Autor Thema: Piraten auf der Durchreise I  (Gelesen 1062 mal)

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Citon

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Piraten auf der Durchreise I
« am: 23. Juli 2005, 15:41:55 »
 »Kapitän, die Wellen werden immer größer! Durch den starken Wind und die wolkenbruchartigen Regenfällen ist es schwer, das Schiff auf Kurs zu halten!«, wirft der Steuermann nervös ein.

»Nur weiter so Steuermann, halte den Kahn immer schön auf Kurs. So wie es die Schuppenhaut verlangt,« antwortet der Kapitän. Diese unerwartete Reaktion befreit ihn aus seiner Trance. In seinem Gedanken versunkenem Zustand, hatte er die Situation gar nicht wahrgenommen, in der sie sich befinden. Er überlegt und denkt darüber nach, wie es überhaupt dazu kommen konnte, sich auf ein so halsbrecherisches Abenteuer zu begeben. Wie konnte ihn die Schwarzschuppe auf der Dracheninsel überhaupt finden? Eine Frage welche der Fremde nicht beantwortet hatte oder wollte. Das Angebot, das die Schwarzschuppe ihm unterbreitet hatte, war zu verlockend gewesen. Einfach lächerlich zu sagen, dass er, Ork-Kapitän Mortand De Cruew, mit seinem Schiff der „Sturmkrähe“ den Vilhongriff hinauffahren solle, um mal eben den Kriegshafen von Mimph anzugreifen, natürlich nur um ein wenig Verwirrung zu stiften.

Lachen musste ich damals, lachen bis der Fremde eine Hand auf meinen Arm legte. So wurde mir schlagartig die Ernsthaftigkeit bewusst. Die schwarze mit Schuppen bedeckte Haut genügte, um sich die Details anzuhören. Details die so gut waren, dass es sich nur um ein größeres Unterfangen handeln konnte. Ein wenig Gold sollte auch noch dabei herausspringen sowie eventuelle Kriegsbeute und schon waren meine Sinne wie gebannt und nun befinden wir uns auf Kurs in Richtung Sespech. Seitdem steht der Fremde regungslos auf dem Vorderdeck, nur darauf bedacht den Sturm so zu kontrollieren, dass keiner sieht, was sich in seinem Inneren befindet.

»Kapitän, wenn meine Berechnungen korrekt sind, so sollten wir nun westlich von Mimph auf die Küste treffen. Ich schlage vor, dass sich die Besatzung kampfbereit macht.« Im Gesicht des Steuermanns werden die Sorgenfalten von Minute zu Minute größer. Ihm missfällt der Gedanke, allein und ohne Unterstützung einen Seeangriff auf einen Kriegshafen durchzuführen.

»Steuermann, macht die Katapulte klar. Ich will, dass sie fertig sind, wenn es soweit ist«, befiehlt der Kapitän.

Von dieser Äußerung angezogen, kommt die Schwarzschuppe zum Hinterdeck und baut sich in voller Größe neben dem Kapitän auf. »So, nun ist es an euch, eure Seite der Abmachung einzuhalten. Ihr werdet den Angriff genau so ausführen, wie wir es besprochen haben, dann sollte nichts schief gehen.«

»Ihr werdet nicht enttäuscht werden«, spricht der Kapitän ihm eiskalt ins Gesicht.

Kurze Zeit später tauch zwischen dem Dunst ein Stück Küste auf. Der Sturm scheint an dieser Stelle nachzulassen und gibt einen Teil des Hafens mit seinem Hafenturm frei. Der Rest der Stadt liegt währenddessen unter dem Unwetter verborgen, das mit heftigem Regen, Gewitter und Sturmböen übers Land hinweg fegt. Die Mannschaft der „Sturmkrähe“ indes mach sich bereit, die beiden Katapulte abzufeuern.

»Feuer frei«, gibt der Kapitän das Kommando und einen Augenblick später sind zwei Brocken Felsgestein in der Luft. Der Überfall beginnt.

-

Einen so guten Abend hatte Febirey schon lange nicht mehr gehabt. Der Met ist kühl und die Schweinskeule schmeckt ihm köstlich. Viermal hintereinander hatte er das Kartenspiel nun schon gewonnen. Der Lohn waren drei kleine Türmchen in Besath, welche nun silbern glänzend vor ihm stehen.

