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Autor Thema: Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)  (Gelesen 22437 mal)

Beschreibung:

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shaz´narahd

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #60 am: 17. November 2005, 09:22:52 »
 Schade das ich nicht dabei war  :( .
Wenigstens hat Thamior somit keinen weiteren Grund Menschenstädte noch mehr zu verachten  ;) .

Das nächste mal bin ich wieder dabei *freu*.

shaz

PS: Sehr gute Aktionen. Besonders Thargads Aktion fand ich klasse, auch wenn es nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat - super Idee.
"Ich höre nichts", sagte Anna zum Zwerg, der ihr beipflichtete. Der Raum hinter Tür schien eindeutig leer zu sein... bis auf den Tod!

Thargad

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #61 am: 17. November 2005, 10:13:02 »
Zitat von: "Berandor"
Thargad konzentrierte sich auf Severen Nalavant und flüsterte arkanen Singsang...

 
An assassin casts spells just as a bard does.

 :D  

@Lillith: Sobald ich den Brief wiederhabe, veröffentliche ich ihn gerne.

Kylearan

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #62 am: 17. November 2005, 11:16:01 »
Zitat von: "shaz´narahd"
PS: Sehr gute Aktionen. Besonders Thargads Aktion fand ich klasse, auch wenn es nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat - super Idee.
Was haben wir gelacht - Thargads Spieler brachte eine perfekte Darstellung dieses weinerlichen Wichts von Stadtherr an den Tisch. Brilliant!

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #63 am: 17. November 2005, 13:34:33 »
Zitat von: "Kylearan"
Zitat von: "Berandor"
Neben den Schaulistigen und Interessierten
Sehr netter Vertipper ;-)

Und du hast den Feuerball über der Menge bei den Orks vergessen, mit dem Peccari den Wachen ein wenig Luft verschaffen wollte.

Kylearan
Ja, stimmt.

Kommt in den "Director's Cut" - die PDF-Datei :)
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

Guest

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #64 am: 18. November 2005, 18:28:27 »
 Die letzte Wartezeit kam mir wie die Ruhe vor dem Sturm vor und das ist tatsächlich eine passende Beschreibung für das was du dem geneigten Leser wieder einmal auf dem silbernen Tablett der Dramatik servierst.

Ich weiß kaum wo ich anfangen soll, doch es spricht sehr für deinen Spannungsaufbau, wenn man sich schon bei den ersten Worten wieder an die letzten Geschehnisse erinnern kann und sich eine gewisse angespannte Erwartungshaltung einstellt.

Der Auftritt Maavus und die folgende gesteigerte Massendynamik, die beim Auftritt der Stadtwachen schließlich überkocht war ebenso packend wie realistisch (ist als Kompliment gemeint) beschrieben.

Ebenso gut hat mir der anschließende Kampf gefallen, währenddessen sich simultan ja die Lage am Platz immer mehr zuspitzte.. Generell muß ich sagen, dass die Art wie du Kämpfe schilderst stets dieses dynamische Element hat, nie wirkt es wie "Diablo für multiplayer".

Thargads Auftritt hat auch mir sehr gut gefallen, nett mal die Assassin spells in Anderem als dem üblichen Gebrauch zu sehen  :ph34r:

Zuguterletzt macht der Cliffhanger absolut Lust auf mehr - hoffentlich läßt du uns nicht wieder so lange schmoren..

Askael

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #65 am: 18. November 2005, 18:29:29 »
 Sorry, war nicht eingeloggt.. ( - bloß fürs Post zuordnen)
Pünktlichkeit ist der Dieb der Zeit

Berry

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #66 am: 19. November 2005, 00:58:26 »
 schmoren ist gut... hoffentlich dieses WE den nächsten (aktuellsten) Teil

Berandor

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #67 am: 20. November 2005, 19:40:37 »
 Halbork vom Grill

