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Autor Thema: Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)  (Gelesen 22262 mal)

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Berandor

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #45 am: 01. November 2005, 22:21:38 »
 Das Jahr des Kessels

«Ihr wolltet mich sprechen?»

«Wie geht es Euch?»

«Wie soll es mir gehen?», fragte Felliarn brüsk. «Ich bin mit Fario aufgewachsen. Sechs Jahre lang waren wir gemeinsam bei den Silberstreitern. Seit wir damals bei den Müllerzwillingen eingestiegen sind, habe ich ihn aus der Patsche geholt. Jetzt nicht mehr.»

«Ich will seine Mörder zur Rechenschaft ziehen», sagte Thargad. «Wisst ihr irgend Etwas?»

«Glaubt ihr, dann säße ich noch hier?»

«Ich glaube, im Tempel arbeitet jemand für das Letzte Lachen. Ich glaube, der Hofnarr ist für Farios Tod verantwortlich.»

«Das Letzte Lachen? Gut zu wissen.» Felliarn nahm seinen Dolch hervor und begann, Muster in den Tisch zu kratzen. Zum Glück waren die Tische im Krummen Krug nicht von der Sorte, wo sich jemand darüber beschwert hätte.

«Felliarn, seid nicht unvernünftig», mahnte Thargad.

«Fario war der Unvernünftige», gab der Halbelf zurück. «Wisst ihr, wo man das Letzte Lachen finden kann?»

«Wir haben Vermutungen. Aber das wäre der sichere Tod.»

«Sagt ihr.»

«Felliarn», Thargad beugte sich vor, «seht mich an. Ich will das Letzte Lachen auch zur Strecke bringen. Wenn ihr etwas herausfindet, schlagt nicht einfach los. Kommt zuerst zu mir. Versprecht mir das.»

Felliarn begegnete Thargads Blick. Er nickte. «Also gut. Ich komme zuerst zu Euch.» Dann stand er auf und verließ abrupt die Kneipe. Thargad sah ihm nach und hoffte, ihn nicht zum Letzten Mal lebend gesehen zu haben.

-

«Die Magische Gefahrenabwehr, kurz MGA, wurde also von Lialee Wurzeldach ins Leben gerufen. Sie ist ein Halbling. Lialee war Mitglied eines Sondertrupps der Stadtwache und hat schon seit langem versucht, einen Zaubertrupp zu gründen. Es heißt, einige Wochen vor der Gründung der MGA sei sie plötzlich nicht mehr so wütend gewesen, dass sie erfolglos geblieben war. Vielmehr schien sie sicher, dass ihr Ziel bald erreicht sein würde. Jetzt führt sie die MGA an. Wir wissen, dass die MGA aus etwa zwanzig Mitgliedern besteht, von denen etwa ein Drittel mit göttlichen Zaubern vertraut ist - zumindest vertraut genug, um entsprechende Zauberstäbe zu benutzen. Ein Trupp patrouilliert ständig die Stadt und besteht aus drei Zauberkundigen.» Dirim sah in die Runde. «Was noch?»

Helion hatte bei Embryl nachgeforscht. «Lialee war einmal Priesterschülerin von Azuth, aber das Dogma engte sie ein. Sie kommt noch regelmäßig zu Gottesdiensten, aber Embryl glaubt, dass teilweise zum Schein kommt und teilweise, weil es keinen Mystraschrein in der Gegend gibt. Außerdem weiß ich, dass die Patrouillen der MGA im Tempel gesegnet werden, bevor sie ihren Dienst beginnen.»

«Gut», sagte Boras. «Und was fangen wir mit diesen Informationen an?»

-

«Ich habe einen Wachmann verfolgt», sagte Thargad.

Jenya runzelte die Stirn. «Warum das?»

«Ich glaube, er war der Rädelsführer beim Angriff auf Ruphus. Ich wollte wissen, ob er eine Verbindung zum Letzten Lachen hat.»

«Und?»

«Es sieht nicht so aus.»

Jenya nickte. «Danke für die Information.» Thargad wandte sich zum Gehen, als sie ihn noch einmal ansprach. «Ihr habt meine Erlaubnis, Euch zu vergewissern.»

Thargad sah sie an. «Was meint ihr?»

«Nun, ich würde mich gerne mit diesem Mann unterhalten. Aber wenn ich ihn in den Tempel bitte, wird entweder das Letzte Lachen aufmerksam, oder die Stadtwache ist brüskiert. Im schlimmsten Fall beides. Ich bin sicher, Euch fällt eine unauffälligere Methode ein, ihn auszufragen.»

Thargad glaubte kaum, was er da hörte. «Kann ich ihn herbringen?», fragte er.

«Wenn es nötig ist.»

«Bereitet alles vor.»

-

«Ah, Pecarri. Da bist du ja.» Trakis’ Kammer war karg, aber doch gemütlicher als die große Halle, in der die anderen Kobolde schliefen. In der Mitte des Zimmers brodelte ein Kessel auf einem Feuer; dichter Rauch quoll über den Rand des Kessels und verbreitete einen fremdartigen Geruch. «Stimmt es, dass du bei Menschen wohnst?»

«Manchmal», gab Pecarri zu.