»Ich steig aus, der ist heute nicht mehr zu schlagen«, meint Zohran, der das meiste Besath verloren hatte.

»Ich auch«, schließt sich enttäuscht Gladeo an.

Isaak schaut in die Runde und sagt: »Na toll, schon wieder verloren. Hoffentlich gibst du auf deinen Sieg einen aus, um uns die Niederlage ein wenig zu versüßen.«

»Klar, mach ich,« entgegnet Febirey den anderen. Freude strahlend endlich mal gewonnen zu haben, bemerkt er ein leises Grummeln. Es geht auf einmal durch den Turm und löst den Staub von der Decke. Dann noch einmal, diesmal scheinbar etwas näher liegend. Verdutzt springen alle vier auf.

Zu den Waffen greifend schaut Febirey den anderen in die Augen, um zu sehen, ob sie es auch gehört hatten. Totenstille erfasst den Raum, sie zögern scheinbar in dem Glauben sich verhört zu haben. Doch wenig später ist es wieder da das Grummeln, gefolgt von einem Getöse brechender Dachschindeln und Balken. Der Blick aller geht sofort nach oben zur Decke, dann schaut man sich gegenseitig wieder an.

»Wir werden angegriffen!?«, kommt es aus Gladeo heraus.

»Sollte uns Arrabar angreifen wollen, bei diesem Sturm?«, sagt Febirey zu den Kameraden.

»Das ist mir egal, gebt Alarm!«, befehlt Zohran den anderen.

Die vier begeben sich auf ihre Posten, um die Angreifer auf See auszumachen. Die Hafenglocke ertönt und schlägt Alarm, doch in der, einige Meter entfernten, Hafenkommandantur bekommt niemand etwas mit. Der Sturm verschlingt jedes Geräusch und die drohende Gefahr.

Febirey ist der erste, der ein einzelnes Schiff unter der Flagge Chondaths entdeckt. Es segelt langsam an der Hafenmole entlang. Halbhumanoide Mannschaften sind auf Deck auszumachen, die Nachschub heranschaffen. Der Rest versucht das Schiff segelnd in Position zu halten. Es schleudert immer wieder große Felsen mit seinen Katapulten hinüber und trifft ein ums andere Mal die Flanke des Turms, der schon nach kurzer Zeit auseinander zu brechen droht.

»Wir müssen hier raus«, brüllt Febirey von oben das Treppenhaus herunter. »Der Turm stürzt ein!«

-

Das Seil läuft ab, die Winde lärmt und das Katapult schleudert erneut gewaltige Findlinge in Richtung Molenturm. Zwei, drei, dann ein vierter Treffer und eine Seite des Turms ist zerstört. Männer sind plötzlich in der Ferne zu entdecken, die scheinbar verletzt, humpelnd über die Mole den Turm verlassen. Jubel bricht unter den Männern aus, die nun angespornt, ihr Bestes geben.

Die Gefechtsanfahrt des Schiffes nähert sich seinem Ende, als ein letzter Treffer dem Turm den Rest gibt und er unter einem lauten Knall einstürzt. Die großen Trümmerstücke rutschen in die See und verschwinden für immer in den Tiefen des Meeres. Am Ende der Mole bleibt eine Ruine zurück, die am nächsten Morgen die Ereignisse der Nacht verkünden wird.

»Kapitän, wie ihr seht, haben die Männer euren Befehl ausgeführt. Die Hafenkette ist immer noch gespannt. Wir haben gesiegt!«, berichtet freudig der Steuermann dem Kapitän.

