hand und ergab sich. „Genug! Ich weiß wann ich verloren habe! Sie ist..." „Im Keller." unterbrach Winter ihn. „Sonst hätte ich wohl kaum das Dach einstürzen lassen." In seinen Augen stand keine Angst. Nur Respekt. Doch Sie ließ sich nicht wieder von ihm blenden. Ihr Geist drang in seinen Kopf ein. Ich weiß, du hasst das, aber du wirst jetzt nur noch tun was ich dir sage. Und du tust vorerst nichts außer zu Atmen! Sie spürte, dass ihr Beherrschungszauber wirkte.
Da kam Fardo zusammen mit einer benommenen aber nur leicht verletzten Scarlet! - und einem am Daumen nuckelnden Vattick der ins Leere starrte. Wussten die Götter, was Fardo mit seinem Geist angestellt hatte. Nach all dem Verlust war das Gefühl der warmen Umarmung ihrer Tochter und ihrer Tränen an ihrer Wange die größte Belohnung die Winter sich nur vorstellen konnte. In diesem Moment brauchte sie nichts anderes mehr. Sie war einfach nur glücklich. Vielleicht hatte Shar recht. Vielleicht war das nun der Punkt, an dem sie sich zurückziehen konnte, den Schritt gehen, den Nimoroth gegangen war. Aber natürlich warteten hinter ihr ein wissbegieriger Glatzkopf, ein daumenlutschender Prinz von Umbra und der berüchtigste Attentäter der Schwertküste auf sie. Die Rentenpläne mussten also doch noch etwas warten. Und sie konnte nicht leugnen, wie gut sich Shars Kräfte anfühlten. Als hätte sie die Magie als solche selbst erfunden, urtümlich und kraftvoll, roh und überwältigend. - Ja, sie liebte es. Und nun würden sie alle von hier verschwinden.

Faust
irgendwann, irgendwo

Er spürt seinen Körper nicht mehr, nur wie die Klinge den Kopf der Göttin abtrennt. Dunkelheit schießt ihm entgegen. Sie ist überall. Und Stille. „Sei gegrüßt, Desmond. Oder Faust, wie es dir wohl eher beliebt." Er schaut wieder nach vorne, auf die leuchtende Gestalt auf dem Stuhl. Er hat ihn nie zuvor gesehen, doch er erkennt ihn wie von selbst. „Lathander, Sonnengott." Sein Blick geht weiter durch die Reihe. Fausts Traum ist also wahr geworden. Er ist nun Teil des Stuhlkreises der Götter. Eine Vielzahl von Eindrücken durchfährt ihn. Erhabenheit, Macht. Bekannte Gesichter, die ihn missmutig anstarren. Er winkt ihnen mit einem ironisch freundlichen Grinsen zu. „Tempus, Asmodeus. Lange nicht gesehen. Alles klar bei euch?" Alle Götter sitzen aufgereiht um ihn herum. Wirklicher als wirklich. Jeder eine Verkörperung dessen was sie darstellen. Beinahe wie eine Karikatur, eine Übertreibung der Wirklichkeit.
„Faust, du hast es vollbracht die Göttin der Dunkelheit, Shar zu töten. Es obliegt dir daher nun das Portfolio der Dunkelheit an dich zu nehmen und sein neuer Gott zu werden." Sein neuer Gott? So hatte er das nie betrachtet. für ihn waren die Götter jene, die über allem standen, doch wenn er sie so ansah war es deutlich: Die Göttern konnten ihre Portfolios verwalten, doch sie dienten ihnen auch. Er macht eine lange Pause, lässt all das auf ihn wirken. Faust, Gott der Dunkelheit. Das Portfolio liegt vor ihm. Wie eine Schriftrolle, zum greifen nah. Er streckt die Hand aus. Wieder überfluteten ihn die Eindrücke. Gewaltige Macht. Ewigkeit. Er stutzt, sieht auf seinen Arm. Das leuchten von "Zeit" wird schwächer. Ewigkeit. Das hier lässt sich nicht vereinbaren mit der Macht über die Zeit. „Es ist wahr. deine Spielerei mit der Zeit findet hier ein Ende. Du tauschst sie ein, gegen die Unsterblichkeit und die größte Macht und Ehre, die ein Sterblicher erlangen kann." Sein Blick wandert weiter. „Soso. Hey Finder! Dich mag ich am liebsten in diesem Laden! Ein besoffener Hurenbock, der durch Zufall einen Echsengott erschlägt und auf einmal Gott der Reptilien ist! Mit dir Stoß ich gerne an!" Finder Wyvernsporn hebt seinen Humpen und lächelt. Ein bittersüßes Lächeln. „Und? Ist es das was du dir vorgestellt hast? Und was ist mit dir, Kelemvor? Du hast das Portfolio des Todes ja reichlich aufgewertet, wie man hört. Aber ist es nicht auch furchtbar langweilig? Willst du nach so vielen Jahren nicht auch manchmal über die Stränge schlagen? Oder reißt AO dir und dem beschissen grinsenden Cyric dahinten dann den Arsch auf?" Tatsächlich fühlt sich Faust an Hades erinnert, als Kelemvor antwortet. „Niemand von uns hat AO je gesehen. So er nicht das Schicksal, das Leben oder das Universum selbst ist, existiert er wohl nicht oder interessiert sich nicht für uns." Faust lehnt sich zurück. Seine Rolle gefällt ihm immer mehr. „Und doch sitzt ein guter Teil von euch nur hier, weil er oder sie einen anderen Gott umgebracht hat. Mal ehrlich, wer hat sich diesen Scheiß denn bitte ausgedacht? Bei dem ein oder anderen passt es, aber was ist das für eine Kompetenz, ein Amt zu übernehmen, weil man den Vorgänger umbringen konnte? Hier sitzen doch haufenweise überbewertete Gestalten herum, die durch Machtgier oder Zufall in ihr Amt gerutscht sind." Er redet sich in Rage. „Die Menschen denken immer ihr seid so toll und perfekt. Am Arsch! Ich kenne für jeden von euch einen Menschen, der das Amt sicher besser ausführen würde! Du hältst dich für Gerecht, Kelemvor, aber Hades wäre ein genauerer Richter als du. Und du, Ilmather! An Mius echte Herzensgüte kommst auch du nicht ran. Und auch wenn er es nicht hören wollen würde, mit Grimwardt als Kriegsgott hätten die Menschen es gewiss besser, Tempus. Wenigstens muss ich jetzt nicht mehr vor dir auf die Knie gehen." Lathanders Stimme grollt. „Genug! Es ist nicht Zweck dieser Veranstaltung deine Meinung kundzutun, Faust. Dir wurde ein göttliches Geschenk gemacht. Nun ist es an dir, dieses anzunehmen und zu werden wozu du bestimmt bist." Da ist etwas in den Worten des Sonnengottes, was nicht zu seiner Miene passt. Cyric benennt es, ehe Faust es erfassen kann. „Er ist ganz schön versessen darauf, dass du das Geschenk annimmst, oder? Und das obwohl du für ihn Abschaum bist, wie eine juckende Krankheit mit der man leben muss. Na komm, sei ein braver Junge und sag uns: Warum will der gute Lathander so sehr, dass du das Portfolio an dich nimmst?"
Der Gott der Intrigen hat Recht. Das Leuchten auf seinem Arm wird wieder stärker. „Ihr... ihr habt Angst. Ihr wisst wie viel Macht "Zeit" birgt. Eine Macht die ihr nicht kontrollieren könnt, die ihr nicht vorhersehen könnt. Und wenn ihr mich in euren Stuhlkreis aufnehmt, dann habt ihr mich unter Kontrolle." Sein Grinsen wird breiter. „Wer weiß was ich damit anzustellen vermag. Wenn ich Shar töten kann, warum dann nicht auch andere von euch? Besonders, wenn das Wann für euch nicht mehr greifbar ist. Wisst ihr, ich habe wirklich lange davon geträumt ein Gott zu werden. Doch nun wo ich euch sehe, sehe ich nur einen traurigen Haufen von unfreien Unsterblichen. Extrem mächtig, ja, aber Sklaven ihrer eigenen Werte. Ich kann sein was immer ich will und wann ich will." Er hebt das Portfolio der Dunkelheit hoch, spürt den Sog seiner Macht. Und schleudert es von sich. „Ich entsage hiermit der Göttlichkeit und dem Portfolio der Dunkelheit!"
Im Ende seines letzten Worts schießt eine Gestalt hervor. Asmodeus Zug verrät sofort, dass er genau damit gerechnet hat. Sofort öffnet er die Schriftrolle und nimmt ihre Essenz in sich auf. Etwas anderes fällt dabei zu Boden. Sein vorheriges Portfolio. Das der Hölle. Der Schlüssel zur Rettung von Fausts Seele. Und wohl auch Winters. Aller Seelen, die verdammt wurden. Der neue Gott der Dunkelheit breitet seine schwarzen Engelsschwingen aus, sein zuvor entstelltes Gesicht verborgen hinter einer anmutigen Aura der Schwärze. Ob der einstige Herrscher der Neun Höllen es bereits geplant hatte bevor Faust in die Hölle hinabgestiegen war, um Omegas Seele zu retten? „Gut gespielt. Wie wäre es mit einem kleinen Dankeschön?" Er sieht Faust nicht einmal an, als er an ihm vorbei schreitet. „Das werdet ihr bekommen, ob ihr wollt oder nicht." Die Dunkelheit baut sich vor dem Licht der Sonne auf. Voller Bitterkeit erklingt Lathanders Stimme. „Dann hast du nun also was du wolltest... Asrael?" Fausts Präsenz schwindet immer mehr, er nimmt kaum noch etwas von diesem Ort ohne Zeit und Raum wahr, nur noch die letzten Worte aus der Dunkelheit... „Erst wenn dein Licht erloschen ist, Amaunathor!"


Leider übernimmt das Forum nicht die kursiven Stellen, wodurch die inneren Monologe und Dialoge leider etwas schwer zu lesen sind.
« Letzte Änderung: 24. Oktober 2023, 23:41:36 von Nightmoon »

Winter

  • Mitglied
Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #361 am: 25. Oktober 2023, 09:59:40 »
Es ist fabelhaft, vielen Dank für dieses tolle Kapitel 🥰

Niobe

  • Mitglied
Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #362 am: 26. Oktober 2023, 17:18:17 »
Nostalgie pur :D

Nightmoon

  • Mitglied
    • Schicksalsstreiter
Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #363 am: 16. Dezember 2023, 19:42:05 »
Kapitel XI: Geschichten

Faust
Irgendwo in der Anauroch, ein Tag nach Umbras Fall

Entgeistert schreckte Miu neben ihm auf. Offenbar war er wie aus dem Nichts neben der Karaturianerin aufgetaucht. Er war wieder zurück. Es tat gut die glühende Hitze der Wüste und den feinen Sand zwischen seinen Fingern zu fühlen. „Bei allen neun Höllen, Faust! Wo warst du? Du warst einfach weg ehe ich davon teleportieren konnte!"fuhr sie ihn an. Er war nicht sicher, ob sie eher besorgt, wütend oder neugierig klang. „Puh, wo fang ich an? Das wird ne längere Geschichte..." Faust erzählte so gut er sich erinnerte jedes Detail seiner Begegnung mit den Göttern, während Miu staunend und kopfschüttelnd zuhörte.
„Also hattest du tatsächlich die Chance ein Gott zu werden? Der Gott der Dunkelheit? Und du hast diese Chance nicht ergriffen? Warum denn nur?"Der verständnislose Blick seiner Begleiterin irritierte Faust. „Nein, hast du nicht zugehört? Diese Portfolios sind unglaublich mächtig, aber wie ein Korsett. Ich würde all meine Freiheiten, die ich als Sterblicher habe verlieren." Immer noch schüttelte Miu den Kopf. „Ja, aber du hättest so viel Macht gehabt. So viele Möglichkeiten die Welt zu verändern, das Leben der Sterblichen besser zu machen. Du hättest so viel verändern können." Sein entwaffnendes Grinsen stimmte Miu wieder friedlicher. „Hey, ich kann immer noch vieles verändern!" Er winkte mit seinem "Zeit"-Arm. „Hast du die Stelle nicht gehört, als ich gesagt habe, dass die sich wegen dem Ding hier einnässen?" Doch sie schien ihm nicht zuzuhören, sondern zu grübeln. „Faust, wenn Asmodeus nun der Gott der Dunkelheit ist, wer hat dann das Portfolio der Hölle bekommen?" Warum interessierte sie das so sehr? „Keine Ahnung. Es fiel zu Boden und nun werden wohl die übrigen Götter entscheiden was damit ist. Vielleicht bekommt es mein Vater. Er wäre in der Rangordnung der Hölle der nächste." Ihre Mundwinkel verzogen sich merklich. „Du hast selbst gesagt, dass die Götter dich nicht mochten, vielleicht sogar fürchten. Was, wenn sie dir eins auswischen wollen, dich loswerden wollen?" Ihre dunklen Augen trafen seine. „Du meinst...?" „Mephisto. Für diese Macht würde er alles daran setzen dich - uns auszulöschen! Er ist ein Meister darin Pakte einzugehen. Sowohl die Götter als auch er würden zufrieden so einen Vertrag eingehen." Faust dachte kurz nach. „Mag sein, aber als Gott hat er noch weniger Möglichkeiten sich in unsere Angelegenheiten einzumischen. Es gibt nunmal diese Gesetze an die die Götter sich halten müssen und Götter dürfen sich nicht in unseren Kram einmischen."
Das schien Miu nicht zu beruhigen. „Es ist Mephisto. Er wird einen Weg finden. Weißt du, wie Asmodeus zum Herrn der Neun Höllen wurde? Und was er vorher war?" Er erinnerte sich an die letzten Worte Lathanders. „Sein Name war Asrael, oder?" Wissend nickte seine Gefährtin. Etwas an ihrem Gesichtsausdruck gefiel ihm nicht. „So ist es. Er war der höchste Erzengel in den Reihen Amaunathors, also dem frühen Lathander, im Kampf gegen die Armeen des Abyss. Und er war gut darin. Kein anderer Engel verstand es, selbst die mächtigsten Dämonen so gnadenlos zu vernichten, dass es schien, das Gute würde bald die Oberhand gewinnen." Faust hing an ihren Lippen. Er bemerkte die Begeisterung in ihrer Stimme „Doch bald vernahm Asrael eine Stimme in seinem Kopf, die seine Erfolge wertschätzte, ihm sagte, dass er zu größerem bestimmt sei. Und doch würden ihm die Götter nicht die Beachtung schenken, die er verdiente. Und die Stimme in seinem Kopf hatte Erfolg. Asrael weigerte sich weiterzukämpfen, wenn die Götter seine Erfolge nicht belohnen würden. Als sie ihn ignorierten scharte er all seine getreuen Engel hinter sich und begann eine Revolution gegen die Engel Lathanders. Die Schlacht kostete zahllosen Engeln auf beiden Seiten ihre Existenz, doch am Ende siegte der Sonnengott gegen den aufrührerischen Engel. Zur Strafe wurde Asrael in die tiefsten Tiefen des Abgrunds geschleudert. So tief, dass er neun neue Ebenen des Abgrunds durchschlug. Sein einst wunderschönes Antlitz wurde dabei zerfetzt und er konnte sein eiterndes Gesicht nie wieder zurückverwandeln in die Gestalt, die er einst hatte. Doch sein endloser Zorn auf die Götter und Dämonen zugleich, wurde belohnt. Asmodeus erschuf aus den neun Ebenen die er durchschlug die Hölle. Die Engel die ihm gefolgt waren wurden zu den Erinnyen und auch die Dämonen die dort hausten veränderten sich. Es war die Geburtsstunde der neun Höllen und der ersten Teufel - und von Asmodeus." Faust starrte Miu fragend an. „Warum erzählst du mir das alles?" Scharf sog sie die Luft ein. „Die Stimme in Asraels Kopf, war niemand anderes als Mephisto. Asmodeus war immer der stärkere von ihnen beiden, doch Mephisto ist der wahre Grund warum es zum Aufstand unter den Engeln kam. Er ist der wahre Grund für die Erschaffung der neun Höllen. Darum will er wie kein anderer den Titel des Fürsten der neun Höllen. Die Götter wissen das und nun steht er vielleicht kurz davor diese Macht zu erlangen. Er hat den Sieg des Guten über das Böse verhindert und den mächtigsten Engel den es je gegeben hat zu Fall gebracht. Er wird einen Weg finden dich zu töten Faust. Wir müssen ihm zuvor kommen!"
Da war es wieder. „Wir?" Sofort fing sich ihre Miene wieder als er sie anschaute, doch er wusste, dass mehr dahinter steckte. „Du bist der Auserwählte. Ich habe geschworen dir überall hin zu folgen und dich zu beschützen so gut ich es kann. Das weißt du. Aber du hast recht, ich werde dir keine wirkliche Hilfe mehr sein. Das ganze ist zu groß für Menschen wie mich geworden."
Er schwieg und beobachtete sie weiter. Ihr Blick wanderte auf seinen Arm. „Wenn sie wirklich Angst vor deiner Kraft haben, dann steckt vermutlich auch ein sehr großes Potential dahinter. Denkst du, du wirst es bald schaffen in die Vergangenheit zu reisen? Und wenn ja, welchen Zeitpunkt willst du anvisieren?" Sein Blick grub sich in die Feinheiten des Wortes auf seinem Arm. „Es wird nicht leicht werden. Einige Details zu Zeit und vor allem Raum werde ich noch mit einem alten Freund besprechen müssen, aber ich denke, ich weiß wannhin ich muss."
Herausfordernd schaute er sie an. „Auch ich hab eine kleine Geschichte für dich, Miu. Die Reiche der Götter gehörten nicht immer den Göttern. Andere Kreaturen bewohnten sie einst, so mächtig, dass sie eine ernsthafte Bedrohung für die Götter gewesen wären, wären diese nicht unsterblich. Die Titanen waren lange Zeit vor den Göttern die wir kennen die Herrscher über die Ebenen. Sie waren extrem mächtig, doch es gab nur wenige von ihnen und sie waren letztenendes unglaublich langlebig und zäh, aber nicht unsterblich im Sinne eines Gottes. Die Quellenlage ist sehr dünn, denn es wirft kein gutes Licht auf die ach so tollen Götter. Aber wenn man die wenigen Berichte aus jener Zeit zusammenfügt, dann wird eines klar: Natürlich gab es in so einem Krieg auch eine undenkbare Romanze, zwischen einer Titanin und einem Gott. Und er offenbarte ihr ein Geheimnis. Die Götter hassten die Titanen nicht, weil sie sie für ihre Sterblichkeit verachteten, sondern weil sie sie beneideten. Zeit hat für einen Gott keine Bedeutung. Sie können sie nicht genießen, weil sie nicht abhängig vom Fluss der Zeit sind wie wir. Zeit wie wir sie sehen und erleben ist eine Dimension, die nur sterbliche als Fluss wahrnehmen, Unsterbliche aber als Konstante. Die Titanin erkannte die Wahrheit hinter den Worten ihres Liebhabers und sie machte ihm ein Geschenk. Nie war eine Sterbliche einem Gott so nah gewesen Sie kannte ihn bald besser als er sich selbst. Sie rammte ihm eine Klinge in den Leib, mit einem Hieb, so präzise geführt, dass sie das Band der Unsterblichkeit durchschnitt. Da er nicht verstand, was sie vorhatte und sich betrogen fühlte, erschlug er sie, doch es war zu spät." Faust machte eine dramatische Pause. „Der Odem der Sterbenden. Ein Hieb, geführt vom Fluss der Zeit selbst, der die Starre der Unsterblichkeit zerschneidet und nur von einem Sterblichen ausgeführt werden kann." Mius dunkle Augen blitzten in der Sonne. „Von da an wurde aus dem Neid der Götter Furcht. Wenn die anderen Titanen diese Technik lernen würden, wären die Tage der Götter gezählt gewesen. Kronos, der mächtigste der Titanen war so stark, dass sie es nur gemeinsam schafften, ihn zu fesseln. Wäre er in der Lage gewesen Götter zu töten, würden wir heute in einer Welt ohne Götter leben."
Miu schüttelte den Kopf „Wir hätten einfach nur andere Herrscher, die vermutlich noch tyrannischer herrschen würden als die Götter es tun." Ihre Aussage verwirrte ihn. „Es war doch deine Idee, die Götter loszuwerden." Ihr Blick passte nicht zu ihr, auch wenn sie sich nichts anmerken ließ. „Das stimmt, aber nicht, damit wir stattdessen noch schlimmere Götter bekommen." Irgendwas stimmte nicht mit ihr. „Miu, was ist los?" Fragend schaute sie ihn an. „Was denkst du denn? Winter hat Umbra zerstört und du hast Shar getötet. Und der Kampf war auch für mich anstrengend." Die Antwort war zu einfach. „Ja, aber das ist nicht alles. Du bist schon lange so seltsam. Was ist damals in der Hölle mit dir passiert?" Sie schaute zur Seite, Tränen standen in ihren Augen. „Ich will nicht darüber reden..." Resigniert schnaubte er aus. „Nun gut. Ich lasse dir deine Geheimnisse. Aber es ist nichts, was dir oder mir den Kopf kosten wird, oder?" Sie nickte stumm. Das Gespräch war zu Ende. Zeit sich zu teleportieren. Doch wohin? Wo würde er seine Freunde nach dem Sieg über die Umbranten finden? Er ließ seine Münze entscheiden und sie verließen die Wüste.


