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Autor Thema: Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges  (Gelesen 25977 mal)

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Kylearan

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #45 am: 27. März 2006, 12:06:10 »
Zitat von: "Berandor"
Frage an die Lateiner unter euch:

Ich bräuchte eine Übersetzung für "Donner", "Lanze" oder "Donnerlanze" :)

Bei "Asterix bei den Briten" wird auch gerne vom Pilum geredet, was härter sei als das Sternum eine römischen, gepflegten englischen Rasen verwütendenen Legionärs.

Wie wäre es also mit pilum tonitri?

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Boïndil

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #46 am: 27. März 2006, 16:34:18 »
Mal wieder sehr gut!
Von mir aus kannst du deine Pflichten öfter vernachlässigen und dafür mehr Updates schreiben :P
Gruß Boïndil
"Hört auf zu reden! Lasst uns Köpfe spalten und Knie zertrümmern!"

Berandor

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #47 am: 28. März 2006, 13:44:12 »
Zitat von: "Kylearan"
Zitat von: "Berandor"
Frage an die Lateiner unter euch:

Ich bräuchte eine Übersetzung für "Donner", "Lanze" oder "Donnerlanze" :)

Bei "Asterix bei den Briten" wird auch gerne vom Pilum geredet, was härter sei als das Sternum eine römischen, gepflegten englischen Rasen verwütendenen Legionärs.

Wie wäre es also mit pilum tonitri?

Kylearan

Ist ja dein Zauber, also gerne.

Ab sofort werden Zauuber aus Zusatzwerken nur mit arkaner Formel akzeptiert :D
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

Kylearan

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #48 am: 28. März 2006, 14:45:20 »
Zitat von: "Berandor"
Ab sofort werden Zauuber aus Zusatzwerken nur mit arkaner Formel akzeptiert :D

Ok. Gut, dass ich noch eine brauchbare Quelle für Lateinübersetzungen habe. (Und ich meine nicht Dirim.)

edit1: hier stand Blödsinn.

edit2: Blödsinn aus Edit 1 gelöscht. Geoffrey Rush rules!

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Dirim

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #49 am: 28. März 2006, 14:46:35 »
Zitat von: "Kylearan"
Zitat von: "Berandor"
(Und ich meine nicht Dirim.)

Kylearan


 :(

Gast

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #50 am: 29. März 2006, 21:27:35 »
einfach mal nachgooglen.

wahlweise aber auch das (anscheinend im Aufbau soweit ich gesehen habe)
http://www.latein.at/
oder besser das (scheint größer zu sein)
http://cu-here.de/dic.php3
verwenden.

Und wenn Du länger als ich, sprich länger als 20 Sekunden, suchst findest Du vieleicht noch ein ganz tolles Online-wörterbuch. Denn was die Dinger taugen weiß ich auch nicht. Pilum war zumindest in beiden nich vorhanden, ebensoweinig wie Donner. Dafür gab es im zweiten 5 oder 6 Übersetzungen für "Lanze".

Mein Tip wäre einfach mal damit schaun und dann mit einem kleinen Stowasser oder einem anderen Lateinlexikon Deiner Wahl das Lateinische Wort gegenchecken. Bevor nun einer krum von der Seite kommt: Nein in Lateinwörterbüchern steht NICHT L->D/  D->L sonder nur L->D. Zumindest in denen mit denen ich bislang zu Hause, in Schule und Uni gearbeitet habe.

Kylearan

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #51 am: 30. März 2006, 09:52:44 »
Zitat von: "Gast"
einfach mal nachgooglen.

Danke für die Links und Tipps. Meine Quelle ist allerdings eine Historikerin mit ausgeprägtem Hang zur lateinischen Sprache, Rollenspielfaible und Spaß am Basteln solcher Ausdrücke - da kommen dann immer nette Ideen bei raus.

