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Workshop => Story Hour => Thema gestartet von: Nakago am 26. Oktober 2007, 09:28:11

Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 26. Oktober 2007, 09:28:11
Dies ist die Geschichte unserer Kampange, die in Pre Sembia des 8 JH in Chondathan, dem späteren Searlon, spielt. Der Prolog, bzw. die Hintergrundgeschichte meines Chars ist hier zu lesen: http://forum.dnd-gate.de/index.php/topic,15865.0.html

Anregungen, Kritik, Bemerkungen und Lob sind ausdrücklich erwünscht. Viel Spaß beim Lesen.  :lol:

Der Test der Zeit
Chroniken der Kundschafterin
1 Kapitel
Tod, aber tödlich


5 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Tymora lächelt mir wahrlich. Renya Harloff hat nach mir geschickt. Die gute Frau Renya Harloff ist die Besitzerin des Brunnenhauses, einer einschlägig bekannten Kneipe in der Weststadt. Man sagt, sie hätte mit der Diebesgilde von Chondathan zu tun gehabt. Die Diebesgilde ist vor etwa ein oder zwei Zehntagen zerschlagen worden, den Anführer Luvius den Schneider und zwei seiner schlimmsten Spießgesellen hat man nach kurzem Prozess an Rallards Baum aufgeknüpft. Dieses Spektakel habe ich mir nicht entgehen lassen, es ist selten, dass auf dem Rallardplatz solch eine exklusive Hinrichtung stattfindet.

Die Sonne geht unter und ich bringe meine kleine zweijährige Tochter Mili zu Bett, nachdem ich sie gewaschen und ihr schönes rotes Haar gebürstet habe. Dann singe ich meinen kleinen süßen Fratz in den Schlaf. Möge sie süße Träume haben. Bald wird es aufwärts gehen, Bald! Ich ziehe mich um, ziehe meine Schürze und mein Kleid aus und meine Lederrüstung an. Lange ist es her, dass ich sie getragen habe. Das Westviertel hat den Ruf, nicht die sicherste Gegend in Chondathan zu sein und es kann nichts schaden, wenn man dort zeigt, dass man kein leichtes Opfer ist. Die Rüstung sitzt gut, wie an dem Tag, als ich sie gekauft habe. Als letztes das Wehrgehänge, ungewohnt das Gewicht an meiner Seite. Probehalber ziehe ich das Rapier, das ich noch nie benutzt habe. Unbefleckt und scharf glänzt die Klinge im Kerzenschein. Das Gewicht der Waffe fühlt sich gut an in meiner Hand. Ich führe ein paar schnelle Attacken und Paraden aus. Ja, ich habe es nicht verlernt. Mit neu gewonnenem Selbstvertrauen stecke ich das Rapier zurück, küsse meine schlafende Tochter auf die Stirn, rücke die Decke zurecht und lösche die Kerze.

Im Schankraum sage ich Frau Erlann bescheid, meiner Gönnerin, Arbeitgeberin und Vermieterin in einer Person, dass ich weggehe und wohl erst spät nach Hause komme. Es wäre nett, wenn sie mal zwischendurch nach Milindra schauen könnte. Die gute Frau verspricht es und meint, ich solle nur vorsichtig sein. “Klar, werde ich“, tätschle mit gespieltem Selbstvertrauen mein Rapier und trete nach draußen. Kalt pfeift der Wind durch die Gasse und ich ziehe meinen Umhang enger. Nach etwa einer Viertelstunde erreiche ich den Innenhof, in dem das Brunnenhaus steht. Den Namen hat es vom Brunnen hier. Auf der ummauerten Fassung steht ein steinerner, übermenschlich großer Dämon, dessen grinsendes Gesicht von Taubendreck gesprenkelt ist. Spitz sind seine Zähne, taxierend sein steinerner Blick. In Chondathan stehen tausende solcher steingewordener Schrecken, um Feen und Elfen draußen zu halten. Man munkelt, dass nicht alle Statuen von Menschenhand gemacht sind, sondern dass wirkliche Gargylen darunter sind, die sich unbeweglich in der Masse der Wasserspeier verstecken und geduldig auf ihre leichte Beute warten. Nicht nur vor Kälte fröstelnd passiere ich den unheimlichen Brunnen.

Lärmende Zwerge im bärtigen Dutzend bevölkern die kleine, verräucherte Kneipe von Renya Harloff. Die übergewichtige Frau, die sich für ihr Gewicht erstaunlich schnell bewegt, begrüßt mich hinter dem Tresen stehend. Sie drückt mir einen Humpen schäumenden, billigen Bieres in die Hand und zeigt mir einen Tisch, wo ich warten soll. Ein in eine bunte Tunika gekleideter Priester der Tymora mit grünen Augen, rotblonden Haaren und gesunder sonnengebräunter Haut sitzt schon dort. Wir begrüßen uns, wie es bei Anhängern der Tymora Brauch ist, indem wir uns umarmen und unsere Anhänger berühren lassen. Seine Hand wandert dabei viel zu weit runter auf meinen Po. So ein Ferkel!

Wir lösen uns und schon bald wird klar, dass er auch aus den Tälern kommt. Er stammt aus dem Nebeltal, seine Eltern haben dort eine Taverne. Er flirtet mir etwas zu sehr und ich zeige meinen Ehering. Manchmal ist es doch gut, verheiratet zu sein, auch wenn der Ehemann einen hat sitzen lassen. Schließlich überredet er mich zu einem Würfelspiel. „Wer wagt, gewinnt!“ Und die Göttin lächelt mir wahrlich. Wenig später kommt ein weiterer, sehr schlanker Mann herein. Er stellt sich als Estarion vor. Im Laufe des Abends stellt sich dann heraus, dass es sich bei ihm um einen elfischen Barden handelt, auch wenn er versucht, dass geheim zu halten. Auch er steigt in unser Spiel ein und der Haufen an Silbermünzen wächst stetig vor mir an. Unsere Runde wird komplett, als eine junge braunhaarige Halbelfe in der Kleidung einer Marktfrau und ein gerüsteter Schlachtenrufer des Tempus sich zu uns setzen. Die wirklich gut aussehende Halbelfe stellt sich mit Xanaphia vor, kurz Xana gerufen, der junge schneidige Tempuspriester als Dolon Braska. Die gute Frau Harloff meint, wir wären so nun komplett und sollten uns ein wenig kennen lernen. Also spielen wir etwas weiter und plappern nichtssagenden Klatsch vor uns hin.

Ein halborkischer Barde betritt den Schankraum und stimmt ein lustiges Sauflied ein, in das die Zwerge sofort grölend mit einstimmen. Ich kenne es von Jondan und singe es mit. Ach Jondan, ich hasse ihn inzwischen so sehr, dass ich ihn fast schon wieder liebe. Als weitere illustre Gäste erscheinen einen dickbäuchiger Magier, der sich hier mit einem leibhaftigen Tiefling trifft. Finstere Verdammnis! Als ob es nicht noch schlimmer kommen könnte, taucht auch noch eine Patrouille der Schildwache auf, als der halborkische Barde gerade ein Spottlied auf Hauptmann Bree zum Besten gibt. Nach kurzem Zögern fallen die Gardisten mit ein, was die ganze Situation beträchtlich entschärft. Mein Silberberg schrumpft im Laufe des Abends, aber als Renya endlich Zeit für uns hat, habe ich noch 9 dreieckige Silberschilde. Immerhin!

Renya führt uns eine enge Stiege zu einem Speicher, wo es einen Spieltisch gibt. Von der Decke hängen Räucherwaren. Wir setzen uns an den Tisch und endlich erfahren wir, um was es geht. Sie zeigt uns einen Schlüssel meisterhafter zwergischer Machart. Das Schloss dürfte kaum zu knacken sein, zu dem der Schlüssel passt. Renyas Problem ist, dass sie zwar den Schlüssel hat, aber nicht genau weiß, wozu der passt. Er stammt aus dem Besitz des Gildemeisters der Diebe, Luvius des Schneiders. Sie weiß zu berichten, dass vor der Zerschlagung der Gilde Luvius in Besitz eines Schatzes gelangt sein soll, was aber genau, weiß sie nicht. Ich finde, sie weiß recht wenig. Und das genau ist ihr Problem. Niemand weiß etwas Genaues, nur Luvius könnte Antworten geben und darum geht es ihr. Aber ich habe doch selbst gesehen, wie er an Rallards Baum sein Leben ausgehaucht hat. Die gute Frau präsentiert nun eine Schriftrolle. „Damit es möglich, Luvius die entsprechende Frage zu stellen. Noch ist seine Leiche in der Kapelle der Gefallenen auf dem Friedhof aufgebahrt. Geht zu ihm und fragt ihn. In zwei Tagen ist das Fest der Toten und von Thargrams Weg aus wird eine Prozession zum Friedhof ziehen. Schließt euch ihnen an und nutzt die Masse, um euch einzuschleichen. Das dürfte die letzte Gelegenheit sein, bevor sein Leichnam von Fleisch und Knochen getrennt wird.“ Das hört sich ja schon beinahe zu einfach an. Unsere Belohnung wäre ein fairer Anteil am Schatz. „Nun gut, wer wagt, gewinnt. Ich bin dabei!“ Auch die anderen sind einverstanden.

Wir beschließen, dass wir morgen Früh uns diesen Friedhof mal genauer ansehen. Zur zehnten Stunde am Nordtor. So soll es sein. Nur die Halbelfe Xana, die Töpferwaren auf dem Markt verkaufen muss, hat dazu keine Zeit. Sie verspricht aber, sich auf dem Markt nach schwarzen Kapuzenmänteln, wie sie von den Pilgern getragen werden, umzusehen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 29. Oktober 2007, 14:49:55
6 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Ich beeile mich, früh mit der Arbeit fertig zu werden und auch meine süße zwei Jahre alte Tochter Mili zu versorgen. Glücksbote Ryan ist wieder der Erste und nutzt die Gunst der Stunde, um mit mir zu schäkern. Nach und nach trudeln auch der elfische Barde Estarion und der fesche Schlachtenrufer Dolon Braska ein. Gemeinsam machen wir uns auf dem Weg. Es heißt, auf dem Friedhof würden die Untoten umgehen. Und Untote bekämpft man am besten mit stumpfen Waffen, die Knochen zerbersten lassen, da Untote meist wenig Fleisch zum Durchschneiden haben. Also besorge ich mir in einem der Gehölze etwas Bruchholz, das mir gut in der Hand liegt. Kommt nur, ihr Untoten, den Mutigen gehört die Welt, nicht denen, die schon tot sind! Verdammnis!

Der düstere Friedhof liegt am Fuße des Berges Alkroth, etwa eine halbe Stunde zügige Fußmarsches außerhalb der Stadt. Er ist umgeben von einer etwa zwei Meter hohen Mauer aus grobem Bruchstein, auf der nicht nur stählerne Spitzen drohen, sondern gar schrecklich anzusehende Dämonen und Gargylen, die zähnefletschend nach außen Wache zu halten scheinen. Ein großes gusseisernes Tor steht offen. Hier und da ist ein maskierter Priester des Myrkul zu sehen, wie auch einige Gläubige, die Grabstelen zu pflegen scheinen. Vier in Schuppenpanzer gehüllte und mit Speeren bewaffnete Wächter gammeln mehr oder weniger aufmerksam herum. Angeführt werden sie von einem Schwarzgewandeten Müllermädchen mit weiß geschminktem Gesicht, das eine Sense trägt. Jedes Jahr werden drei Tote auf dem Fest der Toten ins Leben zurückgeholt. Sie war eine von diesen Auserwählten, aber statt wie üblich zurück ins Leben zu gehen, blieb sie hier und wacht nun mit ausdrucksloser Miene über die Toten. Die junge Frau ist mir unheimlich. Die ist echt gruselig!

Wir laufen an den Stelen vorbei, wo die wohlhabenden Toten begraben liegen. Die normalen Toten werden durch Käfer entfleischt, ihre Knochen aufgelöst, nur der Schädel wandert in die Beinhäuser, wo sie in unendlichen Reihen mit leeren Augenhöhlen grinsend in die Ewigkeit starren. Die ganz reichen Handelsfamilien wie auch die Adelsfamilien haben steinerne Grüfte, die sich in ihrer Düsterheit zu übertreffen drohen. Welch trauriger farbloser Ort das hier doch ist. Grau in Grau mit etwas Schwarz hier und da. Kein Wunder, dass Myrkulpriester als Trauerklösse verschrieen sind. Man munkelt, dass einige der Priester selbst schon tot sind. Finstere Verdammnis!

Unser Ziel die schwarze Kapelle der Gefallenen, hier kommen die Verurteilten und Hingerichteten Verbrecher. Es gibt sieben Kapellen auf dem Areal, jede einem der Schutzheiligen und Diener Myrkuls zugeordnet, die sich um ihre Toten kümmern. Die Kapelle der Gefallenen liegt etwas abseits, aus dem Alkroth herausgeschlagen und doch mit ihm verbunden. Keck gehe ich in den Vorraum und ein unnatürliche Stille umgibt mich. Ich schnippe mit dem Finger, aber kein Geräusch entsteht! Verfluchte Verdammnis!

Von der Vorhalle, die zum Gebet dient und allen Gläubigen und Besuchern offen steht, geht eine verschlossene Türe ab, die mit einer Kordel versehen ist. Ebenso führt ein offener Durchgang in einen weiteren Raum. Ein Schädelmaske tragender Myrkulpriester oder Akolyth säubert in meditativer Haltung einen Altar.  Ich drehe mich um und berichte den anderen von meiner Beobachtung. Nicht gut! Das verkompliziert die Sache etwas. Estarion schlägt vor, den toten Luvius in einen der Umhänge zu packen und ihn zu zweit nach draußen zu zerren, als wäre ihm schlecht, um ihn dort dann außerhalb der Stille zu befragen. Schluck! Aber da mir nichts Besseres einfällt, stimme ich halbherzig dem Plan zu.

Wir kehren in die Stadt zurück und suchen den Markt auf. Die schöne Xana war bis jetzt noch nicht in der Lage gewesen, den Familienstand zu verlassen. Ihre menschliche Mutter mustert uns äußerst finster, wie ehrliche Leute eben scheinbares Gesindel zu mustern pflegen. Ich schätze mal, dass sie wohl auch mit ihrer Tochter sitzen gelassen wurde. Ich kann mir vorstellen, dass sie einigen Anfeindungen ausgesetzt gewesen ist. Die Leute in der Stadt haben ein tiefes Misstrauen gegen alles elfische, kein Wunder, wenn man bedenkt, wie oft ihre Vorfahren gegen Elfen gekämpft haben und was aus ihrer Heimat geworden ist. Auch wir aus den Tälern stammen von diesen Leuten ab, aber da wir öfters Kontakt mit den Elfen hatten und der meist friedlich und freundlich verlief, habe ich nichts gegen Elfen oder Halbelfen. Nicht auf die Rasse oder das Aussehen kommt es an, sondern wie es im Herzen eines Wesens aussieht.

Xana führt uns zu einem der Händler, der schwarze Kapuzenmäntel verkauft. Ich handle ihn soweit runter, dass wir sechs Mäntel für den Preis von fünf bekommen. Da wir jetzt eigentlich alles haben, was wir für unsere Aufgabe brauchen, verabreden wir uns zur vierten Mittagsstunde an der Kathedrale der Triade am Thargrams Weg. Wer wagt, gewinnt.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Sirius am 30. Oktober 2007, 22:11:35
Sehr gut geschrieben, interessante Geschichte und faszinierende Charaktere. Ich freue mich auf die Fortsetzung!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 31. Oktober 2007, 14:21:19
Danke für das Lob!  :D

7 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Viel zu früh bin ich an der Kathedrale der Triade, in der die Götter Torm, Tyr und Ilmater angebetet werden. Ich laufe etwas gebeugt unter meinem Kapuzenmantel, da ich meinen Rucksack voll mit wichtigem Werkzeug dabei habe. So sieht es aus, als ob ich einen Buckel hätte. Mili war etwas knatschig, als ich gegangen bin. Meine kleine Tochter ist es nicht gewöhnt, dass ich sie allein lasse. Wenn ich im Silberfisch arbeite, läuft sie mir beim Zimmermachen meist hinterher, mit ihrer bunten wippenden Ente auf Rädern im Schlepptau und schaut mit großen Augen zu, was ich mache. Manchmal singe ich dabei und sie quietscht vergnügt mit. Oder sie hockt sich in eine Ecke und spielt mit ihrer kleinen Stoffpuppe, die sie letztens zum Geburtstag bekommen hat. Mein kleiner Schatz ist schon zwei Jahre alt. Vor zwei Jahren hat mich Jondan Rea sitzen gelassen. Was er wohl gerade treibt? Da fallen mir ein paar sehr ausgefallene Sachen ein. Aber vielleicht irre ich mich ja, und er wurde tatsächlich in die Sklaverei verschleppt. Der Tag wird kommen, wo ich genug Geld haben werde, um mich darum zu kümmern. Die Zeit wird es zeigen.

Nach und nach kommen die anderen und wir reihen uns gemeinsam in die aufbrechende Prozession der Gläubigen zum Friedhof. Schweigend marschieren wir in die Nacht hinein. In der Nacht sieht der Friedhof noch unheimlicher und grusliger aus als am Tag. Verdammnis! Da läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Auf dem Friedhof angekommen setzen wir uns nach und nach ab. Nur Ryan macht das etwas zu auffällig und muss zurück bleiben, weil er die Aufmerksamkeit der Wache auf sich gezogen hat. Finstere Verdammnis!

Wie Schatten schlüpfen wir in die menschenleere Kapelle der Gefallenen. Vorsichtig spähe ich in alle Richtungen, als ich mich der mit der Kordel verhangenen Tür nähere. Fallen oder ähnliche Gemeinheiten kann ich keine entdecken, macht ja bei einem Raum, der tagsüber Jedermann zugänglich ist, keinen Sinn. Aber das Schloss ist feinste Zwergenarbeit, da versagt meine Kunst erstmal kläglich. Nun gut, es gibt noch andere Türen. Wir gehen nun durch den Durchgang und kommen in einen weiteren Raum, der wohl der Meditation dient. Und hier kann man wieder reden. Gut!

Zwei Türen befinden sich hier, eine die tiefer in die Kapelle führt und aus der komische, schwer einzuordnende Geräusche kommen, eine, welche in den Raum führen könnte, der mit dem Zwergenschloss versperrt ist. Ich knie mich nieder, küsse mein heiliges Symbol der Tymora, berühre Stirn und Brust und bete darum, dass Tymora mit den Mut, die Geschicklichkeit und die Kraft verleiht, um das hier heil zu überstehen. Nicht um meinetwillen allein, sondern auch wegen meiner noch so jungen Tochter Milindra. Gestärkt und vom innerem festen Glauben erfüllt mache mich nach sorgfältiger Sondierung des Schlosses an die Arbeit. Aber da! Wir zucken alle erschreckt zusammen, als etwas hinter einer Statue in der gegenüberliegenden Ecke kreischt. Ein Klumpen, der mir sehr nach Kot aussieht, klatscht vor meiner Nase an die Türe. Iiiks! Das schreit auch Xana und ein grüner Punkt löst sich von dem Zeigefinger ihrer rechten Hand und saust mit großer Wucht in das Äffchen, als das sich der kreischende Schatten im Licht meiner Blendlaterne entpuppt. Der grüne Punkt verschwindet im Balg des Tieres und einen Herzschlag später verteilt sich die Hälfte davon  höchst unmalerisch an der Wand. Iiiks!

Wie in aller Welt kommt ein kleines Äffchen in die Kapelle? Der elfische Barde fischt ein Halsband aus den Überresten, es schien wohl zahm gewesen zu sein. Vielleicht hat es einem der Priester gehört. Auf alle Fälle wissen wir nun, warum die Töpferwarenverkäuferin hier ist, sie scheint zaubern zu können. Und wahrscheinlich ist sie eine Hexenmeisterin, denn sie sieht nicht so aus, als ob sie auf das Kollegium gehen würde. Wenigstens kann ich nun das Schloss knacken. Schwupps! Und auf. Wir sehen die Kammer, in der die Toten den Käfern zum Fraß vorgeworfen werden. Iiiks!

Zwei weitere Türen sind interessant. Ich versuche das Gewusel in den Nischen zu ignorieren, wo gerade Tote von den Käfern gefressen werden. Örks! Eine der Türen ist noch mit einem Riegel verschlossen, da gehe ich nur im Notfall hin, die andere Türe ist interessanter. Das Schloss ist kein Problem. Dahinter befindet sich der seltsamste Lagerraum, den ich je gesehen habe. In Einmachgläsern jeder Größe schwimmen in einer klaren Flüssigkeit Knochen, Augäpfel, innere Organe, ein Unterkiefer mit scharfem Gebiss und Dinge, die ich nicht so richtig einordnen kann. Und ehrlich gesagt auch nicht will! Finsterste Verdammnis!

Das einzig Interessante ist ein Buch, wo Vorkommnisse der Kapelle vermerkt sind. Unser Luvius scheint sich noch im Aufbahrungsraum zu befinden, sein Empfang wurde hier bestätigt. Das komische ist, die nächste Seite wurde herausgerissen. Estarion versucht zwanghaft, was zu erkennen, da die Feder vielleicht durchgedrückt hat. „Lass mich mal!“ Vorsichtig mache ich die Schrift mit etwas dunkler Kreide sichtbar und lese den anderen vor. So wie es aussieht, scheint der Tod von Mehrat Totenrufer negative Schwingungen ausgelöst haben, die einige der Toten beeinflusst haben. Es wird empfohlen, den Hohepriester zu benachrichtigen und einen Exorzismus durchzuführen. Aha?
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 02. November 2007, 15:10:53
7 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan Friedhof Kapelle der Gefallenen

Das hört sich irgendwie nicht so gut an. Ohne wirklich weiter gekommen zu sein, gehen wir zurück in den Meditationsraum und untersuchen die andere Türe. Auch diese öffne ich nach kurzer Zeit und das Schlimmste erwartend betreten wir die Kammer. Ein Schreibpult in der Mitte ist das einzige Möbelstück. Ein grob geschmiedeter Käfig steht am Rand, in dem ich kurz eine Bewegung zu erhaschen glaube. Aber als ich mit der Laterne hineinleuchte, ist der Käfig leer. Ein Glas mit einem bleichen Totemschädel, der mit menschlichen Augen in einer Flüssigkeit schwebt, befindet sich in der anderen Ecke. Und natürlich ein dicker Wälzer, in dem sorgfältig alle hier je eingelieferten Toten aufgelistet sind.

Ein leeres Schlüsselbrett befindet sich an der Wand gegenüber. Während die anderen morbide fasziniert den Schädel betrachten, im Buch blättern oder das Schreibpult nach Fächern untersuchen, gehe ich zum Schlüsselbrett. Das macht für mich keinen Sinn, also zerre ich etwas daran und schon habe ich es in der Hand und gucke in eine Nische, wusste ich es doch. Tymora lächelt denen, die gewitzt sind. Ein Beutel mit achtzig Goldmünzen springt mir freudig entgegen und wandert in meinen Sack, genau so vier unbeschriftete Phiolen mit einer klaren Flüssigkeit und zwei Schriftrollen. Am Ende wird fair geteilt werden. Und ein Buch ist noch hier. Es scheint sich um eine Anleitung zu handeln, wie Tote zu präparieren sind und enthält einige Liturgien des Myrkul Glaubens. Da es uns nicht weiterhilft, lege ich es zurück.

„In dem Käfig ist was!“ kreischt Xana etwas zu hoch. Meine Ohren! Und tatsächlich, als ich ein weiteres mal hineinleuchte, sehe ich ein kleines menschenförmiges Wesen mit Schmetterlingsflügeln, das mich aus traurigen Augen anschaut. Estarion redet es auf Elfisch an, das ich auch etwas beherrsche. So wie es aussieht, ist das ein Fee, der von bösen und gemeinen Priestern gefangen wurde, weil er etwas Schabernack getrieben hätte. „Spaßmacher nennt man mich.“ Und es bittet uns, es frei zu lassen. Nun gut, ich breche den Käfig aus kaltgeschmiedetem Metall auf und das kleine Wesen flattert begeistert im Raum herum. „Das ist nicht gut! Feen sind Böse!“ Xana macht eine abwährende Geste, aber wenigstens bringt sie ihn nicht gleich um. „In dem Schädel ist ein Schatz versteckt!“ meint Spaßmacher. Nun, danke für den Tipp. Xana macht eine hebende Geste und wie von Geisterhand öffnet sich das Glas und der Schädel flutscht heraus. Ich hole Hammer und Meißel und will den Schädel öffnen. Aber dann beißt der Schädel auf einmal zu. Iiiks!

Ryan macht kurzen Prozess und zertrümmert unter dem Gelächter von Spaßmacher den Schädel. Knochensplitter fliegen durch den Raum und die Augäpfel klatschen auf den Tisch. Örks! „Habe ich es nicht gesagt, Feen sind Böse!“ Xana hatte da wohl nicht ganz unrecht. Vorurteile basieren meist auf wahren Gegebenheiten. Verwünschungen vor mich hinmurmelnd verlassen wir das Büro, während Spaßmacher sich unsichtbar immer noch einen ablacht. Traue keiner Fee, merken. Nun gut, dann bleibt nur die Türe mit dem Riegel. Glücksbote Ryan kommt auf die Idee, Untote entdecken zu wollen. Vielleicht findet sich ja so was. Als er mit dem Zauber den Käferraum betritt, scheint es eine Wechselwirkung zu geben, denn auf einmal lösen sich aus dem Gewühl der Käfer vier besonders große Exemplare. Und die greifen unseren Glücksboten an. Iiiks! Es gibt einen kurzen heftigen Kampf mit diesen ekligen, riesigen, untoten Käfern, die etwa so groß wie eine Hauskatze sind, aber schließlich schlagen wir sie alle tot. Oder untottot. Oder wie auch immer. Xana ist voll von der Rolle, aber Estarion schaut ihr tief in die Augen und beruhigt sie wieder. Ich hätte nicht gedacht, dass das Abenteuererleben so eklig sein könnte. Irgendwie fange ich an, mich zurück in die Schankstube des Silberfisches zu sehnen. Ach!

Nachdem wir uns alle wieder gefangen haben, gehen wir zu der Türe mit dem Riegel. Schwupps und auch das Schloss ist auf. Vor mir ist eine Treppe, welche in die Tiefe führt. Vorsichtig gehe ich voran, jede Stufe erst mit den Augen nach Unregelmäßigkeiten abtastend, aber keine Falle lauert hier. Die Treppe führt zu einem Raum, in deren Zentrum ein reich verzierter Sarg aufgebahrt ist. Totenkopfsymbole sind die vorherrschende Verzierung. Mächtige Ketten sind um den Sarg geschlungen und scheinen ihn fest mit dem Podest zu verbinden. Um das Podest befindet sich ein Kreis mit seltsamen Symbolen. Ryan und Eltarion fachsimpeln über die Bedeutung des Kreises und meinen, dass etwas im Innern gehalten werden soll. Es wäre also weder gut, den Kreis zu beschädigen noch ihn zu überschreiten. Die ganze Sache ist uns zu gruselig, auch wenn es weiterführende Türen aus dem Raum gibt, drehen wir um und eilen zurück nach oben. Ich will nach Hause!

Nun gut, versuchen wir es noch mal mit der ersten Türe. Da ich das Schloss auf keinen Fall aufbekomme, nimmt Dolon seine Axt und zertrümmert die schwere Türe an den schwächsten Stellen, sodass wir sie schließlich öffnen können. Eine kurze Treppe führt uns zum Ziel unserer Mission. Auf drei Podesten liegen Luvius und seine beiden Spießgesellen in einem erbärmlichen Zustand. Krähen haben sich schon sehr gütlich an ihnen getan. Iiiks! Dummerweise versperrt ein Fallgatter aus zwergischer Herstellung uns den Weg. Der Mechanismus ist mit einem Schloss aus bestem Stahl gesichert, das kriegen wir nicht kaputt. Und Luvius liegt zu weit, als dass der Zauber wirken könnte. Verdammte Verdammnis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 05. November 2007, 11:57:57
7 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan Friedhof Kapelle der Gefallenen

Nun schlecht. Ich packe mein Seidenseil aus und binde es an meinen Wurfhaken. Nach dem dritten Versuch verhakt es sich in seinem Gürtel. Nun dürfen die starken Männer ziehen, leider löst sich der Haken, als der Leichnam vom Podest fällt und liegt nun in einer nicht einsehbaren Position zwischen den Podesten. Finsterste verdammte Verdammnis! Frustriert schlage ich gegen das Gatter. Was nun? Es gibt noch auf der anderen Seite einen offenen Durchgang. Sieht so aus, als müssten wir doch den anderen Weg nehmen. Also wieder zurück, die Türe angelehnt, leider sieht man auf dem zweiten Blick, dass die nicht mehr ganz ist. Wieder durch den Käferraum die Treppe nach unten in den Raum mit dem Kettensarg.

„Solange wir den Kreis nicht durchschreiten, dürfte auch nichts passieren.“ macht Ryan uns Mut. Na dann, ich laufe zur ersten Türe an der rechten Seite, mit etwas Glück kommen wir von der anderen Seite in den Aufbahrungsraum. Ich lausche an der Türe und kann nichts hören. Die anderen rücken nach und auf drei mache ich die Türe auf. Ich sehe in eine verwüstete Krypta. Überall zerschlagene Skelette und die Verursacher grinsen mir entgegen. Selbst meine blitzschnellen Reflexe bewahren mich nicht davor, überrascht zu werden. Verdammt sind die schnell! Finsternis!

Eine Keule trifft mich unterhalb meiner Brust und bricht mir mehrere Rippen. Vor Schmerz keuchend taumle ich zurück und spucke Blut, während Ryan sein Tymora Symbol vor sich hält und schreit. „Im Namen Tymoras werde ich euch, hust, keuch?“ Das war wohl nix und es gibt ein dumpfes Echo, als Schläge auf ihn niederprasseln. Eltarion fängt an zu summen und Xana fuchtelt wild mit ihren Händen, Stücke aus einem der Skelette brechen ab. Aber Ryan sammelt sich und brüllt,  „Im Namen Tymoras vertreibe ich euch, untote Brut!“ Diesmal ist seine Stimme voll Kraft und beide Skelette drehen augenblicklich um, nur um Herzschläge später unter den Hieben unserer Keulen zu zerbersten. Geschieht ihnen Recht! Tote sollten ruhen, nicht herumlaufen. Tut man nicht!

Dolon bittet Tempus um Heilung und meine Rippen richten sich wieder. Hat ganz schön wehgetan. Wirklich. Nachdem wir uns von diesem Schrecken erholt haben, öffne ich die zweite Türe auf der rechten Seite. Nach kurzen Herzschlägen der Anspannung rührt sich nichts in dieser noch intakten Kammer voller in Nischen liegender Skelette. Puh! Nun gut, wir haben nun eine geradeausführende Doppeltüre und eine Türe, die nach links führt. Aber nach links wollen wir nicht, also die Doppeltüre. Dahinter scheint sich was zu bewegen, meine ich zu hören. Unser elfischer Barde summt weiter aufmunternd vor sich hin und ich öffne die Türe. Vor uns ist ein großer Raum, etwa neun Schritte breit und fünfzehn bis zwanzig lang. Vier große, mit steinernen Totenschädeln verzierte Podeste dominieren den Raum. Aber für die architektonische Schönheit haben wir kein Auge, denn in der Mitte des Raumes steht ein Skelett mit einer Schlinge um den Hals. In seinen Augenhöhlen glimmt das Feuer der Hölle und sein Blick könnte Eisen erweichen lassen. Verdammnis!

Mit aller Kraft schleudert Xana dem Skelett einen Schleuderstein aus ihrer Schleuder entgegen, der genau in eine der Augenhöhlen fliegt und dort stecken bleibt. Ha! Ryan stürmt mit einem „Tymora!“ auf den Lippen und seinem Streitkolben in der Hand auf die untote Ausgeburt zu. Auf einmal wiegt sich das Skelett und sein Strick wird lebendig, schlingt sich um Ryans Brust und zieht ihn auf sich zu. Aaaaarrrrgh! Ryan spuckt Blut, nachdem eine der Fäuste auf seinen Brust eingeschlagen hat. Finsterste Verdammnis! Der Elf stürmt vor und schlägt leider vor sich hin summend vorbei. Ich überwinde meine Lähmung, springe auf eines der Podeste und haue von oben auf dieses Ding ein. Krachend fährt meine Keule hernieder, Knochen splittern, aber das Skelett mustert mich nur finster mit seinem brennenden Auge. Oh oh!

Dann haut er auch schon zu. Einem seiner Hiebe kann ich ausweichen, nur um von der zweiten Faust um so härter getroffen zu werden. Mir wird kurz schwarz vor Augen, ich kann mich aber auf meinen Beinen halten. Das hat wehgetan! Die Halbelfe zeigt auf den Untoten und einen Herzschlag später hämmert ein grünes Geschoss in seinen Körper und sprengt einige Rippen von ihm ab. Ryan geht einen Schritt zurück und spricht ein Gebet der Heilung auf sich. Der Barde summt weiter aufmunternd vor sich hin und fuchtelt wenig eindrucksvoll mit seiner Keule durch die Luft. Ich hüpfe von dem Podest und versuche die Seite des Dings zu treffen, aber ich haue mit voller Wucht vorbei. Huch!

Ein weiteres grünes Geschoss hämmert in den Untoten und Splitter fliegen aus seinem Brustkorb.  Ryan schließt wieder auf, trifft aber nur kalte Luft mit seinem Hieb, auch Estarion fuchtelt nur ablenkend und kann so beiden Hieben mit einer Körperdrehung entgehen. Der Gehenkte löst sich mit einem Schritt von uns. Ich umgehe ihn, aber meine Keule prallt harmlos an ihm ab. Um besser sehen zu können, kommt Xana über die Flanke näher, wirkt einen weiteren Zauber, der große Stücke aus dem Becken des Untoten bricht, nur im nächsten Augenblick vom Seil umschlungen zu werden. Kreischend wird sie zu dem Ding gezogen. Eine der Klauen fährt ihr mit voller Wucht in den Unterleib und sie bricht keuchend und Blut spuckend zusammen, rappelt sich dann aber wieder auf. Finsterste verdammte Verdammnis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: endier am 05. November 2007, 16:12:56
Holla die Waldfee...da geht es ja richtig rund. (Sind doch alle Stufe 1, oder ?)

Schön geschrieben. Bitte mehr davon.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 07. November 2007, 10:53:41
Yup! Wir sind noch alle Stufe 1 und das war das erste Abenteuer überhaupt mit diesen SC.

7 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan Friedhof Kapelle der Gefallenen Crypta

Ryan und Estarion rücken nach, aber ihre Schläge sind zu unkonzentriert. Ich springe auf eines der Podeste und befinde mich genau über dem Ding. Hoch hole ich mit beiden Händen die Keule fest umklammernd aus und mit voller Wucht schlage ich auf den Schädel ein. Der Kopf des Gehenkten zerbirst und das unheilige Feuer erlischt in seiner Augenhöhle. Einen kurzen Moment wankt der Torso und zerbricht dann in kleine Stückchen. Tymora sei Dank!

Dolon rückt nun nach, der bis jetzt nach hinten gesichert hat (Der Spieler musste früher gehen, sodass der SC nur noch nach hinten sicherte, bzw. seine Heilzauber zur Verfügung stellte) und legt seine Hände auf die schmerzende Stelle. Augenblicklich sinkt der Schmerz zu einem Pochen herunter und erlischt dann. Auch die hübsche Halbelfe kommt dank der Führsorge von Ryan wieder auf die Beine. Vom Gehenkten sind nur noch Splitter übrig, aber ich durchsuche mal die Podeste und tatsächlich öffnet sich da ein Geheimfach. Acht Halbedelsteine mit einem schönen Schliff wandern in meinen Sack, dazu noch ein Armband aus Gold. Tymora lächelt wahrlich den Tapferen.

Aber wir sind nicht zum Plündern hier. Jedenfalls nicht nur. Hm! Es geht hier tatsächlich zu dem Aufbahrungsraum. Dolon und Ryan legen die Leiche zurück auf das Podest. Wir überlegen gemeinsam, wie wir die Frage am Besten formulieren, um so viele Informationen wie möglich zu halten. Dann liest Ryan die Schriftrolle vor. Er endet und wir warten gespannt. Als nach zwanzig Herzschlägen sich immer noch nichts rührt, schauen wir ihn kollektiv fragend an. Ryan lächelt etwas gequält. „Vielleicht habe ich die eine oder andere Silbe nicht so richtig betont.“ Tymora hilf!

Sollte etwa alles umsonst gewesen sein? Xana scheint den Tränen nahe zu sein, wie ich auch. Wir haben verdammt noch mal dafür geblutet hier zu sein, was soll das? Sollte etwa alles umsonst gewesen sein? Unser Blut wurde vergossen, wir haben uns wie die Helden in den Geschichten durch (ganz kleine) Horden von Untoten gekämpft. Können die Götter so grausam sein? Ich könnte echt anfangen loszuheulen. Aber halt! Da waren doch Rollen in dem Geheimfach im Büro mit dem frechen Spaßmacher gewesen. „Wir haben noch diese Rollen hier! Vielleicht handelt sich auch um diese Spreche mit Toten Zauberdingersachen.“ „Das werde ich gleich wissen.“ Estarion reißt mir die Rollen förmlich aus den Fingern und murmelt etwas vor sich hin. „In der Tat!“ Nun denn. Ryan nimmt die nächste Rolle und diesmal stellt er sich etwas geschickter an. Juhu! Kaum ist die letzte Silbe verklungen, als sich die Leiche mit einem Ruck stöhnend aufrichtet. Finsternis!

Nicht nur ich schrecke zurück. „Wer stört mich in meiner ewigen Ruhe?“
„Du hast einen Schlüssel hinterlassen. Wir möchten wissen, wo sich das passende Schloss dazu befindet.“
„Ihr wollt meinen Schatz!“
„He, wir stellen hier die Fragen.“ Überlegend kratzt er sich an einem Loch im Schädel. Etwas von seinem Hirn drückt es heraus. Örks! Nach kurzem hin und her stellt sich heraus, dass er es nicht mehr weiß, aber er hat es aufgeschrieben, auf einen Zettel und den Zettel hat Barkess, ein korrupter Schildwächter, der ihn eigentlich Renya hätte geben sollen. Dieser Lump!

Wir haben unsere Frage gestellt und eine wahrlich unbefriedigende Antwort erhalten. In diesem Moment wird mir klar, dass dies der Anfang von einem längeren Abenteuer ist. Aber nun ist es Zeit zu gehen. Wir gehen wieder zurück und im Raum mit dem angeketteten Sarg, ein wahrlich skurriler Anblick, findet Estarion eine Geheimtür. Eines muss man den Elfen lassen, sie haben feine Sinne. Nach kurzer Beratung öffnen wir die Türe, vor uns ist ein enger Gang, der gemauert ist und sehr muffig riecht. Könnte ein Fluchtgang sein. Also nix wie rein. Wir verschließen die Türe hinter uns und ich gehe voraus. Doch da! Ein Stolperdraht, welch perfide Falle. Ich warne die anderen, zeichne mit heller Kreide ein Warnsymbol an die Wand über dem Draht und steige darüber. Die anderen tun es mir gleich und wir erreichen schließlich eine weitere Türe. Dahinter herrscht Stille. Ich öffne die Türe langsam und spähe in eine Gruft einer Adelsfamilie. Auf einem siebenarmigen Leuchter brennen Kerzen und ich kann das Wappen derer von Rallard erkennen. Nach Rallard ist der Platz mit dem Henkersbaum benannt. Da ich mit denen keinen Streit will, lasse ich die Finger von den silbernen Pokalen, die an der Wand aufgereiht sind und gehe zielstrebig zu der Ausgangstür, welche verschlossen ist.

Nachdem wir festgestellt haben, dass die Luft draußen rein ist, mach ich das Schloss auf und wir schleichen aus der Gruft. Ich mach die Türe wieder richtig zu und wir mischen uns unter die Gläubigen. Gerade jetzt marschieren mehrere Myrkulpriester in die Kapelle der Gefallenen hinein. Zeit zu verschwinden. So laufen wir einfach zur Stadt zurück, ziehen die Kapuzenmäntel aus und finden uns alle im Brunnenhaus ein.

Wir berichten Renya Harloff, was wir herausgefunden haben. Sie kennt diesen schmierigen Schildwächter mit dem Namen Barkess. Allerdings meint sie, dass er den Schatz wohl noch nicht gehoben hat, da sie es wüsste, wenn er zu Geld gekommen wäre. Na, dann ist ja noch nicht alles verloren. Sie wird ihre Fühler ausstrecken und sehen, wie sie am Besten an Barkess herankommt. Sie wird nach uns schicken, sobald sie was weiß. Tja, dann bis bald.

Gespielt am 08.09.2007
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon, Estarion, Kaira, Ryan, Xana
Schrein des Ruhmes: Ein schwarzer Kapuzenumhang
Erfahrungspunkte: 512 + 25 Bonus für jeden
Überwundene Gegner von Gruppe:
1 zahmer Affe
1 fliegender Schädel
4 untote Käfer
2 Skelette
1 Gehenkter
Beute von Gruppe: 8 bunte Halbedelsteine mit gutem Schliff Wert 50-60 GM
1 goldenes Armband 50-60 GM
4 unbekannte Tränke
2 Rollen mit Toten sprechen (1 aufgebraucht)
80 Goldmünzen
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 09. November 2007, 11:31:03
2 Kapitel
Planlos in Chondathan

8 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Am nächsten Morgen treffen wir uns im Sinnvogel, einer Taverne am Hafen. Xana ist die Erste und tut sich gerade an einer Suppe gütlich. Wir plappern etwas und schon kommen die anderen. Gemeinsam gehen wir zu Meister Talynsteins Juwelierladen. Vier Zwerge halten sich im Verkaufsraum auf und feilschen in ihrer Sprache, die sich anhört, als würde Stein gemahlen werden, um Edelsteine. Einer der vier kommt auf mich zu und ich sage, was ich möchte. Der Meister ist nicht da, aber er leitet die Geschäfte. Er nimmt die Steine und das goldene Armband mit einer Lupe in Augenschein. Der Zwerg, der sich als Khondar Talynstein vorgestellt hat, brummelt missmutig in seinen Bart, dass der Schliff besser sein könnte. „Menschen lassen sich einfach nicht die notwendige Zeit. Immer schnell, schnell, wo man mit etwas Geduld es doch soviel besser machen könnte.“ Nach etwas hin und her einigen wir uns auf 480 Goldmünzen für alles.

Draußen springe ich vor Freude erstmal in die Luft. Ich bin reich! So reich! Haha! Nun gut, nachdem wir geteilt haben, ist das doch nicht mehr so viel. Aber immerhin mehr Gold, als ich je besessen haben. So ne Schatzsuche ist wirklich eine gute Methode reich zu werden und dabei haben wir den Schatz noch nicht mal gefunden. Nun gilt es die vier Tränke zu identifizieren. Die gute Frau Harloff hat uns einen Magier mit dem Namen Havard Repp empfohlen, der in der Akademie wohnt. Nun gut, dann mal los. Es ist ein anstrengender Weg nach oben. Puh!

Hoch thront der ungastliche Bau aus dunkelgrauem, fast schon schwarzen Stein auf dem Berg Alkroth, das große Gildenhaus des Kollegiats der Magier. Noch finsterer drohen nach allen Richtungen steinerne Wasserspeier, die einen aus erloschenen Augen taxierend anstarren, nur darauf wartend, auf einen einsamen Wanderer niederzufahren. Ich betätige einen schmucklosen Türklopfer und dumpf hallt der Schlag. Nach einer scheinbaren Ewigkeit wird hart ein Sichtschlitz geöffnet und wir werden mit einem „Wer stört?“ angeherrscht. „Wir würden gerne beim Ehrwürdigen Magister Repp eine Audienz erbitten, auf dass er uns einige Tränke identifiziert.“ Die Antwort ist ein nichtssagendes Grunzen und der Sichtschlitz wird verriegelt. Nach einer weiteren Ewigkeit werden massive Riegel zur Seite geschoben und geräuschlos schwenken die schweren Türflügel auf und wir betreten eine Halle, von deren Wänden Männer und Frauen aus Portraits vergangener Zeitalter auf uns niederstarren.

Wir werden in einen Raum geführt, an dessen Wänden die Regale bis zur Decke reichen und   die Folianten herauszuquellen drohen. So viele Bücher habe ich noch nie auf einem Fleck gesehen. An einem Tisch sitzt der etwas stämmige Magier und schaut uns an, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen. Unwirsch nimmt er die Tränke entgegen, schnüffelt an einem und meint „Die Herren hier sind eigentlich besser geeignet, diese Tränke als das zu erkennen, was sie sind. Das ist Weihwasser.“ Ach ne. Um diese Erkenntnis reicher und um fünf Goldmünzen ärmer, drehen die anderen sich um und ich bleibe noch kurz. Ich frage nach, wie viel es kosten würde, jemanden auf magischen Weg zu finden, nämlich Jondan Rea, meinen treulosen Ehemann. Er verweist mich an einem Kollegen, aber so was ist nicht billig. Beim Nennen der Summe verschlägt es mir die Sprache. So viel? Verdammte Finsternis!

Auf dem Heimweg meint Glücksbote Ryan noch bei den Gerbereien vorbeischauen zu müssen. Warum das denn? Er bräuchte eine Lederrüstung. Aha? Im Schuppenpanzer sieht er eigentlich recht schick aus. Er kauft sich letztendlich einen Wappenrock. Aha? Unsere Wege trennen sich dann, nachdem wir das Geld aufgeteilt haben. Ich eile zurück zum Silberfisch, um meine tägliche Arbeit zu erledigen und mich um Mili zu kümmern. Arme Kleine, so alleine ohne Mami. Gleich mal richtig abherzen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 12. November 2007, 14:50:15
9 Tarask Morgens Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Ein Klopfen reißt mich aus dem Schlaf. Nach einer kurzen Phase der Desorientierung rapple ich mich auf und frage, wer da ist. Es ist ein Bote von Renya, ein untersetzter Kerl mit struppigen dunkelroten Haaren namens Thropp. „Renya schickt mich, soll euch helfen, diesen Barkess aufzuspüren“. Da der ja wie vom Erdboden verschluckt ist, tut jede Hilfe gut. Nun gut, er soll draußen warten. Ich zieh mich an, richte meine Kleine und drücke sie Frau Erlann in die Arme. „Mama muss jetzt leider arbeiten gehen. Sei Brav, mein kleiner Schatz.“ Dann gebe ich ihr gleich noch einen dicken Schmatz.

Nach und nach sammeln wir die anderen ein. Nur der elfische Barde ist nicht mehr auffindbar, hat sich wohl aus dem Staub gemacht. Nachdem Dolon, Xana und Ryan zu uns gestoßen sind, machen wir uns zu der Wohnung von Barkess auf. Er hat ein Zimmer in einem Gebäude im Nordviertel, direkt an der Stadtmauer. Thropp zeigt uns, welches Fenster zu Barkess’ Wohnung gehört, nennt uns „Drei Fässer“ und „Singvogel“ als Stammkneipen von dem korrupten Schildwächter und macht sich dann vom Acker. Na, dann mal rein. Die Haustür ist unverschlossen und wir trampeln in den dritten Stock. Hinter der Türe, die zu Barkess Zimmer gehören muss, sind Schritte zu hören. Es herrscht kurze Uneinigkeit über das beste Vorgehen. Ich bin selber unsicher, öffne dann aber Tatsachen schaffend einfach das Schloss mit meinem Dietrich und dann die Türe.

In der Wohnung hält sich ein Mann mittleren Alters auf, der eine gespannte Armbrust auf mich richtet. Barkess ist es nicht, der hat eine andere Haarfarbe. Ich zeige mich äußerlich unbeeindruckt und bringe den Mann schließlich dazu, die Waffe zu senken. Er ist angeblich der Hausvermieter und will wohl ausstehende Miete eintreiben. Glaube ich ihm zuerst nicht, stellt sich dann aber als wahr heraus. Auch sind wir nicht die einzigen, die nach Barkess suchen, ein gewisser Merl scheint auch hinter dem guten Mann herzu sein. Merl gilt als rechte Hand von Tharador, einem berüchtigten halborkischen Geldverleiher. Eine Durchsuchung des Raumes bringt zu Tage, dass hier nichts zu holen ist. Das einzige was wir überhaupt finden ist ein halbvoller Weinschlauch mit stark gewürztem Wein, auf dem Leder sind drei Krüge eingeprägt. Das ist das Zeichen von einem angesehenen Weinhändler mit dem Namen Hagar Gartland in der Altstadt. Da dies unsere einzige Spur ist, beschließen wir, den guten Mann aufzusuchen.

Sein Geschäft ist leicht zu finden, drei Krüge über der Eingangstür zeigen, dass wir hier richtig sind. Wir stolpern gerade in eine Geschäftsverhandlung zwischen ihm und einer jungen Adligen in einem sehr schönen Kleid, die zwei grimmige Leibwächter im Kielwasser hat. Wir werden geflissentlich ignoriert. Erst als die hochnäsige Frau draußen ist, wendet sich Meister Gartland uns zu. Ich frage höflich nach Barkess, bekomme nur die wirsche Antwort, dass sein Wein überall in der Stadt verkauft wird. Na toll. Wir entschuldigen uns für die Störung und gehen unseres Weges. Und nun?

Wir haben ja noch die beiden Tavernen Singvogel und Drei Fässer. Drei Fässer liegt in der Nähe, also hin. Vor der Taverne sind drei große leere Fässer gestapelt, die dort schon seit Jahrzehnten zu stehen scheinen. Drinnen ist nicht allzu viel los. Wir stellen die entsprechenden Fragen nach Barkess und erfahren, dass der tot sein soll. Echt? Ein gewisser Schildwächter mit Namen Redgar verbreitet das Gerücht. Der Kerl ist da und wir fühlen ihm etwas auf den Zahn. Auf bohrende Nachfragen erhalten wir nur Ausflüchte. Dieser Redgar lügt und das noch nicht mal besonders gut. Wir behalten den Kerl im Auge und Xana und ich folgen ihm schließlich durch den abendlichen Trubel der Stadt durch deren Gassen und Straßen. Wir können sie gut im Auge behalten, Xana gerät einmal aber in ihr Blickfeld, scheint ihnen aber nicht aufzufallen. Oder etwa doch? Denn sie verschwinden schließlich in einer besonders dunklen Gasse. Ist das ein Hinterhalt?

„Wer wagt, gewinnt!“ Ich führe mein heiliges Symbol an die Lippen, die Stirn und das Herz. Dann ziehe ich meinen Dolch und verstecke ihn im Ärmel. Mit Xana im Schlepptau tauchen wir in das Zwielicht der stinkenden Gasse ein. Nach wenigen Augenblicken entspannen wir uns, es ist kein Hinterhalt. Wir können sogar Stimmen hören. Vorsichtig schleichen wir uns näher und ich kann hören, wie Redgar davon spricht, dass ihm die Sache mit Barkess Verschwinden nicht so gut gefällt, da zu viele Leute zu viele Fragen deswegen stellen. Aha?

Es gibt etwas hin und her, dabei kommt heraus, dass Redgar auf keinen Fall Barkess getötet oder so was in der Art gesehen hat. Dieser Redgar ist dafür bezahlt worden, um das Gerücht zu verbreiten. Dann gehen die drei in eine andere Richtung weiter und der vierte bleibt zurück und meint schließlich, „Du kannst heraus kommen, ich habe dich schon längst gehört“. Es handelt sich um einen Kapuzenmann. Sprich, wahrscheinlich einen Menschen, dessen Gesicht im Schatten einer dunkelbraunen Kapuze liegt. Wir kommen ins Gespräch. Er will wissen, was ich von Barkess will. Nun ja, geht ihn ja eigentlich nichts an. Er bietet mir fünf Goldmünzen. Ne, ist etwas zu wenig. Dann erhöht er auf lässige Art auf fünfzig Goldmünzen. Finstere Verdammnis! Das ist etwa das, was ich als Schankmaid und Zimmermädchen mit Trinkgeld in einem Jahr verdiene.

Da bringt er mich in Versuchung. Wenn aus der ganzen Sache nichts wird, könnte ich so fünfzig Goldmünzen retten. Aber auf der anderen Seite würde ich wohl zu viel verraten. Ne, lieber nicht. Der Kapuzenmann lacht mich aus und geht dann seines Weges. Der Kerl ist mir nicht geheuer. So ziehen wir beiden Mädels wieder Leine und kehren zurück zu den Drei Fässern. Glücksbote Ryan macht einen betrunkenen Eindruck und ich zerre ihn kurzerhand zum nächsten Brunnen, wo ich ihm eine Erfrischung verabreiche. Er protestiert lautstark und meint, er würde nur so tun, als ob er betrunken wäre. Ups, dass war jetzt aber eine gekonnte schauspielerische Leistung. Ich setze die anderen ins Bild und wir beschließen, dass wir zur guten Frau Harloff zurückkehren und das Erfahrene berichten.

Auf dem Weg dahin schaue ich mich immer wieder um und tatsächlich kann ich den Kapuzenmann schließlich ausmachen. Nicht gut. In mir reift ein gewagter Plan. Ich löse mich von den anderen und lasse den Kapuzenmann passieren. Jetzt folge ich ihm. Und was habe ich dadurch gewonnen? Eigentlich gar nichts! Das war jetzt nicht gerade pfiffig gewesen. Die Situation bekommt noch an Schärfe, als der Kerl sich umdreht und mich auslacht. He! Dann verschwindet er einfach. So, Puff! Finstere Verdammnis!

Ich eile zu den anderen und erzähle, was ich gesehen habe. Und nun? Ryan betet mehrere seiner Sprüche herunter, aber der Kapuzenmann taucht nicht mehr auf. Puh! Und nun? Ich kann den Kerl nicht einschätzen. Ob das einer der legendären Assassinen ist? Möglich. Da wird mir ganz klamm zumute. Da uns rein gar nichts mehr einfällt, beschließen wir uns zu trennen, da er alleine uns nicht allen folgen kann. Dolon wird alleine Frau Harloff aufsuchen. Also trennen wir uns und morgen werden wir uns auf dem Markt treffen. Ich gehe in eine Taverne, suche mir einen Platz, wo ich die Wand im Rücken und die Türen im Blick habe. Hach, wie in den Geschichten von Vater, dann bestelle ich mir ein herzhaftes Mahl und esse. Niemand scheint mir gefolgt zu sein. So gehe ich schließlich nach Hause.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Azrath am 13. November 2007, 00:31:35
Schöne Geschichte, vor allem mit Einblick auf einen etwas unkonventionelleren Charakter, eine abenteuernde Mutter gibt es wohl nicht alle Tage :wink:
Nur manche Anhängsel an die Sätze fand ich etwas irritierend und haben meiner Meinung den Lesefluss leicht gestört, da sie unpassend wirkten(z.B. "Gleich mal richtig abherzen." ).
Aber ansonsten sehr schön geschrieben, weiter so! :)
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 14. November 2007, 13:31:00
Danke für das Lob. OK, wenn die Anhängsel stören, werde ich sie etwas herunterfahren.

10 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Am nächsten Morgen treffen wir uns wieder auf dem Markt. Xana ist unglücklich, weil ihre Mutter einen Angestellten hat, der nun ihre Arbeit erledigt. Autsch! Das ging ja schnell. Thropp taucht auch auf. Er meint, wir könnten Redgar ja noch mal etwas auf den Zahn fühlen. Nun gut, tun wir das. Wir finden ihn im Singvogel, jemand hat ihm ein dickes Veilchen verpasst. Entsprechend missgelaunt ist er. Aber er packt nach ein paar freundlichen Worten aus. Er hat Geld dafür bekommen, zu behaupten, dass Barkess tot wäre. Gesehen hat er das nie, weiß auch nicht wirklich, ob das stimmt. Auf alle Fälle waren schon Merls Knochenbrecher bei ihm und auch Larna Marrars Schläger. Wer ist das nun wieder? Lanar Marrar ist wohl eine Hehlerin, ehemals direkte Untergebene von Luvius, genannt der Schneider. So wie es aussieht, sind nun alle drei überlebenden Offiziere der Diebesgilde hinter Barkess her. Na toll.

So langsam beginne ich den Überblick zu verlieren. In Vaters Geschichten gab es immer die Helden und die böse Partei. Hier gibt es nun uns traurigen Haufen als Heldenersatz und jede Menge Parteien. Ich versuche das mal zu entwirren. Wir sind die Fraktion, welche die gute Frau Renya Harloff unterstützt, ehemals Offizierin der Diebesgilde und Wirtin des Brunnenhauses. Sie hat den Schlüssel zum Schatz. Dann haben wir Merl, den Geldeintreiber, und Tharador, den Verleiher. Tharador ist der höchstrangige Überlebende der Gilde und ein ziemlich übler Halbork. Und zu guter Letzt ist jetzt diese Hehlerin Larna Marrar aufgetaucht, die auch ziemlich weit oben in der Diebesgilde gewesen ist. Und dann noch diese ominöse, geheimnisvolle Braunkapuze. Keine Ahnung, wer der jetzt ist. Also vier Fraktionen. Verdammnis!

Und was machen wir jetzt? Keine Ahnung. Etwas ziellos schlendern wir über den Markt und treffen dann auf drei Schlägertypen, die uns in eine Gasse drängen. Sie fragen uns, was wir von Barkess wollen. Geht sie ja wohl gar nichts an. Das Gespräch beginnt sich recht schnell im Kreis zu drehen. So kommen wir nicht weiter. Wenn Wörter einen nicht weiterbringen, dann hilft meist den Leuten eins auf die  Nüsse zu geben. Zu dem gleichen Schluss kommen auch die drei Schläger vor uns. Als der erste gerade zuckt, um uns anzugreifen, stehe ich schon vor ihm und trete ihm gekonnt meinen Absatz ans Kinn. Tat das weh? Ich glaub nicht, denn er spürt nix mehr, als er mit verdrehten Augen KO zu Boden geht.

Die anderen hauen mich oder besser gesagt, sie versuchen es. Aber da müssen sie etwas früher aufstehen. Wo ihre Fäuste die Luft durchschlagen, stand ich noch vor dem Bruchteil eines Herzschlages, aber jetzt nicht mehr. Ätsch! die anderen schließen auf und prügeln auf die Schläger ein, welche die Hiebe aber mit einem Grunzen quittieren. Der nächste Hieb von einem der Kerle trifft mich, bringt mich aus dem Takt und ich hau daneben. Blöd! Aber der Schlachtenrufer schickt den zweiten mit wuchtigen Hieben seiner geballten Fäuste auf die Bretter, hat er nun davon. Den letzten verwirre ich mit einem Flick Flack und trete ihm dann mit voller Wucht mit meinem hochgezogenen Knie zwischen die Beine. Er läuft zuerst knallrot an, wird dann bleich und kippt wimmernd zu Boden.

Glücksbote Ryan bückt sich und fängt an die Schläger zu durchsuchen und klaut ihnen tatsächlich 12 Stahlpfennige. „Glücksbote Ryan! Was bei den Neun Höllen machst du da bitte?“ Er fährt ob meines scharfen Tones etwas zusammen. „Das ist für die Armen.“ „Das darf ja wohl nicht wahr sein. Bist du ein Räuber? Beklaust die Kerle einfach! Das tun Helden in den Geschichten nie!“ „Aber sie haben uns angegriffen!“ Eigentlich habe ich zuerst zugetreten, kam ihnen wohl knapp zuvor. „Na und? Wir sind die Helden, sie die Schurken. Sie liegen im Staub und wir stehen heldenhaft davor. Die Göttin hat uns gelächelt und wir haben unsere Chance genutzt. Sie jetzt wie feige Diebe zu beklauen, ist einfach nur falsch!“ Ganz besonders dann, wenn wie in diesem Fall einige Leute den Kampf interessiert beobachtet haben. Man muss auf seinen Ruf achten und ich will nicht, dass es in den späteren Balladen über uns heißt, dass wir es nötig hatten, ein paar tumbe Schläger zu beklauen. Vor sich hin fluchend wirft er die Pfennige den Kerlen auf den Leib. OK, die werden sich sofort in Luft auflösen, wenn wir uns umgedreht haben. Aber dann haben wenigstens wir sie nicht geklaut. Beute machen ist OK, wenn es die Situation zulässt, aber das hier könnte man mit etwas Unwillen als Raub titulieren, auch wenn es nur um ein Dutzend Pfennige geht. Ich will hier wegen so was nicht in die Pfennigfeste geschleift werden. Auch wenn der Name dann sogar recht passend wäre.

Aber was machen wir jetzt? Genau genommen wissen wir nur, dass die anderen auch nichts wissen. Wie auf das Stichwort taucht der ominöse Kapuzenmann auf. Er macht uns klar, dass er nichts Böses von uns will. Genau das würde ich auch sagen, wenn ich jemand noch brauche, um ein paar Informationen zu bekommen. Wir reden etwas und er eröffnet uns, dass Barkess tot ist. Der Händler Hagar Gartland hätte ihn auf den Gewissen. Häh? Der Weinhändler mit dem drei Krüge Symbol? Was hat der denn damit zu tun? Das sollen wir doch bitte selbst herausfinden. Haben wir hier noch ne fünfte Fraktion am Werk? Kapiere ich jetzt nicht so ganz, scheint aber so zu sein. Das wird komplizierter als gedacht und ich denke schon verdammt kompliziert. Wir beschließen, uns auf den Weg zu Renya Harloff zu machen, vielleicht kann die ja etwas Licht ins Dunkel bringen. Glücksbote Ryan gibt demonstrativ jedem Bettler reichlich Almosen, nur um mich zu ärgern. Finsternis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 14. November 2007, 13:32:05
Ups!  :o  Doppelpost.

Um die unten stehende Frage zu beantworten: Bis jetzt spielt es sich mit Kind ganz gut. Was zum einen daran liegt, dass Kaira einen Babysitter in Form von Frau Erlann immer zur Hand hat, dazu kommt natürlich noch, dass wir bis jetzt nur in der Stadt bzw. im Umland waren und mein Char dann entsprechend schnell wieder zu Hause war. Wie das später sein wird, wenn Mili älter und die Abenteuer dann vielleicht weiter weg spielen, wird sich noch zeigen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Topas am 14. November 2007, 17:47:02
Wirklich schön geschrieben, dennoch würde ich das Doppelpost entfernen. Zweimal lesen will ich es doch nicht. Wie spielt es sich deiner Erfahrung nach so als Char mit Kind ?
In meiner Runde komme ich mir wie eine Rabenmutter vor, die Kinder sind ständig alleine mit Papa, aber die Abenteuer zwingen uns dauernd zum Reisen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 16. November 2007, 14:45:52
10 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Ohne Zwischenfälle kommen wir zum Brunnenhaus zurück. Verfolgt scheinen wir nicht zu werden. Bin jetzt nicht sicher, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist. Hm. Die gute Frau Harloff kann auch nicht wirklich was Neues zu den ganzen Verwicklungen beitragen. Aber sie rät uns, mal diesem Weinhändler auf den Zahn zu fühlen. Allerdings sollten wir das nicht gerade am helllichten Tag machen, sondern dem Mistkerl mal in der Nacht einen Besuch abzustatten. Estarion hat definitiv die Stadt verlassen, hatte wohl Probleme mit einem Ehemann, der es nicht so toll fand, dass Estarion das Bett seiner Frau wärmte. Aber es wären zwei neue Kandidaten aufgetaucht, die sich uns anschließen könnten. Nun gut, heute Abend werden die uns mal begleiten. Hoffentlich taugen die was. Bei der Gelegenheit frage ich Renya nach Werkzeug für spezielle Fälle, das wirklich gut ist.

Ich verbringe den restlichen Tag damit, Hausarbeiten zu erledigen und Mili etwas aufzumuntern. Ich kaufe ihr auf dem Rückweg einen bunten Ball aus stabilem Leder. Anfangs weiß meine Kleine nicht viel damit anzufangen und als ich ihn ihr zuwerfe, guckt sie mich nur groß an. Aber schließlich begreift sie, was man damit machen kann und quietscht schließlich begeistert, als sie damit spielen darf. Rechtschaffen müde bringe ich sie dann zu Bett und bitte die gute Frau Erlann ein Auge auf mein liebliches Töchterchen zu haben. Sie ist ja noch so klein. Ich wünschte, ich müsste sie nicht so oft alleine lassen.

Zurück im Brunnenhaus nehme ich in der Dachstube mein neues Werkzeug in Augenschein. Alles scheint recht neu zu sein und von sehr guter Qualität. Auch ist es etwas umfangreicher als mein altes Werkzeug. Es fühlt sich wirklich gut in der Hand an. Ich kann es kaum erwarten, bis ich es ausprobieren kann. Die Neuzugänge überzeugen mich weniger. Eine hat sich stark vermummt, aber ihre Hände sind frei. Zuerst halte ich sie für eine finstere Tieflingsmissgeburt, bis mir klar ist, dass sie aussieht wie die bösen Elfen aus dem Tal unter den Schatten. Finsternis! Schlimmer als ein Tiefling. Vater hat furchtbare Geschichten über sie erzählt. Wie sie Siedler überfallen und sie zu Sklaven machen. Oder wie sie diese ganz langsam und unglaublich grausam zu Tode foltern. Angeblich beten diese Dunkelelfen eine Spinne an. Da friert es mich richtig. Trau keinem Elf, sagen die Leute hier, schon gar nicht, wenn er schwarze Haut hat. Finstere Verdammnis! Sie nennt sich Shia. Ich bin sicher, dass dies nicht ihr richtiger Name ist. Aber da man ja nicht nach Äußerlichkeiten gehen soll, erhebe ich keinen Einspruch. Wie auch die Anderen nicht.

Die andere ist eine menschliche Frau namens Lia, helle Haut, Städterin schätze ich mal, behauptet aber Waldläuferin zu sein. Riecht aber gar nicht wie eine. Seltsam. Ich habe ein komisches Gefühl bei ihr, was ich mir nicht ganz erklären kann. Als würde sie vortäuschen, etwas ganz anderes zu sein. Sie hat auf alle Fälle etwas sehr Graziles an sich und bewegt sich noch geschickter als ich. Nun gut. Leider lässt sich Glücksbote Ryan entschuldigen, da ihn eine Unpässlichkeit ereilt hat. Finsternis! Jemand der heilen kann, ist immer willkommen. Nun gut, müssen wir eben mit dem Schlachtenrufer alleine vorlieb nehmen. Wir legen ein Vorgehen fest und machen uns dann auf den Weg in die Altstadt. Wir mogeln uns bis in die Altstadt durch, die durch eine alte Mauer vom Rest der Stadt getrennt ist. Nur Lia wird von den Wachen angehalten und bringt ne lahme Entschuldigung an, die aber ausreicht, um die nicht gerade motivierten Schildwächter zu beruhigen.

Finster ragt das dunkle steinerne Gebäude massiv vor uns auf. Nur aus einem Fenster unter dem Dach schimmert etwas diffuses Licht. Wir beschließen, über den Hinterausgang in das Haus einzudringen. Wir schleichen von einer Gasse in den stinkenden Hinterhof. Es raschelt verdächtig. Auf dem Boden sind die Kadaver von Ratten verteilt. Zerbissen, aber nicht wirklich angefressen, wie ich vage im kaum vorhandenen Licht von Selune erkennen kann. Aus einer Ecke, wo ein leckes Fass steht, höre ich schlabbernde Geräusche. Dort sind die deformierten Leiber von Ratten zu erkennen. Lang und spitz sind ihre Zähne, aufgebläht und deformiert ihre Körper. Teile von ihnen sind größer, als es der Rest erlaubt. So was habe ich noch nie gesehen. Die Viecher zischen uns aggressiv an, Shia erschießt eine der Kreaturen mit ihrer kleinen Handarmbrust und zwei von ihnen kommen auf uns zu gehuscht. Es gibt im Dunkeln ein Hauen und Stechen und erst als ich eine Kerze entzünde, töten wir zwei von diesem Ungeziefer. Der Rest der Kreaturen verzieht sich in Ritzen und Löchern. Da wir weder Zeit noch Lust haben, diese Dinger aufzuscheuchen, ignorieren wir sie.

Xana hält meine Kerze, während ich das Schloss geschwind öffne, nachdem ich mich davon überzeugt habe, dass ich weder was höre, noch dass ich eine Falle entdecke. Wir kommen in eine Art Lagerraum, überall Weinfässer verschiedener Größe, fast alle leer. Eine größere Tür führt weiter in die Tiefe, eine Türe in den Laden. Der Keller dürfte interessanter sein. Leider übersehe ich trotz aller Sorgfalt eine Falle, ein Glöckchen bimmelt wild und die Türe geht auch nicht auf. Dieses zwergische Meisterschloss übersteigt mein Können bei weitem. Verdammnis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 19. November 2007, 13:50:38
10 Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan Altstadt Haus des Weinhändlers

Hier kommen wir nicht durch, jedenfalls nicht ohne sehr viel Lärm zu machen, aber vielleicht finden wir ja weiter oben einen passenden Schlüssel. Wir schleichen uns in den Verkaufsraum, welcher den Rest des Erdgeschosses ausfüllt. Von der Gasse scheint das Licht von zwei Laternen hinein, sodass wir uns nicht vollständig im Dunkeln vorantasten müssen. Da! Ein Lachen in der Dunkelheit. Hektisch sehen wir uns um, aber nichts ist zu entdecken. Welche Teufelei ist das schon wieder? Finsternis!

Wir werden aufs übelste und schändlichste aus der Dunkelheit verhöhnt. So ein verdorbener Wortschatz! Da gehört jemand gehörig den Mund mit Seife ausgewaschen. Aber den einen oder anderen Fluch merke ich mir. Auch als meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, kann ich nichts wirklich ausmachen. Unser Schlachtenrufer folgt den Geräuschen und wird angegriffen und auch getroffen. Ein Wesen, das nicht von dieser Welt ist, wird sichtbar. Eine Fee ist das nicht, sondern wahrlich eine Ausgeburt der Hölle! Während alle bis auf den Schlachtenrufer auf diese Missgeburt schießen, denn der geht tapfer zu dem Ding hin, hüpfe ich gewandt über die Theke und flankiere den Unhold mit Dolon. Tief dringt mein Rapier ein. Aber die Wunde schließt sich, kaum habe ich die Waffe herausgezogen. Xana schleudert grüne Energie in den Balg des Dinges, was ihm deutlich mehr weh tut. Auch der Schlachtenrufer gibt ihm seine Axt zu schmecken, die der Abscheulichkeit wahrlich nicht wohl bekommt. Aber dieses Monster schlägt mit seinem von Gift triefenden Schwanz nach mir und fährt mir tief in die Schulter. Tymora hilf!

Mir wird kurz schwindlig von dem Gift, da ist es kein Wunder, dass ich es verfehle. Aber mit vereinten Kräfte und einem weiteren grünen Geschoss aus Xanas ausgestrecktem Finger bringen wir dieses Vieh dazu, sich in eine Wolke aus Schwefel aufzulösen. Mir wird ganz kurz trimmelig, als mein Körper sich gegen das Gift in mir wehrt, aber Tymoras Gunst hilft mir dem Fluch aus der Hölle zu widerstehen. Aber trotzdem wollen meine Muskeln nicht so ganz, wie ich will, schränkt mich aber nur wenig ein. Schlachtenrufer Dolon schaut sich kurz meine Wunde an. „Die Tapferen stehen in der Gunst des Heldenhammers.“ Diese Worte sind auch an die gerichtet, welche sich nicht gerade heldenhaft im Hintergrund gehalten haben. Besonders unsere Neuzugänge haben sich nicht gerade wirklich mit Ruhm bekleckert oder haben wahren Mut gezeigt. Dann legt er seine Hand auf die schmerzende Wunde, welche der Giftstachel der Bestie mir geschlagen hat und die Wunde schließt sich. Auch Tempus sei Dank.

Unser Kampf, der nicht gerade leise war, hat keine Aufmerksamkeit erregt. Seltsam, sind wir die einzigen Lebenden hier? Ist Gartland vielleicht gar nicht hier? Finden wir es heraus. Ich gehe voraus und die anderen folgen mir. Ich schleiche nach oben und gelange in einen Flur, vier Türen harren darauf, erforscht zu werden. Eine davon ist massiv und mit einer Sichtklappe versehen. Daneben hängt ein Schlüssel, der von einer Art Krallenhand oder besser gesagt, einem Kranz aus metallischen Krallen umgeben ist. Berührt man hier was, schnappen die Krallen zu. Hinter der Tür sind Geräusche zu erlauschen. Neugierig wie ich bin, öffne ich das Sichtfenster. Das was ich sehe, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren!

Ich sehe einen fast nackten, deformierten Mann, der etwa zweieinhalb Meter in die Höhe ragt. Ein Arm ist furchtbar aufgebläht und mit Muskeln überzogen, die einem Oger zur Ehre gereicht hätten, der andere ist dürr und zu einen normalen Menschen passend. Sein Gebiss steht über und besteht aus nadelspitzen Zähnen. Es kann reden, wenn auch auf sehr debile Art und fleht mich nach Essen an. Lia gibt mir etwas Dörrfleisch und ich werfe es in den Raum hinein. Somit ist er erstmal ruhig gestellt. Der nächste Raum entpuppt sich als alchimistisches Labor mit einer Bücherwand. Xana stürzt sich darauf und lässt fix einen Band über Magie verschwinden. Na!

Aber mich fesselt eine verschlossene Kiste. Ein seltsamer Geruch geht von ihr aus. Kann den nicht so richtig einordnen, riecht aber nicht gut. Gefällt mir nicht. Eine Falle entdecke ich aber nicht. Ich mache ein Stoßgebet und öffne vorsichtig das Schloss, lasse aber die Kiste zu. Jetzt bräuchte ich etwas langes, ein Besenstil oder Speerschaft. Leider ist so was nicht zur Hand, aber ein Lesestuhl hat eine hohe Lehne. Mit etwas Gewalt zerlege ich den Stuhl und habe mit dem Seitenteil der Lehne nun eine etwas unhandliche Stange, aber als Notlösung hilft es. So stoße ich nun den Deckel auf und eine Wolke aus Pilzsporen breitet sich aus. Ich stoße einen spitzen Schrei aus und rolle mich zurück. Aber die Lehne hat mich gerettet. Ich binde mir ein Tuch vor dem Mund und warte bis die Sporen zu Boden gerieselt sind. Ein Tuch wird sichtbar, sollte wohl den Inhalt vor den Sporen schützen. „Xana! Bitte hebe mit deiner Magie das Tuch hoch.“ Macht sie mit Freude und darunter kommt ein Satz chirurgisches Besteck guter Qualität zum Vorschein, das packe ich gleich mal ein. Darunter kommen weitere Sätze sehr scharfer Werkzeuge zu Tage. Auch das wandert erstmal alles in den Sack. Darunter kommt noch einiges an Gold, acht Handelsbarren im Nennwert von je 100 Goldmünzen, dazu ein Sack mit 200 Goldmünzen. Tymora lächelt wahrlich den Tapferen. Auch findet sich noch ein gutes Langschwert von meisterhafter Arbeit. Lia meint damit als einzige von uns wirklich umgehen zu können. Nun gut, wird mit ihrem Anteil verrechnet werden.

An einer Wand hängt noch ein Portrait des Händlers Gartland. Wäre eigentlich nichts Ungewöhnliches, aber das Bild scheint sich zu verändern, wenn man es länger anstarrt. Es wirkt immer finsterer, bedrohlicher und irgendwie verdammt gruselig. Da läuft mir ein Schauder über den Rücken. Auch scheinen sich im Hintergrund Tentakel hervor zu winden, die schließlich das ganze Bild einzunehmen scheinen. Ich quietsche erschreckt auf, wende den Blick ab, als ich wieder hinsehe, ist das Bild ganz normal. Gemalt ist es von einem Maler mit dem Namen Gregor Vern. Das ist ein bekannter Maler, der hier in den Kolonien im Drunakwald zurück gezogen leben soll. Seine Bilder sind viel wert, aber das hier lassen wir hängen. Zu unheimlich und auch nicht so einfach zu verkaufen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 21. November 2007, 17:45:35
10. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan Altstadt Haus des Weinhändlers

Wir durchsuchen den Rest des Stockwerks, finden einen Speiseraum, eine Küche mit gut gefüllter Speisekammer und ein Schlafzimmer. Hier findet sich ein Tagebuch. Ich lese die interessanten Stellen laut vor. So wie es aussieht hat Gartland das Weingeschäft geerbt, hatte aber nicht allzu viel Erfolg damit, weil ihn ein gewisser Ramadi hereingelegt hat. Er stürzte sich in Schulden bei Tharador dem Geldverleiher.  Im Keller war eine Silberkiste versteckt gewesen, die zu öffnen ihm von seinem Vater verboten war, die er wohl auf einer Geschäftsreise erworben hatte. Da drin war ein gewisser Kugus eingesperrt gewesen, mich dünkt, dass dies der Imp war, den wir dahin zurück geschickt haben, wo es penetrant nach Schwefel stinkt. Dieser Kugus hat ihm ein Rezept verraten, um einen geschäftlich erfolgreichen Wein mit dem Namen „Sommertau“ zu kreieren. Was dazu als Substanz nötig ist, welche als Essenz bezeichnet wird, scheint widerwärtig in der Herstellung zu sein, auf alle Fälle werden lebende Menschen dafür benötigt, die danach entsorgt werden müssen. Das lässt mich doch schwer schlucken. Um die Entsorgung zu erleichtern, hat er von weither zwei Hunde mit den einschlägigen Namen Ratzer und Farlor gekauft.

Irgendwie schien Larna die Hehlerin von seinen Machenschaften erfahren zu haben und schien ihn mit unliebsamen Menschen zu beliefern, die er dann hat verschwinden lassen. Darunter eben auch Barkess und als letztes ein hübsches Mädchen mit dem Namen Marelle. Und sie könnte noch leben, da die Lieferung erst gestern kam. Jetzt müssen wir nur den Schlüssel für den Keller finden. Also los!

Wirklich Interessantes kommt nicht zu Tage. Es gibt noch einen Speicher, aber da war seit Jahren keiner mehr. Ein Schlüssel für den Keller finden wir keinen, höchstens den an der Wand mit dem Krallenkranz drum herum. Ich versuche mit einem Besen aus der Küche den Schlüssel vom Haken zu nehmen, scheitere aber und die Klingen schnappen zu. Ich kann sie wieder öffnen und deaktiviere sie schließlich auf die klassische Methode. Schnell kommt heraus, dass der Schlüssel zur Tür des Scheusals passen würde, aber nicht für den Keller. Verdammnis!

Ich rede noch mal mit dem deformierten Mann im Raum und der verplappert sich recht schnell. Es gibt einen Ersatzschlüssel. Im Austausch für einen Haufen Fleisch bekommen wir die Information, dass sich im Verkaufsraum ein Geheimversteck mit einem Ersatzschlüssel befinden muss. Nun gut, also wieder nach unten und tatsächlich findet sich unter dem Tresen eine verborgene Schublade, die nicht mit einer Falle gesichert ist. Darin finden sich neben dem Schlüssel auch zwei Fläschchen mit einer roten süsslich riechenden Flüssigkeit. Und noch einiges Gold, weitere zweihundert Münzen. Puh, Reichtum kann ganz schön belastend sein.

Jetzt wo wir den Schlüssel haben, geht es zurück zur Kellertüre und schwupps ist sie auf. Es kann ja so einfach sein. Vorsichtig schleichen wir uns runter. Einige Lampen erhellen den Weinkeller. So leise wie möglich bewegen wir uns vorsichtig im kaum erhellten kalten Keller. Schließlich hören wir das Geräusch, welches entsteht, wenn ein Knochen durchgebissen wird. Oh oh! Ich nehme Tymoras Anhänger, küsse ihn, führe ihn an die Stirn und an mein Herz. Dabei spreche ich ein kurzes Gebet. Dame des Glücks, „gib deiner bescheidenen Gläubigen das Geschick, den Mut und das Glück diesen Kampf zu überstehen“. Schließlich finden wir die Hunde und gleichzeitig werden sie unser auch gewahr. Ich stürze mich als erster auf eines von diesen Viechern, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Finsterste Verdammnis!

Ich gebe dem ersten Hund meinen guten ehrlichen Stahl von dieser Welt zu schmecken. Ich drehe die Klinge, bevor ich sie wieder herausziehe. Wütend guckt mich das Vieh an. Dann springt er mich an und schlägt seine Zähne nach mir. Aua! Das tut weh. Xana folgt mir tapfer und schleudert aus nun guter Position einen Schleuderstein auf den frei stehenden Hund, der getroffen aufheult. Auch Shia begnügt sich damit, einen Bolzen aus ihrer kleinen Handarmbrust auf den Hund abzufeuern. Nach Vaters Geschichten sind die dunklen Elfen Meister in der Handhabung dieser Waffe. Aber sie scheint da wohl nicht dazu zu gehören, denn ihr Bolzen geht weit fehl. Vielleicht ist sie deshalb nicht bei ihrem Volk im Tal unter den Schatten. Der Hund greift Xana an und reißt sie um. Tief verbeißt er sich die hübsche Halbelfe. Oh oh! Der Schlachtenrufer stürzt sich mit einem „Tempus!“ auf den Hund und schlägt tief seine Axt in bebende Flanke des Untiers und lenkt ihn so von der gestürzten und leblosen Xana ab. Blut breitet sich unter ihrem Körper aus, als wäre eine Weinflasche umgefallen. Ein Pfeil zischt aus der Tiefe des Raumes weit an dem Ding vorbei. Etwas Nahkampfunterstützung wäre hier durchaus angebracht. Hilfe!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 23. November 2007, 16:33:17
10. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan Altstadt Keller des Weinhändlers

Tymora und Tempus hilf! Und die Götter stehen uns bei. Nichts geht über ehrlichen Stahl in starker mutiger Hand gegen die Kreaturen der Finsternis. Und Ratzer und Farlor bekommen das nun am eigenen Leib zu spüren. Ich wirble herum und habe so einen der Köter flankiert. Ich schlage dem Ding aus den Höllen oder aus welcher Ebene es auch immer herkommen mag, eine weitere Wunde und Dolon vollendet sein blutiges Werk, welches das Untier in eine Wolke stinkenden Schwefels verwandelt. Gemeinsam bekommen wir nun auch das zweite widerwärtige Monster niedergekämpft.

Endlich können wir uns um Xana kümmern. Mehr als ihr die Daumen zu drücken kann ich leider nicht. Lia und Dolon kümmern sich hektisch um die hübsche Halbelfe, der das Leben in einer immer größer werdenden Blutlache aus dem Leib rinnt. „Tymora! Tempus! All ihr Götter des Guten, seht, diese tapfere Halbelfe, verwundet im mutigen Kampf gegen Kreaturen der Finsternis, ringt mit dem Tode. Helft ihr!“ bete ich still vor mich hin. Endlich scheint der Blutverlust gestoppt zu sein. Ich helfe, es ihr so bequem wie möglich zu machen und falte ihren Umhang zu einem Kopfkissen und meinen benutze ich dazu, sie zuzudecken. Ihre Haut ist so bleich. Ihre Lippen wirken wie eine Wunde ihn ihrem Gesicht. Aber selbst jetzt strahlt sie von innerer wie auch von äußerer Schönheit. Nachdem wir nichts mehr für sie tun können, schauen wir uns weiter im Keller um. Wir finden einen Platz, der von Ausscheidungen, Unrat und Knochenresten übersät ist. Auch ist hier viel Blut eingetrocknet. Das einzige identifizierbare Überbleibsel ist braunes Frauenhaar. Oh, ich glaube, für die arme Marelle ist es zu spät. Blutige Verdammnis!

Das macht mich jetzt richtig Wütend! Es gibt noch eine weitere Türe, dahinter muss dieser Mistkerl sein. Wir haben ja die Schlüssel und können so die Türe öffnen. Dahinter ist eine Folterkammer zu sehen. Als erstes fällt mir die Streckbank ins Auge. In Kopfhöhe ist ein Auffangtrichter angebracht, welcher über ein Rohr eventuelle Flüssigkeit in ein Glas füllt. Hier wird wohl die Essenz gewonnen. Mein zweiter Blick wird von einer Kiste aus Silber angezogen. Hm, was die wohl Wert ist? Dann wandert mein Blick weiter zu dem arroganten Händler Gartland. Tja, da hat wohl jemandes letzte Stunde geschlagen. Ich stürme vor und mein Rapier blitzt auf, die Klinge färbt sich Rot von seinem Blut. Er ballt seine behandschuhte Hand zu einer Faust und versucht nach mir zu schlagen. Gewandt weiche ich seiner Berührung aus. Hui!

Schlachtenrufer Dolon von Tempus folgt mir auf dem Fuß, aber seine schwere Rüstung macht ihn einfach zu langsam. Pfeile und ein Handarmbrustbolzen durchzischen die Luft, aber schlagen harmlos in die Wand dahinter ein. Mein Rapier fährt ins Leere, aber Schlachtenrufer Dolon ist nun gleichauf und flankiert den Kerl. Einer unserer Neuzugänge stürmt nun ebenfalls nach vorne und gemeinsam können wir ihn daran hindern, weitere finstere Magie zu wirken. Wir sind Richter, Geschworene und Henker in einer Person und führen ihn einer viel höheren Gerechtigkeit zu. Möge er dort eine Strafe bekommen, die seinen widerlichen und schweren Verbrechen angemessen ist. Leute zu Tode foltern macht man einfach nicht!

Hinter der Streckbank ist ein Gestell, auf dem pedantisch unterschiedlichste Werkzeuge aufgereiht sind. Werkzeuge eines Folterers. Da wird mir ganz anders. Ui ui ui! Ich reiße mich zusammen und kümmere mich um die silberne Kiste. Gartland hat den entsprechenden Schlüssel bei sich und ich öffne die Truhe. Dank Schlüssel wird eine gekoppelte Falle nicht ausgelöst und wir können uns über den Inhalt her machen. Ein Buch mit Rezepten für verschiedene Würzweine tritt zu Tage. Darin befindet sich auch das Rezept für Sommertau, den Modewein des Jahres. Essenz der Schmerzen ist eine Zutat. Und diese Essenz kann nur intelligenten Wesen entnommen werden, die furchtbare Qualen erleiden. Es gibt noch ein Buch aus dem hervorgeht, dass er über 32 Opfer hatte. Finsterste Verdammnis!

Die Kiste fördert noch weitere Sachen zu Tage, darunter vier klare Tränke, vier bunte Tränke und ein Dolch aus Silber.  Dazu noch Seiten aus einem Zauberbuch für die Zauber Schockhand und Sprühende Farben. Auch scheinen seine Handschuhe nicht ganz ohne zu sein. Ein Klopfen an der Türe bringt uns auf den Boden der Realität zurück. Hu? Wer mag das sein? Finden wir es heraus. Wir eilen nach oben und ich reiße die Türe auf. Vor uns steht eine Ausgeburt der Hölle, ein Tiefling! Und er hat einen gefesselten Halbling dabei. Bevor er reagieren kann, habe ich schon seine Waffe an mich gebracht und Dolon stürzt sich auf ihn. Nach kurzer Zeit hat er ihn überwältigt und wir fesseln ihn. So schleifen wir ihn in den Kellerraum mit der Streckbank.

„Zwei Möglichkeiten! Möglichkeit eins, du beantwortest unsere Fragen wahrheitsgemäß und wir lassen dich gehen. Oder Möglichkeit zwei, du machst einen auf widerspenstig und wir probieren das Zeug an dir aus und du sagst uns dann auch irgendwann die Wahrheit.“ Ich zeige auf die Streckbank und die aufgereihten Werkzuge. Da kriegt er große rote Augen. „Möglichkeit eins! Fragt mich, ich werde wahrheitsgemäß antworten.“ Zum Glück hat er jetzt meine Drohung mit den Foltern nicht durchschaut. Er ist nur ein kleiner Handlanger von Larna der Hehlerin. Er hat immer nur die Opfer abgeliefert. Larna hat ein zur Festung ausgebautes Lagerhaus am Hafen als Hauptquartier und scheint neben der Schatzsuche noch Materialien für ein finsteres Ritual einzukaufen, welches in Westtor abgehalten werden soll. Wie jeder weiß, hat der berüchtigte Dämonenprinz Iyachtu Xvim, Westtor vor einigen Jahren mit seiner Armee aus grausamen Tieflingen im Handstreich erobert. Larna hat immer mindestens acht Leute um sich herum. Je nach Tageszeit können es auch bis zu zwanzig sein. Er weiß auch, dass Barkess von ihr gefoltert worden ist und dass sie ihm die Zunge herausgeschnitten hat, bevor er Barkess dann an Gartland abgeliefert hat. Und die Hunde haben wohl am Ende Barkess gefressen. Mist!

Wir erfahren auch, dass ein gewisser Havard Repp mit Larna zusammen arbeitet, um die Materialien für das Ritual zusammen zu stellen. Verdammnis! Diesen Repp kennen wir. Und deswegen haben wir ihn bei unserer ersten Begegnung auch mit diesem Tiefling, der wohl Farlo heißt, gesehen. Das sind keine guten Neuigkeiten. Wir halten unser Versprechen, nachdem uns die sinnvollen Fragen ausgegangen sind, löse ich seine Fesseln und befördere ihn mit einem Tritt ins verlängerte Rückrat zurück in den Innenhof. Er verspricht, dass er sich niemals wieder blicken lassen wird und verschwindet in die Nacht.

Wir packen die Beute zusammen, schnappen uns den immer noch bewusstlosen Halbling und Xana und ziehen Leine. Um eine Ausrede für die Verwundeten zu haben, nehmen wir eine von den mutierten Riesenratten mit und zeigen sie den Patrouillen der Schildwache, die uns anhalten. Wir erreichen schließlich den Tempel des Tempus, der mehr einer Kaserne als einem sakralen Gebäude ähnelt und lassen uns für eine Spende von 50 Goldmünzen behandeln. Tut das gut, keine Schmerzen zu haben. Der Halbling kommt nun auch wieder zu sich. Er ist ein kleiner Handlanger, haha, welch lustiges Wortspiel, von Larna der Hehlerin, der in Ungnade gefallen ist. Er bestätigt die Angaben, welche der Tiefling uns schon gegeben hat. So haben wir Informationen, die wir aus zwei unterschiedlichen Quellen verifizieren konnten. Sehr gut.

Dann gehen wir nach Hause. Die Beute lagere ich in einer Ecke meines Zimmers erst mal ein. Lustigerweise wohnen Shia und Lia auch im Silberfisch. Ich wasche mich erst noch intensiv und gehe dann schlafen, nachdem ich meine kleine, friedlich schlafende Tochter betrachtet habe. Was für eine Nacht. Tymora hat mir wieder mal wahrlich gelächelt, denn wer wagt, der gewinnt.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 26. November 2007, 13:09:09
11. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

Am nächsten Tag treffen wir uns wie verabredet bei der guten Frau Renya Harloff. Sie ist etwas überrascht, dass Havard Repp mit Larna der Hehlerin Geschäfte macht. Er wäre nicht so der Typ für so was. Ein Magier auf der Seite von Larna macht einen Angriff auf das Lagerhaus eigentlich unmöglich. Es wäre also ein erster Schritt, wenn wir Havard aus dem Verkehr ziehen könnten. Wir beraten verschiedene Pläne und kommen dann überein, ihn mit einem Angebot für einen Stein vom Himmel zu ködern und ihn genau hierher zu locken. Renya schickt einen Boten los und Xana will unbedingt einen bunten Stein besorgen, was wir dann auch tun, indem wir einen ganz normalen Stein nehmen, welchen die gutaussehende Halbelfe dann grell gepunktet anmalt. Den Stein präsentieren wir gegenüber der Wand liegend und legen uns dann auf die Lauer. Einen Magier anzugreifen, es ist Wahnsinn, was wir hier tun. Zeit für ein inniges Gebet zu Tymora. Mir ist gar nicht wohl dabei. Zum Glück haben wir beschlossen ihn erstmal zu überwältigen und ihn dann zu verhören. Mich würde schon interessieren, warum er das Mädchen Marelle über Larna bzw. Farlo bzw. Gartland entsorgen ließ. Ergibt für mich nicht so ganz den Sinn.

Schließlich hören wir schwere Schritte auf der steilen Steige nach oben.  Ich packe meinen Totschläger fester. Im Gegensatz zu seinen Namen betäubt er Leute nur, ohne sie gleich umzubringen. Meine Hände sind schweißnass und mein Herz rast. Eigentlich müsste ich unbedingt mal Wasser lassen, ein Zeichen, wie unglaublich nervös ich bin. Irgendwie fühlt sich das Ganze falsch an. Aber jetzt ist es zu spät, einen Rückzieher zu machen. Die Tür wird aufgestoßen und ein kurzatmiger Repp schiebt sich rotgesichtig in den Raum. Zeit zu handeln. Ich springe auf und eile zu ihm. Mit aller Wucht haue ich den Schläger in seinen Nacken. Es kracht und er stolpert keuchend nach vorne. Dolon kommt auch aus der Deckung und schubst ihn ordentlich durch. Lia kommt mit gespannten Bogen hervor und begnügt sich damit, ihm zu drohen. Auch Xana und Shia haben drohend ihre Fernwaffen in der Hand.

Ich lasse es nicht bei Drohungen bleiben und haue noch mal ordentlich zu, aber der dicke Kerl ist zäher als er aussieht. Er macht eine Geste, murmelt etwas und auf einmal stehen sieben von ihm vor mir. Hä? Die drei Mädels im Hintergrund schießen, zwei Repps verschwinden und er hat einen Pfeil im Arm stecken. Das sieht nicht gut aus. Ich fuchtle erfolglos durch die Luft und er murmelt ein weiteres Mal, während weitere Bolzen, Kugeln und Pfeile die Spiegelbilder von ihm dezimieren. Von seinen Fingerspitzen sausen fünf Geschosse aus grüner Energie durch den Raum und zwei Hämmern ohne Fehl in mich ein. Aua!

Schmerzerfüllt keuche ich auf. Das tut vielleicht mal weh. Tränen schießen mir in die Augen, die ich wegblinzle, um besser zu sehen. Auch Dolon wird hart getroffen, genau so Xana. Dann hole ich ein weiteres mal aus und es kracht ordentlich, da inzwischen alle Spiegelbilder verschwunden sind. Er keucht auf, verdreht die Augen und geht zu Boden. Puh!

Ich fessel ihn auf einen Stuhl, knebele ihn gut und verbinde ihm die Augen. Neugierig schnappt Xana sich das Zauberbuch des Magiers und liest interessiert die erste Seite. Dann quietscht sie auf einmal auf und ist danach stocksteif. Finsternis! Egal, was wir tun, nichts hilft sie von diesem Bann zu erlösen. Das wird wohl Repp selber machen müssen. Schon bald rührt er sich stöhnend. „Hör gut zu! Bei der ersten falschen Bewegung, beim ersten falschen Wort zertrümmere ich dir den Schädel! Wir wollen, dass du uns ein paar Fragen beantwortest. Falls du nicht antwortest, war es das. Alles verstanden?“ Er nickt und zerrt etwas an seinen Fesseln. Ich lüpfe etwas seine Kapuze und löse dann den Knebel. Die allgemeine Befragung bringt schnell ans Licht, dass alles ein schreckliches Missverständnis ist. Marelle ist nicht seine Ex-Geliebte, wie von mir vermutet, sondern seine Nichte und sie wurde von Larna und Farlo entführt, um ihn gefügig zu machen. Er ist entsetzt, als er erfährt, dass nur ein paar Haare von Marelle übrig geblieben sind. „Dafür wird Farlo zahlen!“

Sieht so aus, als ob wir einen Verbündeten gewonnen haben. Ich löse ihm seine Fesseln, gebe ihm seine Sachen wieder und entschuldige mich für dieses schreckliche Missverständnis. Vielleicht wäre der Plan, ihn direkt mit Marelles Namen zu konfrontieren der bessere gewesen. Nun ja, danach ist man immer schlauer und es hätte ja durchaus anders sein können. Der Zauberer ist so freundlich, Xana aus ihrer Starre zu erlösen. Er kennt auch jemanden, der Marelle zurück ins Leben rufen könnte. In einem nahen Sumpf lebt ein Hohepriester einer so obskuren Religion, dass er nicht mal den Namen weiß, oder ihn uns nicht nennen will, die Marelle ins Leben zurück rufen könnten. Er bietet jedem von uns eine Belohnung von satten 100 Goldmünzen für eine Tagesreise. Natürlich bin ich dabei. Tymora lächelt denen, die was riskieren.

Gespielt am 07.10.2007
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon, Kaira, Lia, Ryan, Shia, Xana
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte: 700 + 40 für Kaira, +100 für Dolon, +40 für Xana, +20 Lia
Überwundene Gegner von Gruppe:
3 Schläger KO geschlagen
2 mutierte Ratten
1 Imp
2 Dämonenhunde
1 Magier getötet
1 Tiefling überwältigt
1 Magier überwältigt
Beute von Gruppe:
8 Handelsbarren x 100 GM
ca. 420 GM in Münzen
2 Heiltränke
4 Klare Tränke
4 Bunte Tränke
1 Schwert Meisterhaft
1 Dolch Alchimistensilber
1 Rezeptbuch für Weine
1 Zauber Schockgriff für Zauberbuch
1 Zauber Sprühende Farben für Zauberbuch
1 Paar magische Handschuhe
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 28. November 2007, 22:35:32
Kapitel 3
To Die for it!

11. Tarask Mittag Das Jahr der Visionen 731 TZ  Chondathan

So folgen wir Harvard Repp zum Kollegium auf dem Berg Alkroth. Unterwegs treffen wir Glücksboten Ryan wieder, der mir nach einer herzlichen Umarmung die Heilkräfte Tymoras zur Verfügung stellt. Shia verdrückt sich Grußlos, denn auf einmal ist sie weg und keiner hat gemerkt, wo sie abgeblieben ist. So was auch. Wir brauchen etwa eine Stunde, bis wir oben sind. Auch der Gelehrte Repp muss klopfen, um Einlass zu finden. Er führt uns in sein Zimmer und öffnet ein Geheimfach, das er mittels eines halb herausgezogenen Buches öffnet. Die Stelle merke ich mir natürlich, wer weiß, für was das gut ist. Er verdeckt mit seinem stabilen Leib den Großteil der Dinge, die da drin sind, aber das Geheimfach scheint voll  interessanter Sachen zu sein.

Er gibt mir einen Beutel mit Diamantstaub, eine notwendige Komponente für die Priester um die arme Marelle ins Leben zurück zu rufen. Als Bezahlung für die Priester bekomme ich noch eine Schriftrolle überreicht. Und wir erhalten jeder noch 100 Goldmünzen als Bezahlung für unsere Mühe. Aber gerne doch. Ich frage noch nach Kleidung für Marelle, die wird ja wohl nackt sein, wenn sie wieder kommen wird und da wird sie was zum Anziehen brauchen. Hat er leider nicht da, aber da Marelle wohl Xanas Größe hat, erklärt sich die quirlige Halbelfe bereit, ein Satz Kleidung von ihr mitzunehmen und sie der Wiedererweckten dann zur Verfügung zu stellen. Zum Abschluss bitte ich den Gelehrten Repp noch die Tränke und die Handschuhe zu untersuchen. Wird er machen.

So brechen wir dann auf. Ich teile vor dem Kollegium noch unsere Beute soweit auf, dass jeder 200 Goldmünzen bekommt. Der Rest kommt in eine gemeinsame Kasse und ich verkünde, dass ich davon eine Heilertasche kaufen werde. So trennen sich unsere Wege, da Dolon zum Nordtor eilt, während der Rest das Westtor anstrebt. Ich suche dann einen der Rüstungsmacher in der Senke auf und gebe eine für mich maßgeschneiderte Lederrüstung mit brünierten Nieten in Form von Kleeblättern bei Meister Thorben in Auftrag. Um meine tiefe Verbundenheit mit Tymora zu verkünden, lasse ich den Metallaufschläge über meinen Brustwarzen die Form von Münzen mit dem Gesicht der lächelnden Göttin geben. Meinen Schritt lasse ich noch mit einer metallenen Plakette schützen, welche ein flammendes Schwert zeigt. In die Ärmeln lasse ich zwei Dolchscheiden einarbeiten und auf die Außenseite der Oberschenkel Taschen und Riemen nähen, wo ich dann mein notwendiges Werkzeug verstauen kann. Dafür will der glatt 200 Goldmünzen haben. „Den Laden wollte ich eigentlich nicht kaufen.“ Es beginnen zähe Verhandlungen, in denen er mir erklärt, wie teuer alles geworden ist, wie viel gute Ledermacher für ihre Arbeit verlangen, wie schwer es ist, an die entsprechenden fehlerfreien Häute zu kommen und wie schlecht die Welt im Allgemeinen ist. Ich halte dagegen, dass der Laden schräg gegenüber mir bestimmt ein besseres Angebot machen kann, dass ich eine kleine, anspruchsvolle und schnell wachsende Tochter habe und dass ich nicht die reichste Frau Chondathans bin. So einigen wir uns schließlich auf 190 Goldfalken. Puh!

Dann eile ich zum Ilmater Tempel, sprich in die Kathedrale der Triade, um die chirurgischen Bestecke loszuwerden. Ich tausche das ganze Zeug gegen eine wirklich gut ausgestattete Heilertasche ein und leier dem guten Priester auch noch 10 Goldmünzen ab. Zurück zu Hause ist meine Kleine sehr knatschig, als sie mitbekommt, dass ich nur kurz bleibe und über Nacht fort sein werde. „Mama böse!“ Da fängt sie an zu weinen und ich habe meine liebe Not, sie zu trösten. Och, ist doch für uns. Ich will nicht ewig Schankmaid und Zimmermädchen sein. Und ich will nicht, dass Mili mir da folgt. Da gibt es Besseres und dazu muss man eben was wagen. Versteht sie natürlich noch nicht, aber mir gelingt es, sie soweit zu beruhigen, dass sie aufhört sich tränenüberströmt an mir festzukrallen. Mir bricht es ja auch das Herz, dass ich soviel unterwegs bin. Aber das lässt sich ja leider nun mal nicht ändern.

Ich packe das Notwendigste zusammen und sage Frau Erlann Bescheid, dass ich wohl erst morgen Abend wieder kommen werde. Oben am Nordtor warten meine Kameraden schon. Es gibt zuerst ein hin und her, wer denn nun die Heilertasche am besten tragen soll. Danach ist Glücksbote Ryan mit seiner schweren Rüstung so überladen, dass er kaum von der Stelle kommt. Wie gut, dass ich da einen Pferdehändler erspähe. Lia sortiert drei brauchbare Pferde aus und ich handle einen akzeptablen Preis aus. Xana schmollt etwas, weil ich das Ganze gedeichselt habe und nicht sie. Och!

Wir brechen nun endlich auf und machen halbwegs akzeptabel Strecke. Mit Lia bilde ich die Vorhut, während Xana ganz hinten läuft. Wir folgen der Karte, die uns der Gelehrte Repp gegeben hat. Gegen Abend erreichen wir die Palisaden von Albersmark. Jetzt noch in den Sumpf vorzustoßen ist nicht ratsam, so beziehen wir in der Herberge des Ortes unser Quartier. Leider sind nur noch zwei akzeptable Zimmer frei, sodass wir drei Frauen das eine bekommen, das andere die beiden Männer. Der Ort ist voll Soldaten der Garnison, welche die Straße hier von Gesindel frei halten sollen. Ich bin müde und gehe früh ins Bett, während Glücksbote Ryan sich noch beim Spiel amüsiert. Wir drei Frauen müssen uns ein Bett teilen, das wohl sonst nur für einen ausgelegt ist. Ich liege in der Mitte und komme mir vor wie ein Hering im Fass.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Topas am 29. November 2007, 15:36:31
Liest sich immer noch gut, spielt ihr sowas wie das klammern der kleinen Mili aus, oder ist das nur Schmuck in der Erzählung?
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 30. November 2007, 12:46:52
Leider spielt der SL so was nicht aus, die Reaktion der Kleinen ist reiner Schmuck der Erzählung.

12. Tarask Morgen Das Jahr der Visionen 731 TZ  Albersmark

Ich werde durch die Suche von Xana nach ihrer Nana geweckt. Ihre kleine Giftschlange ist ausgebüchst und die hübsche Halbelfe krabbelt im Unterhemd durch das Zimmer, in jede Ritze spähend, ob sich da ihre kleine Schlange versteckt hat. Ich ziehe mich entsprechend schnell an, nachdem ich mich versichert habe, dass Nana ihren Bau nicht in meinen Kleidungsstücken oder Stiefeln errichtet hat. Draußen sind laute Stimmen zu hören. Ich schaue raus und stolpere beinahe über Xana, die halb unter das Bett gerutscht ist. Ich sehe vor der Herberge Glücksbote Ryan mit nacktem Oberkörper in der kalten Morgenluft stehen und in einen lauten Disput mit einem Priester vertieft, der Beshaba anbetet. Verdammnis!

Ich schnappe mir meinen Speer, hüpfe über Xana drüber und eile die steile Stiege nach unten. Hinter Ryan baue ich mich auf, führe mein Amulett mit dem Antlitz Tymoras an die Lippen, an die Stirn und an mein Herz. „Bewahre mich vor deiner bösen Schwester.“ Ich stelle mich so hin, dass ich sofort den Speer schleudern kann, wenn der finstere Priester der Beshaba eine falsche Bewegung macht. Aber die beiden belassen es dabei, hitzig miteinander zu diskutieren. Der Unglücksbringer wettet mit Ryan, dass dieser nicht in der Lage sein wird, nächsten Zehntag vor dem Tymora-Schrein auf seinen eigenen Beinen zu stehen. Diese Wette nimmt Ryan an und der Unglücksbote zieht lachend ab. Diese Selbstsicherheit verheißt nichts Gutes!

Ich bleibe weiterhin etwas angespannt und erst als nach fünf Minuten noch nichts Außergewöhnliches passiert ist, gehe ich wieder in die Herberge. Das war ja jetzt was. Ryan versucht das Ganze mit ein paar flachen Witzen zu überspielen, aber ihm ist deutlich anzusehen, wie nahe ihm die Sache geht. In gedrückter Stimmung nehmen wir unser Frühstück ein und brechen dann auf. Xana hat inzwischen ihre Nana gefunden und schimpft hin und wieder mit ihrer Gürteltasche oder, besser gesagt, mit der kleinen Schlange, die sich darin eingerollt hat. Irgendwie glaube ich nicht, dass Nana versteht, was Xana da von sich gibt. Wir bekommen vom Wirt, der eine Augenklappe hat, noch einige Warnungen auf dem Weg. Im Moor spukt es. Dort hat vor ein paar Jahren eine Schlacht zwischen Orks und den Menschen des Ortes Trutzweil statt gefunden. Inzwischen lebt dort niemand mehr und man nannte die Gegend nur noch das Totenfeld. Während dieser Schlacht war irgendetwas Schreckliches passiert, ausgelöst wohl von einigen Orkschamanen. Es ist schwer, bei den Berichten des einäugigen Wirtes zwischen Übertreibung und Tatsache zu unterscheiden.

Wir folgen der Straße nach Westen und kommen an eine T-Kreuzung. Dort steht ein Baum, wo ein Skelett von einem Ast baumelt. Verräter hat dort jemand in die Rinde geritzt. Nach der Karte wenden wir uns nach Süden, bis wir an einen von einer morschen Brücke überspannten Fluss kommen. Wir überqueren sie nicht, sondern folgen dem Fluss mehrere hundert Meter nach Westen, bis wir an ein Häuschen am Ufer kommen, wo ein Steg ins Wasser ragt. Ein mit einer Kapuzenrobe bekleideter Mann winkt uns zu und kommt diensteifrig zu uns zu geeilt. Er begrüßt uns mit einem freundlichen Winken. Aus der Nähe ist zu erkennen, dass sein Mund zugenäht ist. Finsternis!

„Der Gelehrte Repp schickt uns um einen Gefallen bezüglich der Wiedererweckung seiner Nichte Marelle zu bitten.“ Der Mann nickt fröhlich und zeigt auf das Häuschen. Wir folgen ihm und ein weiterer Mann tritt heraus. Ihm sind die Augen zugenäht worden. Irgendwie fehlt jetzt nur noch einer, dem die Ohren zugenäht sind. Aber sie scheinen nur zu zweit zu sein. Wenigstens kann der Blinde reden und fordert den Preis. Ich überreiche ihm den Beutel mit dem Diamantenstaub und die Bezahlung in Form der ominösen Schriftrolle. Irgendwie wäre es befriedigend gewesen, zu wissen, um was es sich dabei genau gehandelt hat. Aber zuviel Neugier kann tödlich sein. Der Priester stellt einige Fragen bezüglich des Todes von Marelle und meint, es könnte schwierig werden, eine solch gefolterte Seele zurück zu holen. Und es könnte zu Nebenwirkungen kommen.

„Was für Nebenwirkungen?“ frage ich mal vorsichtig, das Schlimmste befürchtend.
„Nun, dieser Ort ist seit der Schlacht um Trutzweil gezeichnet und das Öffnen der Pforten zum Unterreich kann hier unangenehm nachschwingen.“
„Und das heißt?“
„Dass es nötig werden könnte, ein paar Untote zurück in ihr feuchtes Grab zu schicken.“
„Nun ja, da haben wir schon etwas Erfahrung.“ Mit Schaudern denke ich an unsere Kämpfe mit dem Gehenkten und den anderen Untoten in der Kapelle der Gefallenen. Eine wirklich überzeugende Figur haben wir da ja nicht gemacht. Wir wechseln alle etwas bange Blicke.
„Aber natürlich werden wir diese Aufgabe übernehmen“, verkündet Schlachtenrufer Dolon mit mehr Optimismus in der Stimme, als ich empfinde. Ich umklammere meinen Speer so kräftig, dass meine Knöchel weiß vortreten. Ich löse den krampfhaften Griff und sehe mich klamm um. Verdammnis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Lily Weg am 30. November 2007, 18:26:53
Nettes up-date :)

Jetzt wirds richtig spannend, freue mich auf die Fortsetzung.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 03. Dezember 2007, 14:41:55
Danke für das Lob!  :D

12. Tarask Morgen Das Jahr der Visionen 731 TZ  Albersmarker Moor

So wie es aussieht, muss ein Fährmann dazu beschworen werden, welcher die Seele dann sucht und zurück bringt. Xana erklärt, dass ein Fährmann ein Scheusal ist. Oh oh! Scheusale haben Myth Drannor vernichtet, darüber habe ich viele schreckliche Geschichten gehört. Einige Überlebende haben im Mondtal gesiedelt und daher habe ich einige dieser Geschichten aus erster Hand. Das wird ja immer besser. Auf meine Nachfrage, welchem Kult denn nun die Priester hier angehören, bekomme ich nur eine Ausflucht, dass ich mit dem Namen eh nix anfangen könnte. Reklame scheinen die nicht gerade nötig zu haben. Mir kommt das alles recht suspekt vor. Wer näht sich schon Augen und Mund zu? Von solchen Priestern habe ich noch nie gehört und ich habe viele Geschichten erzählt bekommen. Aber da Havard Repp diesen beiden schrägen Vögeln vertraut, muss ich gute Miene zum undurchsichtigen Spiel machen. Ist ja nicht so, dass wir besonders viele Alternativen hätten.

Ich bete um den Beistand Tymoras, während die Priester nun vor ihrer Hütte Vorbereitungen veranstalten. Aus Kerzen bilden sie einen Kreis, in dem sie das wertvolle Pulver aus zerstoßenen Diamanten verstreuen. Es wird deutlich kälter und ein unheimlicher Nebel tritt aus dem Boden heraus. Haben wir bis jetzt gut gesehen, verschlechtert sich unsere Sichtweite zusehends. Schließlich wird es so kalt, dass mein Atem kondensiert. Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter. Jetzt würde ich wirklich sonst was dafür geben, um nicht hier zu sein. Und dann hören wir das Geräusch, das entsteht, wenn ein Boot durch das Wasser gestakt wird. Aus dem Nebel schält sich die Silhouette eines Kahnes, dass von einer mit Kapuze verhüllten Gestalt gestakt wird. Ihre Hände scheinen aus Knochen zu sein und in der dunklen Höhle der Kapuze leuchten zwei rote Punkte als Augen, die mir auf den Grund der Seele zu blicken scheinen. Finsternis!

Der blinde Priester redet mit der Kreatur in einer Sprache, die sich schrecklich falsch anhört. Solche Töne sollte es einfach nicht geben. Feierlich überreicht der Kleriker dem Scheusal die Haarlocke von Marelle. Etwas unwillig schaut der Fährmann die Haare an und seine Antwort tut meinen Ohren weh. Der Priester sieht nicht gerade glücklich aus. „Der Fährmann verlangt einen höheren Preis, da diese Seele so grausam gestorben ist. Habt ihr noch etwas, um zu bezahlen?“ Wir legen zusammen, ich werfe die gesamte Gemeinschaftskasse in den Topf und noch zehn Goldmünzen, mehr schleppe ich nicht mit mir herum. Die anderen haben mehr dabei und so kommen vierhundertachtzig Goldmünzen zusammen. Mehr ist nicht. Hoffentlich reicht das auch. Der Priester nimmt den schweren Beutel und überreicht ihn den Fährmann, er wägt ihn in der Hand und lässt ihn dann in seiner Robe verschwinden. Der Preis wird hiermit akzeptiert.

Der Fährmann stößt sich vom Ufer ab und verschwindet dann aus unserem Blickfeld. Es wird wieder etwas wärmer, aber der Nebel bleibt. Nicht gut. Die Priester sind unruhig. Im Moor scheint es zu rumoren. Der stumme Priester zeigt uns mehrere Stellen auf einer Karte, die wir besuchen und nachsehen sollen, ob dort alles in Ordnung ist. Dann mal los. Wir folgen dem Flusslauf etwa einen Kilometer nach Westen und überqueren den brackigen Fluss über eine halb zerfallene Brücke, die uns aber sicher rüber trägt. Schließlich ragen die Reste eines eingestürzten Turmes vor uns auf. Hier scheint schon ewig keiner mehr gewesen zu sein. Aber da! Eine Bewegung!

Eine fliegende schwarze Kugel kommt um die Ruine herum geschwebt. Wir sehen sie und das Ding scheint uns wahrzunehmen, mit welchen Organen auch immer, da keine Augen, Ohren oder eine sonstige Öffnung auf der glatten Oberfläche zu entdecken sind. Angriff! Ich rücke etwas verhalten vor, Ryan schließt zu mir auf, aber Dolon stürmt viel zu weit vor, sodass wir keine geschlossene Linie bilden. Die Kugel saust auf Dolon zu und versucht ihn wortwörtlich zu überrollen. Er weicht gerade so zur Seite aus. Xana schießt eines ihrer grünen Geschosse ab, welches unfehlbar trifft und diese Kugel zu verletzten scheint. Lia schießt und trifft, aber der Pfeil prallt an der zähen Hülle ab. Dann bin ich bei der Kugel und ramme ihr meinen Speer bis zu den Parierstangen hinein, nachdem ich den anfänglichen Widerstand überwunden habe. Der Kleriker der Tymora haut ebenfalls voller Wucht darauf herum und macht eine ordentliche Delle. Mit ihrem Speer rammt auch Xana die Kugel und selbst Lia schlägt nun ohne weitere Aufforderung mit ihrem Schwert auf die Kugel ein. Schließlich zerplatzt das schwarze Ding unter unseren Schlägen. Das war jetzt gute Teamarbeit!

Aber es ist noch nicht vorbei. Zwei Zombies wanken aus dem Fluss ans Ufer. Unsere beiden Kleriker legen einen kurzen Spurt hin und greifen enthusiastisch je einen dieser Untoten an. Wir anderen lassen uns nicht lumpen und folgen dem tapferen Beispiel unserer mutigen Priester. Wer wagt, gewinnt. Ich stelle bald fest, dass mein Speer nur sehr bedingt geeignet ist, dem verfaulenden Fleisch der untoten Orks Schaden zu zufügen. Und wie die beiden Zombies stinken! Örks! Nun, mir bleibt nichts anderes übrig, als meinen Dolch zu zücken und dem Ding quer durch das Gesicht zu ziehen. Mit wuchtigen Hieben zerteilt begeistert Dolon seinen Zombie wie eine Bäuerin ein Hühnchen. Und dann hilft der heldenhafte Schlachtenrufer uns. So sinkt auch dieser Untote durch kräftige Axthiebe zerstückelt zu Boden. Weitere Zombies tauchen erstmal nicht auf. Unsere Kleriker sind beide verwundet worden und heilen sich, sich gegenseitig ihre Hochachtung aussprechend, die Wunden. Aber wenn ich so die Karte ansehe, wird das noch ein langer Tag. Packen wir es an!

Es geht nun weiter Richtung Süden, auf die Orkruinen zu, wo sich eine alte Kultstädte befinden soll. Lia führt uns durch das Moor auf alten, kaum erkennbaren Pfaden. Schließlich hören wir dumpfe Kriegstrommeln, welche gar nichts Gutes verheißen. Im Schutze des Nebels rücken wir weiter vor und sehen schließlich die Ruinen, welche unspektakulär aus ein paar alten Steinen bestehen, die auf einem Hügel gruppiert sind, vor uns. Etwa ein Dutzend Kugeln fliegt über den Hügel und sehr viele Orkzombies wanken hier herum. Das sind etwas zu viele für uns. Unter ihnen befindet sich ein gepanzerter, untoter Reiter, der eine mächtige Axt trägt und so was wie der Anführer zu sein scheint. Er löst sich von dem Hügel und rückt mit etwa zwei Dutzend Zombies in unsere Richtung vor. Wir lassen uns zurück fallen, aber er scheint uns gar nicht bemerkt zu haben und passiert uns in östliche Richtung ziehend. Wir verfolgen sie vorsichtig, verlieren sie bald aus den Augen.

Lia nimmt die Spur auf und schließlich können wir gerade noch sehen, wie der Anführer mehr als die Hälfte seiner Streitmacht in den See schickt. Hm! Nicht gut, wenn ich mich nicht ganz vergucke, liegt genau in dieser Richtung Albersmark. Nach kurzer Beratung lösen wir uns endgültig von dieser Armee und eilen zu dem Wehrdorf. Ohne auf Widerstand zu treffen kommen wir unbeschadet dort an. Wir sagen den Soldaten Bescheid, dass eine Zombiehorde unter dem See laufend auf das Dorf zuhält, das zum See hin keine Palisaden hat. Sofort wird Alarm gegeben, uns aber direkt gesagt, dass sie unsere Hilfe nicht brauchen. Nun gut, dort draußen gibt es noch genug zu tun. Ein weiteres Mal eilen wir nach Westen. Als wir zum Galgenbaum kommen, sehen wir, wie eine dieser Kugeln das Skelett berührt, welches darauf anfängt zu zappeln und zu schreien. Hu?

Ich würde mich ja gern mit ihm unterhalten, aber die anderen wollen erst die Kugel kaputt schlagen. Nun gut, nix wie hinterher. Die Kugel stellt sich schließlich zum Kampf und teilt ordentlich aus. Aber gemeinsam kämpfen wir dieses Ding nieder. Möchte gar nicht wissen, aus was die bestehen. Als wir zum Galgenbaum zurückkehren, finden wir gerade den Reiter, welcher das Skelett einfach vom Baum pflückt und hinter seinen Sattel legt. Laut protestiert das Skelett über diese rüde Behandlung. Auch unsere Kleriker finden keine Erklärung dafür, dass dieses Skelett über einen freien Willen und die Fähigkeit zur Sprache verfügt. Da ich der festen Überzeugung bin, dass dieses Skelett mehr über diese ganzen Dinge weiß, bin ich für einen Angriff auf den Reiter und seine Leibgarde. Aber sechs Zombies und der Zombiehäuptling hoch zu Ross, so nennen wir ihnen einfach mal, sind auf einmal zu viel für uns. Selbst Schlachtenrufer Dolon besteht da nicht auf eine offene Schlacht.

Vater hat mich gelehrt, wie man eine Truppe trennt. Man führt einen Scheinangriff und lässt sich dann schnell zurück fallen. Die angegriffene Einheit nimmt meist die Verfolgung auf, die Schnelleren überholen die Langsamen, so dass sich recht schnell eine Linie bildet. So kann man dann die schnellen Elemente vernichten, bevor die Langsamen in den Kampf eingreifen können. So ist jedenfalls die Theorie. Die anderen finden meinen Plan gut, da wohl der Reiter zuerst ankommen dürfte, danach dann seine Zombies. So können wir sie getrennt nach und nach vernichten. Ich teile das Weihwasser aus, welches wir im Myrkultempel gefunden haben. Wir passieren die kleine Truppe in sicherer Entfernung und wir finden eine geeignete Stelle mit mehreren Bäumen, die sich als Deckung anbieten. Ich melde mich freiwillig, den Köder zu spielen. Niemand hat was dagegen und ich spreche ein kurzes Gebet zu Tymora und auch zu Tempus. Also eile ich zurück und sorge dafür, dass sie mich sehen können. Aber dann fängt es an, schief zu gehen. Der Zombiehäuptling hängt seine Axt an den Sattel und zieht einen Kurzbogen. Der Mistkerl schießt glatt auf mich. Der Pfeil schrammt zwar an meiner Seite vorbei, hinterlässt aber eine blutende Wunde. Aua!

Ich wende mich in scheinbar wilder Flucht um und eile auf den Hinterhalt zu. Um die wilde Fluch authentisch wirken zu lassen muss ich mich nicht wirklich anstrengen. Ich hab echte Angst. Mit einem Blick über die Schulter stelle ich fest, dass die Zombies und der Reiter die Formation halten. Genau genommen schwärmen die Zombies vor ihm aus und bilden einen Schutzschild, während sie mir gemächlich nachkommen. Ein weiterer Pfeil saust haarscharf an meinem Stupsnäschen vorbei, während ich die Szene noch erfasse. So war das nicht geplant. Verdammnis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 03. Dezember 2007, 14:43:00
12. Tarask Morgen Das Jahr der Visionen 731 TZ  Albersmarker Moor

Ich passiere den Hinterhalt und gehe hinter einem Baum in Deckung. Dort verstecke ich mich und taste nach dem Fläschchen mit dem Weihwasser. Ich bete ein weiteres Mal zu Tymora und bekämpfe den Drang, Wasser zu lassen. Mein Herz schlägt bis zum Hals und mein Magen ist ein einziger, fester Klumpen. Mein Plan hat nicht geklappt, die volle Streitmacht rückt geordnet nach. Ich erwäge schon, einen allgemeinen Rückzug vorzuschlagen, aber dafür ist der Gegner schon zu nahe. Das Zombiepferd ist schneller als wir und dann sind wir es, die getrennt niedergemacht werden. Aber meine Gebete scheinen erhört zu werden.

Aus seinem Versteck richtet sich Glücksbote Ryan auf, hebt die silberne Scheibe mit Tymoras lächelndem Antlitz und befiehlt mit fester Stimme den Untoten Einhalt. Seine Stimme dröhnt über das Moor und sein Symbol erstrahlt im blendenden Licht des Guten. Die Dame lächelt wahrlich ihren Glücksboten. Fünf der Zombies drehen sich mit vom heiligen Licht geblendeten Augen panisch um und rennen um ihr untotes Leben bangend davon. Jetzt haben wir nur noch einen Zombie und den Reiter. Der verbleibende Zombie rennt auf den Glücksboten zu, nur um von einem mächtigen Hieb empfangen zu werden, welcher einem lebenden Menschen den Schädel zertrümmert hätte. Den Orkzombie macht es nur etwas hässlicher, als sein Gesicht zermatscht wird. Schlachtenrufer Dolon tritt aus seiner Deckung hervor und spricht einen Segen von Tempus über uns. Der Zombiehäuptling nimmt die Herausforderung an und reitet auf Dolon zu.

Ich springe aus meinem Versteck und laufe auf den Häuptling zu, bleibe dann stehen und werfe wohl gezielt die Phiole mit Weihwasser in dessen Gesicht. „Das war für den Pfeil!“ Das Glas zerbricht und die Flüssigkeit ergießt sich zischend über den Anführer der Zombies. Tiefe Furchen werden in sein Gesicht eingebrannt, auch sein Pferd und der Gehenkte bekommen ein paar Spritzer ab. Ein grünes Geschoss von Xana schlägt in die Rüstung des Häuptlings ein und lässt verfaultes Fleisch explodieren. Lia stürzt sich mutig auf Ryans Zombie und tief trifft ihr Hieb. Aber noch steht der Untote stoisch da. Ich packe meinen Speer mit beiden Händen und ramme ihn ebenfalls in den Leib des Zombies, aber ich treffe nur verfaultes Fleisch und tue ihm nicht wirklich weh. Iiiks!

Das Pferd steigt auf die Hinterbeine auf und ein Huf trifft den Schlachtenrufer Dolon hart an der Stirn. Schwer getroffen taumelt er stark blutend zurück und ruft die Hilfe von Tempus an, ihn zu heilen. Seine Wunden schließen sich darauf zum Teil. Xana fängt wild an zu fluchen, weil ihre weiteren Zauber an dem Zombiehäuptling abzuprallen scheinen. Derweil nehme ich den Häuptling mit Dolon in die Zange. Mehrmals schrammt mein Speer harmlos über die alte Rüstung, aber einmal findet sie eine Öffnung, wo mein Speer tief in das noch funktionierende Fleisch eindringt und wenigstens etwas wichtiges Gewebe zerstört. Die gutaussehende Halbelfe schleudert wutentbrannt ihre Phiole mit dem Weihwasser und übergießt den Kerl mit ätzender Flüssigkeit, die sein verrottendes Fleisch endgültig vom Schädel brennt. Sieht doch gleich mal viel besser aus. Lia und Ryan gelingt es nach zähem Ringen, den Zombie zu töten und sie eilen uns zu Hilfe. Glücksbote Ryan heilt sich aber erstmal, da der Zombie ihn schwer verletzt hat.

Xana wirkt weitere grüne Geschosse oder andere Untote vernichtende Magie und schlägt so tiefe Krater in den Körper des Häuptlings, was ihm sichtlich sehr stark zusetzt. Aber bevor der Kerl endlich aus dem Sattel kippt, trifft mich seine Axt schmerzhaft in die Schulter. Das tut weh! Endlich fällt der Häuptling aus dem Sattel, als Dolon ihm seine von Tempus gesegnete Axt in die Seite rammt. Aber sein Pferd entpuppt sich danach als ebenso mächtiger Gegner wie sein Reiter. Das Pferd schlägt aus, bricht aus unserem Kreis aus und trampelt Xana nieder, die mehrere Meter entfernt in scheinbarer Sicherheit stand. Verkrümmt liegt Xana auf den Rücken, ihr zerschmetterter Körper in den Boden gedrückt. „Nein!“

Glücksbote Ryan springt ihr zu Hilfe und wirkt seine heilende Magie, während wir das Pferd von ihr wegtreiben. Voller Wut werfe ich mein Speer weg und haue wild mit meinem Dolch auf den Pferdeleib ein. Tief treibe ich meine Initialen in den Leib des untoten Tieres. Schließlich fällen die wuchtigen Hiebe von Dolon und Lia das Pferd und hämmern es zu Boden. Ich taumle zurück und sehe, was Glücksbote Ryan hat ausrichten können. Xana lebt noch, Tymora und Glücksbote Ryan sei Dank!

Das Skelett erhebt sich nun und sieht sich um. „Die gleiche Geschichte scheint sich zu wiederholen.“ seufzt es und schüttelt den Kopf. „Ihr müsst den Altar des untoten Lebens unter dem Hügel bei den Orkruinen vernichten. Oder die ganze Gegend hier wird von Untoten überrannt.“ Bezeichnend blickt er an sich herunter und kratzt sich den kahlen Kopf. Leider können wir uns nicht weiter mit dem Skelett unterhalten. Die von Glücksbote Ryan vertriebenen Zombies schälen sich aus dem Nebel. Verdammnis! Noch so einen Kampf überleben wir nicht. Aus unseren Speeren improvisieren wir eine Trage für Xana und legen sie darauf. „Nichts wie weg hier!“ Jeder nimmt ein Ende des Speeres und so heben wir sie hoch. Hinter uns sind die Zombies gefährlich nahe gekommen. Das sprechende Skelett haut in eine andere Richtung ab und verschwindet im Nebel. Zuerst sind wir recht langsam mit der ungewohnten Last, dann können wir es aber wagen einen schnelleren Schritt zu gehen. Immer wieder werfe ich hektisch einen Blick nach hinten. Die Zombies verlieren an Boden und dann verschwinden sie hinter uns im Nebel. Wir sind ihnen entkommen. Tymora sei Dank!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 07. Dezember 2007, 15:05:53
12. Tarask Mittag Das Jahr der Visionen 731 TZ  Albersmarker Moor

Wir ziehen uns zu den Einsiedlern zurück, in der Hoffnung dort Heilung zu erlangen. Sie bieten uns sogar noch mehr als Heilung an. Sie hätten einen Trank, der uns erlauben würde, uns an den Untoten Horden vorbei zu schleichen und das Übel an der Wurzel in den alten Orkruinen zu packen. Das hört sich gut an. Einen Abnutzungskampf überstehen wir nicht, besonders da dort jede Menge dieser komischen Untote erweckenden Kugeln herumschwirren. Wenn wir so direkt ins Herz der Finsternis vorstoßen können, werden wir das wohl machen. Leider kriege ich nicht ganz genau raus, was dieser Trank denn eigentlich genau bewirkt. Die beiden Priester dieser geheimen Religion fangen nun an, in einem Kessel über einem Feuer einen übel riechenden Trank zu brauen. Ich will gar nicht wissen, was die da alles rein werfen. Leider sehe ich, wie sie einen kleinen Frosch darüber ausquetschen. Weia!

Um Xana kümmern sie sich nicht, meinen, das hätte Zeit bis später. Ich mache mir Sorgen um die hübsche Halbelfe. Wie bleich sie ist. Das ist ihre zweite Nahtoderfahrung innerhalb von zwei Tagen. Wir haben sie nicht beschützen können, aber das Pferd ist einfach auf sie zugestürmt, da konnten wir nichts tun. Untote sind so schwer zu verletzen, da nützt es mir gar nichts, zu wissen, wie bei einem lebenden Wesen die empfindlichen Organe angeordnet sind. Die Priester lassen den Sud kurz ziehen und füllen dann vier Becher damit. „Xana bekommt nichts davon?“ „Sie wird später davon trinken.“ Mit einem mulmigen Gefühl schaue ich in den Becher. Die Flüssigkeit riecht streng. „Wer wagt, gewinnt.“ Mit diesen Worten stürze ich den Trank als erste herunter. Er schmeckt noch schlimmer als er riecht. Mühsam unterdrücke ich den Brechreiz. Örks!

Die anderen tun mir es gleich. Ich warte auf die Wirkung, dass sich die Wunden schließen und wir unsichtbar werden. Mit einem Ziehen in der Kehle fängt es an. Auf einmal habe ich Probleme Luft zu bekommen. Es ist, als ob einem die Kehle zugedrückt werden würde. Ich will was sagen, fragen, ob das normal ist bei dem Trank. Aber kein Wort kommt über meine Lippen. Meine Luftröhre ist zu, ich bekomme keine Luft mehr. Mühsam krieche ich auf die Priester zu, gestikuliere verzweifelt um Hilfe, verliere die Kontrolle über meinen Körper. Die anderen haben inzwischen das gleiche Problem. Der Trank muss schlecht gewesen sein. Oder? Der sehende Priester schaut uns lächelnd zu. „Keine Sorge, das Gift tötet schnell“, meint freundlich er Blinde. „Wenn leider auch nicht schmerzfrei. Daran arbeiten wir noch.“

Ich verliere die Orientierung, kann mich nicht mehr bewegen. Verliere komplett die Kontrolle über meine Körperfunktionen. Wenn ich nicht gerade sterben würde, wäre das sicherlich noch viel ekliger. Sie müssen uns verraten haben. Ich denke an Mili, meine arme kleine Tochter, was soll nur aus ihr werden? Dann kommt die alles verschlingende Schwärze. Und auf einmal fühle ich mich leicht, schwebe nach oben und durchstoße die Erde. Ich schwebe über einem Grab, über meinem Grab. Fünf Gräber sind hier und vier weitere durchscheinende Gestallten gesellen sich zu mir. Eine sieht aus wie eine untote Fee, eingefallene Wangen, viel zu spitze Ohren. Ist das etwa Lia? Und warum sieht sie aus wie eine Fee? Dolon ist eine Rüstung, in deren offenen Helm zwei rotglühende Kugeln als Augen schweben. Ryan ist nur eine hohle Rüstung und Xana eine Maske und ein unförmiger Körper ohne Beine. Ich blicke an mir herunter und scheine eine ausgezehrte Frau zu sein, mit allen Gliedmaßen. Wir sind Geister! Verdammte Verdammnis!

„Ah, der Trank hat gut gewirkt.“ meint der Blinde Priester und der Stumme nickt fröhlich dazu. „So seid ihr nun in der Lage, euch in das Herz der Finsternis zu schleichen und den Altar des Untodes zu zerschmettern.“ Ach ne. Ich bin gar nicht glücklich über meinen untoten Zustand. Jeder von uns hat eine Spezialfähigkeit bekommen, meine ist es, mit Telekinese Dinge bewegen zu können. „Beeilt euch besser, je länger ihr in dieser Form seid, desto schwieriger wird am Ende die Rückverwandlung ins lebendige.“ Dann haben wir wohl keine Zeit zu verlieren! Los!

So eilen wir nun im Tiefflug über das Moor. Ich lasse es mir nicht nehmen, mehrere Flugfiguren auszuprobieren. Auch im Tod kann man durchaus noch Spaß haben. Oder besser gesagt, im Untod. Und noch ein Looping. Aber genug der Späße, schließlich erreichen wir die den Hügel mit dem finsteren Heiligtum. Eine halbe Armee hat sich hier inzwischen versammelt und mehr als ein Dutzend Kugeln schwebt herum. Ein weltlicher Angriff wäre in der Tat Wahnsinn gewesen. Wir sondieren kurz die Lage und rücken dann vorsichtig vor. Hie und da scheint ein Zombie uns direkt anzusehen, aber keiner reagiert auf uns. Zwangsläufig kommen wir den Kugeln sehr nahe, aber auch diese nehmen keinerlei Notiz von uns. So sickern wir wortwörtlich in den Hügel, unter dem sich der Altar der Finsternis sich befinden muss. Hoffentlich geht das mal gut. Möge Tymora uns lächeln, auch wenn wir tot oder besser gesagt, untot sind.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 10. Dezember 2007, 14:10:33
12. Tarask Mittag Das Jahr der Visionen 731 TZ  Albersmarker Moor

Schließlich kommen wir in einer Höhle unter einem flachen Hügel an. Ein zerfallener Block in der Mitte des kuppelförmigen Raumes scheint der Altar zu sein. Drei Geister von Orkschamanen schauen uns aus ihren rotglühenden Augen an. Da gucke ich gleich mal rot glühend zurück. Aber wir sind nicht hierher gekommen, um uns gegenseitig niederzustarren. Angriff!

Wir stürzen uns auf einen der geisterhaften Orkschamanen und zerreißen den wortwörtlich in der Luft. Seine Essenz wird in den Altar gezogen und kurze Zeit darauf erscheint eine dieser komischen Kugeln. So entstehen die also. Einer der überlebenden Geister bringt Schlachtenrufer Dolon unter seiner Kontrolle. Das ist nicht gut! Denn Dolon stürzt sich auf Ryan und schlägt ihn so stark zusammen, dass dieser im Altar verschwindet. Oh oh! Wir sollten uns beeilen. Ein weiterer Orkgeist löst sich auf, leider war es nicht derjenige, der Dolon unter seiner Kontrolle hat. Verdammnis!

Dolon greift nun mich an, aber ich konzentriere mich darauf, den letzten Geist nieder zu kämpfen. Gemeinscham schaffen wir es, den zu vernichten und Dolon ist zum Glück wieder er selbst. Tymora sei Dank. Ich materialisiere mich und bringe mit der mir verliehenen Kraft der Telekinese die Höhle zum Einsturz. Trümmer zerschmettern den Altar und Ryan wird als Geist wieder ausgespuckt. Glück gehabt! Die Dame hat wie heute schon so oft wahrlich ihrem Diener gelächelt.

Als wir nun nach oben schweben, sehen wir, dass keine Kugeln mehr da sind. Die Gegend ist voll verwesender Überreste von Orks. Die Gefahr ist gebannt, das Moor hat seinen Frieden wieder. Schlachtenrufer Dolon ist sehr bedrückt und entschuldigt sich kleinlaut, dass er sich hat beherrschen lassen. Ich sehe ihm das nach, hätte jedem passieren können. Ist nicht schlimm. Lia führt uns zurück nach Norden. Da sie mir so elfisch aussieht, quetsche ich sie etwas darüber aus, aber sie flüchtet sich in Ausflüchte. Diese Frau hat was zu verbergen. Ob sie in Wahrheit eine Elfe ist? Oder hat die Gestalt gar nichts zu bedeuten? Oder ist sie Spiegel der Seele? Ohne diese Fragen beantwortet zu haben, erreichen wir die beiden Priester. Sie sind erfreut, dass wir erfolgreich waren. Wir nehmen die Position über unseren Gräber ein und sie stimmen einen unheiligen Singsang an. Schließlich werde ich zurück in das Grab gezogen.

Schwärze um mich herum, Dreck im Mund und überall. Panisch drücke ich mich hoch und breche so aus meinem flachen Grab aus. Ich muss so würgen, dass ich Dreck und ekliges Krabbelzeug erbreche. Örks! Ich fühle mich so schmutzig! Das Wasser im Fluss ist sicher nicht das sauberste, aber damit wasche ich mich erstmal ab, nehme sogar ein kurzes Bad und reinige meine Kleidung so gut wie möglich. Auch die anderen waschen sich gründlich ab. Was für ein ekliges Erlebnis. Wenn ich mir jetzt nur nicht noch eine Erkältung hole. Halbwegs wieder sauber versammeln wir uns um die Priester. „Ich bin gar nicht glücklich darüber, dass wir gestorben sind“, bemerke ich etwas schnippisch an. „Wäre vielleicht nett gewesen uns vorher über die Nebenwirkungen des Trankes aufzuklären.“

„Wärt ihr dann dazu bereit gewesen?“ OK, ist ein Punkt, trotzdem finde ich diese ganze Episode nicht wirklich amüsant. „Aber wenigstens hättet ihr uns Tücher über die Gesichter legen können. So ein Tausendfüssler im Mund ist nicht schön!“ Das prallt Kommentarlos an den beiden Priestern ab. Ich nehme noch etwas Erde von meinem Grab als Erinnerung an diese seltsame Episode in meinem Leben mit.

Der Nebel wird nun wieder dichter und das Plätschern der Fähre mit dem Fährmann ist zu hören. Aus dem Nebel schält sich das Boot mit zwei Personen an Bord. Eine davon ist eine nackte junge Frau, die sich die Hände vor ihre Blößen hält, als sie uns bemerkt. Knirschend läuft das Boot auf den Grund und der Fährmann hilft Marelle von Bord. Sofort wirft Xana ihr einen Mantel über und führt sie zur Seite. „Dein Onkel Havard schickt uns, dich aus dem Totenreich zurück zu holen.“ Sie lächelt dankbar und macht einen verlegenen Eindruck. Die Sache wäre damit erledigt. Der Fährmann verschwindet wortlos wieder und der Nebel lichtet sich fast augenblicklich. Wenigstens das hat jetzt ohne weitere Probleme geklappt. Ich bin wirklich froh, die Anwesenheit dieses Scheusals nicht mehr länger ertragen zu müssen. Xana hilft Marelle sich fertig anzuziehen und wir verabschieden uns von dem seltsamen Priesterduo. Absonderliche Typen, echt!