Grimwardt
Rasilith

„Es wird nie langweilig in eurer Stellung, oder?" Wie sehr Grimwardt sich in diesem Moment gewünscht hätte, dass dieser Fardo mit seinen Bemerkungen endlich einmal falsch liegen würde. Während sie noch mit Nimoroth darüber diskutiert hatten, wie und wo sie Scarlett suchen sollten, war Winter verschwunden. Offenbar hatte sie ihr magischen Fähigkeiten schneller zurück bekommen als gedacht. Hoffentlich nicht mit noch mehr Seelenmagie... Kurz darauf meldete sich eine Stimme in seinem Kopf. Umbra war wieder aufgetaucht, doch die Stadt der Umbranten flog nicht mehr, sondern ruhte nun auf dem Sandboden der Anauroch. Natürlich war er es, der nun wieder dorthin zurück musste. Er und der Psioniker Fardo, der scheinbar alles und jeden ungeheuer "interessant" fand.
„Herr Kommandant! Es ist der Prinz! Er nähert sich!" Grimwardt knurrte den Bedinen an: „Was heißt hier Prinz? welcher von den Prinzen? Kommt er allein? Mit einer Armee?" „Oh, ähm nein, er kommt allein. Mel... Mehlhaut..." „Melegaunt?" „Ja, genau!" Er dachte kurz nach. Es könnte eine Falle sein, aber Fardo hatte erzählt, wie Melegaunt ihnen geholfen hatte. „Sagt euren Leuten, dass sie nichts Dummes tun sollen. Ich werde mit ihm reden und klären, was seine Absichten sind. Niemand greift irgendwen an!"

Kurz darauf stand er ihm gegenüber. Melegaunt hatte wie immer diesen resignierten Blick eines Prinzen, den niemand richtig ernst nahm, doch er meinte auch eine gewisse Erleichterung oder Hoffnung in seinen Augen zu lesen. „Print Melegaunt. Was verschafft uns die Ehre?" Eine übertrieben tiefe und doch halbherzige Verbeugung des Umbranten leitete das Gespräch ein. „Ich danke euch, dass ihr euch die Zeit nehmt, Grimwardt Fedaykin. Ich bin hier um Frieden zwischen Umbra und Rasilith zu schließen. Da die Bedinen etwas schlecht auf mich zu sprechen sind und die ein oder anderen Vorurteile zu haben scheinen, suche ich euch auf um die Bedingungen auszuhandeln." Der Kriegspriester baute sich imposant auf. „Dann sprecht, was will euer Vater? Und wie kommt er zu diesem Sinneswandel? Hat er seine Niederlage nun endlich eingesehen?" Melegaunt schien nu hingegen wieder einige Zentimeter zu schrumpfen. „Verzeiht, es ist wohl meine Schuld, dass ich all gemeinhin nur als das Sprachrohr meines Vaters wahrgenommen werde. Jedoch trete ich nun vor euch als der neue Herrscher über Umbra." Er runzelte die Stirn. „Ihr meint, euer Vater ist..." „Verschwunden. Wohin kann ich euch nicht sagen, doch das ist der zweite Grund für meinen Besuch. Ich möchte euch warnen. Vor was genau kann ich nicht sagen, doch mein Vater ist verschwunden, nachdem er die Stadt vor dem Absturz gerettet hatte, kurz bevor Shar vernichtet wurde. Mein talentierterer Bruder und ich rätseln noch, wie er ohne Zugriff auf das Schattennetz verschwinden konnte, doch ein so gefährlicher und erfahrener Mann wie er hat wohl für alle Fälle einen Plan B. Rechnet also damit wieder von ihm zu hören. Er ist nicht einfach verschwunden, er hat all seine magischen Utensilien mitgenommen." Eine etwas peinlich wirkende Stille kehrte kurz ein. „Nun, wie auch immer, somit bin ich nun aus Mangel an vorhandenen Brüdern das neue Oberhaupt der Stadt. Vielleicht kehrt mein Vater oder einer meiner überlebenden Brüder zurück, doch ich möchte hiermit die Initiative ergreifen. Unsere Stadt ist noch immer schwer bewaffnet und wehrhaft und ich weiß, wenn die Anhänger von Rivalen wieder das Sagen haben sollten, werden sie diesen unsäglichen Krieg weiter führen wollen. Vielleicht habt ihr es schon bemerkt, ich bin kein großer Freund des Krieges, so wie ihr, was es gewissermaßen ironisch macht, dass ich gerade mit euch darüber verhandele, wenn ich es recht bedenke. Dennoch glaube ich, dass ihr ein Vernünftiger Verhandlungspartner seid und eine Kapitulation, die an Bedingungen geknüpft ist akzeptieren könnt. Also, Umbra ist bereit sich zu ergeben. Mein Volk ist verunsichert und sucht nun nach neuer Führung und wir müssen nun einen Weg finden in Frieden oder zumindest Akzeptanz mit den Bedinen zusammen zu leben."
Das klang alles gut und schön und doch war es in dieser Lage bedeutungslos. „Ihr seid ein Mann vieler Worte, Melegaunt, doch das macht euch noch nicht zum anerkannten Herrscher über Umbra. Brennus ist mein Gefangener und wird keinen Anspruch mehr auf den Titel haben. Doch es leben noch andere eurer Brüder und - noch wichtiger - euer Vater. So lange ich nicht weiß was mit ihm ist,  wäre eine solche Verhandlung bedeutungslos." Grimwardt spüre beinahe, wie sehr Melegaunt dieses Wort hasste. Um die Angelegenheit nicht zu verkomplizieren fügte er hinzu: „Aber ich weiß eure Geste zu schätzen. So lange ihr die Befehlsgewalt habt wird es einen Waffenstillstand zwischen Rasilith und Umbra geben. Wahrer Frieden braucht jedoch eine festere Basis. Zunächst sollten wir..."
„Fürst Grimwardt!" Gewaltsam presste seine Hand die hervortretende Zornesader zurück in ihr Bett. „Ich bin in einer diplomatischen Unterhaltung! Was bei Tempus´haarigem Arsch ist denn so verdammt wichtig?" Wieder einer dieser Grünlinge. Bliebe er hier, hätte er sicher Jahre mit der Ausbildung zu tun. „Es ist jemand in eure Abtei teleportiert. Ein Mann und eine Frau!" Tief einatmen... „Ihr wisst aber, dass damit so ziemlich jeder auf dieser Welt gemeint sein könnte oder? GEHT ES VIELLEICHT ETWAS PRÄZISER?" Der Grünling bibberte wie ein Wurm im Schatten eines Vogels. „Es ...es ist der, den alle für tot gehalten haben! Angeblich hat er Shar getötet!" Melegaunt musste hörbar schlucken. Grimwardts Blick genügte. „Ich sehe, ihr habt vieles zu erledigen. Ich bin froh, dass wir zumindest vorerst zu einem Waffenstillstand finden konnten. Geben wir uns die Hand auf diese Vereinbarung und ich ziehe mich zurück und werde dafür Sorgen, dass Umbra sie einhält!" Grimwardt schaffte es gerade noch, die knochige Pfote seines Vertragspartners nicht zu zerbröseln und kehrte nun wieder zurück in seine Abtei.

Die Geschichte schien unglaublich, aber Faust erzählte alles in einer Zone der Wahrheit. Die ein oder andere Übertreibung konnte seinen Mund daher nicht verlassen, aber im großen und ganzen stimmte alles. Er hatte Shar getötet und hätte ihren Platz einnehmen können. Und nun prahlte er damit, dass die Götter ihn fürchten würden. Fausts Selbstüberschätzung war so maßlos, dass er selbst daran glaubte. Und doch konnte Grimwardt nicht leugnen, dass der Krieger immer mächtiger wurde und seine "Gabe" immer mehr zu einem Problem wurde. Der Sarrukh mochte Spaß daran haben, einem Kind eine solche Waffe in die Hand zu drücken, er aber nicht. Tatsächlich war es Miu, die dem Kriegspriester mit ihren Blicken zu verstehen gab, ihm zu folgen für ein Gespräch unter vier Augen. Zumindest erfüllten die zahlreichen Novizen den Zweck, den selbstgefälligen Kämpfer abzulenken.
„Grimwardt, sei gegrüßt!" Ihre Art wirkte noch immer etwas hölzern. Auch wenn sie sich nun schon seit Jahren kannten, hatte er kaum ein Wort mit Miu gewechselt. „Ich grüße auch die Miu. Was gibt es?" Sie schaute sich um. „Die ganze Sache mit den Göttern scheint ihm langsam über den Kopf zu wachsen, aber das ist es nicht worüber ich mir die meisten Sorgen mache." Nicht? Was an Faust sollte denn noch beunruhigender sein? „Es geht um das Portfolio der Hölle. Ich bin mir sicher, dank Fausts respektlosem Auftritt bei den Göttern, werden sie es an Mephisto weitergeben - Im Gegenzug für Fausts Tod." Da war was dran. Die Möglichkeit bestand durchaus. „Mit Verlaub, aber das ist Fausts Problem. Er hat sich in diesen Schlamassel selbst hineingefahren. Und auch du kennst meine Meinung zu seiner blasphemischen Haltung." Ihr Blick wirkte ungewohnt forschend, als suche sie etwas in seinen Augen. „Aber er ist dein Freund oder zumindest ein langjähriger Waffenbruder. Er hat deiner Schwester und dir und vielleicht auch ganz Faerun oft das Leben gerettet." Sie wollte die Mitleidskarte ausspielen, doch sie musste wissen, dass er nicht so wankelmütig war wie Faust. „Ich helfe einem Waffenbruder gerne, wenn er meine Hilfe sucht. Doch er tut das Gegenteil. Faust verachtet das wofür ich stehe und will es sogar zu Fall bringen. Wenn die Götter entscheiden, dass er für seinen Weg sterben muss, dann werde ich ihnen nicht helfen, doch ich werde sie auch nicht aufhalten." Herausfordernd blickte die einst so sanfte Heilerin in sein Gesicht. „Und du denkst, Mephisto wird es dabei belassen? Es muss ihn rasend gemacht haben, dass er in der Hölle keine Macht über deine Seele hatte und dich zurückschicken musste. Zu diesem Zeitpunkt war er der höchste Teufel der neun Höllen und du hast ihn damit blamiert. Das wird er nicht vergessen und Teufel sind nicht dazu in der Lage zu vergeben. Er wird dich dort verletzen, wo es dir am meisten weh tut." Wann hatte sie gelernt so überzeugend zu sein? Die Zeit in Kara-Tur musste sie wirklich verändert haben. „Mephisto hat sich höchstens vor Tempus selbst blamiert. Das ist selbst für ihn keine Schande. Ihr steht allein mit eurem Krieg gegen die Götter und Mephisto. Aber nun einmal ganz in deinem und eurem Interesse: Angenommen es wäre so. Welche Möglichkeiten hättet ihr deiner Meinung nach?" der Ansatz eines Lächelns streifte ihr Gesicht. „Faust würde ihn töten. Und dieses mal endgültig." Scheinbar war sie doch nicht so gerissen wie er gerade noch dachte. „Und was dann? Das Problem mit dem Portfolio bleibt. Wer soll es dann übernehmen?  Dieses unsägliche Artefakt würde ich in niemandes Händen gerne sehen." Scheinbar hatte er sie dabei ertappt, dass ihre Worte weniger durchdacht waren als sie gehofft hatte, denn Miu schaute nun zu Boden. „Vielleicht hast du Recht. Ihr spielt dieses Spiel schon so lange. Aber falls es doch jemanden gäbe, der dir und uns freundlicher gesonnen ist als Mephisto und für dieses Portfolio in Frage käme, solltest du denjenigen in Betracht ziehen."
Ehe er antworten konnte brach Tumult in seiner Abtei aus. Natürlich aus der Richtung in der er Faust zurückgelassen hatte. Doch das Bild, das sich im bot hatte er nicht erwartet. Am Boden lag ein Umbrant in embryonal Stellung, mit Daumen im Mund - nicht irgendein Umbrant, es war der Zwilling, der in Grimwardts Gestalt Scarlett entführt hatte. Daneben hockte ein weiterer Umbrant - Artemis Entreri. In seiner Abtei! Das Blut pochte in der Ader auf seiner Stirn und doch ebbte all sein Zorn wieder ab, in dem Moment, in dem er Winter sah, wie sie Faust umschlang. Ihr Gesicht war anders als zuvor. Sie war wieder seine Schwester. Echte Freude stand in ihrem Gesicht. Sie lebte, so wie auch Faust. Und Scarlet! Winter hatte es geschafft. Und dabei den letzten feindlichen Prinzen von Umbra und den Attentäter Entreri bezwungen. Er wusste, dass sie irgendetwas verbergen musste, aber das war in diesem Moment nicht wichtig. Seine Menschlichkeit konnte er nicht verneinen, so sehr er sich auch bereits Tempus Hallen zugehörig fühlte. Und gerade wollte er einfach nur Mensch sein. Sich der Illusion hingeben, dies sei eines der guten Enden aus den Romanen, die er als Junge verschlungen hatte. Das "Aber" konnte noch einen Moment warten.

Winter
Umbra, wenige Stunden später

Die gestürzte Stadt war unter anderen Umständen durchaus einladend. Sicher, es fehlte ihr noch im wahrsten Sinne des Wortes an Farbe, aber sie hatte ihre ganz eigene Eleganz und ließ den Stil der Kultur der alten Nesser erahnen. Melegaunt hingegen wirkte noch immer unbeholfen. Durchaus würdevoll, aber doch immer mit dem Charme eines Butlers, nicht dem eines Herrschers.
Grimwardt wäre beinahe explodiert, als er erfuhr, dass Melegaunt sie dringend in Umbra sehen wollte. Die Nachricht, die sein begabter Bruder für die Gruppe hatte traf sie wie ein Schlag in die Magengrube. Telamont war mit Hilfe von Magie entkommen und es war niemand geringeres als Mephisto, der ihm dies ermöglicht hatte. Sie beide hatten alles verloren, hatten ein großes Ziel vor Augen und - und das war das größte Problem - sie hatten einen gemeinsamen Feind. Damit war nun auch Grimward klar, dass er hier genau so mit drin steckte wie sie alle. Telamont würde ihm den Sieg über seine Stadt, die er tausende Jahre regiert hatte nicht verzeihen. Faust hatte Shar getötet - das dachten zumindest alle, und Winter selbst war es, die die Stadt hatte abstürzen lassen. Keine Frage, diese unheilige Verbindung aus Feuer und Schatten würde nun ihre neue Nemesis sein. Und sie würde wieder auf Shars Macht zurückgreifen müssen und einen Teil ihrer selbst verlieren. Doch gerade musste sie sich um ein anderes Übel kümmern: Politik. Gerne überließ sie diesen Aspekt ihrem Bruder, doch diesmal wurde es persönlich.
„Winter Fedaykin, ich fühle mich geehrt euch nun unter angenehmeren Umständen zu begegnen!" Der angedeutete Handkuss war nur ein Symbol, wirkte aber dennoch noch leidenschaftsloser, als sie es von Männern aus Melegaunts Stellung gewohnt war. „Die Freude ist ganz auf meiner Seite. Bis jetzt zumindest. Mir ist zu Ohren gekommen, ihr hättet meiner Tochter einen Heiratsantrag gemacht?" Er setzte sich ihr gegenüber an den viel zu langen Tisch. „Das mag etwas überraschend für euch kommen, doch unsere Verbindung wäre ein besonders starkes Zeichen für ihr Volk und auch meines. Ein Neuanfang, eine Pflanze die aus der Asche der vergangenen Feindschaft erwächst." Winter nippte am Rotwein. Zumindest ein kleiner Farbaspekt in all dem grau in grau. „Nun, da ihr Vater nicht mehr lebt, ist es wohl angebracht, dass ihr mich fragt, ob ihr um ihre Hand anhalten dürft. Versteht mich nicht falsch, Melegaunt, ihr seid eine gute Partie, aber ihr bietet nicht das Leben, das ich mir für meine Tochter vorstelle." Vermutlich hatte er schon mit einer solchen Antwort gerechnet. „Ich würde eure Tochter wirklich ehren! Sie würde sogar meine Erstfrau werden." Fast hätte sie den teuren Wein wieder ausgespien. „EURE ERSTFRAU?" „Ich verstehe eure Empörung, ihr kommt aus einem anderen Kulturkreis, doch sowohl die Bedinen, als auch wir pflegen den Umgang mit mehreren Partnern. Die umbrische Gesellschaft ist dabei sogar noch offener. Niemand würde sich daran stören, wenn auch Scarlett sich ebenfalls einiger Nebenfrauen oder -männer erfreuen würde. Ich wage gar zu sagen, sie wäre freier, als die meisten Prinzessinnen der Talländer oder der Schwertküste." Es fiel ihr schwer gegen seine Einwände zu argumentieren. Früher hätte sie das als die perfekte Gelegenheit gesehen um ihre Tochter zu verheiraten. Sie könnte es kaum besser treffen. Für Winter selbst wäre es der große Traum gewesen, den sie als Mädchen hatte, kombiniert mit den Freiheiten, die sie heute so gerne genoss. Aber Scarlet war nicht Winter. Sie ähnelte ihrer Mutter zwar äußerlich sehr, doch von ihrem Wesen her war sie letztenendes Grim ähnlicher. Aus Pflichtbewusstsein hätte sie wohl sofort eingewilligt, würde sie meinen, damit das Beste für ihr Volk zu tun. Doch Winter hatte das Glück und den Schmerz wahrer Liebe erfahren dürfen. Den Luxus mit dem Menschen zusammen sein zu dürfen, der ein Teil von einem Selbst war. Für ihren Bruder hatte sie jede Hoffnung auf Liebe bereits vor langer Zeit aufgegeben, doch es war genau das, was sie sich für Scarlett wünschte: Liebe. Echte Liebe. Offen gelebt, nicht versteckt hinter einer Scheinehe.
Vermutlich verriet Winters Blick bereits mehr als sie gewillt war zu sagen. Meleganut mochte seinen Brüdern bezüglich des Talents für Magie nachstehen, doch er verstand es eindeutig mit Menschen umzugehen und sie zu verstehen. Keine schlechte Gabe für einen Herrscher. In einer Magokratie wie die von Umbra unter der Leitung seines Vaters war er einfach fehl am Platz gewesen. Doch einem neuen Umbra wäre er möglicherweise genau der Richtige. „Ich werde euch von meinem Vorschlag nicht überzeugen können, oder Winter?" Zur Antwort reichte es, dass sie bedauernd die Mundwinkel hochzog und den Kopf zur Seite neigte. Jedoch schien sich Melegaunts Enttäuschung in Grenzen zu halten. „Eure Tochter ist euch wohl verständlicherweise das Wichtigste auf dieser Welt. Ich verstehe, dass euch dieses Angebot daher Bauchschmerzen bereitet." Er machte eine Pause und setzte sich neben sie. „Ich habe noch eine andere Idee erdacht. Mein Volk steht unter Schock. Es ist ungewiss, in was für eine Zukunft es blickt und die Göttin auf die sie Jahrtausende vertrauten ist nun tot. Aber es ist das Wesen von Göttern nicht immer tot zu bleiben, nicht wahr?" Winter starrte ihm in die Augen. Wusste er von ihr und Shar? „Mystril wurde nach dem Fall von Karsus als Mystra wiedergeboren. Das ist die Erzählung, die mein Volk nun braucht." Er nahm ihre Hände zwischen seine feingliedrigen Finger und schaute Winter tief in die Augen. „Bitte verzeiht mir, wenn ich euch nun erneut überfalle, doch hört euch meine Idee an: Ihr und ich, wir könnten das Paar sein, welches Umbra braucht. Eure magischen Kräfte sind gewaltig, denen meiner Brüder sogar überlegen. Ihr könntet die wiedergeborene Shar sein, die mein Volk so sehr braucht." Sie glaubte einen Moment Shars Lachen über diese Ironie in ihrem Kopf zu hören, ließ sich aber nichts anmerken. „Aus der Vernichterin der Stadt würde nun ihre neue Königin werden. Das ultimative Zeichen der Versöhnung. Zudem seid ihr die Mutter der Elani. Die Verbindung zwischen unserem Volk und den Bedinen. Alle Freiheiten, die ich eurer Tochter zugesichert hätte wären auch die euren. Als meine Erstfrau hättet ihr alle Freiheiten, die ihr euch nur wünscht und eine noch immer mächtige Armee um euch und eure Tochter zu schützen. Bitte, ihr müsst nicht sofort auf mein Angebot eingehen. Denkt darüber nach. Und wenn ihr auch zu dem Schluss kommen solltet, dass wir alle von diesem Plan die größten Vorteile haben, so lasst es mich wissen." Wie ein wahrer Edelmann erhob sich Melegaunt und verneigte sich zum Abschied. „Das werde ich. Ich fühle mich bereits jetzt geehrt. Wenn wir uns das nächste mal begegnen, werde ich gewiss eine Antwort für euch haben, Melegaunt Tanthul." Das optimistische Lächeln in seinem Gesicht sagte ihr, dass er keine Ahnung hatte, wie nah seine Geschichte an der Realität lag.

