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Workshop => Story Hour => Thema gestartet von: Nakago am 29. Juli 2012, 18:52:07

Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 29. Juli 2012, 18:52:07
Die Fahrten der Audacia

Vorwort

Dies sind die Abenteuer unserer RPG Freihändlerrunde, grob basierend auf den Originalregeln von Rouge Trader, allerdings stark von unserem SL modifiziert. Die Abenteuer sind von unserem SL selbst erdacht, so erübrigt sich eine Spoilerwarnung auf offizielle Abenteuer. Das ist nun mein drittes RPG Kampangentagebuch nach "Rackers (nicht ganz so) kleinem Tagebuch" mit dem System Shadowrun 3rd und "Test der Zeit" D&D 3.5. Dieses Werk hat rein gar nichts mit "Das Schwinden" zu tun, auch wenn sicherlich der Charakter von Lino Lope bei der Erschaffung von Flavion Conari in einigen Punkten Pate stand. Der SL hat "Das Schwinden" nie gelesen, so sind einige Parallelen rein zufällig und nicht beabsichtigt. Vor jedem Kapitel stelle ich die Rubrik Übersicht in einem Spoiler. Darin ist eine Personenliste zu finden, ebenso die vorkommenden Schiffe und spezifische Örtlichkeiten. Für vollen Lesespaß ist ein gewisses Grundwissen über die Welt von Warhammer 40000 nicht verkehrt.

Updates erst mal immer Montags, Mittwochs und am Freitag. Da die letzten Sitzungen eher unergiebig waren, wird die Frequenz später auf zwei Updates in der Woche sinken, um den kontinuierlichen Nachschub zu gewährleisten. An jedem Kapitelanfang werde ich eine aktuelle Übersicht über vorkommende Personen, Fraktionen, Schiffe und Örtlichkeiten bringen. Viel Spaß nun beim Lesen. Wie immer ist Feedback willkommen.


Übersicht
Spoiler (Anzeigen)

Band I
Kapitel 1
Durch den Schlund
Position:
Imperium
Wanderershafen
Quartier
Zeit: 3 324 783.M41

Endlich bin ich in der Weltraumstation mit dem Namen Wanderershafen angekommen. Zwei lange Monate hat meine Reise von Scintilla, des Zentrums des Calixis Sektors bis nach Wanderershafen am Schlund gekostet. Nach allgemeiner Auffassung gilt das als überaus schneller Transfer. Der Schlund ist die Bezeichnung für die einzig bekannte sichere Passage durch die Warpstürme zu den vom Imperator verlassenen Halosternen der Koronusweite. Und hinter dem Schlund liegt Aufbruch, wo mein zukünftiges Kommando auf mich wartet. die Audacia, das Flaggschiff der Flotte des mächtigen Hauses Conari. Wobei Flaggschiff vielleicht irreführend ist, da meine Familie letztendlich nur noch dieses eine Schiff wirklich unterhält. Bis jetzt hatte mein glückloser Onkel Ravion Conari das Kommando inne, welcher den Langmut meines Vaters, seines älteren Bruders und Anführer unseres Familienclans, wohl nach dreißig Jahren der Erfolgslosigkeit etwas zu sehr strapaziert hat. Eigentlich sollte mein drei Jahre älterer Bruder Novus das Kommando übernehmen, aber sein Transport ist seit knapp zwei Jahren im Schlund verschollen. Inzwischen gibt es keine realistische Hoffnung mehr, dass er noch lebendig auftauchen könnte. Wobei Warpreisen äußerst tückisch sein können. Manche Transfers dauern tausende von Jahren, andere nur wenige Minuten. Nun liegt es an mir, den berüchtigten Schlund zu durchqueren und die Audacia zu neuem Ruhm und Reichtum zu führen. Besonders der letzte Punkt ist meine primäre Aufgabe. Profit machen, um die üppig gefüllte Familienkasse meines Hauses noch praller zu füllen. Ich bin stolz darauf, dass mein Vater Taurion letztendlich mich ausgewählt hat, nachdem ich mich jahrelang mit dem übelsten Gesindel habe herumschlagen müssen, mit denen meine Familie halblegale Geschäfte macht.

Aber vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen. Mein Name ist Flavion Conari. Noch nie von mir gehört? Nun, das wird sich noch ändern und zwar schon verdammt bald! Ich wurde als das achte Kind meiner Mutter auf der untersten Ebene der Makropole Tarsus auf Scintilla, der Perle der Golgenna Welten und Hauptwelt des Calixissektors geboren. Aber keine Angst, jetzt kommt kein Geheule über die Schrecken, die in der Dunkelheit lauern, von Kannibalismus und finsteren Ritualen an dunkle falsche Götter, welche die primitiven abergläubischen Bewohner solch abgelegener Orte sonst allgemein frönen. Nein, wer in den untersten Ebene der Makropole Tarsus geboren wird, gehört zum Adel und damit zur wohlhabenden herrschenden Elite der Welt Scintilla. Denn diese Makropole steht in der Nähe des Äquators in einer trostlosen und äußerst lebensfeindlichen Wüste. Unbarmherzig brennt die Sonne auf die Außenhabs herunter und ein ungeschützter Mensch wird in der prallen Sonne innerhalb weniger Minuten lebendig gebraten. Und das ist keine Übertreibung, sondern eine beliebte Art der Hinrichtung, die nichts kostet. Tür auf, Gefangener raus, Tür zu und der Rest erledigt die Sonne innerhalb weniger Minuten für umsonst.

Wo in anderen Makropolen die Reichen wohnen, leben hier die ärmsten der Armen und die Ausgestoßenen in einer lebensfeindlichen Gluthölle. Je weiter man nach unten und ins Innere kommt, desto kühler wird es, bis am Grund Minusgrade herrschen und wir Adligen uns in teure Mäntel aus dem exquisiten Pelz exotischer Todesweltbestien hüllen. Die Kälte wird künstlich erzeugt und ist eine bewährte Maßnahme gegen die Besitzlosen, die sich nach unten verirren. Jeder erfrorener Abschaum ist ein Dieb und Aufrührer weniger.

Meine Familie hat diese Makropole mit aufgebaut, gehört zu den ältesten und mächtigsten im Sektor Calixis. Mein Urahn war ebenfalls der achte Spross seines adligen Vaters gewesen und hat sein Glück in der Imperialen Flotte gesucht. Sein Schiff gehörte zu den Verbänden, welche den Angevin Kreuzzug bildeten. Diese Militärkampange führt schließlich zur Eroberung des Calixis Sektor. Admiral Flavion "der Große" Conari brachte es weit nach oben, so weit, dass er dem amtierenden Anführer des Kreuzzuges, General Drusus, gefährlich wurde. Was tut man mit einem Mann, der den eigenen Posten bedroht? Man befördert ihn nach ganz weit weg. Dem später heiliggesprochenen General Drusus gelang das, indem er meinen Urahn einen Freihändlerbrief ausstellte und ein Schiff schenkte, mit der Erlaubnis, die Halosterne und Weiten jenseits des Calixissektors zu erforschen. So ein guter Taktiker mein Vorfahr auch war, ein wirklich gutes Händchen für das Freihändlergeschäft hatte er nicht. Schon bald wanderte der Brief an seinen ältesten Sohn weiter, während er sich lieber um die Errichtung einer Machtbasis für sein eigenes Adelshaus auf Scintilla kümmerte. Heute hat die Familie Conari großen Einfluss im Merovech Kartell und wir haben ausgedehnte Besitzungen auf vielen Welten in den Weiten Golgennas, des Subsektors, über den Scintilla ebenfalls herrscht.

Ich habe vier Brüder und drei Schwestern, dazu hat mein Vater mit seinen Konkubinen eine kleine Armee an Bastarden gezeugt. Aber diese gehören nicht wirklich zur Familie, sondern eher zu unserem Besitz. Schon früh lernte ich, was es bedeutet, von Adel zu sein. Jederzeit war eine Gouvernante, ein Kindermädchen und ein Leibdiener, in anderen Sektoren nennt man so etwas Lebenswart, mit dem Namen Caine um mich bemüht. Meine Mutter selbst bekam ich selten zu Gesicht, so dass es kein Wunder war, dass ich meine Gouvernante für meine richtige Mutter hielt und zu meinem Leibdiener selbst heute ein emotionaleres Verhältnis als zu meinem Vater habe. Sobald die dynastischen Notwendigkeiten wie Erbe, Haustruppen und Einfluss in Form eines Offizierspatents bei der imperialen Flotte versorgt sind, werden überzählige Söhne nur als eine Art von Ersatzreserve angesehen.

Mein ältester Bruder heißt Quintus und ist einundzwanzig Jahre älter. Er ist der Erbe des Hauses und hat selbst schon einen Stall von Kindern, eheliche und Bastarde. Schon früh wurde er in die Familiengeschäfte einbezogen und ist heute die rechte Hand meines Vaters. Inzwischen laufen alle wichtigen Geschäfte über ihn, während Vater sich Stück für Stück aus dem Tagesgeschäft zurückzieht und die Leitung des Familienrates inne hat. Er zieht die Fäden im Verborgenen und kümmert sich um die politischen Angelegenheiten des Hauses Conari.

Meine Schwestern Anella, Octia und die jüngste Zethania sind früh mit je einem Verbündeten verheiratet worden. Bündnisse werden in meinen Kreisen nun mal gerne mit Hochzeiten besiegelt, denn nur Blut webt wirkliche Bande.

Mein Bruder Gallus kommandiert die Haustruppen und Tellus ist aus politischem Familienkalkül der Imperialen Flotte beigetreten und hat eine steile Karriere hingelegt. Inzwischen kommandiert er eine Fregatte der Calixis Sektorflotte. In jeder Generation der Conari dient seit jeher ein Mitglied der Familie in der Sektorflotte.