»Ist bei Euch alles in Ordnung?«

Jenya sah auf, dann beugte sie sich wieder über den Verletzten und wusch seine Wunde aus. »Sieht das hier so aus?« Der Helmtempel war voller Menschen. Einige waren scheinbar vor dem Chaos in den Straßen geflüchtet, andere kamen, um die Heilkünste der Kirche in Anspruch zu nehmen. »Aber wenn ihr meint, ob die Kirche angegriffen wurde - nein. Tut mir leid, ich habe im Moment wenig Zeit.«

»Kein Problem«, sagte Dirim. »Wir wollten nur sicher gehen.«

»Einen Moment noch«, warf Thargad ein. »Was ist mit Alek?« Rasch erzählten sie, was Maavu über den Paladin gesagt hatte.  Jenya lauschte, während sie sich weiter um Bedürftige kümmerte.

»Es kann schon sein, was Maavu sagt. Aber Alek ist seit etwa einem Monat verschwunden. Ich hatte angenommen, dass er auf einer Queste sei, oder eine Möglichkeit suchte, um zu Gold zu kommen. Vielleicht steckt ja wirklich etwas anderes dahinter?«

»Was glaubt ihr, warum man die Herausforderung nicht öffentlich gemacht hat?«

»Vielleicht wusste Skellerang nichts davon - oder er hatte seine eigenen Gründe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er Alek fürchtete.«

Pecarri stieß eine kleine Rauchwolke aus seinen Nüstern, etwas, das er gerade erst gelernt hatte. »Was sind das eigentlich für Duelle?«

»Altes Stadtrecht.« Jenya wischte sich mit einem blutigen Lappen über die Stirn, der einen roten Streifen zurückließ. »Jeder, der zu den fünf wichtigsten Adelsfamilien gehört, kann den Kommandanten der Stadtwache herausfordern und seinen Platz in einem Duell erkämpfen. Diese Familien sind Taskerhill, Aslaxin, Rhiavadi, Vanderboren - und Tercival, obwohl diese Familie seit einigen Jahren verarmt ist.«

Boras kratzte sich etwas Schmutz vom Arm. Ihn interessierte diese ganze Vorgeschichte nicht. »Aber was ist nun mit den Duellen? Enden sie tödlich?«

»Manchmal.« Jenya bat den Barbaren, einen Mann ruhig zu halten, als sie ihm den gebrochenen Arm richtete. Der Mann biss dabei auf einen Holzkeil, der unter dem Druck beinahe zersplitterte. »Normalerweise solange, bis einer der Beiden aufgibt. Aber nicht immer will jemand aufgeben, oder hört der andere auf diesen Ruf.«

»Ich frage mich, ob Maavu die Wahrheit sagt«, meine Pecarri. »Und ob Terseon von der Herausforderung wusste.«

Sie verabschiedeten sich von Jenya und verließen den Tempel. Auf der Straße trennten sie sich; Dirim wollte zurück in seinen Tempel, und die anderen Kettenbrecher dafür sorgen, dass nicht noch mehr Menschen zu Schaden kamen. Auf den Straßen zogen immer noch Raufbolde und Plünderer umher, ebenso wie immer schlechter gelaunte und gewaltbereitere Wachen. Die Kettenbrecher bemühten sich, wann immer möglich zu schlichten. Dabei half neben Boras’ bösem Blick auch ihr Ruf, kein Freund des lokalen Adels zu sein. Die Sturmklingen blieben verschwunden, aber man sah einzelne Mitglieder der MGA in den Wachtrupps, die mit Schlaf- und Netzzaubern zu Werke gingen, anstatt direkt Waffengewalt anzuwenden.

Nach zwei bis drei Stunden war es dann endlich vorbei. Es gab einige Tote, so hörte man, Dutzende von Verletzten und eine Vielzahl von Gefangenen. Die Kettenbrecher begaben sich zum Tyrtempel zurück und halfen auch dort noch aus, wo sie konnten.