Auf dem Rückweg zog Winter durch die Straßen Umbras. die Stadt war wahrlich beeindruckend. Die Umbranten begegneten ihr mit einer Mischung aus Misstrauen, aber auch Bewunderung. Faust hatte sich ihr angeschlossen, da er es bei der Verhandlung zwischen Grim und Meleganut nicht mehr ausgehalten hatte. Als ihr Bruder vorschlug, anstelle menschlicher Sklaven nur noch orkische Sklaven zu verwenden, war er wieder einmal mit Grim aneinandergeraten und verließ daraufhin wutentbrannt den Saal. Es war nicht die erste Meinungsverschiedenheit, die die beiden hatten, doch in letzter Zeit wurde die Unverträglichkeit ihrer Grundhaltungen immer deutlicher.
„Diese scheiß feinen Schattenfreaks haben gerade einen Krieg verloren. Sie werden wohl damit klarkommen müssen, keine Sklaven mehr zu haben. Zum kotzen, wie dein Bruder jetzt Orks in die Sklaverei schicken will. Als ob das besser wäre. Clariburnus kommt vor ein Kriegsgericht und wird geköpft und Entreri wurde aus diplomatischen Gründen mit Calimhafen frei gelassen, nachdem er unterzeichnet hat, nie wieder einen Auftrag gegen uns anzunehmen. Diese ganze Politik nervt einfach nur noch. Ich will endlich wieder was sinnvolles tun anstatt hier herum zu hocken und mit irgendwelchen Idioten über die Farbe von Scheiße zu diskutieren." Zwischen seinen wütenden Ausführungen kippte Faust immer wieder einen Schluck aus der Flasche des sündhaft teuren Weins herunter, mit der er vermutlich bereits einige Sklaven hätte frei kaufen können. Winter blieb jedoch gelassen. Zu sehr gefiel ihr die malerische Architektur der Stadt.
„Keine Angst, wir werden sicher bald wieder etwas zu tun bekommen. Telamont ist irgendwo und plant unseren Tod. Genieß doch jetzt einfach einmal diesen kurzen Moment des Friedens. Schau dir diese Stadt an. Wie durchdacht hier jede Straße und jeder Winkel wirkt." Auch Faust sah sich immer wieder um, zeigt nun aber zu dem zerstörten Shartempel in dem sie noch vor kurzem eine Massenpanik ausgelöst hatten. „Klar, die alten Nesser hatten es schon drauf. Aber da vorne haben wir wohl ein bisschen was kaputt gemacht." Tatsächlich stachen die Trümmer auch Winter ins Auge, da der Rest der Stadt noch immer in einem tadellosen Zustand war. Sie suchte nach der Stimme in ihrem Inneren und erhielt eine Antwort. Nun, das bin ich meinen Anhängern wohl schuldig. Zum Staunen der Schaulustigen setzte die Zauberin mithilfe eines Telekinesezaubers die Großen Trümmer wieder zusammen. Faust half dabei mit purer Muskelkraft mit und die Stellen, die zu zerböckelt waren, unterstützte Winter schließlich mit erschaffenen Eisenwänden. Der Rest war nur noch reine Kosmetik, was die Einwohner selbst schaffen würden. Deren Misstrauen ihr gegenüber war nun bei vielen der Anerkennung oder gar Ehrfurcht gewichen. Das Volk der Umbranten lebte seit tausenden Jahren in einer Magokratie. Je mächtiger die Magie, desto ehrenhafter ihr Anwender.
Faust hob respektierend eine Augenbraue während sie weiterzogen. „Nicht schlecht, das hat dir einige Sympathiepunkte gebracht." Sie versuchte es mit einem ihrer Blicke herunterzuspielen, aber Faust grinste bittersüß. „Und? Wann wirst du mir erzählen was los ist?" Sie setzte zu einem ahnungslosen Gesichtsausdruck an, aber ließ es doch gleich wieder bleiben. Er kannte sie einfach zu gut. Wenn es jemand verstehen würde, dass Faust, sie sollte ihm von Shar erzählen. Andererseits ging es um eine Göttin, die die er getötet hatte. Genau ließ sich nie sagen, wie er reagieren würde. Und doch war er ihr bester Freund und er stand auch nach ihren schlimmsten Abgründen noch hinter Winter. Ich rate dir dringend ihm nichts zu verraten! Wenn unser Geheimnis die Runde macht werden du, ich und alle die du liebst für sehr mächtige Feinde zur Zielscheibe! Shar musste es sehr ernst meinen, wenn sie sich so plötzlich zu Wort meldete. Doch diesmal war es Winter egal. Sie suchten eine weniger bevölkerte Gegend auf und setzten ihr Gespräch nun rein gedanklich fort. Es tat gut endlich jemandem von Shars Übernahme zu erzählen, von ihrem Gefühl der Machtlosigkeit und den Möglichkeiten, die dieser Bund ihr nun brachte. Als sie fertig war, dachte der Kämpfer eine Weile für sich nach, bevor er laut antwortete: „Ich kann sie verstehen. ein Weg heraus aus diesem Verein muss nach so langer Zeit sehr verlockend sein. Aber dass es gerade dich erwischt hat ist ein sehr zweischneidiges Schwert und auch recht ironisch." Winter zog die Stirn in Falten. „Inwiefern ironisch?" „Naja, du hattest deine Kräfte durch das Konsumieren von Seelen, je stärker die Seele, desto größer deine Kräfte, bis du sie alle beim Mythal aufbrauchen musstest. Nun ist es deine Seele die konsumiert wird." Sie ahnte - nein, wusste - natürlich, dass genau das der Fall war. und doch war es hart es ausgesprochen zu hören. „Sei vorsichtig Winter. Ich weiß, deine Seele ist verdammt stark, aber ich glaube ihre Zauber sind extrem stark und zehren stärker an deiner Seele als du es vielleicht denkst. Du musst dir ein neues Leben aufbauen. So wie Nimoroth oder Kalid. Eines ohne Magie. Die Dinge nutzen, die du bereits erreicht hast." Sie nickte. Vielleicht hatte sie das schon. An der Seite von Melegaunt hätte sie das Leben einer Königin, ganz ohne dazu noch Magie nutzen zu müssen. Sie würde ihre eigene Geschichte schreiben. Es wäre die vernünftigste Lösung. Die Frage war nur, ob sie so vernünftig sein konnte.

Niobe

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #364 am: 17. Dezember 2023, 14:14:03 »
Sehr sehr schönes Kapitel. Sehr politisch, aber ich fands toll :) Und bei der Erinnerung an Grims Zornader und seine berüchtigten Zornausbrüche musste ich echt lachen.

Winter

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #365 am: 20. Dezember 2023, 10:41:18 »
Gefällt mir sehr gut! Da kommen viele Erinnerungen 🥰

Nightmoon

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    • Schicksalsstreiter
Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #366 am: 22. Januar 2024, 18:07:32 »
Wir nähern uns dem Ende...


Kapitel XII: Sand der Zeit

Winter
irgendein Kaff im Nirgendwo

Er musste jeden Moment um die Ecke biegen. Diesmal würde die Überraschung auf ihrer Seite sein. Sie konnte es kaum erwarten sein Gesicht zu sehen. In einer feuchtfröhlichen Nacht hatte Winter zusammen mit Faust und Fardo einiges getrunken den späteren Teil der Nacht hatte sie gelangweilt den stillen Zuhörer gemimt, als die beiden anfingen wild über Raum und Zeit zu diskutieren. Vielleicht lag es am Alkohol, aber die Fachbegriffe die durch die Luft schwirrten erweckten in Winter den Anschein, dass ihre Saufkumpanen tatsächlich wussten über was sie da spekulierten und ihre Theorien und Pläne klangen irgendwann gar nicht mehr so abwegig - aber eben auch sterbenslangweilig. Wo war Drake mit seiner Mischung aus Melancholie und Zynismus, wenn man ihn für ein gutes Saufgelage brauchte? Da kam Winter eine Idee, wie man diesen Fardo und seine Fähigkeiten gut nutzen würde können. Sie wechselte das Thema und nun strengten alle drei ihre Gehirne an - magisch und nicht-magisch, psionisch und nicht-psionisch. Möglicherweise war es eine Art Wahnsinn, der sie antrieb, doch gemeinsam schafften sie es tatsächlich Drake zu lokalisieren.
Unauffällig stand Winter scheinbar interesselos an der Tür zu dem eher ärmlichen Gebäude, als sie Drake endlich begrüßen konnte. „Hier versteckst du dich also ständig." Oh ja, dieser Gesichtsausdruck war die Mühe Wert gewesen, auch wenn er beinahe reflexartig ein Messer in ihre Richtung geworfen hätte. „Was in allen Neun Höllen tust du hier verdammt?!" Faust kam dazu. „Na komm Schneeweißchen, wir kennen uns jetzt so lange, da wollten wir mal wissen wie du wohnst. Etwas ...schäbig, oder?" Der Assassine brauchte keine Worte um die Frage zu stellen, warum auch ER? Winter ging in Richtung Treppe. „Aber sag Drake, wer ist die Dame die du da besucht hast? Ich dachte du stehst auf einen anderen Typ Frau." Er stützte sich mit den Händen auf der hüfthohen Mauer ab und senkte sein Haupt. „Sie ist... meine Mutter."
Alle Süffisanz verschwand aus Winters Antlitz. „Deine Mutter? Mutter /Schrägstrich Zuhälterin? Die Frau die deinen Bruder und dich Jahrelang als Kinder als Lustknaben verkauft hat? Was hast du noch mit dieser Frau zu schaffen? Am liebsten würde ich ihr gerade sofort an die Kehle gehen!" Drake verschränkte die Arme und lehnte sich gegen die Mauer, während er Winter abschätzig betrachtete. „Dann ahnst du ja vielleicht, warum ich dich und die anderen Wahnsinnigen von ihr fernhalten wollte." Winter wurde immer aufbrausender. „Wie kannst du nicht wütend auf sie sein? Solche Menschen sind Abschaum!" „Glaube mir, ich war oft genug wütend auf sie, habe sie gehasst. Aber ich bin kein Kind mehr, Winter. Gerade du solltest wissen, dass die Welt etwas komplexer ist. Deine Beziehung zu deiner Tochter ist auch nicht gerade Preisverdächtig."Ihr Fäuste ballten sich so hart, dass ihre Nägel sich feste in die Haut ihrer Handinnenseite gruben. Es fehlte nicht viel um ihm einen Auflösungsstrahl in den Bauch zu jagen. „Willst du mich etwa mit dieser Frau vergleichen? Ich war all die Jahre nicht da, weil ich von der Zauberpest behindert worden war!" „Und vorher und nachher hat es dich einen Scheiß interessiert, was Scarlet wollte. Du hast ihr doch all die Jahre deinen Willen aufgezwungen, wolltest sie sogar in ein Kloster bei den schweigenden Schwestern schicken. Wärst du bei ihr gewesen in den letzten Jahren hättest du sie immer klein gehalten. Nur ohne dich konnte sie die Anführerin werden die sie heute ist und nur weil meine Mutter war wer sie war, lernte ich zu überleben in einer Welt die dich allein durch ihre Grausamkeit töten will, wann immer sie die Gelegenheit hat. Aber das willst du nicht hören, dass du als Mutter versagt hast und hättest!" Nur Fausts schnellem Eingreifen war es zu verdanken, dass sie Drake nicht in einen Haufen Asche verwandelte. Seine Worte trafen ihr Herz tiefer als es seine Dolche je vermocht hätten und das wusste er auch. Sie wusste, dass seine Provokation nur seine Art war mit seinem eigenen Schmerz fertig zu werden, doch gerade weil er nicht ganz unrecht hatte, war sie nun verletzlich. So bemerkte sie auch das blinde und torkelnde Wrack von einem Menschen, das sich aus dem Haus tastete erst, als Drake zu ihr stürmte um sie zu stützen. Es war schwer vorzustellen, welche Macht diese Gestalt einmal über Drake und seinen Bruder gehabt haben mag. Schließlich ergriff Faust das Wort. „Ganz ehrlich Drake, wir haben es geschafft euch nach einer durchzechten Nacht aufzuspüren und zu überraschen. Sowohl Mephisto, als auch Telamont sind stark genug um euch zu finden. Und dein Beschützer Entreri wird sich einen Scheiß darum kümmern, wie es deiner Mami geht." Winter hörte die Worte ihrer Gefährten nur wie durch einen Schleier gedämpft. Ihre Gedanken kreisten um Drakes Worte. Worte, die sie selbst schon immer wusste, aber nie zu sich selbst hatte sagen wollen. Scarlet war ein großartiger Mensch geworden - ohne sie. Sie dachte an ihre Diskussion mit Nimoroth, der es Laguna erlaubte sich in Todesgefahr zu begeben, weil er ihm die Freiheit geben wollte selbst für sein Leben zu entscheiden. War es nicht die Aufgabe von Eltern, ihre Kinder zu beschützen? Doch wie lange und auf welche Weise? Sie konnte nicht mehr hier bleiben und teleportierte sich in die Wüste um Scarlet aufzusuchen.

Es dauerte eine Weile, bis ihre Tochter sich von ihren Verpflichtungen losreißen konnte, doch Winter hielt es gerade für angemessen zu warten. Mit einer bisher ungekannten Demut begrüßte sie Scarlett schließlich. „Mutter, was ist los? Ist wieder etwas passiert?" Sie sah sie einfach nur an. „Nein - Das heißt doch. Meleganut hat mir ein Angebot gemacht oder besser gesagt zwei Angebote. Aber ich möchte es gerne mit dir besprechen. Und ich werde deine Entscheidung akzeptieren. Melegaunt hat um deine Hand angehalten. " Scarlets Augen weiteten sich vor Erstaunen und wohl auch Entsetzen. „Lass mich bitte weiterreden. Ich habe es ausgeschlagen, allerdings ohne dich nach deiner Meinung zu fragen und das war falsch. Lass uns das zusammen entscheiden, nachdem du noch die zweite Option gehört hast: Melegaunt könnte stattdessen auch mich heiraten, da die Umbranten in mir eine Art wiedergeborene Shar sehen. Zugleich bin ich deine Mutter. Was sagst du dazu? Und bitte sei nicht böse, dass ich voreilig gehandelt habe, ich will dich nicht übergehen. Ich bewundere die Frau die du geworden bist und ich habe kein Recht mehr über dich hinweg zu entscheiden." Scarlet fehlten zuerst ganz die Worte, dann setzte sich sich neben ihre Mutter auf das ausgebreitete Tuch auf dem Boden. „Melegaunt will mich oder dich heiraten um Frieden zwischen Umbra und meinen Leuten zu schließen? Warum hast du eingewilligt ihn zu heiraten?" Winter lächelte milde. „Ich denke, ich habe genug vom Heiratsschwindeln. Ich war so lange auf der Suche nach jemandem, der das Loch in meinem Leben füllen könnte, das dein Vater hinterlassen hat, aber ich habe erkannt, dass es keinen gibt wie ihn. Nicht mehr in diesem Leben. In Umbra könnte ich das Leben haben, das ich eigentlich immer wollte und dabei gleichzeitig noch Einfluss haben und ein Teil deines Lebens sein." Scarlets Augen erinnerten sie an Dorien. Er hatte den gleichen Blick, wenn er an Winters Entscheidungen gezweifelt hatte. „Aber, du bist eine Abenteurerin. Das ist es doch was du liebst. Durch die Welt reisen und Abenteuer erleben. Bitte glaube nicht, dass du das wegen mir aufgeben solltest!" Nass glänzten Winters Augen. Scarlet hatte natürlich Recht, aber sie wusste schließlich auch nicht, dass Shar bald Winters Leben übernehmen würde, sollte sie weiterhin als Abenteurerin leben. Es war ein schönes Kapitel in ihrem Leben gewesen, das sie nun hinter sich lassen musste. Die vermutlich letzte Chance sich zur Ruhe zu setzen. Sie schüttelte den Kopf. „Nein, es war schön und aufregend, auf Abenteuer auszuziehen, aber ich habe viel nachgedacht und mit vielen Freunden gesprochen und es ist nun Zeit für mich etwas neues zu beginnen. Könntest du mich als Melegaunts Frau immer noch als deine Mutter betrachten? Ich weiß ich habe manches falsch gemacht und war lange Zeit nicht für dich da. Gibst du mir die Chance, dass wir wieder zueinander finden können?" Der beherzte Griff von Scarlets Hand um ihre, brachte Winters Tränen schließlich zum fließen. Sie wusste nun sicher für was sie kämpfen würde. Erst mit Telamonts Verschwinden würde Scarlett die Chance haben die Frau zu sein, die sie verdiente zu sein.