Ich bin der jüngste Bruder und hatte das "Vergnügen", mich mit dem zwielichtigeren Gesindel herum zu schlagen, mit dem meine Familie im Geheimen ihre Geschäfte macht. Nicht alles sollte man in der Öffentlichkeit abhandeln, besonders wenn es um heiklere Geschäftsfelder geht, die sich im halblegalen Graubereich befinden. Und da ich der jüngste war, durfte ich dieses Geschäftssegment von meinem Bruder Novus übernehmen, nachdem er für unseren ältesten Bruder Quintus so was wie ein bevollmächtigter Gehilfe und Stellvertreter wurde. Bis dieser schließlich vom Familienrat zum zukünftigen Lordkapitän der Audacia ausgewählt wurde. Ich nehme an, dass er schon früh insgeheim darauf vorbereitet wurde, die Führung über die Audacia zu übernehmen und so das kaufmännische Rüstzeug erhielt.

Irgendjemand muss ja die Drecksarbeit machen und da ich der jüngste legale Spross meines Vaters bin, blieb diese "Ehre" nun an mir hängen. Meist traf ich mich mit zwielichtigem Gesindel in dunklen Hinterzimmern, handelte mit Dingen, welche die Offiziellen nicht im Licht sehen möchten, aber die letztendlich doch den Schattenmarkt insgeheim tolerieren, solange es die öffentliche Ordnung nicht stört. Auch führte ich einige Aktionen aus, um insgeheim feindliche Häuser zu schädigen. Einige Zeit hatte ich als mobile Basis ein Luftschiff unter meinem Kommando. Und zu guter Letzt durfte ich auch meine Familie in rechtlichen Streitigkeiten mit anderen Häusern vertreten. Nein, ich bin kein Advokat oder Rechtsgelehrter, sondern auf Scintilla werden juristische Spitzfindigkeiten mit der Schärfe des Schwertes in offiziellen Duellen in Arenen vor Zeugen, sprich Publikum, ausgetragen. Man konnte so etwas natürlich auch einem Kämpen überlassen, aber es gehört zum guten Ton, wenn ein Familienmitglied des Hauses diese ehrenvolle Aufgabe übernimmt. Mehr als ein gutes Dutzend juristischer Auseinandersetzungen konnte ich so in den letzten Jahren für meine Familie zu ihren Gunsten entscheiden. Ganz so schlecht scheine ich mich insgesamt in meinem Aufgabenbereich im letzten Jahrzehnt nicht geschlagen zu haben, denn ich darf nun nach Beschluss des Familienrates das Kommando über die Audacia übernehmen, nachdem mein Bruder Novus seit dem Antritt zum Transfer durch den Schlund verschollen ist. Das war nun vor über zwei Jahren. Sein Schicksal ist immer noch ungeklärt und bietet Anlass zur Spekulation. Natürlich ist es nicht gerade schön, der Ersatz vom Ersatz zu sein, aber letztendlich liegt es nun an mir, mich in den Geschichtsbüchern als Lordkapitän der Audacia zu verewigen. Dies ist die Chance, auf die ich mein ganzes Leben gewartet habe. Endlich kann ich beweisen, dass ich zu höherem bestimmt bin. Schon immer war.

Gerade habe ich ein Gespräch mit einem gewissen Solun Ares geführt, großer breitschultriger Mann, Ex-Militär. Ein Gefolgsmann meines Bruders, welcher auf Wanderhafen verletzungsbedingt zurückbleiben musste, während Novus mit seinem restlichen Gefolge aufgebrochen war. Meister Ares hat mir von seiner letzten Mission im Dienste meines Bruders berichtet, als er Informationen über einen gewissen Renuka beschaffen sollte. Lordkapitän Renuka hat einen äußerst zweifelhaften Ruf. Ein paar seiner Vorfahren waren überführte Häretiker und sind auf dem Scheiterhaufen geläutert worden, während die Familie den Großteil ihre Privilegien hatte behalten dürfen. Da ist im Hintergrund bestimmt einiges wie Erpressung, Bestechung und das Einfordern uralter Gefallen gelaufen. Aber dieser Renuka ist nicht nur wegen seiner Vorfahren berüchtigt, sondern auch als Schmuggler und als ein Mann, der es mit den Imperialen Gesetzen nicht wirklich genau nimmt. Aber dies ist in dieser Gegend eher Normal und keiner wirklichen Erwähnung wert. Auf alle Fälle lief Meister Ares wohl einem unsanktionierten Psioniker aus dem Gefolge Renukas über den Weg und wurde ganz profan abgestochen. Nicht gerade eine Empfehlung für einen Magister Militaris. Aber mein Bruder hat diesem Mann vertraut, also habe ich ihn in mein Gefolge übernommen, da ich keinen wirklichen militärischen Anführer in meinen Reihen  habe. Morgen werden wir endlich die Passage mit der "Ruhige Gezeiten" durch den Schlund antreten. Mein Leibdiener Caine ist etwas in Sorge, da ihm der Name nicht behagt. Ein Schiff sollte einen kämpferischen Namen tragen, wie "Wellenbrecher" und nicht wie ein Stoßgebet klingen. Nun, leider ist die "Ruhige Gezeiten" der einzige Transfer in den nächsten Tagen durch den Schlund. Und ich will hier nicht länger in Wanderershafen warten. Zeit ist Geld und die Geduld meiner Familie ist nicht unendlich.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 30. Juli 2012, 15:18:47
Position:
Transfer durch den Schlund
Orbit über der Hexenfluchwelt
Transportschiff "Ruhige Gezeiten"
Quartier
Zeit: 8 333 783.M41

Zwei Tage sind wir nun schon im Transfer durch den berüchtigten Schlund. Der Kabinenbereich ist bar jeden Komforts. Ich hause mit meinen beiden Konkubinen in einem besseren Loch, eine wirklich angemessene Kabine kann man dieses Ensemble wahrlich nicht nennen, das von unserem Gepäck vollgestellt ist. Besonders meine beiden Begleiterinnen haben einiges an Garderobe mit. Einkaufengehen in den gehobenen Geschäften von Tarsus war eines ihrer liebsten Hobbys zu Hause. Egal wie voll die Wandschränke auch immer waren, zum anziehen hatten sie immer nichts. Aus irgend einem Grund kann Frau nach einem halben Jahr das eigentlich gute und einst sehr teure Kleidungsstück nicht mehr anziehen, weil es aus der Mode, die Farbe nicht zur neuen Handtasche passt oder irgendjemand anders tatsächlich das gleiche Kleid hat. Ich hege die Vermutung dass meine beiden Schätzchen mehr für ihre Garderobe mehr Throne ausgeben als manch Gouverneur für den Verteidigungshaushalt.

Mit einigen Stofffahnen und Wandteppichen ist es meinem Gefolge gelungen, dieser Kajüte wenigstens einen kleinen Hauch von Wohnlichkeit abzutrotzen. Einer der größeren Rollkoffer enthält meinen persönlichen Schrein, an dem ich sehr hänge. Das Fundament besteht aus einem Pflasterstein, auf dem einst der heilige Drusus gestanden haben soll. So etwas behauptet jedenfalls das Zertifikat des Schreines, den ich in der Kathedrale des Lichtes gekauft habe, nachdem ich auf die harte Tour gelernt hatte, dass ich nicht unsterblich bin. Das Gehäuse besteht aus handwerklich gut zusammengesetzten  Trümmerstücken von berühmten Schlachtfeldern des Angevin Kreuzzuges. Jedes Stück ist auf dem Zertifikat verewigt mit Herkunftsort und geschichtlichen Daten versehen. Im oberen, gotischen Dachfirst befindet sich eine kleine Einbuchtung mit einem Glasbehälter, welches ein Haar des heiligen Drusus enthält. Auf dem Behälter ist ein Echtheitssiegel der Ekklesiarchie angebracht, welches die Authentizität der Reliquie bestätigt, die wirklich teuer genug war. Aber da ein normaler Mensch über hunderttausend Haare hat und diese mit etwa einen Zentimeter pro Monat wachsen, kann man sich vorstellen, wie viele Millionen dieser Reliquien es im Sektor verstreut gibt. Diese Behälter mit verifizierten echten Haaren lagern im Tempelladen der Kathedrale des Lichtes zu Tarsus zu Tausenden, um von den wohlhaben Pilgern und Bewohnern der Stadt gekauft zu werden. Im Innern des Schreins steht eine kleine Statue des Imperators aus Gold. Die Verzierungen der wuchtigen Rüstung sind mit Edelsteinen ausgelegt. Sein ausgestrecktes Schwert kann wirklich brennen, wenn man einen kleinen Maschinengeist mit dem richtigen Ritual im Schrein erweckt und dafür sorgt, dass der kleine Behälter im Sockel immer mit Promethium gefüllt ist. Auf der linken inneren Flügeltür ist der Heilige Drusus in einer Elfenbeinschnitzerei zu sehen. Auf der rechten Seite Praetor Angevin, der ursprüngliche Initiator und Namensgeber des Angevinischen Kreuzzuges. Sind die Türen geschlossen, so ist der zwölfzackige Kreis des Imperiums zu sehen, im Zentrum das Wappen meiner Familie, ein Rabe mit ausgebreiteten Flügeln, der die Krallen in einen Planeten schlägt. In einer kleinen Opferschale aus gehämmerten Gold dampft etwas Weihrauch vor sich hin, um den üblen Geruch der dreckigen Siedler unter uns ein wenig zu dämpfen.

Die schwarzhaarige Carmina tigert mit ihren hochhackigen Stöckelschuhen auf und ab. Das Klack, Klack, Klack ihrer Schritte treibt mich langsam aber sicher in den Wahnsinn. Sie trägt unter ihrem roten raffiniert an beiden Beinen geschlitzten langen Kleid ein enges rotes Korsett mit schwarzen Bändern, das ihre Taille betont und ihre festen Brüste in eine augengefällige Form bringt. In dem roten Kleid aus Spinnenseide ist mit goldenen Fäden ein Muster in der Form eines sich windenden Weltraumleviathans eingesponnen, der einem Raumschiff hinterher jagt. In der Hand hält sie ihre reich verzierte Violine, mit der sie mich eigentlich musikalisch unterhalten sollte. Aber da von unteren billigen Quartieren immer wieder lautes Kindergeschrei und Babygeplärr hochschalt, ist ihr die Lust zum musizieren gründlich vergangen. Mit einem gemurmelten Fluch verpackt sie ihr Musikinstrument, nur um gleich wieder ihre Wanderung durch das Zimmer aufzunehmen.

