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Autor Thema: Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht  (Gelesen 22368 mal)

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Berandor

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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« am: 21. Juli 2005, 10:15:30 »
 So, nachdem ich die Ankündigung schon gemacht habe, hier also der neue Story-Hour-Thread.

Vielleicht mache ich doch etwas eher weiter, als gedacht. Mal sehen... ;)

Achtung für Leser:
Für jeden Kommentar, den ihr macht, habt ihr einen Beitrag von mir in einem Thema eurer Wahl frei, mindestens so lang wie der Kommentar. Ich garantiere aber nicht, den ganzen Thread zu lesen (falls ihr mich in die Endphase eines Gesinnungsthreads lotsen wollt :P)
Außerdem erhält der Urheber eines von mir ausgewählten Kommentars eine Gastrolle in der Story Hour! Ich urteile nach Qualität und Schmeichelei :)

Ansonsten gilt wie immer:
Bitte postet Fragen, die relevante und den Spielern unbekannte Informationen beinhalten, als SPOILER. Bitte postet keine Informationen, die größere Zusammenhänge beleuchten oder spätere Entdeckungen vorwegnehmen. Solche Fragen könnt ihr mir per PM oder E-Mail stellen.

Download-Links:
http://www.p-pricken.de/pdf/basardeslebens.pdf' target='_blank'>Basar des Lebens (Teil I)
http://www.p-pricken.de/pdf/flutzeit.pdf' target='_blank'>Flutzeit (Teil II)
Beide Dateien enthälten zusätzliche Extras wie z.B. Handout.

Und jetzt einfach mal eine Frage an die Leser: Wer ist "der Schatten", den wir im Epilog von "Flutzeit" sehen konnten? Eine bekannte Figur? Jemand Neues?
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

Lich

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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #1 am: 21. Juli 2005, 11:19:52 »
 Respekt, wirklich ausführlich dargestellt (vielleicht zu viel Zeit  :D ?). Klasse, insbesondere als Erinnerung für die Spieler.
Liches are cold, scheming creatures that hunger for ever
greater power, long-forgotten knowledge, and the most terrible of arcane secrets. (MM 4Ed)
-4E is D&D for people who don't like D&D /A4L-Member

Kylearan

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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #2 am: 21. Juli 2005, 11:24:00 »
 Kann es sein, dass die Links kaputt sind, weil ein unvollständiges schließendes URL-Tag angehängt ist?

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #3 am: 21. Juli 2005, 11:25:50 »
 *flöt*

 :rolleyes:  
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Xiam

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  • Mörder der 4E
Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #4 am: 21. Juli 2005, 11:27:45 »
 Nun hast du hinter .pdf die eckige Klammer vergessen :D

EDIT: Respekt, Berandor, ich habe den ersten Teil zwar gerade nur überflogen, aber das sieht echt gut aus. Ich darf mir das leider nicht genauer anschauen, weil ich den Adventure Path ebenfalls gerade bei Horrorking spiele, aber sobald das durch ist, mach ich das auf alle Fälle.
1984 was not supposed to be an instruction manual.

Berandor

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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #5 am: 21. Juli 2005, 11:44:28 »
 And I would have gotten away with it, too, if not for those meddling kids!
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Sensemann

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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #6 am: 22. Juli 2005, 01:16:45 »
 Am Besten hat mir noch das selbst gemachte Intro-Video für den Anfang gefallen.*dicker Respekt*
Finde die Nacherzählung sehr umfangreich,deshalb kommt es leider vor,dass ich anfange es zu überfliegen... Ansonsten ist es aber ein Muss!