«Du bist etwas Besonderes», sagte Trakis. «Nicht so unfähig wie die Anderen. Du bist doch loyal?»

«Solange ihr das Beste für uns wollt.»

«Wie kannst du daran zweifeln? Kurtulmak hat mir Zauberkräfte gewährt, ist das nicht Beweis genug?» Pecarri schwieg. «Gut. Nun, ich werde dich in ein Geheimnis einweihen. Sieh dort!» Er wies mit einer Klaue auf die Wand.

«Was ist da?»

«Hinter dieser Wand verbirgt sich eine Geheimtür. Wenn es dir gelingt, sie zu öffnen, werde ich dich reich belohnen.»

Pecarri sah sich die Wand an. Wenn man es wusste, dann konnte man die Türe erkennen, aber nur gerade so. Sie war hervorragend gearbeitet, und ein Öffnungsmechanismus war nicht zu erkennen.

«Ich muss darüber nachdenken», sagte Pecarri. «Wenn mir etwas einfällt, komme ich wieder.»

«Tu das. Hier, ein Zeichen meiner Gunst.» Trakis gab Pecarri den skelettierten Armknochen einer Ratte. «Damit kannst du diesen Raum gefahrlos betreten, auch wenn ich weg bin. Ohne dieses Zeichen wären meine magischen Fallen dein Untergang.»

Pecarri zeigte sich beeindruckt und dankbar.

-

Thargad hatte überlegt, aber ihm war kein perfekter Ort eingefallen, um dem Wachmann aufzulauern. Er würde ihm folgen und einen Moment abpassen müssen. Aber der Wachmann war massig, und wenn er Thargad entdeckte, würde es noch schwieriger werden. Also hatte sich der Schurke entschlossen, Hilfe zu holen.

«Boras?»

«Was gibts?»

«Es gibt da einen Wachmann, der mit dem Letzten Lachen zusammen arbeitet.»

«Ist er tot?»

«Äh... nein. Aber Jenya würde sich gerne mal mit ihm unterhalten.»

«Ich glaube nicht, dass der das auch will.»

«Deshalb sollen wir ja die Einladung aussprechen.»

«Und warum soll er dann wollen?»

Thargad zögerte. Sie redeten aneinander vorbei. «Wir müssen eben besonders überzeugend sein.»

«Ich weiß nicht recht. Sollten wir ihn nicht einfach packen und zum Tempel bringen?»

Thargad öffnete den Mund, dann schloss er ihn wieder. Er blinzelte. Schließlich sagte er: «Also gut. Machen wir es auf deine Art. Aber kein Wort zu Dirim - dem gefällt das bestimmt nicht.»

«Keine Angst.» Boras legte Daumen und Zeigefinger an die Lippen, dann drehte er die Finger, als würde er seinen Mund abschließen, bevor er den Schlüssel wegwarf.

-

«Ich habe Folgendes im Azuthtempel herausgefunden», sagte Helion, «was leider nicht viel ist. Das Zeichen ist wahrscheinlich ein Ebenenschlüssel, und zwar für die Ebene Carceri. Es ist möglich, dass sogar ein bestimmter Ort auf Carceri damit symbolisiert wird. Die Leute, die dieses Zeichen tragen, nennt man ‹Käfigkinder›. Das wars leider schon.»

«Besser als nichts», sagte Dirim.

«Aber nicht viel», fügte Thargad hinzu.

-

«Oculis Arcanis», sagte Pecarri leise. Die Augen des Kobolds glühten auf. Jetzt sah er sich in Trakis’ Kammer um, aber er sah keine Magie, die auf ihn lauerte. Nur an der Geheimtür nahm er eine schwache Reststrahlung wahr, die von einem Zauber zu stammen schien, der erst kürzlich darauf gesprochen wurde. Pecarri stellte sich vor diese Türe.

«Apertis!» Er spürte, wie der Zauber von der Türe umgeformt wurde, wie er seine eigene Macht benutzen musste, um die Türe aufzuzwingen... erfolglos. Er versuchte es noch einmal, aber wieder war seine Macht nicht ausreichend. Noch einmal sah er mit seinem magischen Blick auf die Türe, und vermeinte jetzt eine schwache Ausrichtung zur göttlichen Magie zu erkennen. Es würde schwer für ihn werden, die Türe zu öffnen, wenn nicht gar unmöglich. Aber wie sollte er einen Priester hier herunter schaffen?

-

Hylum gähnte. Der heutige Dienst war wieder mal ganz besonders langweilig gewesen. Zu allem Überfluss war er noch von Sergeant Krewis angepflaumt worden, weil er seine Stiefel nicht geputzt hatte. ‹Gerade mit den neuen Söldnern müssen wir ein gutes Bild abgeben› hatte der Spund gesagt. Hylum hätte ihm gerne eine vors Maul gehauen, aber dann würde er nie aufsteigen. Und nach der Sache mit dem Priester hatte sich das Letzte Lachen auch nicht mehr gemeldet. Hylum war also auf seinen mickrigen Sold angewiesen.

Beim Gedanken an Skylar Krewis kam ihm die Galle hoch, und er spie aus. Dieser kleine Dreckskerl glaubte wohl, etwas Besonderes zu sein. Hylum freute sich schon darauf, ein paar Schnäpse zu zischen und die unangenehme Erinnerung auszulöschen.