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #52 am: 30. März 2006, 09:58:46 »
Kylearan und die Frauen  :wub:
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

Berandor

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #53 am: 05. April 2006, 19:46:34 »
Occipitus

»Wie gesagt: Ich kann euch zum Rauchenden Auge führen.«

»Moment!«, warnte Boras. »Wo ist eigentlich Thargad?«

Sie fanden den Schurken in dem verlassenen Grabmal. Er lag schlafend neben dem Spiegelportal. Eine Hand steckte immer noch in einer umgestürzten Amphore.

»Wahrscheinlich eine alte Falle«, mutmaßte Pecarri. Er versuchte, den Effekt zu bannen – erfolglos.

»Der wacht schon wieder auf«, meinte Dirim selbstbewusst, nachdem er Thargad untersucht hatte. »Nehmen wir ihn erst Mal mit.«

»Jetzt wieder zu dir«, wandte sich Thamior an den Neuankömmling. »Wir wissen, wer du bist. Aber nicht, was. Ein Mensch bist du nicht, oder?«

Kaurophon spreitzte seine langen Finger. »Das hängt davon ab, wen man fragt. Meine Mutter war menschlich, mein Vater... nicht. Seit meiner Geburt lebe ich in den Schatten der Gesellschaft, nirgends daheim und nirgends willkommen. Was ich bin? Am ehesten ein Einzelgänger, ein einsamer Wanderer.«

»Und du kennst dich mit dem Rauchenden Auge aus?«, erkundigte sich Pecarri mit einem Deut auf die Zeichen, die auf Kaurophons Robe prangten.

»Nun ja... ich habe schließlich selbst einmal versucht, die Prüfung abzulegen und mir Occipitus Untertan zu machen.«

»Occipitus?«, hakte Pecarri nach.

Gleichzeitige fragte Dirim: »Untertan zu machen?«

Und Boras: »Warum hast du versagt?«

Kaurophon lächelte verlegen. »Eins nach dem anderen, würde ich sagen.«

Jetzt mischte sich auch noch Thamior ein: »Ich stimme zu. Und zu allererst sollten wir uns von hier wegbewegen. Irgendwo kamen die Dämonen schließlich her.«

»Sie waren beschworen«, erklärte Helion. »Babaus können sich teleportieren, also könnte man sie in sicherer Entfernung herbeiholen und dann los schicken.«

»Trotzdem wünscht jemand Euren Tod«, pflichtete Kaurophon dem Elfen bei. »Wir sollten zumindest einen Sicherheitsabstand gewinnen.«

Und so führte Thamior die Gruppe einige Stunden in die Wüste hinein: Boras trug Thargad auf den Schultern, während sich Dirim und Pecarri um Kaurophon kümmerten. Diese drei hatten die wenigsten Probleme mit den Lichtverhältnissen, aber die klare Nacht ließ selbst Boras genügend Licht, um die Schemen seiner Gefährten bequem erkennen zu können. Schließlich, nach einer ereignisarmen Reise, errichtete Thamior ein passendes Quartier, wo der Kobold vor dem hellen Licht des kommenden Tages, und der Rest der Kettenbrecher vor der einhergehenden Hitze zumindest teilweise geschützt sein würden.

»Occipitus ist eine Ebene im Abgrund«, begann Kaurophon seine Erzählung. »Dort herrscht rotes Licht, das aus dem Flammenhimmel strahlt. Sonst herrscht dort niemand.«

»Der Abgrund ist die Heimat der Dämonen«, ergänzte Pecarri für die anderen.

»Einst saß ein mächtiger Dämon auf dem Thron dieser Ebene: der gefallene Engel Adimarchus. Er führte sein Heer nach Celestia, und als es ihm gelang, einen Brückenkopf einzunehmen, griffen die Himmlischen Heerscharen zu einem Trick: Sie lösten den Brückenkopf aus Celestia, und ein Teil dieser Ebene stürzte in den Abgrund. Adimarchus und sein Heer stürzten mit.«

Kaurophon trank einen Schluck Wasser.

