Autor Thema: Es gibt nichts Gutes - außer man tut es  (Gelesen 254 mal)

Beschreibung: Gate-Wiederbelebung

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Archoangel

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Es gibt nichts Gutes - außer man tut es
« am: 28. Dezember 2022, 16:09:44 »
So - dann starte ich mal einen neuen Thread. Vielleicht schreiben ja wieder Leute.

Ich berichte euch hier einfach mal über meine Schulprojekte:

- mein erstes Rollenspielprojekt fand im Jahre 2012 in der Schulprojektwoche statt. 24 SchülerInnen tummelten sich eine Woche lang in der Projektgruppe und bildeten 4 6er-Gruppen. Von mir gewähltes Spiel war damals Pathfinder - Ulisses spendete 2 deutsche Einsteigerboxen, zwei weitere habe ich selbst gekauft. Der Fantasy-Forest Mannheim spendete Würfel, so dass jeder Projekt-ler am Ende der Woche einen Satz Würfel mit nach hause nehmen konnte.
Am ersten Tag gab es eine allgemeine Einführung und dann habe ich simultan 4 Einsteigerrunden durch einen 5-Raum-Dungeon geführt; nachmittags gab es den Spielleiterworkshop und am Tag 2-4 haben die Spielleiter-Lehrlinge ihre Runden durch das Basisabenteuer (das sie um einen weiteren Level als "Hausaufgabe" erweitern mussten) geführt. Am letzten Projekttag haben meine AG-linge dann die interessierten Schnupperer der anderen AGs durch den 5-Raum-dungeon geführt.

Fazit: die AG war unglaublich anstrengend. 24 Leute bei einem Lehrer war ein Full-Time-Job, der sich auch auf die Nachmittage erstreckte, da die Nachwuchs-Spielleiter immer noch eine weitere Frage hatten. Aus den 4 Runden sind 3 eigene Runden geworden, eine bestand aus 6.klässler Mädchen, eine aus 7er-Jungs und eine aus 8er/9ern. Letztere hat kein halbes Jahr überlebt, die Mädels immerhin bis in die 8. Klasse und eine hat sich auch den Kram gekauft. Die 7er Jungs haben mittlerweile drei unterschiedliche Gruppen mit ca. 20 Spielern - sie spielen alle heute noch, mittlerweile D&D 5, Pathfinder und Fate - und hin und wieder bekomme ich Rückmeldung.
Alles in allem also ein Erfolg.
In diesem Thread gibt es wunderbare Beispiele, dass Schulpflicht und Dummheit sich nicht ausschließen. (Tempus Fugit)

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Archoangel

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Es gibt nichts Gutes - außer man tut es
« Antwort #1 am: 28. Dezember 2022, 16:17:31 »
- mein 2. Projekt entstand 2015 im Winter auf dem Schulhof. eine Gruppe 10er unterhielt sich über Big-Bang-Theorie und so ein cooles Spiel, dass sie dort gespielt haben, dass es aber sicher nur in Amerika gäbe - D&D.

nachdem ich sie kurz darüber aufklärte, dass es das durchaus auch hier gäbe wurde eine einmal-pro-Monat Gruppe an einem meiner unterrichtsfreien Nachmittage ins Leben gerufen, die bis zum Ende des Schuljahres 2015/16 hielt. Die Gruppe hatte 9 SpielerInnen, von denen aber nie mehr als 7 da waren, außer beim ersten Termin. Ich hatte mich für die 5E entschieden, von der ich immerhin 4 Spieler-Handbücher besitze, habe die Charaktere allerdings freier erschaffen, also nach den Wünschen der Teilnehmer, so dass ich letztlich auch einen Werwolf am Spieltisch hatte. Gespielt wurde der "Wald ohne Wiederkehr", also ein DSA1-Klassiker - das Abenteuer, dass ich am häufigsten geleitet habe (mittlerweile mehr als 50 mal).