Wir machen einen Umweg dahin, wo wir den Zombiehäuptling niedergekämpft haben und bergen die Sachen, die noch brauchbar sind. Ich bekomme eine schön verzierte Tartsche, die von meisterhafter Arbeit zu sein scheint. Jedenfalls behindert sie mich in keinster Weise, als ich sie anlege. Lia bekommt den schönen Kurzbogen aus Schwarzholz, Dolon die Axt des Häuptlings. Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich wieder die Herberge in Albersmark. Einige sind dafür, hier noch eine weitere Nacht zu verbringen, aber ich setze mich durch, sofort aufzubrechen. Marelle will zurück zu ihrer Familie und bei mir zuhause wartet ein kleines Mädchen sehnsüchtig auf ihre Mama. Ich will Mili nicht länger alleine lassen. So brechen wir auf und kommen gut voran.

Es ist schon dunkel, als wir das Kollegium der Magier erreichen. Diesmal kommen wir recht schnell herein und werden dann Zeuge, wie Marelle ihren Vater und Onkel trifft. Ach, irgendwie rührend. Ich mache danach darauf aufmerksam, dass wir zusätzliche Ausgaben hatten. Die anderen meinen zwar, das wäre in Ordnung, aber ich bestehe darauf und ohne Murren holt Repp noch ein Beutelchen mit Edelsteinen hervor, um unsere Verluste zu kompensieren. Nehme ich gleich mal an mich. Der Magus hat inzwischen auch die Tränke identifiziert. Vier davon sind mit Essenz aus Schmerzen gefüllt und niemand hat was dagegen, dass diese Dinge vernichtet werden. Die anderen Tränke sind Magierrüstung, Feuer widerstehen, Schutz vor Rechtschaffenheit und Schutz vor Bösem. Die Handschuhe entpuppen sich als Magierhandschuhe, welche dem Anwender erlauben., zweimal am Tag seine Magie zu verstärken. Xana ist natürlich überaus glücklich darüber, als sie die bekommt.

Der Magister meint noch, wenn jemand Interesse hätte, sich zum Magier weiter zu bilden, könnte er da was machen. Da bin ich gar nicht mal so abgeneigt. Mit Magie kann man viel erreichen. Aber das ist erstmal Zukunftsmusik. Wir verabschieden uns und eilen nach Hause. Mein kleines Mädchen ist schon längst im Bett und hat sich freigestrampelt. Vorsichtig decke ich sie zu und gebe ihr einen Kuss auf die Stirn. Träum was Süßes, deine Mami wacht über dich.

Gespielt am 27.10.2007
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon, Kaira, Lia, Ryan, Xana
Schrein des Ruhmes: Graberde vom eigenen Grab
Erfahrungspunkte: 960 + 25 für Kaira, +25 für Dolon, + 50 für Xana, +25 Lia, +75 Ryan
Überwundene Gegner von Gruppe:
3 Zombies
2 Kugeln des Untote Erweckens
1 Zombiefürst
1 Zombiepferd
3 Untote Geister Ork Schamanen
Beute von Gruppe:
1 Meisterhafte Tartsche für Kaira
1 Meisterhafter Kurzbogen aus Schwarzholz für Lia
1 Meisterhafte Orkische Streitaxt für Dolon
100 GM Bezahlung für jeden
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 12. Dezember 2007, 16:55:59
Kapitel 4
Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen
Teil 1
Tiefenbäume pflanzt man nicht


13. Tarask Morgen Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich serviere den Gästen des Silberfisches gerade ihr Frühstück, als Schlachtenrufer Dolon von Tempus den Speiseraum betritt. Mein kleines Töchterchen läuft mir die ganze Zeit mit ihrem quietschbunten Entchen hinterher und ich muss aufpassen, dass ich nicht über sie stolpere. Mit großen Kulleräuglein guckt mein Kind den hochgewachsenen Mann an und drängt sich dann hinter mich, um an einem meinem Rock geklammert vorbeizulinsen. Ich nehme sie hoch in den Arm. „Das ist Onkel Dolon. Sag Guten Tag zu Onkel Dolon.“ Meine Kleine drückt sich ganz fest an mich und nuschelt irgendetwas Unverständliches. Manchmal fremdelt sie ziemlich stark.

„Deine Tochter sieht dir ziemlich ähnlich“, meint Schlachtenrufer Dolon und ich muss lachen. Mili quietscht etwas vor sich hin, was wohl nur für sie einen Sinn ergibt. Der junge Priester des Tempus kommt schnell auf den Punkt. Er muss einen Auftrag für seinen Tempel erledigen. Eine gespendete Rüstung eines Helden alter Tage abholen. Der Spender ist der berühmte Maler Gregor Vern, der im finsteren Drunakwald leben soll. Dieser berüchtigte Wald befindet sich etwa eine Tagesreise nördlich von Chondathan. Und er bräuchte jemand, der den Wagen lenkt. Für einen Freund verrichte ich gerne diesen Dienst. Aber zuerst muss ich hier noch die Gäste bedienen. Der Schlachtenrufer nimmt in einer Ecke Platz und ich lasse meine kleine Mili wieder zu Boden, was sie mit einem unwilligen Quietschen quittiert. „Mami muss arbeiten und kann dich nicht den ganzen Tag auf dem Arm tragen.“ Das versteht sie nicht wirklich, macht aber auch keine Anstallten ihr Köpfchen durchsetzen zu wollen. So werde ich schnell mit meiner Arbeit fertig. Ich bitte Frau Erlann auf die Kleine aufzupassen, während ich für zwei Tage unterwegs bin.

Schnell ziehe ich mich um, knuddle zum Abschied meine süße kleine Mili durch und gehe dann mit dem Priester nach draußen. Muss meine Kleine schon wieder alleine lassen, hoffentlich wird das nicht zum Dauerzustand. Der Wagen ist klein, hat nur eine Achse und ein Zugpferd mit dem Namen Lotte. Ich verstaue meine Ausrüstung und die Wegzehrung und es kann losgehen. Wir nehmen die Nordtorstraße und verlassen bald darauf die Stadt. Schon bald bleibt der Trubel hinter uns zurück und wir sind bald die einzigen Reisenden auf der holprigen Straße. Für die Handelskarawanen ist es einfach noch zu früh im Jahr und die Straßen sind zu verschlammt für schwere Wägen. Zum Glück hat es die letzten Tage nicht geregnet, sonst hätten wir wirkliche Probleme mit dem leichten Wagen auf der unbefestigten Straßen voranzukommen.

Am Abend erreichen wir ohne Probleme das Örtchen Fernau, eine kleine Siedlung von freien Bauern, das idyllisch in einer Senke liegt, umgeben von Baumhainen und Feldern, die schon vor Jahrhunderten dem Elfenwald mit Blut und Schweiß abgerungen worden sind. Vor dem kleinen heimeligen Gasthof sind einige hektisch diskutierende Leute zu sehen und auch zu hören, da sie ziemlich laut und erregt miteinander reden. Schnell wird klar, dass ein gewisser Larn verschwunden ist und die Leute sich wohl berechtigte Sorgen um ihn machen. Natürlich ist es für uns selbstverständlich, dass wir unsere Hilfe anbieten. Seine Mutter Loretta, die Wirtin des hiesigen Gasthauses nimmt unsere Hilfe mit Freuden an.

So wie es aussieht ist Larn in einem Apfelbaumhain verschwunden, der nordöstlich des Dorfes auf einem Hügel liegt. Seit einiger Zeit passieren dort unheimliche Dinge. Angefangen hat alles, als ein umherziehender Magier dort einen besonderen Baum gepflanzt hat, um die Gegend noch fruchtbarer zu machen. Ein Magier? Da hätte ich doch eher einen Druiden vermutet. Der Baum ist schnell gewachsen und die erste Ernte des Haines war hervorragend. Aber dann häuften sich unheimliche Vorfälle in dem Hain, Tiere verschwanden einfach und man hatte immer das Gefühl beobachtet zu werden. Auch hat sich das Wachstum der anderen Bäume stark reduziert. Larn zog nun aus, diesen Baum mit Hilfe von Alchemistenfeuer zu vernichten, das war gestern und bis jetzt ist er noch nicht zurückgekommen. Nun ja, sieht so aus, als wäre das eine Aufgabe für wahre Helden. Da zurzeit keine greifbar sind, übernehmen Dolon und ich diese Aufgabe. Wir bekommen noch vier Phiolen mit Alchemistenfeuer, um den Baum zu verbrennen. Und los!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 14. Dezember 2007, 17:18:27
13. Tarask Abend Das Jahr der Visionen 731 TZ Fernau

Wir folgen der Wegbeschreibung und laufen durch das niedrige Gras der Felder auf den Hügel, wo der Apfelbaumhain sich befindet. Die Bäume sind in Reih und Glied gepflanzt worden, wohl um die Ernte zu erleichtern. Der Boden ist frei von Unterholz, sodass wir gut voran kommen. Kurz bevor wir den Baum in der Mitte erreichen, finden wir ein Loch im Boden. Da geht es tief runter. Wir umgehen den lockeren Rand des dunklen Loches und stehen nun vor dem doch etwas unheimlichen Baum. Wahrlich, der ist schon etwas gruselig im diffusen Licht der Selune. Abgestorben scheint er zu sein. Ich nehme das Alchemistenfeuer und werfe es auf den Baum. Die Phiole zerbricht und der Baum brennt lichterloh. Hoffentlich greift das Feuer nicht über. Von Larn selbst sehen wir nichts. Wo mag er nur stecken? Vielleicht im Loch?

Am besten wir sehen mal nach. Vorsichtig nähern wir uns dem Loch, als der Rand nachgibt. Erschreckt springen wir zurück und eine gigantische Ameise krabbelt aus dem Loch heraus. Iiiks! Sie scheint genau so erschreckt zu sein wie wir und verschwindet wieder. Wir zwangsläufig hinterher, als der lockere Boden am Rand nachgibt und wir in die Tiefe rutschen. Wir landen in einer niedrigen Erdhöhle und machen Bekanntschaft mit einem Nest aus Ameisen. Wir sind von etwa einem Dutzend Exemplaren umzingelt. Aber sie schauen uns aus ihren unergründlichen Chitinaugen erst einfach mal an. So lang die sich friedlich verhalten, tu ich das mal auch. Dann kommt Bewegung in sie und ein besonders großes Exemplar tritt hervor. Es verfügt über ein Paar menschlicher Arme, welche einen Speer halten. Und das Ding kann tatsächlich sich mit uns unterhalten.

Nach etwas hin und her kristallisiert sich heraus, dass sie von einem gewissen Fünfranke in den Dienst gezwungen worden sind. Fünfranke blockiert zudem noch ihren Weg zurück ins Unterreich. Und Fünfranke hat auch Larn in seiner Gewalt. Die Ameisen wollen Fünfranke loswerden und wir wollen Larn zurück. Da wir einen gemeinsamen Feind haben, beschließen wir unsere Kräfte zu bündeln. Wenn wir nahe genug an Fünfrankes Kern herankommen, können wir ihn mit dem Alchemistenfeuer vernichten. Nun gut, das scheint ein vernünftiger Plan zu sein. Wer wagt, gewinnt.

Also gehen wir voran in die Richtung, wo sich Fünfranke aufhalten soll. Wir kommen in eine weitere geräumige Erdhöhle und finden dort auch Larn, welcher sich in einem Netz von Wurzeln befindet, die ihn wie einen Kokon umschlingen. Nur sein Kopf ragt noch heraus. Er scheint nicht mehr wirklich er selbst zu sein. „Ich bin Fünfranke! Was wollt ihr hier, ihr Frevler!“

„Hä?“ Ich sehe in diesem Moment nicht gerade sehr intelligent aus. Normalerweise rede ich auch nicht mit Wurzeln. So wie es aussieht, war der Baum an der Oberfläche nur eine Art Geburtskokon für den eigentlichen Baum. Fünfranke bezeichnet sich als Tiefenbaum und er hat Larn zu seinem Sprecher ernannt, weil er sonst nicht in der Lage ist, zu kommunizieren. Er ist nicht bereit, ihn freiwillig herauszurücken und das ist auch das Stichwort. Angriff!

Leichter gesagt als getan. Die Wurzeln des Baumes sind auf dem Boden der Höhle verteilt und damit kann er kräftig zuschlagen. Aua! Es ist mühsam, langsam zum Kern vorzurücken, auch wenn nun die Ameisen ebenfalls in die Höhle hineinquellen und Fünfranke beschäftigen. Mich haut es auf dem tückischen Hintergrund glatt auf mein hübsches Näschen und ich bekomme noch einen Hieb auf meinen knackigen Hintern. Autsch, das hat noch mal echt weh getan. Ich rapple mich auf, weiche einem weiteren Hieb aus und werfe das Alchemistenfeuer. Aber eine Ranke lenkt es vom Kern ab und explodiert harmlos in den Wurzeln. Verdammnis!

Dolon hat sich inzwischen zu Larn vorgearbeitet und lässt seine Axt auf den Kokon niedersausen, welcher den jungen Mann gefangen hält. Ich greife nach dem nächsten Alchemistenfeuer, erspähe eine Lücke in den hin und herzuckenden Wurzeln und werfe die Phiole in den weichen Kern dieses seltsamen Wesens. Der Behälter zerbricht und die Flüssigkeit entzündet sich an der Luft. Wild zucken die Wurzeln hin und her. Einige schrammen über meine Rüstung, verletzen mich zum Glück in ihren Todeszuckungen aber nicht. Schließlich werden die Wurzeln starr. Dolon gelingt es mit weiteren beherzten Hieben Larn aus einem Wurzelgefängnis endgültig zu befreien. Da es inzwischen hier ziemlich raucht, machen wir, dass wir nach draußen kommen. Die Ameisen verschwinden in den hinteren Teil der Höhle, auf den nun freien Weg zurück ins Tiefenreich.

Mühsam und hustend kämpfen wir uns wieder an die Oberfläche. Ich krabble von der Höhle weg und bleibe keuchend liegend. Dolon und Larn geht es den Umständen entsprechend gut. Nach einiger Zeit scheint unter uns die Höhle zu kollabieren, denn der Boden senkt sich teilweise etwas ab. Ein geringer Preis, für das was alles hätte passieren können. Mit Schlachtenrufers Dolon und Tempus Hilfe werde ich wieder hergestellt und meine Wunden schließen sich. Danke! Wir rappeln uns auf und gehen zum Dorf zurück. Dort ist die Freude natürlich riesengroß und es gibt eine kleine Siegesfeier in der Schenke. Der Dorfvorsteher verspricht uns die ewige Dankbarkeit des Dorfes. Na, wenn das mal kein Wort ist. Prost!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Topas am 14. Dezember 2007, 18:51:05
Nanu, nur 2 SC ?

Schön geschrieben wieder mal.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 17. Dezember 2007, 13:10:57
Ups, vor lauter schnell schnell, habe ich jetzt Topas Frage ganz übersehen. Es sind nur zwei SC, weil diese Abenteuer auf unserer China Reise gespielt worden und wir nur insgesammt nur zu dritt waren. Deswegen war jetzt dieser Abschnitt auch nicht so gut, weil ich nach knapp drei Wochen nicht mehr an jede Einzeilheit erinnern konnte. Aber jetzt kann ich sagen, ich habe (A)D&D auf drei Kontinenten gespielt.  :lol:

Teil 2
Tief im finsteren Wald hört dich niemand schreien


14. Tarask Morgen Das Jahr der Visionen 731 TZ Fernau

Nach einem reichlichem und sättigenden Frühstück brechen wir auf. Tymora lächelt uns und schenkt uns einen strahlenden Frühlingstag. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir ein kleines Dorf, das vor dem Drunakwald vorgelagert ist. Ein Weg ist erstmal nicht zu erkennen. Ich frage einen der verschlossenen Bauern des frisch errichteten Dorfes, das aus roh gezimmerten niedrigen Blockhütten mit lehmbeschmierten Wänden besteht, nach dem Weg zum Gut von Gregor Vern. Nach der gebrummelten Aussage gibt es einen Weg hinter dem Dorf, der in den Wald führt. Wir bekommen noch die Warnung, dass der Wald unheimlich und gefährlich ist. Wir werden uns vorsehen.

Tatsächlich führt ein kaum erkennbarer Weg hinter dem Dorf in den dunklen Wald. Schon bald tauchen wir in die Schatten des Waldes ein. Dieser Wald riecht alt und ungebändigt. In meiner Kindheit habe ich ja jahrelang Schweine in einem Wald gehütet. Aber dort war die Atmosphäre ganz anders gewesen. Mir läuft ein kalter Schauder über den Rücken und das liegt nicht nur daran, dass es hier im Schatten der alten Bäume deutlich kühler als auf den Feldern draußen ist. Dieser Wald lebt und damit meine ich nicht das normale Leben im Wald, das jeder Pflanze innewohnt, sondern als ob der Wald ein einziges, in sich geschlossenes Lebewesen wäre. Lotte ist sehr unruhig und ich muss sie ziemlich antreiben, dass sie weiter in die Richtung geht, in die ich sie führe, tiefer in diesen düsteren Wald hinein.

Schließlich passieren wir eine Lichtung, auf der gelbe Blumen stehen und der Kadaver eines Rehs am Boden liegt. Die Blumen ähneln Sonnenblumen, aber sie haben ihre Köpfe nicht auf die Sonne ausgerichtet, sondern auf den Kadaver. Das ist wirklich unheimlich. Es geht ein Rucken durch die Blumen und die Köpfe richten sich synchron auf uns aus. Mir schwant Böses. In der nächsten Sekunde werden wir von ihnen mit kleinen Pfeilen beschossen. Einer trifft mich am Hals. Er tut weniger weh als der Stich eines Moskitos, aber mir wird kurz etwas schummrig, was ich aber mit einem kurzen Kopfschütteln beenden kann. Aber Lotte schläft im Stehen ein. Es kostet einige Mühe, sie wieder wach zu bekommen und diese Blumen hinter uns zu lassen. Nichts wie weg hier. Finsternis!

Wir folgen weiter dem kaum erkennbaren Weg und passieren schließlich einen behauenen Hinkelstein, wie sie die Alten errichtet haben. Er ist mit Moos überwachsen, aber die eingeritzten Muster sind gut zu erkennen. Kreise, Vierrecke, Ornamente, die sich zu verschieben scheinen, wenn man länger darauf schaut. Aber wenn man blinzelt, sind sie wieder da, wo sie sein sollten. Wie alles hier ist auch dieser Stein seltsam, irgendetwas scheint von ihm auszugehen, das ich gar nicht näher betrachten möchte. Bald verschwindet dieser komische Stein hinter uns und ein Wolf tritt in unser Blickfeld. Wie alles in diesem Wald ist auch er nicht das, was er zu sein scheint. Sein Fell ist stumpf und aus seinem Leib ragen Tentakel. Tymora steh mir bei!

Das Wolfsding macht Anstalten anzugreifen. Mit aller Kraft schleudere ich meinen Speer und treffe ihn auf der Höhe des Herzen. Aber statt tot umzufallen, wie ich es erwartet habe, zerplatzt er regelrecht von innen heraus. Iiiks! Aus den Überresten schält sich eine Abnormität. Mit einem heiseren Kampfschrei stürzt Dolon sich mit hoch erhobenen Axt auf dieses Ding, das nur aus sich windenden Tentakeln und einem mit großen Zähnen bewehrten Maul in der Mitte zu bestehen scheint. Das Etwas ist recht gewandt und weicht seinem Hieb aus. Rasend schlagen die Tentakel aus und treffen ihn heftig. Dolon taumelt zurück und bittet seinen Gott um Heilung. Ich springe nun ebenfalls vom Kutschbock, ziehe mein Rapier und umgehe vorsichtig das Monster. Dolon greift nun mit neuem Mut an und auch ich attackiere es. Was immer diese Abnormität aus Maul und Tentakeln zu sein scheint, lebendig ist es und was lebt, kann getötet werden. Ich steche beherzt mit einem Stoßgebet an Tymora auf es ein und auch Dolon trifft es mit einem wuchtigen Axthieb. Schließlich rührt es sich nicht mehr.

„Was im Namen der Neun Höllen ist das?“ frage ich und wische mein Rapier im Gras sauber. Irgendwie fühle ich mich beobachtet und blicke mich um. Eine weitere Stele steht in einiger Entfernung im Schatten eines Baumes. Schwer zu erkennen im diesigen Licht dieses Waldes. Für einen Moment scheint es mir, als würde der Hinkelstein sich ertappt fühlen. Was für ein Unsinn, das ist nur ein Stein.

„Ich weiß es auch nicht“, murmelt Dolon und schaut an der Schneide seiner Axt entlang, ob sie eine Scharte davon getragen hat, was zum Glück nicht der Fall ist.
„In Vaters Geschichten kam so etwas nie vor.“ murmle ich und stecke das nun wieder saubere Rapier zurück in die Scheide und reinige nun meinen Speer.
„Auch ich bin sicher, noch nie von einem Wesen dieser Art gehört zu haben.“
„Wir sollten ihm einen Namen geben“, meine ich und betrachte kritisch die Speerspitze. Ist immer noch etwas Blut daran.
„Warum das denn?“
„Wie sollen die Barden denn über uns singen? Sollen sie es Ding aus Bauch mit Maul und Tentakeln nennen? Wie hört sich denn das an?“ Nachdem ich den Speer ein weiteres Mal durch das Gras gezogen habe, ist die Spitze nun frei von Blut.
„Hm, da hast du sicherlich Recht.“
„Ich denke, Bauchwürger wäre vielleicht kein allzu schlechter Name.“
„Bauchwürger?“
„Ja, weil es sich wohl im Bauch befindet und da irgendwie rein muss, wahrscheinlich runtergewürgt mit Nahrung, wenn es noch klein ist. Ich habe von Parasiten gehört, die sich in ihren Wirtskörpern einnisten und die dann von innen heraus zerfressen. Schreckliche Sache. Auch wenn ich selbst noch nie so etwas gesehen habe.“
„Ja, der Name passt“, findet auch Schlachtenrufer Dolon.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 19. Dezember 2007, 13:18:21
14. Tarask Morgen Das Jahr der Visionen 731 TZ Drunakwald

Wir gehen zurück zu unserem Wagen und setzen unseren Weg fort, vorbei an einer weiteren dieser unheimlichen Stelen. Aber endlich erreichen wir das Gut von Gregor Vern, noch bevor die Sonne ihren Zenit erreicht hat. Das Gut besteht aus einem großen steinernen Haupthaus und einem hölzernen Schuppen. Recht offen alles, schwer zu verteidigen. Da war der Hof meiner Eltern eine Festung dagegen. Wir werden von einem alten Diener empfangen, der sich als Melvar vorstellt. Er bringt Lotte in den Stall und uns ins Guthaus. Wir werden in den oberen Stock geführt. Mein Blick fällt auf eine Stiege, die zum Speicher führt. Die hölzerne Tür am Ende der steilen Treppe ist massiv und mit einem schweren Riegel versehen. Ungute Erinnerungen an ein anderes Haus kommen da in mir hoch. Wir werden in einen kleinen gemütlich eingerichteten Salon geführt. Hier sollen wir warten, bis der Herr des Hauses Zeit für uns hat. Na gut. Eine bequeme Couch steht unter einem Fenster. Zwei Bilder zieren die Wände, eines zeigte eine vierköpfige Familie, das andere eine idyllische Landschaft. Beide Bilder sind von Gregor Vern, dem Hausherrn.

Ich lasse mich auf die bequeme Couch fallen und strecke alle Glieder von mir. „Wenn ich ein eigenes Haus habe, werde ich mir so eine Couch kaufen. Die ist richtig bequem.“ „Du wohnst im Silberfisch?“ „Vorerst ja, ich arbeite ja da noch hin und wieder. Die Erlanns sind ja auch zu nett. Haben mir echt mal aus der Patsche geholfen. Und Mili mögen sie auch.“ Weitere Details um den untreuen Jondan klammere ich aus und betrachte interessiert das Familienbild. Links steht der Vater, ein bärtiger Mann, Anfang dreißig. Dann sein Sohn, ein Junge von vielleicht zehn Jahren. Daneben ein Mädchen, etwa sechs Jahre alt, das etwas Abgründiges an sich hat. Ich kann es nicht genau definieren. Daneben eine streng dreinblickende Frau im Alter des Mannes. Ihre Haltung erinnert mich an meine eigene Mutter, wenn sie mit mir geredet oder besser gesagt, geschimpft hat. Mutter konnte ich es nie recht machen. Zu faul, zu langsam, mach dies, mach das, beeil dich, was trödelst du wieder rum, bla, bla, bla. Aber je länger ich das Bild anschaue, desto düsterer wird es. Die Gesichter werden zu Fratzen, bis sie scheinbar explodieren und sich in windende Bauchwürger verwandeln. Iiiks! Nur das Mädchen scheint davon verschont zubleiben, sie guckt nur noch unheimlicher.

Ich wende den Blick ab und als ich wieder hinsehe, ist es ein ganz normales Bild einer Familie. Wirklich seltsam. Ein Geräusch von oben lenkt mich ab. Als ob jemand hin und her gehen würde. Immer wieder kurz stehen bleibend, als ob man lauschen würde. Ein junger Mann betritt das Zimmer, gerade den Kinderschuhen entwachsen, scheint mir, vielleicht sechzehn Jahre alt. Er hat eine so starke Ähnlichkeit mit dem Jungen auf dem Bild, dass er es wohl auch ist. Welkan Vern ist sein Name. Nach kurzem, nichtssagenden Geplapper kommt auch der Hausherr dazu, niemand anders als der berühmte Maler Gregor Vern. Wir kommen auf die Blumen zu sprechen, er meint dazu, diese wären noch recht harmlos. Sie würden Gelbfarn heißen und ihr Gift würde ein Mittel enthalten, welches einen Dinge sehen lässt, die gar nicht da sind. Wie Bauchwürger oder unheimliche moosbewachsene Steine. Er baut die Pflanzen sogar auf einem Feld hier in der Nähe an. Dieser Wirkstoff sei auch in der Farbe seiner Bilder eingearbeitet, so dass man mit der Zeit bei der Betrachtung Dinge sieht, die gar nicht da sind. Mir kommt diese Erklärung recht lahm vor. Es gibt noch eine rote Abart, die er profan, aber passend, Rotfarn nennt. Die wäre eine Ecke übler und schon seit Jahren versucht er ohne Erfolg die Mörderblumen in diesem Wald auszumerzen.

Obwohl Gregor Vern ein sehr netter Mann zu sein scheint, bleibe ich innerlich sehr distanziert zu dem Ganzen hier. Wir werden in einen Speiseraum geführt. Das Essen wird aus verschiedenen Töpfen serviert und ich achte penibel darauf, nur das zu essen, was auch Vater und Sohn essen. Der Diener ist sogar ebenfalls am Tisch, gehört quasi zur Familie. Die Mutter scheint verstorben zu sein, bei der Tochter, Antalia, kommen nur Ausflüchte. Sie scheint zu ihrem Schutz oben im Speicher eingesperrt zu sein. Aha?

Mir ist das hier alles nicht geheuer und ich bin froh, als Gregor Vern endlich auf die Rüstung zu sprechen kommt. Leider gibt es das Problem, dass sie sich nicht hier im Haus befindet, sondern in der Familiengruft hinter dem Haus. Dieses Gut hat einst den Trojes gehört. Und einer der Trojes, ein gewisser Augar Trojes war ein großer Held gewesen. Vater kannte Geschichten über ihn und auch Jondan hat öfters mal die Ballade von ihm vorgetragen. Auch die Rüstung war eine Sage für sich. Sie wurde aus Himmelsmetall gefertigt, das in einem Stein gefunden wurde, welcher von den Sternen kam. In die Rüstung selbst war noch ein Mondstein aus dem Kern des Meteoriten eingelassen, welcher über magische Kräfte verfügen sollte. Als weiteres Problem entpuppt sich, dass Gregor Vern einen gnomischen automatischen Wächter in die Gruft gestellt hat, den er leider nicht mehr abstellen kann. Na toll!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 21. Dezember 2007, 13:16:38
14. Tarask Mittag Das Jahr der Visionen 731 TZ Drunakwald

Nicht gerade bester Laune machen wir uns auf den Weg zur Familiengruft. Besser gesagt wir bahnen uns unseren eigenen Weg durch die Wildnis in die Richtung, die Gregor Vern uns gesagt hat. Ich halte meinen Speer mit beiden Händen fest umklammert. Immer mal wieder wirble ich auf der Stelle herum, aber niemand verfolgt uns, jedenfalls nicht erkennbar, noch lauert man uns auf. Wir passieren einen dieser seltsamen Steine. Bei der Gelegenheit untersuchen wir ihn etwas genauer. Aber es gibt nichts wirklich Außergewöhnliches zu entdecken. Ein behauener, moosbewachsener Stein, auf dem Muster eingraviert sind, von wem auch immer.

Schließlich erreichen wir die alte, verlassene Familiengruft derer von Trojes. Der Eingang ist mit einer Tür verschlossen, die wir mit einem Schlüssel öffnen, welchen Gregor uns mitgegeben hat. Vorsichtig im Licht meiner Laterne betreten wir den Eingangsraum, der fensterlos ist und wohl als Andachtsraum dient. Eine Treppe führt in die Tiefe, welcher wir folgen. Ich stelle meine Laterne am Fuß der Treppe ab und schon hören wir unseren Gegner angeklackert kommen. Es handelt sich um eine riesige Kakerlake aus Stahl. Zur Begrüßung spuckt sie Schlachtenrufer Dolon mit einer ätzenden Flüssigkeit an, was seine Rüstung zum Rauchen bringt. Und nach dem unterdrückten Stöhnen des Tempuspriesters zu urteilen wird da nicht nur sein Schuppenpanzer zum Teil zersetzt. Verdammnis!

Dolon geht links, ich gehe rechts. So flankieren wir das Mistding. Wuchtig ramme ich meinen Speer in den metallnen Leib, fuhrwerke damit hin und her und mach einiges an der Mechanik kaputt. Auch Dolon lässt sich nicht lumpen und lässt seine Streitaxt wuchtig auf das künstliche Insekt hernieder sausen. Funken sprühen auf, Metall knirscht und irgendetwas zerbricht. Nach wenigen Sekunden ist unser zerstörerisches Werk getan und das Ding rührt sich nicht mehr. Es scheint endgültig kaputt zu sein.

„Das ging ja jetzt recht einfach.“ Dolon teilt meine Meinung nicht so ganz, auf seine verätzte Rüstung deutend. Weiter hinten finden wir mehrere Sarkophage. Auf dem mittleren liegt die Rüstung aus Sternenstahl. In der Mitte der Brust prangt der Mondstein, der ein leichtes Licht absondert. Die Rüstung ist miteinander verbunden, sodass wir sie in einem Stück tragen können. Ich nehme die leichte Seite mit den Beinen, Dolon die schwere Seite an den Schultern. So tragen wir die Rüstung nach draußen und schließen die Tür wieder hinter uns ab. Mein Blick fällt auf eine dieser Stelen, die direkt am Eingang steht.

Bei Tymora! Ich könnte schwören, dass als wir hinein gingen, dort noch keine gestanden hat. Oder spielen mir meine Sinne einen Streich? Ich weiß es nicht. Wir gehen weiter. Ich höre eine Kinderstimme singen und nach wenigen Herzschlägen sehen wir die Verursacherin. Ein barfüssiges Mädchen, das sich gerade im Stadium zwischen Kind und Frau befindet, umschreitet fast feierlich mit einem ehemals weißen Unterkleid bekleidet, einen dieser moosbewachsenen Hinkelsteine. Mit einer Hand streichelt sie zärtlich leise vor sich hin singend über die Oberfläche. Ihr Gesichtsausdruck ist dabei verzückt und entrückt. Ihr Mund ist in scheinbarer sinnlicher Erwartung halb offen. So ungefähr muss ich ausgesehen haben, wenn ich Jondans Brust gestreichelt habe, immer tiefer gleitend, über seinen struppigen Wald hinweg, bis ich das fand, für das Dichter tausende von Umschreibungen gefunden haben.

Im nächsten Augenblick habe ich nur ein unschuldiges Mädchen vor mir, das ein närrisches Kinderlied vor sich hinsummt. Es handelt sich tatsächlich um die Tochter von Gregor Vern. Antalia meint, sie wäre ausgebüchst, weil ihr Vater es nicht gerne sieht, wenn sie im Wald spielt. Das kann ich ausnahmsweise mal nachvollziehen. Hier sollte kein Kind spielen. Hier sollte ehrlich gesagt auch niemand, der noch geistig gesund ist,  leben. Dieser Wald hat etwas, was ihn seinem dunklen Ruf wahrlich gerecht werden lässt. Dieser Ort war verwunschen, unheimlich und mehr als nur tückisch. Und meiner Meinung nach, hatte der Verstand von dem Mädchen auch schon vor einiger Zeit Winke Winke gemacht. Sie ergießt sich in ominösen Andeutungen, dass der Wald und die Steine mehr sind, als sie zu sein scheinen. Aber vielleicht ist sie ja auch mehr, als sie zu sein scheint. Ich frage sie, ob sie Silvanus oder Mielikki dient. Sie kann mit den Namen noch nicht mal was anfangen. Ihr Vater scheint nicht gerade Wert auf Bildung zu legen. „Ich diene einem höheren Wesen.“ Sie hat wieder dieses verzückte Lächeln auf den Lippen und sie macht eine weitgreifende Geste, bevor sie sich lachend im Kreis dreht.

Bevor noch mein Verstand sich auch verabschiedet, packe ich die Beine der Rüstung fester und mach, dass ich von hier wegkomme. Die Verns erwarten uns schon, Lotte ist vor dem Wagen gespannt. Ich petze, dass Antalia im Wald spielt, das scheint jedoch niemanden wirklich zu überraschen. Sie scheint öfters vom Speicher zu entkommen, wo sie ja angeblich zum eigenen Schutz eingesperrt ist. Schlachtenrufer Dolon bedankt sich noch mal für die Spende und wir laden die Rüstung auf den Wagen. Nichts wie weg hier. Die Verns winken uns noch freundlich nach, während ich Lotte antreibe. Lotte scheint auch aus diesem unheimlichen Wald herauskommen zu wollen und bald muss ich sie zügeln, weil sie einfach zu schnell wird. Ho, altes Mädchen, wir wollen in einem Stück ankommen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 24. Dezember 2007, 13:03:17
14. Tarask Nachmittag Das Jahr der Visionen 731 TZ Drunakwald

Links und rechts am Wegesrand ragen wieder diese Stelen auf. Ich kann mich gar nicht erinnern, dass wir so viele von ihnen auf der Herfahrt gesehen haben. Ich atme auf, als wir endlich diesen Wald verlassen. Ich bin vollständig durchgeschwitzt und mein Herz pocht wie wild. Lotte ist immer noch kaum zu zügeln und die Fahrt wird sehr holprig. Kurz bevor wir das namenlose Dorf erreiche, drehe ich mich noch einmal zum Waldrand um. Dutzende von Stelen stehen am schattigen Waldrand und scheinen uns nachzublicken. Erschreckt drehe ich mich um, blinzle und schau mich ein weiteres Mal um. Die Stelen sind verschwunden, still und reglos liegt der Wald hinter uns. Schlachtenrufer Dolon von Tempus blickt sich ebenfalls, durch meine ruckartige Bewegung aus der Ruhe geschreckt, um.

„Ist da was Besonderes?“ Ich schüttle verneinend den Kopf, aber diesmal bleibt das Bild bestehen, keine Stelen am Waldrand. Meine Sinne sind definitiv überreizt. Ich sehe schon Dinge, die gar nicht da sind. Wandernde Stelen, was für ein Unsinn.

„Nein, ich dachte, ich hätte was gesehen, aber meine Sinne müssen mir einen Streich gespielt haben.“ Ich konzentriere mich lieber auf den Weg, da Lotte immer noch einen ausdauernden Trab vorlegt. Hätte ich dem alten Mädchen gar nicht zugetraut. Ich habe alle Hände voll zu tun, den Wagen auf dem schlechten Weg zu halten. Mit der Zeit bekomme ich Lotte soweit unter Kontrolle, dass ich nicht mehr befürchten muss, dass der Wagen zerbricht. Ich habe einen gutaussehenden jungen Mann neben mir auf den Kutschbock. Unsere Schenkel berühren sich, reiben sich aneinander, da der Platz auf dem Wagen so eng ist, dass zwei Erwachsene nur schwer Platz auf dem Kutschbock finden. Seit zwei Jahren ist Jondan nun verschwunden. Eine lange Zeit für eine körperlich gesunde Frau in meinem Alter.

Ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, anzuhalten und mich mit Dolon in die nächsten Büsche zu schlagen. Aber dann fällt mein Blick auf meinen Ehering. Ich bin eine verheiratete Frau, auch wenn ich nicht weiß, wo sich mein angetrauter Ehemann befindet. Der Ring scheint zu brennen und ich kühle ab. Nein, Jondan wird mich weder Schlampe noch Hure nennen dürfen, wenn ich ihn finde. Wobei ich nicht mal weiß, ob ich ihm dann sein Gesicht zerkratzen und solange mein Knie zwischen seine Beine rammen werde, dass er nie wieder mit einer Frau schlafen kann. Oder ich ihn umarmen und mit ihm ins nächste Bett fallen werde, um mich für die Jahre der Enthaltsamkeit auszahlen zu lassen. Ich seufze schwer. Mili ist jetzt zwei Jahre alt, bald wird sie Fragen stellen, warum andere Kinder einen Vater haben und sie nicht. Was werde ich ihr dann erzählen?

Das was ich für die Wahrheit halte? Dass Jondan ein treuloses Stück Scheiße ist, der mich nur so lange toll fand, wie ich mich ohne Reue und Verpflichtung von ihm auf alle möglichen Arten besteigen ließ? Der keine Verpflichtung oder Verantwortung für mich und unser Kind hatte übernehmen wollen und mich in meiner schwersten Stunde vor der Niederkunft einfach sitzen ließ?

Oder das, was ich hoffe? Dass er in die Sklaverei entführt wurde und darauf hofft, dass ich ihn befreien werde?

Oder das, was ich am meisten fürchte? Das er tot ist und entsorgt wurde? Verblutet in einer Hintergasse, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war?

Oder eine Lüge, dass Papa ausgezogen ist, um die Welt vor dunklen Mächten zu erretten? Wahrscheinlich die Lüge, bis sie alt genug ist, um die Wahrheit zu verstehen, zu ertragen. Lügen machen das Leben ja so viel einfacher.

Endlich erreichen wir das Dorf Fernau. Lotte hat immer noch einen großen Bewegungsdrang und ich muss recht brutal mit den Zügeln werden, damit sie stehen bleibt. „Was ist denn nur mit Lotte los?“ Natürlich gibt Lotte darauf keine Antwort.

Mit großem Hallo werden wir im Dorf empfangen. Ich helfe dem Stallburschen Lotte aus dem Wagen zu spannen und dann Dolon, die Rüstung auf unser Zimmer in das Gasthaus zu schaffen. Puh! Ich brauch ein Bad. Gerade unten, um zu schauen, ob das hier möglich ist, kommt der Stalljunge herein gelaufen. Sein Arm blutet stark, Lotte hätte ihn gebissen. Dolon untersucht die Wunde und heilt sie zum Teil mit der Macht, die ihm Tempus verliehen hat.

„Dieser Biss stammt nicht von einem Pferd!“ Wir sehen uns beide an. „Bauchwürger!“ rufen wir beide zur gleichen Zeit. Zwei Idioten, ein Gedanke. Es ist vielleicht jetzt eine gute Gelegenheit, die alte Rüstung von Augar Trojes anzulegen. So versperren wir erst mal den Stall, schärfen den Leuten ein, unter gar keinen Umständen den Stall zu betreten und laufen dann zurück ins Zimmer. Ich helfe dem Tempuskrieger die Rüstung anzulegen. Ich komme ihm dabei so nahe, wie selten zuvor einem Mann. Ich spüre unter meinen Händen seinen kräftigen Körper, das geschmeidige Spiel seiner für den Kampf trainierten Muskeln. Ich muss schlucken und an mein Eheversprechen denken. Ich darf nicht schwach werden, Jondan darf nicht triumphieren. Schließlich ist die Rüstung fertig angelegt. Hier und da habe ich ein paar Riemen anders festzurren müssen, aber die Rüstung sitzt gut. Als wäre sie für den Schlachtenrufer bestimmt. Kaum angelegt, fängt der Mondstein in der Mitte der stählernen Brust an zu leuchten. Hui!

Vorsichtig öffnen wir das Scheunentor. Lotte steht mit zitternden Flanken in einer Ecke des Stalls. Sie fletscht aggressiv die Zähne. So was habe ich noch nie bei einem Pferd gesehen. Irgendwie scheint sie zwei Reihen Zähne im Maul zu haben. Arme Lotte! Mir wird das Herz schwer bei dem Gedanken, dass ich sie töten muss. Aber dies bleibt mir erspart, denn im nächsten Moment explodiert sie regelrecht. Ich werde mit Blut, Innereien und zerfetztem Fleisch überschüttet. Iiiks! Vor uns steht nun der Bauchwürger mit seinen sich windenden und peitschenden Tentakeln. Der Mondstein auf der Rüstung reagiert nun sehr stark und strahlt ein intensives blaues Licht ab. Der Bauchwürger faucht uns an und bricht dann durch die Stallwand einfach nach draußen. He! Bleib gefälligst hier und stell dich zum Kampf!

Der Schlachtenrufer kann mit Hilfe der Rüstung die Spur des Bauchwürgers aufnehmen, die für ihn am Anfang noch recht hell leuchtet. Leider erkaltet die Spur nach wenigen Minuten und wir folgen einfach mal der Richtung. Wir landen bei einer Schafherde, die wir genau in Augenschein nehmen, aber keines der Schafe verhält sich hyperaktiv oder seltsam. Verdammnis!

Wir kehren erstmal ins Dorf zurück und berichten dem Dorfvorsteher Karvo, was geschehen ist. Der stellt kurzerhand einen Suchtrupp zusammen. So grasen wir schon fast wortwörtlich alle Herden in der Nähe ab. Aber Fehlanzeige. Keine einzige heiße Spur, der Bauchwürger hat sich verdrückt. Blutige Verdammnis. Ich sehe furchtbar aus, schaffe es etwas heißes Wasser zur organisieren und wasche mich in einer Ecke so gut es geht. Dann muss ich noch meine Rüstung reinigen, was auch noch ne Stunde kostet. Entsprechend müde krieche ich neben Dolon ins Bett und schlafe ohne irgendwelche erotischen Gedanken einfach ein.



Frohe Weihnachten und schöne Feiertage wünsche ich allen Lesern.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: endier am 24. Dezember 2007, 15:06:39
Hui, Spannend geschrieben...

Auch Dir ein frohens Fest und einen guten Rutsch.

(Gilt auch für alle anderen Gateler hier)
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 26. Dezember 2007, 12:57:49
@ Endier

Danke!  :)

Teil 3
Duell


15. Tarask Morgen Das Jahr der Visionen 731 TZ Drunakwald

Wie gerädert stehe ich auf. Eigentlich hatte ich gehofft, schon gestern wieder zu Hause zu sein. Mein kleines Mädchen fehlt mir irgendwie. Ihr Lachen, wenn sie glücklich ist oder ich mit ihr herumalbere. Ihr Weinen, wenn ihr etwas fehlt, sie sich gestoßen hat oder einfach traurig ist. Ach, meine kleine süße Milindra, heute Abend werde ich dich abschmusen, bis du quietscht! Mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen ziehe ich mich an und gehe mit Dolon hinab in den Schankraum. Ich schlinge dort mein Frühstück herunter. Da fällt mir siedendheiß ein, dass Lotte ja gestern förmlich vor meinen Augen explodiert ist. Wir haben kein Pferd mehr und es stellt sich heraus, dass auch keiner der Bauern bereit ist, uns eines seiner Zugtiere zu leihen. Soweit zum Thema ewige Dankbarkeit wegen der Errettung von Larn und der Vernichtung des Tiefenbaus.

Aber die freundliche Loretta bringt uns zu einem durchziehenden Händler, der einen altersschwachen Wagen mit einem klapprigen Pferd sein eigen nennt. Der Händler, ein etwas verschlossen wirkender Mann zwischen Dreißig und Vierzig, ist bereit, unseren Wagen anzuhängen und uns mitzunehmen. Mir gefällt der Kerl nicht. Ein Händler hier ohne Waren? Fernau ist nicht gerade das Dorf mit großem Durchgangsverkehr, da dahinter ja kaum noch was liegt, was eine Reise lohnen würde. Aber auf der anderen Seite fällt mir kein Grund ein, warum er uns hier hätte auflauern sollen. Die Rüstung ist sicherlich wertvoll und ein potentiell lohnenswertes Ziel. Aber dass unser Pferd explodieren würde, konnte niemand vorhersagen. Nun gut, wir hängen den Wagen an, laden die Rüstung auf und nehmen auf dem klapprigen Wagen Platz. Fernau ist bald außer Sicht, aber irgendwie ahne ich, dass die gestrigen Ereignisse uns noch mal in diese Gegend verschlagen werden. Ich versuche mit dem einsilbigen Händler erfolglos ein Gespräch anzufangen und frage wenigstens nach Jondan, vielleicht hat er ihn ja mal irgendwo auf seinen Reisen getroffen. Leider nicht.

Kurz vor der Mittagszeit wird die langweilige Fahrt interessant. Wir kommen an einem zerstörten Wagen vorbei. Nach der Größe der Fußspuren zu urteilen, muss ein Riese am Werk gewesen sein. Das ist nicht gut. Da es nun Mittag ist, muss Dolon erst um die Gunst des Feindhammers bitten, also betet er erst einmal. Dann nehmen wir vorsichtig die Spur auf. Man muss kein Waldläufer sein, um diesen Spuren zu folgen. In der Ferne hören wir einen Frauenschrei und beeilen uns entsprechend. Schließlich erreichen wir eine Lichtung. Im Gras im Zentrum liegt eine regungslose Frau. Dolon will zu ihr hinlaufen, aber ich halte ihn auf. „Mir gefällt das nicht, lass mich vorgehen.“ Ich habe ein komisches Gefühl dabei. Etwas stimmt nicht. Die Spuren des Riesen enden hier, aber er selbst ist nicht zu sehen. Vorsichtig, den Boden vorher prüfend, arbeite ich mich langsam zu der Frau vor. Meine Vorsicht zahlt sich aus, da sich die Frau als Illusion entpuppt, die eine Fallgrube getarnt hat. Ha, da müssen die früher aufstehen.

Aus dem Wald tritt klatschend ein Mann hervor, der in einer blutbesudelten Rüstung steckt. Auf seiner Brust trägt er offen ein heiliges Symbol, das aus in einer Spirale angeordneten Krummschwertern besteht, welche von abgewinkelten Armen gehalten werden, die alle aus dem Zentrum des Symbols entspringen. Man muss nicht zur Bildungselite Faeruns zählen, um dieses Symbol zu identifizieren, besonders da sich der Priester auch gleich mal netterweise vorstellt.

„Ich bin der Blutschnitter Vaslo Zarr von Garagos, dem einzig wahren Fürst des Krieges. Schön, dass ihr gekommen seid, um von meiner Hand zu sterben. Denn ich werde nicht zulassen, dass der Tempel des Tempus die Rüstung von Augar Trojes bekommt. Deswegen habe ich das Ganze hier initiiert. Zuerst wollte ich dieses Manöver nutzen, um einfach die Rüstung zu stehlen, während ihr wie Idioten durch den Wald stolpert, aber dann dachte ich, wie langweilig das doch wäre. Viel mehr Spaß wird es mir machen, euch in handliche Stücke zu hacken.“

„Ich bin Schlachtenrufer Dolon Braska von Tempus, dem einzig wahren Fürsten des Krieges. Ich werde nicht zulassen, dass der Rüstung ein Leid geschieht, denn sie wurde dem Tempel des Tempus zu Chondathan gespendet. Mögen die Götter entscheiden, wem die Rüstung gebührt, dem Tempel des Feindhammers oder Garagos, den sinnlosen Schlächter Unschuldiger! Für Tempus! Möge dieser Kampf von ihm gesegnet sein.“

„Für Garagos! Möge dieser Kampf von ihm gesegnet sein.“ Beide Priester bitten also um den Segen ihres Gottes und stürmen dann aufeinander zu. Dolon schlägt daneben, während Vaslo sein Langschwert tief in den Leib des Tempuspriesters versenkt. Nein! Der Schlachtenrufer taumelt stark angeschlagen zurück und ich eile herbei, um ihm zu helfen. Mein Speer schrammt aber harmlos über die blutige Rüstung des Blutschnitters. Tymora hilf! Im nächsten Moment saust das Langschwert auf mich zu und trifft mich hart. Blut spritzt aus meiner Wunde an der Seite, was Vaslo mit einem gierigen Grunzen quittiert. In der Zwischenzeit ruft Dolon seinen Gott um Heilung an und sein stetiger Blutfluss verebbt. Der Blutschnitter wendet sich nun wieder dem Schlachtenrufer zu, während ich zurück taumelnd nach einem Heiltrank taste und ihn mit einem Zug lehre. Sofort schließt sich meine Wunde und ich bin fast ganz fit. „Nimm das!“ Wuchtig ramme ich meinen Speer in seine Seite und diesmal spritzt sein Blut. Hat er nun davon.

Auch Dolon trifft ihn nun mit zwei schweren Hieben, während er selbst noch eine Wunde kassiert. Der Garagospriester stöhnt auf und lässt dann sein Schwert fallen. „Ich ergebe mich, heute tragt ihr den Sieg davon, Schlachtenrufer Dolon von Tempus.“ Ich werfe Dolon einen fragenden Blick zu und er senkt seine Waffe. „Ein guter Kampf, Blutschnitter Vaslo von Garagos. Die Sache ist damit entschieden?“ Der geschlagene Kämpe nickt.

„Bei Garagos, die Sache ist entschieden, behaltet die Rüstung, ihr habt sie euch mit Blut verdient.“
„So sei es!“ Männer und ihr Codex. Ich zucke mit den Schultern und richte den Speer nach oben. Aus dem Unterholz kommt ein Klatschen und der angebliche Händler tritt hervor. Er wird begleitet von einem seltsamen Hund.  „Irgendwie rührend. Verzeiht, dass ich euch stören muss, aber ich denke, für euch ist nun die Zeit gekommen, für euren Frevel mit dem Leben zu bezahlen!“ Wusste ich es doch, dass mit dem Kerl was nicht stimmt.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 28. Dezember 2007, 18:44:54
15. Tarask Mittag Das Jahr der Visionen 731 TZ Wildnis

„Hä?“ Was will der denn jetzt von uns?
„Wisst ihr eigentlich, wie schwer es ist, einen Tiefenbaum zu beschwören?“
„Öh, nein.“ meine ich und kratze mich am Kopf.

„Die Frage war rein rhetorisch gemeint, du dummes rothaariges Kind. Aber wenigstens werden du und deine Kameraden noch als Dünger dienen können. Das ist zwar nichts im Vergleich zu dem, was ihr der Natur mit eurem Verhalten angetan habt, aber irgendwie wird es mich äußerst befriedigen, euch in Stücke zu hacken.“ Hatten wir das heute nich schon mal? Ich habe ein Deja vu!

„Lass mich raten, du musst Relkar sein.“ Jedenfalls hieß so der angebliche Magier, der den Tiefenbaum gepflanzt hat.

„Du bist ja gar nicht so blöd, wie du aussiehst, Karottenkopf! So ist es und nun tu mir den gefallen, mit dem Sterben anzufangen.“ Bei den Worten fängt er an zu gestikulieren. Der Hund fletscht die Zähne, während sich seine Kopfhaut zurückzieht. Das sieht richtig gruselig aus und der Blutschnitter taumelt etwas erschreckt zurück. Mich lässt das kalt, habe ja schon einiges erlebt und habe oft beim Schlachten unseres Viehs geholfen. Der Druide, ich schätze mal, dass Relkar einer ist, hat seine Beschwörung beendet, und vor mir taucht ein aggressiver Dachs auf, der mich beißen will.

Dolon stürmt vor, schlägt aber leider nur durch die Luft, wo der Druide gerade noch gestanden ist. Der Blutschnitter nähert sich vorsichtig dem Knochenhund und haut halbherzig nach ihm. Ich versuche mit einem Flick Flack an dem Dachs vorbei zu kommen, um Relkar meinen Speer zum Kosten zu geben, aber das blöde Vieh beißt mich in die Wade. Aua!

Das wird noch ein langer Nachmittag werden. „Tymora, steh deiner kleinen Gläubigen bei!“ Beherzt spieße ich nun nach diesem Stoßgebet den Dachs auf, der einfach verschwindet. Als Nächstes sprinte ich zu dem komischen Knochenhund und ramme ihm meinen Speer so tief in die Seite, dass die Klinge bis zu den Parierstangen im Fleisch versinkt. Ich reiße die Klinge nach unten und ein Haufen stinkender Gedärme ergießt sich auf den Boden. Tut weh, nicht?

Der Blutschnitter schlägt nun dem Tier den Kopf ab und tritt ihn wütend weg. Jetzt haben wir nur noch einen Gegner vor uns, den finsteren Druiden, der keine Anstalten macht, sich zu ergeben. Dolon hat ihm schon eine stark blutende Wunde verpasst, aber noch steht dieser Mistkerl. Ich ramme ihm meinen Speer in den Unterleib, drehe das Stichblatt in der Wunde und reiße die Waffe wieder heraus. Dolon spaltet ihm dann noch gekonnt den Schädel und wortlos bricht der Druide Relkar in sich zusammen. Tja, das war es wohl dann. Ich reinige mein Speer im Gras und stütze mich dann etwas erschöpft auf ihn. Meine Wade brennt, aber Dolon hat ein Einsehen und heilt mich. Danke schön.

„Nun, das war ein blutreicher Nachmittag. Bis sich unsere Schwerter wieder kreuzen.“ Der Blutschnitter präsentiert sein Schwert.

„Bis sich unsere Klingen wieder kreuzen“, meint auch Dolon und grüßt mit seiner Axt. Etwas unbefriedigt über diese Entwicklung schaue ich dem Garagospriester nach. Irgendetwas sagt mir, dass dies nicht unsere letzte Begegnung war. Aber Dolon hat so entschieden und ich werde nicht gegen seinen Ehrenkodex handeln, auch wenn ich ihn nicht so ganz nachvollziehen kann. Männer! Immerhin hat der Kerl uns überfallen. Ich hätte ihn ja gefangen genommen und ihn der Schildwacht übergeben.

„Wir sollten den finsteren Druiden hier beerdigen. Zarr war ja so nett, schon eine Grube zu schaufeln.“ Mir ist klar, dass Relkar uns den Tieren des Waldes zum Fraß überlassen hätte, aber er war immerhin ein Mensch und egal, was er getan hat, es ist trotzdem unsere Pflicht ihm ein halbwegs würdiges Begräbnis zu gewähren. Vorher durchsuche ich ihn noch und fördere vier Goldmünzen zu Tage. So legen wir ihn in die Grube und schütten so gut wie möglich Erde und Steine darauf. Wahrscheinlich werden Tiere ihn wieder ausbuddeln, aber das liegt nicht in unserer Hand. Dolon spricht ein kurzes Gebet und seinen Segen und wir marschieren zurück zum Wagen. Wieder lenke ich und taufe die Stute Mathilda. Leider ist das Pferd sehr störrisch und kaum zu lenken. So wird der Weg recht mühsam, bis wir am frühen Abend endlich die Nordstadt von Chondathan erreichen.

Das Verkaufen des Wagens erweist sich als beschwerlich, das Teil ist vollständig verrottet. Wer weiß, wo der Wagen die letzten Jahre gestanden hat. Ich bekomme sagenhafte vier Goldmünzen dafür. Auch das Pferd erweißt sich als schier unverkäuflich. Da bleibt wohl nur der Weg zum Abdecker. Mist auch. Aber egal, ich lebe noch und als ich endlich mein süßes kleines Mädchen in den Armen halte und abschmuse, bin ich richtig glücklich.

Gespielt in China im Oktober 2007
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon, Kaira
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte: 900 in je drei Blöcken zu 300
Überwundene Gegner von Gruppe:
1 Tiefenbaum
1 Wolf mit
1 Bauchwürger
1 Kakerlakenkonstrukt
1 Garagospriester
1 Druide
1 Dachs
1 Knochenhund
Beute von Gruppe:
8! Goldmünzen
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 31. Dezember 2007, 14:11:29
Kapitel 5
Das Lagerhaus des Grauens!


16. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Nachdem ich meine morgendlichen Arbeiten verrichtet habe, spreche ich mit der guten Frau Erlann darüber, dass ich nicht länger unter dem viel zu engen Stiegenzimmer hausen möchte. Ich miete zu einem Vorzugspreis ein Zimmer im Silberfisch an. Der Umzug dauert keine fünf Minuten. Das Zimmer hat ein richtiges Bett. Welch Luxus. Mili schaut sich mit großen Augen um. „Wo schlafen?“ Sie zeigt auf sich. „Mili ist jetzt kein Baby mehr, deswegen bekommst du jetzt dein eigenes Bettchen.“ Für die Wiege ist sie inzwischen einfach zu groß geworden. Es ist der reine Wahnsinn, wie meine Kleine wächst. Da es draußen noch sehr kalt ist, verpacke ich mein kleines Schätzchen gut und binde sie mir auf den Rücken. Es ist ein windiger Tag, aber zum Glück regnet es nicht. Meine Kleine ist sehr unruhig, da ich sie hauptsächlich im Winter wegen der Kälte draußen im Haus halte. Sie entdeckt tausend Sachen „Mama! Da da!“ Und wenn sie ein Tier sieht, macht sie die Tierlaute nach. „Wauwau!“ oder „Miau!“

Schließlich erreiche ich eine Möbelschreinerei, wo auch die Erlanns ihre Möbel für den Silberfischen gekauft oder reparieren lassen. Sie haben zum Glück ein paar Kinderbettchen zur Auswahl und Mili darf sich eines davon aussuchen. Zuerst weiß sie gar nicht, was ich von ihr will und schaut mich groß an, aber dann begreift sie, was ich von ihr will und sie quietscht freudig erregt vor sich hin, als sie die Bettchen ausprobiert. Schließlich hat sie ihren Favoriten gefunden, welche mit spielenden Tieren bemalt ist. Ich bezahle es und sage, wohin es gebracht werden soll. Dann kaufe ich noch etwas Bettwäsche und gehe dann Kleider und Schuhe für Mili einkaufen. Bis jetzt konnte ich der Kleinen kaum etwas kaufen und sie trug Sachen, die schon andere Kinder getragen haben. Aber jetzt habe ich Geld und kann nun endlich auch mal Mili was gutes Tun. So vergeht die Zeit wie im Flug. Auch hole ich meine neue beschlagene Lederrüstung ab, die mir wie angegossen sitzt. Ist ja auch Maßanfertigung. Hu, darin sehe ich richtig Toll aus.

Schwer bepackt mit meinem inzwischen Mittagsschlafenden Töchterchen auf dem Rücken bahne ich mir meinen Weg zurück zum Silberfisch. Unterwegs treffe ich auf den leicht untersetzten Dieb namens Thropp, der mir steckt, dass er für eine kleine Beschaffung eines Gegenstandes bereit ist, eine horrende Summe von 150 Goldmünzen zu zahlen. Hört sich gut an, Details würde ich heute Abend zu hören bekommen. Bin dabei. Wer wagt, gewinnt.

Daheim wird erstmal ausgepackt und meine Kleine wird wieder richtig wach. Ihr neues Bettchen ist schon da und Mili ist ganz aus dem Häuschen. Nach dem Abendessen bürste ich ihr schönes Haar aus, stecke sie in das neue Nachthemd, in dem sie wirklich ganz süß aussieht und bring sie dann in ihr neues Bettchen. Schon bald ist sie eingeschlafen und ich richte mich für die Aufgabe. Meine neue beschlagene Lederrüstung sitzt einfach perfekt und ich fühle mich wohl darin. Dazu noch die neue Tartsche von dem Zombiefürsten und es kann losgehen.

Im Brunnenhaus sorgt der Halborkische Barde mal wieder für gute Stimmung. Thropp finde ich an einem Tisch an der Ecke inmitten einer illustren Runde sitzen. Das sind also die anderen Risikobereiten. Von meinen üblichen Kameraden ist diesmal nichts zu sehen. Irgendwie habe ich bei diesem im wahrsten Sinne zusammen gewürfelten Haufen kein gutes Gefühl. Drei der Leute scheinen Mönche verschiedener Orden zu sein.

Am besten mal der Reihe nach. Garethion ist ein stabil gebauter Mann von mitte Zwanzig mit kurzen braunen Haaren und ebenso farbiger Kleidung, seinem Symbol zur Urteilen gehört er wohl zu Helm. Genau so jemanden nimmt man gerne auf einen Einbruch mit. Dann wäre Tefai, der schmächtiger gebaut ist wie der andere Mönch, aber Ilmater dient. Der dritte Mönch trägt eine Grellbunte Robe und einen Umhang, deren Farbenkombination zum Erblinden einladen. Er hat blonde lang gelockte Haare und hört auf den Namen Brom Bärenburg. Und ja, es handelt sich um einen langnasigen Gnom, der Garl Glittergold dient. Der vierte im Bunde ist ein schlanker Elf mit dem Namen Quarion und scheint Bogenschütze zu sein. Der letzte ist ein Muskelbepackter Zwerg, der sich Thurak nennt, mit reichlich Bierschaum im zu drei Strängen geflochtenen braunen Bart. Das ist genau die Gruppe, mit der man keinen einen Einbruch macht. Finsternis!
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Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 02. Januar 2008, 11:26:30
Allen Lesern noch ein gutes neues Jahr 2008!

16. Tarask Abend Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Thropp rückt nun mit den Details heraus, nachdem er sich versichert hat, dass uns niemand belauscht. Wir stecken verschwörerisch die Köpfe zusammen, wofür der Gnom sich auf den Stuhl stellen muss. Es handelt sich um ein schwarzes Buch, dass in einem Stahlschrank verschlossen liegt. Dieser Schrank befindet sich in einem verschlossenen Raum, der sich wiederum in einem gut bewachten Lagerhaus der „Gemeinschaft der Fünf“ befindet. Der Raum mit dem Stahlschrank ist von Regius Glimmstein entworfen worden, dem berühmten Gnom, der hier in der Senke sein Labor hat. Noch nie sei es jemanden gelungen, dort erfolgreich einzubrechen. Na ja, dann werden wir wohl die ersten sein. Aufgrund seltsamer Vorfälle befinden sich Nachts keine Wachen mehr im Haus, sondern nur noch vor dem Haus. Und durch die dicken Mauern würde auch kaum Lärm dringen. Hört sich schon mal gar nicht so verkehrt an.

Für unsere Mühe bekommen wir 150 Goldmünzen und dürfen alles behalten, was wir sonst noch so finden. Natürlich bin ich damit einverstanden und wir bekommen zwei Skizzen von den Örtlichkeiten im Lagerhaus. Scheint so, als ob Bereiche des Lagerhauses davon an andere Kunden vermietet werden, darunter Magiern, Handwerkern und Totenrufer Mehrat. Den Namen kenne ich doch? Ja, genau, dass war der verstorbene Totenrufer, der noch Tod für Ärger sorgt, in dem er allein durch seine Anwesenheit Tote erweckt. Aber wenn wir da einbrechen, wird es niemand geben, der was dagegen hätte.

In meinem Rotschopf Köpfchen manifestiert sich recht schnell ein Plan, muss aber vorher ein paar Sachen nachprüfen. Wir bilden zwei Gruppen, der Gnom Brom, der Zwerg Thurak  und der Mönch Garethion werden die angrenzende Taverne und das Lagerhaus von Landseite in Augenschein nehmen. Die zweite Gruppe mit dem schlanken Mönch des Ilmater Tefei, dem Elfen Quarion und meiner Wenigkeit werden das Lagerhaus von Seeseite ausbaldowern. Wir machen uns auf dem  Weg und laufen einfach mal am Lagerhaus vorbei, um es schon mal von Landseite betrachten zu können. Es ist aus gut behaunen Steinen mit wenig Fugen sehr massiv errichtet. Es gibt ein Tor und eine Seitentür direkt gegenüber der Taverne. Vor dem Tor hängen zwei in Kettenhemden gekleidete Gardisten herum, ein weiterer läuft halb um das Gebäude herum, da man es zu Fuß nicht umrunden kann. Auch lungern hier in der Nähe noch ein halbes Dutzend Schildwächter herum. Im Oberen Stockwerk gibt eine Ladeluke mit Kran und sonst nur Schießartige Öffnungen, in denen sich noch nicht mal ein Gnom durchquetschen kann.

Tefei mustert dabei die Anlage zu genau, dass er um die Aufmerksamkeit von uns abzulenken, sich in die Taverne verdrückt. Mit dem Elf nun alleine, begebe ich mich zum Hafen. Huch, alleine mit einem Mann, was werden nur die Leute denken? Also miete ich frech bei einem Fischer ein Ruderboot, um Selune auf dem Wasser betrachten zu können. Er wirft mir auch entsprechende missmutige Blicke zu. Aber lieber soll er denken, wir machen ein Techtelmechtel auf dem Schiff, als dass wir ein Objekt für einen Einbruch ausspähen. Ich steuere das Boot, während Quarion rudern darf. Wir brauchen, da wir uns Zeit lassen, etwa eine halbe Stunde bis zum Lagerhaus. Auch hier ragt ein Kran aus einer Ladeluke heraus. Ein paar Lagerhäuser wird ein Schiff entladen, aber wir werden nicht weiter beachtet. Es erscheint mir gut möglich zu sein, hier einen Wurfhaken zu verankern. Der Laden zur Luke ist zu, aber der Spalt ist breit genug, um den dahinter liegenden Riegel hoch zu hebeln. Und der Zwischenboden ist aus Holz, wie es aussieht, da einige Balken vom Fußboden etwas herausragen. Mein Plan ist damit praktikabel, also zurück zum Brunnenhaus.

Ich zersause mir noch etwas Haare, bevor wir das Boot zurückgeben. Im Brunnenhaus bestelle ich mir erstmal ein großes Essen, da ich Hunger wie ein Bär habe. Wir müssen einige Zeit warten, bis die anderen zurückkommen. Sie  haben herausgefunden, dass es Nachts im Lagerhaus spuken soll. Das ganze hat vor ein paar Wochen angefangen und deckt sich ziemlich mit dem Ableben von dem berüchtigten Totenrufer Mehrat. Sein Bereich im Lagerhaus soll immer noch so sein, wie von ihm verlassen, da noch keiner den Mut gefunden hat, dort nachzusehen. Finsternis!

Als erstes erkläre ich meinen Plan, der recht simpel ist. Wir mieten uns ein Boot, rudern zum Lagerhaus, ich klettere hoch, öffne die Luke und sind drin. Dann brechen wir in das Lager von Totenrufer Mehrat ein, schlagen tot, was untot ist, plündern es, brechen ein Loch in den Boden und kommen so in den Raum mit dem Stahlschrank. Es gibt noch ein paar Alternative Pläne, wie stehlen dem Verwalter den Schlüssel und machen damit die Nebenpforte auf. Oder öffnen die Tür mit einem Rammbock und schlagen drin alles kurz und klein, ja dieser Vorschlag stammt vom Zwergen Thurak. Oder wir mieten den noch freien Raum und schmuggeln uns selber in Fässern da rein. Da alle Alternativen Pläne den einen oder anderen Haken haben, wird schließlich doch mein Plan angenommen. Wer wagt, gewinnt.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Topas am 02. Januar 2008, 13:21:31
Schön, wenn man aus dem Urlaub zurückkommend die Geschichte weiterlesen kann, aber weshalb sind das schon wieder andere SC's ?
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 04. Januar 2008, 12:49:48
@ Topas

Des Rätsels Lösung ist, dass dieses Abenteuer auf einem Con gespielt wurde. Eigentlich sollten da mehr Stammspieler mitmachen, hat aber nicht so ganz geklappt. Und das plötzliche Auftauchen und Verschwinden anderer SC wie der Barde und Drow ist damit zu erklären, dass es sich um Gastspieler gehandelt hat.

17. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Den Tag über verrichte ich wie gewohnt meine normalen arbeiten, auch wenn die Nacht viel zu kurz war. Am Nachmittag mache ich mich auf, etwas Weihwasser zu besorgen. Im Tymoraschrein kann ich leider nichts bekommen. Glücksbote Ryan ist mit seinem Feldzug beschäftigt, neue Gläubige zu gewinnen und die Vorsteherin des Tempels scheint nichts anderes zu tun, als in einer Ecke zu hocken und zu faulenzen. Meditieren nennen das die Kleriker. Na, so sehr ich auch die lächelnde Dame schätze, ihre Diener haben es nicht so drauf, was Geschäftstüchtigkeit anbelangt. Aber es ist ja nicht so, dass auf Thargrams Weg es nur einen Tempel geben würde. Also gehe ich zu der Kathedrale der Triade schräg gegenüber und kaufe drei Phiolen zu richtigen Dumpingpreisen. Gelobt seien die rechtschaffenen und gütigen Drei.

So fühle ich mich gleich etwas wohler, als ich im Schutz der Dunkelheit aufbreche, um viel Geld zu verdienen. Meine Kleine schläft ruhig in ihrem Bettchen, nachdem ich sie in den Schlaf gesungen habe. Die anderen sind schon da und wir brechen auf. Nach dem Weihwasserkauf habe ich bei Xanas Stand noch eine Tonurne gekauft und sie mit Asche aus dem Herd gefüllt. Xana scheint nicht mehr so in Ungnade ihrer Mutter zu sein wie noch vor ein paar Tagen. Mal sehen, wie sich das noch entwickelt. So kann ich eine Urne präsentieren und eine rührselige Geschichte von meinem Großvater erzählen, der unbedingt im Kreise seiner Freunde, wirklich sehr illustrer Freunde wie Elfen, Zwerge und Gnome, im Hafen von Chondathan im Sternenlicht bestattet werden möchte. Ja, mein Großvater war weit gereist und etwas verschroben. So bekommen wir anstandslos ein Boot, dass groß genug für uns alle ist. Dem Zwerg ist gar nicht wohl dabei, dass nur etwas Holz zwischen ihm und dem Wasser ist.

Ich werfe den Anker, nachdem wir unter dem Ausleger des Lagerhauses angekommen sind. Heute ist es hier besonders ruhig, kein weiteres Schiff wird entladen. Ich versuche meinen Wurfhaken zu platzieren, treffe aber nicht, dafür Quarion. Klettere ich halt sein Seil hoch. Oben angekommen sichere ich mich so gut wie möglich und mit einem Haken aus meiner Diebeswerkzeugtasche öffne ich den Riegel des Ladens. Vorsichtig drücke ich die Flügel auf und spähe hinein. Unter der Tür des Lagers des Metzgermeister vermeine ich Licht zu sehen. „Dies war die letzte Lieferung, dass mache ich nicht länger mit.“ poltert eine Stimme hinter der Tür. Hä?

Sollte nicht alles ruhig sein? Wie kommen die da rein? Die Türe unten ist doch zu und wir wissen aus mehreren unabhängigen Quellen, dass sich Nachts hier niemand aufhält. Vorsichtig betrete ich den Gang, nehme das Seil, welches hier ausliegt und werfe es ebenfalls herunter. So können die anderen nach oben klettern. Ich mache die anderen darauf aufmerksam, dass ich Stimmen aus dem Raum des Metzgers gehört habe. Der Elf Quarion, der Mönch Garethion und der Gnom Brom machen sich sofort auf, dem auf dem Grund zu gehen. Während ich noch meinen Rucksack hochziehe, stürmen die drei schon den Lagerraum, aus dem inzwischen weder Lichtschein sickert noch Geräusche dringen. Allerdings stellt sich ihnen nichts in den Weg. Der Rest einschließlich mir mit dem schweren Rucksack mit dem notwenigen Einbruchswerkzeug rückt nach. Der Raum ist bis auf Würste, die von der Decke hängen und einigen schweren Kisten leer. Alles ist staubig und die Wurst riecht strenger, als sie sollte.
 
Da! Schritte auf dem Gang! Die üblichen Hyperaktiven rennen sofort raus, finden aber nichts. So langsam dämmert es mir, wieso es niemand hier Nachts mehr aushält. Hier spukt es tatsächlich. Finsternis! Ich küsse die lächelnde Dame auf meinem silbernen Anhänger, führe das kühle Metall an meine Stirn und an meine Brust. Möge die Göttin mir helfen, Leben, Verstand und Herz zu behalten. Gehen wir die Sache am Besten auf dem Grund. Da die ganze Sache wohl mit dem unheiligen Vermächtnis des Totenrufers zu tun hat, brechen wir am Besten gleich mal seine Türe auf. Diesmal öffne ich das Schloss, nachdem ich vergebens nach Fallen gesucht habe. Vorsichtig öffne ich die Türe, aber kein Bolzen kommt angeschossen, noch fällt ein Topf mit Säure herunter. Im Lichtschein der Kerze schält sich auf der linken Seite ein überladenes Regal mit vielen Fächern heraus, in dem unzählige Gläser mit Flüssigkeiten oder seltsamen Zutaten stehen. Gegenüber der Türe steht ein Wandschirm und davor ein Tisch mit einem Buch darauf. Irgendwie habe ich mehr erwartet. Auf dem Boden ist noch ein Symbol aufgemalt, an dem eine dreifingrige Hand abgebildet ist. Sieht mir nicht ganz ungefährlich aus. Bevor ich eine Warnung aussprechen kann, rennt der gnomische Mönch schon los und quer durch das Symbol. Dunkle Energie manifestiert sich und greift nach ihm. Schmerzerfüllt kreischt er auf.

„Falle!“ meine ich nun überflüssigerweise und umgehe das Symbol. Der Gnom schüttelt sich hinter dem Symbol und rennt dann weiter auf das Buch zu und grabscht danach. Ich verdrehe nur die Augen, denn wer aus Schmerz nicht klug wird, wird es nie. Aber wider erwarten ist das Buch nicht weiter gesichert, aber es stellt sich heraus, dass es in Geheimschrift geschrieben ist. Ich kenn mich damit etwas aus, da mein Vater mir öfters solch knifflige Aufgaben gestellt hat. Brom rennt weiter und schaut hinter dem Schirm nach, nur wenige Herzschläge später kommt er grün angelaufen zurück getorkelt und übergibt sich. Vorsichtig spähe ich um die Ecke und sehe einen gehäuteten Menschen, der Kleidung trägt. Da er total unbeweglich ist und auch nicht darauf reagiert, als ich ihn anstupse, scheint er mir ein makabres Ausstellungsstück zu sein. Eklig!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 07. Januar 2008, 12:51:05
17. Tarask Abend Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan Lagerhaus des Grauens

Für einen Herzschlag spiele ich mit dem Gedanken, sicherheitshalber etwas Weihwasser auf ihn zu gießen, aber dafür ist es mir zu teuer. Wenn es ein Wächter ist, müsste er auf unsere Anwesenheit reagieren, da er das nicht tut, scheint er mir ungefährlich. Armer Kerl, wer auch immer das mal gewesen sein mag. Während der Herr Zwerg mit großer Lust ein Loch in den Boden schlägt, entschlüssele ich die Geheimschrift. Es scheint sich um eine Lagerliste zu handeln. Und einiges scheint sehr wertvoll zu sein, jedenfalls hat er teilweise für geringe Mengen sehr viel Gold bezahlt. Also packe ich meinen Sack aus und suche aus dem Regal das Zeug, welches einiges wert zu sein scheint und fülle ihn. Ich stelle ihn erst mal neben den Eingang ab und sehe, dass inzwischen ein Loch entstanden ist, wo selbst der muskelbepackte Zwerg durchpasst.

Der Raum unter uns ist mit Wasser gefüllt. Hä? Ja, in der Tat, es ist ein Becken mit Wasser unter uns. Es ist schon fast eine Halle, da etwas über zehn Schritt in der Breite und zwanzig in der Länge. Hinter der regulären Eingangstüre gibt es ein Podest mit zwei Hebeln. Gegenüber befindet sich ein weiteres, kleineres Podest, wo sich ein Schacht befindet, in dem eine Kette hinabführt. Schätze mal, dass dort der Stahlschrank hängt. An den Wänden sind, zwei auf der rechten, drei auf der linken Seite, die Statuen der fünf Namensgeber der Händlergilde verteilt. Jeder trägt einen anderen Gegenstand in der Hand, Beutel, Schriftrolle, Stab, Schwert und Dolch. Hu? Ein Rätsel?

Dummerweise ist das Loch direkt über dem Wasser. Garethion wirft ein paar der Würste herunter, aber irgendwelche Monster lockt er damit nicht aus den Tiefen an. Ich würde ja mehrere Haken in die Decke schlagen und mich so entlang hangeln, aber ich werde überstimmt, indem einfach ein neues Loch über das breite Podest geschlagen wird. Nun gut. Ich sehe mich noch etwas um, kann aber nichts Interessantes mehr entdecken. Irgendwie habe ich mir mehr von hier erhofft. Als einzig Außergewöhnliches finde ich ein rostiges Beil, das gar nicht hierher passen mag. Für was das gut sein mag?

Enthusiastisch schlägt Thurak ein zweites Loch in den Boden, sodass man das Podest trockenen Fußes erreichen kann. Ich verhake mein Seil an einem Balken und schaue, ob ich unten was erkennen kann, in der Tat ist eine Trittfalle in Form einer beweglichen Platte auszumachen. Ich lasse mich als erste herunter und schwinge mich neben der Trittplatte zu Boden. Leider sehe ich keine Möglichkeit, diese Trittplatte zu deaktivieren. Als nächstes kommt der Gnom nach unten. Kaum auf dem Boden rennt er schon zum ersten Hebel, springt hoch und hängt sich mit seinem ganzen Gewicht daran. Funken schlagen aus den Wänden und Fackeln werden entzündet. Da hat aber jemand Glück gehabt.

Während sich Tefai und Quarion herunterlassen, gehe ich zu dem anderen Hebel, wimmle den Gnom ab und versuche zu ergründen, was daran alles gekoppelt ist. Da ich keine offensichtlichen Fallen entdecken kann, betätige ich nach einem Stoßgebet zu Tymora den Hebel und knirschend bewegt sich eine geländerlose Brücke aus Metall nach oben. Kaum ist sie oben, läuft der Gnom auch schon los. So langsam nervt es mich, dass er mir keine Zeit lässt, diese Sachen vorsichtig in Augenschein zu nehmen. Und tatsächlich öffnet sich nach nur wenigen Metern eine Falltüre und die Langnase fällt überrascht kreischend ins Wasser, das sich einen Herzschlag später rot zu färben beginnt. Eine kleine dunkle Seite in mir gibt sich ganz der Schadenfreude hin. Aber ich bin doch froh, als er prustend wieder auftaucht. Tefei eilt zu ihm und zieht ihn aus dem Wasser. Ich folge etwas langsamer und vorsichtiger. Im Wasser waren wohl einige Speerspitzen verborgen. Der Gnom zieht seine feuchten Sachen auf und scheint weniger verwundet zu sein, als gedacht. Zähe Rasse, diese Gnome, traut man ihnen gar nicht so zu.

Dem Podest näher kommend, sehe ich auf der Kerze folgenden Schriftzug, den ich laut vorlese: „Tod all jenen, die von Gier geblendet sind.“ Welch prophetische Worte, besonders in Bezug auf dem Gnom. Obwohl man hier wohl eher Gier mit Neugier ersetzen sollte. Oder auch mit Dummheit, wenn man es genau betrachtet. Am Ende der Brücke ist ein Hebel, den ich lieber mal in Ruhe lasse. Im Schacht befindet sich tatsächlich an der Kette der Schrank. Der Hebel ist zu offensichtlich und schreit regelrecht nach Falle, also suche ich einen alternativen, versteckten Auslöser.

Der Zwerg Thurak und der Mönch Garethion sind uns nicht gefolgt, scheinen aber oben eine Art Möbelverrücken zu spielen. Eigentlich spielt hier die Musik. Nach einer Viertelstunde bin ich etwas frustriert, da ich nichts finde. Sollte der Hebel etwa doch des Rätsels Lösung sein?
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Topas am 08. Januar 2008, 22:49:27
Warum kommentiert hier eigentlich keiner ausser mir? 1400+ Views kommen doch nicht ohne Leser zustande. Wieder schön geschrieben, weiter so.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: endier am 09. Januar 2008, 09:22:46
Doch, Ich  :D

Aber ich verunstalte die schöne SH sehr ungerne mit meinen Kommentaren.

Aber jetzt, wo cih dabei bin: Welche Stufe hat den die Party denn schon ?
Ich denke 3. sollte es schon sein.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 09. Januar 2008, 12:48:20
@ Topas

Ich freue mich über jeden Kommentar und auch über jedes Lob. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass die meisten nur still lesen und sehr selten was dazu schreiben.

@ endier

Diese Party hatte komplett die zweite Stufe. Die Reguläre reicht ab nächstem Kapitel von 2 Kaira, Ryan und Lia bis 3 Dolon und Xana. Wenn man nachrechnet, kommt natürlich auf Stufe 3 für Kaira, aber habe mit 1000 Minuspunkten anfangen müssen. Warum? Nun, es gab drei Methoden zur Charerstellung, PB 32, eine Kartenmethode und zwei Reihen mit 4 W6, die drei besten Würfel zählen und eine Reihe kann man sich aussuchen. Beim Probewürfeln kam ich auf gute Ergebnisse, aber meine blauen von Shadowrun 3 getunten Lieblings W6 meinten an dem Tag zeigen zu müssen, dass sie nicht nur 6er Würfeln können. Ich hatte dann halt keine wirklich gute Reihe um mein Konzept zu verwirklichen und habe mit dem Ergebnis Selbstmord begangen und dann PB 32 genommen, mit der Auflage eben, mit -1000 Punkten zu starten. Dem Spieler von Glücksbote Ryan erging es ähnlich und ihm traf das gleiche unerbittliche Schicksal.  :wink:  Allerdings bekomme ich inzwischen 15 EP pro Seite für meine Mühe und so konnte ich das Minus nun ausgleichen und habe im aktuellen Abenteuer jetzt die fünfte Stufe als erster erreicht.  :D In Zukunft werde ich wohl am besten am Ende auch noch die Stufen der SC notieren, so dass die Verhältnisse etwas klarer werden.

17. Tarask Abend Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Auf einmal gibt es einen Rums. Erschreckt blicke ich zurück und sehe wie der Gehäutete mit einer rostigen Axt in der Hand gerade auf die Trittplatte gesprungen ist. Tymora hilf! Und die Platte löst tatsächlich eine Falle aus. Elektrische Entladungen zucken aus dem Stab der Statue, springen durch den Raum und setzen besonders die Brücke unter schädliche Blitzenergie. Der Gehäutete lässt sich davon nicht beeindrucken, sondern kommt Axt schwingend auf uns zu gerannt. Die Funken und Blitze breiten sich weiter aus. Quarion schießt schnell zwei Pfeile ab, die tief in den Leib des Gehäuteten dringen. Tefai erwartet seinen Gegner ruhig am Ende der Brücke. Der Zombie holt aus und tief dringt die Waffe in den Balg des Mönches. Aua! Ich ziehe mein Rapier und versuche das Ding zu erstechen, aber ich gleite ab. Obendrein werde ich noch von einem kleinen Blitz getroffen. Autsch!

„Quarion, zerschieß den Stab!“ brülle ich. „Und wir könnten hier Unterstützung gebrauchen!“ Das war an die Kameraden über uns gerichtet. In der Tat streckt der Zwerg seinen Kopf hinein und spornt uns an. Und nein, er ist kein Barde! Quarion tut wenigstens das, was man ihm sagt und schießt auf dem Stab, trifft und beschädigt ihn. Für einen kurzen Moment wird das Gewitter weniger, stabilisiert sich dann aber wieder. „Nochmal!“ Tefai wird mit dem nächsten Hieb niedergestreckt. Finsternis. Brom wuselt heran und kippt ihm einen Heiltrank in den Mund. Die erste intelligente Handlung des Gnomes an diesem Tag. Ich nehme Tefais Platz ein und steche auf das Ding ein. Aber wie verhext geht mein Rapier fehl. Die nächsten Pfeile zerschlagen den Stab und das Gewitter hat ein Ende. „Ich kann ihn nicht aufhalten!“, brülle ich nach oben, die Todesangst sitzt tief in mir. Dieses Ding ist mir weit über. Der Zwerg gröhlt nur zurück. „Aus dem Handgelenk, mit Kraft!“ Zu spät, die Axt kommt auf mich zu und dann ist nur noch Schwärze um mich. Mein letzter Gedanke gilt Mili, meiner armen kleinen Tochter. Was soll nur aus ihr werden?

Aber dann spüre ich den süßlichen Geschmack eines Heiltrankes im Mund. Tefai steht schwankend neben mir, Brom hat mir gerade den Trank eingeflösst und der Gehäutete sieht inzwischen aus wie ein Nadelkissen. Ich stehe auf und versuche nach dem Ding zu stechen und der Schwung gibt mir die notwendige Kraft. Tief dringt meine Klinge hinein. Ich drehe sie und reiße sie grob zurück. Haarscharf geht das Beil an mir vorbei. Tymora beschützt wahrlich ihre Gläubigen. (Von wegen Heldenglück ist ein verschwendetes Talent.) Quarion schießt kurz hintereinander zwei Pfeile ab, beim letzten Treffer zuckt der Gehäutete endlich ein letztes Mal zusammen, wird steif, dreht sich um seine eigene Achse, fällt und verschwindet im Wasser. Nur noch das am Boden liegende Beil kündet von seiner Existenz und das stecke ich gleich mal ein. „Gut gemacht, Quarion. Eins muss man euch Elfen lassen, mit dem Bogen könnt ihr umgehen.“

Erst jetzt kommen unsere Helden herunter. Garethion hat ein Buch dabei, wo das Sicherheitssystem beschrieben wird. Hat er aus einem der anderen Lagerräume geklaut. Aber wirklich helfen tut es uns auch nicht. Thurak versucht den Schrank an der Kette hoch zu zerren, aber dazu muss man wohl so stark wie ein Riese sein. Selbst als seine Muskeln anschwellen und er ganz rot im Gesicht wird, rührt sich der Schrank nicht mal um Haaresbreite. So wird das nichts. Wenn der Schrank nicht zu uns hoch kommt, dann müssen wir wohl runter. Quarion hält sich für einen geeigneten Fallenfinder und klettert voraus. Ein Bolzen trifft ihn schon nach wenigen Metern und die Oberfläche des Schrankes ist auch nicht ohne, da er sich dort an negativer Energie oder so was in der Art verbrennt. Aber ich nutze die von ihm erkaufte Zeit, bis die Fallen sich wieder aufgeladen haben, herunter zu kommen. Das Schloss ist von guter Machart. Ich brauche fast eine dreiviertel Minute, um es zu knacken, dann schwingt die Tür auf. Dahinter ist ein überraschend kleines Fach zu sehen. Schnell wandern ein kleines Buch, ein Beutel mit Perlen im Wert von 1000 Goldmünzen, ein Beutel mit 200 Goldmünzen und zwei Fläschchen, mit Totenschädelsymbolen darauf, in meine Taschen.

Schnell klettere ich wieder hoch, zerstöre die Bolzenfalle, indem ich die Sehne durchschneide und schon bin ich wieder oben. Nun gut, wir haben, was wir wollten, nichts wie raus hier! „Mich würde jetzt doch interessieren, für was der Hebel gut ist.“ Bevor jemand ihn daran hindern kann, hat Quarion, den ich bis jetzt als recht vernünftig eingeschätzt habe, den Hebel umgelegt. Es gibt das typische Geräusch, wenn dutzende Pfeile auf einmal auf einen herabregnen. Ich benutze meinen Mantel als provisorisches Schild und ein Pfeil wird tatsächlich soweit abgebremst, dass er mir nichts mehr anhaben kann. Tymora sei Dank. Nur der Verursacher wird ordentlich getroffen. So ein Idiot! Nie mehr! Ich werde mit diesen Leuten nie mehr eine solche Mission übernehmen. Erst in solchen Momenten merkt man, was man an Xana, Dolon, Ryan und an Lia hat. Verlässliche Leute!

Ohne irgendwelche Schwierigkeiten kommen wir hier raus. Niemand stellt Fragen, als wir das Boot zurückgeben und ich bin froh darüber. Thropp treffen wir im Brunnenhaus noch an. Ich überreiche ihm das Buch und er unsere Belohnung. An die guten Frau Harloff verticke ich sofort die Beute, bis auf das Gift, und so haben wir am Ende 100 Goldmünzen Bonus für alle. Nur mit Quarion teile ich die Perlen. Schließlich muss eine alleinerziehende Mutter schauen, wo sie bleibt.

Gespielt auf dem V.Con 7.2 in VS am 10.11.2007
Spielleiter: Stefan
SC:, Kaira
Schrein des Ruhmes: Rostiges Beil des Gehäuteten
Erfahrungspunkte: 775
Überwundene Gegner von Gruppe:
1 Gehäuteter
Beute von Gruppe:
600 Goldmünzen
150 GM Bezahlung für jeden
Beute von Kaira:
Perlen im Wert von 500 Goldmünzen
2 Phiolen Gift aus Hirnflüssigkeit von Aaskriechern
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 11. Januar 2008, 12:33:58
Kapitel 6
Ein arbeitsreicher Tag!


18. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

„Mama aufstehen!“ kreischt etwas in mein Ohr und zieht mich an meinen Haaren.
„Aua! Mili lass das!“ Ich brauche einige Sekunden bis ich wach bin. Da habe ich gerade so gut geschlafen. Nach dem Lärm unten zu urteilen, habe ich verschlafen. Also schnell raus aus dem Bett und ab in meine Arbeitskleidung. Dann noch meine Kleine so richtig hübsch anziehen und los geht’s. Der Morgen vergeht schnell wie im Flug und ich bin froh, als ich das letzte Bett gemacht habe. Zeit um etwas einkaufen zu gehen. Also ziehe ich mir Wetterfete Kleidung an und packe meine quietschende Kleine gut ein, die sich sehr darüber freut, dass ich mit ihr raus gehe.

Als erstes gehe ich in den Laden von Khondar Talynstein, da Meister Talynstein immer noch nicht da ist. Der Tarask ist eigentlich kein guter Monat zum verreisen, da immer noch Stürme auf dem Meer des Sternenregens toben und die Straßen verschlammt sind. Wie auch immer, ich bekomme meine Perlen und die Steine von Harvard Repp gut los. Da kriege ich sogar noch 20 Goldmünzen mehr raus, als wie wir dem Fährmann gegeben haben. Die streiche ich gleich mal als Gebühr für die Verwaltung der Kasse ein. Das ist nur Fair, da ich ja die ganze Laufarbeit habe. Schließlich ist meine Zeit kostbar und so ein kleines Kind hat schließlich auch Bedürfnisse.

Dann schlendere ich zu Xanas Töpferstand und gebe der hübschen Halbelfe ihren Anteil zurück. Ich hätte gern noch etwas mit ihr getratscht, aber ihre Mutter schaut mich ziemlich Finster an. Also gehe ich zum Thargrams Weg, wo sich die Tempel und Schreine Chondathans wie an einer Perlenkette aufreihen. Der kleinste Schrein ist der von Maske, der nur aus einer Opferschale auf einer steinernen Säule besteht, bis zum größten Tempel, der beeindruckenden Kathedrale der Triade. Im Schrein der Tymora hinterlege ich bei der Chefin des Glücksboten Ryan seine hundert Goldmünzen, da er selbst nicht anwesend ist. Heiltränke gibt es hier leider keine zu kaufen. So spreche ich am kleinen Altar noch ein kleines Gebet und lasse auch Mili ein Kindergebet aufsagen.

Dann gehe ich in die Kathedrale der Triade. Da Mili noch nie so ein großes Gebäude gesehen hat, ist sie richtig aus dem Häuschen und testet gleich mal die Akustik dieses imposanten Baues. „Pssst! Kleine Mili, nicht so laut. Du störst die Gläubigen bei ihren Gebeten.“ „Och!“ meint sie schon viel leiser und schmollt für fünf Herzschläge, dann sieht sie sich wieder aufmerksam, aber leise um. Braves Mädchen. Ich gehe langsam mit Mili an der Hand in Richtung des Verkaufsstandes und lasse Mili die Zeit, alles neugierig zu betrachten. Ein junger Priester des Illmaters steht am Stand und ich fange mit ihm ein Gespräch an. Nach den letzten Ereignissen brauche ich etwas, was mich schnell heilt, wenn kein Priester in der Nähe ist. Ich kann mich nicht immer darauf verlassen, dass Glücksbote Ryan und Schlachtenrufer Dolon mit dabei sind, mich rechtzeitig zu heilen. Tränke sind sicherlich eine Lösung. Ich kaufe gleich mal drei Stück davon. Zwei davon kommen zurück in das allgemeine Depot, dass ich habe plündern müssen, um am Leben zu bleiben. Soll nicht heißen, Kaira würde allen anderen die Tränke wegtrinken. Aber Tränke sind nicht wirklich eine Lösung. Der nette Priester des Illmater erzählt mir von Gürteln der Heilung, die aber recht selten sind und ein kleines Vermögen kosten. Und leider hat er keine Vorrätig, aber wüsste von einem gnomischen Händler für exotische Güter aus aller Welt, der so einen Gürtel im Angebot führt. Da bedanke ich mich aber mal recht herzlich für die Information.

Es dauert eine Zeitlang bis ich Zucks Zweischuhs Allerlei gefunden habe. Der Laden ist sehr eng und wohl nur für einen Gnomen bequem zu durchqueren. Der kleine Gnom, Mili ist ganz verzückt, dass er nur wenig größer als sie ist, hat in der Tat einen Gürtel der Heilung hier. Er wuselt los, kramt eine Kiste hervor und wühlt leise vor sich hinmurmelnd darin herum. Schließlich hat er einen fein gearbeiteten Gürtel in der Hand. Dafür will er schlappe Neunhundert Goldmünzen haben. Soviel habe ich aber nicht. Ich biete sechshundert. Wild mit den Armen herumfuchtelnd und immer wieder Mili von irgendwelchen faszinierenden Sachen wegziehend, handele ich den Gnom schließlich auf siebenhundertfünfzig Goldmünzen herunter. Immer noch mehr, als ich selbst habe. Aber ich habe ja die Gemeinschaftskasse dabei. Da ich nichts veruntreuen will, greife ich zu einem Kniff, ich fülle unsere Weihwasservorräte einfach mit den von mir schon vor ein paar Tagen gekauften Phiolen wieder auf und nehme dafür einfach das Geld aus der Kasse. So veruntreue ich nichts und bekomme doch mein Geld zusammen. Wie überaus raffiniert von mir.

So kratze ich gerade die notwendigen Goldmünzen zusammen und überreiche den nicht gerade kleinen Beutel. Der Gnom überreicht mir den Gürtel. Der Gürtel hat drei Ladungen am Tag. Mit „Alles wird gut!“ aktiviere ich eine Ladung, soll es etwas stärker sein, heißt es „Alles wird Doppelt gut!“ und für alle drei Ladungen auf einem Streich, „Nie war es Besser!“. Auch verstärkt der Gürtel mein Verständnis für das Verbinden von Wunden und ich kann damit auch andere Leute heilen oder gar Untote damit verletzten. Und das alles für nur 750 Goldmünzen. Ich bin begeistert!

Jetzt habe ich aber wirklich Hunger und in einer Garküche schlage ich mein Bäuchlein voll und Sorge dafür, dass auch Mili satt wird. So, da wir ja schon im Thargrams Weg sind, besuche ich noch den Tempel der Dame Feuerhaar. Sunetempel haben immer einen schönen Parkähnlichen Garten, mit verschlungenen Wegen, vielen Lauben und Pavillons, die zum Verweilen einladen. In der Nacht und besonders im Sommer werden diese Orte von Liebenden benutzt, aber Tagsüber gehen viele Mütter mit ihren kleinen Kindern hier her, da sie hier toben und spielen können, ohne das sie Gefahr laufen, von einem Fuhrwerk überfahren zu werden. Ich setze mich zu anderen Müttern auf eine Bank und sehe Mili zu, wie sie mit anderen Mädchen spielt. Natürlich gibt es auch viel zu tratschen. Schließlich wird es Zeit, wieder nach Hause zu gehen. Mein kleiner Schatz hat ganz rote Wangen und ist etwas Müde. Danach binde ich sie wieder auf den Rücken und schon bald ist sie eingeschlafen. Als nächstes besuche ich Schlachtenrufer Dolon im Tempus Tempel und gebe ihm seine hundert Goldmünzen zurück. Jetzt fehlt eigentlich nur noch Lia, die ich aber im Silberfisch treffen sollte. Was ich auch tatsächlich auch tue und gebe ihren Anteil zurück. So, dass wäre erledigt.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 14. Januar 2008, 15:13:21
19. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Meine Kleine weckt mich, als sie quietschend durch das Zimmer hin und her rennt und wie eine Katze ihren Ball verfolgt. Zeit zum Aufstehen. Ich ziehe mich an, dann packe ich meine Kleine warm ein. Sie will noch weiter hier oben mit ihrem Ball spielen und da sie mir so nicht zwischen die Beine laufen kann, lasse ich sie hier. Unten sind schon die ersten Gäste auf den Beinen und ich beeile mich, sie zu bedienen. Ein junger Mann mit einem viereckigen Hut betritt die Herberge und verlangt nach mir. Tymora hilf, der sieht aus wie ein Steuereintreiber.

Er reicht mir ein gerolltes Dokument, das er fest an der anderen Seite umklammert hält. Erst im letzten Moment wird mir klar, dass er einen Dolch darin versteckt hat. Das kann kein Steuereintreiber sein. Die Göttin lächelt mir wahrlich! Allerdings trifft mich der Dolch an der Schulter, bevor ich reagieren kann. Finsternis. Ich weiche zurück und ergreife einen Hocker, um damit die nächsten Hiebe abzublocken. „Hilfe!“, schreie ich, aber keiner der Gäste unterstützt mich. Ich brauche eine Waffe und zwar schnell. Oben habe ich ein ganzes Arsenal, hier noch nicht mal ein Arbeitsmesser. Und ein Essmesser dient auch nicht gerade als Angriffswaffe. Aber unter dem Tresen liegt ein Dolch, wie ich weiß. Also flanke ich schnell über die Theke und werde dabei beinahe noch getroffen, aber der Dolch gleitet mir zum Glück nur durch den Stoff der Bluse. Ah, mein Mieder!

Ich greife nach dem großen, bösen Messer unter der Theke, nachdem ich den Schemel hab fallen lassen. Von oben kommt Lia mit einem Schwert in der Hand herabgestürmt. Noch nie war ich so froh diese Frau zu sehen wie heute. Glück gehabt. Inzwischen lässt der Attentäter seinen Dolch in verwirrender Geschwindigkeit hin und her flitzen. Da wird mir ganz schwindlig und er trifft mich schmerzhaft in den Oberarm. Lia eilt mir nun zu Hilfe und dem Kerl wird es so langsam unheimlich zumute, sich nach beiden Seiten verteidigen zu müssen. Er löst von uns, flankt über die Theke und rennt weg. Ich werfe ihm mein Messer hinterher und treffe ihn endlich mal wenigstens am Arm. Er rupft das Messer heraus und verschwindet auf die Straße. Von einer Verfolgung sehe ich ab.

Auf der Treppe steht meine Tochter und schaut mit großen Augen auf mich herab. „Mama Aua gemacht?“ „Ja, Mama hat sich wehgetan. Lia, hohl doch bitte Glücksbote Ryan. Ich könnte seine Hilfe vertragen.“ Die Waldläuferin macht sich auf dem Weg, nachdem sie sich fertig angezogen hat und ich warte auf medizinische Versorgung. Ich presse ein Tuch auf meine Wunde und warte. Zwei Schildwächter kommen noch und befragen mich zu den Ereignissen. Ich gebe ihnen eine Beschreibung von dem Mistkerl und sie ziehen von dannen. Ich glaube nicht, dass sie jemals erfolgreich sein werden, den Kerl zu fassen. Dann kommt auch schon Glückbote Ryan. Fürsorglich kümmert er sich um meine Verletzungen, indem er seine heilenden Kräfte über meinem Herzen in meinen Körper kanalisiert. Dann stelle ich ihm Mili vor, was bei ihm große Augen der Überraschung verursacht.

Da ich vermute, dass die Hehlerin Larna hinter der ganzen Sache steckt, bin ich dafür, dass wir die anderen einsammeln und uns bei Renya treffen. Also drücke ich Frau Erlann meine Tochter in die Hand und bitte sie, ein weiteres Mal auf sie aufzupassen. Sie macht sich große Sorgen um mich und fragt, wo ich da nur hineingeraten bin. Tja, das würde ich auch zu gerne wissen. Eigentlich war das ja mal anfangs nur eine harmlose Schatzsuche. Inzwischen bin ich mitten in einem Krieg zwischen verschiedenen Fraktionen der ehemaligen Diebesgilde. Natürlich sage ich ihr das nicht, aber so langsam scheint mir das alles eine Nummer zu groß zu werden. Finsternis!

Als erstes holen wir Xanaphia von ihrem Stand ab. Ihre Mutter macht wie üblich keinen glücklichen Eindruck, als sie uns sieht. Xana ebenso wenig. Wir setzen sie auf den neusten Stand und gehen dann zusammen zur Nordstraße, um Dolon zu treffen. Unterwegs treffen wir Thropp, der uns hektisch zuwinkt. Auch er hat schon von dem Attentäter gehört und es ist schlimmer, als es aussieht. Wir sollen so schnell wie möglich zu Renya gehen. Gut, werden wir machen. Wir schnappen uns noch Dolon und machen uns auf den Weg zum Brunnenhaus.

Der Dämon auf dem Brunnen sieht im wahrsten Sinne des Wortes heute richtig beschissen aus, weil er voll von Taubendreck ist. Viele von diesen kleinen städtischen Aasfressern bevölkern die Dächer. Sind mir in dieser Stärke eigentlich noch nie so aufgefallen. Vor der Türe stehen zwei breite Schläger, die uns aber reinlassen, als sie uns als „Renyas neue Leute“ erkennen. Renya wartet oben in Begleitung eines gefangenen jungen Mannes namens Elgar, eines Handlangers Larnas. Und was ich dann erfahre, lässt mein Herz in die Hose rutschen. Verdammnis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 16. Januar 2008, 14:58:28
19. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

So wie es aussieht, hat Larna mobil gemacht und zwar gegen uns. Sie scheint Renya und uns als lästige Konkurrenten um den Schatz erkannt zu haben und scheint nun alles daran zu setzen, uns aus dem Weg zu räumen. Der von auswärts angeheuerte Assassine ist nur ein Teil ihres Komplotts. Sie sammelt eine Armee um sich herum, hat die Tieflinge auf ihrer Seite, den Tempel des Maske, hat Merl, den Geldverleiher, in der Tasche, aber Tharador könnte da vielleicht noch was deichseln, da Merl wohl immer noch sein Mann ist. Das wird ja immer besser. So langsam sehne ich mich auf den Hof meiner Familie zurück. Dort war es zwar total langweilig, aber hier wird es mir so langsam zu ungemütlich. Wer wagt, gewinnt! Aber manchmal kann zuviel Risikobereitschaft auch tödlich sein. Es gibt eine Grenze zwischen kalkuliertem Risiko und Wahnsinn und ich habe das Gefühl, dass wir schon sehr nahe dran sind, dem Wahnsinn ins Auge zu blicken. Nun gut, was können wir dagegen tun?

Noch ist nicht alles verloren, wir müssen Larna in einigen Punkten schwächen, dann könnte es klappen. Ein Teil ihrer Macht beruht auf den Tieflinge aus Westtor, die mit deren Botschafterin in die Stadt gekommen sind. Tieflinge sind Ausgeburten der Finsternis und nur in der Stadt geduldet, weil man es sich nicht so ohne weiteres mit Westtor verscherzen will. Aber wenn nun Beweise auftauchen würden, die die Botschafterin mit finsteren Verbrechen belasten, die sie sicherlich auch begangen hat, würde sie der Stadt verwiesen werden und damit die Tieflinge jeden Schutz verlieren. Und damit würden die sich auch zurück nach Westtor verziehen. Vor dem grünen Riff liegt die Blutstrotzer, das Schiff der Tieflinge, die mit Ritualgegenständen beladen ist. Gerüchten nach sind diese Tieflinge wahrlich finstere Piraten. Wenn wir das Schiff samt Besatzung auch aus dem Spiel nehmen könnten, wäre noch mehr gewonnen. Havard Repp könnte uns da helfen. Dann sollten wir den Assassinen loswerden. Und den Masketempel überzeugen, Larna nicht weiter zu unterstützen. Renya meint, ob ich dahin gute Kontakte habe.

„Ich? Warum denn? Meine Schutzgöttin ist Tymora!“ Ich zeige demonstrativ meinen Anhänger, küsse ihn, führe ihn an Stirn und Herz.

„Dein Einbruch ins Lagerhaus der Gemeinschaft der Fünf hat sich schon weit herumgesprochen. Ich dachte, sie hätten dich angesprochen, als du deinen Zehnt an der Schale abgegeben hast.“ Ich rutsche etwas nervös hin und her. Die Blicke der anderen brennen sich in mich. „Zehnt?“, frage ich gedehnt.

„Ja, den traditionellen zehnten Teil, den man eigentlich sofort an den Tempel abführen sollte.“ Davon höre ich heute zum ersten Mal. Da ich aber nicht wie eine komplette Idiotin vom Land vor Renya dastehen will, druckse ich etwas herum. Glücksbote Ryan merkt an, dass wohl nicht nur der Tempel von Maske auf seinen Anteil wartet. Ich werfe ihm einen vernichteten Blick zu. „Was ich so privat nebenher mache, geht selbst dich wohl nichts an!“ Damit ist das Thema erstmal vom Tisch.

Und wir müssen in die Kanalisation unter Larnas Lagerhaus und ihren sicherlich dorthin führenden Fluchtweg dicht machen. Wahrscheinlich werden wir noch beschattet, dieses Problem ist wohl als erstes zu erledigen. Und dann sollten wir die nächsten Angehörigen in Sicherheit bringen. Und für all das haben wir drei Tage Zeit. Verdammnis! Nun gut, worauf warten wir noch?

Wir gehen vom Brunnenhaus erstmal nach Norden und sehen uns dabei um, ob wir verfolgt werden. Schon bald stellt sich heraus, dass wir von einem Schwarm Tauben beschattet werden. Wir diskutieren darüber, ob so was möglich ist. In Vaters Geschichten gab es immer wieder Druiden, die Tiere kontrollieren konnten, haben Dolon und ich ja schon selbst gesehen. Von Taubenschwärmen hat Vater nie etwas erzählt, aber ich halte es nicht für unmöglich. Also fassen wir den Plan, dass wir die Tauben vor der Stadt töten, da die Schildwache etwas dagegen haben könnte, wenn wir sie hier auf offener Straße abschießen. Unterwegs sammle ich noch ein paar passende Steine auf. Draußen vor der Stadt im halbwegs freien Feld stellen wir uns auf eine Wiese und warten, bis die Tauben sich auf Ästen niedergelassen haben. Blitzschnell greifen wir zu unseren Waffen und schon fallen einige tot zu Boden, getroffen von Schleuderkugeln und einem Pfeil. Der Rest des Schwarms steigt auf und flattert herum. Nach einem halben Dutzend verschleuderten Steinen sehe ich ein, dass die kleinen Viecher zu schnell fliegen, um sie mit einer Schleuder aus dem Flug herunter zu holen. So wird das nichts.

Während Glücksbote Ryan die getöteten Tauben rupft und ausnimmt, sprechen wir verschiedene Möglichkeiten durch, die Tauben los zu werden. Aber letztendlich sind die Tauben nur ein Werkzeug, wir müssen denjenigen aufspüren, der sie steuert. Lia ruft einen Raben herbei, den sie zuerst auf die Tauben hetzt. Der Rabe zerfetzt eine Taube, die restlichen beginnen daraufhin einen koordinierten Angriff und schlagen den Raben in die Flucht. Nun, das war wohl nichts. Kämpfen ist nicht die Option des Tages. Aber der Rabe kann einige Tauben schließlich zu ihrer Herrin zurückverfolgen und das kluge Tier führt uns an diesem Haus vorbei, das nur wenige Straßen vom Brunnenhaus entfernt liegt. Wir müssen nur unbemerkt dort hinkommen.

Im Brunnenhaus fragen wir Renya, ob es hier einen Zugang zur Kanalisation gibt. Tut es in der Tat, aber dort ist es sehr gefährlich und in regelmäßigen Abständen sind dort Gitter angebracht, die mit zwergischen Meisterschlössern versehen sind. Mist! Nun gut, dann müssen wir zu einem Ort, wo wir uns Verkleidung organisieren können und wo die Tauben nicht hinkommen. Also auf zur Markthalle im Westen der Stadt. Dort ist einiges los, aber da hier nur Großhandel betrieben wird, können wir nicht so einfach tarnende Umhänge oder andere Kleidung kaufen. Jedenfalls nicht in der Größenordnung von fünf Stück, sondern eher in der von mehreren hundert Stück. Aber es gibt eine Garderobe, die von einem jungen Schildwächter bewacht wird. Mit Xana zusammen tüftle ich einen Plan aus, sie schlägt als Ablenkung vor, dass sie sich vom Wächter ihr Mieder neu binden lässt, das ich ihr einfach hinten mal aufmache, während ich dann die Garderobe um fünf Umhänge erleichtere.

Xana schlendert zu dem Wächter hin und bittet ihn, ihr das Mieder neu zu binden. Der arme Kerl kriegt eine rote Birne und stammelt etwas, tut aber der wirklich gutaussehenden Xanaphia den Gefallen. Derweil suche ich fünf passende Umhänge in aller Seelenruhe aus und laufe dann einfach weiter. Ging ja jetzt Dank Xanas guter Ablenkung recht einfach von statten. So ziehen wir uns um und verlassen in Abständen von sechzig Herzschlägen die Halle und bewegen uns zu dem Haus, wo die vermeintliche Druidin ihre Tauben steuert. Nach und nach treffen wir ein und ich öffne gekonnt das Schloss der Haustür. Schwupps und drin. Leise schleichen wir die steile Treppe nach oben. bis wir die Türe zur Dachterrasse erreichen. Wir beratschlagen kurz unser Vorgehen. Dolon wird sie niederringen und ich schlag sie mit meinem Totschläger KO. Der Rest hält uns die Tauben vom Hals. Einer der Priester spricht seinen Segen und es kann losgehen. Vorsichtig öffne ich das Schloss und danach die Türe. Ich höre das Gurren der Tauben und einen geflüsterten Fluch. Einen Herzschlag später stehe ich im Nebel. Das wird schwerer werden als gedacht. Attacke!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 18. Januar 2008, 11:29:49
19. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich bewege mich durch den Nebel und kann eine Frau mit verwurstelten brauen Haaren ausmachen, die ein einfaches schmutziges Bauernkleid trägt und ein schartiges Messer in der Hand hat. Ich eile zu ihr hin und ziehe ihr meinen Totschläger über die Rübe. Leider dreht sie den Kopf so zur Seite, dass ich nur ganz harmlos die Schulter treffe. Sie geht einen Schritt zurück und im nächsten Moment stehe ich einem Taubenschwarm. Die Viecher sind vielleicht mal aggressiv! Sie picken mir nach den Augen! Aua! Das tut weh! „Alles wird gut!“ Mein neuer magischer Gürtel aktiviert sich und ich kann wieder sehen. Die anderen sind inzwischen nachgerückt und nun bekommen die beiden Priester die volle Wut der Tauben zu spüren. Auch sie greifen sich ins Gesicht und versuchen vergeblich, ihre Augen zu schützen.

„Arkane Macht! Töte!“ Die braunhaarige Halbelfe aktiviert ihre Handschuhe und zwei grüne Kugeln mit magischer Energie sausen auf den Schwarm zu und zerfetzten zwei der Tauben. Gut, jetzt sind nur noch achtundneunzig übrig. Mit meinem Totschläger fetzte ich ein paar weitere zu Boden, aber so wird das nie was, also auf zur Druidin, die keine Anstalten macht, sich ergeben zu wollen. Nun, dann gibt es halt Hiebe. Aber leichter gesagt, als getan. Sie setzt sich mit ihrem Messer zur Wehr, aber ich kann ihren Stich mit meiner Tartsche ablenken. Schließlich kriegen wir sie nach einem zähen und wenig ruhmreichen Ringen überwältigt. Der verfluchte zähe Taubenschwarm löst sich darauf auf und die Tauben flattern von dannen. Wir verpacken sie in unsere Umhänge und machen einen Stoffballen aus ihr. So schleifen wir sie zum Brunnenhaus. Renya verspricht, sich um die Frau zu kümmern. Nun gut, wir haben uns um unsere Familien zu kümmern, jetzt, wo wir nicht mehr beobachtet werden.

Also gehen wir zuerst beim Silberfisch vorbei und ich packe zusammen. Frau Erlann macht sich große Sorgen, als ich so die Herberge verlasse, welche die letzten zwei Jahre meine Heimat gewesen war. Ich hoffe, dass ich hier noch mal zurückkehren kann. Mili dagegen freut sich, wieder nach draußen zu kommen und von mir herum getragen zu werden. Sie ist noch zu klein um zu verstehen, dass wir keinen Ausflug machen. Xana und ich überlegen uns, wie wir ihre Mutter in den Tempel des Tempus schaffen können, ohne dass sie die ganze Tragweite erfährt. Der Tempel des Tempus dürfte zurzeit der sicherste Ort sein. Glücksbote Ryan bietet auch seinen Schrein als Zuflucht an. Aber so sehr ich die Göttin Tymora auch schätze, ihr Schrein scheint mir nicht sicher genug zu sein. Der Tempustempel mit seinen wehrhaften Bewohnern dagegen schon.

Beide Priester meinen, dass es besser wäre, die Wahrheit zu sagen. Und da uns beiden Mädels keine wirklich halbwegs glaubwürdige Geschichte einfällt, werden wir es wohl bei der Wahrheit belassen müssen. Mili hört interessiert zu und fragt mich, wann es in Ordnung ist zu lügen. Tja, das ist nicht leicht zu beantworten, weil Lügen sollte man ja nicht. Während Xana nun versucht ihrer Mutter die momentane Situation so schonend wie möglich darzulegen, versuche ich meiner Kleine zu erklären, was gut und böse ist, wann Wahrheit auch böse sein kann und Lüge gut. Sie kriegt nur große Augen und versteht nicht, worauf ich hinaus will. Sie ist einfach noch zu jung, um das hier wirklich begreifen zu können.

Schließlich bekommt Xanaphia ihre Mutter Arana überzeugt, in den Tempel zu gehen. Wir helfen den Stand abzubauen und begleiten sie dann zum Tempel. Schlachtenrufer Dolon ist so nett, uns seine Kammer zur Verfügung zu stellen, welche er mit zwei seiner Brüder in der Schlacht teilt. Die Kammer ist etwas muffig und mit sechs Betten und sechs Truhen nicht gerade wohnlich eingerichtet. Wo doch schon ein paar Vorhänge so viel Farbe in ein Zimmer bringen können. Ich okkupiere eines der Betten und räume meine Sachen in die geräumige Truhe ein. Mili ist nun richtig aufgedreht und saust hin und her. Späht unter die Betten, krabbelt darauf herum und klettert schließlich in eine der leeren Truhen. Sie spielt darin Höhle. Nun ja, kann wenigstens niemand über sie fallen. Jedenfalls, bis der Deckel zufällt und sie ihn von innen nicht mehr aufbekommt. Sie schreit wie am Spieß und ich hole sie da gleich wieder raus. „Mama ist ja da, brauchst keine Angst zu haben.“

Schweren Herzens lasse ich sie schließlich alleine. Arana wird auf Mili aufpassen. Hoffentlich verstehen die beiden sich auch gut. Mama muss leider wieder arbeiten gehen. Ich opfere fünf Goldmünzen aus der Gemeinschaftskasse an den Tempustempel, um deren Auslagen wegen der Beherbergung unserer Familienangehörigen zu ersetzen. Glücksbote Ryan merkt an, dass er das nicht so in Ordnung findet. Aber genau dafür ist die Gemeinschaftskasse da, um Ausgaben der Gruppe zu tätigen. Und Familienangehörige der Gruppe zu versorgen, die durch unser aller Verhalten in Gefahr gekommen sind, ist in meinen Augen ein klarer Fall für diese Kasse. Dass der Rest keine lebenden Angehörigen hier zu haben scheint, ist nicht mein oder Xanas Problem.

Als Nächstes besuchen wir Havard Repp im Kollegium. Wir schauen uns oft auf dem Weg außerhalb um, können aber nichts Außergewöhnliches entdecken. So wie es aussieht, werden wir wirklich nicht mehr verfolgt. Der halborkische Türwächter ist unfreundlich wie immer, aber wir werden schließlich eingelassen. Der Magier eröffnet uns in seinem Arbeitszimmer, dass er die notwendigen Informationen nicht so richtig für uns zur Verfügung hat. Er hat zwar Farlo, aber der ist nicht nur tot, was ja bekanntlich nicht so das Problem ist, sondern er hat die Leiche einer Kollegin für Experimente überlassen. Dummerweise ist die Kollegin gerade nicht im Haus und er kann sie auch nicht kontaktieren. Nun gut, ich kann Schlösser knacken und so. Leider ist ihr Labor nicht mit einem Schloss gesichert, sondern mit einem dunklen Gang, der nur in Begleitung eines automatisierten Wächters durchquert werden kann. Aha?
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 21. Januar 2008, 14:06:59
19. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

„Es ist aber nicht schwer, den Wächter auszutricksen“, behauptet Havard Repp. Ein paar Studenten haben schon ihren Schabernack damit getrieben und er hat ihre Aufzeichnungen. Es gibt vier Punkte zu beachten und scheint gar nicht so schwer zu sein. Oder doch? Nun, probieren wir es aus. Aber dummerweise ist das nicht alles. Im Labor befindet sich ein Basilisk, an welchem wir auch noch vorbeimüssen. Aber alles halb so schlimm, da wir eine Salbe bekommen, welche uns im schlimmsten Fall wieder entsteinert. Havard geht den missmutigen Türsteher ablenken, sodass wir uns durch den Hauptgang zum Keller bewegen können. Das wird ja was werden. Obwohl es im ersten Moment recht simpel aussah, wird es eine zähe Sache. Wir probieren verschiedene Wege aus, scheitern aber mehrmals, bis wir schließlich auf die richtige Lösung kommen. Das war ja jetzt nicht gerade ruhmreich.

Endlich sind wir alle im Labor, welches ein langgestreckter Raum ist, welcher von oben betrachtet einem Schlüsselloch ähnelt. Das runde Ende ist mit einem weiteren Raum ausgefüllt, der von zwei gelangweilt aussehenden Mephits befeuert wird. Fünf Labortische stehen hier im langestreckten Teil, die unter der Last von Folianten und Aufzeichnungen schier zusammen brechen. Leider sind die Werke in einer magischen Geheimschrift abgefasst, jedenfalls ein Großteil davon. An einer Wand hängt ein Bild von einem Basilisken im Maßstab eins zu eins. Ich hab mir diese Monster irgendwie größer vorgestellt.

Auf einem der Tische steht eine schwarze Kugel auf einem Gestell, in der sich zwei gelbe Punkte wie ein Augenpaar bewegt und die Kugel spricht! Angeblich ist da ein armes Wesen eingesperrt, das von einer gemeinen Magierin hereingelegt wurde. Aha? Es fängt auf die gleiche Art an wie Spaßmacher damals, beteuert seine Harmlosigkeit und lockt uns mit einem Schatz. Auf Nachfragen kristallisiert es sich heraus, dass es sich bei dem eingesperrten Wesen wohl um einen Schatten handelt. Also etwas, was nicht gut sein kann. Xana tut alles um uns in Erinnerung zu rufen, wie es mit Spaßmacher gelaufen ist und wie sie gewarnt hat, dass man dem Wesen nicht trauen kann. Sie hatte recht, auch wenn sie jetzt etwas nervt, dass bei jeder Gelegenheit zu wiederholen. Diese Lektion habe ich gelernt. Die Kugel wird daraufhin ziemlich pampig und droht uns gar unappetitliche Dinge an. Ich schnappe mir eine Kiste und stülpe diese drüber, woraufhin mich das Ding in der Kugel bis ins tausendste Glied verflucht.

Die beiden Mephits schauen uns desinteressiert zu und werfen von Zeit zu Zeit ein Holzscheit in den Ofen. Wir schauen uns vorsichtig erstmal weiter um. Um den inneren Raum kann man herum gehen, es gibt eine Türe und ein magisches Fenster. Da drin sehen wir durch das magische Fenster Farlo, jedenfalls seinen Torso. Sein Kopf ist nicht zu sehen, auch kein richtiger Basilisk, sondern ein seltsames Wesen, das wie ein Oger mit Basiliskenkopf aussieht. Das wird ja was werden. Xana hat die Idee, dem Ding eine Decke über den Kopf zu werfen, so dass wir nicht so einfach versteinert werden. Ich leihe ihr dazu schweren Herzens meinen Metallspiegel. „Aber nicht zerbrechen!“ Das wären nämlich sieben Jahre Pech für mich. Aber vorher reden wir noch mit den Mephits. Sie wurden wohl von der Magierin Orijadne beschworen, um sich um den Ofen zu kümmern. Lia meint, dass Reptilien träge werden, wenn es kühl wird, dazu bräuchten wir nur den Ofen auszuschalten. Aber dagegen haben die Mephits etwas, weil sie so nen dämlichen Auftrag haben, zu dem sie aber nicht besonders motiviert sind. Hier müsste irgendwo auch eine Aufhebungsformel versteckt sein. Also fangen wir an zu suchen.

Xana kann mit einem Zauber die Schrift halbwegs entschlüsseln und findet auch die Formel, die aber noch mal verschlüsselt ist. Ich bin gut darin, sowas auszuknobeln und Xana überträgt die Passage auf ein Blatt Pergament. Ich setze mich hin und brauche eine gewisse Zeit, um den Code zu knacken. Schließlich kann Xanaphia die Aufhebungsformel sprechen und die Mephits haben nix mehr dagegen, dass wir etwas am Ofen herumspielen. Aber sie meinen, ihn richtig müde machen würde nur klappen, wenn wir es ihm richtig heiß machen. Außerdem hätte das Ding erst geschlafen. Aber je träger desto besser für uns. Also geben wir dem Ofen viele Scheite zu fressen und es wird richtig heiß.

Schließlich ist es Zeit für die Wahrheit. Ich spreche ein Stoßgebet an Tymora, küsse mein silbernes Symbol, führe es an meine Stirn und an mein Herz. Leider gibt es diesmal keine göttliche Unterstützung von Seiten unser Kleriker und ich öffne die Türe. Die hübsche Halbelfe lässt nun die Decke mit einem Zauber mit dem Namen Magierhand in den Raum schweben und wirft die Decke über den Schädel von dem Ding. So was möchte ich auch können! Ich schnappe mir meinen Spiegel und eile in den Raum. Leider prallt mein Rapier an der zähen Haut von dem Ding ab. Finsternis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 23. Januar 2008, 16:09:31
19. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Die anderen rücken nach und beharken nach besten Kräften dieses Monster. Das grunzt nur unwillig und stemmt sich hoch. Ich eile auf die andere Seite, sodass ich es nun flankiert habe. Aber über einen Spiegel zu kämpfen ist schwierig und ich fuchtle nur unspektakulär durch die Luft. Dolon beschwört eine Waffe, die für ihn kämpft, während er kurz darauf versteinert. Ups! Xana eilt herbei und schmiert ihn mit einer Salbe ein, die wir von dem vollschlanken Magier Havard Repp bekommen haben. Derweil zerbeißt das Ding den Schild von Glücksbote Ryan, bevor ich von dem Blick getroffen werde. Im nächsten Moment fühle ich mich so schwer! Eine Ewigkeit später spüre ich, wie Xana mich mit der Salbe einschmiert. In Wahrheit sind nur wenige Herzschläge vergangen und das Monster liegt tot auf dem Boden.

Das war ja jetzt was. Zum Glück finden wir Farlos Kopf im Schlaflager des Monsters, aber sonst nichts Verwertbares. Schade! Aber nicht zu ändern. Da wir hier schon genug verwüstet haben, lassen wir uns von dem Wächter durch den dunklen Gang wieder nach und nach zurück begleiten. Endlich sind wir wieder alle im Büro von Havard Repp und ich lasse Dolon die Rolle vorlesen, was prima klappt. Vorher haben wir natürlich auch den Kopf entsteinert, sodass der tote Farlo uns nun Rede und Antwort stehen kann. Natürlich hat er als finsterer Gehilfe akribisch seine illegalen Machenschaften aufgezeichnet, um im Bedarfsfall etwas gegen missgelaunte Auftraggeber in der Hand zu haben. Wir sollen nach einer gewissen Seelie im Roten Schleier fragen. Der Rote Schleier ist eines der bekanntesten und berühmtesten Bordelle nicht nur Chondathans, sondern der ganzen Kolonien.

Dolon wickelt Farlos Kopf ein und wir machen uns auf den Weg. Inzwischen ist es Nachmittag und entsprechend wenig ist in dem Bordell los. Es ist ein schönes Haus nördlich des Hafenviertels. Die Empfangshalle ist ein Traum aus Plüsch und Rot. Interessiert sehen Xana und ich uns um. Ich habe noch nie ein Bordell von innen gesehen und schaue alles mit großen Augen an. Eine junge bildhübsche Frau in einem sehr engen Mieder und Unterrock mustert uns finster und zwei Schränke links und rechts unterstreichen ihre Forderung, so schnell wie möglich Land zu gewinnen. Dolon mimt den Diplomaten und meint, dass es dem Ruf des Roten Schleier sehr schaden würde, wenn wir jetzt gehen müssten. Er zeigt den abgetrennten Kopf von Farlo. Die Frau wird etwas unsicher und holt ihren Vorgesetzten, einen Mann in unscheinbarer feiner Kleidung, der ebenso ein Handelsherr hätte sein können. Mit ihm kann man schon eher Tacheles reden und wir werden schließlich nach oben geführt.

Wir landen in einem sehr schönen Zimmer mit einem großen Bett, in dem eine junge Frau, ganz normal angezogen, liegt, die ein Buch liest. Ohne Widerstand jeglicher Art zeigt sie auf eine Kiste, die sich hinter einem Vorhang befindet. Hier stehen noch ein paar andere Kisten, von denen ich auch nicht glaube, dass es ihre sind. Einen Schlüssel dazu hat sie nicht, aber ich habe einen, der zu jedem Schloss passt. Vorsichtig deaktiviere ich einen Krallenfalle und öffne schließlich das Schloss innerhalb weniger Sekunden. Neben drei Büchern, die eng beschrieben sind mit Listen, finden sich noch vier Fläschchen, auf denen ich Heilung entziffern kann, dazu noch ein paar Bündel Papiere, Frachtpapiere wie es aussieht, ein Beutel mit Münzen und einer mit Edelsteinen. Scheint, dass wir gefunden haben, was wir gesucht haben. Wir verabschieden uns und sehen zu, dass wir von hier verschwinden. Dolon nimmt den Kopf mit.

Den ganzen Weg zu Renya bin ich angespannt und eigentlich ist es ein schlechter Zug, jetzt zu Renya zu gehen, wo Larna doch wahrscheinlich inzwischen mitbekommen haben, dass wir ihre Beobachterin ausgeschaltet haben und sie uns mit einem weiteren Spion von dort wieder vorfolgen kann. Zum Glück werden wir nicht überfallen und kommen ohne Probleme bei Renya an. Dort im oberen Zimmer sichten wir erstmal das ganze Zeug. Ich lasse uns noch was von der Schankmaid zum Essen kommen und dann gehen wir systematisch die Aufzeichnungen durch. Sie sind allerdings in Infernalisch geschrieben, mit dem Renya aber klar kommt. Wir haben 400 Goldmünzen erbeutet, die ich sofort aufteile. Glücksbote Ryan merkt an, dass man eigentlich einer Diebin nicht die Gemeinschaftskasse anvertrauen sollte. Da werde ich etwas pampig. „Natürlich kann man Kaira nicht die Kasse anvertrauen, schließlich ist sie ja eine Schurkin!“ Nach etwas hin und her stellt Dolon klar, dass er vollstes Vertrauen in meine Integrität hat. Am liebsten würde ich Dolon jetzt packen und ihn küssen. Aber da er immer so respektabel tut, traue ich mich nicht und sage stattdessen „Danke!“

Die Botschafterin der Tieflinge aus Westtor könnte wir damit dann wohl jeder Zeit loswerden. Allerdings sollten wir uns vorher noch um die Blutstrotzer kümmern, die am grünen Riff vor Anker liegt. Es gebe da einen Fischer mit dem Namen Karn, der uns seine Jolle vermieten würde. Glücksbote Ryan will aber lieber erstmal Tharador sprechen gehen, da er einen Großteil seiner göttlichen Magie schon aufgebraucht hat und ein Schiff voller Tieflinge wohl besser erst morgen angegangen werden sollte. Nun gut, dann eben zuerst Tharador, der erst kürzlich Weinhändler geworden ist. Ja genau, er hat Gartlands Geschäft übernommen, nach dem dessen Besitzer ja so ein tragisches Ende ereilt hat.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 25. Januar 2008, 15:40:23
19. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Also ab in die Altstadt. So langsam tun mir die Füße weh, vom ewigen hin und her laufen. Lia schwärmt davon, wie schön es ist, im Wald zu laufen. Laufen ist laufen, reiten ist da immer besser. Wir kommen schließlich bei dem neuen Geschäft von Tharador an und ich muss mich überwinden, den Laden zu betreten. Hinter der Theke steht ein Glatzkopf, der sich als Serenikus vorstellt. Als wir ihm verklickern, dass wir mit Tharador reden möchten, stellt der Kerl sich stur. Alle unsere Versuche bleiben wirkungslos, bis ein weiterer Mann mit einer gepflegten Frisur den Laden betritt. Er nennt sich Botur und erzählt uns, dass Tharador verschwunden ist. Er wurde aus dem Ladengeschäft von Schneidermeister Pesko entführt. Der Laden ist die Straße runter. Vielleicht kann der uns ja weiter helfen.

Meister Pesko ist ein ziemlich eingebildeter Schnösel, der seine Nase so hoch trägt, dass es dort reinregnet, wenn es regnen würde. Nach etwas hin und her bekommen wir heraus, dass Tharador von zwei Halblingen entführt wurde. Halblinge? Ich dachte immer, Tharador wäre ein starker Halbork. Ich bekomme eine Beschreibung zu hören, die auf jeden männlichen, erwachsenen Halbling der Stadt passt. Aber sie hätten bestialisch gestunken. Wie nach Gerberabfällen. Nun gut, auf zur Senke.

Ohne Probleme kommen wir dort hin und sehen uns um. Draußen hängt ein Zettel, wo für zehn Goldmünzen ein fähiger Kämpfer gesucht wird. Dolon fühlt sich angesprochen, wohl zu Recht, und nimmt den Zettel mit. Meister Thorben ist da schon um Längen umgänglicher. Er kennt die beiden Halblinge, sie sollten eine Aufgabe für ihn erledigen, die sie aber nicht gebacken bekommen haben. Wenn wir diese Aufgabe nun übernehmen und ausführen würden, dann würde er uns sagen, wer die beiden sind und wo wir sie finden. Abgemacht!

Um das Leder besonders geschmeidig zu bekommen, benutzt Meister Thorben einen aggressiven Pilz als Zutat. Dieser Pilz wächst und muss jedes halbes Jahr getötet werden, sonst werden sie zu groß und gefährlich. Irgendwie sind die Pilze nun etwas schneller gewachsen und die beiden Halblinge sind nicht damit fertig geworden. Wir werden durch die Werkstatt geführt und landen schließlich im Keller. Zur Sicherheit aller wird Türe hinter unser wieder verriegelt. Oh oh! Und da kommen die Pilze auch schon angerollt. Lia und ich schießen einen ab, die anderen beiden Pilze, die wie schleimige Kugeln wirken, rollen ungehindert auf uns zu. Dolon zerhackt den zweiten Pilz und wir werden mit Säurespritzern überschüttet. Iiiks! Glücksbote Ryan kann es nicht lassen und der letzte Pilz platzt. Das tut weh! „Alles wird gut!“ Und die Wirkung meines Gürtels setzt ein und meine Wunden schließen sich. Die Pilze sind nun tot. Im Keller finden wir noch seltsame Eier, die aber zerstört sind. Legen Pilze Eier? Eigentlich nicht, da bin ich mir ziemlich sicher. Meister Thorben ist zufrieden mit unserer Arbeit und findet die Eier allerdings ebenfalls als beunruhigend. In letzter Zeit wären ziemlich viele Tiere in der Nachbarschaft verschwunden, ob die Eier bzw. das Ding damit zu tun hat, welches die Eier gelegt hat? Es gibt hier zwei schmale Tunnel, die in die Tiefe führen. Aber wir sind ja nicht hier, um die zu erforschen.

Meister Thorben rückt nun mit der Information heraus. Die beiden Halblinge heißen Kato und Jutar und wohnen im Nordviertel außerhalb der Stadt in einer kleinen Blockhütte direkt an der Mauer. Wir bekommen eine recht genaue Wegbeschreibung dorthin und machen uns auf dem Weg. Schließlich erreichen wir ohne Zwischenfall die ärmliche Hütte. Für eine Halblingsbehausung ist sie recht groß. Glücksbote Ryan besteht darauf, anzuklopfen. Ich sehe mir noch die Umgebung an, eine Hintertür gibt es nicht, nur ein schmales Fenster, welches den Blick auf ein Wohnzimmer mit Kochherd frei gibt. Allerdings gibt es noch einen weiteren Raum und eine Treppe in die Tiefe. Als ich zurückkehre, meine ich etwas flattern zu hören. Aber ich kann nichts sehen und für eine Taube war es zu laut. Seltsam.

Glücksbote Ryan klopft an und tatsächlich macht ein Halbling die Türe auf, um einen Blick zu erhaschen. Das sichtbare Auge weitet sich erschreckt und der Kleine will die Türe schließen. Der Priester der Tymora will das verhindern, kriegt aber die Türe vor die Nase zugeknallt. Ein Riegel wird vorgelegt. „Lasst mich meinen Schlüssel probieren.“ Dolon nimmt Anlauf und rammt mit voller Wucht dagegen. Die Hütte bebt, die Rüstung knirscht, die Tür bleibt in den Angeln. Xana macht sich inzwischen auf den Weg zum Fenster. Da ich denke, dass zwei Männer es schaffen sollten, die Türe einer Holzhütte zu öffnen, bleibe ich vorne. Schließlich schaffen es die beiden mit der Tür ins Haus zu fallen und überrennen dabei beinahe noch Xana, die ihnen die Türe aufmachen wollte. Das war jetzt mal wieder nicht ruhmreich.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 28. Januar 2008, 13:21:08
19. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich übernehme die Führung und halte nach Fallen Ausschau. Gerüchten zufolge sollen manche Leute in diesem finsteren Gewerbe so etwas haben. Allerdings finde ich keine und wir öffnen die Türe zum Keller. Unten ist auf einen Stuhl gefesselt Tharador zu sehen, jedenfalls denke ich, dass der gut gekleidete Halbork Tharador ist. Ich springe mit gezogenen Rapier über das Geländer, drehe mich im Flug, komme hart auf, federe gekonnt ab und versuche den Schwung für einen Angriff zu nutzen. Leider habe ich dabei nicht berechnet, dass Halblinge so klein wie Kinder sind und mein geschärfter Stahl zischt harmlos durch die Locken des vor mir mit gezücktem Kurzschwert lauernden Halbling. Sein Schwert zuckt vor und ich dränge es mit meiner Tartsche zur Seite. Ein zweiter Halbling stürmt hervor und stellt sich Ryan zum Kampf. Da die anderen auf ihn nachrücken ist er bald sehr in Bedrängnis.

Währendessen messe ich mich mit dem Halbling darin, wer besser die Luft durchschneiden kann. Wäre Luft mein Gegner, hätte die jetzt echt ein Problem. Aber so habe ich ein Problem, da ich den kleinen, gewandten Mistkerl einfach nicht treffe. Heute ist irgendwie nicht mein Tag. Der andere Halbling ist bald in Bedrängnis und blutet aus einigen Wunden.

„Wir sollten uns ergeben!“ schreit dieser panisch.
„Papperlapapp! Die können doch gar nichts“, meint der andere, der gegen mich kämpft. Ich spüre, wie ich rot werde. Aus Wut wie auch aus Verlegenheit. Beshebas Fluch muss mich getroffen haben. Finstere Verdammnis!

In der nächsten Sekunde höre ich das schnelle Schlagen von Flügeln und dann zerreist es den flankierten Halbling regelrecht in der Luft. Iiiks! Sichtbar wird zwischen seinen Überresten ein Wesen, das vollständig aus schwarzen Chitin zu bestehen scheint. Es sieht aus wie ein riesiges Insekt und es scheint sehr schlechte Laune zu haben.

„Es ist euch gefolgt! Wir sind verloren!“ Im stillen Einverständnis wenden wir uns nun gemeinsam der neuen Bedrohung zu. Xana befreit Tharador und drückt ihm ihren Dolch in die Hand. Ich begnüge mich weiterhin damit, die Luft zu attackieren. Allerdings setzt Glücksbote Ryan dem Ding ganz schön zu mit seinem Morgenstern. Dafür revanchiert sich das Ding bei Dolon, der schließlich schwer blutend zurück stolpert und die Macht von Tempus anruft, um seine Wunden zu schließen. Etwas Ähnliches tut auch das Chitinding. denn es greift sich den toten Halbling, reißt ihn auf und zieht die Innereien wie Nudeln durch eine Mundöffnung. Örks!

Die Wunden schließen sich zum Teil, da trifft der überlebende Halbling das Ding noch mal so richtig hart. Ryan läuft um uns herum zu Dolon und gibt ihm einen Zauber, wo er nicht attackiert werden kann. Der Schlachtenrufer schnaubt nur verächtlich, packt seine Axt mit festem Griff und greift an. Von seinem Mut inspiriert, strenge ich mich an und treffe endlich eine Lücke in die mein Rapier tief eindringt, dabei aber nichts wirklich Wichtiges zu treffen scheint.

(Getroffen mit einer 20, nicht bestätigt, aber mit hinterhältigem Schaden, dann die Doppeleins, wo drei Schadenspunkte gereicht hätten. Nein!)