»Später verschwand Adimarchus spurlos, am Vorabend einer großen Schlacht. Wohin, weiß niemand. Viele vermuten, dass sein Erzfeind Graz’zt ihn entführte und tötete, aber andere behaupten, Adimarchus verfolge seine eigenen Pläne. Jedenfalls wurde sein Heer nach seinem Verschwinden aufgerieben, doch es zeigte sich, dass Dämonen abergläubisch sind.«

»Wieso?«, fragte Boras.

»Sie halten die Ebene für verflucht. Ihr müsst wissen, dass Occipitus Teile der Himmelsebene absorbiert hat, aber an anderen Stellen finden sich immer noch Spuren des celestischen Erbes. Und dann verschwindet Adimarchus... Außerdem ist Occipitus verhältnismäßig klein, und ohne Herrscher nicht sehr wichtig im kosmischen Machtgefüge. Dadurch ist es dort relativ sicher.«

»Was genau heißt relativ?«

»Im Vergleich zu Thanatos, der Ebene der Untoten, die von Orcus beherrscht wird, zum Beispiel. Im Vergleich zu Eurer Ebene...«

»...ist es die Hölle?«, fragte Pecarri lakonisch.

Kaurophon lachte. Es klang, als habe jemand eine Spieluhr zu stark aufgezogen und die Feder ausgeleiert. »Ganz genau.«

»Und wo kommt jetzt das Rauchende Auge ins Spiel?«

»Ahh.« Kaurophon lehnte sich in den Sand zurück. »Als Adimarchus verschwand, ließ er eine Prüfung zurück, die seinen Nachfolger bestimmen und mit der Macht ausstatten sollte, die Ebene zu beherrschen. Diese Prüfung besteht aus drei Teilen, und ausgehend von dem Aussehen der Ebene nennt man sie auch die Prüfung des Rauchenden Auges. Besteht sie, und Occipitus gehört euch!«

»Was genau heißt das?«

»Alles. Ein entsprechend mächtiger Herrscher könnte die Ebene aus dem Abgrund auslösen – ja, sie vielleicht sogar wieder in Celestia integrieren!«

»Und ihr wolltet diese Prüfung bestehen?«, fragte Thamior argwöhnisch. »Warum?«
Kaurophon deutete auf sich selbst. »Seht mich an. Es kümmert mich nicht, wo mein Zuhause liegt – wenn ich denn endlich eines hätte. Und wie ich sagte, der Herrscher könnte Occipitus nach seinem Willen formen. Jedenfalls glaube ich das.«

»Ihr kennt also die Prüfungen?«, wollte Dirim wissen.

»Ich kenne die erste Prüfung. Und ich kenne Occipitus. Ich kann euch dort wertvolle Hilfe leisten – auch wenn meine magische Macht der Euren unterlegen ist.«

»Warum solltet ihr das tun?«, fragte Pecarri.

»Ihr scheint keine Vorurteile zu hegen... schließlich habt ihr einen Kobold in Eure Gemeinschaft aufgenommen.«

»Und sogar einen Elfen«, fügte Dirim hinzu.

»Bei der nächsten Wache rasiere ich dich«, drohte Thamior. »Und ich muss bestimmt wieder Wache halten...«

»Ich erhoffe mir dasselbe. Ich führe euch zum Rauchenden Auge, und ihr jagt mich nicht fort.«

»Wir können nichts versprechen«, sagte Pecarri.

»Gerade diese Ehrlichkeit ist ungewöhnlich«, entgegnete Kaurophon. »Andere hätten es mir blind versprochen, ohne ihr Versprechen halten zu wollen. Wenn ihr mein Ansinnen wohlwollend prüfen wollt, würde es mir genügen.«

»Ich denke, das kriegen wir hin«, sagte Boras.