Plötzlich spürte er ein Ziehen in der Brust, das sich rasend schnell ausweitete, bis in seine Finger und Zehen. Hylum war starr gefroren. Am Rande wurde ihm klar, dass er angegriffen worden war. Er konnte sich nicht rühren! Wer zum Teufel? Ein weiterer Schlag traf ihn, und dann wusste er nichts mehr.

Er erwachte von kaltem Wasser, das in sein Gesicht geschüttet wurde. Sein Kopf schmerzte. Hylum öffnete die Augen und stellte fest, dass er blind war. Panik überkam ihn. Dann erkannte er, dass er eine Augenbinde trug. Als er versuchte, sie abzunehmen, merkte er die Hand- und Fußfesseln.

«Bist du wach?» Eine leise Stimme. Männlich, völlig kalt.

«Wer seid ihr?»

«Schnauze!» Ein zweiter Mann, viel rauer. «Wir stellen die Fragen.» Ihn traf eine Faust im Magen. Hylum wurde übel. Beinahe hätte er gekotzt. Dann riss man ihn an den Haaren hoch. An seinem Kinn spürte er eine scharfe Klinge.

«Was wollt ihr wissen?», fragte Hylum. Tränen der Angst rannen ihm die Wangen herunter. «Ich sage alles!»

Hylum wusste, dass er ein Schwächling war. Ein Maulheld. Wenn es ernst wurde, gab er Fersengeld. Er hatte große Angst vor dem Letzten Lachen, darum hatten sie wohl geglaubt, dass er schweigen würde. Aber hier, in diesem Raum, hatte er noch mehr Angst vor seinen Peinigern. Um das Letzte Lachen konnte er sich später sorgen.

Also beantwortete er die Fragen der beiden Männer, so gut er konnte. Es gab nicht viel zu erzählen. Eine Assassinin vom Letzten Lachen hatte ihn angeworben, um einem Priester einen Denkzettel zu erteilen, der sich in Dinge einmischte, die ihn nichts angingen. Hylum wusste nicht einmal, warum sie zu ihm gekommen war, aber er hatte das Gold genommen und sogar noch Nilas und Kerlen angeworben. Dann waren diese Idioten von Kettenbrechern aufgetaucht und hatten ihn angeschossen. Seitdem hatte er von den Dieben nichts mehr gehört.

Schließlich ließen sie von ihm ab. Einer der Beiden ging weg. Hylum hörte, wie sich eine Tür öffnete.

«Will Jenya noch mit ihm reden?»

«Sie sagte, dass ihr darüber entscheiden sollt.» Noch eine Stimme. Und ein Name - Jenya. Hylum biss sich auf die Lippen, um nicht zu grinsen. Wenigstens wusste er jetzt, wo er war. Wahrscheinlich hatte irgendeiner der Helmfutzis ihn ausgefragt, vielleicht sogar Ruphus Laro selbst, den er damals angegriffen hatte. Der Mann kam zurück. Dann wurde Hylum gepackt und fortgezerrt. Irgendwann fand er sich in den Straßen Cauldrons wieder, immer noch leicht benommen und sehr durstig. Er steuerte die nächste Kneipe an und war seinen Entführern dankbar, dass sie ihm sein Gold gelassen hatten.

-

Leise schlich Pecarri aus dem Tempel. Es war noch dunkel, und so wollte er es auch. Die ganze letzte Nacht hatten sie zusammen gesessen und geplant. Heute, am ersten Tag des neuen Jahres, das Jahr des Kessels, sollten sie verhindern, dass das Blut der ‹Wahren Wachen› vergossen würde. So hatte Helms Gesandter es befohlen. Sie hatten sich über die ganze Stadt verteilt - schließlich wussten sie nicht, wo und was passieren würde. Keiner von ihnen war glücklich darüber gewesen, dass sie sich trennen mussten. Und selbst dann hatten sie keine Garantie, rechtzeitig an dem entscheidenden Ort zu sein.

Ein Hämmern riss den Kobold aus seinen Gedanken. Pecarri näherte sich einer Straßenecke. Er sah zwei Menschen, gehüllt in braune Laken. Einer trug eine Fackel und ein Bündel Schriften. Der andere schlug gerade einen Nagel in eine Tür. Dann befestigte er eine der Schriften daran.

Pecarri zog sich in den Schatten zurück. Jetzt sah er eine zweite Gruppe, die an einer anderen Stelle zugange waren. Als sie weiter gingen, folgte er ihnen. Er schätzte, dass etwa jede zehnte Tür mit einer Schrift bedacht wurde. Schließlich bewegten die Beiden sich in Richtung Westschleuse. Von dort aus ging es nach Tethyr hinunter.

Auf dem Platz vor dem Tor versammelten sich etwa zwanzig der Vermummten. Das Tor selbst war geöffnet. Schließlich verließen sie alle die Stadt. DIe beiden Wachleute, die am Tor Dienst schoben, sahen ihnen nach. Dann schlossen sie das Tor wieder.