Berandor

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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #7 am: 22. Juli 2005, 07:39:29 »
Zitat von: "Sensemann"
Am Besten hat mir noch das selbst gemachte Intro-Video für den Anfang gefallen.*dicker Respekt*
Finde die Nacherzählung sehr umfangreich,deshalb kommt es leider vor,dass ich anfange es zu überfliegen... Ansonsten ist es aber ein Muss!
Oh je. Muss ich jetzt wieder einen Flash-Film machen? :D
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Xiam

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  • Mörder der 4E
Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #8 am: 22. Juli 2005, 08:28:15 »
Zitat von: "Berandor"
Zitat von: "Sensemann"
Am Besten hat mir noch das selbst gemachte Intro-Video für den Anfang gefallen.*dicker Respekt*
Finde die Nacherzählung sehr umfangreich,deshalb kommt es leider vor,dass ich anfange es zu überfliegen... Ansonsten ist es aber ein Muss!
Oh je. Muss ich jetzt wieder einen Flash-Film machen? :D
Ja, auf alle Fälle. Dachtest du, du kommst uns so einfach davon? ;)
1984 was not supposed to be an instruction manual.

Dirim

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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #9 am: 22. Juli 2005, 08:57:44 »
 so einen kleinen Film mal wieder.

Ja. gerne. unbedingt.

Nagakeng

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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #10 am: 22. Juli 2005, 22:14:26 »
 
Zitat
Achtung für Leser:
Für jeden Kommentar, den ihr macht, habt ihr einen Beitrag von mir in einem Thema eurer Wahl frei, mindestens so lang wie der Kommentar. Ich garantiere aber nicht, den ganzen Thread zu lesen (falls ihr mich in die Endphase eines Gesinnungsthreads lotsen wollt )
Außerdem erhält der Urheber eines von mir ausgewählten Kommentars eine Gastrolle in der Story Hour! Ich urteile nach Qualität und Schmeichelei

Jetzt fängt der Berandor etwa noch mit Beitrags-Fishing an und greift zu allerlei unmoralisch erlaubten Tricks, tststs... :lol:

Im Übrigen:
Auch bei mir geht der Link nicht gescheid. Muss da jetzt noch eine eckige Klammer hin, wie Xiam sagt? :blink:  

Hedian

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    • www.rosenranken.org
Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #11 am: 22. Juli 2005, 23:21:27 »
 Das hatte Berandor inzwischen behoben, evtl. hat dein Browser dieses Thema aus dem Cache geladen gehabt, dann sollte es jetzt funktionieren.

Berandor

  • Mitglied
  • Verrückter Narr
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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #12 am: 23. Juli 2005, 00:11:40 »
Zitat von: "Nagakeng"
Zitat
Achtung für Leser:
Für jeden Kommentar, den ihr macht, habt ihr einen Beitrag von mir in einem Thema eurer Wahl frei, mindestens so lang wie der Kommentar. Ich garantiere aber nicht, den ganzen Thread zu lesen (falls ihr mich in die Endphase eines Gesinnungsthreads lotsen wollt )
Außerdem erhält der Urheber eines von mir ausgewählten Kommentars eine Gastrolle in der Story Hour! Ich urteile nach Qualität und Schmeichelei

Jetzt fängt der Berandor etwa noch mit Beitrags-Fishing an und greift zu allerlei unmoralisch erlaubten Tricks, tststs... :lol:

Im Übrigen:
Auch bei mir geht der Link nicht gescheid. Muss da jetzt noch eine eckige Klammer hin, wie Xiam sagt? :blink:
Der Link zur Story Hour ist zur Not auch auf meiner Seite zu finden.

Und was das "fishing for comments" betrifft, finde ich, lebt eine Story Hour auch von den Leserkommentaren.

Die PDF-Fassung ist zwar schön und gut, aber die Sache ist ja so gedacht, dass man immer Stück für Stück liest.
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Berandor

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  • Verrückter Narr
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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #13 am: 24. Juli 2005, 14:11:53 »
 Prolog: 1364 TZ

Derkan Splitterschild sah zu Zenith herüber. Der Anblick seines Großneffen väterlicherseits, seines Anführers und Generals gab ihm Mut. Und Mut war im Augenblick Mangelware.

Voller Zuversicht waren sie aus der Malachitfeste losgezogen, hatten nur eine Notbesatzung zurück gelassen. Das Böse zu vernichten, die Dunkelheit zu vertreiben und den Ruhm des Splitterschildclans zu vermehren. Zenith Splitterschild hatte zu ihnen gesprochen, bevor sie aufbrachen.