»Nun denn. Die erste Prüfung nennt sich die ›Prüfung der Einsicht‹, und sie findet in einer verlassenen Kathedrale statt.«

»Was müssen wir tun?«

»Es erwarten Euch zwei Gegner, ein Engel und ein Dämon. Ein Gegner muss getötet werden, der andere verschont. Ich kenne allerdings die Lösung nicht.«

»Was geschah bei Eurer Prüfung?«

Kaurophon bekam einen wehmütigen Zug um die Augen. »Ich war nicht stark genug, um die Prüfung anzugehen. Ich kam nicht durch die Tür. Damals floh ich von der Ebene, so schnell ich konnte. Erst später entschloss ich mich, statt meiner nach geeigneteren Anwärtern Ausschau zu halten, die ich auf ihrer Queste würde begleiten können. Es gelang mir, einen Wunsch zu erhalten, und seitdem höre ich im Geiste jedes Mal, wenn jemand das Rauchende Auge erwähnt, und kenne auch den jeweiligen Aufenthaltsort. Leider wirkt dieser Effekt nicht auf Occipitus.«

»Aber er klärt, wo du so plötzlich herkamst«, sagte Thamior.

»In der Tat. Als ich die Worte des Propheten vernahm, kam ich, so schnell ich konnte.«
Dirim sah auf den Stapel Ausrüstung neben sich. Aleks Leiche hatten sie zurückgelassen, seine Sachen allerdings mitgenommen. Seine Schwester würde sie sicher gut gebrauchen können – und vielleicht sogar die Kettenbrecher selbst.

»Bliebe noch eine Frage offen«, sagte der Zwerg. »Wie kommen wir nach Occipitus, und viel wichtiger: wie kommen wir wieder zurück?«

»Ich kann Euch hinbringen«, erklärte Kaurophon. »Natürlich auch zurück, aber falls ihr mir nicht traut...« Er nahm drei Schriftrollen aus seinem Umhängebeutel und gab sie Pecarri weiter.

Der Kobold prüfte die Schriftrollen auf ihren Inhalt, dann nickte er. »Wann brechen wir auf?«

»Morgen«, sagte Dirim. »Heute nacht ruhen wir uns aus, und vielleicht ist Thargad morgen früh schon wieder wach.«

»Ich halte Wache«, erbot sich Thamior. Er nahm sein Bognermesser heraus und begann, es zu schärfen. Dabei starrte er unverwandt auf Dirims Bart.

»Das wird ja eine geruhsame Nacht«, grummelte der Zwerg, als er sich zur Ruhe legte.

-

Am nächsten Morgen hatte sich an Thargads Zustand nichts geändert. Dirim bat Tyr, auf den Schurken achtzugeben. Schließlich versammelten sich die Kettenbrecher in einem Kreis und nahmen einander an die Hand. Auch Thargad wurde in den Kreis mit einbezogen.

Kaurophon schüttelte seinen haarlosen Schädel.

»Wollen wir?«

Er schloss die Augen und konzentrierte sich. Die Wüste um sie herum verschwand, es blitzte kurz silbern auf, dann war alles vorbei.

Pecarris letzter Gedanke, bevor die Reise ihr Ende fand, war: Seltsam, dieser Blitz. Hoffentlich ist nichts schief gegangen.

-

Der Boden war weich, nachgiebig. Rotes Licht drang durch geschlossene Lider, hell wie Sonnenlicht, doch ohne Koboldaugen zu reizen. Die Luft knisterte wie ein Kaminfeuer. Kein Wind.

Langsam schlugen die Kettenbrecher die Augen auf und sahen sich um.

Occipitus glich einem riesigen Topf mit einem Deckel aus Feuer. Am Horizont zog sich ein riesiges Gebirge rings um die Ebene. Der Himmel flackerte feurig-rot und sorgte für die dramatische Beleuchtung. In diesem Rot war der fleckige graue Boden noch hässlicher. In der näheren Umgebung wuchs nichts aus diesem Boden, nicht einmal Unkraut.