Das Monster wendet sich nun Ryan zu, beide Klauen treffen und sein Schwanz versenkt sich ebenfalls tief. Blutend taumelt der Glücksbote nach hinten. Xana steht nun hinter dem Halbling und wirft eine Schleuderkugel nach dem Ding, sie trifft es hart am Schädel, etwas zerbricht und das Ding fällt zu Boden. „Zerhackt es! Macht es kaputt!“, kreischt der Halbling und Dolon läst sich nicht zweimal bitten. Ich eile zu Ryan und lege ihm die Hand auf. „Alles wird gut!“ Die letzte magische Ladung meines Gürtels entfaltet in ihm seine Wirkung und ein Teil der Wunden schließt sich wieder. Dem Gürtel und mir sei Dank!

Der überlebende Halbling ergibt sich nun schließlich. So wie es aussieht, haben Jutar und der nun tote Kato die Eier von diesem Vivisekton zerstört und es richtig sauer gemacht. Dieses Vivisekton kann sich dadurch selbst heilen, in dem es seine Opfer aufmacht und die inneren Organe einsaugt. Eklig so was. Tharador ist natürlich über seine Rettung erfreut, auch wenn er sich wundert, dass „Renyas neue Leute“ so gut sind, weil die Gerüchte verbreiten kein so schmeichelhaftes Bild über uns. Sieht ganz so aus, als ob wir nun einen Namen in der Stadt hätten, eben „Renyas neue Leute“. Jutar verspricht die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen. Wenn es so weiter geht, wird die Stadt bald frei von Nichtmenschen sein, da dies jetzt der zweite Halbling ist, den wir ins Exil schicken. Jedenfalls so lange, wie Larna noch lebt.

Das war jetzt ein langer Tag. Lia will tatsächlich zum Silberfisch zurück. Ich sage ihr, dass ich es für keine gute Idee halte, uns zu trennen. Aber Glücksbote Ryan geht mit schlechtem Beispiel voran, weil auch er eine separate Übernachtung in seinem Schrein vorzieht. Na, wenn es denn sein muss. Ich halte nichts davon, aber die anderen wollen einfach nicht hören. Es dämmert, als wir beim Tempel des Tempus ankommen. Meine Kleine ist richtig aufgedreht. Hat den ganzen Tag Gruselgeschichten vorgelesen bekommen und ist jetzt etwas ängstlich, was dunkle Bereiche und alles unter ihrem Bett anbelangt. Ich ziehe mein Rapier und mache mit dem imaginären Monster unter dem Bett kurzen Prozess. Hat es nun davon. Mili ist nicht so ganz überzeugt, fällt aber beinahe aus dem Bett, als sie sich kopfüber überzeugen will, dass unten wirklich nichts mehr ist. „Pass doch auf!“ Ich kann sie gerade noch schnappen, bevor sie mit dem Kopf voran herunterpurzelt. Ich bringe sie auf andere Gedanken, als ich mit ihr schmuse und sie etwas kitzle. Dann sorge ich dafür, dass sie noch was Feines zu essen bekommt, dann waschen und ab in die Heia. Träum was Süßes. Auch ich bin hundemüde, schmiege mich an meine Kleine und bin weg.

Gespielt am 24.11.2007
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon (Stufe 3), Kaira (Stufe 2), Lia (Stufe 2), Ryan (Stufe 2 vorgezogen), Xana (Stufe 3)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:1490 + 0 für Kaira, +200 für Dolon, + 100 für Xana, +50 Lia, +150 Ryan
Überwundene Gegner von Gruppe:
1 Druidin
1 Taubenschwarm
1 Basiliskenchimäre
3 Rollpilze
1 Vivisekton
Beute von Gruppe:
400 Goldmünzen
30 Edelsteine im Gesamtwert von 320 bis 400 GM
4 Tränke
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 30. Januar 2008, 15:30:04
Kapitel 7
Der Tag, an dem Glücksbote Ryan dreimal Baden ging!


20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich schrecke auf. Es dauert einige Sekunden, bis ich wieder weiß, wo ich bin. Die Tür zu Dolons Kammer ist offen und ein Gardist steht im Rahmen. Er redet mit Dolon. Eine halbnackte Frau scheint vor dem Tempel zu stehen und will mit Dolon sprechen. Irgendetwas sagt mir, dass es sich um Lia handeln muss. Tatsächlich ist sie es, die schließlich blutend in den Raum geführt wird. Sie ist Barfuss, trägt ein blutgetränktes Unterkleid und sieht sehr mitgenommen aus. Mili, nun auch Wach und richtig aufgedreht, klammert sich ängstlich an mich. Ich schmuse so lange mit ihr, bis sie wieder beruhigt ist. Derweil erzählt Lia stockend, wie sie in der Nacht im Silberfisch in ihrem Zimmer überfallen wurde. Ich muss mir ein „Hab ich es nicht gesagt!“ verkneifen. Lernen durch Schmerz. Aber wenigstens konnte sie entkommen, auch wenn ein Büßer des Illmaters, das sind Kleriker des Gottes der Leiden, welche sich um Bedürftige und Schwerverletzte unentgeltlich kümmern, sie hat retten müssen.

Da nun Glücksbote Ryan gleichfalls ein isoliertes Ziel ist, beschließen wir ihn unverzüglich aufzusuchen. Leider ist Schlachtenrufer Dolon nicht mehr in der Lage, sie zu heilen. Aber einer seiner Brüder in der Schlacht ist noch in der Lage für eine kleine Spende sie wieder gesund zu bekommen. Auch bekommt sie die alte Übungsrüstung von Dolon ausgeliehen, die ihr viel zu groß ist, aber besser als gar nichts. Mili ist nicht mehr ins Bett zu bekommen und ich bin Froh, dass Ardana sich ihrer wieder annimmt. „Keine Gruselgeschichten mehr, dafür ist sie doch noch viel zu klein!“ flüstere ich Xanas Mutter noch zu.

Es ist früher Morgen, die ersten Leute hasten zu ihrer Arbeit, die schon in der Dunkelheit anfangen müssen. In Tallarns Weg findet gerade eine Prozession von Tyrannos Anhängern statt, die wild etwas skandieren, dass einfach keinen Sinn ergibt. Wir haben Glück und Glückbote Ryan ist wohlauf. Tymora sei Dank. Er muss noch für neue Geschenke des wahren Glaubens beten, wir gehen derweil Frühstücken und bereden unser weiteres Vorgehen. Zuerst müssen wir Lias verlorene Ausrüstung ersetzen. Ich bin nicht besonders glücklich über den Vorschlag, diese Verluste aus der gemeinsamen Kasse zu begleichen. Schließlich war dieses Risiko bekannt und wer sich so in Gefahr begibt, verdient eine Lektion. Dolon streckt ihr schließlich das Geld voraus und wir kaufen einen neuen Kompositlangbogen und einen Köcher mit Pfeilen für sie. Inzwischen ist auch Glücksbote Ryan fertig und wir beschließen uns heute um die Tieflinge auf der Blutstrotzer zu kümmern. Aber zuerst gehen wir zum Silberfisch.

Die Erlanns sind entsprechend aufgebracht, ein Raubüberfall im Silberfisch ist nicht gerade gut für das Geschäft. Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen, dass die Erlanns so unter der ganzen Schatzsuche zu leiden haben. Ich werfe Lia einen vernichtenden Blick zu. Und ich ärgere mich auch über mich selbst. Besseres Wissen habe ich Lia hier übernachten lassen. Kluge Schurkinnen hätten das wenigstens ausgenutzt und dem Assassinen einen Hinterhalt gelegt, wenn sich schon jemand so als Köder anbietet. Diese Gelegenheit haben wir leider ausgelassen. Verdammt!

Ein paar Schildwächter begutachten gerade den Tatort und hören sich desinteressiert an, was Lia zu berichten hat. Der Anführer kommt mir bekannt vor. Ja, richtig, dass ist der Hauptmann, der damals im Brunnenhaus anwesend war, wo wir uns alle zum ersten mal zur Schatzsuche getroffen haben. Mir kommt das inzwischen wie Jahre her. Dabei sind es nur wenige Tage. So ziemlich alles wertvolle aus Lias Besitz ist weg, auch ihr meisterhaftes Schwert und ihr Langbogen. Ganz abgesehen vom Kurzbogen aus Schwarzholz. Mist.

Nachdem die Schildwache abgezogen ist, räumen wir ihr herumliegendes Zeug zusammen und packen. Kurz besprechen wir noch das vorgehen gegen die Tieflinge. Ich entwerfe den Plan, die Ankerkette und Ruder zu zerstören und das Schiff auf ein Riff treiben zu lassen. Wir haben aber keine Ahnung, wie wir schnell eine massive Kette zerstören sollen. Vielleicht weiß Magister Repp guten Rat. Also auf zum Kollegium. Der orkische Pförtner ist schlechtgelaunt wie immer, führt uns aber zu Repp, der noch im Morgenmantel ist. Wir kommen schnell zum Thema und der Magier weiß noch zu berichten, dass der Kapitän der Blutstrotzer eine Frau ist, die fliegen kann. Sie wäre sehr berüchtigt. Dann kommen wir zu dem wie, unseres Problems. Es gebe zwar Zauber, die recht effektiv Kettenglieder zerstören, aber er will uns keine davon überlassen, nicht mal auf Rolle. Aber die Schildwacht hätte für die Kanalisation ein abgerichtetes Metallzersetzendes Monster. Oder der Alchemist Regius Glimmstein hätte flüssige Eis. „Was wollen wir mit flüssigem Eis? Ich will nicht auf dem Meer Schlittschuhlaufen.“ Repp erklärt mir in einem Tonfall, den man anschlägt, wenn man einem kleinen Kind etwas erklären will, dass Metall durch Kälte wie Glas wird und man es einfach zerschlagen kann. Kann nicht alles wissen!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 01. Februar 2008, 22:34:16
20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich danke für den Rat und die Erklärungen und wir machen, dass wir was zu Wege bringen. Die Kanalwächter sind leicht zu finden am Rallardsplatz. Vier Wachen sind im Gebäude. Wir kommen recht schnell auf den Punkt und dürfen uns mal dieses Rostmonster anschauen, welches sie im Keller halten. Der Wächter füttert es mit einem Stahlpfennig und es kommt von der Decke herunter gesprungen. Xana quietscht erschreckt auf. Sie hatte irgend etwas süßes, flauschig Bepelztes mit glänzenden Knopfaugen erwartet, stattdessen sehen wir eine viel zu große Kakerlake, welche mit ihren Fühlern den Pfennig berührt, der dann innerhalb kürzester Zeit zersetzt wird, was das Vieh dann aufschlabbert. Örks!

Für schlappen achthundert Goldmünzen könnten wir es erwerben. Na, ich weiß nicht so recht. Das ist viel Geld, das wir so nicht haben, auch wenn die beiden Priester über ein dickes Bargeldpolster verfügen. Magister Repp hatte angedeutet, das Vieh in Zahlung zu nehmen, aber die Summe hat er uns nicht verraten. Also wieder zurück zum Kollegium. Er bietet fünfhundert dafür. OK, wir würden also dreihundert drauf zahlen. Schmeckt mir nicht so richtig. Besonders da ich Angst habe, dass wir das Monster nicht unter Kontrollen halten können.

Xana druckst etwas herum und meint schließlich, dass sie das eventuell bewerkstelligen könnte. Sie hätte da so einen Zauber, weiß aber nicht genau, ob ihre arkanen Kräfte dafür ausreichen. Nun gut, das sollten wir dann einfach mal ausprobieren. Auf dem Weg zum Kollegium gibt es eine steile Stelle mit einer Treppe, die ein eisernes Geländer trägt. Die Hexenmeisterin stellt sich davor, formt ihr Hände so, wie man Knödel macht. „Elektrische Kugel, flieg!“ Sie macht eine werfende Bewegung mit der rechten Hand und sie wirft tatsächlich eine kleine, grell leuchtende Kugel auf das Geländer. Die Kugel schlägt ein und ein Kranz kleiner Blitze zischt über das Metall hinweg. Tatsächlich wird Material heraus gebrochen. Schließlich erlischt es. Neugierig treten wir alle näher und untersuchen das Geländer. Sauberes Metall glänzt uns entgegen. Sieht so aus, als hätte die Kugel das Material oberflächlich angegriffen und erst mal alle schwachen und beschädigten Elemente herausgesprengt, so dass nur das ursprüngliche Eisen übrig blieb. Wir kommen zu dem Schluss, dass die magischen Fähigkeiten von Xanaphia wohl noch nicht ausreichen, um das stabile Kettenglied einer Ankerkette zu sprengen. Die junge Hexenmeisterin ist sichtlich geknickt.

Also auf zu Meister Regius Glimmstein, den bekannten und genialen Erfinder, vielleicht haben wir ja bei ihm mehr Erfolg. Er hat seinen Komplex an der Senke; er besteht aus mehreren Gebäuden und Hallen. Wir gehen in das Hauptgebäude, in dessen Erdgeschoss sich eine große Werkstatt befindet. An niedrigen Werkbänken arbeiten mehr als ein Dutzend Gnome wohl meist an mehreren Projekten gleichzeitig. Hier und da zischt es gefährlich. Manche Apparate sind nur Handteller groß, andere erstrecken sich über mehrere zusammen geschobene Werkbänke. Der einzige Mensch in dem Raum, eine junge, adrett gekleidete Frau, begrüßt uns freundlich.

Wir kommen recht schnell zum Punkt unseres Anliegens, werden dann aber unterbrochen, als ein Gnom aus der Tiefe des Gebäudes kommt, am Rockzipfel der Frau zerrt und ihr dann was zuflüstert, als sie sich zum ihm hinabbeugt. „Oh, Meister Glimmstein möchte euch persönlich kennen lernen.“ Aha? Nun gut, wir folgen ihr in das Gebäude. Es gibt immer zwei Türen neben einander. Die eine hat die Größe eines Gnoms, die andere ist auf unsere Größe ausgelegt. „Meister Glimmstein hatte kürzlich einen Unfall. Er mag es nicht wenn, man ihn auf diesen offensichtlichen Umstand anspricht“, warnt uns die junge Frau und wir treten in eine weitere Werkstatt ein. Hier stehen auch überall Werkbänke herum, aber im Gegensatz zum Gewusel im öffentlichen Labor ist hier nur eine Person anwesend. Die Frau hat gut daran getan, uns zu warnen. Ich kann gerade so einen Aufschrei unterdrücken, als Meister Glimmstein hervortritt. Er ist fast so groß wie ich, auch wenn er den Körper eines Gnoms hat. Seine Extremitäten sind ins Groteske verzerrt. Etwa doppelt so lang, wie sie sein sollten. Sein Gebiss ist das eines Raubtieres. Meiser Glimmsteins Augen sind hinter einer geschwärzten Brille verborgen. Die Hände und Füße des Gnomes, oder was auch immer er jetzt darstellt, sind grotesk große Krallen. Sein Körper ist von einer komischen Rüstung bedeckt, auf dem Rücken trägt er einen Rucksack mit Zylindern und Schläuchen, die teilweise in seinen Armen enden. Finsternis!

Er begrüßt uns überschwänglich und freut sich, Renyas neue Leute kennen zu lernen. Er hätte schon viel über uns gehört. Und er findet es gut, dass sich jemand Larnas annimmt. Sie wäre keine besonders geschätzte Kundin, da sie immer nur mit großer Verzögerung und nach Mahnungen zahlt. Etwas, was den mutierte Gnom in Rage zu bringen scheint. Meister Glimmstein hört sich unser Problem an und meint, flüssiges Eis wäre nur was für Anfänger. Er hätte da viel bessere Ideen. Und was das für Ideen sind. Zum Beispiel der Rostwerfer. Damit könnte man Geschosse verschießen, die alles zum Rosten bringen würden. Dazu bräuchte er nur die Fühler von einem Rostmonster. Und das war eine der harmloseren Ideen. Langsam wird mir klar, warum man sagt, dass Genie und Wahnsinn sehr eng beieinander liegen. Das Problem ist auch, dass er dafür horrende Summen verlangt. Können wir uns leider nicht leisten. Unverrichteter Dinge verlassen wir dieses seltsame Wesen.

Und nun? Wir sind nicht wirklich weiter gekommen. Den Plan mit der heimlichen Sabotage können wir so nicht verwirklichen. Direkte Konfrontation also. Wir sind fünf, wie viele werden wohl auf dem Schiff sein? Zehn bis Zwanzig sind eine realistische Einschätzung. Lia ruft ihren Raben und schickt ihn los, um sich Gewissheit zu verschaffen. Seltsames Tier. Ich habe von mächtigen Waldläufern gehört, die Tiere so gut verstehen, dass sie sich mit ihnen unterhalten können. Also muss Lia ziemlich viel auf dem Kasten haben. Aber ihre sonstigen Fähigkeiten scheinen dem nicht wirklich zu entsprechen. Seltsam.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 04. Februar 2008, 14:34:57
20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Wir kehren zum Tempel des Tempus zurück und während Schlachtenrufer Dolon am Mittag Tempus um seine Macht anbetet, gehen wir erst mal essen. Lias Rabe kehrt zurück und mit Dolon können wir nun weiter planen. Es gibt nur knapp ein Dutzend Besatzungsmitglieder, mit denen können wir fertig werden. Wer wagt gewinnt. Da Tieflinge Kreaturen der Finsternis sind, bietet die Dunkelheit ihnen nur Vorteile und uns nur Nachteile. Also ist ein Kampf am Tag unser Vorteil. Ich schlage vor, dass wir uns als Sklavenhändler verkleiden und Xana als Sklavin. So können wir ohne Stress das Schiff ansteuern, kommen ganz offen mit allen Waffen an Bord und dann wird es knifflig werden, da sich wahrscheinlich die gesamte Besatzung versammeln wird, um dem Verkauf beizuwohnen. Haben ja schließlich sonst nichts zu tun. Da ab diesem Zeitpunkt eine gewaltsame Konfliktlösung angestrebt wird, ist Schlachtenrufer Dolon bereit, über die hinterhältige Annährung hinwegzusehen. Tempus würde es zwar sicherlich begrüßen, wenn wir mit wehenden Fahnen das Schiff entern würden, aber manchmal muss man eben Kompromisse aus Machbarkeitsgründen hinnehmen.

Bei einem Kleiderhändler organisiert sich Xana uralte, etwas zu kleine Kleidung, die sie noch an den entsprechenden Stellen einreißt. Sie zieht sich um und sieht nun in dieser abgetragenen Kleidung, welche ihre Brüste aus dem Ausschnitt quellen lässt und viel Bein zeigt, sehr verführerisch aus. Jedenfalls sabbern unsere beiden Kleriker beim Glotzen recht stark. Das dürfte auch die Tieflinge entsprechend ablenken. Also auf zum Hafen. Dort finden wir ohne Probleme den Fischer Karn, der uns sein Boot leiht. Nach kurzer Einführung schippern wir los. Die Handhabung des Segels erweist sich als ziemlich knifflig. Und wir müssen ziemlich weit raus fahren.

Ich steuere das Schiff und meine Knöchel zeichnen sich weiß ab, so verkrampft halte ich das Steuerruder. Schon bald wird das Meer recht rau und wir schlingern eher, als dass wir wirklich Kurs halten. Wir passieren ein halbes Dutzend vorgelagerte Inseln, wo sich Fischerhütten ducken. Schließlich erreichen wir den Bereich, wo die Blutstrotzer auf Reede liegt. Hier sind überall Klippen und Untiefen und ich frage mich wie ein hochseetüchtiger Zweimaster wie dieses Schiff aus Westtor mit seinem Tiefgang es geschafft hat, sich hier ohne Beschädigungen durchzuschlängeln. Wir haben ziemliche Problem den Riffen und Untiefen auszuweichen. Hier gibt es viele Fischer, welche die Krabben fangen, die es hier gibt. Nun ist es Zeit, Xana zu fesseln. Ich übernehme das und binde einen Knoten, der einfach zu lösen ist, sie muss nur die Armee etwas verschränken, das eine Ende fassen und dran ziehen. Sollte kein Problem sein. Ich nehme ihre Waffen an mich, die aus einem Dolch und einer Schleuder bestehen.

Schließlich erreichen wir die Blutstrotzer und werden bald bemerkt. „Verschwindet!“, wird uns von oben befohlen. „Wir haben hier etwas, was euch interessieren könnte.“ Lia zerrt Xana scheinbar brutal auf die Beine und präsentiert deren Schokoladenseite. Den Tieflingen an Bord springen beinahe die Augen aus den Höhlen. „Ja, kommt an Bord!“ Das war ja jetzt einfach. Wir gehen längsseits und binden unser Boot an den Tauen fest, die uns herunter geworfen werden. Dolon überzeugt sich, dass sein heiliges Symbol verhüllt ist und klettert als erster hoch. Ich folge ihm und helfe der gefesselten Xana dann an Bord. Glücksboote Ryan und Lia folgen auf dem Fuß. Ein ziemlich muskulös gebauter dunkelgrauer Tiefling mit Hörnern auf dem Kopf scheint der Sprecher der Gruppe zu sein. Sieben weitere Tieflinge haben einen losen Kreis um uns gebildet. Auf der kleinen Insel neben dem Schiff befinden sich drei weitere Tieflinge. Die Insel ist nur wenig größer als das Schiff selber und eine kleine Ruine befindet sich auch dort.

Wir stehen einer lösbaren Aufgabe gegenüber. Die geflügelte Frau, welche ja laut Magister Repp so gefährlich sein soll, ist nicht zu sehen. Gut. Glücksbote Ryan preist seine Ware in den blumigsten Worten an. Einer keuschen und sittsamen Frau würde das die Schamesröte ins Gesicht treiben. Zum Glück befindet sich hier keine solche Frau. Xana windet sich in ihren Fesseln und schafft es dabei wirklich soviel wie möglich zu zeigen, ohne dass ihre Oberweite das Oberteil zum Platzen bringt. Ryan will exorbitante siebentausend Goldmünzen, der gräuliche Obermaat der Tieflinge bietet ganze dreihundert. Sehr schnell wird klar, dass dies kein glückliches Ende nehmen kann, sollte es ja auch nie. Zeit die Maskerade zu beenden.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 06. Februar 2008, 14:34:25
20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Blutstrotzer

Die Tieflinge zücken ihre Waffen und unsere Priester präsentieren ihre heiligen Symbole. „Möge der Feindhammer euch zerschmettern!“ „Möge Tymora den Mutigen lächeln!“ Da mir partout kein Spruch einfallen will, lasse ich mein Rapier für mich sprechen. Während die beiden Priester eine geschlossene Front bilden, schreitet Xana nach hinten und windet sich in ihren Fesseln. Anstatt sich zu befreien, scheint sie sich nur mehr darin zu verstricken. Eigentlich könnte sie jetzt mit der Show aufhören. Lia zückt ihren Bogen und Pfeile sausen ausnahmsweise mal präzise durch die Luft und der erste Tiefling wird getroffen über die Reling geschleudert.  Mein Rapier gleitet über den schier stählernen Leib eines gehörnten Tieflings und hinterlässt nicht mal einen Kratzer. Verdammnis!

Der Obermaat holt eine Stachelkette hervor und prügelt damit sichtlich genüsslich auf Dolon ein. Die anderen Tieflinge stürmen mit Dolchen und hässlich aussehenden Entermessern mit gezackten Klingen auf uns zu. Es gibt ein wildes Handgemenge. Pfeile zischen zielsicher durch die Luft und strecken Tiefling auf Tiefling nieder. Auch Dolon erschlägt gekonnt mit Hieb und Nachschlag zwei Tieflinge. Sogar mein Rapier hält ausnahmsweise mal blutige Ernte. Glücksbote Ryan steht wie ein Fels in der Brandung. Nur Xana windet sich weiter in ihren Fesseln. Sie hat inzwischen ein hochrotes Gesicht und das nicht nur, weil sie jetzt mehr präsentiert, als für eine Frau schicklich ist.

Die Reihen lichten sich sichtlich. Dunkelheit breitet sich aus und man kann kaum noch was sehen. Wahrlich Finsternis! Das ist nicht gut. In dieser beschworenen Dunkelheit sind die Ausgeburten der Hölle sichtlich im Vorteil. Aber nur der Obermaat vertraut auf seine Stärke, seine zwei letzten Überlebenden suchen nun ihr Heil in der Flucht. Einer der Unglücklichen wird vom Obermaat von den Beinen gerissen und dann mit der Stachelkette getötet, bevor er sich weiter Dolon zuwendet. Von der Insel scheinen die drei bis jetzt unbeteiligten Tieflinge auf das Schiff zu stürmen. Ich wende mich der Rampe zu, die das Schiff mit der Insel verbindet, während Xana es nun endlich schafft, sich aus der Fesselung zu winden. Ihre Arme sind fast wund gescheuert von den Fesseln, die doch gar nicht so fest gebunden waren.

Spoiler (Anzeigen)


Während Glücksbote Ryan und Schlachtenrufer Dolon weiter durch die Dunkelheit den Obermaat verfolgen, empfange ich den ersten der Tieflinge mit meinem Rapier an der Rampe. Ich treffe ihn, aber die Wunde ist nur oberflächlich. Er haut mit einem Entermesser nach mir, aber ich kann den Hieb mit der Tartsche abwehren. Auch die anderen Tieflinge meinen, sie müssten mich hauen. He! Lia streckt einen mit einem Pfeil zu Boden und ich kann den verwundeten Tiefling nur mit etwas Herumgefuchtel beeindrucken. Endlich gelingt es den beiden Priestern dem Obermaat den Garaus zu machen, als von unten die Herrin des Schiffes auftaucht.

Wow! Die Höllentussi hat vielleicht ne Oberweite, die selbst Xana neidisch werden lassen müsste. Da kann ich wirklich einpacken. Auch hat die Höllenbraut fledermausartige Flügel und ihre Schuhe haben Absätze, die können für das Kreuz einfach nicht gut sein können. Aus ihrer elfenbeinweißen Stirn ragen rote spitz zulaufende Hörner. Sie erfasst die Lage auf ihrem Schiff und meint wohl, dass Glückbote Ryan eine Abreibung verdient. Lia streckt einen weiteren Tiefling nieder und auch ich werde endlich mit dem letzten fertig. Das war jetzt wieder mal mühsam.

„Arkane Macht! Flieg und Töte!“ Mit ihren Handschuhen schleudert Xana beeindruckende drei grüne Geschosse auf die Braut aus der Hölle und schlägt drei kleine Krater in ihr Fleisch, die gelblichen Rauch absondern. „Tempus! Möge diese Waffe dir ewigen Ruhm einbringen!“ Dolon reckt seine Waffe gen Himmel und magische kleine Blitze umtanzen sie. Auch ich lasse mich nicht lumpen und bewege mich auf Dämonin in dem superengen, schwarzen Lederkostüm zu. Während die Schlampe aus der Hölle sich den Glücksboten grabscht und ihn ordentlich durch die Mangel dreht, flankieren Dolon und ich sie. Dann gibt es Saures. Tief dringt mein Rapier in ihren Unterleib, aber nur ein lustvolles keuchen kommt ihr über die roten Lippen, weil sich ihr Fleisch danach sofort fast vollständig schließt. Hö!

Der guten Frau wird es hier deutlich zu voll und sie stößt sich mit Ryan in ihren Klauen einfach in die Lüfte. Finsternis! Weitere magische Geschosse hämmern in ihren Leib und Pfeile verwandeln sie in ein geflügeltes Nadelkissen.  Und zu guter Letzt schmeckt sie noch die Axt des Schlachtenrufers, bevor sie genug Höhe gewinnen konnte. Dummerweise stürzt sie samt dem schwergerüsteten Glücksboten gerade noch so ins Meer. Je nach Sichtweise ist das Meer hier glücklicherweise nicht besonders tief, da hier gleich die scharfen Riffe lauern. Böses ahnend linse ich über die Reling und sehe den Glücksboten an einer aus dem Meer ragenden scharfen Klippe nach unten rutschen. Das Wasser färbt sich um ihn herum rot. Die Dämonenschlampe hängt unmalerisch aufgespießt an der Klippe und fröhliche Krebse klackern erwartungsvoll mit ihren scharfen Scheren. Tymora hilf!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 08. Februar 2008, 15:08:09
20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Blutstrotzer

Xana wirft ein Seil über Bord und ich klettere geschwind daran herunter, wickle es einmal um den Arm und rufe nach oben, „Gebt mir etwas mehr Seil!“ Dann stoße ich mich ab und paddle wie wild die wenigen Meter zu ihm hin, bis ich Grund spüre und ihn erreiche. Sein Gürtel hat sich an einem der spitzen Steine verhakt und der Wellengang hat ihn mehrmals gegen den Fels gedonnert. Autsch! Glücksbote Ryan sieht schon ziemlich tot aus. Ich packe ihn, „Zieht!“ und stoße mich mit ihm ab. Durch das Seil geht ein Ruck und wir kommen nach zwei Herzschlägen am Schiff  an. Irgendetwas großes Fischartiges schwimmt an mir vorbei. Oh nein!

„Alles wird doppelt gut!“ Heilende Magie aus meinem Gürtel fließt in den Glücksboten und lässt ihn aufkeuchen. Die meisten Wunden haben sich geschlossen. „Halt dich gut fest!“, sage ich zum Tymorapriester. „Holt uns hier raus!“, rufe ich nach oben. Aber die drei schaffen uns nicht beide. Also klettere ich so schnell wie möglich hoch und helfe ihnen. Gerade als wir Ryan fast aus dem Wasser haben, schreit er gepeinigt auf und lässt das Seil los, weil  sich ein Hai in seinen Oberschenkel verbeißt. Durch den Ruck geraten wir erstmal ins Taumeln, können uns aber fangen. Xana spurtet zur Reling und jagt zwei grüne Geschosse ins Wasser. Das demotiviert den Hai etwas und er lässt von Ryan ab, der jetzt aber wie ein Stein untergeht. Verdammnis!

Ich sause ein weiteres Mal herunter und packe den untergehenden Glücksboten gerade so noch an der Hand. Mühsam zerre ich ihn an die Oberfläche und binde das Seil so gut es geht an ihm fest. Dann ein weiteres mal nach oben und nun gelingt es uns, ihn mit vereinten Kräften hoch zu ziehen. Endlich ist er oben und ich gönne es mir, eine Minute lang nur zu sitzen. Was für eine Schlacht. Ich schaue auf meine Hände, das Wasser hat das Blut daran abgespült, aber ich habe gerade zwei Tieflinge getötet. Zwei intelligente Wesen, die mir eigentlich gar nichts getan hätten, wenn ich sie nicht angegriffen hätte. Ich seufze schwer und hoffe, dass dies alles wirklich notwendig war. Während die beiden Kleriker wieder einmal sich gegenseitig ihrer Hochachtung versichern, sich gegenseitig loben und sich auch dann heilen, sammle ich das Kurzschwert der Halbdämonin ein. Schöne Arbeit, aus Westtor mit hübschen Verziehrungen. Liegt gut in der Hand, spontan entscheide ich mich, dass dies nun mein Kurzschwert ist. Lia und Xana sind schon ganz hibbelig und wollen das Schiff untersuchen. Also gut.

Ich gehe voran in die Tiefe des Schiffes, als erstes kommen wir zur Kapitänskajüte. Sorgfältig suche ich nach Fallen, kann aber nichts erkennen. Von drinnen höre ich ein seltsames Pfeifen. Ich überlege kurz, ob ich vielleicht lieber von außen durch ein Fenster hinein soll, kommt mir dann etwas übertrieben vor, schließlich ist nichts zu sehen, was mich an eine Falle glauben lassen würde. Vorsichtig öffne ich die Türe und flammende Runen tauchen vor mir in der Luft auf. Oh oh! Einen Herzschlag später durchzucken mich furchtbare Schmerzen, das hat jetzt weh getan! Schwer durchgebeutelt richte ich mich wieder auf. Das war jetzt nicht schön gewesen. Wie konnte ich nur die Runen übersehen?

Hinter der Türe ist eine geräumige Kajüte. Was mir sofort ins Auge fällt, neben einer Truhe, einem Schreibpult und einem Schrank, ist eine grotesker Sockel im Zentrum der Kabine. Der Sockel besteht aus deformierten, schreienden Gesichtern aus dunklem Stein, durch deren Mundöffnung die Zugluft pfeift. Oben auf der Spitze ist ein Objekt, das ich instinktiv als Ei bezeichnen würde. Es hat eine schwarze Oberfläche, die mit grünen Adern durchzogen ist. Es ist oben deformiert worden und sieht nicht gerade vertrauenerweckend aus.

„Da ist ein Schutzkreis darum herum!“, warnt Xana, deren Augen im arkanen Feuer blitzen.

„Soll der Schutzkreis Eindringlinge draußen halten oder das Ei drinnen?“ Die hübsche Halbelfe legt den Kopf schief und studiert den Kreis intensiv. „Ich denke, er wirkt eher nach innen als nach außen.“

Wir beschließen dieses Ding fürs erste zu ignorieren und den Rest zu plündern. Also bewege ich mich vorsichtig daran vorbei, ohne den Kreis zu berühren und suche bei der Truhe nach Fallen. Wieder finde ich nichts und knacke das Schloss mit Leichtigkeit. Ich bin trotzdem vorsichtig und stelle mich so hin, dass eine potentiell doch vorhandene Bolzenfalle mich nicht trifft. Es gibt tatsächlich eine Bolzenfalle, die aber nicht losgeht. In der Truhe liegt ein schönes Kleid, das sehr offenherzig geschnitten ist. Oh! Das ist genau das richtige für das Mittsommerfest. Meins! In einem Beutel sind sorgfältig jeweils noch zusätzlich sechs Kekse, anders kann ich das Zeug nicht beschreiben, eingewickelt. Ich habe keine Ahnung, was das ist, aber es verschwindet in meinem Beutel. Dann finde ich eine schöne Schatulle, die einen schönen Satz von Goldschmuck enthält, also Ohrringe, Halskette und ein Anhänger. Dazu finden wir noch einen Beutel mit Goldmünzen, den ich sofort aufteile. Ich bin ja so was von blank.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 11. Februar 2008, 14:09:07
20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Blutstrotzer

Als nächste nehme ich mir das Schreibpult vor, das zwei Schubladen enthält, aber keine Fallen. In einer Schublade finden wir eine Flasche Wein von der berüchtigten Sorte „Sommertraum“. Gleich mal weg mit dem Teufelszeug. Dazu liegt da noch ein langstieliges Pfeifchen und entsprechend abgepackte Pulver. Das ist ebenfalls Teufelszeug, macht einen nur Wirr im Kopf! Es findet sich noch eine Art Logbuch, das aber auf Infernalisch geschrieben ist. Ich werde nicht ganz schlau draus. Als nächstes der Schrank, der ein paar Sätze wirklich verrucht geschnittener Kleidung beinhaltet. Die teilen Xana und ich schwesterlich unter uns auf, während Lia sich eine Lederrüstung schnappt. Steht ihr besser als die ausgeliehene. Während Xana und ich uns noch die Kleider und Stiefel betrachten, geht Lia schon mal runter in die Mannschaftsquartiere und Lagerraum. Ich warne sie noch davor, alleine los zu ziehen, aber sie ignoriert mich. Nun ja, sie ist selber groß.

Schließlich kommt Lia mit einem Beutel mit Gold zurück, den sie laut Glücksbote Ryan behalten darf, weil sie ja ihre komplette Ausrüstung verloren hat. Ich werfe ihm einen bösen Blick zu, da es allein ihre eigene Schuld war, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Aber ich stehe wohl mit dieser Meinung alleine da. Klar, die anderen haben auch kein kleines Kind zuhause. Aber in dem Mannschaftsquartier, der gleichzeitig auch der Frachtraum ist, befindet sich eine Kiste mit infernalischen Schriftzeichen. Die schauen wir uns an. Die Kiste ist recht groß und massiv. Einer der Sätze leuchtet magisch in tiefem Rot. Die anderen Fünf scheinen mit Blut oder einer so aussehenden roten Farbe geschrieben zu sein. Man muss da echt keine Geheimschriften entschlüsseln können, um das als Warnung zu verstehen. Sie ist verschlossen und wir haben keinen Schlüssel dafür gefunden. Offensichtlich scheint sie nicht weiter gesichert zu sein. Ich schnappe mir einen Besen und verschiebe die Truhe etwas. Dabei biegt es den Stiel bis kurz vor dem zersplittern durch, aber sie lässt sich verschieben, ohne dass etwas explodiert.

Da ich mich nicht traue, sie ohne wirklichen Schutz zu öffnen, beschließen wir, sie mitzunehmen. Schlachtenrufer Dolon und Glücksbote Ryan übernehmen die Aufgabe, die Kiste auf unser Boot zu schleppen. Auch verstauen wir unsere Beute. Die Schatten sind inzwischen lang geworden. Schätze mal, dass wir noch für zwei Stunden Tageslicht haben. Jetzt ist die Frage, was wir mit dem seltsamen Ei machen wollen. Darüber entbrennt eine hitzige Diskussion. Ich glaube, soviel wie heute haben wir noch nie uns über verschiedene Vorgehensweisen gestritten. Keiner von uns weiß, was das „Ei“ wirklich ist. Fakt ist, dass es in einem Schutzkreis gehalten wird und auf einem überaus geschmacklosen Sockel steht.

Möglichkeit eins wäre, zwei segeln zurück, holen Havard Repp und er entscheidet. Knackpunkt eins wäre eben, wir müssten uns dazu trennen, die Repp holen gehen, sind leichte Beute für unseren Assassinen. Knackpunkt zwei ist, Havard Repp wäre erst nach Einbruch der Nacht hier. Zeit ist etwas, was wir wirklich nicht haben. Ganz abgesehen davon, dass ich keinem von uns wirklich zutraue, bei Nacht mit dem Boot sicher zu segeln, ohne auf eine Untiefe oder gar schlimmer, auf ein Riff aufzulaufen.

Möglichkeit zwei, wir zerstören es. Problem hierbei ist, wir haben keine Ahnung, was dabei alles passieren kann. Vielleicht es auch eine Art Explosionskörper. Darüber können wir nur spekulieren. Vorteil wäre halt, wir sind in fünf Minuten weg. Falls wir das überleben….

Möglichkeit drei wäre, wir lassen es einfach hier und überlassen es sich selbst. Das gefällt auch niemanden. Hier gibt es viele Krabbenfischer und wenn die mitbekommen, dass die Blutstrotzer bar jeder lebenden Besatzung ist, werden die das Plündern, was wir liegen gelassen haben. Und ich halte es für keine gute Idee, denen das Ei zu überlassen.

Möglichkeit vier, wir nehmen das Ei mit. Da wir nicht in der Lage sind, das große Schiff wirklich zu segeln, müssen wir es von hier entfernen und auch hier sind die Folgen unabsehbar. Schließlich bilden sich zwei Gruppen, die hübsche Hexenmeisterin Xana, welche eher das Ei behalten würde, wäre mit Glücksboten Ryan dafür,  trotz aller Gefahren und Hindernisse Magister Repp zu holen. Die Bogenschützin Lia, Schlachtenrufer Dolon und ich sind dafür, dass Ei zu zerstören, da Zeit ein entscheidender Faktor ist. Wirklich wohl ist mir dabei nicht, aber die Alternativen sind für mich noch schlechter zu akzeptieren. Die Mehrheit hat entschieden. Wir beschließen, dass Lia mit ihrem Bogen darauf schießen soll, während wir anderen in Bereitschaft in der Nähe bleiben, falls irgendetwas Unangenehmes heraus kommt.

So quetsche ich mich mit Xana soweit wie möglich entfernt an die eine Wand, während die beiden Kleriker uns gegenüber Stellung beziehen. Ich binde mir noch ein Tuch vor dem Mund, falls eine giftige Wolke aus dem Ei entweichen sollte. Ich küsse durch das Tuch das Abbild meiner Schutzgöttin, führe es an die Stirn und an meine Brust. Möge Tymora uns beistehen!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 13. Februar 2008, 16:31:02
20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Blutstrotzer

Lia spannt ihren Bogen und der Pfeil zischt zielsicher aus knapp drei Schritt Entfernung auf das Ei zu. Der Pfeil prallt ab, hinterlässt aber einen Riss. Das Pfeifen der hohlen Münder steigert sich zu einem infernalischen Kreischen und zwei durchscheinende Gestalten aus Schwärze erscheinen vor uns aus einer Explosion aus Dunkelheit, die verdammt weh tut. „Alles wird Gut!“ und der Großteil der Wunden aus dieser Explosion und von den Runen an der Tür, die bis jetzt von den Herren Klerikern nicht für nötig befunden wurden, zu versorgt zu werden, schließen sich augenblicklich durch die Macht des magischen Gürtels. Was in aller Welt ist das schon wieder? Sind das Schatten? Wie das Wesen in der Kugel im Labor der Magierin im Kollegiat? Das wird jetzt unangenehm für uns werden. Tymora hilf!

Und Tymora hilft. Während wir noch vor Schreck wie erstarrt sind, reißt Glücksbote Ryan sein heiliges Symbol hoch. „Im Namen Tymoras! Geht mir aus den Augen!“ Und wahrlich, sein Symbol erstrahlt im reinen Licht und die beiden Schatten kreischen gepeinigt auf. „Meeerrrkt eeeuuuch uunseree Worteee! Deeer Kööönig wiiird kooommennnn!“ Dann weichen sie zurück und sickern durch die Wand. „Lange wird sie das nicht aufhalten!“ Wir müssen das Schiff versenken, sofort! Also schütten wir die Alkoholvorräte der Mannschaft aus und brennen es ab. Gerade als die Schatten wieder kommen, verlassen wir das brennende Schiff. Schon bald brennt der Zweimaster lichterloh und ich hoffe, dass die Flammen ausreichen, um das Ei zu zerstören. Brennend sinkt das Schiff, bis nur noch die Masten aus den Fluten herausragen. Ich hoffe, wir haben das Richtige getan. Das vielleicht nicht, aber aus unserer Sicht gab es einfach kein richtig oder falsch, sondern nur ein praktikabel oder hohes Risiko. Wir werden später nachsehen, ob das Ei nun vernichtet ist oder nicht.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir den Hafen und geben das Boot zurück. Mühsam schleppen wir die Kiste ins Kollegium, wo wir Havard Repp erstmal ausführlich Bericht erstatten. Er kann sich auf das Ganze auch nicht so den Reim machen. Und er ist auch nicht gerade über die Kiste begeistert. „Ich werde Zeit brauchen, bis ich sie gefahrlos öffnen kann. Kümmert ihr euch erstmal um die anderen Probleme.“ Ja, da steht noch einiges aus. Kanalisation ausspähen, den Assassinen ausschalten, den Maske Tempel auf unsere Seite ziehen und natürlich am Ende Larna ausschalten. Wir haben einen ganzen Tag für die Blutstrotzer und die Verhinderung des Rituals gebraucht. Wenigstens ist jetzt das Tieflingsproblem aus der Welt. Aus dieser Richtung wird Larna keine Unterstützung mehr bekommen. Besonders da Havard Repp jetzt auch die überaus negativen Informationen über die Tieflingsbotschafterin aus Westtor durchsickern lassen kann. Nach kurzer Beratung entschließen wir uns, die Kanalisation um Larnas Lagerhaus herum anzusehen.

Aber vorher bringen wir noch die Beute in Sicherheit. Meine Kleine ist ganz aus dem Häuschen, als sie mich sieht. Trotz keiner Gruselgeschichten ist sie auch jetzt sehr hibbelig. Och Kleines, alles wird gut. So kenne ich sie gar nicht. Ich habe wirkliche Mühe, sie ins Bett zu bekommen, nachdem wir noch alle etwas gegessen haben. Es dauert eine Weile, bis ich sie in den Schlaf gesungen habe. Dann können wir aufbrechen. Aber leider wird Schlachtenrufer Dolon von seinem Tempelvorsteher zurück gehalten, der ihm noch eine Aufgabe aufbrummt, sodass er uns nicht begleiten kann. Das ist natürlich schlecht, aber Tempeldienst scheint bei einer Organisation wie die Kirche des Tempus wohl vorzugehen, solange keine Schlacht ansteht und das ist wahrlich nicht der Fall.

Aufklärung der Kanäle. Dies ist mein Element und ich führe uns so nahe wie möglich an Larnas Lagerhaus heran in eine Nebengasse, wo es einen schmalen Zugang zur Kanalisation gibt. Wir wuchten die Platten auf und ein dunkles Loch öffnet sich vor uns. Leider befinden sich hier keine Kletterhilfen. Ich nehme mein Seil mit den Knoten und werfe es so kunstvoll über den Hals eines Wasserspeiers, dass ich später das Seil bergen kann. Als erster geht Glücksbote Ryan in die Tiefe. Und leider wortwörtlich, denn er kann sich nicht am Seil festhalten, rutscht ab und kommt mit einem lauten Platschen unten auf. Autsch!

„Aber Glücksbote Ryan, du hast doch vorhin erst ein Bad genommen.“ Ein wüster Fluch antwortet mir. Als nächste saust Xana in die Tiefe, die auch abrutscht, aber wenigstens von Ryan vor einem Bad in der Kloake bewahrt wird als er sie Galant auffängt. Lia stellt sich etwas geschickter an und kommt heil unten an. Als letzte arbeite ich mich in die Tiefe vor und springe auf den steinernen Steg am Rand des Kanals. Die Kanäle wurden vor Jahrhunderten von Zwergen angelegt. Das Mauerwerk ist so gut wie fugenlos, die Steine besser behauen als in einem menschlichen Gebäude für reiche Leute. Die Decke der Kanäle ist gewölbt, der Fluss etwa zwei Schritte breit, auf jeder Seite ist ein fast ein Schritt breiter Gang. Eng ist es hier wirklich nicht.

Lia weist mir den Weg und ich laufe als erste, immer ein Auge auf Fallen oder andere Gefahren. Aber wir stellen sehr bald fest, dass jeder Weg zu Larnas Lagerhaus irgendwann vor einem von Zwergen gefertigten adamantenen Gitter endet. Angeblich kann man diese Gitter mit einem Schlüssel öffnen und ich sehe auch ein Schlüsselloch. Ich spähe hinein und packe dann ohne einen Versuch zu starten meinen Taster wieder ein. Das übersteigt mein Können bei weitem. Aufbrechen ist auch nicht möglich, dazu sind die Gitter viel zu massiv. Jetzt haben wir wieder das gleiche Problem wie mit der Ankerkette. Blöd!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 15. Februar 2008, 17:03:57
20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan  Kanalkavernen

Also suchen wir einen anderen Weg. Wir drehen um und Lia tüftelt eine neue Route aus. Auf einmal sausen auf der uns gegenüberliegenden Seite unzählige Ratten über den Pfad am Rand entlang. Wir machen uns kampfbereit und harren der Bestie, welche einen Rattenschwarm so in Panik versetzen kann. Nach wenigen Augenblicken sehen wir eine sich bewegende schwarze Pfütze über den Weg gleiten. Das muss ein lebendiger Schleim sein, davon habe ich schon gehört, aber nie einen gesehen. Da wir nicht herausfinden wollen, ob das Ding schwimmen kann, machen wir, dass wir es sicher auf dieser Seite passieren.

Aus einiger Entfernung vernehme ich einen herzhaften Fluch und kann auch den Schein einer Lichtquelle ausmachen. Wir schleichen so leise wie möglich weiter und können schließlich einen Blick erhaschen. Vor einem dieser verdammten Adamantgitter steht ein in einen braunem Kapuzenumhang gehüllten Mann, der in einem Buch blättert und schließlich eine arkane Formel murmelt. Aus seinen Fingerspitzen kommt eine magische Entladung, die eindrucksvoll Blitze schlagend über die Gitter wandert und dann erlischt. Ich glaube, das ist unser netter Tippgeber von vor ein paar Tagen. Lia senkt ihren Bogen und wir schleichen uns weiter an ihn an.

„Ah, ihr seid schon besser geworden“, meint der Mann, als wir etwa zwanzig Schritt an ihn heran gekommen sind. „Aber immer noch nicht gut genug.“ „Seid Gegrüßt!“, erwidere ich und löse mich aus den Schatten. „Die Gitter sind ein wirkliches Hindernis.“

„In der Tat, in der Tat. Diese Zwerge und ihre Verschwendung von Perfektion an so was Profanes. Als ob das hier noch jemand zu Gesicht bekommen würde. Aber so sind sie eben, die Zwerge. Jede Arbeit ein Meisterwerk für die Ewigkeit!“ Resigniert klappt er sein Buch zu und steckt es ein. „Aber mit einem Schlüssel kommt man hier durch. Leider gibt es nicht besonders viele. Die meisten sind im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen. Die Schildwacht hat einen. Larna hat einen. Und der Wächter rückt ungern weitere heraus.“ fährt der Kapuzenmann fort.

„Der Wächter?“ „Sagrell, der Letzte vom Orden der Kavernenwächter. Wenn man sein Vertrauen gewinnt, bekommt man einen Schlüssel. Leider schaffte ich es nicht. Aber ihr könntet es versuchen. Und wenn ihr den Schlüssel habt, könntet ihr mir ihn kurz überlassen und ich würde eine Kopie anfertigen.“ Das hört sich gar nicht so verkehrt an. „Wenn ihr mit ihm Kontakt aufnehmen wollt, sprecht mit einem Zwergengesicht an der Wand, die gibt es alle fünfzig bis hundert Schritt.“ Wir bedanken uns für die weitere Hilfe und ziehen Leine. Der Typ hat echt was drauf. Leider hat er auf meine bohrenden Fragen in dieser Richtung nicht wirklich befriedigend geantwortet. Schade.

„Wir möchten eine Audienz beim Kavernenwächter.“ Ich komme mir etwas blöd vor, als ich mit einem Zwergengesicht aus Stein rede, dass einen O förmigen Mund hat. „Folgt dem Pfeifen!“ hören wir die Antwort und tatsächlich ist in der Nähe ein Pfeifen zu hören. Das kommt aus einem weiteren Zwergengesicht, das dann verstummt und in der Ferne ist nun das Geräusch zu hören. So folgen wir den Geräuschen. Hier und da sind Gitter, die aber nach oben in die Decke fahren, als wir vor ihnen stehen. Mir ist das Ganze etwas suspekt. Wie kann ein Zwerg das alles bewerkstelligen? Diese Kanalisation ist mehr als nur Stein und Adamant.

Schließlich werden wir in einen trockenen Gang gelotst und kommen in einer Kuppelhalle heraus. Die Decke ist sicherlich sechs Schritt hoch. Inzwischen habe ich total die Orientierung verloren. In der Mitte des Raumes steht die Statue eines Zwerges auf einem niedrigen Sockel. Die Statue ist sicherlich ihre vier Schritt hoch. Der Zwerg trägt in der einen Hand eine Laterne, in der anderen eine Axt. Diese Statue scheint Sagrell selbst zu sein. Und damit meine ich nicht, dass dies eine Statue von ihm ist, sondern dass diese Statue Sagrell ist. Wir bekommen einen kurzen Vortrag über den Orden der Kavernenwächter zu hören. Dieser Orden ist unangesehenste aller Zwergenorden, da die Wächter alleine im Dreck anderer ihren einsamen und unbesungenen Dienst verrichten. Immer mit einem Stiefel im Grab, der andere im Unrat. Und doch ist die Verteidigung und die Reinhaltung der Kanalisation vor den Abscheulichkeiten ein ehrenvoller Beruf. Der steinerne Zwerg scheint die Auffassung zu haben, dass wir dem Orden beitreten wollen. Aber wenn wir als Ordensmitglieder einen Schlüssel bekommen, warum also nicht?
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 18. Februar 2008, 22:38:45
20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan  Kanalkavernen

Aber bevor wir dem Orden beitreten können, müssen wir erst zwei Tests bestehen. Einer davon wäre, eine seiner Verteidigungsanlagen zu entsiegeln. Mitglieder der Schildwacht hätten einen seiner Mechanismen verstopft. Das müssen wir beheben. Na, wenn es weiter nichts ist. Der Zwerg oder was auch immer Sagrell sein mag, weist uns den Weg durch die Kanäle. Schließlich passieren wir einige halb aufgelöste Rattenkadaver und dahinter kriecht ein Schleim hervor. Oh oh! Ich ziehe meine Schleuder und gebe dem Ding aus sicherer Entfernung eine Kugel zu schmecken. Das tut ihm doch etwas weh und es kommt auf uns zugeflossen. Ein allgemeiner Hagel von Pfeilen von Lia und Kugeln von Xana und mir gehen auf das Ding nieder. Glücksbote Ryan geht nach vorne, um ihn aufzuhalten und haut in den Schleim rein. Das Teil zerplatzt regelrecht und überschüttet ihn mit einer stark ätzenden Säure. Sein Panzer dampft und wir helfen ihm, das sich zersetzende Metall loszuwerden. Mist, das war sein guter Bänderpanzer, der sich gerade vor seinen Füßen auflöst.

Ryan macht keinen glücklichen Eindruck, als er äußerst missmutig den Überrest des Griffes von seinem Morgenstern wegwirft und den wenigen Überresten seiner Rüstung einen wütenden Tritt verpasst. Das ist in der Tat äußerst ärgerlich. Aber eine wertvolle Lektion für die Zukunft. Schleime nicht im Nahkampf angreifen. Gut zu wissen. Xana drückt Ryan mit einem aufmunternden Lächeln ihren Dolch in die Hand. Es gibt Männer, die für so ein Lächeln sterben würden, Ryan sieht nur finster den Dolch an und dreht sich um. Wir gehen unseren Weg weiter und erreichen wohl den Ort der versiegelten Verteidigungseinrichtung. Es handelt sich um eine Gruppe aus vier steinernen Zwergen, von denen jeder in einer Himmelsrichtung blickt. Die stehen auf einem Sockel, der von einem etwa um fünf bis acht Schritt breitem Wassergraben umgeben ist, je nachdem, von welcher Seite man kommt. Die Zwerge haben aufgerissene Münder, die mit einer harzigen Substanz verstopft sind. Das muss das Siegel sein.

„Ich kann das mit meiner Magie bewerkstelligen.“ Xana hüpft schier übermütig auf und ab. Wir gehen so nah wie möglich trockenen Fußes heran, dann wirkt Xana ihre Magie. So was will ich auch können! Einer der Harzklumpen löst sich und fällt ins Wasser. Es gibt ein Geräusch, als ob jemand tief Luft holen würde, dann ist ein starker kalter Lufthauch zu spüren, der schnell unangenehm wird. Kälte tötet Ungeziefer. Aber dieser Luftzug setzt einen der Müllberge in Bewegung. Oder besser gesagt, was sich darunter befindet. Ein großes Wesen steigt aus dem Unrat hervor. Es hat bräunlichschmutzige Haut, ein riesiges Maul und zwei lange Tentakeln. Iiiks!

Ich lege mit fliegenden Händen einen Stein in meine Schleuder und katapultiere ihn mit aller Wucht in das offene Maul. Ich treffe gut, Zähne splittern und das Ding hat wortwörtlich schwer daran zu schlucken. Lia und Xana lassen ebenfalls Kugeln und Pfeile hageln. Ryan schaut missmutig auf seinen Dolch. Aber bevor es ihm langweilig wird, zuckt ein Tentakel vor und greift ihn sich. Und der andere schnappt sich Xana, die erschreckt aufkreischt. Beide werden zu dem Ding ins Wasser gezogen, das aber weniger tief zu sein scheint, als ich geglaubt habe. Das sieht nicht gut aus. Während Lia Distanz gewinnt, werfe ich resigniert meine Schleuder weg und ziehe mein neues Kurzschwert. Ich springe ins brackige Wasser und arbeite mich an das Ding heran. Es versucht nach mir zu beißen, aber ich kann gerade im letzten Moment meinen Kopf zur Seite ziehen. Das Ding hat vielleicht mal einen Mundgeruch!

Gegen Mundgeruch hilft guter ehrlicher Stahl in geschickter Hand und ich lasse mein neues Kurzschwert vorzucken. Es ist etwas ungewohnt, nicht mit meinem Rapier zu kämpfen, aber diese Waffe ist einfach besser ausbalanciert. So ramme ich denn nun das Schwert mit voller Wucht in die zähe Haut der Kreatur an der Stelle, wo ich lebenswichtige innere Organe vermute. Gepeinigt brüllt das Vieh auf. Derweil spickt Lia von der anderen Seite tapfer das Monster aus sicherer Entfernung mit Pfeilen. Ein weiterer Stich und weitere Pfeile beweisen dem Ding schließlich, dass es sich etwas übernommen hat. Endlich können sich Xana und Ryan aus der Umklammerung der nun kraftlosen Tentakel lösen. Beide sehen nicht gut aus. Und das liegt nicht nur am unfreiwilligen Bad im Wasser der Kanalisation.

„Das war heute dein drittes Bad, Ryan!“, versuche ich zu scherzen, aber für Galgenhumor hat Ryan zurzeit keine Ader. Er schaut mich nur überaus finster an. Ich muntere ihn etwas auf, indem ich einen meiner Heiltränke gebe. Zuerst will er ablehnen, aber ich bestehe  darauf. Trotzdem steckt er ihn nur weg, ohne ihn zu benutzen. Da wir jetzt schon im Wasser sind, können wir nun auch zu dem Podest mit den vier Zwergenstatuen waten und die harzigen Klumpen von Hand entfernen. Es ist zwar etwas Kletterei, aber schließlich schaffen wir es dieses Lüftungsding wieder in Funktion zu setzen. Es wird deutlich kälter und die Stimme Sagrells ertönt aus der Wand, dass diese Mission erfolgreich erledigt wurde. Erfolgreich ja, aber für welchen Preis?
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 20. Februar 2008, 12:44:52
20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan  Kanalkavernen

Siegreich, aber in keiner guten Stimmung kehren wir zurück zu der kleinen Kuppelhalle von Sagrell. Dieser Sieg hat Glücksbote Ryans teure Rüstung gekostet. Hoffentlich lohnt sich dies alles hier am Ende auch für uns. Durch den taktischen Fehler Lia allein schlafen zu lassen, hat sie ihre Ausrüstung und Beute verloren. Und jetzt hat es den Glücksboten erwischt, ohne dass er dafür wirklich etwas konnte. Tymoras finstere Schwester scheint wahrlich ihren pechbringenden Fluch auf ihn geworfen zu haben. Bei dem Gedanken umklammere ich mein Amulett, küsse es und führe es an Herz und Stirn, um mich vor Beshaba zu schützen.

Der Zwerg ist voll des Lobes. Unsere Tat- und Kampfkraft hätten wir erfolgreich unter Beweis gestellt, aber ein Wächter der Kavernen brauche auch einen wachen und gewitzten Geist. Ein Sockel erhebt sich aus dem Boden. Im Innern ist ein erhöhtes Dreieck, das für ein Sechseck einen Freiraum hat. An jeder Ecke des Dreiecks ist das Zeichen für Neun in Dethek zu sehen. Sechs Dreiecke, die von eins bis sechs durchnummeriert sind, liegen darum herum. Ah, ich verstehe, man muss die Dreiecke so einführen, dass in jeder Ecke die Summe Neun erreicht wird. Das ist leicht. Während die anderen noch überlegen, packe ich die Dreiecke und führe sie so ein, dass es immer eine Neun gibt. „Wahrlich, ihr habt einen wachen Geist. Die Prüfung ist hiermit bestanden. Ihr seid nun Mitglieder im Orden der Kavernenwächter. Der Segen Moradins ist nun mit euch und jeder Zwerg wird wissen, welch schwierige Aufgabe ihr übernommen hat.“ Die Statue bewegt sich auf ihren Sockel und streckt die Arme nach vorne. Obwohl sonst nichts weiter Sichtbares passiert, fühle ich mich auf einmal gesünder und die Sprache der Zwerge ist auf einmal in meinem Kopf.

„Ich will hier ja nicht die Söldnerseele heraushängen lassen, aber ist diese Aufgabe mit einer Vergütung verbunden? Schließlich habe ich ein kleines Kind zu versorgen.“ Dies ist leider nicht der Fall. Aber wenigstens haben wir jetzt einen Schlüssel. Und in Zukunft werden wir immer, wenn wir seinen Ruf hören, zu ihm hierher kommen müssen, um eine Aufgabe zu übernehmen, die er nicht alleine vollbringen kann. Nun, so soll es wohl sein. Wir verabschieden uns und gehen nun dahin, wo Larna ihr Versteck hat. Der Kapuzenmann ist nicht mehr da. Also öffne ich das Tor mit dem nun vorhandenen Schlüssel und wir sind in dem Bereich, wo Larna ihr Versteck hat. Schließlich finde ich eine Geheimtüre und den Knopf, der die Türe öffnet. Ich suche weiter und finde einige daran gekoppelte Fallen. Ich könnte die zwar nun entschärfen, aber das könnte jemand später bemerken. Wir haben den Eingang gefunden und hier durch werden wir angreifen. Aber erst morgen. Dieses Problem hätten wir nun gelöst. Fehlt nur noch der Assassine und der Tempel des Maske, bevor wir das Lagerhaus stürmen können.

Aber das werden wir wohl erst morgen in Angriff nehmen können. Jetzt sind wir verwundet, fast bar jeder Magie und Ryan hat keine Ausrüstung. Das Seil hängt noch da und ich klettere als erste hoch. Kaum bin ich oben, treten vier vermummte Gestalten in die Gasse. Oh oh! Ich greife nach meinem Kurzschwert und ziehe blank. Im ersten Moment denke ich, wir haben den Assassinen und seine Gehilfen vor uns. Dann wirft einer von ihnen mir einen Beutel zu. Instinktiv fange ich ihn auf. Es ist ein Beutel voll Gold. „Maske interessiert dein Gold nicht.“ Aha? Sieht so aus, als ob der Tempel des Maske nun endlich mit uns in Kontakt tritt. Die anderen klettern inzwischen ebenfalls hoch und wir bilden so etwas wie eine Abwehrlinie. Jetzt hätte Dolon doch noch seine Schlacht bekommen. Vier gegen Vier und wir sind verwundet, ohne Magie und teilweise ohne Rüstung und Waffe. Nicht gut.

„Gut, dass ihr endlich in Erscheinung tretet. Ich glaube, wir sollten wegen Larna Maran reden“, versuche ich in die verbale Offensive zu gehen. „Die Tempelvorsteher sind nicht an einem Gespräch interessiert. Schnappt sie euch!“ Der vermummte Sprecher setzt sich blitzschnell in Bewegung und schlägt mit bloßen Händen auf Glücksbote Ryan ein. Ich löse mich aus meiner Erstarrung und greife den mir gegenüberstehenden Kontrahenten an, bevor der reagieren kann. Mein Kurzschwert findet zielsicher wichtige Organe und ich glaube, er ist tot, bevor er überhaupt den Boden berührt. Einer der anderen geht schräg vor, holt bunten Sand aus seiner Tasche und verwirrt damit die hübsche Halbelfe und Lia. Der andere macht das gleiche mit mir. Mein Geist wird angegriffen und mein Willen reicht nicht aus, mich dagegen zu wehren. Überall bunte Blitze. Schön! Dann falle ich und nur noch Schwärze ist um mich herum. Heute ist kein guter Tag zum Sterben.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 22. Februar 2008, 12:25:51
20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Tempel des Maske

Als ich aufwache, ist Dunkelheit um mich herum. Ich liege auf dem Bauch. Mühsam rolle ich auf den Rücken, mein Kopf fühlt sich unglaublich schwer an. Kein Wunder, da ich eine eiserne Maske zu tragen scheine. Durch einen engen Mundschlitz sickert etwas diffuses Licht herein. Gefesselt bin ich nicht. „Ah, die Gefangenen werden wach. Ihr fragt euch sicher, warum ihr noch lebt.“ In der Tat, denke ich. „Nun, wir beobachten eure Taten schon eine gewisse Weile und Maske ist durchaus zufrieden mit eurem Werk. Ihr lügt, stehlt, tötet. Aber leider steht ihr auf der falschen Seite. Larna gehört die Zukunft, Renya ist nur noch traurige Vergangenheit. Diese Stadt braucht eine neue Gilde, nachdem Luzius so unrühmlich von uns gegangen ist. Nun, da ihr euch als äußerst viel versprechend, aber auch als sehr dickköpfig herausgestellt habt, hat der Tempel des Maske beschlossen, euch zu eurer eigenen Sicherheit in Gewahrsam zu nehmen, bis diese kleine Auseinandersetzung zwischen Zukunft und Vergangenheit ihr uns genehmes Ende gefunden hat. Also genießt die Zeit in Sicherheit.“

Na toll! Ich versuche verzweifelt irgendeinen lockeren Spruch anzubringen, aber mir will einfach nichts einfallen. „Arbak, bewache die Gefangenen und fresse sie nicht auf. Das würde dir übel aufstoßen.“ „Arbak hört und gehorcht, Meister“, antwortet eine gutturale Stimme. „Sie müssen hungrig sein, mach ihnen was zu essen.“ „Sehr wohl, Meister.“ Dann hören wir Schritte und sind alleine. Arbak hört sich gerne selbst reden und lässt sich leicht aufsticheln. Aber erst mal die Lage sondieren. Wir sind nicht gefesselt, aber die Masken sind mit einem Gurtsystem an unseren Schultern verankert, auf dem Rücken ist ein einfaches Schloss, welches dieses verschließt. Leider habe ich nichts mehr an mir, um es zu öffnen. Wir sind alle in einer Zelle untergebracht. Drei Seiten sind rauer, grob behauener Stein. Die Zelle ist etwas über vier Schritt breit und geräumige zehn lang. Die vierte Seite ist mit einem Rostigen Gitter abgedeckt. Der Boden ist mit verfaulenden Stroh und Unrat bedeckt. Besonders in einer Ecke ist wohl der Bereich für die Ausscheidungen angesiedelt.

Glücksbote Ryan hat Glück und findet einen kleinen Knochen, damit kann ich arbeiten. Es ist leider unmöglich, dass ich mein eigenes Schloss öffne. Aber die der anderen bekomme ich nach und nach geöffnet. Jetzt müssen wir nur aus der Zelle heraus und an Arbak vorbeikommen. Ich entwerfe einen gewagten Plan, wie wir beides auf einen Schlag schaffen. Also fange ich an, Arbak zu reizen, was nicht besonders schwer ist. Leider hat er keinen Schlüssel für die Zelle. Aber ich stachle ihn so auf, dass anfängt, wie wild an dem Gitter zu rütteln. Was immer Arbak auch ist, stark scheint er zu sein, denn er fängt an, Gitterstangen aus der Verankerung zu reißen. War es wirklich eine gute Idee, den Ausbruch auf diesem Weg zu bewerkstelligen? So langsam habe ich meine Zweifel. Aber wer wagt, gewinnt. Es fehlt mir, dass ich jetzt nicht mein Amulett küssen und an Stirn und Herz führen kann.

Mit einem Krachen reißt Arbak einen weiteren Eisenstab aus der Verankerung und man kann hören, wie er sich nun durchquetscht. Für die anderen ist es nun Zeit, ihre Masken abzunehmen und sich dem Kampf zu stellen. Aber ihre Linie wird durchbrochen und das Ding grabscht nach mir. Perversling! Und dazu beißt er mich auch noch. Gemein! Das tut verdammt weh und etwas greift obendrein noch meinen Körper an. Ich kann mich aus seinem Griff winden und laufe weg. Eine Wand stoppt mich unfreundlich und mein Kopf dröhnt nicht nur, weil der Helm so vibriert. Die anderen schaffen es mit gemeinsamer Kraft das Monster nieder zu kämpfen. Ryan pumpt die letzte schwache Heilmagie in mich hinein. Was aber kaum Erleichterung verschafft. Ich muss diese blöde Maske loswerden.

In Arbaks Lager findet sich unter anderem eine lange Gabel, die kann ich blind so hinbiegen, dass sie in das Schloss passen könnte. Ich zeige meinen Kameraden, wie sie die Gabel einführen müssen und leite sie dann Schritt für Schritt an, was sie zu tun haben. Leider klappt das so nicht. Xana findet dann bei unserem Wächter ein Messer und so geht’s natürlich auch. Endlich fällt auch meine Maske. Weg mit dem Mistding. Ich fühle mich richtig schummerig und irgendwie ganz träge. Nicht gut, aber nicht zu ändern. Arbak entpuppt sich als ein Atakob, wenigstens bezeichnet Lia dieses Ding, das irgendwie wie ein viel zu großes Insekt auf zwei Beinen aussieht, als solchen. Noch nie habe ich von so einem Wesen gehört. Wir selbst scheinen uns am Ende eines Stollensystems zu befinden. Da es hier nichts weiter zu finden gibt außer einen Kessel mit kochenden Wasser und ein paar halb verdorbenen Lebensmittel, machen wir, dass wir von hier wegkommen. Wir scheinen uns in einer ehemaligen Mine zu befinden. Ich weiß, dass sich am Berg Targris ein paar alte Minen und Brüche befinden. Wahrscheinlich sind wir in solch einer alten Mine.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 25. Februar 2008, 14:40:27
20. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Tempel des Maske

Schon bald erreichen wir eine T-förmige Kreuzung. Ein großer Gang führt zu beiden Seiten weiter. Von rechts sind Gesänge zu hören, also gehen wir erstmal links. Als nächstes finden wir eine Schreibstube. Ein alter Mann schreibt gerade etwas in ein Buch, als er unser gewahr wird. Glücksbote Ryan stellt ihm seine Faust vor und der Mann verdreht KO die Augen. Tja, ich hätte ihm ja gerne noch ein paar Fragen gestellt. Aber so wurde wenigstens die Gefahr unterbunden, dass er uns mit einem Schrei verrät. Wir finden hier unsere Wehrgehänge. „Ich habe einen Dolch! Ich bin bewaffnet und gefährlich!“ Ryan fletscht theatralisch die Zähne. „Nicht mal Keulen haben die hier!“ beschwert er sich weiter. An der Wand hängt ein Bild, das im ersten Moment eine Marktszene zeigt. Im Zentrum sind zwei Händler in ein Gespräch vertieft und das sind die einzigen normalen Menschen auf dem Bild. Alle anderen gehen gerade ihrer Art des Maske gefälligen Gewerbes nach. Diebe stehlen, Assassinen zücken ihre Dolche. Aber das Bild ist zum Glück kein Gregor Vern und verwandelt sich demnach auch nicht in etwas Schrecklicheres.

Ich hätte gerne noch meine übrige Ausrüstung, also gehen wir weiter suchen, nachdem wir den armen Mann noch gefesselt und geknebelt haben. Als nächstes kommen wir an einen Schrein. Eine große Maske schwebt im kuppelförmigen Raum. Er ist leer und das sicherlich schon seit längerem. In den offenen Opferschalen liegt allerhand Zeug, aber alles von einer Staubsicht bedeckt. Ryan merkt an, dass man mit dem Zeug sicherlich unsere Verluste ausgleichen könnte. Das wohl, aber ich bin nicht so tief gesunken, einen Tempel zu bestehlen. Wenn er was davon haben will, soll er selber was herausholen. Der Gang geht hier zwar noch weiter, aber das sieht für mich aus, als ob der Teil verlassen ist. Also zurück.

Neben dem Stollen unserer Gefängniszelle finden wir einen weiteren Raum, in dem eine alte Frau gerade an Gewändern näht. An Haken hängen unzählige Robe und Masken. Genau das, was wir brauchen, um uns unerkannt zwischen den Gläubigen bewegen zu können. Die Frau hat im Angesicht unserer Waffen keine Einwände, dass wir uns bedienen. Wir fesseln und knebeln auch sie, nachdem wir sie befragt haben, wo unser restliches Zeug ist. Alles scheint in den Opferschalen des Haupttempels zu liegen, aus dem die mystischen Sprechgesänge kommen. Also nichts wie hin.

Dieser kuppelförmige Raum ist prächtig eingerichtet, Säulen ragen hoch bis zur Kuppel. Drei große Masken schweben im Zentrum. Eine lachende, eine weinende und eine wütende Maske. Erstaunlich, wie man mit ein paar Augenschlitzen eine komplexe Mimik darstellen kann. Hier befinden sich Dutzende vermummter Anhänger. Eine Zeremonie scheint gerade beendet worden zu sein und verschiedene Gruppen haben sich gesammelt und reden leise miteinander. Einer der Maskenträger kommt mir bekannt vor. Die korpulente Gestalt scheint die von Thropp zu sein. Was macht er hier? Verstehe ich jetzt nicht ganz. Freund oder Feind?

Wie auch immer, wir schreiten die Schalen ab und finden unsere Sachen in drei verschiedenen. Das wird knifflig werden. Da dies unsere Sachen sind, habe ich keine Skrupel, sie aus den Schalen zurück zu stehlen. Ryan drängt wieder, mehr mitzunehmen. Und wieder meine ich nur, wenn er was von dem Zeug hier haben will, soll er es verdammt noch mal selber stehlen. Und das „Verdammt“ hat hier keine ausschmückende und Standpunkt klarmachende Bedeutung, sondern seine ureigenste. Xana übernimmt es gekonnt, jeweils die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, während ich unsere Sachen, darunter auch meinen wertvollen Gürtel der Heilung, aus den Opferschalen zurückhole. Kaum bin ich fertig, kommt eine der maskierten Gestalten auf mich zu. Verdammnis!

„Und, hast du dich für eine Seite entschieden?“ Ich überlege mehrere Sekunden, was das zu bedeuten hat. „Natürlich“, meine ich so neutral wie möglich. Die Gestalt nickt und geht weiter. Was war das jetzt? Ich werde nicht ganz schlau draus. Wie auch immer, Zeit zu verschwinden. So sammeln wir uns auf der anderen Seite und gehen den Weg weiter entlang. Schließlich kommen wir an eine unbewachte Pforte und schlüpfen in einen weiteren Stollen. Für einen geheimen Eingang stehen hier viel zu viele maskierte Statuen herum. Ein Mann kommt uns entgegen und mustert uns seltsam in unseren Roben. Die sollten wir vielleicht mal wieder ausziehen. Wir sind tatsächlich unter dem Tagris am alten Bruch, wo einst die Gründerväter Chondathans die ersten Steine für die Stadtmauer brechen ließen. Jedenfalls treten wir aus einen der alten stillgelegten Stollen ins Sternenlicht.

Nach dem Stand der Selune ist es später, als gedacht. Bis zur Dämmerung sind es keine drei Stunden mehr. Verdammnis! Wir haben viel zu viel Zeit verloren. Aber wenigstens wissen wir jetzt, woran wir sind. Zeit der guten Renya Bericht zu erstatten. Angeschlagen schleichen wir uns durch das nächtliche Chondathan. Zwei übermüdete Wächter begrüßen uns am Brunnenhaus. Die gute Frau Harloff ist noch auf und hört sich mit gerunzelter Stirn an, was uns alles widerfahren ist. Dass der Tempel sich gegen uns stellt, ist natürlich schlecht, aber nicht zu ändern. Jetzt ist nur noch der Assassine Arian Hellweth aus dem Weg zu räumen.

Wir besprechen mehrere Vorgehensweisen, aber wir sind zu angeschlagen, um uns ein weiteres Gefecht zu liefern. Das hätten wir gestern machen müssen, jetzt ist es dazu zu spät. Nicht gut. Wir haben ja noch einen Ansatzpunkt. diesen Egor Abor, den man im Fürsten Orlandur finden kann. Sollten wir vielleicht heute Nachmittag in Angriff nehmen. Und dann den finalen Angriff am Besten heute Nacht oder im Morgengrauen. Aber das können wir noch später bereden. Mühsam machen wir uns auf zum Tempel des Tempus. Unterwegs kommt Lias Rabe angeflogen und setzt sich auf deren Schulter. Beinahe sieht es so aus, als ob der Rabe ihr was ins Ohr flüstern würde. Dann meint sie doch tatsächlich, dass sie gehen müsste. Aha? Bevor wir groß was sagen könnten, verschwindet sie einfach in der Dunkelheit. Ts, hat sie ihre Lektion noch nicht gelernt? Aber da kann man wohl nichts machen. Wir werden in den Tempustempel eingelassen und ich mach mich noch etwas frisch, bevor ich ins Bett falle und sofort einschlafe.

Gespielt am 9.12.2007
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon (Stufe 3), Kaira (Stufe 3), Lia (Stufe 2), Ryan (Stufe 2), Xana (Stufe 3)
Schrein des Ruhmes: Maske aus dem Tempel des Maske
Erfahrungspunkte: 2090 + 225 für Kaira, +75 für Dolon, + 225 für Xana, +75 Lia, +150 Ryan
Überwundene Gegner von Gruppe:
1 Otyugh
10 Tieflinge
1 Tieflingkrieger mit Stachelkette
1 Geflügelter Halbdämon
1 Säureschleim
Beute von Gruppe:
300 Goldmünzen
Schmuck im Wert von 500 Goldmünzen
6 magische Kekse
mehrere Sätze femininer Garderobe
1 Kiste mit Ritualgegenständen
Beute für Kaira
1 schönes Kleid
Beute für Lia
100 GM Extra
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Topas am 25. Februar 2008, 15:53:52
Eure Gruppe wird aber übermässig häufig von ihrer Ausrüstung getrennt, oder ? Schön geschrieben, weiter so.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Pelor am 26. Februar 2008, 07:50:25
Wie die Diebin weigert sich unbewachtes Gold aus einem Tempel zu stehlen welcher sie gefangen gehalten hat ???

Versteh ich nicht....

Die Geschichte ist sehr schön geschrieben. Ich freu mich schon wieder auf Mittwoch :)
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 27. Februar 2008, 14:42:18
@ Topas

In dem Abenteuerabschnitt hat sich das halt massiert. Zuerst Lia durch den Attentäter, wobei sie eigentlich tot gewesen wäre, dann Ryan Rüstung und Waffe durch den Schleim, danach alle temporär wegen dem Tempel. Aber sonst geht es eigentlich.

@ Pelor

Nun ja, der Maske Tempel kann sich ja ausrechnen, wer das gewesen wäre. Und da die sicherlich wissen, wo man so lebt, wäre die Rache unvermeidlich gewesen. Und wenn dann noch ein kleines Kind im Hintergrund wartet, überlegt man sich solche Sachen eben lieber ziemlich gründlich.

Kapitel 8
Sieg oder Tod!


21. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Irgendetwas weckt mich. Ein sanftes Streicheln über meine Wange. Was nun los? Ich öffne meine verklebten Augen und versuche mich zu orientieren. Mein kleiner Schatz liegt wie ein Kätzchen zusammengerollt an meiner Seite und murmelt im Schlaf etwas vor sich hin. Mili war es nicht, die mich geweckt hat. Xana im Bett gegenüber auch nicht. Aber was ist das, da liegt ein verknitterter Zettel. Ich streiche ihn glatt und schaue, was da drauf steht.

Das Brunnenhaus wird angegriffen

Aha? Keine Unterschrift, kein gar nichts. Die Handschrift ist filigran, aber der Text macht den Eindruck, als ob er in sehr großer Eile geschrieben wurde. Ein Krächzen vom Fenster lenkt mich ab. Es ist dieser komische Rabe, den Lia immer wieder mal bei sich hat. Sieht so aus, als ob Lia ihn geschickt hat. Und ich denke mal, dass dies kein dummer Scherz ist. Also rapple ich mich auf, wanke rüber zu Xana und rüttle sie wach. Sie ist sehr wehleidig und fleht mich an, sie weiter pennen zu lassen. Aber ich leider kann dies nicht gestatten. Ich selbst schlüpfe in meine Rüstung und trommle die anderen zusammen. Glücksbote Ryan finde ich in einer Ecke beim Exerzierplatz zusammen gekauert. Er hat wohl gerade für seine Gebete meditiert und ist danach eingeschlafen. Auch ihn scheuche ich auf und sammle dann Schlachtenrufer Dolon ein. Glücksbote Ryan hat einen Zauber erhalten, der die Schäden des Giftes von diesem Insektending heilt. Das tut gut! Danke schön! Da bekommt er doch gleich einen Kuss von mir auf die Wange. Und da man bekanntlich auf einem Bein nicht stehen kann, gleich noch einen zweiten auf die andere Wange. Und los geht’s.

Wir beeilen uns und kommen schließlich in die Nähe des Brunnenhauses. Ein paar verschreckte Passanten kommen uns aus der Richtung der Taverne entgegen. Ich frage sie, was los ist, aber sie eilen einfach weiter. Nun gut. Ich bitte die anderen, kurz zu warten und husche dann durch Gassen und Hinterhöfe zum Brunnenhaus. Ein schrecklicher Anblick erwartet mich. Ein halbes Dutzend Leichen liegt auf dem kleinen Platz mit dem Brunnen. Grinsend wie immer weidet sich der Dämon an dem Gemetzel vor seinen Füßen. Etwa sechs oder sieben scheinen eine weitere Person umzingelt zu haben. Die Tür zum Brunnenhaus ist eingeschlagen. Ich kann Thropp sehen, wie er mühsam versucht, weg zu kriechen. Finsternis!

Ich eile zurück und berichte den anderen. Wir haben eine kleine Übermacht gegen uns, aber vielleicht können wir noch was retten. Ich schlage vor, dass wir unsere Gegner mit Fernwaffen angreifen und sie so trennen, wenn sie ein paar Leute ausschicken, uns anzugreifen. So können wir den Gegner teilen und ihn einfacher bekämpfen. Den anderen fällt auch nichts Besseres ein, also tun wir das. Wir dringen an ein Haus ein, dessen Rückfront zum Hof des Brunnenhauses führt. Im zweiten Stock klopfe ich an eine Türe und ein Muttchen macht auf. Ich drücke ihr eine Goldmünze in die Hand und schicke sie kurz weg.

Hier haben wir wirklich einen guten Überblick. Renya war die Gestalt, die von den Angreifern umzingelt worden war. Sie wird gerade von zwei bewaffneten Schergen ins Brunnenhaus zurück gezerrt. Der Anführer dieser Truppe scheint eine Art Halbriese zu sein. Jedenfalls dürfte er mich um mehr als einen Schritt überragen und er trägt zwei Zweihänder, in jeder Hand einen. Verdammnis!

Xana und ich legen je einen Stein in unsere Schleudern und lassen sie kreisen. Dann schleudern wir unsere Steine. Wir treffen gut genug, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Der Halbreise brüllt einige Befehle und zwei der Schergen rennen auf unser Haus zu, während der Rest sich ins Brunnenhaus zurückzieht. Renya versucht sich loszureißen, aber sie hat gegen die zwei Grobiane keine Chance. Glücksbote Ryan beschwört eine heilige Waffe, welche die Attentäter attackiert. Uns gehen sehr schnell die Ziele aus, da die einen im Brunnenhaus verschwinden, während die anderen um die Ecke laufen, um uns anzugreifen. Die beiden Priester laufen ebenfalls vor, um sie in Empfang zu nehmen. Wir beiden Frauen packen unsere Schleudern weg und folgen ihnen dann. Xana schießt einen Flammenstrahl ab, der aber nur die Wand dahinter trifft, was diese augenblicklich in Brand setzt. Verdammnis! Der erste ist schnell niedergekämpft. Dem anderen Angreifer wird aber schnell klar, dass er alleine keine Chance hat und er will nicht das Schicksal seines Kameraden teilen, der blutig und tot am Fuße der Treppe liegt. So schnell er kann, rennt er von dannen, wir lassen ihn entkommen. Auf, weitere Gegner erwarten uns. Allerdings löschen wir vorher noch schnell den Brand, den Xana mit ihrer Magie ausgelöst hat.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 29. Februar 2008, 10:20:41
21. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan Brunnenhaus

Wir rücken in den Innenhof vor. Ein Halbork in einem alten Kettenhemd, der einen absurd großen Bogen dabei hat, kniet gerade über Thropp und will ihn entweder ausplündern oder heilen. Der Halbork stellt sich als Brox ut Utark vor. Gegen einen fairen Anteil der Beute schließt er sich uns nach kurzer Verhandlung an. Glücksbote Ryan hilft noch professionell Thropp, so dass der nicht mehr Gefahr läuft, zu verbluten.

Nun ja, dann auf ins Brunnenhaus. Ohne beschossen zu werden, erreichen wir den Eingang des Brunnenhauses. Wir werden schon erwartet. Ich werfe dem Halbriesen einen Schleuderstein an den Kopf, was eine dicke Beule hinterlässt. Die gute Frau Harloff reißt sich gerade in diesem Moment los und rennt nach oben, verfolgt von unserem alten Bekannter, dem Attentäter Arian Hellweth, der eine gnomische Erfindung auf dem Rücken trägt, die Feuer werfen kann. Einer der Schergen entpuppt sich als Barde, der ein deftiges Spottlied auf uns anstimmt. Finde ich nicht nett von ihm.

Wir stürmen kurzerhand das Brunnenhaus. Ich ziehe mein Kurzschwert und stürze mich in den Nahkampf. Der Halbriese knöpft sich Schlachtenrufer Dolon vor, der eine Streitaxt beschwört, welche den Kerl angreift. Aber der Hüne lässt sich dadurch nicht ablenken und hämmert dem Tempuspriester beide Zweihänder um die Ohren. Das tut Dolon offensichtlich ziemlich weh. Mir gelingt es einen der Schergen zu flankieren und eine empfindliche Stelle zu treffen. Auch die anderen stürzen sich ohne zu zögern ins Geplänkel. Xana schießt einen ihrer neuen Flammenstrahlen auf den Riesen ab, was ihm nicht gut tut. Dolon gelingt es mit einem beherzten Schlag den Anführer zu fällen und mit einem Rückhandschlag gleich dazu noch einen der anderen Kämpfer. Dem Barden vergeht die Lust, uns zu verspotten und er versucht panisch das Weite zu suchen, aber er wird auf dem Weg nach draußen niedergestreckt. Zeit, Renya zu helfen. Wir stürmen nach oben und stellen Arian zum Kampf. Ich bin als Erste bei ihm und er empfängt mich mit einem Strahl aus seinem gnomischen Flammenwerfer.

Ich beiße die Zähne zusammen und gebe ihm mein Kurzschwert zu schmecken. Innerhalb kürzester Zeit ist er umzingelt und nun ist es für ihn an der Zeit zu sterben. Das müsste es dann gewesen sein. Dem Halbork gelingt es, den komischen Flammenwerfer abzustellen, ohne dass er explodiert. Außerdem trägt der nun tote Assassine den Schwarzholzbogen von Lia auf dem Rücken. Tja, sieht so aus, als ob er viel besser zu mir passen würde. Glücksbote Ryan ist diesbezüglich etwas schnippisch, da er meint, der Bogen würde noch Lia gehören. Das sehe ich etwas anders. Aber Dolon macht uns klar, dass es Wichtigeres gibt, als darum zu streiten. Das werde ich mit Lia schon selbst geklärt bekommen.

Renya taucht nun aus ihrem Versteck auf. Sie hat einiges abbekommen und Glücksbote Ryan kümmert sich um ihre Wunden. Sie ist erfreut, als Thropp hereingehumpelt kommt und auch gleich noch die segensreiche Heilung von Tempus und Tymora erfährt. So wie es aussieht, waren das gerade die Leute von Merl. Tharador hat wohl den Einfluss über seinen einstigen Handlanger vollständig an Larna Maran verloren. Aber wenigstens leben die beiden noch. Glück gehabt!

Brox ut Utark lässt sich nun auch dafür anwerben, dass wir Larna so richtig einheizen. Heute Abend werden wir zuschlagen. Aber dies wird trotz all unserer Bemühungen nicht einfach werden. Wenigstens hat sie keine Hilfe der Tieflingpiraten und der verdammte Attentäter kann uns nun auch nicht mehr in den Rücken fallen. Aber sie dürfte immer noch über zwanzig Mann unter sich haben. Leicht wird es auf keinen Fall werden. Renya und Thropp werden noch ein paar Dinge in die Wege leiten und auch Havard Repp verständigen. Wir verabschieden und trennen uns. Eigentlich hätte ich irgendwie erwartet, dass Lia hier auftauchen würde, aber sie scheint sich lieber bedeckt zu halten. Finsternis!

Glücksbote Ryan besteht trotz massiver Bedenken von Xana und mir darauf, seinen Schrein zu besuchen und notwendige lebenswichtige Dinge dort mitzunehmen. Er ist nicht davon abzubringen und so lasse ich mich trotz besseren Wissens breitschlagen, dass wir alle zum Schrein gehen. Wir plündern vorher noch die Leichen und haben so drei Kettenhemden und etwa 100 Goldmünzen geborgen. Schlachtenrufer Dolon trägt stolz wie ein kleiner Junge die beiden Bihänder über der Schulter. Die notwendigen und lebenswichtigen Gegenstände entpuppen sich als etwas Gold und einige Kleinigkeiten. Das Dumme an der ganzen Geschichte ist, dass beim Maske Schrein gerade eine Zeremonie von zwei verhüllten Priestern abgehalten wird und sich dort einiges an Gesindel versammelt hat. Vier dieser nicht gerade vertrauenswürdigen Leute lösen sich aus der Versammlung und folgen uns. Xana weist nun die nächsten Stunden sehr bestimmt darauf hin, dass sie dies ja gleich gesagt hat. Nicht nur sie und wenn ich gewusst hätte, was Glücksbote Ryan da für Nichtigkeiten aus dem Schrein gebraucht hat, hätte ich ihn trotz meiner grenzenlosen Hingabe zu Tymora eher KO geschlagen. Aber hinterher ist man immer schlauer. Verdammnis!

Wir gehen in die Senke zu einem Rüstungsmacher und geben die drei Kettenhemden in Zahlung, ebenso noch ein paar erbeutete Waffen zu einem Spottpreis. Aber wenigstens bekommen unsere Kleriker nun zwei schöne neue Bänderpanzer. Die beiden sehen richtig schick darin aus. Jetzt sind wir gerüstet für einen Krieg. Dummerweise hat die Schildwacht etwas dagegen, wenn man auf den Straßen der Stadt eine bewaffnete Auseinandersetzung beginnt. Auch unsere Schatten wissen das und belassen es dabei, uns weiter unauffällig zu verfolgen. Wir gehen über die Außenstadt zurück zum Tempustempel und retten uns hinter deren Mauern. Ich bin immer noch mehr als nur müde. Nachdem ich mich versichert habe, dass es meiner kleinen Mili gut geht. Sie spielt im Tempel mit ihrer kleinen bunten Ente, die sie hinter sich herzieht und scheint quietschvergnügt zu sein. Beruhigt gehe ich ins Bett und kaum hat mein Kopf das Kissen berührt, bin ich auch schon eingeschlafen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 03. März 2008, 14:32:22
21. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Die Erschöpfung lässt mich lange schlafen und erst am späten Nachmittag finde ich keine Ruhe mehr. Heute wird es sich entscheiden, ob wir überleben werden. Dies wird der härteste Kampf werden. Was als Schatzsuche begann, hat sich in einen Diebesgildenkrieg verwandelt. Aber das ist leider nicht mehr zu ändern. Wenn ich sterbe, wird mein kleines Töchterlein zur Vollwaise werden. Niemand von meiner Familie weiß, dass ich hier bin. Also besorge ich mir was zu schreiben und setze einen Brief auf, was zu tun ist, wenn ich heute nicht zurück kommen sollte. Der Hof meiner Familie ist auf alle Fälle ein viel sicherer Ort als dieser hier. Wenn auch ein sehr langweiliger Ort, wie ich nur zu gut weiß. Aber da wird man sich um sie kümmern. Hoffe ich zumindest. Ob meine Eltern überhaupt noch leben? Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, dass ich damals mit Jondan einfach so durchgebrannt bin. Ob sie wütend auf mich sind? Oder ganz krank vor Sorge? Mehrmals hatte ich schon ein Brief aufgesetzt, den dann aber doch nie abgeschickt. Ach, was bin ich doch für ein schlimmes Mädchen. Verdammnis!

Ich gebe die Anweisungen Xanas Mutter. Hoffentlich wird es nie notwendig sein, dass sie das lesen muss. In einer stillen Ecke knie ich mich hin und bete innig zu Tymora, dass sie mir heute die Kraft, den Mut und die Cleverness gibt, diesen Kampf zu überstehen. Und wenn nicht um meinetwillen, dann doch um zu verhindern, dass ein kleines Mädchen so ganz ohne die Liebe seiner Eltern aufwachsen muss. Irgendjemand hat meinem Töchterchen eine kleine geschnitzte Spielzeugaxt geschenkt. Ist ja süß, mit welchem Ernst sie die in der einen Hand trägt und mit der anderen ihre bunte Ente hinter sich herzieht. Gleich mal herzen. Vielleicht ist es das letzte Mal, dass ich mit ihr schmusen werde. Mili merkt, dass ich sehr angespannt bin und stellt entsprechende Fragen, als ich sie fürs Bett fertig mache und ihre Haare auskämme. Ich beruhige sie soweit wie möglich und singe sie dann in den Schlaf. Träum was Süßes, mein kleiner Fratz!

Inzwischen sind Renya Harloff, Thropp und der Kollegiat, so ist nämlich sein richtiger Titel, Havard Repp eingetroffen. In einer stillen Ecke schmieden wir dann unsere finsteren Pläne. Der Halbork Brox ut Utark hat den Nachmittag genutzt, ein paar böse aussehende Kampfhunde zu kaufen. Mir ist nicht ganz wohl dabei, dass er die mitschleppt. Der ganze Kerl ist mir unheimlich. Eine Söldnerseele durch und durch. Ob er vielleicht gar ein Doppelagent ist? Jemand den Larna abgestellt hat, damit er im entscheidenden Moment die Seiten wechselt? Ich beschließe, auf der Hut zu sein.

Renya hat den Schlüssel für einen Golem dabei. Vor vielen Jahren hat ein Magier eine größere Anzahl niederer Golems in Serie hergestellt. Diese Golems wurden meist an reichere Händler zur Bewachung ihrer Lager verkauft. Der Magier hat damals eine kleine Sicherung eingebaut, dass er die Golems im Notfall abstellen konnte oder sie für seine Zwecke benutzen konnte. Dazu hat er solche Schlüssel benutzt. Und was hat das nun mit uns zu tun? Nun, wir könnten einen dieser Golems stehlen und auf ein Lagerhaus eines mit Larna verbündeten Händlers hetzen. Dadurch wäre Larna gezwungen, einige ihrer Leute zur Problemlösung auszuschicken, was ihre Kräfte deutlich schwächen würde. Wir sind zuerst gar nicht so von diesem Plan begeistert.

Aber wenn stehlen, warum den Golem nicht gleich in ihr Lagerhaus hetzen? Damit könnten wir unsere Kampfkraft ziemlich stärken. Schließlich entwerfen wir einen höchst gewagten Plan, in dem Kollegiat Havard Repps Künste der Illusion eine tragende Rolle spielen. Der Plan ist tollkühn und eigentlich schon fast so raffiniert wie in Vaters Geschichten. Die Dame lächelt uns heute Nacht ganz eindeutig, da wir solch raffinierte Pläne entwerfen. Natürlich kann dabei viel schief gehen, aber wenn es klappt, ist es schon fast der Sieg. Als erstes verlässt Havard Repp in der Illusion eines Tempuspriesters das Gelände. Wir bereiten uns vor und tarnen uns dann so, dass die vier Typen, die immer noch vor dem Tempel herumlungern, uns durchschauen müssen, wenn sie nicht ganz auf den Kopf gefallen sind. Wir ziehen unsere Kapuzenmäntel über und tun so, als ob wir heimlich das Gelände verlassen würden. Natürlich werden wir entdeckt und haben bald vier Schatten an uns kleben.

Ohne Zwischenfälle erreichen wir einen Händler, der Pferdewägen vermietet. Wir mieten einen stabilen Wagen und ein kräftiges Gespann. Ich klettere auf den Kutschbock, die anderen auf die Lagefläche. Ich schnalze mit der Zunge und die Pferde setzen sich in Bewegung durch die dunklen Straßen und Gassen von Chondathan.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Topas am 04. März 2008, 12:37:52
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Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 05. März 2008, 17:08:01
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21. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Nach etwa einer Viertelstunde erreichen wir das Lagerhaus, wo der Golem Wache schiebt. Wir sehen das Konstrukt außerhalb am Vorplatz des Lagers. Xana hat die Fähigkeit, den Schlüssel zum Golem zu transportieren, ich werde ihr ermöglichen, sich dem Golem heimlich zu nähern, um den Zauber auch erfolgreich wirken zu können, da der nicht so besonders weit reicht. Die hübsche Halbelfe beginnt mit der Umrundung und ich gehe direkt auf das Ding zu. „Unbefugte Person Gelände sofort verlassen oder ich leite Gegenmaßnahmen ein!“ Ich winke dem Golem beruhigend zu und gehe vorsichtig rückwärts, während Xana sich durch die Kistenstapel schleicht, um sich in Position zu bringen. Leider ist sie noch nicht nahe genug. Also gehe ich nicht schnell genug zurück und der Golem scheint etwas ungehalten zu werden. „Letzte Warnung!“ Und schon scheint sich etwas um ihn herum aufzubauen, als er magische Energie sammelt. Aber im nächsten Moment sackt er in sich zusammen, denn Xana hat den Schlüssel erfolgreich mit ihrer Magie eingeführt. Nun gehorcht der Golem ihren Befehlen.

Fix laden wir den Golem auf den Wagen und bedecken ihn mit einer Plane. Unsere Schatten bekommen große Augen und auf einmal sind es nur noch drei. Sehr gut! Diese Phase hat jetzt hervorragend geklappt. Nun fahren wir Richtung Norden und tauchen in eine gewundene Straße ein. Ich lasse die Pferde beschleunigen und sause dann in eine enge Seitengasse hinein, aus der gegenüberliegenden kommt Havard Repp heraus, dessen Wagen nun genauso wie unserer aussieht und einige illusionäre Gestalten, die ganz rein zufällig uns gleichen, sind ebenfalls auf dem Wagen. Havard errichtet ein illusionäres Haus um uns herum und auf einmal sind wir nicht mehr von der Straße aus zu sehen. Nach einem kurzen Moment hören wir unsere Verfolger vorbei hecheln. Nach wenigen Augenblicken der Anspannung, die sich aber zu Ewigkeiten zu dehnen scheinen, bin ich sicher, dass sie den Köder geschluckt haben. Die Dame hat uns heute ein weiteres mal gelächelt.

Ich zähle hundert Herzschläge herunter und fahre dann zurück durch die Illusion zurück auf die Straße. Unbehelligt erreichen wir das Hafenviertel, umfahren Larnas Lagerhaus und ich geh schauen, indem ich mich in den Schatten zweier Kistenstapel verkrieche. Nach einer halben Stunde läuft eilig einer unserer Beobachter vorbei. Und nach kurzer Zeit hasten etwas mehr als zehn Mann an mir vorbei. Havard Repp hat mit seinem Illusionsgolem nun die Ablenkung geschaffen, die wir gebraucht haben. Ich husche zurück zu den anderen und wir fahren etwas näher an das Lagerhaus heran, direkt neben einen Einstieg in die Kavernen. Unsere starken Männer wuchten den Deckel hoch und ich binde das Seil fest. Xana murmelt mehrmals ihren Befehlstext vor sich hin und als sie sicher ist, dass der Golem ihre Anweisungen nicht missinterpretieren kann, gibt sie dem Golem den Befehl, zwölf Minuten hier zu warten, dann in Larnas Lagerhaus zu gehen und jeden außer uns darin anzugreifen.

Diesmal klappt es besser, mit dem Herunterklettern. Nur Brox tut sich schwer, da er meint, er müsste seine Köter mit runter schleppen. Das hält uns etwas auf und so schmilzt die Zeitreserve gleich beim Beginn unseres Vormarsches durch die Kanalisation zusammen. Aber es ist zum Glück nicht weit, bis wir die Geheimtüre wieder finden. Die Tür zu öffnen ist kein Problem, auch die Alarmfallen sind mit etwas Herumgefummel recht fix zu umgehen. Eine kurze Treppe führt in einem 90° Grad Winkel nach oben und endet an einer normalen Türe. Ich höre ein komisches Geräusch, als ob ein nasser Lappen über einen Boden geschoben würde. Was für ein Monster mag solche Geräusche von sich geben?

Wenn ich mich nicht verzählt habe, haben wir noch etwa 1 Minute bis der Golem kommt und so lange können wir noch warten. Dann ein Krachen von oben. Der Golem ist gekommen. Ich öffne die Türe und komme in eine Art Sicherheitslager. Sprich, es ist mit Gitterstäben abgetrennt. Die Geräusche kamen von einem Mann mit einem Wischmob in den Händen. So was auch. Mein Schwarzholzbogen macht meinen Standpunkt klar, dass er jetzt besser keinen Mucks von sich gibt. Könnte sonst etwas ungesund werden, nämlich für uns, da ich es wohl nicht übers Herz bringen würde, auf einen armen alten Mann zu schießen, der einen Wischmob in den Händen hält. Aber ich lasse es bei einer Drohung und die wirkt. Leider kann er das Schloss nicht öffnen, aber das kann ich. Ist zwar eine Fummelei und nicht gerade leicht, den Taster und den Halbdiamant meiner Dietriche zu führen, ohne zu sehen, was man da eigentlich macht. Aber schließlich springt das Schloss auf und wir sind drin. Jetzt nix wie nach oben.

Wir wissen, dass im oberen Stockwerk die Unterkunft von Larna ist und wahrscheinlich ist sie mit ihren Offizieren dort oben versammelt, während das Fußvolk mit dem Golem beschäftigt ist, jedenfalls hört es sich ganz danach an. Brox bleibt zurück, während wir uns nach oben schleichen. Hinter der Tür ist zu hören, wie eine weibliche Stimme Befehle nach unten brüllt, wir sind richtig. Ich schaue oberflächlich nach Fallen, finde aber hier keine. Mit einem „Wer wagt gewinnt!“ öffne ich die Türe und wir landen in der Hölle!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 07. März 2008, 14:52:31
21. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Das oberste Stockwerk hat eine mit einem Geländer umrahmte Öffnung nach unten, wo gerade die Schlacht zwischen dem kleinen Golem und Larnas Schergen tobt. Uns gegenüber in etwa zehn Schritt Entfernung stehen von links nach rechts folgende Personen. Die ganz links außen stehende Frau mit kurzen braunen Haaren scheint Larna Maran zu sein. Sie ist mit einer schicken schwarzen Lederrüstung bekleidet und hat ein Kurzschwert in der Hand. Neben ihr steht eine schwarze Tieflingsmissgeburt mit flammend roten Haaren. Sie hat einen schwarzen Bänderpanzer an und ihre Hände stecken in mit gefährlich aussehenden Zacken versehene Panzerhandschuhe. Vor ihrer Brust hängt das heilige Symbol von Tyrannos, die geballte Faust im Panzerhandschuh. Finsternis!

Dann kommt ein Mann in einer beschlagenen Lederrüstung und einer Tartsche. Er hält ein Weinglas in der Hand und schaut demonstrativ gelangweilt nach unten. Das muss Larnas Ehemann sein, ein berüchtigter Schwertkämpfer, der ein Dutzend Duelle gewonnen haben soll. Daneben steht stoisch ein Mann mitte Dreißig mit bloßem Oberkörper, obwohl es auch hier nicht gerade warm ist. Er ist am ganzen Körper mit Tätowierungen verziert. Waffen trägt er keine. Das muss ein finsterer Mönch sein. Verdammnis!

Larna erholt sich als erste von unserem überraschenden Eindringen, zieht ihr Kurzschwert und schüttet Gift darüber. Ich eile in den Raum hinein, lege einen Pfeil auf den Schwarzholzbogen und treibe das Geschoss tief in die Tieflingspriesterin hinein. Xana exponiert sich, indem sich in Position bringt, um einen ihrer sengenden Strahlen gegen Larna zu schicken. Leider verzischt der Strahl ohne zu treffen. Dolon rückt nach, stellt sich vor Xana und beschwört eine magische Waffe, welche den Schwertkämpfer haut. Larnas Mann und der Mönch eilen auf Dolon zu. Der Schwertkämpfer wirft noch sein Glas vorher weg. Der Mönch boxt den Tempuspriester, aber Dolons neuer Panzer hält. Glücksbote Ryan eilt schweren Schrittes auf Larna und die Tieflingsfrau zu.

Larna täuscht einen Ausfallschritt an, Ryan reißt seinen Schild hoch und durch die Lücke an anderer Stelle stößt nun die gemeine Frau mit ihrem Schwert hindurch. Der Glücksbote schreit schmerzerfüllt auf. Ich lasse den Bogen fallen, ziehe mein gutes Kurzschwert und eile an seine Seite. Allerdings geht mein Hieb fehl. Die Tyrannospriesterin meint, dass sie mich hauen kann. Und sie kann das. Aua! Der Mönch bricht zu Xana durch und schlägt sie in ihr schönes Gesicht. Ihre Lippe platzt auf und Blut läuft heraus. Sie taumelt einen Schritt zurück und revanchiert sich mit einem feurigen Strahl. Der Schwertkämpfer bedrängt Dolon, die beide blutige Schläge austauschen, während die schwebende Axt ihr Scherflein dazu beiträgt.

Larna versucht mich abzulenken, aber da muss sie früher aufstehen, so lenke ich ihren Schlag mit der Tartsche ab. Ich haue nun noch mal die Braut aus der Hölle und tu ihr ordentlich weh. Sie geht einen Schritt zurück und sagt etwas höchst Unangenehmes in ihrer kehligen Sprache. Das bringt mich richtig aus dem Konzept. Glücksbote Ryan meint, dass er zaubern müsste, aber statt einen Schritt zurück zu gehen, versucht er sich auf sein Gebet zu konzentrieren, aber er ist irgendwie nicht bei der Sache. Denn während er seine Göttin um Beistand anfleht, lässt er vor lauter Aufpassen, dass Larna bei ihm keine Blöße findet, das kleine Pergamentblatt mit dem heiligen Text fallen. Der Mönch drängt nach und tritt die hübsche Hexenmeisterin in den Bauch, sie wird ganz bleich und taumelt ein weiteres Mal zurück. Der Schwertkämpfer lässt seine Deckung fallen und nimmt einen von Dolons Hieben mit einem höhnischen Lachen und gibt ihm die gleiche Medizin zweimal zum Schmecken. Der Schlachtenrufer sieht ziemlich angeschlagen aus.

Die braunhaarige Hehlerin haut nun wieder auf den vor ihr stehenden Glücksboten ein und trifft ihn ein weiteres Mal. Aber wenigstens fiel er diesmal nicht auf ihre fiese Finte ein. Ich rücke der Tyrannosbraut zu Leibe und gebe ihr mein Kurzschwert zu schmecken, dass ich ihr in der Wunde herumdrehe. Sie ist nun schon ziemlich angeschlagen und hat eine unnatürliche Blässe auf ihrem Gesicht. Tja, böse Kleriker können ihre fiesen Zauber ja nicht so einfach gegen heilende Gebete tauschen, wie Dolon und Ryan das können. Haben die mir jedenfalls mal erklärt. Xana wird vom Mönch bis an die Wand zurück gedrängt und kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Ihr Gesicht sieht aus, als hätte man es als Boxkugel missbraucht. Ein Auge ist zugeschwollen und sie wirkt,  als ob sie gleich losheulen wollte. Kann ich nur zu gut nachvollziehen. Dolon geht einen Schritt zurück und bittet seinen Gott um Hilfe, während der Schwertkämpfer einen Heiltrank trinkt, nachdem die Axt um ihn herum verschwunden ist. Das Duell zwischen den beiden kann sich noch ziehen. Wo bleibt nur diese Pfeife Brox? Finsternis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 10. März 2008, 13:21:49
21. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Der taucht nun endlich auch auf, hat aber seine Hunde im Erdgeschoss zurückgelassen. Dummerweise blockiert nun Xana den Weg und der starke große Halbork traut sich nicht an ihr vorbei, weil ihn sonst der Mönch hauen könnte. Demonstrativ lehnt er sich an die Wand und gähnt. Fehlt eigentlich nur noch, dass er seine Vesper auspackt. Larna sticht genüsslich weiter auf den Glücksboten ein, der inzwischen schwer verletzt ist. Ich dränge weiter gegen die Tyrannsopriesterin und mein Kurzschwert findet eine Lücke in ihrem Bänderpanzer. Tief dringt es in ihren Unterleib. Irgendwie ist es Ironie, dass sie von einer Waffe getötet wird, die einst einer Halbdämonin gehört hat. Sie sinkt mit einem lauten Stöhnen zusammen und bleibt regungslos liegen. Der Schwertkämpfer und Dolon bekämpfen sich weiter, nachdem Dolon eine weitere Axt beschworen hat, die ihm hilft. Xana, die weder vor noch zurück kann, beschränkt sich darauf, alles zu tun, um nicht getroffen zu werden. Gerade so kann sie zwei Hieben ausweichen, die auf ihr Gesicht gerichtet waren. Die Fäuste hinterlassen kleine Krater in der Wand hinter ihr. Glücksbote Ryan bittet seine Göttin flehentlich um Heilung, aber da er wieder eher auf Larna schielt, als sich auf den Zauber zu konzentrieren, wird das wieder nichts.

Die Anführerin der Diebesgilde schnauft nur verächtlich in Richtung des scheinbar unfähigen Klerikers und wendet sich mir zu. Ihr Ausfallschritt lässt mich kalt und unsere Schwerter krachen Funken sprühend zusammen, als ich ihren Hieb pariere. Wir sehen uns in die Augen. Sie ist viel jünger, als ich gedacht habe. Sie ist höchstens Mitte zwanzig. Ihre Augen sind voller Hass, Angst hat sie keine. Auch ich habe keine Angst, jedenfalls nicht jetzt, dafür habe ich einfach keine Zeit. Ein weiteres Mal kann Xana dem Schlaghagel des Mönchs entgehen. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie nicht mehr ausweichen kann. Brox holt einen Süßigkeitsriegel hervor und beißt ab. „Wenns mal wieder länger dauert.“ Das könnte auch das Stichwort von Dolon vs. Schwertkämpfer sein. Enthusiastisch prügeln sie weiter auf sich ein und schenken sich nichts dabei. Die beschworene Axt trifft alles, nur nicht den Gegner. Glücksbote Ryan arbeitet sich vor und nimmt nun eine mir gegenüberliegende Position zu Larna ein. Aber sein Schlag geht nur ins Leere. Beshaba hat ihn wahrlich verflucht.

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Meine Kontrahentin beginnt mich zu umkreisen, nur um sich plötzlich umzudrehen und ihr Kurzschwert quer über die Kehle von Ryan zu ziehen. Blut spritzt in ihr Gesicht und der Glücksbote bricht röchelnd in sich zusammen. „Du bist die Nächste!“ Oh oh! Ich mache einen Flick Flack zur Seite, Larnas Schwert zischt haarscharf im Rückschlag an mir vorbei und ich schlage eine Rolle, die mich neben Ryan aber außer der Reichweite von Larna bringt. „Alles wird doppelt gut!“ Ich leite die heilende Magie meines Gürtels in Ryan. Der furchtbare Schnitt schließt sich und er kommt nach Luft schnappend wieder zu sich. Puh, das war jetzt knapp gewesen! Aber der Mönch rammt Xana den Fuß so hart ins Gesicht, dass ihr Schädel gegen die Wand prallt. Als sie bewusstlos zu Boden rutscht, verteilt sich ihr Blut an der Wand. Larnas Stecher und Dolon lösen sich voneinander, Dolon ruft Tempus um seinen Beistand, während der Schwertkämpfer einen weiteren Heiltrank schluckt. Brox tut nun endlich so, als ob er was für sein Geld tun würde und zieht dem Mönch sein Bastardschwert schräg über die Brust.

Ich habe wieder die ungeteilte Aufmerksamkeit von Larna. „Niemand wird mich besiegen!“ Sie schlägt nach mir, aber ich lenke ihren Hieb zur Seite ab. Mit einer fixen Bodenrolle bringe ich mich wieder in eine für mich vorteilhafte Position, aus der ich ihre empfindlicheren Stellen treffen kann. Durch mein gewagtes Manöver noch durcheinander, komme ich durch eine Lücke in Larnas Rüstung und lasse sie mein Schwert schmecken, das noch von Tieflingsblut trieft. Das hat ihr jetzt deutlich zugesetzt. Dolon eilt zu Xana und heilt sie mit der ihm von Tempus verliehenen Magie. Die Halbelfe rappelt sich benommen auf. Während Dolon noch mit Xana beschäftigt ist, nutzt der Mönch die Gelegenheit und haut dem Schlachtenrufer seine Fäuste um die Ohren. Irgendetwas müssen die Schläge in dem Schlachtenrufer ausgelöst haben, da er sich kaum noch auf den Beinen halten kann, von der schweren Rüstung schier zu Boden gedrückt. Brox haut dafür dem Mönch sein Schwert ein zweites Mal um die Ohren und der Mönch bricht tot zusammen. Hat er nun davon! Ryan richtet sich nur ganz knapp auf und schlägt nach Larna, die einfach über seinen tiefen Schlag hüpft.

Jetzt sind wir in der Übermacht. Als nächster fällt Larnas Ehemann durch die Schläge von Brox und Dolon. Larna versucht noch den am Boden liegenden Glücksboten zu treffen, aber der kann den Hieb gerade so glücklich an seinem Schild abgleiten lassen. Dafür hat auch Larna Glück, da ich auch daneben schlage. Inzwischen ist die junge Anführerin der Diebesgilde nicht mehr so siegessicher. Aber mit einem lauten Krachen geht unten unser Golem zu Boden, nun endlich von Larnas Männern überwältigt. Allzu viel Zeit haben wir nicht mehr, um die Sache für ein und allemal zu beenden. Möge die Dame uns lächeln.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 12. März 2008, 13:14:19
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21. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

„Arkane Macht! Flieg und Töte!“ Xana schlägt ihre Handschuhe zusammen und zeigt dann auf Larna. Drei grüne Geschosse lösen sich von ihren ausgestreckten Fingerspitzen. Die magische Energie schlägt in die Führerin der Diebesgilde ein und schüttelt sie durch. Ich sehe eine weitere Lücke und mein Kurzschwert hält blutige Ernte. Wortlos bricht Larna zusammen. „Danke Tymora!“ Und natürlich auch Xana, Ryan, Dolon und sicherlich auch Brox. Aber das war erst die halbe Miete. Von Larnas Männer leben noch gut ein halbes Dutzend. „Eure Anführerin ist tot!“, brüllt Brox nach unten und hält die tote Larna wie eine Puppe über die Brüstung.

„Sie müssen angeschlagen sein! Töten wir sie und rächen Larna!“, schreit einer der Männer. Die anderen sind etwas unschlüssig. „Flieg und Töte!“ Xana streckt ihre Finger nach dem Mann und zwei Geschosse lassen seinen Schädel platzen. Die anderen starren etwas verdattert auf den Überresten des Möchtegern-Anführers und drehen sich dann wie ein Mann um. So schnell wie möglich verlassen sie das Gebäude durch das Loch, welches der Golem gerissen hat. Aber allzu viel Zeit haben wir nicht. Xana spricht einen weiteren Zauber und so stellen wir fest, dass Larnas Rüstung, einer ihrer Ringe und das Schwert ihres Ehemanns verzaubert sind. Wir finden auch noch zwei Heiltränke und ein paar Phiolen mit Gift. Ich denke jedenfalls mal, dass es Gift ist. Auch einen Schlüsselbund. Damit gehen wir gleich mal in Larnas Quartier. Mit der Türe ist eine Falle gekoppelt, die zum Glück aber durch den richtigen Schlüssel deaktiviert wurde.

An der Wand steht ein breites Lotterbett, ihr Schrank ist voll von schicken Klamotten. Aber das wirklich Interessante sind einige Papiere auf dem Schreibtisch. So wie es aussieht, sind das die Nachrichten, die Barkess Renya hätte überbringen sollen. In einem Brief warnt Luvius der Schneider seine Nachfolgerin Renya vor finsteren Zeiten, größer und gefährlicher, als man sich das vorstellen könnte. Er hat einige gravierende Fehler begangen und will deshalb fliehen. Ist ihm bekanntlich nicht mehr gelungen. Und man soll genau hinsehen, um die Karte zu verstehen. Hm, wenn man die ersten Zeichen jeder Zeile liest, dann kommt folgender Text heraus: „Wo alles begann.“ Aha? Renya dürfte etwas damit anfangen können.

Das zweite Blatt wird von Xana entschlüsselt und es kommt folgende Botschaft heraus: „Ein jeder hat es begriffen, Verräter sterben einen einsamen Tod in der Grube.“ Aha? Ich wird da nicht schlau daraus, aber vielleicht ja die Gute Frau Harloff. Nur beim dritten Zettel beißen wir uns die Zähne aus. Glücksbote Ryan hat schnell genug davon, unserem Geschnatter und unseren Vermutungen zu lauschen und geht einfach. Brox spaziert ebenfalls von dannen, nur Dolon bequemt sich auf uns aufzupassen und die Beute zu verstauen. Er murmelt etwas, was sich anhört wie: „Tempus sei Dank bin ich nicht verheiratet.“ Hmpf! Das letzte Rätsel hat es in sich:

Drachengold, Beute, Giftwein und Mondschein. Widerstand, Richter,
Dietrich, Garotte, Botschafter, Meuchler und Soldräuber. Waldwicht,
Nebelfrau und Gargyle. Wurfpfeil, Blutspuren, Leichen, Hinterhof, Rapier
und Totschläger. Zirkuszelt, Schuldmauer und Dämmerung. Überblick,
Warenhaus, Armbrust, Blutraben, Wildnis, Dunkelheit und Kurzschwert.

Wir Mädels können es nicht lassen und fangen an zu knobeln. Schuldmauer ist ein Abschnitt an der Nordmauer, wo aushängt, wer wem Geld schuldet. Aber ein Zirkuszelt stand da noch nie, jedenfalls nicht so lange ich hier lebe. Der zweite Satz könnte sich auf den Rallardplatz beziehen, Richter, Meuchler und Garotte würden passen. Einige Wörter fangen mit W oder N an, eine Richtungsangabe? Gargylen gibt es in dieser Stadt zu tausenden, Nebelfrau sagt mir gar nichts. Von Waldwichten habe ich schon die unterschiedlichsten Geschichten gehört, aber nichts, was ich mit Chondathan verbinden würde. Sehr schnell stellen wir fest, dass wir nicht weiter kommen. Inzwischen hat uns auch Dolon verlassen, weil Glücksbote Ryan irgendetwas geschrieen hat, was keine von uns verstanden hat. Dieses Rätsel hält uns einfach gefangen und wir kümmern uns nicht weiter darum. Nach scheinbar wenigen Herzschlägen kommt Schlachtenrufer Dolon zurück. Er hat eine Frisur wie ein Igel. Er hat wohl eine elektrische Falle unten ausgelöst. Glücksbote Ryan wäre beinahe von einem Kubus aus Schleim aufgelöst worden. Wir beiden Frauen schauen uns nur schulterzuckend an. Was können wir jetzt dafür, dass sie alle immer loslaufen müssen, wo wir doch gerade über diesem Rätsel brüten? Also echt!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 14. März 2008, 13:01:05
21. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Die Herren der Schöpfung sehen das klein wenig anders, welche Frau wundert’s? Schlachtenrufer Dolon treibt uns mit äußerst harschen Worten an, das verdammte Rätsel erstmal zur Seite zu legen und uns ihre Hintern in Bewegung zu setzen, bevor Larnas Leute sich zusammenschließen und in großer Stärke zurück kommen. Nun gut. Ich öffne noch ein Geheimfach, wo uns etwa 500 Gold entgegen springen. Dazu noch weiteres Gift und ein Buch mit Daten über Geschäftsverbindungen. Das könnte sich noch als nützlich erweisen. Auch schauen wir kurz noch im Esszimmer nach, wo wir das Silberbesteck zu unserer Beute dazuzählen. Die Vorräte lassen wir an Ort und Stelle. Auf dem Stockwerk gibt es noch einen Schrein des Tyrannos. Vater hat mir viele schreckliche Geschichten erzählt, was mit Leuten passiert ist, die gemeint haben, sich an dem Eigentum von Tempeln zu vergreifen. Da ich nicht am eigenen Leib erfahren will, was daran jetzt reine Übertreibung oder doch schreckliche Wahrheit ist, lasse ich meine kleinen Fingerchen da, wo sie nichts mitgehen lassen können.

Schwer bepackt gehen wir in den Keller, wo sich noch ein Schatzraum befindet. Der alte Mann ist schwer verletzt worden. Bissspuren wie es aussieht. `“Wie ist denn das passiert? Das ist ja schrecklich! Haben wir hier irgendwelche Bestien übersehen?“ Das waren wohl Brox’ Hunde und es war kein Unfall, wie uns der alte Mann mit deutlichen Worten erklärt. „Ich musste doch vorher die Hunde ausprobieren!“, verteidigt sich der Halbork. „Ich glaube, unsere Wege werden sich heute trennen!“ So ein Schuft, einfach Hunde auf einen harmlosen alten Mann zu hetzen, nur um sie „auszuprobieren“! So jemanden können wir wirklich nicht gebrauchen. Glücksbote Ryan sieht noch schlimmer aus als vorher, so ein Aufenthalt in einem säureartigen Schleim ist nicht gesund. Ich hoffe, er hat was daraus gelernt. Brav zottelt er hinter uns her, als wir zum Schatzraum gehen. Ein Schlüssel steckt schon, den hat Dolon da rein gesteckt. Ich muss mir ein Grinsen über die offensichtliche Falle verkneifen. Es dauert nur wenige Sekunden, bis ich das zweite, getarnte Schloss gefunden habe und es mit dem richtigen Schlüssel geöffnet habe. Der Raum dahinter ist allerdings eine Enttäuschung, da wir nur wenig Gold finden im Angesicht eines so großen Raumes. Ich misstraue der Sache, aber da ist tatsächlich trotz intensiver Suche kein Geheimfach. Finsternis!

Die anderen haben inzwischen schon den Wagen beladen und wir machen, dass wir wegkommen, als Lias Rabe angeflogen kommt und uns mit seinem Krächzen warnt, dass Larnas Leute anrücken. So schnalze ich mit der Zunge und setze den Wagen in die andere Richtung in Bewegung. Schon bald sind wir in der Nacht verschwunden. Was für ein Kampf! Habe ich mir so das Abenteuererleben vorgestellt? Nun ja, eigentlich nicht. Dass es zu harten Kämpfen kommen könnte, war mir schon klar gewesen, aber dass ich in einen Unterweltkrieg hinein gezogen werden würde, hätte ich mir nie träumen lassen, als ich vor fast drei Jahren mit Jondan durchgebrannt bin.

Unterwegs kommt uns Lia entgegen. Auf Fragen, was sie gemacht hat, bekommen wir nur ausweichende Antworten. Die Frau ist entweder feige oder hat mehr zu verbergen, als ich bisher angenommen habe. Meine weibliche Intuition tippt eher auf Letzteres. Wir fahren zum Brunnenhaus und laden dort erst mal die Beute ab, bevor wir den Wagen zurückgeben. Renya ist natürlich erfreut, dass alles ohne Verluste geklappt hat. Der Halbork lässt sich ausbezahlen und verschwindet in der Nacht. Ich hoffe, dass wir den nie wieder sehen. Hunde an alten Männern ausprobieren! So was macht man einfach nicht! Finsternis!

An Renya verkaufen wir einiges von der beweglichen Beute und sind so schon wieder etwas reicher. Jetzt kommen wir natürlich zum Interessanten, den Botschaften von Luvius. „Wo alles begann“, scheint sich auf die Anfänge von Luvius zu beziehen. Als junger Mann fing er mit seiner Karriere als Schmuggler an. Er hatte dafür ein kleines Geschäft als Tarnung am Lumpenmarkt vor der Mauer. Dieses Geschäft existiert noch heute und wird von einer gewissen Merka geführt. Das zweite gelöste Rätsel hängt mit einem Ort zusammen, wo Luvius früher Leichen entsorgt hat. Die Grube liegt auf einer kleinen Insel in der Bucht, Renya zeigt sie uns auf einer Karte. Aber mit dem dritten Rätsel kann auch sie nichts anfangen. Wir zerbrechen uns über eine Stunde die Köpfe darüber, aber wir kommen nicht weiter. Es ist zu spät dafür. Morgen ist auch noch ein Tag.

Die magischen Gegenstände geben wir Havard Repp mit. Er hat zu berichten, dass sein Ablenkungsmanöver so ein Erfolg war, dass auch die Schildwacht in großer Anzahl hinter ihm her gewesen war. Der behäbige Magier ist noch ganz außer Atem, aber seine Wangen glühen vor spitzbübischer Freude über die Aktionen in der Nacht. Er sieht gleich zehn Jahre jünger aus. Glücksbote Ryan erinnert uns noch daran, dass er morgen noch die Auseinandersetzung mit dem Beshabapriester haben wird. Die zehn Tage sind um. Wie schnell die Zeit vergeht. Natürlich sind wir alle bereit ihm zu helfen, den morgigen Tag durchzustehen.

Mit der restlichen Beute bepackt eilen wir zum Tempustempel. Nachdem ich das ganze Zeug leise verstaut habe, gehe ich erstmal beten und danke Tempus für unseren Sieg. Ich spende ihm ein paar Goldmünzen und gehe dann auf den Abort. Hier in der absoluten Abgeschiedenheit lasse ich meinen Tränen freien Lauf. Ich habe gekämpft, getötet und überlebt. Die ganze Sache ging mir jetzt richtig an die Nieren. Aber das ist jetzt zum Glück überstanden. Ich wasche mich noch und sinke dann neben meinem kleinen Schätzchen ins Bettchen. Überraschend schnell falle ich in einen unruhigen Schlaf.

Gespielt am 29.12.2007
Spielleiter: Stefan
SC: Brox (Stufe 3), Dolon (Stufe 4), Kaira (Stufe 4), Ryan (Stufe 3), Xana (Stufe 4)
Schrein des Ruhmes: Larnas Rapier
Erfahrungspunkte: 1520 + 25 für Kaira, +125 für Dolon, + 25 für Xana, +25 Ryan, + 50 Brox.
1 Larna Maran Schurke Stufe 4
1 Arian Hellweth Schurke Stufe 3
1 Ehemann Derek Maran Kämpfer Stufe 4
1 Mönch Stufe 3
1 Tiefling Priesterin des Tyrannos Stufe 3
1 Halbriese Kämpfer Stufe 3
1 Barde Stufe 3
5 Gefolgsleute
1 Schleimkubus
Beute
2 Heiltränke
Verschiedene Giftphiolen
1 magisches Schwert (+1)
1 magischer Ring (Schutzring +1)
1 magische Rüstung (Beschlagene Lederrüstung +1)
3 Kettenhemden
Ein paar normale Waffen
900 GM
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 17. März 2008, 14:50:57
Kapitel 9
Glaubenskrieg!


22. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Meine Kleine wird Früh munter und freut sich sehr, als ich mich intensiv mit ihr beschäftige. Ich schmuse mit ihr, kitzle sie durch und spiele dann mit ihr, bis sie ganz rote Wangen hat. Dann ziehe ich sie fertig an und wir gehen Frühstücken. Xana ist schon unterwegs und kommt dann schließlich freudestrahlend zurück. Wir tratschen etwas und sie erzählt mir, dass sie bei Serenius, dem Angestellten von Tharador war, den sie unheimlich Niedlich findet. Da ist wohl jemand verliebt.

Zur zehnten Stunde finden wir uns alle beim Schrein der Tymora ein. Vor dem Tyrannos Tempel hat der Beshaba Priester ein Podest errichtet und predigt Unglück von dort oben. Von Ryan bekommen wir einen groben Überblick verschafft, was sich heute Morgen in der Früh schon zugetragen hat. Der hinterlistige Beshabapriester hat diesen Tag als Tag des Unglücks ausgerufen, weil Ryan verflucht ist und diesen Tag nicht überleben wird. Aber ein treuer Anhänger der Tymora, ein Händler namens Allan Fetch hat sich davon nicht abschrecken lassen und Glücksboten Ryan ermuntert, seine Geschäfte von ihm segnen zu lassen. Diesen Namen habe ich schon mal gehört, kann ihn aber beim besten Willen nicht einordnen. Mir kommt das etwas komisch vor, habe kein gutes Gefühl dabei. Ich bete zu Tymora und spende dem Tempel fünf Goldmünzen, da mir die Göttin Gestern wahrlich gelächelt hat.

Mit einer Menschenmenge von etwa fünfzig Leuten brechen wir schließlich auf, die drei Läden des Gemüsehändlers zu segnen. Meine vorgeschlagene Route wird vom Händler abgelehnt, da er zuerst die lukrativeren Geschäfte am Hafen und in der Weststadt gesegnet haben möchte. Leuchtet mir ein, aber die Vehemenz mit der er darauf besteht lässt mich nur noch misstrauischer werden. Da stimmt doch was nicht. Noch auf Targrams Weg kommt uns schließlich ein brüllender Halborkbarbar mit einer schweren Streitaxt über den Kopf schwingend entgegen. Finsternis!

Mit fliegenden Händen zücke ich meinen Bogen, lege eine Pfeil ab, ziele, lasse den Pfeil schwirren und durchschlägt den Halbork ohne auf Widerstand zu treffen. „Illusion“ kreischt Xana, danke, dass weiß ich jetzt auch. Hinter dem Halbork dringt der Pfeil in den Arm eines Passanten. Autsch! Das ist jetzt peinlich. Mit einem lauten Lachen zerplatzt der Halbork in einer Wolke grinsender Gesichter. Spaßmacher, die freche Fee, die wir im Myrkultempel befreit haben, erscheint vor lachen Purzelbäume in der Luft schlagend. Glücksbote Ryan entfernt schnell den Pfeil aus dem Arm des Bürgers und heilt ihn. „Ich habe es doch gleich gesagt, dass wir die Fee nicht befreien sollen.“ weißt Xana auf ihre prophetischen Worte von damals hin. Inzwischen ist das wirklich jedem klar. „Das war jetzt lustig. Ich habe gehört, Beshaba hat ihren Blick auf dich geworfen, Tymorafatzke, deswegen werde ich dich heute ganz besonders ärgern.“ Mit fliegenden Fingern lege ich einen neuen Pfeil ein. Mit einem „Oh oh!“ verschwindet das freche Ding aber, bevor ich den Pfeil abschießen kann. Na, warte!

Ich entschuldige mich noch zerknirscht bei dem armen Kerl, den ich beinahe umgebracht habe und eile dann der Prozession hinter her. Nach zehn Minuten erreichen wir den ersten Laden von Fetch, der nicht wirklich viel her macht. Kaum hat Glücksbote Ryan die notwendigen Utensilien zur Hand, bahnt sich ein Magistrat in Begleitung von zwei Bütteln den Weg durch die Menschenmenge. Mit schwant böses. „Dieses Geschäft wird auf Grund von unbezahlten Schulden bei der Gemeinschaft der Fünf konfisziert.“ Der Büttel klebt einen Zettel auf die Tür. Dieses Timing macht mich Misstrauisch. Der Beshabapriester grinst höhnisch. Xana schlägt vor, dass wir zu Tharador gehen sollten, um ihn dazu zu bringen, die Schulden von dem Mann aufzukaufen. Ist eine Möglichkeit, ich sage Ryan bescheid, dass Xana und ich zu Tharador gehen, um da vielleicht was zu deichseln.

Auf dem Weg dorthin tratschen wir ein wenig und ich frage Xana, ob sie Serenius zum Mitsommerfest einladen will. Sie wird über beide Ohren rot und meint kichernd, soweit wären sie noch nicht. Aber warum was anbrennen lassen? Das ist die Gelegenheit, einen Mann vollständig kennen zu lernen, ohne dass daraus irgendeine Art Verpflichtung entsteht. Was in der Nacht des Mittsommerfest passiert, ist bekanntlich nie passiert. Es gibt in dieser Nacht keine Bindungen, keine Verpflichtungen, alles was freiwillig ist und beiden Spaß macht, ist erlaubt.

Während Xana mit Serenius flirtet, trage ich Tharador unser Problem vor. Er meint, dass würde seine Geldmittel etwas übersteigen. Er eist Serenius von Xana los und fragt, wer dieser Kerl überhaupt ist. Nach etwas hin und her kommt heraus, dass dieser Fetch vom Pech verfolgt zu sein scheint. Er war einst ein recht einflussreicher Gemüsehändler, inzwischen hat er aber nur noch drei kleine Läden. Seine Frau sei verstorben und seine sieben Kinder auch. Und jetzt fällt mir auch ein, woher ich den Namen kenne. Die Fetch Kinder, klar, eines nach dem anderen war gestorben. Die älteste Tochter wurde von einem Ziegelstein erschlagen, ein Sohn ist vom Baum beim spielen gefallen, einer wurde vom Fuhrwerk überfahren, ein anderer ist in einen Brunnen gefallen, eine rutschte am Hafen am Pier aus, fiel ins Meer und ertrank, eine weitere erstickte an einem Hähnchenknochen, der jüngste Sohn fiel von der Stiege und brach sich das Genick. Die Frau erhängte sich schließlich aus Gram. So jemand kann kein Anhänger von Tymora sein. Finsternis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 19. März 2008, 20:10:34
22. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Wir beeilen uns, um Glücksbote Ryan zu warnen, aber wir kommen zu spät. Wir kommen gerade noch rechtzeitig, um Ryan aus den Trümmern des zweiten Ladens herausklettern zu sehen, der über ihm eingestürzt ist. Lia findet schnell heraus, dass die Wände und Stützbalken von Termiten angefressen worden sind und zwar von sehr aggressiven Exemplaren, die eigentlich nur im weit entfernten Chormanthor vorkommen. Da hat jemand aber mächtig nachgeholfen. Um eine Ausbreitung zu verhindern, wird das Holz sofort verbrannt. So ein Pech auch. Finsternis!

Der dritte Laden dürfte tödlich von Ryan werden, da bin ich sicher. Deswegen hat der Händler auch auf die Reihenfolge bestanden. War ja klar, dass ein Priester der Beshaba nicht ehrlich spielt. Diese Typen sind böse. Und nicht nur Lia juckt es in den Fingern, den Kerl gleich hier und jetzt seiner gerechten Strafe zuzuführen. Aber dummerweise hat nicht nur die Schildwacht etwas dagegen, dass Bürger auf offener Straße ihren Religionskrieg austragen, auch wäre offene Gewalt viel zu plump. Nein, wir müssen die tödliche Bedrohung im dritten Laden entfernen. Ich berichte Ryan von unserem Verdacht und davon, dass wir vier voraus eilen werden und den Laden für ihn sicher machen werden. Der Priester der Tymora verschafft uns mit einer ausschweifenden Predigt den notwendigen Vorsprung.

Der Laden ist nicht leicht zu finden, fragen uns aber durch. Der Bau steht frei, ist primitiv und von einer Seite mit Efeuranken überwuchert. Xana schaut sie komisch an und meint dann: „Vorsicht! Das sind keine normalen Efeurranken, die sind magisch aktiv!“ „Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, diese Pflanze ist sehr gefährlich!“ fügt Lia hinzu. Entsprechend vorsichtig, husche ich zur Türe und presse mein Ohr an die Tür. Dahinter ist ein leises rascheln zu hören. Die Türe ist unverschlossen und ich mache sie nur einen kleinen Spalt weit auf. Der Innenraum ist voll von diesen Ranken und eine Frau baumelt umschlugen und nach dem Winkel des Kopfes zum Rest des Körpers tot von der Decke. Einige Ranken schießen auf mich zu und ich knalle gerade rechtzeitig die Türe wieder zu. Verdammnis!

„Wir müssen diese Pflanze vernichten!“ Xana schleudert eine ihre Kugeln aus kleinen Blitzen auf die Ranken außerhalb des Gebäudes. Sie zucken kurz, scheinen aber keinen Schaden davon zu tragen. „Wir müssen die Wurzeln angreifen.“ bescheinigt Lia. Schlachtenrufer Dolon und ich fachsimpeln kurz darüber, ob das wie ein Tiefenbaum aufgebaut ist oder nicht. Es muss was ähnliches sein und Wurzeln sind immer essentiell für eine Pflanze wichtig. Hinter dem Haus gibt es eine Klappe, die wohl zum Keller führt. Ich knacke das Schloss und Xana wendet aus sicherer Entfernung ihren Trick an, wo sie mit einer Handbewegung die Klappe wie von Geisterhand öffnet. Sofort zischen einige Ranken hervor und zucken hektisch hin und her, bevor sie scheinbar enttäuscht sich zurückziehen.

Ich befestige gegenüber ein Seil, um daran leichter herunter klettern zu können und der Tempuspriester stürzt sich mit mutigem Beispiel nach unten in den Kampf, ich folge ihm auf dem Fuß, Lia und Xana stürzen sich auch hinter her. Im Kellerraum stehen uns zwei Stauden von Todesrankenefeu gegenüber. Keine Ahnung, wie man die Dinger wirklich nennt, aber der Name passt. Ich eile auf die Linke zu und versuche mit meinem Kurzschwert darauf zu hauen, was aber an der zähen Rinde scheitert. Lia schnappt sich die rechte Staude, Dolon unterstützt mich bei meiner. Xana zaubert ebenfalls einen Strahl aus Feuer auf meine Staude, welche die Pflanze aber überraschend gut wegsteckt. Unzählige dünne Ranken schlängeln über den Boden und machen jede Bewegung fast unmöglich. Wir sind auf unsere Positionen festgenagelt. Lia gerät sehr schnell in Bedrängnis und wird von den Ranken eingewickelt. Sie schreit gequält auf, als die Ranken anfangen das Leben aus ihr herauszupressen. Aber Xana pumpt ungehemmt mehrere Wellen grüner Geschosse in die Staude, bis diese verwelken. Lia schlürft wieder befreit einen Heiltrank und sieht gleich wieder besser aus. Endlich zeigen auch meine Hiebe etwas Wirkung und Dolon schlägt die Staude schließlich zu Gartenabfall. Puh!

Unten finden wir noch einen Beschwörungskreis, der deutlich die Geweihe der Beshaba zeigt. Damit wurden diese Ranken wohl hier her gebracht. Wir schaffen die Leiche der armen Frau erstmal in den Keller und räumen oben so gut wie möglich auf. Die Frau ist jung und ärmlich gekleidet. Wer sie wohl sein mag? Es macht mich wütend, dass wegen diesem fiesen Beshaba Priester diese unschuldige Frau hat sterben müssen. Dafür wird der Mistkerl bezahlen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 21. März 2008, 15:13:11
22. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Wir eilen wieder nach oben und warten auf das Eintreffen der Beshaba Bande. Die gucken nicht schlecht aus der Wäsche, als Glücksbote Ryan die Türe öffnet und nicht umkommt. Wenigstens diese Segnung geht glatt über die Bühne. Dolon versucht den verräterischen Händler Fetch zur Rede zu stellen. Aber der tut so, als ob er von nichts wüsste. Wie gehen wir jetzt weiter vor? Der Schildwacht bescheid sagen, die Beweise präsentieren und den Priester festnehmen lassen? Ich bin nicht sicher, wie stichhaltig die Beweise sein werden. Beshabasymbole kann jeder malen. Das lässt mich zögern. Erst einmal ist unser Glücksbote der Held des Tages. Er konnte das Unheil hier gerade noch abwenden und er findet, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, im Nächsten Wirtshaus einzukehren. Lia und ich bleiben zurück und behalten den Priester und seine nun auftauchenden Spießgesellen im Auge. Die trennen sich. Lia folgt den Gesellen ich dem Priester. Der schlendert wartend davon. Der führt was im Schilde!

Bei einem Garstand in der Nähe des Tores kauft er sich was zu essen, was ich bei einem anderen Stand auch tue und wir essen in gebührender Entfernung. Nach etwa einer Stunde des herumlungern sind Rufe zu hören und Rauch quillt aus der Richtung, wo das Geschäft liegt. Und ja, es brennt. Lia hat die Gesellen im Labyrinth der Außenstadt verloren und die haben das Geschäft abgefackelt. Jetzt haben wir überhaupt nichts mehr in der Hand. Finsternis!