Schließlich schien das Gröbste überstanden und die Bittsteller befriedigt. Nicht zum ersten Mal dankte Dirim den Erbauern des Tempels, während er sich in der heißen Quelle im Untergeschoss genüsslich treiben ließ. Die Hitze entspannte seine Muskeln und trieb ihm die Kälte aus den Knochen. Der Schlaf drohte ihn zu übermannen, bis er treibend gegen Boras stieß und der Barbar die Gelegenheit nutzte, den Zwerg ein wenig unterzutauchen. Thargad saß wie immer in der Ecke des Bads und beobachtete alles, während Pecarri sich wünschte, das Wasser wäre noch ein paar Grad heißer - als Mensch war ihm das nie aufgefallen. Außer den Kettenbrechern hatten auch die Tempelwachen und selbst Beregard Platz in der großen Quelle gefunden, wenn es jetzt auch voll genug war, dass Dirims und Boras’ Spielereien zu einer großen Wasserschlacht auszuarten drohte. Folglich verließen Thargad und auch Pecarri relativ schnell wieder das Bad, nachdem sie sauber und halbwegs erholt waren.

»Kinder«, sagte Thargad zu dem Magier.

»Menschen«, gab Helion neckisch zurück.

-

Thargad nutzte die Gelegenheit, um Meerthan einen Besuch abzustatten. Allerdings gab es kleine Probleme in Gestalt eines übervorsichtigen Gastwirtes.

»Ich kann euch nicht einfach zu ihm hoch lassen«, sagte der Mann erneut.

»Aber Meister Bernhelm erwartet mich.«

»Davon hat er mir nichts gesagt. Tut mir leid, aber bei dem, was heute in der Stadt los ist, kann ich nicht einfach jeden dahergelaufenen Kerl in die Gästezimmer lassen.«

Thargad starrte den Mann an. »Ich bin mindestens einmal die Woche hier. Ihr kennt mich.«

»In der Tat, das tue ich. Und das ist der Grund, warum ich Euch nicht direkt herausgeworfen habe.«

Thargad wandte sich um und stürmte fast aus dem Raum. Dann ging er um das Wirtshaus herum, bis er Meerthans Zimmer gefunden hatte. Mit der Kraft seiner Kletterstiefel ging er die Wand hoch und klopfte an die Scheibe. Meerthan machte ihm sofort auf.

»Thargad! Kommt rein. Auch einen Tee?« Der ›Zwerg‹ hielt ihm eine Kanne hin, aus der es dampfte. »Ist ganz frisch.«

»Wart ihr da?«

Meerthan setzte die Kanne wieder ab und setzte sich. «Ja. Furchtbar.«

»Was habt ihr getan?«

»Ich? Was konnte ich tun? Ein Zwerg, mitten in der Menge. Ich kann nicht einfach anfangen zu zaubern, wenn es nicht einen wirklich triftigen Grund gibt.«

»Triftiger Grund? Es sind Menschen gestorben.«

Meerthan schloss die Augen. »Ich weiß. Glaub mir, das weiß ich.« Er sah Thargad an. »Aber ich hätte den Tod der Menschen nicht verhindern können. Vielleicht hätte ich es noch schlimmer gemacht. Ganz sicher aber hätte ich meine Identität preisgegeben, die inzwischen ohnehin schon wackelig ist - schließlich bin ich für einen fahrenden Händler schon ziemlich lange hier am Ort.«

»Aber-«, begann Thargad erneut.

»Ich hatte Kampfzauber vorbereitet«, unterbrach Meerthan ihn. »Und gegen wen hätte ich die richten sollen? Gegen die Menge? Die Stadtwache? Gegen Maavu?« Er hob die Schultern und sah Thargad mit hochgezogenen Augenbrauen an.

»Trotzdem sind sie tot.«

»Corellons Tränen, das sind sie. Aber«, Meerthan zögerte. »Ich habe mich auch schon mit Berion darüber unterhalten. Gestritten trifft es eher. Diese Menschen sind tot, Thargad. Aber manchmal ist das unvermeidlich.«

-

Als Thargad zum Tempel zurückkam, fand er Boras etwas mürrisch vor.

»Was ist denn los?«, fragte er.

»Wir haben Döppen gespielt«, sagte der Barbar.