Grimward
Abtei des Schwertes

Grimward empfand es als äußerst beruhigend, dass in den letzten Tagen wieder Routine eingekehrt war. Ihm war beinahe die Kinnlade heruntergefallen, als er erfahren hatte, dass Winter - tatsächlich - Melegaunt heiraten und sich zur Ruhe setzen wollte. Faust war zu Besuch bei seiner Muuter. Diese lebte nun wohl in einem Kloster, weit entfernt vom Lärm der Stadt und all dem Ärger, den ihr Sohn ihr bereitet hatte. Er konnte ihre Beweggründe gut nachvollziehen. Das Leben in einem Kloster wäre vielleicht auch für Grimward genau das Richtige gewesen, würde er sich zur Ruhe setzen. Aber natürlich bestand diese Option für ihn nicht. Es gab keine andere Option für ihn als in der Schlacht zu fallen, getötet von einem ebenbürtigen Gegner. Doch waren seine Zeiten als Soldat und Heerführer so viel einfacher als heute. Er erhielt seine Befehle von Ambrose und folgte, kämpfte und siegte. Seine Schwester und Faust brachten trotz all ihrer Kampfkraft, die sie in die Waagschale warfen doch so viel Chaos mit sich, dass er immer wieder mit sich selbst Rat halten musste, ob diese Verbindung noch immer zum Vorteil für Faerun und seine Abtei reichte. Doch der jüngste Erfolg gegen die Umbranten gab ihnen letzten Endes Recht. Scarlet lebte und Winter war jene übermächtige Waffe geworden, die die fliegende Stadt in die Knie zwang. Und Faust hatte Shar getötet. Wie sollte er dazu stehen? Shar war gewiss nie eine Verbündete von Tempus gewesen, doch sie war eine Göttin. Es fühlte sich nicht richtig an. Es war ein Riss in der göttlichen Ordnung entstanden. Die Folgen waren noch nicht abzusehen. Tempus stand nun einem neuen Gott der Finsternis gegenüber: Asmodeus. Gewiss ein Gott der Shar in Rafinesse in nichts nachstehen würde, der aber auch offene Konfrontationen wie den Blutkrieg genoss. Es blieb also spannend. Nun galt es aber erst einmal den Rekruten zu sagen, dass sie mit einer solch erbärmlichen Ausdauer bald als Orkfutter enden würden.
Als er gerade ansetzen wollte die Soldaten anzubrüllen, sprang die Tür auf und Faust platzte herein, bedeckt mit Staub und Ruß, in den Armen seine leblose Mutter haltend. Tränen der Wut und Trauer standen in seinem Blick. „Grim, du musst ihr helfen und ihr müsst euch kampfbereit machen! Sofort!" Während Grimward vergeblich versuchte Fausts Mutter zu helfen, lauschte er den gehetzten Worten seines Gefährten. Diese Nachricht war tatsächlich ein Grund, um die Abtei in Alarmbereitschaft zu versetzen: Faust war bei seiner Mutter, als wie aus dem Nichts eine fliegende Stadt auftauchte und das Kloster dem Erdboden gleich machte. Fausts Versuch seine Mutter zu retten war ehrenhaft, aber doch zum Scheitern verurteilt gewesen. Ihr Körper hatte nicht mehr die Kraft gehabt, sich gegen die großen Steinbrocken die sie trafen zur Wehr zu setzen. Doch die fliegende Stadt war nicht Umbra, das versicherte er, sondern Eileanar, die Enklave von Karsus selbst. Fausts Zorn über den Tod seiner Mutter wurde nur noch von seiner Angst um Winter übertroffen und so war er gleich mit einigen Teleportationsschriftrollen weitergezogen um Winter zu warnen. Der Alarm hatte seine Wirkung und zu Grimwards Freude reagierten alle so wie es einstudiert war. Jedes Zahnrad fasste in das nächste und binnen kurzer Zeit war die Abtei bereit zum Kampf. Doch Grimward fehlte etwas entscheidendes für diesen Kampf: Wissen. Es war Zeit sich in tiefe Kontemplation zurückzuziehen und das Gespräch mit einem Sprecher des Schlachtenfürsten aufzusuchen.
Dunkelheit umfing ihn. Er konzentrierte sich an seine letzten Erinnerungen an Eileanar, als es von dem Monster aus dem Sumpf eingeschlossen wurde. Ihm war, als würde er selbst zugewuchert werden, bis ihn ein Panzerhandschuh unsanft an der Schulter packte und aus dem Sumpf herauszog, mitten in ein Schlachtgetümmel. Kein Gesandter, sondern Tempus selbst hob Grimward auf die Beine und musterte ihn, sein Gesicht weniger entspannt als beim letzten mal. „Es ist viel passiert, seit wir uns das letzte mal gesprochen haben. Und du drohst die Kontrolle zu verlieren, Grimward." Sofort ging er auf die Knie. „Verzeiht, Herr. Der Sieg über die Umbranten hat mich wohl einen Moment unachtsam werden lassen." Wie erwartet zog Tempus seinen Auserwählten wieder auf die Beine, musste jedoch vorher einen heranstürmenden Gegner spalten. „Steh auf! Du hast eine entscheidende Schlacht gewonnen, aber dein Krieg ist noch nicht vorbei. Wieder einmal hat der menschliche Hochmut, einen Gott zu manifestieren, große Veränderungen nach sich gezogen. Tatsächlich freue ich mich schon auf die erste Schlacht gegen Asmodeus, aber das Portfolio der Hölle hat nicht nur mir Unbehagen bereitet." Grimward hielt dem strengen Blick seines Herrn stand. „Wäre es nicht der sinnvollste Schritt, das Portfolio an den nächsthöchsten Fürsten der Hölle gehen zu lassen?" Ein beunruhigendes Zucken huschte kurz über das göttliche Antlitz von Tempus, als er diese Worte vernahm und zur Antwort ansetzte. „Es gab einige Gründe, die dagegen sprachen Ares zum Gott der Neun Höllen zu machen. Ich kann nicht über alle davon reden, aber du ahnst bereits, worum es geht." Entmutigt blies Grimward die Luft aus. „Faust. Er hat Shar getötet und auf das Anrecht ihren Platz einzunehmen verzichtet. Und dann den gesamten Kreis der Götter bedroht. Ein Hochmut der ihm nicht zusteht." Tempus rammte seinen Speer in einen weiteren Feind, ehe er antwortete. „Wäre es nur bloßer Hochmut, hätte dieser Mensch keine Bedeutung für unsere Entscheidung gehabt. Doch er vermag das Schicksal maßgeblich zu beeinflussen, was die gesamte kosmische Ordnung stören könnte. Mephisto wiederum war maßgeblich an der Erschaffung der Neun Höllen beteiligt. So lag unsere Entscheidung nahe, ihm das Portfolio zu überlassen, sofern er dafür den Einsatz zeigen würde, Fausts verdammte Seele bald möglichst einzufordern." Grimward musste auf den behelmten Gegner starren, dem Tempus während ihrer Unterhaltung beiläufig die Kehle zerquetschte. Als er dem Schlachtenherrn aber wieder ansah, erkannte er eine gewisse Unzufriedenheit, vielleicht sogar Scham. „Seid ihr in Aufruhr, weil ihr den Tod eines Sterblichen in Auftrag gegeben habt?" Tempus spuckte aus und erhob sich von seinem erwürgten Gegner. „Nein. Ich weiß er ist mit dir Verbündet und ein mächtiger Streiter an deiner Seite. Aber ich werde ihm keine Träne nachweinen, wenn sich sein Höllenpakt erfüllt hat. Ich bin dennoch zornig mit mir selbst, dass ich dieser Vereinbarung zugestimmt habe." Er packte Grimward an den Schultern und blickte ihm tief in die Augen, nein, in die Seele. „Hör zu, die Götter haben einen Fehler gemacht, ich habe einen Fehler gemacht. Mephisto hat uns betrogen. Er hat selbst einen weiteren Pakt geschlossen. Mit Telamont Tanthul." Der Gott des Krieges musste seinen Blick für einen Moment abwenden, ehe er weitersprach. „Ich habe Krieg über dich und die Welt gebracht mit diesem Pakt." Grimward wusste bereits was Tempus ihm sagen wollte. Darum konnte Telamont wieder Magie wirken - und nun auch Eilaenar nach so langer Zeit wieder in die Lüfte erheben lassen. Er hatte "Karsus Avatar" gewirkt und Mephisto, der sich freiwillig dazu bereit erklärt hatte, in sich selbst heraufbeschworen. Telamont und der Gott Mephisto waren nun eins. Ein lebender Gott in der Welt der Sterblichen. Es war kaum abzusehen, was der genaue Inhalt des heimlichen Paktes zwischen diesen beiden gewesen sein mag, doch Fausts Vernichtung war gewiss nicht der einzige Teil. „Ich sehe du verstehst. Ich habe den Krieg über deine Welt gebracht und nun liegt es an dir, meinen Fehler wieder auszumerzen, Grimwardt. Wie du siehst können auch die Götter fehlgeleitet werden. Sei weiser als ich es war und vertraue auf dein Gefühl!" Tempus machte einen Schritt zurück und rammte Grimward mit einem harten Tritt in den Bauch zurück in die Realität.


Faust
Wüste Anauroch, Oreme

Er wusste, dass er den Kopf frei bekommen musste, um sein Ziel zu erreichen. Doch im Moment nagte weiter die Schuld an ihm. Verloren schaute er in die Leere der Wüste, während sein Kopf auf Winters Oberschenkeln ruhte. Ihre Hand auf seinem Kopf vermittelte ihm ein Gefühl von Trost, doch er fand, dass er das gerade nicht verdient hatte und richtete sich auf. Seine Tränen waren nur noch eine feine Salzkruste, die er sich aus dem Gesicht rieb. „Du solltest gar nicht hier sein." Murmelte er mehr zu sich als zu seiner Gefährtin. „Ich bringe jedem den Tod, der etwas mit mir zu tun hat. Es ist nur eine Frage der Zeit. Thallastam, Tyrail, meine Schwester und nun meine Mutter. Mein Weg ist der Weg in den Untergang und ich ziehe jeden mit mit, der mir etwas bedeutet." Winter stellte sich vor ihn. „Meinst du mir geht es anders? Es vergeht kein Tag an dem ich nicht Angst um Scarlet und meine Familie habe. Und auch um dich. Aber das warst nicht du, der sie getötet hat!" Aufgrund seines missmutigen Blicks korrigierte sich Winter: „Gut, Thallstam und Tyrail hast du getötet, aber bei dem einen warst du noch jung und ein Idiot und Tyrail hatte es verdient. Die Waren Mörder sind aber unsere Feinde. Ich bin es Leid, mich ständig schuldig zu fühlen. Mephisto und Telamont haben deine Mutter getötet, nicht du." Schnaubend stand er auf und blickte Winter ins Gesicht. „Und ich habe mehrere von Telamonts Söhnen getötet. Diese Spirale der scheiß Gewalt hat einfach kein Ende und ich will nicht, dass es auch noch dich oder Miu oder sonst wen trifft, der mit mir zu tun hat!" Sie hielt seinem bohrenden Blick weiter stand. „Und darum müssen wir für die kämpfen die wir lieben, Faust. Es war ein schöner Gedanke sich zur Ruhe zu setzen." Er musste unweigerlich lachen. „Pff, du und Melegaunt. Selbst dein Schatten wäre genug um ihn für sein Volk unsichtbar zu machen. " Auch sie musste ein wenig schmunzeln. „Unterschätze ihn nicht. Er kann Menschen gut einschätzen. Es wäre natürlich nur eine Scheinehe in der ich alles so ausleben könnte wie ich es will. Es ist klug von ihm eine repräsentative Frau zu wählen." Sein Blick wurde ernster. „Und wie und mit wem willst du diese Scheinehe ausleben?"
Eigentlich hatte Winter ihm schon oft genug gesagt, dass ihr Interesse an ihm aus einer guten Freundschaft bestand. Doch diese Ehe mit Melegaunt klang für ihn danach, dass er sie nur noch selten zu Gesicht bekommen würde. Er musste sich eingestehen, dass er einfach Angst davor hatte, dass ihre beiden Lebensströme nicht mehr in die selbe Richtung verlaufen würden und sich trennen würden. Dann wäre er ganz allein. Gleichzeitig wusste er aber auch, dass es für Winter das beste wäre. Dorien würde niemand mehr ersetzen können, aber sie hatte es verdient in der Nähe ihrer Tochter zu sein um die Jahre nachzuholen, die sie wegen der Zauberpest verloren hatten. Etwas in ihrem Lächeln machte ihm jedoch Mut. „Weißt du Faust, vieles hast sich verändert. Ich glaube ich kann es akzeptieren, ein neues Leben anzufangen. Die Welt wird sich auch ohne uns weiterdrehen." Ihre Augen hafteten an seinen. „Und wenn du bereit wärst, dieses Leben voller Gefahr und Tod hinter dir zulassen... dann würde ich mich freuen, wenn du auch ein Teil meines Leben bleiben würdest." Ihr Hände fassten seine, als sie ihn näher an sich zog. „Aber dazu müssen wir loslassen. Ich kann nicht zulassen, dass Scarlet wieder in Gefahr gerät, wegen meiner Feinde... oder deiner Feinde." Winter hatte ihren Frieden gefunden, das erkannte er nun. Und sie hatte ihn gerade eingeladen diesen Frieden mit ihr zu teilen. Vielleicht musste er sich wirklich fragen, wem oder was er noch immer hinterherjagte. War es das noch wert? Oder hatte er eigentlich schon mehr erreicht als er je wollte? Nie hatte er den Augenblick gebeten zu verweilen, außer in Momenten wie diesem. Vielleicht war es an der Zeit dem nachzugeben.

„König Oreme ist nun bereit euch zu empfangen!", unterbrach die quäkige Stimme des echsenhaften Herolds den Moment. Sie wurden in den Saal des alten Tempels geführt. Auf dem Thron saß ein Drachenblütiger, einer dieser Neuankömmlinge aus Abeir, der sich bester Gesundheit erfreute. Genervt schnaubte Faust: „Und wen sollst du bitteschön darstellen?" Empört richtete sich der golden geschuppte Herrscher auf und sein Krönchen verrutschte dabei etwas. „Ich bin König Oreme! Und ihr habt mich mit dem nötigen Respekt anzusprechen!" Er hatte keine Zeit für diesen Blödsinn. „Pass auf, Goldmarie: Entweder du sagst uns jetzt wo Arthindol, der echte König hier steckt, oder ich werde dir deine Krone so tief in deinen schuppigen Arsch rammen, dass du Goldnuggets kacken kannst!" Goldmarie riss die Augen auf und sah sich panisch um, doch da öffnete sich schon der Sandsteinboden des Tempels und Faust und Winter wurden hinunter in die Katakomben gesogen.
Nachdem er sich den Sand und Staub abgeklopft hatte, schaute Faust sich um. Die Katakomben hatte fast schon etwas heimisches für ihn, da er hier sein Zeichen erhielt, das sein Leben so stark verändert hatte. Dennoch schien alles ein wenig anders. Offenbar konnte Arthindol die genaue Struktur und Anordnung der Kammern nach Belieben verändern. Auf einem Thron am Ende des schattigen Saals lag ein leblos wirkendes Skelett. „Glaubst du er ist tot? Also, so richtig tot?", meinte Winter zögerlich. „Nein, bestimmt will er nur, dass wir uns sein Skelett genau anschauen und..."„SUCHT IHR MICH?" Toste eine markerschütternde Stimme von der Seite gegen die beiden an, gefolgt vom seltsam glucksenden Lachen des Sarrukh. „Wie schön, dass man euch noch erschrecken kann! Aber jetzt mal im Ernst, was wollt ihr hier schon wieder? wird das nun eine Angewohnheit, hier ständig reinzuplatzen?" Etwas wie Zorn ließ die leeren Augenhöhlen kurz rot aufglühen. „Ich dachte, ihr hättet euren Thron schon aufgestellt um euch das kommende Spektakel anzuschauen!", lenkte Faust ihn ab. „Wer sagt, dass ich das nicht schon längst habe? Dass Götter und ehemalige Götter und welche die es gern wären in unserer Welt herum wandeln, scheint ja wieder in Mode zu sein. Ich muss sagen, die Zeit der Sorgen hat mich damals ziemlich belustigt. Und nun haben wir wieder ein kleines "Göttlein wechsel dich" Spiel, das ist wirklich amüsant." Faust verstand nicht jede der Anspielungen, ging aber gleich wieder darauf ein. „Und das ganze soll ja noch nicht das Ende sein, oder? Ich weiß wann ich hin muss, mir fehlt nur noch eine Art Fokus." Freundschaftlich hievte der Sarrukh derweil den Leichnam seines Kollegen vom Thron und setzte sich selbst wieder hin. „Du meinst einen Anker. Oder auch Kompass, keine Ahnung, wie ihr eure seltsamen Hilfsmittelchen nennt. Verrätst du mir, wannhin du genau willst?.. oder nein, es ist viel spannender wenn du mir nichts verrätst. Du brauchst etwas, dass es heute wie auch damals gegeben hat, einen Gegenstand." Faust schaute auf Zwiespalt. „So etwas wie mein Schwert?" „Nein, ich dachte da an etwas weniger mobiles. Es sollte sowohl Zeit als auch Raum überstanden haben." Faust fing sofort an zu grübeln. Dieser Hinweis war möglicherweise der Schlüssel. Dann dachte er an seine zweite Frage: „Ich glaube, ich könnte noch andere mit mir nehmen. Ich werde dort sicher Hilfe brauchen." Der Weltenseher klatschte mit seinen klappernden Händen. „Das kommt darauf an. Liegt dir etwas am fortbestehen dieser Welt? Wenn du mich fragst: Nimm möglichst viele Leute mit und lass sie sich austoben! Das könnte wirklich viel ändern und die Zeit hätte mächtig Probleme das alles wieder auszubügeln!" Der Kämpfer rollte mit den Augen. „Ja, ich weiß schon, möglichst nichts verändern. Ashardalon war uns eine Lehre. Aber wenn wir dort agieren ohne den Verlauf zu ändern, dürfte nichts passieren." Winter meldete sich zu Wort. „Und wer sagt, dass es so gut ist, wenn wir den Lauf der Geschichte nicht ändern? Vielleicht wäre es für die Welt besser, wenn manche sterben und manche gerettet werden würden." Totenkopfgrinsend lehnte sich der Sarrukh zurück. „Die Einstellung gefällt mir! Wobei es natürlich langweilig wäre, wenn ihr die Existenz von allem vernichten würdet." Faust senkte sein Haupt kopfschüttelnd. „Wir können Dorien nicht retten, Winter. Es tut mir leid. Jeder Soldat, der bei Ashardalons Angriff auf die Vergangenheit gestorben ist, wäre sonst auf eine andere Art und Weise in dieser Schlacht gestorben. Der Zeitpunkt von Leben und Tod sämtlicher Kreaturen die eine Seele haben, kann nicht verändert werden. Die Kunst ist es innerhalb dieser Regeln der Zeit zu handeln, nicht sie einfach zu brechen." Arthindol beobachtete schweigend und genießend die Diskussion seiner Gäste. „Woher willst du das wissen? Du sagst, man kann das Schicksal nicht ändern? Dann musst du doch auch keine Angst haben, dass wir etwas verändern und wir können es einfach versuchen! Entweder du hast Recht und es geschieht ohnehin nichts, weil wir es nicht ändern können, oder die Regeln der Zeit sind doch nicht so starr wir du dachtest!" „Das wäre, als wolltest du eine winzige Scherbe aus einer Glaskugel schlagen, die unter Spannung steht. Es wäre nur eine winzige Scherbe, aber damit würde die ganze Kugel zerspringen und ließe sich nicht mehr zusammensetzen. Ich will die Welt verändern, Winter, nicht vernichten. Und ich will dich mitnehmen auf diese Reise, aber du musst mir versprechen, dass du keine Scheiße baust!" Das Skelett mischte sich wieder ein in die Unterhaltung. „Schön, dass du es verstanden hast. Sicher kommen euch noch viele tolle Ideen dazu. Aber nicht hier. Ich brauche jetzt meinen Schönheitsschlaf." Mit einem knackenden Fingerschnipps standen die beiden wieder in der grellen Sonne der Anauroch. Winter bedeckte ihre geblendeten Augen. „Mist, jetzt haben wir ihn verärgert und er hat uns nicht gesagt wo wir hin müssen." Faust grinste. „Keine Angst, ich weiß genau wohin wir nun gehen."