»Freunde, Clansbrüder, Kriegsgefährten«, hatte er gesagt, und alle hatten gespannt zugehört, »wir reisen ins Unterreich, um mit der Schneide unseres Glaubens eine Kerbe der Gerechtigkeit in diesen Pfuhl des Bösen zu schlagen. Wir brechen auf, um der Nacht Einhalt zu gebieten, die  unaufhaltsam in die Knochen Cauldrons zieht. Wir bringen Verdammnis über jene, die unser Ende wünschen.« Jubel hatte diese Worte begleitet, als zweihundert Zwerge ihre Waffen gegen ihre Schilde schlugen. Es war eine große Streitmacht, denn Zeniths Vorhaben hatte getreue Kämpen aus der ganzen Region angezogen.

»Aber glaubt nicht, dass es einfach würde«, war Zenith fortgefahren. «Von jenen, die  heute losziehen, werden viele im Dienste Moradins ihr Leben lassen. Seid euch sicher, dass ihr bereit seid, euer Leben mit der höchsten Ehre zu versehen, dem Tod in der Schlacht. Wenn ihr es nicht seid, bleibt daheim, oder kehrt nach Hause zurück. Lieber reiste ich mit  einer Handvoll treuer Äxte, als eine Kompanie furchtsamer Kinder anzuführen. Also sprecht auf, wenn ihr des Zweifels seid.« Zenith sagte dies nur der Form halber. Unter seinen Äxten gab es niemand, der an der Queste zweifelte. Niemand, der auch nur daran dachte, nicht mitzukommen. Niemand, der Zenith nicht sein Leben anvertraute.

»Gut«, sagte Zenith, als es still blieb. Denn unser Weg führt uns nicht nur ins Unterreich, sondern geradewegs in die Lieder der Clans. Und in diesen Heldenliedern ist kein Platz für Feiglinge!« Wieder schlugen alle Zwerge ihre Waffen gegen ihre Schilde. »Skalden, tretet vor!«, rief Zenith dann. »Lasst eure Hörner erklingen, lasst eure Trommeln erschallen. Kündet dem Unterreich von unserer Ankunft. Kündet ihm von seinem Ende!«

Und Derkan war mit seinen Spielbrüdern vorgetreten, und sie hatten ihre Hörner und Trommeln gespielt, und unter großem Lärm hatten sie die Malachitfeste verlassen.
Und es war gut gewesen. Schon am zweiten Tag waren sie auf eine Patrouille Dunkelelfen gestoßen und hatten sie zermalmt. Die folgenden Tage und Wochen war der Stoßtrupp von Sieg zu Sieg geeilt, und kaum ein Zwerg trug Blessuren davon. Es war, als halte Clangeddin persönlich seine Hand über Zenith Splitterschild und seiner Queste, und Derkan fühlte sich unbesiegbar.

-

Dann kamen die  Vallorianer. Einer der Späher hatte von ihrer Siedlung berichtet, von einer Handvoll von Hütten am Rande eines Abgrundes. Zenith hatte einen Überraschungsangriff angeführt, und tatsächlich fielen die ersten der milchhäutigen Vallorianer wie die Fliegen. Dann hatte sich eine Abwehr formiert, und die Schlacht wurde blutig. Mit ihrer verruchten Magie, ihren lebenden Waffen und ihren Konstruktsöldnern schlugen die Vallorianer eine Bresche in den Trupp der Zwerge. Am Ende trug Zenith Splitterschild den Sieg davon, und nur einem Vallorianer gelang die Flucht, aber die Queste hatte ihr erstes Kopfgeld gefordert.

Ein paar Tage später rangen die Splitterschilde einen alten Tiefendrachen nieder, der sich nahe einer heißen Quelle niedergelassen hatte. Wieder blieben die Zwerge siegreich, aber nun waren nur mehr hundert Äxte am Leben. Und Zenith führte sie immer tiefer ins Unterreich.