»Und wer hat gewonnen?«, fragte Thargad, ohne sich wirklich für die Antwort zu interessieren.

»Alina.«

»Wieso denn das?« Alina war eine zähe Kämpferin, aber er hätte nicht gedacht, dass jemand wie sie den schweren Boras von den Beinen holen konnte.

»Sie war nackt«, beschwerte sich der Barbar.

»Du doch auch.«

»Ja, aber... ich konnte sie doch nicht einfach untertauchen.«

Thargad atmete tief durch. »Nein«, sagte er und bemühte sich um einen versöhnlichen Ton. »Wahrscheinlich konntest du das nicht.« Kopfschüttelnd wollte er davon gehen, als plötzlich Glockengeläut durch die Stadt hallte. Die Stadtglocke, dreimal, dann Pause, und wieder dreimal. Schon an einem ihrer ersten Tage in Cauldron hatte man sie vor diesem Signal gewarnt, und was es hieß.

Feuer.

-

Der Ort des Brandes war schnell entziffert: rotes Leuchten ging von ihm aus und tauchte den Abendhimmel in waberndes Blut. Es war das Gasthaus ›Zur Schwefelmaid‹, das von den Halborks bewohnt wurde. Als die Kettenbrecher endlich dort ankamen, mussten sie sich durch die Menge an Schaulustigen kämpfen.

»Lasst sie brennen«, erscholl es aus mehreren Kehlen, oder: »Geschieht ihnen recht!«

Die Halborks selbst waren dabei, das Gasthaus niederzureißen. Mit ihren Äxten schlugen sie gegen das Fundament, um es zum Einsturz zu bringen. Ein Halbork, scheinbar ein Vorgesetzter, dirigierte das Ganze und musste sich gleichzeitig dem Flehen eines älteren, dürren Mannes erwehren.

»Was tut ihr denn da?«, kreischte der Mann. »Mein schönes Gasthaus!«

»Wir verhindern, dass der Brand auf die Stadt übergreift, Dummkopf.« Der Halbork stieß ihn weg. Der Mann krallte sich in dessen Schulter.

»Nicht! Ihr müsst etwas dagegen unternehmen!«

Jetzt packte der Halbork den Mann an der Kehle und zog ihn zu sich heran. »Und was?«, raunte er, als er dem Mann seine Waffe ins Gesicht hielt. Die Klinge des Krummsäbels war geschmolzen. »Schwerter nützen hier nichts mehr!«

»Eure vielleicht nicht«, sagte Boras und stellte sich neben die Beiden. In seinen Händen lag Schlachtenwut und glänzte, ihr roter Stahl im flackernden Feuerschein lebendig geworden. »Unsere schon.«

In diesem Augenblick brach ein Teil der Vorderwand auseinander, und aus dem Feuer traten zwei Wesen mit rissiger, schwarz-gelb gefleckter Haut. Ihre Schuppenschwänze waren fast doppelt so lang wie ihr nackter Torso hoch war, und in den Händen hielten sie rot glühende Eisenspeere. Salamander, wie Pecarri wusste, und natürlich gegen Feuer immun - womit ein Großteil seines magischen Arsenals ausgeschaltet war. Der Kobold entschloss sich, erst einmal im Hintergrund zu bleiben und abzuwarten.

Boras und Thargad entschieden sich anders. Boras lenkte den Angriff eines der Wesen auf sich, während Thargad unter dem peitschenden Schweif durch tauchte und mit einer Rolle hinter ihm zum Stehen kam. Sofort drang sein Kurzschwert in den Körper des Wesens ein und zog eine tiefe Wunde. Boras’ Hieb wurde von dem Speer des Wesens abgefangen, dann schlang sich der Schwanz um den Arm des Barbaren. Boras spürte die Hitze des Wesens - es schien selbst zu brennen - bevor er sich losriss.