Thamior beugte sich hinunter und tastete den Boden ab.

»Sieht aus wie Haut«, sagte er.

Er versuchte, in den Boden zu graben, erfolglos. Dann nahm er ein Messer hervor und stach es in die Masse.

»Könntest du das bitte lassen«, fragte Boras. »Wenn es schon aussieht wie Haut...«

»Es blutet nicht«, gab der Elf zurück. Schnell hatte er ein Stück herausgeschnitten, dass er nun wie ein Stück Wackelpudding in der Hand hielt. »Faszinierend.«
Dirim sah auf den Boden zu seinen Füßen. »Hier sind ein paar Falten.«

Pecarri deutete auf ein Büschel schwarzer Ranken in einiger Entfernung. »Und da sind Haare.«

»Lebt der Boden?«, wollte Thamior von Kaurophon wissen.

»Nicht wirklich. Der Himmel allerdings...« Kaurophon nahm eine Schriftrolle hervor. Nach ein paar kurzen Formeln hatte er einen Adler beschworen, den er in den Himmel hinauf schickte.

Jetzt konnte man erkennen, dass der Himmel eigentlich aus unzähligen roter Wolken bestand, die einander überlagerten und verdeckten. Einige dieser Wolken befanden sich schon in knapp 200m Höhe, und als der Adler gerade halb so hoch war, löste sich eine dieser Wolken und strebte auf den Vogel zu.

»Sie werden von Lebensenergie angezogen«, sagte Kaurophen. »Ich nenne sie Plasmen. Sie bestehen nur aus Feuer und dem Bösen«

Der Plasmen hatte den Adler erreicht. Als er den Vogel berührte, flammte dieser kurz auf. Im nächsten Moment war er verschwunden.

»Nicht zu hoch fliegen«, sagte Pecarri vernehmlich. »Ist notiert.«

Occipitus hatte noch andere Merkmale. Das vordringlichste war sicherlich die Mitte des Tales. Dort erhob sich ein selbst aus dieser Entfernung gewaltiger Baumstumpf in den Himmel. An der Spitze blickte ein ebenso riesiger Totenschädel über die Ebene, der hoffentlich aus Fels bestand. Das rechte Auge des Schädels stieß in ständiger Folge Plasmen aus, die noch höher schwebten und sich mit dem Himmel vermischten.

»Heimelig«, kommentierte Dirim.

Inzwischen hatte Kaurophon ein großes Fass aus seiner Tasche genommen, das dort eigentlich keinen Platz finden durfte. Er nahm den Deckel ab. Das Fass war bis oben hin mit einer Flüssigkeit gefüllt, deren süßlicher Geruch sich schnell ausbreitete.

»Honigmet«, sagte Dirim anerkennend. »Stark fermentiert.«

»Nicht für uns«, gab Kaurophon zurück. »Für unseren Transport.«

»Ist ohnehin Elfengesöff«, sagte Dirim, warf noch einen durstigen Blick auf das Fass, und drehte sich dann betont um.

»Und jetzt?«, fragte Thamior.

»Warten wir«, beschied ihm der gehörnte Mischling.

Boras amüsierte sich, indem er Thargad in einige missverständliche Posen drapierte, Thamior testete den federnden Untergrund, und Dirim nahm Pecarri beiseite.

»Merkst du auch was?«, fragte er.