Pecarri hatte genug gesehen. Er riss die Schriftrolle von einer Tür und überflog sie. Dann machte er, dass er zum Tempel zurückkam und die anderen Kettenbrecher weckte. Ohne Kommentar hielt er ihnen das Pergament entgegen:

«Bürger von Cauldron», stand da, «der Stadtherr will die Steuern schon wieder erhöhen, um damit die stinkenden Orkhorden zu bezahlen. Und wem nützt das? Lasst Euch nicht ausbluten! Sagt nein! Kommt alle zum Festplatz vor dem Stadthaus und hört von der korrupten Führung aus dem Munde von Maavu selbst. Es muss etwas geschehen!»

«Nun», sagte Dirim, nachdem er gelesen hatte, «wir wissen vielleicht nicht, was genau passieren wird. Aber wenigstens wissen wir jetzt, wo.»
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Thargad

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #46 am: 02. November 2005, 16:22:05 »
 
Zitat von: "Berandor"
«Will Jenya noch mit ihm reden?»

«Sie sagte, dass ihr darüber entscheiden sollt.» Noch eine Stimme. Und ein Name - Jenya. Hylum biss sich auf die Lippen, um nicht zu grinsen. Wenigstens wusste er jetzt, wo er war.
Ich hatte insgeheim gehofft, dass du diesen Lapsus übersehen hättest.  

Berandor

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #47 am: 02. November 2005, 16:47:35 »
Zitat von: "Thargad"
Zitat von: "Berandor"
«Will Jenya noch mit ihm reden?»

«Sie sagte, dass ihr darüber entscheiden sollt.» Noch eine Stimme. Und ein Name - Jenya. Hylum biss sich auf die Lippen, um nicht zu grinsen. Wenigstens wusste er jetzt, wo er war.
Ich hatte insgeheim gehofft, dass du diesen Lapsus übersehen hättest.
Eine Möglichkeit, euch später ans Zeug zu flicken?

Nie! :D

(Muss ja nix passieren)
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dude

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #48 am: 02. November 2005, 16:57:09 »
 und ich wollte schon fast fragen, ob das ausgeschmückt wurde durch den SL oder tatsächlich so stattgefunden hat!

ich freu mich mit dir, thargard, und deinen compadres  :P  

Askael

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #49 am: 02. November 2005, 19:00:50 »
 Dein Output in letzter Zeit ist ja beträchtlich..
Kreative Phase, der Kuss der Muse oder nur mehr Freizeit?

Ich jedenfalls erfreue mich an den häufigen Updates  :P  - und werde irgendwie das Gefühl nicht los, das die Story langsam aber sicher einem weiteren Höhepunkt entgegensteuert (?)


War auf jeden Fall wie immer toll zu lesen - besonders die lebendige Gestaltung der NSCs weis zu beeindrucken, da sieht man, weshalb es "Berandors weiser Rat" heisst!!  
Pünktlichkeit ist der Dieb der Zeit

Berandor

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« Antwort #50 am: 02. November 2005, 19:12:29 »
Zitat von: "Askael"
Dein Output in letzter Zeit ist ja beträchtlich..
Kreative Phase, der Kuss der Muse oder nur mehr Freizeit?
 
Keinesfalls mehr Freizeit.

War nur so, dass wir halt Samstag gespielt haben - da wollte ich doe vorher-Sachen fertig haben. Und am Sonntag habe ich mich einfach mal rausgesetzt und so weit geschrieben, wie ich kam.

Jetzt dauert es womöglich wieder, zumal ich völlig unmögliche Beschaffungsprobleme lösen muss.
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Dirim

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #51 am: 03. November 2005, 08:48:55 »
Zitat von: "Berandor"

Jetzt dauert es womöglich wieder, zumal ich völlig unmögliche Beschaffungsprobleme lösen muss.
Beschaffungsprobleme????

Berandor

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« Antwort #52 am: 03. November 2005, 16:02:52 »
 Aus der Vorlesung Beschaffung und Produktion.

Hammerteil, besonders wegen der Klausurrelevanz.
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Boras

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #53 am: 07. November 2005, 21:47:52 »
 Nachdem ich jetzt einige Tage SH geschludert hatte und mich der geballten Kraft Deiner SH gegenüber sehe, fürchte ich unser nächstes Treffen Ende November umso mehr.

Ich kann mich da Dirim mit seiner wohl dosierten Panik nur anschließen und fühle mit Thargad ob unseres Plappermauls "Ob Jenya wohl noch mal mit ihm sprechen möchte". Größer konnte die Spur voller Brotkrumen für unseren  :urgs: Herrn und Meister nicht gestaltet werden.

Serath

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #54 am: 07. November 2005, 23:48:17 »
 Endlich bin ich auf dem Laufenden, was die SH anbelangt. Hat ja "nur" ein paar Tage intensives Lesen gebraucht.

Ich muss sagen, deine SH gefällt mir immer besser. Den Anfang, der Teil in der Gnomenstadt, fande ich größtenteils langweilig, die Handlung riss mich einfach nicht mit. Aber dann wurde dein Schreibstiel immer spannender, die Atmosphäre dichter und auch der Witz hat nicht gefehlt. Inzwischen fiebere und leide ich richtig mit den Kettenbrechern mit.

Höhepunkte bisher waren für mich: Der Kampf mit Kazmojen, Annas Beerdigung, Thargad und Jil/Arlynn und der verrückte Jared.
Von der Atmosphäre, sowie von den Hintergrundinformationen, sind die Zwischenspiele einfach klasse.