Dann berichtete einer der Späher von einer Handvoll niederer Teufel in der Nähe. Zenith hatte gerade den Schlachtplan ausgeheckt, als die Zwerge entdeckt wurden. Aus dem Nichts kamen gehörnte Teufel, Eisteufel und andere Schrecken. Die Vorhut wurde aufgerieben. Derkan hatte immer noch die Schreie in den Ohren. Zenith hatte notgedrungen den Rückzug befohlen, der dann eher einer Flucht glich. Die Zwerge hasteten durch die Gänge und Höhlen des Unterreiches, unermüdlich, aber ebenso unermüdlich verfolgt von einer Jägerin der Dämonen, einer Erinyes.

Sie marschierten einen Tag, eine Nacht und noch einen Tag. Wann immer sie Halt machten, kamen die brennenden Pfeile der Erinyes aus der Dunkelheit und forderten ein Opfer. Schließlich hatte Zenith genug.

»Wir stehen unseren Grund! Lasst uns siegen, oder sterben. Sprecht mit mir das Clansmotto!« Und gemeinsam hatten sie gesprochen: »Niemals aufgeben, niemals kapitulieren!«

Dann waren die Fischwesen plötzlich da. Kuo-Toa, nannte man sie. Sie warfen Netze, und sie führten klebrige Schilde, und bald waren die Zwerge tot, gefangen oder entwaffnet. Und dann hatten sie aufgegeben. Und dann hatten sie kapituliert.

-

Jetzt standen sie in der Thronhalle der Kuo-Toa. Derkan sah sich um. Sie waren noch neunzehn Äxte. Sie waren verwundet, geschlagen. Wieder sah er zu Zenith herüber. Der General stand aufrecht, mit geradem Blick, selbstbewusst. Wenn es eine Möglichkeit gab, zu überleben, würde er sie finden. Wenn sie sterben müssten, würde er vorausgehen und ihrem Tod Ehre geben.

Etwa fünfzig Kuo-Toa drängten sich im Raum. Die kleine Statue einer nackten Frau mit Hummerscheren und –kopf stand neben dem Thron, auf der anderen Seite flüsterte ein mit Korallen geschmückter Kuo-Toa mit  dem König. Dieser war ein massiver Fischmensch mit einer seltsamen Krone auf dem Kopf, einem schiefen Gebilde aus Knochen und Muscheln.

Ebenfalls im Raum war die Erinyes. Die Kuo-Toa hatten auch sie gefangen, wie es schien, doch trug sie keine Ketten. Der König unterhielt sich mit der Teufelin in einer Sprache, die Derkan nicht verstand. Dann verbeugten sich die beiden voreinander, und die Erinyes verließ den Raum, flankiert von vier Soldaten und gefolgt von dem korallengeschmückten Fischmensch.

»Und nun zu euch«, sagte der König in erstaunlich guter Gemeinsprache.
Zenith trat vor. »Siehe, die Nacht wird kommen und dich verschlingen. Du wirst in der Dunkelheit winseln und fallen, und dein Körper wird zu Staub werden.«

Der König lachte. Er packte Zenith und schlug ihm mehrmals in den Magen, so schnell, dass Derkan die Schläge nicht sehen konnte. Dann zwang er Zeniths Kopf herum, um seine Männer anzusehen. Derkan blickte zu seinem Anführer, aber in seinen Augen fand er keinen Mut. Was er dort sah, machte ihm vielmehr Angst.
Der König gab seinen Soldaten einen Befehl, und dann beugte er sich zu Zenith herab.

»Sieh zu. Und dann überlege ich, was ich mit dir mache.«

Derkan hatte den Befehl an die Kuo-Toa nicht verstanden, aber ihre Reaktion war klar genug. Sie machten ihre Waffen bereit und näherten sich den gefesselten Zwergen. Derkan hörte Zenith sprechen. Er wiederholte seine Prophezeiung über den Tod des Königs. Dann hoben die Soldaten ihre Speere und stachen zu. Der König lachte. Derkan spürte den feurigen Schmerz kalten Stahls, der sich in seinen Körper bohrte. Dann wurde es schwarz um ihn.
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Berandor

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Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
« Antwort #14 am: 26. Juli 2005, 20:43:45 »
 Seine Gefährten lagen vor ihm, dahinter der grinsende Dämon. Horas packte seinen Stab fester, dann begann er mit einem Zauber. Der Dämon kämpfte mit  List und Kraft, mit giftigen Dornen und Zauberei, doch jeder Angriff versagte vor den Schutzfeldern, die um den Magier lagen. Ruhig sprach Horas seinen Zauber zu Ende und schickte den Dämon in die  Hölle zurück, aus  der er  gekommen.

