Autor Thema: Alounvan  (Gelesen 1392 mal)

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NeuroDad

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Alounvan
« am: 09. März 2005, 19:09:36 »
 Eine Weitere Vorgeschichte aus der Drachenkampanie http://forum.dnd-gate.de/index.php?showtopic=5262' target='_blank'>Lords of Darkness.
Eine Geschichte einer junge Halbelfin - von Susanne.

„Da vorne spielt gleich ein Barde auf! Los, laßt uns zuhören!“ruft Alounvan ihren Kameraden aus dem Waisenhaus zu und drängelt sich schon zwischen den vielen Leuten, die sich auf dem Marktplatz befinden, durch. Um den elfischen Barden herum hatte sich ein kleiner Platz gebildet und alle warten gespannt auf die musikalische Darbietung. In den Zeiten, wo das Böse regierte, gibt es nicht mehr allzuviele Barden, die die Menschen mit fröhlichen Liedern auf den Marktplätzen erfreuen. Es war also eine äußerst seltene, aber willkommene Abwechslung zum täglichen Leben.
Alounvan kann sich einen Platz in der ersten Reihe ergattern. Alle Zuhörer werden still, als der Barde beginnt, begleitet von seiner Laute, ein Lied zu singen. „Oh, und es ist gerade mein Lieblingslied!“ denkt Alounvan bei sich und lauscht entzückt den heldenhaften Taten, die der Barde in seiner Melodie besingt. Ganz unbewußt fängt sie plötzlich an, mitzusingen und ohne es sich zu versehen, singen der Elf und das junge Halbelfenmädchen im Duett. Ihre klare, glockenhelle Stimme begleitet den angenehmen Tenor des Barden und läßt die Geschichte, die das Lied erzählt umso wirklicher erscheinen. Der Barde schaut erst etwas erstaunt. Doch da ist noch etwas anderes in seinem Blick – Alounvan kann es nicht genau deuten – so etwas wie ein kurzes Wiedererkennen, das aber sofort wieder verschwunden ist. Dann lächelt er und  singt gemeinsam mit ihr das Lied zu Ende.  Der Barde verbeugt sich und alle Leute klatschen begeistert und rufen Laute des Erstaunens aus. Viele Münzen wandern auf den Boden vor den Barden, die ihm als Belohnung für seine Vorführung von den Umstehenden geschenkt werden.
„Du kannst wundervoll singen, mein Kompliment! Wo hast du das gelernt?“ wendet sich der Elf an Alounvan, während er die Münzen vom Boden aufsammelt. Noch ganz gebannt von dem Lied steht das Mädchen da und antwortet etwas verdutzt:“ Gelernt?....ich habe das nirgendwo gelernt. Die Töne kommen einfach aus meinem Mund und ergeben von selbst diese schönen Melodien, ich muss eigentlich gar nichts dazu tun. Aber trotzdem freue ich mich über Euer Kompliment!“ „Dann bist du ein Naturtalent, du solltest Bardin werden und die Menschen mit deinen Liedern und Geschichten erfreuen so wie ich. Wie heißt du? Meine Name ist Rónáin.“ Die junge Halbelfin stellt sich vor:“ Ich heiße Alounvan und wohne in dem Waisenhaus hier im Dorf.“ „Oh! Dann steht dir das erst recht zu.“ Rónáin drückt ihr ein Teil des Geldes, das er aufgesammelt hat in die Hand und lacht sie anerkennend an. Schüchtern bedankt sich Alounvan. „Ich bin noch einige Tage hier in der Stadt. Ich würde mich freuen, wenn du wieder mit mir singen würdest.“ „Ich muss jetzt gehen, es ist eigentlich schon viel zu spät, ich hätte längst im Waisenhaus sein müssen!“ fällt es Alounvan siedend heiß ein. Hastig verabschiedet sich und läuft davon. Keiner ihrer Freunde war mehr zu sehen, sie hatten sich schon längst auf den Rückweg gemacht, um wenigstens etwas, wenn auch immer zu wenig, vom Abendessen abzubekommen. Für das Mädchen wird diesen Abend nichts mehr übrigbleiben, was ihr in diesem Moment aber nicht allzuviel ausmacht. Sie hat ja einige Münzen in ihrer Tasche, genug um ein Abendessen zu kaufen, von dem man auch richtig satt wird. Nicht wie im Waisenhaus....Lieber träumt sie noch ein bisschen von ihrem zukünftigen Leben als berühmte und allseits bekannte Bardin, die tausend Geschichten und Lieder kennt und alle Länder bereist....
Rónáin schaut dem Mädchen noch eine Weile hinterher. Irgendetwas an ihr kommt ihm so bekannt, so vertraut vor....ihre Stimme, die braunen Augen, die glänzenden, langen dunkelbraunen Haare....