Aus dieser gruppe sind wenigstens zwei runden hervorgegangen, von denen ich weis. Die eine spielt aktuell - mit Zugängen und Abgängen natürlich - Splittermond und die andere D&D 5E, aber von denen habe ich schon seit mehreren Jahren nichts mehr gehört. Mindestens ein Mädchen hat später noch eine eigene Gruppe gegründet, allerdings DSA5. Von der habe ich durch Zufall Anfang diesen Jahres erfahren.

Also auch hier ein erfolgreiches Fazit.
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Archoangel

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Es gibt nichts Gutes - außer man tut es
« Antwort #2 am: 28. Dezember 2022, 16:33:11 »
- mein drittes und aktuelles Projekt ist die (nach einem Schulwechsel und einem Brettspiel-begeisterten Schulleiter möglich gewordene) Rollenspiel-AG an meiner aktuellen Schule.

Im Jahre des Herrn 2019/20 startete meine erste AG, zwei Runden, eine 9er und eine 10er Runde, die 9er mit sechs, die 10er mit 7 Spielern. Die 9er hatten tatsächlich drei Mädchen in der Gruppe, also halbe-halbe, die 10er waren nur Jungs. gespielt wurde zunächst ein Einführungsabenteuer mit DSA1.5 (meine eigene Variante) und danach durften die Spieler wählen. Die 9er entschieden sich für Fantastic Heroes&Witchery, die 10er für D&D 5E.

Von den 9ern spielen mindestens zwei Personen immer noch - die sind mit meiner großen Tochter befreundet, von denen bekomme ich regelmäßige Rückmeldung. Die 10er haben mittlerweile auch zwei runden (mit Zuwachs natürlich), da sie privat nach der Schule getrennte Wege gingen. Einer hat ganz aufgehört, zwei bzw. vier spielen weiterhin miteinander - alle D&D 5E.

- der zweite Durchlauf läuft noch aktuell. Nachdem auf Grund Corona im Jahr 20/21 keine AGs mehr stattfinden durften, habe ich 21/22 die AG erneut gestartet, diesmal waren die 14 AG-Plätze für zwei Runden bereits mit Schülern meiner eigenen Klasse besetzt, so dass zunächst keine anderen zum Zuge kamen. Ein Jahr lang wurden nach einer Einführung mit "Beyond the wall" D&D und ein Story-Teller-System (modern Fantasy) gespielt und jetzt, im aktuellen Schuljahr, hat sich das ein wenig geändert. Termin- und Interessenbedingt sind einige abgesprungen, so dass ich jetzt zwei 6er-Gruppen habe, die eine mit 5 aus meiner Klasse und einem DnD-Fanatic aus einer Parallelklasse und die andere mit drei eigenen und drei aus den anderen beiden Klassen - so dass ich immerhin Schüler aus dem ganzen Jahrgang habe. Gruppe1 spielt - nach eigenen Wunsch - AD&D 2nd Edition Birthright und Gruppe 2 D&D 5E - aber sehr Erzähl-lastig. Unterschiedlicher könnten die Gruppen kaum sein. In Gruppe 1 sind alles Jungs, Powergamer und alle haben schon Erfahrung mit D&D - allerdings nur aus Neverwinter. Gruppe 2 hat 3 Mädchen, 2 Jungs und 1 Divers am Speiltisch, von denen immerhin zwei Schauspieler werden wollen. Mit 3 Pan, 2 Gay oder Bi ist dann auch die Gender-Sexuality-Debatte am Spieltisch angekommen, was mich ein wenig überrascht hat, aber das ist dann wohl auch dem Zeitgeist zu schulden. In der reinen Jungs-Gruppe ist auch einer der Spieler schwul.

Die Kids sind alle mit großem Interesse und Leidenschaft dabei - auch in den Ferien wollen sie die AG weiterführen. Das eine Mädchen ist mit meiner Kleinen befreundet, so dass ich sie auch jenseits der Schule oft am Spieltisch sehe.
In diesem Thread gibt es wunderbare Beispiele, dass Schulpflicht und Dummheit sich nicht ausschließen. (Tempus Fugit)

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Archoangel

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Es gibt nichts Gutes - außer man tut es
« Antwort #3 am: 28. Dezember 2022, 16:33:48 »
Das war es erstmal von mir - wie sieht es bei euch aus, beim weitergeben der Staffel an die nächste Generation?
In diesem Thread gibt es wunderbare Beispiele, dass Schulpflicht und Dummheit sich nicht ausschließen. (Tempus Fugit)

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Aronan

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Es gibt nichts Gutes - außer man tut es
« Antwort #4 am: 03. Januar 2023, 00:30:28 »
Hallo Archoangel,

Das war es erstmal von mir - wie sieht es bei euch aus, beim weitergeben der Staffel an die nächste Generation?