»Freut euch nicht zu früh. Die Ruine wird man bereits morgen Abend geräumt haben. Die Kette sollte einen Tag später wieder funktionieren. Bis dahin müssen wir einen Teil der Küste geplündert haben und wieder heimwärts segeln. Sie werden uns alles auf den Hals hetzen was schwimmt. Setzt einen Kurs nach Norden!«, befielt der Kapitän. »Man darf uns auf der anderen Flußseite in Arrabar nicht ausmachen. Eine Stunde sollte reichen, dann setzt einen Kurs nach Westen. Wir werden noch heute Nacht die Küste von Sespech plündern und reiche Beute machen. Sollten Probleme auftauchen, wisst ihr, wo ihr mich findet.« Er wendet sich dem Geschuppten zu, der das gesamte Specktakel sichtlich genossen hatte und sagt: »Und wir zwei gehen in meine Kajüte, um den Sieg mit einem guten Tropfen zu feiern!«

Einige Stunden nach dem Angriff erreicht das Schiff wieder die Küste von Sespech. Die Dunkelheit ist ihr bester Verbündeter. Auf leisen Sohlen schleichen sich die Orks in die Siedlungen und verrichten ihr Werk. In dieser Nacht verlieren viele Dorfbewohner ihre Freiheit oder kommen um, bei dem Versuch ihr Hab und Gut zu schützen. Drei weitere Dörfer werden von den Schergen niedergemacht, ehe das nächtliche Überfallkommando wieder in See sticht, um die Heimreise anzutreten.

Die „Sturmkrähe“ hatte reiche Beute gemacht und liegt nun schwer im Wasser. Unter der Mannschaft sind einige Verluste durch Bauern zu beklagen, die energisch Widerstand geleistet hatten. Doch all jene fanden den Tod. Der Rest wurde gefangen genommen und im Laderaum fest angekettet.
Die Sklaven sind ihr wertvollstes Gut dort wo sie nun hinfahren. Doch der Weg wird noch lang sein und so setzt der Steuermann einen neuen Kurs.

»Ich werde euch jetzt verlassen, Kapitän. Die Karte habt ihr! Somit sind unsere Schulden beglichen. Möge Istishia euch immer wohl gesonnen sein und euch auf euren Reisen begleiten. Lebt wohl!« In diesem Moment spricht der Geschuppte einige magische Formeln und verschwindet auf seltsame Weise aus der Kapitänskajüte.

»Magier!«, sagt der Kapitän, die Karte in Händen haltend. Ein Meer, Land und ein Fluss sind darauf zu erkennen, aber keine Namen oder sonstige Schriftzeichen, die ihm weiterhelfen könnten. Das wird lange dauern, denkt er und legt sich erschöpft nach einer erfolgreichen Kaperfahrt aufs Ohr.


 
Was war die Aufnahmeprüfung der Stasi?
Aus 3m Entfernung an eine Glaswand springen und mit dem Ohr festsaugen... !

Citon

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Piraten auf der Durchreise I
« Antwort #1 am: 23. Juli 2005, 15:48:47 »
 Uktar, 1372 TZ

Es war eine schlechte Nacht gewesen! Das Schiff schaukelte fürchterlich und an Schlaf konnte man kaum denken. Allen Anwesenden war klar, welches Schicksal sie ereilt hatte. So setzte nun allmählich ein Jammern und Stöhnen ein, das kaum zu überhören war. Der Laderaum faste gut 80 Mann, wenn man die Kojen zählte und in jeder lag eine Person, mit Ketten am Kojenmast befestigt. Allen war bewusst, sie waren Gefangene. Gefangene eines Sklavenschiffes auf hoher See ohne Ausrüstung, ohne den Hauch einer Chance!

»Verdammt, kann denn niemand was unternehmen, es muss doch jemand mal was tun, ….. bittttteeeee ……… bitttteee. Oh, ihr Götter steht uns bei! Da vorne hängen doch die Schlüssel von der Decke«, kommt es eindringlich von hinten aus der letzten Ecke.

»Hals Maul, DU wirst uns noch alle verraten«, bricht es aus Agrimoths hervor. »Ich arbeite ja schon daran…..«

»Näh echt«, tönt es aus der linken Koje, in der Dankward liegt.

Plötzlich klappert es im Schloss und die Ladeluke wird aufgemacht. Herein kommt ein Halbork, der eine große Kelle in Händen hält, begleitet von zwei Vasallen mit einem großen runden, dampfenden Kessel.

»Wer will sein erste happa, happa Landratte die probieren meinen Suppe. Der kriegen einmal noch mal mehr«, spricht in gebrochenem Shaari der Halbork.