Während er Heiltränke unter den Gefährten verteilte, überlegte Horas schon, wie ihre Kampftaktik zu verbessern wäre.
– Klar wie ein Safir, Erzählungen aus den Reichen, 1362 TZ


Feuer, Wasser, Erde  - Angst

Es waren ruhige Tage in Cauldron. Helion verbrachte einige Zeit mit der Transskription von Zaubern aus den Notizen von Horas Lutharia. Einer hatte es ihm besonders angetan, ein Zauber, mit dem Safir in den Schätzen Tethyrs Kräfte geweckt hatte; Kräfte, die in ihrem Blut schlummerten. Je nach Stärke des Rezipienten waren diese Kräfte mehr oder weniger mächtig, und nun brannte er darauf, diesen Zauber bei seinen Gefährten auszuprobieren.

Er selbst war jedoch das erste „Opfer“. Als der Zauber seine Wirkung tat, spürte Helion nur, dass seine Zauber etwas präsenter geworden waren, schwerer zu bannen.  Thargad fühlte sich sprungbereit, schneller als sonst, wenn auch nicht geschickter. Und Boras schließlich fühlte Zorn in sie aufsteigen, den Drang, in Berserkerwut zu gehen.

Bevor  Helion den Zauber an den letzten beiden Kettenbrechern ausprobieren konnte, geschahen zwei Dinge: Zunächst kamen die Steuereintreiber und for-derten ihr Teil. Derart um Tausende von Goldmünzen erleichtert schleppten Bo-ras und Thargad Helion in die Stadt hinaus. Sie wollten ihre bei Gurnezarns Schmiede in Auftrag gegebenen Rüstungen abholen, und im Zuge dessen dem Magier die Gelegenheit geben, die letzten schönen Herbsttage zu erleben.

Auf den Straßen Cauldrons herrschte eine leichte Unzufriedenheit; direkt nach dem Flutfest waren die Steuern erhöht worden, um die Kosten für die Magische Gefahrenabwehr (MGA) und die neuen Söldner abzudecken. Die angeworbenen Söldner sollten dieser Tage eintreffen; ein erster Eingreiftrupp der MGA war bereits gesichtet wurden. Die Zauberer trugen schwarze Roben aus schwerem Stoff mit dem brennenden Auge Cauldrons auf der Brust.

Thargad wurde gerade von Helion auf einen Obststand aufmerksam gemacht, der am Straßenrand stand – Helion hielt vorsichtshalber in Thargads Haaren Ausschau nach ein paar Kirschen -, als ihm die Unruhe auffiel, die in der Bevölkerung um sich gegriffen hatte. Die Passanten sahen sich gehetzt um, Schweiß stand ihnen auf der Stirn, und Kinder begannen zu schreien.

Thargad zog seine beiden Kurzschwerter, und die Welt bebte. Plötzlich flog das Lagerhaus, an dem die Kettenbrecher gerade vorbei gehen wollten, auseinander. Steinbrocken schossen durch die Allee und trafen andere Häuser, Fensterscheiben und Passanten. Flammen schossen aus dem Lagerhaus empor, Staub breitete sich wie eine bösartige Qualle auf der Straße aus. Dann folgte Stille, wie ein gewaltiger und gemeinsamer Atemzug. Aus dem zerstörten Lagerhaus schwebten fünf Gestalten in schwarzer Robe, das Gesicht unter der Kapuze verborgen, die  Hände blutleere Klauen. Mit ihnen kam die Angst, und das Geschrei begann.

Menschenmassen drängten sich an den Kettenbrechern vorbei, weg, nur weg von den Roben. Der Obsthändler, auf den Helion gerade noch hingewiesen hatte, versuchte verzweifelt, seinen Karren zu retten. Die Roben verharrten in der Luft, und dann stoben sie in alle Himmelsrichtungen davon.