»Meinst du das Kribbeln?«

»Genau.«

»Das kommt dadurch, dass wir im Abgrund sind«, sagte Pecarri. »Ich nehme an, ich bin nicht verkommen genug, und dir fehlt die Lust am reinen Chaos.«

»Hm. Und Kaurophon?«

»Seine Herkunft wird ihn hier schützen. Ebenso übrigens bei Erkenntiszaubern. Er würde wohl in jedem Fall als Böse erscheinen.«

»Hmm. Zauber schwächer zu wirken, als man es eigentlich kann, ist doch kein Problem, oder? Ich kann das jedenfalls.«

»Ja«, stimmte Helion zu. »Das ist kein Problem.«

»Hmmm.«

-

Plötzlich flimmerte die Luft, und dann stand ein unmenschliches Geschöpf vor den Kettenbrecher. Das Wesen glich einer großen Ameise, nur dass sein Vorderkörper nach oben gebogen war. Sein erstes Beinpaar endete in handähnlichen Klauen, aber seine Mundwerkzeuge und ein spitzer Stachel am hinterleib wiesen deutlich darauf hin, dass das Wesen nicht schutzlos war. Auf seinem Insektenschädel trug das Wesen einen Helm aus verzierter Bronze.

»Ein Formianer«, flüsterte Pecarri. Er erkannte die Rasse. Formianer waren ein Volk von Insektenwesen, die auch in ihrer Gesellschaft stark Ameisen ähnelten. Es gab für jede Tätigkeit verschiedene Arten von Formianern, doch eines hatten sie alle gemeinsam: Sie waren untereinander durch eine Art telepathisches Band verknüpft; was einer wusste, wussten alle. Trotzdem waren es keine Roboter, sondern eigenständige Wesen.

Dieser Formianer musste jedenfalls ein Liebhaber von Honigmet sein, so wie er sich auf das Fass stürzte. Er? – Sie? – Es nahm seinen Helm ab und tauschte den Kopf in die Flüssigkeit. Dann trank er schlürfend.

Schließlich richtete es sich auf und setzte den Helm wieder auf.

»Kaurophon«, sagte es mit hart akzentuierter Gemeinsprache. »Es ist zurück.«

»General«, grüßte der Halbmensch zurück. »Ich brauche Euch.«

»Sprecht.«

»Transport für mich und meine Gefährten.«

Der Kopf des Generals fuhr herum. Er musterte die Kettenbrecher. Mit schnellen Schritten stakte er zu Dirim hinüber.

»Wir kennen sie nicht. Wir tragen sie nicht. Wir schützen sie nicht.«

»Was soll das heißen.«

»Das Individuum Kaurophon war uns nützlich. Der General kann es transportieren. Die anderen Individuen sind nutzlos.«

»Und wenn wir unseren Nutzen beweisen?«, fragte Dirim. »Wir können sehr nützlich sein.«

»Welchen Nutzen haben die Individuen?« Die Kauwerkzeuge des Formianers zitterten. »Haben sie... gegorenen Lebenssaft?«

»Honigmet«, soufflierte Kaurophon hilfsbereit.

»Äh, nein«, gab Dirim zurück. »Aber seht: Boras hier ist stark und mächtig, seine Klinge spaltet jeden Schädel. Thamior hingegen schießt einer Amei- Fliege auf hundert Schritt ein Auge aus. Pecarri röstet Dutzende von Feinden mit einem Schlag. Und Thargad... äh...«

»...schläft«, ergänzte Boras.

»Und das verbleibende Individuum?«

»Ich? Ich bringe Gerechtigkeit und Ordnung. Ich vernichte das Chaos, wo es sich zeigt.«

Die Augen des Generals hellten sich auf. »Ordnung ist nützlich. Wir haben einen Tausch.«

»Einen Tausch?« Dirim sah sich unsicher um, aber auch den anderen war ein Tauschgeschäft entgangen.

»Wir wissen, dass Individuen tauschen. Wir folgen. Wir werden das Individuum Kaurophon und die Inividuen meine Gefährten transportieren. Dafür werden die Individuen meine Gefährten der Königin einen Dienst erweisen und unseren Feind vernichten.«

»Keine Angst, ich helfe euch«, sagte Kaurophon schnell. »Wenn es etwas hilft...«

»Was für ein Feind?«, fragte Dirim.