Respekt für diese SH. Ich wünschte ich könnte so gut schreiben. Freue mich schon auf weitere Updates.

Serath, ein neuer treuer Leser.

Lillith

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #55 am: 13. November 2005, 11:25:50 »
 Hiermit möchte ich mich offiziell meinen Vorschleimern anschließen: Respekt dem DM und Autor, den Spielern und der gesamten Storyhour-Runde.

Darüber hinaus möchrte ich die Anbiederung dadürch erhöhen, dass ich keinen Beitrag in einem Thread meiner Wahl erwarte.... ich würde einen Erwähnung in der Story durchaus vorziehen!!!

Und ich rufe die Leserschaft (oder besser Berandor selbst) auf, Thargad zur Veröffentlichung seines Briefes zu zwingen.

@Shaz: Es hat drei Tage gedauert mich durch die versäumte Story zu lesen;)

In tiefer Verneigung, Lillith.      
I love the smell of bat guano in the morning.<br>Smells like ... VICTORY!!!

Berandor

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #56 am: 16. November 2005, 20:25:34 »
 Der Aufstand von Cauldron

Der große Festplatz füllte sich schon früh. Die Kettenbrecher verteilten sich und suchten sich jeweils einen Ort am Rande des Platzes, nur Dirim gesellte sich unter die Menge. Boras stand außen vor, Pecarri kroch in ein leeres Fass, und Thargad kletterte auf ein Dach. Der Festplatz war in etwa kreisförmig; an einem Rand lag das Stadthaus mit seinem großen Balkon, in der Mitte des Platzes erhob sich die große Statue von Surabar Zaubermeißel, dem Gründer Cauldrons.

Neben den Schaulistigen und Interessierten fanden sich auch einige Händler ein, die heiße oder kalte Ware anboten. Boras kaufte sich eine Wurst am Stock, lehnte aber bei Selams Kuchen dankend ab - Pfannkuchen mit Innereien waren einfach nicht sein Geschmack. Die Kettenbrecher hielten aber auch Ausschau nach etwaigen Verbündeten.

Boras war noch morgens an der Garnison gewesen und hatte einen gereizten Torwächter dazu gebracht, Terseon Skellerang zu rufen. Dieser war halb gerüstet erschienen, zwei Leibdiener im Schlepptau. Boras berichtete, was Helion gesehen hatte, und ließ auch nicht aus, dass zwei Torwachen die Flucht der Plakatierer ermöglicht hatten. Schließlich warnte er noch davor, dass jemand etwas gegen die  Söldner unternehmen könnte.

»Danke«, hatte Terseon gesagt. »Ich werde mich darum kümmern.« Dann war er gegangen. Der Torwächter hatte Boras noch eine Drohung hinterhergerufen, aber ein Blick des Barbaren brachte ihn zum Verstummen.

Thargad hingegen war im Helmtempel gewesen und hatte Jenya gewarnt. Es bestand immerhin die Möglichkeit, dass die Kundgebung nur ein Täuschungsmanöver war und der Tempel das wahre Ziel. Jenya stimmte ihm zu und versprach, sich abzusichern.

»Dann kann ich allerdings nur ein paar Helfer zum Festplatz schicken«, schloss sie. »Das ist dann euer Revier.«

Dirim hingegen hatte Beregard und seinen Leuten vorgeschlagen, den Rest der Stadt im Auge zu behalten, und der heilige Krieger hatte zugestimmt. So kam es, dass außer der MGA, die ein kleines Kontingent auf dem Balkon stationierten, und ein paar gemischtrassigen Wachtrupps, die vor allem das Stadthaus schützten, nur die Kettenbrecher am Festplatz waren, als Maavu schließlich erschien. Auch die Sturmklingen waren nirgends zu sehen.

Der Platz war überfüllt; es herrschte ein großes Gedränge und eine ebenso große Unruhe. Diejenigen, die nahe am Stadthaus und der Statue standen, waren schon früh eingetroffen und besonders ungeduldig, kamen jetzt aber nicht mehr so einfach wieder raus. Wer musste, kam vielleicht noch in eine nahe Seitengasse, aber mindestens eine Rangelei entstand, weil jemand den Weg nicht mehr aushielt. Auch auf den Dächern fanden sich mehrere Schaulustige, vor allem Kinder ein. Und dann, als die Unruhe drohte, in Unzufriedenheit umzuschlagen, wehte eine Staubwolke über den Platz. Die Menschen wichen ihr aus, Murmeln und Raunen folgten im Schlepptau der Wolke, und dann gespannte Stille. Die Wolke wehte bis in die Mitte des Platzes und dann an der Statue hinauf. Erst dort, teilweise auf Schultern und Armen stehend, verfestigte sie sich in die Gestalt des Händlers Maavu: ein braun gebrannter Mann mit weißem, sauber gestutztem Bart. Es wurde laut, aber als er die Hand hob, sogleich wieder leise - sogar noch leiser als vorher. Alle warteten, was jetzt geschehen würde.