»Die packen wir uns!«, rief Boras und deutete auf die nächste Robe. Er zog die Axt und stürmte auf das Wesen zu. Eine unsichtbare Grenze zog sich um das Wesen herum. Als Boras sie überschritt, fühlte er sich wie in Jzadirune, kurz be-vor  der Grell ihm den Schnabel in den Körper rammte. Furcht überkam ihn. Er biss die  Zähne zusammen und kämpfte dagegen an, aber ganz konnte er sie nicht vertreiben, und sein erster Schlag ging fehl.

Helion nahm sich einen Moment, um das Wesen genauer zu betrachten. Es han-delte sich um ein Abstraktes Elementar, in diesem Falle ein Elementar der Furcht. Nicht besonders angriffsstark, aber ein Garant für Chaos und mit den üblichen Resistenzen versehen.

»Incendere!« Ein Feuerstrahl schoss aus seinen Fingern und traf das Elementar auf der Brust, doch die Flammen erstarben im selben Moment, wie sie auf die Robe trafen.

Thargad hatte inzwischen ebenfalls die Distanz zu dem Elementar überwunden, konnte der Furchtaura aber besser widerstehen. Seine Klingen drangen tief in den Körper des Wesens ein, jedoch war der Schaden nur gering.

Das Elementar neigte den Kopf und sah Boras an. Es schob die Hände unter die Kapuze und lüftete sie ein Stück. Was genau Boras sah, bleibt sein Geheimnis, jedoch war es furchtbar und grausam in allen Weisen, wie Furchtbares und Grausames existiert. Boras fühlte, wie seine Glieder erstarrten, dem Kaninchen vor der Schlange gleich.

»Nein!«, schrie der Barbar und ließ seinem Zorn freien Lauf. Mit einem Axt-schwung durchtrennte er den Einfluss des Wesens, mit einem zweiten versetzte er der Kreatur einen Schlag.

Ein Trupp Stadtwachen kam angelaufen und formierte sich zum Angriff, jedoch konnten sie sich dem Wesen nicht mehr als dreißig Schritt nähern, so groß war die Furcht. Mit einem Fluch wandten sie sich den Flüchtenden zu, um zumindest dort für Ruhe zu sorgen.

Helion konzentrierte sich. »Arcanex!« Vier silbrige Kugeln blitzten durch die Luft, prallten auf das Wesen, und diesmal überwanden sie die Zauberresistenz. Das Elementar waberte kurz, dann explodierte es in einem Regen aus schwarzen Stofffetzen.

Ein zweites Elementar schwebte auf den Obsthändler zu. Der Karren kam nur langsam voran. Thargad überlegte, ob er dem Händler helfen sollte, als sein Blick auf ein offenes Fenster fiel. Eine junge Frau trat an die Öffnung, einen Säugling in der Hand. Sie erblickte das Elementar und schrak zurück. Das Kind fiel ihr aus der Hand und blieb auf dem Fenstersims liegen, gefährlich schwankend. Thargad rannte los.
Das Kind strampelte in seiner Wolldecke. Schon war es am Rand des Fenstersimses angelangt, gleich kippte es hinüber, fiel zu Boden, fiel – direkt in die offenen Arme des Schurken. Mit einem Gefühl der Erleichterung trug Thargad das Kind ins Haus zurück.

Helion schwebte inzwischen über den Dächern. In der Entfernung sah er weitere Gefechte, flüchtende Massen. An einer Stelle meinte er die Sturmklingen kämpfen zu sehen, an einem anderen Ort schlugen magische Geschosse in ein weiteres Elementar ein. Die Magische Gefahrenabwehr näherte sich den Wesen auch nicht, aber ihre Distanzwaffen schienen durchschlagend genug. Helion wandte sich wieder dem Kampfgeschehen zu. Boras kämpfte gegen das letzte Elementar, das gerade dem Obsthändler eine schwere Wunde zufügte.

»Sanguine Vivere!«, sprach er seinen neuen Zauber.