Diesen Schachzug habe ich jetzt nicht vorhergesehen. Was also tun? Glücksbote Ryan ist natürlich sichtlich geknickt. Wir überlegen verzweifelt hin und her. Aber diese Schlacht haben wir endgültig verloren. Wir haben eine Zeitlang unseren Gegner überholt gehabt, aber wir hätten das Geschäft bewachen müssen. Verdammt! Warum habe ich nicht daran gedacht, dass sie die Bewiese verschwinden lassen würden, wie dünn sie auch sein mögen? Das ist mehr als nur ärgerlich. Lia schlägt vor, die Sache mit Gewalt zu beenden. So gerne ich den Hund von Beshabapriester töten würde, es wäre weder klug und würde es uns den Erfolg bringen.

Der Beshabapriester nutzt die Gunst der Stunde und hält eine gute Predigt und auch der Händler schwingt jetzt offen um. Eine Prozession zu Thagrams Weg setzt sich in Bewegung. Wir hinter her. Auf dem Podest hält der Priester weiter seine Predigt, auf dessen Höhepunkt Fetch Tymora abschwört und sich zu Beshaba bekennt. Dabei zieht er sich aus und hält so die Weihe. Verzweifelt versucht Ryan mit Argumenten und Beschuldigungen über das abgekartete Spiel die Meinung noch mal herum zu reisen, aber dazu ist es zu spät. Finsternis!

Wir ziehen uns in den Vorraum des Schreins zurück und beratschlagen, was wir tun können. Wir beginnen uns schnell im Kreis zu drehen, da wir kaum durchführbare Visionen haben. „Warum fragen wir nicht bei der Gemeinschaft der Fünf nach, ob sie Fetch die Schulden erlassen. Das wäre doch ein Beweiß für das wirken von Tymora.“ schlägt Xana schließlich vor. Zuerst winke ich ab, aber nachdem dieser Vorschlag nach einer halbstündigen Diskussion sich als der erfolgsversprechenste von allen herausstellt, gebe ich mein Einverständnis. Wir ziehen uns im Tempustempel um, haben wir doch jetzt dank Larna viele schöne Kleider. Da kriegt mein kleines Töchterchen aber große Augen, als sie mich in dem herrlichen Kleid erblickt. „Oh! Mama schön!“

Und die Leute behandeln uns ganz anders, als wir in den teueren Kleidern durch die Stadt flanieren. Bei Tharador holen wir Rat. Xana präsentiert sich Serenius, dem sie ein paar gestammelte Komplimente abstrotzt. Tharador hat recht wenig Einfluss in solch hohen Kreisen, aber er kennt wenigstens einen der Fünf persönlich, Holger Hohlstein. Mit dem könnten wir reden. Also nichts wie hin. Auf dem Weg dorthin quetsche ich Tharador wenig über Serenius, der mit einer quasselnden und bei ihm eingehakten Xana vor uns außer Hörweite läuft.  Der Glatzkopf ist weder in festen Händen, noch hatte er jemals eine Freundin. Nein, er gehört nicht zu den Männern, die auf Alternativen stehen, sondern seine Kunst verlangt eine gewisse Zurückhaltung in diesen Dingen. Aha! Das könnte Xana durchaus im Wege stehen. Serenius kommt aus der alten Heimat, aus welcher Stadt genau vermag Tharador nicht zu sagen. Nun, hört sich teilweise nicht mal so verkehrt an.

Wir werden tatsächlich empfangen und nach nur einer weiteren halben Stunde bequemt sich der Handelsfürst mit uns zu reden. Vorher flüstere ich Xana noch zu, was ich über den Glatzkopf, in dem sie so vernarrt ist, herausgefunden habe. Sie ist höchst erfreut über die Tatsache, das Serenius noch nicht vergeben ist. Wir treffen auf ihm in einem sehr nobel eingerichteten Wartezimmer. Tapete aus Stoff bedeckt die Wände. Ein großes Bild von den Fünf am Hafen vor einem stolzen Schiff bedeckt eine komplette Wand. Holger Hohlstein ist ein stattlicher Mann Anfang Fünfzig. Ich erzähle ihm, was sich zugetragen hat.

Er könnte da was drehen, aber billig wird das nicht. Es stellt einige Bedingungen auf, welche die Kirche der Tymora zu erfüllen hätte. Sie sind erfüllbar und er soll schon mal einen Vertrag aufstellen. Dolon wirft ein, dass sich das gar nicht bestimmen könnte. Nein, kann ich sicherlich nicht, da ich nicht zum Klerus der Tymora gehöre. Aber alles hat seinen Preis. Entweder dieser Glaubenskrieg wird heute noch Erfolgreich beendet oder die Kirche der Tymora verliert auf Jahrzehnte ihr Ansehen in dieser Stadt. Da ist eine kostenlose Segnung der Lagerhäuser und Besitzungen der Fünf ein kleiner Preis. Allerdings wird nun auch Dolon mit hineingezogen und auch die Kirche des Tempus wird einige Konditionen erfüllen müssen. Mit einer Liste von Forderungen von der Gemeinschaft der Fünf verlassen wir das Anwesen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 24. März 2008, 13:58:43
22. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Dolon redet zuerst mit seinem Tempelvorsteher. Der ist insgesamt nicht abgeneigt, auch wenn er da ein paar Nachbesserungen anmahnt. Wir werden zusätzlich noch zum Quartiermeister des Tempels geschickt. Der zählt gerade eine nicht unerhebliche Menge an Gold in seinem mit einer massiven Türe verschlossenen Büro, Das Gold liegt glänzend in einer offenen Truhe und in Stapeln auf seinem Schreibtisch. Dolon sieht mich warnend an. Ich werfe ihm einen wütenden Blick zurück. Für was hält er mich, für eine Diebin? Ich vergreife mich doch nicht am Tempelschatz des Tempus! Verdammnis!

Es wird eine Weile hin und her geschachert und ich muss ein Gähnen unterdrücken. Schließlich weiß Dolon, in welchem Rahmen er die Verhandlungen weiter führen kann und wir sausen weiter zum Tymoraschrein. Die Lage ist inzwischen so, dass Ryan noch zu genau einem einzigen verschüchtert wirkenden Anhänger predigt, während der Beshabapriester von einer großen jubelnden Menge umlagert ist. Das sieht nicht gut aus. Wir zerren Ryan in den Schrein und setzen den gesamten Klerus, also die Vorsteherin und die beiden Priester ins Bild. Die Vorsteherin hat den Ernst der Lage erkannt und ist bereit, jeden Preis zu bezahlen. Heute ist ein Tag für ein Koste was es Wolle. Und das hat sie erkannt. Dumm ist die Frau nicht, auch wenn es ihr an Willen zu Mangeln scheint, aus dem Schrein mehr als nur das hier zu machen. Gemeinsam eilen wir nun zurück zu Holger Hohlstein.

Wieder dürfen wir in dem schicken Zimmer warten. Ich setze mich auf eines der Sofas und lehne mich zurück. Hohlstein hat nun einen Schreiber dabei und das Geschacher geht wieder los. Dolon ist recht schnell fertig und handelt auch noch bessere Konditionen aus, als wie gedacht. Aber der Tymoraschrein kommt nicht so billig davon. Für die nächsten Neun Jahren wird der Klerus viele Dienstleistungen umsonst erbringen müssen. Zähneknirschend stimmt die Vorsteherin schließlich zu. Im Nachhinein gibt sie aber zu, dass sie noch viel mehr bereit gewesen wäre, um den heutigen Tag zu einem guten Ende zu bringen. Die Dame lächelt den Mutigen!

Es wird ausgehandelt, dass bald ein Bote erscheinen wird, der die frohe Kunde verkünden wird, dass die Schulden bei der Gemeinschaft der Fünf für nichtig erklärt worden sind. Vorher wird bei uns noch ein Bote eintreffen, der uns die Zeit verschaffen wird, gebührend auf die Eröffnung zu reagieren. Wir eilen wieder zurück zum Tempustempel und bereiten uns auf einen offenen Kampf vor, falls die Lage am Ende eskalieren sollte. Aber die Aggression darf auf keinen Fall von unserer Seite begonnen werden. Hier gilt es einen taktischen Vorteil für einen moralischen zu opfern.

Wie auf Kohlen sitzend warten wir im Tymoraschrein. Ich nutze die Gelegenheit für ein paar Gebete an die Dame. Ich küsse meinen Anhänger und führe ihn an Stirn und Herz. Möge sie uns heute noch mal lächeln. Wer wagt, gewinnt. Schließlich erhalten wir die vereinbarte Botschaft. Jetzt sind es noch zehn Minuten. Glücksbote Ryan wirft sich in seine beste Robe und stellt sich in Positur. Wir stehen hinter ihm und sind bereit, ihn zu verteidigen. Wieder arbeitet sich ein Magistrat durch die Menschenmenge und verkündet dem verdatterten Fetch, der immer noch Nackt auf dem Podest steht, die frohe Kunde. Der ist natürlich total aus dem Konzept gebracht, genau so wie der Beshaba Priester. Ryan arbeitet sich nun ebenfalls auf das Podest und verkündet, dass die Dame nun mal denen lächelt die was riskieren. Und das ist nun mal nicht mal gelogen. Die Situation heizt sich entsprechend auf. Kurz bevor es zur Eskalation kommt, bricht das Gerüst zusammen. Huh?

Wir waren das nicht! Auch wenn wir darüber nachgedacht haben, dass zu tun. Die Menge spritzt auseinander, um von dem Holz nicht begraben zu werden. Verdammnis! Ich muss aufpassen, nicht zu Boden gerissen und zertrampelt zu werden. Aber ich kann mich auf den Beinen halten und schwimme mit der Menge. Schließlich kommt diese zu stehen und ich arbeite mich mit Ellenbogen nach vorne. Die Staubwolke verzieht sich und auf dem Trümmerhaufen steht unverletzt wenn auch total verdutzt Glücksbote Ryan.

„Die Dame hat ihm gelächelt! Noch mal Glück gehabt, Glücksbote Ryan!“ Rufe ich. Die Menge schaut etwas verdutzt aus der Wäsche. Einzelne „Tymora“ Rufe werden laut. Ryan fängt sich und beginnt im Schutt herumzuwühlen. Andere und auch ich helfen ihm dabei. Den Händler Fetch finden wir als ersten. Sein Körper ist vollständig zerschmettert, da dürfte kein einziger Knochen mehr heil sein. Tja, da hat wohl jemand eine sonst gutmütige Göttin so gründlich verärgert. Tja, Pech gehabt! Als nächsten graben wir den Beshabapriester aus. Dessen Arm hängt zerschmettert an seiner Seite und auch sonst sieht er nicht gerade gesund aus. „Da hat aber jemand noch mal Glück gehabt.“ Glücksbote Ryan wirft sich in Pose und reicht dem am Boden liegenden Priester seine Hand. Der spukt nur wütend Blut aus. „Möge die lächelnde Göttin dich heilen!“ Er bückt sich und richtet den Arm des Priesters, der wütend aufkreischt und sich vergeblich gegen die Heilmagie stemmt. Nun wieder halbwegs sicher auf den Beinen, stürzt der Unheilsbringer wütend unter Schmährufen von dannen. Glücksbote Ryan ruft noch einige spitze witzige höhnische Worte hinter her und die Menge ist nun ganz auf Tymoras Seite. Glück gehabt!

Es schmerzt mich, dass wir den Priester der Beshaba nicht seiner gerechten Strafe haben zuführen können, aber irgendwie fühle ich, dass wir den Mistkerl heute nicht zu letzten mal gesehen haben. Glücksbote Ryan ist der Held des Tages und den Schrein der Tymora habe ich noch nie so voll wie heute gesehen. Tharador kommt mit einem Gespann vorbei und lädt ein Weinfass ab. Und so wird die Siegesfeier mit einem sehr guten Wein gefeiert. Xana ist ganz hin und weg, da auch Serenius mitgekommen ist. Und so endet dieser Tag mit dem Lächeln von mehr als einer Dame.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 26. März 2008, 11:42:22
23. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Am nächsten Tag verlassen wir den Tempel des Tempus, da wir dessen Asyl nicht mehr länger in Anspruch nehmen müssen und wohl auch dürfen. Mili freut sich, wieder zurück in den Silberfisch zu gehen. Auch Frau Erlann ist erfreut, dass wir Beide gesund und munter wieder zurückgekommen sind. Ich richte mich im Eckzimmer wieder häuslich ein und Mili macht es diesmal gar nichts aus, dass ich sie bei Frau Erlann zurücklasse.

Wir treffen uns im Brunnenhaus und beschließen zum Lumpenmarkt zu gehen, weil dort laut Renya Luvius sein erstes Geschäft hatte. Was ja der erste Hinweis gewesen ist. Der befindet sich in der Vorstadt. Mit nur wenigen Fragen finden wir Luvius alten Laden. Merka ist ein Frau um die Vierzig. Wir kommen direkt auf den Punkt. Luvius scheint nach ihrer Aussage aber nichts hinterlassen zu haben und sie beharrt darauf, auch als wir uns als Renyas neue Leute zu erkennen geben. Nun, dann ist der Hinweis irgendwo hier versteckt. Es gibt einen muffigen Keller, denn ich genau durchsuche. Mein Näschen sagt mir, dass wenn hier was versteckt ist, dann muss es hier sein. Und meine Intuition trügt mich nicht. In einer Ecke finde ich einen Haarfeinen Spalt in den Bodendielen, die ich schließlich aufgehebelt bekomme. Schwupps, habe ich eine ganze Luke in der Hand. Darunter befindet sich ein Schacht, der in die Tiefe führt.

„Gratulation, du hast das alte Versteck gefunden. Aber es ist leer. Luvius hat mir das hier gegeben. Ich musste erst sicher sein, dass ihr dessen auch würdig seit.“ Die gute Frau Merka überreicht mir ein paar Handschuhe. Huh? Ich zieh sie über und es passiert nichts. Nur um Sicher zu gehen, klettere ich die Leiter nach unten. Auf dem halben Weg habe ich auf einmal eine Vision, wie diese Leiter von Luvius benutzt wurde, dann, wie sie gekauft und am Ende, wer sie hergestellt hat. Das ist vielleicht mal interessant. Leider hat Merka recht, hier ist nichts zu holen. Der Raum darunter ist leer und das seit Jahren. Schmuggel lohnt sich inzwischen nicht mehr so wie früher. Immerhin haben wir jetzt die Handschuhe.

Da wir schon mal in der Vorstadt sind, gehen wir gleich mal zum Konvent und besuchen Havard Repp. Der hat sich inzwischen von den Vorkommnissen erholt und auch die magischen Gegenstände identifiziert. Der Ring entpuppt sich als ein schwacher Schutzring. Den will unbedingt Xana haben. Normalerweise würde ich so was den Leuten geben, die vorne stehen. Aber so oft, wie Gegner schon durch unsere Reihen gebrochen sind und Xana beinahe getötet haben, gönne ich der Halbelfe den Ring von Herzen. Ich schnappe mir dafür die schicke beschlagene Lederrüstung, die ebenfalls leicht verzaubert ist. Und da Lia als einzige mit einem Schwert umgehen kann, bekommt sie es.

Die Kiste mit den Ritualgegenständen hat Havard noch nicht geöffnet, aber die ersten Schutzkreise stehen schon. Aber er will sich noch weiter absichern. Und dazu braucht er Ruhe! Das war jetzt aber deutlich! Nun gut, wir verabschieden uns und gehen zurück zur Stadt. Wir gehen ins Brunnenhaus, essen zu Mittag und lassen uns von Renya mal den Schlüssel borgen. Vielleicht können wir mit den Handschuhen die Sache etwas abkürzen. Ich sehe, wie Luvius den Schlüssel Renya übergibt, wie er ihn von einem Zwerg erhält, denn der von einem anderen bekommt. Dann sehe ich wie der Schlüssel in dem Maul einer steinernen Gargyle liegt. Und zum Schluss wie er gefertigt wurde. Finsternis, dass war jetzt wohl nichts.

Also folgen wir dem zweiten Hinweis, den der Grube auf der Insel, wo früher Leichen entsorgt worden. Dazu mieten wir uns dann ein Boot. Die Fahrt verläuft mit der kleinen Jolle ohne Probleme und wir finden auch die kleine Insel, ein steinernes Eiland ohne Gebäude und einem flachen Strand, wo wir anlanden können. Es liegt hier ziemlich viel Schutt herum. Als wir die Grube betreten, merken wir auch warum. Teile der natürlichen Höhle wurden zu einem Gang bearbeitet und die Rohentwürfe von Reliefs sind ausgeschlagen worden. Nach den Motiven zu urteilen, wollte man hier wohl mal einen Umberlee Tempel bauen, scheint das Vorhaben aber in einer frühen Phase abgebrochen zu haben. Die Höhle öffnet sich in eine Grotte.

Am Ufer steht eine Winde, an der ein Seil sich befindet. Die Winde ist ein Zusammengerosteter klumpen Metall, den selbst unsere Männer nicht mehr zum funktionieren bringen können. Irgendetwas hängt noch am Seil. Also alle mal ziehen. Mühsam schleifen wir das ans Ufer, was sich daran befindet. Es scheint sich um drei Rüstungen zu handeln, wie sie die Schildwacht tragen. Und in den Rüstungen befinden sich noch Überreste von Menschen.

„Seit mal nicht so grob!“ Beschwert sich einer der Totenschädel.
„Ja, knallt uns doch nur so Rüde ans Ufer. Da kann man sich ja nur noch die Knochen brechen! Sind ja nicht die Euren!“
„Die heutige Jugend, nur noch Rüpel!“

Was sind denn das für untote Gesellen? Ist es jetzt der Zeitpunkt, das Weihwasser herauszuholen? Sicher ist Sicher! Aber wie sich herausstellt, hat Luvius nur sich einen kleinen bösen Scherz mit ihnen erlaubt. Vor etwa zehn Jahren haben die Drei ihn erpresst und dann trotzdem auch noch verraten, nachdem sie bezahlt worden waren. Aber Luvius gelang es mit einigen Gegenmaßnahmen den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Und sein Zorn war groß genug, die drei nicht nur einfach zu ertränken, sondern auch noch ihre Seelen in ihren Schädeln zu binden, dass sie keine ewige Ruhe finden. Finsternis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 28. März 2008, 12:44:21
23. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Insel im Umberlees Schlund

Das ist alles schön und gut, aber können sie was auch über den Schatz erzählen? „Schatz? Luvius hat davon gesprochen. Er liegt in Chondathan, gut versteckt unter der Erde.“ Aber wo genau, wissen sie auch nicht. Irgendwie habe ich mehr von diesem Hinweisen versprochen. Ich fasse das Seil an, aber auch hier offenbaren die Handschuhe nichts Neues. Aber sie fänden es Nett, wenn wir sie beerdigen würden, dass würde den Fluch brechen und sie würden endlich Ruhe finden. Nun, wenn es weiter nichts ist. Also schnappen wir uns jeder einen von ihnen und tragen sie raus. Kaum sind wir draußen, ertönt ein unheimliches Heulen. Was hat das jetzt wieder zu bedeuten?

Auf einmal sehen wir uns drei Hunden gegenüber. Und diese Hunde sind sehr komisch. Ihre Haut ist halb durchscheinend und innere Organe zeichnen sich unter der Haut ab. Ich halte sie für untotes Gesindel, lasse die Rüstung samt Knochen fallen. „He, seid doch vorsichtiger!“ quengelt einer der toten Schildwächter und ich zücke zwei Phiolen mit Weihwasser. Auch die anderen machen sich Kampfbereit. Die Hunde greifen an und Ryan ruft „Möge Tymora dich heilen!“ Mit diesem Wort tatscht er nach der Kreatur. Aber die heilende Magie, welche auf Untote sich verheerend auswirkt, scheint dem komischen Hund nichts auszumachen. Dann verschwinden die Hunde auf einmal. „Was war das denn?“

Aber die Viecher kommen zurück und attackieren ein weiteres mal. Und Poff, verschwinden einfach wieder.
„Ich habe keine Ahnung!“ meine ich, in Vaters Geschichten kam so was nie vor.
„Dämonen sind das nicht!“ meint Lia.
„Untote auch nicht!“ gibt Ryan seine Meinung hinzu. Wir reden wild durcheinander. Ich stecke mein Weihwasser weg und ziehe meinen Bogen und lege einen Pfeil ein. Dann taucht so ein Wesen schon wieder auf. Ich lasse meinen Pfeil von der Sehne schnellen und der Hund heult auf. „Was immer sie auch sein mögen, Bluten tun sie auf alle Fälle!“ Und so stellen wir uns auf sie ein und bekämpfen sie, wann immer sie auftauchen. Xana, Ryan und Lia werden mehrmals von den Hunden gebissen. Auch ich werde zweimal attackiert, kann aber ihre Bisse mit meiner Tartsche ablenken.

Schließlich stellen wir uns so auf, dass wir uns gegenseitig unterstützen können und schlagen so einen Hund noch dem anderen Tod. Puh! Das war jetzt was. „Endlich sind sie tot. Jedes mal wenn uns jemand erlösen wollte, kamen diese Mistviecher.“
„Warum habt ihr uns nichts gesagt?“ fragt Glücksbote Ryan.
„Hätte ihr uns geholfen, wenn wir euch das gesagt hätten?“
„Ja! Verdammt noch mal!“ meine ich. „Nun gut, wo wollt ihr beerdigt werden?“
„Egal wo, Hauptsache wir liegen nicht mehr im Wasser in der Grube.“
„Da drüben ist ein schönes Plätzchen.“ Ich zeige auf eine Stelle, von wo man den Sonnenuntergang aus sehen kann. Dort schaffen wir die drei toten Schildwächter hin und fangen an, sie dann mit Schutt zu bedecken. Schließlich geben sie Ruhe und das heißt wohl, dass sie die ewige Ruhe gefunden haben. Wir machen weiter, bis wir drei Ordentliche Hügel haben. Dann sprechen unsere Priester ein kurzes Gebet und wir gedenken kurz der Toten. Es wäre vielleicht angebracht gewesen, nach ihren Namen zu fragen. Vielleicht haben sie noch Angehörige in der Stadt, die sicherlich gerne gewusst hätten, was aus ihren Lieben geworden ist. Ich kann so was nur zu gut nachfühlen. Aber dazu ist es nun zu spät.
„Ruht in Frieden!“ meine ich noch, dann drehen wir uns um und fahren zurück.

Einen Hinweis haben wir ja noch. Zurück im Brunnenhaus nehmen wir das Blatt mit der letzten noch unverschlüsselten Botschaft und fangen an zu knobeln. Der Text geht so:

Drachengold, Beute, Giftwein und Mondschein. Widerstand, Richter,
Dietrich, Garotte, Botschafter, Meuchler und Soldräuber. Waldwicht,
Nebelfrau und Gargyle. Wurfpfeil, Blutspuren, Leichen, Hinterhof, Rapier
und Totschläger. Zirkuszelt, Schuldmauer und Dämmerung. Überblick,
Warenhaus, Armbrust, Blutraben, Wildnis, Dunkelheit und Kurzschwert.

Am späten Nachmittag fangen wir an, unterbrechen dann, um ein Abendessen unten im Schankraum einzunehmen. Gäste sind wieder da und es herrscht gute Stimmung. Etwas gestärkt kehren wir zurück. Inzwischen haben wir unzählige Methoden ausprobiert. Von jeden zweiten Buchstaben bis zum letzten. Oder nur jedes dritte Wort und davon nur jeweils die vordere oder hintere Hälfte. Oder versuchen den Beschreibungen Orte zuzuweisen. Aber nichts ist wirklich schlüssig. Auch die Handschuhe habe ich schon ausprobiert, aber sie zeigen nur, wie er die Botschaft schreibt, nicht, was sie bedeuten könnte. Kurz vor Mitternacht ruckt Lia etwas seltsam auf und entschuldigt sich dann. Nach etwa zehn Minuten kommt sie zurück und setzt sich wieder.

„Ich glaub, ich habe es! In jedem Wort befinden sich immer zwei gleiche Buchstaben, wenn man die zusammen setzt kommt folgender Satz heraus: Dein dritter Weg führt dich zum Barbier!“ Verkündet sie dann nach zwei Minuten. Tatsache, Lia hat das Rätsel gelöst. Manchmal ist es so einfach.

„Luvius Vater war Barbier. Und er lebt noch, wenn er auch nicht mehr seinem ursprünglichen Gewerbe nachgeht. Inzwischen ist er ein Büßer Illmaters. Fragt am Siechenhaus nach.“ meint Renya, nachdem wir ihr die entschlüsselte Botschaft überbracht haben. Aber dafür ist es heute zu spät. Ich mustere intensiv Lia, bin ich die einzige, die diesen „Geistesblitz“ nach einer Pinkelpause etwas seltsam findet?

Gespielt am 12.1.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon (Stufe 4), Kaira (Stufe 5), Lia (Stufe 3), Ryan (Stufe 3), Xana (Stufe 4)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte: 720 für Kaira weil gerade fünfte Stufe dank eingelösten Bonus für SH, 1020 Rest.
2 Todeswürgeranken
3 Teleporterhunde
Beute
Ein paar Handschuhe
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 31. März 2008, 12:40:57
Kapitel 10
Mein Schatz!

24. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Es ist inzwischen spät in der Nacht. Zeit für ins Bett gehen. Wir verlassen das Brunnenhaus. „Eigentlich seltsam, dass die Braunkapuze sich nicht um den Schlüssel mehr gekümmert hat.“ merkt Lia an und wie auf das Stichwort tritt uns jemand in den Weg. Just die braune Kapuze. Wir halten etwas Smalltalk, bevor er meint, er hätte inzwischen den Schlüssel aus anderer Quelle erhalten. So was auch. Für uns hat er ein kleines Geschenk mitgebracht. In einem verschlossenen Glas flattert Spaßmacher und sein Gesichtsausdruck wechselt zwischen Trotzig zu Ängstlich. Da haben wir ja das kleine böseartige freche Mistvieh. Wegen ihm war ein Mensch verletzt worden und der Streich, den er uns gespielt hat, war auch nicht ohne. Ich klopfe mit dem Finger an die Glaswand und die gemeine Fee streckt rotzfrech die Zunge heraus. Aus irgendwelchen Gründen bekomme ich den kleinen Kerl in meine Obhut überstellt. Was mach ich nur mit dem? Verdammnis!

Der Kapuzenmann gratuliert uns noch zu unserem Sieg über Larna und geht dann seiner Wege. Was war das jetzt? Versteh ich nicht ganz und was mach ich jetzt mit dem inzwischen unsichtbaren Spaßmacher im Glas? Wir trennen uns nun und ich gehe in den Silberfisch. Mein kleiner Schatz schläft tief und fest in ihrem Bettchen und hat ihr Püppchen im Arm. Irgendwie süß. In einer Kiste verstaue ich erstmal die gemeingefährliche Fee. Beizeiten muss ich mir überlegen, was ich mit ihm mache.

Als ich mich für die Nacht umziehen will, fällt mir ein kleiner Zettel aus meiner Tasche. Huh? „Besuche mich heute Abend noch in den drei Fässern.“ Der braune Kapuzenmann muss ihn mir zugesteckt haben. Hm, was er wohl von mir will? Ein Hinterhalt? Nein, wohl weniger, so wie ich sein Können was heimliche Dinge anbelangt, hätte er mich auch einfach vor dem Silberfisch auflauern können. Also ziehe ich mich wieder an und eile zu der besagten Taverne.

Ich finde ihn tatsächlich dort in einer Ecke mit dem Rücken zur Wand sitzend vor. Zu solch später Stunde ist hier noch einiges los. Nach kurzer Begrüßung kommt er zum Thema. „Als ihr Larnas Lagerhaus geplündert habt, hast du dort ein Buch gefunden, dessen Einband aus Blättern besteht?“ „Aus Blättern? Wie die von Bäumen?“ Er nickt mit dem Kopf. „Nein, so was haben wir nicht gefunden.“
„Hm, Luvius hatte es in seinem Besitz.“
„Larna hat den Schatz auch noch nicht gefunden gehabt.“
„Dann muss es darunter sein. Tu mir einen Gefallen, nimm das Buch an dich, öffne es aber unter keinen Umständen. Es ist sehr gefährlich. Und übergebe es dann mir.“
„Aha? Und wer bist du überhaupt?“
„Mein Name ist Karn.“
„Und was ist deine Rolle bei der ganzen Sache?“
„Ich gehöre zu Hütern von Wissen. Und nur wir sind in der Lage mit den Geheimnissen dieses Buches umzugehen. Auch andere Fraktionen sind dahinter her und die führen nichts Gutes im Schilde. Und traue dieser Lia auf keinen Fall, sie verbirgt etwas mit Magie.“

„Der Frau traue ich schon lange nicht mehr.“ Und dir auch nicht unbedingt, füge ich in Gedanken hinzu. Er beschreibt mir eine Statue eines Schildwächters am Nordtor, bei der ich Nachrichten hinterlassen kann. Auch warnt er mich von Merl dem Geldeintreiber. Er wäre äußerst ungehalten über die Entwicklung mit Larna und den Verlust seiner Leute im Brunnenhaus. Der Geldeintreiber hätte seinen besten Mann auf uns angesetzt, einen Kerl namens Larmar, an dem einige magische Experimente durchgeführt worden sind. Er wäre ein sehr zäher Bursche und wir sollten uns in Acht nehmen. „Hört den das niemals auf? Zuerst Larna und ihre Tieflingsspießgesellen. Und jetzt Merl!“ Karn zuckt nur mit den Schulten. Dann steht er auf und verschwindet im Dunkel der Nacht. Auch ich mach dass ich endlich ins Bett komme.

Nach viel zu kurzer Nacht weckt mich meine Kleine. Ich mach sie fertig und helfe unten noch etwas auf, bevor ich aufbreche, um mich wieder mit den anderen zu treffen. Im Tymora Schrein ist richtig viel los und Glücksbote Ryan hält sichtlich verzückt eine Predigt vor dem Schrein. Drei junge Zwerge mustern mich grimmig. Ich schau an mir runter und prüfe dann meine Frisur. Ich bin sauber und sehe ordentlich aus. Keine Ahnung, warum die mich so Finster mustern. Als wir alle zusammen sind, kommen die drei Zwerge auf uns. „Ihr seid Wächter der Kavernenwacht!“ blafft der mittlere höchst unfreundlich und das war keine Frage.

„In der Tat!“ antworte ich auf Zwergisch.
„Ihr seid keine Zwerge!“
„Ihr seid wahrlich mit zwei gesunden Augen und einem wachen Verstand gesegnet.“ Der Sprecher läuft rot an.
„Ihr müsst zum Olan kommen!“
„Müssen wir das?“
„Natürlich! Der Olan wird entscheiden, wie mit euch zu verfahren ist.“ Da uns allen die Dickköpfigkeit von Zwergen bekannt ist, folgen wir dem Trio zum Hafen in ein trutziges Gebäude, das mehr Festung als Wohnhaus ist. Unten ist eine Stube voller Zwerge beim Frühstück, die komisch aussehendes Brot essen und pures Wasser trinken. Von oben poltert ein schwer gepanzerter Zwerg herunter, der einen großen Hammer auf dem Rücken geschnallt hat. Er stellt sich als Olan vor und befiehlt uns, nach oben zu folgen. Er scheint hier so was wie ein Clanchef zu sein. Sein weißer Bart reicht bis zum Boden.

„Noch nie wurden Nichtzwerge zu einem der Vier Orden einberufen.“ stellt Olan fest. „Wie kommt es, dass Sagrell euch erwählt hat?“ Ich erzähle natürlich nur die halbe Geschichte.
„Wir haben uns beworben, haben die Prüfungsaufgaben gelöst und wurden eingestellt. So einfach ist das.“
„Das ist einfach unerhört. Auch wenn die Kavernenwacht nicht zu den angesehensten Orden des Talynstein Clan gehört, so würden sich doch passende Rekruten finden lassen, die das richtige Erbe mitbringen.“ poltert Olan.
„Sagrell hat aber anders entschieden.“ Etwas verstimmt verschränke ich meine Arme vor der Brust.
„Was ist Sagrell eigentlich?“ wirft Xana neugierig ein.
„Manche Wächter beschließen zu Lebzeiten, dass sie über den Tod hinaus dienen möchten. Sagrell wurde ein steinerner Körper für die Ewigkeit angefertigt, die er nun bewohnt, nachdem sein fleischlicher Körper den Weg alles Lebenden gegangen ist. Also wie ist es, tretet ihr nun aus dem Orden wieder aus?“
„Lass uns darüber nachdenken.“ Meine ich verstimmt, da ich es nicht gewohnt bin, wegen meines Menschseins angefeindet zu werden. So verabschieden wir uns und gehen wieder.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 02. April 2008, 11:56:49
24. Tarsak Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Nach diesem kleinen Zwergenintermetzo widmen wir uns wieder der eigentlichen Aufgabe zu, dem Schatz. Das Siechenhaus liegt außerhalb der Mauer im Norden. Es ist ein Einstöckiges Langestrecktes Gebäude von primitiver Bauweise, auch wenn es ein gemauertes Fundament verfügt, so ist der Oberbau recht einfach gehalten. Ein Büßer des Illmaters nimmt uns in Empfang. Nach kurzer Begrüßung komme ich direkt zu unseren Anliegen, dass wir einen gewissen Selan suchen. Der Priester erklärt uns, dass ein Büßer alles weltliche ablegt, wenn er dem Orden beitritt. Darunter fällt auch sein Name. Alles was vorher war, wird ausgetilgt. Nur der Vorsteher, Meister Zargos kennt die Vergangenheit der Büßer. Nun, dann nix wie hin zu dem.

Aber das geht leider nicht, da Meister Zargos im Keller in seinem Laboratorium sitzt und Seuchen erforscht. Normal sterbliche können dort nicht herunter. Nur Büßer, welche Immun gegen jede Krankheit sind. Also schreibe ich Meister Zargos einfach einen Brief, wo ich so ehrlich wie möglich meine Gründe darlege, diesen Selan zu finden. Der Brief wird über eine Apparatur nach unten befördert. Es dauert etwa zehn Minuten, dann wird eine Glocke geschlagen. Der Büßer kriegt große Augen und eilt schnell von Bett zu Bett und zieht einen schwarzen Vorhang davor. Vom Keller heraus kommt eine in Tücher eingewickelte Gestalt hervorgehumpelt, die von unzähligen Seuchen gezeichnet ist. Iiiks!

Ich binde mir ein Tuch vor den Mund und höre mir an, was Meister Zargos zu sagen hat. Wir finden den Büßer, der einst Selan hieß, in der Weststadt auf seiner Runde. Ein Brief hätte uns auch gereicht. Wir verabschieden uns und stürzen dann nach draußen. Beim nächsten Brunnen reinigen wir uns. Dann auf zur Weststadt. Wir suchen über eine Stunde, bis wir den Büßer finden. Es ist ein alter Mann, der schwer gebeugt unter seinem Gestell mit Heilmitteln ächzt. „Einen wunderschönen guten Morgen, Meister Selan.“ grüße ich ihn freundlich. „Diesen Namen habe ich seit zehn Jahren nicht mehr gehört. Seit dem Tag, wo ich ein Büßer wurde, um ein Versprechen an Illmater einzulösen. Ich betete in meiner finstersten Stunde zu ihm, und wurde geheilt. Illmater hat schon einen seltsamen Humor.“

„Setzen wir uns doch und reden ein wenig.“ Der alte Mann entledigt sich seines schweren Gestells und setzt sich darauf. „Wir kommen wegen eurem Sohn.“
„Das habe ich mir beinahe schon gedacht. Er hat mir gesagt, kurz bevor sie ihn geschnappt haben, dass jemand kommen wird, der mich nach ihm fragen wird.“
„Nun ja, was war seine Botschaft?“
„Nun, er würde in seinen letzten Augenblicken den Ort sehen, den ihr sucht.“
„Das ist alles?“ Der alte Mann nickt. „Das ist alles, was mein Nichtsnutziger Sohn euch zu sagen hat. Mögen die Götter ihm Gnädig sein.“ Der alte Büßer streckt sich und nimmt sein schweres Gestell wieder auf. „Entschuldigt mich, aber ich habe noch zu tun.“

Das war jetzt nicht gerade ergiebig. Von den ganzen Hinweisen habe ich mir irgendwie mehr erwartet, als diese kryptischen Andeutungen. Wir haben diese Handschuhe, wir haben von den drei Toten Schildwächtern erfahren, dass der Schatz unter der Erde in Chondathan versteckt ist und das Luvius in seinem letzten Augenblicken einen Blick auf das Versteck haben würde. Nun gut, dann auf zum Rallardplatz. Es ist gerade Mittagszeit, als wir den Platz erreichen. Auf dem Rallardbaum hängt einsam ein Erhängter. Auf dem Platz selbst ist wenig los. Am Magistrat lümmeln sich gelangweilt zwei Schildwächter herum. Wir sehen uns um, auf zwei Gebäuden sehe ich Dreigruppen von Gargylen wie ich sie in der Vision mit dem Schlüssel gesehen habe. Vielleicht hat es damit was zu tun. Die erste Gruppe steht auf einem normalen Wohnhaus, die zweite auf dem Magistrat. Ich würde ja ganz frech mal in das Wohnhaus reingehen, auch wenn ich dazu das Schloss öffnen müsste. Aber leider sind die anderen dagegen und finden, wenn was hier ist, muss es unter dem Haus sein, also ab in die Kanalisation.

Dort unten ist es kalt. Verdammt kalt. Schon nach wenigen Minuten quengelt Xana eigentlich nur noch herum, dass es hier kalt, feucht und schmutzig ist. Ist es, aber wir sind ja nicht aus Spaß hier. Die Aufsicht auf baldigen Reichtum macht mich gegen alle Widrigkeiten immun. Nach zwei Stunden akribischen Suchen stellen wir fest, dass hier definitiv nichts ist. Unter dem stetigen Gejammer von Xana bewegen wir uns unter den Magistrat. Die haben sogar ihren eigenen Zugang zur Kanalisation, eine massive Türe, die von innen mit einem schweren Riegel verschlossen ist. Ich nehme mal an, dass nicht mal Luvius so unverfroren ist, seinen Schatz in einem öffentlichen Gebäude zu verstecken. Drum herum finden wir auch nichts.

Wir gehen wieder hoch, waschen uns, essen was und beraten dann. Vielleicht sieht man ja was vom Rallardsbaum selbst, wenn man ganz oben ist. Leider predigt dort gerade ein Tyrpriester. Als der endlich abgezogen ist, versuche ich den Galgen hoch zu klettern. Leider meinen die beiden Schildwächter, dass dies grober Umfug ist und hindern mich daran. Menno! So wird das nicht. Wir beschließen, heute Abend weiter zu machen. Vielleicht sieht man ja dann mehr.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Pelor am 07. April 2008, 07:36:43
tststs... Du hast am Freitag vergessen zu aktualisieren. Das wars mit meinem Wochenende. Ich hoffe heute bekomme ich dann wieder mehr von meiner Lieblingsschurkin zu lesen.


Gruß, Pelor :D
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 07. April 2008, 11:48:13
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24. Tarsak Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

So helfe ich den Rest des Tages ein wenig den Erlanns und albere sonst mit meiner kleinen niedlichen Tochter herum. Sie wächst ja so schnell und jeden Tag überrascht sie mich, wie klug sie doch ist. Ich nutze den Abend, mit der Kleinen ins Badehaus zu gehen und uns beide mal ordentlich abzuschrubben. Mili hat ordentlich Spaß beim planschen und ist kaum mehr aus dem Becken herauszubekommen. Jetzt ist aber genug. Zu Hause im Silberfisch bringe ich sie dann ins Bettchen und erzähle ihr noch eine Gute Nacht Geschichte, bevor ich sie in den Schlaf singe. Träum was süßes, kleiner Schatz.

Dann mache ich mich fertig und habe nun meine komplette Ausrüstung dabei. Wir treffen uns am Rallardplatz und klettern dann das Wohnhaus hoch. Oder besser gesagt, Lia und ich tun das, während die gutaussehende Hexenmeisterin Xana und Glücksbote Ryan unten Schmiere stehen. Dolon hat sich entschuldigen lassen, eine Totenfeier im Tempel, wo er nicht fehlen kann. Ich ziehe die neuen Handschuhe an und fühle mal den mittleren Gargyle. Leider Fehlanzeige. Auch die Gruppe beim Magistrat ist nicht die richtige. Aber von hier haben wir einen ähnlichen guten Überblick wie vom Galgen. Ich sehe von hier aus ein weiteres halbes Dutzend Gruppen von Gargylen, die in Frage kämen. Das wird noch eine lange Nacht.

So klettern wir von Dach zu Dach und von Gargyle zu Gargyle. Schließlich werden wir bei einer Dreiergruppe hinter der Taverne zu den drei Fässern fündig. Das ist die Gruppe, wie mir die Handschuhe vermitteln. Wir sind am Ziel. Ich suche nach fiesen gemeinen Fallen, finde aber nichts. Meine Hände zittern leicht, als ich den Schlüssel einführe. Ich drehe ihn und auf einmal kommt mir eine Feuerlohe aus dem Maul entgegen. Iiiks! Ich stoße mich ab, drehe mich und weiche gerade so der Feuerlohe aus. Dann rolle ich mich ab und steh wieder auf den Beinen. Puh!

So wie es aussieht, scheint in jedem der drei Statuen sich ein Schloss zu befinden. Sehr sorgfältig suche ich diesmal eine Falle und entdecke was. Scheint ein magisches Symbol zu sein. Ich versuche es vorsichtig wegzukratzen, als auf einmal sich jede menge kleiner Spinnen aus dem Maul ergießt. Iiiks! Ich hüpfe zurück und schau angeekelt auf den Schwarm. Jetzt bräuchten wir was wirklich gut brennendes. In den drei Fässern kaufen wir uns eine Flasche Hochprozentigen und werfen die dann als Alchemistenfeuerersatz auf die größte Ansammlung von Spinnen. Das macht die recht schnell alle. Gut!

Jetzt ist noch ein Schloss übrig. Ich habe kein gutes Gefühl dabei. Ich führe mein heiliges Symbol aus Silber an meiner Lippen, küsse es, führe es an die Stirn und an mein Herz. Dazu spreche ich ein kurzes Gebet. Wieder finde ich eine magische Falle und wieder gelingt es mir nicht, sie zu deaktivieren. Verdammnis! Und zu allem Unglück trifft mich die Kälteaura so stark, dass ich halb gefroren umkippe. Das tut vielleicht mal weh, wie eine Verbrennung. Autsch! Glücksbote Ryan ist so lieb und heilt mich von meinen schlimmen Verletzungen. Magische Fallen sind nicht einfach zu entschärfen. Mit einem nicht sehr Damenhaften Fluch auf den Lippen rapple ich mich wieder hoch. Wenigstens öffnet das dritte Schloss nun den Zugang zum Schatz.

Es gibt ein kurzes Gerangel am Anfang der Treppe, die nach unten führend nun freigelegt ist, nachdem die Gruppe aus Gargylen mit einem leisen knirschen zur Seite geglitten ist. Ich setze durch, dass ich als erste hinunter gehe. Die Treppe verläuft an der Wand entlang eines Schachtes, der am Grund Wasser führt. Der Schacht weitet sich etwas aus und gibt zum einen Vorraum nach Norden platz, während eine verschlossene Türe nach Osten abgeht. Weitere Fallen sind nicht zu erkennen. Glück gehabt. Die verschlossene Türe ist aus massivem Stein und mit Zwergischer Ornamentik verziert. Handwerklich perfekt, aber irgendwie langweilig. Mein Instinkt sagt mir, dass diese Türe zum Schatz führt. Leider passt der Schlüssel nicht in Zwergenschloss dieser Türe. Also packe ich meinen Dietrich aus und taste die Mechanik des Schlosses ab. Glücksbote Ryan merkt an, dass er lieber zuerst den anderen Raum machen möchte, aber ich bin schon bei der Arbeit. Da schreit Lia auf, die in Teich am Fuß des Schachtes gestarrt hat. Eine gigantische Schlange bricht aus dem brackigen Wasser hervor, beißt Lia mit ihrem giftigen Biss, die Musterung der Schlange zeigt die typischen Warnzeichen der Natur für ein giftiges Reptil und quetscht dazu noch der Waldläuferin das Leben aus. Verdammnis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 09. April 2008, 14:48:27
24. Tarsak Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Die Schlange lässt die leblose Lia los und ich eile zu ihr. „Alles wird gut!“ Aber jetzt hat die Schlange mich auf den Kieker. Ihre großen Zähne schlagen in mein Fleisch. Aua! Sie spritzt irgendwas in mich, aber ich kann der gemeinen Wirkung widerstehen. Aber sie rollt sich um mich und quetscht mich. Nicht gut. Ich beginne mich zu winden und bevor sie mir alle Rippen bricht, flutsche ich heraus und beeile mich, auf Abstand zu kommen. Xana versucht die Schlange mit einem feurigen Strahl zu rösten. Aber leider schlängelt die Schlange so schnell, dass der Strahl zischend ins Wasser dahinter fährt und verlöscht.

„Möge Tymoras Waffe dich strafen!“ Eine feurige Wurfscheibe erscheint in der Luft und fräßt sich in den Schlangenleib. Ha! Lia rappelt sich auf und humpelt in die letzte Reihe, während Glücksbote Ryan schwer gerüstet mutig nach vorne tritt, trotzig das Schild hochgehoben. Auch ich ziehe mein Kurzschwert blank. Nun geben wir dem Mistding Saures. Uns einfach beißen und erdrücken zu wollen. Wie Gemein! Lia spickt das Ding mit Pfeilen, Xana steuert drei grüne Geschosse bei, Ryan gibt ihm Morgenstern und Tymoras Wurfscheibe zu schmecken und ich piekse es mit meinem Kurzschwert. Leider schaffe ich es nicht, eine empfindliche Stelle zu treffen, da ich einfach nicht an die Seite von dem Ding komme. Schließlich bleibt es Regungslos vor uns liegen. Hat es nun davon!

Ryan versorgt uns mit der Hilfe der Göttin und wir sind wieder halbwegs Fit. Mein Gürtel stellt mich ganz wieder her. Jetzt habe ich nur noch eine Ladung für den heutigen Tag. „Lia, du hättest ruhig deine Rüstung anziehen können.“ merke ich nun etwas spitz an, als offensichtlich wird, dass sie unter ihrem bauschigen Cape keine wirklichen Schutz trägt. Xana erbarmt sich ihrer und schenkt ihr eine magische Rüstung, welche sie für die nächsten Stunden schützen wird. Ich kümmere mich nun um die Türe, die sich schließlich überraschend einfach bewegen lässt. Dahinter ist ein recht kleiner Raum. Als erstes fällt mir auf, das keine Truhe zu sehen ist. Dafür ein verschrecktes kleines Wesen, dass sich hinter einer Statue eines Zwergenkriegers kauert. Drei Türen gehen von hier ab. Zwischen zwei Türen ist ein steinernes Portal eingemeißelt, dass von altzwergischen Runen umrahmt ist. Die Überreste von zwei weiteren kleinen Humanoide mit Hundeschädel sind im Raum verteilt, als wären Objekte mit hoher Wucht eingeschlagen und im Körper explodiert.

„Achtung! Die beiden Steinzwerge sind böse! Haben Meppos Freunde getötet.“ So bleiben wir erstmal an der Türe stehen. Meppo scheint ein Kobold zu sein. Sie haben nicht gerade den Besten Ruf. Er erzählt, dass er mit seinen Kameraden hier rein geschwommen ist. Dies scheint ein Zwergengrabmal zu sein. In der Türe nach Norden scheint eine Grabkammer zu sein. In der nach Osten auch, aber da sind zwei ganz böse Wesen, die Meppos Kameraden getötet haben. Und eine böse Schlange sei ihnen gefolgt und hätte ihm den Rückweg abgeschnitten. Und zu guter Letzt haben sich alle Türen geschlossen. Und zwar gerade erst. Das waren wohl wir. Meppo hatte wohl heute das, was man einen verdammt schlechten Tag nennen könnte. Ich vertröste ihn erstmal und wir machen die Türe zu.

„Irgendwie habe ich mir das leichter vorgestellt.“ merke ich an. „Ich dachte, der Schatz wäre jetzt irgendwo in einer hübschen Truhe, die wir einfach mitnehmen könnten. Mist auch!“ Wir beschließen erstmal den offen zugänglichen Raum im Norden zu untersuchen. Er enthält keinen Schatz, jedenfalls nicht den gesuchten. Glücksbote Ryan identifiziert den Raum als einen Schrein des Zwergengottes Armanthor, den mal ganz grob als zwergisches Gegenstück zu Maske bezeichnen könnte. Die sprichwörtliche Gier der Zwerge nach Gold, Edelsteinen und Edelmetallen ist sein Metier. Im Zentrum des Raumes steht eine zwergengroße Statue von ihm auf einem prächtigen Sockel. Davor ist eine offene Truhe, dahinter ein Schacht. Xana kann’s nicht lassen und wirft ein paar Goldmünzen hinein. Die Truhe schnappt zu, irgendetwas rumpelt und kurze Zeit später hört man Münzen in den Schacht aufschlagen. Schätze mal, dass der Schacht mehr als dreißig Meter tief ist. Das Licht meiner Laterne verliert sich in der Tiefe. Wäre natürlich raffiniert einen Schatz in einem Schatz zu verstecken. Oder auch nicht. Nein, halte ich für eher unwahrscheinlich.

Lia findet eine Geheimtüre. Vorsichtig untersuche ich sie nach Fallen, kann aber nichts entdecken, was bekanntlich gar nichts zu sagen hat. Aber diesmal geht ausnahmsweise nichts unangenehmes hoch. Vorsichtig erkunde ich im Licht meiner Blendlaterne den dahinter liegenden Raum, der hinter einem kurzen Gang liegt. Es ist zwar eine Truhe in ihm, aber der dicke Staub drum herum zeigt mir, dass sie dort seit Jahrzehnten, wenn nicht gar seit Jahrhunderten unberührt hier liegen dürfte. Und hier brauche ich gar nicht erst nach Fallen zu suchen, denn die Kiste ist offensichtlich mit einigen beweglichen Elementen versehen. Vorsichtig nähere ich mich der Truhe und berühre sie mit den Handschuhen. Ich sehe wie ein Zwerg, der die Kiste verschließt. Und dann nichts mehr weiter. Auch dies ist nicht der gesuchte Schatz. Verdammnis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 11. April 2008, 14:47:01
24. Tarsak Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Weiter geht es hier auch nicht. Nun gut. Dann müssen wir wohl in den sauren Apfel beißen. Meppo kauert immer noch hinter den Statuen. „Wie kämpfen diese Zwergenkrieger aus Stein?“

„Aus ihren Augen kommen grüne Geschosse, die ganz arg wehtun!“ Wir beschließen, die Augen von den Statuen zu verhängen. Sollte helfen. Mit ihrer Magierhand transportiert Xana zum einen ihren Unterrock auf eine Statue, zum anderen meinen Beutesack zur anderen. Vorsichtig nähere ich mich den beiden Statuen. Plötzlich fängt sich die Tür hinter mir an zu schließen. Nicht gut. Ich muss irgendetwas ausgelöst haben, was ich nicht gesehen habe. Eine Druckplatte war es nicht, muss irgendetwas magisches gewesen sein. Die anderen drei spurten in den Raum und das Schloss rastet hörbar ein. Jetzt gibt es keinen Weg zurück.

Ich packe meinen Stahlspiegel und halte es vor die Augen einem der Statuen. Glücksbote Ryan macht das gleiche bei der anderen mit seinem Blankpolierten heiligen Symbol. Aber die grünen magischen Geschosse lassen sich davon nicht täuschen und jeder bekommt ein paar ab, bis auf Xana, die sich hinter einer der Statuen gerettet hat. Aua! So war das nicht gedacht. Jetzt ist guter Rat teuer. „Kaira! Hinter der Statue ist eine magische Rune!“ Quietscht Xana aufgeregt und wir tauschen die Plätze. Jetzt steht sie im Schussfeld und ich bin in Sicherheit. Erst jetzt dämmert es mir, dass wir es gar nicht mit Konstrukten aus Stein zu tun haben, sondern mit einer magischen Falle! Verdammnis! Da hätte ich eher drauf kommen müssen. Aber leider nicht mehr zu ändern. Mit magischen Fallen kenne ich mich nicht so gut aus. Theoretisch schon, aber praktisch habe ich bis jetzt jede dadurch entschärft, in dem ich sie ausgelöst habe. Finsternis!

Aber vielleicht kann ich die Rune ja kaputt machen. Ich hole einen kleinen Meisel und mein Hämmerchen hervor und schlage eine Kerbe hinein. Weitere Geschosse schlagen in meiner Kameraden und Glücksbote Ryan beschwört einen Nebel, in dem sie sich verstecken können, nachdem sie vergeblich versucht haben, die andere Statue zu beschädigen. Irgendwie scheint meine Kerbe nicht Tief genug zu sein und ich muss einen weiteren Versuch starten. Schließlich entrinnt die Magie aus der Kerbe und wenigstens diese Statue hört auf zu feuern. Auch die andere hört endlich auf. Aber der Preis war hoch. Xana und Lia liegen verkrümmt auf dem Boden und sind mit blutigen Kratern übersät. Der Tymorapriester bittet um die Hilfe seiner Göttin und schließlich sind beide wieder auf den Beinen, wenn auch angeschlagen. Meppo wagt sich vorsichtig auch hinter der Staute hervor. „Diese Zwerge sind gemeine Mistkerle! So was zu bauen gehört echt verboten!“

Da spricht der Kleine mir nur zu sehr aus der Seele. Wir fragen ihn noch etwas über diese Anlage aus. Für heute haben wir alle genug. Ich öffne für den Kobold wieder die Türe. „Keine Angst, die böse Schlange ist tot. Du kannst nach Hause gehen, Meppo.“

„Danke!“ Er winkt uns noch zum Abschied zu uns springt dann ins dunkle Wasser. Er schwimmt bis zur Mitte und taucht dann unter.

„Gehen wir noch in den Raum im Norden, laut Meppo ist der Raum sicher.“ Die Türe ist schnell geöffnet und diesmal gibt es keine gemeinen Fallen. Der Raum bietet drei Sarkophagen genug Platz. In einer Ecke sind die Überreste eines Lagerfeuers zu sehen, die andere haben die Kobolde als Toilette benutzt. Ich berühre vorsichtig, nachdem ich mich überzeugt habe, dass an der Oberfläche keine weiteren Auslöser von irgendwelchen gemeinen Fallen sind, nach und nach die Sarkophage. Im ersten ist eine Zwergenfrau begraben, im zweiten ein Zwergenkrieger und im dritten ein Zwerg mit Bergmannsausrüstung. Keiner enthält den gesuchten Schatz und sind das, was nach sie auch aussehen, die letzte Ruhestätte von Zwergen. Wir beschließen, die Ruhe der Toten nicht weiter zu stören.

Nach kurzer Beratschlagung kommen wir zu dem Schluss, dass wir heute keinen weiteren Kampf mehr durchstehen werden. Glücksbote Ryan verteilt noch seine letzte heilende Magie und wir gehen die Treppe wieder zurück. Über uns hat sich die Öffnung geschlossen, aber ein Schloss ist zu sehen. Paranoid wie ich inzwischen bin, rechne ich mit dem schlimmsten und untersuche sorgfältig alles nach Fallen. Ich lasse mir sehr viel Zeit und erst als ich wirklich sicher bin, dass hier keine weitere Gefahr lauert, öffne ich den Ausgang. Wir treten hervor und stehen direkt vor einem Schildwächter, der sich gerade an der Mauer im Hinterhof erleichtert hat. Aus verquollenen Augen schaut er uns an und schüttelt dann den Kopf. „Für heute habe ich wirklich genug, ich seh schon Leute aus der Erde kommen.“ schwankend wankt er von dannen. Wir verabreden uns für den Abend zu zehnten Stunde an der Taverne zu den drei Fässern. Das war ja jetzt vielleicht eine Exkursion. Hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 14. April 2008, 15:00:28
25. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Der Tag ging schnell mit den üblichen Pflichten vorbei und Mili war glücklich, dass sie mich den ganzen Tag immer im Blickfeld hatte. Nun denn, auf zum zweiten Versuch. Hoffentlich stellen wir uns diesmal besser an. Wir treffen uns in der Taverne zu den drei Fässern. Dolon ist immer noch im Tempel beschäftigt. Schatzsuche gehört bei seinen Leuten nicht zu den unabkömmlichen Pflichten. Eine Schlacht wäre ein anderes Thema, aber so? Nun, dann muss es eben so gehen. Diesmal hat jeder seine volle Ausrüstung dabei und wir gehen wieder in den Hinterhof der Taverne. Ryan hat schon mal Schnaps gekauft und alle halten den notwendigen Abstand, als ich nun Falle auf Falle ein weiteres Mal entschärfe. Da ich diesmal in etwa weiß, was ich zu tun habe und weil Glücksbote Ryan mir noch einen Zauber zuteil hat  werden lassen, der mich wappnet, klappt es diesmal ganz prima. Wäre auch zu peinlich gewesen, wenn ich alle drei Fallen noch mal ausgelöst hätte.

Unten entschärfe ich ein weiteres Mal diese Zwergenstatuen, die sich inzwischen wieder aufgeladen haben und die anderen können nachrücken. Mal sehen, was Meppos Kameraden in dem hinteren Raum getötet hat. Ich öffne die nördlichere Türe nach Osten. Im Licht der Blendlaterne sehen wir einen lang gezogenen Raum, der mindestens fünfzehn Schritt lang und etwa halb so breit ist. An der nördlichen Mauer verläuft ein Wassergraben, dessen Sinn ich nicht verstehe. Ja, er führt Wasser, aber was soll das Wasser hier? In der Mitte des Raumes steht eine beschädigte Statue eines Zwerges, unter deren Hülle eine komplexe Ansammlung von Zahnrädern zu sehen ist. Aus den Wänden ragen in kleinen Abständen Rohre heraus. Ganz am Ende ist ein Podest mit einem Sarkophag zu sehen. Die Decke ist gewölbt und zwar in sich auch noch einmal, so dass es dort viele Nischen im Dunkeln gibt.

„Ah, siehst du Layo, frisches Essen. Lecker!“
„Aber einer davon ist Dosenfutter, Ziega!“
„Wie seid ihr denn drauf?“, werfe ich in den Raum hinein.
„Hungrig! Immer hungrig.“
„Hört mal her, ihr könnt uns durchlassen. Luvius hat mit euch bestimmt einen Vertrag geschlossen“, bluffe ich mal ins Blaue hinein.
„Hat der gute Luvius, hat er in der Tat. War gemein zu uns, nicht wahr, Ziega?
„Jaaaaa, Layo, jaaaa. War er, gemein der Kerl. Aber wir haben Vertrag gemacht. Alles töten was hier herein kommt. Alles Essen dürfen. Ja, Lecker!“

Ich wechsle bezeichnende Blicke mit den anderen. Mit reden kommen wir hier nicht weiter. Die beiden scheinen sich irgendwo in den Bögen der Decke zu verstecken. Es gibt allerdings keinerlei Hinweise, um was es sich bei Layo und Ziega handeln könnte. Jedenfalls scheinen sie eine große Portion Selbstvertrauen zu haben. Ich lege einen Pfeil in meinen Bogen ein und wir rücken in den Raum vor.

Etwas springt von der Decke und zieht mit einem hämischen Lachen etwas aus der Statue, was wir aber nicht genau sehen können. Genausowenig, um was sich gehandelt hat. Aber was es bewirkt, schon eher. Die Zahnräder beginnen sich zu drehen und mir schwant Böses, was die Löcher an der Wand betrifft. Das zweite Vieh springt mich an. Es ist grob humanoid, seine Arme und Beine laufen in drei zylinderartigen, kurzen Gliedmaßen aus, an deren Oberfläche sich nadelspitze Zacken befinden. Iiiks! Es schlägt nach mir, was mich ordentlich durchschüttelt und beginnt dann mich zu umklammern und zu würgen. Schmerzhaft dringen die scharfen Zacken seiner Oberfläche in meine Haut, selbst durch meine Rüstung. Innerhalb kürzester Zeit wird wieder mal das Leben aus mir herausgepresst. Das zweite Ding greift Glücksbote Ryan an. Auch er wird gewürgt. Lia schießt auf den meinen mit Pfeilen und der lässt mich schließlich los, bevor ich in die Schwärze gleiten kann. Ich fühle mich richtig durch die Mangel gedreht. Inzwischen sind mehrere Pfeilsalven aus den Wänden durch den Raum geschossen. So wie es aussieht, müssen verschiedene Fußbodenplatten versteckte Auslöser sein, welche ganze Schwärme von Bolzen durch den Raum schießen lassen. Aber zum Glück treffen diese mich nicht.

Xana versengt das Mistding ordentlich, welches Glücksbote Ryan triezt. Der mich attackiert hat, geht nun auf Lia los, weil die ihn so gemein mit Pfeilen gepiekst hat. Ich zieh mein Kurzschwert und flankiere den, welcher Lia würgen will. Mein Kurzschwert dringt bis zur Parierstange in den Körper von Layo. Ich scheine etwas Wichtiges getroffen zu haben, aber leider steht er oder sie gerade noch so. Böse schaut es mich an und dann rammt es mir seinen Arm in den Unterleib. Ich klappe keuchend zusammen. Wenige Augenblicke später bringt mich ein Heilzauber von Glücksbote Ryan wieder auf die Beine. Ich rapple mich auf und setze Layo nach, der sich an Xana gütlich tun will. Tja, da kriegt er von mir eins von hinten zwischen die Rippen, was ihn jetzt dazu bringt, zu Boden zu gehen. Tymora sei Dank. Die Dame hat mir gelächelt.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 16. April 2008, 15:42:15
25. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Nachdem Layo zu Boden gegangen ist, macht auch Ziega nicht mehr so den glücklichen Eindruck. Aber so schnell das komische Würgeding auch sein mag, Xanas grüne Geschosse sind um einiges schneller. So geht er auch tot zu Boden. Jetzt muss ich nur noch diese komische Schussanlage dazu bringen, keine Pfeile mehr durch die Gegend zu schießen. Ich eile also geschwind zu der Stelle, wo die Falle aktiviert wurde. Am Boden hinter dem Sockel liegt eine Eisenstange. Die muss im Mechanismus gesteckt haben. Aber nur wo? Ich studiere im Bolzenhagel die Falle und finde schließlich eine Stelle zwischen zwei Zahnrädern, die mir viel versprechend aussieht. Mit aller Wucht ramme ich die Stange dazwischen. Zuerst rutsche ich ab, aber dann finde ich eine Lücke und presse mit aller Kraft dagegen. Es gibt ein lautes, ungesundes Knirschen, als der Mechanismus aufhört, sich zu bewegen. Dies scheint eine Art Uhrwerk zu sein, nur viel komplexer und bewegt die Mechanik, welche dafür sorgt, dass sich die Armbrüste hinter der Wand nach wenigen Herzschlägen wieder neu spannen und feuern. Wer immer diese Anlage gebaut hat, gespart an der Ausstattung hat er wirklich nicht.

Nachdem ich mich mit einem „Alles wird gut!“ halbwegs wiederhergestellt habe, schaue ich mich suchend um. Mein Augenmerk fällt auf den großen Sarkophag am Ende des Raumes. Hier ruht laut zwergischen Runen der Baumeister Hagran Talynstein. Ich ziehe die Handschuhe an und berühre den Stein. Ich bekomme eine Vision, dass dieser Sarg keine Leiche birgt, sondern einen Geheimgang. Schnell finde ich einen Auslöser, der ausnahmsweise mal nicht mit einer Falle gekoppelt ist. Jedenfalls bin ich mir nach wirklich intensivem Suchen danach sicher. So öffne ich nun per Druckknopf den Sarkophag, der einfach zurückgeleitet und eine Treppe nach unten frei gibt. Etwas bange gehe ich wieder mal voran, nach einer der hier obligatorischen Fallen Ausschau haltend. Aber ich kann weder was entdecken, noch fliegt mir was Unangenehmes um die Ohren. Glück gehabt!

Schließlich endet die Treppe und öffnet sich zu einem Raum, der etwa fünfzehn Schritt lang und zehn Schritt breit ist. Hier stehen zwei Truhen und zwei Tische. Auf einem der Tische liegt das Buch mit dem Einband aus Blättern. „Dieses Buch ist gefährlich. Dass mir niemand das Buch anfasst. Dass hier überhaupt niemand was anfasst, bevor ich nicht nach Fallen geschaut habe.“
„Woher willst du wissen, dass dieses Buch gefährlich ist?“, fragt Glücksbote Ryan.
„Lange Geschichte, erzähle ich dir nachher.“ Vorsichtig nähere ich mich den Schätzen. Im Licht der Laterne treten weitere Kostbarkeiten zu Tage, wie je drei reich verzierte Dolche und Rapiere. Ein goldenes Service mit Tellern, Besteck und Kelchen. Zwei Bilder von Landschaften, allerdings keine Gregor Verns. Ein Bild, das seltsam unfertig aussieht, als wäre ein Portrait angefangen, aber nie beendet worden. Sechs Bücher, die von Magie zu handeln scheinen.

Ich knie mich vor der ersten Truhe nieder und finde eine kleine gemeine Bolzenfalle, die ich dadurch stilllege, dass ich die Sehne durchschneide. Darunter befinden sich Handelsbarren, Schuldverschreibungen und Goldmünzen im Wert von etwa elftausend Goldmünzen. Die zweite Truhe ist ähnlich gesichert und enthält jede Menge magische Gegenstände. Die Dame lächelt uns heute wahrlich. Sofort spreche ich ein kurzes inbrünstiges Gebet an Tymora.

„Kaira hat gesagt, das Buch ist gefährlich, Lia!“ Xanas Stimme reißt mich aus dem Freudentaumel. In der Tat hat Lia das Buch mit dem Blättereinband in der Hand und sieht gar nicht glücklich aus, dass sie nun im Fokus des allgemeinen Interesses steht.
„Das Buch ist nicht für euch bestimmt!“
„Das Buch gehört auch dir nicht, Lia! Leg es zurück!“ Ich stehe geschmeidig auf und baue mich vor ihr auf. Zögernd legt sie das Buch wieder an seinen Platz. Nur um im nächsten Augenblick ihren Bogen auf uns zu richten.
„Was soll der Mist?“ Glückbote Ryan bezieht nun ebenfall neben mir Front.
„Dieses Buch ist nicht für Menschen bestimmt. Es enthält Dinge, die für immer verborgen bleiben müssen.“
„Ich wusste ja schon immer, dass du was zu verbergen hast!“, meint Xana triumphierend.
„Halt bloß dein dummes Maul, dreckiges Halbblut!“, keift Lia und Xana sieht für einen Moment etwas geschockt aus.
„Ich würde es sehr zu begrüßen wissen, wenn du, Lia, die Waffe nicht auf mich richten würdest und wenn du, Kaira, uns erleuchten könntest, was es genau mit dem Buch auf sich hat.“ Glücksbote Ryan macht ebenfalls keinen glücklichen Eindruck.
„Nun gut. Ich weiß das von Karn, dem braunen Kapuzenmann. Er hat mich gebeten, falls ich das Buch finden sollte, es ihm zu geben. Es wäre sehr gefährlich und mächtige Magier würden danach suchen. Ich soll es unter keinen Umständen öffnen. Mehr weiß ich auch nicht.“
„Und warum willst du das Buch haben?“
„Das geht euch einen verdammten Scheiß an!“ Lia hält immer noch den Bogen auf uns gerichtet. Glücksbote Ryan gelingt es schließlich einen Kompromiss zu vermitteln. Wir werden das Buch erstmal hier lassen und unsere Fraktionen, die wir vertreten, an einen Tisch bringen. So soll es geschehen. Auf einmal meint Lia, „Wir bekommen Besuch von drei Leuten.“ Wer mag das schon wieder sein? Und woher will sie das verdammt noch mal so sicher wissen?
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 18. April 2008, 16:09:23
25. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

„Wir sollten von hier verschwinden!“ Also packen wir den ganzen Schatz in die beiden Truhen. Natürlich ist jetzt das Problem wieder da, wer bekommt das Buch. Glücksbote Ryan stopft es sich kurzerhand unter seinen Panzer. Na gut. Wir beschließen, dem Gegner im Fallenraum aufzulauern, die Falle wieder zu aktivieren, uns auf diesen Raum zurückfallen zu lassen und die Reste hier zu bekämpfen. Also gehe ich hinter der Statue in Deckung und warte, bis sich unsere Gegner zeigen. Als erster betritt ein Mann mit Brille und Schienenpanzer den Raum. Ihm folgt ein Gnom, der einen seltsamen Apparat vor sich her trägt, auf den er gebannt schaut. Und die dritte Gestalt sieht aus wie aus einem Alptraum. Als ein fehlgeschlagenes, magisches Experiment hatte Karn ihn bezeichnet. Aber wie Lamar wirklich aussieht, darum habe ich mir keinen Kopf gemacht. Lamar ist eine unförmige Gestalt, halb Fels, halb Mensch. Demnach müsste der Brillenträger wohl Merl sein.

Ich aktiviere die Falle und husche zu den anderen zurück. Bolzen zischen durch den Raum und einer trifft Merl. Das findet der nicht witzig und macht seine Armbrust schussbereit. „Lamar! Töte diese Wichte!“ Und der Halbgolem, oder wie man den armen Kerl auch immer nennen möchte, brüllt freudig auf. Wie eine Lawine aus Fels kommt er mit einer mächtigen zweihändigen Axt auf uns zugewalzt. Der Gnom quasselt etwas in seiner Sprache und verschwindet dann einfach. Ich sause schon mal die Treppe runter, nachdem ich einen Pfeil auf Lamar abgeschossen habe, der harmlos abprallt. Xana empfängt ihn mit einem ihrer Flammenstrahlen, aber er hebt nur seinen steinernen Arm und die Lohe verpufft ebenfalls harmlos. Geht’s noch?

„Möge Tymoras Waffe dich läutern!“ Glücksbote Ryan beschwört eine Wurfscheibe aus magischer Energie, welche in das Ding fährt und dann in einem spektakulären Puff einfach verschwindet. So langsam gehen uns die Optionen aus. Besonders da der noch was macht, was mich ganz langsam werden lässt. „Arkane Macht! Flieg und Töte!“ Drei grüne Geschosse sausen aus Xanas Finger und verpuffen. Finsternis!

Ich habe inzwischen auf mein Kurzschwert gewechselt und attackiere ihn von hinten. Mein Kurzschwert prallt harmlos auf der Höhe des Herzens ab. Ein normaler Mensche wäre jetzt tot. So langsam wird mir klar, warum Lamar als so gefährlich gilt. Der Typ ist unverwundbar. „Elektrische Kugel flieg!“ Xana probiert nun ihren letzten Zauber aus, der anderen Leuten empfindlich weh tun kann. Diesmal zuckt Lamar zusammen. Das scheint ihm weh zu tun. Und er beschließt, was zu dagegen zu machen. Lia stellt sich ihm in den Weg und siehe da, ihr magisches Schwert fährt durch ihn hindurch wie ein heißes Messer durch Butter. Blut spritzt. Er wankt noch ein paar Schritte und geht dann zu Boden.

„Lamar? Hast du diese Nervensägen endlich getötet?“, fragt Merl nach, als die Kampfgeräusche verstummen. Zur Antwort wirft Glücksbote Ryan die Axt in den Fallenraum. „Ihr Bastarde habt Lamar getötet! Dafür werdet ihr büßen!“ Aber wohl an einem anderen Tag, denn man hört, wie er sich zurückzieht. Ist nur die Frage, wo der Gnom abgeblieben ist. Aber der taucht auch nicht mehr auf. Wahrscheinlich ist er seinem Herrn und Meister gefolgt. Ein weiteres Mal obliegt es mir, die Falle zu blockieren. Gar nicht so einfach, wenn einem Bolzen um die Ohren zischen. Aber die Dame lächelt mir heute ein weiteres Mal, und ich kann jedem Geschoss rechtzeitig aus dem Weg gehen. Schließlich sind die Zahnräder wieder blockiert und die Selbstschussanlage schweigt. Gut so!

Jetzt nichts wie raus hier, bevor Merl mit mehr Leuten zurückkommt. Also packen wir die schweren Kisten und schleppen sie nach oben. Kurz bevor wir diesen finsteren Ort verlassen, gehe ich kurz spähen. Böse Geldeintreiber könnten nämlich auf die clevere Idee kommen, uns hier am Eingang aufzulauern. Aber zu meiner Überraschung ist die Luft rein. Also nichts wie raus hier. Was bin ich froh, als wir alle gesund und wohlbehalten an der Oberfläche sind. Aber noch ist es nicht ganz ausgestanden. Da ist immer noch die Sache mit dem Buch.

Und wie aufs Stichwort erscheint der Rabe von Lia. Und wie es sich herausstellt, ist dieser Rabe kein gewöhnlicher Rabe, denn er ist nicht nur intelligent, sondern kann sogar reden und sich noch telepathisch verständigen. Jetzt geht die alte Leier mit dem Buch schon wieder los. Zargas, so heißt der Rabe, behauptet, der Golgothan Codex würde nicht nur Berichte über den Krieg zwischen dem Jhaamdath Imperium und dem Elfenkönigreich Nikkerymath enthalten, sondern auch Anleitungen, wie die magischen Massenvernichtungswaffen, die damals eingesetzt wurden, herzustellen sind. Wir erinnern uns alle, dass es vor knapp tausend Jahren einen verheerenden Krieg zwischen den beiden Reichen gab. Nachdem die Menschen mit Talonas Segen, einer magische Seuche, fast vollständig die dortige elfische Bevölkerung vernichtet hatten, beschworen die letzten elfischen Hochmagier eine gigantische Flutwelle, welche das Reich Jhaamdath zerstörte. Die Überlebenden bauten das zerstörte Reich dort auf, wo sich das Wasser zurückgezogen hatte, was nicht überall der Fall war. Andere Überlebende fuhren über die See des Sternenregens und gründeten neue Kolonien. Das waren die Vorfahren all jener, die heute hier in den Kolonien, Cormyr und den Tälern leben. Wie auch immer, Lia fängt wieder an, den Kompromiss in Frage zu stellen. Das wird sich noch ziehen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 21. April 2008, 13:16:15
26. Tarask Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

„Hach, ich weiß gar nicht, auf welche Seite ich mich schlagen soll“, seufzt die Halbelfe Xana tief, da ja das Blut beider Völker durch ihre Adern fließt. Das ist besonders für sie sehr unangenehm. Ich wünschte, dieses blöde Buch wäre nie gefunden worden.
„Wen interessiert schon, auf wessen Seite sich ein dummes, dreckiges Halbblut schlägt?“, geifert Lia.
„Ich glaube, die Entscheidung ist mir gerade sehr leicht gemacht worden“, meint Xana mit überraschend fester Stimme, auch wenn ihre Augen feucht glänzen.

„Ich kann mich immer weniger mit den Gedanken anfreunden, dieses Buch den Elfen zu überlassen. Sie haben einmal ein Reich der Menschen zerstört und ich will nicht, dass sie die Anleitung dafür bekommen, dies noch einmal tun zu können“, merke ich an.
„Das Buch gehört euch nun mal nicht. Ich bringe es nur den Besitzern zurück. Und so langsam verliere ich die Geduld mit euch Menschenpack.“
„Na, wir wollen mal friedlich bleiben. Wie wäre es, wenn wir das Buch erstmal auf heiligen Grund bringen und dann beide Seiten zu einem Gespräch bitten? Ich bin sicher, dass im Schutze der Dame des Glücks beide Seiten zu ihrem Recht kommen werden“, vermittelt Glücksbote Ryan ein weiteres Mal.
„Ich scheiß auf die Menschengötter.“ Glücksbote Ryan und ich wechseln einen bezeichnenden Blick. Lia tut gerade alles, um jedes Vorurteil der Chondathaner gegenüber Elfen zu bestätigen. Arrogant, gewaltbereit, menschenverachtend, irrational und nicht kommunikationsfähig. Tja, Vorurteile haben hier wohl durchaus ihre Berechtigung. Bevor die Sache weiter eskaliert, taucht Braunkapuze Karn aus dem Dunkel der Nacht auf. Schon unheimlich, wie er das macht. Gerade noch waren wir allein und dann steht er mitten unter uns und hebt beschwichtigend die Hand.

„Nun, ich denke ein Treffen auf neutralem Grund wäre durchaus eine Option, die auch meine Fraktion äußerst begrüßen würde“, meint der Mann mit dem braunen Umhang in beruhigendem Tonfall. Ich entspanne mich ein wenig. „Ihr solltet auch wissen, dass dieses Buch mehr als nur dieses Wissen enthält. Es enthält auch einige Prophezeiungen über das, was kommen wird.“
„Und auch ich denke, dass so ein Treffen möglich ist. Ich werde diesen Vorschlag meinen Vorgesetzten unterbreiten“, krächzt Zargas.
„Na prima“, meine ich ehrlich erleichtert. „Wie wäre es mit dem Brunnenhaus? Da müssen wir ja eh noch alle hin?“
„Brunnenhaus, wir melden uns“, meinen beide Unterhändler und verschwinden in der Nacht.
„Na geht doch“, stellt Glücksbote Ryan zufrieden fest.
„Es ist nur eine Frage des guten Willens“, stichle ich ein wenig in Richtung Lia.
„Tja, für dich ist doch alles eh nur eine Frage der Bezahlung, geldgeiles Miststück.“ Lia hat es heute wirklich drauf, jeden zu verärgern. Als ob Geld alles wäre. Geld ist wichtig, denn es bedeutet Sicherheit und ein Auskommen für meine kleine Tochter. Aber hier geht es nicht um Geld, hier geht es darum, keine Massenvernichtungsmagie in die falsche Hände gelangen zu lassen. Eine Flutwelle ist eine mächtige Waffe und ich will meine kleine Tochter nicht ertrinken sehen, weder jetzt noch in zwanzig Jahren.

Ausnahmsweise erreichen wir das Brunnenhaus ohne Zwischenfälle. Wir transportieren die Kisten nach oben und sagen Renya Bescheid. Sie ist tief beeindruckt, dass wir das ganze Zeug hergeschleppt haben. Sie nimmt sich sechstausend Goldmünzen aus den Schuldverschreibungen und Handelsbarren. Der Rest ist für uns. Da mache ich doch gleich mal einen Freudensprung. Dann erkläre ich die gute Frau Harloff über den Golgothan Codex auf und dass sich zwei Parteien hier treffen werden.

„Ah, ihr wollt ihn versteigern“, meint sie erfreut.
„Eigentlich weniger. Das ist nämlich das, worüber Luvius geschrieben hat. Die Dunkelheit, die kommen wird. Aus dem Buch hat er wohl die Informationen. Wie aber alles genau zusammenhängt, kann ich dir noch nicht sagen. Aber wir haben auch seine Aufzeichnungen, vielleicht werde ich daraus noch schlau.“

Es dauert nicht lange, da kriegen wir die Nachricht von Zargas und Karn, dass die Anführer jeweils einverstanden sind. Uns bleibt nichts weiter zu tun, als hier genug Platz zu schaffen, um die Sache zu regeln. Die Menschen kommen als erste. Der Anführer ist ein gebrechlicher alter Mann mit grauem Bart unter seiner braunen Kapuze. Scheint wohl die Uniform von diesen Leuten zu sein. Schick ist was anderes. Auch die beiden Begleiter sind so angezogen. Einer davon ist eine Frau um die dreißig, der andere ein schwarzbärtiger Mann. Dann kommen die Elfen aus dem Haus Tellynnan, eine Frau und zwei Männer, auch in Kapuzenumhängen gehüllt. Beide Seiten nehmen je eine Seite des Tisches in Beschlag. Oder besser gesagt, der Mann und die Frau setzen sich, der Anhang starrt sich finster an. Nach etwas hin und her einigt man sich darauf, dass die Elfen aus dem Hause Tellynnan den Codex Golgothan zurückbekommen. Aber vorher darf er von der Gilde der Ungesehenen Seher kopiert werden.

Also zückt der alte Mann eine Feder und das Buch wird aufgeschlagen. Wirklich passieren tut nichts. Nur der Mann fängt an die elfischen Zeichen abzumalen. Ich werfe neugierig, wie ich bin, einen Blick darauf und muss feststellen, dass die Zeichen in einem mir gänzlich unbekannten Dialekt geschrieben sind. Auch ist die Schrift nur schwer entzifferbar, da sie eine ältere Version des heute gebräuchlichen Alphabets zu sein scheint. Schon bald wird mir langweilig und ich setze mich in eine Ecke. Am liebsten würde ich ja jetzt zurück zu meinem kleinen Töchterchen gehen und mich schlafen legen. Aber aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen müssen wir anwesend bleiben. Nun gut.

Es dauert nicht nur scheinbar Ewigkeiten bis das Buch kopiert ist. Ich verpenne den Großteil der Zeit, geh ab und zu mich erleichtern, esse ein nahrhaftes Frühstück und ein ebensolches Mittagessen. Bei Gelegenheit frage ich Karn etwas aus. So was macht mich an. Also uralten Rätseln nachforschen und finstere Bedrohungen abwehren. Ich bekomme zu hören, was man alles können muss. Das meiste kann ich, glaub ich jedenfalls. Nur zaubern, dass muss ich noch lernen. Aber sobald ich die Zeit habe, werde ich meine Ausbildung im Kollegiat beginnen. Irgendwie spüre ich, dass ich bald zaubern werde. Schließlich ist es später Nachmittag, als beide Fraktionen sich trennen und uns alleine lassen.

Endlich, wir schnappen unsere Beute und schaffen alles Magische erstmal ins Kollegiat. Bei Gelegenheit frage ich gleich mal nach, wann ich mit der Ausbildung beginnen kann, das notwendige Kleingeld habe ich ja jetzt und ich bin überzeugt davon, auch das notwendige Talent zu haben. Kollegiat Havard Repp, Kollegiat ist sein offizieller Rang, den alle Mitglieder ab einem gewissen Verständnis der Kunst des Kollegiats bekleiden, empfiehlt mich bei  Direktor Lewarn, einem alten Mann in den Achtzigern. Das Aufnahmeformular ist schnell ausgefüllt und der notwendige Betrag von fünfhundert Goldmünzen bezahlt. Eine Investition in die Zukunft. Es kribbelt mir regelrecht in den Fingern, sofort loszulegen, allerdings gilt es noch ein paar andere Sachen zu erledigen. Aber es ist ein höchst magischer Moment, als ich endlich wieder meine kleine quietschende Tochter in den Armen halte. Hat mich ja so vermisst. Aber Mama musste eben etwas die Welt retten, oder so ähnlich, das dauert halt seine Zeit.

Gespielt am 27.1.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira (Stufe 5), Lia (Stufe 4), Ryan (Stufe 4), Xana (Stufe 4)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:  1125 für Kaira, 1225 für den Rest. Kaira +75, Ryan 75, Xana 25, Lia 25
1 Düsterschlange
2 Würger
1 Halbgolem Lamar
Beute
Zerstörungshandschuhe
Blitzhandschuhe
Armschienen des schnellen Schlages
Landeschuhe
Taktikhelm
Ring des schnellen Weihens
Schutzumhang +1
Windsturm Heiligen Bild
Maske Heiligen Bild
Jergal Heiligen Bild
Meteormesser
Assassinenpeitsche
Mithrilkettenhemd
Kaltgeschmiedeter Streithammer
3 Meisterhafte Rapiere
3 Meisterhafte Dolche
11000 Goldmünzen
1 Goldenes Service 500 GM
2 Bilder je 400 GM
6 Bücher über Magietheorie je 50 GM
Golgathan Codex
Luvius’ Aufzeichnungen
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 23. April 2008, 13:17:13
Epilog

Sommer Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Beinahe zärtlich streiche ich die Konturen des hölzernen Einbandes meines Zauberbuches nach. Es zeigt mein arkanes Siegel, das Gesicht einer lachenden Katze mit zwei spitzen Zähnen und mit halbkreisförmig geschlossenen Augen. Ein Siegel, wie es wohl nur eine so junge Frau wie ich kreieren würde. Es ist das Zeichen dafür, dass ich die hohe Kunst der Magie soweit gemeistert habe, dass ich meinen Weg nun ohne Lehrer beschreiten kann. Ich knickse ein weiteres Mal von Direktor Lewarn und der übrigen Prüfungskommission, die aus den Kollegiaten Meister Repp und Meister Kessev besteht. Dann drehe ich mich und werfe meinen Hut in die Reihen der übrigen Scholaren, welche heute ihre Prüfung abgelegt haben. Ich habe es geschafft! Die Prüfung mit zwei Zaubersternchen bestanden. Und das in dreieinhalb Monaten. Es scheint wohl, dass ich eine große natürliche Begabung für die Kunst und das Verständnis des Gewebes habe. Auch wenn ich das alles in arkane Formeln packen muss und nicht so locker flockig wie Xana mit Zaubern um mich werfen kann.

Die Zeremonie endet schließlich und wir Scholaren brechen ein weiteres Mal in Jubel aus. Die letzten Monate sind wahrlich wie im Flug vergangen. Es ist, als wäre es gestern gewesen, dass ich zum ersten Mal die graue Robe der Scholaren mit dem aufgenähten fünfarmigen Kerzenständer angezogen und dann einen der Unterrichtsräume betretet habe. Ein Podest in der Mitte für den Lehrer, Stehpulte für die Schüler im Halbkreis. Das Kollegiat an sich ist hat eine viel größere Ausdehnung, als es von außen eigentlich sein kann. Unterrichtsräume, Labore, Unterkünfte und Bibliotheken reihen sich auf und sind für ein Vielfaches an Schülern, Lehrern und Mitgliedern ausgelegt, als das Kollegiat heutzutage wirklich beherbergt. Die Schule ist noch in der alten Heimat gegründet worden, aber erst nach der großen verschlingenden Flutwelle der elfischen Hochmagier. Seit vierhundert Jahren hat sie nun den Sitz auf diesem Berg. Vor Jahrhunderten waren es wohl noch Dutzende von Schülern hier, die vier Schlafräume haben jeweils Platz für zwanzig Betten, könnten aber durchaus noch mehr aufnehmen. Allein der große Saal für die Versammlungen könnte hunderte Leute fassen, die heutige Anzahl verliert sich aber in dem großen weitläufigen Saal. Vierzehn Scholaren waren wir, etwas weniger als zwanzig Kollegiaten leben, lehren und forschen hier. Es gibt noch drei Direktoren und ein paar Bedienstete.

Der Frauenschlafsaal beherbergte mit mir gerade mal fünf Frauen. Sie sind alle etwas älter als ich und aus vermögenden Häusern. Aber Dank Mili konnte ich das Eis schnell brechen. Mein Töchterchen ist ja auch zu süß. Leider ist sie das einzige Kind hier und war oft alleine die letzen Monate. Vielleicht zu oft. Mit Meister Kessev, einem meiner Lehrer, hat sie sich zwar etwas angefreundet, aber das ersetzt keinen gleichaltrigen Spielkameraden. Sie ist es ja gewöhnt sich mit sich selbst zu beschäftigen, ich habe ihr auch einen kleinen Schaukeldrachen gekauft und ein paar andere Spielzeuge. Aber dieser Ort ist irgendwie düster, weiträumig und still. Geräusche tragen hier nicht weit. Man kann normal reden und hört auch ohne Probleme, wenn man sich normal gegenüber steht, aber es ist unmöglich, etwas zu verstehen, was in einem Gang zehn Meter weiter jemand schreit. Als Mili schließlich anfing, sich mit imaginären Freunden zu umgeben, war es für mich an der Zeit, etwas zu tun.

Glücksbote Ryan hat in seinem Tempel einen kleinen Kindergarten gegründet, wo Kinder unter Aufsicht spielen, toben und lernen können. Inzwischen haben wir beide auch ein paar Tymora gefällige Puppentheaterstücke ausgearbeitet, welche Kindern große Freude bereiten und die Lehre der Göttin gut transportieren. Mein Stück war die Reise des mutigen Händlers, der risikobereit eine Abkürzung durch einen Pass nimmt, auf dem von einem Beshabapriester gedungene Orks auf Beute lauern. Aber die Göttin lächelt auf all seinen Wegen und ihm gelingt es die Orks auszutricksen und so den Pass zu überqueren. Natürlich macht er dadurch dann ein Vermögen und dreht den anderen Händlern, die nun durch den langen Umweg zu spät kommen, die Nase. Ryan hat auch ein Stück geschrieben, welches seinen Kampf gegen den gemeinen Beshabapriester zum Inhalt hat. Glücksbote Ryan von Tymora ist ja inzwischen so was von sich überzeugt, dass er teilweise richtig arrogant wirkt.

Am Anfang war Mili sehr zurückhaltend im Hort gegenüber den anderen Kindern. Man musste sie immer ermuntern, mitzumachen. Zum einen, weil sie eben meist alleine spielt, zum anderen, weil sie fast das jüngste der ganzen Kindern ist. Es ist zwar etwas besser geworden, aber sie ist immer noch schüchterner als es ihr wirklich gut tut. Glücksbote Ryan hat mich deswegen schon mehrmals darauf angesprochen, und zwar so, dass es mich nervt und mir auch etwas wehtut. Ich bin keine schlechte Mutter! Ich liebe mein Kind und alles was ich tue, mache ich auch dafür, dass es Miliandra mal viel besser geht. Aber im Grunde hat er recht, das Kollegiat ist kein guter Ort für Kinder. So kaufte ich mir eine genügsame Stute namens Pferdchen, mein Töchterchen durfte sich einen Namen für die Stute ausdenken und das war ihre Wahl, um Mili jeden Morgen vor dem Unterricht in die Stadt zum Tymoraschrein zu bringen und sie am Abend wieder abzuholen.

Meine Studien fielen mir sehr leicht, die Kunst liegt mir wohl einfach. Das Manipulieren des Gewebes war mir wohl schon in die Wiege gelegt worden und anhand der arkanen Formeln kann ich es nun meinem Willen unterwerfen und umformen. Das Gewebe umgibt uns nicht nur, wir sind Teil davon. Man muss nur seine Begabung zur Kunst erheben und es manipulieren. Es war ein erhebendes Gefühl, als ich zum allerersten Mal mit einem Zaubertrick und einem Fingerschnippen eine Kerze angezündet habe, allein dadurch, dass ich wollte, dass der Docht brennt. So langsam verstehe ich, warum es in den Geschichten so viele machthungrige Magier gibt. Die Kunst macht süchtig. Allein der Wille und die Gabe zur Manipulation des Gewebes anhand einiger Formeln reicht, um etwas zu bewirken. Das ist Macht, es berauscht einen, macht einen süchtig nach mehr. Stärkere Zauber, andere Anwendungsgebiete. Am Anfang konnte ich nur die ganz kleinen Zauber beherrschen, inzwischen sind es schon einige mehr und auch stärkere. Ich kann einen unsichtbaren Diener herholen, der mir den Rücken schrubbt oder etwas sauber macht, einen Riss in Milis Kleidung näht oder was auch immer. Es ist einfach wunderbar, zaubern zu können!

Das wurde mir besonders klar, als ich vor gar nicht so langer Zeit Mili vom Kindergarten des Tymoratempels abgeholt habe. Meine Kleine saß mit hochrotem Gesicht Rotz und Wasser heulend in einer Ecke, vor ihr die zerbrochene bunte Ente auf Rollen zum Hinterherziehen, die sie von mir zum zweiten Geburtstag bekommen hatte. Beim Balgen waren zwei Jungen auf die Ente gestürzt und hatten sie zerbrochen. Quack, so nennt Mili ihr Lieblingsspielzeug, war dem Aufprall nicht gewachsen gewesen und lag nun in mehreren Trümmern vor ihr auf dem Boden. So aufgelöst habe ich meine Kleine noch nie gesehen. „Quack kaputt! Mama mach ganz!“, flehentlich hielt sie mir ein Trümmerstück entgegen. Das konnte ich leider jetzt nicht, aber ich hatte einen Zauber gerade erst heute gelernt, der so was ausbessern könnte. Leider hatte ich ihn schon zur Übung am Nachmittag gewirkt, aber morgen würde ich ihn mir noch mal einprägen und dann auf Quack anwenden. Ich kriegte Mili soweit beruhigt, dass sie mich die Überreste ihres heiligen Lieblingsspielzeugs aufsammeln ließ und ich setzte sie dann vor mir aufs Pferd. Den ganzen Weg über schniefte mein armes, trauriges, kleines Töchterchen ganz erbärmlich.

Am nächsten Morgen stand ich früh auf und prägte mir den Zauber so oft ein, wie ich konnte. Auf dem Arbeitstisch breitete ich die Bruchstücke aus und sprach die notwendigen arkanen Worte „Füge zusammen, was zusammen war.“ Mit meinen Händen vollführte ich Bewegungen in der Luft über dem Tisch, als ob ich die Bruchstücke zusammenfügen würde. Und tatsächlich fügte die Kunst die zerbrochene Quack Stück für Stück wieder zusammen. Und ich musste den Zauber mehrmals sprechen, aber dann stand Quack in dem Zustand vor mir, wie ich sie gekauft hatte. Meine Kleine war ganz aus dem Häuschen, als ich sie dann weckte und ihr Quack zeigte. Sie konnte es zuerst gar nicht fassen. Streichelte das Spielzeug und beäugte es kritisch von allen Seiten. Aber dann quietschte sie laut auf, setzte Quack auf den Bogen und zog ihn hinter sich her, bei jedem Wippen der Ente ein lautes „Quack!“ ausstoßend. Sie zeigte jeder meiner Mitbewohnerinnen, dass ihre Ente wieder ganz sei. In dem Moment wusste ich, dass Magie zu lernen eine gute Sache war, denn mit Magie hatte ich ein Mädchen unendlich glücklich gemacht.

Spaßmacher, die freche Fee, die wir einst aus dem Myrkultempel befreit haben und die unsere Freundlichkeit mehrmals auf gemeinste Art zurückgezahlt hat, ist immer noch in dem Glas, in dem ich ihn bekommen habe. Der kleine Kerl ist frech und uneinsichtig wie eh und je. Ich habe beschlossen, ihn solange da drin zu lassen, bis er einsieht, dass Scherze, die andere in körperliche Gefahr bringen, nicht akzeptabel sind, sondern nur unglaublich fies sind. Aber bis jetzt beharrt er auf seinem Standpunkt, dass alles erlaubt ist, was ihm Spaß macht. So was auch!

Jeden Abend habe ich auch ein oder zwei Seiten aus den Aufzeichnungen von Luvius dem Schneider übersetzt, die wir gefunden haben. Am Anfang ist wohl eine Abhandlung über seinen Werdegang, vom unbescholtenen Händler, der aus wirtschaftlicher Not zum Schmuggler wurde, der dann eine Schutztruppe aufstellte, um es mit Gruppen schutzgelderpressender Gangster aufzunehmen. Er besiegte diese Gruppen und übernahm selbst das Geschäft. Daraus wurde dann die Diebesgilde. Er führte sie mit harter Hand, auch wenn er gerne einen anderen Stil drauf gehabt hätte. Aber nur mit Härte konnte man sich in so einer Umgebung durchsetzen. Im zweiten Drittel wird es dann für mich interessanter. Hier findet er dann das Zwergengewölbe mit dem Schrein und Grabmal. Und wie er es für seine Interessen nutzt. Und wie er auf eine Hinterlassenschaft von einem gewissen Halblingsmagier mit dem Namen Haparius stolpert, wovon besonders ein Gegenstand interessant ist. Leider ist die Stelle, wo der Gegenstand benannt wird, offen gelassen.

Ich kann nicht erkennen, ob Luvius das selbst war, oder ob jemand das gelöscht hat. Das Papier sieht jedenfalls intakt aus, da hat keiner dran rumgeschabt oder was übermalt. Ab diesem Eintrag wird es dann konfus. Die Lücken häufen sich und ich kann mir bald gar nichts mehr zusammenreimen. Ich glaube nicht, dass Luvius das war. Jemand hat sich daran zu schaffen gemacht und gewisse Passagen und Wörter gelöscht. Aber wer macht so was? Warum nicht gleich das ganze Buch verschwinden lassen? Oder war das nicht möglich?

Der einzige Begriff ist noch, „die längste Nacht“. Damit kann ich nichts anfangen. Wie gut, dass unser Kollegiat so eine gute Bibliothek hat. Allerdings ist die für Scholaren nur begrenzt zugänglich. Da ich noch so meine Probleme mit magischen Fallen habe, lasse ich es auch wohlweißlich sein, da einzubrechen. Es gibt einige Abhandlungen über Magier in der Geschichte und Halblingsmagier sind eine gewisse Kuriosität. Aber Haparius kommt nirgendwo vor. Über „die längste Nacht“ finde ich viel und nichts. Kalendarisch gibt es eine längste Nacht, die obendrein noch ein hoher Shar Feiertag ist. Auch haben die ein Ritual, das sich ähnlich schimpft. Aber das ist wohl nicht damit gemeint. Wortwörtlich Finsternis!

Auch Renya kann damit gar nichts anfangen, als ich sie darauf anspreche. Also hinterlasse ich eine Nachricht an der Wächterstatue und treffe mich mit Karn. Er hört mir interessiert zu, kann sich aber leider auch keinen Reim drauf machen. Ich frage noch mal nach, ob es möglich wäre, seiner Gilde beizutreten. Er sagt schon mal nicht nein, meint aber, dass er auf mich zurückkommen würde. Das kann alles und nichts bedeuten.

Irgendwie vermisse ich meine Freunde von der Schatzjagd. Na ja, bis auf Lia eben. Die hat mich ja am Ende so was von enttäuscht. Es war schon keine gute Sache, wie das mit dem Buch abgelaufen ist. Glücksbote Ryan hat ja zum Glück das Schlimmste verhindert. Lia ist auch aus der Stadt verschwunden. Dolon ist ebenfalls weg, hat eine Soldkompanie begleitet, die etwas im Norden bei den Scheusalen und deren Hilfstruppen aufräumen, die immer noch versprengt in Cormanthor für Unheil sorgen. Mit Glücksbote Ryan habe ich noch am meisten Kontakt, da ich ja regelmäßig den kleinen Tempel meiner Schutzgöttin besuche, auch wegen unseres gemeinsamem Projekts mit dem Puppentheater und des Horts, wo Mili sich tagsüber nun aufhält. Xana sehe ich ab und zu an ihrem Stand, als ob sie damit zufrieden wäre, wieder ganz die liebe Tochter und Verkäuferin zu sein. Mit Serenius hat sie inzwischen angebandelt und die beiden sind dabei, ein Paar zu werden.

Zum letzten Mal habe ich den ganzen Haufen gesehen, als wir die magischen Gegenstände aufgeteilt haben, die wir erbeutet haben. Es ging überraschend friedlich vonstatten. Ich hab mir die Handschuhe der Zerstörung gesichert, die den Schaden einer Waffe bei besonders guten Treffern steigen können, indem man dann „Töte!“ sagt. Dann das Heiligenbildchen von Maske, welches einem Glück bringt, wenn man eine fiese Falle entschärft und das von Windsturm, welches einem Glück bringt, wenn man waghalsige Manöver macht. Mit Lia habe ich Larnas beschlagene Lederrüstung gegen das Mithralkettenhemd getauscht, das mir in Zukunft mehr bringen wird, besonders da ich es im Kollegiat noch verzaubern lassen habe, gegen eine horrende Summe von eintausend Goldmünzen und einem Gefallen. Auch habe ich mir noch einen Trank gesichert, der mich vor bösen fiesen gemeinen Kreaturen beschützt.

Schlachtenrufer Dolon hat den Taktikhelm bekommen, welcher ihm und all seinen Freunde im Kampf hilft, mehr Kampfkraft aus flankierenden Manövern zu ziehen. Auch hat er die Blitzhandschuhe bekommen, welche einen Gegner mit Blitzen überschütten können.

Xana hat sich das Meteormesser geschnappt, eine magische Waffe ist, die explodieren kann, aber wieder intakt zum Werfer zurück kommt. Dazu noch den Resistenzumhang und das Heiligenbild des Jergal, welches einen besser Geschossen ausweichen lassen soll. Und dann noch einen Trank, welcher vor Angriffen schützt.

Glücksbote Ryan hat den Ring der flüchtigen Weihe und die Armschienen bekommen, welche einmal am Tag erlauben, noch mal zuzuhauen. Und aus alter Beute noch einen Trank, der vor Feuer schützt.

Lia bekam die Landeschuhe und die beschlagene Lederrüstung. Die Assassinenpeitsche und den kalt geschmiedeten Hammer haben wir gut verkaufen können. Ich habe mir zwar irgendwie mehr erwartet, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Immerhin habe ich jetzt ein paar wirklich hübsche magische Gegenstände, wie die Helden aus den Geschichten. Und ich habe damit meine Ausbildung bezahlt. Und wer zaubern kann, ist immer im Vorteil. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Denn wer wagt, gewinnt!

Ende der Chroniken der Kundschafterin

Kaira kommt wieder in:

Der Test der Zeit
Chroniken der Ungesehen Seherin
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 25. April 2008, 12:17:48
Der Test der Zeit
Chroniken der Ungesehen Seherin


Prolog


1. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich wache auf und weiß nicht, wo ich bin. Verdammnis! Und das ist nicht, weil ich viel zu müde ins Bett gegangen bin oder weil ich im Brunnenhaus einen zuviel gebechert hätte. Ich weiß ganz genau, wie ich heute Nacht mit Thropp und ein paar seiner lustigen Gesellen in das Haus eines reichen Händlers eingestiegen bin und ihn ein wenig um die Bürde des Reichtums erleichtert habe. Fünfzig Goldmünzen waren mein fairer Anteil gewesen. Seit etwa einem Zehntag bin ich wieder in der Stadt, habe eine kleine Wohnung im besseren Teil des Westviertels bezogen und ein Mädchen für alles eingestellt, die sich etwas um Mili und die Wohnung kümmert. Thropp hatte mich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, ein wenig die Reichen der Stadt zu erleichtern. Und natürlich habe ich ja gesagt.

Ich richte mich auf und konzentriere mich auf das Jetzt. Meine Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit. Der Raum ist kühl, gut gemauert, misst etwa drei auf vier Schritt im Quadrat, verfügt als einzige Einrichtung über die karge Pritsche, auf der ich gelegen habe. Durch ein vergittertes Loch sickert etwas von Selunes Licht in die Zelle, gerade genug, um zu erkennen, wie der Raum aussieht. Eine stabile Türe bildet den einzigen Ausgang. Der steinerne Boden ist kühl unter meinen bloßen Füßen. Leise schleiche ich mich an die Türe und lausche daran. Außer meinem eigenen Atem höre ich nichts. Überraschenderweise lässt sich die Türe öffnen und ich stehe vor einer Wendeltreppe, die nach unten führt. Eine Fackel sorgt für etwas Licht, die sich aber leider nicht aus dem Halter nehmen lässt, auch als ich mich mit meinem ganzen Gewicht dagegen stemme. Nun, dann muss es eben so gehen. Vorsichtig taste ich mich von Stufe zu Stufe, jederzeit auf eine unangenehme Überraschung gefasst.

Schließlich höre ich Stimmen. Behutsam taste ich mich weiter vor und linse schließlich in einen achteckigen Raum, indem sich sechs verhüllte Personen befinden. „Tritt näher, Kaira Rea.“ Nachdem ich den Raum betreten habe, kann ich im diffusen Licht erkennen, dass sie die braune Kleidung tragen, die auch Karn immer trägt, sozusagen das Markenzeichen der Gilde der Ungesehenen Seher. „Du willst also unserem Bund beitreten. Warum?“

„Nun“, dehne ich ein wenig. „Weil ich denke, dass dies mein Ding ist, Informationen sammeln, Finstere Geheimnisse aufdecken und die gemeinen, geheimen Pläne finsterer Schurken zu vereiteln.“
„Dich treibt also pure Abenteuerlust?“
„So kann man das auch ausdrücken“, meine ich ehrlich.
„Nun gut, wir werden dir vier Fragen stellen, beantworte sie so ehrlich wie möglich. Es gibt dabei kein falsch oder richtig, sondern wir wollen dich dadurch näher kennen lernen. Also erstens, stell dir vor, du möchtest jemandem wichtige Informationen abkaufen. Du gehst zum Haus des Verkäufers und findest die Tür unverschlossen. Leise gehst du hinein, wo du ihn tot in einer Blutlache am Boden liegen siehst. Der offenkundige Mörder kniet noch mit der blutigen Klinge in der Hand über der Leiche. Noch hat er dich nicht bemerkt. Was tust du?“

„Nun, ich würde versuchen den Mörder zu überwältigen, um aus ihm die Information herauszuholen. Und natürlich würde ich noch versuchen, die Leiche zu bergen. Es gibt klerikale Zauber, die einen erlauben, so etwas auch noch nach dem Tod zu erfahren“, antworte ich nach kurzem Überlegen. Meine Antwort scheint sie etwas zu überraschen.

„Nun gut, stell dir vor, wir, die Großmeister, haben dich zu einem Treffen in diesen Raum bestellt. Du kommst vor der Zeit und siehst aus den Schatten, wie wir in einer dir fremden Sprache mit einer dämonischen Kreatur in unserer Mitte sprechen. Du verursachst ein Geräusch und wirst gleich entdeckt werden. Was tust du?“

Au, dass ist knifflig. Ein Frage des Vertrauens, oder was gut und richtig ist? Da werde ich richtig unsicher. Was würde ich tun? Vertraue ich ihnen? Bis jetzt hatte ich keinen Grund, dies zu tun. „Ich würde mich zu erkennen geben, in dem Glauben, dass dies einem höheren Ziel dient.“

„Aha? Stell dir vor, du hast ein Buch mit höchst wichtigen Informationen in deinen Besitz gebracht und willst es zu uns bringen, aber ein überlegender Feind stellt dich. Er ist in Eile und bietet dir dein Leben im Austausch für das Buch. Eine Flucht ist aussichtslos. Was tust du?“

„Puh! Das Buch vernichten, bevor es ihnen in die Hände fällt?“

„Du würdest also unersetzliche Informationen lieber vernichten?“

„Das ist jetzt wirklich knifflig. Kommt wohl sehr auf die Situation drauf an. Vielleicht würde ich auch zum Schein darauf eingehen und dann alles daran setzen, es wieder zu beschaffen. Kommt wohl sehr auf die äußeren Umstände an.“ So langsam werde ich unsicher und auch nervös. Das Gespräch verläuft nicht so sehr, wie alle Beteiligten sich das gewünscht haben. Nicht gut.

„Kommen wir zur letzten Frage, stell dir vor, du besitzt ein Objekt von großer Macht. Zwei fremde Männer kommen zu dir. Beide erklären, dass das Objekt sowohl zum Guten als auch zum Bösen verwendet werden kann. Beide behaupten von sich, es zum Guten verwenden zu wollen und warnen dich davor, dem jeweils anderen zu vertrauen. Sie verfügen über einige Macht und könnten dir das Objekt auch mit Gewalt nehmen. Was tust du?“

„Ich glaube, ich habe ein Deja vu. Diese Frage hatten wir ja praktisch schon. Letztes Mal haben wir ja beide Parteien an einen Tisch gebracht.“

„Du würdest also lieber die Entscheidung anderen überlassen?“ Ich habe kein gutes Gefühl mehr. Bin ich für diese Art Arbeit vielleicht gar nicht geeignet? Die Helden in den Geschichten haben selten solche Situationen. Die erkennen ihre wahren Feinde immer am verschlagenen Blick. Leider ist das hier nicht so einfach. Ich seufze.

„Das ist so schwer zu beantworten. Ich würde versuchen, ihre Motive zu begreifen. Letztes Mal hatten wir keine wirklichen Informationen, keine eigenen Quellen. Wenn ich das nächste Mal in so eine Situationen komme, werde ich hoffentlich besser vorbereitet sein.“

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie etwas unsicher sind, was sie von mir halten, als sie mich zurück in das dunkle Zimmer schicken. Aber ich sollte ja ehrlich sein und ihnen nicht unbedingt nach dem Mund reden, schätze einfach auch, dass sie das gemerkt hätten. Etwa dreihundert Herzschläge warte ich, dann werde ich nach unten gerufen. Karn hat sich als Siebter zu ihnen gesellt.

„Kaira Rea, du bist noch sehr jung und hast noch sehr viel zu lernen. Und wir werden dir dabei helfen. Willkommen in der Gilde der Ungesehenen Seher.“ Ich stoße einen spitzen Schrei der Freude aus, falle Karn um den Hals und drücke ihm einen dicken Kuss auf die Wange, was dieser völlig verdattert über sich ergehen lässt. Ich habe es geschafft!

Karn führt mich in wenig herum. Wir befinden uns in einem sehr großen Haus, dass einem Graf Ignus Voland gehört. Uralter Name, aber nur noch wenig Vermögen und Einfluss. Er hat der Gilde sein Haus als Hauptquartier zur Verfügung gestellt. Ich bekomme eine dieser braunen Kutten ausgehändigt. Total unmodisch die Dinger, aber sie helfen mit der Menge zu verschmelzen. Als Lehrerin und Ansprechpartnerin für meine weitere Ausbildung bekomme ich eine Frau namens Alana zugeteilt. Und sie hat gleich mal ein paar Lektionen für mich vorbereitet. Die Zeit des Lernens hat für mich erst begonnen, dünkt mich.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 28. April 2008, 11:51:34
Kapitel 1
Die grüne Kugel der Macht

15. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

„Wisst ihr, was mich in den Fingern jucken würde?“, werfe ich in die vertraute Runde. Dolon ist von seiner Militärmission im Norden zurückgekehrt und seit langer Zeit sind wir wieder an einem Tisch im Brunnenhaus. Über Lias Anwesenheit bin ich nicht glücklich, aber auch wenn ich ihr nicht mehr trauen kann, sie gehört irgendwie zu unserem Haufen.
„Was denn?“, fragt Xana gnädigerweise.
„Diese Kiste im Abbathor Schrein. Da ist bestimmt noch ein Schatz drin.“
„Schreine Plündern ist keine gute Tat“, wirft Glücksbote Ryan ein.
„Nun, dieser Abbathor ist zum einen kein guter Gott, zum anderen, befindet sich die Kiste in einem Geheimgang neben dem Schrein. Also plündern wir nicht direkt den Schrein.“
„Da ist was Wahres dran“, meint Schlachtenrufer Dolon und leert seinen Humpen.
„Und wir sollten vielleicht in Erwägung ziehen, die Position des Schreins an jemanden zu verraten. Es gibt da zwei Optionen, wir verraten das der Tyrkirche, dass sie den Schrein versiegelt. Oder eben den Zwergen aus dem Tallynstein Clan, denen ist das bestimmt eine Belohnung wert.“
„Also ich wäre dafür,“ meint Glücksbote Ryan, „dass wir den Schrein von gefährlichen Fallen säubern und ihn dann an die Experten des Tyrtempels weitergeben.“
„Das hört sich gut an“, meine ich, „Ganz zufällig habe ich alles Notwendige dabei. Wer wagt, gewinnt.“
„Der Abend ist ja noch jung, worauf warten wir dann noch? Wer wagt, gewinnt!“, pflichtet mir Glücksbote Ryan bei.

Wir verabschieden uns von Renya und schlendern in entspannter Atmosphäre zu den drei Gargylen hinter der Taverne zu den drei Fässern. Klug aus bitterer Erfahrung hängen wir die Wäsche von den Leinen ab und stapeln sie in Sicherheit. „Ich sei geschützt!“, meine ich und wedle mit einem kleinen Umhang herum, den ich von einer von Milis Puppen gemopst habe. Dabei biege ich etwas Gewebe zu mir hin, dass gefährliche Einflüsse leichter von mir abprallen können. Unter meiner Kleidung trage ich mein Kettenhemd aus Mithril, das mich fast nicht behindert. Ich versuche, zuerst die bekannte Feuerfalle zu entschärfen, aber wie üblich zischt eine Feuerlohe an mir vorbei. Kein Problem, das gleiche Spielchen mache ich an der Kältefalle. Wieder zischt die Lanze aus Eis an mir vorüber und trifft mich nicht. Nur bei der Falle, welche den Spinnenschwarm herholt, habe ich das notwendige Können oder besser gesagt, Glück, sie zu entschärfen.

Die dunkle Treppe führt uns nach unten. Der Kadaver der Düsterschlange ist inzwischen vollständig verrottet und schleimiger Pilzbewuchs bedeckt die Überreste und Teile der Wände. Auf dem Boden bewegt sich was, ein Schleim. Iiiks! Ich lasse ihn einen Pfeil schmecken und auf einmal haben wir zwei davon. Nicht gut! Lia zeigt, dass sie sich in der Zwischenzeit auch arkanen Studien gewidmet hat und lässt eine Woge aus Feuer über den Schleim zischen, was ihn deutlich verschrumpelt. Wirklich gefährlich werden kann der Schleim uns nicht, na ja, jedenfalls nicht allen. Glücksbote Ryan und Dolon werden noch von ätzenden Berührungen getroffen, die aber zum Glück nur ihr Fleisch und nicht ihre Rüstung beschädigen. Schließlich schießen wir es mit unseren Schleudern und etwas Magie zusammen. Mistviecher!

Der Abbathorschrein ist so verlassen wie eh und je. Ich öffne die Geheimtüre und stehe vor der Truhe. „Geht am besten etwas zurück, das könnte gefährlich sein.“ Alle bis auf Glücksbote Ryan weichen zurück. Ich spreche ein Gebet an Tymora, küsse ihr heiliges silbernes Symbol, führe es an Stirn und Herz. Es dauert eine Weile, bis ich die beiden primären Auslöser gefunden habe. Beides sind flache Symbole, die kaum erkennbar in die Verzierungen der Kiste eingefügt sind. „Ich sei geschützt!“, rufe ich ein weiteres Mal und wedle mit dem kleinen Umhang in der Luft herum. Dieser Zauber hält leider nie allzu lange. Vorsichtig setze ich einen kleinen Meisel in die untere Endung des rechten Symbols und klopfe dann herzhaft darauf. Ein Stück Metall springt ab und mit einem harmlosen Leuchten verpufft die magische Ladung ohne Schaden anzurichten. Das Amulett von Maske fühlt sich leicht warm an. Da hat mir wohl jemand geholfen.

Das zweite Symbol ist etwas verzwickter, da es rund ist. Normalerweise kann man solche Symbole dadurch entschärfen, in dem man eine Endung erweitert, so dass die Magie abfließen kann. Bei einem Kreis ist das kniffliger. Schließlich entscheide ich mich für eine Stelle und rutsche ab. Verdammnis. Ich springe hoch und stütze mich an den Wänden ab, während zerstörerische Blitze unter mir den Gang entlang zischen, Glücksbote Ryan durchschütteln, die Statue des diebischen Zwergengottes in der Höhe seines Dolches treffen und diesen als Fokus benutzen, den gesamten Raum mit einem Blitzgewitter zu erfüllen. Gepeinigte Schmerzensschreie sind zu hören. Auweia!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 30. April 2008, 14:35:39
15. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

„Tut mir Leid!“, meine ich und strecke meinen Kopf in den Schrein. Nur Xana, die ganz hinten stand, hat nichts abbekommen, alle anderen sehen aus, als würden sie eine exotische Frisur ausprobieren, da ihre Haare leicht rauchend in alle Richtungen abstehen. „Nichts Schlimmes passiert“, meint Schlachtenrufer Dolon und humpelt aus dem Schrein. Auch die anderen gehen etwas weiter zurück. Auf zum nächsten Versuch. Wieder rutsche ich ab, kann mich aber wieder retten. „Aller guten Dinge sind drei!“ Ein weiteres Gebet an Tymora und endlich klappt es. Glück gehabt!

Das zwergische Meisterschloss erweist sich als richtig zäh, aber endlich gibt es nach einer halben Ewigkeit nach. Vorsichtig öffne ich die Kiste. „Wahre Gier ist eine Tugend!“, steht da auf einem Beutel. Tja, und nur der eine Beutel ist da drin. Ich mach ein langes Gesicht. Vorsichtig nehme ich ihn heraus. Er ist ziemlich schwer. „Der ist magisch! Das muss ein Nimmervoller Beutel sein“, kreischt Xana, die immer sehr hoch spricht, wenn sie aufgeregt ist. Glücksbote Ryan grabscht ihn sich, obwohl ich ihn festhalten will und reißt ihn mir wortwörtlich aus den Fingern. „He!“ „Xana ist die Schwächste von uns, sie kann mit ihm am meisten anfangen“, belehrt mich Glücksbote Ryan auf seine herablassende Art, die ich so langsam an ihm hasse.

Xana schnappt sich den Beutel. „Da ist bestimmt noch was drin!“ Sie öffnet ihn und greift hinein. „Warte!“, rufe ich noch. Ich kenne Geschichten, dass solche Beutel manchmal keine solchen praktischen, nimmervollen Beutel sind, sondern sehr gemeine Fallen, genauer gesagt die Fressöffnung für ein Monster, das zwischen den Ebenen lauert. „Es wäre vielleicht besser, wenn ich das erst untersuche!“ Aber zu spät. Das erwartungsvolle Gesicht von Xana verzerrt sich auf einmal und sie wird totenbleich. Ein Ruck geht durch ihren Arm und der wird bis zum Gelenk in den Beutel gezogen. Glücksbote Ryan und Schlachtenrufer Dolon stürzen sich wie beim Kampfball auf sie und werfen sie zu Boden. Ryan hält sie fest, Dolon den Beutel, dann ziehen sie mit aller Kraft daran. Deutlich ist ihre Anstrengung an den Gesichtern abzulesen. Xana kreischt auf und wird zurückgeschleudert. Blut spritzt aus ihrem Armstumpf. Ich kann den zerbissenen Knochen unter dem zerfetzten Fleisch sehen und habe Mühe, mich nicht zu übergeben. Verdammnis!

Glücksbote Ryan presste einen Stoffballen aus der guten Illmater Heilertasche auf ihre Wunde. „Übernimm mal einer.“ Ich mach das und Glücksbote Ryan schnappt sich den Beutel. „Tu das nicht!“ schreie ich, aber zu spät. Entschlossen greift Ryan hinein. Tymora hilf! Sein Gesicht wird grimmig, dann beginnt ein Zerren. Schließlich reißt er seine Hand mit der Hand und dem Handschuh von Xana wieder heraus. „Wer wagt, gewinnt“, meint er triumphierend. Na, ob der Handschuh das wert war? Zum Glück ist Xana inzwischen in eine gnädige Ohnmacht gefallen.

„Das ist jetzt nicht so gelaufen, wie ich gedacht habe“, meine ich zerknirscht und schaue zu, wie die beiden Priester den Armstumpf verbinden. „Nun ja, wir wussten ja, dass es ein Risiko ist“, meint Schlachtenrufer Dolon. „Aber was machen wir jetzt mit ihrem Arm? Dazu ist große Heilmagie notwendig.“

„In der Tat“, meint Glücksbote Ryan, „in meinem Tempel ist niemand in der Lage, solch mächtige Heilmagie zu wirken.“
„Auch im Tempel des Feindhammers befindet sich kein solch heiliger Mann, um Regeneration wirken zu können.“
„Der Vorsteher der hiesigen Tyrannoskirche gilt als einer der mächtigsten Kleriker der Stadt. Auch der Hohepriesterin von Umberlee sagt man nach, dass sie Gliedmaßen nachwachsen lassen kann. Aber die beste Wahl dürfte der heilige Vorsteher der Kathedrale der Triade sein. Seine Exzellenz, Erzbischof Ulmar Jarven, Stimme der Gerechtigkeit zu Chondathan. Sein Ruf ist untadlig und seine Macht gilt als die höchste hier in Chondathan“, merke ich an.
„Ich glaube, keiner von uns will in der Schuld der Kirche von Tyrannos oder Umberlee stehen, also bleibt uns wohl nur Tyr übrig“, bringt Ryan es treffend auf den Punkt. „Tyr dürfte wohl die erste Wahl sein. Bringen wir sie unverzüglich hin.“ So nimmt Ryan sie auf und wir eilen nach oben.

Ohne Probleme erreichen wir die Kathedrale und sprechen einen der wachhabenden Tyrpriester an. Er zögert zuerst, bequemt sich dann aber, seinen Vorgesetzten zu holen. Wir müssen etwas warten und ich setze mich in die erste Bankreihe. Ich schlage die Hände vors Gesicht und weine. Es war meine verdammte Idee gewesen, diesen unseligen Schrein noch einmal aufzusuchen. Meine Gier nach mehr. Verdammt soll sie sein, die Gier, nicht nur meine, sondern auch die der anderen. Dass sie rein gegriffen hat, ist nicht meine Schuld, das hat sie sich selbst zuzuschreiben, aber ich habe sie dorthin geführt, also trifft ein Teil der Schuld auch mich. Ich seufze schwer und trockne mir die Tränen, bevor die anderen merken, dass ich geweint habe. Die Helden in den Geschichten weinen nämlich auch nie.

Der oberste Tempelherr, seine Exzellenz, Erzbischof Ulmar Jarven, Stimme der Gerechtigkeit zu Chondathan von Tyr, ist ein kräftiger Mann um die Fünfzig. Er trägt einen einfachen Morgenmantel. Er bedauert das Schicksal von Xana, aber da sie weder eine Gläubige ist, noch wir wir im Auftrag Tyrs gehandelt haben. Er will sich schon umdrehen, als ihm einer der Priester was ins Ohr flüstert. Er dreht sich noch mal um. „Nun, erzählt, wie es dazu gekommen ist, und wagt ja nicht zu lügen.“ Er macht ein paar theatralisch wirkende Gesten, aber er wirkt dabei wirklich einen Zauber. Ich lasse zu, dass der Zauber bei mir wirkt und erzähle ihm die Wahrheit. Eben wie wir die Truhe geöffnet haben und wie der Fressbeutel Xanas Arm gefressen hat. Ich lasse viele Details weg, bleibe aber bei der Wahrheit.

„Nun gut, ich werde der jungen Frau ihren Arm wieder geben. Aber ihr alle werdet mit einen entsprechenden Dienst für die Kirche Tyrs dafür bezahlen.“
„So soll es sein!“, sage ich ohne zu zögern. Bis auf Ryan sind alle sofort einverstanden.
„Dieser Dienst sollte aber nichts Unrechtes sein.“ Und ich dachte immer, ich wäre naiv, aber Ryan schlägt mich um Längen. Ich kann mich nicht halten und schlage die Hand vor die Stirn.
„Du Schwachkopf! Wir sind hier in der heiligen Kathedrale der Triade und Tyr ist der Gott der Gerechtigkeit. Sie werden nichts verlangen, was Unrecht sein könnte.“
„Wahr gesprochen, Kind!“, meint der Hohepriester des Tyr mit hochrotem Gesicht. „Und ihr solltet euch mäßigen, Glücksbote der Dame des Glücks. Vielleicht solltet ihr eure Herrin um etwas Verstand bitten, denn den scheint ihr bitter nötig zu haben.“ Nachdem auch Ryans Bedenken zerstreut sind, legen wir alle einen Schwur ab, diese Aufgabe zu erfüllen oder dabei zu sterben. So sei es!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 02. Mai 2008, 14:38:23
16. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

„Tante Xana aua gemacht?“, fragt mich Mili, als ich sie am Tymora Hort abgebe und sie die Halbelfe sieht, die bleich mit verbundenem Armstumpf und vom Schmerzmittel beduselt in einer Ecke sitzt.
„Ja, Tante Xana hat sich groß aua gemacht, aber Mama und die anderen werden ihr helfen, sie wieder gesund zu machen.“ Das freut meine Kleine und sie schließt sich ihren kleinen Freundinnen an, die schon zusammen sitzen und ein Spiel mit einer etwa dreißig Jahre alten Tymora Priesterin spielen. Seitdem Glücksbote Ryan den Beshaba Priester im Glaubenskampf besiegt hat, sind nicht nur neue Anhänger gekommen, sondern auch einige wandernde Priester und Priesterinnen haben sich eingefunden, um den erweiterten Gläubigenkreis zu betreuen.

Ich habe Xana gestern noch ein Schmerzmittel besorgt und sie hat entsprechend glasige Augen. Normalerweise wird dieses Mittel auch benutzt, um einen etwas anderen Bewusstseinszustand zu erreichen, aber diese Droge unterdrückt auch Schmerzen. Der Hohepriester hatte den Zauber gerade nicht zur Verfügung und uns zur Morgenmesse bestellt. So ein Wunder wird natürlich vor Publikum gewirkt. Auch Tyrpriester wissen, wie man sich in Szene setzt. Also begeben wir uns rechtzeitig in die Kathedrale und wohnen der Morgenmesse des Tyrs bei. Heute hat die Kirche ihren heiligen Wochentag und es sind entsprechend viele Gläubige anwesend, die dann Zeuge werden, wie Xana ein neuer Arm wächst. Diese Macht zu erleben ist wirklich eindrucksvoll und auch ich bin tief bewegt. Die Halbelfe bedankt sich artig und wir sind entlassen. Puh!

Ich bleibe bei Xana, die etwas Orientierungsschwierigkeiten hat und begleite sie zu Tharadors Weinhandel. Leider ist ihr Schatz Serenius nicht da, sondern am Hafen, dann eben dorthin. Wir finden ihn, wie er gerade die Entladung von Wein aus der alten Heimat überwacht, als Xana ihm heulend im die Arme fällt. Der arme Kerl weiß gar nicht, wie ihm geschieht und ich erkläre ihm, was passiert ist. Der glatzköpfige Psioniker ist sehr besorgt über das, was mit seiner Freundin widerfahren ist. Tja, das ist eben auch etwas Berufsrisiko. Wir plauschen noch etwas und gerade, als ich die beiden Turteltäubchen allein lassen will, kommt Dolon mit Glücksbote Ryan und Lia im Schlepptau anmarschiert. Der Schlachtenrufer strahlt dabei über das ganze Gesicht. So aufgedreht habe ich ihn noch nie gesehen. Dolon ist sonst eher der zurückhaltende Typ.

„Stellt euch vor“, er breitet enthusiastisch die Arme aus, „ich könnte eventuell erfahren, wo das Grab von Arabas Korugan liegt, der Faust von Lyskarell.“ Die Namen sagen mir was, in irgendeiner Ballade habe ich schon mal davon gehört, kann sie aber nicht konkret einordnen. Ich gucke ihn deswegen auch groß fragend an. „Arabas Korugan ist einer der größten Helden der Tempuskirche. Er war in dem Kontingent, das Myth Drannor gegen die Scheusale verteidigte. Dabei führte er einen verwegenen Angriff in Lyskarell, welcher die dortige feindliche Armee vernichtete und den Verteidigern von Myth Drannor weitere Zeit erkaufte. Dann verschwand er, es heißt er wäre auf einer anderen Ebene begraben. Und das kann ich herausfinden! Und seinen Leichnam bergen, mit seinen Waffen und seine Rüstung!“
„Aha?“
„Das sind für meine Kirche wertvolle Reliquien. Wenn ich sie bergen kann, dann ist das ein großer Erfolg für meinen Tempel.“
„Ah, ich verstehe, wenn du die Rüstung besorgst, dann steigst du in der Hierarchie auf.“
„Kaira, nicht jeder denkt so materialistisch wie du“, weist mich Glücksbote Ryan zurecht. Der hat es gerade nötig. Wer war es denn, wer mir den Fressbeutel aus den Fingern gerissen hat und ihn Xana gegeben hat? Aber klar, Glücksbote Ryan hat den Durchblick und ich bin die naive Kaira vom Lande, die keine Ahnung hat. Wie auch immer, ich vertiefe diesen Punkt nicht weiter, sondern fokussiere mich auf das Wesentliche.
„Und wer kann dir das verraten, wenn er auf eine anderen Ebene begraben liegt?“
„Ein Reisender, er nennt sich Idi Adanich und er will dafür etwas haben.“ Irgendwie habe ich geahnt, dass dies noch mehrere Haken hat.
„Und was sollen wir dafür tun?“
„Das sagt er uns heute Abend, kommt zur Dämmerung in den Tempustempel. Wir treffen uns mit ihm in der Rüstkammer. Und als kleinen Anreiz bietet er noch magische Gegenstände im Wert von fünfzigtausend Goldmünzen an.“ Da fangen meine Augen an zu strahlen.

Pünktlich sind wir zur Stelle, um diesen Idi Adamich [mich oder nich?] mal in Augenschein zu nehmen. Die Rüstkammer des Tempels ist voll von Rüstungen aller Arten. In einer Ecke steht die, welche wir vor einem halben Jahr geborgen haben. Irgendwie traurig, dass sie hier verstaubt. Dieser Idi Adamich entpuppt sich als ein gedrungenes Wesen, das mir gerade Mal zum Bauchnabel reicht. Er ist dick vermummt und kaum etwas von ihm ist zu sehen. Seine Stimme ist klar und magisch. Seine Augen sind überproportional groß und erinnern an die von Insekten. Die wenige erkennbare Haut ist sehr fahl. Wir stellen ihm verschiedene Fragen und es stellt sich heraus, dass er ein Dromid von der Erdebene ist. Er ist ein Forscher, aber was er genau erforscht, da hüllt er sich in Schweigen.

Der weltenreisende und forschende Dromid will, dass wir ihm eine grüne Kugel besorgen, die bequem in eine Handfläche passt. Sie wäre eine Art Portal, das in eine wahre finstere Ebene führen würde. Und diese Kugel befindet sich in der Pfennigfeste. Und er will diese Kugel haben, bevor sie in Hände fällt, die sie missbrauchen könnten, was für diese Ebene höchst unangenehme Konsequenzen haben könnte. Aha? Aber die Festung Klingenwacht, wie Pfennigfeste eigentlich heißt, ist ein sehr sicherer Ort. Mir wäre nicht bekannt, dass jemals jemand von dort erfolgreich geflohen oder dort eingebrochen wäre. Das stimmt wohl, aber die magischen Gegenstände, welche in der Asservatenkammer lagern, werden am Ende jedes Jahres ins Kollegiat zur weiteren Untersuchung geschafft. Und der erste Magier, der sie näher untersucht, könnte schon eine Katastrophe herbeiführen. Das kommt mir alles etwas fadenscheinig vor. Ich meine, warum sagt der kleine Kerl das dann nicht einfach den entsprechenden Leuten, dass sie so was Gefährliches haben? OK, weil die wahrscheinlich dann nachschauen lassen und dann passiert was vielleicht gar Schreckliches.

Unsere Aufgabe wäre es also, in die Klingenwacht einzubrechen und die Kugel zu stehlen, oder wie er es ausdrückt, in Sicherheit zu bringen. Bis zum Jahresende haben wir Zeit dafür, was also knapp etwas mehr als vier Monate bedeutet. Für die Kugel bietet er zum einen an, den Standort des Grabes von Arabas Korugan zu enthüllen und uns obendrein magische Gegenstände im Wert von etwa fünfzigtausend Goldmünzen zu geben. Das hört sich in der Tat sehr verführerisch an. Und da Idi Adanich ja ein Weltenreisender Forscher ist, erzähle ich ihm von der Längsten Nacht und dem Halblingsmagier Haparius. Er meint, er hat diesen Namen schon mal gehört und wüsste, wo er nachsetzen könnte. Nun gut, schlagen wir das gleich mal auf die Gebühren drauf. Er ist damit einverstanden. Dummerweise hat das jetzt auch Lia aufgeschnappt. Das wird sie bestimmt ihren Auftraggebern weiter geben. Verdammnis!

Wir sind uns somit handelseinig und das seltsame Wesen meint, dass es noch vor Jahresende wieder kommen wird. Ziemlich vage, aber wohl die beste Aussage, die wir bekommen können. Komisches Kerlchen. Wir stellen ihm noch ein paar Fragen über die Klingenwacht, aber er weiß kaum was darüber, nur dass sie verdammt gut geschützt ist. Dann verabschiedet er sich und wir sind alleine. Wir tragen unser recht geringes Wissen über die Festung zusammen. Sie ist auf dem Berg, grenzt an das Viertel der Adligen auf der einen und dem Burgpalast des Gouverneurs auf der anderen. Weil hier die Schuldner inhaftiert werden, nennt man sie auch die Pfennigfeste. Die Besatzung wird von verdienten Mitgliedern der Schildwacht gestellt. Tja, das war es dann auch. Renya weiß vielleicht mehr, also auf zum Brunnenhaus.

Wir finden die gute Frau Harloff oben in ihrem Dachzimmer, sie legt gerade ein Büchlein weg, in das sie emsig geschrieben hat, als wir eintreten. Sie ist entsetzt, als sie hört, dass wir in die Klingenfeste müssen. „Reiner Wahnsinn ist das! Die Pfennigfeste ist einer der sichersten Orte der Kolonien. Gut ausgebildete und loyale Wächter an den Mauern. Magischer Schutz überall. Und selbst wenn ihr erfolgreich seid, dürft ihr keinerlei Spuren hinterlassen, die zu euch führen könnten.“ Ja, da hat sie schon irgendwie Recht. Eine Nummer kleiner hätte es auch getan. Aber wer wagt, gewinnt!

Wenigstens kennt sie zwei Leute, die dort entweder mal eingesperrt waren oder dort gearbeitet haben. Na, wenigstens etwas. Aber da es heute schon spät ist, beschließen wir, uns mal kundig zu machen, wie es mit der Kanalisation aussieht. Also auf zu Sagrell, schließlich sind wir ja in der Kavernenwacht. Wir finden einen Einstieg und reden mit dem Stein gewordenen Anführer der Wacht. Der weiß zu berichten, dass schon das Adelsviertel von seinem Aufgabengebiet abgetrennt ist. Ebenso die Gegend unter der Festung, die ja hinter dem Viertel liegt. Ein Behir soll dort Wache schieben.

„Ein Behir?“ entsetzen lässt meine Stimmeschrill werden. Ich habe schlimme Geschichten über diese Monster gehört, angeblich sind es kleine Drachen, im Verhältnis zu einem großen Drachen, mit ganz vielen Beinen und sie können Strahlen der Vernichtung speien. Aber es kommt noch besser, die Kavernen unter dem Adelsviertel sind mit weiteren Monstern besiedelt worden, welche jeden Eindringling fressen. Und obendrein hat Sagrell auch noch gleich etwas Arbeit für uns. Große Ratten, damit meint er menschengroße Ratten, hätten sich in der letzten Zeit in den Kavernen ausgebreitet. Nun gut, wir werden der Sache mal auf den Grund gehen. Ein paar vorwitzige Ratten töten ist genau das Aggressionsventil, das ich jetzt brauche.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 07. Mai 2008, 15:48:21
16. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Dank Sagrells Hinweisen haben wir bald eine Ansammlung der großen Ratten aufgespürt. Begleitet werden sie von einem Schwarm an kleinen großen Ratten. Eine der großen Ratten hat zwei Hörner und scheint der Anführer zu sein. Die anderen drei Ratten gehören einer etwas kleineren Art an. Bewaffnet sind sie nicht. „Ich sei geschützt.“ Wieder mal wedele ich mit dem kleinen Umhang und beuge das Gewebe zu meinen Gunsten. Geschlossen rücken wir auf die Ansammlung vor und werden recht schnell entdeckt, da wir Licht mit uns führen. Wir stellen den Gegner an einem T Zusammenfluss, wo die Wege durch drei Brücken sich über den Kanal verbunden werden. Hinter dem T Zusammenfluss ist noch ein trockener Bereich, der eine große Nische bildet, deren Sinn ich in diesem Bauwerk nicht ganz verstehe. Vielleicht war hier mal eine Fortführung geplant, die aber nie umgesetzt wurde.

„Möge der Feindhammer euch zerschmettern! Gesegnet seien die Tapferen!“ Schlachtenrufer Dolon streckt seine Axt in die Höhe und macht eine kreisende Bewegung. „Flankieren bringt den Sieg!“ Aus seinem Helm mit dem offenen Visier strahlt eine kurze magische Welle über uns hinweg. Die Rylkar sind sehr schnell, besonders der Schwarm wuselt als eine graue Masse auf uns zu. Die drei Rylkar stoßen geifernde Schreie aus, die mir das Herz in die Hose rutschen lassen. Kein Wunder, dass mein Pfeil die gehörnte Ratte nicht wirklich gut trifft und obendrein noch aus der Wunde gedrückt wird, die sich sofort daraufhin schließt, genau so wie der von Lia. Verdammnis! Schlachtenrufer Dolon stellt sich den Angreifern am rechten Ufer in den Weg, Glücksbote Ryan deckt die linke Flanke, während wir Mädels und auf der Brücke dazwischen aufbauen. Allerdings stürzt sich der Schwarm kurzerhand ins Wasser und kommt wie ein Tsunami auf uns zugerollt. Lia legt die Hände zusammen, verkeilt die Daumen und spreizt dann die Handflächen. „Brenne!“ Zwischen Händen bildet sich Feuer und eine Lohe schwappt den Ratten entgegen. Die Quietschen nur etwas, als das Feuer über sie darüber brandet. Ich kann keine einzige verkohlte Ratte untergehen sehen und ich habe selbst aus drei Schritt Entfernung gespürt, wie heiß die Lohe war. Das ist nicht gut!

Zwei der kleinen Ratten stürmen auf Glücksbote Ryan zu, der Tymoras Wurfscheibe benutzt, als er mit göttlicher Magie einen überdimensionalen Wurfstern formt und auf die Angreifer loslässt. Aber die göttliche Energie scheint vorbei zufliegen. Nicht gut. Tapfer nimmt Schlachtenrufer Dolon die gehörnte Ratte im Empfang und stellt auch fest, dass sich die geschlagene Wunde sofort wieder schließt. Wobei die gehörnte Ratte zeigt, dass die Hörner mehr als nur Zierde sind, indem sie ihm eines tief in die Schulter rammt. Eine zweite Menschenratte kommt herangewuselt und greift Dolon aus dem Wasser heraus an. Dann überrollt uns Mädels auf der Brücke der Schwarm. Ich trete nach ihnen, aber mein Stiefel trifft auf keinen wirklichen Widerstand. Ich spüre die vielen kleinen Bisse und wie mir schummrig wird. Panik steigt in mir hoch und ich renne so schnell ich kann. Nur weg hier!

Nach einigen Herzschlägen komme ich wieder zu Besinnung. Parallel auf der anderen Seite rennt Xana. Beide kommen wir zum Stehen. Wir tauschen kurz einen Blick und drehen uns entschlossen wieder um. Unsere Freunde brauchen uns. „Alles wird gut!“ Und meine Wunden schließen sich wieder, aber ich fühle mich trotzdem geschwächt, da die Wunden wohl nicht nur oberflächlich waren. Ich renne zurück und der Rattenschwarm kommt mir auf meiner Seite entgegen. Ich nutze den Schwung und springe schräg über den Kanal. Ohne Probleme überwinde ich den Schmutzwasserweg und lande noch vor Xana auf der anderen Seite, die vier ihrer Geschosse in den Schwarm jagt, was leider so gut wie keinen Effekt hat. Schwärme fangen so langsam echt an, mich zu nerven. In Vaters Geschichten gab es das nie, dass Helden sich mit solchen kleinen Mistviechern abplagen mussten. Finsternis!