Viel Begeisterung löst der Koch wahrlich nicht aus, aber alle halten ihre Hände so, dass sie das zähflüssige Frühstück wenigstens kosten können. Kurze Zeit später ist das Essen verteilt und die Sklavenhändler verschwinden mit dem leeren Kessel wieder über die Treppe durch die Ladeluke.

»Hmm, ist das lecker«, kommt es aus Agrimoths heraus, der den Brei mit Fischresten sichtlich geniest. »Wenn man Hunger hat, überwindet man jeden Ekel. Aber; ..…. verdammt es ist schon auf, ich hätte es doch auch noch zwischen die Handschellen schmieren können. Vielleicht wären die Dinger dann abgefallen!« Agrimoths begibt sich kopfschüttelnd wieder an die Arbeit, seine Handschellen zu lösen. »Klick« und die Handschellen von Agrimoths sind auf. »So, nun nur noch die an den Füssen, dann bin ich befreit von diesen verrosteten Dingern.«

»Mach schneller« ruft ein Elfen, eine Koje hinter ihm. »Wenn du mich befreist, kämpf ich mit dir gegen die Orks. Wenn nötig mit der bloßen Faust«

»Ja, ich helfe auch«, meint ein anderer Elf links neben dem ersten.

»Knack« macht es im Schloss. »Oh, verdammt noch mal«, knurrt Agrimoths nach hinten. »Jetzt ist mir das scheiß Ding auch noch abgebrochen. Die Fußfesseln krieg ich nie mehr auf und das alles nur, weil mich so ein paar Nichtsnutze wie ihr es seid auch noch drängeln.«

»Ich hab da noch nee Haarnadel, eine kleine«, kommt es von seiner rechten Koje, in der eine Frau liegt. »Vielleicht könnt ihr ja meine Schellen schon mal lösen?«

»Ich hab da noch nee kleine Haarnadel, geht die vielleicht auch!« äfft Agrimoths nach. »Gib schon her, das scheiß Teil, sonst bleiben wir alle hier! Aber zuerst wird jemand befreit, der draufhauen kann.«  Er schaut sich zu seiner Linken um, nachdem er sich die Haarnadel gegriffen hat und fängt an die Hand- und Fußfesseln seines Nachbarn zu öffnen.

»Klick« und wenig später ein weiteres »Klick« führen dazu, dass Dankward, von seinen Fesseln befreit, sich der Schlüssel an der Decke bemächtig. »Die haben wohl gedacht, dass sich hier nie jemand befreien würde« sagt Dankward leise zu seinen Mithäftlingen, während er die zwei Elfen befreit. Danach läst er die fünf Schlüssel rundgehen, welche scheinbar alle jeweils nur für eine Kojenreihe gedacht sind.

»Leise, verdammt noch mal«, flüstert ein wenig verärgert einer der Elfen nach hinten. »Sonst hört man uns noch.«

»Wenn ich mir das so anschaue, passt auch der Schlüssel nicht mehr in mein Fußschloss«, resigniert  Agrimoths. »Für mich ist das Boot wohl abgefahren. Das müsst ihr jetzt ohne meine Hilfe schaffen.« Knapp hat er seinen Satz beendet, kommt Bewegung in die Ladeluke. Mit einem Quietschen wird der Riegel zur  Seite geschoben.

»Alle wieder hinlegen. Tut so als seid ihr angekettet«, sagt Hasildur. Agrimoths denkt sich seinen Teil.

Die Luke geht auf und der Halbork guckt herein. »Wasse vor sich gehen hier.« Er schaut in den Laderaum und nachdem er hinten etwas hat weghuschen sehen, steigt er mit seinen zwei Gehilfen in den rechten Gang zu Agrimoths hinunter und schaut angespannt in den hinteren Teil des Raumes, um wirklich zu glauben, was er dort sieht. Zwei Sklaven, die nicht mehr angekettet sind!

»Wir überrumpeln sie«, flüstert Hasildur Thamior zu. »Du kommst dann schnell um meine Koje und greifst den Ork von vorne an, okay?« Thamior signalisiert, dass er das Geflüsterte auch wirklich verstanden hat.

Agrimoths denkt sich: »Den zweiten schnapp ich mir, das klappt schon!«

Dankward denkt, sagt aber nichts.

Die Orks kommen rann und die Falle ist perfekt.