Grimward
Abtei des Schwertes

Sein Kopf brummte von all den Erklärungen. Seine Zweifel an diesem Unterfangen waren mehr als groß, doch wie Tempus ihm gesagt hatte, musste er dieses Problem eines Gottes in Menschengestalt  nun selbst lösen. Da er keinen anderen Weg kannte einen lebenden Gott zu töten, schloss er sich schließlich Fausts Idee an, zu dessen Erstaunen. Tatsächlich ging es ihm aber vielmehr darum eine Kontrollinstanz zu sein. Wer konnte schon sagen, was dieser Irre vorhatte, wenn er einmal in der Vergangenheit steckte. Insbesondere, da sie einen empfindlichen Zeitraum besuchten, da Tempus nur einer unter vielen Kriegsgöttern war - oder wird? Würde? Wenn die Sache vorüber war würde er ein ernstes Gespräch mit Faust führen müssen. Ihre Kameradschaft hing an einem seidenen Faden. Zuvor hatten sie alle verbliebenen Verwandten herkommen lassen. die Katakomben unter der Abtei boten einen großartigen Schutz, auch gegen fliegende Städte mit Höllenfeuerstrahlen. Das hoffte Grimward zumindest.
„Also, noch einmal: Wir kommen dort an. Der alte Altar ist unser zeitlicher Anker, da er bereits zur Zeit der Titanen hier war. Wir suchen ohne Umschweife diese Titanin, die Faust meint und entlocken ihr das Geheimnis. Und danach verschwinden wir sofort wieder in unsere Zeit! Es wird nichts mitgenommen oder angefasst oder getötet!" „Ja Papa! Und bekommen wir auch eine Zuckerstange, wenn wir brav waren?"Nicht genug, dass sie seine launische Schwester, den irren Faust und die schweigsame Miu mitnahmen. Nun hatte sich auch noch Drake aus freien Stücken entschieden mitzukommen. Offenbar gab es jetzt tatsächlich etwas für das er kämpfen wollte, nachdem sie auch seine Mutter unter der Abtei in Sicherheit gebracht hatten. „Ich weiß jedenfalls was du bekommst, wenn du uns verarschen willst!" Faust wirkte ungewohnt aufgeregt und fokussiert. Wenn sie Pech hatten würde er sie alle vielleicht ins unendliche Chaos verbannen. Stünde nicht so viel auf dem Spiel wäre er bei so einer riskanten Aktion nie dabei gewesen.
Dann ging es los. Es dauerte einen Moment und kurzzeitig wirkte Faust, als wäre sein Geist irgendwo im Strudel der Zeit verloren. Dann leuchtete sein Tattoo so hell und komplex auf wie nie zuvor und es war plötzlich kalt.
Der Altar war noch da, aber mit lauter fremden Zeichen und Fetischen bedeckt. Alle schauten sich unsicher um. Doch Fausts triumphierendes Lachen zeigte ihnen, dass es wohl geklappt hatte. Und tatsächlich: in der Ferne konnte Grimward es sehen. Selten durfte er ein derart episches Schlachtfeld bewundern. Die Titanen waren noch gewaltiger als er es sich erträumt hatte. Kein Riese seiner Zeit konnte auch nur im Ansatz an ihre Größe und Kraft heranreichen. Kurz fühlte er sich, als wären ihre Rollen vertauscht, als er den euphorischen Drang spürte, sich in die Schlacht zu werfen, während Faust wieder mit einem ernsten Unterton zur Vorsicht mahnte. „Ich mein es ernst! Jeder Scheiß, den ihr hier anstellt könnte dazu führen, dass es euch nie gegeben hat, also haltet euch zurück! Ich gehe jetzt Pandora suchen, die Titanin, welche das Geheimnis zum Töten eines Gottes kennt. Ihr bleibt hier und rührt nichts an." Miu schaute ihn fragend an. „Und wenn irgendetwas oder jemand zu uns herkommt? Hier ist eine Schlacht zwischen Göttern und Titanen im Gange. Vielleicht müssen wir uns verteidigen. Und meinst du, Pandora wird dir einfach so erzählen was du wissen willst?" Darauf folgte natürlich wieder Fausts selbstsicheres Grinsen. „Keine Sorge, ich kann sehr überzeugend sein. Und ihr lasst euch einfach nicht umbringen und genießt die Aussicht, aber bringt niemanden um! Haltet mir im Zweifelsfall den Rücken frei, wie besprochen!"
Kurz darauf machte Faust sich auf, seine Mission zu erfüllen. Die Stunden vergingen.Von der Anhöhe aus konnten sie dem wilden Treiben der Schlacht folgen. Selbst Drake schien eine gewisse Faszination für diesen Moment zu haben, den wohl kein Mensch zuvor gesehen hatte. Nur Miu schien angespannt. Sie schien besorgt um Faust zu sein. Doch er hatte ihr ausdrücklich gesagt, dass er alleine gehen würde.  Zur Beruhigung ging sie ein bisschen spazieren. Allerdings in eine Richtung aus der nun plötzlich Schritte zu hören waren. Grimwardt rannte zu ihr um ihr bei einem möglichen Kampf zur Seite zu stehen. Doch die Gestalt, die das riesige Ohr eines Titanen als Opfergabe hinter sich herschleifte, raubte nun auch ihm den Atem. „Tempus!"Der Gott des Krieges wirkte unerfahrener als Grimwardt ihn in Erinnerung hatte, mit deutlich weniger Narben und einer anderen Ausrüstung, doch er war es. „Ja, der bin ich. Und wer seid ihr Winzlinge? Oder sollte ich fragen was seid ihr? Wurdet ihr geschickt um..."
Nun geschah etwas, womit niemand gerechnet hatte. In schwarze Flammen gehüllt schoss Miu auf den Gott zu und materialisierte dabei ein Schwert in ihrer Hand. Der Augenblick, den Grimwardt brauchte um zu verstehen was gerade passierte, genügte um eine tiefe Wunde in den Bauch des Kriegsgottes zu schlagen. Mius Gestalt verkohlte unter den Flammen und schwarz gefiederte Flügel brachen aus ihr hervor. Nun verstand er die flüchtigen Andeutungen, die Tempus bei ihrem Gespräch gemacht hatte. „Das ist Ares!" platzte es aus Winter heraus, doch Grimwardt hatte bereits zum Angriff angesetzt. Er brachte seinen Schild zwischen die dunkle Klinge und seinen Gott und konterte nun. Auch Tempus selbst griff an. Der schwarze Phönix war mächtiger als je zuvor und es gelang ihm Tempus mit seinem Höllenfeuer niederzustrecken. Nur seine göttliche Essenz bewahrte ihn davor den Tod zu finden. Doch Ares´Rücken war in diesem Moment ungeschützt, da er sich ganz auf Tempus konzentrierte und Ambrosia zerschmetterte den Körper des verletzten Erzteufels. Ares verbrannte zu einem Häufchen Asche - Nur um einen Wimpernschlag später aus seiner eigenen Asche wiedergeboren zu werden. Die Höllenfeuerexplosion raubte Grimwardt fast das Bewusstsein. Und nun musste er sich alleine gegen einen frisch erholten Erzteufel behaupten, da die Explosion auch Winter und Drake zu Boden gerissen hatte. „Du verdammter Narr, Ares! Was bei den neun Höllen hast du vor?" Wie ein Märtyrer stellte sich Grimwardt vor seinen Gott. „Ist das nicht offensichtlich? Ich werde seinen Platz einnehmen!" Dem ersten gewaltigen Hieb der Höllenklinge konnte er widerstehen. „Er ist ein Gott, du kannst ihn nicht töten!" Ares setzte zu einem feurigen Klingentanz an, der Grimwardt kaum eine Chance ließ. „Das muss ich auch nicht, Ich lasse ihn einfach verschwinden."Er war bereits über und über mit blutenden und verbrannten Wunden bedeckt, als er feststellen musste, dass sein mächtiges Heilgebet keine Wirkung zeigte. Hier gab es noch keinen Tempus, der ihm seinen Segen schenken konnte. Für diesen jungen Kriegsgott war Grimwardt ein Fremder, nur irgendein Sterblicher. Hilflos sah er die Klinge über seinem Gegner aufflammen. „Geh zur Seite Grimwardt, ich will dich nicht töten müssen. Wir kämpfen schließlich für das selbe Ziel." Die Worte klangen wie Hohn in seinen Ohren. Wenn sein Gott so sein Ende finden sollte, dann mit ihm zusammen.
Doch ehe Ares den tödlichen Schlag vollziehen konnte wurde er von einem Sturm aus Klingen umhüllt. Faust war zurück. Zwiespalt und er waren hier keineswegs ihrer Kräfte beraubt. Vor Schmerz und Wut brüllend setzte der Vater zum Konter gegen seinen Sohn an. Doch Faust war ein Experte im Kampf gegen seine Erzfeinde und auch Zwiespalt schmeckte das Blut von Teufeln besonders gut. Ohne seine Göttliche Magie war Grimwardt kaum in der Lage dem Kampf zu folgen. Beide tauchten mal hier, mal da auf und ihre Schlagfolgen fanden in einem irren Tempo statt. Bis Zwiespalt Ares Körper in den Boden rammte und mit einem Dimensionsanker festhielt. Faust spuckte einen Schwall Blut aus, doch er hatte gesiegt. Ares fluchte. „Das ist falsch! Das hätte anders laufen sollen!" Faust drehte die Klinge in das Teufelsfleisch. „Was meinst du damit und was verdammt nochmal machst du hier?" Die klauenbewehrte Hand zeigte auf den reglosen Kriegsgott. „Ich muss seinen Platz und seine Gestalt annehmen! Verstehst du denn nicht? Ich übernehme einfach seine Rolle in der Geschichte. Jeden einzelnen Punkt. Niemand wird merken, dass ich und nicht er zum unangefochtenen Gott des Krieges wird, wenn ich Garagos bezwungen haben werde. Du weißt, dass das mein Schicksal ist, Desmond!" Faust sah tatsächlich aus, als würde er darüber nachdenken. „Hör nicht auf ihn! Du hast selbst gesagt, welche unbegreiflichen Auswirkungen das haben könnte!" Grimwardts Stimme holte ihn zurück und er sah sich um.
Auf einmal stand etwas anderes in Fausts Blick: Angst. Er sprach langsam, als wollte er eigentlich keine Antwort auf seine Frage hören. „Wo ist Miu?" Grimwardt schüttelte den Kopf und schaue voller Abscheu Ares an. Tränen der Wut stiegen in Fausts Augen, als seine Klinge den Arm seines Vaters abtrennte. „WARUM? warum sie? Wie konntest du nur?" Ares schien zu begreifen, dass dies sein Ende sein könnte. „Sie hatte einen Pakt geschlossen, damals in der Hölle. Damit hatte ich nichts zu tun. Als du Shar getötet hast, hast du auch Miu vernichtet. Das war zu viel für ihren Körper. Ich habe nur ihre Gestalt angenommen. Getötet hast du sie." Der andere Arm und ein Horn fielen Zwiespalt als nächstes zum Opfer. Doch Ares Worte hörten nicht auf zu fließen. „Ich kann ihre Seele retten! Hier hatte ich keinen Erfolg wegen euch, doch ich werde euch helfen Mephisto zu vernichten und dann werde ich der Gott der Neun Höllen sein und Ihre Seele freigeben!" Er konnte es selbst kaum glauben, doch Grimwardt musste Ares Recht geben. „Wir brauchen ihn, Faust. Es wird einen neuen Gott der Neun Höllen geben, ob du das willst oder nicht. Und er ist das für uns kleinste Übel. Mephisto und Telamont sind ein unsäglicher Grauen für unsere Welt, der aufgehalten werden muss. Es ist ein Sakrileg, dass nun ein Gott in der Welt der Sterblichen wüten kann und das müssen wir verhindern." Der Kriegpriester wendete sich an den Erzteufel, während Fausts Knöchel aus seiner Haut zu platzen drohten. „Ares, wir werden dir helfen. Aber dazu gibt es einige Dinge, die wir bereits vorher schriftlich in einem Vertrag festsetzen werden, für den Fall, dass du zum neuen Gott der Neun Höllen wirst." Faust holte zum Schlag aus. „Ich scheiße auf eure Verträge! Er ist ein skrupelloses Arschloch und ein Teufel durch und durch. wir können ihm nicht trauen, so wie Miu wird er auch uns opfern. Er muss sterben!" „Wenn du ihn jetzt tötest, dann sind die Konsequenzen unberechenbar! Sei kein Idiot, Faust! Mius Seele kann gerettet werden. Winters Vertrag kann er wieder rückgängig machen und auch deinen! Es gefällt mir auch nicht, kein bisschen, aber dein Vater hat die Möglichkeit uns bei all unseren Problemen zu helfen!" Heiß schnaubte Faust in Wut und Trauer, als er in seine Tasche griff und seine Münze zückte. Grimwardt wusste was das hieß. Dieser Münzwurf würde nun über das Schicksal von Ares und vielleicht auch ihnen allen entscheiden. „Bei Kopf bist du jetzt sofort tot. Bei Zahl werde ich dich an einem anderen Tag töten. Egal ob als Teufel oder Gott, du bist nun in keiner Gestalt mehr vor mir sicher. Und glaube mir, ich werde dir das nicht durchgehen lassen." Die Münze durchschnitt die Luft, drehte sich quälend langsam bis Faust sie auffing und auf seinen Handrücken klatschte. Abschätzig zog er die Mundwinkel nach unten. „Zahl. du wirst vorerst weiterleben."
Alle die kurzzeitig die Luft angehalten hatten, atmeten nun wieder durch. Es war eben diese Willkür, die Faust zu einer potentiellen Bedrohung machte. Grimwardt konnte nicht einmal genau einschätzen ob er eine Bedrohung für sich, seine Umfeld oder die ganze Welt sein könnte. Und nun hatte Faust mit seiner Hilfe die Fähigkeit erlangt Götter zu erschlagen. War es wirklich das kleinere Übel? Wie auch immer, Grimwardt hatte eine Entscheidung getroffen und nun würden sie ihren Plan weiter verfolgen. Mit einer Schriftrolle heilte Faust seine Gefährten so weit, dass sie zumindest wieder aufstehen konnten. Grimwardt zu liebe hatte er sogar Tempus zurückgeholt. Verwirrt und in seiner Ehre verletzt schaute der Kriegsgott in die seltsame Runde, während Grimwardt ihm hoch half. „Was hat all das hier zu bedeuten? Ihr solltet nicht hier sein. Nicht dass mir die kosmische Ordnung so sehr am Herzen liegen würde, aber ihr könntet einiges kaputt machen. Und euer Mangel an Respekt gegenüber den Göttern ist nicht entschuldbar!" Trotz seiner Worte nickte er Grimwardt anerkennend zu. War es etwa dieser Moment, durch den Tempus auf ihn aufmerksam wurde? War das hier seine Prüfung gewesen, durch die Tempus sich für ihn entschieden hatte, zehntausende Jahre vor seiner Geburt? Der Blick des Schlachtenhüters beachtete Winter und Drake kaum. Selbst dem verstümmelten Ares, der ihn eben noch entthronen wollte, warf er nur einen kurzen Blick der Missachtung zu, ehe seine eisblauen Augen an dem verschiedenfarbigen Blick von Faust hängen blieb. Im Gesicht des Gottes stand weiterhin große Verachtung und doch zugleich eine Art Vorfreude. Ein Versprechen. „Wenn wir uns das nächste mal wieder sehen, wird einer von uns das nicht überleben. Du magst sehr stark sein, Mensch, doch du bist und bleibst ein Sterblicher." Faust grinste noch einmal selbstsicher ehe er sich abwandte um zu gehen. „Und genau darum solltest du dich fürchten, Gott." Grimwardt würde keine Zweifel haben, an wessen Seite er an jenem Tag kämpfen würde.

Niobe

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #367 am: 23. Januar 2024, 23:09:56 »
Oh krass, da ist so viel passiert, sowohl emotional als auch physisch. War sicher nicht leicht zu schreiben, aber ist großartig geworden! Ist das mit Drakes Mutter echt passiert? Kann mich gar nicht mehr erinnern. Und Ares habt ihr leben gelassen oder passiert da noch was? Hatte irgendwie im Kopf, dass ihr ihn gekillt habt. Mann ist das spannend :P

Nightmoon

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #368 am: 24. Januar 2024, 22:24:55 »
Das mit Drakes Mutter war schon so, dass die Spieler da ziemlich ihr Unverständnis darüber erwähnten, dass er sie so hoffiert und das mit Ares war auch so, der ist auch im großen Showdown dabei.

Nightmoon

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #369 am: 23. Mai 2024, 23:54:49 »
Kapitel XII: Am Ende aller Dinge

Winter
Umbra

Die ganze Stadt hatte sich versammelt. Die Hochzeit zwischen Winter und Melegaunt würde an einem anderen Tag vollzogen werden, jedoch war sie bereits offiziell angekündigt und das Volk von Umbra jubelte ihr zu. Es war die Ernennung Winters zur neuen Patronin von Umbra. Immer wieder fragte sich Winter, ob Shar auch diesen Schachzug von Anfang an erdacht hatte oder ob es eine dieser Launen des Schicksals war, dass das umbrische Volk näher an der Wahrheit war, als alle Außenstehenden gedacht hätten. In ihrer Rede bedachte sie immer wieder die Verbindung zu den Bedinen, und dass die Menschen von Umbra und Rasilith ein Volk seien, welches nach tausender Jahre weilender Trennung nun endlich wieder zusammengeführt werden würde.
Dabei wanderte ihr Blick jedoch immer wieder an den Horizont. Schließlich war die ganze Zeremonie nur zweitrangig. In erster Linie galt es Telamont damit zu verärgern und ihn hierher zu locken. Natürlich würde er genau damit rechnen. Der mächtigste Herrscher der Shadovar war zu klug, um so eine plumpe Falle nicht zu durchschauen. Doch er war bereits vorher schon ein sehr hochmütiger Mann gewesen. Nun war er eins geworden mit Mephisto und somit ein Gott in Menschengestalt. Dies war seine Chance, seine Macht vor dem Volk von Umbra zu demonstrieren. Es war die Gelegenheit seine Widersacher vor aller Augen zu vernichten und so die Gunst der Umbranten zurückzugewinnen. Der Absturz der Stadt hatte ihn viel Vertrauen gekostet, doch gewiss gab es noch immer viele, die sich ihren alten Herrscher zurück wünschen würden.