»Steht da nicht so rum, ihr Idioten«, befahl der Halbork seinen Männern. »Helft ihnen!«

Obwohl sie selbst kaum etwas gegen die Salamander ausrichten konnten, umzingelten die Wachen die Salamander. Einer wurde gleich von dem Schwanz des zweiten Salamanders erwischt und hoch gehoben. Der Salamander begann, der Wache das Leben auszupressen. Die anderen Halborks aber schlugen gegen die Speere der beiden Monstren, führten Scheinangriffe aus und versuchten die Wesen zu blenden, um den Kettenbrechern die Gelegenheit zum Angriff zu geben.

Boras nutzte sie als Erster. Für einen Moment sah er beide Salamander unaufmerksam. Er duckte sich unter einem Speerhieb durch und schlitzte den ersten der Beiden von unten nach oben auf. Noch während der Erste sein heißes Blut auf den Pflastersteinen vergoss, wirbelte der Barbar weiter und schlug dem Zweiten Salamander den Kopf ab.

Kurz herrschte überraschte Stille ob dieses plötzlichen Endes. Dann ertönte Jubel, sowohl von den Halborks als auch von den Umstehenden, von denen sich nur eine Handvoll angesichts der herum liegenden Gedärme übergeben mussten. Wieder einmal hatten die Kettenbrecher den Tag gerettet.

»Hilfe«, hörte Thargad es leise aus dem Wirtshaus krächzen. Er sah sich um, aber niemand sonst schien es zu bemerken.

»Los, Jungs«, rief der Halbork-Kommandant. »Feiern könnt ihr später. Reißt das Haus ein!«

»Wartet! Da ist noch jemand drin!«

»Quatsch«, sagte der Halbork. »Und wenn, ist es jetzt eh zu spät.«

»Wenn er sagt, da ist jemand drin«, mischte Dirim sich ein, »dann ist das so. Wir gehen rein.«

»Gut, wir warten.« Der Halbork sah sich die Umstehenden Häuser an. Hier, nahe des Kratersees, bestand alles fast nur aus Holz. »Aber nicht lange.«

Dirim und Thargad betraten die brennende Wirtsstube. Dichter Rauch ließ sie husten, und zwischen brennenden Tischen und heruntergefallenen Deckenbalken konnte man kaum etwas erkennen. Thargad spürte, wie die Haare auf seinem Arm versengt wurden. Dirim machte sich kurz Sorgen um seinen Bart, und legte vorsichtshalber einen Feuerschutzzauber auf sich.

»Ist da jemand?«, rief Thargad.

»Hi- hier!« Eine schwache Stimme. Thargad sah zu Dirim, und gemeinsam drängten sie sich durch die Flammen, bahnten ihren Weg in das Hintere des Raumes. Unter einem gestürzten Balken lag ein junger Mann, eine Handvoll Lenze über zehn, die Rüstung der Stadtwache kaum erkennbar vor Ruß und Rauch. Dennoch hatte die Rüstung ihm wohl das Leben gerettet, sodass nur sein Bein gebrochen schien.

»Ich bin eingeklemmt«, stöhnte er.

»Wir holen dich da raus«, sagte Thargad. Er und Dirim zählten, dann hoben sie gleichzeitig den Balken an. Er rührte sich nicht. Schweiß stand jetzt schon auf Thargads Stirn, und seine Lederrüstung begann, langsam zu kokeln. Dirim musste husten.

»Nochmal!« Wieder hoben sie, und diesmal bewegte sich der Balken, aber nicht lange genug, dass der Junge hervorkriechen konnte.

»Boras!«, rief Dirim und musste gleich wieder husten. »Komm her!«

Draußen wollte der Halbork gerade wieder mit den Abbrucharbeiten anfangen, als der Ruf erklang. Boras sah ihm direkt in die Augen.