Am nächsten Morgen liegt Alounvan wach auf ihrem Lager in dem großen Mädchenschlafraum. Sie hat dank ihres selberbezahlten reichlichen Abendessens so gut wie schon lange nicht mehr geschlafen. In einem unbemerkten Augenblick war sie gestern abend an dem Aufpasser des Waisenhauses vorbeigewitscht und konnte sich zu ihrem Schlaflager schleichen, ohne dass jemand ihr Zuspätkommen aufgefallen war. Damit war sie einer Tracht Prügel, die den Waisenkindern im Falle eines Verstoßes gegen die Regeln droht, entkommen.
Das Mädchen strampelt sich nun aus ihren Decken, steht  auf und geht durch den großen Gang in den Innenhof um sich dort am Brunnen zu waschen.   Auf dem Weg dorthin hört sie aus einem Nebenflur, wie sich der Vorsteher des Waisenhauses mit jemandem unterhält. Und die Stimme kommt ihr verdächtig bekannt vor: „Ich würde gerne eines der Kinder zu mir nehmen. Und zwar hab ich schon ein ganz bestimmtes im Sinne, das Mädchen heißt Alounvan. Sie hat eine sehr schöne Stimme und da ich selber Barde bin, möchte ich ihr...“ Mit einem fiesen Kichern unterbricht der Vorsteher sein Gegenüber:“Jaja, ich weiß schon....hehe, mit der Kleinen werdet Ihr ziemlich viel Spaß haben...ist ja eine sehr hübsche!“ Alounvan kommt hinter der Ecke, wo sie dem Gespräch gelauscht hatte, hervor und erblickt tatsächlich  Rónáin, den Barden. Gerade kann sie noch den entsetzten Blick auf seinem Geischt erkennen, den die letzte Bemerkung des Vorstehers ausgelöst hat. Dem Elfen scheint allerdings klar zu sein, dass eine Widerrede zwecklos ist und schweigt. „Was für ein Zufall, da ist sie ja gerade!“ der Vorsteher hat das Mädchen zuerst entdeckt „Alounvan, das hier ist ab heute dein neuer Herr, du gehst mit ihm. Und jetzt geh und pack deine Sachen, bis ich mit dem Herr hier das finanzielle geregelt habe“ schnauzt er im Befehlston. Der Barde lächelt ihr zu, was Alounvan flüchtig erwidert. Auf dem Absatz macht sie kehrt und rennt in den Schlafsaal zurück. Wie in Trance packt sie ihre Siebensachen zusammen, sie kann ihr Glück noch gar nicht fassen. Nie im Traum hätte sie daran gedacht, dass jemand sie jemals aus dem furchtbaren Waisenhaus freikauft! Und dann auch noch ein Barde, der ihr alle seine Lieder beibringen wird! Der Himmel auf Erden scheint für die junge Halbelfin wahr zu werden. Kurz hält sie inne: war es vernünftig, mit einem fast wildfremden Menschen mit zu gehen? Wer weiß, kommt sie damit nicht erst in die Höhle des Löwen? Allerdings kann es fast nicht schlimmer werden als hier im Waisenhaus! Und aus einem ihr unerfindlichen Grund hat sie schon bei ihrem ersten Treffen auf dem Marktplatz eine unglaubliche Zuneigung zu dem Elfen gespürt. Ihr Entschluss mit ihm  zu gehen, fühlt sich richtig an...Mit diesem Gedanken im Kopf atmet sie tief durch und geht wieder nach draußen. Dort wartet Rónáin schon auf sie und begrüßt sie erst mal richtig. „Du wunderst dich bestimmt, wie sich das alles so schnell ergeben hat, nicht wahr? Als ich gestern in meinem Zimmer in der Gaststätte saß, kam es mir in den Sinn, dass es in diesen schweren Zeiten, die das Land gerade durchmacht, bestimmt besser ist, wenn man zu zweit unterwegs ist. Und wenn man dann noch so talentierte Gesellschaft was das musizieren betrifft hat, ist das doppelt so gut! Wir beide zusammen geben bestimmt ein erfolgreiches Duo ab! Ich hoffe, es ist so in deinem Sinne.“ grinst der Elf das Mädchen an.  „Danke, danke, danke!“ Alounvan kann in ihrem jugendlichen Übermut nicht anders, als dem Barden um den Hals zu fallen. Etwas zögerlich aber gerührt erwidert der die Umarmung. „Dann laß uns gehen, auf in die weite, nicht ungefährliche Welt!“


