Autor Thema: al-Jamal Ef'Raein  (Gelesen 1298 mal)

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NeuroDad

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al-Jamal Ef'Raein
« am: 20. März 2005, 11:36:23 »
 Der 3. Char aus unserer Drachenkampanie, diesmal ein Mensch mit ganz besonderen Fähigkeiten.

Lieber Onkel Askham,
Gruesse sende ich Dir mit diesem Brief, aber der Anlass ist
bedauerlicherweise kein erfreulicher. Schreckliche Dinge musste ich
erfahren, die mir beinahe den Verstand geraubt haetten. Ich vertraue
Dir, und deswegen denke ich, dass es das beste ist, wenn Du sie auch
erfaehrst. Ich fange am besten vorne an:

Vater benahm sich recht seltsam in den letzten Wochen. Anstatt die
Tages- und nicht selten auch manche Nachtstunden im Archiv zu
verbringen, wie er es sonst immer tat, war er sehr viel zuhause.
Staendig sah ich ihn durchs Haus gehen, den Inhalt der Schraenke zu
ueberpruefen und Notizen zu machen. Einmal fand ich ihn in der
Bibliothek, wo er jedes der Buecher aus dem Regal genommen hatte und sie
fein saeuberlich auf einen Stapel in der Mitte des Raumes aufhaeufte.
Ueber alles was im Turm geschah, selbst die alltaeglichsten Dinge,
schien Vater penibel Buch zu fuehren. Und du weisst ja wie er ist, als
ich ihn darauf ansprach, stritt er alles ab und tat so, als ob nichts
waere.

Vor etwa 6 Tagen konnte ich eines Abends nicht schlafen, also bin ich
aufgestanden, um mir einen Becher Wasser zu holen. Auf dem Weg zur
Kueche hoerte ich Vater und Mutter in der Bibliothek reden, sie schienen
sich zu streiten. Mutter sagte etwas wie:

"Das ist doch absurd, Jamal. Wie kannst Du mir so etwas unterstellen?"

Vater klang aufgebracht und redete schnell. Aber er war zu leise, als
dass ich ihn haette verstehen koennen, also schlich ich mich zur Tuer,
die einen Spalt offen war. Vater hatte einen Stapel Pergamente in der
Hand, irgendwelche Aufzeichnungen, die er hastig durchblaetterte.

"Shana, ich hab es mit eigenen Augen gesehen. Ich moechte eine
Erklaerung. Wuerde ich es nicht besser wissen, dann..."

Vaters Stimme begann zu vibrieren. So aufgeregt und emotional kannte ich
ihn nicht. Du weisst wie Vater sein kann, manchmal habe ich das Gefuehl,
er hat ein Herz aus Eis und nur seine Nachforschungen im Kopf. Aber da
war er ganz anders. Irgendetwas musste ihn sehr beschaeftigen, und es
musste mit Mutter zu tun haben.

"Ich lasse mich nicht auf diese Weise beschuldigen. Mach dich doch nicht
laecherlich Jamar."

Mutter begann lauter zu werden. Sie sprach von Vertrauen und machte
Vater Vorwuerfe, dass er sich in letzter Zeit nur noch in sein Archiv
zurueckziehe. Ich versuchte, einen weiteren Blick durch den Tuerspalt zu
riskieren. Die beiden stritten weiter, und zuguterletzt schlug Mutter
den Stapel Unterlagen aus Vaters Haende. Die Blaetter flogen durch den
Raum und als Vater begann, Sie eilig wieder einzusammeln, sah ich Mutter
auf die Tuer zukommen. Gerade noch konnte ich mit einem Satz unter die
Treppen springen. Dort im Dunkeln konnte sie mich nicht sehen und ging
an mir vorbei. Sie nahm Ihren Mantel vom Haken und verliess den Turm.
Der Knall der Tuere hallte noch einige Augenblicke nach, die mir wie
Ewigkeiten vorkamen.

Was war nur los mit den beiden? Mutter war in letzter Zeit viel
beschaeftigt. Seit sie in den Magischen Zirkel berufen wurde, war sie
viel unterwegs und selten zuhause. Aber sonst benahm sie sich wie immer.
Und das eigenartige Verhalten von Vater habe ich dir ja beschrieben. Ich
konnte mir keinen Reim auf diesen Streit machen. Was fuer
Anschuldigungen meinte Mutter nur? Und was hatte Vater so aufgebracht?
Einige Tage gruebelte ich darueber nach, doch dann sollte mir einiges
klar werden...