Boras fühlte, wie konzentrierte Wut in seine Muskeln drang, ihm neue Kraft spendete. Ein kurzer Blick zu Helion, dann holte er aus machte sich zum Todes-stoß bereit. Das Elementar beachtete den Barbaren nicht, sondern sah den Obsthändler an. Vor Boras Augen verzerrte sich die Gestalt des Mannes, zog sich in die Länge, bekam Klauen, Hörner, Spitzen, Zacken, und bestimmt auch einen Schweif, kurz: ein Monster stand vor Boras. Das Elementar war vergessen, und mit einem gewaltigen Hieb spaltete der Barbar den neuen Gegner, erst nach der Tat die Täuschung erkennend, als die Reste des Obsthändlers zu Boden fielen.

Thargad stürmte heran, bot dem Elementar ein weiteres Ziel, fuchtelte mit sei-nen Schwertern herum, um dessen Deckung zu gefährden. Boras legte nun alle Kraft in seinen Schlag. Ihm war egal, was er treffen würde, ob das Wesen, den Karren oder die Straße – dieser Schlag würde spalten, was ihm in die Quere kam. Er traf das Elementar. Kurz darauf regnete es Stofffetzen.

Stille legte sich über den Platz. Dann drang leises Husten, Schmerzensschreie und Gemurmel hervor, als die Cauldroniten die Zerstörung begutachteten. Das Lagerhaus stand nur noch an zwei Seiten, und Trümmer lagen überall, hatten weitere Häuser beschädigt und Opfer gefordert. Gleich kamen Wachen heran, sperrten das Gelände ab. Thargad  und Boras betraten das Lagerhaus, während Helion sich aufmachte, auch an den anderen Orten nach dem Rechten zu sehen.

Die MGA hatten ein Elementar erledigt; an anderer Stelle ließen sich die Sturm-klingen gerade für den Sieg über zwei weitere feiern. Annah Taskerhill sah Helion entgegen, als er anschwebte.

»Was ist in letzter Zeit eigentlich los?«, fragte sie ihn.

»Keine Ahnung. Aber ist doch komisch, dass die MGA direkt ihren Wert beweisen konnte, und noch dazu so schnell am Ort des Geschehens war.«

»Was soll das heißen?«

»Noch gar nichts. Aber dennoch...«

»Ihr habt jedenfalls Recht. Irgendetwas geht in Cauldron vor, und es ist nichts Gutes. Wir werden die Augen offen halten.«

»Wir ebenso. Und jetzt lasst euch noch schön feiern.«

Annah grinste unverschämt. »Immerhin haben wir zwei der Viecher erledigt.«

Helion dachte an den Obsthändler. »Wir drei.« Und er schwebte davon.

-

Im Lagerhaus hatte Thargad die Überreste eines Beschwörungszirkels entdeckt. Boras hielt Wache, während der Schurke seinen Fund Helion präsentierte.

»Eine Herbeirufung«, sagte der Magier. »Nicht nur beschworen. Die Elementare waren wirklich hier. Aber die Macht des Zaubers ist in etwa so  hoch wie der Zauber, der den Hai beschwor. Mir scheint, da steckt dieselbe Person dahinter.«

»Weer?«, fragte Thargad.

»Keine Ahnung.«

»Nein, ich meine: Vortimax Weer?«

Helion zuckte mit den Schultern. »Ich wüsste nicht, warum, aber ich kann es auch nicht ausschließen.« Er straffte sich. »Na los. Holen wir eure Rüstungen ab.«

-

Die Rüstungen waren in feinster Qualität gearbeitet. Boras hatte sich einen Ket-tenpanzer genommen, Thargad ein Kettenhemd aus Zwergenstahl. Sowohl die stählernen als auch die Kettenringe aus Mithril waren von Kristalladern durchzogen und umwuchert, hatten neue Stärke und zusätzlichen Schutz gewonnen.

Der stämmige Zwerg betrachtete die Rüstungen stolz. »Und vergesst nicht«, sagte er, »ich kann sie euch auch verzaubern, wenn ihr wollt.«

Die Kettenbrecher bedankten sich und machten sich auf den Weg zum Tempel. Thargad setzte sich ab, um sich ein wenig umzuhören und gleichzeitig Vortimax Weer einen Besuch abzustatten.