Die Zeit, in der Alounvan mit Rónáin auf Wanderschaft ist, ist die schönste Zeit ihres bisherigen Lebens. Der Elf ist der Vater für sie, den sie nie gehabt hat, was sie die schreckliche und einsame Kindheit im Waisenhaus nach und nach vergessen läßt. Mit jedem neuen Lied und jeder neuen Geschichte, die der Barde ihr beibringt, scheint ein Stückchen der schlechten Erinnerungen zu verblassen. Alounvan saugt jede ihr unbekannte Melodie regelrecht in sich auf und trällert fast den ganzen Tag vor sich hin. Rónáin sieht mit Stolz, wie seine Adoptivtochter von Woche zu Woche besser wird und sie ihrer Stimme immer noch schönere Töne und Melodien entlockt.
Natürlich ist ihr Leben jeden Tag von Entbehrungen geprägt. Zu Essen gibt es nicht immer genug und mehrere Male werden sie von patrouillierenden Orks und Goblins abgefangen und das wenige Geld und Essen was sie bei sich haben, wird ihnen abgenommen. Deswegen meiden sie wo es geht, die großen Städte und ziehen lieber durch die kleineren Dörfer. Trotz all dieser Widerwärtigkeiten nennen sie jeden Tag glücklich, an dem sie nur beisammen sein können und gemeinsam musizieren können.
Doch eines Tages geschieht etwas, was Alounvans Leben erneut eine ganz andere Wende gibt.