Die blonde Josephina hingegen vertreibt uns die Zeit damit, mir aus den Legenden von Kapitän Sebastian Winterscale vorzulesen. Dieser Mann, welcher in der gesamten Koronusweite eine Legende ist, hat einiges erlebt. Auf jedem Transfer erschlug er Raubtiere aus dem Warp im Dutzend und auf jedem Planeten tötete er Horden von habgroßen Monstern. Und manchmal hat er dafür nichts weiter gebraucht als seinen Zahnstocher aus Elfenbein. Josephina trägt nur ein weises Korsett mit schwarzen Schnüren und ein hauchdünnes Spitzenhöschen, das eher betont als verdeckt. Da sie quer zu mir auf dem Bauch im breiten Bett liegt, habe ich einen ungetrübten Blick auf ihr knackiges, bis auf einen sehr dünnen Stoffstreifen unbedecktem Hinterteil und ihren Ausschnitt, der sich sehen lassen kann. Ihre Haare fallen einem goldenen Wasserfall gleich über ihre weißen Schultern. Wie ein unschuldiger Teenager hat sie ihre rosigen Füßchen in der Luft gekreuzt und lässt sie vor und zurück wippen. Sie weiß, dass sie dadurch sehr sexy aussieht.

Sinnierend blicke ich dem Rauch meines Lho-Stäbchens hinterher, während der aromatische Rauch meine Lungen kitzelt. Angeblich soll der Genuss dieser Stäbchen negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben, aber der Geruch des Rauches überdeckt besser die Ausdünstungen der anderen Passagiere als der Weihrauch. Die Decks unter uns sind voll mit ungewaschenen Siedlern, die in der Weite ihr Glück suchen. Meine beiden Leibwächter Cussak, der auch mein Bannerträger ist, und Braddock haben alle Hände voll zu tun, den erbärmlichen Pöbel unten zu halten, ohne die Leichenhallen mit deren dreckigen Kadavern zu füllen. Im anderen Raum haben es sich mein Leibdiener Caine, mein glatzköpfiger Koch Lungini mit seiner jungen rothaarigen Gehilfin Colette bequem gemacht. Auch die Meisterin der Leere Althea Puppila und mein neuer Zugang Solun Ares befinden sich dort. Althea ist deutlich kleiner als meine hochgewachsenen Konkubinen und trägt ihr bräunliches Haar in einen armselig einfallslosen Pferdeschwanz gebunden, über den besonders Carmina gerne herzieht. Meinen Gefährtinnen kribbelt es in den Händen, sich Althea mal so richtig vorzunehmen, sie in vorteilhafte Kleidung zu hüllen und ihr Haar so zu frisieren, dass es nicht wie bei einem kleinen Scholamädchen aus der zweiten Klasse aussieht. Solun Ares ist ein breit gebauter Mann und man sieht ihm durch sein Gehabe an, dass er aus den Reihen der Imperialen Armee stammt. Allerdings scheint er mir zu jung, um ehrenhaft entlassen zu sein. Aber die Koronusweite ist voll von Deserteuren und nicht jedem liegt es, für den Imperator einen schrecklichen Tod auf dem Schlachtfeld zu erleiden.

Hinter dem kleinen Fenster meiner Kabine ist die Hexenfluchwelt zu sehen, da wir gerade wieder im Realraum sind, während der nächste Sprung durch den Schlund vorbereitet wird. Die Hexenfluchwelt ist ein sonnenloser Planet, dessen Atmosphäre sich als Eispanzer auf die Oberfläche gelegt hat. Dort unten ist eine verlassene Station von Astrophanten, die angeblich immer noch sendet. Deswegen hat diese Welt einen äußerst schlechten Ruf und der Name Hexenfluchwelt hat seine Berechtigung. Die "Ruhige Gezeiten" wird von einem äußerst langweiligen Familienclan mit dem Namen Lorendis betrieben. Hier ist irgendwie jeder mit jedem verwandt und ich möchte gar nicht sehen, was sich nach Generationen des Inzests in den schwarzen Zwischendecks so alles herumtreiben mag.

"Carmina, Liebes, bist du so nett und hörst auf, in der Kabine so herum zu tigern?", bitte ich sie, nachdem sie einfach nicht von selbst aufhört, hin und her zu trippeln.
"Diese Kabine ist viel zu klein!" Wütend wirft sie die Arme anklagend nach oben und haut mit der geballten Faust auf die niedrige Decke, als ob die was dafür könnte.
"Das änderst du aber nicht dadurch, dass du mit diesem ewigen Klack, Klack, Klack deiner Stöckelschuhe hin und her läufst.", erwidere ich. Sie schüttelt ihre Schuhe von den Füßen und läuft barfuß weiter hin und her, was kaum Geräusche macht.

"So besser?" fragt sie in ein Tonfall der mich fragen lässt, wer hier Herr und wer Sklavin ist. Für einen Moment ziehe ich es in Erwägung, ob sie es bewusst darauf anlegt, von mir bestraft zu werden. Aber ich denke eher, dass dieser Transfer ihr noch mehr auf die Nerven geht als mir. Besonders die Behandlung auf diesem Teil der Reise. Bisher hatten wir immer eine ganze Zimmerflucht mit standesgemäßen Ambiente für uns. Aber hier hat man es tatsächlich gewagt, mich in dieses Loch zu stecken. Dies ist eben ein fast reiner Frachter, der meist nur Passagiere für diese Gemeinschaftsquartiere mitnimmt. Und aus irgendeinem Grund gibt es hier das Bordgesetz, dass Passagiere nur in diesem Bereich untergebracht werden dürfen. Mir war dieser Umstand beim buchen der Passage durchaus bewusst, da dieser Transfer eben nun mal dem Faktor Zeit am meisten entgegen gekommen ist. Ich muss so schnell wie möglich nach Aufbruch, um mein Kommando übernehmen zu können. Und diese Phase der Unannehmlichkeit ist eben der Preis dafür. Was Carmina wirklich sauer macht, ist nicht die Enge des Quartiers oder dass sie sich nur mit einem Schwamm an einer Schüssel kalten Wasser waschen kann. Sondern sie sieht dieses Quartier als permanente Missachtung des adligen Status meiner Person an. Eine nicht gut zu machende Beleidigung ihres geliebten Herrn. Also sehe ich Großzügig über den Tonfall meiner Konkubine hinweg und ignoriere sie erst einmal. Aus Erfahrung weiß ich, dass solche Launen nach einer gewissen Zeit von selbst auflösen, ohne das ich was dafür tun muss.

"In der Tat. Josephina, sei ein Schatz und fahre bitte fort, die fantastischen Geschichten des Sebastian Winterscales vorzulesen."
"Gibt es eigentlich nichts Anderes zu lesen als diesen Unsinn? Die Geschichten sind doch eh alle gleich. Winterscale bricht auf, wird von Warpraubtieren oder Piraten oder Renegaten oder Ketzern oder Xenos oder von allen Fraktionen gleichzeitig überfallen und er verarbeitet sie im Alleingang zu blutigem Matsch. Augen, Innereien und Gliedmaßen fliegen dabei durch die Gegend und Blut spritzt an Wände, den Boden und die Decke. Und sobald er auf einem Planeten voller Schätze ankommt, wird er von riesigen Ungeheuern überfallen, die er mit seinem Zahnstocher im Vorbeigehen spektakulär blutig in ihre Einzelteile zerlegt.", beschwert sich Carmina und zu einem gewissen Teil hat sie sicherlich recht.

"Nun, die Geschichten sind sicherlich Maßlos übertrieben. Der Autor hat die Geschichten von Leuten, die sie von Leuten haben, die sie wiederrum von anderen Leuten haben, die vielleicht mal dabei gewesen waren oder auch nicht. Und jeder hat die Geschichte etwas ausgeschmückt, um sie spannender und interessanter zu machen. Aber einige dieser Legenden haben einen wahren Kern, eine Information, die vielleicht mal etwas wert sein könnte. Schließlich hat Sebastian Winterscale vor seinem Verschwinden einen gigantischen Schatz versteckt.", erkläre ich.

"Und die Karte hat er in fünf Teile geteilt und sie seinen vertrautesten Offizieren seiner zurückbleibenden Flotte in Verwahrung gegeben. Und wenn man alle seitdem aufgetauchten angeblich originalen Kartenstücke zusammenheften würde, könnte man damit alle Wohnungen von Tarsus tapezieren. Nur Narren jagen diesem Schatz hinterher.", meint meine Konkubine abgeklärt und macht deutlich, dass sie ihr hübsches Köpfchen nicht nur dafür benutzt, ihren schönen und gepflegten schwarzen Haaren halt zu geben.

"Und ich habe wahrlich Besseres zu tun, als Karten zu sammeln. Dabei weiß ja noch nicht einmal jemand wirklich, aus was der Schatz eigentlich besteht.", erwidere ich und inhaliere mit einen weiteren Zug aromatischen Rauch.

"Wahrscheinlich aus einem Satz seiner elfenbeinernen Zahnstocher.", scherzt Josephina und bringt mich zum Lachen.

"Womöglich. Nun gut, ich habe hier noch Leerenrecht, das inspirierende Handbuch für den Schiffskapitän. Und als Highlight, Thules kleiner Leitfaden für die richtigen Rituale um Maschinengeister zu besänftigen, herumliegen. Wäre dir diese Lektüre angenehmer?", frage ich sie foppend und nippe an meinem Amasec, während ich mein Lho-Stäbchen im Aschenbecher ausdrücke.