Drei Tage ist es her, als ich mit Ephari unten am alten Markt war. Ich
hatte mich mit ihr zum Essen verabredet, und war schon spaet. Also bin
ich ein Stueck gerannt. Gerade als ich nur noch eine Strassenecke
entfernt war, erblickte ich fluechtig eine vertraute Gestalt in einer
der kleinen Strassen. Ich hielt an und schaute genauer hin. Es war
Mutter. Ich wollte ihr gerade zurufen, als eine merkwuerdige Gestalt
erschien und mit ihr zu sprechen begann. Dieser komische Kerl war ganz
dunkel gekleidet und schaebig und sah nicht gerade wie jemand aus, der
mit einem Mitglied des Magischen Zirkels verkehren duerfte. Ich vergass
Ephari voellig, stand wie gebannt da und versuchte, mich auf das
Gespraech zu konzentrieren. Doch dann viel mir ein, dass es vielleicht
gefaehrlich war, einfach so zu den beiden hinzustarren. Also fasste ich
Mut und wandte den Zauber an, bei dem Du mir damals geholfen hast.
Erinnerst Du dich? Ich waehlte einen Bettler, sprach die Worte und
machte die Geste. So verwandelt hoffte ich, dass Mutter mich nicht
erkennen wuerde. Langsam torkelte ich in die Strasse. Die beiden waren
zu beschaeftigt, warfen mir nur einen fluechtigen Blick zu aber
beachteten mich nicht weiter. Zwar hoerten sie auf zu reden, als ich an
ihnen vorbei ging, aber ich konnte doch erkennen, dass der Kerl einen
Dolch und ein kleines Flaeschchen mit brauner Fluessigkeit in der Hand
hielt.

Zu gern waere ich einfach stehengeblieben, aber ich musste weiter, ging
auf der anderen Seite der Strasse um die Haeuserecke und beendete den
Zauber, als ich sicher war, dass mich niemand sehen konnte. Ich hatte
ein sehr merkwuerdiges Gefuehl bei der Sache, aber wusste nicht, was ich
tun sollte. Ich rannte dann zum Markt und traf mich wie geplant mit
Ephari. Ich erzaehlte ihr von den merkwuerdigen Dingen, die vorgingen.
Sie wusste auch nicht weiter, riet mir aber, Mutter nicht darauf
anzusprechen. Sie wollte sich aber etwas ueberlegen, sagte sie. Sie kann
so suess sein manchmal.

Gestern abend kam ich spaet nach Hause. Ich sprach das Schluesselwort,
oeffnete die Tuer und ging die Treppen hinauf. Es war so still im Turm,
dabei war es schon beinahe Essenszeit. Auf dem Kuechentisch fand ich
eine Nachricht von Mutter:

"al-Jamal, ich habe ein wichtiges Treffen mit dem Zirkel heute abend.
Ich werde spaeter nach Hause kommen. Vater weiss bescheid, er wird etwas
zu Essen zubereiten. Kuss, Mutter."

Auf der Rueckseite war die Einkaufsliste fuer diese Woche notiert.
Natuerlich war nichts davon eingekauft bisher. Ich steckte die Liste ein
und nahm mir vor, spaeter noch zum Markt zu gehn.

Ich lief in Vaters Arbeitsraum. Er war leer. Ich rief ein paar mal nach
ihm, aber niemand antwortete. Dann suchte ich in den anderen Zimmern,
aber niemand war zuhause. Ich vermutete, dass er noch im Archiv
arbeitete, und die Zeit vergessen hatte. Es waere nicht das erste Mal
gewesen. Ich weiss nicht mehr genau warum, aber ich hielt es fuer eine
gute Idee, ihn im Archiv zu besuchen. Also rannte ich rasch die Strassen
hinunter zum Arkanen Tempel. Viko sass vorne am Empfang, er erkannte
mich gleich, ich hab ja schoen oefter fuer Vater ein paar Erledigungen
gemacht. Zu meiner Verwunderung teilte er mir mit, dass Vater vor 2
Stunden bereits nach Hause sei. Merkwuerdig. Unterwegs bin ich ihm auch
nicht begegnet. Ich ging zurueck zum Turm und die Treppen hinauf in mein
Zimmer. Ich wartete eine weitere halbe Stunde, aber Vater wollte nicht
auftauchen. Dann kam mir eine Idee; im Nachhinein wuenschte ich, ich
haette nie daran gedacht. Aber die Neugier trieb mich in Mutters
Arbeitskammer. Vorsichtig betrat ich den Raum, der mit Schriftrollen,
Buechern und Traenken vollgestellt war, um keine Spuren zu hinterlassen.
Mutter mochte es gar nicht, wenn man ihr Zimmer betrat. Sie sagte immer,
dass alles genau so angeordnet waere, wie sie es benoetige. Und
Unordnung koenne sie sich nicht leisten. Ich schlich zum Schreibtisch,
in der Hoffnung, dort einige Antworten zu finden. Einige Briefe lagen in
der Ablage, aber nichts, was mir haette weiterhelfen koennen. Die
Schublade war verschlossen, und mit Gewalt wollte ich sie nicht oeffnen.
Auch in den Schraenken fand ich nichts auffaelliges, die Buecher standen
schon immer da, und mit Titeln wie "Beschwoerung und arkane
Transformationen" oder "Der grosse Ebenenatlas" konnte ich nichts
anfangen. Ich wollte den Raum schon wieder verlassen, da viel mir eine
Luecke auf im Buecherregal. Ein Buch schien zu fehlen, und als ich mir
die Stelle genauer anschaute, bemerkte ich, dass kein Staub auf dem Holz
lag. Es musste also erst kuerzlich herausgenommen worden sein. Ich griff
in die Luecke, und stiess gegen die hintere Regalwand. Doch sie schien
nicht so tief, wie der Rest des Regals, und als ich etwas fester
drueckte, muss ich wohl einen Mechanismus betaetigt haben. Eine ganze
Reihe Buecher verschwand ploetzlich neben mir und tat ein Fach auf mit
einer kleinen Klappe. Aufgeregt oeffnete ich die Klappe, und fand darin
2 Briefe und eine kleine Flasche. Zuerst bemerkte ich es nicht, doch
dann viel es mir wieder ein. Dieses kleine Flaeschchen hatte ich schon
einmal gesehen, es war die Flasche, die der merkwuerdige Typ in der
dunklen Strasse meiner Mutter gegeben hatte. Sie war zur Haelfte leer.
Ich nahm Briefe und Flasche heraus, schloss das Fach wieder und ging
zurueck in mein Zimmer.