Telamont

Beinahe schmerzte es ihn, bedachte er, wie unvorsichtig seine Gegner ihn hergelockt hatten. Er wusste nicht mehr, ob schon immer eine sadistische Ader in ihm geschlummert hatte, oder ob es der Einfluss des Gottes war, mit dem er immer mehr verschmolz, doch das Grauen und die Trauer in den Gesichtern jener, die seine Stadt und seine Söhne genommen hatten, bereitete ihm nun mehr Freude als alles andere. Es fehlte nicht mehr viel bis zur Erfüllung ihres Paktes. Wenn die Mörder seiner Kinder ausgelöscht wären und er wieder der Herrscher seines Volkes, würde er Mephisto freie Hand lassen mit dieser Welt und all seinen Völkern, die keine Umbranten waren, zu tun was immer er für notwendig erachtete. Wäre es so schlimm, wenn Faerun eine neue Hölle werden würde? Natürlich würde das Leben für all die Untertanenvölker grausam sein, doch zumindest gäbe es eine Ordnung in der alle sich zurecht finden oder ausgelöscht werden würden.
Aus der Ferne betrachtete er seine Feinde, jeden für sich. Ares, dessen Maskerade als Menschenfrau aus Karatur zwar gewitzt war, doch letztendlich durchschaubar. Drake, dieser Schoßhund von Entreri. Wie viel er wohl für das Leben seiner Mutter verlangen würde, um seine Begleiter zu hintergehen? Faust, der Sohn von Ares, der wie dieser an seinem Hochmut zu Grunde gehen würde. Grimwardt, der einzige, für den er noch eine Verwendung hätte haben können, wäre er nicht so loyal seinem Gott gegenüber. Und natürlich Winter, welche nun offen seinen Platz als Patronin der Stadt einnehmen wollte. Kein Wunder, dass sein Sohn und sein Volk dieser Frau verfallen war. Sie vermochte es beinahe jeden zu bezirzen. Doch er würde Umbra nicht ihrem chaotischen Wahnsinn überlassen. Wie sie in die Ferne schaute, als ob seine neue fliegende Stadt langsam auf sie zu steuern würde. Das arme Ding hatte keine Vorstellung, welche Vorkehrungen er getroffen hatte und wie er es genießen würde zu sehen, wie ihr Herz zerbrechen würde. Sie war nun eine der mächtigsten Zauberinnen in dieser Welt der sterblichen. Aber ihre Magie war nun einmal die einer Sterblichen. Fraglos stark, aber blass im Angesicht göttlicher Magie.
Er beschloss, dass es Zeit war sich zu zeigen. So dass seine Macht über jeden Zweifel erhaben wäre. er würde Umbra zeigen, dass sie einer einfachen egoistischen Sterblichen verfallen waren.


Grimwardt

Die fliegende Stadt Eilaenar war nicht am Horizont aufgetaucht. Telamont oder Mephisto - Er wusste nicht, ob das noch einen Unterschied machte- hatte es für stilvoller gehalten Umbra mit einer Kuppel aus schwarzem Höllenfeuer zu umgeben, durch die sich quälend langsam und feierlich die Stadt Eilaenar über ihrer allen Köpfe hindurch bewegte ohne Schaden zu nehmen. Die Stimmung war erdrückend. Ihr Feind protzte mit seiner göttlichen Kraft, als wollte er den Göttern, die ihm dies ermöglicht hatten ins Gesicht spucken. Der Kriegspriester spürte die Verunsicherung der Umbranten. Nicht wenige waren geneigt, sich ihrem alten Herrn vor die Füße zu werfen, doch die meisten Augen waren nun erwartungsvoll auf seine Schwester gerichtet. Die Schattenflammen veränderten sich und gaben nun den Blick auf Telamont preis. Über-lebensgroß zeigte er sich in seinem Raum der Wahl, der Bibliothek des Karsus. Seine Augen waren nun brennende Bernsteine und aus der grauen Haut seines kahlen Schädels ragten die Teufelshörner von Mephisto.
„Meine Kinder, ihr wurdet geblendet. Mein eigener Sohn hat Verrat an euch und mir begangen um euch eine falsche Prophetin zur Patronin zu machen. Doch ich bin zurückgekehrt um die alte Ordnung wieder herzustellen. Wir sind das Volk der Nesser. Wir lenkten die Geschicke der Welt, als die anderen Menschenvölker nicht viel mehr als Höhlenbewohner waren. Und nun sind wir zurück und die Äffchen haben sich ausgebreitet. Wir werden ihnen zeigen, wie ein Herrschervolk die Welt lenkt und Faerun zu einem Ort der Orthodoxie machen. Jene die uns Folgen werden ihren Platz als unsere Diener erhalten, jene die uns bekämpfen werden brennen im Höllenfeuer!" Grimward tauschte vielsagende Blicke mit seinen Begleitern aus. Er hatte sich richtig entschieden. In Kombination waren Telamont und Mephisto dem Wahnsinn erliegen und würden die ganze Welt in eine zweite Hölle verwandeln. In den Schatten der Flammen ahnte er schon die Armeen von Teufeln zu sehen, die nur darauf warteten Toril zu versklaven oder zu vernichten.
Plötzlich spürte er den brennenden Blick des Höllengottes auf sich und seine Gefährten gerichtet. „Und anfangen werde ich heute mit jenen Frevlern, die meine Söhne töteten und unsere Stadt stürzen ließen. Sie sind das letzte Aufgebot, das die Äffchen mir noch entgegenstellen wollen. Werdet meine Zeugen, wie sie an ihrem eigenen Hochmut verzweifeln und zu Grunde gehen werden!"
Mit einer Geste seiner Hand ließ Telamont die Erde beben und aus den Trümmern Umbras formte sich eine groteske Treppe, welche hinauf nach Eilaenar führte. Zweifelsfrei eine Einladung. Diesen Moment hatte er schon lange geplant. Er wollte sie vor aller Augen vernichten um alle Zweifler zurück auf seine Seite zu ziehen. Am liebsten hätte Grimwardt eine flammende Rede gehalten, doch Mephisto war zu unberechenbar und hatte zugleich gewiss schon für jede ihrer Reaktionen einen weiteren Plan in der Hand. Vermutlich war es am besten, wenn sie vorerst mitspielten.
Er schöpfte Mut, als er in die Augen seiner Gefährten schaute. Er wusste, dass dies das Ende der Schicksalsstreiter sein würde, sie alle wussten es. Sie hatten es bereits am vergangenen Abend gewusst, als sie ein letztes gemeinsames Heldenmahl in Winters Herrenhaus gehalten hatten. für diesen einen Abend, an dem sie voller Nostalgie ihre Geschichten erzählt hatten, fühlte sich noch einmal alles unbeschwert an, wie in jenen Tagen, als sie eine Gruppe von Abenteurern waren. Für ihn war es auch ein Abschied von seinem Dasein als Bruder, Freund und Mensch. Diese Menschen waren der letzte Faden, der ihn noch von seiner Aszension zur rechten Hand seines Gottes abhielt und emotional an diese Welt band. Erst wenn sie für immer getrennte Wege gehen würden, würde er die Freiheit haben, seinem Gott zu folgen wie er es wollte.
Als er bemerkte, dass immer mehr der Umbranten gebannt auf die schwarze Flammenwand starrten, folgte er ihren Blicken und schaute in sein eigenes Gesicht und die seiner Gefährten, projiziert an die Wand ohne Horizont. Eine gewaltige Bühne für das Volk in diesem inszenierten Schauspiel. Doch sein Glaube war gestärkt wie eh und je. Telamont wünschte sich einen theatralischen Sieg über seine Feinde, doch Grimwardt spürte ganz tief, dass Tempus seinen Feinden einen Strich durch die Rechnung machen würde. Erhobenen Hauptes schritt der Kriegspriester auf die Brücke zu und seine Gefährten taten es ihm gleich. Die Schicksalsstreiter zogen in ihre letzte Schlacht. Ein würdiges Ende, wie er fand.


Drake

Er konnte nur ahnen, was den anderen durch den Kopf ging, als sie immer weiter in Richtung ihres Verderbens schritten. Die Brücke wurde bewacht von gewaltigen Höllenfeuermaschinen und Teufeln aller Sorten. Damit Mephisto nicht mithören konnte, hatten sie das telepathische Band durchtrennt, über das sie sonst geheim kommunizierten. Nun blieb durch Fardos Schutzzauber jeder ihrer Gedanken geheim. Wieder ein törichter Vertrauensvorschuss, den ihm die Gruppe gab. Doch diesmal folgte er ihnen tatsächlicher in ihrer Naivität. Sein früheres Leben war grausam und hart zu ihm gewesen, doch es war auch einfach. Sein Ziel war es zu überleben, mehr nicht. Er hatte dieses Ziel noch auf seinen Bruder und seine Mutter ausgeweitet. Nicht, weil sie besonders wichtige Menschen in seinem Leben waren. Er hatte einfach die Grenze bei seiner Familie gezogen. Seinen Bruder hatte er bereits verloren. Den Schutz seiner Mutter schleppte er schon lange mit sich herum. Ballast, der nun immer leichter wurde. Er hatte getan was er konnte um sie zu schützen und geheim zu halten. Dass sie sie gefunden hatten und Mephisto sie nun jederzeit töten könnte, war seine größte Niederlage gewesen.
Doch zugleich war damit eine Last von seinen Schultern genommen. Denen zu helfen, die er inzwischen seine Freunde nannte, war nun das, was im Einklang mit seinen eigenen Zielen stand. Er hätte einfach verschwinden können. Doch überleben war heute nicht mehr sein oberstes Ziel. Für einen Mann mit seinen Mitteln war es zu einfach geworden. Das Spiel des Lebens hatte er schon gewonnen. Er konnte nun tun was er wirklich wollte. Und so ging er mit ihnen. Ein naiver Trupp Abenteurer auf dem Weg in ihr verderben.
„Wie sollen wir an diesen Höllenfeuermaschinen vorbei? Hat der große Kriegshäuptling sich dazu auch Gedanken gemacht?“ fragte er zynisch. „Drake, du kannst dich körperlos werden lassen wie ein Geist. Geh doch einfach durch sie hindurch oder verschwinde, wenn du zu viel Angst hast. Wir gehen jedenfalls weiter voran.“ murrte der Auserwählte des Tempus unerschrocken zurück, den Blick weiter nach vorn gerichtet, auf die Armee von Teufeln zuschreitend. „Fick dich Grimwardt...“ „Das tue ich nie.“ Diese Antwort brachte ihn zum Schmunzeln. „Als ob das nicht alle hier wüssten.“ Winter fuhr sie an: „Könnt ihr beiden nicht mal die klappe halten? Seht doch! Sie gehen auf Seite und lassen uns durch!“ Ares schaute sich misstrauisch durch Mius Augen um, während die gewaltigen Maschinen aus Metall und Flammen sich dröhnend und bebend zu den Seiten des Stadteingangs schoben. „Oder sie kesseln uns ein.“ Vermutlich war letzteres der Fall. Mephistos Versicherung, sollte etwas anders laufen als er es geplant hatte. Der einzige, der ausnahmsweise gar nichts sagte, war Faust. Sicher plante er gerade wieder etwas völlig bescheuertes, was er im nächsten Moment ohnehin wieder verwerfen würde. So sehr ihn die arrogante Art des Kämpfers auch nervte, musste er doch zugeben, dass sie oft auf einer Welle waren und den gleichen Humor teilten. In einem anderen Leben hätten sie vielleicht sogar Freunde werden können. Wie oft hatte er sie verraten? Ihnen gezeigt, dass er sie nur für seine Zwecke benutzte, dass sie besser ohne ihn dran wären und ihn hassen sollten. Doch aus einem ihm unerfindlichen Grund hatte das Schicksal ihn mit dieser Truppe zusammengeschweißt. Oder war es etwas anderes als das Schicksal? Der Engel Eco, seine Urahnin, hatte es ihm zugeflüstert. Dass diese Gruppe am Abgrund stünde und es sein Schicksal sei sich von ihnen abzuwenden. Und eine Zeit lang hatte er versucht den Rat des Engels zu befolgen. Doch ein unsichtbares Band, stärker als Teufel und Engel hatte sie miteinander verbunden. Er hätte es sich bis vor kurzem noch als Schwäche ausgelegt, vermutlich war es das auch, doch er wollte es so. Sich seiner Schwäche hingeben. Mit jenen in den Kampf ziehen, die ihm nahestanden.
Fraglich war nur, was er tun würde, sollte ihm das Portfolio mit der Macht über die Hölle in die Hände fallen. Er hatte schon viele magische Gegenstände und sogar Artefakte gestohlen, aber das hier? Eine Schriftrolle, die den Leser zum Gott der neun Höllen macht hatte einen Wert, der nicht beziffert werden konnte. Doch erst einmal musste er es in die Finger bekommen. Dann würde er weiter schauen.
Und so betraten sie nun Eileanar. Seine Geistersicht verriet ihm, dass der Geist von Karsus nicht mehr an diesen Ort gebunden war. Scheinbar wurde der Fluch gebrochen, als sich die fliegende Stadt wieder in den Himmel erhob. Das Ende von Karsus Fall. Dieser Umstand bereitete ihm neuen Mut, denn der Geist war die für ihn größte Gefahr hier. So konnte er nun erhobenen Hauptes in die Bibliothek eintreten, in der ihr Widersacher durch eine schwarz-rot schimmernde Kugel geschützt auf sie wartete und ihnen dann den Blick auf sich und sein Werk gewährte.


Winter

Winters Herz zog sich zusammen und wurde für einen Moment lang zu Eis. Der Schleier der magischen Schutzkugel lichtete sich für sie und in ihr ragte schrecklich herrlich der Gott gewordene Alptraum aus Mephisto und Telamont. Doch was ihr Herz verkrampfen ließ waren die Gestalten vor ihm. Ihre Eltern und Drakes Mutter, die mit Leeren Augen Mephistos teuflische Zofe anhimmelte, die sie mit ihrer Bardenmusik zu willenlosen Puppen gemacht hatte. Und auf dem Altar vor ihm… „Scarlet!“ Das widerliche Grinsen auf dem Gesicht des Teufels zeigte die Onyxschwarzen Zähne. „Da sind ja die Äffchen. Es ist ein Jammer, dass ich euch nur einen Bruchteil dessen nehmen kann, was ihr mir genommen habt, doch es war mir ein Anliegen euch zusehen zu lassen, wie ich eure liebsten auslöschen werde. Zornig und verzweifelt schoss Winter einen Auflösungsstrahl gegen die Barriere, doch ohne jeglichen Effekt. „Winter, bist du so naiv? Diese Wand ist aus Höllenfeuer und Schattenmagie gesponnen. Die Magie des Gewebes kann sie nicht auflösen. So viel magische Macht und doch so nutzlos.“ Er zog quälend langsam einen Ritualdolch aus seinem Gürtel.

Mephisto

Er genoss die Angst und Verzweiflung, die er im Herzen der Menschenfrau spürte. Sie hatten ihre Gedanken abgeschirmt, doch ihre Gefühle konnte er spüren. Sie waren ehrlicher als alle Worte und Gedanken der Sterblichen. Nur Ares blieb ruhig und emotional tot wie der Teufel, der er nun war.„Schön zu sehen, dass du dich den Äffchen angeschlossen hast, Ares. Willst du wirklich als einer von ihnen sterben? Lass doch diese alberne Maskerade und zeig dich als das Scheusal das du bist. Ich würde dir ja einen Platz bei mir anbieten, aber wir wissen ja, wie das beim letzten mal ausging. Dennoch hege ich eine gewisse Sympathie für dich und ich gewähre dir sie alle im Stich zu lassen und deine eigene Haut zu retten. Zeige deinen sterblichen Mitstreitern, wie sich Enttäuschung anfühlt“ Aufmerksam betrachtete sein einstiger Untergebener die Barriere. Winter packte ihn am Arm, in ihren Augen standen tränen der Trauer. Mephisto spürte die Gewissheit des Verlustes in ihrem Herzen. Es war berauschend zu spüren wie all ihr Hoffnung schwindete. Doch Ares sah sie nur an und schüttelte den Kopf. „Es tut mir Leid, aber diesen Kampf können wir nicht gewinnen. Ihr seid auf euch gestellt.“ Er entriss sich Winters Griff um seinen Arm und ging. Womöglich nur eine List, doch es war bedeutungslos. Telamonts Hände hoben den Dolch, die Spitze auf Scarlets Brust gerichtet. Winter sank in sich zusammen und fiel auf die Knie. Er konnte spüren, wie in diesem Moment etwas in ihr starb. Und so senkten sich mit einem Hochgefühl die Hände des vergöttlichten Umbranten, die Spitze trat langsam in den Brustkorb der jungen Frau ein, als plötzlich eine Kugel des Nichts erschien und ein Loch in seine magische Barriere riss. Scarlets Hand griff nach seinem Arm und sie grinste höhnisch in sein Gesicht: „Hallo... Meister!“

Winter

Sie wusste, dass dies das Ende war. Der Moment vor dem ihr schon lange graute. Doch es war ihre letzte Möglichkeit. Sofort fand sie in ihrem Innersten die fremde Stimme Shars. Ich rette sie, doch du weißt was es bedeutet so viel Kraft freizusetzen. Winters Augen begannen zu tränen. Gerne hätte sie dieses Leben noch weitergeführt, doch Scarlets Leben war es das zählte, auch wenn es bedeutet hätte alle anderen Seelen auf dieser Welt auszulöschen. Tu es. Sie packte Ares am Arm, während dieser gerade von Mephisto angesprochen wurde und Shars Stimme erreichte seinen Geist. Was ist ein… Versetzungstrick? Erhielt sie als Antwort, doch sie spürte, dass es ihm genügte zu wissen, dass es Shar war, die nun mit in diesen Kampf eingreifen würde und so spielte er mit und kapitulierte, zog sich zurück. Adieu, Winter. Ich werde einen kleinen Teil deiner Seele bewahren. Die gewaltige Kraft des Zaubers ließ sie zusammenbrechen und Winter spürte wie ihre Seele zerrissen wurde. Ihr letzter Blick richtete sich auf Scarlet. Ihr letztes Gefühl endlose Liebe, jenes Gefühl, für dass es sich lohnte jedes Leid der Welt zu ertragen. Dann war da nur noch Schwärze. Und dann nichts mehr.

Shar

Dieser Mephisto hatte Erfahrung mit Macht, aber was es bedeutete ein Gott zu sein wusste er noch nicht lange. Sie war eine Göttin seit dem Anbeginn der Zeit gewesen. Nun spürte sie ihren neuen sterblichen Körper, der ihr geschenkt worden war. So zerbrechlich und fragil. Eine unbeschreibliche Aufregung machte sich in ihr breit. Doch auch wenn sie nun sterblich war, war ihre Magie so alt und stark, dass es dem neuen Gott die Sprache verschlug, als ihre Sphäre des Nichts vor ihr verharrte und seine Barriere zerstörte während sie gleichzeitig Ares Körper mit dem von Scarlet tauschte. Die Illusion zerfiel als der Teufel seine brennende Klinge zog und den Gott attackierte. Der Moment der Überraschung war auf seiner Seite, was ihm jedoch gegen die göttliche Kraft Mephistos nicht viel nützte. Dieser ließ seine Schutzhülle nun fallen und schnippte mit den Fingern. Ein Zeitstopp. Sie wusste, dass sie sich im nächsten Augenblick in einer neuen Situation vorfinden, weshalb Shar selbst eine dunkle Kugel des Schutzes um sie herum wob. Doch was sie im nächsten Moment wahrnahm hatte sie nicht erwartet. Nun wusste sie, wer ihr Ziel in diesem Kampf wäre.