Getan hat sich nicht wirklich viel, aber Glücksbote Ryan scheint stärker in Bedrängnis zu sein. Ich ziehe meinen Dolch aus Alchemistensilber, den wir einst im Anwesen des Weinhändlers gefunden haben. Mutig springe ich ins Wasser und komme so hinter eine der Ratten. Leider rutscht mein Dolch harmlos ab. Aber Glücksbote Ryan spaltet kurz darauf der Ratte den Schädel, Xana tötet die andere mit einer wahren Orgie aus grünen Geschossen, die in mehreren Wellen in es einschlagen. Inzwischen ist der Schlachtenrufer in großer Bedrängnis. Er blutet aus mehreren Wunden, hat aber inzwischen die Letzte der normalen Menschenratte in Stücke gehauen. Die gehörnte Ratte löst sich nun gewandt von ihm und macht sich wohl zu einem weiteren Sturmangriff bereit. „Bei Tempus! Bleib gefälligst stehen!“ Dolon rennt ohne sich vorher zu heilen hinterher und stürmt in die gehörnte Ratte hinein. Wenn das mal nur gut geht. Finsternis!

16. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich wate durch den Kanal und eile zum Schlachtenrufer, der emsig Schlag auf Schlag seine Wunden vergilt. Aber die gehörnte Ratte zahlt es ihm mit gleicher Münze heim. Dadurch, dass die Ratte abgelenkt ist, komme ich in ihren Rücken und habe sie nun genau zwischen Dolon und mir. Ich ziele auf die Stelle, wo ich vermute, dass sich dort das Herz befinden muss. Tief ramme ich den Dolch zwischen die Schulterblätter. Schwärzliches Blut spritzt in erfreulicher Masse heraus, als ich den Dolch zurück reiße. Aber die Wunde wird augenblicklich kleiner, auch wenn sie sich nicht gänzlich schließt. Verdammnis!

Vor lauter Aufregung und Frustration vergesse ich, dass ich ein paar Zauber hätte, die mir in dieser Situation helfen könnten. So steche ich ein weiteres Mal zu, Ratte schreit gepeinigt auf, steht aber immer noch. Ist das Ding vielleicht mal zäh! Besonders da auch Lia verschiedene kleine Kugeln beschwört und sie auf die gehörnte Ratte wirft.  Inzwischen spielt Xana mit dem Schwarm, Hasch mich, aber das ist auch keine wirkliche Lösung für das Problem. Aus der ferne sind schwere Schritte zu hören, die schnell näher kommen. Kriegen diese Mistviecher etwas Verstärkung? Oder sind das die Schildwächter, die hier ihren Dienst schieben? Beides ist möglich, aber ich hoffe eher auf das letztere. Wir sind alle angeschlagen und unseren Zauberkundigen gehen so langsam die Zauber aus, ohne dabei wirklich was gegen den Schwarm ausrichten zu können. Finsterste Verdammnis!

Aber es ist Rettung, die naht. Drei Schildwächter, darunter ein Magier, nehmen sich des Schwarmes an. Der Magier macht die gleiche Geste wie für brennende Hände. „Erfrier!“, sagt er aber und eine eisige Kälte schwappt über den Schwarm. Das tut denen aber richtig weh, im Gegensatz zu Feuer. Interessant. Aber ich muss die Ratte vor mir töten. Ein weiteres Mal visiere ich eine empfindliche Stelle an, ramme den Dolch bis zum Heft in den Balg des Dings, drehe ihn und zieh dann raus. Die Ratte schwankt merklich, als Glücksbote Ryan, der sich zwischenzeitlich etwas geheilt hat, mit voller Wucht seinen Morgenstern auf den Schädel der gehörnten Ratte krachen lässt. Der Schädel wird zertrümmert, ein Horn wird abgerissen und ekliger Matsch aus Knochensplittern, Hirnmasse und Haut spritzt mir bis ins Gesicht. Iiiks!

Das war jetzt wirklich eklig. Die letzten Ratten werden durch eine weitere Eislohe vernichtet und wir haben das Schlachtfeld unter unserer Kontrolle. Wirkliche Freude kommt aber bei keinem von uns auf. Das war jetzt keine glorreiche Leistung gewesen. Erbärmlich wäre wohl der richtige Ausdruck. Das halbe Jahr Frieden hat uns nicht gut getan, mein Instinkt ist irgendwie dumpf geworden. Früher hätte ich schneller das Richtige getan. Nein, das war wirklich nur schlecht. Die Schildwächter quetschen uns aus, was wir hier zu suchen haben. Wir geben uns als Mitglieder der Kavernenwacht zu erkennen, die im Auftrag der Erbauer die Kavernen von Ungeziefer frei halten. Und dieses Ungeziefer war wirklich zäh. Ich frage den Magier, wie er das mit dem Eiszauber gemacht hat. Er erklärt mir, dass eine Möglichkeit gibt, Zauber so zu verändern, dass sie ganz anders wirken. Ja, davon habe ich gehört. Damals in der Vorlesung fand ich das etwas überflüssig, da es ja so viele Zauber gibt, die jeweils ein anderes Element repräsentieren. Aber da habe ich mich wohl geirrt. Gerade habe ich gesehen, wie sinnvoll das ist.

Beute ist leider auch keine zu machen. Für heute haben wir genug. Wir melden uns bei dem steinernen Zwerg ab und machen, dass wir hier raus kommen. Was für ein ekliger Ort. Da wir alle angeschlagen sind, klopfen wir Meister Olan aus dem Bett. Der hat zum Glück die notwendigen Zauber auf Lager, die er im Namen Moradins auf uns spricht. Ich fühle mich gleich wieder viel besser, da mein Gürtel nicht in der Lage war, die inneren Schäden zu heilen. Ebenso wenig die krankmachenden Kräfte dieser gemeinen Ratten. Und um dieses Problem müssen wir uns auch noch kümmern. Aber wenigstens haben wir eine schlüssige Ausrede, wenn wir einer Patrouille der Schildwächter dort unten begegnen sollten. Wenigstens etwas.

Wir verabschieden uns und ich eile nach Hause. Dort wechsle ich erstmal meine Kleidung. Da wird mein Hausmädchen aber gar nicht erfreut sein, die eingesaute Kleidung waschen zu dürfen. Das Kettenhemd, das ich unter der Kleidung getragen habe, reinige ich aber selbst. Meine Kleine schläft selig in meinem Schlafzimmer in ihrem Bettchen, ihren neuen Lieblingsbär in der Armbeuge. Ich küsse sie auf die Stirn und schleiche nach draußen. Ich muss unbedingt mit der Gilde der Ungesehenen Seher sprechen.

Gespielt am 9.2.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon (Kleriker Stufe 5), Kaira ( Schurke 4/ Seher 1), Lia (Ranger 2/Kriegsmager 2), Ryan (Kleriker Stufe 4), Xana (Hexenmeister Stufe 5)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:  1150für Stufe 5, 1250 für Stufe 4. Kaira 75, Ryan 25, Xana 100, Dolon 50
Überwundene Gegner
1 Schleim
1 Super fieser aufgepimpter Schwarm Ratten
3 Rylkar
1 Quäler
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 09. Mai 2008, 14:26:54
Kapitel 2
Strandparty

17. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Man sagt, dass Chondathan niemals schläft und daran ist auch was. Selbst nach Mitternacht sind noch viele Leute unterwegs und sogar noch Warenverkehr. Ich kann ins Villenviertel der Adligen schlüpfen und erreiche die Villa, wo die Gilde der Ungesehenen Seher ihr Hauptquartier hat. Karn oder Andala sind leider nicht da. Aber ich finde einen freundlichen Seher, der mir auch etwas helfen kann. Ich berichte erstmal über Idi Adanich, was wir für ihn tun sollen und wie er uns eventuell weiter helfen kann. Dann stelle ich die Fragen, die mir auf der Zunge brennen. Ein Behir scheint in der Tat eine kleine Drachenabart zu sein. Sein Odem ist ein Blitzstrahl und er selbst ist gegen diese Art von Energie immun. Nicht gut. Sein Maul soll groß genug sein, um jemanden zu verschlucken. Autsch!

Dieses Ding wird ne richtige Herausforderung werden. Dann frage ich, was man gegen so verdammte Schwärme aus diesen ultra fiesen Ratten machen kann. Er hat sogar den richtigen Zauber dafür. Der ist gerade so für mich lernbar und heißt Todesruf und soll besonders gegen Ansammlungen von vielen kleinen Gegnern besonders gut wirken. Total müde wanke ich schließlich noch nach Hause, streife mir die Stiefel von den Füßen und falle angezogen in mein Bett. Noch bevor ich es berühre, bin ich eingeschlafen.

„Mama! Aufstehen!“ Oh, was los? Viel zu früh! Ich habe wohl total verschlafen, denn meine Kleine ist schon putzmunter und hat sich schon selbst angezogen. So Sachen hat mein Töchterchen inzwischen schon drauf. Im Kindergarten des Tymora Tempels kommt Glücksbote Ryan auf mich zu, der Tyrtempel hat nach uns geschickt. Jetzt schon? Die lassen echt nichts anbrennen. Also sammeln wir unsere Leute ein und kommen nach einem Mittagessen und der notwendigen Gebetspause für Tempus an der Kathedrale an. Wir finden den Hohepriester, seine Exzellenz, Erzbischof Ulmar Jarven, Stimme der Gerechtigkeit zu Chondathan, bei einer Lesung von einer Kanzel vor ein paar wenigen Gläubigen vor. Ich arbeite mich durch die Zuhörer und knickse dann vor ihm. Er liest seinen Text noch zu Ende, klappt das Buch zu und gebietet uns, ihm zu folgen.

In einer Nische instruiert er uns, was Sache ist. Eine berüchtigte und gesuchte Giftmischerin und Paktiererin finsterer Mächte wurde von einem Jäger hier in der Nähe gesehen. Diese rothaarige Frau mit dem blumigen Namen Salia vom roten Kreis ist um die vierzig Jahre alt und hat mit finsteren Mächten einen unheiligen Pakt besiegelt. Und diese Salia sollen wir dingfest machen und sie möglichst lebendig der Kirche des Tyr überstellen. Wir bekommen für den Transport einen Käfigwagen und zwei Schildwächter mit. Wir werden uns am Westtor in einer Stunde treffen. Dolon bekommt allerdings eine andere Aufgabe zugeteilt. So was auch. Finsternis.

Ich eile also nach Hause, instruiere mein Mädchen für alles, dass sie meine Kleine vom Kindergarten abholen muss. Dann packe ich meine Ausrüstung und hole Pferdchen aus dem Mietstall ab. Mein Schätzchen ist gar nicht glücklich, als ich ihr sage, dass ich womöglich über Nacht fortbleibe. Aber ich herze sie und verspreche ihr, spätestens morgen Abend wieder da zu sein. Das stimmt sie etwas versöhnlicher.

Pünktlich bin ich am Tor und kann unsere beiden Schildwächter in Augenschein nehmen. Auf dem Kutschbock hat sich ein etwas dicklicher Mann um die dreißig bequem gemacht und spielt mit seiner Peitsche herum, er stellt sich als Julius vor. Am Wagen selber lehnt ein junger schlaksiger Kerl mit dem Namen Athos. Das sind also unsere zwei Begleiter. Sie sind nicht gerade begeistert über ihren Auftrag, aber die Schildwacht ist wohl verpflichtet der Kirche des Tyr bei solchen Sachen zu helfen. Die anderen drei treffen schließlich auch ein. Ryan hoch zu Ross, die anderen zu Fuß. Der andere Schildwächter klettert noch auf den Kutschbock, und da weder Lia noch Xana Lust haben, im Käfig zu fahren, müssen sie halt laufen.

Wir verlassen die Stadt durch das Westtor. Durch dieses Tor habe ich die Stadt zum ersten Mal betreten und wir folgen der gut ausgebauten Straße nach Norden, welche die großen Küstenstädte der Kolonien verbindet. Es ist viel los auf der Straße, der Herbst treibt die Leute an, ihre Geschäfte noch vor Einbruch des Winters unter Dach und Fach zu bringen. Wir verlassen die Straße auf der Höhe von Persund und nehmen den besseren schlammigen Feldweg, der zum Weiler Karwas führt, in dessen Nähe die Paktiererin zum letzten Mal gesehen wurde. Wir befinden uns nun auf einer hügligen Halbinsel. Als wir den letzten Hügel überqueren, sehen wir das kleine Fischerdorf Karwas, das aus etwa zwei Dutzend geduckten Katen zu bestehen scheint. Alle Menschen scheinen auf dem Dorfplatz zu sein. Um sie herum stehen vier riesige Gestalten, von denen einer gerade einen Menschen in den nahen See wirft, nachdem er ihm was aus einem großen köchelnden Topf ins Gesicht geschmiert hat. Finsternis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 12. Mai 2008, 14:11:18
17. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Halbinsel von Karwas

„Das sind Oger!“ spricht Lia aus, was wir alle denken. Wasseroger um genauer zu sein. Es gibt immer noch Stämme, die hier in der Nähe ihr Unwesen treiben. Sie sind berüchtigt für ihre Überfälle auf kleine Küstensiedlungen, wo sie alles Wertvolle an sich reißen und meist noch einige Sklaven mitnehmen. Schätze mal, dass dieser köchelnde Sud im großen Topf einem Landbewohner die Möglichkeit gibt, unter Wasser zu atmen.

„Wir sollten verschwinden“, meint Athos und wendet den Wagen.
„Das kommt nicht in Frage! Dort unten sind Menschen in Gefahr!“, antworte ich darauf, steige von Pferdchen ab und führe sie in den Wald, wo ich sie anbinde.
„Wir müssen den armen Menschen helfen!“, pflichtet mir auch Xana bei.
„Aber wir sollten bedenken, weswegen wir hier sind. Dies ist nicht unsere ursprüngliche Mission für den Tempel des selbstgerechten Tyr“, Wirft Ryan ein.
„Papperlapapp! Ich bin sicher, dass seine Exzellenz, Erzbischof Ulmar Jarven, Stimme der Gerechtigkeit zu Chondathan, es gut heißen würde, lieber die Paktierin entkommen zu lassen, als zuzulassen, dass diesen armen Menschen unerträgliches Leid geschieht. Wer wagt, gewinnt!“ Mit diesen Worten lege ich einen Pfeil auf meinen Schwarzholzkurzbogen. Die Oger haben uns inzwischen gesehen und finden es eine gute Idee, uns anzugreifen. Werden ja sehen, was sie davon haben. Ha!

Unsere Schildwächter und Ryan bilden einen kleinen Schildwald, während Xana, Lia und ich uns am Waldrand positionieren und sie mit unseren Fernwaffen beharken. Der vierte Oger, offensichtlich der Anführer, bleibt zurück und verschwindet dann einfach. Oh Nein! Ein Oger Magus, die gefürchtesten aller Oger. Hoffentlich haben wir uns da nicht übernommen. Ich kann zweimal auf sie schießen, treffe einmal, dann sind sie schon da. Ich krame eine meiner Schriftrollen hervor und lese sie ab. Dummerweise scheine ich eine der Gesten dazu nicht richtig auszuführen und der Zauber wirkt nicht. Finsternis! Glücksbote Ryan empfängt sie mit einem seiner neuen Zauber, der außer viel Krach zu machen, recht wenig Effekt zu haben scheint. Wenigstens bluten zwei Oger jetzt aus den Ohren. „Tymora! Siehe, deine mutigen Diener kämpfen um unschuldiger Menschen willen gegen Monster der Meere. Schütze uns!“, setzt er dann gleich darauf noch hinterher. Wir alle fühlen uns nun richtig gestärkt. Einer der Schildwächter geht leider schnell getroffen zu Boden. Verdammnis!

Ich versuche den widerwärtigen Oger in der Mitte mit Ryan flankiert zu bekommen, aber der geht nicht auf meine Taktik ein und kann das Monster nur ganz oberflächlich ritzen. Aber Lia spickt ihn mit Pfeilen und schließlich bricht er zusammen. Aber dann taucht der Oger Magus auf und haut nach mir. Aua! Der links Äußere meint mit Xana spielen zu müssen, die ihn mit allerlei Strahlen und Kugeln malträtiert hat. Diesmal kriege ich ihn flankiert und kann mein Rapier tief in seinen Unterleib durch das Becken treiben. Komme gerade so hin und gebe ihm so den Rest. Aber dann zischt eine Lanze aus purer Energie durch Lia und mich. Der Schmerz explodiert in einer Kaskade von Schwärze und dann ist erst mal nichts.

Ich komme zu mir, als Ryan mich heilt. Oh, mir ist ganz übel. „Alles wird gut!“ Da fühle ich mich gleich viel besser. Auch Xana ist ziemlich angeschlagen und mit einem „Alles wird gut!“ ist auch ihr geholfen. Sie hat mich mit einem ihrer Heiltränke stabilisiert, also gebe ich ihr zum Ausgleich den meinen. Auch der Schildwächter ist wieder auf den Beinen, aber der Oger Magus und einer seiner Diener konnten fliehen. Wir eilen zum Dorf, wo uns die Bevölkerung jubelnd begrüßt und erfahren dort, dass vier Bewohner ins Wasser geworfen worden sind, nachdem ihre Gesichter mit dieser Pampe beschmiert wurden. Und sie sind nicht wieder aufgetaucht. Verdammnis!

„Wir müssen sie retten!“ Ich beginne, meine Oberkleidung abzulegen.
„Aber Unterwasser sind sie uns überlegen!“, wirft Xana durchaus berechtigt ein. Lia ist da mit ihr einer Meinung und man kann ihr deutlich den Widerwillen ansehen, ein Risiko für ein paar Menschen auf sich zu nehmen. Tja, die Vorurteile über Elfen sind halt wohl in einigen Punkten nur zu wahr. Nicht, dass wir in letzter Gewissheit wissen, dass Lia wirklich unter ihrer Tarnmagie eine Elfe ist, aber alles spricht eigentlich dafür.

„Niemand hat gesagt, dass es leicht werden wird. Den Mutigen gehört die Welt“, antworte ich und Ryan pflichtet mir nur zu gerne bei. Nach etwas hin und her bekomme ich durchgesetzt, dass wir den Leuten helfen werden. Nach einem kurzen Gebet an Tymora beschmiere ich als erste mein Gesicht mit dieser eklig stinkenden Pampe. Und tatsächlich, sie erlaubt einem, unter Wasser zu atmen. Was in dieser Situation natürlich sehr praktisch ist. Ich nehme nur mein Kettenhemd aus leichtem Mithral, einen Dolch und mein Rapier mit. Dann tauche ich ein in die Welt unter Wasser. Weit sehen kann man hier nicht. Lia macht sich nützlich und findet die Stelle, wo ein fünfter Oger die Gefangenen in Empfang genommen hat. Sie zeigt auf etwas Boden, wo ich beim Besten willen nichts entdecken kann, dann in eine Richtung. Da wir nicht reden können, nicke ich und wir gehen in diese Richtung. Ob das mal gut geht? Natürlich, denn wer wagt, der gewinnt!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 14. Mai 2008, 13:16:39
17. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Halbinsel von Karwas

Es ist, als ob man gegen einen starken Wind laufen würde. Unsere Rüstungen halten uns am Boden und wir folgen einer Spur, die nur Lia zu sehen scheint. Was, wenn sie nur so tut, als ob sie eine Ahnung hätte? Was, wenn sie uns nur im Kreis herumführt? Sie war nicht gerade erpicht darauf, eine weitere Auseinandersetzung zu riskieren. Das war eigentlich niemand. Aber vier Menschen sind in tödlicher Gefahr und nur wir sind hier, um sie zu retten. Was wir tun, ist verdammt risikoreich, auch mir, die diese Rettungsmission gegen alle teilweise durchaus vernünftigen Einwände durchgesetzt hat, sind die unkalkulierbaren Risiken durchaus klar. Der Oger Magus und einer der Oger sind angeschlagen, aber einer ist noch unverletzt und wir sind in ihrem vertrauten Terrain. Und wir haben keine Möglichkeit, wirklich zu zaubern. Verdammnis!

Nach einer halben Ewigkeit unter Wasser, wahrscheinlich ist in Wirklichkeit keine Viertelstunde vergangen, spüren wir unsere Gegner auf. Die vier Gefangenen sind im Zentrum, flankiert von den beiden Ogern, der Magus schwebt über ihnen. Da wir sie sehen, sehen die uns natürlich auch. Der Magus macht mal seine Verschwindenummer, die im Wasser aber nicht so funktioniert. Der Ogermagier saust auf Glücksbote Ryan zu, der aber den Kerl gerade noch rechtzeitig entdeckt. Glück gehabt.

Wir konzentrieren uns auf den Oger Magus, denn wenn der Chef fällt, werden die anderen beiden Oger ihr Glück ganz weit weg suchen. Jedenfalls mal meine Einschätzung. Ryan nimmt die Paste vom Mund und spricht einen Zauber. Da eine Wurfscheibe aus magischer Energie um den Oger Magus herumtanzt wird auch jedem klar, was er gezaubert hat. Lia begnügt sich damit, ihn nun mit Luft zu versorgen, während wir dem Oger Magus zeigen, dass ehrlicher Stahl weh tut. Xana stellt sich da etwas geschickter als Ryan an und spickt den Anführer mit ihren grünen Geschossen. Ihr gelingt es auch, die Paste wieder auf den Mund zu kleben. Schließlich bricht der zusammen und die beiden anderen Oger orientieren sich in den offenen Raum hinter sich. Und tschüss. Wir befreien die Gefangenen von ihren Fesseln und beginnen den Weg zurück ins Dorf.

Jubelnd werden wir empfangen. Man reicht uns Decken und wir können uns abtrocknen und dann darin einmümmeln, nachdem ich die klamme Rüstung ausgezogen habe. Wir bekommen Tee und eine warme Suppe. Das war jetzt auch wirklich nötig, da das Meerwasser im Herbst nicht wirklich angenehm warm ist. Ein Myrkulpriester auf Wanderschaft bietet sogar noch seine Hilfe an und so genesen wir auch sofort von unseren Wunden. Wir müssen ein Dutzend Mal erzählen, wie wir die Oger bekämpft und die Leute gerettet haben. Und das zu erzählen macht wirklich Spaß. Schließlich gelingt es mir, den Ortsvorsteher zur Seite zu nehmen und ihn ein wenig über unsere rothaarige Freundin auszuquetschen. Er hat tatsächlich schon davon gehört, dass diese berüchtigte Giftmischerin und Paktiererin finsterer Mächte hier ihr Unwesen treiben soll. Der Jäger ist hier aus dem Dorf, aber leider nicht anwesend. Aber der Bürgermeister hat den Tipp, dass wir einfach den Bach absuchen sollen. Und er weiß von jemand zu berichten, der auch nach Salia vom roten Kreis gefragt hat. Ein Halbork mit Axt und schwarzem Schlapphut. Er hat sich bis zum Überfall sogar im Dorf aufgehalten. Als alle zusammen getrieben wurden, hat er kurz mit dem Magus geredet und der hat ihn dann einfach gehen lassen. Aha?

Als Ehrengäste bekommen wir Quartier im Haus des Bürgermeister zugewiesen, was das größte Gebäude im ganzen Weiler ist. Und sie haben zwei große Badezuber. Xana und ich wollen doch dann gleich mal ein heißes Bad, ich glaube, das haben wir verdient. Während Ryan in einer Gruppe rotwangiger Zuhörerinnen zurückbleibt, lassen wir beiden Mädcls es uns im Zuber gut gehen. Das tut vielleicht mal gut. Xana berichtet von ihren Hochzeitsplänen und fragt mich aus, wie ich damals um Jondan Reas Hand angehalten habe. Und ich rate ihr davon ab, man sieht ja, was passiert ist, der Mistkerl hat mich ja wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit einfach sitzen lassen. Wir beschließen, früh ins Bett zu gehen und morgen auf die Jagd zu gehen. Nachti!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 16. Mai 2008, 13:12:49
18. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Halbinsel von Karwas

Wir stehen früh auf und nachdem wir gefrühstückt und Glücksbote Ryan seine Gebete und ich meine Zauber neu memoriert habe, kann es losgehen. Unsere tapferen Schildwächter bleiben zurück, um das Dorf zu bewachen, falls die Oger Rache üben wollen. Na ja, hab schon bessere Ausreden gehört. Lia macht die Fährtensucherin und wir marschieren im Gänsemarsch hinter ihr her. Es ist ein schöner Herbsttag, durch die bunten Blätter scheint eine freundliche Sonne auf uns. Der Wald ist recht licht und man sieht, dass die Leute hier ihr Bau- und Feuerholz holen.

Schließlich erreichen wir den Bach. Wir folgen ihm Flussaufwärts und schließlich finden wir Schleifspuren, die vom Bach weg führen. Da wir uns keinen wirklichen Reim drauf machen können, folgen wir denen einfach mal. Nach fünfzig Schritt erreichen wir einen Friedhof. Die Grabsteine sind überwuchert und teilweise umgestürzt. Die Schrift ist lesbar, wenn auch antiquiert. Wahrscheinlich war hier früher mal ein Weiler gestanden und der überwucherte Friedhof ist das letzte Zeugnis davon. Die Schleifspuren enden hier, verursacht von einem Stein, der etwa hundert Pfund wiegen dürfte. Wer in aller Welt schiebt einen Stein aus einem Bach zu einem Friedhof? Ich kann mir keinen Reim drauf machen.

Aber aus der Ferne sind seltsame Laute zu vernehmen. Lia und ich schleichen uns in die Richtung der Geräusche. An einem Baum gelehnt schnarcht ein Ettin vor sich hin. Da es sich nicht um die Paktiererin handelt, schleichen wir vorsichtig wieder zurück. Ich sehe keinen Sinn darin, den schlafenden Riesen anzugreifen, da er weder uns was getan hat, noch wir Zeuge waren, wie er Böses getan hat. Das war wohl nix. Wir beschließen, zurück zum Bach zu laufen. Auf einmal steht ein hochgewachsener Halbork vor uns. Unter einem schwarzen Schlapphut mustern uns dunkle Augen. Auf seinem Rücken trägt er eine Axt.

„Finsternis! Jetzt bin ich euren Spuren umsonst gefolgt“, meint er etwas enttäuscht.
„Lass mich raten, du bist Kopfgeldjäger“, vermute ich.
„Falsch! Ich bin Kopfjäger.“
„Hä? Wo ist der Unterschied?“
„Ich hole mir nur die Köpfe. Ich schätze mal, ihr sucht auch Salia vom roten Kreis.“
„Das ist korrekt, im Auftrag der Kirche des Tyr.“
„Aha, von der Ecke also. Ich gebe euch einen guten Rat, steht mir bloß nicht im Weg rum.“ Dann dreht er sich um und geht.

„Was für ein finsterer Bursche.“ Xana schüttelt sich.
„In der Tat. So jemand am Morgen kann einem echt den Tag verderben“, fügt Glücksbote Ryan hinzu.
„Auf ein Neues! Aber suchen wir hier erst noch mal in der Umgebung weiter. Der Stein ergibt so einfach keinen Sinn!“ Wir teilen uns auf und tatsächlich finde ich eine Schlinge. Ich winke die anderen her.
„Die ist recht neu, vielleicht vom Jäger, wenn wir dessen Spuren folgen könnten, führen die uns vielleicht zu Salia vom roten Kreis.“ Lia macht ihre Waldläufernummer und nimmt brav die Fährte auf. Wir folgen ihr und schließlich finden wir eine kleine Hütte. Rauch steigt keiner auf, aber vor der Hütte sitzt eine rothaarige Frau um die vierzig Jahre und schnitzt. Glück gehabt. Wir tüfteln einen Plan aus, Lia und ich schleichen uns hin und schnappen sie uns, der Rest folgt uns dann.

Ich packe meinen Totschläger aus und achte darauf, dass mein Trank, der mich vor Bösem schützt, griff bereit ist. Vorsichtig husche ich von Schatten zu Schatten und komme auch recht nah an sie ran, aber auf einmal schreckt sie auf, schaut in meine Richtung und bekommt große Augen. Verdammnis! Flink springt sie auf und rennt von mir weg. Ich hinterher, Lia saust an mir vorbei. Xana folgt mit großem Abstand. Es beginnt eine wilde Jagd durch den Wald. Hier und da schlägt mir ein Zweig ins Gesicht. Autsch!

Schließlich schnappt Lia sie sich und beide kullern einen Abhang hinunter. Die beiden Frauen raufen miteinander und ich sause heran und zieh ihr eins mit dem Totschläger über die Rübe. Sie bekommt zwar eine große Beule, bleibt aber bei Bewusstsein. OK, dann gibt es eben Nachschlag. Und der sitzt richtig gut. Mit meinen magischen Handschuhen verstärke ich noch die Wucht des Schlages und das treibt sie nun in das Reich der Träume. Puh!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 19. Mai 2008, 12:53:44
18. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Halbinsel von Karwas

Das war ja jetzt gar nicht so schwer. Die Dame des Glücks lächelt halt jenen, die was riskieren. Xana packt ihr Seil aus und verschnürt die Frau zu einem Paket. Knebelt sie und verbindet ihr obendrein noch die Augen. Jetzt müssen wir sie nur noch zum Dorf und damit zum Wagen zurückschaffen. Wie gut, dass ich eine Schriftrolle mit Tensers schwebender Scheibe dabei habe. Schwupps und drauf gewuchtet. Tja, mit Magie geht alles leichter.

Glücksbote Ryan hat derweil die Hütte durchsucht und ihren Besitz konfisziert. Ich ziehe mal kurz Luvius’ Handschuhe an und schau mir die Vergangenheit an. Die Frau scheint schon lange auf der Flucht zu sein, immer wieder ist zu sehen, wie sie ihren Rucksack packt und vor Verfolgern flieht. Wir haben definitiv die Richtige und ihre Gesinnung ist wahrlich finster. Ich ziehe die Handschuhe wieder aus, küsse mein Amulett mit dem lächelnden Antlitz der Dame, führe es zu Stirn und Herz.

Wir haben etwa den halben Weg zurückgelegt, als sich unser Freund der Kopfjäger in unseren Weg stellt. „Sieh an, sieh an, die Amateure waren erfolgreich. Es wäre wahrlich zu eurem Vorteil, wenn ihr sie mir übergeben würdet.“
„So schlecht ist ihr nicht“, versuche ich zu scherzen, da niemand lacht, ist der Witz wohl fehlgeschlagen. Nun gut, dann eben ernsthaft. „Tut uns Leid, aber wir haben einen Vertrag mit der Tyr Kirche und wir sollen sie, wenn es geht lebendig abliefern.“
„Nun gut, ich will mal nicht so sein, Verträge sollte man ja einhalten. Wie wäre es mit einem Kompromiss, ich bekomme den Kopf, ihr den Rest.“ Wir blicken uns fragend an. Wir sind vier, er alleine, auch wenn er groß und stark ist. Ich nehme mal an, dass die Tyrkirche sie wahrscheinlich eh hinrichten wird, aber eben erst nach einem fairen Verfahren, das traue ich der Kirche des Gottes der Gerechtigkeit durchaus zu.

„Ihr müsst wissen, sie hat ihren Pakt gebrochen und meine Auftraggeber schätzen so was gar nicht.“
„Ihr arbeitet für Dämonen?“ Ich bekomme große Augen.
„Für Teufel, ich arbeite für Teufel“, korrigiert er mich wie ein Lehrer.
„Aha! Findet ihr das nicht etwas unfair, so vier gegen eins. Wie wäre es mit Verstärkung?“
„Ich brauche keine Verstärkung.“
„Ich meinte uns damit.“ Da lacht er.
„Nun gut, wer nicht hören will, muss sterben.“ Mit diesen Worten greift er sich mit beiden Händen an die Brust und zieht seine Haut auseinander. Örks! Darunter kommt ein gehörntes Wesen mit Rauschebart zum Vorschein. Er packt seine Axt und der Tanz kann beginnen. Schutz vor Bösem oder Schild? Schild! Ich fingere die Schriftrolle heraus und spreche den Zauber auf mich. Ein schimmerndes Feld baut sich neben mir auf. „Tymora steh uns bei in diesem Kampf!“ Das was Glücksbote Ryan da macht, scheint dem Kerl aus den Neun Höllen zu missfallen. Wütend brüllt er auf und stürmt seine Axt wild mit beiden Händen schwingend auf Glücksbote Ryan zu. Aber Dank des göttlichen Beistands prallt der Angriff zur Verblüffung aller an ihm ab. „Tymoras Gunst, die Rüstung hält.“

Ich ziehe mein Rapier und versuche in eine Position zu gelangen, wo ich ihn flankieren kann, klappt aber leider nicht. Problem ist zudem, dass Salia auf der Scheibe hinter mir her schwebt. Ein Schlag und ihr Kopf könnte ab sein. Aber unsere Sprüche haben den Kopfjäger so wütend gemacht, dass er lieber auf uns einschlägt. Lia zieht ihr magisches Schwert und flankiert ihn jetzt. Xana wirft ihm eine elektrische Kugel genau zwischen die Augen. Ryan geht etwas zurück und beschwört einen Wurfstern aus magischer Energie, welcher in einem Funkenregen vergeht, als die heilige Waffe den Teufel berührt. Holla!

Nun kann ich ihm auf Höhe der Milz mein Rapier tief hineintreiben. „Stich!“ spreche ich vorher meinen Zauber, aber meine geschärfte Waffe trifft nicht gut genug. Verdammnis! Teile der Wunde schließen sich wieder. Lia prallt an seiner Parade ab, Ryan beschwört ein weiteres Zeichen seines Glaubens, was eine kleine Wunde verursacht und nicht wieder einfach verschwindet. Xana wirft kichernd eine weitere Kugel, die ihn aber diesmal verfehlt. Der Kopfjäger schlägt nach mir und trifft mich tief. Autsch! Das tut vielleicht mal weh! Und zwar so sehr, dass ich mir verdammt wackelig auf den Beinen vorkomme. Diese Axt besteht aus mehr als nur Stahl. Verdammnis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 21. Mai 2008, 11:31:09
18. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Halbinsel von Karwas

Der Glücksbote rettet mich aus meiner Bedrängnis, indem er mich heilt, dafür aber einen Hieb mit der bösen Axt kassiert. Lia wirft erfolgreich ein Kügelchen aus klitzekleinen Blitzen und diesmal schreit der Teufel gepeinigt auf. Da er genau direkt auf sie zulaufen kann, lässt er uns einfach stehen. Da kriegt er gleich noch mal zum Abschied guten Stahl zu schmecken. Diesmal treffe ich präzise genau die Stelle, wo ich seine Milz vermute. „Leide!“ Meine Handschuhe der Zerstörung jagen weitere Energie durch die Waffe in seinen Körper und er schreit diesmal wirklich gepeinigt auf.

Spoiler (Anzeigen)


Sein Sturmangriff auf die gutaussehende Hexenmeisterin  schlägt deshalb auch kläglich fehl. Da hat er aber noch mal wirklich Glück gehabt. Ich eile ihm hinterher, diesmal geht mein Stich leider fehl, weil er sich im letzten Moment noch mal zur Seite dreht. Aber er sieht nicht mehr so siegessicher aus. Auch wenn sich Teile seiner Wunden immer wieder schließen, er hat doch einiges von seiner Geschmeidigkeit und Stärke verloren. Allerdings schlägt er noch mal erfolgreich Xana eine stark blutende Wunde, aber dann hält er erschöpft inne, greift hinter sich und holt einen abgetrennten Kopf hervor. Dann fängt der Kopf auf einmal an zu schreien. Das Geräusch klingelt einem vielleicht mal in den Ohren und geht durch Mark und Bein. Finsternis umklammert mein Herz, aber ich kann mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren und schüttle den Effekt ab. Auch die anderen scheinen davon unbeeindruckt. Tymora lächelt wahrlich den Tapferen!

So langsam sieht der Teufel seine Felle davon schwimmen, da er sichtlich irritiert scheint, über den ausbleibenden Effekt seiner Maßnahme. Mir wird nur zu schmerzlich bewusst, dass sein Ziel wie auf einem Präsentierteller vor ihm schwebt. Also bewege ich mich erstmal so von ihm weg, dass die Scheibe wieder hinter mir ist, bevor ich ihn mit den anderen ein weiteres Mal durch die Mangel drehe. Xana beschwört eine weitere Welle grüner Geschosse, die sie mit ihren Handschuhen verstärkt. Das gibt ihm den Rest, als die magische Energie das Fleisch auf höher seiner Brust aufreißt. Sein Herz explodiert in einer gelben Wolke, dann er selbst. Das einzige, was von ihm übrig bleibt, ist seine Axt, die mir vor die Füße fällt. Ich schnappe sie mir, bevor Glücksbote Ryan das tun kann.

„Ich werde diese Waffe in meine Obhut nehmen und sie identifizieren“, mit diesen Worten packe ich die Waffe in meinen Rucksack. Unsere Wunden bluten immer noch, auch nachdem Glücksbote Ryan uns noch mal mit Magie geheilt hat. Aber Druckverbände helfen wenigstens erstmal, da ist wohl heiligere Magie notwendig, als die, über die Glücksbote Ryan verfügt. Allerdings fummeln wir zu dritt keinen richtigen Druckverband bei Glücksbote Ryan zusammen. Nicht gut. Wir sollten uns beeilen, dass wir zurück in die Stadt und damit zur Kathedrale der Triade kommen. Hilfe tut Not!

„Was war das eigentlich für ein Ding?“, frage ich mal die anderen. Ryan und Lia fangen beide an wild durcheinander zu reden. Xana streckt ihren Finger nach oben und räuspert sich schließlich gehaltvoll. Aber sie bekommt nur von mir die gebührende Aufmerksamkeit, da die beiden anderen sich nur in wilden Vermutungen ergehen. Ihr süßes Köpfchen nimmt mit jedem Herzschlag eine rötere Farbe an, bis sie den Farbton meiner Haare erreicht.

„Könntet ihr zwei mal eure verdammten Mäuler halten? Danke!“ Hätte nicht gedacht, dass Xana so laut schreien kann. „Das war ein Bartteufel, man nennt sie auch Barbazu, und sie gehören zu den Teufeln. Sie sind einfache Diener, mit wenigen Kräften. In solchen Gebieten weiß ich nämlich Bescheid, ihr verdammten Amateure!“ Mit diesen an Lia und Ryan gerichteten Worte schreitet sie mit hoch erhobener Nase an mir vorbei und hat Glück, nicht gegen den nächsten Baum zu knallen. Manche Leute haben vielleicht Probleme. Ich zucke mit den Schultern und mache, dass ich weiter komme. Meine Scheibe dürfte bald den Geist aufgeben.

Wir erreichen das Dorf, wo die Leute uns schon jubelnd erwarten, da wird einen warm ums Herz. Sie wollen uns zwanzig Goldmünzen in die Hand drücken. Aber ich lehne ab und reiche dem Bürgermeister des kleinen Weilers den Beutel zurück. „Habt Dank, aber wir taten dies, um zu helfen. Ohne Hintergedanken einer Belohnung. Ich bin sicher, dies Geld dient euch selbst mehr.“ Alle meine Kameraden starren mich mit offenen Mündern an. „Was denn?“
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 23. Mai 2008, 20:08:49
18. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Halbinsel von Karwas

Winkend werden wir verabschiedet. Die Frau haben wir gefesselt und geknebelt in den Wagen gelegt und machen, dass wir zurück in die Stadt kommen. Die Rückreise verläuft ohne Probleme und dank den Schildwächtern in unserer Mitte sausen wir einfach der Warteschlange vor dem Tor entlang und fahren ohne Kontrolle in die Stadt. So schnell der Verkehr es erlaubt erreichen wir die prachtvolle Kathedrale der Triade am Thargrams Weg. Seine Eminenz Erzbischof Ulmar Jarven, Stimme der Gerechtigkeit zu Chondathan, ist höchst erfreut, dass er uns mit der Gefangenen sieht.

„Wie ich sehe, wart ihr erfolgreich. Ich hatte schon Bedenken, als ihr gestern nicht zurück kamt.“

„Wir mussten den Leuten von Karwas helfen, die von einer gar finsteren Bande von Unterwasser Ogern angegriffen wurden. Aber mit Mut und ehrlichem Stahl in starker Hand gelang es uns nicht nur, sie zu vertreiben, sondern wir folgten ihnen obendrein noch, töteten ihren Anführer und befreiten vier Verschleppte. Allerdings hatten wir dafür viele unserer Zauber aufbrauchen müssen, sodass es uns nicht ratsam erschien, sofort nach der Paktiererin zu suchen. Das taten wir heute und wir fanden sie. Aber wir gerieten daraufhin an einen Kopfjäger. Einen Bartteufel, wie Xana meint. Er sagte, dass sie sterben müsste, weil sie den Pakt nicht erfüllt hätte.“

„Sie hat ihren Pakt nicht erfüllt? Interessant, vielleicht gibt es dann noch Hoffnung für ihre Seele. Nun, eure Schuld ist hiermit beglichen.“

„Könntet ihr uns noch einen kleinen Gefallen tun, der Bartteufel hat finsterste Magie in seine unheilige Axt gewebt und unsere Wunden schließen sich trotz göttlicher Magie einfach nicht.“

„Nun, seid unbesorgt. Diener der unendlichen Gerechtigkeit von Tyr werden natürlich behandelt werden.“ Und so dauert es auch nicht lange, bis wir wieder vollständig genesen sind. Das war ja jetzt was gewesen. Wir haben es geschafft! Als wir zurück auf den Thargrams Weg gehen, kommt mir ein junger, adrett gekleideter Barde entgegen, der mich nach den Ereignissen befragt, die zur Inhaftierung der berüchtigten Giftmischerin und Paktiererin Salia vom roten Kreis geführt haben. Da läuft er bei mir offene Türen ein. Da ich selbst großen Hunger habe, verlege ich meine Erzählung in das nächste Wirtshaus und erzähle ihm die Ereignisse so nah an der Wahrheit wie möglich, ohne dass es für uns zu peinlich wird. Darauf warte ich schon die ganze Zeit, dass mich jemand nach meinen Erlebnissen befragt. Ich könnte sicherlich schon beinahe ein Buch damit füllen.

Nachdem ich die Neugier des Barden gestillt habe, eile ich zu meiner Kleinen, die ganz aus dem Häuschen ist, als ich sie vom Kindergarten abhole. Ich spaziere mit ihr ein wenig durch die Stadt und setze sie dann auf Pferdchen und mich hinter sie. Über das Nordtor verlasse ich die Stadt und lasse mal Pferdchen über die abgeernteten Felder galoppieren. Das gefällt meiner kleinen Tochter sichtlich und sie quietscht aus vollem Halse. Aber schon bald lasse ich Pferdchen in der Geschwindigkeit laufen, die sie möchte und wir traben so etwas ziellos herum. Schließlich lenke ich sie zum Kollegiat und führe sie in den Stall. Ich schnippe dem Stahlburschen einen Stahlpfennig zu, damit er sich um Pferdchen kümmert.

Der Türsteher ist mürrisch wie immer, als er mich einlässt. Manche Dinge ändern sich, andere nie. Ich verstaue die Axt in dem kleinen Schrank, der mir immer noch gehört, da ich offiziell ja Mitglied im Kollegiat bin, wenn auch nicht mehr da wohne. Ist einfach kein Ort für ein kleines Kind. Mili ist sichtlich froh, als wir gemächlich wieder nach Hause reiten. Ich halte auf der Spitze des Berges an und genieße vor dem Abstieg die Aussicht auf die Stadt, die sich unter mir ausbreitet. Gut, dass ich wieder Zuhause bin.

Gespielt am 23.2.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira ( Schurke 4/ Seher 1), Lia (Waldläufer 2/Kriegsmager 2), Ryan (Kleriker Stufe 5), Xana (Hexenmeister Stufe 5)
Schrein des Ruhmes: Schmuck des Ogermagus
Erfahrungspunkte:  1140 für Stufe 5, 1340 für Stufe 4. Kaira 75, Ryan 50, Xana 50, Lia 25
Überwundene Gegner
2 Oger
1 Oger Magus
1 Bartteufel Babazu
1 Paktiererin
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 26. Mai 2008, 13:56:23
Kapitel 3
Not Another Gather Information Check!  :lol:

19. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Früh schon gebe ich meine Kleine beim Kindergarten ab und reite dann zur Akademie. Ich benutze eines der vielen Labore, präge mir dann die notwendigen Zauber ein und säubere die Axt von Rückständen. Da ich der Sache etwas misstraue, spreche ich vorher noch ein Schutz vor Bösem, falls die Axt doch etwas mehr ist, als sie zu sein scheint. Aber meine Vorsicht erweist sich als überflüssig. Die Axt ist nur schwach verzaubert, aber nicht wirklich verflucht. Es müssen ureigene Kräfte des Bartteufels gewesen sein, welche die stark blutenden Wunden verursacht haben. Sieht so aus, als hätte Schlachtenrufer Dolon nun eine magische Axt. Da freu ich mich aber für ihn.

Also reite ich zurück in die Stadt, indem ich die nördliche Straße nehme. In der Außenstadt ist einiges los. Besonders am Tempustempel scheint gerade eine ganze Söldnerkompanie ihren Segen für den nächsten Kampf empfangen zu wollen. Sie scheinen in Westtor einen Kontrakt angenommen zu haben. Na, wenn das mal nur gut geht. Ich frage mich zu Dolon durch und erwische ihn schließlich. Glücksbote Ryan ist ganz zufällig auch da und bestürmt mich mit Fragen über die Axt. „Nein, sie ist wirklich nicht verflucht. Sie ist nur schwach verzaubert und sie schlägt auch keine ewig blutenden Wunden. Und ich finde, diese Axt ist bei Schlachtenrufer Dolon am besten aufgehoben.“ Der freut sich natürlich und wiegt die Axt prüfend in der Hand.

„Eine hervorragende Arbeit aus Westtor. Liegt gut in der Hand, der Schwerpunkt ist genau richtig für mich. Danke, Kaira!“
„Nichts zu danken, Schlachtenrufer Dolon. Möge diese Axt den Ruhm des Feindhammers mehren.“ Und den unseren dazu, füge ich in Gedanken hinzu.

Glücksbote Ryan meint, wir müssten das feiern und lädt uns zu einer Runde in die nächste Taverne ein. Schnell kommen wir auf unsere neuste Aufgabe zu sprechen. In die Pfennigfeste einzudringen wird nicht einfach werden. Ryan ist sogar der Auffassung, dass wir das nie gebacken bekommen werden. Ich sehe dagegen zwei Möglichkeiten. Die erste ist, wir kämpfen uns durch die Kavernen bis unter die Festung durch, töten den Behir, dringen ein, schnappen uns die Kugel und alles was nicht niet- und nagelfest ist und verschwinden wieder. Ist natürlich eine haarige Sache.

Als zweite Möglichkeit sehe ich die Option, wir schließen uns der Schildwacht selbst an, dienen uns schnell nach oben und deichseln die Sache von innen heraus. Dabei müssen wir dann besonders vorsichtig vorgehen und am besten eine andere Kugel mit Nystuls Aura platzieren, sodass später einfach angenommen werden wird, dass die Kugel niemals wirklich magisch war, sondern ein Schildwachtmagier einfach einem Betrug aufgesessen ist. Beide Pläne haben ihr für und wider. Aber wir haben bis jetzt einfach zu wenige Informationen, um wirklich Pläne schmieden zu können. Renya hat uns ja ein paar Namen genannt. Die sollten wir am besten erstmal befragen. Wir machen aus, dass wir uns zur Dämmerung am Brunnenhaus treffen werden.

So trennen wir uns und ich erledige einige notwendige Nachforschungen. Ich schleiche mich mal wieder ins Viertel der Adligen und zum Haus meines Ordens. Karn ist da und ich erzähle ihm die neusten Entwicklungen. Er rät mir, sehr vorsichtig zu sein, da die Klingenfeste ein stark geschützter Ort ist. Das ist mir klar, deswegen brauche ich auch jede Information, die ich bekommen kann. Und ich bekomme einige Informationen, die Klingenfeste wurde vom Talynstein Clan gebaut und zwar als Wohnort für sich selbst. Als Baumaterial nahmen sie keine Steine von hier, sondern welche aus einer anderen Ebene, denen antimagische Eigenschaften nachgesagt wurden. Allerdings hausten sie nicht allzu lange in dieser Feste und verkauften sie schließlich an die Stadt und bezogen ihre Festung auf der Insel vor der Stadt. Warum das so war, kann ich nicht herausfinden.

Die Schildwacht wurde vor einigen Jahrhunderten gegründet, als die eigentlichen Chondathanischen Einheiten wegen eines Krieges in die Heimat zurück gerufen worden waren. Die Schildwacht entwickelte sich von einem Söldnerhaufen zu einer funktionierenden Einheit, die für die Innere und Äußere Sicherheit in Chondathan und Umgebung zuständig ist. Es gibt hauptsächlich drei wirklich relevante Ränge. Ganz unten stehen die Schildwächter. Sie haben zwar mehrere Ränge untereinander, was aber mehr mit der Gehaltsklasse als mit etwas anderem zu tun hat. Über ihnen stehen die Hauptleute, die jeweils eines der fünfzehn Wachhäuser der Stadt anführen. Über den Hauptleuten stehen als höchste die Wachersten, welche jeweils fünf Hauptmänner unter sich haben. Darüber ist nur noch die Herzogin, die als theoretische Anführerin der Schildwacht gilt, aber das normale Tagesgeschäft den Wachersten überlässt. In der Festung selbst soll es noch einen erfahrenen Monstertrainer geben, der für den Behir und die ganzen anderen Viecher zuständig ist. Jetzt weiß ich schon etwas mehr.

Ich danke Karn für seine Hilfe, hole meine Kleine aus dem Kindergarten ab und geh mit ihr noch etwas spielen. Nach einem Abendessen bürste ich meinem süßen kleinen Fratz die Haare durch, bis sie glänzen und singe sie dann in den Schlaf.

Als ich im Brunnenhaus ankomme, sind Schlachtenrufer Dolon, Glücksbote Ryan und Lia schon da. Nur Xana fehlt und die fehlt auch noch nach über einer Stunde.
„Ich habe ihrer Mutter doch gesagt, dass sie sich zur Dämmerung hier einfinden soll“, rätselt Ryan über Xanas Ausbleiben.
„Was hast du ihrer Mutter eigentlich genau gesagt?“, hake ich mal nach.
„Na, dass wir uns bei einer guten Freundin treffen werden. Ich wollte ihre Mutter nicht mit Details belasten, wo sie doch so wenig von uns hält.“
„Ist ja auch kein Wunder. Aber Xana ist nun mal die Schönste von uns, aber nicht die hellste, wahrscheinlich irrt sie jetzt gerade durch die Stadt und klappert alle möglichen Adressen ab.“

Wie aufs Stichwort knallt die Türe auf und eine Xana mit hochrotem Kopf stürmt auf Glücksbote Ryan zu. „Du Idiot! Kannst du nicht Klartext reden? Wir treffen uns bei einer guten Freundin! Ich weiß doch nicht, wo Kaira wohnt und die gute Frau Erlann wollte es mir nicht sagten. Und Lia war auch nicht im Silberfisch! Nächstes Mal lässt du mir bitte mal ne vernünftige und verständliche Botschaft zurück!“ Ich blicke den verdatterten Glücksboten Ryan bezeichnend an. Er stammelt eine Entschuldigung und lässt es damit beruhen.

Wir haben von Renya ja zwei Namen bekommen. Zum ersten Schildwächter Kelan, einen für Spenden empfänglicher Veteran, der einige Zeit in der Klingenfeste Dienst hatte. Zum zweiten den zwielichtigen Helgo Bartner, der mehrmals als Insasse die Festung besucht hat. Na, dann mal los. Als erstes finden wir eine Spur von Schildwächter Kelan, müssen dabei aber einiges an Bieren spendieren und auch konsumieren. Oh, das Zeug steigt mir recht schnell zu Kopf. Ich bin soviel Bier einfach nicht gewohnt. Schon bald klammern Xana und ich uns aneinander und torkeln mehr durch die Gegend als wir laufen. Das letztendliche Gespräch zwischen Schildwächter Kelan und Glücksbote Ryan bekomme ich nur noch am Rande mit. Wir finden ihn in einer Taverne in der Nordstadt mit dem Namen zum „Müden Reiter“. Kelan hat gerade ein recht unerfreuliches Gespräch mit ein paar finsteren Gesellen mit hässlichen Tätowierungen im Gesicht, die behaupten, einer Baranischen Bruderschaft anzugehören.

Aus den Gesprächsfetzen kann ich wenigstens folgende Informationen destillieren. Normalerweise dauert es einige Jahre, bis man als erfahren genug gilt, um in der Klingenwacht Dienst tun zu dürfen. Es sind dort etwa zweihundert Mann stationiert. Da sie als taktische Reserve in Falle eines Überraschungsangriffs dienen, wohnen sie alle auch auf der Festung. Besonders die Quartiere der Hauptleute dort sollen sich sehen lassen können. Das Arsenal und die Asservatenkammer befinden sich an unterschiedlichen Orten. Die Asservatenkammer ist die ehemalige Schatzkammer des Talynstein Clans und mit guten Fallen gesichert, die erst letztens auf Befehl der Herzogin reaktiviert wurden. Zwei Wächter sind seitdem bei Unfällen mit den Fallen gestorben. Und das war auch schon alles Wissenswertes. Verdammnis!

Oh, für heute habe ich wirklich genug. Alles dreht sich und ich kann eigentlich nur albern kichern. Xana und ich torkeln so gemeinsam nach Hause, zu mir nach Hause, da Xana nicht will, dass ihre Mutter sie in diesem Zustand sieht. Leise schleichen wir uns in meine Wohnung, um Mili nicht zu wecken. Oh, was für eine Nacht.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 28. Mai 2008, 15:05:02
20. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

 „Mama! Sonne scheint schon! Aufstehen!“ Auf mir liegt im Nachthemd bekleidet mein kleiner frecher Schatz und kitzelt mich. „Mama hat Kopfaua!“ Prüfend schaut Mili mich an und meint dann „Mama keine Beule!“ Xana stöhnt laut neben mir und rollt sich dann einfach weiter zusammen. Tja, das Problem habe ich wohl selbst zu lösen. Mühsam rapple ich mich auf und versuche dann zum einen den Schwindel zu bekämpfen und zum anderen, meinen Mageninhalt zu behalten. Aber ich muss zuerst mal auf den Nachttopf. Danach geht es mir etwas besser und sich schaffe es nicht nur Mili anzuziehen, sondern auch mich. Mein faules Dienstmädchen hat heute frei, also muss ich selbst für Frühstück sorgen, was mir auch gelingt. Xana steht auch auf und bedient sich. Dann schaffe ich meine Kleine mit Xana in den Kindergarten. Auf dem Weg dorthin nehmen wir Mili links und rechts an die Hand und ziehen sie von Zeit zu Zeit hoch und lassen sie etwas durch die Luft wirbeln, was meiner Tochter sichtlich Spaß macht. Wäre mein nichtsnutziger Ehemann hier, könnte ich das jeden Tag mit ihr machen, so ist das eine einmalige Sache.

Danach gehen Xana und ich ein wenig einkaufen. Die hübsche Halbelfe hat wieder nur ein Thema, Serenius. Sie erzählt mir von ihren neusten Plänen, wie auch Ängsten, dass Serenius sie vielleicht gar nicht als Ehefrau haben will. Immerhin ist Xana ja in zweifacher Hinsicht ein Bastard, ein Halbblut, nirgendwo wirklich zuhause. Ich versuche sie zu beruhigen und beschließe bei nächster Gelegenheit mal Serenius aufzusuchen und ihn in die richtige Richtung zu stupsen. Wehe wenn nicht, dann gibt es Ärger! Verdammnis!

Nachdem Xana einige Geschenke für Serenius eingekauft hat, gehen wir in den großen Tempel von Auppenser, der Schutzgottheit von Serenius. Das Gebäude ist nur wenig kleiner als die Kathedrale der Triade. Der Hauptraum war sicherlich mal einst sehr prachtvoll, aber wie das gesamte Gebäude wirkt er nur alt und renovierungsbedürftig. Nach dem Untergang von Jhaamdath hat seine Anhängerschaft stark nachgelassen, zum einen weil die meisten Psioniker in den Fluten des Vernichtungswelle der letzten Hochelfenmagier von Nikkerymath ausgelöscht wurden, zum anderen, weil viele Auppenser die Schuld daran geben. Für was ist ein Gott denn gut, wenn er so was nicht verhindern kann?

In der großen Haupthalle steht nicht nur eine mächtige Statue von Auppenser, dem Göttervater des Jhammdathschen Pantheons, sondern auch seine Gemahlin Eldath und die seiner fünf Kinder, Murdan, Waukeen, Valigan, Lliira und Milil. Murdan und Valigan sind tot, die anderen Götter haben ihre eigenen Tempel in der Stadt. Nur ein sehr alter Priester mit einem langem weißen Bart um die Siebzig kümmert sich um uns.

„Habt ihr euch verlaufen?“, fragt er uns skeptisch, als wir zu ihm kommen.
„Nein, wir wollen hier sein“, meine ich und Xana stupst mich an, dass ich weiterrede, während sie sich eine wenig geniert. „Zum einen wollen wir ein heiliges Symbol von Auppenser erwerben, zum anderen die Konditionen für eine Hochzeitsfeier erfragen.“ Da wird der Alte doch gleich viel freundlicher. Er kennt sogar Serenius persönlich und erklärt uns die fünf Ausrichtungen der Psionik. In der Akademie habe ich das im Einführungsseminar kurz erläutert bekommen, nach fünf Minuten war das abgehandelt gewesen. Der Ausrichtung der Serenius folgt, ist die des Egoismus, dabei geht es um die Kontrolle und Verbesserung des eigenen Körpers. Das ist mit viel Askese verbunden. Xana kichert da etwas verschämt. Ich flüstere ihr ins Ohr, dass Askese nichts mit Ekstase zu tun hat, sondern eher körperliche Enthaltsamkeit verlangt. Das lässt ihr doch das Lächeln etwas gefrieren.

Wir werden in einen Nebenflügel des Tempels geführt, wo sich auf einem Teppich zwei meditierende Anhänger befinden. Im Zentrum kreisen einige Kristalle herum. Hier ist eh alles mit Kristallen verziert. Wo in der Kathedrale der Triade Blattgold vorherrscht, sind es hier eben Kristalle und Edelsteine. An der Wand sind nun in Nischenräumen die Sachen aufgehängt, die zum Verkauf angeboten werden. Die heiligen Symbole bestehen aus zwölf ringförmig angebrachten Klingen, die einen strahlenden Kranz bilden. Nicht gerade die Art Schmuck, die ich beim Sex beim Partner gern sehen würde. Aber Xana ist hin und weg und kauft die silberne Ausgabe davon. Dazu noch ein gelber Kristall, nachdem sie mich fragend ansieht, welche Farbe sie nehmen soll. Gelb, weil das die Farbe der egoistischen Ausrichtung ist, wie ich den Erklärungen des alten Priesters entnommen habe. Eine Hochzeitszeremonie würde übrigens gerade Mal eine kleine Spende von fünfzehn Goldmünzen kosten. Na, wenn das kein Schnäppchen ist?

Tja, was machen wir mit dem Rest des Tages? Badehaus! Ich schnappe mir noch mein kleines Töchterlein und rein ins nasse Vergnügen. Meine Kleine hat ihren Spaß und mit Tante Xana macht es noch viel mehr Spaß. Im tiefen Wasser stellen wir uns etwa fünf Schritt entfernt auf und lassen Mili hin und her paddeln. Schließlich ist sie richtig erschöpft und während sie in ein Badetuch gewickelt ein Mittagsschläfchen hält, lassen wir uns von einer schönen Massage verwöhnen. Ach, das Leben kann so herrlich sein.

Letztendlich geht auch dieser Tag vorbei und wir treffen uns wieder im Brunnenhaus. Jetzt beginnt die Suche nach Helgo Bartner. Ich wusste gar nicht, dass Chondathan so viele Kneipen, Tavernen, Gasthäuser, Bierstuben, Weingärten und Spelunken hat. Als wir nach langer Suche ins Brunnenhaus zurückkehren, wen finden wir da am Kamin sitzend vor? Ja, genau, Helgo Bartner! Wir spendieren ihm ein paar Biere und lenken sehr schnell das Gespräch auf seine Aufenthalte in der Pfennigfeste. Sieht so aus, als ob die Zellen der Gefangene nur über die Decke zu erreichen seien, was jede Art von Ausbruch recht einfach vereitelt. Dazu noch die zwergischen, miteinander verfugten Mauern, da kommt keiner mehr raus. Aber er berichtet uns, dass er den Geist eines gewissen Racardo dort getroffen hat, der in der Schatzkammer den Tod gefunden hat. Aha?

Wir sprechen dann gleich mal Renya auf Racardo an. Sie kann mit dem Namen was anfangen, dieser Racardo war ein gildenloser Meisterdieb, der hauptsächlich in den großen Städte der Kolonien, also Chondathan und Chancelgaunt sein Tätigkeitsfeld hatte. Die gute Frau weiß auch, wer zu seiner Bande gehört hat, Barko, das Messer, Marena, Lloyd, der Armbrustschütze, und Kordrek, der Halbling. Aber sie hat keine Ahnung, wo die sich herumtreiben. Nun ja, für heute ist es inzwischen zu spät. Xana ist genau so angeheitert wie gestern, wo es mir heute gelungen ist, mich etwas zurück zu halten. Also lasse ich sie wieder bei mir schlafen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 30. Mai 2008, 14:38:52
21. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Mein kleines Spätzchen jagt mich zu viel zu früher Stunde aus dem Bett. Wenigstens bin ich diesmal nicht betrunken ins Bett gegangen, im Gegensatz zur armen Xana, die sich wehleidig einrollt und nicht ansprechbar ist. Als ich mit meinem Töchterchen am Kindergarten ankomme, treffe ich auf einen aufgeregten Glücksboten.

„Stell dir vor! Die Baranische Bruderschaft, diese elendigen Arschlöcher, haben mich vor dem Tempel der Tymora überfallen! Solche Bastarde! Und die feigen Hunde vom Tyrannostempel haben feixend zugesehen. Stell dir das mal vor!“ Vorsichtshalber halte ich Mili die Ohren zu, bevor Glücksbote Ryan sich vollständig vergisst. „Mäßige deine Sprache, Glücksbote Ryan, unschuldige Kinder könnten dich hören“, mahne ich an. Also bringe ich Mili erstmal rein und sorge dafür, dass sie ihre kleinen Freundinnen findet. Dann spreche ich noch mal mit dem immer noch aufgeregten Glücksboten und kann nach und nach seine Fragmente in eine verständliche Geschichte umsetzen.

So wie es aussieht wurde Glücksbote Ryan von drei Mitgliedern der Baranischen Bruderschaft in die Mangel genommen. Wahrscheinlich wollten sie ihn nur ein wenig zusammenschlagen, aber Ryan hat sofort über reagiert und sich mit dem Morgenstern gewehrt, kein Wunder, dass sie danach auch ihre scharfen Waffen eingesetzt haben. Ihre Botschaft hat gelautet, dass Schildwächter Kelan behauptet hat, dass Glücksbote Ryan ihm sagenhafte dreihundert Goldschwerter schuldet und sie doch seine Schulden mit denen von Ryan aufrechnen sollen. Und aus irgendwelchen Gründen haben sie das geschluckt. Und dann sind sie zu Ryan gelaufen, haben ihm vor dem Tempel aufgelauert und ihm ihre Forderung überbracht. Ryan hat die Forderung zurück gewiesen und dann gab es wohl ein Wortgefecht, in dem laut Ryan die Schändung des Tempels angedroht wurde. Da hat er dann rot gesehen und die Waffen haben gesprochen. Schwerverletzt haben sie dann vom Glücksboten abgelassen und sind geflohen. Tja, eine schlimme Geschichte. Da müssen wir wohl was unternehmen.

Also sammeln wir die üblichen Verdächtigen ein und gehen dann zu fünft auf die Suche nach Schildwächter Kelan. Wir fragen uns durch und landen schließlich an seinem normalen Posten am Westtor. Die wissen allerdings nicht, wo der Kerl steckt, da er nicht zum Dienst erschienen ist. Ich klage dem zuständigen Hauptmann mein Leid und er schickt uns mit einem seiner Leute zur Wohnung von Kelan. Die ist verschlossen und der Schildwächter holt vom Hausbesitzer den Schlüssel. Seine Wohnung ist leer, und damit meine ich nicht, dass Kelan nicht da ist, sondern dass sie bis auf den letzten Stofffetzen leer geräumt ist. Der Vogel ist ausgeflogen und wird nicht wiederkommen. Wahrscheinlich hat er die Stadt verlassen, da gibt es drei Richtungen und natürlich den Hafen. Ich tippe mal, dass er zu Fuß weg ist. Er dürfte einen halben Tag Vorsprung haben. Ich kalkuliere im Geiste durch, wie Erfolg versprechend so eine Suche ist, wenn wir uns aufteilen. Schätze mal, dass wir ihn eher nicht finden und unsere Zeit vertun. Auch die Anderen schließen sich meiner Ansicht an.

Wir bedanken uns beim Schildwächter und beraten dann, was wir am besten unternehmen sollen. Glücksbote Ryan ist dafür, dass wir die Sache direkt mit der Bruderschaft regeln. Was wissen wir eigentlich über diesen Haufen? Schlachtenrufer Dolon weiß, dass sich das Schiff der Bruderschaft seit zwei Wochen im Hafen befindet und noch kein Mitglied der Söldnergruppe im Tempusschrein aufgetaucht ist, was eigentlich nur einen Schluss zulässt, dass sie Garagos huldigen. Da uns nichts Besseres einfällt, gehen wir zum Hafen. Das Schiff liegt am Kai und es lümmelt sich einiges an finsterem Gesindel herum. Die Bruderschaft soll aus etwa zwanzig Mann bestehen. Kaum sind wir am Schiff, kommt uns ein alter Bekannter grinsend entgegen. Blutschnitter Vaslo von Garagos.

„Sieh an, sieh an. Schlachtenrufer Dolon von Tempus.“
„Die Welt ist klein, Blutschnitter Vaslo von Garagos.“ Beide Kleriker nicken sich respektvoll zu.
„Schätze mal, hier werdet ihr keine Abweichler finden“, meint der Garagospriester und weist hinter sich.
„Ich bin nicht hier um zu missionieren. Glücksbote Ryan wurde feige von Mitgliedern der Baranischen Bruderschaft überfallen. Wir sind hier, das zu klären.“
„He, da will sich jemand über eure Methoden beschweren!“, ruft der Blutschnitter auf das Schiff hoch. Ein gewaltiger Hüne mit einem langen Speer in der Hand läuft nach unten.
„Ah, ein Schuldner will seine Schulden begleichen!“
„Falsch! Ich bin hier, weil ich von euch überfallen wurde. Ich schulde euch kein Geld und werde euch nie Geld schulden.“
„Irrtum! Ihr habt die Schulden von Kelan übernommen und ich rate euch, zahlt lieber heute die 300 Goldschwerter oder es wird ungemütlich für euch werden.“
„Das ich nicht lache! Ist es bei euch üblich, dass man einfach behaupten kann, dass man Geld schuldet? Wo ist der Schuldschein?“
„Nun, Spielschulden sind Ehrenschulden und Papierkram ist hier überflüssig. Entweder ihr zahlt heute dreihundert Goldschwerter oder wenn wir wiederkommen, zahlt ihr noch die Zinsen.“
„Ihr seid ja verrückt! Nochmal zum Mitschreiben, ich werde nicht bezahlen, da ich euch kein Geld schulde!“
„Wie wäre es, wenn ihr das mit einem kleinen Duell aus der Welt schafft?“, schlägt Blutschnitter Vaslo von Garagos Hände reibend vor.
„Ja, ein Duell, ihr könnt auch mit Blut bezahlen!“, meint der Söldnerhauptmann grinsend.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 02. Juni 2008, 15:11:06
21. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ryan hat einen hochroten Kopf und bevor jemand mäßigend eingreifen kann, erklärt er sich auch schon einverstanden. Der Kerl vor ihm ist mehr als ein Kopf größer und breit wie ein Schrank. Die nachgeformten eindrucksvollen Muskeln auf seiner Rüstung dürften bei ihm sogar mal mit dem Bild darunter übereinstimmen. Der Kerl ist ein Krieger durch und durch. Da kriegt Glücksbote Ryan nur eins aufs Dach! Verdammnis!

„Möge Garagos seinen Mann segnen!“
„Möge Tempus seinen Mann segnen!“

Und schon beginnt der Schlagabtausch. Der Anführer der Bruderschaft zeigt schnell, dass er ihm Gegensatz zu Ryan zu kämpfen versteht. Sein Speer zuckt so schnell vor, dass ich kaum mit dem Auge seine Bewegung verfolgen kann. Und schon ist Blut an der Spitze zu sehen. Ryan stolpert mehr hinterher, als dass es wirklich so aussieht, als wüsste der junge Kleriker, was er da tut.

„Möge Tymora dem Tapferen lächeln! Ryan, zeig dem Muskelberg, dass Hirn über Muskeln siegt!“, feuere ich den Glücksboten an. Aber meine Botschaft kommt nicht wirklich an. Anstatt Zauber zu benutzen, die ihm vielleicht einen Vorteil verschaffen könnten, heilt er sich nur und spielt weiter den Fleischsack. Das wird kein gutes Ende nehmen.

„Zehn Goldmünzen, dass mein Gläubiger gewinnt“, schlägt Blutschnitter Vaslo von Garagos vor.
„Zehn Goldmünzen dagegen. Glücksbote Ryan steht unter dem Segen von Tempus.“ Die beiden stellen sich nebeneinander und zählen schon mal die Münzen ab. Ich tänzle um die Kämpfer herum und bewege mich zuerst in Richtung Blutschnitter und dann zum Schiff hin, um im Notfall nachrückende Verstärkung etwas blocken zu können.

„Es ist keine Schande, seine Niederlage einzugestehen und zu zahlen, Jungchen“, meint der Söldnerhauptmann, nachdem Ryan aus einem halben Dutzend Wunden blutet und sich kaum noch auf den Beinen halten kann.

„Tymora lächelt den Tapferen!“, erklärt dickköpfig Ryan und einige Wunden schließen sich. Das kann sich ziehen. Der Söldnerhauptmann tänzelt um den jungen Priester herum und schlägt ihm eine weitere tiefe Wunde. Aber durch den Lärm der Anfeuerungsrufe kommen zwei Schildwächter angeeilt.

„Im Namen von Großfürstin Elorna Baljanar, hört sofort mit diesem illegalen Duell auf!“, befielt einer der Schildwächter und beide Kontrahenten trennen sich wirklich.
„Duelle sind hier illegal? Was für ein Unsinn. Aber wir können gerne das auf meinem Schiff weiter führen.“
„Chondathans Gesetze beziehen sich auch auf vor Anker liegende Schiffe“, meint der Schildwächter etwas säuerlich.
„Nun, dieser Mann schuldet der Bruderschaft dreihundert Goldschwerter.“
„Das ist nicht wahr! Zeigt doch den Schuldschein!“
„Nun gut, wir werden uns wiedersehen und dann werdet ihr mit Zinsen zahlen!“ Der Söldneranführer dreht sich um und geht. Mit einem säuerlichen Ausdruck zählt Schlachtenrufer Dolon Blutschnitter Vaslo von Garagos die zehn Goldmünzen in die Hand. „Wenn ihr Lust habt, könnt ihr gerne die Ausstellung im Tempustempel besuchen, dort sind einige schöne Exemplare von Rüstungen berühmter Helden zu sehen.“ Sofort vergeht dem Blutschnitter sein triumphierendes Grinsen. „Das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist noch nicht gesprochen, Schlachtenrufer Dolon von Tempus. Bis sich unsere Schwerter wieder kreuzen.“
„Bis sich unsere Schwerter wieder kreuzen, Blutschnitter Vaslo von Garagos.“ Wenigstens die beiden trennen sich friedlich. Irgendwie ist die ganze Sache nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Glücksbote Ryan ist immer noch so rot wie eine überreife Erdbeere und lässt uns einfach stehen. Heute können wir wohl nicht mehr mit ihm rechnen. War auch wirklich nicht sein Tag.

Nun gut, dann gehen wir eben alleine Nachforschen. Recht schnell kommt heraus, dass Bako das Messer letztes Jahr gestorben ist und sein Schädel nun in einem der Gewölbe des Friedhofs ruht. Marena hat sich der freien Brigade angeschlossen und tut im Außenviertel Dienst. Ein kurzes Gespräch später wissen wir, dass sie nichts weiß, aber meint, Racardo wäre vor zwei Jahren ertrunken. Aha?

Schließlich bekommen wir ein Treffen mit Kordrek dem Halbling vermittelt. Der Halbling ist ein seltsamer kleiner Kerl. Seine Zähne sind alle spitz zugefeilt. Das muss doch wehtun! Er ist der Meinung, dass Racardo der Meisterdieb untergetaucht sei. Aber er wüsste, wo er zuletzt gewohnt hat, allerdings hätte er dessen Versteck schon leer geräumt. Wir wollen trotzdem nachsehen, was uns weitere zwanzig Goldmünzen kostet. Dem Mieter erzählen wir die Wahrheit und bestechen ihn mit vier weiteren Goldmünzen. Ich finde tatsächlich zwei Geheimverstecke, die aber leer sind. Finsternis!

Als letztes bekommen wir noch raus, wo sich Lloyd der Armbrustschütze befindet. Er passt nun auf einem Bottich der Trappbrüder auf, welche Papier herstellen. Den können wir nur am nächsten Morgen aufsuchen. Nun ja, irgendwie kommt es mir so vor, als ob die Spur zu Racardo eine Sackgasse ist. Jeden Tag den wir mit einer sinnlosen Suche vergeuden, fehlt uns später für Plan B, sich der Schildwacht anzuschließen. Finsternis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 04. Juni 2008, 12:39:39
22. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Wir treffen uns zur zehnten Stunde am Tymoraschrein und brechen zur Senke auf. Das Areal der Papiermanufaktur ist umzäunt und ein stark vernarbter Halbork spielt hier Türwächter. Er führt uns zu Lloyd, der sich als nicht mehr so junger Mann entpuppt. Er ist recht einsilbig und ist der Meinung, dass Racardo tot ist, aber sein Bruder Felix würde in Westtor leben. Finsternis! Die Spur ist kalt. Aber es war ne Chance gewesen. Irgendwie bin ich frustriert.

Die ganze Herumlauferei für nichts! Wir haben zwar noch Monate Zeit, aber unsere Optionen sind endlich. Wer wagt, gewinnt. Aber so langsam kommt mir die Sache mehr als eine Nummer zu groß für uns vor. Und das ganz Schlimme daran ist, wir werden nie jemand erzählen können, was wir geleistet haben. Und was nutzt es, was zu tun, wenn die Barden nie darüber singen werden? Verdammnis!

„Nun gut, ich glaube, wir sind gerade in einer Sackgasse. Und da wir noch ein anderes Problem haben, das mit den Ratten in den Kavernen, sollten wir uns vielleicht erstmal darum kümmern. Und nebenbei können wir mal schauen, was für Viecher unter dem Adelsviertel herumlaufen. Falls wir erwischt werden, können wir ja sagen, dass wir nach den Ratten suchen.“ Die anderen haben nichts anderes vor, also auf in die Kavernen. Und diesmal werden wir die Viecher nicht unterschätzen. Ich kaufe mir noch einen handlichen Morgenstern und Xana einen Bauernstab. Außerdem habe ich den kleinen Todesschrei memoriert, das wird dem Schwarm Saures geben. So vorbereitet steigen wir in die Tiefe und nehmen Kontakt mit Sagrell auf. Er hat immer noch nicht herausgefunden, woher die Mistviecher eigentlich herkommen und wo ihr Bau ist. Das ist nicht gut.

„Ich schlage Folgendes vor, wir lassen uns von Sagrell zu der nächsten Ansammlung von diesen Mistdingern führen. Wir greifen sie an, töten alle bis auf einen, den wir scheinbar entkommen lassen. Diesem folgen wir und der führt uns zu ihrem Bau“, meine ich.

„Du glaubst wirklich, die Ratten sind so dumm?“, hinterfragt Glücksbote Ryan, der sich wieder eingekriegt hat.
„Ich weiß es nicht, aber ich würde sagen, ein Versuch ist es Wert. Wer wagt, gewinnt.“
„Wer wagt, gewinnt. Möge die Dame uns lächeln.“
„Und der Feindhammer wird uns die notwendige Stärke verleihen. Zeigen wir es dem Pack, wie Menschen zu kämpfen verstehen.“ So moralisch gestärkt und entschlossen, unsere Aufgabe zu erfüllen, lassen wir uns von Sagrell zu der nächsten Ansammlung von diesen Dingern führen. Ich spreche vorher ein Geschützt und Schild auf mich. Die Kleriker lassen ihre Muskeln wachsen und Xana schützt sich ebenfalls.

Diesmal sind es drei der großen Ratten und ein Schwarm, der wohl aus Jungtieren besteht. Als sie nah genug sind, hebt Schlachtenrufer Dolon zu einem Monolog an. „Tempus, Feindhammer, Zerschmetterer der Feigen, sieh, dein Kleriker und diese mutigen Krieger suchen den ehrenvollen Kampf. Möge dein Schutz sie stärken und unsere Feinde schwächen. Hier, jetzt und bis in alle Ewigkeit!“ Ich fühle mich gleich gestärkt, da kann ja gar nix mehr schief gehen. Ich gehe voraus und schon schwappt der Schwarm über mich und Dolon. Wir holen aus und ich schlage einige der Ratten zu Matsch, ändert aber nichts, dass sie mich schmerzhaft beißen und ich mich irgendwie komisch schwach fühle. Ich taumle aus ihnen heraus und schreie dann „Tod!“ Und siehe da, der Zauber tut ihnen wirklich weh, Dutzende der kleinen Mistviecher fangen an sich zu winden und Blut sprudelt aus ihren Körperöffnungen. Geschieht ihnen Recht. Glücksbote Ryan eilt nach vorne und nimmt die drei Ratten gebührend in Empfang. Lia lässt Pfeile in schneller Folge in die Leiber der Ratten fahren und Xana schickt Welle auf Welle grüner Geschosse in die Bälger der Ratten. Diesmal machen wir nicht so eine schlechte Figur. Mit kraftvollen Hieben zerschlagen Schlachtenrufer Dolon und ich schließlich den Schwarm.

Schließlich sterben hauptsächlich durch Pfeile und magische Geschosse zwei der Ratten. Jetzt gilt es die dritte entkommen zu lassen, ohne das sie Verdacht schöpft. Sie löst sich tatsächlich von Ryan, läuft ein paar Meter und schreit uns dann an. Die Sprache ist seltsam abgehackt, aber weder Drakonisch, Infernalisch oder eine sonst mir bekannte Sprache. Auf alle Fälle hört es sich wenig freundlich an. Aber dann passiert das wirklich Schreckliche. Auf einmal schlagen Flammen aus Mund, Nase, Ohren und auch aus den Augenhöhlen, nachdem die Äpfel verbrannt sind. Örks!

Vor unseren Augen verbrennt die große Ratte von Innen heraus. Verdammnis!
„Was war das jetzt?“, Frage ich erschüttert und blicke in ratlose Gesichter.
„Das war die Sprache des Unterreiches“, schaltet Sagrell sich ein.
„Unterreich? Und was hat das Ding gesagt?“
„Ich weiß es nicht, ich habe nur die Sprache erkannt, die Sprache unserer Feinde, der Drow und Duergar.“

Wir lecken erstmal unsere Wunden, aber Ryan hat nicht genug Zauber, um seine Schwächung auch auszugleichen. Mein Plan ist wohl fehlgeschlagen. Geht denn auch alles schief? Mir fällt erst mal nix weiter ein. Sagrell meldet uns, dass sich mehrere Gruppen zu uns in Bewegung setzten. OK, erstmal weg von hier. Ich frage, wo die Ratten zum ersten Mal aufgetaucht sind, das wäre unter der Weststadt gewesen. Aber da wir ja auch noch was anderes ausspähen wollen, gehen wir erstmal in Richtung Adelsviertel. Allerdings ist davor ein Schleim positioniert, in dem ein paar Rattenskelette schwimmen. Auch ein Griff ins Klo, da nach Aussage unseres zwergischen Freundes, alle ihm sichtbaren Zugänge so gesichert sind.

Als nächstes überprüfen wir den Zufluss zur Kanalisation. Der kleine Kobold Meppo, denn wir vor einem halben Jahr im Schatzhort gerettet haben, ist ja bekanntlich über den dortigen Wasserzufluss eingedrungen. Aber das Wasser schießt hier mit einer so hohen Geschwindigkeit hinein, dass dort nichts Lebendes durchkommen kann. Auch wieder nichts. Finsternis.

Im Westviertel finden wir schließlich eine gegrabene Kammer, die etwa drei Schritte lang und breit, aber bis auf Unrat leer ist. Was eindrucksvoll ist, dass die Ratten die Kammer durch die zwergischen Steine gegraben haben, und die haben keinen Sandstein verwendet. Es gibt weitere Nischen, in einer brennt ein Feuer. Weitere Ratten sind keine zu sehen, aber Sagrell meldet uns, dass sich eine Ansammlung von zehn Ratten zu uns hin bewegt. Wir gleichen ab, wie viel Zauberkraft noch übrig ist. Unser Offensivpotential könnte durchaus noch ausreichen, da Xana und Lia noch über mehr als die Hälfte ihrer Magie verfügen, auch ich habe erst einen Zauber verbraucht, aber unsere Kleriker haben schon viel Potential geopfert, Ryan ist immer noch geschwächt, weitere Schwächungen können sie ebenfalls nicht kurieren. Zehn gegen Fünf ist schaffbar, solange kein Schwarm in der Nähe ist. Aber doch mit einem gewissen Risiko verbunden. Wir haben weitere Erkenntnisse gewonnen, damit kann ich vielleicht was Anfangen, wenn ich in der Bibliothek meines Ordens bin. Also Rückzug, da ich im weiteren töten von Riesenratten keinen Sinn sehe. So nehmen wir den nächsten Aufstieg nach oben.

Jetzt lohnt sich ein Bad aber wirklich, auf ins nächste Badehaus. Diesmal lasse ich meine Kleine im Kindergarten und entspanne mich zuerst im Becken und dann bei einer Massage. Auch wenn mein Körper Ruhe findet, mein Geist tut das nicht. Diese komischen Ratten müssen was Besonderes sein. Ihre Koordination und dann diese Botschaft. Irgendetwas scheint sie zu steuern. Ich sage meinem Kindermädchen Bescheid, dass sie Mili vom Kindergarten abholen soll, ich werde wohl heute erst spät nach Hause kommen.

Ohne Probleme schlüpfe ich ins Adelsviertel und zu unserer Bibliothek. Schon bald werde ich fündig. Diese aufrechtgehenden Ratten nennt man Rylkar. Und sie sind ein großer Organismus, auf der untersten Stufe stehen die Schwärme aus Jungtieren, dann kommen die Krallen, die von so genannten Quälern angeführt werden, dass sind die mit den Hörnern. Und ganz an der Spitze steht eine Königin, die man Harydan nennt. Wenn ein Schwarm eine gewisse Größe überschreitet, wird eine zweite Harydan geboren, welche dann einen Teil des kompletten Schwarms übernimmt und in einen neuen Lebensbereich wandert. Im Unterreich sind dieses Viecher gefürchtet, weil sie eben wie ein Wesen kämpfen, immun gegen Feuer sind und gefährliche Krankheiten verbreiten. Ein Schwarm kann durchaus aus mehreren hundert ausgewachsenen Rylkar bestehen. Ein abgespalteter Schwarm hat immer noch etwas um die hundert Rylkar. Verdammnis!

Gespielt am 08.03.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon (Kleriker 5), Kaira ( Schurke 4/ Seher 1), Lia (Waldläufer 2/Kriegsmager 3), Ryan (Kleriker 5), Xana (Hexenmeister 5)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:  950 für Stufe 5, Dolon 75, Kaira 75, Ryan 25, Xana 50, Lia 25,
Überwundene Gegner
1 Schwarm
3 Rylkar Ratten
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 06. Juni 2008, 12:28:59
Kapitel 4
Wer anderen eine Falle stellt,…!


22. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Das sind keine guten Nachrichten, also trommle ich am Abend noch meine Leute zusammen, nachdem ich Mili aus dem Kindergarten abgeholt und sie dann zu Bett gebracht habe. Meine Kleine ist vom vielen Toben so müde, dass ich sie nicht mal in den Schlaf zu singen brauche. Ich küsse ihre Stirn und wünsche ihr eine ruhige Nacht.

Wir versammeln uns schließlich im Brunnenhaus und ich gebe meine Ergebnisse bekannt. Wir müssen diese Harydan aufspüren und vernichten, oder diese Stadt hat bald eine Rattenplage von nie gekanntem Ausmaß. Lia merkt mal wieder an, dass die wohl eher das Problem der Stadtwache ist. Wir sind aber vom Orden der Kavernenwächter und damit ist das schon unser Problem. Und in meinem Köpfchen manifestiert sich ein gewagter Plan.

„Kennt ihr die Geschichte, wie das Bogental seinen Namen bekommen hat?“ Alle gucken mich groß an. „Nun, einst in den Jahren als der stehende Stein errichtet wurde, als das Tal noch einen inzwischen längst vergessenen Namen trug, siedelten dort wagemutige Menschen. Aber sie waren in dem Tal nicht allein, denn dort herrschte der Goblinclan der Wolfsfänge, der so hieß, weil die Krieger dieses Stammes auf mächtigen Wölfen und Wargen in die Schlacht ritten. Diese Goblins setzten den Menschen schwer zu. Da kam eine Abenteurergruppe mit dem Namen die Bogner in das Tal und versprach den Menschen, ihnen im Kampf zu helfen. Da sie keinen langen Kampf mit den Goblins wollten, stellten sie diesen eine Falle. Die Bogner führten einen Angriff auf die Hauptsiedlung aus, töteten genug Goblins um die Restlichen wütend zu machen und zogen sich dann schnell zurück. Die Goblins ritten ihnen in gesamter Stärke hinterher. Die Bogner flohen in einen engen Pass, den sie vorher präpariert hatten. Als die Goblins ihnen nun dorthin gefolgt waren, lösten die Bogner eine Lawine aus und besetzten einen sehr schmalen Engpass. Die Goblins konnten nur noch nach Vorne. In diesem Flaschenhals konnten immer nur zwei Goblins gleichzeitig kämpfen und so zählte ihre Masse nicht. Von den Hängen wurden sie obendrein noch von Bogenschützen beschossen. Am Ende des Tages war kein Goblin mehr am Leben und das Tal war sicher. Zu Ehren dieser Abenteurer wurde das Tal zum Bogental. Und so was Ähnliches schwebt mir auch vor.“

„Wir haben hier aber keine Schlucht“, wirft Lia ein.
„Natürlich nicht, aber wir haben die Kanalisation. Mein Plan wäre, wir machen die Rylkar richtig wütend, indem wir uns eine ihrer Gruppen schnappen, sie töten und dabei ihre Schwarmmutter beleidigen.“
„Ja, wir nennen sie eine Hure!“, meint Xana enthusiastisch.
„Es gibt in diesem Stamm nur ein Weibchen, ich glaube nicht, dass sie die Bedeutung des Wortes überhaupt begreifen kann.“
„Och, stimmt auch wieder, dann nennen wir sie eben eine schlechte Mutter!“
„Ja, dass schon eher. Nachdem wir sie wütend gemacht haben, lassen wir uns auf eine Position zurückfallen, die wir vorher vorbereitet haben. Zum einen sollte der Gang trocken sein, da Wasser für diese Viecher kein Hindernis darstellt, zum anderen nicht zu breit, damit wir ihn leicht verteidigen können. Wir sollten Cormyrische Reiter als Barrikade aufstellen und lassen Platz, damit nur einer durch kann.“
„Wieso willst du ein Pferd da unten rein stellen?“ Xana schaut mich groß an.
„Ein cormyirscher Reiter ist eine Barrikade aus Speeren, die links und rechts über kreuz um einen Mittelbalken angebracht sind. Cormyrische Reiter wurden zum ersten Mal in Cormyr eingesetzt, um Lager oder Flanken kleiner Einheiten zu sichern“, doziert Schlachtenrufer Dolon auswendig wie aus einem Lehrbuch. Nachdem das geklärt ist, fahre ich weiter fort.
„Wir kaufen uns zusätzlich noch Murmeln und Krähenfüße, die wir in mehreren Beuteln an die Decke hängen. Mit einem Seil kann ich sie dann öffnen, so ist das Schlachtfeld gut präpariert. Zusätzlich wirken unsere Kleriker eine Stille in den Bereich, so dass diese nervenzerfetzenden Schreie uns nicht mehr behindern, welche die Rylkar ausstoßen. Mit dem Zauber Ausdauer des Ochsen können sich unsere Kleriker stärken, sodass sie mehr Treffer einstecken können.“
„Dieser Plan hört sich verwegen an, des Feindhammers würdig, auch wenn eine offene Feldschlacht sicherlich ehrenvoller und ruhmreicher wäre, aber man muss eben auch in der Lage sein, sich der Niedertracht des Feindes anpassen zu können.“

Nach diesem Gespräch begeben wir uns zu Sagrell in der Kaverne. Er hört sich meinen Plan und meint, er könnte funktionieren. Eine geeignete Stelle wären jeweils die Zugänge der Wachhäuser. Die sind trocken, etwa sechs Schritt breit, haben eine Rückzugsmöglichkeit nach oben und sind nach fünfzehn Schritten durch ein Tor blockierbar. Es würde sich der Zugang unter dem Westtor anbieten, da sich hier auch viele Ratten herum treiben. Nun gut, morgen werden wir mal dort nachfragen.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 09. Juni 2008, 13:00:46
23. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich stehe früh auf und bringe meine verbrauchten Zauber zurück in mein Gedächtnis. Zu meiner großen Überraschung muss ich gestern neue Einblicke in die Kunst gewonnen haben, denn ich kann mir auf einmal zwei Zauber mehr merken. Das ist natürlich toll! Meine Kleine ist heute Morgen besonders quirlig. Sie hat etwas, und zwar eine Überraschung! Aber die will sie mir nicht verraten, jedenfalls erst heute Abend. So was auch. Und wie spitzbübisch mein Töchterchen dabei grinst! Über beide roten Wangen. Ich gebe sie beim Kindergarten ab und will Glücksbote Ryan gleich mal mitnehmen, aber der will nicht, Tempeldienst. Ja, klar, ist wichtiger als die Sache vorzubereiten.

Gehe ich halt alleine. Ich kaufe in einem Laden mehrere Beutel mit Murmeln und Krähenfüßen. Das dürfte die Ratten etwas verlangsamen. In einer Schreinerei bestelle ich dünne, aber stabile Bretter, um die Zwischenräume in dem Gittertor zu verschließen, da die Viecher sich da ja durchdrücken könnten. Ich treffe eine überaus aufgedrehte Xana am Tor, sie war mit Serenius zusammen gewesen und hat ihm von der Sache erzählt. Wahrscheinlich hält er sie jetzt für etwas verrückt, denn so wie sie das alles erzählt, ergibt das nicht wirklich Sinn. Und sie hat vergeblich versucht, einen Sprachexperten für das Unterreich aufzutreiben. Tharador würde jemand kennen, der sich dort unten auskennt und die Sprache spricht, will aber diesen Kontakt nicht mit dieser Lappalie belasten. Dann versuche ich es eben. Ich habe da ja auch noch gewisse Kontakte.

Aber zuerst kommt Lia auch noch und zu dritt fragen wir einen der Schildwächter, ob wir seinen Hauptmann in einer wichtigen Angelegenheit sprechen könnten. Er schaut uns kritisch an, meint dann aber, dass wir ihm folgen sollen. Er führt uns geräuschvoll in eine Amtsstube und gibt so seinen Hauptmann die Möglichkeit, noch aufzuschrecken und nicht ganz so verschlafen auszusehen. Motivation sieht anders aus. Ich übernehme das Reden, mache kurz und prägnant klar, dass Rylkar sich in der Kanalisation herumtreiben und wir die zuständigen Kavernenwächter sind. Und um die Rylkar zu vernichten, wollen wir ihnen einen Hinterhalt legen, und zwar genau unter dieser Wache. Der Hauptmann sieht uns groß an. Mit diesem Blick gemustert zu werden entwickelt sich so langsam zu einem ungeliebten Dauerzustand.

„Ihr seid Abenteurer, nicht? Habt ihr wenigstens auch Männer dabei, die Waffen tragen und Kämpfen können?“, fragt mich der Hauptmann tatsächlich. Ich zähle gequält lächelnd innerlich bis drei, um nicht zu explodieren.
„Nun, wir haben noch Glücksbote Ryan von Tymora und Schlachtenrufer Dolon von Tempus in unseren Reihen. Unsere Kampfkraft steht außer Frage, da Lia eine hervorragende Bogenschützin ist, die auf dreißig Schritt einer Fliege ein Auge ausschießen kann, während Xana hier mit Arkaner Macht gesegnet ist. Ebenso wie ich auch.“ Der Hauptmann schaut mich immer noch kritisch an.
„Von Schlachtenrufer Dolon habe ich schon gehört. Ein tüchtiger Mann, aber ein Vogel macht noch keinen Frühling.“
„Xana, hier ist es kalt, mach doch mal Feuer.“ Xana schaut mich kurz irritiert an und grinst dann breit.
„Brenne!“ Mit einem beeindruckenden Flammenstrahl zündet sie das aufgestapelte Holz in dem Kamin an.
„Nun gut, ihr scheint euch ja zu wehren können. Aber heult nicht herum, wenn die Ratten euch den Hintern versohlen und glaubt ja nicht, dass wir euch zu Hilfe kommen.“
„Wenn alles klappt, wird es hier unten nur nach toten Ratten stinken.“ Das Restliche lasse ich ungesagt.

Einer der Soldaten zeigt uns den Weg nach unten und wir inspizieren unser Schlachtfeld. Der Gang ist ganz normales Segment, sechs Schritt breit, fünfzehn lang, drei hoch. Sagrell kann uns hier gut verstehen und das Gitter lässt sich von ihm steuern. Wir schauen uns kurz die Umgebung an, ein perfektes Gebiet für unser Vorhaben. Also ran ans Werk.

Zuerst laufen wir schwatzend zum Kollegiat. Xana kennt wieder nur ein Thema, Serenius. Die Sache wird so langsam wirklich ernst. Allerdings frage ich mich, ob die beiden wirklich so zueinander passen. Gegensätze ziehen sich an, meinte meine Mutter immer. Aber ob das reicht, um bis ans Lebensende glücklich zu sein? Und ich sehe es eben auch als Problem an, dass Xana eine Halbelfe ist. Nein, ich bin nicht rassistisch, aber wenn Serenius ein Greis sein wird, ist Xana immer noch eine Frau im besten Alter sein, mit Bedürfnissen, die ein so alter Mann nicht mehr erfüllen kann. Aber vielleicht sehe ich ja auch zu schwarz. Von ganzen Herzen gönne ich der hübschen braunhaarigen Halbelfe alles Glück mit ihrem geliebten Serenius.

Wieder mal muss ich an Jondan Rea denken, diesen Mistkerl! Wüsste wirklich zu gerne, wo der sich herumtreibt, wenn meine Beherrschung der arkanen Kunst mit der gleichen Geschwindigkeit steigt wie bisher, werde ich vielleicht noch in diesem Jahr einen entsprechend mächtigen Zauber lernen können. Und dann, Jondan Rea, werde ich mit dir ein Hühnchen rupfen!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 11. Juni 2008, 11:36:40
23. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Wir kommen schließlich am Kollegiat an und werden vom mürrischen Türsteher eingelassen. Wir gehen schnurstracks zu Direktor Lewarn. Der macht einen erkälteten Eindruck, meinte, es würde am kühlen Frühling liegen. Ich mache ihn vorsichtig darauf aufmerksam, dass wir inzwischen Spätsommer haben.

„Oh, wie schnell die Zeit vergeht, was kann ich für euch tun?“ Ich erzähle ihm, dass wir einen Sprachkundigen brauchen, der die Handelssprache des Unterreichs spricht. Er verweist uns an Lehrer Kessev, der mich in meiner Scholarenzeit unterrichtet hat. Wir finden ihn in seinem Arbeitszimmer, dass so gar nicht wie das eines Nekromanten aussieht, sondern eher dem eines Lehrers gleicht. Was ja eigentlich kein Wunder ist. Ich erzähle ihm von den Rylkar und unserem Plan, einen ihrer großen Trupps in eine Falle zu locken. Er erklärt sich bereit, uns ein paar überaus beleidigende Schimpfwörter aufzuschreiben. Und das kostet uns noch nicht einmal etwas. Ich erzähle ihm noch ein paar unverfängliche Dinge und verabschiede mich dann.

Xana hat die gute Idee, erstmal Essen zu gehen, was wir dann in einer Taverne im Westviertel auch machen. Auf dem Rückweg prägen wir uns die Wörter so gut wie möglich ein. Dann holen wir die bestellten und inzwischen zugeschnittenen Bretter ab. Dolon hatte die gleiche Idee mit den Brettern gehabt, sodass wir jetzt viel zu viele haben. Und er hat die Cormyrischen Reiter dabei, die er vom Tempel ausgeliehen hat. Wir schaffen das ganze Zeug nach unten und bauen erst einmal die Barrikade auf, die wir mit einer Decke tarnen. Dann halten wir Frauen Wache, während die Männer den unteren Bereich des Gittertores mit den Brettern soweit vernageln, dass kein Rylkar unserem Zorn entgehen kann. Verdammnis!

Als letztes steige ich auf Ryans Schultern und befestige oben mit Kletterhaken drei Säcke mit Murmeln und Krähenfüße. Der Hinterhalt wäre vorbereitet. Schlachtenrufer Dolon hält eine kleine aufbauende Rede, ebenso Glücksbote Ryan. Ich bete still zu Tymora küsse mein heiliges Amulett und führe es an Stirn und Herz. Möge mir die Göttin den notwendigen Mut, die Cleverness und Stärke geben, diesen Kampf zu gewinnen. Wir sind gut vorbereitet und alle Trümpfe liegen in unserer Hand. Trotzdem schlägt mein Herz viel zu schnell und die Innenflächen meiner Hände sind schweißnass. Wir spielen hier mit großem Risiko. Aber wer wagt, gewinnt!

So rücken wir geschlossen in die Kanalisation vor, Sagrell meldet uns, dass sich sehr bald eine große Ansammlung von Ratten zusammenrottet und versucht, uns einzukreisen. Sieht so aus, als ob sie uns erwartet hätten. Nun, da haben wir die Schimpfwörter wohl umsonst gelernt. Finsternis! Wir haben unser Ziel ohne große Schwierigkeit erreicht und ziehen uns so nun schnell zu unserem vorbereiteten Schlachtfeld zurück. Hinter uns die kichernden Laute der Ratten, die schnell aufschließen. Gerade so erreichen wir den Gang und sprechen unsere Zauber. Ich schütze mich durch ein Schild und erhöhe meine Widerstandskraft gegen magische Effekte. Ryan und Dolon machen sich zäher und stärker und beschwören den Segen ihrer Gottheiten auf uns. Drei Schwärme aus diesen Jungtieren, acht Krallen und eine brennende Rylkar Ratte stürmen auf uns zu. Ich hatte auf mehr gehofft, aber besser als gar nichts. Nur die Jungtierschwärme waren so nicht geplant. Und der brennende Rylkar irritiert mich doch etwas. Von so etwas stand in meinem Buch nichts.

Wie eine Welle rollen sie auf uns zu. Xana jagt kurz hintereinander zwei Schwärme ihrer grünen Geschosse in den Balg der brennenden Ratte, was ihr sichtlich zu schaffen macht, auch wenn einige der Wunden sich schließen. Ich lasse derweil zuerst zwei der drei Beutel nach unten regnen, welche aufplatzen und ihren Inhalt an Krähenfüße und Murmeln über den Boden verteilen. Nur beim dritten Beutel scheint sich was verhakt zu haben. Allerdings bremst diese Maßnahme weder die Schwärme noch die Krallen wirklich aus. Sie sind einfach zu geschickt für solch eine Falle. Dolon erschlägt eine vorwitzige Kralle, worauf sich sofort der brennende Rylkar vordrängelt. Aber bevor der irgendetwas wirklich Fieses tun kann, wird er von Schlachtenrufer Dolon und Glücksbote Ryan erschlagen, der neben ihm steht. Die Schwärme schwemmen in unsere Stellung und umspielen unsere Füße, schnappen nach uns, was ganz schön weh tut. Im Gegenzug zermatsche ich mit meinem Streitkolben ein halbes Dutzend von diesen Mistdingern. Ich versuche meinen Todesruf zu schreien, aber der Zauber entgleitet mir, weil das Gewusel doch recht ablenkend ist.

Die Rylkar überraschen uns, indem sie anfangen, an der Wand hochzuklettern und sich so an den Barrikaden vorbei zu arbeiten. Verdammnis! So war das nicht geplant! Einen kurzen Moment wallt Panik in mir hoch, aber ich beiße die Zähne zusammen und verschaffe dann meiner Frustration mit einem lauten Schrei Luft. Der Schwarm unter mir zerplatzt Regelrecht, Innereien und abgetrennte Gliedmassen verteilen sich zu einem schmierigen Matsch um mich herum. Auch der andere Schwarm ist schwer angeschlagen und wird dann durch weitere Hiebe von mir, Ryan und schließlich von Dolon  zerstört, der gleich noch mit einem Rückhandhieb eine weitere Ratte von der Wand pflückt. Aber jetzt sind die Krallen um uns herum geklettert und attackieren uns von oben. Dabei schreien sie immer das gleiche Wort: „Treme!“ Meine gute Rüstung und meine Magie halten sie ab, dann kommt der dritte Schwarm zu uns gekrabbelt. Iiiks!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 13. Juni 2008, 12:42:05
23. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Es wird überaus mühsam, diesen Schwarm zu erschlagen, da die Ratten sich als furchtbar flink erweisen, wenn ich ihre Masse hineinschlage. Dazu wird noch Xana in die Treppe zurückgedrängt und kann so keine der Krallen mehr mit ihren magischen Geschossen beschießen. Wir geraten langsam aber sicher in immer stärkere Bedrängnis. Lia ist schwer gehandicapt, da sie immer, wenn sie ihren Bogen spannt, gleichzeitig aus mehreren Richtungen attackiert wird und für jeden Treffer, den sie verursacht, selbst etwas abbekommt. Zeit, das Tor zu schließen, was Sagrall dann auch tut. Mehr Rylkar wären unser Tod! Ich heile mit einem „Alles wird gut!“ kurz Lia, die schon vor dem Umkippen steht.

Schließlich gelingt es uns, den letzten Schwarm totzuschlagen und ich wechsele auf mein Rapier, mit dem ich besser umgehen kann, als mit so einer ungeschlachteten Waffe wie einem Streitkolben. Ich eile Xana zur Hilfe, die von zwei Krallen schwer bedrängt wird. Lia geht inzwischen zu Boden und der Weg zu ihr ist von einer weiteren Kralle blockiert. Ryan versucht sich durchzuschlagen, aber diese Mistviecher sind verdammt gut darin, auszuweichen. Und sie lassen sich nicht mal flankieren. So eine dunkle Finsternis!

Aber trotzdem findet mein Rapier zielsicher den Weg durch Fell, vorbei an Knochen zu den wichtigen Organen. Die erste Ratte bricht zu meinen Füßen zusammen und dann kümmere ich mich um die letzte Ratte, die ich mit einer mächtigen Entladung meiner Handschuhe der Zerstörung zum Zerplatzen bringe. Dolon hat inzwischen alle anderen Rylkar erschlagen. Das ist der Sieg. Aber um welchen Preis? Lia kann gerade so noch von Glücksboten Ryan gerettet werden.

Xana setzt sich zitternd auf eine Stufe und ich lehne mich an die Wand. So wird das nichts. Wir waren gut vorbereitet und trotzdem war das trotz viel geringerer Anzahl von Gegnern als geplant ein Kampf auf Leben und Tod. Ich dachte, ich könnte so einen entscheidenden Schlag machen, um die Rylkar zu schwächen. Wir brauchen eine andere Taktik, um der Viecher Herr zu werden. Darüber werde ich nachdenken müssen. Vielleicht bringt uns ja dieses Wort „Treme!“ weiter. Der einzige, der jetzt noch gute Laune hat, ist Schlachtenrufer Dolon. Obwohl er schwer verwundet wurde, ist er guter Dinge und hat nichts Besseres zu tun, als dem Hauptmann des Westtores über uns das Schlachtfeld zu zeigen und die einzelnen Schritte des Gefechtes nachzustellen. Wie ein kleiner Junge, der seinem Vater erzählt, wie er beim Fellball ein Tor geschossen hat. Männer!

Nun, wir machen grob sauber, indem wir die Überreste einfach in den nächsten Abwasserkanal schieben. So, jetzt ist erst mal eine Runde baden angesagt. Ab zum Badehaus! Wir werden schräg angesehen, als wir dort auftauchen, aber wir zahlen mit Gold und lassen auch gleich noch unsere Kleidung waschen. Inzwischen ist es Zeit, um die kleine Mili abzuholen. Mein kleiner Schatz kommt mir strahlend entgegen und schwenkt ein Bild, das sie gemalt hat. Vier Strichmännchen sind darauf zu sehen. Das kleinste davon ist Mili, dann komme ich, die sie an der Hand hält. Daneben steht Glücksbote Ryan, der meine Hand hält. Sagt sie jedenfalls, als ich sie danach frage.

„Und wer ist das?“ Ich zeige auf die vierte Gestalt, die schwarz ausgemahlt ist, keine Augen hat, sondern nur einen grinsenden Mund hat.
Spoiler (Anzeigen)

„Das ist Herr Fröhlich!“
„Aha, kenne ich den?“
„Nö.“
„Und woher kennst du den?“
„Och, der besucht mich manchmal daheim.“
„Aha?“
„Hmm!“ Mili nickt eifrig.
„Und was macht der dann so?“
„Er ist immer fröhlich und erzählt mir lustige Sachen.“

Diese komische Figur erinnert mich fatal an einen Schatten. Diese Masche mit ihren unsichtbaren Freunden ist ernster als ich dachte. Sehr viel ernster. Finsternis!
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 16. Juni 2008, 12:12:52
23. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich schnappe mir Mili und eile mit ihr zum Mietstall, wo Pferdchen steht. Damit reite ich geschwind zum Kollegiat. Ohne Probleme komme ich zu Lehrer Kessev. Er freut sich, die Kleine zu sehen und auch Mili quietscht vergnügt. Ich lasse sie mit Quak Quak herumlaufen und zeige Kessev das Bild. Und ich teile ihm meine Sorge mit, dass Herr Fröhlich ein wirklicher Schatten ist. Er erzählt mir das, was er über Schatten weiß. Immer, wenn jemand mit einem Geheimnis stirbt, entsteht auf der Schattenebene ein Schatten. Sie gelten als Informationsquelle, die aber nicht sehr zuverlässig ist. Meist versuchen sie den Beschwörer in die Irre zu führen. Nur magische Waffen können ihnen wirklich was tun. Man kann sie zwar beschwören, wenn man ihren Namen kennt, oder einfach auch einen generischen, aber Herr Fröhlich dürfte kein wahrer Name sein. Manche Menschen sind in der Lage, die Schatten zu sehen, die sich im schattenhaften der realen Ebene aufhalten und können mit ihnen dann kommunizieren, so wie Mili es wohl scheinbar kann. Wirklich schützen kann man sich kaum dagegen. Einen guten Tempel können sie nicht betreten, wenigstens etwas.

Das sind keine guten Nachrichten. Kessev untersucht sie auf magische Art und nimmt ihr etwas Blut ab, um zu sehen, ob es eine Bindung gibt. Mili ist dabei sehr tapfer. Aber das muss er erst untersuchen. Ich bin ganz hibbelig. Ein Schatten hat sich an meine Tochter herangemacht. Ich dachte, ich hätte noch ein paar Jahre Zeit, bevor ich was abwimmeln muss, was etwas von ihr will. Finsternis!

Ich kaufe mir im Kollegiat noch einen Zauber, der es mir ermöglicht, meine Waffe magisch zu machen und damit einen Schatten verletzen zu können. Und beinahe hätte ich noch vergessen zu fragen, was „Treme“ bedeutet. Kessev meint, es würde sich ähnlich wie das Wort für Dieb anhören. Dieb? Hm, bis jetzt habe ich die Motive der Rylkar nicht hinterfragt, bis jetzt war ich davon ausgegangen, dass sie nach neuem Lebensraum für ihren Schwarm gesucht haben. Ob sie etwas suchen, was ihnen gestohlen wurde? Aber was soll das sein? Sie haben bis jetzt nie etwas dabei gehabt, weder Kleidung, Rüstung noch irgendetwas sonst. Darauf kann ich mir jetzt beim besten Willen keinen Reim machen.

Mit Mili reite ich zurück nach Hause, das ich mit ganz anderen Augen betrachte.
„Ist Herr Fröhlich da?“
„Nö!“, meint Mili, nachdem sie sich kurz umgeschaut hat.
„Sagst du mir, wenn du ihn siehst?“
„Hm!“ Na, dann.

Irgendwie bin ich zu hibbelig, um Ruhe zu finden. Nein, Mili wird heute hier nicht übernachten. Ich packe ein paar von ihren Sachen und schaffe sie zum Tempel. Sie guckt etwas groß, weil ich um diese Zeit noch nie mit ihr dort war. Dort finde ich Glücksbote Ryan und setze ihn ins Bild. Heute noch müssen wir das Problem beseitigen. Ich bringe meine Kleine ins Bettchen, nachdem wir noch zu Abend gegessen haben und lerne den neuen Zauber und übertrage ihn in mein Zauberbuch. Herr Fröhlich wird sich bald wundern, das ist sicher!

Leider kann ich ihn noch nicht einsetzen, aber ich trommle die anderen zusammen, Xana nimmt ihren geliebten Serenius mit und das sollte reichen, einen Schatten dahin zu prügeln, wo er meiner Mili nichts mehr tun kann.

„Probleme ohne Ende. Wir müssen die Kugel beschaffen, diese längste Nacht verhindern, was denn noch alles?“, lametiert Glücksbote Ryan auf dem Weg zu meiner Wohnung. Inzwischen ist die Sonne untergegangen, die Zeit der Schatten ist gekommen.
„Könntest du dich bitte auf die wichtigen Sachen konzentrieren, wie diesen Schatten zu verbannen?“ fahre ich ihn an. „Welt retten können wir später auch noch!“ Man muss wissen, wo man Prioritäten setzen muss. Und meine Tochter hat für mich immer die oberste Priorität.

Als ich an meiner Wohnung ankomme, höre ich ein Scheppern aus der Küche. Da mein Hausmädchen für alles ihre freien Tage hat, ihre Mutter ist angeblich ja so krank, kann sie es nicht sein. Und ich dachte immer, Schatten wären leise. Glücksbote Ryan poliert schon mal sein heiliges Symbol auf Hochglanz und stürmt dann als erster in die Küche. Aber nicht ein Schatten schaut uns drohend an, sondern Dutzende von roten Augenpaaren glühen in der Dunkelheit. Was ist nun los?
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 18. Juni 2008, 10:57:53
23. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

„Licht!“, befehle ich und wirke den Zauber auf mein heiliges Amulett. Aus der Dunkelheit schält sich ein Schwarm von diesen kleinen Rylkar Ratten heraus. Verdammnis! Wie bei den Neun Höllen haben die meine Küche gefunden? Was geht hier vor? Dann beginnen sie zu reden. Ein Chor aus viel zu hohen piepsigen Stimmen.

„Ich werde verstehen!“ Mit diesen Worten wirkt Glücksbote Ryan einen Zauber und hört konzentriert zu. „Sie sagen, dass ihnen etwas gestohlen wurde und dass sie das wieder haben möchten, oder sie werden die Stadt und seine Bewohner Stück für Stück auseinander nehmen. Aber sie sagen nicht, was ihnen gestohlen wurde, sondern wiederholen einfach immer wieder die gleichen Sätze. Leider erlaubt mein Zauber nicht, ihnen zu antworten.“

Wie auf das Stichwort kommt Leben in den Schwarm und sie wuseln in die Nische, wo sich der Abort befindet. Darin verschwinden sie wieder. Ich steh ganz verdattert in meiner Küche. „Verschwindet bloß, ihr Mistviecher. Wenn ich euch noch einmal in meiner Küche erwische, werde ich wirklich brutal werden“, schreie ich ihnen hinterher und stelle dann was Schweres darauf. Zum Glück haben sie mir nicht alles vollgeschissen, wäre ja noch mal schöner gewesen. Toll, was sich hier in diesem Haus alles herumtreibt, Schatten, Rattenschwärme, was kommt als nächstes?

Ich beruhige mich und wir versuchen den Schatten aufzustöbern, was uns aber nicht gelingt. Und nun? Ich spendiere eine von meinen Weinflaschen und wir bereden, was wir tun sollen. Einen wirklichen Plan habe ich nicht. Serenius räuspert sich lautstark. Alle schauen ihn fragend an.

„Nun, eigentlich sollte ich nicht davon reden, aber Tharador ist vor einigen Wochen eine Harydan angeboten worden.“
„Wer in aller Welt tut so was? Bei den Göttern, wer kauft so was? Warum?“
„Nun, mit der Königin kann man einen Schwarm kontrollieren und hat die perfekten Wächter, weil ja alle mit der Königin in Kontakt stehen. Eine Wache auszuschalten bringt einen Eindringling nicht weiter.“ Das stimmt natürlich.
„Wie viel würde so eine Harydan kosten?“, frage ich mal.
„Der Händler wollte zehntausend Goldmünzen haben.“
„Das ist eine Menge Holz. Aber wenigstens wissen wir, was die Rylkar hier wollen. Aber ich verstehe nur eines nicht, wenn sie ihre Harydan suchen, wer steuert sie dann? So wie ich das verstanden habe, brauchen die eine Königin. Auch haben wir diese Bruthöhlen gefunden, wer hat die dann benutzt?“ Da weiß auch keiner eine Antwort. Aber das ändert einiges. Nun gut, wir sollten vielleicht den offiziellen Kanalwächtern das mitteilen. Also nix wie hin.

Wir finden die vier Gardisten beim Würfeln in ihrer Wachstube am Rallardsplatz und versuchen sie zu informieren. „Ja, ja, wir wissen Bescheid, die suchen was, aber das ist nicht euer Problem. Lasst in Zukunft solche Mätzchen wie am Westtor. Wir haben einen wirklich großen Monsterschleim in Stellung gebracht, was das Thema von selbst erledigen wird. Und jetzt geht schlafen, Bürger, die Schildwacht und Kanalwacht haben alles im Griff. Und sollten wir euch dort unten noch mal herumlungern sehen, dann könnt ihr mal die Pfennigfeste von innen ansehen. Und jetzt raus!“

Na so was auch! Wir werden unfreundlich auf die Straße gesetzt und die Tür knallt eine Haaresbreite vor meinem Stupsnäschen ins Schloss. Kann ja wohl nicht sein. Nun gut, mit denen sind wir fertig. Aber was nun? Wir bekommen von Serenius mitgeteilt, dass der Händler mit dem Namen Graldor sich am alten Bruch aufhält. Die Priesterin im Ibrandulschrein müsste wissen, wo er genau zu finden ist. Nun gut, dass werden wir wohl morgen tun. Rechtschaffen müde wanke ich nach Hause, blicke mich vorsichtig um, ob mir noch Schatten oder Rylkarschwärme auflauern und falle dann mit griffbereiten Waffen ins Bett. Das war ein langer und blutiger Tag gewesen. Langweilig ist mein Leben zurzeit wirklich nicht. Eher das Gegenteil.

Gespielt am 22.03.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Dolon (Kleriker 5), Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 1), Lia (Waldläufer 2/Kriegsmager 3), Ryan (Kleriker 5), Xana (Hexenmeister 5)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:  1430 für Stufe 6, 1640 für Stufe 5,
Überwundene Gegner
3 Schwärme
8 Rylkar Ratten
1 brennende Ratte

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Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 25. Juni 2008, 10:14:58
Kapitel 5
Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben!

24. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Mein kleiner Schatz ist etwas säuerlich, als ich sie im Kindergarten besuche. Hat ihr gar nicht gefallen, hier übernachten zu müssen. Aber für ihre eigene Sicherheit ist mir das lieber. Inzwischen habe den Zauber auswendig gelernt, der meine Waffe magisch werden lässt. Ich hoffe, dass ich bald in der Lage sein werde, eine richtige magische Waffe zu führen. In letzter Zeit sah es ja nicht gerade rosig aus, was wir an Beute gemacht haben. Eine Nullnummer nach der anderen. Kein Wunder, dass ich langsam aber sicher pleite gehe. Verdammnis!

Ich muntere Mili etwas auf und lasse mich von Glücksbote Ryan von den gestrigen Schwächungen endgültig heilen. Da fühle ich mich doch gleich wieder wohler. Nach und nach trudeln alle ein, bis auf Dolon, der sich entschuldigen lässt, da er eine Söldnerkompanie nach Norden begleiten muss. Na prima. Dann müssen die Wagemutigen wohl auf ihren stärksten Kämpfer verzichten. Wir besprechen eine grobe Strategie und machen uns dann gemeinsam auf zum alten Bruch. Es ist ein schöner sonniger Tag und Xana plappert die ganze Zeit über Serenius, ihre Planung für Serenius Geburtstagsfeier und für die Hochzeit. So was will gut durchdacht sein. Schließlich erreichen wir den kleinen Ibrandulschrein. Eine alte Priesterin kniet vor dem Altar und nimmt uns erst wahr, als ich mich leise räuspere.

Sie begrüßt uns freundlich und wir kommen nach ein paar Floskeln zum Kern unseres Anliegens. Sie kennt in der Tat den Händler Graldor, bei dem es sich um einen Dunkelzwerg handelt, der seine Privatsphäre liebt. Normalerweise tritt er an seine Kunden heran und nicht umgekehrt. Aber nach etwas hin und her und den obligatorischen Warnungen vorsichtig zu sein, beschreibt sie den Weg zu seinem Stollen.

Es ist nicht weit von hier, aber der Aufstieg ist steil und doch etwas anstrengend. Schließlich stehen wir vor dem Stolleneingang und spähen hinein. Kein Wächter zu sehen. Wir überdenken noch einmal unsere Strategie und beschließen, den Dunkelzwerg direkt auf das Problem mit den Rylkar und der Harydan anzusprechen. Ich finde kurz hinter dem Eingang eine Alarmfalle, die wir bewusst auslösen und uns rufend weiter in den Stollen hinein bewegen. Ich belege mein Amulett mit einem Lichtzauber und wir können so gut sehen. Nach etwa sechzig Schritt hören wir komische Geräusche aus einem anderen Stollen, der hier hinein führt. Auch sehen wir direkt vor uns, wie der Stollen sich in einen Raum weitet und zwei unbewegliche gerüstete Zwerge ein steinernes Portal bewachen.

Die komischen Geräusche hören auf und stampfende Schritte kommen auf uns zu. Ein paar Herzschläge später zwängt sich ein riesiges Wesen aus dem Stollen. Es ist etwa drei Schritt hoch, hat einen flachen Kopf mit vier Augen und ein mit mandibelartigen Zangen bewehrtes Maul. Sein Körperbau ist grob humanoid. Ich habe von diesen Viechern schon gehört, das muss ein Erdkoloss sein. Finsternis!

„Wir möchten Graldor in einer wichtigen Angelegenheit sprechen“, sage ich und zeige meine leeren Hände. Das Ding mustert mich aus vier Augen, sagt etwas in einer Sprache, die ich nicht kenne und dreht sich einfach um und geht zurück in den Stollen. Einen kurzen Moment hören wir eine Stimme in den Raum schallen.

„Ihr wollt also reden? Nun gut, Schwört bei den heiligen Gesetzen der Gastfreundschaft, dass ihr keinen Kampf wollt.“ Das tun wir dann auch und das ist ja auch die Wahrheit. Rumpelnd geht die Tür auf und eine gedrungene Gestalt in einer dunklen Rüstung marschiert heraus. Ein schwarzer Bart quillt aus dem Helm heraus und eigentlich ist kaum was von dem Träger zu erkennen. „Ich bin Meister Graldor, was führt euch her?“

„Nun, um ohne Umschweife zum Punkt zu kommen, wir wissen, dass ihr eine Harydan in euren Besitzt habt und wollten fragen, ob ihr sie uns geben könntet.“
„Warum sollte ich so etwas Dummes tun?“
„Nun, die Harydan ist die Anführerin eines Rylkarschwarmes, der die Stadt hier bedroht. Es könnte viele Tote und Verletzte unter den Bürgern der Stadt geben, wenn die Rylkar nicht das bekommen, was sie wollen.“
„Aha, diese Viecher sind ja richtig stur. Dabei habe ich doch so gut meine Spuren verwischt. Nun ja, die wollen wohl ihre zweite Königin zurück haben. Wenn ihr zwanzigtausend Goldmünzen bezahlt, könnt ihr sie haben.“
„Zwanzigtausend?“, keuche ich überrascht.
„In der Tat. Andere Leute sind bereit, diese Summe zu bezahlen. Aber wenn ihr sofort bezahlt, könnte ich sie auch euch verkaufen. Um die Stadt zu retten.“ Das letzte klingt nicht sehr aufrichtig.
„Nun, wir haben leider keine zwanzigtausend Goldmünzen.“
„Damit ist dann das Gespräch beendet.“
„Wartet noch, was sind das für Gestalten.“ Glücksbote Ryan zeigt auf die Statuen, die sich inzwischen links und rechts neben Graldor aufgebaut haben. Es scheint sich um Dunkelzwerge zu handeln, aber da sie große Löcher im Schädel haben, können sie nicht mehr Leben.
„Das sind Laduguers Kinder. Sie haben im Leben gut gedient, nun dürfen sie im Namen Laduguers weiter arbeiten.“
„Laduguer?“
„Laduguer ist meine Schutzgottheit, die mich lehrte, dass das Leben aus harter Arbeit besteht und nur der Tüchtige es verdient, zu leben.“

24. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Aha! Wir verabschieden uns und ich versuche noch einen Blick in den Bereich zu erhaschen, wohin der Zwerg wieder verschwindet. Dahinter ist ein Raum zu sehen, von dem drei weitere Türen abzugehen scheinen. Vorsichtig ziehen wir uns zurück und erst als wir draußen sind, atmen wir wieder auf.

Auf dem Rückweg zur Stadt gehen wir unsere Optionen durch. Letztendlich bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als dieses Problem gewaltsam zu lösen. Der Erdkoloss macht mir am meisten Sorgen, da ich schlimme Geschichten über sie gehört habe. Aber es wäre interessant zu wissen, ob diese Geschichten überhaupt stimmen. Da werde ich wohl in der Bibliothek der Ungesehenen Seher nachschauen müssen. Gut vorbereitet werden wir wohl den Kampf überstehen, aber was dann? Wie verständigen wir uns mit der Harydan und wie stellen wir sicher, dass sie und ihr Volk sich dann verziehen?

Als erster Schritt müssen wir da verhandeln. Und da fangen schon die Probleme an. Xana merkt an, dass es so genannte Sprachperlen gibt, und ich meine, da gibt es auch einen Zauber, der es einen erlaubt, mit fremder Sprache reden zu können. Eine Schriftrolle würde ich auf alle Fälle im Notfall besorgen können. Aber so ne Perle wäre natürlich praktischer. Kann man mehrmals verwenden, im Gegensatz zu einer Rolle. Also trennen wir uns, um etwas nachzuforschen und nach Sprachperlen für die Sprache des Unterreichs zu forschen. Wir machen aus, dass wir uns etwa zur fünften Stunde beim Brunnenhaus treffen werden.

Ich schlage den Weg ins Adelsviertel ein und komme ungesehen an den Wachen vorbei. Eine gute Übung. In der Bibliothek der Ungesehenen Seher finde ich in der Tat einiges über diese Erdkolosse. Sie stammen ursprünglich aus der Ebene der Erde, sind aber inzwischen auch auf der normalen Ebene heimisch geworden. Oft werden sie von finsteren Völkern versklavt und zu schweren Erdarbeiten oder für Kämpfe eingesetzt. Ihre Haut gilt als sehr hart. Sie sind sehr kräftig und können einem ziemlich wehtun. Als ob das nicht schon reichen würde, können sie einen wie die kleinen Rylkarschwärme in Verwirrung stürzen. Und das für einen recht langen Zeitraum. Das ist nicht gut. Über Dunkelzwerge erfahre ich kaum was, leben im Unterreich, sind mit den anderen Zwergen verfeindet, mehr ist da nicht heraus zu finden. Bei der Gelegenheit lese ich auch noch mal alles über Schatten nach, wenn sie denn was darüber da hätten. Finsternis!

Aber sie hätten eine Sprachperle auf Lager, die ich für nette 600 Goldmünzen kaufen könnte. Glück gehabt! So gehe ich um einiges Wissen reicher erstmal zum Tymora Schrein und halte ein inniges Gebet an die Göttin und bitte sie, meinen kleinen Schatz vor bösen Einflüssen zu schützen. Mili ist doch noch so klein! Mili ist gar nicht erfreut, als ich ihr eröffne, dass sie noch eine weitere Nacht bei Tante Thalia im Tempel verbringen muss. Sie fängt an zu weinen. Ich tröste sie so gut ich kann und versuche ihr zu erklären, warum sie heute nicht nach Hause kann. Neben dem Schatten wären da noch gewisse Rylkar, die jederzeit auftauchen könnten. Ne, solange nicht wenigstens das Rylkar Problem vom Tisch ist, bleibt sie besser mal hier.

Im Brunnenhaus stellt sich heraus, dass die anderen mehr oder weniger erfolglos waren. Lia und Xana haben getrennt alle einschlägigen Läden der Stadt durchsucht und nur festgestellt, dass jeweils eine andere Frau ebenfalls danach sucht. Glücksbote Ryan hat sich etwas über Laduguer kundig gemacht. Die untoten Zwerge scheinen wohl nichts weiter als Zombies zu sein. Aufgrund dieser Informationen entwerfen wir einen Plan, wie wir am besten vorgehen und sprechen ab, welche Zauber da wohl am Nützlichsten sein werden. Lia erklärt sich bereit, die Perle für sechshundert Goldmünzen zu kaufen. Das ging ja recht flott. Zurück im Tymoraschrein singe ich meine immer noch eingeschnappte Miliandra in den Schlaf. Träum was Süßes!

Dann geht es zurück zum Adelsviertel und meiner Gilde. Ich lege die sechshundert Goldmünzen auf den Tisch und bekomme die Sprachperle. Dann eile ich wieder nach Hause. Meine Wohnung erscheint mir so leer ohne meine Tochter. Rylkar oder Schatten lassen sich wieder mal nicht blicken. Nun gut, auf die Rylkar kann ich verzichten, aber Herrn Fröhlich hätte ich mir doch zu gerne vorgeknöpft. So ein verdammter Schatten! Wenn ich den erwische, kann der vielleicht mal was erleben! Da hat er sich an das falsche kleine Mädchen herangemacht. In mir ist eine Wut, ich könnte platzen! Mit finsteren Gedanken bette ich mich schließlich zur Ruhe.

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Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 02. Juli 2008, 11:14:22
25. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Diese Nacht verläuft ruhig, weder Rylkar noch Schatten suchen mich heim. Die Wohnung ist so still ohne meinen kleinen Wirbelwind, der seine kleine Ente hinter sich herziehend durch die Zimmer läuft. Hoffentlich beenden wir heute das Rylkarproblem. Ich präge mir die notwendigen Zauber ein und laufe dann zum Tymoratempel. Ich muntere meinen Spatz etwas auf, indem ich mit ihr was Feines in einer Taverne frühstücke. Glücksbote Ryan sieht gar nicht glücklich aus.

„Meine Tempelvorsteherin hatte eine Vision. Mir droht Gefahr von einem blauen Ritter. Sagt euch das etwas?“
„Blauer Ritter? Ich habe mal die Ballade vom Blauen Ritter gehört, mein Mann hat sie öfters vorgetragen. Aber dieser blaue Ritter ist schon seit Jahrhunderten tot. Einige Söldnerkompanien tragen blaue Wappenröcke, aber schätze mal, die haben damit nichts zu tun.“

Auch die anderen können mit einem blauen Ritter nichts anfangen. Ich verabschiede mich von meiner Kleinen und drücke sie ganz fest an mich. Hoffentlich sieht sie mich heute nicht zu letzten Mal. Wir sprechen auf dem Hinweg mehrmals durch, wie wir uns verhalten werden. Hoffentlich geht alles gut. Dieser Erdkoloss macht mir Angst! Vor dem Höhleneingang spreche ich ein inniges Gebet an Tymora, küsse mein heiliges Symbol und führe es an Stirn und Herz. So schleichen wir uns im Licht von Ryans heiligen Symbol in den Schacht. Ich deaktiviere die Alarmfalle, indem ich mit einem metallenen Stäbchen etwas an der Seite des Bereichs kratze und so die Magie harmlos abfließen lasse. Wir dringen leise weiter vor, bis wir etwa dreißig Schritt vom Erdkoloss entfernt sind. Dann rattert Ryan mehrere Zauber herunter, darunter auch einen der mich zäher und stärker macht. Ich sorge dafür, dass ich mich mit einem Schild schütze und meine Waffe magisch wird. Das sollte reichen.

Leise arbeiten wir uns nun weiter bis zur Abzweigung vor. Ich wedle noch mit dem kleinen Puppenumhang herum und spreche leise die Formel „Geschütz ich bin“. Leider scheint das der Erdkoloss zu hören, denn die Grabgeräusche hören auf. „Angriff!“ Mit fliegenden Fingern lege ich einen Pfeil auf und laufe ein paar Schritt in den Stollen hinein. Mächtig ragt der Koloss vor mir auf. Ich suche mir einen Punkt zwischen zwei der Panzerplatten aus, ziele gut und treffe perfekt. Der Pfeil verschwindet fast bis zur Fiederung in der Wunde. Das tut dem Koloss sichtlich weh. Lia bewegt sich an meine Seite und feuert ebenfalls erfolgreich einen Pfeil ab.

„Tymora! Lächle diesen tapferen Recken!“ Ein wahres Glücksgefühl durchfließt mich. „Beeilt euch!“, ruft Xana und meine Muskeln zucken vor Bewegungsdrang. Dann kommt der Erdkoloss auf mich zugewalzt. Riesig ragt er über mich auf und holt mit einer seiner langen Pranken aus. Verzweifelt reiße ich mein Schild hoch, aber der Aufprall fährt mir durch Mark und Bein. Na warte! Irgendetwas tastet nach meinem Geist, aber ich bin viel zu wütend, als dass mich so was aufhalten könnte. Ich husche zwischen seinen dicken Beine hindurch, komme hinter ihm hoch, lasse den Bogen fallen und reiße mein Rapier heraus, um es ihm von hinten in eine Spalte seiner Rüstung zu drücken. Wütend brüllt er auf. Lia geht zwei Schritte zurück und schießt einen weiteren Pfeil ab. Glücksbote Ryan rückt nach vorne und haut dem Koloss seinen Morgenstern auf das Knie. Xana eilt herbei und feuert zwei Feuerstrahlen auf das Wesen aus der Erdebene ab. Qualmend bricht er zusammen. Das war es dann wohl! Sieg für die Wagemutigen!

Derweil walzen die beiden Wächterzombies auf uns zu. Ryan reißt sein heiliges Symbol hoch. „Im Namen Tymoras! Zurück in eure Gräber!“ Gleißendes Licht schießt aus seinem Symbol und beide Zwerge drehen sich um. Der Rest ist Routine. Lia und Xana beharken die Zombies mit ihren Zaubern, bis diese nun endgültig tot zusammen brechen. War ja jetzt gar nicht so schwer. Allerdings lässt sich Graldor der Dunkelzwerg immer noch nicht blicken. Also müssen wir wohl rein kommen. Es dauert eine Weile, bis das gut getarnte Schlüsselloch entdeckt ist.

Natürlich ist eine Falle dran gekoppelt und wie üblich löse ich diese zwergische Qualitätsarbeit auch gleich mal aus. Aber ich rutsch weg und der Blitzstrahl erwischt mich voll. Ich kann von Glück reden, dass nur ich durchgeschüttelt werde. Mit einem „Alles wird gut!“ heile ich mich selbst, als Ryan herum lamentiert, dass ihm bald die Zauber ausgehen, weil er mich mal ausnahmsweise gebufft hat. Der Kerl hat vielleicht manchmal Probleme.

25. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Aber wenigstens kriege ich nun das Schloss nach einer halben Ewigkeit des Rumfummelns auf und wir haben den kleinen Flur vor uns. Aus der Decke ragen einige Dutzend Speerspitzen und in einer Wandnische laufen Ketten entlang. Ich kann einige Trittplatten ausmachen, die wohl diese offensichtliche Falle auslösen. Ich wende mich als erstes der Türe gegenüber zu. Da wird es wohl weitergehen. Die anderen folgen mir vorsichtig. Ich deaktiviere die am Schlüsselloch befindliche Falle und knacke dann das Schloss. Aber ich muss irgendetwas übersehen haben, denn die Tür verriegelt wieder und der Mechanismus setzt sich in Gang. Finsternis!

Von oben sausen nun die Speere auf uns herab und werden wieder hochgezogen. Ich werde nur einmal getroffen, aber den anderen gelingt es nicht so gut, den Speeren auszuweichen. Aber mit meinem zweiten Versuch stoppe ich die Falle und die Tür öffnet sich endlich ganz. Hier befindet sich ein spartanisch eingerichteter Raum mit einem Bett, vier hölzernen Truhen, zwei stählernen Truhen und ein Arbeitstisch, auf dem Werkzeug zur Edelsteinbearbeitung, einige Edelsteine und Bücher über Edelsteinbearbeitung liegen. Die zwölf Edelsteine schätze ich mal auf einem Gesamtwert von etwa vierhundert Goldmünzen. Das ist schon mal ein guter Anfang.

Also wende ich mich der nächsten Kiste zu. Natürlich ist die mit einer Falle gesichert, die ich beim Entschärfen auch auslöse. Aua! Da ist was Giftiges an der Klinge dran gewesen, denn ich fühle mich gleich danach viel anfälliger als vorher. Ich finde sechs Tränke mit einer Beschriftung, die Heilung bedeuten könnte, bin mir aber nicht wirklich sicher. Die nächste Kiste ist wieder mit einer Falle gesichert, aber die kann ich gerade noch rechtzeitig entschärfen. Allerdings enthält sie nur etwas Zeug zum Waffenpflegen. Aber so leicht täuscht man mich nicht. Und tatsächlich finde ich einen Doppelten Boden und zweihundert Goldene Freunde wandern in meinen Beutel. Die restlichen Kisten sind nur wenig gesichert und enthalten nichts wirklich Wertvolles.

Als nächste nehme ich mir die linke Türe vor. Aber vorher schlagen wir die Speere von der Decke. Denn ich löse gleich wieder die Falle beim Entschärfen aus. Verdammt! Aber schließlich klappt es doch und dahinter befindet sich ein kleiner Schrein für Laduguer. Links und rechts befinden sich je drei leere Alkoven, am Ende ein Sockel mit der Statue des Gottes, davor ein mit einem Schloss verschlossenes im Boden eingelassenes Gitter. Da ich mit Schreinen böser Zwergengötter ja schon einige höchst schlechte Erfahrungen gemacht habe, lasse ich von weiteren Untersuchungen erstmal ab.

Dann bleibt nur noch eine Türe übrig, die ich schließlich auch geöffnet bekomme. Eine Treppe führt nach unten. Das Rauschen von Wasser ist zu hören. Ich untersuche Stufe für Stufe, kann aber keine weiteren Fallen entdecken. Die Treppe mündet in einem recht großen natürlichen Raum, durch den ein kleiner Fluss mit hoher Geschwindigkeit rauscht. Es gibt sogar eine kleine Insel, auf der ebenfalls eine Statue von Laduguer vor vier steinernen Kästen aufragt. Verbunden ist sie mit einer etwa einen Schritt breiten Brücke. Am Ufer schwebt ein blauer Kristall, aus dem ein Strahl auf die größte Ratte schießt, die ich je gesehen habe. Sie ist etwa um die vier Schritt lang und überragt mich um einiges. Ihre Augen sind ausgekratzt worden und sie verharrt vollständig bewegungslos wie in Stasis.

Und Graldor befindet sich ebenfalls hier. Er ist in seiner schwarzen Rüstung gehüllt und mustert uns grimmig. „Sieht so aus, als ob ich eine bessere Falle bräuchte, was das wieder kostet.“
„Gibt es eine Möglichkeit, dass du uns die Harydan freiwillig zur Rettung unschuldigen Leben gibst?“, fragt der Glücksbote, ganz Diplomat, ein letztes mal.
„Der Preis ist immer noch zwanzigtausend Goldschwerter. Hat sich seit letztem Mal nicht geändert.“
„Dann muss es wohl mit Gewalt sein.“
„Laduguer schützt die Arbeitsamen!“
„Und Tymora lächelt denen, welche was riskieren.“
„Glück bringt euch nicht weiter, lasst mich mit eurer schwächlichen Göttin in Frieden und sterbt durch meine Axt. Ehrlicher Stahl!“
„Ehrlicher Stahl!“

Aber der Herr Dunkelzwerg denkt nicht daran, wirklich fair zu spielen, denn auf einmal wird er so groß wie ein Riese! Da kriege ich große Augen. Ich trete näher heran und lege einen Pfeil auf meinen Bogen. Ich visiere einen schwachen Punkt in seiner Rüstung an, wo ich empfindliche Organe vermute. Wieder schlägt mein Pfeil mit überirdischer Präzision ein. Die Dame lächelt tatsächlich den Wagemutigen!

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Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 07. Juli 2008, 10:35:19
25. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

„Beieilt euch!“, ruft Xana und wieder fühle ich mich so hibbelig.
„Möge Tymora uns alle vor diesem hässlichen, dunklen Zwergengott beschützen!“ ruft Glücksbote Ryan. Stumm schießt Lia drei Pfeile auf den riesigen Zwerg ab, der nun mit einem wütenden Brüllen mit seiner mächtigen Axt haut. Aua! Ich taumle schwer getroffen zurück und hauche mit letzter Kraft „Alles wird gut.“ Heilende Magie durchfährt mich. Ryan stürmt heran und haut seinen Morgenstern dem Riesenzwerg auf den Fuß. Das erweckt den Zorn von Graldor und er schlägt mit seinem Schild nach Ryan und versucht ihm umzuwerfen. Dabei rutscht der Zwerg beinahe aus und kann sich erst im letzten Moment fangen, aber der nächste Stoss fegt Ryan von den Beinen. Dann bekommt er noch die Axt des riesengroßen Zwerges zu schmecken. Das tat ihm sichtlich weh.

Lia schießt weiter Pfeile auf den Zwergen und verwandelt ihn in ein Nadelkissen. Xana läuft vor und brät ihm zwei feurige Strahlen über. Ich umkreise ihn und esse den magischen Keks, den ich einst auf dem Schiff der Tieflinge gefunden habe. Ich fühle mich nun soweit gestärkt es mit dem Zwerg wieder auf zunehmen. „Schwächliches Mädchen, ich zerhaue dich in kleine Stücke und werfe dich den Ratten zum Fraß vor!“ Damit stürmt er auf Xana zu und gibt ihr seine Axt zu schmecken. Blutüberströmt wankt sie nach hinten und schießt zwei weitere feurige Strahlen auf ihn ab. Er schreit ein weiteres mal gepeinigt auf und geht dann zu Boden. Ryan rappelt sich auf und humpelt auf Xana zu. Ich setze mich erstmal auf meinen Hosenboden und versuche mich zu sammeln. Das Töten von Wesen, deren Namen man kennt, ist gleich eine Spur härter.