"Leerenrecht kann mit zwei Paragraphen zusammen fassen. Paragraph 1, der Lordkapitän hat immer Recht. Paragraph 2, sollte der Lordkapitän ausnahmsweise mal nicht Recht haben, so greift Paragraph 1.", erklärt mir die schwarzhaarige Frau die Feinheiten des Rechtssystems auf einem Schiff.

"Nun ja, das Buch wiegt nicht fünfzehn Kilo und hat über tausend Seiten, weil es nur zwei Paragraphen enthält, die Sache ist schon etwas komplizierter." Der in einem Buchdeckel aus vergoldetem polierten Messing eingeschlagene Wälzer liegt neben mir auf dem Nachtschränkchen, ein gutes Dutzend verschiedenfarbiger Lesezeichen aus mit Elektrum durchwirkter Seide zeigen die Stellen an, mit denen ich mich die letzten Wochen intensiver beschäftigt habe. Inzwischen habe ich mich ziemlich gut in diese Materie eingearbeitet. Sicherlich hat ein Lordkapitän seine Rechtsexperten, aber ich war immer der Aufsicht, ein Mann sollte in seinem Aufgabenbereich so viel wie möglich alleine erledigen können. Carmina streckt mir zur Antwort ihre äußerst geschickte Zunge heraus, die sie oft besser einzusetzen weiß als in dieser Situation.

Unser kleines Geplänkel wird plötzlich rüde unterbrochen, als eine starke Erschütterung das Schiff durchläuft. Carmina muss sich an einem ihrer Kofferschränke festhalten, während Josephina überrascht und erschreckt einen kleinen spitzen Schrei ausstößt. Irritiert schwinge ich mich vom Bett herunter und stehe auf. Sind wir von einem Asteroiden getroffen worden? Kurz darauf reißt uns ein weiterer und viel stärkerer Stoß von den Beinen. Thron! Einer von Carminas Schrankkoffern fällt um und der Deckel platzt auf. Ein Teil ihrer überaus opulenten und wirklich teuren Garderobe verteilt sich unschön über den Boden. Meine schwarzhaarige Mätresse kommentiert das Geschehen mit einem äußerst interessanten Fluch. Aus der anderen Kabine ist das Scheppern von Töpfen und das Klirren von zerspringendem Geschirr zu hören. Ebenso zerspringt meine noch halbvolle Flasche mit dem wirklich köstlichen Amasec der Marke "Red Star Prime" auf dem Boden und der war wirklich verdammt teuer gewesen. Welch Verschwendung! Außerdem sind entfernt die typischen Geräusche zu hören, wenn sich Schotte automatisch schließen. Das sehe ich mal als kein gutes Zeichen an. Wir scheinen ernsthaft in Schwierigkeiten zu sein.

"Thron! Was war das denn jetzt?" Ich rapple mich auf, streiche meinen prächtigen roten Hausmantel über meiner von Meistern ihres Faches gefertigten Rüstung glatt, angle mir mein bequem in Reichweite hängendes Wehrgehänge und lege den schweren Gürtel an. In zwei Holstern steckt je eine Bolt- und Plasmapistole. Ein Schwert mit einer Parierstange, die wie Aquila geformt ist, rundet meine Bewaffnung ab. Ein Mann in meiner Position hat seine Waffen immer griffbereit und diese Angewohnheit hat mir schon mehr als einmal das Leben gerettet. Ebenso, dass ich fast immer meine Rüstung unter meiner feinen Kleidung trage. Inzwischen spüre ich das Gewicht davon kaum noch, was wohl auch daran liegt, dass ich über die Kondition eines Berufskämpfers verfüge. So gerüstet gehe ich in die andere Kabine dieses Deckes. Der Stapel mit den Utensilien meines Koches ist in Bewegung geraten und Kochgeschirr umgeben von einem Haufen Scherben bedeckt den Boden. Was für ein Schlamassel.
"Mädels, zieht sofort eure feste Kleidung an!" befehle ich meinen Konkubinen, da hier zu viele scharfkantige Sachen herum liegen, um Barfuß laufen zu können.

"Ich fürchte, wir werden beschossen, Meister Flavion!", meint Caine mit sonorer Stimme, als würde er verkünden, dass sich das Abendessen um fünf Minuten verspäten würde. Mein Leibdiener Caine ist wie immer tadellos im schwarzroten Livree meines Hauses gekleidet. Auf seiner Brust befindet sich das Wappen meines Hauses, den Raben auf einer Welt sitzend, umgeben von einem Kreis mit zwölf Zacken. Seine einst dunklen Haare sind ergraut und er ist glatt rasiert. Ich selbst trage einen gestutzten Vollbart, während ich meine schwarzen Haare nach hinten gekämmt trage. Aus praktischen Gründen trage ich sie nicht so lang, wie es vielleicht gerade auf Scintilla Mode ist.

"Gerade jetzt, wo ich mich schon daran gewöhnt habe, dass nichts Interessantes mehr passieren wird.", merke ich im ruhigen Tonfall an und versuche, durch eines der Kabinenfenster etwas zu entdecken. Aber da ist nur die Schwärze der Leere und das Licht in der Kabine ist nicht gerade hilfreich, wenn man im leeren schwarzen Raum etwas erkennen möchte. Ganz abgesehen von den gigantischen Entfernungen, die da draußen herrschen. Auf alle Fälle beginnt nun eine Sirene, mit einem äußerst unangenehmen hohen Ton zu heulen. Panische Stimmen der Siedler sind von unten zu hören und dann fängt Colette, die kleine rothaarige Gehilfin meines Leibkoches, an zu kreischen, als ob sie mit der Sirene einen Wettbewerb um das hässlichste Geräusch abhalten wollte. Die Jugendliche im schwarzen Kleid mit weißer Schürze zeigt mit bleicher Miene und mit zitternder ausgestrecktem Zeigefinger auf die Außenwand, an der sich nun die Konturen von Gesichtern abzeichnen. Nein, das ist kein gutes Zeichen. Imperator, steh uns bei!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 01. August 2012, 18:02:15
Position:
Transfer durch den Schlund
Orbit über der Hexenfluchwelt
Transportschiff "Ruhige Gezeiten"
Quartier
Zeit: 8 333 783.M41

Ich ziehe mein schlankes Energieschwert "Rabenklaue" aus seiner mit Goldfäden verstärkten Scheide aus geschwärztem Leder. Dieses geschmeidige Material stammt von einer von mir eigenhändig auf Mortressa erlegten Todesweltbestie, die mich beinahe getötet hätte, dieses verdammte Mistding. Indem ich den Kopf des Aquila drücke, dessen ausgebreite goldene Flügel die Parierstange meines Schwertes bilden, aktiviere ich die Energiezelle. Dazu sage ich eine kurze Litanei auf, um den Maschinengeist darin zu motivieren, seinen Dienst aufzunehmen. Ein blaue Funken sprühendes Energiefeld baut sich entlang der doppelschneidigen Klinge auf, da der Maschinengeist wohl guter Dinge ist. Der von vielen Generationen Gebrauch abgenutzte Schwertknauf sieht aus wie ein schwarzer Rabenkopf, wobei die Augen rote Diamanten bilden und der Schnabel vergoldet ist. Mit diesem Schwert in der Form eines Anderthalbhänders habe ich siebenundzwanzig siegreiche Duelle absolviert und ebenso viele Menschen getötet. Neunzehn Männer, sieben Frauen und etwas, wo ich mir nicht sicher bin, ob es nun Mann oder Frau oder Beides war.

Es ist, als würde ein Kind mit einem aufgehängten Laken, das an einer Wäscheleine hängt, spielen und seinen Gesicht dagegen drücken. Nur besteht die Außenwand aus gehärtetem Ferrostahl und nicht aus dem leicht verformbaren Stoff eines Bettlakens. Die Gesichter drücken sich durch und auf einmal schweben mehrere schwarze Schädel im Raum. In ihren Augenhöhlen glimmt ein unheilverkündendes blaues Leuchten. Das ist ein äußerst beängstigtes Erlebnis. Meine Pilotin kriegt einen Schreikrampf und rennt kreischend in meine Kabine. Autsch, das ewige Gekreische von Weibern tut verdammt in den Ohren weh. Auch mir schlottern die Knie und meine Angst ist nicht unbegründet. Einer der Schädel schießt zu plötzlich auf mich zu, um noch mit dem Schwert eine Barriere aus Stahl zu errichten. Das Ding aus einem Albtraum zischt an der Klingen von Rabenklaue vorbei und verbeißt sich in meinem Arm. Dabei scheint es so, als ob ich keinerlei hochwertige Rüstung aus geschichtetem Ceramit und Adamantium unter meinem guten roten Mantel mit den Goldlitzen tragen würde. Thronverdammt!
 
"Imperator! Steh mir bei!", keuche ich schmerzerfüllt auf. Eine Grabeskälte breitet sich in meinem Arm um die Bissstelle herum aus. Mir gelingt es, den verdammten Schädel abzuschütteln und auf Distanz zu halben. Solun schafft es mit seiner Handfeuerwaffe, den bei mir schwebenden Schädel abzuschießen. Guter Schuss! Caine versucht mir gut zuzureden, reduziert aber meine Angst gegenüber diesen Widernatürlichkeiten aus dem Warp leider in keinster Weise. Thron!

"Ich schwöre alle zu töten, die mich zu töten versuchen.", rufe ich eine hier passende Litanei und mache mir etwas Mut. Die Wunde fängt an ziemlich zu schmerzen und Blut tropft aus dem Ärmel heraus zu Boden. Ich bewege mich mit dem Schwert auf einen Schädel zu, der es auf meine Carmina abgesehen hat, die sich neugierig mit in diesen Raum bewegt hat, die wenigstens wieder Schuhe an ihren Füßen hat. Ich spüre das typische Kribbeln, wenn sich ein Gellerfeld aufbaut. Das kann nur bedeuten, dass die "Ruhige Gezeiten" einen Notfallsprung vorbereitet. Dummerweise sind die Sichtdeckungen vor den Fenstern nicht geschlossen. Der Anblick des Warps ist nichts, was man sehen sollte. Nur Navigatoren können durch die Mutation ihres dritten Auges das Immaterium blicken, ohne wahnsinnig zu werden.