Ich habe immer wieder reingeschaut, habe aber entweder mangels Anlass oder ähnlichem nicht viel gepostet.
Bezüglich deiner Frage werde Ich erstmal meinen Werdegang zusammenfassen und dann am Ende ein Fazit ziehen was im Nachhinein daraus geworden ist.

Was meine Historie bei Pen&Paper angeht habe Ich so schätzungsweise 2014 angefangen. Zu der Zeit habe Ich durch Zufall mitbekommen, dass ein paar Freunde D&D gespielt haben, Ich glaube es war 3.0 oder 3.5. Interessehalber habe Ich dann zusammen mit meinem Bruder ein Oneshot mitgespielt als Gnoll-Schurke. War alles etwas chaotisch und planlos, aber Ich war am weiterspielen interessiert.



1. Gruppengröße: 6 Spieler

Die Fortsetzung war eine eigene Kampagne im selben Freundeskreis, aber mit anderem Spielleiter. Da war es dann AD&D und Ich hatte etwas mehr Plan vom Spielprinzip, aber der Spielleiter aus verschiedenen Gründen nicht viel bis keine Zeit vorzubereiten. Nach einiger Zeit wollte Ich das ganze dann selbst als Spielleiter ausprobieren und habe die Kampagne übernommen, woraufhin der alte Spielleiter als Spieler eingestiegen ist. Dabei habe Ich auf 3.5 gewechselt weil Ich dafür mehr Support und Material gefunden und mich mit der Mechanik sicherer gefühlt habe.
Das ganze ging dann eine ganze Weile, bis einige Spieler aus privaten Gründen keine Zeit und kein Interesse mehr hatten und sich die Fortsetzung der Kampagne nicht mehr lohnte.



2. Gruppengröße: 7 Spieler

Als nächstes habe Ich eine weitere Kampagne in 3.5 angefangen, diesmal mit den Überresten der alten Runde und neuen Rekruten aus dem erweiterten Freundeskreis, eine hatte vorher schon AD&D gespielt, wusste aber gar nicht dass es im Freundeskreis Spieler oder eine Runde gab und war sofort dabei. Ein anderer war ein glühender Fantasy-Anhänger und Gamer, dementsprechend interessiert und mit den Grundlagen von RPGs vertraut. Diese Runde ging dann ca eineinhalb Jahre unter meiner Leitung. Daneben gab es zur Abwechslung auch mal ein oder zwei Oneshots, bei denen neue Spieler mal reinschnuppern konnten.



3. Gruppengröße: 8 Spieler, maximal 5 pro Session außer beim Finale des jeweilgen "Kapitels"

Vor dem Lockdown hatte Ich dann auf D&D 5e gewechselt, da einfacher und unkomplizierter für die Spieler mit weniger Interesse oder weniger Verständnis für die Regelmechaniken und komplexere Regeln. Außerdem war es weniger aufwändig und ging flüssiger. Hier habe Ich dann ein komplettes Homebrew-Setting ausprobiert, das im Gegensatz zu vorher nichts mit Faerun zu tun hatte und mit den Klassikern gebrochen hat. Das kam eigentlich gut an.
Ich hatte ein "Adventure of the Week"-Modell: Es gab eine festgelegte Anzahl von Sessions, zu denen man sich im voraus verbindlich anmeldet inklusive Terminen, das ganze wurde per Doodle organisiert. Da es vorher mit so vielen Spielern kopliziert, langwierig und unübersichtlich sowie anstrengend für den Spielleiter war, habe Ich hier trotz 8 Spielern im Pool die Obergrenze auf 5 gesetzt. Wer zuerst zusagte bekam den Platz, wer zu spät kam hatte Pech, kurzfristiges dazustoßen war nach Festlegung der Termine vom Tisch. Das hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass die Terminplanung schneller und einfacher wurde, einige Spieler disziplinierter waren und Ich niemandem mehr mit den Terminen hinterherlaufen musste. Die einzige Ausnahme war, dass wir beim Finale eines "Kapitels" - also einer großen Schlacht, dem Kampf gegen den "Zwischenboss" oder wichtigen Wendepunkten in der Kampagne - einen ganztägigen Marathon mit allen Spielern organisiert haben.
Das ganze wurde dann durch den Lockdown beendet und nie wieder aufgenommen.