Es dauert einige Zeit, bis ich helfen kann, dem inzwischen wieder geschrumpften Zwerg die wertvolle Ritterrüstung abzunehmen. Wir finden bei ihm drei weitere Tränke, ein Schlüsselbund, einen blauen Kristall und zweihundert Goldschwerter. Ich bin dafür, dass wir ihn auf der Insel bestatten, zwei der steinernen Särge sind noch leer. Es ist ein Akt, den schweren Körper über die schmale Brücke zu balancieren. Aber schließlich betten Lia und ich den Körper in den Sarg. Ryan bleibt auf dem sicheren Ufer und hält eine schmähliche Grabrede, die Dolons missfallen sicherlich erregt hätte, mein Missfallen hat sie auf alle Fälle. Sicherlich war Meister Graldor kein nettes Wesen und hätte ohne mit der Wimper zu zucken die Stadt in einem Konflikt mit den Rylkarratten allein gelassen, aber er hatte eben eine andere Art, die Dinge zu sehen. Also spreche ich schließlich ein Gebet für ihn und bitte Laduguer seinen treuen Anhänger in sein Reich aufzunehmen. „Ruhe in Frieden, Meister Graldor!“

Der kleine blaue Kristall, welchen der Zwerg um seinen Hals gebunden hatte, ist das genaue Abbild des großen. Es liegt auf der Hand, dass man damit wohl etwas aktivieren oder deaktivieren kann. Wir sprechen noch mal unsere Verhandlungsstrategie durch und Glücksbote Ryan hält sich für Diplomat genug, um die Verhandlungen zu übernehmen. Also überreiche ich ihm die Perle und erkläre ihm, wie sie funktioniert. Er nimmt sie also in den Mund und kann dann auf einmal mit dieser abgehackten Sprache reden. Nun gut. Wir verteilen uns und ich deaktiviere das Schutzfeld. Die Harydan macht sofort einen wütenden Eindruck.

Ryan kann sie soweit beruhigen, dass sie uns nicht sofort anfällt. Aber wie die stinkt! Ich weiche so weit wie möglich zurück und habe Mühe, mich nicht zu übergeben. Dem Glücksboten gelingt es nicht, die riesige Ratte zu irgendwelchen Garantien zu bewegen, dass sie wirklich mit ihrem Volk ins Unterreich abhaut. Es kommt beinahe zum Kampf, als die Ratte sofort von hier wegwill, aber den Weg als versperrt bezeichnet. Sie muss den Fluss meinen, also suchen ich nach etwas, was einen Mechanismus aktivieren könnte, welcher den Fluss abriegelt. Nach etwa hundert Herzschlägen finde ich einen gut versteckten Hebel und betätige ihn. Durch die Mauern kann ich hören, wie eine gewaltige Mechanik in Bewegung kommt. Der Fluss verwandelt sich zuerst in einen Bach, dann in ein Rinnsaal, bis auch dieses abfließt.

Die riesige Ratte quietscht erfreut auf und watschelt in den nun freien Durchgang. Schnell ist sie wirklich nicht. Ein hässliches Ding. Schließlich verschwindet sie im Höhlenbett des unterirdischen Flusses aus unserem Blickwinkel. „Wie wäre es, wenn wir den Tunnel fluten und die Harydan ertränken?“, fragt Lia mit einem seltsamen Glanz in den Augen. Ich mustere die Frau, die ich für eine Elfe halte, auch wenn sie scheinbar wie ein Mensch aussieht. Unwillkürlich wandert meine Hand zum Griff meines Rapiers.
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 09. Juli 2008, 19:23:35
25. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Entweder will diese Frau Chondathan in einen sinnlosen Konflikt mit den Rylkar treiben oder sie ist einfach zu dumm, um die Tragweite des Todes der Harydan zu begreifen. Man darf nicht vergessen, dass sie eine mutmaßliche elfische Agentin ist. Vor tausend Jahren hat ihre Rasse die Heimat meines Volkes zerstört, wenn auch der vorangegangene Krieg sicherlich von menschlicher Seite forciert worden war. Obwohl, wer weiß das schon so genau. Nichtsdestotrotz kann ihr Volk bei einem Konflikt von Menschen und Rylkar nur gewinnen, da es sich ja aus ihrer Sicht bei jedem Toten um einen Feind handelt.

„Dir ist schon klar, dass uns dies nicht weiterbringt“, hinterfrage ich ihren Vorschlag.
„Wir können nun mal nicht sicher sein, dass sie wirklich abzieht“, antwortet Lia unbekümmert.
„Nein, das können wir nicht, aber wenn wir sie jetzt töten, werden wir es nie herausfinden. Ihr Tod würde den Konflikt auf alle Fälle weiter verschärfen. Und ich habe keine Lust, ewig gegen Rylkar zu kämpfen, besonders da sie uns mit jedem Treffer schwächen.“
„Na gut, dann ertränke sie halt nicht.“ Lia macht tatsächlich einen leicht eingeschnappten Eindruck. So wie es aussieht sind nicht alle Elfen intelligent, oder sie ist eine verdammt gute Schauspielerin. Ich beschließe, sie im Auge zu behalten und mich moralisch darauf vorzubereiten, sie im Notfall töten zu müssen, um größeres Übel für Land, Stadt und Menschen zu verhindern.

Wir ziehen uns nach oben zurück und machen es uns so gut wie möglich oben im Wohnraum bequem. Dort stelle ich fest, dass ein Teil unserer Tränke verdorben ist. Wahrscheinlich die Ausstrahlung der Harydan. Verdammtes Mistvieh!

Nachdem wir etwa zwei Stunden gewartet haben, gehen wir wieder runter und öffnen den Fluss. So, dass wäre erledigt. Ich schlage vor, dieses Versteck nicht öffentlich zu machen, sondern zu behalten. Wer weiß, vielleicht müssen wir mal für einige Zeit untertauchen, da wäre hier ein guter Ort dafür. Relativ nah an der Stadt und man kann hier notfalls noch ins Unterreich fliehen. Dumm nur, dass dieser Ort vermutlich auch anderen Dunkelzwergen bekannt sein könnte.

Zurück in der Stadt waschen wir uns erstmal am ersten Brunnen, der Gestank der Harydan war wirklich bestialisch. Nachher werden wir mal wieder ein Badehaus aufsuchen müssen. So langsam lohnt es sich, über eine Mitgliedschaft in einem nachzudenken, um die Preise etwas zu senken. Auf dem Weg zu einem dieser Badehäuser kommen wir an einem Ausrufer vorbei.

„Hört ihr Leute, lasst euch sagen, gestern haben Riesenratten ein Lager der Gemeinschaft der Fünf geplündert und einen großen Sachschaden verursacht. Höret, die Gemeinschaft der Fünf bietet jedem, der das Rattenproblem der Stadt beweisbar löst, eine Belohnung von fünfhundert Goldmünzen.“

„Neeeeinn!“, kreische ich. Verdammt noch mal! Wir haben das Problem gelöst und wir können es nicht beweisen. Das wären jetzt 125 Goldschwerter für mich gewesen. Verdammnis! Nun gut, gehen wir erst mal nachschauen, ob die Rylkar überhaupt wirklich abziehen. Wir klettern runter und informieren Sagrell über die neusten Entwicklungen. Und er berichtet uns, dass sich die Ratten gesammelt hätten, um den riesigen Schleim der menschlichen Kanalwächter anzugreifen, sich aber dann auf einmal sich zurück gezogen hätten. Im Moment kann er keinen einzigen Rylkar mehr ausmachen. Das sind gute Neuigkeiten. Aber die städtischen Kanalwächter werden das alles als ihren Erfolg verkaufen. Ja, der Dienst in der Kavernenwacht ist wirklich unbesungen und unbezahlt. Das war jetzt wieder mal ne richtige Nullnummer. OK, bis auf die Sachen vom Zwerg.

Wir gehen nun endgültig ins nächste Badehaus, lassen unsere Kleidung gleich mal wieder mitwaschen und lassen uns verwöhnen. Das haben wir uns wirklich verdient. Da wir uns in einem kleinen Nebenbecken räkeln und keine Fremden in Hörweite sind, bereden wir unser weiteres Vorgehen. Das Rattenproblem hat sich wohl erledigt. Aber wir haben ja immer noch das Problem mit der grünen Kugel. Die Frage ist, versuchen wir uns als Schildwächter? Habe ich anfangs das noch als recht praktikabel empfunden, so erscheint es mir inzwischen unmöglich, die Schatzkammer zu betreten, ohne eindeutige Spuren zu hinterlassen. Und bei so einer schwerwiegenden Sache werden dann auch alle verhört werden, die zu dem Zeitpunkt anwesend waren. Da es einfach zu viele magische Möglichkeiten gibt, die Wahrheit herauszufinden, ist es einfach nicht ratsam, es als Schildwächter zu versuchen. Ganz abgesehen von einigen anderen Problemen.

Da bleibt dann nur der Weg von unten durch die Kanalisation. Und das bedeutet, dass wir nach Westtor müssen, um seinen Bruder Felix zu befragen, da wir allen Hinweisen zum Meisterdieb Racardo in dieser Stadt nachgegangen sind. Verdammnis! Das bedeutet, dass ich mein kleines Töchterlein für mindestens einen Zehntag alleine lassen muss, wahrscheinlich noch länger. Allein der Gedanke zerreißt mir das Herz, aber ich sehe keine andere Möglichkeit. Dann ist es wohl beschlossen, wir fahren nach Westtor.

Danach hole ich meine Kleine vom Kindergarten ab, was sie sehr freut, als ich mit ihr nach Hause gehe. Die Rylkar sind kein Problem mehr. Nur noch der Schatten. Ich schärfe Mili ein, mich sofort zu informieren, wenn Herr Fröhlich wieder auftaucht und spiele dann etwas mit ihr, bevor ich mit ihr einige Geschäfte abklappere, um die Edelsteine und die Axt zu verkaufen. Glücksbote Ryan bekommt die Ritterrüstung, die er für sich umbauen lässt. Am Ende erhält jeder noch 250 Goldschwerter. Wenigstens das hat sich noch gelohnt.

Gespielt am 23.03.2008
Spielleiter: Stefan
SC:, Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 1), Lia (Waldläufer 2/Kriegsmager 3), Ryan (Kleriker 5), Xana (Hexenmeister 5/ Unbändige Magierin 1)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:  1260 für Stufe 6, 1460 für Stufe 5, Kaira 75, Ryan 50, Xana 75
Überwundene Gegner
2 Zwergenzombies
1 Dunkelzwerg
1 Erdkoloss
Errungene Schätze:
1 Ritterrüstung
12 Edelsteine im Wert von 400 GM
400 Goldmünzen
5 Mittlere Heiltränke
1 Streitaxt im Wert von 200 GM
Titel: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 11. Juli 2008, 16:18:25
Kapitel 6
Großer Ärger in Westtor


25. Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Dann gehe ich mit Mili ins Adelsviertel. Es dauert eine Weile, bis ich mit der Kleinen auf dem Arm durchschlüpfen kann. Ich finde meine Mentorin Alana unten bei den verstaubten Büchern. Ich stelle Mili in einer Ecke ab, wo sie mit ihrer Puppe spielen kann, was sie auch tut. Braves Mädchen. Leise erzähle ich Alana, dass ich nach Westtor reisen muss und dass sich so lange jemand um mein liebes Töchterlein kümmern muss. Alana meint, Westtor wäre eine sehr gefährliche Stadt. Vier Brüder waren erst letztens auf einer geheimen Mission in der Stadt und sind dabei umgekommen. Da muss ich schwer schlucken. Irgendjemand scheint dort etwas gegen diese Gilde zu haben. Verdammnis! Und sie gibt mir einen wichtigen Rat mit, in dieser Stadt darf man keine Schwäche zeigen. Niemals.

Aber grundsätzlich wäre es wohl möglich, ich soll aber beim Hausherrn persönlich vorstellig werden. Nun gut, also nehme ich Mili an die Hand und führe sie durch das Haus. Sie schaut sich etwas verschüchtert um, die vielen fremden Leute machen ihr wohl etwas Angst. Graf Ignus Voland finde ich in seinem Arbeitsraum, er spricht gerade mit einem der Vorsteher der Gilde. Ich trage mein Anliegen vor und bringe Mili dazu, sich höflich vorzustellen und zu knicksen. Liebes Mädchen. Danach drängt sie sich aber wieder an mich und späht vorsichtig hinter mir hervor. Der Graf ist einverstanden und weist einen Diener an, mir ein Zimmer zu zeigen. Ganz oben befinden sich viele kleine Gästezimmer, die ohne großen Luxus, aber mit solider Qualität eingerichtet sind. In dem Zimmer versuche ich Mili zu erklären, dass ich sie bald für ein paar Tage verlassen muss und sie alleine dableiben muss. Da fängt sie an zu weinen und ich habe große Probleme, sie wieder zu beruhigen. Oh je.

Mir bricht es ja auch das Herz! Och Mili, hab dich doch so lieb! Da muss ich auch weinen. Nach einer gewissen Zeit beruhigen wir uns wieder, aber wirklich aufmuntern kann ich sie nicht. Nachdem ich mich wieder richtig gefangen habe, gehe ich zurück in die untere Bibliothek und wälze Werke über Westtor, während mein Kind zu meinen Füßen spielt. Westtor hat eine äußerst finstere Vergangenheit, da die Stadt aus irgendeinem Grund äußerst dunkle Herrscher anzieht. Von großen bösen Drachen, über Vampire und Lamias bis hin zum heutigen Herrscher, Iyachtu Xvim, den Sohn des Tyrannos, der vor fast zwei Jahrzehnten die Stadt mit einer Armee aus Teufeln und Tieflingen einnahm. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass offiziell nur die dunklen Drei, also Tyrannos, Bhaal und Myrkul dort angebetet werden dürfen. Alle anderen Götter sind verboten. Finsternis!

Die Stadtwache gilt als grausam und effizient. Korruption ist kein Fremdwort, aber man braucht viel mehr Gold als anderswo. Die Wache ist mit Tieflingen, Halbteufeln und Teufeln durchsetzt. Die Strafen sind selbst für kleinere Vergehen drakonisch. Als mächtige Diebesgilde residieren dort die Nachtmasken, die von dem so genannten Gesichtslosen angeführt werden, der wiederum direkt Iyachtu Xvim untersteht. Also auch eine Art Geheimdienst. Des Weiteren gibt es noch alte und reiche Adelshäuser, ebenso reiche Handelshäuser. „Alles hat seinen Preis!“, ist ein äußerst geflügeltes Wort in Westtor. Es gibt drei hermetisch von einander getrennte Viertel. Im Inneren Kreis ist der Palast. Hier leben der Sohn des Tyrannos und seine obersten Speichellecker. Das mittlere Viertel ist den Reichen und Mächtigen der Stadt vorbehalten. Das äußerste Viertel dient dem Handel und ist das einzige Stadtgebiet, welches von ausländischen Reisen betreten werden darf. Hoffentlich befindet sich Felix in diesem Viertel.

Das sind keine wirklich guten Nachrichten. Besonders die Teufel machen mir Sorgen. Also sammle ich Informationen über sie. Wie es aussieht, sind alle Teufel vollständig immun gegen Feuer, aber sehr empfindlich gegen Eiszauber. Und ihre Schwachstelle sind Waffen aus Alchemistensilber. Gut, damit kann ich leben.

Mein Kleine quengelt inzwischen, dass sie Hunger hat und in der Tat, es ist schon wieder viel zu spät geworden. Ich lasse sie entscheiden, was sie Essen mag und gehe dann in eine Taverne in der Altstadt, wo wir gut zu Abend essen. Daheim lasse ich dann meinen kleinen Spatz bei mir im Bett schlafen. Ach, wie ich sie vermissen werde.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 14. Juli 2008, 13:13:01
26. – 28.  Eleasias Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Die nächsten Tage vergehen wie im Flug. Dank Serenius bekommen wir eine Passage auf der Fernweh, einem kleinen Einmaster, der auch Passagiere in sehr engen Kabinen mitnimmt. Ich schlage vor, dass Xana sich als Händlerin von Tonwaren ausgibt, wozu sie noch nicht mal lügen muss, dass Schlachtenrufer Dolon und Glücksbote Ryan ihre Leibwächter sind und Lia und ich ihre Bediensteten. Der Vorschlag wird besonders von Xana mit Begeisterung aufgenommen, die sofort eine Kollektion ihrer besten Töpferwaren als Musterexemplare zusammenstellt. Lia und ich kaufen uns einfache, weite Kleidung, welche die Rüstung darunter gut verbirgt.

Die anderen sind einverstanden, dass uns Havard Repp fünfhundert Goldmünzen für die Ritualmaterialien von der Blutstrotzer gibt. Wahrscheinlich ist das Zeug mehr wert, aber wollen wir das wirklich verkaufen? Nein, eigentlich nicht.

Mili bleibt die erste Zeit ziemlich knatschig. „Mama böse!“, meint sie immer wieder und zieht eine Schnute. Och! Xana vertraut sie an, dass sie, sprich Mili, einen Plan hat, dass ich nicht fortgehen kann. Mili wird nämlich einfach „Nein!“ sagen, wenn ich gehe. Und sie wird von den anderen Kindern wegen Herrn Fröhlich ausgelacht und sie meint, ich würde wütend schauen, wenn sie von Herrn Fröhlich erzählen würde. Ja, dass tu ich wohl, da Herr Fröhlich kein gutes Wesen sein kann. Finsternis!

Ich versuche alles, um Mili in die neue Umgebung einzugewöhnen, indem ich ihr alles zeige, sie jedem Ordensmitglied und jedem Bediensteten vorstelle und sonst auch alles tue, dass sie sich im großen Haus des Adligen wohlfühlt. Es gibt hier einen Garten mit Bäumen aus der alten Heimat. An einem ausladenden Ast bringe ich eine Schaukel an, was Mili mit Begeisterung annimmt. Auch gefällt es ihr, dass sie hier barfuss und nur mit einem Lendenschurz bekleidet herumtollen kann. So verbringe ich zwei glückliche, spätsommerliche Tage.

Als es Zeit ist zu gehen, wecke ich meine Mili nicht auf, sondern erspare mir die Abschiedsszene. Ich küsse sie auf die Stirn und versuche mir jedes Detail einzuprägen. Mama wird bald wieder kommen, kleiner Schatz! Versprochen. Ich überreiche Alana noch eine Kiste mit zweihundert Goldmünzen, Briefen an meine Eltern und einem Testament. Nur für den Fall, dass ich nicht aus Westtor zurückkommen werde.

Auf dem Weg zum Schiff kann ich meine Tränen nicht länger zurückhalten und muss heulen. Noch nie habe ich mein Kind so lang allein gelassen. Ich fühle mich so Elend! Arme Mili! Sie wird weinen, wenn sie mich nachher nicht vorfindet. Sie wird mich hassen. Am liebsten würde ich umdrehen und bei ihr bleiben. Aber die Reise ist wichtig, wir müssen die grüne Kugel bergen, bevor sie in falsche Hände fällt. Außerdem bekomme ich dafür noch magische Gegenstände im Wert von zehntausend Goldmünzen und eventuell eine wichtige Information bezüglich der längsten Nacht. Trotzdem muntert mich dieses Wissen nicht wirklich auf. Ich seufze schwer und trockne mir die Tränen, bevor ich die anderen am Hafen treffe.

Wir kommen pünktlich an und werden an Bord willkommen geheißen. Kaum sind wir an Bord, kommt auch der einzige andere Passagier nach Westtor an Bord. Und es ist ein alter Bekannter. „Blutschnitter Vaslo von Garagos, die Welt ist ja so klein.“ Er schaut uns erschreckt an.
„Woher habt ihr das erfahren?“ Ich habe keine Ahnung, von was er überhaupt redet.
„Nun, es gibt nichts in Chondathan, was man vor unseren Augen verbergen könnte. Glaubt ihr wirklich, euer Treiben würde unentdeckt bleiben?“ Ich bluffe einfach mal ins Blaue. Er schaut mich irritiert an, dreht sich dann abrupt um und verschwindet unter Deck.
„Diese Überfahrt dürfte sich interessanter entwickeln, als gedacht“, unkt Schlachtenrufer Dolon.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 16. Juli 2008, 13:17:54
28.  Eleasias bis 3. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ See des Sternenregens

Das Wetter ist etwas wechselhaft, aber in einen Sturm kommen wir nicht. Xana hat eine Einzelkabine, wir anderen müssen uns je eine teilen. Da sie nur je ein Bett haben, muss immer jemand auf den Boden schlafen. Ich setze mich gegenüber Lia durch, die auf dem Boden schlafen muss. Geschieht der elfischen Spionin gerade recht! Vaslo Zar  macht sich rar. Er kommt nur zum Essen aus seiner Kabine und um den Nachttopf zu leeren. Immer wenn er einen von uns sieht, setzt er seinen finstersten Blick auf. Ich frage mich, was ein Priester des Garagos in Westtor will. Schließlich ist er dort vogelfrei.

Wir vertreiben uns die Zeit mit Geschichten erzählen und Kartenspiel. Wir spielen nur um Kupferbeträge, so dass ein entspanntes Spiel möglich ist. Die Monotonie der Reise wird am dritten Tag unterbrochen. „Fischmenschen!“, hallt es vom Krähennest. Wir eilen natürlich alle an die Reling und starren auf die komischen Wesen. Sie haben in etwa die Proportionen eines menschlichen Körpers. Zwischen ihren Fingern spannen sich Häute und ihre Füße sind eher Flossen. Der größte Unterschied offenbart sich an ihren Köpfen, die wirklich die von Fischen sind. Das ist vielleicht mal interessant. Der Kapitän ist nicht besonders glücklich über deren Auftauchen, denn sie verlangen 50 Goldmünzen Wegezoll. Da man mit ihnen reden kann, versuche ich aus ihnen ein paar Informationen herauszukitzeln.

Sie behaupten, dass wir uns auf ihrem Unterwasserreich befinden und sie von ihrer Königin beauftragt wurden, Wegzoll zu verlangen. Auf meine Fragen, wie denn ihr Reich und ihre Königin heißt, werden sie pampig. Schließlich brechen sie die Verhandlungen ab und beschädigen das Steuerrruder des Schiffes. Das war jetzt aber nicht nett! Sie ärgern uns noch eine Weile, machen aber sonst nichts mehr kaputt. Dann verschwinden sie in den Weiten des Meeres. Glücksbote Ryan wirft mir doch tatsächlich vor, dass ich sie mit meiner Fragerei verärgert hätte. Aber dabei waren es eher Vaslo und Dolon, die den Kapitän dazu gebracht haben, nicht zu zahlen. So was auch!

Es gelingt der Besatzung, dass Steuerruder wieder klar zu bekommen und wir nehmen wieder den alten Kurs auf. Am Abend des dritten Eleint erreichen wir schließlich Westtor. Als erstes tauchen am Horizont zwei mächtige grüne Kugeln auf, die Blitze von sich geben. Diese schweben über dem Palast im Zentrum der Stadt, wo der Sohn des Tyrannos residiert. Dann kommen die Türme der Stadt in Sicht und schließlich die Stadt selbst. Die Mauern des Außenrings sind teilweise schwer beschädigt und in einem höchst desolatem Zustand. Äußere Feinde scheinen die hier nicht zu fürchten. Es liegen viele Schiffe im Hafen, darunter auch einige schwer bewaffnete und schnelle Schiffe mit wenig Laderraum. Piraten!

Die Fernweh steuert einen der unzähligen hölzernen Piere an, die ins Meer ragen. Kurz nach der Landung kommen schon vier Wachen an Deck, machen uns nachdrücklich klar, dass man sich hier zu benehmen hat und treiben Gebühren ein. Xana muss als Geschäftsreisende 20 Goldschwerter zahlen, während Vaslo mit zehn Goldmünzen recht billig wegkommt. Er ist als erster fertig und verschwindet so schnell er kann im Hafengewühl. Wir nehmen unser Gepäck und tun es ihm nach. Die Gebäude hier am Hafen sind alle recht niedrig. So sieht es in Chondathan in der Außenstadt aus. Viele Menschen und recht wenig Teufelgesocks läuft hier herum. Auffällig ist, dass der zweite Mauerring in der Stadt in einem viel besseren Zustand ist als der äußere. Auf den Mauern sind geflügelte Teufel zu sehen, die Xana als Erinnyen bezeichnet, was bei den Dämonen Succubi sind, dass sind bei den Teufel Erinnyen.  Einst sollen sie angeblich Engel gewesen sein, die aber gefallen sind. Die Männer schauen etwas kritisch nach oben.

Wir fragen uns zum Einhorn durch, welches die letzte Adresse von Felix war. Das Gebäude ist schon etwas größer und hat drei Stockwerke, auch wenn es recht schmal ist. Der Schankraum ist mit etwa zwanzig Gästen schon recht gut besucht. Hinter dem Tresen steht ein breit gebauter Mann, dem ein Daumen an der linken Hand fehlt. Er heißt Mela und nachdem ich eine Runde bezahlt habe, komme ich zum Thema Felix. Leider weiß der Wirt nichts darüber, da er den Laden erst vor einem halben Jahr vom Vorbesitzer übernommen hat, nachdem dieser ins Hafenbecken gefallen ist mit einem Dolch im Rücken.

Aber eine weitere Runde bei ein paar Stammgästen lockert deren Zunge. Felix hat in der Tat mal hier gewohnt. Ist aber inzwischen zum wohlhabenden Mann aufgestiegen und wohnt jetzt ist mittleren Kreis. So wie es aussieht, verdient er sein Geld mit Brot. Hatte wohl Glück, dass er mit seinem Laden in die Bresche springen konnte, als die größte Bäckerei in der Stadt abgebrannt ist. Ich mach mir da so meine Gedanken. Aber wie auch immer, Fakt ist, Felix ist in der Innenstadt und wir kommen so einfach nicht an ihn ran. Finsternis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 18. Juli 2008, 13:11:53
3. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Westtor

Nach einer weiteren Runde Bier bekommen wir heraus, wer uns da weiterhelfen könnte. Zollmeister Holland Denner hat da gewisse Möglichkeiten. Oder Rotauge Parvas, der die Rote Arena betreibt. Und zu allerletzt wäre da noch der Vorsteher des Bhaaltempels. Nach kurzer Beratung beschließen wir unser Glück bei Rotauge Parvas zu versuchen. Bhaaltempel fällt flach wegen unserer beiden Priestern und die örtliche Ordnungsmacht könnte ja auf die Idee kommen, ihre Erfolgsquote mit unserem Ergreifen zu erhöhen. Wir nehmen hier ein paar einfache, aber doch halbwegs saubere Zimmer und machen uns auf den Weg. Auf dem Weg bekommen wir noch eine Warnung wegen der Ausgangssperre nach Mitternacht. Die dient zwar hauptsächlich nur dazu, ausländische Besucher zu drangsalieren, aber he, wir sind ausländische Besucher.

Wir erreichen die Rote Arena nach etwa einer Viertelstunde Fußmarsch. Das Gebäude ist gemauert und mit roter Farbe angemalt worden. Drum herum sind Zellen einsehbar, in denen hohlwangige Menschen zusammen gepfercht sind, die meist apathisch vor sich hin starren. Einige Wächter mit Speeren, Schuppenpanzern und Schilden, auf denen ein brennender Totenkopf, das Symbol Bhaals, aufgemalt ist, lungern hier herum. Eine Treppe führt nach oben. Der eigentliche Arenaplatz ist eine mit Sand ausgelegte Grube, die etwa fünfzehn auf dreißig Schritt misst. Es sind noch etwa dreißig bis vierzig Zuschauer anwesend, meist mit besserer Kleidung und dem Gebaren nach Kaufleute.

Rotauge Parvas lümmelt an einer der Außenkurve der Arena mit einem halben Dutzend Gesellen. Ich gehe frech auf ihn zu und frag ihn, ob wir uns kurz privat unterhalten könnten.
„Hier ist es privat genug. Ich habe nichts vor meinen Freunden zu verbergen.“
„Nun gut, wir bräuchten einen Weg in den mittleren Ring.“
„Zehntausend Goldmünzen.“
„Ihr beliebt zu scherzen.“
„Nicht im mindesten.“
„Öhm, gebe es vielleicht noch eine andere Möglichkeit?“
„Ich wüsste nicht, für was ich euch traurigen Haufen brauchen könnte. Aber ihr könnt ja hier euer Glück mit Wetten probieren. Seht ihr die vier Fahnen? Diese repräsentieren einen Kämpfer. Setzt euer Gold auf eine Fahne und wenn der gewinnt, bekommt ihr das Doppelte.“ In der Tat wehen vier Fahnen in den Farben Blau, Gelb, Grün und Rot über der Arena.
„Kann man die Kämpfer sich vorher ansehen?“
„Nein, niemand kann das.“
„Aha? Wie läuft das hier? Jeder gegen jeden?“
„Nicht so ganz. Aber seht es euch doch selber an.“

In der tat werden vier ausgemergelte Gefangene, alles menschliche Männer zwischen zwanzig und Vierzig, von ein paar dieser Wachen in die Arena getrieben. Sie bekommen ein paar Waffen vor die Füße geworfen. Nur einer macht den Eindruck, dass er wirklich weiß, wie man mit einer Waffe umgeht.

„Ich sehe keine Markierungen an den Gladiatoren. Wie werden die Farben zugeordnet.“ Er schaut mich aus seinen roten Augen an, als wäre ich ein dummes kleines Kind, das gefragt hat, warum Pipi gelb und nicht blau ist.
„Um diese Leute geht es ja auch nicht.“ Ein Bhaalpriester erscheint und streckt die Arme nach oben.
„Bhaal! Gott des Mordens! Sieh her! Blut wird vergossen werden, dir zu Ehren! Möge der Beste gewinnen!“ Das Tor wird geöffnet und ich traue meinen Augen nicht. Vier Vivesektoren betreten die Arena. Jeder hat eine andersfarbige Schärpe um. Die Leute auf den Rängen jubeln und schreien den Namen verschiedener Farben. Was dann folgt, lässt mich schnell den Blick abwenden. Die Geräusche sind schlimm genug. Was für ein sinnloses und grausames Gemetzel.

„Grün gewinnt! Grün hat am meisten Blut vergossen. Huldigt Bhaal! Huldigt dem Gott des Mordens! Möge das Blutvergießen niemals enden!“ Die Leute, die auf Grün gesetzt haben, jubeln, die anderen wagen aber nicht zu fluchen.
„Interessant, nicht wahr?“
„Na, ich glaube, diese Art von Wetten ist nichts für uns.“ Ganz abgesehen davon, dass wir so nie schnell genug Geld zusammen bekommen. Er zuckt nur mit den Schultern.
„Dann kann ich euch auch nicht weiter helfen.“
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 21. Juli 2008, 16:27:33
4. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Westtor

Tja, das war wohl nix! Das ist jetzt nicht gut. Leise diskutieren wir auf dem Heimweg die Alternativen durch, die keine Alternativen sind. Finsternis! Unser Gespräch wird dadurch unterbrochen, dass vor uns ein verletzter Mann in eine Seitengasse flüchtet, gefolgt von zwei anderen Männern. Andere Passanten tun so, als ob sie nichts sehen würden. Klüger wäre es vielleicht. Aber das vermeiden von Ärger war noch nie meine Stärke. Tymora hilft den Wagemutigen, nicht den Zauderern. Also eilen wir hinterher. Die Seitengasse entpuppt sich als Sackgasse und die beiden Verfolger haben ihr Opfer in die Enge getrieben.

„Haltet ein!“, rufe ich und ziehe mein Rapier.
„Mischt euch nicht ein! Wir sind von den Nachtmasken!“
„Meine letzte Warnung!“

Sie wollen nicht hören und stechen auf den in die Enge getriebenen Mann ein. Finsternis! Nun gut! Wer nicht hören will, muss fühlen! „Eis!“ Ich mache mit der linken Hand eine drehende Bewegung um das Handgelenk und lege den Mittelfinger über den Zeigefinger. Trotz Rüstung löst sich ein kleiner Strahl von meinen Fingerspitzen und schlägt in der Herzgegend des linken Attentäters ein. Er wird dadurch zurückgeschlagen, prallt gegen die Wand und rutscht dann runter, eine rote Spur hinterlassend. Mein Zauber scheint ihn wohl getötet zu haben. Aber das hindert den anderen nicht, sein blutiges Werk zu vollenden. Verdammnis!

Lia spickt den letzten Überlebenden mit Pfeilen und ich gebe ihm den Rest, nachdem Glücksbote Ryan ihn umgeworfen hat. In dieser Stadt darf man keine Schwäche zeigen, Gnade ist hier nicht angebracht. Leider haben wir nichts bewirkt, außer zwei Toten. Wir durchsuchen fix die Leichen, neben etwas Gold kommen auch zwei Augenbinden zu Tage. Dominomasken nennt man so was, das Zeichen der Nachtmasken. Gar nicht gut!

Das Opfer hat eine Tasche bei sich, die mehrere Dokumente beinhaltet. Aber jetzt ist nicht die Zeit sie durchzulesen. Außerdem einen Dolch aus Alchemistensilber, ein Symbol mit einer Hydra darauf und zwanzig Goldmünzen. Nichts wie weg hier. Nach und nach verlassen wir die Gasse, aber unsere beiden Blechbüchsen sind dabei so subtil wie Drachen bei der Brunst. Trotzdem erreichen wir ohne weitere Vorkommnisse das Einhorn. Wir begeben uns auf eines unserer Zimmer und ich schau schnell die Dokumente durch. Das ersten ist von einem Denner an einen Martius, etwas ist nicht mehr sicher und muss in das sichere Haus gebracht werden. Denner? Den Namen kenne ich doch? Ach ja, der Kerl von der Zollbehörde.

Das zweite Dokument ist eine Inventarliste für einen gewissen Janus. Das einzige was interessant ist, dürfte der Sarg sein, der über 250 Stein wiegt. Das ist ziemlich viel für einen Sarg. Das letzte Dokument trägt ein Hydrasymbol als Siegel und gehört zu einem Handelshaus namens Janus. Es ist eine Zollerklärung, wo auch der Sarg aufgelistet ist. Hm? Ich werde nicht ganz schlau draus, warum jetzt dafür ein Mensch sterben musste. Oder besser gesagt drei. Was ist daran so wertvoll? Ich wende mehrere logische Kodeschlüssel darauf an, aber nichts ergibt Sinn. Es ist inzwischen auch spät. Wir beschließen morgen mal diese Janus Handelsgesellschaft aufzusuchen.

Irgendwie hatte ich es mir einfacher vorgestellt. Ich verrammle meine Türe und lege Waffen griffbereit neben mich. Ich schlafe recht schnell ein, trotz der zwei Leben, die ich genommen habe. Mitten in der Nacht klopft es an meine Türe. Gerade habe ich geträumt, Jondan wäre in der Roten Arena gefangen und würde gegen Vivisektoren kämpfen. Ich brauche fünf Herzschläge um mich zurecht zu finden, schnappe mir dann mein blankes Rapier und werfe meine Rüstung über den Arm. Dann tapse ich barfuss zur Türe.

„Wer ist da?“
„Kaira, mach auf, ich bin es, Xana!“ Ich lausche an der Türe, kann aber nichts Verdächtiges hören. Also nehme ich den Stuhl von der Klinke und öffne vorsichtig die Türe. Xana huscht im Nachthemd zu mir ins Zimmer. Dann sprudelt es aus ihr heraus. Und zwar so schnell, dass ich bei solch früher Stunde nicht mehr mitkomme.
„Also was ist passiert? Noch mal ganz langsam.“
„Die Nachtmasken waren in meinem Zimmer, haben mir ein Messer an den Hals gehalten.“ Sie zeigt auf einen kleinen blutigen Einstich am Hals, nur wenig größer als der von einem Insekt. „Und sie haben gesagt, wir sollen mit dem nächsten Schiff aus der Stadt verschwinden. Wenn nicht, werden sie nachhelfen, indem sie unsere Einzelteile ins Hafenbecken werfen. Und dann sind sie in der Wand verschwunden.“
„In der Wand?“
„In der Wand!“
„Wie haben sie das gemacht?“
„Ich frage mich eher, was tun wir jetzt?“
„Gute Frage. Ich würde sagen, wir warten bis morgen, wecken dann die anderen und beraten.“
„Gute Idee. Kann ich bei dir im Bett schlafen?“
„Klar, wenn du für uns beide eine Magierrüstung übrig hast?“ Hat sie und so legen wir uns gemeinsam ins Bett. Sie kuschelt sich an mich und spüre ihre Brustwarzen unter unseren dünnen Nachthemden. Serenius wäre bestimmt neidisch, wenn er uns so sehen könnte.

Aber mich beschäftigt eher, wie die Nachtmasken den Raum einfach so haben betreten und wieder verlassen konnten. Dimensionstor? Möglich, wenn das auch eine recht hohe Meisterung der Kunst voraussetzen würde. Teleportation würde noch mehr Können in der Kunst verlangen. Vielleicht machen sie sich auch die Schatten zu nutze. In einer Vorlesung wurde dieses Thema mal kurz gestreift. Es gibt die Möglichkeit, die Schattenebene zur Fortbewegung zu nutzen, aber das wäre mit sehr hohen Gefahren verbunden. Damit war das Thema auch schon wieder abgehakt gewesen. Einer der Nachteile, wenn man einen Schnellkurs macht.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 23. Juli 2008, 12:54:21
4. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Westtor

Es herrscht natürlich dann große Aufregung über unseren nächtlichen Besuch. Da kann man wohl nichts mehr machen. Aber ich sehe eine Chance, das Janus Handelshaus. Also Frühstücken wir ordentlich, packen zusammen und verlassen das Einhorn. Das Janus Handelshaus ist in der Nähe der Ringmauer. Von hier aus kann man die Teufelinnen auf der Mauer recht gut erkennen. Sie haben alle eine recht gut entwickelte Oberweite, die durchaus mit der von Xana konkurrieren kann. Und teilweise sind die auch offen zu sehen. Unsere Männer verrenken sich beinahe die Hälse, als sie immer wieder nach oben spähen.

Das Handelshaus ist aus Backstein und macht einen recht wohlhabenden Eindruck. Vor dem Eingangstor sind zwei ordentlich uniformierte Wächter postiert, die sich ruhig unsere verworrene Geschichte anhören. Wir zeigen das Siegel und einer geht nachfragen. Etwa fünf Minuten später geht oben ein Fenster auf und eine junge Frau, vielleicht in Xanas Alter, späht nach unten. Sie gibt dem Wachmann ein Zeichen, uns passieren zu lassen.

Da kommt auch schon der andere und führt uns durch ein Treppenhaus und einen Flur. Wir landen schließlich in einem sehr gemütlich eingerichteten Raum. An einer Wand sind viele Bücher zu sehen. Eine andere wird von einem gewaltigen Bild eingenommen, welche wohl das alte Jhaamdath zeigt. Zwei Städte mit den typischen spitzen, schmalen Türmen ragen über einer Bucht auf. Drei Personen erwarten uns, besser gesagt zwei Menschen und ein Golem aus Stein, der uns ausdruckslos ansieht. Zum einen ist da die junge Frau, zum anderen ein älterer Mann mit einer Binde über den Augen und einer filigranen Weinglas in der Hand.

Der Mann entpuppt sich als Meister Janus, Herr des Handelshauses Janus. Die junge Frau ist seine liebreizende Tochter, die ein schick geschnittenes Kleid aus Seide anhat. Ich übernehme es zu erklären, wie wir die Tasche „gefunden“ haben, wie die Nachtmasken darin involviert sind, dass wir auf ihrer Abschussliste stehen und das wir einen gewissen Felix suchen, der in der Innenstadt wohnt. Ryan haut mich in die Seite und raunt mir zu, ich solle nicht soviel erzählen. Glücksbote Ryan mag ja ein heiliger Mann sein, besonders intelligent ist er aber nicht. Glaubt er wirklich, ich hätte mich verplappert und würde nicht eine gewisse Strategie verfolgen, die auch innerhalb die nächsten fünf Minuten vollständig aufgeht?

Meister Janus bietet uns erstmal eine Erfrischung an und da es heißt, traue keinem wirklich in Westtor, schaue ich nach, ob der Wein vergiftet ist. Meister Janus lacht. „Ein vorsichtiges Mädchen lebt hier in der Tat länger, aber seid unbesorgt, der Wein ist wirklich gut. Aus der alten Heimat.“ Und in der Tat, der Wein mundet vorzüglich. Die Augenbinde ist wohl nicht dazu da, um leere Augenhöhlen abzudecken, sondern lässt ihn wohl viel mehr sehen. Xana raunt mir zu, dass der Kerl vor magischen Gegenständen nur noch so strotzt, Ring, Augenbinde, Weste und noch ein paar andere Sachen.

„Nun, um etwas Licht ins Dunkel zu bringen: Ich habe jemanden ausgeschickt, um herauszufinden, wo mein Kristallsarg abgeblieben ist, den Zollinspektor Denner unterschlagen hat.“ Er hat also jemand ausgeschickt, der darüber Informationen sammeln sollte. Der Herr des Handelshauses bietet uns an, ein Treffen mit Felix zu arrangieren, wenn wir ihm den Standort des Sarges melden können. Ich schaue Ryan triumphierend an und wende mich dann Meister Janus zu. „Ich glaube, dieses Geschäft hört sich fair an. Aber wir haben da ein kleines Problem mit den Nachtmasken.“ Dafür hat Meister Janus wenigstens eine vorübergehende Lösung. Es gibt einen zwielichtigen Straßenhändler mit dem Namen Garth, den man in der Nähe des Einhorns finden kann. Der verkauft auch Sachen, um sich verkleiden zu können. Bis wir dort sind, hilft er uns mit einem seiner zahlreichen Stäbe weiter, die uns in andere Leute verwandeln. Um etwaige Verfolger zu täuschen, trennen wir uns. Xana und ich werden Garth suchen, die anderen warten in der Nähe einer Statue am Hafen, die einen der wenigen menschlichen Herrscher von Westtor zeigt.

Meister Janus versorgt uns noch mit weiteren Information, wie wir Martius, an den der eine Brief gerichtet war, finden können. Er treibt sich nach Dienstschluss oft in der Kneipe Seekeller herum. Nun gut, damit können wir arbeiten. Xana und ich gehen als erste und schlagen uns durch das Labyrinth der Gassen und Seitenstraßen. Es dauert recht lange, bis wir endlich diesen Garth aufgetrieben haben. Ein junger Mann mit flammend roten kurzen Stoppelhaaren und einer Augenklappe. Er hat so was in greifbarer Nähe und schon bald habe ich mich an Xana verkünstelt. Dann mache ich das gleiche mit mir. Hoffentlich haben die anderen ein gutes Versteck gefunden, denn der Zauber von Meister Janus hat bereits aufgehört zu wirken.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 25. Juli 2008, 15:10:15
4. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Westtor

Nun gut verkleidet eilen wir zu der Statue. Unsere Leute sind nicht zu sehen. Also müssen wir wohl suchen. Wir finden sie schließlich gut versteckt in einer Seitengasse. Es gibt ein kurzes hin und her, bis sie uns glauben, dass wir wirklich Xana und Kaira sind. Nach einer weiteren Viertelstunde sind die anderen auch soweit hergerichtet, dass nicht mal ihre eigenen Mütter sie noch erkennen würden. Und Lia gibt sich nun endlich auch offiziell als Elfe zu erkennen, etwas, was jeder von uns schon seit einem halben Jahr genau gewusst hat.

Nachdem wir wohl unsere Nachtmaskenfreunde endgültig abgehängt haben, suchen wir nun den Seekeller, der sich als finstere Kneipe im Keller eines Hauses entpuppt. Hier sind die Hälfte der Gäste Stadtwachen und an einem Tisch sitzt sogar der Zollinspektor Hollander Denner einsam an einen Tisch, wobei alle paar Minuten ein Gardist zu ihm tritt und ihm was zuflüstert und mit neuen Anweisungen verschwindet. Ich besteche den Wirt, uns zu sagen, wann Martius auftaucht und wir tun so, als ob wir würfeln würden. Schließlich bekommen wir mit, wie Martius auftaucht und Denner steckt, dass Vaslo Zar schon jetzt gemordet hätte.

„Das ist viel zu früh! Finde ihn und mach ihm klar, dass er erst in Chondathan freie Hand hat. Bring ihn am Besten gleich auf das Schiff und schärfe ihm mit Nachdruck ein, dass er erst dann losmorden soll, wenn er wieder festen Boden unter den Füßen hat. Die Instruktionen aus dem Palast waren da sehr eindeutig!“ Martius nickt und verschwindet dann, wir folgen ihm unauffällig. Er hat noch drei Leute bei sich. Schließlich scheinen sie Vaslo Zar gefunden zu haben und zerren den Mann in eine Seitengasse, wo sie ihn sauber machen, da seine Rüstung über und über mit Blut besudelt ist. Die anderen bleiben zurück und ich schleiche mich so nah wie möglich an sie heran.

Ich höre wie Martius die Befehle von Denner übermittelt. Die Antworten kommen nicht mit Vaslos Stimme zurück. Einmal ist eine sehr hohe Stimme zu hören, die recht hektisch wirkt. Die andere ist sehr tief und mit einem schleppenden Tonfall, wie von jemanden, der total unterbemittelt ist. Sie geben sich nach etwas hin und her geschlagen, aber erst als mit dem Palast selbst gedroht wird. Ich lasse die Gruppe passieren. Es sind immer noch vier Büttel und Vaslo. Der einzige Unterschied ist, dass er noch ein weiteres Schwert auf dem Rücken trägt, was ich vorher bei ihm noch nie gesehen habe.

Wir folgen den Fünf bis zur Fernweh, wo Vaslo ohne weitere Diskussion an Bord geht. Was war das jetzt? Dolon bleibt zurück, um dafür zu sorgen, dass der Garagospriester nicht mehr ausbüxt, während wir Martius folgen. Ryan löst sich schließlich von uns und stoppt das Quartet kurz vor dem Eingang zum Seekeller. Ich werfe Ryan einen warnenden Blick zu, den er geflissentlich übersieht. Ohne Umschweife kommt Ryan auf den Kern seines Anliegens zu sprechen, den Kristallsarg. Am liebsten würde ich meinen Kopf solange gegen die nächste Steinmauer rammen, bis gnädige Ohnmacht mich umfängt. Natürlich kann Martius in Anwesenheit von drei seiner Leute nicht darauf eingehen. Jede Gewaltoption ist dadurch verwehrt, dass im Seekeller hinter uns etwa ein Dutzend Wächter bechern. Ryan hat es verbockt! Finsternis!

Martius drängelt sich einfach an Ryan vorbei und lässt ihn stehen. „Idiot!“, meine ich zum Glücksboten und zerre ihn in die nächste Seitengasse. Die anderen folgen und Herzschläge später ist Martius wieder da. Entschlossen schlägt er seinen Weg ein. „Hinterher! Die bringen jetzt die Ware in Sicherheit.“ Bei der nächsten Biegung trennen sie sich. Da ich sicher bin, dass Martius der Köder ist, schicke ich Ryan und Lia hinter den beiden anderen her. Sollen der Idiot und die Spionin doch die Suppe auslöffeln. Ich bin wütend, wirklich wütend. Finsternis!

Martius läuft zum nächsten Wachhaus und nur wenige Minuten später wimmelt es von Gardisten auf der Straße. Wie erwartet. Jetzt liegt es an Ryan und Lia, die Sache zu deichseln. Xana und ich lassen uns vorsichtig zurückfallen und bewegen uns dann zum Handelshaus Janus zurück. Wir müssen dort gar nicht lange warten, da kommt auch schon Lia angehastet. Sie scheinen es tatsächlich geschafft zu haben, den Kristallsarg zu besorgen. „Aber dieser Idiot Ryan hat sich lautstark als Priester der Tymora zu erkennen gegeben. Jetzt haben wir auch noch die Kirchen der dunklen Drei am Hals. Als ob die Nachtmasken und die Stadtwache nicht gereicht hätten.“ Lia bringt das gut auf den Punkt. Verdammnis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 28. Juli 2008, 14:17:57
4. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Westtor

Aber überraschenderweise gelingt die Bergung des Kristallsarges, ohne dass die drei Tempel des dunklen Bündnisses zum gemeinsamen Kreuzzug gegen einem einsamen Tymorapriester blasen. Meister Janus ist sehr zufrieden mit dem Verlauf der Aktion und schickt einige Leute los, um Felix unverzüglich herzubringen. Der Handelsherr ist überaus spendabel und isst noch mit uns zu Abend. Natürlich machen wir uns vorher noch frisch und entledigen uns der Verkleidung. Da der alte Mann ein begeisterter Sammler und Experte des alten Jamdaaths ist, entspinnt sich zwischen Xana und Meister Janus ein recht gelehrtes Gespräch darüber. Ich muss zugeben, ich habe das Buch über die Klingenmeister, dass Luvius hinterlassen hat, nur schnell überflogen und eher nach angestrichenen Stellen oder handschriftlichen Bemerkungen von Luvius gesucht, als Xana es mir mal ausgeliehen hatte. Zu dem Zeitpunkt war ich mit dem Büffeln für meine Seherausbildung und dem Tagebuch von Luvius mehr als genug ausgelastet.

Das Essen wird unterbrochen, als ein Diener mit einem Kopfverband den Raum betritt. Er gehört zu Leuten, die Felix herbegleiten sollten. Leider waren die Nachtmasken wohl etwas schneller gewesen. Sie haben eine kurze Botschaft für uns, wir sollen um Mitternacht zur roten Arena kommen oder Felix dient für das nächste Event als Opfer. Finsternis!

Das verdirbt uns nun ziemlich den Appetit. Das ist gar nicht gut. Nun, wir müssen da wohl hin oder alles wäre umsonst. Wir beratschlagen kurz über die Alternativen, wie sofort evakuieren oder sofort zuzuschlagen. Womöglich ist Felix noch gar nicht in der roten Arena und wird woanders fest gehalten. Nach etwas hin und her beschließen wir, es diesem Rotauge Parvas zu zeigen, dass man sich besser nicht mit den Wagemutigen anlegt. Denn wer wagt, gewinnt!

Trotzdem habe ich ein sehr mulmiges Gefühl. Ich nehme mein Amulett mit dem lächelnden Antlitz meiner Schutzgöttin, küsse es, führe es an Stirn und Brust, halte es dann aber in meiner Hand und bete innig, dass sie mir die notwendige Gewitztheit, Stärke und Schnelligkeit gibt, dass ein armes kleines Mädchen nicht als Waise aufwachsen muss. Mili braucht mich noch. Und Herr Fröhlich die Abreibung, die er verdient. Auch Glücksbote Ryan sieht sich genötigt, eine Predigt zu halten. Ich höre nur mit halbem Ohr hin und versuche die Angst in mir zu unterdrücken. Letztes Mal haben wir schon gegen einen Vivisektor nicht besonders gut ausgesehen. Jetzt werden es vier sein. Dazu noch Rotauge Parvas, den ich jetzt gar nicht einschätzen kann. Und die Nachtmasken nicht zu vergessen. Viele Faktoren, viele Unsicherheiten. Ich habe ein sehr schlechtes Gefühl.

Ich besorge mir Papier und etwas zu schreiben. Es ist ein Abschiedsbrief an meine Tochter. Xana findet das eine gute Idee und macht das Gleiche, einmal für ihre Mutter, zum anderen für ihren geliebten Serenius. Ich muss mehrmals unterbrechen, weil meine Tränen die Tinte verlaufen lassen. Immer wieder komme ich in solche Situationen. Schließlich ist es soweit. Xana und ich geben Meister Janus unsere Briefe und bitten ihn, sie unseren Familien zuzustellen, falls etwas passieren sollte.

Mit einem mulmigen Gefühl machen wir uns auf dem Weg. Ich bin sicher, dass wir beobachtet werden. Kurz bevor wir die Stufen zur roten Arena hochsteigen, beschwören Xana und ich je ein Schild. Weitere Verbesserungen hebe ich mir für später auf. (Es war hier schon spät in der Nacht und ich habe da einiges falsch eingeschätzt) Ein kleines, aber illustres Publikum erwartet uns schon. Rotauge Parvas lümmelt von einem halben Dutzend seiner Schläger umgeben an seinem Stammplatz herum. Zwei der Schergen halten einen Mann, der mit Ketten gefesselt ist und ziemlich mitgenommen aussieht. Der Bhaalpriester steht bei den Fahnen und macht mit der Hand das Symbol des Todes. In der anderen Arenakurve sitzen Denner, Martius und ein bulliger Kerl. Zwei weitere Gestalten, die ich als Geschäftsleute einschätze, komplettieren das Publikum.

„Willkommen in der roten Arena! Freut mich, dass es ihr doch noch geschafft habt!“ Rotauge Parvas macht eine Geste in Richtung Bhaalpriester.
„Heute Nacht, oh großer Bhaal, zelebrieren wir dir zu Ehren ein besonderes Blutbad. Möge sich der Boden Arena färben vom Blut der Ketzer! Bhaal!“
„Tymora! Segne unsere Schar, denn wir werden das Licht an diesen Ort bringen!“
Auf ein Zeichen von Rotauge Parvas wird Felix in die Arena geworfen und die vier Vivisektoren betreten die Arena. Finsternis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 30. Juli 2008, 13:51:15
4. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Westtor Rote Arena

Uns bleibt nichts anderes übrig als hinterher zu springen. Glücksbote Ryan und ich erreichen gerade so den armen Felix, während Xana sich links und Lia rechts von uns positionieren. „Eis!“ Ich mache mit der linken Hand eine drehende Geste um das Handgelenk und lege den Mittelfinger über den Zeigefinger. Ein Strahl löst sich aus meinen Fingerspitzen und schlägt in den genau mir gegenüber ein. Allerdings treffe ich nicht wirklich gut und schlage nur eine kleine Wunde in den Leib des schwarzen Insektenwesens. Dann kommen sie auf uns zugestürmt. Glücksbote Ryan bekommt gleich mal zwei Stück ab, Felix und ich je eines. Der arme Kerl kann sich nicht richtig wehren, auch wenn er sich inzwischen wieder auf die Beine gequält hat. Aber der Bäcker ist hart im Nehmen und überlebt die Schläge des Dinges. Meines haut auch nach mir, aber ich kann seinen Hieb an meinem Schild abgleiten lassen. Ryan bekommt eine Wunde ab, aber er nimmt es wie ein Mann.

Er geht einen Schritt zurück. „Tymora! Die Wagemutigen kämpfen für das Gute!“ Ich fühle mich doch gleich viel besser. „Beeilung!“, ruft Xana und macht eine schnelle drehende Geste. Wieder fühle ich mich ganz hibbelig. Lia spickt derweil das Vivisekton, welches auf Felix eingeschlagen hat, mit Pfeilen. Da der arme Felix wohl keinen weiteren Treffer wegstecken wird, täusche ich in kurzer Folge links und rechts an und husche dann zwischen den beiden Vivisektoren vor mir hindurch und habe dann einen mit Felix flankiert. „Stich!“ rufe ich und ramme dann mein magisch geschärftes Rapier in eine ungeschützte Stelle zwischen zwei Chitinplatten. Ich dringe recht tief ein, aber es reicht nicht, um ihn zu töten. Aber wenigstens habe ich nun die ungeteilte Aufmerksamkeit von zwei dieser Dinger. Ein ganzer Schlaghagel geht auf mich nieder. Aber ich bin flink auf den Beinen und kann ihren Attacken gut ausweichen oder sie mit dem Schild abwehren.

Glücksbote Ryan kämpft ebenfalls mit zwei von diesen Monstren und gibt ihnen seinen Morgenstern zum Kosten, während er weitere Treffer einstecken muss. Xana beschwört zwei feurige Lanzen und röstet eines der Viecher mal gut an. Lia lässt geschwind Pfeil auf Pfeil mit unterschiedlichem Erfolg von der Sehne schnellen. Das Ding vor mir muss weg. Leider habe keinen weiteren Zauber mehr, der dafür nützlich wäre. Dann eben mit gutem alten ehrlichen Stahl! Mein erster Schlag geht ins Leere, aber dank Xanas Zauber kann ich sofort einen weiteren Stich ansetzen. Diesmal treffe ich präzise. „Zerstöre!“ Ich aktiviere eine Ladung meiner Handschuhe und treibe mein Rapier quer durch den Leib des Dinges. Tot rutscht es an der Klinge herab. Eines weniger!

Lia und Xana töten den anderen, der bei mir steht. Glücksbote Ryan versucht verzweifelt aus der Zange wieder herauszukommen. Ich eile ihm zu Hilfe und flankiere nun ebenfalls eines von ihnen. Leider gleitet mein Rapier an der zähen Außenhülle ab. „Diese Penner aus Chondathan töten meine Vivisektoren! Schlagt hier keine Wurzeln, sondern macht euch nützlich! Tötet sie!“ Rotauge Parvas’ Stimme überschlägt sich beinahe vor Wut über den Verlust von zwei seiner hässlichen Schoßtiere. Seine sechs Spießgesellen springen in die Arena und der eine greift sofort Lia an und verwundet sie leicht. Das Bizarre dabei ist, dass sie über den Boden gleiten und nicht gehen. Sie scheinen etwa zwei Fingerbreit über den Boden zu schweben.

„Möge Bhaal euch segnen!“, ruft der Bhaalpriester von oben und fängt daraufhin sofort einen Pfeil von Lia, der ihn in den Hals trifft und den Kleriker röchelnd zu Boden gehen lässt. Xana vervielfältigt sich und wird von Spiegelbildern ihrer selbst umgeben. Keinen Herzschlag zu früh, denn ein nicht unerheblicher Teil der Spießgesellen macht sich auf dem Weg zu ihr.

Endlich erschlagen wir das dritte Vivisektor und haben nur noch eines vor uns. Xana röstet einen der Schläger, während sie von den Überlebenden langsam aber sicher eingekreist wird. Lia tötet ihren Angreifer mit drei Pfeilen. Das letzte der Insektenmistviecher trifft mich tatsächlich mit einem Hagel gut gezielter Schläge und sein Stachel pumpt Gift in meinen Körper. Ich fühle mich auf einmal so schwach! „Möge Tymora uns stärken!“ Neue Zuversicht durchströmt mich. Auch Xana spricht ein weiteres Mal „Beeilung!“ und lässt noch einen Schauer aus fünf magischen Geschossen in das letzte Insekt regnen. So gelingt es uns den letzten der Vivisektoren zu töten. Das war ein anstrengendes Stück Arbeit. Ich eile sofort Xana zu Hilfe und töte einen ihrer Angreifer mit einem Stich durch das Herz.

„Wenn man etwas erledigt haben möchte, muss man es selber machen!“, kommentiert Rotauge Parvas, zieht sein Schwert und springt in die Arena. Oder besser gesagt, er gleitet sanft hinein, da er selbst durch Stein einfach hindurch geht. Als erstes gibt er Lia sein Schwert zu schmecken. Glücksbote Ryan eilt ihr zu Hilfe und stellt sich dazwischen. Lia feuert wieder auf ihn, aber ihre Pfeile zischen einfach durch ihn hindurch, auch Ryans Schlag verpufft einfach. Ein weiterer Angreifer geht zu Boden und der letzte der Schergen findet, dass er sich eine bessere Anstellung suchen sollte. Auch die Zuschauer verlassen langsam aber bestimmt die Arena. So haben die sich das Spektakel bestimmt nicht vorgestellt.

Ryan segnet seine Waffe, nachdem er einmal schwer von Parvas getroffen wird. Aber auch die gesegnete Waffe geht durch den Kerl hindurch. „Alles wird doppelt gut!“ Ein viel zu geringer Teil meiner Wunden schließt sich wieder. Danach spreche ich einen Zauber, der meine Waffe magisch werden lässt, vielleicht hilft das ja gegen Rotauge Parvas. Xana und Lia pumpen derweil mehrere Wellen ihrer magischen Geschosse in Parvas, was der wirklich zu spüren scheint. Er schlägt noch einmal nach Ryan, trifft ihn und verwundet ihn schwer. Ryan ist ganz bleich und taumelt zurück. Aber die nächste Welle magischer Geschosse gibt ihm den Rest. „Verdammt sollt ihr sein!“ gurgelt Rotauge Parvas und wird dann wieder vollkommen stofflich. Dann sinkt er tot zu Boden. Das war der Sieg.

Xana findet fix heraus, dass das Schwert magisch ist. Wir plündern schnell die Leichen und ziehen die gute Rüstung von Rotauge Parvas aus. Auch findet sich noch ein Beutel mit Geld im Wert von über fünfhundert Goldmünzen. Und es findet sich ein Schlüssel, mit dem ich die Ketten von Felix lösen kann, der noch immer ganz durch den Wind ist. Jetzt aber nichts wie weg hier. Wir klettern aus der Grube und eilen dann die Treppe nach unten, wo uns das Gewirr der Gassen von Westtor verschluckt.

Gespielt am 29.03.2008
Spielleiter: Stefan
SC:, Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 1), Lia (Waldläufer 2/Kriegsmager 3), Ryan (Kleriker 5), Xana (Hexenmeister 5/ Unbändige Magierin 1)
Erfahrungspunkte:  1500 für Stufe 6, 1620 für Stufe 5, Kaira 25, Ryan 50, Xana 50, Lia 50, Dolon 25
Überwundene Gegner
4 Vivisektoren
1 Rotauge Parvas (Halbteufel?)
6 schwebende Schläger
2 Nachtmasken
Errungene Schätze:
1 Schwert +1 mit weiteren unbekannten Effekten
1 meisterhaftes Kettenhemd.
10 Edelsteine à 50 von Harvard Repp
605 Goldmünzen
1 Dolch aus Alchemistensilber
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 04. August 2008, 13:19:07
Kapitel 7
Probleme, Probleme, nichts als Probleme

5. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Westtor

Ich will mit Felix nicht unbedingt im Handelshaus von Jasper Jansen reden, wo die Wände garantiert Ohren haben. Der gute Felix schlägt tatsächlich das Einhorn als gemütlichen Ort vor, aber ich kläre ihn auf, dass dieser Ort den Nachtmasken nur zu gut bekannt ist. Also gehen wir in das Haus von einem von Felix Freunden, der nicht begeistert ist, als wir auftauchen. Zähneknirschend überlässt er uns das Wohnzimmer. Nachdem ich mich überzeugt habe, dass wir wenigstens weltlich nicht belauscht werden, beginne ich mit der Befragung.

„Mein Bruder Racardo. In der Tat, er kam damals nicht zum Treffpunkt, nachdem er seinen ominösen letzten Bruch tun wollte. Er hatte damals gesagt, wenn ihm das gelingt, werden wir gemachte Leute sein. Er wollte Material über die Adligen in die Hände bekommen und sie damit erpressen. Aber wie er genau das tun wollte, weiß ich leider auch nicht.“ Ich schau ihn prüfend an und komme zu dem Schluss, dass er mir die Wahrheit sagt, aber etwas verschweigt.

„Hat Racardo irgendwelche Sachen hinterlassen, Aufzeichnungen, Bücher, Pläne?“
„Racardo hat vielleicht ein Buch in seinem Leben gelesen. Aufzeichnungen oder ein Tagebuch hat er nicht angefertigt. Und auch sonst habe ich nichts mehr aus seinem Nachlass.“ Irgendwas verschweigt er mir.

„Was ist Racardo eigentlich genau zugestoßen, weißt du das?“
„Nun ja, ich dachte ja, er sei tot und bin nach Westtor abgereist. Geschäftlich musste ich noch einmal zurück nach Chondathan. Das Komische war, niemand wusste etwas von einem erfolglosen Einbruchsversuch in die Klingenfeste. Und da habe ich ihn wieder getroffen.“
„Häh? Racardo ist nicht tot?“ Das haut mich jetzt beinahe wortwörtlich vom Hocker.
„Nun ja, ich traf ihn wieder, sprach ihn an und er tat so, als ob er mich nicht kennen würde. Er war nun ein Hauptmann der Schildwacht, der zuständig für das Adelsviertel ist. Als ich nicht locker lassen wollte, ist er schier ausgerastet und wollte mich verhaften!“ Wir schauen uns alle etwas irritiert an. Racardo lebt, ist Hauptmann bei der Schildwacht und erkennt nicht mal mehr seinen eigenen Bruder. Wilde Theorien jagen in meinem Köpfchen hin und her, aber keine macht wirklich Sinn. Das alles ergibt so gar keinen Sinn. Ich komme mir vor wie bei einem Puzzle, wo die Mehrheit der Teile fehlt.

Wir danken Felix für seine Hilfe, entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten und verschwinden. Irgendwie habe ich mir mehr erwartet. Hinweise, die auf einen Weg in die Klingenfeste weisen könnten. Stattdessen nur weitere Puzzelteile, die das bisherige Gesamtbild auf den Kopf stellen. Ne, so langsam bin ich frustriert. Ich wusste ja, dass es nicht einfach werden würde, aber je mehr wir herausfinden, desto weniger wissen wir eigentlich. Eine Mitgliedschaft bei der Schildwacht und ein schnelles Hochdienen wäre vielleicht doch eine akzeptable Alternative. Ach, ich weiß auch nicht!

Wir erreichen unbehelligt das Handelshaus. Der gute Meister Jasper Jansen ist noch auf und lauscht gespannt unserem Bericht, nachdem er uns Kelche mit Wein gereicht hat. Das habe ich jetzt gebraucht. Der würzige Wein bringt meine Lebensgeister zurück. Da wir mit einem weiteren magischen Schwert recht wenig anfangen können, biete ich es zum Tausch gegen ein magisches Rapier und einen Streitkolben an. Obendrauf lege ich noch die meisterhaft gefertigte Rüstung von Rotauge Parvas. Wir kommen ins Geschäft und ich greife begeistert nach dem Rapier. Es ist eher einfach gefertigt, sprich es hat keine aufwendigen Verzierungen. Aber es ist magisch, liegt perfekt in der Hand und wird seinen Zweck erfüllen. Die Dame hat mir gelächelt!

Ryan versucht tatsächlich die Tochter Jasper Jansens anzubaggern. Wie peinlich! Er lässt sich von ihr die Galerie unter dem Dach zeigen. Xana, Lia und ich schließen uns an. Lia raunt mir zu, dass ich ja nichts einstecken soll. Ich werfe ihr einen finsteren Blick zu. Als ob ich eine gewöhnliche Diebin wäre. Pah! Es sind großformatige Bilder aus dem alten Jhaamdath zu sein. Sie zeigen alle Landschaften mit Städten und Schlössern der alten Heimat, wie sie vor der Flutwelle ausgesehen hat. Auch gibt es hier als Ausstellungsstück eine Kristallkrone aus einem Herrscherhaus. Sehr schönes Stück.

Glücksbote Ryan bringt Lissa, so heißt die junge Frau dazu, etwas von sich selbst zu erzählen. Es stellt sich heraus, dass Lissa gar nicht die leibliche Tochter, sondern ein Waisenkind aus dem Vhillongriff ist. Es ist üblich, dass Handelshäuser und Soldkompanien Waisenkinder aufnehmen und sie ausbilden. Auch scheinen viele mit einem ähnlichen Hintergrund in dem Handelshaus im Dienst zu stehen. Es ist ihr deutlich anzusehen, dass sie sich gerade verplappert hat und sie wird schnell sehr einsilbig.

Xana zupft mich beim runter gehen aufgeregt am Ärmel. „Sie ist genau so alt wie Serenius und der ist auch ein Waisenkind. Ob er in Wahrheit ein Spion des Handelshauses ist?“ Ist nicht ganz von der Hand zu weisen, wenn auch recht weit hergeholt. Trotzdem nehme ich mir vor, in Zukunft nicht mehr ganz so offen zu Serenius zu sein.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 06. August 2008, 13:14:33
5. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Westtor

Es ist nun Zeit zu gehen und wir machen uns zur Fernweh auf. Dolon tigert dort auf und ab. Vaslo Zar ist noch an Bord, wir tun es ihm gleich. Ich bin hundemüde und setze durch, da es ja noch leere Kabinen gibt, dass wir jeder eine einzelne bekommen. Vorsichtig wie ich bin, lasse ich meine Waffen griffbereit liegen, schlafe dann aber sofort ein. Als ich aufwache, haben wir Westtor schon verlassen. Ist mir recht. Dolon hat zu berichten, dass fünf Nachtmasken das Schiff besucht haben, Vaslo, oder die Dinger in ihm, haben denen klar gemacht, dass er uns persönlich töten will und die haben das akzeptiert. Da haben die aber Glück gehabt.

Jetzt ist die Frage, wie wir mit dem besessenen Garagospriester verfahren wollen. Der einfachste Weg wäre, ihn zu töten und über Bord zu werfen. Ich habe dabei aber ein eher schlechtes Gefühl. Könnte ja sein, dass was auch immer sich in Vaslo befindet, sich ein neues Ziel sucht, wenn sein Wirtskörper stirbt. Besonders Glücksbote Ryan ist dafür, dass wir ihn gefangen nehmen. Lia ist vehement dafür, dass wir ihn töten und beseitigen. Ich mache mir Gedanken, wie wir den Besessenen ruhig stellen können, bis wir zum Tyrtempel kommen, die angeblich gut mit Besessenen umgehen können, sprich nicht jeder stirbt, dem sie einen Teufel oder Dämon austreiben. Wir diskutieren eine geschlagene Stunde, wie wir das am Besten bewerkstelligen können. Lia wird mir mit ihrer Blutgier und Menschenverachtung immer unsympathischer. Inzwischen bin ich sicher, dass die Vorurteile gegenüber Elfen weitestgehend den Tatsachen entsprechen, jedenfalls in Lias Fall.

Schließlich haben wir einen Plan ausgearbeitet und abgesprochen, mit welchen Zaubern wir das alles fertig bringen wollen. Dann komme ich darauf zu sprechen, wie wir in der Sache mit der grünen Kugel weiter vorgehen wollen. Ich bin mir inzwischen nicht mehr so sicher, ob wir es durch die Kanalisation wirklich bewerkstelligt bekommen, ungesehen in die Feste einzudringen. Die Alternative mit der Stadtwache erscheint mir inzwischen einfach praktikabler. Die Sache mit Racardo wird mir inzwischen zu seltsam, um sie wirklich noch weiter verfolgen zu wollen. Und wir haben jetzt auch etwas von einer finsteren Organisation, der wir das in die Schuhe schieben können. Sofort brandet mir Protestgeschrei aus allen Richtungen entgegen. Die tun gerade so, als so ob die Nachtmasken automatisch wüssten, wer ihnen dann das Ei gelegt hat. Fakt ist, die sind schon so sauer auf uns und es ist durchaus wahrscheinlich, dass sie uns irgendwann einen Attentäter auf den Hals hetzen werden, wenn wir unbeschadet in Chondathan auftauchen würden. Besonders Xana und ich sind durch unsere Angehörigen sehr gefährdet. Wehe, die tun meiner kleinen Mili was an. Dann aber!

Die anderen weigern sich erstmal, sich Gedanken zu diesem Thema zu machen, so lange wir auf diesem Schiff noch das Problem Vaslo Zar und seinen Mitreisenden haben. Wir sprechen noch mal alles durch und beschließen, den Kerl im Auge zu behalten und am letzten Tag der Reise zuzuschlagen, weil wir so das Problem der Gefangenhaltung auf eine recht kurze Zeitspanne verkürzen. Damit ist wohl alles gesagt und wir verteilen uns. Ich suche mir eine ruhige Ecke und fange an in ein leeres Buch zu schreiben. Ich beginne meine Erlebnisse der letzten Monate aufzuschreiben. Daheim wartet ein kleines Mädchen auf mich, das wirklich zu recht wütend auf mich ist. Mehr als sie trösten werde ich nicht können, aber eines Tages, wenn sie reifer ist und lesen kann, werde ich ihr meine Aufzeichnungen geben und sie wird dann vielleicht verstehen, warum ich diesen gefährlichen Weg habe beschreiten müssen. Ach, kleine Mili, sie fehlt mir so sehr!

Wir richten es so ein, dass wir nun immer den Garagospriester im Auge behalten. Er hält sich fast ausschließlich an Deck auf, starrt in die Weite und macht sonst groß nichts. Irgendwie unheimlich. Dolon betrachtet ihm nach seinem Mittagsgebet einmal genauer. Wie auch Xana stellt er fest, dass an Vaslo nichts Magisches ist, er aber eine starke Aura des Bösen ausstrahlt. Eine zweite Gestalt scheint sich schemenhaft um ihn herum zu befinden. Irgendetwas nicht Greifbares, das aber genauso unsäglich böse ist.

Aber den Nachmittag über tut er nichts Außergewöhnliches. Es dämmert und wir gehen unter Deck. Vaslo Zar nach einem kargen Mal ebenfalls. Ich halte als erste Wache, in der absolut nichts passiert, ich aber einige Seiten weiter schreiben kann. Dann wecke ich Lia und gehe selbst ins Bett.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 08. August 2008, 13:14:12
6. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Die See des Sternenregens an Bord der Fernweh

Die Nacht ist wenig erquickend, ich träume davon, dass ich mit Ketten gefesselt worden wäre. Und zwar so, dass sie mich komplett umschlingen. Die Oberfläche ist mit rasiermesserscharfen Spitzen übersät, die mich in mein nacktes Fleisch stechen. Ich höre die seltsamen Stimmen, wie sie mich verhöhnen, verspotten und äußerst widerwärtige Dinge zu mir sagen. Und die Ketten werden zusammengezogen, die Spitzen reißen mein Fleisch auf und peinigen mich auf das Schmerzhafteste. Ich bin vollkommen erschöpft, als ich am nächsten Morgen aufwache. Die anderen sehen genau so abgekämpft aus. Das ist nicht gut.

Sollen wir jetzt schon zuschlagen? Ich rate erstmal davon ab, da es den Tod von Vaslo bedeuten würde, da wir ihn nicht so lange in Zaum halten und versorgen können. Lia sieht das wieder nicht so kritisch. Einfach alles über Bord werfen. Ich bin da etwas anderer Meinung. Und wahrscheinlich löst das unsere Probleme noch nicht mal dauerhaft. Wer weiß, ob der Teufel nicht einfach aus Vaslo ausfährt und in den nächsten hinein. Lia sieht darin nicht so das Problem. Wenn er in sie fährt, sehe ich auch nicht mehr so das Problem. Aber das sage ich nicht laut. Verdammnis!

Wir beschließen, uns erstmal an den ausgemachten Plan zu halten, auch wenn wir uns vorbereiten, ihn notfalls sofort umzusetzen. Ich schreibe weiter an meinen Geschichten. Während Dolon den besessenen Garagospriester im Auge behält, springt auf einmal einer der Matrosen in unmittelbarer Nähe einfach über Bord. Finsternis! Was war das? Dolon hatte gerade seinen Zauber aktiv, Magie zu entdecken und konnte nichts dergleichen entdecken? War das die zweite Aura gewesen? Wir halten einen Krisenrat und beschließen den Kapitän zu informieren. Diesmal übernehme ich das Sprechen und vermittle ihm unseren Wissenstand über Vaslo Zar und wie wir mit ihm zu verfahren gedenken. Der Kapitän ist natürlich sehr aufgebracht, dass wir ihn nicht schon in Westtor informiert haben.

„Das hätte nichts gebracht. Die Wache weiß über den Zustand von Vaslo Bescheid. Sie hätten uns eher alle gefangen gesetzt, um seine Mission nicht zu gefährden und hätten ihn auf einem anderen Schiff mitgeschickt.“ Das leuchtet ihm ein und er gibt uns freie Hand. Ich hoffe nur, dass weiteres Warten keine zusätzlichen Opfer kosten wird. Aber ich habe ein verdammt schlechtes Gefühl bei der Sache.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 11. August 2008, 14:49:26
7. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Die See des Sternenregens an Bord der Fernweh

Nach einer weiteren von Alpträumen dominierten Nacht bin ich total im Eimer. Diesmal haben sich die Träume ein weiteres Mal gesteigert. Sie wurden nun durch sexuelle Perversionen geprägt. Es ist erstaunlich was man alles mit Ketten und deren Enden machen kann. Mir wird richtig schlecht, wenn die Bilder aus dem Traum mir wieder ins Bewusstsein dringen. Wir haben noch etwa drei Tage auf See zu verbringen. Können wir solange noch warten? Werden die komischen Dinger so lange warten? Während wir in einer Ecke beraten, hören wir ein klatschen über uns. Als ob etwas Weiches mit großer Wucht auf das Deck gefallen wäre. Wir schauen nach und sehen wie der Ausguck zerschmettert auf dem Deck in einer immer größeren Blutlache liegt. Finsternis!

Vaslo Zar steht an der Rehling und feixt zu uns hinüber. Nun, die Entscheidung ist wohl gerade gefallen. Wir ziehen uns unter Deck zurück und machen uns kampfbereit. Mit etwas Alkohol schreibe ich einige Zeichen auf mein Körper und ich fühle mich richtig fit, dann verzaubere ich meinen Totschläger und gebe mir die Gewandtheit einer Katze. Jetzt kommt Glücksbote Ryan auf die Idee, das Gepäck des Garagospriesters zu durchsuchen. „Meine Zauber halten nicht ewig! Wir schlagen jetzt zu und schauen später nach“, schnauze ich ihn regelrecht an. Mir ist nicht wohl bei der Sache und an irgendeinem muss ich es ja auslassen. Wir hasten nach oben und Vaslo erwartet uns schon mit gezogenem Schwert. Die Besatzung schaut uns mit großen Augen an und ihre Blicke wandern zwischen uns und ihm hin und her. Aber keiner macht Anstalten, für eine Seite Partei zu ergreifen. Das Schwert von Vaslo ist schwarz angelaufen. Er kommt recht schnell auf uns zu und ich spreche einen Schildzauber auf mich und beginne dann um Vaslo herum zu laufen. Ryan gibt mir noch einen Zauber mit, der mich stärker macht. Mein rechter Knöchel verfärbt sich weiß, so hart umklammere ich meinen Totschläger. Xana lässt uns wieder hibbelig werden, während Dolon den Feindhammer um seinen Segen anruft.

Wir treiben den Besessenen recht schnell in die Ecke, mein Totschläger fährt mehrmals mit großer Wucht auf seinen Kopf und er bleibt schließlich betäubt liegen. Nur Dolon hat was abbekommen. Und Lia konnte es nicht lassen, einen Pfeil auf Vaslo Zar abzufeuern. Ich werfe ihr einen bösen Blick zu und versorge seine Wunde. Der arme Kerl! Während Dolon seine Wunde wieder verschließt, packen Ryan und ich Vaslo an Füßen und Schultern und schleppen ihn in den Laderaum, wo ich ihn an den Masten fessle. Derweil zieht Glücksbote Ryan ein großes Tamtam ab und zieht unter lauten Litaneien einen Bannkreis um Vaslo. Das komische Schwert legen wir gleich noch dazu. Nach knapp 10 Minuten ist Ryan fertig. Hoffentlich hält das auch. Lia besteht darauf, ihm auch noch die Augen zu verbinden und den Mund zu knebeln.

Schlachtenrufer Dolon hat schlechte Nachrichten, die zweite böse Aura ist immer noch auf dem Schiff. Derweil erklärt der Kapitän der Besatzung, was es mit Vaslo auf sich hat. Die Besatzung ist einhellig der Meinung, das Vaslo samt Schwert über Bord geworfen gehört. Das war abzusehen. Aber unsere Priester halten je eine ergreifende Rede, besonders Dolon entpuppt sich als wortgewaltiger Prediger. Hätte ich ihm jetzt so gar nicht zugetraut, da er ja eher der wortkarge Typ ist, solange es nicht darum geht, von seinen Kämpfen zu erzählen. Die Besatzung ist sichtlich beeindruckt und gibt Ruhe. Puh! Da das Wetter inzwischen recht rau geworden ist, haben die hier am Deck auch genug zu tun. Die Segel sind gebläht und wir machen recht schnell Fahrt. Wenn der Wind weiter aus der Richtung bläst, machen wir wahrscheinlich einen ganzen Tag gut. Aber vor uns ziehen finstere Wolken auf und die verheißen nichts Gutes.

Wir richten uns um den Gefangenen ein und beziehen Posten. Ich fange an, wieder zu schreiben, diesmal einen Bericht über Westtor, seine momentane Situation und was ich alles erfahren habe. Immer wieder blicke ich in Richtung des gefesselten Vaslo. Schließlich rührt er sich und stöhnt, bleibt aber sonst erstmal still. Nach etwa einer Stunde beginnt wie er ein Wahnsinniger an seinen Fesseln zu zerren. Aber die halten erstmal. Aber er gibt nicht nach und schließlich reißt er sich los. Erschreckt schreien Xana und ich auf und machen uns kampfbereit. Aber der Besessene belässt es dabei, sich die Augenbinde abzunehmen und den Knebel auszuspucken. Interessiert mustert er den Kreis um ihn herum und sieht uns dann feixend an. Finsternis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Sir Dinadan am 11. August 2008, 15:34:39
Zitat
Es ist erstaunlich was man alles mit Ketten und deren Enden machen kann.
:D Bei eurem Dm würd ich gern mal spielen...
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 13. August 2008, 15:35:15
@ Sir Dinadan

Nun, mehr diese Andeutung gab es auch nicht zu diesem Thema.  :cheesy:

7. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Die See des Sternenregens an Bord der Fernweh

Dann streckt er uns die Zunge heraus und macht es sich einfach am Mast bequem. Wir entspannen uns etwas. Besonders da unsere anderen Kameraden zu uns stoßen und wir ihn zu fünft in Schach halten. „Willst du was zu trinken haben?“
„Mein Wirtskörper sicherlich, aber ich brauch so was nicht. Aber ich mache euch ein Angebot, lasst mich raus und bringt euch selbst um, dann verschone ich vielleicht die Besatzung.“
„Vielleicht?“, hake ich nach und er feixt wieder.
„Das ist kein besonders viel versprechendes Angebot“, meint auch Glücksbote Ryan.
„Mehr bekommt ihr nicht.“
„Ich glaube, da lehnen wir wohl ab“, stelle ich für alle fest.
„Wie ihr meint.“

Nach wenigen Sekunden hören wir den Ruf, dass ein Mann über Bord gesprungen ist. Er feixt wieder. Das hat keine Zukunft. Xana und ich beschließen das Gepäck das Garagos Priesters zu durchsuchen, während Dolon nach oben geht, um der Besatzung zu helfen, bleiben Glücksbote Ryan und Lia zurück, um den Besessenen zu bewachen. In der Kabine des Priesters finden wir tatsächlich mehrere Reisetagebücher. Ich fische das neuste heraus und lese die letzten Beiträge. Wie es aussieht, ist Vaslo Zar ein leidenschaftlicher Sammler von historischen Waffen. Also nicht nur alten Waffen, sondern solchen, die verdienten Kriegern und berühmten Helden gehört haben. Seine letzte Suche galt einer Waffe mit dem Namen Schildspalter, die sich nach Angaben der Baranyschen Bruderschaft in Westtor befinden sollte. Diese Waffe hatten einige Helden geführt. Er äußert den Verdacht, dass wir auch hinter dem Schwert her wären. Aber leider finden wir nichts darüber heraus, was mit ihm passiert ist. Oder wie man damit fertig werden könnte.

Neugierig wie ich bin, schlage ich mal nach, was er vor einem halben Jahr so getrieben hat. Tatsächlich ist auch die Begegnung mit Schlachtenrufer Dolon verzeichnet. Ich werde mit keinem Wort erwähnt! So was auch. Ich zücke meine Schreibfeder und mache entsprechende Anmerkungen. Der Seegang ist inzwischen ziemlich stark geworden und der Wind pfeift ganz schön. Ein wirklicher Sturm ist das laut Aussage der Besatzung nicht, aber ich finde es schon recht unangenehm. Schließlich hören wir jemanden schreien. Wir beiden Frauen schrecken von unserer Lektüre auf. Tatsächlich, Lia schreit um Hilfe. Wir springen auf und stürmen in den Laderaum. Ein Bild des Schreckens offenbart sich uns. Vaslo Zar liegt mit mehreren Pfeilen gespickt in seinem Blut. Ryan ist im Kreis und sein Dolch ragt aus seiner Brust heraus. Lia sieht überfordert aus. Dolon ist nicht zu sehen. Ich schreie laut nach ihm und er kommt schließlich angestürmt.
„Ihr hättet auf mein Angebot eingehen sollen. Nun ist es dafür zu spät. Besonders bei euch drei Schlampen werde ich mir viel Zeit lassen.“ meint Glücksbote Ryan und macht klar, wo sich das Ding aus Vaslo nun befindet. Es folgt eine kurze Tirade von Perversitäten und anatomischen Unmöglichkeiten, die er uns nach und nach angedeihen lassen will, die mich schwer schlucken lassen. Das Ding hat es geschafft, mir Angst zu machen. Als erstes gehe ich mal zu Vaslo und mit einem „Alles wird gut!“ kommt er wieder auf die Beine, nachdem es die Pfeile herausgedrückt hat. Ich geb ihm was zu trinken, was er sofort herunter stürzt.

„Irgendwelche Vorschläge, was machbar wäre, das Ding aus Ryan raus zu bekommen?“ Immerhin war der Teufel oder was auch immer ja einige Zeit in Vaslo drin gewesen. Leider kann er nichts wirklich Erhellendes dazu beitragen. Außer das die beiden Elian und Sag heißen. Elian ist der, von dem er besessen war. Wir hören Schreie von oben, was ist nun schon wieder los? Dolon und Lia bleiben beim besessenen Ryan, der noch um die Kontrolle über seinen Körper kämpft. Oben am Aufgang stellen wir fest, dass wir nicht weiter kommen. Ketten haben sich vor die Tür gelegt. Diese Ketten lagen in Kisten an Bord herum, Ladung, die aus Westtor kommt. Jetzt sind sie lebendig und ich kann durch eine Ritze eine humaniode Gestalt erkennen, von der die Ketten ausgehen. Gerade quetschen sie einen Seemann zu Tode. Hört dieser Horror gar nicht mehr auf? Heraus kommen wir nicht. Das sieht nicht gut aus. Xana hat keine Ahnung, was für ein Ding das sein mag. Ich gebe ihm kurzerhand den Namen „Kettenteufel“. Frustriert eilen wir wieder zurück. Die Lage ist unverändert. Wütend balle ich die Fäuste und schüttle sie drohend in Richtung Ryan, der sich inzwischen seiner Ritterrüstung entledigt hat. Wohl um zu verhindern, dass der Kettenteufel mit ihm einen wirklich lohnenden Wirtskörper hat. „Ihr seid solch erbärmliche Kreaturen!“

Höhnisches Gelächter ist die einzige Antwort. „Ach ja, in dieser Gestalt kann ich den Schutzkreis ohne Probleme verlassen.“ Und das tut er auch. Dann sackt Ryan stöhnend zu Boden. Der Teufel, Dämon oder was auch immer hat ihn wohl verlassen. Im nächsten Moment geht ein Ruck durch das Schiff, Holz splittert, Menschen schreien panisch auf und es gibt ein unglaublich lautes Krachen. Wir müssen auf ein Riff aufgelaufen sein. Und das mit voller Fahrt. Ich kann mich abrollen und komme wieder auf die Beine. Dann fängt das Schiff an auseinander zu brechen. Verdammnis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 15. August 2008, 19:53:31
7. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Die See des Sternenregens

Ryan und Xana stürzen in die tosende See. Wir sind tatsächlich auf ein Riff aufgelaufen. Ich kann eine kleine Erhebung direkt vor uns sehen. Nur ein wenig dahinter entfernt ragt ein größerer Felsen auf. Das komische ist, da ist ein schlichtes tempelartiges Gebäude nur wenige Meter über den Meeresspiegel gebaut. In ihm befindet sich eine leuchtende Kugel aus bunten Flammen. Ich wirble herum und springe von diesem Trümmerstück auf das, wo sich unsere Kabinen befanden. Ich schnappe mir meinen Rucksack. Lia kommt hinterher und packt panisch unsere gesamte Ausrüstung in ein leeres Fass. Derweil springe ich auf das vorherige Trümmerstück zurück und dann zum Felsen. Gerade so kann ich mich daran festkrallen. Ich kraxle nach oben, befestige dort meinen Rucksack und hole dann das Seil heraus.

Inzwischen hat es Glücksbote Ryan glücklicherweise bis zum Felsen geschafft, aber Xana treibt immer noch panisch um sich schlagend im Wasser. Kurzerhand springt Ryan wieder zurück. Ich befestige das Seil und lasse mich daran zurück ins Wasser. Ryan packt Xana und ich schnappe mir den Glücksboten. Als ob der Sturm nicht schon Unglück genug war, kommt auch noch unter Wasser ein Bündel Ketten angeschossen. Eine wickelt sich um Xanas Fuß. Ich bin wieder am Felsen und versuche Ryan mit hoch zu ziehen. Die Kette spannt sich und ein Ruck geht durch uns. Gerade so können wir uns weiter halten.

„Verdammt! Hoffentlich reißt es sie nicht entzwei“, schreit Glücksbote Ryan.
„Keine Angst, das Seil ist aus Seide.“ gebe ich zurück.
„Ich meine Xana!“ Ach so! Inzwischen ist Xana wenigstens wieder an der Oberfläche. Sie setzt mehrmals an, eine magische Formel zu brüllen, aber es ist schwer, in diesem Durcheinander einen klaren Kopf zu behalten. Schließlich gelingt es ihr, eine Welle grüner Geschosse in die Kette schlagen zu lassen und der Griff löst sich. So schnell wie möglich klettern wir nach oben. Auf dem Schiff hat Lia inzwischen die gesamte Ausrüstung in ein Fass gepackt und es verschlossen. Obendrein hat sie noch ein Seil daran gebunden. Schlachtenrufer Dolon entledigt sich seiner Rüstung und kommt dann auf die Idee, dass er ja Wasser atmen memoriert hat. Leider ist es zu spät, die Rüstung zu sichern. Der Garagospriester hat sich eine kleine Schwimmhilfe gebastelt und paddelt so geschwind rüber.

Schließlich sind alle auf dem Felsvorsprung angekommen. Auch zwei Seeleute klettern hoch. Der Kapitän schafft es bis zum Felsen. Dann wird sein Blick leer. „Ein Kapitän geht immer mit seinem Schiff unter“, sagt er in der Stimme von einem der Kettenteufel. Dann lässt er los und verschwindet in den Tiefen. Da ist nix mehr zu machen. Verdammnis!

Ich fische aus meinem Rucksack den Wurfhaken und befestige ihn an meinem Seil, dann werfe ich ihn zum anderen Felsen. An einem Vorsprung greift der Haken und ich ziehe das Seil straff. Dann hangele ich mich rüber und lasse mir den Rucksack hinterher werfen. Ich befestige das Seil nun richtig und der Rest hangelt hinter mir nach. Lia zieht das Fass mit der Ausrüstung an das Ufer und wir stehen vor dem Gebäude. Vorsichtig betrete ich als erste den Raum. Gemeine Fallen kann ich keine entdecken, eher im Gegenteil, ich fühle mich hier geborgen. An den Wänden sind Inschriften eingemeißelt in einem Alphabet, dass der Vorläufer von dem heute verwendeten ist und wohl aus der Glanzzeit Jhaamdaths stammt. In der Tat ist der Tempel Eldath geweiht. Einst war sie ja auch die Göttin der Meere, bevor sie diese Domäne an Umberlee verlor. Hier sind wir sicher. Ich winke die anderen her und wir machen es uns erstmal ein wenig bequem. Ich ziehe mich soweit aus, wie es noch schicklich ist und trockne mich und meine Kleidung an der Kugel aus bunten Flamme, die eine wohlige Wärme abstrahlt, die anderen machen es mir nach und bald sind wir alle wieder halbwegs trocken.

Wir setzen uns zusammen und reden über das gerade geschehene. Das war jetzt wirklich bitter. Diese Kettenteufel haben uns wirklich verdammt hart zugesetzt. Wenigstens sind wir in diesem heiligen Ort sicher. Einer der Seemänner meint, dass dies die Zähne sein müssen. Ein berüchtigte kleine Inselgruppe, die weit dem Schlund Umberlees vorgelagert ist. Der starke Wind hat uns wohl etwas zu sehr vom Kurs abgetrieben, da diese Inselgruppe wegen ihrer gefährlichen Untiefen normalerweise weiträumig umfahren wird. Das bedeutet auch, dass wir nicht darauf hoffen können, von einem vorbeifahrenden Schiff gerettet werden zu können. Das ist nicht gut.

Während die anderen weiter über unsere Möglichkeiten diskutieren, übersetze ich die alten Inschriften. Der Tempel trägt den Namen Tempel des Friedens und der alten See. Er wurde vor über 1000 Jahren hier errichtet. Jedes Jahr entzündeten die Priester das heilige Feuer des Friedens auf dem hier über uns liegenden Leuchtturm. Das sollte für Licht, Frieden und Ausgeglichenheit sorgen. Alles, was Teufel bestimmt nicht mögen. Wir beschließen, morgen dieses Feuer zu entzünden und dabei die Zinnen, wie diese Inselgruppe einst offiziell hieß, zu erkunden.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 18. August 2008, 12:39:52
8. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Insel der Zinnen

Wir verbringen alle eine ruhige und wirklich geruhsame Nacht. Ich kann mich nicht erinnern, jemals vorher so gut geschlafen zu haben. Mein Zauberbuch hat den gestrigen Tag zum Glück gut überstanden und nach einem beschworenen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Ich trage die Fackel, die ich am Altar entzündet habe. Xana hat damit auch eine Kerze angezündet. Die Inselgruppe ist deutlich größer, als wie wir gestern in der Nacht gesehen haben. Ein schmaler steiler Pfad schraubt sich an dem Felsen nach oben. Um uns herum ragen weitere Felsnadeln auf.

Nach etwa fünfzehn Minuten hören wir rhythmischen Lärm. Wir rücken nun etwas vorsichtiger vor und sehen schließlich ein Plateau, wo sich einige komische Fischwesen tummeln. In ihrer Mitte tanzt ein Exemplar von doppelter Größe. Wir sind nicht in der Lage, die genaue Rasse der Wesen festzustellen, da sie sich doch etwas von denen unterscheiden, die uns versucht haben zu erpressen. Wir beschließen uns heimlich an ihnen vorbei zu schleichen, was auch gelingt, trotz des infernalischen Lärms, den Ryan mit seiner Rüstung verursacht.

Schließlich erreichen wir eine alte Hängebrücke, von der nur noch zwei Seile übrig sind. Unten sind scharfe Felsnadeln zu sehen, die dort aus dem schäumenden Wasser ragen. Auch liegt dort einiges an Schrott herum. Alte Opfergaben, wie eine Inschrift verkündet, denn dies ist die Grube der Klingen. Ryan wirft einen Dolch herunter. Ich gebe Xana eine von meinen Federfallrollen und hangle mich als erste rüber. Nach und nach kommen auch die anderen, nur die zwei überlebenden Seemänner wollen lieber wieder zurück in den Tempel gehen. Nun gut.

Xana schafft es tatsächlich mehrmals abzurutschen und jeweils gegen den Fels zu knallen, da sie mit einem Seil gesichert ist. Also so schwer kann das doch gar nicht sein. Als sie das dritte Mal fällt, aktiviere ich die Schriftrolle und sie knallt diesmal nicht mit voller Wucht gegen die Felswand. Wir ziehen sie nun endlich hoch und es kann weiter gehen. Nun liegt eine Höhle vor uns, durch welche der Pfad weiter führt. In ihr befindet sich ein kleiner Teich, aus dem eine Statue Eldaths herausragt. Das interessanteste ist aber ein verängstigter Fischmensch mit dem Namen Loka, mit dem sich Xana auf Drakonisch unterhalten kann. Sein Volk wurde von den Sahuagin, so nennt er die anderen Fischmenschen, versklavt. Der große Kerl ist Xexs, der Champion der Hohepriesterin Xexes der Pilger von Sekular. Na prima, die Probleme nehmen einfach kein Ende.

Aber bevor wir zu irgendwelchen Befreiungsaktionen starten, sollten wir das Leuchtfeuer entzünden, um so wenigstens die Kettenteufel zu schwächen. Dummerweise müssen wir dabei an dem Gefangenenlager vorbei, das hinter der Höhle etwas tiefer liegt. Wir hören Schmerzensschreie aus der Höhle, an der wir uns vorbei zu schleichen versuchen. Natürlich macht unser Panzer soviel Lärm, dass die Wachen der Höhle uns zuerst hören und dann auch sehen. Nichts wie weiter. Es gilt eine weitere Hängebrücke zu überqueren und dann noch eine Kletterpartie über ein abgebrochenes Stück Felswand.

Schließlich erreichen wir eine weitere Höhle, hinter der sich der Leuchtturm befinden müsste. Auch hier ist wieder eine Statue der Eldath in einem Teich zu bewundern. Ich zünde gleich mal die Schale an, die sie in der Hand trägt. Dumm nur, dass der weitere Weg verschüttet ist. Während die starken Männer die großen Steine zur Seite wuchten, nehmen wir Frauen die Kleinen. Schließlich sickert Tageslicht herein und eine Öffnung entsteht, durch die man sich durchquetschen könnte, wenn man dünn und schlank ist. Da müssen wir wohl noch etwas weiter arbeiten. Just in dem Moment hören wir hinter uns ein Gurgeln.

Ein blau angelaufener Kapitän torkelt herein. Bei Tymora! Was hat das zu bedeuten? Der Fischmensch fängt an zu wimmern und ich mach mich kampfbereit. Die Gestalt durchquert die Höhle und kommt auf uns zugewankt. Obwohl sie noch etwa zwölf Schritt entfernt ist, habe ich auf einmal ein schlimmes Würgen im Hals, als ob mein Mund voll Wasser wäre. Ich versuche mühsam nach Luft zu schnappen, aber Wasser dringt in meine Lunge. Ich versuche zu Husten, aber noch mehr Wasser scheint mich zu bedrängen. Ich falle vollkommen entkräftet um und alles beginnt sich um mich zu drehen. Finsternis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 20. August 2008, 14:33:52
8. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Insel der Zinnen

Dolon eilt mir zur Hilfe und entlädt seinen kleinen Stecken mit Heilmagie. Ich komme schwankend auf die Beine, aber das Gefühl zu ertrinken habe ich immer noch. Auch Xana fällt zu Boden und sie sieht gar nicht mehr schön aus, als sie offensichtlich auch gerade in der Luft ertrinkt. Zum Glück haben Dolon und Glücksbote Ryan einen Zauber memoriert, der einem erlaubt, unter Wasser zu atmen. Nachdem wir alle wieder ganz normal Luft bekommen, fassen wir den Ertrunkenen ins Auge. Zuerst aktivere ich meinen Heilungsgürtel, „Alles wird doppelt gut“, dann ziehe ich meinen Schild hoch. Unsere drei Kleriker, der Garagospriester Vaslo Zar ist ja auch bei uns, stürzen sich wagemutig auf den Untoten. Vaslo trifft ihn hart, aber die Gegenattacke wirft ihn zu Boden. Auch Dolon ist schnell in Bedrängnis. Xana macht, dass wir uns alle ganz schnell bewegen können und verschwindet dann, um das Leuchtfeuer zu entfachen. Öh, Hilfe!

Nun gut, ich flankiere den Untoten und fange an, auf ihn einzustechen. Wenigstens scheint mein Rapier ihm weh zu tun, auch wenn sich seine Wunden teilweise wieder schließen, aber da dies bei allen Wunden passiert und nicht nur bei meinen Stichen, braucht man wohl keine besondere Art von Waffe, um ihm weh zu tun. Da ich seine empfindlichen Stellen nicht wirklich treffen kann, verletze ich ihn kaum. Dolon hält seine Axt mit beiden Händen umklammert und haut ordentlich zu. Lia spickt ihn mit Pfeilen und nachdem Ryan mehrere Gebete gesprochen hat, um uns zu unterstützen, stürzt er sich ebenfalls in den Kampf. Schon bald gleicht der Untote einem Nadelkissen und unzählige Wunden zieren seinen Körper, aber seine Schläge prasseln mit ununterbrochener Stärke auf die beiden Kleriker ein. Vaslo Zar atmet noch, scheint nicht mehr im Sterben zu liegen. Dolon wankt schließlich schwer getroffen zurück und heilt sich. Die Lücke nutzt der Untote, um auf Lia einzuschlagen, die gegen die nächste Wand geschleudert wird und dort zu Boden geht.

Xana taucht endlich wieder auf und erneuert den Zauber, der uns so hibbelig macht. Ryan bringt zuerst Lia wieder auf die Beine und stürzt sich dann wieder in den Kampf, Dolon greift auch wieder ein, nur um ein weiteres Mal schwer einstecken zu müssen. Er aktiviert seine Handschuhe und grillt den Untoten damit etwas. Schwer getroffen wankt Ryan auf der Stelle, kann sich aber mit einem mächtigen Heilzauber wieder aufrichten, nur um im nächsten Moment endgültig zu Boden zu gehen. Xana wirft zwei feurige Lanzen auf den Untoten und hat dessen ungeteilte Aufmerksamkeit gewonnen. Sie quietscht auf und beschwört schnell Bilder von sich selbst, die sie umtanzen, bis der Kapitän zwei davon buchstäblich zerreist. Ich eile zu Ryan und bringe ihn mit einem „Alles wird gut!“ wieder auf die Beine. Dann sind Dolon und ich wieder bei ihm und stechen und hacken nach besten Kräften auf ihn ein.

Lia verlegt sich inzwischen darauf, jeweils immer zwei grüne Geschosse auf den Kerl abzufeuern. Auch Xana, nun wieder weiter hinten, lässt mehrere Wellen davon in ihn einschlagen. So langsam sieht er nicht mehr so fit aus wie am Anfang. Wir setzen ihm ordentlich zu. Und er uns auch. Schließlich erinnert sich Dolon daran, dass er einen magischen Helm hat, der uns ja etwas unterstützen könnte. Xana erneuert zum dritten Mal ihren hibbelig machenden Zauber. So langsam sollten wir dem Kerl doch beikommen. Inzwischen ist er mehr oder weniger eine einzige Wunde und mit einem saftigen Axthieb spaltet Dolon ihm endlich den Kopf. Das verträgt der Untote auch nicht und Götter sei Dank sinkt er endlich zu Boden und rührt sich nicht mehr. Puh!

Das war ein Kampf! Der Fischmensch ist ganz aus dem Häuschen, weil er noch nie gehört hat, dass Landbewohner einen Ertrunkenen, wie er diese Untotenart nennt, besiegt haben. Hätten unsere Kleriker nicht den passenden Zauber parat gehabt, weil wir anschließend noch Ausrüstung bergen wollten, wir wären tot gewesen. Ich hocke mich auf den Boden und bin erstmal nicht ansprechbar. Das ging an meine Leistungsgrenze. Irgendwie muss ich was an meinen Zaubern tun, ich konnte keinen einzigen wirklich gebrauchen. Finsternis! Xana erzählt, dass sie beim Anzünden des Feuers eine Nachricht der Kettenteufel bekommen hat. Einer von beiden würde nun in Xexs stecken und uns unten im Tempel der Sahuagin erwarten. Tja, die Probleme nehmen heute einfach kein Ende!

Gespielt am 12.04.2008
Spielleiter: Stefan
SC:, Dolon (Kleriker 6), Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 2), Lia (Waldläufer 3/Kriegsmager 3), Ryan (Kleriker 6), Xana (Hexenmeister 5/ Unbändige Magierin 1)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:  1570 für Stufe 6, 1370 für Stufe 7, Kaira 25, Ryan 50, Xana 50, Lia 50, Dolon 75
Überwundene Gegner
1 Ertrunkener
Errungene Schätze:
1 Rapier +1
1 Streitkolben +1
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 27. August 2008, 00:15:48
Kapitel 8
Der Zirkus kommt in die Stadt!
[/u]

8. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Insel der Zinnen

Nachdem wir unsere Wunden etwas geheilt haben, fängt eine hitzige Diskussion über unser weiteres Vorgehen an. Ich bin dafür, dass wir sofort zur Höhle der Gefangenen aufbrechen und dort die Hohepriesterin kalt stellen.

„Kaira, wir haben aber kaum noch Zauber!“, wendet Glücksbote Ryan ein.
„Wollen wir warten, bis die Hohepriesterin einen weiteren Ertrunkenen auf uns hetzt?“
„Hoffen wir, dass sie das nicht allzu oft kann.“ Leider kann Loka, der Fischmensch, nicht sagen, wie oft die Hohepriesterin Xexs so einen Untoten beschwören kann. Es gibt eine kurze hitzige Diskussion, ob sie das einmal am Tag machen kann, oder einmal jeden Zehntag, oder ob dafür besondere Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Wenn die Sahuagin öfter solche Wesen machen könnten, hätte sie bestimmt schon die ganze Küste überrannt.

„Viele Priester dunkler Götter beten in der Nacht um die Gunst ihrer verderbten Patrone. Wenn Xexs heute Nacht die Fähigkeit von ihrer Göttin erneut erhält, stehen wir verdammt schlecht da, weil wir dann immer noch keine neuen Zauber haben, um uns gegen die Ertrunkenen zu wehren“, wende ich schließlich ein. Selbst der zaudernde Ryan lenkt nun ein. Ich komme mir dabei etwas deplaziert vor, einen Glücksboten der Tymora zu einem Wagnis überreden zu müssen. Sollte das eigentlich nicht umgekehrt sein? Aber wahrscheinlich mangelt es mir nur an Einsicht, um Tymoras Wege zu verstehen. Auf zur Höhle der Gefangenen, wo sich laut Loka die Hohepriesterin befinden muss.

Wir hören von draußen einen kurzen heftigen Schrei, der gurgelnd abbricht. Huh? Wir springen auf und eilen kampfbereit aus der Höhle. Unten vor dem Eingang zur Höhle der Gefangen liegt ein brennender Sahuagin, der krampfhaft seinen Speer umklammert hält. Zuerst können wir uns keinen Reim drauf machen, erst als wir unsere Waffen ziehen wollen, werden die von einem bunten Feuer umhüllt und werden schnell heiß. Ich kann mein Rapier geradeso wieder wegstecken. Das ist nicht gut. Wie wollen wir ohne Waffen gegen diese Wesen kämpfen? Sie können zwar auch keine einsetzen, aber sie haben immer noch Zähne und Klauen. Aber vielleicht ist man in der Höhle ja geschützt. Ich spreche zwei Zauber, einer macht mich viel agiler, der andere gibt mir wieder richtig schönen Schutz, wie den von einem Turmschild.

Ich führe mein Amulett an die Lippen, küsse innig das Bild der lachenden Göttin darauf, berühre damit Stirn und Herz. „Wer wagt, gewinnt!“  Mit diesen Worten beginne ich den Abhang herunter zu rutschen und lande schließlich auf den Weg vor der Höhle. Die anderen folgen mir mehr oder weniger gewandt. Die Höhle scheint eine ehemalige Gruft zu sein. drei aufgebrochene Steinsarkophage sind zu sehen, die mit Symbolen der Eldath verziert sind, die teilweise zerschlagen oder mit Blut und Extrementen übermalt worden sind. Ich kann im Licht der dort brennenden Fackeln Xexes ist deutlich mit ihrem heiligen Symbol aus Haifischzähnen in der Mitte auszumachen, sechs weitere bewaffnete Haimenschen sind zu sehen. Drei tragen davon Armbrüste aus Treibholz und was das Meer sonst noch so als Baumaterial hergibt. Zwei untote Fischmenschen wanken auch noch herum. Ganz am Ende sind weitere Fischmenschen zu sehen, die sich furchtsam an der Wand zusammen kauern.

„Eis!“, brülle ich und zeige mit der linken Hand auf die Hoherpriesterin der Sekula. Ein eisiger Strahl verlässt meine Finger und schlägt in Brusthöhe in die dürre Haifrau ein. Das tut ihr sichtlicht weh. Drei der Haimenschen greifen mich an, aber agil weiche ich ihnen entweder aus oder drücke ihre ungelenkten Hiebe mit dem Schild zur Seite. Glücksbote Ryan lässt sengende Strahlen des wahren Glaubens aus seinem Amulett schießen und die beiden Zombies zerfallen zu Asche. Xana macht, dass wir alle wieder richtig hibbelig werden. Lia wirft eine kleine Kugel aus Feuer nach der Priesterin und Vaslo Zar schließt zu mir auf und tötet einen der Haifischmenschen. Dolon bleibt erst mal draußen und sichert nach hinten.

Die Priesterin beschwört ein Haifischmaul aus Energie, das nach mir schnappt. Gerade so kann ich noch mein Schild hochbringen und den Angriff blocken. Bolzen fliegen durch die Gegend, treffen aber nichts. Wir durchbrechen schnell die erste Linie und ich kann die Hohepriesterin flankieren. Ich lasse mir Zeit zu zielen und steche ihr schließlich präzise mit meinem neuen Rapier durch ihr Herz. Gurgelnd geht sie zu Boden. Einer der drei Schützen versucht zu fliehen, aber wir kennen keine Gnade. Die restlichen zwei versuchen die armen Fischmenschen als Geiseln zu nehmen, aber Vaslo und ich setzen dem schnell ein Ende. Na, so schwer war das ja jetzt gar nicht. Glück gehabt!

Ich plündere die Leiche der Hohepriesterin, zwei Perlen im Wert von etwa 50 Goldmünzen, ein Stab, der wahrscheinlich magisch ist, ihr heiliges Symbol aus Haifsischzähnen und ihr meisterhafter Dreizack wandern in meinen Beutel. Ryan wirft die Leichen der Getöteten über die Klippen, nach Sitte des Volkes. Die Fischmenschen sind froh, dass wir sie gerettet haben. Sie versprechen mit Hilfe zurück zu kommen, sie müssten aber erst zu ihrem Schwarm zurück. Dolon bittet sie noch, ihm die Rüstung zu bergen, falls möglich. Sie versprechen es und verschwinden im Meer. Wir selbst gehen zum Eldath Tempel zurück zum Ausruhen.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 29. August 2008, 12:40:37
9. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Insel der Zinnen

Nach einer ruhigen und ereignislosen Nacht bereiten wir uns auf den Kampf mit den Kettenteufeln vor. Am Nachmittag brechen wir dann frisch gestärkt auf. Die Kettenteufel sind nicht schwer zu finden, befinden sie sich doch genau dort, wo sie gesagt haben. Nämlich auf dem Gebiet des geschändeten Eldath Schreins, der nun ein Tempel ist, der Sekula geweiht ist. Wir sprechen die notwendigen Zauber und Ryan legt mir gar ein Schutzgewand an. Das Areal des Schreins ist vollständig offen und der Boden ist mit spitzen Haifischzähnen übersäht, welche die gleiche Wirkung wie Krähenfüße haben. Nicht gut darauf zu kämpfen. Die Haimenschen sind etwas schwach im Glauben, denn bis auf den vierarmigen Riesen, den Champion Xex, springen sie alle ins Wasser, um unseren gerechten Zorn zu entgehen. Kluge Entscheidung. Ich hoffe nur, dass sie nicht mit Verstärkung wieder kommen.

Xex brüllt uns eine Herausforderung entgegen und die beiden Kettenteufel giften uns an. Sie drohen besonders uns Frauen gar schrecklich unappetitliche Dinge an, falls wir gegen sie unterliegen sollten. Dann sollten wird das wohl am besten nicht tun. „Eis!“, sage ich da nur und zeige auf den riesigen, vierarmigen Haimenschen. Der eisige Strahl schlägt ziemlich präzise in ihn ein. Das scheint ihm weh zu tun, da er wütend aufbrüllt und zu mir hereilt. Einer seiner mächtigen Arme holt weit aus, ich bringe mein Schild hoch, aber sein Hieb ist so stark, dass ich vollständig durchgeschüttelt werde. Autsch!

Vaslo eilt mit dem Namen seines Gottes auf den Lippen herbei und tritt in den Schrein, sein Schwert hinterlässt eine tiefe Wunde in Xexs. Xana sorgt wieder mal, dass wir uns schneller bewegen können, Ryan betet laut zu Tymora. Lia tritt ebenfalls in den Schrein und die Wirkung des Gebetes wird gebannt. Sie schießt auf den Champion und trifft ihn gut. Ich trete nun ebenfalls in den Schrein, ziehe mein Rapier und gebe ihm die magische Klinge zum Schmecken. Das macht ihn nur noch wütender und ein wahrer Schlaghagel brandet über mich hinweg. Aua!

Ich taumle schwer getroffen zurück, lasse mein Rapier fallen und rufe „Alles wird gut!“ Von wegen, meine schweren Wunden schließen sich kaum. Aber Dolon kommt mir zu Hilfe und ich bin komplett geheilt. Dem Feindhammer sei Dank! Ryan ist inzwischen auch in den Schrein eingedrungen und gibt dem gemeinen Xexs ordentlich den Streitkolben zu schmecken. Die beiden Bartteufel finden das Ganze inzwischen nicht mehr so amüsant und greifen nun ebenfalls ins geschehen ein. Mistviecher!

Ich hebe mein Rapier wieder auf und husche turnend und ausweichend wieder in den Kampf. Xexs kippt gerade um und nun habe ich das Vergnügen gegen die immer noch lästerlich schwafelnden Kettenteufel kämpfen zu dürfen. Nach und nach werden meine Zauber von der unheiligen Macht des Schreins gebannt, was gar nicht gut ist. Die Kettenteufel sind ziemlich zähe Genossen. Ryan trifft sie mehrmals mit seiner Waffe, die von seinem Ring der schnellen Weihe magisch aufleuchtet, das tut denen richtig weh! Mein Rapier findet kaum eine Lücke und wenn ich mal treffe, schließen sich die Wunden schnell wieder. Da fällt mir ein, ich habe ja noch einen Dolch aus Alchemistensilber. Also trete ich zurück und wechsele die Waffe, nur um kurz darauf wieder im Geschehen zu sein. Ich lasse mir alle Zeit der Welt und ramme den Dolch durch einen Kettenschlitz in genau eine Lücke. „Zerstöre“ Meine magischen Handschuhe entladen sich und geben dem Ding den Rest!

Sofort eile ich zum nächsten, der von den anderen niedergestreckt am Boden liegt und gebe ihm den Gandenstoß. Auch er löst sich nun wohlgefällig auf. „Das werdet ihr büßen!“, sind seine letzten heulenden Worte, bevor er verschwindet. „Tausend Jahre haben wir erstmal Ruhe!“, meint Xana, die sich verdächtig gut in solchen Sachen auskennt. Sollte mir das zu denken geben?

Da wir schon so ziemlich alles getan haben, um Sekulah zu ärgern, plündere ich trotz Ryans anfänglichem Protest den Schrein. Es finden sich ein Dutzend Perlen von guter Qualität. Das hat sich ja mal gelohnt. Danke Tymora, denn wer wagt, gewinnt!

Nur wenig später kommt der Schwarm der Fischmenschen und bringt die Rüstung von Dolon mit. Der zieht sie freudig an. Und sie haben jede Menge Holz mit gebracht, aus dem sie ein Floß basteln, auf dem wir alle Platz haben. Sofort nachdem wir die anderen Seeleute geholt haben, stechen wir in See. Die Fischmenschen schieben das Floss an und wir kommen sehr schnell vorwärts. Mili, meine geliebte kleine süße niedliche Tochter, ich komme!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 01. September 2008, 18:36:57
10. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Es ist mitten in der Nacht, als wir in den Hafen von Chondathan einlaufen. Wir legen an einem Kai an und verabschieden uns von unseren neuen Freunden. Dann trennen wir uns, jeder hat ein eigenes Ziel, meines ist das Haus der Bruderschaft. Ohne Probleme komme ich an und genehmige mir erstmal ein kaltes Bad. Dann mache ich die Mitbringsel für meinen kleinen Schatz sauber und schleiche in mein Zimmer. Friedlich schläft mein Kleines in ihrem Bettchen. Mir kommen die Tränen, wie habe ich meine süße kleine Mili doch vermisst. Ich arrangiere die Mitbringsel um sie herum, küsse sie auf ihre Stirn, decke sie richtig wieder zu und schlüpfe selbst ins Bett.

Ein freudiges Quietschen weckt mich, Mili hat ihre Geschenke entdeckt. Dann sieht sie mich. Ihre freudige Mine erstart, ihre Unterlippe schiebt sich vor und dann kullern schon die ersten Tränen über die Wange. „Mama böse!“ schreit sie mich an. Au Weia! Ich eile zu ihr hin und nehme sie in den Arm, sie schlägt tatsächlich nach mir. Das hab ich wohl verdient. „Och Kleines! Mama ist ja wieder da. Ich musste kurz die Welt retten, jedenfalls ein kleines Stückchen davon.“ Das versteht sie nicht und es dauert lange, bis ich sie halbwegs getröstet habe. „Mama nie wieder weggehen!“, fordert sie kategorisch. Aber das kann ich ihr leider nicht versprechen. Ich kleide sie an, wir frühstücken und gehen dann etwas in die Stadt.

Heute ist einiges los, denn ein Zirkus gastiert in der Stadt. Ein kugelrunder Mann schwebt in etwa zwei Schritt Höhe, überschlägt sich, torkelt mal in Schräglage, rollt in der Luft, überschlägt sich wieder. Mili quietscht begeistert auf. „Kommt alle zum Zirkus vor der Stadt. Nur zwei Goldmünzen Eintritt!“ Na, dann mal nichts wie hin. Mili ist ganz aus dem Häuschen, als wir das große Zelt sehen. So was habe ich auch noch nie gesehen. Ein Feuerschlucker führt seine Kunststücke vor.

„Heiß! Heiß!“ schreit Mili erschreckt auf, inzwischen weiß sie, dass die bunten Flammen ganz arg aua machen können. Es gibt auch einen Messerwerfer und wer wird da aus dem Publikum als Ziel auf die Bühne geholt? Glücksbote Ryan, dieser Glückspilz. Und wer darf dem Messerwerfer assistieren? Die kleine Mili, was sie freudig aufquietschen lässt. Sie darf dem Messerwerfer zur Hand gehen und am Ende sogar ein Wurfmesser auf Ryan werfen, was ihn knapp verfehlt. „Oh! Daneben!“ Das war jetzt aber genug Aufregung für meine Kleine.

Ich setze sie auf meine Schultern und ich schlendere mit ihr durch das Areal. Söldner der Goldschwerter sorgen für Sicherheit und einen reibungslosen Ablauf. Überall sind Jongleure, die ihre Künste vorführen, auch ein Mann mit großen Stelzen schreitet sicher durch die Menge. Es werden Rundreisen mit einem riesigen Ballon angeboten. Für nur 10 Goldmünzen pro Person. Ich frag Mili, ob sie fliegen will und wie sie will. Unter der Kugel ist eine Gondel und wir klettern herein. Mit zwanzig anderen Leuten beginnt ein Rundflug. Freudig quietscht Mili auf, als wir abheben. Über uns ist eine geschlossene Kugel, ich vermute, dass sich darin ein Luftelementar befindet. Unter uns ist die Stadt. Jeden Herzschlag entdeckt meine Kleine was neues Interessantes und weist mich aufgeregt quietschend darauf hin.

Es ist wirklich schön, die Stadt von oben zu sehen. Ich kann die Orte erkennen, die für mich von großer Bedeutung waren oder sind. Und ich kann einen Blick auf die trutzige Klingenfeste erhaschen. Ich merke mir so viele Details wie möglich, wer weiß, für was das noch gut ist. Der Flug dauert etwa eine halbe Stunde, dann kommen wir wieder zum Zirkuszelt zurück. Das war jetzt wirklich schön. Mili hat inzwischen ganz vergessen, dass ich sie so schmählich allein gelassen habe und lässt sich von der Zirkusatmosphäre verzaubern. Ich spendiere ihr einen kandierten Apfel, an dem sie genüsslich knabbert.

Schließlich läuft uns auch Xana mit einem untergehakten Serenius über den Weg. „Er hat immer noch nicht gefragt!“, raunt mir Xana etwas enttäuscht zu und ich werfe Serenius einen bösen Blick zu. So langsam wird es aber Zeit, sonst flippt Xana irgendwann noch aus. Schließlich beginnt die große Vorstellung, der Eintritt kostet 2 Goldmünzen. Das Zelt scheint innen noch größer zu sein, als es von außen wirkt. Wir können einen schönen Platz ergattern und sehen uns dann die Vorstellung an.

Als erster tritt der Zirkusdirektor in die Manage, oder besser gesagt, er taucht mitten darin aus einer Rauchwolke heraus auf. Er trägt einen lächerlich großen Hut und stellt sich als Meister Quariks vor. Er scheint ein Mensch um die vierzig Jahre alt zu sein und redet mit einem Akzent, den ich nicht ganz einordnen kann, vielleicht Rashemi, oder auch Unther. Keine Ahnung. Er wünscht uns mit blumigen Worten viel Spaß und kündigt für morgen Früh eine kostenlose Sondervorführung nur für Kinder an, da will Mili natürlich auch hin. Klar, dass sie darf.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 03. September 2008, 14:41:03
10. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Dann taucht aus vier weiteren Rauchwolken jeweils ein verhüllter Käfig auf. Nach und nach werden die Käfige enthüllt und eine Dompteurin in einem wirklich eng anliegenden Lederkostüm, das an den entsprechenden Stellen so gut ausgefüllt ist, dass ich richtig neidisch werde, lässt die Wesen kleine Kunststücke vorführen. Als erster wird ein Waldtroll aus Chult präsentiert, eine recht kleine aber gemeine Bestie. Dann ein weißer Bär vom großen Gletscher im Norden. Als drittes ein Satyr, Verführer von unschuldigen Jungfrauen, die danach keine mehr sind. Er spielt ein melancholisches Lied auf seiner Panflöte auf. Als letztes wird eine Naga gezeigt, die Xana ganz aus dem Häuschen bringt. Sie kann es nicht lassen und packt ihre Vertraute Nana aus, um die ihr deren große Verwandte zu zeigen. Manchmal ist Xana ja so ein Kind.

Als Nächstes kommen bunt kostümierte Darsteller, die Kunststücke und kleine derbe Sketche vorführen. Allein die bunten Kostüme und ihre Bewegungen bringen meine Mili zum Lachen. Da hat sie großen Spaß dabei, auch wenn sie einige der Anspielungen nicht so ganz verstehen kann. Als Nächstes führen einige sehr leicht bekleidete Frauen, deren Stofffetzen eigentlich mehr betonen als verhüllen, einige sehr akrobatische Tänze auf. „Frauen muss sehr warm sein“, folgert Mili. So tanzen würde ich auch gerne können.

Dann taucht Meister Quarik wieder auf und zündet nun buchstäblich ein Feuerwerk an Magie. Zuerst gibt es bunte Lichter zu sehen, die in glühenden Kaskaden vergehen. Dann verschwindet das Zelt um uns herum und das Feuerwerk beleuchtet die inzwischen eingetretene Dunkelheit. Dann scheinen wir den Boden unter den Füßen zu verlieren und fliegen den Sternen zu. Gleißendes Licht und wir sehen unter uns eine Festung mit 20 spitzen Türmen und einen riesigen gehörnten Teufel. Geflügelte Wesen umkreisen die Burg. Weiter geht die Reise, wir sehen mächtige Säulenhallen, in dem geflügelte Wächter engelsgleich ihren Dienst verrichten, dann bewegen wir uns weiter durch die Ebenen. Xana kann mal wieder ihr gesammeltes Wissen darüber anbringen und äußert zu jedem gezeigten Bild ihre Vermutung.

Schließlich befinden wir uns wieder im Zelt. Puh! Der Applaus brandet mehrere Minuten durch das Zelt. Meister Quarik macht noch mal darauf aufmerksam, dass es Morgen eine weitere kostenlose Vorstellung nur für Kinder geben wird. Dann ist es vorbei. Das waren jetzt mal wirklich vier gut angelegte Goldmünzen. Meine kleine Mili kann gar nicht aufhören, mir ihre Eindrücke mitzuteilen. Dieser Zirkus kam wirklich gerade zur rechten Zeit. Ich bringe sie dann ins Bett, erzähle ihr eine kleine gute Nachtgeschichte und singe sie dann in den Schlaf.

So, das wäre geschafft. Ich küsse sie auf ihre Stirn und begebe mich dann ins Archiv der Bruderschaft der ungesehen Seher. Dort ordne ich meine Notizen und gebe ihnen den letzten Schliff. Vielleicht kann ja jemand was damit anfangen. Bruder Karn läuft mir über den Weg und ich erzähle ihm von meinen Abenteuern in Westtor und was ich Seltsames über Racardo herausgefunden habe. Er kann mit der Beschreibung sogar was anfangen. Dieser Hauptmann trägt den Namen Alvek Jermadan und gilt als der Enkel der Gräfin Jermadan, aus einem alten Adelshaus mit dunklen Ruf. Sie sollen noch viel altes Geld besitzen, was sie aber kaum für sich arbeiten lassen. Der dunkle Ruf beruht darauf, dass sie in jeder Auseinandersetzung mit einem anderen Adels- oder Handelshaus meist dadurch gewonnen haben, dass ihre Gegenspieler von penetranten Pech verfolgt wurden und einfach nichts geklappt hat. Man munkelt, die Jermadan hätten alte Pakte mit Teufeln geschlossen oder gar schlimmer für die Bewohner dieser Stadt, sie wären mit Feen im Bunde. Das hört sich gar nicht gut an.

Bruder Karn deutet an, dass er weitere Informationen hätte, die sich aber in einem geheimen Lager befänden, zu dem ich keinen Zugang habe. Er bietet an, mal nachzuschlagen, ob er da noch was herausfinden kann. Nun gut, warum auch nicht, auch wenn dieser eingeschlagene Pfad mir immer unvorteilhafter erscheint. Der Beitritt in die Schildwacht erscheint mir inzwischen um einiges sinnvoller zu sein. Mit sorgenvollen Gedanken gehe ich dann schließlich auch zu Bett.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 08. September 2008, 10:53:11
11. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Mili wirft mich nach viel zu kurzer Zeit aus dem Bett. „Zirkus!“, macht sie mich auf ihr dringendes Problem aufmerksam. Ich versuche ihr zu erklären, dass wir noch viel Zeit haben. „Quak Quak muss auch mit!“, bestimmt sie. Da Glücksbote Ryan gestern noch bekannt gegeben hat, dass die ganze Kindergruppe geht, laufe ich mit ihr zuerst zum Schrein der Tymora. Wir sind so ziemlich die ersten und ich gehe mit der Kleinen in den Andachtsraum und versinke erstmal im Gebet zu meiner Göttin. Die Dame hat mir in den letzten Tagen wirklich oft gelächelt.

Schließlich kommt Lia in den Schrein gestürmt und erzählt eine gar unheimliche Geschichte. Heute früh wäre sie in den Zirkus eingebrochen, um mit dem Satyr zu reden. Feenwesen unter sich, sozusagen. Mit dem Zirkus stimmt was nicht, außerdem hätte sie gesehen, wie ein Unsichtbarer Hüne eines der Goldschwerter ermordet hätte. Aha? Ich werde aus ihrer wirren Erzählung nicht wirklich schlau, kann aber soviel daraus schließen, dass es nicht gut ist, die Kinder in den Zirkus zu lassen.

Nun, dann sollten wir der Sache auf den Grund gehen. Glücksbote Ryan, Xana und Serenius tauchen auch auf. Ich lasse meine Kleine im Tempel zurück, wo sie etwas enttäuscht zurück bleibt. „Zirkus!“ Als Erstes prüfen wir nach, ob wirklich eines der Goldschwerter ermordet wurde. Wir treiben den Hauptmann dieser Söldnervereinigung auf und er bestätigt, dass er einen Mann verloren hat, verdächtigt aber eine rivalisierende Söldnergruppe. Von ihm ist keine Hilfe zu erwarten. Also gehen wir zur Schildwacht am Nordtor. Deren Hauptmann hört sich das an und findet das bedauerlich, sieht sich aber nicht wirklich dafür zuständig. Da müssen wir die Sache wohl selbst in die Hand nehmen.

Während Ryan zurückläuft, um die Kinder erstmal im Schrein zu halten, begeben sich Xana, Serenius, Lia und ich zum Gelände des Zirkus. Inzwischen haben die Goldschwerter ihren Dienst quittiert und nur noch die Wachen des Zirkus selbst sind zu sehen, aber das sind nur zwei, die sich vor dem Zelt von Meister Quariks postiert haben. Ryan hatte erzählt, dass er diesen Meister Quariks aufgesucht hatte und er zehn Minuten hatte warten müssen, bis der Kerl herausgekommen wäre. Also kriechen Lia, Xana und ich von hinten in das Zelt und spähen es aus, während Serenius zurück bleibt. Das Zelt hat einen Teppichboden, zwei Leinentücher als Raumteiler. Ein Lager aus Kissen und eine Wasserpfeife sind in einer Ecke drapiert. Als einziger anderer Einrichtungsgegenstand dient eine große Kiste, die aber leer ist. Ich untersuche sie nach einem doppelten Boden und darunter befindet sich auch keine Falltür.

Also klettere ich hinein, schließe den Deckel und öffne ihn nach fünf Herzschlägen wieder. Ich sehe einen kleinen Säulengang und zwei davon abgehende Türen. Auf der anderen Seite öffnet er sich zu einem Garten. Hier scheint es weiter zu gehen. Ich mache den Deckel wieder zu und als ich ihn öffne, bin ich wieder im Zelt. Ich sage den anderen beiden Bescheid und wir gehen nach und nach durch die Kiste in den anderen Bereich. „Ich glaube, dass ist eine Taschendimension“, vermutet die hübsche braunhaarige Hexenmeisterin. Ich habe davon im Unterricht gehört, wahrscheinlich ist die Kiste ein Portal.

Zu sehen ist erstmal niemand. Vorsichtig schleichen wir los. An der ersten Türe lausche ich, kann nix hören, auch Fallen sind keine zu finden. Vorsichtig drücke ich die Türe auf und linse hinein. Ich sehe einen länglichen Raum, in dessen Mitte ein kleines Wasserbecken eingelassen ist. Drum herum sind Sitzkissen zu sehen. Ganz am Ende thront auf einem Berg von bequemen Kissen ein großer roter Frosch, der uns finster mustert, während er an einer Wasserpfeife schmaucht.

„Der Preis steht schon fest, ihr seid zu spät“, blafft der rote Frosch, als wir ganz reinkommen.
„So was kann sich schnell ändern“, bluffe ich ins Blaue.
„Ich habe mit Meister Quarik eine Vereinbahrung und ich habe eine gute Bezahlung für die Ware, Ebenendiamanten.“
„Nun, Meister Quarik scheint wohl beschlossen zu haben, dass eine Auktion etwas mehr Pepp in die Sache bringen könnte“, erwidere ich.
„Ich finde es ziemlich pervers, wenn Menschen Menschen kaufen. Für was braucht ihr so viele Kinder überhaupt? Ich hätte noch ein paar über, da ich noch nicht alle weiter verkauft habe.“
„Nun ja, für was braucht ihr sie?“
„Unterschiedlich, ein paar von meinen Kunden mögen eben den unverdorbenen Geschmack, besonders, wenn sie frittiert werden. Ich mag sie ja eher gut durchgebraten. Andere haben halt ihre üblichen Spielchen vor.“ Ich muss mich halten, ihn nicht anzugreifen.
„Ich glaub, das ist ein roter Slaad, ein böses Wesen“, raunt mir Xana zu. Den letzten Teil habe selbst ich schon realisiert. Abschätzend mustere ich ihn und analysiere unsere Chancen.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 10. September 2008, 11:42:01
11. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan/Meister Quariks Taschendimension

So ganz ohne klerikale Unterstützung erscheint es mir nicht ratsam, einen Kampf mit einem gänzlich unbekannten Gegner anzufangen, besonders da sich hier in bequemer Rufweite noch weitere Personen aufhalten könnten.

„Nun, wir werden ja sehen, wer am Ende die Ware bekommt“, damit drehe ich mich um und verschwinde mit den anderen. „Wir müssen verhindern, dass die Kinder die Vorstellung besuchen.“

Also eilen wir zurück. Just in dem Moment hören wir, wie die Kiste geöffnet wird. Wir huschen hinter die Säulen und lassen mehrere Personen passieren. Ich linse, in welchen Raum sie verschwinden und husche hinterher. Ich lausche an der Türe und bekomme so mit, wie sie versuchen werden, mit den Kindern so schnell wie möglich zu verschwinden. OK, weitere Bewiese braucht es nicht. So schnell wie möglich kehren wir nach Chondathan zurück. Serenius musste inzwischen einen der Wächter ruhig stellen, der wohl was gehört hatte. Ich gebe ihm noch eins auf die Zwölf, dass er nicht so schnell wieder auf die Beine kommt. Dann machen wir, dass wir von hier verschwinden.

Auf dem Weg treffen wir Glücksbote Ryan, das muss reichen, um Meister Quarik aufzuhalten. Auf die Stadtwache können wir nicht zählen, also werden wir die Sache selbst in die Hand nehmen. Ich führe mein heiliges Symbol an die Lippe, küsse es, und berühre damit Stirn und Herz. Vor dem Zelt ist schon eine Traube aus Kindern und einigen Eltern. Gerade in dem Moment stakst der Stelzenträger heraus. „Kommt herein, liebe Kinder, die Vorstellung eures Lebens erwartet euch.“

„Stopp!“ brülle ich. „Geht da nicht rein! Dieser Zirkus ist verseucht!“ Alle schauen mich groß an. „Das sind üble Sklavenhändler, die führen nichts Gutes im Schilde.“ „Hört nicht auf sie, die sind wohl nicht ganz bei klarem Verstand!“, versucht der Stelzenträger zu beschwichtigen. Ryan stürzt sich auf ihn und stellt fest, dass er nicht auf Stelzen steht, sondern seine Beine sind die Stelzen. Dieser eindeutige Beweis macht den Eltern klar, dass hier etwas nicht stimmt. Sie treiben die Kinder vom Eingang weg. Wir sehen uns nun Meister Quarik und vierzig seiner Leute gegenüber, wie ich schnell überschlage. Und die sind gar nicht erbaut darüber, was wir getan haben.

„Ach, immer diese Abenteurer, die einem dazwischen funken“, seufzt Meister Quarik.
„Tja, irgendjemand muss euch ja stoppen“, meine ich und bin froh, dass die ganzen Kinder inzwischen weg sind.
„Nun, für heute habt ihr gewonnen.“ Lia ist so frech und handelt noch die Freilassung für den Satyr aus, was sie knappe 1500 Goldmünzen kostet. Der Satyr kommt frei und Meister Quarik macht eine umfassende Geste, das Zelt, seine Leute und das ganze Lager schrumpft und wird zu einem Ball, den Quarik in seiner Handfläche fängt und in seine Tasche steckt. Dann verschwindet er auch. Puh! Das war jetzt gerade noch glimpflich ausgegangen. Der Satyr meint, dass dies verdammte Djinns gewesen waren. Wie auch immer, jetzt stehen wir einem anderen großen Problem gegenüber, einer Horde höchst enttäuschter Kinder, die sich um eine Zirkusvorstellung geprellt sehen.

Tja, mal sehen was wir ihnen da so bieten können. Leider haben wir nicht die Möglichkeiten, wie sie ein Zirkus bieten kann. Aber wir geben unser Bestes und bereiten den Kindern doch noch einen vergnüglichen Nachmittag.

Am Abend setzen wir uns noch zusammen und besprechen unser weiteres Vorgehen, was nun? Seit wir den Auftrag übernommen haben, sind wir eigentlich nicht wirklich weiter gekommen. Immer wieder kam was dazwischen und nach Wochen sind wir eigentlich immer noch in der ersten Phase, der Informationsbeschaffung. Ich habe mir in der letzten Zeit viele Gedanken über die Problematik gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass wir wohl nicht drum herum kommen, uns der Schildwacht anzuschließen und uns hoch zu arbeiten. Der Vorschlag findet nur deshalb in der Runde Zustimmung, weil sonst keiner eine bessere Idee hat.

Gespielt am  03.05.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 2), Lia (Waldläufer 3/Kriegsmager 3), Ryan (Kleriker 6), Xana (Hexenmeister 5/ Unbändige Magierin 1)
Schrein des Ruhmes: Heiliges Symbol der Sekula Hohepriesterin
Erfahrungspunkte:  1370 für Stufe 6, 1170 für Stufe 7, Kaira 50, Ryan 25, Xana 75, Lia 50,
Überwundene Gegner
2 Zombies
6 Sahuagin Krieger
1 Hohepriesterin
1 Champion
2 Bartteufel
Beute
1 unbekannter Stab
1 meisterhafter Dreizack
12 Perlen a 100 GM
2 Perlen a 50 GM
1 Halskette
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 12. September 2008, 11:24:46
Kapitel 9
Spaß in der Schildwacht
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12. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Wir treffen uns am Tymoraschrein und gehen dann gemeinsam zu dem Posten der Schildwacht am Thargrams Weg. Dort treffen wir Hauptmann Harm Bregg, ein anderer Hauptmann und ein paar Schildwächter an. Die hören sich unser Gesuch an und brechen dann in Gelächter aus. Besonders wegen Glücksbote Ryan. Sein Ruf als Lebemann eilt ihm halt voraus. Wir werden gefragt, was wir denn so können. Dolon ist natürlich als Schlachtenrufer gern gesehen, auch wenn er gleich ermahnt wird, religiöse Differenzen mit anderen Glaubenrichtungen mit dem Anziehen der Kluft der Schildwacht hinten anzustellen sind. Über den Glücksboten machen sie Witze, aber wenigstens bekomme ich nun mal Ryans vollen Namen zu hören, Ryan Ian Lachlan. Xana heißt mit vollen Namen Xanaphia Taliano, Hauptmann Bregg scheint ihre Mutter zu kennen.

Nach etwas hin und her, schlägt Hauptmann Bregg vor, dass wir uns mal Probeweise verpflichten können. Falls wir uns in den nächsten Zehntagen während der Nachtschicht in der Außenstadt bewähren, könnte man vielleicht über einen festen Vertrag reden. In der Wochen haben wir sieben Tage Nachtschicht, zwei Tage Barrackendienst und einen freien Tag. Hört sich fair an. Die Bezahlung wäre fünf Goldmünzen. „Fünf Goldmünzen am Tag sind ja gar nicht mal so schlecht.“ meine ich erfreut.

Da kugeln sich aber die Schildwächter vor lachen. „Fünf Goldmünzen in der Woche?“ wäre ja auch noch Fair. Die prusten und winden sich am Boden. „OK, im Monat fünf Goldmünzen, Richtig?“ Ja, dass ist nun korrekt. Menno! Das ist ja ein Hungerlohn! Wir sollen uns vor Sonnenuntergang am Nordtor melden. Nun gut.

Ich verbringe den Tag mit Mili, die natürlich etwas knatschig wird, als ich ihr verklickere, dass Mama jetzt in der Naht arbeiten muss. Aber am Tag bin ich ja da. Rein Theoretisch, weil schlafen muss ich ja auch mal. Ich bringe sie früh zu Bett und flitze dann zum Nordtor. Dort ist Hauptmann Feltya für uns zuständig. Feltya ist eine Frau in den Vierzigern, die den Eindruck macht, mit Ogern ringen zu können und die auch zu besiegen. Hauptmann Bregg ist auch da und wird uns in der ersten Nacht begleiten. Wir bekommen eine kleine Anweisung was wir zu tun haben und was nicht. Besonders bei Bestechung würde es uns schlecht ergehen. Wir bekommen eine total unschicke Uniform in Grau und Braun. Dazu gibt es noch ein verdammt schweres Schild aus Stahl, der mich nur behindert. Mistding.