»Bürger Cauldrons!«, begann Maavu, und seine Stimme hallte über den Platz. In den hinteren Reihen nahmen Hellhörige das Gesagte auf und gaben es weiter, bis auch der Letzte gehört hatte, was gesprochen ward. »Man presst Euch aus!« Zustimmender Applaus. »Nein, nicht irgendwer - der Stadtherr presst euch aus! Von heute an wurden die Steuern wieder erhöht. Sie wurden verdoppelt! Und wofür?«

»Für die verdammten Halborks«, rief einer.

»Für die Bengels des Stadtherren«, jemand anderes.

»Die verdammten Adeligen!«, ein Dritter. Aber immer wieder der Fluch auf die Söldner. Die halborkischen Stadtwachen am Platz sahen sich unsicher um. Dann begannen sie, sich unauffällig zurück zu ziehen. Maavu hob erneut die Hand.

»Diese Stadt ist der Korruption verfallen!« Applaus und Beifallsrufe. »Wisst ihr, wie verkommen die Führung der Stadt bereits ist?«

»Sags uns!«, rief jemand, gefolgt von »Schnauze, Dummkopf!« aus einer anderen Kehle.

»Das werde ich«, ging Maavu auf die Unterbrechung ein. »Laut der Gesetze Cauldrons kann ein Mitglied der fünf ehrbarsten Adelsfamilien der Stadt jederzeit den Kommandanten der Stadtwache zu einem Duell fordern, um seinen Posten einzunehmen. Der tapfere und ehrliche Alek Tercival  – viele von euch kennen ihn – hat vor einem Monat bereits Terseon Skellerang herausgefordert. Und was ist passiert? Nichts! Man hat nicht einmal die Herausforderung öffentlich gemacht, wie es eigentlich Gesetz ist.«

Eine große Unruhe breitete sich aus. Viele Stimmen äußerten ihren Unmut. Die Kettenbrecher spannten ihre Nerven an - hier würde gleich etwas passieren, das lag einfach in der Luft.

»Wo ist Alek?«, rief jemand. »Warum ist er nicht hier?«

Maavu schwieg für einen Moment. Dann sagte er: »Er ist verschwunden.«

Jetzt rief mehr als eine Stimme nach Vergeltung, und fast jeder machte Severen Nalavant und Terseon Skellerang zum Ziel seines Zorns. Und dann machte die Stadtwache einen großen Fehler. Die Türen zum Stadthaus öffneten sich, und heraus kamen fünf Halborks, angeführt von dem Sergeanten Skylar Krewis. Dieser zeigte mit seinem Schwert auf die Statue:

»Maavu, im Namen Cauldrons seid ihr verhaftet!« Dann bahnte er sich einen Weg durch die Massen. Die Halborks umringten ihn. Plötzlich sprang ein Junge vor, die Hand erhoben, in der ein Messer steckte.

»Tod den Halborkschweinen!«, schrie der Junge und stieß einer Wache das Messer in die Brust.

Und dann brach die Hölle aus.

-

Der Halbork ging gurgelnd zu Boden. In einem seltenen Akt der Telepathie hatten Skylar Krewis, Maavu, Pecarri, Dirim, Boras und Thargad alle den selben Gedanken, und sie alle sprachen ihn aus:

»Scheiße!«

Um die Wachen herum griffen die Menschen nach allem, was ihnen nahe stand. Plötzlich hielten sie Knüppel, Stöcke, Pflastersteine in der Hand. Der ein oder andere hatte sogar eine Waffe mitgebracht.

»Kein Angriff!«, rief Skylar Krewis. Es war nicht klar, ob seine Männer ihn hören konnten. Oder auf ihn hören würden.

Thargad überlegte kurz, dann begann er, über die Dächer zu laufen. So war er schneller als durch die Menge. Pecarri wollte Überblick gewinnen und schwebte ebenfalls auf ein nahes Dach - die Umstehenden achteten nicht auf ihn. Boras reckte seinen Hals, dann brüllte er.

»Aus dem Weg, Mensch! Macht Platz!« Um ihn herum wichen Leute aus, wurden aber gleich wieder zurück geschubst. Er war zu weit weg, um etwas zu tun.

Dirim riss sein heiliges Symbol hervor. Jemand rempelte ihn an, und er ließ es beinahe fallen. »Tyr, kühle ihre Gemüter«, bat er und konzentrierte sich auf die Menge um die Stadtwachen. Sogleich ließen einige ihre Waffen sinken. Dann wurden sie von hinten Stehenden gepackt und zurück gezogen. Andere Hitzköpfe nahmen ihren Platz ein.

Thargad war so nahe gekommen, wie über die Dächer möglich, als die zweite Welle gegen die Wachen prallte. Die Halborks versuchten, sich zu schützen - mehr als ein Gesicht wurde von einer gepanzerten Faust blutig geschlagen - aber sie standen auf verlorenen Posten. Skylar Krewis fischte eine Phiole aus dem Gürtel und - kurzzeitig geschützt von Dirims Zauber - trank sie, ohne dass sich eine Wirkung einstellte. Boras brüllte wieder, und wieder kam er ein paar Schritte vorwärts. Kleine Menschengruppen lösten sich von der Menge und zogen in die Straßen hinaus, um ›ein paar Schweinenasen dieselben einzuschlagen‹. Die MGA sahen sich hilflos an und zogen sich zurück. Dirim begann ebenfalls, sich durch die Menge zu schlagen. Thargad sprang vom Dach.