»Ich mach dich fertig, du scheiß Ork«, ruft Agrimoths und springt aus seinem Bett soweit wie das mit seinen Fußfesseln möglich ist. Es beginnt ein wildes Raufen, Packen und Draufhauen, welches er für sich entscheiden kann.

»Ah, nimm das, du Scheusal.« Hasildur holt weit mit seinen Handschellen aus und trifft den überraschten Koch genau ins Kreuz. Fast genauso schnell ist Thamior um die Koje rum. Er brät dem nun vollends überraschten Koch sein Sklavensymbol von Angesicht zu Angesicht um die Ohren.

Dankward macht einen Satz aus der Koje und bringt sich hinter dem letzten Ork in Position. »Du entkommst mir nicht.«

Hasildur führt den nächsten Schlag und versetzt dem Koch erneut einen Hieb in die Seite. Agrimoths greift nach und rutscht vom Gegner ab. Der Ork fällt wild fuchtelnd nach hinten, über die Koje in der die Frau liegt und landet dahinter im Gang.

Dankward versucht scheinbar irgendetwas an dem letzten Ork zu treffen und flucht vor sich hin, als es ihm nicht gelingt.

»Oink Grumsh, Oink Grumsh«, brüllt der Koch, als er von Thamior getroffen wird. Mit argen Blessuren versucht er mit seinem Rapier nach Thamior zu stechen. Was er aber zustande bringt, endet darin, dass ihm die Waffe aus den Händen gleitet!

Dem letzten Ork gelingt ein Treffer in die Bauchgegend von Dankward, während Thamior einen erneuten Treffer landet, der den Koch zu Boden gehen lässt. Mit dem fallen gelassenen Rapier führt Hasildur einen tödlichen Stoß auf den nun am Boden liegenden Halbork aus. »Nimm dies, du Ausgeburt und stirb!«

Inzwischen stürmen immer mehr bewaffnete Orks durch die Ladeluke in den Laderaum.

Thamior stürmt mit neuem Mut zum Ork im nächsten Gang, während Dankward vom Blutverlust geschwächt seinen Gegner abschätzt. Dieser nutz sein Zögern und trifft ihn erneut. Dankward geht tödlich verwundet zu Boden und hat nun andere Sorgen.

»Last eure Waffen fallen und ergebt euch«, schallt es aus der hinteren Reihe der hereinstürmenden Orks.

Von den vielen Gegnern in die Enge getrieben, ruft Hasildur: »Ja, wir ergeben uns schon. Tut uns nichts!«, und bemüht sich Thamior Deckung zu geben, damit dieser den am Boden liegenden Dankward erreichen kann.

»Die Verletzungen sehen schlimm aus. Er sollte aber noch zu retten sein«, sagt Thamior zu Hasildur. »Verschafft mir nur einen Moment Zeit, ihn zu verbinden.«

Hasildur, Thamior und Agrimoths werden wenig später unsanft ans Tageslicht gebracht. Dankward legt man in die Koje, da er mit dem Tode ringt. Die restlichen Sklaven, die sich aus dem Kampf herausgehalten hatten, sitzen nun gedrängt im hinteren Teil des Laderaumes. Mit viel Gejammer werden alle nach und nach von den Sklavenhändlern wieder angekettet. Die Schlüssel nimmt man diesmal mit.

An Deck angekommen werden die Sklaven bespuckt, beschimpft und an den Pranger gestellt. Dann  werden die drei grausam Ausgepeitscht. Die Mannschaft jubelt, ja schreit sogar über Bord mit ihnen, doch scheinbar ist ihr Kopf mehr Wert als bloßes Fischfutter. Mit großen Schmerzen und noch mehr Wunden werden die Sklaven in den Laderaum zurück gebracht. Tage der Erholung folgen bis auch der Todgeglaubte erwacht.

»Wir haben es nicht geschafft!« kommt es aus Dankward heraus.
»Es waren einfach zu viele«, antwortet Hasildur.

Die Sklaven liegen apathisch in ihren Kojen ein um den anderen Tag. Kein Gespräch, kein Gejammer, die Tage vergehen einfach und man orientiert sich am Essen wie spät es ist.