"Beim Thron! Schließt die Fensterschotte! Sofort!", befehle ich mit so ruhiger Stimme wie möglich und versuche die in mir aufkeimende Panik nieder zu kämpfen. Der verdammte Schädel, der es auf Carmina abgesehen hatte, wird von mir abgelenkt und kommt in meine Reichweite. Schnell zuckt mein Schwert mit der Spitze voran auf dieses Ding zu. Gekonnt durchbohre ich es mit Rabenklaue. Der Schädel zerplatzt einfach in einer Wolke aus schwarzem Rauch, als meine Klinge durch eine der blau leuchtenden Augenhöhlen fährt. Ha! Der Imperator steht eben jenen bei, die bereit sind, mit seinem gepriesenen Namen auf den Lippen zu kämpfen. Ich trete ein Schritt zurück und achte darauf, nichts von diesem sich schnell zerfasernden Dampf zu inhalieren. So langsam kehrt mein Selbstvertrauen zurück. Diese Unnatürlichkeiten können mit ehrlichem Stahl in der Hand eines gottesfürchtigen Untertan unseres geliebten Imperators vernichtet werden.

In dem Moment flackern die Lampen und verlöschen dann. So etwas wie eine Notfallbeleuchtung scheinen die hier nicht zu haben oder die dafür zuständigen Maschinengeister sind momentan ob der fehlenden Rituale missgelaunt. Da der letzte Schädel ziemlich laut heult, kann ich ihn gut genug orten, um mich seiner Attacken zu erwehren. Auch sorgt das Energiefeld des Schwertes für etwas Licht. Ebenso ist das unnatürliche Glühen der Augen des Dinges auszumachen. Derweil werden die Fensterschotte geschlossen und jemand entzündet eine Funzel, welche wenigstens für etwas Licht sorgt.

Dann gibt es den typischen Schlag, gefolgt von einem beunruhigenden Knirschen, als die Warptriebwerke der "Ruhige Gezeiten" den Realraum aufreißen und wir in den Warp eintreten. Auch der letzte Schädel wird endlich zur Strecke gebracht, als dieser von einem Laserstrahl getroffen in einem hellen Blitz einfach verpufft. Das war mein Bannerträger Cussak, der sich endlich daran erinnert hat, dass er nicht nur mein Banner trägt, sondern auch die Pflicht hat, mich zu beschützen. Aber lieber Spät als nie.

"Der Imperator ist unser führendes Licht
Ein Leuchtfeuer der Hoffnung für die Menschheit in einer Galaxie der Dunkelheit
So wie wir ihm dienen
so dient er uns
Und beten wir zu ihm,
sind seine Gedanken bei uns.
Und in der Dunkelheit, wenn Schatten drohen
Da ist der Imperator mit uns, im Geiste und in Wahrheit.", rezitiere ich, um wieder Mut zu sammeln. Das war jetzt wirklich haarig gewesen. Ich bin noch ganz durch den Wind, mein Herz pocht viel zu schnell in meiner Brust und ich muss ganz schnell zur Toilette. Ich hoffe mal, dass wir im Warp den Feind abschütteln können. Kaum denke ich das, durchläuft ein weiterer harter Schlag das Schiff, diesmal kann ich mich auf den Beinen halten. Es gibt einen ganz schönen Knall und dann ist zu spüren, wie das Gellerfeld ausfällt. Thron!

Es gibt nicht wirklich viel Schlimmeres, als ein im Warptransfer ausfallendes Gellerfeld. Wie jeder Gottimperatorfürchtige Untertan unseres lebendigen Gottes, der auf Terra auf seinem goldenen Thron sitzt, weiß, lauern im Immaterium schreckliche, abartige Wesenheiten, vor denen uns der Imperator schützt. Hauptsächlich, indem er seinen treuen Untertanen das Wissen um das Gellerfeld gegeben hat, welche die unnatürlichen Raubtiere des Warps draußen hält, da diese geistlosen Kreaturen nur sehr schwer dieses Feld aus gefangener Realität durchdringen können. Und jetzt haben wir keinen Schutz mehr. Außerdem ist es erstaunlich, dass die Angreifer uns sofort hinterher springen und das Gefecht hier im Warp fortsetzen konnten. Normalerweise ist es in dieser Umgebung praktisch unmöglich, Kanonenbatterien gezielt abzufeuern und auch die kriegerischen Maschinengeister eines autarken Torpedos kommen nicht mit den Verhältnissen zurecht, welche im Empyrean herrschen. Allerdings gibt es einen uralten Feind aller gottesfürchtiger Menschen, dem ich das zutraue, dem Erzfeind! Thron von Terra! Steh uns bei in dieser dunklen Stunde!

Kaum habe ich das zu Ende gedacht, kracht es unter uns gewaltig. Im Passagierdeck der Pilger muss es einen Einschlag gegeben haben. Allerdings werden wir nicht Bruchteile später von gigantischen Schrapnellen zerrissen. Auch tobt kein Feuersturm durch unser Abteil. Das Ausbleiben einer Explosion nach einem Einschlag lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass wir gerade geentert worden sind. Und da Enterschiffe in der Regel zu klein für ein Gellerfeld sind, verheißt das in dieser Umgebung nichts Gutes. Ich fange nicht nur an um mein Leben zu fürchten, sondern auch um meine unsterbliche Seele. Möge der Imperator mich beschützen. Und natürlich mein Gefolge aus mir treu ergebenen Frauen und Männern.

"Zerschmetterte den Feind! Vernichte den Gegner! Für den Imperator bringen wir den Tod!", rufe ich, einen Schlachtruf der Imperialen Armee ausleihend, um mir und meinen Leuten etwas Mut zu spenden. Mit aufrechtem Hass im Herzen führe ich die kleine Gruppe meiner kämpfenden Gefolgsleute bestehend aus Ares Solun, Cussak und Braddock zur Treppe nach unten. Kaum sind wir an der Treppe, kommt Althea schreiend aus meiner Kabine gelaufen. Das verheißt nichts Gutes. Ein durchscheinender Wurm verfolgt sie, umkreist sie kurz und schießt dann auf Josephina los, die sich in ihren seidenen Morgenmantel gehüllt hat und Pantöffelchen trägt. Thron!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 03. August 2012, 14:34:25
Position:
Transfer durch den Schlund
Orbit über der Hexenfluchwelt
Transportschiff "Ruhige Gezeiten"
Quartier
Zeit: 8 333 783.M41

Der buntschillernde Wurm ohne wirklich reale Substanz windet sich nun kurz unschlüssig vor Josephina und verschmäht schließlich auch sie. Meine Konkubine wankt bleich vor Schreck zurück in meine Kabine. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem seltsamen Ding ein verdorbenes Raubtier aus dem Warp. Solun verdreht die Augen und fällt im Angesicht dieses unreinen Dings einfach in Ohnmacht. Auch mir kommt die Galle hoch und ein panisches Zittern durchläuft mich. Aber ich habe mich gut genug im Griff, um nicht loszuschreien oder mein Heil in der Flucht zu suchen. Auch schaffe ich es, mir nicht in die Hose zu machen. Und in dem Licht kann niemand meine Angst sehen. Ich bin verdammt nochmal ein Conari, von hohem Adel und habe eine Vorbildsfunktion, also reiße ich mich im Angesicht dieser unheiligen Kreatur zusammen. Derweil hat sich der Wurm mehrmals in der Kabine gedreht und schießt dann auf meinen Bannerträger Cussak zu. Der schreit panisch auf und in den weit offen stehenden Mund schießt der Wurm in ihn hinein. Nein, nicht Cussak! Cussak war mein erster Leibwächter und dient mir schon seit fünfzehn Jahren treu. Wir haben viel gemeinsam erlebt und er hat mir mehr als einmal das Leben gerettet, als ich noch unerfahren war.

Angeblich können Raubtiere des Warps unter Umständen Menschen besetzen. Cussak schreit immer noch panisch und sieht sich hektisch um. "Wo ist es hin? Wo ist es hin?" Ich ziehe schweren Herzens meine Plasmapistole "Rabenschwinge" und entsichere sie mit einer kurzen Litanei des Hochfahrens. Ich kann mir denken, wo der Wurm hin ist und das gefällt mir ganz und gar nicht. Aber habe ich eine Alternative? Ein blaues Leuchten geht von den Kühlrippen des Erbstückes aus, als das Plasma vom vor Erregung vibrierenden Maschinengeist augenblicklich auf Kampftemperatur erhitzt wird. In dem Moment dringen weitere dieser fliegenden Schädel in die Kabine ein. Thron! Nimmt das heute kein Ende mehr?

Mein treuer Bannerträger zerplatzt regelrecht, als sich aus seinem Körper eine Abscheulichkeit heraus windet. Wie in dem Buch über Sebastian Winterscale verteilt sich Blut, Fleisch und Innereien unmalerisch über Boden, Wände und Decke. Auch ich bekomme einiges von dem ab, was einst mein treuer Gefährte Cussak gewesen war. Weiteres Gekreische von meinem weiblichen Gefolge und auch Lungini kann verdammt laut schreien. So ist es nun an mir, der ruhende Pol in diesem Chaos zu sein. Ich bin ein Conari und mein Glaube an den Gottimperator wie an den Profit ist unerschütterlich. Diesmal beherrsche ich mich, ziele ruhig und überlade meine Pistole. Zwei ultraheiße Plasmageschosse schießen auf das Ziel zu. Im letzten Moment biegt sich der Wurm zur Seite und nur eines der blauen Kugeln trifft es. Leider ist die Wirkung nicht wirklich berauschend. (Doppeleins beim Schaden und der zweite Schuss ging um 1% daneben, was für ein verdammtes Pech!) Die Widernatürlichkeit ist nun vollständig in diesem Zimmer manifestiert. Jedenfalls glaube ich das. Dieses verdammte Raubtier des Warps hat mehrere Mäuler mit großen, nach Innen gebogenen Zähnen, aus deren Schlund blaue Flammen schlagen. Es scheint sich die ganze Zeit in sich zu winden und zu verändern. Thronverdammt!