Alle versuche von Xana und mir den Schild los zu werden, schlagen fehl. Mist auch. Dann werden wir auf Patrouille geschickt. Die Außenstadt ist der Sammelpunkt all jener, die entweder nicht genug Geld haben, innerhalb der Mauern eine Wohnung zu finden, es nicht mögen, dass man bei ihnen Geschäften zu sehr auf die Finger schaut und eben die unzähligen Söldner. Heute Nacht ist noch besonders schwieriger Tag. Die größte Söldnerkompanie in der Außenstadt, die Graue Brigade hat vor genau sechs Jahren eine Schlappe erlitten. Sie konnten einen Auftrag nicht ausführen und der Kontrakt ging an die Speere von Mirabar, die dann den Auftrag erfolgreich ausführten. Seitdem haftet ein Makel am Stolz der Grauen Brigade und die Speere von Mirabar tun natürlich alles, dass dies nie vergessen wird. Na Klasse!

Unsere erste Bewährungsprobe erhalten wir in einer Kascheme, wo sich zwei Männer prügeln. Um sie herum steht eine Menge, welche die Kämpfenden anfeuert und Wetten abschließt. Hauptmann Bregg überlässt uns dass zu lösen. Während die anderen noch glotzen, schnappe ich mir einen Eimer Wasser aus der Pferdetränke und trenne mit einem Schwall Wasser die beiden Kontrahenten. Die Fluchen natürlich, aber ich stelle sie zur Rede und mache ihnen klar, dass man sich nicht prügelt und wir von der Schildwacht auch nicht zusehen. Sie murren zwar, aber bleiben friedlich. Danach lobt mich Hauptmann Bregg und tadelt die anderen, weil sie nichts gemacht haben.

Der nächste Konflikt zu dem wir eilen, ist nicht so ohne. Leute der Grauen Brigade und der Speere von Mirabar stehen sich feindselig gegenüber. Zwei von ihnen schubsen sich gerade. Einer ist ein wahrer Hüne, der andere ein eher sehniger Typ. Es handelt sich um je den zweiten Mann dieser Soldeinheiten. Der Hüne schimpft sich Arabas, der schlacksige Iliak. Nach etwas hin und her trennen wir die Streithähne. Dolon spielt seine Tempuskarte aus und beruhigt die Gemüter soweit, dass sich beide Gruppen trennen und in die jeweilige andere Richtung abziehen. Diesmal gebührt Dolon das Lob. Schließlich geht auch diese Nacht zu Ende.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 15. September 2008, 13:17:51
13. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich habe gerade meine Kleine in Bettchen gebracht, als es an der Tür klopft. Ein mir unbekannter Bruder steht vor der Tür. Karn würde ihn schicken, weil er ein Experte für das Adelshaus Jermadan ist, welche ja bekanntlich unseren ominösen Freund Racardo unter die Fittiche genommen haben. Bruder Karas hat folgendes zu berichten. Die Familie Jermadan ist seit fünfhundert Jahren in der Stadt ansässig. Ihr gehört der Wald von Galor, der in der Nähe von Cormyr liegt. Dieser Wald gilt mal wieder als verflucht und inzwischen weiß ich aus eigener Erfahrung, dass Wälder mit diesem Ruf tatsächlich gar finstere Orte sind. Es gibt viele Gerüchte über die Familie, auch dass sie angeblich Vampire seien, weil sie meist nur Nachts gesehen werden. Was auch erwähnenswert ist, dass die Familie fast nur Töchter bekommt. In den letzten Fünfhundert Jahren gab es nur zwei männliche Nachkommen, einer davon war mit der jetzigen Gräfin verheiratet, die nun die Familie regiert.

Der Graf ist erst kürzlich verstorben und jetzt bietet sich eine einmalige Gelegenheit, das Anwesen zu besuchen. Der Tod muss im örtlichen Adelsregister eingetragen werden und dies macht ein gewisser Jeremias Holm, der Advokat ist. Dieser Holm ist ein heimlicher leidenschaftlicher Spieler, was ihn erpressbar macht. Er muss zwei Zeugen dabei haben, dafür würden sich unsere beiden Kleriker ja hervorragend eignen, dazu noch Schreiber, wofür Xana und ich uns eignen würden. Aber was bringt uns das? Die Gelegenheit, in das Anwesen hineinzukommen und etwas zu schnüffeln. Mit ein paar Haaren von Hauptmann Alvek Jermadan alias Racardo der Meisterdieb könnte sich feststellen lassen, um was für eine Kreatur es sich handelt. Alles was uns näher an ihn bringt, ist vielleicht von Vorteil. Aber nur Vielleicht.

Ich danke Bruder Karas für seine Hilfe und gehe dann zum Dienst. Diesmal dürfen wir alleine durch die Außenstadt patrouillieren. Nebenbei sollen wir nach Ilaria Schwarzpfeil Ausschau halten, der letzten überlebenden Anführerin aus Luvius Diebesgilde, die sich zurzeit in der Außenstadt aufhalten soll. Aha? Anscheinend war sie irgendwo untergetaucht gewesen und sei jetzt wieder auf der Bildfläche erschienen. Ob die wegen uns hier ist? Keine Ahnung!

Wir machen uns auf den Weg und sehen nach dem Rechten in der Außenstadt. Und es dauert auch nicht lang, da ist die Scheiße buchstäblich am brennen. In einer Menschentraube finden wir den aufgespießten Iliak, den zweiten Mann der Speere von Mirabar. Gesehen hat niemand was, aber alle sind der Meinung, dass nur Arabas von der Grauen Brigade für diesen feigen Mord in Frage kommt. Ich scheuche die Leute soweit wie möglich weg und untersuche die Leiche. Sein Schädel ist eingeschlagen und er ist zusätzlich noch aufgespießt worden. Sein Körper ist mit blauen Flecken übersät. Da hat es einiges Prügel gesetzt. Ich bin nicht sicher, ob dass alles von Fäusten stammt, aber ein Knüppel könnte es auch gewesen sein. Natürlich ist nichts mehr wertvolles zu finden. Und auf seinem Rücken hat jemand einen blutigen Handabdruck hinterlassen.

„Die Hand Bhaals!“ hauche ich. „Vor einigen Jahren hat hier ein emsiger Anhänger Bhaals Menschen getötet und seine Opfer mit seiner blutigen Hand markiert.“

„Prima, dann brauchen wir den Kerl nur noch zu finden.“ Knirscht Dolon.
„Dummerweise ist der aufgehängt worden.“
„Ob ihn jemand ins Leben zurück geholt hat?“
„Denke ich weniger. Du weißt ja, wie im Myrkultempel die Toten behandelt werden. Sein Schädel ist einer von hunderttausenden, unmöglich den zu finden. Er hatte Schüler, aber die sind alle auf die Insel geschafft worden. Schätze mal, da will ihm jemand nacheifern.“

Das bringt uns jetzt nicht wirklich weiter. Fakt ist, die Nacht wird brennen, wenn die Graue Brigade und die Speere von Mirabar sich in die Wolle bekommen. Und wir werden mitten drin stehen. Da gilt es was zu unternehmen. Ich schneide als Beweiß noch die blutige Hand aus und wir eilen zurück zum Nordtor und erstatten Bericht. Hauptmann Feltya hört das gar nicht gerne. Auf alle Fälle sollten wir diesen Arabar Dingfest machen, zu seiner eigenen Sicherheit, sollte dem auch noch was passieren, wird es nicht möglich sein, die Eskalation zu verhindern. Dann mal los!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 17. September 2008, 10:14:53
13. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Das Lager der Grauen Brigade zu finden ist nicht schwer. Wir verschaffen uns bestimmt Einlass, besonders Dolon macht dabei eine gute Figur. Als Schlachtenrufer genießt er von vornherein einen gewissen Respekt. Bevor wir das Langhaus erreichen, spricht uns ein Bettler an. He, den Kerl kenne ich doch! Es ist der Maskepriester, der uns damals gefangen genommen hat. „Ich weiß, was ihr vorhabt, aber lasst euch gewarnt sein.“ Ich krieg nen riesigen Schreck, weil ich denke, er spielt auf unsere geplante Infiltration der Klingenfeste an. „Iliara Schwarzpfeil ist für euch Tabu! Merkt euch das, dies ist die einzige Warnung! Wenn nicht, werden wir der Bhaalkirche stecken, wer für das Massaker in der roten Arena verantwortlich ist.“ Puh! Mir fällt ein Zentner Stein vom Herzen. „Schätze mal, das wissen die schon.“ Aber ich frage mich, woher die Maskeanhänger davon wissen können, immerhin liegt Westtor nicht gerade in Steinwurfweite.

Wir werden nun ins Langhaus geleitet und finden dort die versammelte Führung der Grauen Brigade vor. Der Anführer ist ein ungehobelter Kerl mit dem Namen Tefka, der Berserker. Neben ihm lümmelt Arabas und das Trio komplettiert eine Frau mitte zwanzig, im geschwärzten Kettenhemd, flankiert von zwei Männern in Lederrüstung, hinter ihr steht ein maskierte Maskepriester. Darum die Warnung, bei der Frau muss es sich um Ilaria Schwarzpfeil handeln. Und sie ist schwanger, nach dem Bauchumfang zu urteilen im achten Monat. Ich rechne kurz nach und komme zu dem Schluss, dass Luvius als Vater in Frage käme. Ich überlege kurz, ob dies uns irgendwie tangiert und komme zu dem Schluss, dass wir keinerlei Probleme mit der Frau haben, da wir ja nie was gegen Luvius hatten, sondern nur gegen Lara Maran.

Ich blende Ilaria aus und konzentriere mich auf das Wesentliche. Arabas kann zwei Frauen als Alibi benennen und ich glaube ihm auch, dass er Iliak nicht getötet hat. Weil so jemand wie er damit prahlen würde und dafür gesorgt hätte, dass mindestens zwei Dutzend Leute dabei zusehen. Ruhm und Ansehen verwandelt sich bei Söldnern schnell in klingende Münze. Nach etwas hin und her gelingt es uns Arabas in Schutzhaft zu nehmen und wir können unbehelligt abziehen. Wir liefern den Hünen am Nordtor ab, wo er Xana noch anzügliche Angebote macht. Xana wird knallrot und weiß gar nicht, was sie sagen soll.

Wir beschließen, zuerst zu den Speeren von Mirabar zu gehen und dort heraus zu finden, wer vielleicht dort was gegen Iliak hatte. Irgendwie fehlt mir das zündende Motiv. Verdächtig ist immer der, wo am meisten vom Tod des Opfers profitiert, alte Weisheit. Die Stimmung im Lager der Speere von Mirabar ist aufgeladen. Drei weitere Banner sind gehisst worden, die Graue Brigade hat viele Feinde und Neider und einige meinen wohl, dass heute ein guter Tag ist, gemeinsam mit anderen abzurechnen. Wirklich was heraus bekommen wir nicht. Es ist noch nicht raus, wer Iliaks Nachfolger wird, der muss erst noch gewählt werden und die wollen bis Morgen warten und sehen, wer sich heute Nacht hervortun wird. Also fällt dieses Motiv flach. Wer unmittelbar davon profitiert, wenn sich mehrere Söldnerkompanien sich die die Köpfe einschlagen, will mir auch nicht einfallen. Verdammnis!

Also gehen wir noch mal zum eigentlichen Tatort zurück. Dort treffen wir Ilaria Schwarzpfeil und ihre zwei Leibwächter. Der Maskepriester ist nicht zu sehen. Sie watschelt ganz schön wegen ihres dicken Bauches, weiß das nur zu gut. Ich fange mit ihr ein fachliches Gespräch an und bin froh, dass die anderen die Klappe halten und mich das machen lassen. Wir gleichen unsere Erkenntnisse ab und ich horche sie noch etwas aus. So wie es aussieht, hat der Masketempel sie gerufen, um die Diebesgilde in der Stadt neu zu gründen. Thropp ist ein zu netter Kerl und seine Bande ein geselliger Haufen von Möchtegernschurken, eben keine wirklich ernsthafte Diebesgilde. Sie gibt uns den Tipp, vielleicht beim Bhaaltempel nachzufragen, ob die vielleicht was über den Nachahmer wissen. Die Kirche gilt als nicht besonders loyal gegenüber ihren Gläubigen. Ich danke ihr für den Hinweis und wir brechen nach kurzer Beratung zum Bhaaltempel auf, der sich ja bekanntlich auf dem Myrkulfriedhof befindet.

Nach einem zügigen Fußmarsch erreichen wir den Friedhof. Unsere beiden Kleriker sind dank der Kettenhemden der Schildwacht auf einmal sehr fix zu Fuß, bin ich gar nicht mehr gewöhnt, mich so schnell zu bewegen. Auf dem Gelände des Friedhofs sind einige Wächter verteilt, die Tore aber offen. Einsam tanzt die Müllerstochter über die Gräber, zu einer Musik, die nur sie hören kann. Sie trägt die Sense auf ihrem Rücken und ihr bleiches Gesicht strahlt vor Ekstase im fahlen Mondlicht. Die Frau wird mir immer unheimlicher.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 19. September 2008, 10:41:25
13. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Wir finden den Bhaaltempel tief in dem Stollen. Es ist nur ein kleiner Raum, da die Bhaalkirche hier nicht allzu viele offene Anhänger hat. Der Boden ist mit einem blutroten Teppich ausgelegt und hinter dem Altar ist ein schwarzer Totenschädel aus dem Stein geschlagen worden, aus dessen Augenhöhlen lohende Flammen schlagen, welche den Andachtsraum in einen wild flackernden Schein tauchen. Fünf Gläubige und ein Priester mit Halbglatze summen ein wortloses Lied, das mir eine Gänsehaut über den Rücken jagt.

„Sieh an, Besuch von der Schildwacht.“ Der Priester lächelt uns falsch an. Wir kommen gleich zum Thema.

„Fragen könnt ihr stellen, aber die Antworten haben ein Preis. Spielen wir doch ein Spiel, ein Spiel um euer Leben.“  Er nimmt aus dem Altar ein schmuckloses schwarzes Kästchen mit zwölf Schubladen. „Jede Schublade enthält ein Gift, die einen sind tödlicher, die anderen weniger. Für jede Antwort muss eine Schublade geöffnet und eine Dosis eingenommen werden.“ Ryan drängelt sich da sofort vor.
„Wer wagt, gewinnt. Ich fürchte mich nicht vor Euch und euren Giften. Meine Frage: Wer hat Iliak von den Speeren von Mirabar ermordet.“ Ryan öffnet die rechte obere Schublade und holt eine Phiole mit einer violetten Flüssigkeit heraus. Er entkorkt sie ohne zu zögern und nippt daran.
„Hm, sehr süß.“
„Wie bedauerlich, dass ihr ausgerechnet dieses Gift nehmen musstet, das ist nämlich sehr teuer in der Herstellung. Es handelt sich um den Liebestöter.“ Aha? Wir gucken alle groß Ryan an, dem nichts zu fehlen scheint. Achselzuckend gibt er die Phiole zurück. „Den Namen des Mörders kenne ich nicht, aber es handelt sich um einen Gläubigen von Bhaal, der seinen Schülern zeigen will, wie aus einem Mord viele Morde geschehen.“ Es folgt eine Beschreibung des Mannes und die seiner Schüler. Damit können wir was anfangen.

„Wo finden wir sie genau?“ Ryan nimmt eine mittlere Schublade.
„Ah, der Klassiker aller betrogenen Ehefrauen, Arsen. Leicht bitter im Geschmack, aber höchst bekömmlich.“ Ryan verzieht kurz die Miene, aber er schüttelt den Effekt des Giftes einfach ab.
„Nun, ihr findet sie auf einer höheren Position in der Vorstadt, sucht auf einem Hügel mit wenig Bebauung und einer Straße, da sie zur Tarnung einen Wagen dabei haben.“
„Nun gut, dann werden wir sie mal suchen gehen.“
„Wartet!“ Der Bhaalpriester öffnet ein Geheimfach und zeigt eine Phiole mit einer schwarzen Flüssigkeit. „Dies ist das tödlichste Gift. Wenn ihr davon eine Dosis nehmt, werdet ihr nicht nur den Segen Bhaals bekommen, sondern eurem Opfer wird obendrein der Segen entzogen.“ Brauchen wir das wirklich? Ne, eigentlich nicht. Aber Glücksbote Ryan ist da anderer Meinung.
„Egal wie stark es sein mag, ich stehe unter dem Schutz Tymoras.“ Bevor jemand noch was dazu sagen kann, hat er auch schon eine Dosis zu sich genommen.

Zuerst passiert gar nichts, außer das Ryan bis über beide Ohren grinst. Er will schon einen seiner berüchtigten Sprüche bringen, als er doch plötzlich das Gesicht verziert. Er wird totenbleich und dann fängt er an aus Nase, Ohren und Mund zu bluten. Er übergibt sich und windet sich in Krämpfen. Das sieht nicht gut aus. Tymora hilf! Schließlich rappelt sich Ryan geschwächt wieder auf.

„Ist das alles? Ist das wirklich alles, was ihr drauf habt?“ Er kann so was einfach nicht lassen. Finsternis. Der Bhaalpriester hebt nur eine Augenbraue und findet es gar nicht so schlecht, was das Gift da angerichtet hat. Ryan taumelt und kann gerade so von uns gestützt werden. Puh! Ist der vielleicht mal schwer!

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Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 22. September 2008, 15:03:18
13. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Wir schleppen den schwerverletzten Glücksboten zurück zum Nordtor. „Dem hab ich es aber gegeben“, murmelt Ryan immer wieder vor sich hin. Unverwüstlich der Kerl. Wir brauchen über eine Stunde, bis wir wieder zurück sind. Die Lage ist kurz davor zu eskalieren. Die Speere von Mirabor und vier weitere Kompanien freier Söldner haben sich vereint und versuchen auf das Lager der Grauen Brigade zu marschieren. Ein Schildwall aus Schildwächtern hindert sie aber noch daran. Die Graue Brigade ist kampfbereit aufmarschiert, verhält sich aber noch vollständig passiv.

Für unseren schwer angeschlagenen Glücksboten Ryan organisieren wir ein Pferd. Er fühlt sich zwar zu erschöpft zu kämpfen, aber wir brauchen ihn. Schlappmachen gilt nicht. Also suchen wir eine erhöhte Position, wo man gut das geschehen beobachten kann. „Dahinten!“ ich zeige auf eine Stelle, die ich aussuchen würde. Wir eilen dorthin. Tatsächlich, wir finden auf dem Hügel einen Wagen, einen Händler und seine fünf Gesellen. Sie sehen absolut harmlos aus. Aber ich bin sicher, dass sie das sind, eben die Bhaalanhänger, nicht harmlos. „Bereiten wir uns vor!“ Zuerst wuchte ich den hinderlichen Stahlschild vom Rücken und lehne ihn an die Wand, Xana tut es mir gleich. Ich spreche einen Zauber, der mich gewandt wie eine Katze macht. Dann lasse ich eine runde durchsichtige Scheibe auf meinem Arm erscheinen. Auch die anderen bereiten sich mit ihren Zaubern vor. Ryan gibt mir zwei Zauber, die mich innerlich wie auch äußerlich stärken.

„Anhänger des Bhaals! Ihr seid verhaftet! Ihr seid angeklagt, Iliak von den Speeren von Mirabar getötet zu haben. Wir wissen Bescheid!“, bluffe ich ins Blaue hinein. Und tatsächlich hat sich einer der Gesellen nicht gut genug im Griff, während der „Händler“ den total überraschten und verblüfften unbescholtenen Bürger mimt. Die Maskerade hat ein Ende und sie zücken ihre Waffen, nur der Händler nicht. „Eis!“ aber meine Rüstung behindert mich zu sehr und mein Zauber wirkt nicht. Verdammnis!

Dafür kommt er zu mir hergerannt und ein Hagel von Schlägen geht auf mich nieder. Auch versucht er etwas mit mir zu machen, aber ich kann die Wirkung abschütteln. Dolon bildet mit mir eine Schlachtlinie und diesmal vergisst er nicht, seinen Helm zu aktivieren. Nach und nach rücken die „Gesellen“ des Mordbuben vor, aber nicht ohne ihre Waffen vorher zu vergiften. Wie feige. Pfui!

Xana macht, dass wir schneller und agiler werden und Ryan bittet Tymora um ihre Hilfe. Wirklich gefährlich ist nur der Mordbube von Bhaal selbst, der ein zäher Bursche ist. Er drischt nicht nur andauernd auf mich ein, er macht auch, dass ich für wenige Herzschläge vollständig die Orientierung verliere. Finsternis.

Schnell wird unsere Linie durchbrochen, da wir zu zweit nicht wirklich eine geschlossene Linie bilden können und wir werden flankiert, besonders Ryan ist schnell in Bedrängnis, auch wenn er ganz hinten auf seinem Pferd sitzt. Er versucht zwar mit seinem untrainierten Pferd zurück zu weichen, aber wirklich entkommen kann er auch nicht. Dolon zeigt, dass er mit der Axt inzwischen wirklich hervorragend umgehen kann und erschlägt schnell hinter einander zwei der Mordgesellen. Ein Dritter gibt Fersengeld. Auch den anderen Mitläufern wird es so langsam klamm ums Herz, nachdem ich einen weiteren getötet habe, sobald ich mich wieder rühren konnte. Ein weiterer versucht zu fliehen, wird aber von Glücksbote Ryan erschlagen. Nur der Mordbube selbst will nicht aufgeben. Zu unserem Glück, ich habe nämlich keine Lust ihn durch die nächtlichen Gassen der Außenstadt zu verfolgen. Zuerst bezieht Xana ordentlich Haue, dann versucht er Glücksbote Ryan zu töten, was ihm aber nicht gelingt. Schließlich schlägt Ryan ihn erfolgreich nieder und wir haben ihn lebend für den Prozess. Durch den Abdruck seiner Hand haben wir sogar einen richtigen Beweis.

Wir plündern die Leichen und beschlagnahmen seine magischen Armschienen. Uns gelingt es gerade noch rechtzeitig den Mordbuben abzuliefern. Es macht schnell die Runde, dass ein Mörder Bhaals für die Bluttat verantwortlich ist und die Speere von Mirabar sehen sich ihres Anlasses beraubt, die Graue Brigade aufzumischen. Noch in der Nacht wird dem Mordbuben der Prozess gemacht und er wird gleich darauf über dem Nordtor gehängt. So geben nun auch die letzten Aufwiegler endlich Ruhe und wir haben die Nacht gerettet. Hauptmann Fellya ist voll des Lobes und wir bekommen diesen Tag nicht nur frei, sondern auch noch eine Prämie in Höhe von zwanzig Goldmünzen. Das hat sich ja mal wieder gelohnt. Tymora lächelt halt denen, die sich selbst zu helfen wissen.

Gespielt am  10.05.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 2), Lia (Waldläufer 3/Kriegsmager 3), Ryan (Kleriker 6), Xana (Hexenmeister 5/ Unbändige Magierin 1)
Schrein des Ruhmes:
 Erfahrungspunkte:  1605 für Stufe 6, 1330 für Stufe 7, Dolon 75, Kaira 50, Ryan 75,
Überwundene Gegner
5 Gehilfen des Bhaalpriesters
1 Bhaalpriester? Mönch?
Beute
1 Rüstungsarmschienen +2
Etwas Gold, ca 130 GM
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 26. September 2008, 12:33:38
Kapitel 10
Hab ich es nicht gesagt
?

14. und 15. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich verbringe den Tag damit, mit meiner Kleinen einen Ausflug mit Pferdchen zu machen. Das freut mein Töchterchen und sie tollt wie wild auf der Wiese herum. Bevor sie sich richtig einsauen kann, ziehe ich ihr Kleidchen aus und bald sieht sie aus, als ob sie sich wie ein Ferkelchen gesuhlt hätte. Tja, da ist wohl noch ein Aufenthalt im Bad fällig.

Am nächsten Tag sammle ich die Leute ein, die ich finden kann, zum einen erstmal Xana, die ich auf dem Markt treffe, dann Glücksbote Ryan im Schrein. Lia und Dolon können wir nicht finden, bzw Dolon ist nicht abkömmlich. Also machen wir uns eben zu dritt auf den Weg zu dem Advokaten und Schreiber Jeremias Holm. Der hat seinen Laden in der Altstadt. Wir fragen uns durch und finden schließlich seinen kleinen Laden, der im ersten Stock über eine schmale Treppe zu erreichen ist. Der Advokat ist ein Mann um die dreißig mit einer dicken Brille. Sein Büro ist voll mit Büchern und Rollen. Ich übernehme das Reden und mache klar, dass wir nur einen kleinen Gefallen von ihm möchten, falls er nicht will, dass seine Spielsucht überall bekannt wird. Er ist nicht begeistert, wer wäre das schon, wenn man erpresst wird? Zufälligerweise wäre der Termin bei den Jermadans heute Abend. Blöd, da haben wir Dienst, aber wohl nicht veränderbar. Wir sagen zu, dass wir zur Dämmerung da sein werden.

Jetzt müssen wir nur noch Bescheid sagen, dass wir wohl etwas später zum Dienst erscheinen werden. Wir klamüsern aus, dass wir sagen, dass wir Hinweise haben, dass sich noch eine Zelle der Bhaalsanhänger in der Stadt befindet und diese ausheben wollen. Diesmal übernimmt Glücksbote Ryan das reden und lügen kann er nicht. Unsere Hauptfrau will Details wissen und Glücksbote Ryan verhaspelt sich immer mehr. Da er keine Namen nennen kann, müssen wir als Disziplarstrafe dreimal in voller Montur die Länge der Mauer ablaufen. Zur zusätzlichen Motivation laufen ein halbes Dutzend verdienter Recken mit und muntern uns mit Stockschlägen auf, das Tempo zu halten. Verdammnis!

Ich bin nach den drei Läufen richtig geschafft. Natürlich kann Glücksbote Ryan seine verdammte große Klappe nicht halten und wir dürfen noch mal die Mauer erkunden. Trottel! Danach übernehme ich das reden und ich bin definitiv die bessere Lügnerin. Mit einigen sinnigen Halbwahrheiten rede ich uns schließlich heraus. Und ich bekomme obendrein noch die Erlaubnis, dass wir heute unseren Dienst später antreten können. Na, geht doch.

Jetzt geht es erstmal ins Badehaus. Glücksbote Ryan schafft es wirklich, es sich innerhalb kürzester Zeit mit seinen frechen ungehobelten Anzüglichkeiten mit uns beiden Mädels zu verderben, sodass wir den frechen Kerl mehrmals untertunken. Hat er nun davon! Nun etwas erfrischt, hole ich mein kleines Schätzchen vom Kindergarten ab und bringe sie früh ins Bett, sodass wir pünktlich am Abend beim Laden stehen um uns abholen zu lassen. Lia und Schlachtenrufer Dolon sind nun ebenfalls aufgetaucht. Advokat Jeremias Holm ist nicht erbaut, fünf Leute erklären zu müssen, aber zähneknirschend stimmt er zu.

Wir werden von einer alten Kutsche mit einem ebenso alten Kutscher abgeholt. Auf den Türen ist das Wappen der Jermadans aufgemalt, ein Baum. Xana und ich sind Assistenten und dürfen je einen Koffer tragen. Die Fahrt mit der Kutsche dauert nicht lange und dann fahren wir in das Grundstück der Jermadans ein, das vollkommen von einer hohen mit Efeu überwucherten Mauer umgeben ist. Der Garten ist ein Urwald und das Haus verschwindet beinahe unter einem Pflanzenteppich. Einen Gärtner scheinen sie nicht zu haben. Ein buckliger Diener führt uns in den großen Salon des Hauses im Erdgeschoss. Alt ist die Einrichtung, alles hier schient schon bessere Tage gesehen zu haben.

Wir werden von der Hausherrin, der Gräfin Emalia Jermadan begrüßt. Die Frau muss nach meinem Wissen jenseits der Sechzig sein, sieht aber aus wie 40, nur das graue lange, aber trotzdem seidig glänzende Haar zeigt, dass sie älter ist, als sie aussieht. Sie hat zwei Töchter, Lakara und Olana. Olana hat einen griesgrämigen Mann mit dem Namen Lagram. Er scheint nur aus Runzeln zu bestehen und seine Hände stecken in dünnen Handschuhen. Und dann ist da natürlich noch der „Neffe“ Alvek, der ehemalige Meisterdieb Racardo. Die Frauen haben alle gemeinsam, dass sie mandelförmige Augen haben. Olana hat ganz spitze Ohren. Richtige Menschen sind das nicht. Finsternis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 29. September 2008, 13:07:02
15. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan Anwesen der Familie Jermadan

Die Gräfin hält etwas belanglosen Smalltalk mit unserem Advokaten, dann wird zu Tisch gebeten. Auch wir Gehilfinnen dürfen an der Tafel Platz nehmen und setzen uns neben unseren Meister. Die Gerichte sind einfach und nicht wirklich zu einem Haushalt von Adligen passend. Das gleiche hätte es bei mir auch gegeben. Seltsam.

Lakara schäkert während des Essens mit Dolon, der sich als Brian ausgibt, aber immer noch als Tempuspriester zu erkennen ist. Lagram mustert uns die ganze Zeit, aber höchst griesgrämig. Das ist ein echt seltsamer Typ in einem wirklich seltsamen Haushalt. Ich bin die ganze Zeit am Überlegen, was es mit dieser Familie auf sich haben könnte. Adlig aus der alten Heimat, aber die Augenform und spitzen Ohren von Lakara lassen auf elfische Vorfahren schließen. Wir erinnern uns, dass es zwischen dem alten Nikkerymath, dem Reich der Elfen, und Jhaamdath, unserer alten Heimat, selten mal Frieden gegeben hat. Ob es tatsächlich Vampire sind, wie manche Gerüchte behaupten? Aussehen tun sie jedenfalls wie in den Balladen, aber was kann man schon auf die Dichtung von Barden geben?

Ich bin wirklich froh, als das Essen endlich beendet ist. Die junge unverheiratete Lakara überredet den Schlachtenrufer zu einem Spaziergang in den Garten, Lagram will Xana die Ahnengalerie im Keller zeigen. Bei mir gehen alle Alarmzeichen auf Rot, aber niemand achtet auf meine verneinenden Gesten. Nicht gut! Aber wenigstens kann ich mich an unser Ziel, Hauptmann Alvek, heranpirschen und ihm ein loses Haar von seiner Jacke stibitzen. Damit hätten wir unser Ziel ja erreicht. Wir anderen begleiten die Gräfin und den Advokaten ins Arbeitszimmer. Die beiden beginnen sich über andere Adelsfamilien zu unterhalten. Ich höre nur mit einem Ohr zu und studiere den an eine Wand gemalten Stammbaum der Familie. Einen Ähnlichen habe ich ja schon gesehen, den hat mir Bruder Karas gezeigt. Aber der hier ist detaillierter und um einige Einträge reicher. Ich versuche mir so viel wie möglich davon einzuprägen.

Als die Sache endlich interessant wird, kommt Xana blutend in den Raum gestolpert. Sie hat ein dickes Veilchen über dem linken Auge und am rechten Arm einen tiefen Schnitt, der stark blutet. Hinter ihr kommt Lagram mit einem Schwert herein gestürmt. Ich eile zu Xana und sage „Alles wird gut!“, die Wunde am Arm schließt sich wieder und auch das Veilchen wird deutlich kleiner. „Attentäter!“, brüllt Lagram und es gibt ein kurzes Durcheinander, in das schließlich die Gräfin Ordnung bringt. Sieht so aus, als ob wir aufgeflogen wären.

„Attentäter sind wir nicht, aber auch nicht die Gehilfen vom Advokaten. Ich gebe es zu, wir waren neugierig, das Anwesen der Jermadans mal von innen zu sehen. Es gibt ja so viele gruselige Geschichten darüber.“ Das ist zwar nicht die ganze Wahrheit, aber weglassen von Details ist ja keine Lüge. Die Gräfin schaut mich durchdringend an, scheint meine Geschichte aber schließlich zu schlucken. Lagram besteht aber darauf, die Schildwache zu rufen. „Nur zu, mal sehen, was die dazu sagen, wenn alte Lustgreise arme Mädchen in den Keller locken und mit scharfen Waffen angreifen!“ Xana bemüht sich, besonders wehleidig zu wirken, worin sie ja wirklich große Übung hat. Unsicher wechselt sein Blick vom blutigen Schwert in seiner Hand zu mir und Xana.

„Verschwindet doch einfach endlich!“, schreit er uns an und wir lassen uns das nicht zweimal sagen. Auch Dolon kommt unverletzt aus dem Garten und wir werden in die Kutsche verfrachtet. Dolon weiß zu erzählen, dass im Garten ein sprechender Baum steht, der von sich behauptet, der angeblich verstorbene Thorwald zu sein. Hä? Sprechende Bäume? Lia meint, dass es so was im Wald durchaus gibt und mächtige Druiden sich auch in solche verwandeln können. Aha? Und obendrein würden Spaßmacher und zwei seiner finsteren Gesellen sich im Garten herumtreiben. Das sind keine guten Nachrichten. Diese kleine geflügelte Ratte treibt sich also hier immer noch herum. Wehe, wenn sich das Mistvieh an meiner Tochter vergreift, dann setzt es aber mehr als nur Prügel. Finsternis!

Dann werden wir aus der Kutsche geworfen und Advokat Jeremias Holm verabschiedet sich nicht gerade freundlich von uns. Ja, wir waren wirklich nicht nett zu ihm. Tut mir Leid! Wie auch immer, ich eile zuerst zu Bruder Karas und gebe dort das Haar ab. Dann auf zum Dienst. Das wird noch eine lange Nacht. Hauptfrau Freya ist nicht glücklich, dass unsere Ermittlungen ins Leere gelaufen sind. Aber man kann ja nicht jeden Tag Glück haben.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 01. Oktober 2008, 14:12:07
16 bis 26. Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Es stellt sich heraus, dass die Haare von Hauptmann Alvec zu einem Menschen gehören. Aber er steht unter einem psionischen Bann. Aha? Nun gut, Bruder Karas gibt mir eine Phiole mit einer Flüssigkeit, welche den Bann brechen kann, wenn man sie über ihn ausleert. Vielen Dank für die Hilfe. Ich verklickere die Neuigkeiten den anderen. Ich wäre ja dafür, dass wir uns in das Adelsviertel hereinschleichen und die Phiole einfach über Hauptmann Alvec ausleeren. Aber Glücksbote Ryan spielt mal wieder den Zauderer. So langsam komme ich zu dem Schluss, dass er nur ne große Klappe hat, aber nichts dahinter. Ein Mann der lächelnden Göttin sollte aktiver sein Glück suchen und nicht immer dazu mahnen, abzuwarten. Auch Schlachtenrufer Dolon ist dafür, erstmal abzuwarten. Vielleicht meldet sich ja Lakara bei ihm am Tempel und es ergibt so eine ungefährliche Möglichkeit. Nun gut, ich setze der Sache eine Frist von einem Zehntag. Warten wir eben.

Auch ist im Gespräch Thorwald, den Baum und angeblich toten Ehemann der Gräfin aufzusuchen. Davon halte ich jetzt gar nichts. Selbst wenn wir es bis dahin schaffen sollten, wir müssen uns ja nur an drei Feen vorbei schleichen, warum sollte Thorwald noch mit uns reden, wo wir jetzt als Betrüger aufgeflogen sind? Aber ich bin in der Minderheit und so schickt Lia ihren Rabenfreund los, der aber unverrichteter Dinge zurück kommt. Das einzige was wir noch in Erfahrung bringen, ist, dass die Familie in der alten Heimat den Hain von Tremel als Lehen hatte. Das war ein Waldgebiet an der Grenze zum Nikkerymath, das am Anfang des Krieges in Flammen aufging. Aha?

Die nächsten Tage verlaufen ohne große Aufregung. Wir verrichten unseren Dienst, schlichten Streit, zeigen Präsenz und hauen Störenfrieden auf die Finger. Und obwohl wir nicht allzu viel dabei machen, bin ich jeden Morgen geschlaucht. Ich mache dann noch meinen kleinen Schatz fertig, mache ihr Frühstück, das wir gemeinsam essen, dann bringe ich sie in den Schrein und ich geh ins Bett, um etwas Ruhe zu finden. Allzu lange werde ich das zum Glück nicht machen müssen. Der Zehntag verstreicht, ohne dass etwas passiert.

Somit haben die Zauderer eine ganze Woche vertan. Nun, es ist Zeit zu handeln. Ich setze mich nun endlich mit meinem Plan durch und Xana und ich verkleiden uns als Dienstmägde. Die anderen sind zu vorsichtig oder zu stolz, um sich zu verkleiden. Die hübsche Halbelfe und ich sollten aber Manns genug sein, diese notwendige Arbeit zu erledigen. Nach Dienstschluss verkleiden wir uns als Dienstmägde, füllen Körbe mit frischen Lebensmitteln und spazieren schwatzend einfach durch das Tor zum Adelsviertel. Man muss eben nur den Anschein erwecken, dazu zu gehören und man kommt überall rein. Eine alte Diebesweisheit.

Wir gehen in den Park des Viertels, da hier die Straße vom Anwesen der Jermardans zur Klingenfeste vorbei führt, wo ja bekanntlich Hauptmann Alvec aka Racardo der Meisterdieb arbeitet. Und wir müssen tatsächlich nicht allzu lange warten, da kommt er auf seinem prächtigen Ross auch schon vorbei geritten. Ich fummle die Phiole heraus und entkorke sie. Wir laufen ihm entgegen und als wir auf gleicher Höhe sind, schütte ich ihm das Zeug auf den Körper. Er stöhnt auf, verdreht die Augen und kippt kraftlos aus dem Sattel. Weia!

Ich bin zu schwach und nicht blöd genug, um einen gerüsteten Mann auffangen zu wollen, aber ich kann verhindern, dass sein Kopf aufschlägt. Überrascht schaut er mich an, schließt dann die Augen und massiert sich die Schläfen. „Was ist passiert?“
„Ihr standet unter einem Bann.“
„Ja, so langsam erinnere ich mich wieder.“ Mühsam rappelt er sich mit meiner Hilfe auf. „Ich erkläre euch alles später, kennt ihr das Brunnenhaus? Treffen wir uns dort zur fünften Mittagsstunde.“ Und ob ich das kenne.

Mit versammelter Mannschaft tauchen wir dort dann auf und können Klartext reden. Racardo war wirklich in der Klingenfeste gewesen, sogar in die Schatzkammer der Herzogin war er gekommen, wo einige seiner Sachen gelagert waren. Leider befindet sich dort ein Kristallgolem, ein sehr spezieller Golem, der sehr alt ist und noch aus der Zeit vor der Flutwelle stammt. Dieser Golem hat einen Bann über ihn verhängt, der ihn zwang, der Herzogin zu dienen. Warum sie so scharf darauf ist, einen Meisterdieb zu einem ihrer Hauptleute zu machen, ist mir nicht ganz klar. Ihm leider auch nicht. Um seinen Posten als Hauptmann zu rechtfertigen, brauchte er einen adligen Hintergrund und da kamen die Jermadans ins Spiel. Ein altes Geschlecht und wohl der Herzogin verpflichtet. Auf dieser Familie liegt seit dem Krieg ein Fluch. Einst hat der Hain von Tremel ein Feenkönigreich beherbergt, mit dessen Herrscherhaus die Familie verwandt ist, deshalb auch die Langlebigkeit und das exotische Aussehen. Als der Hain abgebrannt wurde, waren die Jermadans in irgendeiner Form beteiligt, ob nun allein dadurch, dass sie nicht in der Lage gewesen sind, es zu verhindern oder aktiv, kann er nicht sagen, immerhin war das vor über tausend Jahren.

Aber seit jener Begebenheit liegt ein Fluch auf der Familie, da bei dem Feuer die Feenkönigin starb. Sie verdammte jedes männliche Mitglied der Familie dazu, sich ab einem gewissen Alter in einem Baum zu verwandeln. Deswegen wohl auch der Baum auf dem Familienwappen. Welch Sarkasmus. Nun, das bringt ja nun einiges Licht ins Dunkel. Aber wir haben ja noch ein Problem mit der Klingenfeste. Und Racardo weiß durchaus Rat.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 06. Oktober 2008, 11:39:43
27. bis 29 Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Racardo gelingt es seine Tarnung aufrecht zu erhalten und er erwirkt unsere Versetzung in die Klingenfeste. Das war ja jetzt gar nicht so schwer. Hüstel! Einen wichtigen Schritt haben wir nun geschafft. Und der Meisterdieb hat auch noch Pläne von der Schatzkammer. Der Eingangsbereich ist tricky, da sich hier die Wände verschieben können, ein Fehler bei der Manipulation des Schlosses und man ist Matsch! Finsternis!

Aber er hat einen Plan vom Aufbau des Schlosses und wie man es manipulieren kann. Es ist recht kompliziert, da man irgendwelche Knöpfe und Hebel drücken muss, um den Druck in der Leitung um 50 Punkte zu reduzieren. Aber fällt der Druck bei einer Leitung unter 20, werden die Wände entriegelt und man ist platt wie ne Flunder. Dahinter gibt es noch nen Wächter, den es zu besiegen gilt. Es gibt mehrere Räume, darunter auch ein Archiv. Und natürlich das Sicherheitslager, wo sich unsere grüne Kugel befindet. Dort ist auch der Kristallgolem, den wir wohl oder übel zerstören müssen, wenn wir nicht Racardos Schicksal teilen wollen.

Vor dem Komplex, der wenn die Sicherheitstüren zu sind, schalldicht sind, stehen noch zwei menschliche Wächter, aber die kann man durch andere Befehle wegschicken. Oftmals gibt es im Dienstplan einen Fehler und die Leute suchen sich dann die angenehmere oder interessantere Arbeit aus. Und es gibt nichts Langweiligeres, als etwas im Innern einer Festung zu bewachen. Dazu muss ich nur die Dienstpläne stehlen, der Rest macht dann Racardo.

Um unsere Flucht zu tarnen, werden wir wohl den Behir etwas verprügeln müssen. Der Behir ist darauf trainiert, ab einem gewissen Verletzungsgrad zu fliehen und zu einem Brunnen zu eilen, dessen Wasser ihn heilt. Er gibt uns ein Mittel, mit dem wir die Heilwirkung neutralisieren können. Es ist nicht notwendig den Behir zu töten, da dieser dann fliehen wird. Der Trainer hängt sehr an seinem Liebling. Nun gut. Sieht so aus, als hätten wir einen Plan.

Schon am übernächsten Tag treten wir unseren Dienst in der Klingenfeste an. Tagdienst, was natürlich toll ist, da ich wieder Zeit für meine Kleine habe, die schon wieder mächtig knatschig auf mich ist. „Mama immer arbeiten. Böse!“

Wir werden Hauptmann Zorgan zugeteilt, einem alten Veteranen, der für die Gefangenenbewachung zuständig ist. Er redet mit weitausholenden Gesten und eines seiner Beine ist aus Holz. Er erklärt uns, was wir zu tun haben. Ist nicht viel. Aufpassen, dass keine Gefangenen aus den Löchern kommen und Essen herunter lassen. Also nichts, was wirklich problematisch ist. Problematisch wird es erst, als wir den ersten Gefangen nach unten schaffen müssen. Nämlich den Verrückten Zarbos. Eigentlich ist er ganz harmlos, nur wenn er mehr als Zehn Liter Bier trinkt, wird er unangenehm, und irgendjemand scheint ihm ein Fässchen zum Frühstück spendiert zu haben.

Ein Gitterwagen fährt vor und unsere beiden Priester dürfen mit Fangkragen bewaffnet ihn in Empfang nehmen. Der Kerl muss Riesenblut in seinen Adern haben, denn er ist mehr als einen Schritt größer als ich. Wir Mädels schnappen uns Treibstangen. Ich habe das Vergnügen, das Schloss zu öffnen. Leider gelingt es ihm, meine Hand zu packen und er zieht mich mit einem Ruck in den Wagen. Aua!

Ich kann mich noch gerade loswinden und öffne dann das Schloss endgültig. Ryan und Dolon versuchen ihn mit dem Kragen zu fangen, gemeinsam schaffen sie das sogar, aber der Kerl ist stärker als zwei Männer und schiebt sie einfach vor sich her. Dann zerbricht er das Ding einfach und kommt frei. Ich zücke eine Speckschwarte und versuche den Boden unter ihm rutschig zu machen, das klappt aber nicht. Dämliche Rüstung! Ich brauche unbedingt viel Gold, um sie weiter zu verzaubern, sodass sie mich nicht mehr behindern wird.

Xana bekommt so langsam Panik und spickt ihn mit grünen Geschossen. „Ihr sollt ihn nicht töten!“, brüllt Hauptmann Zorgan. Der hat gut reden. Dolon und Ryan versuchen ihn zu provozieren und er tappt ihnen hinter her. Ich hau dem Kerl mit aller Wucht meine Stange über den Schädel, um ihn etwas zur Räson zu bringen. Das gibt ne dicke Beule, behindert ihn aber nicht wirklich. So ein Dickschädel! Wir brauchen noch einige Knüffe, um ihn langsam aber sicher nieder zu knüppeln, bis er endlich ruhig gestellt ist. Er bekommt Ketten angelegt und Ryan heilt seine Wunden. Dann werfen ihn wir in die Zelle und Xanas Federfall sorgt dafür, dass er weich landet. Puh!

Nach der Aufregung verdrücke ich mich erstmal und suche die Schreibstube auf. Hier sind drei Schreiber am Werk, die mich aber nicht weiter beachten. Ich drücke mich etwas herum, tauche dann zwischen den Tischen ab  und stibitze schließlich die Wachpläne in einem unbeobachteten Moment für den Posten zum Schatzraum. So, das wäre erledigt.

Gespielt am  31.05.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 2), Lia (Waldläufer 3/Kriegsmager 3), Ryan (Kleriker 6), Xana (Hexenmeister 5/ Unbändige Magierin 2) Dolon (Kleriker 6)
Erfahrungspunkte: 500 Pauschal für jeden, gab ja groß nix.
Überwundene Gegner
1 renitenter Gefangener Halbriese?
Beute
Ein Haar des Meisterdiebes
Die Wachpläne
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 08. Oktober 2008, 14:40:12
Kapitel 11
Der Wald der lebenden Leichen

30 Eleint Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Mein kleiner Fratz jagt mich schon zu früher Stunde aus dem Bett. So was auch, kann dieser kleine Schlingel nicht einmal ausschlafen? Wohl nicht. Ich mach sie fertig und dann frühstücken wir zusammen, als es draußen an der Tür klopft. Wer mag das zu so früher Stunde sein? Doch nicht etwa ein Assassine? Nein, es ist Racardo und er hat verdammt schlechte Nachrichten. Er ist bei den Jermadans aufgeflogen. Das ist nicht gut. Die Jermadans drohen damit, ihn bloß zu stellen. Aber sie haben angedeutet, dass man etwas für sie erledigen könnte. Er hat dafür gesorgt, dass Lia und ich für den nächsten Zehntag vom Dienst befreit sind, um eine geheime Mission zu erledigen. Wir verabreden uns zur zweiten Mittagsstunde im Brunnenhaus, um unsere Geschichten abzugleichen, falls die Jermadans unserem Tun auf den Grund gehen wollen.

Ich bringe meinen kleinen Floh in den Kindergarten und erledige danach notwendige Arbeiten im Haushalt. Nachdem das getan ist, sammle ich Lia auf, erkläre ihr was Sache ist und gemeinsam gehen wir zum Brunnenhaus. Racardo sitzt an seinem Stammplatz und wir überlegen uns eine glaubwürdige Geschichte. Wir sind Schildwächter geworden, um in die Klingenfeste zu kommen und um dort eine der Gefangenenzellen untersuchen zu können, wo ein Gefangener ein Teil einer Schatzkarte verewigt hat. Ist recht nah an der Wahrheit, gefährdet aber unsere eigentliche Mission nicht. Wir verabreden uns gegen Dämmerung vor dem Anwesen der Jermadans.

Ich hole meine Kleine früh ab und spiele etwas mit ihr, bevor ich sie dann ins Bettchen bringe. Ohne Probleme schlüpfen Lia und ich ins Adelsviertel und werden dann auf das Anwesen der Jermadans geleitet. Diesmal geht es in den wilden Garten. Bei dem Baum, von dem Dolon erzählt hat, erwartet uns im Kreise ihrer Familie die Gräfin. Emalia Jermadan redet Klartext mit uns. Entweder wir erledigen für sie eine Gefälligkeit oder wir fliegen auf. Die ganze Zeit umtanzt mich der fratzenschneidende Spaßmacher und streckt mir hier und da die Zunge raus. Blödes Vieh. Ich war viel zu milde mit ihm. Die Zeit des Nachdenkens hat ihm wohl nichts genützt. Die Vorurteile über Feen scheinen doch nicht nur auf Mutmaßungen zu beruhen, sondern auf Tatsachen. Inzwischen ist er in Begleitung von drei weiteren Feen, die werden hier ja immer mehr. Auch werden wir dazu genötigt, zu schwören, dass wir über die uns nun bekannten Familiengeheimnisse Stillschweigen haben. Aber ich denke bei mir, dass wir ihnen eh nicht schaden könnten, die Familie gilt doch eh schon allgemein mit Teufeln, Dämonen und Feen im Bunde.

Wir werden zu einem etwa fünf Jahre alten Jungen namens Alani gebracht. Er leidet jetzt schon unter dem Fluch, obwohl er nur ein entfernter Verwandter ist und der Fluch bei seinem Vater noch nicht gewirkt hat. Es gäbe im Johaltal einen Wald, wo sich einige Baumälteste verstecken und die ein Mittel kennen würden, diesen Zustand zu verlangsamen. Der Junge tut mir ja so leid. Es muss doch wehtun, wenn die Haut zu Rinde wird. Der arme Junge. Aber der Wald befindet sich drei stramme Tagesritte von hier und das bedeutet, dass ich mein kleines Töchterlein wieder alleine lassen muss. Oh nein, dafür wird sie mich hassen! Mir zerreißt es beinahe das Herz, als ich mein Einverständnis mitteile, dass wir diesen Auftrag übernehmen werden. Medizin gegen stillschweigende Duldung. Nun, sieht nicht so aus, als ob wir eine Alternative hätten.

Wir werden aus diesem verwunschenen Garten wieder herausgeleitet und ich atme auf, als wir auf der Straße stehen. Wir machen aus, dass wir am Morgen des ersten Marpenot aufbrechen werden, da morgen ja das Fest ist. Ich verabschiede mich von Lia und eile zum Anwesen meiner Bruderschaft. Da sage ich erstmal Bescheid, dass ich für einige Tage die Stadt verlassen muss, um Medizin für einen Adligen besorgen muss. Auch mache ich mich über das Johaltal schlau. Ich finde sogar was. Vor etwa mehr als zehn Jahren haben dort Räuber gehaust, welche in regelmäßigen Abständen die Handelsstraße zwischen den Kolonien überfallen haben. Schließlich heuerten erboste Händler einer Söldnertruppe an, welche sich des Problems annahm. Es gab wohl einige blutige Gefechte und viele starben. Allerdings fanden die Toten nicht unbedingt die ewige Ruhe, denn sie wandeln immer noch durch die Wälder. Finsternis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 10. Oktober 2008, 12:41:58
1 bis 3 Marpenot Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Ich bin froh, dass ich gestern mit meiner Kleinen einen wirklich vergnüglichen Tag verbringen konnte. Nicht, dass sie heute Morgen trotzdem nicht unglaublich knatschig ist.
„Warum kann Onkel Ryan das nicht machen? Er ist groß und stark!“
„Weil Onkel Ryan nur eine große Klappe hat und so gut wie nichts dahinter ist.“
„Och! Und Onkel Dolon?`“
„Der ist gut darin, Tempelhöfe zu kehren. Und Sachen kaputt zu machen. Aber hier geht darum einem kranken Jungen Medizin zu bringen.“
„Och, will aber nicht, dass du gehst!“
„Ich muss aber, Kleines. Der Junge hat große Schmerzen und braucht seine Medizin. Und nur Lia und ich können das bewerkstelligen.“
„Menno!“
Ich drücke meine Kleine ein letztes Mal, gebe ihr ein Dutzend Küsschen und nehme ihr das Versprechen ab, immer brav zu sein und auf Tante Alana zu hören.

Der Erste Marpenot ist seit jeher der Tag des Aufbruchs. Viele Erntearbeiter beginnen nun ihren Rückweg, Händler brechen ihre Zelte in fremde Gefilde ab und machen sich auf den Heimweg. So ist es kein Wunder, dass die Straßen nach außerhalb verstopft sind. Wieder hilft uns der Bonus, zur Schildwacht zu gehören und auf „geheimer“ Mission zu sein an den Schlange der Leute vorbei nach draußen. Lia bestimmt das Tempo, da sie einfühlsamer mit Tieren umgehen kann und weiß, wie weit sie zu belasten sind. Wir machen gut Strecke und erreichen nach drei forschen, aber ereignislosen Tagesritten das Tal von Johal. Die Gegend darum ist besiedelt und wir geben unsere Pferde dort bei einem Schäfer in Obhut. Zuerst will er eine Goldmünze pro Tag haben, spinnt wohl, ich handle ihn auf ein Silber herunter und das ist noch viel zu viel.

Die Wälder machen von außen den Eindruck, als ob sie ganz normale Wälder sind. Lia übernimmt als Waldläuferin die Führung und ich schleiche hinter ihr her. Am Waldrand sind die Spuren von Forstwirtschaft zu sehen, aber bald finden wir uns in einem Urwald wieder, in den sich kein lebendiger Mensch verirrt. Schon bald sehen wir den ersten Toten, ein Skelett, das an einen Baum gelehnt sitzt und uns träge beobachtet, indem es Kopf in unsere Richtung bewegt. Wir machen uns kampfbereit und ich hole meinen Streitkolben heraus. Aber das Skelett bleibt sitzen und wir laufen vorsichtig weiter. Immer wieder kommen wir an Skeletten vorbei, die aber nicht mehr tun, als uns zu beobachten. Wir rätseln darüber, ob ein Nekromant in der Lage wäre, die leeren Augenhöhlen von Untoten als Augen zu benutzen, in dem er sich von Ferne in ihr nicht vorhanden Gehirne einlinkt. Wir kommen zu dem Schluss, dass dies wohl eher nicht der Fall ist. Hoffe ich zumindest.

Wir kommen an eine Lichtung vorbei, wo eine Mühle steht, die inzwischen total verfallen ist. Wohl das ehemalige Versteck der Räuber. Ich frage mich, wer mitten im Wald eine Windmühle baut. Sicherlich kein Müller. Aber welche Art von Maschine wurde dann dort mit Windkraft angetrieben? Ich bin zwar neugierig, aber wir haben etwas anderes zu tun, als ominöse Windmühlen zu untersuchen.

Schließlich führt Lia uns mit ihren überragenden Waldläuferfähigkeiten zum Hain der drei Baumältesten. Das sind große knorrige Bäume, die auf ihren Wurzeln gehen können. Ich knickse vor den dreien und übernehme auf elfisch das Reden. Die drei Wurzelältesten sind etwas ungehalten über unser Eindringen. Auch finden sie den Fluch, der auf den Jermadans lastet, eigentlich noch viel zu Milde an. Aber nach etwas hin und her kommen wir zu einer Übereinkunft. Es würde eine böse Kraft von der alten Mühle ausgehen, wenn wir diese beseitigen würden, dann gäbe es die notwendige Medizin für uns. Nun gut, da haben wir wohl ein Geschäft. Es gäbe da noch einen gewissen Baron Velja, der uns vielleicht helfen könnte. Nun gut, wir bekommen eine grobe Beschreibung, wo wir den Kerl finden, und machen uns auf den Weg.

Nach etwa einer dreiviertel Stunde Fußmarsch erreichen wir einen alten Friedhof wo ein skelettierter Untoter in Ritterrüstung auf einem improvisierten Thron aus Überresten von Särgen und Grabplatten thront. Baron Velja ist ein großer Verehrer von Myrkul, der für seine Verdienste als Kämpfer im Dienste seiner Kirche mit Untotsein belohnt worden ist, erklärt er uns mit seiner knochigen Stimme. Er wartet nun auf die längste Nacht mit der dunkelsten Stunde, um sich mit seinen untoten Heerscharen zu erheben. Finsternis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 13. Oktober 2008, 12:39:57
3 Marpenot Das Jahr der Visionen 731 TZ Jondaltal

Aber er gibt uns die Erlaubnis, die Mühle zu betreten und seine Diener werden uns in Ruhe lassen. Allerdings hat er keinen Einfluss auf die Untoten in der Mühle selbst. Einst hatte dort ein Nekromant residiert, der hat dort etwas hinterlassen, was die Untoten anzieht. Eine Art magische Quelle. Aber inzwischen sei eine andere Komponente dazu gekommen, welche die Quelle schwächt und sie wohl mit der Zeit zu etwas anderem macht. Nun, danach werden wir schauen. Ich bin echt froh, als wir den Friedhof lebendig verlassen. Und zum ersten Mal haben wir von der längsten Nacht ungefragt von einer anderen Quelle erfahren. Die Sache ist verdammt ernst, wenn sich dabei untote Horden erheben werden. Verdammnis!

Schließlich erreichen wir die Mühle oder was davon übrig ist. Der Turm ragt zerfallen vor uns auf. Zwei der Flügel des Windrades sind abgebrochen, die anderen sind schwer beschädigt und werden wohl auch bald zu Boden fallen. Ich führe mein heiliges Symbol der Tymora an Mund, Stirn und Brust und spreche ein kurzes Gebet, auf dass die Dame uns lächeln möge. Wir ziehen unsere Waffen und bewegen uns vorsichtig hinein. Ein Teil des Anbaus ist zerfallen, überall sind Spinnweben zu sehen, in denen verdammt große rote Spinnen hocken, deren Leiber größer als meine Handfläche sind. Iiiks! Da krabbelt es bei mir überall. Die Spinnen im Auge behaltend, versuchen wir zum Mühlenturm zu kommen, aber da! Bewegung in den Trümmern, die auseinander brechen und ein Skelett erhebt sich, dass über und über mit Spinnenweben behangen ist. Und im Inneren scheint es von kleinen Spinnen zu wimmeln. Iiiks!

Lia verhakt die Hände und schreit: „Brenne!“ Ein Feuerlohe prasselt über das Skelett hinweg und es beginnt zu kokeln. Ich mache mit meiner linken Hand eine schnelle ziehende Bewegung. „Breche!“ Und tatsächlich löst sich eine Rippe aus dem Brustkorb. Die Elfe wird angegriffen und wird verletzt, sie taumelt zurück und revanchiert sich mit einer kleinen Kugel aus Feuer. Ich breche dem Ding eine weitere Rippe mit meinem Zauber und Lia duckt sich unter den Schlägen hinweg. Eine weitere Kugel aus Feuer lässt das Skelett endgültig auseinander brechen, aber dann krabbeln unzählige kleine Spinnen heraus und auf uns zu. Bevor sie mich erreichen, beginne ich zu schreien und mein magisch verstärkter Schrei lässt die Spinnen auseinander brechen. Die Reste werden von einer flammenden Lohe aus Lias Händen hinweggefegt. Haben sie nun davon.

Ohne weitere Zwischenfälle der grusligen Art erreichen wir den Mühlenturm. Hier ist die Mechanik zu sehen. Einen Mühlstein gibt es wahrlich nicht, nur eine Apparatur mit vielen Zahnrädern, Ketten und Hebeln. Ich kann keinerlei Sinn darin erkennen. Auf einem Tisch liegt eine bandagierte Leiche, die von Stahlfesseln gehalten wird. Ein Abgang nach unten ist nicht zu sehen. Weiter oben gibt es auch nichts aus Stangen, Zahnräder und Ketten. Nichts was wie eine Quelle der Macht aussieht. Also muss es wohl nach unten weiter gehen. „Lia, tu mir einen gefallen und köpfe diese Leiche für alle Fälle!“, meine ich und sehe mich nach einer Falltüre nach unten um. Alles ist voller Staub, die Dielen sind brüchig und wirklich sicher ist es nur auf den Querbalken unter mir.

„Ahh!“ Lia schreit auf, als die Leiche sich aus ihren Schnallen löst und sie haut. Verdammnis! „Schild!“ eine schillernde Scheibe schützt meinen Arm, während Lia sich versucht zu sammeln. Aber sie ist schwer angeschlagen. Ich eile ihr zu Hilfe und lenke die Mumie ab. Während wir einige Hiebe austauschen, komme ich kaum durch die dicken Bandagen durch und ich muss einiges einstecken, heilt sich Lia so gut es geht mit zwei Tränken und feuert ihre gesamten Vorrat an Feuerkugeln ab, was Teile der Mumie in Flammen setzt, aber sie nicht wirklich zu behindern scheint. Dann kommt sie mir zu Hilfe. Jetzt ist die Mumie flankiert und ich spreche meinen Zauber „Verletztlich!“ Zielsicher reist nun mein Rapier eine große Wunde in den vertrockneten Körper. Aber gleich darauf geht Lia von der Mumie niedergestreckt wieder zu Boden. Verdammnis!

Ich gehe immer vorsichtig einen Schritt zurück und locke die Mumie so von Lia zurück. Dann mache ich eine Rolle vorwärts vorbei an der Mumie und sage „Alles wird gut!“ Heilende Magie strömt in Lia und bringt sie auf die Beine. Ich halte die Mumie ein weiteres Mal auf und Lia flankiert sie in alt bekannter Manier. Diesmal muss ich nicht mal etwas sagen, da ich diesen Zauber nun in absoluter Stille spreche. Präzise fährt mein Rapier in die Höhe des Herzens. Ich treffe so gut, dass ich meine Handschuhe der Zerstörung einsetze und die magische Energie zerreißt die Mumie von innen. Angekokelte Bandagen regnen herunter und die Mumie ist nicht mehr. Tymora sei gepriesen, denn sie lächelt wahrlich den Mutigen.

Spoiler (Anzeigen)
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 15. Oktober 2008, 14:41:35
4 Marpenot Das Jahr der Visionen 731 TZ Jondaltal

Schwer angeschlagen und bar jedes Zaubers ziehen wir uns zurück und ich heile mich und Lia erstmal etwas. Aber dann sind die Ladungen des Gürtels der Heilung erstmal erschöpft und wir ziehen uns auf einen lauschigen Baum in der Nähe zurück. Umgeben von herumwandernden Untoten, die uns aber wie versprochen nichts tun, verbringen wir eine doch etwas unruhige Nacht auf dem Baum. Am nächsten Morgen memoriere ich meine Zauber etwas um, damit wir etwas mehr Schlagkraft haben.

Ausgeruht und frischen Mutes machen wir uns auf die Suche nach einem Zugang nach unten. Schließlich breche ich beinahe ein und wir sehen den Keller, der voll von zerschlagenen Kisten ist. Und es stinkt furchtbar. Wir sehen einige Untote in Deckung huschen, die sind so schnell, das mein flugs aufgelegter Pfeil daneben geht. Sie verhöhnen uns und unterstellen, dass wir ihren Schatz rauben wollen. Nun, jetzt schon. Nach etwas hin und her kommen sie hoch gewuselt und zeigen uns so, wo die verdammte Falltüre unter dem Staub versteckt lag. „Schild!“ Aber trotzdem berührt mich eines dieser Viecher und ich bin für kurze Zeit vollkommen erstart. Oh, Tymora, lass dies nicht mein Ende sein.

Lia spickt ihre Ziele mit Pfeilen und hat so die ungeteilte Aufmerksamkeit der Untoten. Danke! Die folgen ihr nach und nehmen sie schließlich in die Zange. Aber sie springt einfach in das Loch, Dank ihrer magischen Schuhe passiert auch nichts. Und ich kann mich nun endlich wieder bewegen. Keinen Herzschlag zu früh, meint doch einer Untoten mich umklammern und beißen zu müssen. Aua! Aber ich kann mich aus seinem Griff befreien und gebe ihm ehrlichen Stahl zu kosten. Lia kommt wieder nach oben und verwandelt einen Untoten nach dem anderen in ein Nadelkissen, während ich sie beschäftigt halte. Schließlich geht auch der letzte zu Boden. Puh!

Das war jetzt knapp gewesen. Ich verteile die letzten Ladungen aus dem Gürtel und wir schleichen uns nach unten. Es gibt einen abgedeckten Brunnen und hier gibt es noch einen weiteren Teil der Maschine, die über dem Brunnen endet. Ich überlege kurz, ob wir da  mal reinschauen sollen, aber da gibt es noch eine Türe, die mit einem guten Schloss gesichert ist. Einst gab es hier eine Rune, welche eine Falle beinhaltet hat, aber die hat schon jemand ausgelöst. Der Türe ist aus Stahl und eiskalt. Brrr! Wir durchsuchen den Raum und ich entdecke einen kleinen Tresor, der mit einer Falle gesichert ist, die ich auch prompt auslöse. Aua!

Meine Mühe wird schließlich mit 200 Goldmünzen, einem Stab aus Knochen und sechs Phiolen mit einer Flüssigkeit, wie sie leichte Heiltränke haben. Ich probier mal einen und mir zieht es alles zusammen. Aua! Das müssen Tränke sein, die weh tun! Gemein! Mir ist ganz schummrig, aber ich will hier nicht ewig herum sitzen, also müssen halt ein paar Heiltränke her. In solchen Situationen merkt man, was man an Klerikern hat. Mögen sie auch sonst ne freche Klappe haben, Heilen können sie einen ohne Probleme.

Hinter der kalten Tür ist es vollkommen still. Ich öffne das komplizierte Schloss und wir kommen in eine Art Eiskeller. Überall sind Leichen am Boden oder in Nischen angekettet. Vorsichtig schleichen wir hinein und folgen dem Korridor ein paar Schritte zu einem Raum, wo sich eine Maschine mit dem Wappen von Glimmstein befindet. Diese Maschine scheint die Kälte zu produzieren. Interessanter ist die wabernde Kugel aus Energie, die sich dahinter befindet, die aber von Spinnweben durchzogen ist. Es gibt einen Durchbruch, der von außen in diesen Keller hineingetrieben wurde und der ebenfalls von Spinnweben verschlossen ist. Wir beschließen die Spinnweben abzufackeln. Lia wirft eine Kugel aus Feuer hinein und wir warten was passiert.

Die Spinnweben brennen gut und bald ist die Kugel befreit, dass Feuer frisst sich weiter bis zum Durchgang und hindurch. Wir harren gespannt, was geschieht und wir werden nicht enttäuscht. Tatsächlich kommen zwei dieser seltsamen Untoten mit den Spinnen in ihren Brustkörben herausgewankt. „Verletzlich!“ schreie ich und dann „Brenne!“ Aus Mittelfinger und Zeigefinger der linken Hand schießen zwei Flammenstrahlen, die  punktgenau zwischen die Augen von beiden Kreaturen fahren und ihre Köpfe zerplatzen lassen. Die Skelette zerfallen und geben ihre Schwärme frei. Lia kokelt beide an und ich setze meinen spitzen Schrei hinter her. Das gibt ihnen den Rest und die Sache ist erledigt. War ja jetzt gar nicht mal so schwer.

Wir folgen dem nun freien Gang und kommen in eine Höhle, wo die Überreste einer verdammt großen Spinne liegen, der Oberkörper einst größer als mein Bett gewesen sein muss. Iiiks! Auch krabbelt hier einiges an Viehzeug herum. Trotzdem sammle ich hier noch einige herumliegende Münzen ein und dann machen wir, dass wir von hier wegkommen. Dieser Ort ist nicht besonders toll. Ein letztes mal betrachten wir diese Kugel aus Energie, die wieder frei von allen Verunreinigungen ist. Wahrscheinlich ist das die Quelle, welche die Untoten anzieht. Und die Spinnweben das, was sie gestört hat. Sieht so aus, als wäre unsere Aufgabe damit erledigt. Den eigentlichen Sinn und Zweck der Anlage ist mir nicht ganz klar, Nekromantie ist auch nicht gerade das Fach, wo ich wirklich gut darin war. Jemand mit einer regulären, mehrjährigen Ausbildung hätte vielleicht das theoretische Hintergrundwissen, um das ganze hier zu durchschauen, ich habe das jedenfalls nicht. Zeit zu gehen, ich streife mit dem Blick noch den verschlossenen Brunnen, aber wie ich meiner kleinen Tochter so gern erzähle, Neugier tötet die Katze und für heute hatte ich schon genug Aufregung. Ich verschließe die Türe zum Eiskeller und bald darauf sind wir wieder im Sonnenlicht. Das tut gut.

Lia führt uns zu den Wurzelältesten, die schon eine Änderung feststellen können und entsprechend milde gestimmt sind. Einer der Bäume zaubert eine Pflanze her, die ich samt Wurzeln ausgrabe. Aus einem Sud des Stengels kann man die entsprechende Medizin gewinnen. Die Jermadans werden wissen, wie das geht. Wir verabschieden uns und ab nach Hause.

Die Heimreise verläuft ohne Komplikationen und ich bin froh, als ich die Pflanze abgeben kann. Zum Dank bekommen wir nochmals je 100 Goldschwerter überreicht. Das hat sich ja mal gelohnt. Und dann bekomme ich die neusten Nachrichten zu hören. Es gab einen erfolgreichen Überfall auf die Klingenfeste, die Asservatenkammer wurde geplündert. He, die haben das ohne uns durchgezogen. Gemein!

Gespielt am  14.06.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 2), Lia (Waldläufer 3/Kriegsmager 3),
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:  1460 für Kaira, 1680 für Lia
Überwundene Gegner
3 Skelette mit Spinnenschwarm
1 Mumie
4 Ghrule
Beute
1 Stab mit Furcht 27 Ladungen verkauft für 500 GM
6 Tränke mit Leichte Wunden verursachen (5 verkauft für je 50)
230 GM
100 GM Belohnung
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 17. Oktober 2008, 14:55:37
Epilog

(Dummerweise war ich beim großen Finale verhindert. Da ich nicht wirklich dabei war, Kaira lief mit um Fallen entschärfen zu dürfen etc. kann ich auch nicht wirklich was darüber schreiben. Ich werde es nun so handhaben, dass Kaira nicht dabei war, sondern dass der Einbruch mit Racardos Hilfe während ihrer Abwesenheit durchgezogen wurde.

27 Marpenot Das Jahr der Visionen 731 TZ Chondathan

Die Aufregung über den Überfall hat sich inzwischen etwas gelegt. Die Spur nach Westtor zu legen war eine echt geniale Idee gewesen. Das Gerücht, dass die Nachtmasken dahinter stecken, ist immer noch im Unlauf. Allerdings gilt auch der Meisterdieb Racardo als verdächtig und tausend Goldschwerter sind auf seinen Kopf ausgesetzt.
 
Jedenfalls sind wir ungeschoren davon gekommen. Schade nur, dass ich nicht dabei gewesen war. Die anderen hatten viel Spaß, während ich mit Untoten kämpfen durfte. Aber sie haben neben der grünen Kugel, die Dolon an sich genommen hat, auch einige nette magische Gegenstände erbeutet. Für mich gab es ein Arkanes Diebeswerkzeug, welches ich mit magischer Energie boosten kann. Dazu noch ein Waukeenglas, welches einem hilft, Gegenstände von Wert zu taxieren. Lia hat einen magischen Langbogen mit mittlerer Stärke und zehn Pfeile des Schlafes bekommen, Dolon einen Federfallring und Xana einen leider etwas auffälligen Ring, welcher sie mit Nahrung versorgt. Ein magisches Rapier und eine Rachrobe haben wir erstmal zur Seite gelegt und werden die später mal verkaufen, wenn etwas Gras über die Sache gewachsen ist. Was vielleicht noch interessant ist, die grüne Kugel wurde bei Luvius gefunden, als er verhaftet wurde. Das lässt tief blicken.

Inzwischen haben wir auch unsere Kündigung eingereicht und haben nur noch drei Tage Dienst vor uns. Ist ja auch zu langweilig als Schließer. In der Außenstadt gab es wenigstens noch ein wenig Aufregung und etwas zu tun, aber hier ist es zu eintönig. Xana und ich haben inzwischen schon Stickarbeiten dabei, um die Zeit etwas sinnvoll zu nutzen. Ab und zu lese ich auch in einem Buch, um mich weiter zu bilden. Es gibt so viele interessante Sachen zu lernen.

An diesem Morgen kommt Xana ganz aufgelöst zum Dienst. Wie immer, wenn sie aufgeregt ist, dauert es eine Weile, bis man aus ihrem Wortschwall klug wird. So wie ich das verstehe, ist Xana gestern Abend vor ihrer Haustüre überfallen worden. Ein gewisser Tharan, ehemaliges Mitglied der schwarzen Pfeile, hat ihr aufgelauert, um sich über sie an ihren Vater zu rächen, indem er ihr die spitzen Ohren abschneidet. Ihr Vater hat diesem Tharan wohl einst die Hand abgeschlagen. Zwei Spießgesellen waren ebenfalls noch zur Verstärkung anwesend gewesen, aber sie hätte sich beschleunigt und wäre so entkommen. Xana ist auch ganz aufgelöst darüber, dass sie etwas über ihren Vater erfahren hat, war wohl nie so das Thema bei ihr zu Hause. Der „Mistkerl“ heißt Jakadros Androssana. Lia merkt bei dem Namen auf und meint, es gäbe einen Mondelfenclan mit diesem Namen, welcher einige fähige Waldläufer hervorgebracht hätten. Auch waren diese bei der Abwehrschlacht von Myth Drannor recht erfolgreich.

Es gibt einiges hin und her, aber ich setze mich damit durch, die Sache nach Dienstschluss ganz legal zu regeln. He, wir sind immer noch von der Schildwacht, wäre doch gelacht, wenn wir nicht in der Lage wären, mit drei heruntergekommenen Söldnern fertig zu werden. Also schicken wir Xana alleine vor und teilen uns, ich folge ihr auf dem Fuß, die anderen weit hinter mir in Rufweite. Aber nichts passiert und Xana kommt gut zu Hause an. Serenius hat Neuigkeiten. Zwei der Spießgesellen sind tot aufgefunden worden. Er leugnet aber, da nachgeholfen haben, ich schau den Psioniker prüfend an und komme zu dem Schluss, dass er wohl die Wahrheit sagt. Vom Einarmigen fehlt jede Spur. Die Leichen waren übel zugerichtet. Seltsam.

Ich beschließe, Nachforschungen anzustellen, ob noch andere Schwarze Pfeile oder gar ein gewisser Elf in der Stadt gesehen worden sind. So schicke ich Dolon zum Nordtor, Ryan zum Westtor, Lia zum Osttor und Xana in Begleitung von Serenius zum Hafen. Ich selbst eile zu meiner Gilde und versuche etwas über die schwarzen Pfeile herauszufinden. Sie haben ihr Stammhaus in der Festung oder Burg Rannick, die im Kreegwald liegt. Sie haben einen Kontrakt, der sie für die Bewachung der Handelsstraße zwischen Cormyr und den Kolonien bezahlt. Leider sind die Kreegoger harte Gegner und mehr als ein Patt ist nicht drin. Und es gibt tatsächlich einen Elfen in ihren Reihen, der Anführer der Späher ist, wahrscheinlich ist das Xanas Vater.

Wir treffen uns schließlich alle im Brunnenhaus und besprechen bei einem Bier, was wir herausgefunden haben. Genau genommen nichts. Weitere schwarze Pfeile sind nicht in der Stadt, auch der Verbleib des Einarmigen ist nicht herauszufinden gewesen. Finsternis! Xana kuschelt sich an ihren Serenius und meint, der Psioniker würde schon auf sie aufpassen. Wegen ihres Vaters will sie nichts unternehmen, der kann ihr nämlich gestohlen bleiben. Nun, damit wäre wohl alles gesagt.

Ende der Chroniken der Ungesehenen Seherin

Kaira kommt wieder in:

Der Test der Zeit
Teil III
Chroniken des Hakenbergmassakers
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Topas am 17. Oktober 2008, 15:00:04
Dann gratuliere ich doch mal zum Abschluss, und werde sicher wieder mitlesen, wenns zum nächsten Teil geht.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 20. Oktober 2008, 15:06:14
Der Test der Zeit
Teil III
Chroniken des Hakenbergmassakers

Prolog

Spoilerwarnung: Folgende Berichte basieren zum größten Teil auf das Kaufabenteuer „Hookmountain Massacre“ von Paizo.  

10. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Chondathan

Heute ist der große Abend, dass Ereignis des Jahres für die Festsaison von Chondathan, die Geburtstagsfeier von Holger Hohlstein, einem der größten Händler der Kolonien und Mitglied der Gemeinschaft der Fünf. Glücksbote Ryan hat Lia und mich um die Gunst spielen lassen, wer ihn begleiten muss. Ich hab leider verloren und nun muss ich mit Glücksbote Ryan vorlieb nehmen, währen Lia von Dolon auf das Fest geleitet wird. Hach, es war so schwer, ein Kleid für den Anlass auszusuchen. Tagelang hatte ich überlegt und schließlich mich für ein schönes grünes Kleid aus Jana Malars Fundus entschieden, was mit dezenten Goldstickereien verziert ist und somit sehr zum Anzug von Glücksbote Ryan passt. Und natürlich auch mit meinen grünen Augen harmoniert. Meine Aufregung überträgt sich stark auf Mili, die auch die ganze Zeit wie ich am herumzappeln ist und es ist eine Qual, sie vor dem Fest ins Bettchen zu bringen und zum schlafen zu bewegen. So was auch.

Endlich schläft sie und hibbelig erwarte ich die Ankunft von Glücksbote Ryan. Ein Dutzend Mal taste ich den perfekten Sitz meiner Frisur ab, rücke alles was gerade ist, noch gerader und bin erst dann erlöst, als der Priester der Tymora mich endlich abholt. Wir müssen zum Fest hinlaufen, das Ryan es verpennt hat, rechtzeitig eine Kutsche zu mieten. Jetzt bekommt er natürlich keine mehr. Wir treffen Dolon und Lia auf dem Weg und gehen gemeinsam die letzten Schritte. Dolon ist in einer reich verzierten und violett eingefärbten Lederrüstung bekleidet. Er trägt sogar seine Axt. Tempuspriester schienen wohl immer im Dienst zu sein. Lia hat ein dunkles Kleid an, was ihr gut steht. Xana und Tharador treffen wir dann auf dem Fest. Xanaphia ist wirklich ein Blickfang in ihrem herrlichen blauen Kleid, dass an ihr zu fließen scheint und ihre weiblichen Rundungen gut zur Geltung bringt. Kein Wunder, dass so ziemlich alle anwesenden Herren sie förmlich mit den Blicken aus dem Kleid zu schälen scheinen.

Anwesend ist die reichere Händlerschaft von Chondathan. Von den Adligen fehlt bis auf ganz wenige notorische Festgänger so ziemlich alles, was Rang oder Namen hat. Ich lerne einen Grafen Jalan Uskakir kennen, einen gutaussehenden jungen Mann mit feinen Manieren. Wir sprechen etwas über die Abenteuer der Wagemutigen und sorge dafür, dass unsere Abenteuer auf der Fernweh publik werden. Immerhin haben wir zwei Kettenteufel in die Hölle zurück geschickt, einen Ertrunkenen besiegt, einer Hohepriesterin der der Sekolah das Handwerk gelegt und ihren Champion getötet. Und als Nebeneffekt noch Fischmenschen aus der Sklaverei befreit. Wenn das mal keine Ballade wert ist, weiß ich auch nicht.

Schließlich sind wir an der Reihe, dem reichen, erfolgreichen und angesehenen Kaufmann der Fünf, Holger Hohlstein, zum Geburtstag zu gratulieren. Wir wechseln ein paar nichts sagende Worte, dann reißt Ryan das Gespräch an sich und spricht etwas von Expansion von seinem Tempel oder Schrein. Das Grundstück auf Tagrahms Weg ist ja bekanntlich viel zu klein und der Schrein ist baulich nicht mehr weiter zu erweitern. Man kann nur noch mit einem Neubau auf die Höhe ausweichen und Tempeltürme waren noch nie wirklich praktisch. Ryan hat nach der Auseinandersetzung mit dem Beshabapriester eines der Ladenhäuser des damals beteiligten Kaufmanns erworben. Nun will er den ganzen Block kaufen, die Häuser dort Niederreisen und einen neuen großen Haupttempel für Tymora errichten, während der Schrein an bekannter Stelle verbleibt. Dazu ist natürlich Geld notwendig. Allerdings macht Herr Hohlstein nicht gerade den Eindruck, dieses Projekt finanzieren zu wollen. Seine Schutzgottheit ist Waukeen und er sieht keinen Grund, eine andere Göttin jetzt zu unterstützten. Das war mir irgendwie klar.

Nach dem Gespräch gibt es ein Buffet, an dem ich mich an den Köstlichkeiten satt esse. Neben Vertrautem gibt es auch Spezialitäten fremder Länder und ich probiere von jedem etwas. Manches schmeckt mir gar nicht, anderes ist ausgesprochen köstlich. Schließlich wird endlich zum Tanz aufgespielt. Ein kleines Orchester und der halborkische Barde Lakrass sorgen für die notwendige Musik. Zum Glück sind die Tänze bodenständig. Zuerst tanze ich mit Glücksboten Ryan, dann mit Dolon, der etwas tapsig ist und mir beinahe das Kleid ruiniert. Dann habe ich etwa zwei Dutzend unterschiedlicher Tanzpartner, darunter auch den netten Grafen Jalan Uskakir. Ach, ich liebe es zu tanzen. Das ist einer der Momente, wo ich meinen Mann schmerzlich vermisse. Er sollte an meiner Seite sein. Aber bald werde ich sehen können, wo er steckt. Auf der einen Seite erwarte ich diesen Moment sehnsüchtig, aber ich fürchte mich auch davor, wirklich Gewissheit zu haben, denn die Wahrheit wird mir nicht unbedingt gefallen werden.

Viel zu früh im Morgengrauen ist das Fest zu Ende. Holger Hohlstein ist wie nicht wenige Festgänger sturzbetrunken und verabschiedet sich blumenreich. Auf dem Heimweg summe ich vor mich hin und tanze auf der Straße. Ach, dieses Fest war wirklich schön. Bevor wir uns trennen, eröffnet uns Dolon, dass er eine geschäftliche Vereinbarung mit Holger Hohlstein getroffen hat, er soll mit ein paar Wagemutigen zur Festung der schwarzen Pfeile reiten und dort einen Söldnervertrag über die Sicherung der Handelsrouten aushandeln. Dafür gibt es 1000 Goldschwerter, also 200 für jeden von uns. Das hört sich doch gar nicht mal so schlecht an. Nur Xana findet das überhaupt nicht Toll und macht kategorisch klar, dass sie mit ihrem Vater nichts zu tun haben möchte, der ja Mitglied der schwarzen Pfeile ist. Wir verabreden uns für heute Abend für weitere Details im Brunnenhaus.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 24. Oktober 2008, 16:13:12
Kapitel 1
Zu Gast bei Familie Graul

11 bis 15 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Chondathan

Ich gehe nach Hause und mache meine Kleine dann gleich fertig für den Kindergarten. Mili ist gar nicht begeistert, als ich ihr eröffne, dass Mama wieder mal für etwa einen Zehntag weg muss. Weia, da quengelt sie aber. Och, Mama hat dich doch ganz arg lieb. Zum Glück war ich den letzten Zehntag nur mit ihr zusammen gewesen und wir haben viel gemacht. Das zieht als Argument und die Tränchen halten sich diesmal in Grenzen. Ich bin so froh, als ich ins Bett sinke und in einen traumlosen Schlaf sinke.

Ich schlafe aus und gehe dann in die Archive der Bruderschaft, um etwas über den Hakenberg und die umliegenden Gebiete heraus zu bekommen. Die Grenze zum Waldkönigreich wird von Kreeg Ogern terrorisiert. Das sind äußerst finstere und grausame Oger, die was vom Krieg verstehen. Die Söldnerkompanie der Schwarzen Pfeile hat sich in ihrer Festung am Hakenberg eingegraben und hält den Stamm seit dreißig Jahren mehr oder weniger in Schach. Jedenfalls haben die Überfälle nach Cormyr oder in den Kolonien seit der Errichtung der Festung Rannick, benannt nach dem damaligen Anführer, deutlich nachgelassen. Die Kreeg sind dafür bekannt, dass sie weibliche Gefangene nicht nur essen, sondern sie vorher gerne mit einer Füllung versehen, um dieses schreckliche Detail zu beschreiben. Die Folge davon sind einige Halbogerstämme, welche sich dort herumtreiben und für weiteren Ärger sorgen.

Ich hole schließlich meine Kleine am Abend vom Kindergarten ab, nehme sie zum Einkaufen mit, brauche noch feste Kleidung für unterwegs und verfrachte sie mit ihrem Spielsachen in das Stammhaus der Bruderschaft im Adelsviertel. Mili hat sich inzwischen mit meiner Mentorin Alana angefreundet und ist deswegen etwas weniger traurig, als ich sie ins Bettchen bringe. Ich verabschiede mich noch innig von ihr und singe sie dann in den Schlaf. Schlaf gut, mein kleiner Spatz.

Im Brunnenhaus komme ich als Letzte an, alle anderen sind schon da. Ich verklickere den anderen, was ich noch über den Hakenberg herausgefunden habe und wir besprechen letzte Details. Dolon und Xana brauchen noch Pferde, so ziehen die beiden mit Lia los, um noch welche zu kaufen. Da ich nichts mehr vorhabe, gehe ich zurück in meine Wohnung und gehe früh schlafen, um für morgen fit zu sein.

Entsprechend früh stehe ich auf, schnüre mein Bündel und hole Pferdchen aus dem Mietstall. Fröhlich wiehert meine Stute, als ich sie zum Nordtor lenke und dann zum Tempustempel reite, wo wir uns alle nach und nach treffen. Xana macht einen überaus glücklichen Eindruck und nach wenigen Herzschlägen platzt sie mit der Neuigkeit heraus, dass Serenius sie endlich gefragt hat. Ich quietsche erfreut auf und dann liegen wir uns in den Armen und drücken uns. Wie ich mich für die Halbelfe freue. Nur der Rest der Wagemutigen scheint sich nur verhalten darüber zu freuen.

So haben Xana und ich nun ein großes Thema für die Reise. Bald reisen wir in zwei Gruppen, die Männer und Lia sind etwa dreihundert Schritt voraus und wir beide tratschen hinterher. Es gibt ja soviel zu planen. Von der Länge der Schleppe des Kleides über die Farbe der Bändel, welche die Rollen für die Einladung zusammen halten bis hin, welche Blumen meine kleine Mili streuen soll. Der Rest der Wagemutigen hat kein Interesse an diesen Dingen, Ryan meint sogar, „Dolon, sollte ich jemals sagen, dass ich heiraten möchte, so strecke mich doch bitte mit deiner Axt nieder!“ Unsere Reaktion fällt angemessen aus, wir ignorieren ihn die nächsten zwei Tage komplett. So ein unromantischer Idiot!

Schließlich erreichen wir am Nachmittag des dritten Reisetages eine Fährstation namens Pentaka, so dass wir nicht gezwungen sind, am Ufer des Schimmersees herum zu reiten, was nicht ungefährlich sein soll. Die Schwimmkörper der Fähren sind Schildkrötenpanzer, die so groß wie mein Wohnzimmer sind. Die Überfahrt kostet für uns eine Goldmünze. Diese Schildkröten wurden von einem regionalen Held vor vielen Jahren getötet und jemand fand es wohl eine gute Idee, Fähren daraus zu machen. Im See selbst sollte es noch ein ziemlich großes missgelauntes Exemplar geben, aber das bekommen wir zum Glück nicht zu Gesicht.

Am frühen Abend erreichen wir Schuldfurt, während gerade malerisch die Sonne blutrot neben den Turm des einzigen Tempels, der Waukeen geweiht ist, untergeht. Schuldfurt ist eine unbefestigte Gemeinde mit nur einem Gasthaus, der Schildkrötenstube. Die ist schon gut besucht. Zwei Gardisten der Grauen Brigade sind auch da. Späher einer Einheit, die eine Karawane nach Cormyr begleitet hat und nun in die Kolonien zurückkehrt. Wir finden auch den Architekten Rotur Talawan, welcher diesen Ort zu einem Handelsposten für die Gemeinschaft der Fünf ausbauen soll, ein Teil des Plans, den Holger Hohlstein verfolgt und den wir hier forcieren sollen.

Die schwarzen Pfeile haben sich schon seit Wochen nicht mehr blicken lassen, alle meinen, wegen des seit zwei Wochen wütenden Herbstregens, was ein für diese Region normales Phänomen für diese Zeit ist, wenn auch der Regen dieses Jahr doch etwas heftiger als sonst ausfällt. Der Weg zur Feste führt dem Schlädelfluss entlang, der durch ein uraltes Wehr reguliert wird, das wohl einst von Riesen gebaut wurde, als diese noch wirklich zahlreich und zivilisiert waren. Aber es gibt dort eine Vorrichtung, die das Überlaufen verhindert, in dem ein Wehr geöffnet wird, was dann eine kleine Flutwelle entlang des Flusses auslöst, welche dann alle Reisenden vom Weg weggespült. Deswegen will auch zurzeit niemand dort hoch gehen, um zu sehen, ob auch alles in Ordnung ist. Wir beschließen, dieses Risiko einzugehen und Morgen früh weiter aufzubrechen. Wir schnappen noch eine Geschichte über Vaslo Zar auf, der im Ort negativ aufgefallen ist, in dem er das mobile schwimmende Bordell einer gewissen Lucrezia versenkt hat, weil die angeblich ein überaus finsteres Wesen gewesen sein soll. Die Leute allerdings fanden das nicht so toll, das einzige Bordell im Umkreis mehrerer Tagesreisen auf den Grund des Sees zu schicken. Vaslo und Lucrezia wurden seitdem auch nicht mehr gesehen. Glücksbote Ryan nutzt die Gelegenheit, die Späherin der Grauen Brigade abzuschleppen. Und es später deutlich zu hören, was die beiden miteinander treiben.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 27. Oktober 2008, 13:17:06
16 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Schuldfurt

Die Nacht verbringen Xana und ich in einer Kammer in nur einem Bett. Wie immer kennt sie nur ein Thema, ihre Hochzeit mit Serenius. Inzwischen haben wir schon den Großteil der Details geklärt, jetzt kommen wir zu der Hochzeitsnacht. Kichernd gesteht sie mir, dass sie noch Jungfrau ist, obwohl sie älter ist als ich. Das ist ja süß. Aber auch sehr traurig, Halbelfen tragen nun mal ein gewisses Stigma. Da haben wir natürlich viel zu tuscheln und ich kann ihr ein paar Tricks beibringen, Jondan war in dieser Hinsicht sehr bewandert und meine ehemaligen Kolleginnen haben mir auch den einen oder anderen Kniff verraten.

Nach einem reichhaltigen Frühstück brechen wir auf. Wir folgen dem Fluss etwa fünf Meilen auf der Seite des Aschewaldes und wechseln über eine steinerne Brücke ans andere Ufer. Vorsichtig gehen wir darüber, aber keine Flutwelle reißt uns hinweg. An diesem Ufer ist nun der Kreegwald und in der Ferne ist der Hakenberg zu sehen, dessen Spitze mit sehr viel Fantasie einen solchen aufweist. Die Burg selbst ist nicht zu sehen. Hier ist alles grau in grau irgendwie. Die Wege sind matschig und wir kommen nur langsam voran. Diesmal halten wir eine recht enge Formation, das Wetter lädt nicht zum Tratschen ein und hier sind wir im Gebiet eines der berüchtigtsten Ogerstämme im Umkreis von fünfhundert Meilen.

Wir folgen dem Fluss eine weitere Meile, als schließlich Lia, die etwas voraus reitet, da sie unsere Kundschafterin und Vorhut ist, den Kopf lauschend zur Seite legt. Wir schließen auf und tatsächlich sind gar schreckliche Laute aus dem Wald zu hören. Hört sich an, als wäre ein großes wildes Tier verletzt. Die Männer und Lia schlagen allen Ernstes vor, in den Wald zu gehen und nachzusehen. Ich sehe dazu keine Veranlassung, Xana ist ebenfalls der Meinung, dass wir eine Mission haben und diese durchführen sollten. So gehen die Männer und Lia eben alleine, und wir zwei Mädchen bleiben mit den Pferden zurück.

Natürlich dauert es nicht lange, da wird aus den Schmerzlauten ein Streitgespräch. Etwas mit einem wirklich großen Mundwerk will einen „Graulbären“ haben. Was auch immer das sein mag, es kommt zum Kampf. Schweren Herzens beschließen wir, unsere Pferde an der Uferstraße zurück zu lassen und nach den Männern zu sehen. Leichtfüßig sause ich durch das Unterholz, bis ich eine Lichtung erreiche, die von einer Nebelwand bedeckt ist. Dieser Nebel kann nicht natürlichen Ursprungs sein und darin sind Kampflaute und Schmerzenschreie zu hören. Dummerweise kann ich kaum was erkennen. Ich ziehe mein Rapier und tapse vorsichtig hinein, während Xana hechelnd aufschließt und mit großen Augen die Nebelwand mustert. „Das war bestimmt Ryan, so dumm kann nur der sein!“, meint Xana bestimmt.

Vor meinen Augen schält sich ein verwilderter Jagdhund aus dem Nebel, der mit Dolon und Ryan kämpft. Da sind noch weitere Hunde und etwas Deformiertes und Großes. Es ist eine Gestalt aus einem Alptraum. Zu klein für einen Oger, zu groß für ein Menschen. Es hat eine lederartiges Gesicht, als hätte ein untalentierter Künstler sich an der Bildhauerei versucht und mitten im Werk keine Lust mehr gehabt hat. Einige Borsten sind die ganzen Haare. Bekleidet ist es mit einem schmutzigen Schurz. Sein einer Arm läuft in einen einzelnen Finger aus, der andere umklammert einen Speer. „Ihr seid gemein! Das erzähle ich meiner großen Mama! Die Grauls werden sich blutig rächen!“ Dann rennt das Ding weg und verschwindet im Nebel. Was war das jetzt? Keine Ahnung, erstmal gilt es zwei Hunde zu töten.

Im Nebel befindet sich ein großer Schwarzbär, der in einer rostigen Falle steckt. Lia und die Männer haben vergeblich versucht, den Bären raus zu bekommen, da Lia meint, dieser Bär wäre ein Tiergefährte. Ich habe Mitleid mit dem Bär und wo rohe Kräfte versagen, kann eine geschickte Hand viel erreichen. Statt mit Muskeln, arbeite ich mit Hirn und deaktiviere die Falle, indem ich die Gelenkstifte entferne. „Alles wird gut!“ Und die schreckliche Wunde an der Tatze schließt sich. Der Bär stupst mich an und brummelt. Dann zeigt er mit seinem Kopf in eine gewisse Richtung. Derweil brüllt Dolon Ryan zusammen, weil dieser die Nebelwand beschworen hat. So ein Verhalten sei Tempus unwürdig. Was soll ein guter Kampf, wenn Tempus nicht zusehen kann? Auch Lia ist wütend, weil sie immer zu nah an die Ziele heran musste, um sie überhaupt sehen zu können. Wie auch immer, wir beschließen, die Pferde zu holen und dem Bären zu folgen. Mal sehen, wohin er uns Wagemutige führen wird.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 29. Oktober 2008, 13:15:32
16 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Kreegwald

Bald haben wir den langsam dahin trottenden Bär eingeholt und lassen uns tiefer in den Wald führen. Irgendwie komme ich mir etwas blöd vor, diesem zotteligen Etwas in eine Gegend zu folgen, die voll von mörderischen Ogern ist. Während die eine Hand den Zügel von Pferdchen führt, ist die andere immer am Griff des Rapiers. Nach keiner Meile sehen wir an einem Busch ein Stück vom Schurz des komischen Halbogers hängen. Es ist aus einem blutbefleckten Wappenrock mit einem Schwarzen Pfeil gemacht. Das lässt Böses erahnen. Schließlich führt uns der Zottelbär auf eine Lichtung, wo ein großes Bauernhaus und eine Scheune stehen. Davor ist ein Feld zu sehen, das noch nicht abgeerntet ist. Darauf verfault die Ernte im Herbstregen und eine hin und her rennende Vogelscheuche verscheucht mit mäßigem Erfolg die Vögel, welche sich an den Pflanzen gütlich tun wollen. Irritiert betrachten wir das Schauspiel. Welcher Wahnsinnige baut einen Golem in Form einer Vogelscheuche? Das können nur Gnome gewesen sein.

Gerade erscheint auch der Einarmige und läuft zu der Vogelscheue und redet wild gestikulierend mit ihr. Da wir deutlich am Waldrand zu sehen sind, dauert es nicht lange, bis sie uns sehen. Die beiden rennen auf uns zu. Sieht so aus, als hätte der Halboger einen Kürbis auf den Kopf. Wir pflocken unsere unruhigen Pferde an und bilden eine gestaffelte Abwehrkette. Schlachtenrufer Dolon bildet mit Glücksbote Ryan die erste Reihe, während wir Mädels ein halbes Dutzend Schritt dahinter schräg versetzt die zweite Linie bilden.

Xana formt mit einer raumgreifenden Geste eine Kugel aus sprühender Energie und lässt sie mit einer schiebenden Bewegung los. Sie kracht zwischen beide Oger und entlädt sich mit einem gewaltigen Donner und einer Kugel aus Blitzen. Der einarmige Halboger wird buchstäblich zerrissen und nur qualmende Überreste bleiben von ihm übrig. Der andere taumelt schwerstverletzt auf Xana zu und haut wuchtig daneben. Aus unmittelbarer Nähe kann ich sehen, dass er keinen Kürbis auf dem Kopf hat, der Kürbis ist sein Kopf. Oder besser gesagt, wulstartige Geschwüre überziehen sein Gesicht und geben ihm so die Form eines Kürbisses. Aber Lias Pfeile erlösen ihn von seinen irdischen Qualen.

Der Bär stupst mich von hinten an und schiebt mich in Richtung der Farm. Er selbst will aber nicht weiter gehen. Wo immer sein Herrchen ist, er muss dort sein. Die Pferde lassen wir vom Bären bewachen, die darüber nicht sehr glücklich aussehen, bis auf Xanas Pferd, dem eh immer alles egal zu sein scheint. Das Wohnhaus ist überdimensioniert. Unser Wehrbauernhof hatte vielleicht gerade mal mit allen Gebäuden diese Ausmaße. Alles sieht grob und herunter gekommen aus. Die äußeren Dachbalken sind mit groben Schnitzereien verziert. Man kann sehen, wie Menschen ausgeweidet, Kinder zerrissen werden und allerlei andere unappetitliche Dinge mit ihnen geschehen. Die Veranda ist brüchig und der Haupteingang scheint dort zu sein. Es gibt noch einen Nebeneingang, aber den ignoriere ich erstmal. Die Türe scheint verklemmt zu sein und ich überlasse dem starken Dolon den Vortritt. Mit einem kräftigen Ruck hat er den ganzen Türgriff in der Hand, es gibt ein lautes klickendes Geräusch und im nächsten Moment saust ein Gitter mit Spitzen auf ihn herab. Autsch!

Aber es kommt noch besser, rotierende Sägeblätter kommen aus den Verandadielen heraus und versuchen uns die Füße zu zersägen. Finsternis! Das hat jetzt wehgetan. Aua! Glücksbote Ryan macht einen Zauber auf uns, der langsam die Wunden wieder schließt. Das war jetzt nicht glorreich, aber damit konnte nun wirklich niemand rechnen. Zu blöd, ein Feld rechtzeitig abzuernten, aber tödliche Fallen herstellen, die dazu noch verdammt ausgeklügelt sind. Tut mir Leid! Das konnte ich nun wirklich nicht ahnen.

Bei der anderen Türe, die ins Haus führt, bin ich nun vorsichtiger, aber ich kann keine Falle erkennen und wir kommen in eine Küche, die gleichzeitig ein Schlachthaus ist. Auf einem Hackklotz stecken drei schartige und mit Blut verkrustete Hackebeile, Stücke von menschlichen Gliedmaßen sind auf Haken an den Wänden und von der Decke gespießt. Überall surren Fliegen herum. Auf dem Tisch stehen zwei Töpfe, im einen sind Finger und Zehen ohne Nägel, in dem anderen mit Nägeln. Xana wird grün im Gesicht und übergibt sich, während es mir gelingt, das Ganze aus wissenschaftlicher Distanz zu analysieren. Als Mädchen vom Land habe ich von klein auf bei Schlachtungen geholfen und bin da wohl auch etwas abgehärtet, im Gegensatz zu einem Stadtmädchen, das sein Essen handlich verpackt auf dem Markt kauft.

Ich schleiche zu der Türe, von der ich denke, dass sie tiefer in das Horrorhaus hineinführt. Oberflächlich spähe ich nach weiteren gemeinen Fallen, öffne geduckt die Türe und im nächsten Moment wird mir mein schöner Hut vom Kopf gerissen. He! Hier war tatsächlich eine weitere Falle installiert! Was für Psychos sind das denn? Ich kann es nicht fassen. Zum Glück ist mein Hut nur etwas zerschrammt von der schwingenden Sense. (Danach habe ich nur noch 20 beim Suchen benutzt)
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Topas am 29. Oktober 2008, 13:56:58
Ist es nicht noch ein bisserl früh für die (http://smiliestation.de/smileys/Halloween/13.gif) Halloweensession ?
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 31. Oktober 2008, 02:38:18
Das Abenteuer war schon krass.  :suspious: So einen Ekelfaktort hat man selten. War aber trotzdem eines der besten Abenteuer überhaupt, dass ich je spielen durfte.  :thumbup:

16 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Farm des Grauens

Hinter der Türe ist eine Art Esszimmer. Acht große Stühle sind um einen Tisch gruppiert. Alles macht einen groben Eindruck. Einige sind mit etwas gepolstert, das frappierend an menschliche Haut erinnert. Alles ist mit Schmutz verkrustet. Die Frau dieses Hauses ist eine Schlampe! Anders kann man das nicht ausdrücken. Aus einer weiteren Türe kommen Laute, die an ein Kinderlied erinnern. „Ich tanz den Schädeltanz und du nicht!“ Und das immer wieder und wieder. Sorgfältig suche ich nun die Türe nach weiteren gemeinen Fallen ab und bin beinahe enttäuscht, als ich nichts finde. Wir öffnen die Türe und landen im Spielzimmer des Grauens. Ein kleiner Halboger tanzt verzückt einem verfaulenden Schädel über sich haltend um einen anderen äußerst Deformierten Oger herum, der ein großes Maul mit schiefen, aber verdammt großen Zähnen hat, dafür aber nur auf verkrüppelten Beinen herumkriecht. An einer Wand ist ein Regal, in dem menschliche Schädel gestapelt sind. In einer Ecke liegen Bauklötze aus menschlichen Knochen.

Die kleinen Bälger sind recht aggressiv gegenüber uns und ich habe keine Skrupel diese kleinen Missgeburten vom Antlitz Torils zu fegen. Zuerst stirbt der Beinlose, was der Junge mit dem Schädel lachend mit dem Spruch, „Oh Mann, bist du blöd!“ quittiert, dann folgt er ihm recht schnell in den Abgrund. Glücksbote Ryan meint tatsächlich kurz einen moralischen Disput heraufbeschwören zu müssen, aber die Dekoration dieser Kinderstube lässt ihn schnell blass aussehen. Als nächstes entdecken wir einen Raum, der wohl als Toilette dient. Örks, stinkt das vielleicht mal. Zyniker könnten ja jetzt sagen, so groß ist der Unterschied zum restlichen Haus auch nicht. Dann finden wir das Wohnzimmer. In einer Ecke ist ein Sofa, dessen Füße aus denen von Menschengemacht sind. Auch die Polsterung ist aus Haut. Es gibt eine Falltür davor, die wohl als Falle dient, und einen Kamin, über dem wie Jagdtrophäen menschliche Köpfe drapiert sind. Eins weiß ich, ich werde niemals Überreste von irgendetwas ehemals Lebendigem als Trophäe an die Wand nageln. Nicht nach dem Besuch dieses Hauses. Es gibt noch eine Stiege nach oben und ein weiteren Raum.

Hinter der Türe sind arkane Formeln zu hören, die von einer weiblichen Stimme gesprochen werden. Da dürfte wohl Mama dahinter sein. Ich suche nach Fallen, kann aber keine finden. Wir stürmen auf drei in den Raum. Hier ist ein Schlafzimmer. In einer Ecke thront auf einem Bett ein nackter fetter Halborger, deren Anatomie sie als Weibchen der Gattung ausweist. Fettige Schwülste breiten sich über den ganzen Körper aus. In der Hand hat sie einen Stab, der aus einem fleischlichen menschlichen Unterarm gemacht ist.  Das schlimmste daran ist, dass es gleich vier Stück sind. Schätze mal, dass drei davon Spiegelbilder sind. „Frier!“ Ich schnippe einen Eisstrahl auf eines der Bilder, welches zerplatzt. 

„Böse Jungs! Lassen ihre Mama ganz alleine. Aber Mama hat liebe Jungs auf Vorrat hier!“ Sie schnippt mit der freien Hand und aus drei an den Wänden liegenden Särgen schlurfen drei äußerst deformierte Halboger heraus. Zombies! Einer davon macht den Eindruck, als wäre er tot getrampelt worden. Ryan löst das Problem elegant, indem er sich dramatisch in Pose wirft und brüllt, „Im Namen Tymoras schicke ich euch zurück unter die Erde!“ Phänomenal zerplatzen die drei Zombies, was Ryan ein äußerst selbstgefälliges Grinsen auf die Lippen zaubert. Und ich muss sagen, dazu hat er auch allen Grund. Gut gemacht, Glücksbote Ryan. So können wir uns nun ganz auf die fette Mama konzentrieren. Lias Pfeile und Xanas magische Geschosse bringen die Spiegelbilder zum Zerplatzen und wir stürzen uns auf sie. Sie kontert, indem sie ihren Stab mehrmals in Dolon rammt, was darauf ihre Wunden schließt, während der Schlachtenrufer jeweils schmerzerfüllt aufschreit.

In der Ecke kriegen wir sie nicht richtig zu fassen und wir beschließen sie in die Tiefe des Raumes zu locken. Nach unseren von Xanas Zauber verdoppelten Schlägen ziehen wir uns jeweils einen Schritt zurück. Xana hat dadurch freies Schussfeld. „Brenne!“ Zwei feurige Strahlen fahren präzise in den Schädel von der fetten Mama, bringen ihre Augäpfel zum Kochen und ihr fettiges Haar verpufft regelrecht. Sie steht mit flammendem Schädel da und kippt dann nach hinten weg und in sich zusammen. Ein letztes Mal geht ein Wabbeln durch ihren schwabbeligen Körper und sie rührt sich nicht mehr. Den ekligen Stab lassen wir liegen, aber eine magische Halskette nehmen wir mit.

„Lasst mich eure Brüste sehen! Sonst verfolgt mich dieser Anblick bis an mein Lebensende!“, klagt Glücksbote Ryan und fängt sich eine von Xana, bevor ich ihm sie verpassen kann. „Ferkel! Aber das mit den Zombies hast du gut gemacht.“ „Und dein Doppelstrahl war auch nicht von schlechten Eltern, Xana“, meine ich und klopfe ihr anerkennend auf die Schulter. Es gab acht Stühle am Esstisch, mindestens drei Mitglieder der Familie müssen noch leben. Also weiter geht’s!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 03. November 2008, 16:11:07
16 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Farm des Grauens

Nun schleichen wir uns die Stiege nach oben. Unter dem Dach gibt es nur zwei Räume. Im einen ist die Werkstatt untergebracht, in der die Fallen gebaut worden sind. Ich kann fünf Phiolen mit Säure finden und drei komplette Sätze mit Diebeswerkzeug.

Das andere Zimmer scheint ein Schlafzimmer für die jugendlichen Halborger zu sein. Mehrere Doppelstockbetten stehen hier herum. Es gibt eine fest am Boden verankerte Truhe. Sorgfältig suche ich nach Fallen, kann aber keine entdecken. Das Schloss ist nicht das Problem. Im Innern liegt in der Mitte ein großer Beutel. Ich unterdrücke den ersten Impuls danach zu greifen und suche den Innenraum nach Fallen ab. Tatsächlich ist dort eine, die ich gerade so entschärfen kann. Aus der Wand wäre nämlich sonst eine äußerst scharfe Klinge gekommen, welche wohl schon einige Finger abgetrennt hat, wie ich am Inhalt des Beutels erkennen kann, der neben einen Haufen Münzen auch Finger in verschiedenen Zuständen der Verwesung enthält. Örks.

Da wir nun mit oben fertig sind, gehen wir in den Keller. Paranoid wie ich inzwischen bin, untersuche ich nicht nur die Türe, sondern auch jede verdammte Stufe, die in die Tiefe führt. Aber hier ist nichts zu finden. Die Treppe endet in einen kurzen Flur mit drei Türen. Die erste führt in einen Raum, wo menschliche Häute gelagert sind. auf einem Klotz ist ein abgezogenes Gesicht zu erkennen. Iiiks! Auch sind auf einem Tisch in einem unordentlichen Haufen die für diese schreckliche Arbeit notwendigen Werkzeuge drapiert.

Nun schlecht, die nächste Türe offenbart einen mit Kettenhemd bekleideten Halborger in Begleitung der größten und hässlichsten Ratten, die ich je gesehen habe. „Brenne!“ Zwei Strahlen hämmern in seinen Balg, aber ich kann seine empfindlichen Stellen nicht wirklich treffen. Dieser Gegner weiß, wie man sich davor schützt, überrascht zu werden. Ich schätze mal, vor mir steht der Erschaffer dieser ganzen Fallen. Ich mache den Weg frei und verdrücke mich in eine Ecke, um nicht flankiert zu werden. Glücksbote Ryan stürmt als nächster rein und wird nun flankiert, aber er hat großes Glück, dass der Ogerhaken des Halbogers nur Funken sprühend über seine Rüstung schrammt. Die anderen behindern sich gegenseitig im engen Gang und kommen nicht vor. Ich eile vor, Xana hat wieder mal richtig gehandelt und den Zauber gemacht, der einen ganz hibbelig werden lässt. Nun kann ich eine der Ratten so richtig schön mit Ryan in die Zange nehmen, aber das Vieh ist viel zäher, als es aussieht. Obwohl ich da einiges Empfindliches getroffen haben muss, kämpft es weiter. Nun wird Ryan hart getroffen, bleibt aber blutüberströmt auf den Beinen stehen.

Mehrere Wellen magischer Geschosse aus Xanas und Lias Hand bringen den schon stark von meinen sengenden Strahlen angeschlagenen Oger ins Wanken und schicken ihn schließlich zu Boden. Die beiden Ratten zu töten ist dann nicht mehr so das Problem, auch wenn sie verdammt zähe Gegner sind. Nach einer kurzen Heilpause und dem Plündern des magischen Hemdes und Anhängers des halbogrischen Schurken, öffnen wir das letzte Türchen, was in einen geräumigen Keller führt. Hier steht allerlei Gerümpel, was wirklich unbrauchbar ist. Zwei weitere Doppeltüren führen in den Bereich, in den die Falltürfalle des Wohnzimmers führt. Ich kann komische Geräusche ausmachen, aber nicht wirklich einordnen. Ich öffne die Tür und in dem Raum befindet sich eine Art Komposthaufen, der zu leben scheint.

Ich wechsele sogar ein paar Sätze mit ihm. So wie es aussieht heißt der Komposthaufen Muck, war einst ein Halboger, der von einer gemeinen bösartigen Fee in dieses Wesen verwandelt wurde. „Hab ich es nicht gesagt, Feen kann man nicht trauen!“, gibt Xana ihre beliebte Weisheit zum Besten. Muck wurde dann von seiner Mama hier eingesperrt, aber ab und zu bekommt er Spielzeuge, die aber immer so schnell kaputt gehen, aber schmecken tun sie dann meist trotzdem. Und er meint, dass wir auch mit ihm spielen sollen. Er bekommt einen Koller und wir das Zeichen, dass wir ihn besser angreifen und töten sollten. Xana macht ihre weit ausholenden Gesten und schickt eine ihrer großen elektrischen Kugeln in die Tiefe des Raumes, die diesmal aber nicht so spektakulär ausfällt. Lia eilt in den Raum, um in eine bessere Schussposition zu bekommen. Aber dabei hat sie große Reichweite der Tentakel von Muck unterschätzt und wird davon gefangen. Mit einem vergnüglichen Kichern stopft er die schreiende Elfe in seinen Schlund! Verdammnis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 05. November 2008, 13:33:28
16 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Farm des Grauens

Während Dolon und Ryan Tempus und Tymora um Segen und Hilfe anflehen, macht Xana uns hibbelig. Ich schicke mehrere Pfeile auf den Weg, die tief eindringen, aber Muck nicht wirklich zu stören scheinen. Im Gegenteil, das Ding scheint sich recht schnell zu erholen. Verdammnis! Hätte die blöde Fee Muck nicht in irgendetwas Harmloses verwandeln können? Finsternis!

Tapfer stürmen Ryan und Dolon in den Raum, während Xana und ich zurückbleiben und es entweder mit Pfeilen, wie in meinem Fall, oder mit sengenden Strahlen und blitzenden kleinen Kugeln beschießen, wie in Xanas Fall. Der Schlachtenrufer wird nun auch von Tentakeln gepackt und landet ebenfalls im großen Maul von dem Vieh. An Ryan hinterlassen die Tentakel aber nur Dellen in der Rüstung, da er sich rechtzeitig mit einem von Tymoras Gebeten geschützt hat, das ihm erlaubt, sich immer frei zu bewegen.

Schließlich landet auch der letzte Pfeil auf meiner Sehne, da ich nie mehr als sieben dabei habe und verschwindet im Balg der Kreatur. Xana gibt noch mal alles und zwei Strahlen fressen sich tief in die Flanke des Wesens. Ryan klettert in das Maul, bis nur noch sein Hintern und seine strampelnden Beine zu sehen sind. Das sieht so komisch aus, dass Xana und ich trotz der äußerst ernsten Lage losprusten, bevor wir ihm zur Hilfe eilen. Gemeinsam ziehen wir alle aus dem Monster heraus, das verdächtig zuckt. Aber nachdem Ryan und Dolon nochmals feste draufhacken, rührt sich bald auch nichts mehr. Lia wurde vorher von Glücksbote Ryan wieder soweit geheilt und mit Wasser übergossen, um die Magensäure abzuwaschen, dass die Waldläuferin wieder halbwegs in Ordnung aussieht.

Eine weitere Türe führt zur Schatzkammer der Familie Graul. Überraschenderweise sind keine Fallen zu entdecken. In einer Truhe kommen einige wertvolle Sachen zu Tage. Ein Goldring mit einem blauen Edelstein, eine Halskette mit grünen Edelsteinen, ein paar mit Perlen bestickte Handschuhe, eine Schulterspange aus einer roten Drachenschuppe und ein Langbogen elfischer Machart. Und zu guter Letzt noch ein prall gefüllter Beutel. Aber das Herrchen von Brummelbär haben wir noch nicht gefunden. Also arbeiten wir uns wieder nach oben und betrachten missmutig die Scheune von außen. Entschlossen öffnen wir die Scheunentür und überraschen drei halbstarke betrunkene Halboger, alle mit mehr oder weniger starken Deformierungen, die um eine Destille herumlungern und aus Eimern eine streng riechende Flüssigkeit trinken. Da wir nicht hier sind, um Gefangene zu machen, wird das eine kurze und blutige Angelegenheit. Das war es dann wohl, die schreckliche Familie Graul ist wohl damit Geschichte. Da es nur ein weibliches Mitglied gab, waren wohl alle wohl auf mehr als eine Weise miteinander verwandt. Ein weiteres Tor führt in die Tiefe der Scheune, links und rechts gibt es einen Aufstieg zu einem Steg und weiteren Türen. Wir teilen uns, Xana und ich rechts, der Rest links.

Wir öffnen die Türen gleichzeitig. Dahinter verläuft der Steg weiter und ganz hinten liegen drei gefesselte, zerlumpte und zerschundene Mitglieder der schwarzen Pfeile. Einer davon ist ein Elf, wahrscheinlich Xanas Vater. Unter uns ist der ganze Raum mit einem gigantischen Spinnennetz bedeckt. Vorsichtig, nach Fallen Ausschau haltend, arbeite ich mich vor. Da! Eine Bewegung am Boden und es bricht eine gewaltige Spinne hervor. Iiiks! So was Großes darf nicht existieren! Ich wische mir über die Augen, aber das Ding bleibt. „Frier!“ Ich schicke ihm einen Eisigen Strahl entgegen, der präzise einschlägt. „Brenne!“ Xana schickt ihre letzten Strahlen los, was mit einer wütenden Attacke auf sie quittiert wird. Irgendein Gift wird in sie gepumpt, was sie vor Schwäche taumeln lässt.

Ich gebe dem Ding mein Rapier zu schmecken, aber ich komme nicht an die wirklich empfindlichen Stellen heran. Für einen kurzen Moment ziehe ich es in Erwägung, einfach herunter zu springen. Aber wahrscheinlich wird das Netz stabil genug sein, um mich zu behindern. Nein, lieber von hier oben Nadelstiche versetzen, als unten zu sterben. Als nächstes erwischt es Lia, die mehrere Konterattacken abbekommt. Schließlich bricht sie blutend und vollkommen entkräftet zusammen. Aber Dolon und Ryan geben mit Axt und Morgenstern ordentlichContra. Xana gelingt es mit äußerster Konzentration eine weitere Kugel in dem Riesending zu versenken und schließlich ist auch dieses Monster Geschichte. Dann bricht auch Xana vollständig entkräftet zusammen. Der Sieg ist errungen, aber der Preis war hoch. Einen weiteren Kampf werden wir heute nicht mehr durchstehen können.

Die drei Gefangenen sind bewusstlos, also tragen wir sie in den Vorraum, wo wir die Leichen der Halboger entfernen und zum Haus schaffen. In der Scheune sind noch einige Käfige mit diesen bösartigen Kampfhunden, die wir von ihrem Schicksal erlösen. Danach schleppen wir einige Eimer mit Selbstgebranntem in das Haus und überschütten damit großzügig die Innenräume. Dieser Makel muss getilgt werden. Ryan und Dolon halten eine kurze Ansprache, dass dieser Ort nun ein Friedhof ist, da er nicht nur die sterblichen Überreste der schrecklichen Familie Graul beherbergt, sondern auch die von vielen Menschen und anderen intelligenten Wesen. Mit Schaudern denke ich an die Häute von Menschen im Keller und die Töpfe voll Zehen und Fingern. Dann werfe ich die Fackel und der Alkohol fängt Feuer. Es dauert lange, bis sich das Feuer durchfrisst. Ich habe zuerst Bedenken, da der Rauch weit zu sehen ist. Aber schätze mal, die Kreeg werden kaum herkommen, um löschen zu helfen.

Inzwischen haben die drei Mitglieder der schwarzen Pfeile ihr Bewusstsein wieder erlangt. Sie können es anfangs gar nicht fassen, dass sie dem Grauen entkommen sind. Der Elf ist tatsächlich Jakadros Androssana, Xanas leiblicher Vater, die davon aber nichts wissen will und kategorisch jeden Kontakt, selbst Augenkontakt vermeidet. Das ist schade, aber ihre Sache. Ich komme schnell zum Kern und erfahre was in etwa passiert ist. Jakadros hat eine Routinepatrouille mit zwanzig Mann in die umliegenden Wälder geführt, als sie zurückkamen, war die Burg wohl gerade gestürmt worden. Sie versuchten einen Durchbruch zur Burg, wurden aber abgeschlagen und mussten fliehen, da waren sie noch zu acht. Dann fielen sie den Graul in den Händen und die haben sich an ihnen gütlich getan. Der Brummelbär gehört einem der drei Überlebenden und die beiden feiern ein herzliches Wiedersehen, wenigstens zwei, die sich wieder gefunden haben.

Gespielt am  12.07.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 2), Lia (Waldläufer 3/Kriegsmager 4), Dolon (Kleriker 7), Ryan (Kleriker 7), Xana (Hexenmeisterin 5, Wilde Magierin 2)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:  3100, 150 Kaira, 50 Lia, Dolon 100, Ryan 100, Xana 100
Überwundene Gegner
Big Mama Graul
Einarm Graul
Kürbiskopf Graul
Tentakulus Muck Graul
3 betrunkene Halbstarke Grauls
1 Schurken Graul
2 Graul Kinder
2 Riesenschreckensratten
3 Zombie Grauls
3 Jagdhunde
Beute
2 Beutel mit Münzen
5 Säurephiolen
3 x Meisterhaftes Diebeswerkzeug (Verkauft für 400)
1 Kette mit zwei Steinen von Big Mama Graul (Resistenz +1, Xana, Mantel dafür an Ryan oder Dolon)
1 Amulett von Schurke (Natürliche Rüstung +1, Ryan)
1 Hemd von Schurke (Kettenhemd +1, war was anderes, SL konnte es aber nicht sagen, verkauft 1000)
1 Goldring (1+ Schutzring, Dolon)
1 Halskette (Resistenz +1 Lia)
1 Handschuhe (Gewandtheitshandschuhe +2, Kaira)
1 Schließe aus einer Drachenschuppe (Xana)
1 Langbogen (Xanas Papa Jakadros)
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 07. November 2008, 14:47:44
Kapitel 2
Kampf um Burg Rannick

17 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Farm des Grauens

Es war eine unruhige Nacht und der Schlaf wurde immer wieder durch wirre Albträume unterbrochen. Dieser schreckliche Ort wird mich wohl auf ewig verfolgen. Diese Dekadenz, Inzucht und grenzenlose Grausamkeit. Örks! Hätte bis gestern nicht gedacht, dass so was in den Herzlanden möglich wäre. Wo doch die Kolonien die Zivilisation wenigstens in die Küstenregionen gebracht haben. Xana ist noch immer voll durch den Wind und sondert sich ab, während Ryan seine Morgengebete spricht. Ich untersuche die erbeuteten magischen Gegenstände, der Langbogen wird aber gleich von Xanas Vater eingefordert, wäre seiner. Wird wohl stimmen, also bekommt er ihn zurück.

Nach einigen Versuchen mit den Handschuhen komme ich zu dem Schluss, dass diese einen wohl etwas geschickter machen. Sind meine! Dann reinige ich den Ring und schaue ihn mir magisch an, indem ich einen Trank vorbereite. Scheint ein Schutzring zu sein, den Dolon bekommt, da er ja immer vorne steht und immer noch in diesem ärmlichen Bänderpanzer herumläuft. Ts, da sollte er irgendwann mal was tun, sonst hat er nämlich bald keinen Körper mehr, der noch in eine Rüstung passt.

Als nächstes untersuche ich die Rüstung des Diebes, ist aber nicht wirklich brauchbar für jemanden von uns. Nachdem Ryan unsere geschwächten Gruppenmitglieder wieder aufgepäppelt hat, halten wir Kriegsrat. Jakadros Androssana, der elfische Anführer der Waldläufer der schwarzen Pfeile ist der Meinung, dass wir die Burg von den Ogern so schnell wie möglich zurück erobern sollten. Da kriege ich große Äuglein. Wir sind gerade mal acht Leute und ein Bär. Wie sollen wir es mit einer ganzen Festung voll von kampferfahrenen Ogern aufnehmen? Dass ein frontales Stürmen nicht in Frage kommt, dürfte klar sein, aber es gebe mehrere Möglichkeiten, erst mal unbemerkt in die Festung zu gelangen. Zum einen gibt es einen Pfad über die Klippen, zu einem Riesenadlerhorst, den man wiederum kletternd erreichen kann. Keine wirkliche Möglichkeit in Anbetracht unserer Blechbüchsen in der Gruppe. Manchmal wundere ich mich schon, dass sie geradeaus laufen können, ohne nach vorne zu kippen.

Als andere Möglichkeit gibt es noch eine Route, die über eine Höhle hinter einem Wasserfall direkt neben der Burg in ein Höhlenlabyrinth führt, welches einen geheimen Eingang zum Kerker hat. Problem ist halt dabei, dass man direkt an den Mauern der Burg vorbei muss. Klasse, da haben wir wieder das gleiche Problem. Aber da die letzte Alternative ein frontaler Angriff ist, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als in den sauren Apfel zu beißen. Xana ist immer noch sehr reserviert gegenüber ihrem Vater und blockt sofort ab, als er sich mit ihr aussprechen will. Finde ich nicht so gut, da dies vielleicht die letzte Möglichkeit überhaupt dazu ist.

Es regnet immer noch, als wir die Pferde am Nachmittag satteln und zur Feste Rannick aufbrechen. Wir sind jetzt eine recht große Gruppe und werden von andern Halbogern nicht belästigt. Hier und da passieren wir ein herunter gekommenes Gehöft, aber niemand zeigt, sich, der sich mit uns anlegen will. Da haben die echt aber Glück gehabt. Es ist früher Abend, die Sonne versinkt hinter den Bergen, aber da es eh schon verdammt dunkel war, macht das keinen großen Unterschied mehr.

Die Festung selbst ist an der Wand eines Berges errichtet worden. Eine etwa fünf Schritt hohe Mauer umschließt die offene Fläche, zwei Torhäuser mit flankierenden Türmen durchbrechen die Mauer, die durch einen etwa sechs Schritt breiten und angeblich drei Schritt tiefen, von einem Wasserfall gespießten Graben gesichert ist. Stallungen, Baracken und Wirtschaftsgebäude drängen sich auf dem schmalen Innenhof. Dahinter ragt dunkel der massige Bergfried auf, der mit drei kleinen und einem großen Turm zusätzlich gesichert ist. Dort sind Hospital, Quartiere der Offiziere, Gästezimmer, Lagerräume, eine Kapelle der Eldath und Wirtschaftsräume untergebracht.

Wir sehen unter uns die sich durch die Berge schlängelnde Straße und darauf drei Reiter, die sich darauf bewegen. Verdammt, die laufen den Kreegogern direkt in den Schlund, wenn wir sie nicht warnen. Also nix wie los. Wir reiten einen schmalen Pfad nach unten und Pferdchen meistert ihn trittsicher. Unten treffen wir dann auf die beiden Späher der grauen Brigade und einen übermütigen Halbling auf einem Reithund. Nachdem wir den drei klar gemacht haben, dass die Festung in Feindeshand ist, wollen sie bei der Rückerobrung helfen. Die beiden Menschen sind uns willkommen, aber was wollen wir mit der halben Portion? Er behauptet, Waldläufer zu sein und gut mit seinem kleinen Bogen umgehen zu können. Aha? Ich lasse ihn zur Probe auf einen etwa dreißig Schritt entfernten Baum schießen, genauer gesagt auf ein Astloch. Er schafft es, den Baum dreimal zu verfehlen. (Zwei Einser und eine Zwei) Tja, wenn das mal kein guter Einstand ist. Ich würde ihn ja auf die Pferde aufpassen lassen, aber Glücksbote Ryan meint, er würde uns sicherlich Glück bringen. Wenn das mal gut geht.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 10. November 2008, 13:49:21
17 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Feste Rannick

Auf dem restlichen Weg sammeln wir noch etwas Birkenrinde. Diese Rinde verströmt einen Geruch, welche die in den Höhlen unter der Burg ansässigen Blitzechsen gar nicht mögen. Das wird uns ermöglichen, ohne Kampf die Höhlen der Echsen zu durchqueren. Wir lassen unsere Pferde unter Bewachung von Lia zurück und schleichen uns durch die der Burg vorgelagerten Wälder an. Aber den letzten Weg müssen wir über offenes Feld überwinden. Es regnet immer noch Bindfäden und so sind wir halbwegs vor neugierigen Blicken geschützt. Allerdings machen mir unsere Blechbüchsen große Sorgen. Die sind einfach viel zu laut! Zwei Silhouetten von Wächtern ragen jeweils auf den Tortürmen auf. Auf dem großen Turm des Bergfriedes lümmelt ein weiterer Oger herum. Diffuser Feuerschein dringt vom Innenhof herauf.

Ich entwickle einen Notfallplan falls die Wächter uns entdecken sollten. Als erstes schleichen die nach vorne, welche das halbwegs können, während ich auf die Mauer zurobbe. Da ich eh schon bis auf die Knochen durchnässt bin, macht es mir gar nichts aus, in den Graben zu gleiten und ihn vorsichtig zu durchschwimmen. Schließlich bin ich an der Mauer und mache mich ganz leise unsichtbar, dann klettere ich bis unter die Zinnen und gebe das Signal, dass ich in Position bin. Ich kann deutlich hören, wie Dolon sich in Bewegung setzt. Finsternis!

Ich richte mich in Erwartung auf die Ausführung meines Planes auf und husche auf eine der Zinnen. Auch der stämmigere der beiden Oger, wohl ein Anführer legt lauschend den Kopf schief und späht mit einem angestrengten Stirnrunzeln in die Tiefe vor ihm. Als er seinen Mund zu einem teuflischen Grinsen verzieht, weiß ich, dass er Dolon gesehen hat. „Brenne!“ Ein Strahl schlägt präzise in seine Brust in der Höhe seines Herzens, brennt sich aber nicht tief genug, um ihn zu töten. Der andere bewegt sich im letzten Moment, sodass ich ihn nur Oberflächlich verletzte. Verdammnis!

In diesem Moment kann ich auch gut den Innenhof betrachten, überall liegen erschlagene und halb aufgefressene Pferde. Teile der Gebäude sind eingerissen worden, der Stall ist abgebrannt. Auch die Leichen von Riesenadlern liegen hier, welche Verbündete der Schwarzen Pfeile waren. Hier und da sind auch Leichen von Menschen zu sehen, meist verstümmelt und angefressen. Finsterste Verdammnis!

„Alarm! Sie sind vor der Burg!“, höre ich den Anführer brüllen und das ist ein gutes Stichwort. Während er noch nach seinen Bogen greift, stoße ich mich ab, schlage einen Salto und komme mit Füßen zuerst auf dem schnell fließenden Wasser des dunklen Grabens auf. Ich tauche unter, während zwei Pfeile neben mir einschlagen. Ich tauche ab und mit kräftigen Stößen schwimme ich gegen die Strömung an. Als ich am gegenüberliegenden Ufer ankomme, schlägt gerade eine von Xanas Elektrischen Sphären ein und tötet den einen, während der Anführer sich mit einen Sprung in den Innenhof rettet. Das fing ja schon mal gut an.

Gleichzeitig mit den Blechbüchsen erreiche ich den kleinen See am Rand der Festung, wo der Wasserfall hineinfällt, welcher den Graben speist. Ich klettere voraus, eile in die Höhle und mache mein Seil fest, wodurch die anderen es dann ohne größere Probleme schaffen, in die Höhle und damit aus der Sicht der Kreeg Oger zu gelangen. Puh! Hoffentlich denken sie, wir sind abgehauen. Ich hake mein Seil los und beginne den Weg zu erkunden. Unsere Mitglieder der schwarzen Pfeile waren hier noch nie selbst, wissen nur von dem Geheimgang. In der nächsten Höhle ist ein Notfalllager der Kompanie und zwei dieser Blitzechsen lümmeln davor herum. Und ich bekomme sofort eine Kostprobe, warum diese Viecher so heißen, genau, sie verschießen Blitze. Aber gewandt springe ich hoch, drehe mich so, dass beide Blitze an mir vorbeischießen, und komme gewandt auf. „Verschwindet!“, sage ich zu den Kreaturen, die mich zuerst groß ansehen, sich dann schließlich umdrehen und abhauen. Geht doch!

Das Lager ist nicht mit Fallen gesichert, aber was wirklich Interessantes ist in den Kisten nicht enthalten. Schade! Wir zünden nun die Birkenrinde an und ich wedle damit vor mir herum, vorsichtig schleiche ich weiter, kann aber keine gemeinen Fallen entdecken. Wir durchqueren ohne Zwischenfälle die Höhle der Blitzechsen, die sich von dem Geruch der kokelnden Birkenrinde angeekelt fühlen, lieber schnell vor uns weghuschen und uns nicht weiter belästigen. Schließlich erreichen wir die getarnte Geheimtüre zur Festung. Ich lausche aufmerksam daran, kann aber nichts hören. Angeblich ist ein leeres Lager und Verhörraum dahinter. Eine weitere Tür führt zum Treppenaufgang nach oben, eine andere in die Zellen. Wir machen uns kampfbereit und auf drei reiße ich die Tür auf. Zuerst schlägt mir der Geruch von Rosenparfüm entgegen, dann stolpern wir in einen mit Teppichen ausgelegten Raum. In einer Ecke stapeln sich schöne Kissen und in der Mitte steht eine aristokratisch wirkende Frau, in einem grünen Seidenkleid, das ihren wohlgeformten Körper gut zur Geltung bringt. Ihre roten Haare sind aufwendig frisiert und spöttisch sieht sie uns an. „Sieh an, Gäste zur späten Stunde.“
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 12. November 2008, 21:12:46
17 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Feste Rannick Dungeon

„Öhm! Was in aller Welt macht ihr hier bei den Kreeg Ogern?“, frage ich total entgeistert und versuche die Frau einzuordnen.
„Mein Name ist Lucrezia. Ein überaus finsterer Kerl namens Vaslo Zar hat mich um meine Wohnstatt gebracht.“
„Ah, Vaslo Zar, ein guter Bekannter von uns“, rutscht es mir heraus.
„Wie schön, dann kann ich mich ja bei euch für die Versenkung meines Geschäftes bedanken! Spiegelt mich!“ Sofort stehen acht Ausgaben von ihr herum. Tymora steh uns bei!
„Schild!“, hauche ich. „Beeilt euch!“ Xana macht uns alle hibbelig, während Dolon stoisch auf die Frau zumarschiert und eines ihrer Ebenbilder zum Platzen bringt. Der Halbling hastet in eine der Ecken des Raumes und zeigt, dass er gut die Decke treffen kann. (Ja, ne eins) „Tymora, gib mir Kraft!“ Ryan sieht etwas stärker aus.

Ich rücke nun ebenfalls vor und steche in eines der Bilder. Währenddessen hat Lucrezia ihr schlankes Rapier und einen schönen Dolch an Dolon gewetzt, der aus fünf Wunden blutet und ziemlich erstaunt hin und her schwankt. Auch ist jetzt zu sehen, dass Lucrezia keine wohlgeformten Beine, sondern einen Schlangenleib hat. Was bei den Neun Höllen ist sie für eine Ausgeburt? Innerhalb weniger Herzschläge fallen alle ihre Ebenbilder, nachdem Xana eine Welle magischer Geschosse hat regnen lassen und der Halbling doch tatsächlich nicht nur die Wände, sondern auch ein Spiegelbild getroffen hat. Mit einem kurzen Schritt erreiche ich nun Lucrezia, aber meine Angriffe gleiten an ihr ab. Tymora hilf! Dieses Ding ist kaum zu verwunden. Ryan bekommt nun die ungeteilte Aufmerksamkeit von der doch so hübschen Frau zu spüren, nachdem er versucht hat, ihre magische Rüstung zu bannen. Auch er hat bald viele kleine Einstiche. Endlich gelingt es mir, zwei präzise Einstiche zu führen, die wichtige Organe verletzen, während Xana sie mit einem Strahl röstet, während ihr zweiter nur kurz aufleuchtet, aber bevor er sie verbrennen kann, einfach verlöscht.

„Das zahle ich dir heim, Schlampe!“, geifert sie mich an. Ein wahrer Schlaghagel prasselt auf mich hernieder. Den ersten Stoß kann ich parieren, ihre Stöße mit dem Dolch lasse ich an meinem Schild abgleiten, aber zwei Stiche treffen mich doch. Aua! Das tut weh! Aber nur kurz, da sie mein falsches Leben erwischt hat. Ha! Habe auch ein paar Tricks auf Lager. Dolon, der sich inzwischen wieder geheilt hat, geht mit frischem Elan ans Werk, schließlich kann er es bei seiner Ehre nicht zulassen, dass er gegen Lucrezia eine schlechtere Figur macht als Vaslo Zar. Mächtige Hiebe prasseln auf sie ein und schließlich spaltet er ihr den Kopf. Iiiks!

Das war ja jetzt was! Ein Amulett um ihren Hals ist magisch, ebenfalls ihr Rapier, das verdammt gut in meiner Hand liegt. Die Klinge sieht überaus scharf aus und es pfeift intensiver als meines, als ich es schwinge. Schätze mal, dass dies ein geschärftes Rapier ist. Allerdings ist sonst nichts Interessantes zu finden. Die Wände sind nun mit unzähligen Pfeilen dekoriert. „Bist ein echt guter Schütze, Halbling!“, meine ich dazu nur. Wir hätten ihn auf die Pferde aufpassen lassen sollen, und nicht Lia. Wir untersuchen noch kurz den anschließenden Kerker, aber alle Zellen sind leer, auch wenn wohl eine erst kürzlich noch belegt war. Da es hier nichts Interessantes gibt, rücken wir weiter nach oben. Unsere Freunde von den schwarzen Pfeile und der grauen Brigade rücken nun endlich auch nach.

Wir erreichen die Hauptebene des Bergfrieds. Ein langer Gang ist vor uns. Auf der linken Seite sind die aufgebrochenen Türen zu den Gästezimmern zu sehen, die gegenüberliegenden sind halbwegs ganz und zu. Diese führen zum Hospital, nach oben und in einen Speisessaal. Aus dem Hospital sind Geräusche zu hören. Hier lassen wir Dolon und Ryan zurück, um unseren Rücken zu decken. Die Wände sind mit Graffiti auf Riesisch mit Blut geschrieben verschmiert. Hier und da liegen angeknabberte Reste von Leichenteilen herum. Schließlich erreichen wir den Torbereich. Das Tor ist zu und wir verriegeln es provisorisch, das hält die Oger vielleicht ein paar Herzschläge auf, mehr nicht. Da muss mehr her. Xanas Vater und seine Kameraden positionieren sich vor dem nächsten Raum, wo Geräusche heraus kommen, wir vor dem Anderen. Auf drei reiße ich die Türe auf. Ein Oger ist gerade dabei mit einer geköpften Leiche Graffiti zu schreiben. „Oh, ein neuer Pinsel!“, ruft er erfreut auf, lässt den alten Fallen und greift zu seinem Ogerhaken. Ich stürme los und ramme ihm mein Rapier tief in den Wanst. Er grinst nur, holt aus und dann gehen bei mir die Lichter aus. Finsternis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 14. November 2008, 16:26:12
17 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Feste Rannick Bergfried

Da nächste, was ich wahrnehme, ist, dass Xana mir einen Trank eingeflösst hat. Neben ihr liegt schon einer, dass war wohl der zweite. „Danke!“ hauche ich und rapple mich hoch. Der Oger hätte mich beinahe getötet. Alles ist mit meinem Blut voll gespritzt. Tymora hat da wohl gerade noch rechtzeitig eingegriffen. Und Xana nicht zu vergessen. Auf sie kann man sich wirklich verlassen. Mit den drei Ladungen meines Gürtels heile ich mich halbwegs wieder hoch und Ryan gibt mir auch noch einige Zauber, sodass ich wieder ganz fit bin. Das Erdgeschoss ist unter unserer Kontrolle, die schwarzen Pfeile haben zwei Oger und Ryan und Dolon einen weiteren Unterführer getötet. Wir verrammeln mit vereinten Kräften das Tor des Bergfrieds zur Feste hin. Das wird sie eine Zeitlang beschäftigen.