Auf dem Marktplatz und den an ihn grenzenden Gassen drängen sich die Menschen. Man kann meinen, dass die ganze Welt gekommen ist um an diesem einen Tag den Markt zu besuchen. Ein Vorwärtskommen in der Menschenmasse ist nur möglich, wenn man sich im Strom der Leute, der sich in die gewünschte Richtung bewegt, treiben läßt. Alounvan ist es schon beim Anblick solcher Menschenansammlungen unwohl und sie ist froh, Rónáin an ihrer Seite zu haben. Überall herrscht Lärm und Geschrei: jeder bietet lauthals seine Ware feil, Kühe und Schweine muhen und grunzen ihren neuen Besitzern entgegen, Mütter schreien nach ihren Kindern, die in dem Gedränge schnell  übersehen werden, pöbelnde und brüllende Orks und andere Gestalten drängen sich durch die Menschenmassen.
Der Barde zieht seinen Rucksack ab und hält ihn Alounvan hin:“ Du wartest am besten hier. Ich werde versuchen, auf die andere Seite der Gasse zu kommen. Dort steht der Stand, wo ich mir ein neues Messer kaufen werde. Für unsere Verteidung unterwegs ist das unerlässlich. Ich hoffe, dass ich es wenigstens diesesmal etwas länger behalten werde und nicht schon bei der nächsten  Patrouille durch die Orks wieder hergeben muss, um am Leben zu bleiben.“ Er holt noch schnell den kleinen Lederbeutel mit den wenigen gesparten Geldmünzen aus dem Rucksack. „Paß gut auf den Rucksack auf, lass ihn dir nicht wegnehmen! Hier im Gedränge bis du schneller dein Hab und Gut los als du schauen kannst!“ wendet er sich eindrücklich an das Mädchen. Dann verschwindet er selbst zwischen den vorbeidrängenden Menschen. Das Halbelfenmädchen umklammert fest mit beiden Armen den Rucksack und versucht dem Barden wenigstens mit den Augen zu folgen. Sie steht genau zwischen zwei Ständen, nur ab und zu rempeln sie Leute an. Alounvan reckt und streckt sich um Rónáin nicht aus den Augen zu verlieren, immer wieder blitzt sein Haar und sein Gesicht zwischen den Menschen auf.
Nach einer ganzen Weile schafft es der Elf beinahe durch das Gedränge auf der anderen Straßenseite anzukommen. Alounvan kann kurz einen Blick auf sein Gesicht erhaschen, doch was sie dort sieht, läßt ihr das Blut in den Adern gefrieren:  großer Schreck zeichnet seine schmerzverzerrten Gesichtszüge! Im gleichen Moment kann sie noch ausmachen, wie Rónáin in sich zusammensackt und zwischen den Leuten verschwindet. In Panik stürzt sich das Mädchen in die Menschenmasse ohne jedoch den Rucksack loszulassen. „Laßt mich durch!! Ich muss da rüber!!! Da ist was schlimmes passiert!! So laßt mich doch durch!!!RÒNÀIN, Rónáin, wo bist du?!!!!“ schreit sie verzweifelt die Leute um sich herum an. Doch keiner scheint sich um sie zu kümmern. Die Menschen laufen einfach weiter und drücken und schieben  Alounvan ohne sie zu beachten vor sich her. Anstatt näher zu Rónáin zu kommen, wird die junge Halbelfin mehr und mehr von der Stelle weggetrieben. Wie wild stemmt sie sich mit all ihren Kräften gegen den Strom, aber gegen die von weiter hinten immer nachschiebenden Leuten kommt sie einfach nicht an. Aus ihrer Hilflosigkeit heraus wird ihr Schreien zu einem regelrechten Kreischen, wild versucht sie mit ihren Armen um sich zu schlagen. Tränen kullern ihr die Wangen hinunter und verschleiern ihr die Sicht. Aber niemand denkt auch nur daran ihr zu helfen. Vor lauter Angst,Verzweiflung und Anstrengung wird ihr beinahe schwarz vor Augen. Nach einer Weile fühlt sie plötzlich, wie es um sie herum etwas weniger beengt wird und sie findet sich tatsächlich auf der Straßenseite auf der der Barde auch sein muss, wieder. Dennoch ist sie ein ganzes Stück weiter unten aus der Menschenmenge herausgedrückt worden. Schnell versucht sie sich direkt an den Ständen wieder straßaufwärts durchzuschlagen. Halb laufend, halb kriechend erreicht sie endlich die Stelle, wo sie den Elfen als letztes gesehen hat. Ganz nah dem Stand, wo er ein Messer kaufen wollte, findet sie ihn sitzend an der der Mauer eines Hauses gelehnt, die Augen nur halb geöffnet. Aus mehreren Stichwunden in der Bauchgegend sieht sie Blut fließen, das seine Kleidung schon mit großen Flecken bedeckt.  Mit seinen Händen versucht er sie zu verstecken. Entsetzt stürzt Alounvan zu ihm hin:“Nein!! Was ist nur passiert? Wer hat dir das angetan?? Schnell wir müssen jemanden finden, der dir hilft...“ Matt und so leise, dass ihn das Mädchen beinahe nicht versteht, entgegnet er: „Nein, meine Kleine...ich glaub es ist schon zu spät für mich, mir kann man nicht mehr helfen. Zwei Goblins wollten mir den Geldbeutel stehlen....und als ich ihn nicht hergeben wollte...“ ein Stöhnen entringt sich seiner Kehle „...da hat einer von ihnen mit einem Messer zugestochen....und dann waren sie schon weg mit dem Beutel....Alounvan“ wendet er sich direkt an das Mädchen und schaut sie mit einem milchigen Blick an, „du musst fort von hier, so schnell wie möglich! Versuch dich auf dem Land durchzuschlagen...und denk an alles, was ich dir beigebracht habe....und jetzt geh schnell, bitte....verzeih mir, ich habe dich so lieb, meine...“ Die letzten Worte sind nur noch ein Röcheln, bevor der Elf ganz verstummt und seine Augen  leer vor sich hinstarren. Alounvan ist gelähmt vor Schrecken, sie weiß nicht was sie tun soll. Wie durch einen Schleier bemerkt sie, wie sie ihre Füße weg von dem toten Rónáin tragen, den Rucksack immer noch in festem Griff.