Braddock schießt mit seinem Lasergewehr im Salvenfeuer auf das Ding, was allerdings keinerlei brauchbare Resultate hervorbringt, bis auf den Umstand, dass Tentakel sich bilden und auf Braddock zu peitschen. Der wird davon umschlungen und von den Beinen gerissen. Derweil ziehe ich meine Boltpistole, die ich in den Tiefen der Markthallen von Stahlstadt erworben habe und feure eine kurze Salve massereaktiver sehr teurer Geschosse ab. Jedes der mit Deuterium angereicherten Projektile im Kaliber 20mm ist eine sorgfältige Handarbeit von einem Meister seines Faches und entsprechend teuer im Einkaufspreis. Aber um dieses Ding zu vernichten, ist mir nichts zu teuer, da es meinen treuen und langjährigen Gefolgsmann Cussak nicht nur getötet, sondern wahrscheinlich auch seiner unsterblichen Seele beraubt hat. Sollte ich jemals wieder zivilisierten Boden betreten, werde ich einen Gedenkgottesdienst für ihn abhalten lassen. Der ohnmächtige Solun kommt wieder zu sich, rappelt sich auf und bequemt sich, seine Throne zu verdienen.
"Allsehender Imperator steh uns bei in dieser schweren Stunde und hilf uns dabei, unsere Gefallenen mit rechtschaffenem Hass in unserem Herzen zu rächen!", skandiere ich laut vor mich hin und sammle neuen Mut.

Althea lugt hinter einem Stapel Gepäckstücke hervor und eröffnet nun mit großem Enthusiasmus das Feuer mit ihrer Boltpistole, nachdem sie offensichtlich ihre Angst endlich erfolgreich überwunden hat. Ihre Salven liegen gut im Ziel, allerdings ist die Wirkung auf dieses abartige Wesen eher gering. Hier und da bilden sich Krater im Balg der Kreatur, die sich aber fast augenblicklich wieder mit blauem Fleisch füllen. Ich habe schon ungeschützte Menschen nach dem Einschlag eines solchen 20mm massereaktiven Geschosses aufplatzen sehen und da das Ding keiner Panzerung trägt, müssten die Treffer es eigentlich in Stücke reißen. Diese Raubtiere aus dem Warp haben ihren schrecklichen Ruf nicht von ungefähr. Wenn mit Deuterium angereicherte Geschosse nichts ausrichten, ist es Zeit für die gute alte Handarbeit. Mein getreuer Braddock ist kurz davor, von dieser Kreatur verschlungen zu werden. Das Vieh speit mir eine Lohe aus blauen Flammen entgegen, unter die ich mich geschickt weg ducke. Der heiße Hauch aus der Hölle fährt über mich hinweg und versengt die Rückseite meines guten Mantels und auch ein paar meine Haare dürften sich kräuseln. Momenten bin ich jenseits der Angst und ich konzentriere mich nur auf mein rechtschaffenes Werk. Der Imperator ist an meiner Seite und sein wohlwollender Blick ruht auf mir. In seinem Angesicht kann ich nur siegen, denn Versagen ist keine Option. Mein Schwert springt regelrecht in meine rechte Hand, nachdem ich die Boltpistole in die Linke gewechselt habe.

"Stirb im Namen des Imperators! Du verdammte Kreatur aus dem Abgrund der Verdammnis wirst nun mit meinem rechtschaffenen Zorn geläutert!" Mit einem kraftvollen Hieb mit der energiesprühenden Klinge meines Schwertes Rabenklaue durchtrenne ich die Tentakel, welche den stämmigen Braddock umschlungen halten. Der kann sich nun endlich aus der Umklammerung befreien und kriecht panisch von dem unreinen Ding weg. Die abgeschlagenen Tentakel winden sich kurz, als wären sie allesamt lebendige Schlangen, bleiben dann aber zuckend liegen, bevor das unreine Fleisch beginnt Blasen zu werfen und sich aufzulösen. Der Magister Militaris hat inzwischen aus seinem Gepäck seinen Melter heraus gekramt und heizt nun der Kreatur wortwörtlich ordentlich ein. Ein heißer Strahl zischt haarscharf an mir vorbei und reißt ein großes Loch in den verdrehten Leib des Feuerspuckers. Das hat er gespürt, auch wenn der zähe Bastard immer noch lebt. Diese Wesen aus dem Warp sind wahrlich von unheiliger Energie erfüllt, dass sie sogar einen Treffer einer Waffe widerstehen können, die einen Kampfpanzer vernichten kann. Aber wir haben etwas, was diese Dinger nicht haben, einen Imperator, der uns beschützt!

"Imperator auf Terra!", brülle ich und versenke mein Energieschwert in dessen primäres Maul. Tief fährt die Klinge durch den vermeintlichen Kopf und ich scheine wichtige Dinge darin zu treffen. Das war zu viel für dieses Monster und es zerfällt in eine blaue Masse aus Schleim, welche Blasen wirft und zu dampfen anfängt, wie schon zuvor die abgetrennten Tentakel. Der Geruch ist äußerst widerlich und ich kann gerade so mein exzellentes Frühstück in mir behalten. Von unten sind weiter panische Schreie zu hören. Einen kurzen Moment überzeuge ich mich, dass es meinen Leuten soweit gut geht. Josephina hat sich zitternd hinter das Bett in meiner Kabine zurückgezogen, Carmina ist vollkommen bleich und Tränen haben ihr perfektes Make Up zerstört. Der vor Angst zitterende Lungini hält die hysterisch schluchzende Colette im Arm und versucht, seine Gehilfin vergeblich zu trösten. Caine steht wie ein unerschütterlicher Fels in der Brandung und Braddock hat sich wieder eingekriegt. Ich hebe meine Plasmapistole wieder auf und stürme nach unten. "Mir nach! Tod unseren Feinden! Für den Imperator! Für das Haus Conari! Nicht mal ein toter Feind ist ein guter Feind!" Das mit dem Stürmen wird recht schnell zu einer zähen Angelegenheit, da ein Haufen panischer Siedler uns entgegen kommt. Verbissen kämpfe ich mich auf das nächste Deck vor. Das ist das unterste Passagierdeck, hier ist das Maul eines Landungsschiffes zu sehen. Isolierender aufgesprühter Schaum hält das Vakuum draußen, da wir nun endlich in den Realraum zurück gefallen sind. Der Feind ist gar schrecklich mutiert. Mir ist es nicht möglich, sie länger als eine Sekunde direkt anzusehen, da ihr Anblick einfach für einen Rechtgläubigen nicht zu ertragen ist. Statt Hände hat er Unterarme aus Stahl, die wie Schwerter geformt sind. Mir ist nicht ganz klar, ob sie ihre Gliedmaßen amputiert und mit Klingen ersetzt haben oder ob dies unnatürlich gewachsene Verlängerungen ihrer Arme sind. Sie sind mit blutverkrusteten zerflederten Sachen bekleidet, von dem ich nicht sagen kann, was dies einst war. Nicht einmal die ursprüngliche Farbe ist zu erahnen. Ich bin nicht sicher, ob diese Dinger nun Mutanten, Falschmenschen, Xenos, Raubtiere aus dem Warp, der Erzfeind oder etwas anderes Unreines ist. Letztendlich ist das auch vollkommen, egal welches Mal der Verdammnis sie tragen, da ich weiß, dass ich sie im Namen des unsterblichen Gottimperators der Menschheit austilgen muss. Caine hat mir vor vielen Jahren als ich noch ein kleiner Junge war erklärt, an was man die Feinde der Menschheit erkennt. Sieht es nicht so aus wie ein Mensch, dann töte es, denn der Imperator befiehlt es. Schieße als erster, schieße weiter und schieße auch als letzter. So steht es in den heiligen Büchern geschrieben und so handelt ein gottesfürchtiger Untertan des Imperators im guten Glauben und ohne zu zögern.

"Ich schwöre alle zu töten, die mich zu töten versuchen.", rufe ich und bewege mich schießend auf die abscheulichen Widerwärtigkeiten zu, welche sich mit großer Brutalität blutig durch die Pilger schneiden und hacken, die sich in wahnwitzigen Mut dem Erzfeind entgegen gestellt haben. Diese haben sich wahrlich einen Platz beim Imperator verdient.

"Mir nach! Tötet sie alle! Keine Gnade, kein Mitleid, kein Erbarmen. Füllt Eure Herzen mit rechtschaffenen Hass! Für den Erzfeind gibt es nur den Tod aus unserer Hand!" Die 20m Geschosse aus meiner Boltpistole lassen Schädel zerplatzen, reißen Glieder ab und fetzen Gedärme aus den Torsos der Unreinen. Die halten deutlich weniger aus als das Ding, welches Cussak getötet hat. Aber unser Gegenangriff ist nichts weiter als ein Tropfen auf dem heißen Stein, da für jeden niedergeschossenen Feind zwei neue an seine Stelle treten. Diesen Kampf können wir nicht gewinnen. - Imperator, steh uns bei in dieser finsteren Stunde, wo uns die Schatten jenseits des Schleiers drohen! -
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 06. August 2012, 12:47:14
Position:
Havariert im Schlund
Orbit über der Hexenfluchwelt
Transportschiff "Ruhige Gezeiten"
Pilgerdeck
Zeit: 8 333 783.M41

"Rückzug", brülle ich, als ich einsehe, dass wir zu wenige sind, diesen Ansturm aufzuhalten. Auch geht mir so langsam aber sicher auch die Munition aus. Oben habe eine ganze Kiste davon, was mir hier aber momentan nichts nutzt. Schießend ziehen wir uns auf die Treppe zurück, lassen die letzten fliehenden Pilger passieren und schließen das Schott hinter uns. Alles, was jetzt an Pilgern unten ist, hat keine Zukunft mehr. Wir verschweißen das Schott und ich lasse im Zwischendeck aus dem Gepäck der Siedler eine Barrikade vor der Treppe zu meinem Quartier errichten. Einige der Pilger kann ich motivieren, uns zu helfen. Kaum sind wir fertig und haben uns hinter der Deckung kampfbereit gemacht, bekommen wir unerfreuliche Gesellschaft. Allerdings bequemt sich der Feind nicht, durch das zugeschweißte Schott über die Treppe zu kommen, wo wir sie im konzentrierten Feuer so lange beschossen hätten, bis sie mit ihren Leichen den Treppenaufgang verstopfen. Aber so zuvorkommend ist der Erzfeind nicht. Sondern diese Schwertmutanten arbeiten sich durch das Metall hindurch, als ob sie sich an die Oberfläche eines Sees kämpfen würden. Dabei ist der Boden aus massivem Ferrostahl. Boden oder Wände sind nach dem Durchdringen weder beschädigt oder verformt.