Eines Abends kündigt sich ein Sturm an. Das Essen ist längst überfällig und lautes Fußgetrappel auf Deck läst vermuten, dass das Essen heute später kommen wird. Ein heftiger Regen setzt ein, so dass es nach kurzer Zeit von der Decke tropft. Erst ein wenig, dann ein wenig mehr bis es nicht mehr aufhört zu plätschern. Das Schiff liegt nun schwer im Sturm und droht zu sinken.

Plötzlich quietscht der Riegel der Ladeluke und sie wird geöffnet.
»Den Göttern sei Dank! Wir werden gerettet, die lassen uns hier nicht absaufen«, ruft einer aus der ersten Reihe. Einige Sklaven werden durch die Luke nach oben gebracht, die nach ihnen wieder geschlossen wird.

»Gut zwei Stunden sind die nun schon weg, wollen die uns hier ersaufen lassen? Das Wasser hier unten ist schon 10 cm hoch«, sagt Dankward nervös.

Einige Zeit später wird der Riegel erneut zurückgeschoben und die Luke geöffnet. Noch einmal werden Sklaven nach oben gebracht und der Rest besorgt zurückgelassen.
Das Wasser steigt beständig an. Erst zwanzig dann dreißig cm bis die Luke wieder geöffnet wird.

»Nehmt mich mit«, schreit einer von links, bevor es ihm alle nachmachen und ein wildes Geschrei entsteht.

Durch das panische Gerangel einiger, müssen die Orks eine Handvoll Sklaven zurücklassen. Stetig steigt das Wasser an. Als die Kojen der letzten Gefangenen beginnen voll Wasser zu laufen, geht ein Krachen durchs Schiff.

»Ich sollte mich wieder um meine Fesseln kümmern. Die werden wohl nicht mehr runter kommen und uns holen, wie mir scheint«, sagte Agrimoths.
»Klick, klick« und die Fesseln sind ab. Rasch kümmerte er sich um die Verbliebenen. Ganz vertieft in seine Arbeit spürt er einen heftigen Ruck, der durchs Schiff geht. Völlig überrascht befördert es ihn in seine eigene Koje. Planken bersten und Balken brechen, als im vorderen Teil rechts neben dem Aufgang der Luke ein Felsen sich den Weg durchs Schiff bahnt.

»Ah«, brüllt Hasildur und reißt panisch seinen nun losen Kojenmast aus der Halterung, um sich zu befreien.
»Macht schnell, das Wasser kommt schon. Bitte helft mir«, ruft unter dem Getöse der Wellen  verzweifelt der angekettete Dankward.

»Krack, krack . . . . .  krack« geht es an der Bordwand beständig weiter.

»Ich komme euch zu Hilfe, gute Frau.« Schon legt Hasildur am Kojenmast der verängstigten Frau Hand an. »Rums« und der Balken fällt ins Wasser. »Schnell, geht schon zur Luke, ich nehme ein Stück Balken mit.«

»Frei«, brüllt der zweite Elf, als Agrimoths die letzten Fesseln von Dankward öffnet. Gemeinsam stürzen sie zur Leiter.
»Die Luke geht nicht mehr auf« ruft Hasildur ihnen entgegen und beginnt damit die Luke mit dem Stück Balken zu bearbeiten. »Gleich hab ich sie soweit, nur noch ein wenig Geduld.«

Alle schauen auf das Loch und die Brandung dahinter. »Geduld haben wir nicht mehr lange«, ruft Agrimoths. Mit einem letzten Schlag bricht der Balken durch die Luke. »Die Luke ist offen!«

Doch plötzlich bahnt sich ein Ladungsstück seinen Weg durch die Luke. »Vorsicht« brüllt Agrimoths, doch zu späht. Ein Fass trifft Hasildur genau vor die Brust und schleudert ihn von der Treppe.

»Ist bei dir alles in Ordnung? Die Luke ist nun passierbar«, sagt Dankward, Agrimoths schweigt dazu.  

Zusammen fliehen sie aus dem Laderaum, der nun fast bis oben mit Wasser gefüllt ist. Umgefallene Ladungsstücke versperren ihnen den Weg und das vorankommen in die Dunkelheit der Nacht.