Am Stadthaus ging die Tür zum Balkon auf, und ein Wirbelwind kam heraus geflogen, schoss auf Maavu zu und blieb direkt vor ihm stehen. Dann zerfaserte der Wind und enthüllte die Gestalt eines blauhäutigen Humanoiden mit zwei windumwogten Krummsäbeln. Die Figur schlug nach Maavu, der gerade noch ausweichen konnte. Die Menge prügelte weiter auf die Halborks ein; mehr als einer war inzwischen zu Boden gegangen. Thargad quetschte sich an Menschen vorbei und hoffte, immer noch in die richtige Richtung zu gehen. Skylar Krewis schlug schützend die Hände über den Kopf, und Schläge prasselten auf ihn ein. Boras war kurz davor, die Menge um ihn herum mit seiner Axt zu teilen. Maavu nahm eine Phiole in die Hand und entkorkte sie. Pecarri identifizierte den Humanoiden als einen “Windfürsten”, ein auf der Luftebene lebendes Geschöpf, wahrscheinlich beschworen. Der Windfürst schlug Maavu den Trank aus der Hand, bevor der ihn trinken konnte. Ein grüner Strahl traf ihn und wurde zu einem grünen Leuchten, als Pecarris Zauber ihn traf und jegliche magische Fluchtmöglichkeit zunichte machte. Dirim hielt inne, um sich zwischen Maavu und Skylar Krewis zu entscheiden. Der Sergeant stolperte zwei Schritte auf das Stadthaus zu.

»Dispensat!«

Pecarris Zauber zerrte an den Fasern, die den Windfürsten gerufen hatte, aber bannten ihn nicht. Maavu wich zurück, balancierte jetzt auf dem Arm der Statue, zehn Schritt über dem Boden. Skylar Krewis war wieder etwas näher am Stadthaus, als ihn jemand packte und zu Boden reißen wollte. Thargad sah nur Rücken vor sich. Wo waren die Wachen? Der letzte Halbork ging zu Boden, und gleich waren mehrere Menschen über ihm und stampften und schlugen. Boras stieß die Leute wild aus dem Weg. Der Windfürst folgte Maavu. Dirim nahm sein heiliges Symbol und konzentrierte sich.

»Tyr, lasse deine Macht wie einen Adler hernieder kommen!«

»Dispensat!«


Wieder konnte Pecarri den Zauber nicht bannen. Verzweifelt nahm er eine Schriftrolle aus seinem Rucksack. Einen Versuch hatte er noch. Skylar Krewis hielt sich kaum noch auf den Beinen, aber immer noch versuchte er, zum Stadthaus zu kommen. Boras schlug einen Mann nieder, der nach seiner Axt gegriffen hatte. Jetzt hatte er etwas Platz. Maavu sah sich hilfesuchend um und bemerkte den Beschwörungskreis, der in der Luft hing. Er wandte sich dem Windfürsten zu und spannte seine Muskeln. Pecarri rollte die Schriftrolle auseinander. Thargad schob sich zwischen zwei Männern durch und stand plötzlich neben Skylar Krewis. Der Windfürst hob beide Schwerter und ließ sie niedersausen. Maavu sprang nach hinten. Dirim brach der Schweiß aus, als er den Zauber verschob. In der Luft über Maavu erschien ein Riesenadler. Gerade, als der Händler zu fallen begann, packte das Geschöpf zu. Der Adler flog über den Platz in Richtung des Daches, auf dem Pecarri gerade stand. Boras blieb stehen, dann fluchte er und änderte die Richtung. Der Windfürst nahm Wirbelwindgestalt an und flog hinter dem Adler her. Dirim erkannte, dass der Windfürst schneller war. Thargad stellte sich zwischen Skylar Krewis und die Massen. Skylar Krewis stolperte zur Tür des Stadthauses und quetschte sich hinein. Nun stand Thargad vor der Tür, hinter ihm die aufgebrachte Menge. Der Adler flog direkt über Pecarri, als der Windfürst ihn einholte.

»Dispensat, du verdammtes Vieh!«

Wieder nichts. Thargad fummelte mit seinen Dietrichen und versuchte, die Tür des Stadthauses abzusperren. Er hörte, wie sich hinter der Türe Wachen formierten, und in seinem Rücken die Bürger dasselbe taten. Dirim lenkte den Adler wieder zurück in die Mitte des Platzes und ließ Maavu direkt bei ihm fallen. Boras fluchte und änderte die  Richtung erneut. Der Windfürst folgte dem Adler und nahm noch in der Landung Gestalt an. Thargads Dietriche verrutschten schon wieder. Hinter der Tür gab der Kommandant den Befehl, den Platz zu stürmen. Thargad wandte sich zur Menge um.