Einer der Siedler, der hier die Stellung hält, fängt deswegen an gellend zu schreien, als sein Verstand sich weigert, das Unmögliche zu akzeptieren. Ich kann es ihm nicht wirklich übel nehmen, da dies wahrlich ein äußerst verstörender Anblick ist. Niemand sollte so etwas können. Natürlich bin auch ich erschüttert, aber es gelingt mir, meine Angst erfolgreich nieder zu kämpfen. Es ist nicht gut, wenn der Anführer bleich wie ein Häufchen Elend vor sich hin schlottert. Ich habe zu inspirieren, zu führen und mit gutem Beispiel voran zu gehen. Caine hat mich gelehrt, die angesehensten Anführer stehen vorne an der Seite ihrer Männer, wenn die Scheiße am dampfen ist. Clevere Anführer führen allerdings dagegen von hinten und lassen andere ihre Fehler ausbluten. Aber in der Weite wird ein Mann nach seinem Ruf beurteilt und ich will als mutiger Mann gelten und nicht als ein Feigling, der andere seine blutige Arbeit erledigen lässt.

"Feuer frei! Jeder Schuss zählt! Tötet sie im Namen des Gottimperators!", brülle ich und strecke eines der Monster mit einer gut gezielten Plasmaslave nieder. Das Plasma brennte Löcher in den unheiligen Balg und lässt dann das unreine Fleisch in Flammen aufgehen. Es riecht wie in den Fleischbuden auf den Basaren von Tarsus. Ein weiterer zerplatzt im Feuerhagel massereaktiver Geschoss von Althea, unterstützt vom Lasergewehrfeuersalven einiger tapferer Siedler und ein weiterer Erzfeind wird von Solun Ares mit dem Melter eingeschmolzen. Der Gestank nach brennenden Fleisch der Unreinen, das Ozon der Laserschüsse und den Antriebsgasen der massereaktiven Geschosse der Boltpistolen wird schier unerträglich. Aber dann sind die Schwertmutanten auch schon beinahe heran. Zwei werden noch während ihres Sturmangriffs in unserem konzentrieren Abwehrfeuer niedergestreckt und ich empfange sie mit gezücktem Schwert.

Ein brutaler Nahkampf entbrennt. Einer der Mutanten kommt auf mich zugestürmt, beide Schwertarme zum Schlag erhoben. Diese zischen mit großer Wucht auf mich zu. Funken sprühen, als ich den ersten Hieb der beiden Klingen gekonnt pariere. Mit aller Kraft stoße ich dieses Ding zurück und spalte ihn mit einem schnellen Zornhau vom oberen Tag aus den Schädel Ihre Arme mochten aus geschliffenen Stahl sein, ihre Köpfe sind es nicht. Ein weiterer Unreiner springt mich mit ausgestreckten Schwertarmen regelrecht an um mich aufzuspießen. Ich ducke mich unter seinen vorschnellenden Klingen hindurch und spieße ihn im Gegenzug mit einem schnellen Zucken meiner Klinge auf, nachdem er mich passiert hat. Wieder einer weniger. Rabenklaue dringt bis zu den Krallen des Aquila der Parierstange in das verdorbene Fleisch ein. Mit alle Kraft drehe ich die Klinge und drücke sie ausweidend nach oben. Die Kreatur stirbt unter großen Schmerzen, während seine Innereien auf den Boden klatschen. Mit dem Fuß drücke ich gegen seinen Leib und befreie mit einem Ruck das Schwert aus seinem makelbehafteten Fleisch.

Auch meine Kameraden halten blutige Ernte unter den Unreinen und ihr Angriff prallt an unserem rechtschaffenen Hass ab. Wir haben gewonnen, drei Siedler sind gefallen, zwei so schwer verwundet, dass sie sterben werden. Ein geringer Preis im Angesicht des Sieges über den Erzfeind. Der Melter hat ein paar Löcher in den Boden geschmolzen. Falls das Landungsschiff ablegt, dringt dann durch diese Öffnungen Vakuum ein. Ich spähe hindurch und kann sehen, wie die Leichen der bedauernswerten Siedler brutal verstümmelt werden und einige unglückselige Überlebende schreiend in das Landungsboot geschleift werden. Auch wenn es nur einfache Menschen sind, so ein Schicksal verdient niemand. Für einen Gegenangriff sind wir immer noch zu wenige, also bleibt mir nichts anderes übrig, als diese Menschen schweren Herzens ihrem Schicksal zu überlassen. Mit Baumaterial der Siedler lasse ich diese Löcher verschließen. Keine Sekunde zu früh, denn der Erzfeind legt ab und Vakuum tritt zischend in das untere Deck. Oder besser gesagt, es ist der Sauerstoff, der da heraus zischt.

Diesen Kampf haben wir gewonnen, aber unser Überlebenskampf hat erst begonnen. Weitere Verluste haben wir nicht hinnehmen müssen, wobei mich das Schicksal von Cussak innerlich sehr aufwühlt. Dieser Mann hat mir viele Jahre lang treu gedient und ich habe viele haarsträubende Sachen mit ihm erlebt. Ich werde ihn sehr vermissen, als Untergebenen wie auch als Freund. In meiner Stellung hat man wenige Leute, die man als Freund bezeichnen könnte. Aber ich muss nun nach vorne blicken und die Führung über dieses Häuflein verzweifelter Überlebender übernehmen. Schließlich bin ich ein Conari und ein Auserwählter.

Die Maschinengeister der Interkomleitungen entpuppen sich als tot und auch über Mikrofunk können wir die Brücke der "Ruhige Gezeiten" nicht erreichen. Caine behandelt meine Wunden vom Biss des Imps, wie ich diese Schädel inzwischen an die Anlehnung des Zeichens der Imperialen Armee nenne. Deren allgegenwärtiges Symbol ist ein Schädel mit Flügeln und der allgemeine Spitzname für ein Imperialer Soldat im Dienste unserer Gottimperators auf Terra ist Imp. Die Wunde sieht böse aus, die Haut darum hat sich bläulich verfärbt und alles ist angeschwollen. Mein Lebenswart trägt erst etwas geweihtes Wasser von meinem Schrein auf und betet die Litanei der Heilung vor sich hin. Es schmerzt kurz, als das geweihte Wasser in die Wunde gelangt. Leichter Rauch steigt kräuselnd aus der Wunde auf, dann trägt Caine desinfizierenden Heilschaum auf. Das Material ist elastisch und verschließt die Wunde vollständig. Nun wird meine Wunde regelrecht heiß und Wärme schießt durch meinen ganzen Körper. Schweiß bricht mir aus jeder Pore und mein Herz rast. Mit meiner gesunden Hand berühre ich die Parierstange von Rabenklaue in Form eines Aquilas und singe leise das Loblied auf den Imperator. Das dauert etwa zwei Minuten, dann beruhigt sich mein Herzschlag und ich höre auf wie ein Außenhabarbeiter zu schwitzen. Die Wunde kribbelt nur noch und ich kann mich beherrschen, um nicht den gerade angelegten Wundschaum aufzukratzen. Nun überzeuge ich mich, dass es allen meinen Leuten gut geht.

Meine Konkubinen klammern sich gegenseitig Mut zusprechend aneinander, haben inzwischen aber stabile grüne Trikotanzüge mit Schnürstiefelchen angelegt. Die Anzüge habe ich extra für eine Jagdgesellschaft auf Mortressa anfertigen lassen, welche der dortige Gouverneur veranstaltet hatte. Sie tragen noch die orangenen gepanzerten Westen von damals. In ihren Gürtel hängt je ein kurzes Parierschwert und eine kompakte Laserpistole. Diese Waffen dienen nicht nur der Zier, sondern sie können damit auch einigermaßen umgehen. Aus ihrem umfangreichen Fundus an Schmuck haben sie sich Aquilas und Glücksamulette umgehängt. Schaden tut das auf keinem Fall. Colette wimmert noch vor sich hin, aber sie scheint wenigstens körperlich in Ordnung zu sein. Nachdem ich kurz beruhigend auf sie eingeredet habe, klärt sich ihr Blick soweit, dass sie mich fokussieren kann. Braddock ist Schweißgebadet und man kann ihm die Angst ansehen. Lungini hat sich halbwegs im Griff und Caine scheint gerade einen Sonntagsausflug zu koordinieren, so ruhig wirkt er. Auch er trägt inzwischen einen gepanzerten Trikotanzug und ist bewaffnet. Ich veranlasse, dass sich Josephine und Carmina um Colette kümmern, während Lungini etwas Ordnung in dieses Chaos bringen soll. Die drei Frauen kauern sich vor meinem Schrein nieder und suchen halt im Gebet. Was in dieser Situation sicherlich kein Fehler ist, schließlich schützt der Imperator. Jedenfalls meistens. Viele der Siedler sind tot oder verschleppt worden, Männer, Frauen und auch Kinder. Ich will gar nicht näher darüber nachdenken, was für ein schreckliches Schicksal ihnen bevor steht. Also knie ich mich neben meinen Mädchen auf den Boden und starre auf die Statue des Gottimperators, dessen ausgestrecktes Schwert inzwischen brennt. Ich spreche ein längeres Gebet, in dem ich den Imperator für mein Überleben danke und für die Seelen der Gefallenen bete. Besonders Cussak erwähne ich mehrmals. Und für die vom Erzfeind gefangenen Siedler erbitte ich einen schnellen Tod.