Eine ganze Weile später, weit draußen vor der Stadt läßt der Schockzustand langsam nach und Alounvan kommt nach und nach wieder zur Besinnung. Sie weiß nicht, wie sie hierher gelangt ist. Stolpernd rennt sie in den Wald hinein und läßt sich bald vor lauter Erschöpfung unter einen Baum fallen. Stundenlang weint sie bitterlich ohne sich zu bewegen, der Rucksack ist schon völlig von Tränen durchnäßt.
Tagelang stromert das Mädchen so durch den Wald, immer noch halb betäubt vor Trauer und Schmerz, ihr Leben ist zerstört.
Irgendwann setzt sie sich hin und untersucht schließlich doch den Inhalt von Rónáins Rucksack. Bisher hat sie sich nicht getraut. Aber die Gegenstände im Rucksack sind das einzige, was ihr von ihm geblieben sind. Schweren Herzens und den Tränen schon wieder nahe holt sie neben einem kleinen Beutelchen mit wenigen Münzen, einer Schlafdecke, ein wenig Nahrung , einem Stift auch ein Buch heraus. Das Buch erkennt sie sofort: darin hat der Elf viele Lieder, Geschichten und Gedichte aufgeschrieben. Nebenbei diente es ihm auch als eine Art Tagebuch. Das Mädchen blättert vorsichtig darin herum und überfliegt die Zeilen, bleibt an manchen Absätzen hängen und liest. Plötzlich fällt ihr ihr Name bei einem Eintrag auf.
„Heute habe ich bei meinem Auftritt auf dem Marktplatz ein junges Mädchen, Alounvan, getroffen. Ihr Stimme war wunderbar, wir haben im Duett gesungen. Und dabei hat mich alles an ihr,  ihre Stimme, ihre Art sich zu bewegen, an Loraine erinnert, sie war ihr wie aus dem Gesicht geschnitten! So etwas seltsames hab ich noch nicht erlebt.“
Alouvan liest beim nächsten Eintrag weiter:
„Ich habe etwas schreckliches erfahren!! Ich wollte heute Loraine besuchen, aber sie wohnte dort nicht mehr. Eine alte Nachbarin erzählte mir, dass sie schon vor ungefähr 15  Jahren gestorben war, bei der Geburt ihrer Tochter, die sie Alounvan  nannte!!! Das Mädchen war sofort ins Waisenhaus gekommen, da Lorraine weder einen Ehemann noch direkte Verwandte hatte, die noch lebten. Als sie mir den genauen Geburtsttermin sagte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen! Wie konnte ich Lorraine damals nur verlassen, was habe ich ihr da nur angetan!!! Ich wusste ja nicht, dass sie ein Kind von mir austrägt! Ich war jung und dumm und habe nur an mich gedacht. Meine Freiheit war mir das liebste gewesen. Wie kann ich mir das nur verzeihen? Meine eigene Tochter musste im Waisenhaus aufwachsen, wegen mir!
Ich werde sie da herausholen, gleich morgen! Und versuchen das wieder gutzumachen, was sie in ihrer bisherigen Kindheit erleiden musste.“
Alouvan traut ihren Augen kaum. Was sie da liest, kann nicht wahr sein, es darf nicht wahr sein...sie blättert verwirrt einige Seiten weiter. Ein dicker Kloß bildet sich in ihrer Kehle.
„Ich traue mich nicht es ihr zu sagen, wer ich bin. Aber ich muss es. Sie muss es doch einmal erfahren. Sie ist so wunderbar, so hübsch und klug, und ihre Stimme...meine Tochter!“
Das Mädchen läßt das Buch sinken, sie kann vor Tränen nichts mehr lesen. „Vater....“
 

_Milo_

  • Gast
Alounvan
« Antwort #1 am: 10. März 2005, 14:50:43 »
 muss zwar sagen, dass dies das erste mal ist, dass ich mir so viel text freiwillig durchlese, aber die Geschichte ist wirklich gelungen. War zwar am Anfang bisschen verwundert über die Zeitwahl des Textes, aber als ich mich erstmal eingelesen hatte, war es wirklich eine gute Geschichte!

Susanne

  • Gast
Alounvan
« Antwort #2 am: 10. März 2005, 16:34:21 »
 Schön, dass schon so schnell eine Reaktion auf mein Geschreibsel erfolgt und die Geschichte gut ankommt. Hab mir deinen Tipp zu Herzen genommen und nun doch alles in die Gegenwart umgeändert. Eigentlich hatte ich die Zeiten extra so gewählt (außer einigen kleinen ungewollten Ausrutschern im Text :-) ), aber da ich nun auch von anderer Seite gehört habe, dass der Zeitenwechsel etwas irritierend ist, hab ichs korrigiert.