»Das Individuum, das Ordnung bringt, mag es wissen. Der Feind ist ein Tier namens Purpurwurm. Der Feind lebt im Knochenwald, wo der Feind unsere Krieger verspeist und unter Knochen begräbt. Die Individuen beweisen ihren Nutzen, und der Feind ist fort.«

»Ein Purpurwurm?«, fragte Dirim. »Was macht der?«

»Der Feind kann graben, aber nicht in diesem Boden. Der Feind gräbt durch Knochen. Der Feind beißt und schluckt und stößt mit dem Stachel des Feindes.«

»Ein Giftstachel«, sagte Pecarri nickend.

»Ist er schnell?«, fragte Thamior.

»Nicht so schnell wie wir. Nicht so schnell wie die Individuen meine Gefährten.« Der General betrachtete Dirims kurze Beine. »Außer vielleicht dem Individuum, das Ordnung bringt.«

Dirims Zeigefinger schnellte maßregelnd empor. »Hey!«
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

Berandor

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #54 am: 05. April 2006, 19:49:09 »
Purpurwurm (CR 12) und Formian, Myrmarch (CR 10) entnehmt ihr bitte dem MM.
Bitte schickt mir keine PMs hier, sondern kontaktiert mich, wenn nötig, über meine Homepage

Furlong

  • Mitglied
Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #55 am: 05. April 2006, 20:58:41 »
Endlich wieder neuer Stoff für meine Sucht. Liest sich wieder toll.
Danke!

Gilvart

  • Mitglied
Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #56 am: 06. April 2006, 10:59:39 »
@berandor

hi! wie kriegst du deine SC eigentlich immer dazu dem strang des abenteuers zu folgen, ohne dass er den anschein macht zum plot zu gehören! schließlich sollte ihr primäres interesse darin liegen wieder nach cauldron zu kommen!
gruß gilvart

Kylearan

  • Mitglied
Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #57 am: 06. April 2006, 11:24:56 »
Zitat von: "Gilvart"
@berandor

hi! wie kriegst du deine SC eigentlich immer dazu dem strang des abenteuers zu folgen, ohne dass er den anschein macht zum plot zu gehören! schließlich sollte ihr primäres interesse darin liegen wieder nach cauldron zu kommen!
gruß gilvart

Wobei der Auftrag von Alek ja wunderbar mit alten Prophezeiungen zu den Schätzen Tethyrs korreliert und das ja unsere Hauptaufgabe ist. Wieso also sollte unser Primärziel die sofortige Rückkehr sein?

Und wir machen das schon höchstselbst (Abenteuerstrang folgen), schließlich belohnen wir so ja Berandor, indem wir auch seinen Gedanken folgen und ihm nicht noch mehr Arbeit machen.

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Gilvart

  • Mitglied
Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #58 am: 06. April 2006, 11:27:42 »
dann kann er ja froh sein solch spieler wie euch zu haben! da gibts ganz andere SC die machen was sie wollen damit sie "frei" sind und sich nicht alles vom DM diktieren lassen müssen!
weiter so

Kylearan

  • Mitglied
Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #59 am: 06. April 2006, 11:45:20 »
Zitat von: "Gilvart"
dann kann er ja froh sein solch spieler wie euch zu haben! da gibts ganz andere SC die machen was sie wollen damit sie "frei" sind und sich nicht alles vom DM diktieren lassen müssen!
weiter so

Na ja, wir spielen halt zusammen, da soll auch jeder Spaß haben. Und Berandor bietet ja nun auch genug maßgeschneiderte Felder für jeden an - sei es, dass die Ideen vom Spieler kommen (siehe Thargads Intermezzo mit Jil oder Dirims Rechtsprechung) oder von B (siehe Kobolde oder Thamiors Seelenbogen).

Und bei den seltenen Spieltagen legen wir schon ein wenig Wert darauf, auch im eigentlichen Abenteuer "weiterzukommen".

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

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