»Ich kann hier keine Waffen finden! Wo sind die alle hin?« fragt Hasildur.

An Deck angekommen, zeigt sich, dass niemand überlebt hat. Der Mast ist umgeknickt, das Vorderschiff leer gefegt und die Kapitänskajüte völlig zerstört. Allen Bemühungen zum Trotz, lässt sich nichts brauch bares finden. Auch kein Ork ist mehr zu sehen.

»Schaut mal dort am Strand. Da ist doch wer, oder?« glaubt Agrimoths. Den Wellenbrecher, der von hinten kommt bemerkt er zu spät. Ein lautes Rauschen ertönt, gefolgt von einem Kracken und Bersten des Schiffes und Agrimoths wird mit einem Angstschrei über Bord gespült.

»Habt ihr das gesehen?« ruft Hasildur fassungslos. »Weg isser.«

»Schnell, wir müssen im irgendwie helfen«, schreit Thamior gegen den Wind und beginnt damit herumliegende Holzbalken über Bord zu werfen.

Vom Sturm unbeeindruckt klettern Hasildur und Dankward ins erste Unterdeck, um zu sehen, ob sich etwas Brauchbares finden lässt. Vorräte, Messer und ein Schlachterbeil sind schnell vom unbrauchbaren Tand aussortiert. Dankward begibt sich an die Arbeit, alles so zu verstauen, dass es auch an Land ankommt. Der Elf stürmt wieder an Deck zurück, immer auf die Brecher bedacht und fängt an die Wasseroberfläche abzusuchen.

Dort ist nichts zu entdecken. Doch plötzlich taucht in einiger Entfernung ein Kopf aus dem Wasser auf. Agrimoths kämpft immer noch schwimmend ums Überleben. Doch bei der nächsten Welle ist schon wieder nichts mehr von ihm zu sehen.

Wie können wir ihm helfen und gelangen selber sicher an Land, schießt es Hasildur durch den Kopf und schaut sich ratlos um. »Der umgestürzte Mast ist unsere Rettung«, sagt er leise zu sich selbst und beginnt die Takelage zu kappen. »Hack, hack« und das erste Seil ist gekappt. Wenn ich alle lösen könnte, müssten wir mit dem Mast den Strand erreichen können, schwimmend schaffen wir das nie, denkt sich Hasildur. Ein paar gezielte Hiebe kappen die Trosse, dabei sucht er immer wieder Schutz vor herannahenden Brechern.

»Wenn die nächste Welle vorüber ist, trenne ich die letzten zwei Seile durch. Wir schieben dann den Mast ins Wasser und springen hinterher«, ruft Hasildur den anderen beiden zu, als ein Brecher an ihnen vorbeirauscht.

Ein lautes Summen ertönt, dann mehrfach ein lauter Knall und die letzten Seile geben den Naturgewalten nach. Der Mast verschwindet unter der Welle und geht über Bord. Fassungslos sehen die drei ihre letzte Option entschwinden, als Agrimoths immer noch im Wasser ums Überleben kämpft.

»Hinterher«, schreit Hasildur und macht sich gleich daran ins Wasser zu hechten, um den Mast noch zu erreichen.

»Warte auf uns«, rufen die anderen zwei und folgen hastig Hasildur.

Nach einigen kräftigen Schwimmzügen haben sie das improvisierte Floß erreicht und halten sich mehr oder minder Wasser spuckend am Mast fest. Auch der schon ertrunken geglaubte Agrimoths taucht in ihrer Nähe auf und kann ein Stück Seil ergreifen, um sich erschöpft aber lebend an den Mast zu ziehen. Gemeinsam schaffen sie es an Land zu paddeln, wo sie geschwächt und müde zusammenbrechen.
 
Was war die Aufnahmeprüfung der Stasi?
Aus 3m Entfernung an eine Glaswand springen und mit dem Ohr festsaugen... !

Citon

  • Mitglied
Piraten auf der Durchreise I
« Antwort #2 am: 23. Juli 2005, 15:50:49 »
 So, das soll für heute erst mal reichen!

Morgen geht es weiter.

Citon
 
Was war die Aufnahmeprüfung der Stasi?
Aus 3m Entfernung an eine Glaswand springen und mit dem Ohr festsaugen... !