Daneben bzw. zwischenzeitlich oder parallel:


4. Gruppengröße: 5 Spieler

Als Ich bei meinem damaligen Studentenjob während Flauten ohne Gäste manchmal in D&D-Sachen für meine Runde blätterte, wurde Ich von meinen Kollegen ab und an darauf angesprochen und erklärte, worum es so ungefähr dabei geht. Mehrere waren überraschenderweise interessiert, obwohl sie bis dahin keinen Bezug zum Hobby gehabt hatten und teils nicht mal einen wirklichen Faible für Fantasy hatten. Daraufhin habe Ich ein Oneshot für Anfänger in eigenem "Dungeon" geleitet, damit sie das mal ausprobieren können. Wurde recht gut aufgenommen, auch wenn es teils etwas unsicher und hölzern vonseiten der Anfänger war.


5. Gruppengröße: 5 Spieler

Ich habe für einen Freund als Geburtstagsgeschenk ein Oneshot in Shadowrun geleitet, alles recht knapp aber kam gut an.



6. Gruppengröße: 4 Spieler

Danach habe Ich mit einem der Kollegen zusammen bei einer anderen Runde mitgemacht, in der Ich ausnahmsweise mal nicht der Spielleiter war. Auch das endete dann durch private Schwierigkeiten und Lockdown. Die Gruppe existiert aber ohne mich weiterhin.


7. Gruppengröße: 3-4 Spieler

Danach hatte Ich interesse, mal andere Systeme als D&D auszuprobieren und habe teils online auf Roll20 und teils in Präsenz Oneshots bzw kurze Missionen für andere Freunde geleitet, erst ein bisschen in Dark Heresy 2 und dann in Warhammer Fantasy 4. Hier kamen Private Probleme meinerseits dazwischen, wesegen Ich das nicht weiter verfolgen konnte.



Fazit:

Ich habe leider nie das Ende meiner Langzeitprojekte gesehen.

Aber als positives Fazit lässt sich sagen: Im Freundeskreis zuhause hat sich eine große Population an Spielern etabliert, aus der mindestens 3 dauerhafte Gruppen entwickelt haben von denen Ich weiß, die wiederum selbst neue Leute rekrutiert und für das Hobby begeistert haben.
Daneben spielt mein Arbeitskollege mit einer eigenen Gruppe Pen&Paper, nachdem unsere gemeinsame durch den Lockdown ausgebremst wurde. Die besagt Gruppe - die ich mit gegründet habe - hat sich aber erholt und in anderer Besetzung und anderen Systemen bislang weitergespielt.
Mein Bruder teilt bis heute meine Begeisterung für Pen&Paper und spielt mit einer festen Gruppe online weiter.

Ich bin dafür derzeit in keiner Gruppe und habe aufgrund einer sehr turbulenten Zeit länger nichts in der Richtung mehr getan, mal sehen ob sich etwas in der Art noch mal ergibt sobald sind mein Privatleben hoffentlich wieder beruhigt hat. Sollte es sich ergeben wäre es nett, tatsächlich eine Kampagne zuende bringen zu können oder auch mal als Spieler mit weniger Planungssaufwand dabei sein zu können. Ich muss dazu sagen, dass Ich immer das meiste selbst geschrieben und vorbereitet habe, da Ich wenig Freude am Leiten von vorgefertigten Abenteuern habe.

Soweit mein Statusbericht, over and out.

Grüße
Aronan