Faust

Er hatte sich bereits mit verschiedenen Zaubern für den Kampf gestärkt und wartete noch immer den richtigen Moment ab, als sein Vater und diese Monstrosität aus Mephisto und Telamont sich gegenseitig an die Gurgel gingen. Sein Körper war vollkommen reglos, konzentriert. Mit all seinen Sinnen fokussierte er sich auf das göttliche Band seines Feindes. Jene feine Grenze, die die Naht von der Entität des Göttlichen mit der materiellen Welt verband. Nur er und sein Gegner konnten sich noch in dessen Zeitstarre bewegen. Die übermächtige göttliche Aura war so präsent, dass man sie hätte greifen können. Doch Mephistos Überlegenheit kippte und wandelte sich langsam zu Zorn. Und dieser Zorn musste sich nun entladen. Zu Fausts Glück traf es nicht ihn, sondern seinen Vater. Mephisto hatte entschieden, dass sein verräterischer Hauptmann aus der Geschichte der Welt getilgt werden sollte. Der schwarze Phönix wurde ausgelöscht und nur eine feine Schicht Asche blieb von ihm übrig – vorerst, wie alle wussten. Doch dies war der Moment für Faust um zu Mephisto aufzuschließen. Telamont musste zweifelsohne damit gerechnet haben, dass Faust ihn im Zeitstopp angreifen würde, doch hatte er nicht geahnt in welcher Geschwindigkeit er das tat. Er bewegte sich schneller als sein Feind einen Gedanken fassen konnte, schoss an seinem Feind vorbei und schlug zu. Er hatte es gefühlt, wie Zwiespalt die Verbindung zur Göttlichkeit getrennt hatte. Das Resultat war unter anderem, dass er seinen Gegner geteilt hatte. Leider nicht ganz so wie erhofft. Sein Schlag hatte bewirkt, dass somit nun auch die Verbindung zwischen Telamont und Mephisto getrennt wurde und er allein mit beiden in der Zeitstarre gefangen war. Das Höllenfeuer, dass seinen Leib verbrannte warf ihn zurück, doch seine Zauber hatten ihn zäh gemacht. Im Augenwinkel sah er die Armee des Höllengottes - Nein, nur noch Höllenfürst - auf sie zustürmen. Winters Zauber hatten die gleiche gewaltige Macht wie immer, doch etwas war anders, ihre Technik war nicht mehr roh, sondern fokussiert, vollendet, genau wie die Art mit der sie sich nun bewegte. Das war nicht Winter, erkannte er. Shar hatte die Kontrolle übernommen und machte Telamont zu schaffen. Ob er es auch erkannte? Dass er nun gegen seine einstige Göttin antrat? Faust blieb keine Zeit darüber nachzudenken, denn Mephistos Zorn auf ihn schien nun unstillbar. Er konnte nur erahnen, wie demütigend das Gefühl sein musste, wenn man seiner Göttlichkeit beraubt wurde. Der gegabelte Speer traf mit perfekter Präzision in seine Brust und spießte ihn auf, woraufhin er den Waffenarm mit Zwiespalts Klinge aufschlitzte und sich schwarzbrennendes Blut vor und über ihm ergoss. Zischend brannte sich das Teufelsblut in seine Haut. Er konnte kaum noch stehen, als über ihnen eine Salve von schwarzen Meteoriten erschien. Telamont wollte wohl einen Schlussstrich ziehen und beweisen, wie effektiv seine Zauber ganze Armeen wegfegen konnten. Und es schien als würde er diesem Ruf nun gerecht werden…

Grimwardt

Er wusste nicht genau was geschehen war, doch auf einmal standen Telamont und Mephisto getrennt von einander bei Faust und die Legion der Hölle rollte von allen Seiten auf sie zu wie eine Flut aus Feuer und Schatten. Sogleich erstrahlte die Decke der Halle über ihnen von einem gewaltigen Schauer aus Meteoriten die auf sie zurasten. Er spürte tief in seinem Innersten, dass dies der Moment war ganz auf seinen Gott zu vertrauen. Nur noch ein Wunder vermochte es ihnen zu helfen und genau das würde er nun als Werkzeug des Schlachtenfürsten vollbringen. Oft schon hatte seine Massenheilung das Blatt in einer Schlacht gewendet doch für einen kurzen Augenblick wurde Grimwardt zum Aspekt des Kriegsgottes selbst. Die Meteoriten schlugen auf sie ein, doch konnten sie ihr Fleisch nicht so schnell versengen, wie sein Mirakel sie mit neuer Vitalität erfüllte, als eine Welle des Lichts sich von ihm aus ausbreitete. All seine sterblichen Gefährten strotzten vor ungekannter Energie. Doch die Welle breitete sich weiter aus und der Zorn des Tempus über den Betrug Mephistos zerfetzte seine Feinde. Mephisto zuckte vor Schmerzen zusammen, doch die anderen Teufel um sie herum wurden zerfetzt als wären sie von Tausenden Klingen zugleich getroffen worden. Ein Blutbad, das seine Augen und die seiner Herrn erfreute. Erquickt vom Lärm der Schlacht stürzte Grimwardt sich in die verbliebene Masse von Teufeln und erfüllte seine Bestimmung.

Ares

Aus der Asche erhob sich der schwarze Phönix und orientierte sich sofort. Desmond hatte es wirklich geschafft! Sein früheres Ich hätte gewaltigen Stolz für seinen Sohn empfunden. Doch dieser Teil von ihm schien inzwischen weit weg und das Gefühl war nur noch dumpf zu erahnen. Viel mehr spürte er das Gefühl der Rivalität gegenüber seines Burschen aufkeimen. Er musste sich nun vor den Göttern als würdig erweisen um von ihnen aufgenommen zu werden. Er musste derjenige sein, der Mephisto auslöschen würde! Er schoss auf seinen Feind zu und kreuzte seine schwarze Klinge mit dessen Dreizack. Noch immer war Mephistos Macht immens, doch Ares gier nach Macht hatte ihn zu einem ebenbürtigen Gegner werden lassen. Jeder Treffer hinterließ einen faulen Geruch nach Schwefel. Der Sieg war nah! Mephistos magische Fähigkeiten überstiegen die von Ares, doch im Nahkampf übertrumpfte er den Erzteufel mit seinen Techniken der Neun Schwerter. Er tauchte unter dem Dreizack seines Gegners ab und seine Klinge stieß in Richtung des teuflischen Herzens – und wurde dann abgelenkt. Ein Auflösungsstrahl zerstob zwei Finger seiner Schwerthand und die Klinge fiel zu Boden. Er hatte Telamont zu sehr missachtet. Nun blitzte der Dreizack über ihm auf und er konnte nicht mehr weg. Sein Blick war nur noch auf das Grinsen Mephistos gerichtet, das immer näher zu kommen schien. Zu nah. Und es war kein Grinsen mehr sondern eine von Ungläubigkeit verzerrte Fratze. Mephistos Kopf landete vor ihm und der Körper des Teufels der ein Gott war, fiel in mehren zerteilten Stücken in sich zusammen. Faust thronte über ihm auf. „Und das ist für mich.“

Faust

Grimwardts gewaltiger Zauber hatte ihm wieder neues Leben eingehaucht. Daraufhin hatte sich der Kriegspriester in das Getümmel aus Teufeln geworfen. Er konnte zusehen, wie sich Shar und Telamont ein episches Magierduell in den Schatten und Flammen lieferten, während er sich aufrichtete. Über ihnen schwebte die teuflische Zofe Mephistos und stachelte mit ihrer düsteren Hymne die Schar der Unholde weiter an. Drake war wie erwartet geflohen und hatte sich hoffentlich retten können. Und dann war da noch sein Vater, der mit Mephisto um den großen Preis kämpfte. Durch den Moment, den er am Boden lag hatte er bereits viel von diesem Kampf verpasst, der sich in rasend schneller Geschwindigkeit abspielte. Auch Telamont schien zu sehen, dass Ares kurz davor war, die Oberhand zu gewinnen und schoss mit einer lässigen Bewegung einen Strahl auf seinen Vater ohne ihm dabei eines Blickes zu würdigen. Sofort rammte Mephisto seinen Dreizack mit tödlicher Präzision in den schwarzen Phönix. Zumindest hätte er das, wenn Faust nicht die Zeit hätte angehalten. Es gab keinen Gott mehr, der ihn noch daran hätte hindern können. Er bestimmte über die Zeit, denn er war ein Teil von ihr, etwas, das kein Gott je sein würde. „Das ist für meine Schwester!“ Der erste Hieb durchtrennte das Linke Bein des Teufels. „Das ist für meine Mutter!“ Auch das andere Bein hatte keine Verbindung mehr zum Körper und wäre bei einem normalen Ablauf der Zeit zur Seite gefallen. „Das ist für Miu!“ Zwiespalt durchtrennte den Bereich oberhalb von Mephistos Hüfte komplett. „Das ist für Winter!“ Von der Schulter diagonal bis zur Flanke machte Zwiespalt seinem Namen alle Ehre und der Zeitstopp endete. Zurück in der Gegenwart zielte Faust für einen letzten Schlag und enthauptete seinen Erzfeind für immer, ehe dessen zerteilter Leib in sich zusammenfiel. „Und das ist für mich.“ Er genoss den Moment, eher er Winters Stimme hörte: „Faust! Morloch!“ Er verstand sofort und handelte.

Shar

Wie eine Mutter spürte Shar einen gewissen Stolz, während sie sich mit Telamont im Kampf befand. Ihrer beiden Macht war gewaltig und ebenbürtig. Nicht umsonst war er tausende Jahre ihr mächtigster Anhänger und Verehrer gewesen. Somit wurde ihr Geplänkel zu einem Duell des Geistes. Jeder blitzschnelle Schachzug des einen konnte das Ende des anderen bedeuten. Ihr Gegner war eine der klügsten Kreaturen dieser Welt. Winter hatte mit roher Magie gekämpft, die aus ihrem Innersten kam, Shar und Telamont hingegen bevorzugten die Macht des Geistes und Präzision. Und doch war es eine Erinnerung in Winters Geist, die sie fand und überraschenderweise die Wendung brachte. Sie sieht eine Höhle. Winters Bruder leblos mit aufgebrochenem Schädel und ohne Gehirn. Faust kämpft verzweifelt gegen eine uralte Kreatur, die vom Rande des Universums bis in diese Welt gereist war. Die Magie ist tot um ihn herum. Dann taucht Winter auf und sie bewegt einen Mythal in die Richtung des Wesens. Mit letzter Kraft schleudert Faust die Kreatur gegen die Kugel und der Illithid stirbt.
Einem weiteren Zauber ausweichend bewegte sich die einstige Göttin der Dunkelheit in die gewünschte Richtung und rief Faust zu, was nur er in diesem Moment verstehen würde. Ihre nächste Attacke war nur eine Ablenkung für Telamont, als Winters engster Freund den Magier zu packen bekam und in die unbewegliche Sphäre des Nichts drücke, ehe dieser wusste gegen was er sich hätte wehren sollen. Telamont Tanthul, der mächtigste aller Umbranten verschwand aus der Existenz. Für immer, einfach so.

Drake

Antilia, Mephistos elfisch-teuflische Zofe heizte die Armee von Teufeln zum Kampf an. Etwas unfair, wenn man bedachte, dass Grimwardt es alleine mit ihnen aufnahm. Auf ihn hatte niemand mehr geachtet. Er war Drake. So oft hatte er schon bewiesen, dass sein Überlebensinstinkt ihn vor dem Schlimmsten bewahren würde. Sie alle kannten Drake den Feigling, vor allem seine Feinde. Doch nur wenige kannten auch Drake den Rachsüchtigen. Vermutlich, weil die meisten nicht mehr lebten, die ihn kannten. Und diese miese Höllenschlampe war ihm schon viele male ein Dorn im Auge gewesen. Immer wieder hatte sie aus den Kämpfen fliehen können. Das musste er ihr lassen. Doch nun wollte sie fast fanatisch ihrem Herren und Gott Mephisto helfen. Als Geist konnte Drake sich ihr nähern, ohne dass sie den Hauch einer Ahnung hatte. Ihr Hals war wunderschön, makellos und elegant. Die Klinge durchtrennte mit einem Schnitt sämtliche Lebenswichtigen Stellen ihres nun im Schwall blutenden Halses. Fassungslos starrte sie in seine Augen, als der zweite Dolch in ihr Herz gerammt wurde um sicher zu gehen. Ihre wunderschöne Teufelsstimme wurde zu einem widerlichen Röcheln und ihr Leib sank zu Boden. Immer noch mit einer gewissen Anmut im Tode. Drake folgte ihr nach unten. Die Armee von Teufeln floh in alle Richtungen.
Ein heller Lichtblitz raubte ihm kurzzeitig die Sicht und ein seltsam vertrautes Gefühl machte sich in Drakes Bauch breit. „Es ist vollbracht. Ihr habt die Welt vor jenem bewahrt, der als Gott unter den Sterblichen wandeln wollte. Die Götter sprechen euch ihren Dank aus.“ Es war der Engel Eo, seine Urahnin, die die Götter gesandt hatten. In ihrer Hand hielt sie den Preis, nach dem sie alle gierten. Er konnte es in ihren Blicken sehen. Jeder hatte eigene Ambitionen, das Portfolio der Hölle zu erhalten. „Ares, Fürst von Cania. Es ist der Wille der Götter, das ihr euch erhebt, zum neuen Fürst der Neun Höllen.“ Das Grinsen im Gesicht des Teufels wurde so breit, als wolle er seinen Gewinn gleich verschlingen. Grimwardt hielt ihn an der Schulter fest. „Denkt an unseren Vertrag.“ Süffisant lächelte Ares den Kriegspriester an. „Ich muss nicht an unseren Vertrag denken, nichts ist mir heiliger als ein Vertrag, Grimwardt und ihr habt euren Teil erfüllt. Majestätisch setzte sich Ares in Bewegung um das Ziel seiner Träume zu erlangen, als Winters Stimme die würdevolle Stimmung zerschnitt. „Nein. Nicht er hat Mephisto bezwungen. Weder er allein, noch hat er den finalen Hieb gelandet. Wir alle waren an diesem Sieg beteiligt.“ Die leuchtenden Augen des Engels musterten Winter. „Und doch ist es der Wille der Götter, Shar, Herrin der Finsternis.“ Ares schien nicht überrascht zu sein, während Faust traurig resigniert zu Boden schaute. Doch Grimwardts Blick sprach Bände. Erst Unverständnis, dann Trauer und schließlich Zorn. Drake konnte sein eigenes Gesicht nicht sehen, doch auch ihn traf die Erkenntnis wie ein Schlag. Er wollte sich an eine Hoffnung klammern, doch er spürte es. Winter war tot. Wie ein dumpfer Donner dröhnte es aus Grimwardts Mund. „Du hast meine Schwester getötet?“ Shar schüttelte Winters roten Lockenkopf. „Nein, es war ihre Entscheidung. Ohne die Fähigkeit zur Magie wollte sie nicht weiterleben. Ich lieh ihr meine Kraft, doch schließlich zahlte sie den ultimativen Preis für das Leben ihrer Tochter. Doch auch ich habe einen hohen Preis gezahlt. Die Götter wissen nun von meinem Verbleib als Sterbliche und sie werden mich jagen. Ich brauche das Portfolio als Pfand.“ Faust wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und trat auf sie zu. „Ist sie noch da drin?“ „Ja. Ihre Seele ist ein Teil von mir. Doch wenn ich sterbe wird sie zur Hölle fahren.“ Sie blickte Eo streng in das Engelsantlitz. „Ich kenne die Gesetze der Götter noch immer sehr gut. Ich fordere einen Kampf um zu ermitteln wem das Portfolio der Hölle gehören soll! Alle Beteiligten des Kampfes haben dieses Recht.“
Eo verzog keine Miene, doch ihre Stimme war wie aus Eis. „Dann stellt ihr euch gegen die göttliche Ordnung. Ich werde gegen euch antreten.“
Wie zu erwarten war, stellte sich auch Ares neben den Engel. Es war wie ein Sinnbild dafür, dass gut und böse nur austauschbare Begriffe waren.
„Ich hab dir noch etwas versprochen, Vater. Nur über meine Leiche wirst du zum Gott der neun Höllen.“ Faust stellte sich neben Shar. Er hatte sich entschieden. Gegen seinen Vater, gegen die Götter. Für eine böse Göttin die Winter auf dem Gewissen hatte. Hatte er wieder nur eine Münze geworfen oder war sein Entschluss in irgendeiner Weise durchdacht? „Es ist deine Entscheidung, Sohn. Mein Angebot steht noch. Deine Seele und die deiner Freunde. Sei vernünftig!“ Spöttisch zuckte der Kämpfer mit den Mundwinkeln. „Ein Pakt mit dem Teufel ist nie vernünftig. Das musste ich schmerzlich erfahren. Nicht für eine Sekunde wirst du Winters Seele in den Händen halten.“
Grimwardt stellte sich zwischen Eo und Ares. „Dein Wahnsinn muss endlich ein Ende finden, Faust. Ich würde den Willen meines Gottes erfüllen, selbst wenn ich ihn nicht nachvollziehen könnte. Doch du stellst dich gegen ihren Willen, allein aus Prinzip. Stattdessen hilfst du einer Göttin, die seit jeher die Widersacherin des Guten war. Es ist meine Pflicht dich aufzuhalten und die Seele meiner Schwester zu retten.“ Er zog seine Axt und sprach seine mächtigsten Gebete, während alle anderen sich auch in Zauber hüllten. Zwiespalt blitzte vor Blutdurst auf. „Bist du so verblendet, Grim? Sieh dich doch an! Ein Engel auf der rechten und ein Teufel auf der linken Schulter? Und beide flüstern dir das gleiche ins Ohr? Wann hast du aufgehört für dich selbst zu entscheiden? Aber egal, wir wissen beide, dass ich dich nicht umstimmen kann.“ Eos Blick fuhr zur Seite, scheinbar direkt in Drakes Herz, als sie ihr strahlendes Schwert zog. „Du musst dich entscheiden. Du bist weise genug um zu sehen, dass du an der Seite des Rechts den Sieg davon tragen wirst.“
Drake blickte Faust in die Augen. „Es tut mir leid, Senftopf. Aber ich kann Shar diese Macht nicht überlassen. Und ich werde ihr nicht verzeihen, was sie mit Winter gemacht hat.“ Ein Anflug von Enttäuschung war in Fausts Miene zu sehen. Seine Dolche ziehend stellte er sich hinter Grimwardt, Ares und Eo, darauf wartend, dass der Kampf beginnen würde. Denn das war der Moment auf den er gewartet hatte. Es war seine Chance das Richtige zu tun. Sich seiner Vergangenheit zu entledigen, vollständig. Eos Lippen setzten zu einem heiligen Wort an, als Drakes finstere Klinge sich ihren Weg durch ihr zartes Kinn direkt in ihren Schädel bahnte, während der zweite Dolch das gleiche Ziel durch die glühende Augenhöhle des Engels erreichte. Mit einer dritten Bewegung zerriss er das himmlische Antlitz, das seinem eigenen so ähnlich sah, und der Engel verglühte. Drake zog sich zurück auf die Ätherebene und beobachtete den Ablauf des Kampfes wie ein stiller Zuschauer.
Der dunkle Phönix und die Herrin der Finsternis verlagerten ihren Kampf in die Luft und es waren nur noch Wolken aus Schatten und schwarzen Federn zu sehen. Faust und Grimwardt hingegen kämpften in einem selbstverschuldeten Regen aus Blut. Chaos und Ordnung prallten aufeinander. Der Kriegspriester war zäh wie nie zuvor, während sein Gefährte sich schneller bewegte, als es ein sterbliches Auge wahrnehmen konnte. Nur Drakes magischem Glasauge war es zu verdanken, dass er die Details wahrnahm. Die Schatten in der Luft zerstoben, als Winters Körper von verbrannten Schnitten übersät auf dem Boden aufschlug. Und trotz all seiner Überzeugung war es dieser Anblick, der für einen winzigen Augenblick Grimwardts Griff um seine Axt schwächte und Faust die Möglichkeit gab, Winters Bruder den Kopf vom Körper zu trennen. So war es Zwiespalts Wille, nichts verachtete das Schwert mehr als Engel, Teufel und treueste Anhänger der Götter. Doch Zwiespalt war schon lange nicht mehr der Herr über Fausts Geist und trotz all seiner Wut lenkte er die Klinge ab und rammte Grim den Knauf des Schwertes in die Schläfe. Mit gebrochenem Schädel ging der Auserwählte des Tempus zu Boden. Faust riss herum – und damit genau in die schwarze Klinge seines Vaters. Sein Inneres begann bereits zu verkohlen, doch mit einem Schrei des Zorns ließ er Zwiespalt auf seinen Vater hernieder fahren. Diesmal gelang es ihm nicht seinen Gegner zu enthaupten. Aber das musste er auch nicht. Der Schlag hatte den verwundeten Körper von Ares in der Mitte durchtrennt. Der schwarze Phönix verbrannte zu einem Haufen Asche und Faust ging zu Boden. An der Stelle wo sich einst Organe befunden hatte klaffte nur noch ein schwarz verbranntes Loch.
Es war schließlich Shar, die den Haufen von Ares Asche vollkommen auflöste und damit eine weitere Existenz. Sie war die letzte die noch stand. Ihr Plan war aufgegangen. Sie hatte als einzige Drakes Finte durchschaut und hatte geahnt, dass er es auf den Engel abgesehen hatte. Nun konnte sie den Preis, das Druckmittel für ihr Leben als Sterbliche entgegennehmen. Nie hatte sie sich so lebendig gefühlt wie in diesem Moment. Sie hatte es verdient sich so zu fühlen. Schließlich wurde ihr Herz einen Wimpernschlag später von Eos glühender Engelsklinge durchbohrt. Shars letzter Blick war auf Drakes Gesicht gerichtet. Sie hatte Recht gehabt. Er wollte Eo töten. Und doch hatte der Albino nicht gelogen. Beinahe hätte er nach dem Portfolio gegriffen. Stattdessen hüllte er es in einen blutigen Stofffetzen. Er war nun der Besitzer des wertvollsten Gegenstandes, den man sich nur vorstellen konnte. Was würde er nun tun?