»Dreißig Sekunden«, sagte der Kommandant. Boras nickte. Dann rannte er ins Feuer. Sechs Sekunden. Boras orientierte sich. Dirim und Thargad versuchten es erneut, ohne Erfolg. Zwölf Sekunden. Boras stolperte durch das Feuer, Rauch drang ihm in die Lunge, und vor Husten stolperte er beinahe in ein Loch, wo der Boden in den Keller gestürzt war. Auch Thargad musste husten. Achtzehn Sekunden. Boras kam bei den anderen an und erkannte die Lage. Sie stellten sich um, Thargad hockte sich zu dem Verletzten. Vierundzwanzig Sekunden. Boras spannte seine Muskeln an, Dirim half. Der Balken ruckte. Boras verschluckte sich am Rauch und hustete, sein Griff rutschte ab. Dreißig Sekunden. Der Halbork-Kommandant sah zu seinen Männern. Boras presste wieder gegen den Balken, Dirim klemmte sich von unten dagegen. Der Balken hob sich. Thargad zerrte an dem jungen Mann und zog ihn heraus. Sechsunddreißig Sekunden. Der Halbork-Kommandant schüttelte traurig den Kopf. Er hob seinen Arm für das Signal. Boras packte sich den Verletzten und warf ihn über die Schulter. Dirim ging voraus um den besten Weg nach draußen zu finden, Thargad und Boras hinterher. Zweiundvierzig Sekunden. Sie kamen aus dem Wirtshaus hinaus, als gerade ein weiterer Balken krachend zu Boden stürzte.

»Na endlich«, rief der Kommandant. »Los, Jungs!« Sogleich begannen die Halborks damit, das Haus endgültig einzureißen und den Übergriff des Feuers zu stoppen. Weitere Söldner hatten inzwischen vom See Wasser geholt, und als Erstes bekamen Kettenbrecher und gerettetes Opfer einige Eimer über den Kopf geschüttet. Die Metallrüstungen zischten, als sie so plötzlich wieder abgekühlt wurden. Wieder jubelte die Menge, während sie gleichzeitig die Halborks beschimpfte.

»Wo kommt der denn her?«, fragte Pecarri verwundert.

»Das ist ein Bote«, sagte der Kommandant, ohne zu ihnen hinzusehen. »Er wartete auf Grukk mit irgendeiner Nachricht.«

»Ja«, keuchte der junge Mann. »Lord Valanthru möchte ihn sehen.«

»Ich sags ihm«, lachte der Halbork. »Und jetzt schau erst Mal, dass du wieder hinkommst.«

»Wir bringen ihn in den Tempel«, sagte Dirim. Gemeinsam bahnten sie sich wieder einen Weg durch die Menge.

»Sag mal, spürst du was?«, fragte Boras plötzlich. »Irgendwie... Freiheit?«

Dirim sah ihn komisch an. »Zu viel Rauch?«

»Nein«, sagte Pecarri. Seine Augen sprühten Feuer. »Ich spüre es auch. Als wäre ein Klotz von meinem Bein genommen, oder ein Schloss um meinen Verstand.«

»Helms erste Queste«, sagte Thargad ruhig. In ihm stritten Stolz und Unverständnis. »Wir haben sie erfüllt.«

-

Später am Abend gingen Stadtschreier durch die Straßen und verkündeten den Erlass des Stadtherren:

»Im Namen Severen Nalavants und der Stadt Cauldron wird hiermit verkündet, dass die Unruhen, die diesen Tag befleckten, zu Ende seien. Geht nach Hause, Bürger. Die Gefangenen dieses Tages werden morgen vormittag entlassen, um ihre schlimmsten Wunden wird sich gekümmert. Es wird niemand Strafe von diesem Tag davontragen, der Stadtherr vergibt Euch allen. Allen, außer dem Bösewicht und Übeltäter Maavu. Der Händler wird wegen Hochverrats und Aufrührerei gesucht. Wer ihn versteckt oder vor seiner gerechten Strafe schützt, gilt als seines Gleichen.

»Des Weiteren erklärt die Stadt, dass der Paladin Alek Tercival eine formale Herausforderung an Terseon Skellerang gestellt hat, um nach dem alten Stadtrecht um den Posten des Hauptmanns der Stadtwache zu streiten. Aus Sorge um das Wohl Alek Tercivals wurde diese Herausforderung bislang nicht veröffentlicht. Der Paladin ist unseren Quellen zufolge von dämonischen Kräften besessen. Wer Alek Tercival der Sicherheit der Stadt übergeben kann, erhält von uns eine Belohnung in Höhe von fünftausend Goldköniginnen.