Thargad hatte die letzten Abende damit verbracht, das Anwesen von Ophelia Knowlern zu bewachen. Etwa gegen Mitternacht hatte sich die Hintertür geöffnet, und eine unsichtbare Person hatte das Anwesen verlassen. Thargad hatte sich sogar eingeschlichen. Die Hintertür führte in die Küche, an einer schnarchenden und schwangeren Köchin vorbei, und in die Eingangshalle. Diese war jedoch mit Fackeln erhellt und Marmor gefliest. Am Kopf der großen Treppe patrouillierte eine Wache. Ohne Magie gab es dort kein Vorbeikommen. Und so hatte Thargad bei Vortimax Weer einen Unsichtbarkeitstrank bestellt, den er nun abholte.

Die Gerüchte über das Geschehen waren zahlreich. Die meisten bezogen sich auf den Inhaber des Lagerhauses, den Händler Maavu, der jedoch momentan unauffindbar schien. Ansonsten saß den Bürgern der Schreck noch in den Knochen, und so gab es nicht viel mehr zu erfahren. Schließlich kehrte Thargad ebenfalls zum Tyrtempel zurück.

-

Die Kettenbrecher begaben sich zum Abendessen in den Schlüpfrigen Aal. Gerade hatte sich Boras einen zweiten Teller bestellt, als eine sehr attraktive Frau zur Tür  hereinkam. Langes blondes Haar und weibliche Formen verbargen sich unter einem fließenden Kleid aus grüner Seide, das mit ihren Augen harmonierte. Jeder der Fünf – ja, jeder und jede im Schankraum – sah etwas an dieser Frau, dass sie begehrenswert erscheinen ließ. Die Kettenbrecher hatten sie schon einmal gesehen. Es war Celeste, die neue Besitzerin des Höchsten Sonnenstrahls.

»Einen schönen Abend«, wünschte sie. »Gestattet ihr, dass ich mich setze?« Ohne auf die Erlaubnis zu warten – denn wer wollte es ihr verbieten? – ließ sie sich elegant am Tisch nieder.

»Habt ihr schon gehört? Es heißt, Maavu sei kurz nach Sonnenaufgang aus der Stadt geritten, auf einem nachtschwarzen Pferd mit Flammen anstelle von Hufen.« Celeste betrachtete die Kettenbrecher, ohne sich weiter zu diesen Gerüchten zu äußern. »Aber deshalb bin ich nicht hier. Ich komme aus zwei Gründen. Erstens, um euch dies zu überreichen«, sie legte eine Karte aus schneeweißem Papier auf den Tisch. Helion nahm sie auf; in Goldlettern stand darauf der Name ihres Hauses.

»Damit kommt ihr in den Höchsten Sonnenstrahl«, fuhr Celeste fort. »Ich möchte euch für morgen Abend  einladen, zu einem Essen und einem möglichen Auftrag.« Sie hob gleich die Hand, als Dirim etwas fragen wollte. »Mehr dazu morgen. Der zweite Grund meines Erscheinens ist die Axt, mit der ihr den Malarpriester getötet habt. Seht ihr, der vorherige Besitzer hat viele Trophäen mitgenommen, als er Cauldron verließ. Ich brauche Ersatz. Und diese Waffe scheint mir  geeignet, zumal sie auch sehr ansehnlich sein soll. Ich würde euch fünftausend Königinnen dafür bieten.«

»Fünftausend?« Boras schien nicht zufrieden.

»Nun, vielleicht auch mehr. Überlegt euch einen Preis, aber werdet nicht übermütig. Bringt die Waffe einfach morgen mit, dann sehen wir weiter.« Mit einem Schwung, der mehrere Herzen in der Kneipe aussetzen ließ, erhob sie sich wieder. »Oh, und ich nehme nicht an, dass ich es extra erwähnen muss – aber erscheint bitte in geeigneter Garderobe. Ansonsten lässt man euch nicht ein. Der Pförtner kann euch zur Not einen guten Schneider empfehlen.«

Damit ließ sie die Kettenbrecher stehen. Noch Minuten später sah der ein oder andere Gast sehnsüchtig zur Türe hin, aber sie kam nicht mehr zurück.
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