Wir durchsuchen kurz das Erdgeschoss. Alles liegt in Trümmern, überall Leichenteile. Im ehemaligen Hospital wurde ein Mann, der wie ein Händler gekleidet war, auf einen Stuhl genagelt, sein Bauch aufgerissen, seine Gedärme vor ihm ausgebreitet und so drapiert, als ob er sie essen würde. Ich hoffe mal, dass dies nach seinem Tod geschah. Diese grausamen Schweine! Wut tobt in meinem Bauch. Langsam rücken wir vor, viel Zeit werden wir wohl nicht mehr haben, aber wenn wir ihren Anführer töten, der sich bestimmt im Zimmer des Festungskommandanten aufhält, können wir ihre Moral brechen. Oben angekommen kann ich durch leises voraus schleichen und lauschen an den Türen nur zwei Räume ausmachen, in denen sich Gegner aufhalten. Zum einen mindestens zwei in der Kommandantur, einer im ehemaligen Tempel der Eldath. Da der Tempel vorgelagert ist und ich keinen zwei Frontenkrieg mit einem abgeschnittenen Rückzugsweg haben will, schlage ich vor, dass wir zuerst den Tempel räumen und uns dann dem Anführer stellen. Die anderen haben nichts dagegen. Die Türe hat keine Fallen, also trete ich sie auf drei auf. Und ich sehe die Hölle.

Überall sind Leichen aufgehängt. Manche sind geköpft worden und man hat ihnen die Köpfe von Kampfhunden, Streitpferden, Hirschen und Reisenadlern angenäht. Der Altar ist mit Blut überzogen und dahinter prangt die Kralle, das Zeichen Malars, des wilden Jägers. Und sein Priester ist hier, der bisher größte Oger, mit einer mit Runen bedeckten Ogerhakensense. Mir wird schnell klar, dass ich einen fatalen Fehler begangen habe. Der Anführer befindet sich nicht in der Kommandantur der Feste, er befindet sich direkt vor uns. „Verdammnis!“, hauche ich.

Ich weiche mit wackligen Knien zurück, während Dolon dem Oger tapfer entgegen schreitet. „Tempus! Verleihe mir deine Macht!“ Der Schlachtenrufer hält seine Axt nach oben, die einen kurzen Moment magisch rot aufleuchtet. „Beeilt euch!“ Xana macht uns hibbelig. „Schild!“ Eine weitere durchsichtige Scheibe manifestiert sich an meinem Schildarm. „Tymora! Steh uns bei!“

„Malar wird eure Seelen zerfetzen, wie ich eure Leiber zerfetzten werde!“ Der Oger stürmt zu Dolon und rammt ihm seine Ogerhakensense in den Leib. Das tat weh! Autsch! Der hat vielleicht mal ne Wucht dahinter. Ich merke, wie ich innerlich zögere und wie mir warm etwas das Bein herunter läuft. Mir zittern so die Knie, dass ich kaum laufen kann. Ich gehe verschiedene Möglichkeiten durch, wie ich in eine gute Position komme, aber ich traue mich nicht und bleibe vor Angst gelähmt einfach stehen. Vor meinem inneren Auge läuft der letzte Kampf ab, wie ich vorstürme und dann gefällt werde. Und der Kerl sieht noch stärker und gemeiner aus, als der, der mich gerade beinahe getötet hat. Ich habe soviel Angst wie noch nie in meinem Leben. Finsternis!

Der Halbling schießt mehrere Pfeile ab und zum ersten Mal trifft er richtig gut. Einer der Pfeile entlädt sich mit einem Donner und überzieht den Oger mit einem Netz aus Blitzen. (Kritischer Schaden mit einem Donnerpfeil und knapp unter Maximal). „Elektrische Sphäre! Brutzele ihn weg!“, brüllt Xana, aber leider sieht das Resultat nicht sehr beeindruckend aus, besonders da die zuckenden Entladungen nur sehr oberflächliche Schäden bei unserem Gegner anrichten. Anstatt sich zu heilen, greift Dolon beherzt an. „Tempus!“ Weit holt er aus und treibt tief die Axt in den Unterleib des Ogers. Auch der zweite Hieb hinterlässt eine klaffende Wunde. Der Oger grunzt nur und holt weit aus, im letzten Moment duckt sich Dolon, haarscharf fährt die Klinge an ihm vorbei, aber diese Waffe hat es in sich. Mit der Rückbewegung trifft der Oger und reißt Dolons Seite auf. Gedärme und Innereien flutschen heraus und Dolon ist tot, bevor er überhaupt den Boden berührt. Finsterste Verdammnis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 17. November 2008, 13:15:17
17 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Feste Rannick Bergfried

„NEIN!“ brülle ich und alles dreht sich, während Dolon wie eine kaputte Puppe zu Boden kracht. Der Oger grunzt nur, scheint aber auch schwer angeschlagen zu sein. Sein blutunterlaufener Blick taxiert den Halbling, dann stürmt er los, nur um von Ryans Kristallstreitkolben gefällt zu werden. Ich eile zu Dolon, er ist tot, da gibt es nichts zu rütteln. Tränen laufen mir über die Wangen. Xana kommt von hinten und tröstet mich. Ryan brüllt mich an, irgendetwas davon, dass wir hier noch nicht fertig sind. Ja, die Toten haben die Ewigkeit, wir Lebenden eine Aufgabe. Auf dass sein Tod nicht vergebens war. Ich atme tief durch und stehe auf. Ohne mich zu vergewissern, ob die anderen mir folgen, trete ich die Türe zur Kommandantur auf. Zwei der kleineren, normalen Oger sehen mich groß an. Ich habe mich geirrt, so furchtbar geirrt. Und nun ist Dolon tot.

„Für Dolon!“, rufe ich und töte den ersten der Oger. Auch der andere hat uns nichts entgegen zu setzen. Von unten brandet Kampflärm auf. Die Oger brechen durch. Verdammnis! So schnell wie möglich töten wir noch den Oger auf dem obersten Wachturm und eilen dann nach unten. Als wir an der Kapelle vorbei kommen, bleibe ich stehen. „Xana! Komm mit!“ Ich wähle Xana, weil sie meist tut, was man ihr sagt, während Ryan nur ewig herumdiskutiert. Gemeinsam trennen wir den Kopf des Anführers ab und schleifen nun Kopf und Waffe nach unten. Die ist vielleicht mal schwer. Unsere Linien stehen kurz vor dem Zusammenbruch, aber noch leben alle.

„Oger des Kreegstammes! Euer Anführer ist tot! Dies ist der Moment, wo ihr die Wahl habt, folgt ihm in die Neun Höllen oder verlasst die Festung!“, brülle ich so laut ich kann, stelle mich breit hin und halte den Ogerkopf über mich. Xana stemmt mit hochrotem Gesicht die Waffe nach oben. Dabei bemühen wir uns, so finster wie möglich zu schauen. Durch Dolons Tod können wir das ziemlich gut. Die ersten Oger drehen sich nach ein paar Herzschlägen um und laufen weg. Einige bleiben stehen und wir spielen das Spiel, wer zuerst wegschaut, verliert. Da ich sechs Brüder und zwei Schwestern habe, bin ich gut in diesem Spiel. Sie verlieren und schließlich starre ich auch den letzten nieder. Laut kracht die Ogerhakensense zu Boden, als der letzte der Kreeg den Bergfried verlässt. Das war jetzt knapp gewesen. (je 31 auf Einschüchtern)

Wir folgen den Ogern in angemessenem Abstand bis zum Haupttor und schließen es. Wir durchkämen kurz die Gebäude, um sicher zu sein, dass sich keiner versteckt hat, aber alles ist sauber, auch wenn dieser Ausdruck hier nicht wirklich angebracht wirkt. Wir ziehen uns zum Bergfried zurück und stellen einen Posten auf den mittleren kleinen Wachturm. Vor der Festung, außerhalb der Bogenschussweite, stehen die Oger diskutierend herum. Das heißt, eine Zeitlang kämpfen die Stärksten um den Posten des Anführers und dann trifft der Stärkste die Entscheidung, sich zurück zu ziehen, um erst einmal seine Macht im Stamm zu festigen.

Nun ist die Zeit der Trauer gekommen. Wir Wagemutigen beratschlagen, was zu tun ist. Ryan will sofort aufbrechen. Ich rate davon ab. Wir können nicht sofort los, erstmal müssen wir diese Position sichern, sonst wäre Dolon umsonst gefallen. Als erstes nähe ich seine Überreste in seinen Mantel, so dass nicht noch mehr herausflutscht. Ich bin so wütend und zwar auf mich. Ich habe einen schrecklichen Fehler begangen, konnte ihn nicht korrigieren und jetzt ist einer von uns tot. Das ist so finster! Nach weiterer Beratung beschließen wir morgen aufzubrechen und zuerst unser Glück in Schildfurt zu versuchen, wo immerhin ein Waukeen Tempel steht. Falls wir dort kein Glück haben würden, dann eben zurück nach Chondathan. Unser Auftrag ist mehr oder weniger erfüllt.

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Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 19. November 2008, 12:04:46
18 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Feste Rannick

Ryan wirkt nach seinen Morgengebeten einen Zauber, welcher die Leiche von Dolon konservieren wird. Xanas Vater und die zwei restlichen überlebenden Schwarze Pfeile eröffnen uns, dass sie die Kompanie auflösen und diese Festung verlassen werden, sobald sie ihre Kameraden ein würdiges Begräbnis erhalten haben. Da wir bei der Rückeroberung geholfen haben, sollen wir in ein paar Tagen zurückkommen und werden dann einen fairen Anteil am Schatz der Kompanie erhalten. Das hört sich gut an, denn es wird nicht billig werden, Dolon zurück ins Leben zu rufen.

Die beiden Gardisten der grauen Brigade begleiten uns auf unserem Rückweg. Dolon binden wir wie einen nassen Sack am Pferd fest. Es tut so weh, ihn da quer über dem Sattel liegen zu sehen. Der Himmel weint immer noch über unseren Verlust und die Straßen und Wege sind sehr aufgeweicht. Hoffentlich hält der Damm. Unten am Fluss werden unsere Befürchtungen wahr, der Fluss ist so angeschwollen, dass er teilweise schon die Straße am Ufer überflutet, wenn auch nicht besonders tief. Wir treiben unsere Pferde an und erreichen gerade noch rechtzeitig die Brücke, bevor auch diese überflutet wird. Das war jetzt knapp. Verdammtes Mistwetter!

Schließlich erreichen wir Schildfurt und landen in der Hölle. Der Fluss ist hier im Mündungsbereich weiträumig über die Ufer getreten, den Leuten steht das Wasser wortwörtlich bis zum Hals. Die Dorflehrerin hat sich mit ihren Schülern auf eine der Schildkrötenfähren gerettet und treibt gerade ab. Jetzt ist die Zeit gekommen, um unseren Mut zu beweisen. Ich treibe mein treues liebes Pferdchen ans Ufer, löse mein Seil und werfe es der Lehrerin zu. Sie bindet es an der Fähre fest und ich ziehe die Kinder ans Ufer. Jedenfalls fast. „Eine Schlange!“, ruft Xana und zeigt auf das Wasser. Zwei Flammenstrahlen später, einer von Xana, einer von mir, treibt die Schlange gut geröstet davon. Kinder fressen tut man nicht!

Die Kinder und die Lehrerin erreichen so das sichere Ufer und können endlich festen Boden betreten. Sie eilen auf höher gelegenes Gebiet, wo wir erstmal die Pferde unterbringen. Nun gut, wir müssen die Leute von den Dächern holen, wie gut, dass wir eine Fähre haben. Als wir noch diskutieren, wie wir das am Besten machen, treibt ein verdammt großer Baum auf die Ansiedlung zu. Verdammnis! Immer wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer werden, setzt das Schicksal noch eins oben drauf. Und eine Steigerung ist immer noch möglich. Denn der Baum entpuppt sich beim näheren Hinsehen als Seeungeheuer. Verdammnis!

Das Ding ist riesig, hat einen großen Kopf mit langem Hals und vier mächtige Greiftentakel. Es schwimmt an das Uferstück, wo wir stehen. Zeit was zu tun. „Eis!“, sage ich und ein kleiner Strahl verlässt meine Fingerspitzen. Ich treffe es genau zwischen die Augen, ist ja eine große Fläche und es passiert genau gar nichts. Wir beharken es mit allem, was wir haben und prallen mit allem ab. Zu allem Überfluss speit das Ding noch einen schwarzen Strahl aus Gas auf uns. Ich drehe mich gerade noch rechtzeitig aus dem Bereich heraus, aber die anderen werden voll erwischt. Xana babbelt sinnlos vor sich hin, Ryan zieht ihr den Kristallstreitkolben über den Kopf, der Halbling schießt wild um sich, keine Ahnung, auf was er schießt.

Dann haut das Ding nach Xana, die danach endgültig zu Boden geht. Sie ist schwer verletzt. Verdammnis! Ryan kann zum Glück keinen weiteren Schaden anrichten, denn ein Tentakel packt und reißt ihn von Xana weg. „Schild!“ zaubere ich und bewege mich vorsichtig auf Xana zu, die Bestie dabei im Auge behaltend. Kurz bevor ich vor Xana stehe, ruckt der Kopf des Monsters herum und es blickt interessiert auf den See hinaus. Ich folge dem Blick, kann aber nichts erkennen. Ryan versucht irgendwas zu zaubern, scheint aber zu scheitern. Ohne sich um uns zu scheren, dreht sich das Ding um, wirft den schreienden Ryan in einem hohen Bogen durch die Luft und schwimmt alles andere ignorierend auf den See hinaus. „Tymora! Schenke mir die Macht, Wasser zu a…“ Platsch! Hoffentlich konnte Glücksbote Ryan seinen Zauber noch vollenden.

Endlich bin ich bei Xana und mit einem dreifachen „Alles wird gut!“ kommt sie auch wieder auf die Beine. „Das war die schwarze Nanga! Wie furchtbar! Dieses Ungeheuer hat früher im Stausee gehaust, jetzt ist sie in unserem See! Was für eine Katastrophe!“, erklärt uns der Bürgermeister, ein dürres Kerlchen jenseits der Fünfzig. „Da! Ein Schlammmonster!“, schreit eines der Kinder vom Hügel und ich folge dem ausgestreckten Zeigefinger. Tatsächlich, ein schlammiges Etwas wuchtet sich gerade ans Ufer. Ich sehe schon, das wird noch ein langer Tag. „Hust! Haltet ein, ich bin’s doch nur!“ spricht das schlammige Etwas und wischt sich das Gesicht frei. Tatsächlich, es ist ein Glücksbote Ryan. „Mist! Nur einen Herzschlag später und ich hätte ihm noch eins reinbraten können“, meint Xana, die sich wohl daran erinnern kann, dass der verwirrte Tymorakleriker ihr eins übergezogen hat, als er verwirrt war.

Wir machen uns nun ungestört an die Arbeit und helfen die Leute von den Dächern zu retten, darunter auch den Waukeenpriester. Leider hat er so was wie Tote erwecken nicht drauf, ist wohl nicht heilig genug, um das zu können. Nicht gut. Aber gegen Abend trifft die Graue Brigade ein und die werden von einer älteren, wettergegerbten Schlachtenruferin begleitet. Ich fange ein Gespräch mit ihr an und Glücksbote Ryan mischt sich ungefragt ein. Sofort platzt er mit Dolons Suche nach dem Grab der Faust von Lys Karell auf einer anderen Ebene heraus. Dieser Mann ist so dumm! Das war der große Trumpf von Dolon, mit dem er doch seine Kariere etwas vorantreiben wollte, auch wenn es ihm ja vornehmlich um den Ruhm der Kirche allgemein ging. So was kann er meiner Tochter erzählen, die wird gerade bald drei Jahre alt, aber nicht mir. Der Faupax ist nicht mehr zu kitten, aber wenigstens wird die Schlachtenruferin morgen ein Wiedererweckungsritual versuchen. Kann aber nichts versprechen, falls Dolons Seele schon bei Tempus weilt. Wir schlagen unser Lager unweit des Dorfes auf und richten uns so bequem wie möglich ein. Mistwetter!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 21. November 2008, 13:54:48
19 Uctar Das Jahr der Visionen 731 Schildfurt

Ich verbringe eine unruhige Nacht, ich mache mir vorwürfe wegen Dolons Tod. Da ist einiges schief gelaufen, aber hätte ich seinen Tod überhaupt verhindern können, wenn ich mutiger gewesen wäre? Wahrscheinlich nicht, da ist zuviel schief gelaufen, eins hat zum anderen geführt. Und wir können wirklich froh sein, dass es nur einen erwischt hat. Will ich dieses Leben wirklich fortführen? Habe ich nicht schon bald genug erreicht? Was treibt mich an? Die Gier nach Gold? Der Wunsch nach einem besseren Leben? Jondan beweisen, dass ich es auch ohne ihn zu etwas bringe? Die Sucht nach Ruhm? Das Bedürfnis, anderen zu helfen? Die Lust am Abenteuer? Die längste Nacht zu verhindern? Ich denke mal, es ist von allem ein wenig. Und ich bin noch nicht bereit, davon zu lassen. Diese Sache mit der längsten Nacht ist noch nicht ausgestanden. Die Wagemutigen befinden sich am Anfang, nicht am Ende ihres Weges. Und Dolon wird heute zurückkommen und in Zukunft werden wir vorsichtiger sein. Möglichkeiten finden, besser aufzuklären. Meine magische Macht steigt kontinuierlich an. Bald werde ich in der Lage sein, Gedanken wahrzunehmen, hinter Türen blicken zu können. Große Gebiete aufzuklären, ohne selbst in Gefahr zu geraten. So etwas wie in Festung Rannick darf, wird sich nicht wiederholen. Und die Dame lächelt denen, die ihr Glück selbst in die Hand nehmen.

Viel optimistischer und innerlich gestärkt, mit mir selbst im Reinen, stehe ich auf. Ich lenke mich etwas ab, indem ich beim örtlichen Händler ein paar Perlen erstehe und einige der Sachen in Augenschein nehme, was wir in der letzten Zeit so gefunden haben. Das Rapier von Lucrezia entpuppt sich als ein scharfes Rapier mit schwacher Verzauberung, aber immer noch besser als mein altes. Der Gürtel des Ogerpriesters scheint ein Gürtel zu sein, der einen sehr stark macht.

Etwa zwei Stunden nach der Mittagsstunde, was nur wenig an den trüben Sichtverhältnissen ändert, beginnt die abgehärtete Schlachtenruferin ihr Ritual, nachdem wir geschworen haben, innerhalb eines Monats beim nächsten Tempustempel unsere Schuld zu begleichen. Ich knie mich hinter Dolons Kopf und bete inbrünstig zum Feindhammer, auf dass er Dolons Seele erlaubt, zurückzukehren.

„Die Zeit dieses Kriegers ist noch nicht gekommen. Große Schlachten, großer Ruhm und große Ehre erwarten ihn noch auf dieser Welt. Sein Weg ist noch nicht zu Ende, seine Waffen noch nicht stumpf. Tempus, Feindhammer, Herr der Schlacht, Fürst des Krieges, gib uns Schlachtenrufer Dolon Brascas Seele zurück“, intoniert die Schlachtenruferin und schreitet um den Leichnam herum. Dabei lässt sie immer wieder glitzernden Staub zu Boden rieseln. Hoffentlich lässt Tempus ihn gehen. Diese Sätze wiederholt sie bei jeder vollen Umkreisung in ihrem Singsang. Dolon rührt sich nicht. Finsternis!

Der Regen fällt immer noch vom Himmel, vermischt mit meinen Tränen fallen sie auf Dolons Stirn. „Bitte Tempus! Gib mir Dolon zurück. Ich habe ihn doch lieb!“, hauche ich und dann schlägt Dolon die Augen auf. Stöhnend richtet er sich auf und blinzelt sich das Wasser aus den Augen. „Wo bin ich?“ Ich stoße ein hohes Quietschen aus und falle ihm um den Hals. Da ist er wieder, mein Held! Ich drücke ihn ganz fest. „Du warst tot, aber wir haben dich zurückgeholt!“
„Oh?“ Dolon steht mühsam auf und orientiert sich.
„Wir haben die Festung genommen, die Oger vertrieben.“ Mit kurzen Worten setze ich ihn ins Bild. „Und wie war es drüben?“
„Drüben? Du meinst im Jenseits? Ich habe keine Ahnung, ich weiß es einfach nicht.“ Ich schaue ihn prüfend an und komme zu dem Schluss, dass er es wirklich nicht mehr weiß. Nicht zu ändern. Während wir uns noch freuen, kommt der Bürgermeister zu uns. Der dürre Kerl hat ein Angebot für uns. Diese Überflutung ist nicht normal und er hegt den Verdacht, dass dies an den Trollen liegen könnte, die dort oben am Damm hausen. Er bietet uns tausend Goldmünzen an, wenn wir uns des Problems annehmen. Daheim wartet ein kleines Mädchen auf ihre Mama, aber ich glaube, mein kleiner Spatz wird einsehen, dass diese Leute eben meine Hilfe brauchen und ich die zweihundert Goldmünzen. Glücksbote Ryan entdeckt just gerade in diesem Moment seine soziale Ader und ich muss ihm kurz erklären, dass wir das Gold auch mehr oder weniger brauchen, wegen der Tempuskirche und so. Wir nehmen das Angebot an und haben so den neuen Auftrag, Schildfurt vor den Fluten zu retten und auf die Finger der Trolle zu hauen.

Gespielt am  07.09.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 2), Halbing (Waldläufer 7), Dolon (Kleriker 7), Ryan (Kleriker 7), Xana (Hexenmeisterin 5, Wilde Magierin 2)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:  2710 für Stufe 7, 1980 für Stufe 8, 100 Kaira, 50 Lia, Dolon 200, Ryan 50, Xana 100
Überwundene Gegner
1 Ogerpriester Kleriker des Malar
2 Eliteoger
1 Lucrezia (Halblhamia?)
8 normale Oger
1 Riesenschlange
1 Schwarze Maga (Seeungeheuer)
Beute
1 scharfes Rapier +1 (Kaira)
1 Gürtel der Riesenstärke +4 (Dolon)
1 Armschienen +2 (Verkauft für 2K)
1 Amulett von Lucrezia (Resistenz +1, Falsches Leben auf Level 5) (Kaira)
1 Ogerhaken des Menschenschlachtens (Verkauft für 1200)
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Topas am 21. November 2008, 14:27:46
Zitat
Das war die schwarze Nanga!

Zitat
1 Schwarze Maga (Seeungeheuer)

Naga? Doch was anderes?
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 24. November 2008, 13:12:08
Keine Ahnung, wie das Ding nun korrekt heißt, eins von beiden oder ähnlich.  :cheesy

Kapitel 3
Troll, ganz Toll!
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19. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Schildfurt

Da sich die graue Brigade zur Festung bewegt, tun wir das auch. Der direkte Ritt ist viel kürzer und wir kommen schon bald an. Die drei letzten schwarzen Pfeile haben begonnen, ein Massengrab für ihre gefallenen Kameraden auszuheben. Es ist Ehrensache, dass wir da mithelfen. Nach und nach schleppen wir die unzähligen sterblichen Überreste der Menschen zum Massengrab. Welch unglaublich traurige Arbeit. Gegen Abend sind wir dann fertig und unsere Priester halten gemeinsam eine Totenmesse ab und weihen das Grab als Grabstätte. Auf das finstere Nekromanten ihre Finger von den Toten lassen werden.

Xana verschwindet für längere Zeit mit ihrem Vater, schätze mal, die beiden haben viel zu bereden. Und nach der Aussprache macht auch Xana einen viel ausgeglichenen Eindruck. Ihr Vater wird sich nach Chondathan begleiten und seine Väterlichen traditionellen Bräuche bei der Hochzeit erfüllen. Das ist für Xana das wichtigste, dass ihre Hochzeit perfekt wird. Und mit der Energie, die sie da rein steckt, muss das auch perfekt werden. Die Halbelfe vertraut mir außerdem an, dass sie wohl in Myth Drannor geboren wurde, aber ihre Familie vor der Tragödie von dort in die Kolonien zog, da man Gemischtrassige Paare dort auch nicht so gerne sah. Aber warum sich ihre Eltern nun ganz getrennt haben, wird mir nicht klar. Scheint wohl auch mit der Familie ihres Vaters zu tun haben.

Aber jetzt ist die Zeit gekommen, um die Regimentskasse aufzulösen. Der Schatz entpuppt sich als viel kleiner als gedacht. Zum einen kommen einige höchst schwülstige Liebesgedichte des Hauptmanns zu Tage. Er scheint ein Liebchen hier in der Gegend gehabt zu haben. Deswegen sei wohl der Hauptmann jedes Monatsende für zwei Tage verschwunden, um sein „Lehen zu erkunden“, wie er das genannt hat. Da wohl jemand eher seine Lenden erkundet. Wie auch immer, es kommt ein silbernes Amulett zu Tag, welches eine seidige goldene Haarlocke enthält. Das Haar ist so fein, dass es mir nicht vom Kopf einer menschlichen Frau erscheint. Dann gibt es noch Stiefel, die einen ermöglichen, über Schlamm und Sumpf zu laufen, ohne dabei einzusinken. Die bekommt Lia. Ihre Landeschuhe landen nun bei Ryan. Und es springen noch fünfzig Goldmünzen für jeden für uns raus. Nicht gerade das wirklich große Vermögen, aber besser als gar nichts.

Dann besprechen wir noch, wie wir am besten mit den Trollen fertig werden. Das sind überaus zähe Kerle, die es angeblich sogar überleben, ihnen den Kopf abzuschlagen. Aber gegen Feuer und Säure sind sie empfindlich. Das haut sie wirklich permanent um. Gut zu wissen. Morgen wird ein langer harter Tag, mal wieder, also gehen wir danach zur Ruhe.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 26. November 2008, 16:15:07
20. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Burg Rannick

Mein Schlaf ist etwas unruhig. ich habe von den letzten Ereignissen einige Alpträume. Wir lassen uns Zeit mit dem Aufstehen und ich merke mir viele Schutz und Feuerzauber. Auch identifiziere ich Lucrezias Amulett und das Amulett von der Graul Familie. Lucrezias Amulett bekomme ich, welches mich besser vor den Unwägbarkeiten des Lebens behütet und mich obendrein noch mit dem Zauber falsches Leben einmal am Tag schützt. Lia tauscht mit Xana das Amulett mit den grünen Steinen gegen den lila Umhang, der genau das gleiche bewirkt. Am späten Morgen brechen wir zu Fuß auf, da man uns sagte, dass der letzte Aufstieg nicht von Pferden zu bewältigen ist. Ausnahmsweise regnet es mal nicht und wir kommen recht gut voran auf den nun trockenen felsigen Wegen. Unterwegs rasten wir ausgiebig, damit Dolon Tempus um seine Zauber bitten kann und ich festige mich mit etwas falschem Leben.

Als wir nur noch um die drei Meilen vom Staudamm entfernt sind, sehen wir eine Trollleiche in der Nähe des Ufers dümpeln, welche sich in ein paar Ästen verfangen hat. Ich leihe mir Xanas Speer und ziehe den Troll so vorsichtig an Land. Sein Körper ist mit vielen Wunden übersäht, aber nichts sieht aus wie Feuer oder Säure. Einige könnten von scharfen Gegenständen wie Äxte her sein, andere sehen aus wie von Steinen. Dass er die nicht regeneriert hat, wundert mich. Wir stellen wilde Mutmaßungen an, aber können eben nur raten. Da wir zu keinem Ergebnis kommen, stoßen wir die Leiche zurück in den Fluss und lassen sie wegtreiben.

Nach ner weiteren halben Stunde sehen wir den Staudamm. Der ist wirklich riesig. Kein Wunder, dass man Riesen für die Baumeister hält. Der Damm dürfte mehr als fünfzig Schritt hoch sein, vielleicht sogar hundert. Fünf gigantische Skelettschädel sind auf der Oberfläche zu sehen. Jeder größer als ein Handelshaus in Chondathan. Darunter befinden sich zehntausende von heraus gemeißelten Schädeln jeder Größe, wie wir feststellen, als wir näher rücken. Der Damm ist beschädigt, da Wasser über eine Kerbe in die Tiefe stürzt. Im Zentrum des Dammes erhebt sich ein scheinbarer Haufen aus gigantischen Schädeln, wahrscheinlich befindet sich darin der Mechanismus, um die Schleuse zu öffnen, auch wenn wir keine sehen. Könnte auch sein, dass die großen Augenhöhlen der gigantischen Schädel diese Funktion haben. Oben auf der Brüstung meine ich mehrere große Wesen herumhuschen zu sehen, kann aber nicht genaueres erkennen. Auf der linken Seite in ist eine Treppe nach oben auf den Damm in den Fels geschlagen, Wachen sind keine zu sehen, also weiter!

Jede Deckung ausnutzend, huschen wir mehr oder weniger leise nach vorne. Selbst unsere beiden Panzerschränke geben sich diesmal große Mühe. Ohne Vorkommnisse kommen wir bis zum Fuß der Treppe, dann kracht ein großer Stein vom Damm herunter. Iiiks! Ich krieg nen Riesenschreck, aber nichts weiter passiert. „Ich glaub, die machen da oben den Damm kaputt!“, vermute ich und wir gehen weiter. Die Treppenstufen sind sehr unbequem, genau genommen müssen wir mehr klettern, als gehen. Das geht ganz schön in die Knochen. Wahrscheinlich ist die Größe für Riesen bequem, alles was kleiner ist, hat seine Probleme. Wir kommen ganz schön ins Schwitzen, bis wir oben sind.

Hier sind Runen in die Wände gemeißelt. Riesisch, aber ich habe jetzt nicht die Zeit und die Ruhe, sie zu entziffern. Die Treppe endet hier in einer Höhle, die wohl zum Damm führt. Leise starren wir in die Höhle und ich vermeine ein Gespräch zu hören. Irgendjemand ist da drin. Vorsichtig rücken wir mit gezogenen Waffen vor. Wahrscheinlich unterhalten sich hier zwei Wächter, da ich zwei Stimmen unterscheiden kann. Wir kommen schließlich an einen fünf Schritt hohen Absatz, der einige Kletterhilfen aufweist. Direkt darüber müssten die Wächter sein, jedenfalls kann ich sie jetzt gut hören, auch wenn ich die Sprache nicht verstehe.

Wir tuscheln kurz darüber, wie wir vorgehen, dann steht der Plan. Xana macht mich unsichtbar und sause vorsichtig die Wand hoch. Leider kullert dabei ein loser Stein in die Tiefe, der wohl etwas locker war. Das Gespräch verstummt und ich höre etwas, was wie eine Frage klingt. Nun bin ich oben und kann den Wächter sehen, da es nur einer ist, aber ein Riese mit zwei Köpfen und zwei großen, böse aussehenden Keulen. So ein Wesen haben wir schon mal gesehen, sind aber damals daran vorbei geschlichen. Ich husche hinter einem Felsen in Deckung, binde dort das Seil fest und lasse es in die Tiefe gleiten.

Der Ettin kommt näher und ich kann nicht länger warten. „Brenne!“ Zwei Flammenstrahlen zischen aus den Fingerspitzen meiner gespreizten linken Hand und brennen sich jeweils genau zwischen die Augen der beiden Schädel. Jetzt bin ich sichtbar und der Ettin glotzt mich nicht gerade erfreut an. „Eis!“ Ich lege einen weiteren Zauber nach und jage den Strahl aus Kälte punktgenau in die Höhe seines Herzens, wo ich eine tiefe Wunde verursache. Wütend brüllt er auf und rennt auf mich zu. Weia!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 28. November 2008, 14:41:01
20. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Schädeldamm

Lia kommt gerade rechtzeitig hoch, um eine Keule abzufangen. Ich versuche der meinen auszuweichen, aber die trifft mich hart. Autsch! Ich ziehe mein Rapier, wie Lia ihr Schwert und turne um ihn herum, um ihn dann von hinten schräg nach oben in eine höchst empfindliche Stelle zu stechen. Wieder saust seine Keule auf mich herab, sie trifft den Boden vor mir, Felsen splittert ab und verursachen einige schmerzhafte Schnittwunden. Währendessen versucht Dolon hochzuklettern, aber er hat große Probleme damit. Xana schiebt mit an und gerade als er oben ankommt, steche ich ein weiteres Mal zu und treffe präzise etwas sehr Wichtiges im Leib des Riesen. Wortlos bricht er zusammen, kippt über Dolon trüber und klatscht auf Xana.

„Ich bin ja so platt!“ meint Xana, nachdem sie sich mit Ryans Hilfe unter dem Fleischberg herausgearbeitet hat. Ich schaue mich derweil im dreckigen Lager des Ettins um, ein hübscher Goldschatz kommt zu Tage, dazu ein Schriftrollenbehälter aus Elfenbein mit drei Zauberrollen, Kältekegel, Telekinese und Monster Festhalten. Hübsch! Nach einer Runde Heilung, Lia hat einiges einstecken müssen, gehen wir weiter durch die Höhle. Ein weiterer Absatz sorgt für eine Kletterzwischenlage, die wir aber gemeinsam mit Bravour meistern. Schließlich sehen wir den Damm vor uns. Vier Oger arbeiten hier hart daran, den Damm einzureisen. Das müssen Oger vom Kreegstamm sein. Also sind die Trolle wohl gar nicht für die Überflutung des Tals verantwortlich. Nach kurzer Beratschlagung machen wir einen Plan und Xana schleicht sich vor, um den ersten Schlag zu führen. Ihre elektrische Sphäre schlägt in die vier Oger auf und zwei gehen tot zu Boden. Wir anderen decken sie mit unseren Fernkampfwaffen ein. Die beiden Überlebenden springen in den Stausee, aber die Strömung reißt sie zur Bresche, die sie wohl selbst geschlagen haben und beide stürzen schreiend in die Tiefe. Das haben sie nicht überlebt. Ein Problem weniger.

Nun liegt das große Haus in Form eines Schädelhaufens vor uns. Zwei mächtige Türen führen hinein, die wie ein Flickwerk aussehen, aber die kriegen wir nur mit Gewalt auf. Aber in der Mitte ist ein großer Schädel, dessen Augenhöhlen als Fenster zu dienen scheinen. Ich klettere gewandt hoch und linse hinein. Ich sehe dahinter einen großen Raum, in dem stinkende Schlafplätze zu sehen sind, die etwas an Nester erinnern. Als ich das denen unter mir erzähle, geht eine kurze Diskussion los, ob Trolle Eier legen. „Die Schlafplätze haben die Form von Nestern, dass hat nix mit Eierlegen zu tun!“, kläre ich sie auf und schlüpfe als erste hinein, die anderen folgen mir mehr oder weniger gewandt. Überall wuchern hier seltsame Pilze, die schlingpflanzenartige Auswüchse haben, ekliges Zeug!

Wir stellen schnell fest, dass Trolle keine Bereiche haben, die sie als Toilette reserviert haben, sie machen ihr Geschäft immer genau da, wo sie wohl stehen. Bäh! Wir können den Raum durchqueren, ohne von etwas angesprungen zu werden und finden eine Treppe nach unten. Dies ist das Erdgeschoss und der Hauptraum, in den die großen Portale von beiden Seiten hineinführen. Über all hängen richtige Vorhänge aus Schlingpilzen von der Decke. Lia bestätigt, dass sie harmlos sind. Hoffentlich hat die Waldläuferin recht. Die Vorhänge verhindern, dass wir besonders weit sehen können. „Ich glaub, hier ist irgendwo jemand!“, zische ich leise und hebe den nächsten Vorhang mit meinem Rapier an. Dahinter glotzt mich ein hässliches Trollgesicht an. Iiiks!

Mein Rapier zischt vor und trifft tief den Unterleib. Der Troll grunzt wütend und seine Krallen sausen herab. Er reißt regelrecht an mir und ich bin schwer verletzt. Ich taumle nach hinten und kippe einen starken Heiltrank hinter die Binde. Dolon umklammert seine Axt mit beiden Händen und mit mehreren wuchtigen Hieben schlägt er den Troll vor mir zusammen, dem ich noch einen tiefen Stich auf dem Weg gebe. Ein weiterer Troll greift mich an und reißt eine weitere klaffende Wunde. „Alles wird gut!“ Ein kleiner Teil der Wunde schließt sich. Der Troll vor mir fängt wieder an sich zu bewegen und haut mich. Aua!

Derweil ziehen Xana und Lia mit ihren Flammenstrahlen die Aufmerksamkeit aller anderen Trolle auf sich. Xana versucht sich noch unsichtbar zu machen, aber der Troll vor ihr scheint sie zu riechen und seine Schläge, die scheinbar nur die Luft treffen, lassen Blut spritzen. Gurgelnd geht Xana zu Boden. Lia hält sich gerade so auf den Beinen. Mit einem Flick Flack husche ich aus der Reichweite des Trolls vor mir und flankiere mit Ryan einen anderen. Tief dringt mein Rapier in diesen rein und fällt ihn, nachdem er auch von Dolon eine volle Ladung tempusgefälliger Axtschläge abbekommen hat.

Ein weiterer Troll haut nach mir und lässt mich taumeln. „Alles wird gut!“ und ein paar der Wunden schließen sich wieder. Dolon eilt mir zu Hilfe und ein wuchtiger Schlag spaltet den Schädel des Trolls. „Regenerier das!“ Nach und nach bekommen wir das Schlachtfeld unter Kontrolle, auch wenn der Kampf uns fast alles abverlangt hat.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 01. Dezember 2008, 22:50:36
20. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Schädeldamm

Nachdem unsere Wunden wieder geheilt sind, Tymora und Tempus sei dank, ziehen wir Bilanz. Einen Kampf können wir heute noch wagen, also machen wir uns an die Erforschung des Schädelhauses. Die bizarren Verzierungen setzen sich auch im Inneren fort. Wir finden einen weiteren Schlafraum und eine Tür, auf die rote Zeichen gemalt sind. Ist das eine Warnung? Fallen sind keine zu finden, auch ist nichts Verdächtiges zu hören. Da sonst nix zu finden ist, setze ich mich hin und versuche mich an einer Übersetzung der Runen. Schließlich bekomme ich folgenden Satz heraus: „Hier residiert der Nasse Grazgull!“ Aha?

Nun, da bleibt uns wohl nix anderes übrig als nachzusehen. Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor und unsere kräftigen Kleriker stemmen die verzogene Türe auf. Dahinter führt eine Wendeltreppe nach unten. Wieder mal ist sie auf Riesengröße ausgelegt. Und sie schraubt sich gefühlt unendlich in die Tiefe. Nach etwa zwanzig Umdrehungen kommen wir an einen mittelgroßen quadratischen Raum mit einem Wasserbecken, das etwa sechs auf sechs Schritte durchmisst. „Irgendetwas bewegt sich darin!“ teile ich meine Beobachtung mit. „Schätze mal, wir haben den Nassen Grazgul gefunden. Schild!“

Auch die anderen fahren soweit vorhanden ihre Schutzzauber hoch. Es ist nicht wenig überraschend, als auf einmal ein großer blauer Troll aus dem Becken auftaucht, der zum Glück mit einer Forke bewaffnet ist. Der kann dann einen nämlich nicht mehr zerreißen. „Brenne!“ Zwei flammende Strahlen schlagen in ihn ein und tun im ordentlich weh. Dann husche ich erstmal hinter die beiden Kleriker. „Feindhammers Axt!“ brüllt Dolon und eine magische Axt löst sich von ihm und hinterlässt zwei tiefe Wunden in seinem Körper. „Tymora, gib uns allen Glück!“ „Beeilt euch!“ ruft Xana und macht die entsprechenden arkanen Gesten. Lia wirft eine brennende Kugel auf den Troll, was ihn wütend aufbrüllend lässt. Ich gehe in Position und suche mir eine Stelle aus, wo ich ihn gut mit meinem Rapier treffen kann. Tief dringe ich ein, aber nicht tief genug, um ihn damit außer Gefecht zu setzen. Im nächsten Augenblick spüre ich meine Rippen brechen und wie die Forke in meinen Unterleib dringt. Autsch!

Nach einigen Herzschlägen der Ohnmacht, bringt Xana mich mit einem Heiltrank wieder zu Bewusstsein. Ich rapple mich hoch. „Alles wird gut!“, sage ich und verschaffe mir einen Überblick. Unsere beiden Kleriker balgen sich nun im Becken mit dem Troll, Ryan ist an einer Leine festgemacht, die Lia hält. Ich helfe die Leine zu halten und die beiden schwer gepanzerten Männer erledigen den Troll, indem sie ihn viele handliche Stückchen hauen. Das kann selbst der dickste Troll nicht mehr regenerieren. Das war es dann wohl. Sieg für die Wagemutigen. Puh!

Nachdem wir wieder alle auf dem Damm sind, umgehen wir das Becken und nehmen den restlichen Raum in Augenschein. Zwei weitere Türen gibt es, die in Räume mit kleineren Becken führen. Keine Spur einer Mechanik oder von etwa Ähnlichem. Die genaue Bedeutung der Becken ist auch nicht klar. Wir stellen einige Vermutungen darüber an, aber keiner kennt sich hier mit dem Bau von Dämmen und der Funktion von Überlaufventilen wirklich aus. Es gibt hier einen großen Haufen von Schädeln, die einen weiteren Durchgang blockieren. Ryan fällt negativ auf, indem er die Schädel einfach wegrollt.

„Glücksbote Ryan, das waren mal Menschen, bitte etwas mehr Respekt bei den Überresten“, mahne ich an.
„Du kannst dich eh noch auf was gefasst machen, wenn ich Serenius erzähle, dass du mich mit deinem Streitkolben geschlagen hast.“
„Aber da war ich doch unter fremder Kontrolle und wusste nicht, was ich tat.“
„Du weißt ja auch sonst nicht, was du tust, da musst du dir schon ne bessere Ausrede ausdenken!“ Xana wirft ihre Haare nach hinten und sieht ziemlich hochnäsig aus, während Glücksbote Ryan sich Hilfe suchend umschaut. Da kann ich nur hilflos mit den Schultern zucken. Manchmal ist Xana schon etwas seltsam.

Schließlich haben wir uns einen Weg gebahnt und das Portal liegt frei. Ich suche nach Fallen, kann aber nichts entdecken. Auch hören kann ich nichts. Unsere starken Männer öffnen das Tor soweit, dass Xana, die sich an mir vorbeidrängelt, als erste in den Raum blicken kann. Sie wendet ihren Kopf nach links und nach rechts und dreht sich dann wieder zu uns um.

„Ich glaube, dahinter ist die Apparatur für das Überlaufventil. Es sind zwei Zylinder aus magischer Energie, umgeben von Bannkreisen. In dem einen ist ein Aschehaufen, in dem anderen ein Teufel!“ Alle bis auf mich, fangen an, Xana wild mit Fragen zu löchern, lassen sie dabei aber nicht zu Wort kommen. Sofort läuft sie tiefrot an und explodiert dann regelrecht. „Lasst ihr mich vielleicht mal ausreden!“, brüllt sie los. „Ich weiß nicht, was es für ein Teufel ist, aber er bewegt sich noch!“
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 03. Dezember 2008, 14:53:48
20. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Schädeldamm

Unsere beiden Kleriker drängeln sich durch und stürmen in den Raum. Ich folge als letzte und schaue mich erst mal um. Der Raum ist wie ein großes T geformt. An den beiden Ausläufern des T ist jeweils ein steinerner Bannkreis mit riesischen Runen eingelassen. Ein Zylinder aus magischer Energie reicht vom Boden bis zur Decke, dabei ist die Magie nach Innen gerichtet. In dem einen ist wirklich nur ein ordentlicher Haufen Asche zu sehen, in dem anderen ein gehörntes Wesen mit roter Haut, das bis aufs Skelett abgemagert ist und keinen gesunden Eindruck macht. Es kann reden und stellt sich als Awaxial vor. Vor vielen Jahrtausenden wurden er und sein Verbündeter, dessen Reste den Aschenhaufen bilden, von riesischen Magiern in diese Zylinder gesperrt. Mit ihrer Lebenskraft wurde die Apparatur bedient, welche das Überflussventil steuert. Da nun sein Kollege zurück in die Neun Höllen gefahren ist, reicht nun seine Lebenskraft nicht mehr alleine aus, um die Schleuse mit der notwendigen Energie zu versorgen. Es müssen zwei gleichwerte Lebewesen die Apparatur speisen. Wenn wir ihn nun frei ließen, würde er uns einen minderen Gefallen schulden.

Wir sehen uns an und Ryan winkt uns nach draußen. Da bereden wir erstmal das Ganze. Einen Teufel frei zu lassen behagt mir nicht wirklich.
„Wir können ihn ja totschlagen“, meint Dolon und betrachtet die Schärfe seiner Axt. Welch Ironie, einen Teufel mit der Axt eines Teufels zu töten.
„Das bringt aber nichts, Schlachtenrufer Dolon“, doziere ich, habe nämlich in Dämonologie und Teufelskunde gut aufgepasst. „Einen Teufel auf dieser Ebene zu vernichten, bedeutet nur, dass wir ihn zurück schicken und Tausend Jahre Ruhe haben. Wenn er ein mächtiger Teufel ist, kann er danach Jagd auf unsere Nachkommen machen.“ Xana nickt dazu eifrig.
„Und das wollen wir nicht wirklich oder?“

Wir diskutieren eine Weile darüber und kommen dann zu dem Schluss, dass wir vielleicht erstmal die Angaben des Teufels überprüfen können. Wir Magiekundigen studieren ein weiteres Mal die arkanen Strukturen der sichtbaren Kreise. Leider gibt es keinen Zugang zu der eigentlichen Apparatur, welche die Flutventile steuert. Und riesische Runenmagie war nicht gerade das Fach, was während meiner viel zu kurzen Ausbildung wirklich umfangreich ausgebreitet wurde. Sie wurde mal erwähnt, unter hunderten anderer Arten, die Kunst zu meistern. Ich hocke mich hin, zücke mein Buch und beginne die Runen abzuzeichnen in der Hoffnung, irgendwie schlau draus zu werden. Die erste Stunde schauen mir alle noch gebannt über die Schulter und es gibt ein regelrechtes Schubsen und Schieben, aber schließlich harrt nur noch Xana bei mir aus, die sich die Zeit vertreibt, zuerst ihre Kleidung zu flicken, dann die meine, die ziemlich ramponiert worden ist.

Der Teufel versucht mehrmals ein Gespräch anzufangen, aber ich bringe Xana davon ab, sich mit ihm zu unterhalten. Teufel sind gefährliche Wesen und Wissen ist Macht. Je mehr er über uns durch normale Gespräche herausfindet, desto mehr hat er in der Hand. Bei mir erntet er eh nur einen eisigen Blick. Nach etwa zwei Stunden wird mir klar, dass die Zeichen mehr als nur ein Schutzkreis sind, einige der Runen dienen auch dazu, Lebensenergie abzuziehen. Nach etwa sechs Stunden durchschaue ich die Struktur und nach acht Stunden kann ich klar trennen, welche Runen den Bannkreis bilden. Aber viel mehr finde ich auch nicht heraus. Wir Mädels verlassen den Raum mit dem Teufel und beratschlagen mit den anderen, wie wir nun am besten vorgehen.

Ich setze mich schließlich damit durch, dass wir den Teufel aus dem Kreis entlassen, nachdem wir einen Nichtangriffspakt mit ihm geschlossen haben, der uns und unsere Vor- und Nachfahren miteinschließt. Unsere beiden Kleriker melden sich freiwillig, etwas ihrer Lebensenergie abzugeben, um das Ventil zu öffnen. Wir brüten etwas darüber, wie wir den Pakt so wasserdicht wie möglich abschließen, sodass er uns die Worte nicht im Mund herumdrehen kann. Da dies nur ein Nichtangriffspakt ist, gelingt uns das auch recht schnell. Wir diktieren dem Teufel unsere Bedingungen und er ist einverstanden. Er nennt uns die seinen, die akzeptabel klingen, da wir ihm ja nix Böses wollen. Dann hole ich einen kleinen Meißel und mein Hämmerchen hervor und beginne die erste Rune zu zerstören. Nachdem ich meinen ersten Meißel ruiniert habe und die Rune kaum einen Kratzer aufweist, wird mir klar, dass diese Arbeit nichts für zarte Frauenhände ist. Also markiere ich mit Kreide die Runen, welche zerstört werden müssen, um die Kreise zu öffnen.

Mit einem schweren Hammer zerschlägt Dolon nach und nach die Runen. Schließlich torkelt der Teufel aus dem zerstörten Kreis heraus. Meine eine Hand liegt nur wenig entfernt über dem Griff meines Rapiers, während die andere eine Schriftrolle mit Schutz vor Bösem bereithält. „Ihr habt euren Teil erfüllt. Ich schulde euch einen minderen Dienst.“ Er erklärt uns noch, wie wir mit ihm in Kontakt treten können, indem wir einen Teufel namens Moraxus von der Valarak Bruderschaft rufen und dann verschwindet er. Hoffentlich war das jetzt kein Fehler. Weia!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 05. Dezember 2008, 13:38:37
21. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Schädeldamm

Die beiden Säulen aus magischer Energie sind nur erloschen und es ist Zeit, dass Glücksbote Ryan und Schlachtenrufer Dolon ihr freiwilliges Opfer leisten. Ryan zieht vorher seine Rüstung aus und zieht sich seine zeremoniellen Gewänder an. Darin macht er echt was her. Beide halten einen kleinen Gottesdienst ab, bereiten sich wohl so auf ihre Aufgabe vor. Hoffentlich schaffen die beiden das, ohne dabei umzukommen. Auch ich spreche innig ein Gebet an Tymora, dass sie den beiden lächeln mag. Schließlich ist die Zeit der Wahrheit gekommen. Gemessenen Schrittes bewegen sich die beiden jeweils in einen der Kreise. Zuerst passiert gar nichts.

Aber dann nach einer weile werden beide auf einmal in die Luft gehoben. Erschreckt halte ich den Atem an, dann zucken grelle Blitze von oben nach unten und treffen ihre Körper. Beide schreien vor Schmerzen auf. Ein deutliches Rumpeln ist zu hören und der Boden vibriert leicht. Mehr passiert nicht, bis die Blitze auf einmal aufhören und die beiden zu Boden krachen. Es gibt ein lautes Scheppern aus Dolons Richtung. „Ich wusste, warum ich meine Rüstung ausgezogen habe“, lacht Ryan.
„Idiot! Hättest ja was sagen können!“, grummelt Dolon und stemmt sich etwas wacklig auf dem Boden hoch. Beide haben etwas von ihrer Macht eingebüsst, sind aber guter Dinge, das kompensieren zu können.

Wir laufen gemeinsam nach oben und überzeugen uns, dass wirklich das Wasser abläuft. In der Tat schießen aus den Augenhöhlen der fünf großen Schädel gewaltige Wasserfontänen in die Tiefe. Für heute haben wir den Damm gerettet. Die Dorfbewohner werden sich aber was ausdenken müssen, wie sie in Zukunft den Damm warten wollen. Repariert werden muss er auf alle Fälle. Und dann ist natürlich noch das Problem, wie die Lebensenergie aufgewendet werden soll. Aber vielleicht reicht es ja, jeweils ein Schwein reinzustellen. Aber das ist nicht wirklich mehr unser Problem. Inzwischen ist es spät in er Nacht und wir machen es uns unten in den Katakomben gemütlich.

Am nächsten Morgen durchsuchen wir das Lager der Trolle. Ich kann immerhin einen beschädigten Smaragd im Wert von etwa vierhundert Goldmünzen, einen reich verzierten Kamm in Form eines Behirs, der etwa achthundert Goldmünzen wert ist, und einen Beutel mit sechs Perlen finden. Dazu noch etwa zweihundert Goldmünzen. Hat sich doch gelohnt. Bald können wir Dolons Wiedererweckung von den Toten gut bezahlen, ohne unsere Ersparnisse angreifen zu müssen.

In den späten Morgenstunden brechen wir dann wieder auf, um zur Burg Rannick zurück zu marschieren. Der Nieselregeln hat sich leider wieder verstärkt und durch die Augenhöhlen der Totenschädel schießt immer noch Wasser ins Tal. Wir kommen gut über alle Hindernisse hinweg und auch auf dem Weg passiert uns nichts Außergewöhnliches. Ich bin froh, als wir die ausgebesserten Tore der Burg passieren. Wir bekommen zu hören, dass der Anführer dieser Einheit der Grauen Brigade uns zu sehen wünscht.

„Was habt ihr in der nächsten Zeit so vor?“, fragt uns Hauptmann Larak.
„Heiraten und Kinder bekommen“, meint Xana begeistert.
„Meinen nichtsnutzigen Ehemann finden“, meine ich.
„Zu meiner Zeit hätten Abenteurer darauf geantwortet, Abenteuer!“, blafft uns der bullige Mann an.
„Na gut, was gibt es denn so Dringendes?“, fragt Schlachtenrufer Dolon.
„Nun, diesen Kuschelkurs gegen die Kreegoger, welchen die schwarzen Pfeile so lang geführt haben, ist nichts für mich. Ich habe vor, das Problem zu erledigen, für immer.“
„Das hört sich gut an, sprecht weiter.“ Dolon ist jetzt schon Feuer und Flamme und sieht aus wie ein kleiner Junge, der die Aussicht hat, einen kandierten Apfel zu bekommen.
„Der eigentliche Anführer des Stammes ist ein übler Schweinehund mit dem Namen Greuki. Er ist bekannt dafür, dass er nie die heimatliche Feste verlässt, sondern immer Untergebene vorschickt, um die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Wenn er weg ist, wird es keinen Stamm mehr geben, da die Überlebenden in kleine Gruppen zerfallen werden, die keinen großen Ärger mehr machen können. Mein Plan ist, ich führe mit meiner Kompanie in genau fünf Tagen einen Scheinangriff auf die Festung der Oger. Wir werden uns danach zurück fallen lassen und uns ein Rückzugsgefecht mit den Verfolgern liefern. Zurück in der Feste werden nur die Frauen, Kinder und Greuki mit seiner Leibwache bleiben. Euere Aufgabe wird sein, euch dort einzuschleichen und Greuki zu töten.“
„Bei Tempus! So soll es geschehen!“ Sieht so aus, als hätte Dolon schon für uns alle entschieden. Und bei der Dame und dem Feindhammer, ist es nicht so, dass wer wagt, gewinnt?

Gespielt am  20.09.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 3), Lia (Waldläufer 3/ Kriegsmagier 4), Dolon (Kleriker 8), Ryan (Kleriker 8), Xana (Hexenmeisterin 5, Wilde Magierin 3)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte:  2780 für Stufe 7, 2080 für Stufe 8, 150 Kaira, 50 Lia, Dolon 100, Ryan 100, Xana 50
Überwundene Gegner
1 Ettin
1 Eliteoger
3 normale Oger
4 Trolle
1 Süßwassertroll Häuptling
Beute
1 Schlammschuhe (Lia)
1 Schriftrollenbehälter aus geschnitztem Elfenbein 300
mit Zauber Kältekegel, Monster festhalten und Telekinese
1 Smaragd 400
1 Behirkamm 800 (Xana)
1 nichtmagische Amulet mit weiblicher, nichtmenschlicher Haarlocke
1 Forke +1 (Dolon)
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 08. Dezember 2008, 11:40:15
Kapitel 4
Ein König macht noch kein Reich

22. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Feste Rannick

Da wir noch einige Tage haben, beschließen wir ins Dorf zu reiten, um unsere Belohnung abzuholen und auch den Leuten Bescheid zu sagen, was es mit dem Damm auf sich hat. Es regnet schon wieder und so langsam geht es mir echt aufs Gemüt. Der Regen ist eiskalt und schätze mal, bald wird es hier schneien. Ich versuche mich tiefer in meinem Kapuzenumhang zu verstecken, aber die Nässe und Kälte beißt sich langsam durch.

„Ihr! Ihr! Ihr! Ihr! Ihr! Ihr! Ihr! Ihr! Ihr!“ ruft auf einmal eine Stimme vor uns.
„Wer bist du? Zeig dich!“ rufe ich zurück.
Vor mir ploppt eine kleine geflügelte Gestalt hervor. Es handelt sich um eine kleine geflügelte Fee, über deren pausbäckiges Gesicht dicke Tränchen rollen.
„Ihr müsst mir helfen! Die Herrin, sie ist tot. Es ist so furchtbar. Myriana! Sie findet keine Ruhe und der Wald wird böse!“ Natürlich sagt er noch viel mehr, aber die Kernaussage lässt sich damit recht gut zusammenfassen.
„Wer bist du überhaupt?“
„Ich bin Jap!“
„Kennst du jemanden namens Spaßmacher?“
„Nie von ihm gehört. Wer ist das denn?“
„Ein kleiner gemeiner Kerl, der nur Böses im Sinne hat.“
„Hm, ist er ein Zwerg?“
„Nicht direkt, aber gut, dass du ihn nicht kennst.“ Ich warte die ganze Zeit, dass Xana ihren üblichen Spruch zu diesem Thema von sich gibt, aber diesmal warte ich vergeblich darauf. „Was ist eigentlich nun genau passiert?“

Jap hat eine etwas umständliche Art drauf, zu erzählen. Aber folgendes hat sich wohl zugetragen. Bevor die Festung Rannick von den Ogern überrannt wurde, gelang es dem Hauptmann seiner Geliebten einen Boten zu schicken, der sie warnen sollte. Er brach wohl durch die feindlichen Linien und überbrachte die Warnung. Allerdings beschloss Myriana sich nicht zu verstecken, sondern eilte hin zur Festung, um ihren Geliebten zu retten. Leider war ihr Vorhaben nicht von Erfolg gekrönt und die Oger taten sich vorher gütlich an der Frau, bevor sie bestialisch zu Tode gemartert wurde. Ihre Seele ist nun von Hass erfüllt und verdirbt den Sumpf mit ihrer Aura. Die kleine Fee meint, da wir die Festung Rannick zurück erobert haben, könnten wir vielleicht dafür sorgen, dass die gepeinigte Seele von Myriana ihre ewige Ruhe findet und der Sumpf wieder zu einem normalen Sumpf wird. Unsere beiden Priester bauen sich auf und verkünden, dass Jap genau die richtigen Leute für diese Arbeit gefunden hat. Xana und ich schauen uns nur an und folgen dann der Fee.

Sie führt uns durch die düsteren Wälder. Hier und da sehen wir die Spuren von Halbogern. Ab und zu sind auch komische Figuren aus Leder, Stroh und anderen Materialien in den Bäumen gehängt worden. Welchem Zweck sie dienen, führt nur zu müßigen Spekulation. Von Vogelscheuche bis hin zum Glücksbringer reicht das Spektrum unserer Vermutungen. Einmal sehen wir sogar zwei Halboger, die etwas zu uns rüber brüllen, das nicht sehr freundlich klingt. Ich zeige ihnen meinen Mittelfinger und reite einfach weiter.

Schließlich erreichen wir einen Sumpf und Jap führt uns durch schmale Pfade tiefer hinein. Der kleine Kerl macht einen echt besorgten Eindruck und ich kann kein Fehl an ihm erkennen. Aber meine Erfahrungen mit Spaßmacher haben mich gelehrt, auf der Hut zu sein. Der Sumpf macht einen unheimlichen und verdorbenen Eindruck. Es riecht nach Verwesung, mehr als man es von abgestandenem Wasser denken würde. Die Bäume, die hier ihr trauriges Dasein fristen, sehen verkrüppelt und bedrohlich aus. Ich knuffe probehalber einen, Rinde fällt ab und darunter kommt Blut hervor. Gruselig! Immer wieder meine ich in den Augenwinkeln eine Bewegung wahr zu nehmen. Aber wenn ich hinsehe, ist nichts zu sehen. Schließlich kommen wir an einem Tümpel mit quakenden Fröschen vorbei.

„Quak! Scheitern werdet ihr, denn der Sumpf will so sein, wie er ist. Verschwindet von hier, oder ihr findet hier euer Verhängnis! Quak!“ Sprechende Frösche! Wo hat man so was schon gesehen? Da komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Leider ist eine wirkliche Konversation nicht wirklich möglich. Dieser Ort ist wahrlich unheimlich. Finsternis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 10. Dezember 2008, 11:45:37
22. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Sumpf der Untoten Nymphe

In der Ferne ist Wolfsgeheul zu hören, das stetig näher zu kommen scheint. Als ob wir nicht schon genug Probleme haben. „Das sind Voldrak und sein Wolfsrudel. Einst haben sie die Herrin beschützt, aber jetzt sind sie außer Rand und Band“, weiß Jap zu berichten. Na prima. Nach geraumer Zeit sehen wir die Wölfe um uns herum und unsere Pferde werden deutlich nervöser, sogar das Pferd von Xana, das ja sonst durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist. Schließlich baut sich ein riesiger Wolf vor uns auf. Ich kann ihm vom Rücken meines Pferdes aus gut in die Augen blicken. Pferdchen ist kaum zu beruhigen, aber wir schaffen es alle, dass keines der Pferde ausbricht. Voldrak ist über unsere Anwesenheit nicht begeistert, genauso wenig über das, was Jap vorhat. Wir wechseln einige Worte, der Ton wird etwas schärfer, aber da sich ausnahmsweise keiner unserer Kleriker in meine Verhandlung einmischt, können wir nach einigen bösen Warnungen passieren.

Schließlich müssen wir absteigen und den letzten Weg zu Fuß gehen. Das Grab Myrianas liegt auf einer kleinen Insel, die durch einem schmalen überspülten Damm mit dem Ufer verbunden ist. Eine einzige Weide steht hier. Auf dem Hügel wachsen verdorrte Blumen. Sieht höchst seltsam aus das Ganze. Von Myriana selbst ist nichts zu sehen. Jap meint, dass sie noch oft an ihrem ehemaligen Lieblingsort weilt. Nun gut, wir lassen uns dorthin führen. Auf dem Weg dahin sehen wir ein mit Moos überwuchertes Schiff. Also kein kleines Flussboot, sondern ein richtiges Schiff, wie es auf dem Meer des Sternenregens fährt. Die Bauweise sieht etwas seltsam aus, kann es keiner mir bekannten Nation richtig zuordnen. Jap weiß nur, dass es schon hier stand, als er zum ersten Mal in den Sumpf gekommen ist und das ist schon ein Menschenleben lang her. Wir beraten kurz, ob wir es näher in Augenschein nehmen wollen, aber wir sollten uns nicht verzetteln.

Schließlich erreichen wir ihren ehemaligen Lieblingsplatz, wieder eine kleine Insel im Sumpf, nur zugänglich über einen überspülten Damm. Kaum sind wir auf der Insel, versammeln sich am anderen Ufer durchscheinende Feen und Satyre. Sie stimmen ein unheimliches Lied an und tanzen dazu einen makabren Tanz. Finsternis.

Schließlich erscheint Myriana. Ich habe das silberne Medaillon in der Hand und einen Liebesbrief vom Hauptmann. Die geisterhafte Gestalt scheint direkt vor uns aus dem Moor zu kommen. Dem Geist sind die Torturen anzusehen, da diese sich auf die Seele übertragen haben. Die Oger haben ihr wohl die Gliedmassen ausgerissen und ihr Unterleib ist eine einzig offene Wunde. Ihr Brüste sind zerquetscht und ihr Gesicht ein Trümmerhaufen. Aber sie hat die Fähigkeit behalten, die sie einst durch ihre überirdische und nicht für sterbliche Augen bestimmte Schönheit erhalten hat. Ich erblinde. Xana und Lia ergeht es ebenso. Verdammnis!

Das ist äußerst ärgerlich, aber wohl nicht mehr zu ändern. Ich versuche sie damit milde zu stimmen, dass ich ihr aus dem Kopf eines der Liebesgedichte vortrage, das der Hauptmann Lamatar für sie geschrieben hat. Aber leider erreiche ich nur das Gegenteil, sie kreischt wütend auf.

„Salz für meine Wunden! Wie grausam ihr doch seid. Mein Geliebter Lamatar ist von mir gegangen und meine Rache wird furchtbar sein. Oger, Halboger und die Menschen, welche diese Schandtaten durch ihr Nichtstun zugelassen haben, sie werden leiden! Ich werde diesen Sumpf zu einem Ort des immerwährenden Schreckens machen.“

Jap kann sie soweit beruhigen, dass sie sich ohne weiteres entfernt. Hört sich ja gar nicht gut an, was sie da von sich gibt. „Wenn wenigstens mein Geliebter bei mir wäre“, seufzt sie noch. Nun ja, da werden wir wohl die Leiche des Hauptmanns finden müssen. Aber zuerst müssen wir hier wieder wegkommen. Keiner unserer Kleriker hat den Zauber parat, der einem das Augenlicht zurück gegeben kann. Das wird erst morgen geschehen. Verdammnis.

Es ist kein Spaß, sich hier wieder hinaus führen zu lassen. Besonders Ryan zeigt mal wieder, dass er keine Gelegenheit verstreichen lässt, eine Frau zu begrabschen. Xana flippt dabei beinahe aus, sie hat auch irgendwo Recht. Serenius sollte vielleicht mal wirklich ein ernstes Wörtchen mit Glücksboten Ryan reden.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 12. Dezember 2008, 14:11:30
22. bis 25. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Kreegogerwald

Der Weg noch Schildfurt ist lange und beschwerlich. Blind zu sein ist ein schreckliches Erlebnis. Ich bin froh, als wir endlich im Dorf sind und uns dort zu Bett begeben können. Am nächsten Morgen ist der Spuk zum Glück vorbei und Glücksbote Ryan kriegt von mir trotz allem einen dicken Schmatz. Er hat dem Bürgermeister schon Bericht erstattet und achthundert Goldmünzen als Belohnung auf den Tisch geknallt.

„Achthundert? Waren da nicht tausend ausgemacht? Wir brauchen das Geld, um Schlachtenrufer Dolons Wiedererweckung von den Toten zu bezahlen.“
„Das war nur ein Test.“ Glücksbote Ryan gibt lachend seinen Anteil heraus. Ich mustere ihn äußerst finster, vertiefe das Thema aber nicht weiter. Nachdem wir nun die Belohnung haben, setzen wir uns zu einem Strategiegespräch zusammen. Die letzten Kämpfe waren nicht wirklich so erfolgreich, wie sie vielleicht hätten sein können. Ryan ist der Ansicht, dass sich das von selbst ohne Probleme dadurch lösen lassen wird, indem wir einfach auf Tymora und unsere wachsenden Fähigkeiten vertrauen. Auch wenn ich auf Tymora vertraue, Idioten haben nicht ewig Glück und ich habe keine Lust, dass wir auch in Zukunft weiter am Rande des Todes kämpfen.

Ich versuche soweit wie möglich aufzuschlüsseln, warum wir uns so schwer tun. Zum einen ist es meist so, dass wir buchstäblich in die Kämpfe hinein stolpern. Aufklärung ist schwierig und da werde ich in Zukunft was drehen können, mit einigen Zaubern. Aber das ist nicht alles. Sobald wir es mit mehreren Gegner zu tun haben, verzetteln wir uns. Der Kampf gegen die vier Trolle hätte uns beinahe getötet. Viel hätte da nicht mehr gefehlt und wir wären aufgerieben worden. Unser Fehler war, dass wir uns nicht jeweils auf einen konzentriert haben, sondern versucht haben, uns gleichzeitig um alle zu kümmern und jeweils aus der Gefahrenzone zu kommen, das gilt besonders für Xana und Lia. Das muss in Zukunft anders werden!

Ich schlage auf den Tisch und mache einige Vorschläge, was wir tun können. Zum Beispiel unsere Kraft immer auf einen konzentrieren und erst wenn der besiegt ist, dann die anderen Bekämpfen. In Zukunft werden wir besser auf unsere Formation achten, sodass wir nicht von allen Seiten bedrängt werden können. Auch sollten wir beschworene Kreaturen als zusätzlichen Puffer einsetzen. Entweder um Flanken zu sichern oder uns Zeit zu erkaufen, um weitere Schutzzauber hochzufahren. Xana hat viel, was sie schützen kann, aber sie aktiviert die Zauber meist erst dann, wenn es schon zu spät ist. Wir machen uns auch Gedanken, wie wir mit dem Ogerhäuptling Greuki am besten fertig werden können. Die Lehren aus den letzten Kämpfen fließen in unsere Planung und wir stimmen unsere Zauber etwas besser aufeinander ab.

Am Nachmittag üben wir dann im Regen verschiedene Verhaltensregeln, die unser Überleben sichern werden. Wir übernachten noch einmal in der kleinen Ortschaft und brechen dann zurück zur Festung auf. Auch dort laufen die Vorbereitungen auf den großen Tag. Waffen werden geschärft, Pfeile geschäftet, Ausrüstung repariert und Waffentraining absolviert. Ich selber bereite mich damit vor, dass ich von Xanas Vater Jakadros zwei Zauber lerne, zum einen die kleine Säurekugel, zum anderen Melfs Säurepfeil. Besonders auf die kleine Kugel setze ich große Hoffnung, meine Offensivkraft zu verstärken. Inzwischen ist meine Arkane Kunst weit genug fortgeschritten, um selbst mit so einem Zauber geringer arkaner Macht viel Schaden anrichten zu können. Auch fertige ich einige Schriftrollen an, was ein recht teures Unterfangen ist, da die Materialien, die ich Jakadros abkaufe, nicht wirklich billig sind. Aber jedes bisschen Offensivkraft könnte von Nutzen sein.

Schließlich kommt der letzte Abend vor der Schlacht. Alle die können, versammeln sich in der viel zu kleinen Kapelle, die von den Entweihungen und Leichen gereinigt wurde. Tamara von Tempus hält eine beeindruckende Rede. Die Frau kann das gut, muss man ihr lassen. Dann hat Schlachtenrufer Dolon seinen großen Auftritt. Nach einigen einleitenden Worten meint er: „Ich wäre am liebsten morgen bei euch draußen in der Schlacht.“ Bei diesen Worten verschränke ich empört die Arme vor der Brust und schiebe protestierend meine Lippe etwas vor. Unsere Blicke kreuzen sich und ich bringe ihn total aus dem Takt. Er fängt an zu stammeln und Ryan rempelt mich an. „Sei still!“ Dabei habe ich gar nichts gesagt! Finsternis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 15. Dezember 2008, 11:57:54
26. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Festung Rannick

Nach einer unruhigen und viel zur kurzen Nacht geht es los. Ich verbringe einige Minuten kniend im Gebet vertieft, zuerst an Tymora, die mir doch bitte lächeln soll. Und an Tempus, dass der Kampf siegreich für uns sein wird. Ich bin nervös, als ich Pferdchen den Sattel anlege und noch mal meine Ausrüstung überprüfe. Wir ziehen aus, dieser Region den Frieden zu bringen, das Böse zu bekämpfen und die Bedrohung der Kreegoger ein für allemal zu brechen. Dies ist wie in den Geschichten der Barden, denen ich so gerne lausche. Nun bin ich Teil einer solchen Geschichte. Ich hoffe nur, dass die Ballade keine traurige sein wird, die unseren Untergang besingt, sondern eine erhebende, die von unseren tapferen Taten und großen Siegen künden wird. Wer wagt, gewinnt. Möge die Dame den Wagemutigen lächeln.

In Zweierreihen verlassen wir die Festung noch in der Dunkelheit. Sechsundsechzig Reiter sind wir, die entweder in den Ruhm oder in den Tod reiten. Nach wenigen Kilometern trennen sich unsere Wege. „Ruhm und Ehre!“ Jakadros führt uns durch schmale Pfade durch den Wald der Kreegoger. Wir lassen die Pferde in leichten Trab fallen, nachdem endlich die Sonne aufgegangen ist. Schnee fällt inzwischen und taucht die Welt in ein weißes Kleid. Abergläubische Menschen würden das jetzt als schlechtes Omen deuten, da dies wie ein Leichentuch wirkt. Aber der Glaube an meinem Herzen ist stark, mein Stahl ehrlich und meine arkane Macht nicht ohne. Verlässliche Kameraden reiten an meiner Seite, auch wenn sie ihre Fehler haben mögen, tapfer und mutig sind sie miteinander. Schließlich erreichen wir den Punkt, wo wir die Pferde zurück lassen werden. Stundenlang sind wir nun geritten und ich verordne eine Pause. Ich ziehe mich zurück und spreche falsches Leben auf mich. So werde ich den ersten Kontakt sicherlich überleben.

Der ehemalige Späher der Schwarzen Pfeile setzt sich an unsere Spitze, ich folge ihm mit Lia leichtfüßig, die ihren Tarnring abgezogen hat und als Elfe mit leicht bläulicher Haut herum läuft. Der Rest folgt mehr oder weniger schnell. Über schmale Bergpfade nähern wir uns der Festung der Kreegoger, die sich als Höhle in einem Berghang entpuppt. Mächtige Knochen befinden sich links und rechts neben dem Eingang. Ein Gerippe scheint die eigentliche Höhle zu stützen. Keine Ahnung, was das für ein Wesen war. Viel interessanter ist, dass neben einem Ogerveteran in Rüstung, die Art von Ogern, die mich kleines Mädchen innerhalb weniger Herzschläge zu Boden prügeln, sich zwei untote Oger befinden. Und ich habe den Zauber nicht memoriert, der mir erlaubt, untote Kreaturen zu verletzen. Verdammnis.

Wir lassen uns sein Stück zurückfallen und vereinigen uns mit unseren schwergepanzerten Kameraden. Es entbrennt eine kurze Diskussion über die Bedeutung der beiden Zombieoger. Sie bedeuten auf alle Fälle eines, Ärger für die graue Brigade. Und dass wir noch weniger wissen, als wir glaubten. Da wir nur spekulieren können, bringe ich die Diskussion zu Ende und teile die Ziele auf. Die anderen sind einverstanden und ich schleiche als erste vor, umgehe den Eingang in Sichtdeckung und beginne den schlüpfrigen Hang hoch zu klettern und versuche dabei, jedes Geräusch zu vermeiden. Wenn der Wächter nur einmal hoch schauen wird, sieht er mich. Aber das passiert zum Glück nicht. Schließlich hänge ich etwa acht Schritt über ihm in der Wand und finde einen Absatz, der mir erlaubt, beide Hände frei zu haben. Ich zücke Pfeil und Bogen, ziele, zähle wie vereinbart auf fünf und ziehe dann ab. Der Pfeil trifft genau in den Nacken des Ogers und dringt tief ein. Weitere Pfeile von Lia spicken ihn und eine von Xanas Sphären schlägt in die Zombieoger ein.

Ich lege einen zweiten Pfeil ein, bevor der Oger sich von der Überraschung erholen kann und setze ihn gekonnt neben den ersten. Das tut ihm sichtlich weh. Ryan stürmt hervor, zückt sein heiliges Symbol und bringt die Zombieoger zum Rennen und zwar in die Höhle hinein. So war das eigentlich nicht geplant. Verdammnis! Da rennt gerade unser Überraschungsmoment weg. Gut gemacht, Ryan!

Aber das ist nicht zu ändern. Der Oger erholt sich von seiner Überraschung und stürmt vor, nachdem er mir noch einen wütenden Fluch hoch geschleudert hat. Ich revanchiere mich damit, indem ich ihn in den Hintern schieße. Der Oger rennt gegen die stählerne Wand unserer beiden Kleriker und geht dort gnadenlos unter. Das war es dann wohl für ihn. Geschwind klettere ich nach unten und lausche in die Höhle hinein. Nichts zu hören. Ich winke die anderen herbei und wir rücken gestaffelt nach vorne, sprich drei laufen, die anderen halten Zauber oder Bogen bereit, um jedweden Hinterhalt gebührend zu empfangen. Die Höhle windet sich in den Berg hinein. Etwa fünfzig Schritt tief finden wir eine Statue mit dem typischen Schädelmuster, wie es am Damm gang und gäbe war. Die Statue sieht aus, als ob sie noch nicht so lange hier stehen würde. Vielleicht eine Trophäe vom Damm.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 17. Dezember 2008, 10:20:42
26. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Höhle der Kreeg

Nach weiteren Windungen erreichen wir eine Treppe nach oben, daneben einen Eingang zu einer Höhle, aus der es rot leuchtet. Ich schleiche mich zuerst alleine hinein. Scheint eine Feuergrube zu sein, die voll von verkohlten Knochen ist. Entweder ist dies eine Art Brandopfer oder sie entsorgen so ihren Müll. Aber hier ist niemand und weiter geht es auch nicht. Dann die Treppe nach oben. In Begleitung von Lia schleiche ich mit eingelegtem Pfeil nach oben. Links und rechts gehen wir in Deckung und spähen in den Raum dahinter. Es ist eine kleine Halle, eine weitere Treppe führt nach oben, eine andere links nach unten, aus der kommen Geräusche wie die, welche beim Schmieden entstehen. Rechts geht es ebenerdig weiter, von dort und oben ist nichts Verdächtiges zu hören. In der steinernen Halle selbst befinden sich die beiden angeschlagenen Zombieoger, ein lebendiger Oger und ein riesiger Zombieoger mit zwei Ogerhaken. Seine Bauchhöhle ist offen und über und über mit Schädeln von Menschen und Ogern voll gestopft. Nach der uns bekannten Beschreibung muss das Greuki, der Häuptling der Kreeg sein. Finsternis!

Vorsichtig schleichen wir Wegbereiter nach unten und erzählen, was wir gesehen haben. Es muss hier offensichtlich einen Machtwechsel gegeben haben. Deswegen auch diese Offensive der Oger zur Festung und zum Damm. So langsam macht das alles Sinn. Irgendjemand mit der Macht Untote zu erwecken, hat hier das Kommando übernommen. Unsere Mission Greuki zu töten hat sich gerade in die geändert, den neuen Anführer zu töten. Mir graut es bei dem Gedanken, sich mit einem Nekromanten anzulegen, der in der Lage war, diesen riesigen Oger zu erledigen und den ganzen Stamm zu unterdrücken. Verdammnis!

Wer wagt gewinnt, also teile ich die Ziele ein und wir schleichen so gut es geht nach vorne. Ryan bespricht einen Stein mit Stille, den ich dann in Richtung des linken Abgangs werfe, sodass die da unten nicht mitbekommen werden, was jetzt gleich abläuft. Der lebendige Oger bekommt den Steinwurf mit, fängt sich aber gleich darauf einen Pfeil von mir, den er lange genug überlebt, um von Xanas Sphäre hinweg gefegt zu werden. Ich lasse mich zurück fallen und unsere beiden Kleriker rücken vor und bilden eine Abwehrlinie, gegen die die Zombies anlaufen. Zuerst fällt Greuki oder besser gesagt, dass untote Etwas. Dann die beiden Oger, die ohne wirkliche Chance sind. Na bitte, geht doch!

Wir haben drei Wege vor uns. Wir lauschen und können von oben das Gekicher und Geplapper von Frauen hören. Hu? Rechts ist Stille, aber ein deutlicher Luftzug zu spüren. Wir beschließen, erst den zweiten Ausgang auszuspähen. Er schlängelt sich etwas, es gibt einen Abgang zu einem Raum, der wohl einen Schrein des Malar darstellen soll. Auch hier hängen einige Überreste von Opfern, aber viel weniger von der Anzahl und nicht so grässlich wie im geschändeten Eldath Tempel der Festung Rannick. Wenig überraschend befindet sich hier niemand. Allerdings sind hier auch nicht die sterblichen Überreste des Hauptmanns zu finden. Finsternis.

Es geht weiter den Gang entlang, der sich zu einer Art Schlucht öffnet. Ich spähe vorsichtig hinein, kann die Leichen von zwei stark verwesten Ogern und einem Steinriesen ausmachen. Ein lebendiger Steinriese steht hier Wache, dahinter sitzt auf einem mit den typischen Schädeln verzierten steinernen Thron ein Steinriese mit einer Seinkrone und einem gewaltigen Hammer aus Stein. Wie habe ich das jetzt zu verstehen? Verwirrt von dem gesehenen schleiche ich mich mit dem Rest zurück und berichte von den Entdeckungen. Wir können uns keinen Reim draus machen, besonders Glücksbote Ryan hängt sich an den beiden toten Ogern auf. Ja, die passen nicht so ganz ins Bild. Abschreckung? Zu wenig Zaubermacht, sie auch noch zu kontrollieren? Ein Snack?

Da wir keine Ahnung haben, gehen wir wieder zurück. Xana macht mich unsichtbar und ich spähe die Treppe nach unten aus. Da ihr Zauber nur wenige Herzschläge reicht, kann ich mich kaum umsehen. Hier scheint sich der Wohn- und Arbeitsbereich der Oger zu befinden. Zwei Aufseher und sechs Arbeiter halten sich hier auf. Vier Zombies stehen stupide herum. Die Arbeiter werkeln an Waffen und Rüstungen herum. Es scheint hier einige weiterführende Stollen zu geben, die wohl zur Erzgewinnung in den Berg getrieben worden sind. Ich flitze zurück und berichte, was ich gesehen habe. Mit denen werden wir fertig, aber wir sind nicht hier um Gefolgsleute zu töten. Bleibt also nur noch die Treppe nach oben. Mal sehen, was dieses weibliche Gekicher zu bedeuten hat.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Negrim am 19. Dezember 2008, 11:12:31
hab deine story regelrecht verschlungen ;-)

wann geht es denn weiter?
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Pelor am 19. Dezember 2008, 13:24:07
jeden Mo, Mi und Fr...
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 19. Dezember 2008, 15:40:15
Yup! Updates jeden Montag, Mittwoch und Freitag. Freut mich, dass die Geschichte gefällt.

26. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Höhle der Kreeg

Ich schleiche mich nach oben, die Treppe macht schließlich einen Knick nach links und führt in einen mit Tüchern verhangenen Raum. Drei Frauen in bunten Gewändern winden sich in ekstatisch und lustvoll am Boden, kriechen um eine stehende Leiche eines einst stattlichen Mannes herum. Sie kichern dabei und gratulieren sich gegenseitig zu ihrem Regenzauber, der immer noch hält. Der Mann trägt die Farben der schwarzen Pfeile und ich schätze mal, dass wir den gesuchten Hauptmann Lamatar gefunden haben. Problem ist nur, er scheint untot zu sein, da seine Hände in Klauen mit Eiszapfen enden. Das wird hier immer bizarrer.

Zurück bei den anderen berichte ich, was geschehen ist. Wilde Vermutungen werden geäußert. Meiner Meinung nach könnte es sich bei den drei Weibern um Hexenvetteln handeln. Noch während wir auf der Treppe stehen, kommt von oben der Hauptmann herunter gewankt. Schnell stellen sich unsere Kleriker ihm tapfer in den Weg und intonieren ihre mächtigsten Schutzzauber. Der letzte Untote, der aus einem Anführer gemacht worden war, hat uns auf der Insel damals beinahe getötet. Ich werfe ihm eine Kugel aus Säure entgegen, die ihm sichtlich zusetzt.

„Beeilt euch!“, schreit Xana und der Hauptmann Lamatar wird von unseren Priestern von seinem traurigen Dasein erlöst. Das ging ja jetzt fix.
„Hoch zu den Hexen!“, brüllt Ryan und stürmt vor. Wir natürlich hinterher. Eine der Frauen wirft sich Ryan vor die Füße.
„Oh mächtiger Fürst, höre uns an!“

„Denkste! Jetzt wo ich so voll göttlicher Macht bin!“ Ryan schlägt tatsächlich mit voller Wucht seines kristallenen Streitkolbens auf die vor ihm knieende Frau ein. Da fällt mir nichts mehr ein. Xana und ich schauen uns entsetzt an. Dolon setzt nach und macht es Ryan nach. Auch Lia hat keine Bedenken, auf die Frauen zu schießen, die sich gerade ergeben wollten. Die edlen Helden in den Geschichten machen so was nicht! Die Zeit der Verhandlung ist nun auf alle Fälle vorbei. Zwei der Vetteln stürzen sich mit lustvollem Gekreische auf unsere beiden vorne stehenden Kleriker, umklammern sie wie beim Spiel in der Nacht zwischen Mann und Frau und geben den Männern ihre Klauen zu schmecken, was diese deutlich verletzt, besonders im Gesicht. Die dritte sorgt mit beschworenem Nebel dafür, dass wir nichts mehr sehen. Verdammnis!

Da unsere beiden Priester die Beweglichkeit von Steinquadern haben, gelingt es ihnen nicht, sich aus der Umklammerung der Vetteln zu befreien.
„Brenne!“ Einer meiner Strahlen verlöscht leider durch ein paar Nebeltröpfchen, aber der zweite Strahl frisst sich ordentlich tief in die Vettel, auch wenn ich durch den blöden Nebel keine wirklich vitale Stelle anvisieren kann, obwohl ich direkt daneben stehe. Also ziehe ich mein geschärftes Rapier und gebe es Dolons Vettel wieder und wieder zu schmecken. Derweil zerfetzt sie ihm lustvoll stöhnend das Gesicht. Lia dringt in den Raum ein und versucht die dritte Vettel zu finden. Xana beschwört eine Welle magischer Geschosse, die teilweise einfach verpuffen. Diese Vetteln sind nicht nur durch den Nebel geschützt. Finsternis!

Xana kommt etwas  näher und schafft es drei Strahlen auf eine der Vetteln abzufeuern, von denen einer verlischt, einer fehl geht, aber der dritte macht die Vettel so wütend, das Xana ihre Krallen zu schmecken bekommt und die Halbelfe in Blut getüncht wird. Autsch! Endlich gelingt es mir, die Vettel von Dolon herunter zu schneiden. Mühsam steht er auf, nur um im nächsten Moment von der nächsten Vettel aufs Korn genommen zu werden. Finsterste Finsternis. Das wird noch ein langer Tag. Dolon geht blutend zu Boden und ich spieße dafür die alte Hexe gekonnt auf, nachdem Lia den Rücken der Hexe in ein Nadelkissen verwandelt hat. Schließlich stirbt auch die letzte Hexe.

„Dolon ist schwer verletzt!“, kreische ich viel zu laut.
„Warte!“, meint Glücksbote Ryan und rappelt sich auf.
„Alles wird gut!“ Ich leite heilende Energie von meinem Gürtel in den zerschundenen Körper von Dolon. Das war jetzt aber knapp. Ich werfe einen wütenden Blick in Richtung des Glücksboten, während Dolon stöhnend wieder zu sich kommt.

„Öh! Diese Vetteln sind ja so was von hässlich. Ich brauche jetzt was Hübsches zum Ansehen. Wie wäre es mit ein paar knackigen Brüsten?“, meint Ryan und glotzt begehrlich zuerst auf Xanas, dann auf mein Mieder. Ich habe diese Faxen satt und gebe Ryan klatschend eine Ohrfeige. Meine Hand zeichnet sich rot auf seiner Wange ab.
„Du dämlicher Idiot! Du blutrünstiger Schwachkopf! Was ist nur mit dir los? Hast du nicht gesehen, sie haben sich ergeben! Wir waren Herr der Lage, sie wollten reden! Aber nein, der Herr Glücksbote ist ja voll göttlicher Macht und haut einfach mal so brutal zu! Bist du eigentlich noch bei Trost?“, brülle ich ihn an. Er guckt mich mit großen Augen ganz verblüfft an.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 22. Dezember 2008, 11:08:28
26. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Höhle der Kreeg

„Öhm! Tja, eh, nun ja.“ Ich erlebe zum ersten Mal einen Ryan, der um eine Antwort verlegen ist. Er rettet sich erstmal damit, dass er alle Verletzten, einschließlich sich selbst, heilt. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, weitere Worte darüber sind verschwendet. Eine Durchsuchung des Lagers fördert nichts Brauchbares zu Tage. Es gibt hier einen Ritualkreis, von dem Xana und ich einhellig der Meinung sind, dass dies etwas mit Wettermagie zu tun haben muss. Primitiv, seltsam, aber machtvoll in der Auswirkung. Kein Wunder, dass es seit zwei Zehntagen fast ununterbrochen regnet. Ich gehe um den Kreis mehrmals herum und unterbreche ihn dann schließlich an einer Stelle, wo ich denke, dass es keinen gefährlichen Rückschlag durch gespeicherte Energie gibt. Passieren tut auch nichts.

„Also, ich dachte, es wäre eine Falle, ein Hinterhalt. Wahrscheinlich wäre es so oder so zum Kampf gekommen“, meint nun Ryan, nachdem er etwas Zeit hatte, sich eine Verteidigungsstrategie zurecht zu legen.

„Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wir werden es wohl nie erfahren, ob wir es hätten friedlich lösen können oder nicht. Aber wir hätten nicht wirklich etwas verloren, mit ihnen zu reden. Danach wäre Kampf immer noch eine Option gewesen und hätte nicht diesen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Wir sind Helden, verdammt! Nicht irgendwelche dahergelaufenen Mörder!“

Wir beraten, was wir jetzt tun wollen und Ryan zieht zwei Rollen Mit Toten sprechen heraus. Die erste verschwendet Lia, indem sie unqualifiziert reinquatscht. Danke auch. Aber dann bekommen wir heraus, dass ein gewisser Barl Knochenbrecher über diesen Ort herrscht und den Ogerhäutling abgelöst hat, um hier ein neues Reich der Steinriesen zu errichten. Nun gut, dann wissen wir ja, was wir zu tun haben. Wir gehen noch mal die Taktik für den bevorstehenden Kampf durch und sprechen ein kurzes stilles Gebet, ein jeder an seine Schutzgottheit. Ich führe mein heiliges Symbol an meine Lippen, wo ich es innig küsse, dann an meine Stirn drücke, wo ich das von meiner Brust gewärmte Metall wohlig anfühlt, bevor ich es an mein Herz presse. „Tymora, geliebte Göttin, die in meinem Herzen wohnt. Herrin meines Schicksals. Gib mir die Kraft, den Mut und das Können, diesen Krieg zu beenden und dem Tal den Frieden zu geben, welchen diese fleißigen Menschen verdienen. Lächle mir, denn mein Töchterchen hat nur noch mich!“

Innerlich gestärkt laufen wir nach unten, versichern uns, dass in dem Arbeitsraum noch alles beim alten ist und gehen dann in den Raum mit dem König der Riesen. „Schild!“ „Schutzgewand!“ „Schild!“ „Möge Tymora uns segnen!“, sprechen wir alle noch, bevor wir offen ins Freie treten. Die beiden Riesen werden unserer gewahr. Der König mustert uns gelangweilt von seinem Thron herab, sein Leibwächter tritt uns in den Weg. Der finstere Kerl auf dem Thron sagt etwas zu seinem Leibwächter, der mit einer Litanei anfängt, die Jakadros übersetzt, der bis jetzt überaus tapfer alle Gegner aus dem rückwärtigen Raum abgewehrt hat.

„Ich bin König Barl Knochenbrecher, Herr der Feste, Herr über das Tal, Herr über das Land vom Meer bis zum Wald der Elfen. Kniet vor mir nieder und erweist mir den gebührenden Respekt und dann geht wieder, was ich in meiner unendlichen Gnade erlauben werde.“

„Ich bin Kaira Rhea, das ist Schlachtenrufer Dolon von Tempus, Glücksbote Ryan von Tymora, Xana Androssana, Lia von den Mondelfen, wir sind die Wagemutigen. Und ich schlage dir vor, in meiner unendlichen Gnade deine Schandtaten und das Leid außer Acht zu lassen, welches durch den Sturm auf die Festung Rannick und die Sabotage des Schädeldammes entstanden ist, deine Krone ablegst und von hier auf Nimmerwiedersehen verschwindest.“ Die anderen schauen mich groß an.

„Das ist nicht akzeptabel!“ Tja, wir haben es probiert. Während ich einen Schritt nach vorne gehe, ziehe ich die Schriftrolle heraus, welche wir bei dem Ettin gefunden haben und spreche die arkanen Worte voller Macht. Schade, diesen Zauber hätte ich gerne gelernt, aber jetzt wo beide so schön hintereinander stehen, ist es ein guter Zeitpunkt, sie zu benutzen. Ein Kegel aus unendlicher Kälte breitet sich vor mir aus und erfasst beide Riesen, welche kurz davor noch von einer elektrischen Ladung aus Xanas Hand getroffen werden. Der revanchiert sich noch, bevor ich meinen Zauber zu Ende gesprochen habe damit, dass er der hübschen Halbelfe einen großen Felsbrocken an die Schulter wirft. Lia spickt den Riesen mit Pfeilen, während Dolon ruft „Tempus! Sieh dir diesen Kampf an!“ „Büffel der Celestischen Ebenen, ich rufe euch!“, beschwört Ryan und tatsächlich tauchen zwei große Büffel mit großen gefährlich aussehenden Hörnern und dicken bläulichen Fell auf. Allerdings scheinen sie gegen eine Steinwand zu rennen, denn der Riese zeigt sich wenig beeindruckt von deren Kampfkünsten. Seine gewaltige Keule kracht auf einen der Bisons hernieder, welcher aber tapfer stehen bleibt. Der König ruft etwas, macht ein paar arkane Gesten, die ich nicht genau sehen kann und eine schimmernde Hand bewegt sich von ihm weg. Ich bin jetzt relativ sicher, von wem die ganzen untoten Wesen stammen. Verdammnis!
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 26. Dezember 2008, 11:37:02
26. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Höhle der Kreeg

Die Hand schwebt auf Dolon zu, welche ihn berührt und ihm Lebenskraft aussaugt. Nicht gut. Lia schießt einen Pfeil darauf ab, der glatt durch geht. Die anderen schießt sie auf den Leibwächter ab, wovon sogar zwei die dicke Haut durchdringen können. Xana rappelt sich nach dem schmerzhaften Treffer durch den Felsen wieder auf und ruft „Beeilt euch!“, was uns alle mal wieder sehr hibbelig werden lässt. In Erwartung, dass Xana mich demnächst unsichtbar werden lässt, spreche ich einen Zauber, der meine Fähigkeit einen Treffer zu landen, sehr erhöht.

„Finstere Magie! Ich banne dich hinweg!“ Ryan zeigt theatralisch auf die leuchtende Hand, welche dann auch eindrucksvoll in bunten Farben implodiert. Eine Bedrohung weniger. Dolon spricht einen Heilungszauber auf sich, um sich für die bevorstehende Konfrontation mit den beiden Riesen zu stärken.

Anstatt mich unsichtbar zu machen, wie eigentlich abgesprochen, entscheidet Xana sich, eine weitere ihrer mächtigen elektrischen Entladungen zu werfen, da beide Riesen noch nicht wirklich mit uns in Berührung gekommen sind. Dem Leibwächter ist das nun zuviel und er bricht zusammen, nachdem Lia ihm noch eine Lohe aus Flammen auf dem Weg in den Abgrund gegeben hat. Der König stemmt sich überraschend gewandt von seinem Thron hoch und kommt schnellen Schrittes herbeigeeilt. Er donnert etwas in seiner Sprache und eine Welle der Angst brandet über uns hinweg. Dolon dreht sich um und rennt an mir vorbei. Was noch schlimmer ist, die beiden Büffel werden auch von der Angst gepackt und einer stürmt genau auf mich zu. Ah! Im letzten Moment springe ich hoch, stoße mich am wuscheligen Schädel mit beiden Händen ab, mache einen Salto Überschlag und lande mit beiden Beinen voran wieder auf dem Boden. Xana dagegen rappelt sich mit einem, „Alle müssen immer auf mir herumtrampeln“ hoch. Auf ihrem Kleid in der Höhe unterhalb ihrer nicht ganz so knappen Oberweite zeichnet sich ein deutlicher Hufabdruck ab. Wir haben gerade einen Grossteil unserer Blocker verloren und das einzige was nun zwischen uns und dem Riesen steht, ist ein schwer schluckender Ryan, der auf einmal ganz bleich um die Nase wird.

Ich steh jetzt recht dumm da, weil ich meine wenigen verbleibenden Zauber nicht verschwenden will, bevor ich nicht in aller Ruhe die wirklich vitalen Punkte anvisieren kann. Also bewege ich mich zu Xana und nehme eine Abfangposition vor ihr ein, damit der Riese nicht in sie hineinstürmen kann. „Niemand soll dich sehen!“, ruft Xana und jetzt bin ich in der Lage, dem Riesen Saures zu geben, der fröhlich auf Ryan mit seinem gewaltigen Hammer drauf schlägt. Danach steht Ryan gerade noch, sieht aber nicht besonders gut aus. Von Dolon ist nichts mehr zu sehen, Lia versucht sich weiter im Bogen schießen. Sie hat schon mal besser getroffen. Ich bewege mich etwas näher zu dem Riesen hin, visiere die Gegend seines Herzens an und rufe dann „Brenne!“ Aus meinen Fingerspitzen der linken gespreizten Hand lösen sich zwei flammende Strahlen und bohren sich in die Höhe des Herzens in das Fleisch des Riesen. Ryan taumelt derweil blutig zurück und ruft Tymora um Heilung an, danach sieht er fast schon wieder passabel aus.

Xana schleudert ihm ebenfalls ein Paar flammender Strahlen entgegen. „Brenne!“, brüllt sie und meint dann leise, „Das waren meine letzten Strahlen!“

Das ist natürlich gar nicht gut, denn auch ich habe diesen Zauber heute nicht mehr zur Verfügung. Ich greife in meinen Schriftrollenbehälter und hole die von mir vor ein paar Tagen geschriebene Rolle heraus, die ebenfalls brennende Strahlen wirft. Lias Köcher hat sich inzwischen erschreckenderweise fast vollständig gelehrt und die letzten Pfeile fliegen auf den Reisen zu, der sie kaum zu spüren scheint. Ein weiteres Mal kracht die Keule auf Ryan, der aber in seiner stark zerdellten Rüstung stehen bleibt, während der zweite Hieb, der ihm den Rest gegeben hätte, mit einem lauten Rums in den Boden fährt. „Brenne!“, rufe ich ein letztes Mal heute. Mit großer Wucht schlagen die beiden Strahlen genau in die Krater ein, welche ihre Vorgänger hinterlassen haben und brennen sich nun in sein Herz. Dampfendes Blut zischt in einer roten Wolke heraus. Der Riese glotzt ungläubig, verdreht die Augen und bricht zusammen. Das war jetzt knapp gewesen. Aber die Dame hat den Wagemutigen gelächelt.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 29. Dezember 2008, 16:05:40
26. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Höhle der Kreeg

„Wir haben gewonnen! Sieg! Hurra!“ Xana und ich fallen uns in die Arme, nachdem meine Unsichtbarkeit aufgehört hat zu wirken. Dolon kommt äußerst niedergeschlagen zurück geschlichen. So geknickt habe ich ihn noch nie gesehen. Er macht den Eindruck, als ob er geweint hätte. Der arme Kerl, dies wäre seine größte Stunde, sein größter Triumph gewesen, aber dieser gemeine Zauber hat ihn in die Flucht geschlagen.

„Das kann jedem Mal passieren, mach dir nichts draus!“ Aufmunternd tätschle ich ihm die Schulter. Das muntert ihn nicht wirklich auf, er nickt aber zerknirscht. Jetzt kommt erstmal das fröhliche Plündern. Der Riese trägt als Anhänger einen Ring in Menschengröße. Xana will ihn sich gleich mal schnappen, aber nichts da, wir haben ja gesehen was passiert, wenn sie mit magischen Gegenständen herumspielt. Er hat tatsächlich einen Zauberstab aus Stein dabei, der etwa dreißig Stein wiegt. Uff! Dazu noch ein Zauberbuch mit ähnlichem Gewicht. Seinen Hammer können gerade beide Männer zusammen anheben, so schwer ist der. Da der nicht magisch ist, lassen wir den erstmal liegen. Ich schau mir den Thron näher an, finde aber überraschenderweise kein Geheimversteck.

Ich schau mich suchend um und sehe am Ende der Schlucht einen großen Felsen, um den herum Schleifspuren zu sehen sind. „Jungs, ich brauch mal ein paar Leute mit Muskeln!“ Das ist Männerarbeit, aber ich helfe ihnen so gut ich kann. Ryan macht schlapp, aber Dolon vollbringt einen Akt der Stärke, als er den Stein langsam aber sicher ins Rutschen bringt. Dabei wird er ganz rot im Gesicht und seine Muskeln schwellen dabei deutlich an. Endlich ist der Spalt groß genug, dass wir eindringen können. Hier liegen die Waren der Handelskarawanen herum. Ich leere zwei Kisten mit verdorbenen Gütern aus und packe dort alles rein, was mir wertvoll erscheint. Schon bald sind die randvoll. Dazu finden wir noch Goldmünzen, Handelsbarren und in einem Geheimversteck einen Ring in Form von zwei Schlangen, einen Streitkolben und einen blauroten Mantel. Immerhin etwas. Wir stapeln das ganze Zeug erstmal vor dem Thron und verpacken auch Zauberstab, Buch und Krone des Königs.

Am anderen Ende der Schlucht linsen nun einige Oger herein, wie Jakadros uns zeigt, der uns ja wie immer brav den Rücken frei gehalten hat. Wir bauen uns vor den Ogern auf, ich schleppe die Krone mit und zeige sie den Ogern. „Euer König ist gefallen! Ich habe ihm angeboten, diesen Ort in Frieden zu verlassen, aber er wollte nicht hören! Seht, was ihm widerfahren ist, nachdem er sich mit uns angelegt hat. Geht in Frieden oder sterbt voll Schmerz!“ Ein weiteren Kampf werden wir nicht so leicht überstehen, da wir Zauberkundigen fast unsere gesamte Arkane Macht aufgebraucht haben.

Der größte Oger tritt an mich heran, seinen Ogerhaken in beiden Händen haltend. „Eure Gesichter werden wir uns merken und der Tag wird kommen, wo wir sie euch herunterreisen werden!“ Er spuckt mir vor die Füße, tritt dann aber mit einem Grunzen zurück und scheucht seine Gefolgsleute heraus. Puh! Da haben beide Gruppen aber Glück gehabt. „Danke, Dame, dass du uns ein weiteres Mal gelächelt hast.“ Dabei führe ich mein heiliges Symbol an die Lippen, Stirn und Herz. Jetzt ist es aber Zeit zu verschwinden.

Die Kisten sind verdammt schwer und wir schaffen sie nur wenig von der Höhle weg, wo wir sie erstmal verstecken und dann die Pferde holen. Auch den toten Hauptmann, gewickelt in Tüchern aus dem Besitz der Nachtvetteln, nehmen wir mit. Die Pferde ohne richtige Packsättel zu beladen erfordert einige Geduld und Geschick, bis die Beute gleichmäßig verstaut ist. Reiten können wir auf den Pferden aber nicht mehr. Wir beeilen uns so gut es geht Abstand zwischen die Höhle und uns zu bringen. Schon bald geht die Sonne unter, was schön anzusehen ist, da es inzwischen aufgehört hat zu schneien und die Wolkendecke aufgebrochen ist. Das Ritual der Nachtvetteln haben wir wohl nachhaltig zerstört. Ich habe die ganze Zeit ein mulmiges Gefühl und erwarte jederzeit, dass wir überfallen werden. Ohne Pause eilen wir der Festung entgegen und ich bin durchgeschwitzt, als wir endlich das Tor zur Festung passieren.

Die Stimmung ist gedrückt, als wir ankommen. Die Verluste der grauen Brigade waren höher als erwartet. Aber es gibt doch einiges an Jubel, als ich mit der Krone durch die Festung laufe und das Ende der Herrschaft der Kreegoger über diese Gegend verkünde. Ich habe die Ehre, die Geschichte vorzutragen und lasse einige Passagen aus, wie, dass die Vetteln sich eigentlich ergeben hatten und dass Dolon die Flucht ergriffen hat. Der Hauptmann erzählt uns, dass er die Oger etwas unterschätzt hat, da diese sich vor dem Angriff aufteilten und sie von zwei Seiten angriffen. Besonders deren Veteranen hätten ihnen schwer zugesetzt. Dazu noch die zähen Zombieoger, mit denen sie nicht gerechnet hatten. Aber sie konnten schließlich einen Durchbruch erzwingen und sich geordnet zurückziehen. Aber das Manöver hat letztendlich seinen Zweck erfüllt und die Bedrohung durch die Kreegoger ist gebrochen, ein für alle Mal.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 31. Dezember 2008, 11:24:14
27. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Höhle der Kreeg

Am nächsten Morgen identifiziere ich erstmal die beiden Ringe und den Mantel, da Xana deswegen so hibbelig ist, dass sie mir da keine Ruhe lässt. Was mich gar nicht so stört, da ich auch vor Neugier brenne. Der Ring mit den beiden Schlangen entpuppt sich als ein Rachering, der sich dreimal am Tag aktiviert, wenn man besonders fies getroffen worden ist und es dem Gegner mit gleicher Münze heimzahlt. Der zweite Ring lässt einen Kälte besser widerstehen. Der Umhang schützt einen einmal am Tag vor schädlichen Auswirkungen eines Elementes, wie Feuer, Wasser oder so was eben, das man dann in dem Moment wählt.

Nach einem recht pampig schmeckenden Frühstück, das mich an zu Hause im Mondtal erinnert, halten die Priester einen kleinen Gedenkgottesdienst für die Gefallenen und den Hauptmann ab. Unter den Gefallenen sind auch der Druide, den wir gerettet hatten und die beiden Geschwister, die wir im Dorf kennen gelernt hatten. Das sind traurige Nachrichten und mir wird es schwer ums Herz. Still und in uns gekehrt brechen wir schließlich noch vor dem Mittag mit dem toten Hauptmann auf, um ihn zur letzten Ruhestätte zu geleiten. Lia und Jakadros, die sich den Weg gemerkt haben, führen uns durch den Kreegwald. Ober der Wald bald einen neuen Namen bekommen wird? Vielleicht Wald der schwarzen Pfeile? Der grauen Brigade? Der Spukwald? Schwer zu sagen, die Zukunft wird es zeigen.

Schließlich passieren wir wieder diese nervigen Frösche, die diesmal aber nur ganz normal quaken. Von Myriana und ihren selbsternannten Spießgesellen ist zum Glück nichts zu sehen. Jap findet uns auf halbem Weg und schwirrt aufgeregt um uns herum. Dicke Tränen kullern ihm wieder über die Wange, als er die Leiche des toten Hauptmanns sieht. „Aber bald wird alles wieder gut“, schluchzt er. Der tote, versunkene Wald macht selbst bei gutem Wetter einen düsteren und bedrohlichen Eindruck.

Schließlich erreichen wir ohne überfallen zu werden den Grabhügel der Nymphe. Vorsichtig entfernen wir die oberste Schicht mit den Wurzeln für die Blumen und graben dann eine Mulde für den Hauptmann. Wir können nicht allzu tief graben, da sich dort schnell Wasser ansammelt. Wir legen die Leiche des Hauptmanns in die flache Mulde. Jakadros, der als einziger den Hauptmann Lamatar persönlich zu Lebzeiten kannte, spricht ein paar Worte über dessen Leben. Ich trage eines seiner Gedichte vor und lege das Medaillon mit dem Haar seiner Geliebten auf der Brust. Glücksbote Ryan und Schlachtenrufer Dolon halten ebenfalls eine kurze Rede und sprechen ihren Segen. Dann schütten wir das Grab wieder zu und setzen als letztes wieder die Grasnarbe mit den Blumen darauf.

Ein tiefes Seufzen geht durch den Sumpf, der Nebel wird durchbrochen und strahlendes Sonnenlicht fällt herab. Die Blumen richten sich auf und beginnen zu blühen. Einen kurzen Moment habe ich das Bild einer jungen wunderschönen Frau vor Augen, die mit einem Juchzen einem stattlichen Mann in Rüstung auf einer grünen Aue um den Hals fällt. Aber das Bild verblasst so schnell, das es eine reine Einbildung gewesen sein muss. „Die Herrin hat ihre Ruhe gefunden!“, jubelt Jap und wischt sich die Tränen aus den Augen. Auch ich muss sie mir wie Xana wegwischen und selbst Dolon murmelt was davon, dass er was im Auge hat.

Wir laufen zurück und am anderen Ufer stellt sich uns das Wolfsrudel in den Weg. „Ihr wart also erfolgreich. Dann soll es wohl so sein“, sagt der mächtige Wolf Voldrak und löst sich dann einfach buchstäblich in Luft auf. Was sollte das jetzt? Keine Ahnung, ich bin froh, dass wir nicht kämpfen müssen. Ein nun wieder recht quirliger Jap begleitet uns noch außerhalb des Sumpfes. Es ist schön zu sehen, dass nicht alle Feenwesen solch ätzenden Mistkerle wie Spaßmacher sind.

So reiten wir nun ins Dorf und besorgen uns dort einen Wagen. Es gibt dort noch einen Händler, der viel Platz auf seinem Wagen hat und einen vertrauenswürdigen Eindruck macht. Dolon und ich haben ja schon so unsere Erfahrungen gemacht. Wir reiten besorgen uns ein paar Packpferde, reiten zurück, verabschieden uns von der grauen Brigade und schaffen unsere Beute zum Händler. Aufbrechen tun wir heute allerdings nicht mehr, müssen aber im Wirtszelt sehr viel über unsere Abenteuer erzählen. Ryan nutzt seine neugewonnene Popularität gleich mal dazu aus, einer junge Witwe das Bett wärmen zu dürfen. So ein Lüstling aber auch.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 02. Januar 2009, 09:48:52
Epilog
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30. Uctar Das Jahr der Visionen 731 Chondathan

Am Abend des dritten Tages erreichen wir endlich die Ausläufer der Stadt. Bevor wir sie sehen, riechen und hören wir sie schon. Jakadros und Lia verkleiden sich entsprechend, als wir den Tempustempel erreichen. Dort laden wir die Beute ab, um sie morgen zu teilen. Wir bezahlen sofort die Wiedererweckung von Dolon, was vom Zahlmeister des Tempels nur zu gerne genommen wird. Auch müssen wir noch zu Holger Hohlstein gehen, um unsere Belohnung abzuholen. Was als kleiner, nerviger Auftrag begonnen hat, war am Ende ein gewaltiges Abenteuer, von dem die Barden noch in ferner Zeit singen werden. Auf dem Weg hierher war uns die Geschichte unserer Heldentaten uns schon vorausgeeilt und ich habe den Barden brühwarm unsere beschönigte Version erzählt.

Als wir durch das Nordtor reiten, werden wir natürlich von unseren Kameraden erkannt und mit großem Hallo begrüßt. Auch hier hat man schon von uns gehört und wir müssen heute Abend unbedingt zu den drei Fässern gehen, um unsere Erlebnisse zum Besten zu geben. Nun gut, wir sind dabei. Schildwächter halten eben auch nach dem Ausscheiden vom aktiven Dienst zusammen und durch dieses Abenteuer können wir auch beweisen, dass wir zum einen was drauf haben und dass wir in der Schildwacht einfach nicht wirklich gefordert waren.

Hinter dem Tor trennen sich unsere Wege. Ich treibe Pferdchen ins Adelsviertel und reite schnurstracks zum Anwesen der Bruderschaft. Dort hat mich bis auf mein kleines Töchterchen niemand wirklich vermisst. Och, wie sie mir um den Hals fällt und nie wieder loslassen will. Das will ich auch nicht. Ach, wie herrlich es ist, wieder meinen kleinen Spatz zu haben. Ihr erzähle ich von den Abenteuern in einer kindergerechten Version und sie bekommt große Augen, als ich ihr von meinen Heldentaten erzähle. Ja, Mama ist eine wirklich coole Abenteuerin. Ich bade dann mit ihr zusammen und schicke sie zur normalen Zeit ins Bett, während ich dann zu den Drei Fässern gehe, um mich mit den anderen zu treffen.

Ryan macht einen nervösen Eindruck und raunt mir zu, dass wir uns später noch unterhalten müssen. Aber zuerst stehen wir dazu zu sehr im Fokus der Aufmerksamkeit. Mehrmals müssen wir von unseren Heldtaten berichten, dem Kampf gegen die degenerierte Familie Graul, die Rückeroberung der Festung Rannick, die Sicherung des Dammes und dann der Kampf gegen Barl Knochenbrecher, dessen mächtige Krone ich mitgebracht habe. Es fließt reichlich Bier, aber ich halte mich zurück. Xana schneit mit ihrem Serenius im Arm auch noch herein. Jakadros hält sich verkleidet im Hintergrund. Schließlich wird es etwas ruhiger um uns herum und wir finden Gelegenheit die Köpfe zusammen zu stecken.

„Auf dem Weg zu den drei Fässern bin ich von dem elendigen Schuft Kelan auf der Straße angesprochen worden und dieser Mistkerl wollte ausgerechnet dreihundert Goldmünzen von mir erpressen. Sonst wird er der Schildwacht erzählen, dass wir uns nach einem gewissen Racardo erkundigt und viele Fragen über die Klingenfeste gestellt hätten.“

Verdammnis! Kelan war der desertierte Schildwächter, welchen wir einst vor langer Zeit über die Klingenfeste ausgefragt haben und der dann, nachdem er seine Schulden Ryan übertragen hat, die Stadt verlassen hat. Die übertragenen Schulden hatten Ryan verdammt viel Ärger bei der Baranischen Bruderschaft eingebracht. Wir diskutieren kurz darüber, wie glaubwürdig für die Schildwächter ein Deserteur ist, aber er könnte die richtigen Ansprechpartner kennen und schließlich waren wir es ja auch gewesen. Ein magisches Verhör übersteht keiner von uns. Finsternis!

„Ich bin dafür, dass wir kurzen Prozess mit ihm machen!“ Ich kann deutlich Hass im Ton von Glücksboten Ryan ausmachen.
„Mord sollte für uns keine akzeptable Alternative sein. Kelan ist ein schlimmer Finger, aber immer noch ein Mensch, kein vergewaltigender und Menschenfleisch fressender Oger.“ Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so moralisch argumentieren müsste.
„Er ist doch nur ein Mensch!“, wirft Lia ein.
„Und du nur ne Elfe. Ich muss mich wirklich wundern. Dass Lia das befürwortet war mir klar, aber du, Glücksbote Ryan? Tymora würde so ein Handeln nicht gutheißen.“
„Was schlägst du stattdessen vor, Kaira?“ Dolon war bis jetzt wie immer sehr schweigsam gewesen. Seine Flucht vor dem Feind nagt immer noch an ihm.
„Nun, wir finden ihn, betäuben ihn, machen ihm klar, dass mit uns nicht zu spaßen ist. Dann besorgen wir ihm eine Passage ans andere Ende des Meer des Sternenregens, statten ihn mit etwas Startkapital aus und sagen ihm klipp und klar, dass wir ihn das nächste Mal den Ratten zum Fraß vorwerfen.“
„Aber dann hat er uns erfolgreich erpresst!“, knirscht Ryan.
„Ich find die Idee gut. Wir sind ihn los und haben keinen Ärger“, meint Xana und kuschelt sich an ihren Serenius.
„Da hinterhältiger Mord keine Lösung und ein ehrlicher Kampf eine Farce wäre, denke ich, dass Kairas Vorschlag durchaus akzeptabel ist.“ Dolon macht einen entschlossenen Eindruck.
„Na gut, von mir aus, schicken wir ihn ans Ende der Welt. Aber ich will ihn wenigstens KO schlagen dürfen. In Ordnung?“ Dagegen hat niemand etwas und mein Vorschlag ist beschlossen.

Gespielt am  03.10.2008
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira ( Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 3), Lia (Waldläufer 4/ Kriegsmagier 4), Dolon (Kleriker 8), Ryan (Kleriker 8), Xana (Hexenmeisterin 5, Wilde Magierin 3)
Schrein des Ruhmes:
Erfahrungspunkte: 2620 für Stufe 8, 150 Kaira, 50 Lia, Dolon 150, Ryan 50, Xana 100
Überwundene Gegner
1 Steinriese Leibwächter
1 Steinriesen König (Nekromant 6?) HG 12
1 Eliteoger
1 Normaler Oger
3 Zombie Oger
3 Nachtvetteln
1 Gruftschrecken
Beute
1000 GM in Handelsbarren
1000 GM in Münzen
1000 GM in Handelsgütern
1400 GM Belohnung von Holger Hohlstein
1 Zauberbuch aus Stein, mit Vampirgriff, Ghulhand,
1 Zauberstab Vampirgriff aus Stein (30 Kilogramm) 1000 GM
1 Krone aus Stein (20 KG)
1 Beutel mit Opalen im Wert von 650 GM
1 Rachering 5W6 Schaden bei Gegner, der kritischen Treffer im Nahkampf verursacht (Ryan)
1 Ring der Kälteresistenz 10 (Lia)
1 Blau Roter Umhang der Energieresistenz 10 1/Tag (Kaira)
1 Bluttrinker Streitkolben (Ryan)
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 05. Januar 2009, 12:13:28
Der Test der Zeit
Teil IV
Chroniken der Reisenden

Prolog

24. Nachtal Das Jahr der Visionen 731 Chondathan

Einige ruhige Tage liegen hinter mir. Anfang des Monats hatte ich noch etwas viel Lauferei und war damit beschäftigt, die Beute an den Mann zu bringen. Die Wiedererweckung von Dolon hat ein großes Loch in die Kasse gerissen, aber immerhin blieb doch einiges für eine arme alleinerziehende Mutter übrig. Die Dame hat mir wahrlich diesmal gelächelt.

Aber Kelan hat sie nicht gelächelt. Nein, wir haben ihn nicht ermordet, zwei Tage später wurde seine Leiche aus dem Hafenbecken gezogen. Krallenspuren im Fleisch. Irgendetwas hat ganze Arbeit getan. Zuerst der Deserteur der schwarzen Pfeile, der Xana ein Ohr abschneiden wollte, nun Kelan. Beide Deserteure, aber beide haben uns bzw. Xana bedroht. Serenius versichert, nichts damit zu tun zu haben. Aber wer bleibt dann noch übrig? Herr Fröhlich? Möglich und so langsam habe ich einen düsteren Verdacht, dass es sich bei Herr Fröhlich um das schlechte Gewissen Jondans, meines Ehemannes handelt, der seit der Geburt Milis verschwunden ist. Aber warum nimmt er dann nicht mit mir Kontakt auf, sondern nur mit Mili? Fragen über Fragen.

Ich frage mich auch, was die Bruderschaft der Ungesehenen Seher so treibt. Immer noch reges Treiben, nur ich habe Zeit und Muße. Irgendwie ist das nicht befriedigend. Traut man mir hier so wenig zu? Scheint beinahe so zu sein. Jedenfalls hatte ich ausnahmsweise viel Zeit, brachte meine Erlebnisse am Hakenberg zu Buche, einmal wie es wirklich geschehen ist und dann die geschönte Version für die Nachwelt. Und natürlich hatte ich endlich mal wieder Zeit, um mich eingehend mit meiner kleinen, süßen Tochter zu beschäftigen. Ach, was ist sie doch für ein niedlicher Fratz.

Der Zeitpunkt rückt näher, wo Idi Adanich die grüne Kugel abholen wird. Ende des Jahres hieß es, sollte also bald so weit sein. Sechs Tage noch und wir werden ein neues Jahr haben, mal sehen, welche Abenteuer es uns bringen wird. Allerdings beantwortete sich diese Frage weit schneller als gedacht. Ich war früh zu Bett gegangen und unangenehm überrascht, als mich eine Bedienstete weckte, ein aufgeregter Priester des Tempus würde an der Tür nach mir verlangen. Da muss was passiert sein.

Also stehe ich auf, zieh mir was über und eile nach unten. Es ist wie vermutet Dolon. „Die grüne Kugel, sie ist gewachsen, leuchtet jetzt grün und pulsiert. Und sie hat einen Novizen des Tempels verschlungen. Ich trommle gerade die anderen zusammen, ich rechne mit dem Schlimmsten. Bereite dich vor und komme dann zum Tempel.“ Dann lässt er mich einfach stehen und eilt zurück in die Dunkelheit. Ich gähne, überzeuge mich, dass dies kein Traum ist und sage Karn Bescheid. Mit mäßigem Interesse nimmt er das auf. Hm, etwas mehr Resonanz habe ich schon erwartet. Zurück in meiner Kammer packe ich meine komplette Ausrüstung zusammen. Wie gut, dass ich immer alles bereit stehen habe. Dann wecke ich Mili, gebe ihr einen dicken Schmatz und teile ihr mit, dass Mama vielleicht längere Zeit nicht da sein wird. Sie guckt mich aus ganz kleinen Äuglein an, gähnt und ist wieder eingeschlafen. Ich sage noch Alana Bescheid, dass sie eventuell wieder auf mein Spätzchen aufpassen werden muss und eile dann zum Nordtor.

Die anderen sind schon da. Tatsächlich hat sich die Kugel in Dolons Quartier aufgebläht zu einem Durchmesser von etwa zwei Schritt. Ich wirke Magie entdecken und analysiere mit Xana die arkanen Strukturen. Es scheint sich um ein Portal zu handeln, was wenig überraschend ist, da Idi Adanich genau das von der Kugel behauptet hat. Verdammnis, hätte er nicht früher kommen können, um die Kugel abzuholen? 

Xana schlägt vor, sich mit einem Seil zu sichern und sich der Kugel zu nähern. Halte ich für keine gute Idee, da wir das wohl kaum halten können. Ryan macht einige Experimente, indem er verschiedene Gegenstände in die Kugel wirft, die ohne Rückstände zu hinterlassen, einfach hinein gesogen werden. Dolons direkter Vorgesetzte, ein grober Kerl mit dem Namen Thurka, findet das Ganze nicht besonders amüsant, besonders da einer seiner Schutzbefohlenen da drin verschwunden ist. Dass er nicht aus eigener Kraft zurück kommt, spricht Bände. Wer weiß, auf welche Ebene das Portal führt.

Nach etwas hin und her, wird allgemein beschlossen, in die Kugel zu springen und nachzusehen. Halte ich für keine so gute Idee, aber mir fällt auch nichts Besseres ein. Ich führe mein Heiliges Symbol an die Lippen, küsse es ehrfürchtig, berühre damit Stirn und Brust. „Wer wagt, gewinnt.“ Als Erste gehen Dolon und Ryan, dann Lia und zum Schluss, uns an den Händen haltend, Xana und ich. Die Kugel saugt uns ein und dann sind wir weg.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 07. Januar 2009, 14:48:22
Kapitel 1
Planlos im Nirgendwo

24. Nachtal Das Jahr der Visionen 731 Irgendwo

Wir landen in der Kugel, grünes Licht umgibt uns. Wohlige Wärme durchdringt uns und ich sehe mich um. Alles grün, die restlichen Wagemutigen und der Novize mit dem Namen Jordan Uctar schweben vor mir. Ihm scheint es gut zu gehen. Aus dem grünen Licht treten langsam Konturen heraus. Erst am Fußboden, steinernes Mosaik, sehr kunstvoll und filigran. Dann vor uns eine Empore mit sechs Statuen, welche Schwerter in die Höhe recken. Dann treten Gitterstäbe zu Tage, die uns umgeben. Das ist nicht gut. Über den Gitterstäben ist der Sternenhimmel zu sehen, als das grüne Licht immer schwächer wird. Der Nachthimmel hat vertraute Elemente, stimmt aber nicht wirklich mit dem gewohnten über ein. Nun sind Mauern zu sehen, die etwa sechzig Schritt entfernt kreisförmig um uns aufragen.

„Was für eine Ebene das wohl sein mag?“ Xana schaut sich interessiert um.
„Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, wir sind noch auf Toril. Der Sternenhimmel sieht recht vertraut aus, wenn er auch nicht ganz so ist, wie er sein sollte.“
„Vielleicht sind wir ja in der Vergangenheit? Das hier könnte der Klingenturm sein.“ Xana weißt auf die typischen Spitzen der Zinnen, wie sie in alter Zeit so gerne Verwendung fanden.
„Reisen in die Vergangenheit werden eigentlich von den Göttern streng unterbunden. Hat man mir auf dem Kollegiat beigebracht. Deswegen kann man mit Magie die Zeit nur in einem sehr engen Rahmen manipulieren.“
„Aber das hier ist alles so typisch für das alte Jhaamdath. Sieh nur, dass müssen Statuen der Klingenherrscher sein. Sechs Stück, eine für jede Ausrichtung der Psionik.“ Xana ist Dank Serenius deutlich bewanderter in diesem Thema als ich. Sie könnte durchaus Recht haben.

Noch mehr Konturen schälen sich auch dem Licht. Ich kann einen Park um uns erkennen, Wachen in bronzenen Harnischen und Speeren. Und eine maskierte Person in einer teuer aussehenden Robe. Und eine Gestalt in Rüstung und einem gewaltigen Zweihänder mit böse aussehender Klinge. Und diese Person tritt durch das Gitter, als wäre es Luft und macht nicht denn Eindruck, als ob er mit uns reden möchte.

„Wir werden alle nicht gesehen!“ rezitiere ich und mache die notwendigen Arkanen Gesten. Das wird uns die notwendige Zeit erkaufen, unsere Schutzzauber hochzufahren. „Beeilt euch!“ „Möge Tymora uns beschützen!“ „Tempus, gib mir deine Macht!“, schallt es aus den Mündern meiner Kameraden. Wir begeben uns in eine defensive Position. Lia prüft nach, ob die Gitterstäbe auch für uns durchlässig sind, was sie leider aber nicht sind. Verdammnis!

Der kleine Novize bekommt von Dolon seine zweihändige Axt überlassen und er pirscht sich vorsichtig an den Ritter an. Dieser haut etwas auf Ryan herum und trifft ihn sogar trotz der Schutzzauber. „Schild!“, rezitiere ich und eine leuchtende Scheibe bildet sich an meinem linken Unterarm. Mit gezogenem Rapier beginne ich den Ritter zu umkreisen. Schon sehr bald merke ich, dass es keine gute Idee ist, ihm in den Rücken zu fallen. Meine Klinge rutscht an seiner Panzerung einfach ab und er bewegt sich im letzten Moment immer so schnell, dass ich keine kritischen Zonen anvisieren kann. Allerdings geht er mir hinterher und berührt mich. Einen Herzschlag später hat sich die Szene vollständig geändert. Der Ritter ist verschwunden, Dolon und Ryan sind schwer verletzt und heilen sich. So wie es aussieht, hat er mich für zwei Dutzend Herzschläge einfach aus der Zeit entfernt. Lia genau so. Ich bin irgendwie frustriert. Finsternis!

Inzwischen ist das grüne Leuchten vollständig verschwunden und der maskierte Mann mit Robe kommt zu uns. „Zeitreisende, seit willkommen im all ewigen Jhaamdath! Möge der große Dahlien auch noch in tausend Jahren herrschen!“
„Hä?“ Xana hatte wohl recht gehabt, wir sind tatsächlich im alten Jhaamdath. Wir bekommen von Hofmeister Mathras, so heißt der Maskierte, zu hören, dass wir 1002 Jahre in der Vergangenheit sind und gerade durch ein Zeitportal gestolpert sind. Na prima! Wir sind wohl nicht die ersten Zeitreisenden. Vor gar nicht allzu langer Zeit war ein gewisser Luvius hier, ein finsterer Kerl, der wohl ein sehr wertvolles Buch hat mitgehen lassen. Ein gewisser Golgothan Codex, der aus dem gleichnamigen elfischen Hain stammt, vom Klingenmeister Dahlien höchstpersönlich gefunden. „Und, wisst ihr zufällig etwas darüber?“
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 09. Januar 2009, 14:45:20
24. Nachtal Das Jahr der grauen Wölfe -270 TZ Klingenturm

Ich übernehme das Reden und bleibe halbwegs bei der Wahrheit, lasse aber viele uns belastende Details großzügig aus. Luvius wurde hingerichtet, der Codex ist nun bei einem elfischen Clan. Hofmeister Mathras meint, wir sollten bei unserer Rückkehr für die Vernichtung dieses Buches sorgen. So was auch. 

Wir bekommen noch zu hören, dass die Götter etwas gegen Zeitreisen haben, deswegen hat uns der Zeitwächter auch angegriffen. Um das ganze hier nicht schlimmer zu machen, sollen wir nichts über die Zukunft erzählen, weil die Götter sonst eingreifen und einen selbst und alle, mit denen man geredet hat, aus der Zeit entfernen, was wohl kein besonders gesundheitsfördernder Schritt ist. Danke für die Warnung. Es ist ziemlich warm für eine Nacht im Nachttal und schon bald schwitzen wir. Ich lege meinen schweren Mantel ab. Wir bekommen Quartiere im Klingenturm zugewiesen. Das besondere an diesem Turm ist, dass er in allen Zwölf Städten gleichzeitig existiert. Ich kapiere nicht ganz, wie das funktioniert, aber es scheint wohl zu funktionieren.

Das Quartier besteht aus einem Wohnzimmer, drei Schlafzimmern und einem Bad. Wir legen uns erstmal schlafen und harren der Dinge, die geschehen werden. Am nächsten Morgen werden zum Arkanen Rat zitiert. Das sind sechs Magier, die dem Klingenmeister unterstellt sind. Aha? Wir werden durch den Turm geführt und landen schließlich in einem schattigen Raum. Richtig unheimlich, die Leute hier scheinen weniger mit dem Gewebe, so wie Xana, ich und jeder andere normale Arkane Zauberwirker, sondern mehr mit dem Schattengewebe zu zaubern. Finsternis.

Vor dem Eingang sind schwarze Wimpel angebracht und genauso dunkel geht es da drin weiter. Sechs Magier erwarten uns, in schwarze Roben gehüllt, ihre Gesichter im Dunkel der Kapuzen verborgen. Vier davon scheinen uralt zu sein, einer ist vielleicht um die Vierzig und der letzte könnte ein Kind sein. Oder ein Halbling? Wir selber stehen in einem Kegel aus diffusem Licht, was es noch schwerer macht, etwas jenseits davon zu erkennen. Aber es ist ein Wispern und Flüstern aus Dutzenden verschiedener Quellen zu hören. Wahrscheinlich Schatten. Irgendwie muss ich da an Herrn Fröhlich denken.

Wir bekommen einige Fragen gestellt, meist geht es dabei um Luvius, der wohl einen bleibenden Eindruck mit dem Diebstahl des Codex’ gemacht hat. Wir bekommen zu hören, dass Klingenmeister Dahlien höchstselbst zwei ganze Tage mit der Entzifferung des Textes zugebracht hat und danach dann jeden getötet hat, der mit ihm im Raum war. Dann hob er eine Legion seiner besten Krieger aus und brachte das Buch zum Turm. Nach der Beendigung dieser Aufgabe erschuf er den Jäger aus der Kraft seiner Gedanken und löschte die Legion aus. Danach wurde der Jäger losgeschickt, jeden zu töten, der jemals mit dem Buch in Kontakt gekommen ist. Verdammnis!

Anschließend nach dieser Geschichte wird das Orakel befragt, wie mit uns zu verfahren ist. Unzählige Stimmen erheben sich um uns. „Tötet sie, denn sie bringen den Untergang!“ „Lasst sie gewähren, denn sie bringen die Rettung!“ Unzählige weitere Stimmen, die das eine, das andere, oder was dazwischen fordern. Tolles Orakel so was . Das Urteil lautet, dass wir in fünf Tagen in unsere Zeit zurückkehren müssen. Früher wird sich das Portal nicht öffnen. Na immerhin etwas. Wir werden aus dem dunklen Raum mit den wispernden Schatten wieder nach draußen geleitet. Puh, das war da drin echt gruselig.

Es gibt hier eine gigantische Bibliothek, also nichts wie hin. Über einige Gänge und ein Dutzend Flure kommen wir in diesen Ort. Ich grabe mich durch einen Wust an Rollen über Psionische Konstrukte. Über den „Jäger“ selbst ist kaum etwas zu erfahren. Allgemein kann man über Psionische Konstrukte nur sagen, dass sie total unterschiedlich sein können. Die Bandbreite reicht von groß wie ein Insekt bis zum kleinen Drachen. Manche sind Nahkampfmonster, andere schleudern Energien. Da dieses Ding mit einer ganzen Legion fertig wurde, dürfte es gut im Nahkampf sein, da es mit mächtigen Elfen fertig wird, recht starke Abwehrkräfte gegenüber Magie haben. Während ich mich da durchackere, durchstreift Xana die Bibliothek nach Klassikern und kommt mit der Zwölfbändigen Ausgabe der Klingenmeister angerannt. Die wäre unglaublich wertvoll und müsste so schnell wie möglich kopiert werden. Wie gut, dass sie beim Thema bleibt. Finsternis! Ich verspreche ihr aber trotzdem, für morgen den Schreibgehilfen zu memorieren.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 12. Januar 2009, 10:29:49
24. Nachtal Das Jahr der grauen Wölfe -270 TZ Klingenturm

Dolon und Ryan haben sich etwas durch die aktuelle Geschichte und die Struktur des Reiches durchgearbeitet. Brühwarm kommt die Nachricht, dass der hiesige Geheimdienst „Ungesehene Seher“ heißt. Ach du Mist! Das kann nicht sein. War mein Orden mal eine geheime Polizei? Das ist ja was. „Ungesehenes gesehen!“ spreche ich meinen Zauber und tatsächlich hat einer der hiesigen Schreiber das Symbol auf der Kutte. Unter einem Vorwand verdrücke ich mich und nehme mit meinem „Bruder“ Kontakt auf. Zuerst kann er mir einige spezifischere Informationen über den „Jäger“ geben. Dieser sei unsichtbar, bis er zum ersten Mal angreift. Er kündigt sich mit einem lauten Brüllen an, um seine Opfer in Angst und Schrecken zu versetzen. Der Jäger scheint größer als ein Mensch zu sein, wirklich gesehen und überlebt hat ihn noch niemand aus der Nähe. Es gibt widersprüchliche Aussagen über sein Aussehen. Möglich, dass der Jäger die Form wechseln kann. Und ich kriege noch gesagt, dass die Ältesten mich schon erwarten. Ich bekomme eine Beschreibung, wie ich die okkulare Bibliothek finde. Ich habe keine Ahnung, was das genau ist, aber wahrscheinlich das „Archiv“, zu dem ich keinen Zugang habe.

Nun gut, ich mache mich auf dem Weg und sehe dann zwei Stockwerke tiefer das Symbol an einer Türe. Ich klopfe an und werde in eine kleine Schreibstube eingelassen. Irgendwie habe ich mir das größer vorgestellt. Aber natürlich ist das nicht die okkulare Bibliothek, sondern nur der Raum, wo ein Portal steht, das aus sechs Steinen angeordnet wird. Der Bruder des Ordens rezitiert aus dem Kopf eine Formel, welche ein schwarzes Feld im Boden projiziert, wo ich einfach hinein trete. Ich versinke im Boden und komme in einer gemauerten Nische wieder hinaus. Ein anderer Bruder erwartet mich und führt mich zu den Ältesten. Ich sehe mich um und kann dem Gespräch mit dem Bruder entnehmen, dass wir uns in einer Taschendimension befinden. Die Bibliothek selbst scheint allein im Archivbereich gigantische Ausmaße zu haben. Regal reiht sich an Regal, darin Rolle an Rolle. Schließlich geht es in ein Labyrinth, welches an einen dunklen Schacht endet. Vier Plattformen schweben vor mir leicht erhöht. Auf jeder steht ein sehr alter Mensch, drei sind Männer, einer eine Frau. Die Ältesten sind Bewahrer des Wissens, lebende Archive, welche mehrere hundert Jahre alt werden können.

Ich werde gefragt, ob ich eine Botschaft von den Ältesten der Zukunft habe. Leider nicht. Aber woher sollten die das auch wissen, dass ich ganz zufällig durch ein Zeitportal fallen würde?
„Da der Orden noch existiert, wird auch verzeichnet sein, dass du diese Reise unternehmen wirst. Wenn die Ältesten es für nötig befunden haben, dir keine Botschaft mit zu geben, ist das ein gutes Zeichen, dass wir auch noch in tausend Jahren unsere Arbeit gut verrichten.“
Ich verkneife mir eine gegenteilige Aussage, da ich von den Göttern nicht ausradiert werden möchte. Hier gebe es sicherlich die notwendigen Mittel, um den letzten Schlag der Elfen zu vereiteln oder eine Eskalation zu verhindern. Weiter kriege ich zu hören, dass ein Mitglied des arkanen Rates meiner Gruppe gerade eine Einladung zum Abendessen überbringt. Wir sollen da sehr auf der Hut sein. Werden wir.

Ich werde wieder hinaus geführt und erzähle dem Rest dann, was ich erfahren habe, über den Jäger und das wir bei diesem Deflan, dessen Einladung gerade überstellt wird, sehr vorsichtig sein müssen. Das wird noch ein langer Tag. Da wir eigentlich alles erfahren haben, was möglich ist, ziehen wir uns zurück, um uns etwas zu erfrischen. Lia drängelt sich vor mit dem Bad und es dauert nicht lange, bis sie empört aufkreischt. Ich nix wie hin und tatsächlich lauert im großen Spiegel im Bad ein Spanner, der mich aus dem Spiegel heraus angrinst. Dieser Ort steckt voller Überraschungen.

Der Spiegelmann stellt sich als Rafflan vor, ehemals einer der sechs Klingenherrscher, welche vom Klingenmeister Dahlien in die Spiegel gesperrt wurden. Welch gemeine Strafe, Blick in jedes Schlafgemach einer Dame zu haben, aber nie mehr als zusehen zu können. Sieht er ähnlich. Wie auch immer, er warnt uns auch vor den Schattenmagier Deflan, nicht alle seine Gäste seien wieder aufgetaucht. Wie gut, dass ich Gift entdecken memoriert habe.
Titel: Re: Der Test der Zeit
Beitrag von: Nakago am 14. Januar 2009, 14:04:39
25. Nachtal Das Jahr der grauen Wölfe -270 TZ Klingenturm

Wir machen uns schick und dann geht es los über endlose Flure und Treppenfluchten. Novize Jordan will aber nicht mitkommen. Das Ganze ist ihm zu gruselig und er will sich lieber an den Früchten in der Schale in unserem Wohnzimmer gütlich tun. Kann ich verstehen, also gehen wir alleine den weiten Weg. Nun gut, so weit ist es gar nicht, denn wir laufen weniger, als wir normal müssten. Die Dimensionen des Turms stimmen nicht wirklich mit der Wirklichkeit überein. Wie sollten sie auch, da der Turm gleichzeitig in zwölf Städten steht? Unsere Udoklian Wächter, die Elitewächter des Turms, liefern uns am Wohnkomplex von Magier Deflan ab. Frech wie ich bin, mache ich die Türe auf und trete ein. Auch hier ist mehr Schatten als Licht. Öllampen spenden diffuses Licht und der Raum ist mit Tüchern verhangen. Zwischen zwei Tüchern tritt ein Wesen hervor, das ein Langschwert in der Hand hat. Es ist in schwarze Kleidung gehüllt und das Gesicht ist bis auf die weißgelblichen Augen mit Bandagen bedeckt. Ein Mensch ist das nicht. Und reden kann er wohl auch nicht, da er uns nur anglotzt, als wir mit ihm zu reden versuchen.

Hinter uns schiebt sich eine weitere Gestalt in den Raum. „Keine Angst, ich bin Schattenschmied Telex und das ist nur ein Diener.“ Er macht eine herrische Geste und tatsächlich senkt das Ding sein Schwert und tritt beiseite. Hinter Telex wackeln zwei weitere kleine Gestalten hinein, sie tragen zusammen einen großen Rucksack. Hierbei handelt es sich nach Telex Aussage um eine gezüchtete Dienerrasse.

„Und welchen Namen tragen sie?“

„Habe ich mir noch groß keine Gedanken gemacht. Aber ich denke mal, das dunkle Volk trifft es ganz gut.“ Das dunkle Volk? Irgendwo klingelt es, kann es aber nicht einordnen. Wir werden nun zu unserem eigentlichen Gastgeber geführt. Wir warten in einem Raum mit acht Plätzen. Die Stirnseiten l