»In seiner Güte hat der Stadtherr befohlen, dass die Steuer für die nächsten drei Monate ausgesetzt wird. Außerdem wird, um die Ordnung zu bewahren und zu gewährleisten, die Anwerbung von weiteren Söldnern für die Stadtwache erfolgen, bis Cauldron wieder eine sichere Stadt ist. So spricht Severen Nalavant, Stadtherr im fünften Jahr seiner Herrschaft, am ersten Tag des Jahrs des Kessels, und so soll es geschehen.«

-

Die Türe ging auf und ließ zum ersten Mal seit Stunden Licht in die enge Kammer. Peter und Frank saßen auf zwei Stühlen nebeneinander, Arme und Beine fest angebunden. Sie waren nicht geknebelt, doch fest entschlossen, nichts zu sagen. In der Tür stand ein großer, glatzköpfiger Mann mit einer Narbe auf der rechten Gesichtshälfte. Terseon Skellerang hielt einen Krug dünnen Weins in der linken Hand, in der rechten ein Stück Papier. Ein Gardist schob einen kleinen Tisch von der Wand vor die beiden Gefesselten, dann entzündete er zwei Fackeln neben der Tür, bevor er sie wieder mit Skellerang allein ließ.

Terseon Skellerang legte den Zettel auf den Tisch, dann gab er den beiden Stadtwachen von dem Wein. Beide tranken beinahe gierig, hatten sie doch nichts mehr zu sich genommen, seit sie kurz nach Tagesanbruch, gerade erst von ihrer Schicht am Südtor zurück gekehrt, festgenommen wurden. Beiden war klar, dass sie dabei gesehen worden waren, wie sie Maavus Leute aus dem Tor ließen. So viel hatten sie sich in der Zeit im Dunkel zusammenreimen können. Sie hörten auch die Schreie und Rufe, die zeitweise durch die Stadt geisterten. Aber was mit ihnen geschehen sollte, war ihnen nicht klar. Hoffentlich würde der Hauptmann ihnen helfen können.

»Jungs, was habt ihr nur getan?«

Sie schwiegen. Zu viel stand auf dem Spiel, zu viele Leben. Sie hatten sich nichts vorzuwerfen.

»Einem Verbrecher das Tor öffnen. Verdammt noch mal, was habt ihr euch dabei gedacht?« Terseon schlug den Weinkrug feste auf den Tisch auf.  Er beugte sich vor, und die Männer sahen die rot geränderten Augen. »Ihr enttäuscht mich.«

»Das wollten wir nicht, Hauptmann«, sagte Peter und biss sich gleich auf die Zunge. Aber der Bann war teilweise gebrochen. Sie würden reden - aber verraten würden sie nichts.

»Wir haben nichts Schlimmes getan«, beteuerte Frank.

»Ach nein?« Der Hauptmann nahm den Zettel in die Hand und las vor. »Neun Tote, fünf davon halborkische Söldner und einer ein Junge von zwölf Jahren. Neunundfünfzig Verletzte, soweit wir wissen, wahrscheinlich mehr, und Schrammen und Beulen nicht mitgerechnet. Siebzig Verhaftete Unruhestifter. Drei Geschäfte geplündert, sieben Familien überfallen, an einer Frau wurde sich vergangen.« Skellerang sah auf, und die Schatten ließen sein Gesicht um Jahre altern, seine Augen gleichzeitig zu düsteren Versprechen werden. »Und all das wäre noch schlimmer gekommen, wenn nicht ein paar Tollkühne den Stadtherren nachgeahmt oder den Festplatz verklebt hätten, oder wenn sie ihre Feuerbälle in die Menge gezielt hätten, nicht über.«

Er hielt ihnen das Papier vor die Augen, damit sie es selbst lesen konnten. Da stand noch mehr: Unzählige kleinere Übergriffe und Prügeleien. Der halborkische Hausmeister im Waisenhaus, der nur ein Auge hatte, war beinahe zu Tode geschlagen wurden. Man hatte versucht, einen Halbelfen im See zu ertränken. Und so weiter. Beide wandten ihre Augen ab.