Magisch war die Fluessigkeit nicht, aber mehr konnte ich zuhause nicht
darueber herausfinden. Die Briefe waren in einer seltsamen Sprache, die
ich nicht kenne. Beides packte ich in meinen Rucksack, und dann ging ich
hungrig zu Bett. Kein Auge hab ich letzte Nacht zu getan, und weder
Vater noch Mutter sind nach Hause gekommen. Heute morgen ging ich dann
wie gewohnt zur Schule, aber in der Pause suchte ich meinen
Alchemieprofessor auf und fragte ihn, ob er mir bei der Identifizierung
der Fluessigkeit helfen koennte. Ich war ein guter Schueler in seinem
Fach, und er versprach mir, nach dem Mittagessen, einige Tests zu machen.

Nach dem Essen ging ich wieder zu ihm. Askham, jetzt stell dir vor, was
in der Glasphiole war. Ein sehr starkes Gift, mein Professor war sehr
besorgt als er mir davon erzaehlte:

"Mit so etwas spielt man nicht, al-Jamal! Wo hast du das her?"

Ich konnte ihm nicht antworten, entsetzt starrte ich ihn an, und dann
lief ich weg. Ich traute mich nicht mehr nach Hause, Onkel Askham. Was
hatte Mutter mit dem Gift getan? Und wo war Vater nur? Ich ging dann
noch einmal beim Archiv vorbei, aber da wusste man nichts von Vater. Ich
habe wirklich Angst um ihm. Glaubst du, Mutter koennte ihn vergiftet
haben? Ich treffe mich nachher mit Viko, er hat mir versprochen, einen
Blick auf die Briefe zu werfen, die ich in Mutters geheimem Fach
gefunden habe. Vielleicht bringen die etwas Licht in dieses merkwuerdige
Raetsel. Ich traue mich kaum, es auszusprechen, aber ich glaube, Vater
ist etwas schreckliches passiert... Ich habe ein sehr ungutes Gefuehl.
Onkel Askham, ich werde heute nicht nach Hause gehn. Bitte hilf mir, ich
weiss nicht, an wen ich mich noch wenden soll. Du kannst mich ueber
Ephari erreichen. Dieser Wahnsinn muss ein Ende nehmen!

Gezeichnet, al-Jamal Ef'Raein.


http://forum.dnd-gate.de/index.php?act=ST&f=5&t=5262' target='_blank'>Link zur zugehörigen StoryHour

http://www.gamesquare.de/dndcap/files/Raein.html' target='_blank'>Link zum Charbogen




 

yennico

  • Mitglied
al-Jamal Ef'Raein
« Antwort #1 am: 03. August 2006, 18:17:00 »
Diese Hintergrundsgeschichte finde ich interessant. Da der Eintrag schon älter ist, dürfte die Campaign wahrscheinlich schon zu Ende sein. Ich würde gerne wissen, ob in der Campaign etwas weiteres bezüglich des Vaters und der Mutter herausgekommen ist. Ob die Wahrheit ans Licht kam?
Ist herausgekommen was mit dem Vater passiert ist?
Wurde er von der Mutter vergiftet oder ist er nur geflohen wegen der Mutter oder aus einen anderen Grund? Wurde er einfach nur gekidnappt?
War die Mutter eine Giftmörderin? Welcher "Organisation" gehörte sie an?