Niobe

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Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #370 am: 25. Mai 2024, 23:38:39 »
Most epic PvP ever :P
Ich hab mich beim Lesen mehrmals gefragt, wie wir das eigentlich regeltechnisch ausgespielt haben. Und ja, für alle außerhalb der Time Stops muss dieser Kampf unglaublich verwirrend gewesen sein!
Aber fieser Cliffhanger. Ich freu mich auf den Epilog :)

Nightmoon

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    • Schicksalsstreiter
Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #371 am: 31. Mai 2024, 00:53:15 »
Kapitel XIII: Eine Welt ohne Hölle

Drake
Am Grat der Welt, einige Tage später
Er hatte es also tatsächlich überlebt. Quicklebendig kam Faust zu ihm und setzte sich an den Tisch. Doch etwas an ihm war anders. Er hatte nicht mehr den gewohnt arrogant grinsenden Gesichtsausdruck, den Drake gewohnt war. Ernsthaftigkeit lag in seiner Miene und noch etwas: Abschied. „Drake, du Arschgeige! Hast mich so gut wie tot liegen gelassen!“ Nun war es Drake, welcher arrogant lächelte. „Du hast dich schon von schlimmerem erholt. Und Grimwardt hast du ja freundlicherweise auch am Leben gelassen. Sieh es als eine Art Test: Wärst du gestorben, würde ich dir nicht das geben wonach du suchst. Außerdem musste ich verdammt schnell untertauchen mit diesem Höllen-du-weißt-schon-was. Wenn Grimwardt wüsste, was wir hier tun, würde er mich vierteilen.“ Interessiert lehnte Faust sich im Sessel zurück. „Warum hast du dich entschlossen es mir zu geben?“ Spöttisch verzog der Assassine die Mundwinkel. „Ganz ehrlich: mir ist niemand anderes eingefallen. Das Ding zu verkaufen würde zwar ein Vermögen, aber auch unendlich viel Ärger bedeuten. Würde ich es Grim geben, wäre das ganze Spektakel umsonst gewesen, weil er es wie ein treuer Hund seinem Herrchen geben würde. Du bist der einzige, der bescheuert genug sein könnte das Ding zu vernichten und damit alle verdammten Seelen auf die Welt loszulassen. Endlich bekommt der knochige Sarrukh die Abwechslung, die er sich wünscht. Hast du ihn nochmal besucht?“ „Athindol? Den Weltenseher? König Oreme? Nein, das würde ihm sicher nicht passen. Ich habe mit Omega gesprochen. Über meinen Plan.“ Drake hob eine Augenbraue. „Eine der letzten die noch leben und die wir retten konnten. Und was sagt deine große Meisterin zu deinem Plan?“ Der Kämpfer winkte ab. „Na, was meinst du denn? Sie sagt, das wird das Gleichgewicht der Welt aus den Fugen bringen und so weiter, dass das Multiversum einen Ausgleich schaffen wird.“ „Also hast du deinen Plan verworfen?“ Da war das arrogante Grinsen wieder für einen kurzen Moment. „Ich scheiß auf´s Gleichgewicht! Ich bin nicht der Auserwählte, der das Gleichgewicht bringen will oder wird. Im übrigen war Fardo, der mopsige Psioniker hellauf begeistert und wir haben den Plan noch verfeinert. Es wird so laufen...“„Faust, das interessiert mich nicht.“ Wie einen faulen Apfel schob Drake das verhüllte Portfolio zu seinem ...Freund. „Ich würde ja sagen, ich hoffe du weißt was du tust, aber dafür kenne ich dich inzwischen zu gut.“ Er erhob sich und streckte Faust die Hand hin. „Leb wohl Senftopf. Ich vermute, wir werden uns nicht mehr wiedersehen.“ Auch Faust erhob sich, wollte seine Hand schütteln, entschied sich dann aber doch für eine kräftige Umarmung. „Nicht mehr in diesem Leben jedenfalls. Pass auf dich auf, Drake, so wie immer. Und jetzt mach, dass du weg kommst. Das hier ist der unbewohnteste Ort den ich kenne, aber ich weiß trotzdem nicht, was gleich passieren wird.“ Drake nickte zum Abschied. „Also dann, bis im nächsten Leben!“ Und seine Stiefel teleportierten ihn weit weit weg.

Faust
Nun war er ganz allein und spürte die Kälte und Einsamkeit dieses Ortes. Faust ließ den Stoff fallen und rollte das Portfolio aus. Sofort zog es ihn in seinen Bann. Doch der Griff um Zwiespalt mit seiner anderen Hand war wie der Griff nach einem rettenden Anker. Vermutlich würde er zum neuen Herrn der Neun Höllen aufsteigen, doch er würde es diesem Artefakt der Götter nicht leicht machen! Die Zeilen lasen sich wie von selbst. Der Grat der Welt verschwand um ihn herum. Flammen, Schatten und Leid umgaben ihn zunehmend. Doch sie es fühlte sich richtig an. Er begann zu verstehen, welchen Platz im Kosmos die Hölle einnahm. Wie ein Raubtier in einem Biotop, das für den Erhalt aller Arten wichtig war. Das sollte er denken, doch es war nur der erste Angriff des Portfolios auf Fausts chaotischen Geist. Er bestand die Probe und zog seinen Geist immer mehr zurück, verband ihn mit dem von Zwiespalt. Nun wurde ihm klar, welche ungeheure Macht er erhalten würde. Er würde erreichen, wovon sein Vater und er einst immer geträumt hatten und würde die Welt nach seinen Vorstellungen formen können. Doch ein Impuls von Zwiespalt erinnerte ihn daran, dass das formen von Welten das Gegenteil von dem war, was er wollte. Nun fuhr das Artefakt seinen größten Trumpf auf. Er würde sie alle retten können! Seinen Vater, Tyrail, Miu und Winter. Er wusste, es war keine List. Er würde die Menschen die er liebte wieder zurückholen und sie könnten ihr neues Leben genießen. War es nicht genau das was er wollte? Ein anderes, neues Leben für sie alle. Eine neue Chance. Sie könnten von vorne beginnen. Er hatte fast zuende gelesen.  Von vorne beginnen… Er musste an Drake denken. An den Jungen, der in der Gosse aufwuchs und von seiner eigenen Mutter wie Dreck behandelt wurde. Nein, seine Narben würde er niemals heilen können, das konnte nur die Zeit!
Sein Arm leuchtete auf und die Zeit stoppte, als er das letzte Wort des Portfolios las. Ein Moment den es nicht gab, der frei von Verträgen war. Sein innerstes wurde auseinandergerissen und er klammerte sich an Zwiespalt. Doch wie er selbst wurde auch sein Schwert zerteilt. Immer noch in der Zeitstarre sah er sich selbst vor sich stehen – Nein, er sah Faust, den Herrn der Neun Höllen, mit seiner finsteren Klinge Zwietracht. Er blickte auf sich selbst, den sterblichen Faust, den Auserwählten der Zeit, in seiner Hand die Klinge Zwielicht. Er nickte sich selbst zu und Der Gott Faust befahl die Freilassung aller Seelen aus der Hölle. Der sterbliche Faust spürte, wie der Pakt, den er eingegangen war aufgelöst wurde. Und der Gott Faust zerriss im selben Moment das Portfolio. Der Arm des sterblichen Faust leuchtete auf und dann verschwand er. Die Zeit lief weiter. Zu diesem Zeitpunkt endete Fausts göttliche und sterbliche Existenz.

Grimwardt
Grat der Welt, einige Monate später
Der kalte Wind peitschte ihm um die Ohren, doch stoisch wie immer ertrug der Kriegspriester das Wetter. Der Kontrast zur Hitze der Wüste war besonders für seine Soldaten eine harte Umgewöhnung gewesen, doch es musste sein. Scarlet hatte sich schnell erholt und war nun sowohl für die Bedinen, als auch die Umbranten ein angesehenes Oberhaupt. Winter war letzten endes tatsächlich die wiedergeborene Shar gewesen, die über alle Feine triumphierte, bis sie vor aller Augen Umbras hinterlistig ermordet wurde. Er wusste es natürlich besser, doch schnell verbreitete sich das Gerücht, dass Drake Cyrik selbst in der Gestalt eines Menschen war. Die Tochter von Shar, die gleichzeitig die Elani der Bedinen war, würde sich jedenfalls gut behaupten können, da war er sicher.
Ihn hatte es ans Ende der Welt verschlagen, dank Faust. Er verfluchte ihn dafür, dass er tatsächlich getan hatte, was niemand für möglich hielt, vielleicht sogar mit guten Absichten. Doch es blieb das Werk eines mächtigen Idioten. Vermutlich hatte er nicht bedacht, dass Asmodeus Jahre zuvor den Abyss verbannt hatte. Der plötzliche Wegfall der Hölle holte den Abgrund, die schreckliche Welt der Dämonen nicht nur zurück, sie hatte auch gleichzeitig ohne einen Finger zu rühren den Blutkrieg gewonnen, jener ewige Krieg zwischen Teufeln und Dämonen. Und das nicht ohne Folgen. Fardo hatte von einer anderen Welt erzählt, in der er dieses Phänomen auch gesehen hatte. Er nannte es die Weltenwunde. Und nun tatsich eine solche Wunde auch unterhalb des Grats der Welt auf. Eine gewaltige Kluft, die ein Portal zum Abyss darstellte aus dem eine immer währende Flut von Dämonen auf Faerun schwappte. Faust hatte ein gewaltiges Übel auf die Welt losgelassen, indem er die göttliche Ordnung aus den Fugen gerissen hatte.
Und doch war es für Grimwardt wie ein Geschenk gewesen. Die Völker hatten sich vereint gegen einen neuen gemeinsamen Feind im Norden. Die Welt war wieder einfacher geworden. Es war klar wer der Feind war, ohne irgendwelche Ränkespiele. Und so stand er nun hier, wartend auf die nächste dämonische Flut, voller Vorfreude darauf die Kreaturen mit Axt und göttlicher Magie zu vernichten und seine Soldaten dazu anzustacheln, es ihm gleich zu tun. Endlich konnte er den Krieg wieder genießen, tun wozu er bestimmt war. Das Band zwischen Nimoroth, Kalid und ihm war wieder enger geworden und trotz all der Verluste, konnte es sich wieder in das Gefühl von einst hineinversetzen, als er als junger Abenteurer losgezogen war, in einer Gemeinschaft, die er beschützen wollte.


Epilog

Der Harfner
Whispers Braustube, Myth Drannor, 1340TZ
Der Harfner hatte sein Ziel nach langer Suche gefunden. „Der Geschichtenerzähler“ war plötzlich in dieser Gegend aufgetaucht. Zuvor gab es wieder die bekannten Gerüchte über getötete Magier von Thay und befreite Sklaven. Nun konnte er ihn zum ersten mal selbst sehen. Er schien allerdings keiner Wegs bedrohlich und seine Geschichte war, nun ja, eine Geschichte. Vieles passte zu dem, was allgemein bekannt war, andere Details hingegen waren völlig absurd und klar erfunden. Der Grund aber, warum er den Geschichtenerzähler beschattete, war ein anderer. Teile seiner Geschichte  bestanden aus Wissen, das nur die wenigsten kannten, geheime Dinge, von denen der alte Mann nichts hätte wissen dürfen.
Die Geschichte war zu Ende. Ein bittersüßes Finale, in dem sich die Protagonisten gegenseitig zerfleischten und die Hölle selbst vernichtet wurde. Die Leute steckten dem Geschichtenerzähler ein paar Kupferstücke zu und gingen ihrem Tagewerk nach. Der Harfner nutzte die Gelegenheit und ging zu ihm. „Eine spannende Geschichte, die ihr da erzählt!“ Ihre Blicke trafen sich und dem Harfner war, als würden die Augen des alten Mannes kurz voller Freude erstrahlen. „Schön, dass du mich endlich gefunden hast, Ekard!“ Die Augen des Harfners weiteten sich. Woher kannte der Fremde diesen Namen? Selbst die meisten Harfner hatten von seiner Vergangenheit keine Ahnung. „Ihr habt also auch eure Informationen. Das wurde mir bereits zugetragen. Gefährliche Informationen.“ Der alte schien nicht auf die bedrohliche Stimmlage des Harfners einzugehen und lächelte stattdessen nur herzlich. „Wir beobachten euch schon länger und doch scheint ihr ein Geheimnis zu sein. Was ist der geheime Code in eurer Geschichte? Wir haben alles überprüft und ihr habt Wissen über das niemand Bescheid weiß. So viel ist klar, wenn auch nicht, wer euer Kontakt ist. Doch was ist mit euren Protagonisten, wofür stehen sie?“ Der Geschichtenerzähler lehnte sich entspannt auf dem Stuhl zurück und hörte weiter zu, was der Harfner über ihn zu berichten hatte. „Es muss irgendein code sein. Wir haben alles überprüft. Nimoroth und Kalid entsprechen in etwa euren Beschreibungen, aber was ist mit den anderen? Grimwardt Fedaykin leitet zusammen mit Xara Tantlor ein Waisenhaus für Kinder, die sonst niemand haben will. Mit einer Mischung aus Liebe und Disziplin scheinen sie dabei großen Erfolg zu haben, doch sie sind keine Abenteuer. Und Winter und Dorien Fedaykin leben zusammen mit ihrer Tochter Scarlet auf einem Hausboot. Sie mögen zwar herumziehende Vagabunden sein, doch auch sie entsprechen nicht den Figuren aus eurer Geschichte. Und was Faust und Drake angeht, diese beiden haben nie existiert. Wo ist die Verbindung von eurem geheimen Wissen zu diesen Personen?“ Jemand setzte sich zu den beiden. „Oh, das klingt aber nach einer spannenden Wendung! Er hat dich also endlich gefunden?“ Erst auf den zweiten Blick erkannte der Harfner, wer der neue Kerl sein musste. „Ihr seid… der Elaner! Ihr werdet an einem völlig anderen Ort vermutet!“ Freundlich nickte der glatzköpfige rundliche Mann dem Harfner zu. „Fardo, schön euch zu treffen, Ekard!“ Der Harfner merkte, dass er keinerlei Kontrolle mehr über den Verlauf des Gespräches hatte. Der Geschichtenerzähler stand auf. „Lasst uns ein paar Schritte gehen. Keine Angst, ich bin schneller als ich aussehe!“ Sie spazierten eine Weile durch Myth Drannor, doch alle Fragen, die der Harfner hatte wurden mit unzureichend oder auf unzusammenhängende Art beantwortet. „Sag mal, Ekard, wo wurdest du geboren?“ Der Harfner kniff die hellen Augenbrauen zusammen. „Das weiß ich nicht, aber ich denke das wusstet ihr bereits.“ „Du hast nichts an deinem Scharfsinn eingebüßt. Weißt du, eine kleine Veränderung in unserer Vergangenheit, kann den Lauf der Geschichte maßgeblich verändern. Du z.B. wurdest als kleines Kind von Harfnern zu freundlichen Eltern gebracht, ehe das Scheusal was dich geboren hat aus dir ein Monster machen konnte.“ Er blieb stehen. „Heißt das, ihr kanntet meine Mutter?“ „Nicht so gut wie ich dich kenne, Ekard. Weißt du, das Ende der Geschichte erzähle ich den Leuten nie, weil es zu fantastisch ist. Faust starb oder stirbt an jenem Tag in der Geschichte, das ist war. Doch ist es ihm gelungen in die Zeit zurückzuspringen. Mein lieber Fardo hier hatte die Theorie, dass man die Vergangenheit zwar nicht ändern könnte, doch wie sich zeigte, hatte er Recht damit behalten, dass es möglich wäre, den Fluss der Zeit zu gabeln. Der Fluss fließt immer weiter, doch sein verlauf ändert sich.“ Dem Harfner wurde schwindelig. „Wer seid ihr?“ Für einen kurzen Moment flackerte die Erscheinung des Geschichtenerzählers. „Ich denke, das weißt du. Die Frage ist, wer bist du, Ekard? Deine Geschichte hat mit ein klein wenig Hilfe einen völlig anderen Verlauf genommen. Du hattest liebevolle Eltern und in Nimoroths Schule warst du auch als Albino niemals ein Außenseiter. Und doch hattest du immer den Drang in dir etwas zu bewegen, die Welt zu verändern. Doch musstest du dafür nie zu Drake werden.“ Ekard musste sich setzen. „Ihr wollt mir also sagen, dass ihr… aus einem anderen Faerun kommt? In dem alles anders war?“ „Naja, nicht alles, aber scheiß drauf, es ist doch eh nur eine Geschichte.“ Der Elaner berührte die Schulter des Geschichtenerzählers, welcher Ekard noch einen Brief reichte. „Hier, dort findest du alle Antworten die du brauchst. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute! Es tat gut dich noch einmal so zu sehen, mein Freund. Wir haben noch einige Rechnungen offen mit anderen Leuten und müssen nun weiter. Leb wohl!“
Und dann verschwanden die beiden einfach. Es dauerte eine Weile, bis Ekard sich wieder aufrichten konnte und den Brief öffnete. Es war eine Einladung von König Oreme.

Niobe

  • Mitglied
Stadt der gläsernen Gesänge
« Antwort #372 am: 04. Juni 2024, 00:07:22 »
Sehr sehr schönes Ende. Musste ein paar mal nostalgiegrinsen, und auch schön, dass du alle noch mal zu Wort hast kommen lassen :)

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