»Rennen wir diese Scheißtür einfach ein!« Die Massen johlten und rammten vor die Tür, während von innen die Wachen versuchten, sie aufzustoßen. Es war ein Patt. Pecarri hatte genug von Bannzaubern. Er schoss vier magische Geschosse über den Platz, die silberweißen Kugeln gleich gegen den Windfürsten prallten. Dirim drängte sich zwischen Maavu und den Windfürsten. Die Menge um sie herum ergriff die Flucht, und Boras richtete einen kurzen Dank an Uthgar, dass er endlich voran kam. Im Laufen zog er die Axt. Thargad schob sich die Wand neben der Türe hoch und kletterte auf den Balkon des Stadthauses. Unter ihm flog die Türe auf, und die vordersten Bürger gingen zu Boden. Aus dem Inneren sah man Waffen und gerüstete Wachen drängen. Der Windfürst formte seine Hände zu einem Trichter; es knisterte, und dann schoss ein Blitzstrahl daraus hervor und trieb Dirim und Maavu die Tränen in die Augen und die Haare zum Himmel. Thargad konzentrierte sich auf Severen Nalavant und flüsterte arkanen Singsang, bis sich seine Gestalt der des Stadtherren anpasste. Dann trat er an das Balkongeländer.

»Hört sofort auf euch zu schlagen!«, rief er mit verstellter Stimme. »Ihr macht euch doch nur schmutzig!«

Die Wachen hielten inne. Die Bürger sahen verdutzt nach oben. Für einen Moment kam das Gefecht am Stadthaus zur Ruhe. Anderswo prallten wieder magische Geschosse gegen den Windfürsten, und Maavu beugte sich zu Dirim vor.

»Danke für die Hilfe. Ich bin unschuldig. Trefft mich in den nächsten zwei Tagen im Roten Kumpel in Redgorge.« Dann versuchte er, sich unter die Menge zu mischen, grün leuchtend wie er war. Der Windfürst feuerte einen weiteren Blitzstrahl ab. Dirim sah Maavu nach, dann zog er sein Schwert und stellte sich dem Windfürsten. Endlich war Boras heran und stellte sich hinter den Gegner.

»Hört gefälligst darauf, was ich sage!«, rief Thargad/Severen Nalavant. »Zieht euch zurück!«

»Das ist der Stadtherr!«, riefen einige Bürger und begannen, Thargad mit Steinen zu bewerfen.

»Hilfe!«, rief Thargad.»Flieht!«

»Was machen wir, Kommandant?«, fragte eine Wache.

»Seid ihr Feiglinge?«, bellte der zurück. »Wollt ihr auf Lord Röckchen hören? Raus mit euch!«

Der Windfürst schlug nach Dirim. Ein Schwert prallte auf Dirims Schild, das andere ging knapp fehl. Dirim schwitzte inzwischen stark. Boras drang auf den Windfürsten ein und machte dem seinerseits zu schaffen. Die Stadtwachen drangen mit erhobenen Waffen auf den Festplatz. Thargad sprang vom Balkon und ließ an seinem Landeplatz einen Rauchstab hochgehen, in dessen Schutz er den Zauber beendete. Die Wachen und Bürger prügelten aufeinander ein. Pecarri wandte sich vom Kampf gegen den Windfürsten ab.

»Arachnidia!« Aus dem Boden und den Wänden schossen klebrige Fäden, die Stadtwachen und Bürger in einem Netz fesselten. Thargad wich den Fäden knapp aus und machte sich davon. Der Windfürst sah Maavu entschwinden und trat an Dirim vorbei, doch dieser nutzte die Unaufmerksamkeit, um ihn zu Fall zu bringen, und Boras tat den Rest.

Für einen Moment hielten die Kettenbrecher inne. Der Festplatz hatte sich geleert; nahe der Statue verschwand gerade die beschworene Gestalt des Windfürsten, am Stadthaus klebten einige gerade noch Kämpfende in Pecarris Netz, vielerorts lagen Verwundete. Dort, wo die Halborks gefallen waren, lagen kaum zu entziffernde Fleischhaufen. Überall in der Stadt hörte man die Geräusche von splitterndem Glas, Schreien, und den schweren Schritten der Stadtwache, die jetzt in voller Stärke ausrückte. Maavu war weg.

Dirim blies sich eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht. »Wars das?«, fragte er keuchend, obschon er selbst ahnte, dass der Tag gerade erst begonnen hatte.
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Berandor

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #57 am: 16. November 2005, 20:35:31 »
 Windfürst   (CR 7)
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Nagakeng

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #58 am: 16. November 2005, 22:55:38 »
 Ich würde gern mal meinen mir noch aus dem III. Teil zustehenden Post einfordern.
Was heißt einfordern, nein, ich bitte dich, Berandor, dir einfach einmal den letzten Eintrag (57/1) in meiner SH durchzulesen, und mir dann dort zu sagen, wie du ihn findest.
Darin habe ich einmal versucht, deinen klasse Schreibstil (so weit es passte, besonders auf persönliche Rede bezogen) nachzuahmen. :)

Naja, wenn ichs mir so durchlese, hat es doch nicht viel gemein, mit deiner Art zu schreiben. Trotzdem würds mich freuen, wenn du ihn durchliest und deine Meinung postest.

Gruß, Nagakeng.

Kylearan

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #59 am: 17. November 2005, 09:04:38 »
Zitat von: "Berandor"
Neben den Schaulistigen und Interessierten
Sehr netter Vertipper ;-)

Und du hast den Feuerball über der Menge bei den Orks vergessen, mit dem Peccari den Wachen ein wenig Luft verschaffen wollte.

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

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