Der Hauptmann ging zur Tür. Er blieb mit dem Rücken zu ihnen stehen. »Jetzt wisst ihr Bescheid. Ihr seid keine Männer der Stadtwache mehr. Ihr habt mit dem Urheber des Ganzen zusammen gearbeitet. Maavu ist entkommen. Vielleicht freut euch das, aber das sollte es nicht. Denn ihr wisst, wo er sich aufhält.« Er öffnete die Tür. Der Gardist von vorhin kam und entfernte die Fackeln wieder, sodass sie jetzt nur noch den Schatten des Hauptmanns sahen, wie er vor der Türe stand.

»Überlegt es euch. Ich komme morgen wieder, aber Grukk Zwölftöter sitzt mir im Nacken. Er will euch selbst befragen, da die toten Wachen ausschließlich seine Leute waren. Um ehrlich zu sein, ist es mir beinahe egal, was er mit euch anstellt. Ich weiß nur eins. So oder so: ihr werdet mir sagen, wo sich Maavu aufhält.«

Damit schloss sich die Tür und ließ die beiden Wachen in der Finsternis, allein mit ihren Gedanken.
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Berandor

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #68 am: 20. November 2005, 19:45:09 »
 Elementarherr   CR 6
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Berandor

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« Antwort #69 am: 23. November 2005, 16:12:52 »
 Ich habe übrigens den zweiten Kampf nicht gekürzt; nachdem Thargad einen guten hhA geschafft hat, halfen die Halborks aus und Boras legte Heftigen Angriff an. Mit Doppelschlag und zweitem Angriff war dann in Runde zwei Schluss mit den Echsen.

Und wer sich fragt, warum Boras so leicht umkippt, die Lösung wurde auch gefunden: der Spieler hat über die letzten sieben Stufen nicht seinen Konstitutionsbonus auf doe TP gerechnet.
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Kylearan

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« Antwort #70 am: 23. November 2005, 16:37:29 »
Zitat von: "Berandor"
Und wer sich fragt, warum Boras so leicht umkippt, die Lösung wurde auch gefunden: der Spieler hat über die letzten sieben Stufen nicht seinen Konstitutionsbonus auf doe TP gerechnet.
Echt? Klang immer so, als hätte er das getan. Aber da Dirims Spieler ihn beraten hat ;-)

Go, Boras, go!

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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« Antwort #71 am: 23. November 2005, 16:38:43 »
 Er hat mir jetzt ne Nachricht geschickt, dass er nicht hätte.

Will da jemand fudeln?  :akuma:  
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Kylearan

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #72 am: 23. November 2005, 16:55:18 »
Zitat von: "Berandor"
Er hat mir jetzt ne Nachricht geschickt, dass er nicht hätte.

Will da jemand fudeln?  :akuma:
Bestimmt nicht. Ehrlich gesagt, habe ich das nicht wirklich verfolgt, aber wir wissen ja, dass [enter Dirim's player name here] sich da gerne mal vertüddelt.
Samstag wissen wir mehr ;-)

Kylearan
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shaz´narahd

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« Antwort #73 am: 23. November 2005, 18:19:40 »
 Ich sag nur "Zwergen-RK-Bonus +4 gegen Riesen" vergessen...
=
Anna´s Tod  :angry:

shaz  ;)  
"Ich höre nichts", sagte Anna zum Zwerg, der ihr beipflichtete. Der Raum hinter Tür schien eindeutig leer zu sein... bis auf den Tod!

Berandor

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Stadt in Ketten 4: Das ENDE! (Spieglein, Spieglein... 04/03)
« Antwort #74 am: 23. November 2005, 19:43:08 »
 Anna war ein Zwerg? :blink:  
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