Frisch gestärkt durch das Gebet übernehme ich die Rettungsaktion. Uns gelingt es, eines der Schotte zu öffnen und wir dringen in Richtung Heck vor, wo Maschinenraum, Notfallsender und Brücke sich befinden. Dieses Segment ist unbeschädigt und wir finden ein überlebendes Besatzungsmitglied, was allerdings nichts wirklich Erhellendes beitragen kann, da es sich um den Bediener eines der vielen kleinen Abwehrgeschütze handelt, die selbst ein Transporter hat. Er kennt leider keine Rituale, um missgelaunte Maschinengeister wieder dazu zu bringen, ihre Arbeit aufzunehmen. Schnell wird klar, dass alle weiterführende Schotte in die Leere führen, sprich dahinter gab es einen Vakuumeinbruch. Ich lasse eine Notschleuse errichten und stelle eine Expedition aus acht Mann zusammen, da wir genau so viele Leerenanzüge haben. Caine hat inzwischen ausgerechnet, dass wir zwar für vierundzwanzig Stunden Sauerstoff haben, allerdings dürfte dieses Segment schneller auskühlen, so dass wir in der Hälfte der Zeit erfrieren werden, da auch die Maschinengeister der Energieversorgung ihren Dienst quittiert haben. Wasser und Nahrung halten dagegen für mehrere Tage.

Mit sieben Mann im Gefolge arbeite ich mich durch das nächste Segment vor. Hier ist ein Makrogeschoss eingeschlagen und hat ziemlich viel zerstört. Der Ferrostahl ist zerschmolzen oder bis zur Unkenntlichkeit deformiert. Es haben sich viele scharfen Kanten gebildet und jede davon ist für die Versiegelung der Leerenanzüge eine tödliche Gefahr. Teilweise haben wir keine Schwerkraft, bis wir wieder auf ein Segment treffen, wo die Platten noch funktionieren. Wir brauchen fast zwei Stunden, um uns hier durchzuarbeiten. Schließlich kommen wir in einen Werkstattbereich, wo noch ein weiterer Überlebender sich aufhält. Der kennt die Rituale, um die Maschinengeister der Heizung zu versöhnen, allerdings hat er keinen Leerenanzug. Nur mit Gewalt bekomme ich einen Anzug von den Siedlern für ihn, da wir den Kerl hier erst mal für ein paar Stunden zurücklassen müssen. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit. Ich verspreche dem Siedler, dass ich zurück kehren und ihn holen werde. Ein Conari hält sein Wort!

Wir gehen weiter in Richtung Heck. Schließlich gelingt es uns durch eine weitere Schleuse einen Rettungsraum mit weiteren Mannschaftsmitgliedern zu finden. Wir befinden uns hier im vorderen Bereich des Maschinenraumes, wo sich die Instandhaltung befindet. Die anwesenden Männer sind alle mit dem Umgang mit Maschinengeistern geschult und können auch beschädigte Maschinen soweit wieder reparieren, dass der versöhnte Maschinengeist seine Tätigkeit wieder aufnehmen kann. So können wir den Zurückgelassenen retten und die Heizelemente bei meinem Segment reparieren. Also werden wir nicht erfrieren, sondern ersticken. Thron!

Zu unserem Glück gelingt es diesen Männern schließlich auch, die Maschinengeister der Lebenserhaltungssysteme zu versöhnen und so die Luftversorgung wieder herzustellen, bevor wir jämmerlich ersticken müssen. Da hat der Imperator uns wenigstens nicht ganz vergessen. Was für ein Tag. Ob meinem armen Bruder etwas Ähnliches passiert ist? Ob er dem Erzfeind in die Hände gefallen ist? Eine schreckliche Vorstellung, über die ich nicht weiter nachdenken will. Wir kehren zurück zu unserem Segment und ruhen uns erst mal ein wenig aus. Die wichtigsten Dinge sind erledigt. Die Maschinengeister der Heizung und Belüftung gehen willig ihrer Aufgabe nach, der Notsender ist aktiv. Jetzt ist die Frage, ob wir gerettet werden, bevor wir verdursten. Meine Konkubine Josephina sitzt in einer Ecke und zieht immer die gleiche Karte aus dem Tarot des Imperators, den Dämon. Aber immer in anderer Form. Das ist wahrlich kein gutes Omen. Ich nehme ihr das Kartenspiel weg, da die Pilger sie schon mit zusammengekniffenen Augen mustern. Hier und da ist der gemurmelte Begriff "Hexe" zu hören. Dabei ist aber Josephina wie alle Angehörigen meines Hauses mehrmals auf psionische Aktivität in den gesetzlich vorgeschriebenen Abständen getestet worden und die Befunde waren immer im grünen Bereich. Sie ist keine Hexe, verdammt noch mal! Mit ihrer minimalen psionischen Begabung kann sie zwar das Tarot legen, mehr aber auch nicht.

Ich nehme sie und Carmina mit ins Bett und angekuschelt an ihre warmen geschmeidigen wohlgeformten Körper schlafe ich ein. Nach irgendwelchen Aktivitäten hat keiner von uns wirklich Lust, dafür war dieser Tag einfach zu schrecklich. Mit den letzten Gedanken denke ich an die Geschichten von Winterscale. Sieht so aus, als wären diese in einem Punkt doch nicht so übertrieben, es gibt hier wirklich viele Raubtiere des Warps.

Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 10. August 2012, 15:40:06
Position:
Havariert im Schlund
Orbit über der Hexenfluchwelt
Transportschiff "Ruhige Gezeiten"
Quartier
Zeit: 8 335 783.M41

Ich laufe durch einen ewig langen Gang, etwas verfolgt mich. Wenn ich mich umblicke, sehe ich nur den leeren Gang, der sich tausende Kilometer gerade voraus und hinter mir erstreckt. Aber trotzdem ist etwas da, das ich nicht sehen kann. Aber ich kann seine Präsenz spüren. Der Gang scheint zu einem Palast zu gehören, denn er ist reich dekoriert. Die Wände sind mit schwarz goldenen Seidentapeten bedeckt, dessen verwirrende Muster mir Kopfschmerzen bereiten. Endlich erreiche ich einen gewaltigen Saal, prächtige Kronleuchter hängen von der mit goldenen Säulen gestützten Decken. Die allgegenwärtige verwirrende Ornamentik wiederholt sich auch hier. Im Eingangsbereich tritt mir ein leibhaftiger Halbling mit einer viel zu hohen Kochmütze entgegen. In der rechten Hand hat er ein Hackmesser, in der rechten eine zweizinkige Gabel, die so groß wie er selbst mit der hohen weißen Mütze ist.

"Ah, das Abendessen! Mjam mjam!", begrüßt er mich und verzieht sein Mund zu einem breiten Grinsen, dass ein Raubtiergebiss entblößt. Im Saal ist eine Reihe von Tischen aufgebaut, die ein Quadrat bilden. Die Tischdecke ist aus mit Silberfäden durchwirkter Spinnenseide. Die Teller aus Elektrum und das Besteck aus monobeschichtetem Adamantium mit Edelsteineinlagen im Griff. Die Gäste sind farbenprächtig nach einer veralteten Mode von Scintilla gekleidet. Allerdings hat keiner der Gäste ein Gesicht bis auf einen Mund, in den sie Schlangen wie Rundnudeln schaufeln. Das Ganze ist äußerst bizarr und erschreckend. Alle wenden sich mir zu und unterbrechen ihr Mahl. Ihre Münder sind voller Nadelspitzer Zähne. Und irgendwie scheinen die hier der Ansicht zu sein, ich wäre die Hauptmahlzeit und nicht die im Karree sich befindenden unzähligen Schlangen in allen möglichen Farben. Thron! Imperator steh mir bei!

Auf einmal kommt der tote Cussak in das Zimmer gestürmt und schüttelt mich. Solun und Althea sind ebenfalls bei ihm. "Was?" frage ich verdattert und öffne die Augen. Schweißgebadet wache ich auf. Mein Herz hämmert in meiner Brust und ich fühle eine Angst in mir toben, wie sie noch nie gespürt habe. Dieser Traum war unglaublich schrecklich, bizarr und doch so real gewesen. Mit einem fast schon weinerlichen Stöhnen richte ich mich auf und sammle mich. Ich darf keine Schwäche zeigen, denn ich bin ein Conari. Mein Name verpflichtet mich. Meine Konkubinen sind ebenfalls wach geworden und voller Furcht. Dunkle Dinge gehen hier vor. Cussak hat mich ein weiteres mal gerettet. Ich wanke zum Altar und verbrenne etwas Weihrauch. Meine Konkubinen knien sich neben mir hin und beten für die Seele des armen Cussak. Wir danken ihm und den Imperator für unsere Rettung aus der Dunkelheit. Und natürlich beten wir zu ihm auf Terra auch darum, dass wir endgültig aus dieser überaus misslichen Lage gerettet werden. Mein Körper zittert und ich habe Probleme, mich standesgemäß anzukleiden. Ich sehe nach den anderen und vernehme weitere Hiobsbotschaften. Thronverdammt!

Irgendetwas hat tödliche Träume geschickt, denn mein Leibkoch Lungini ist tot. Thron! Ebenso einige der überlebenden Siedler. Einfach im Schlaf gestorben, auch wenn ihre Gesichter zu schrecklichen Fratzen der Furcht verzerrt sind. Realistisch betrachtet haben wir durch ihren Tod wahrscheinlich ein oder zwei Tage zusätzlich gewonnen, bevor das Wasser zur Neige geht. Lungini war mein ganzes Leben mein Leibkoch, hat mit Köstlichkeiten verwöhnt, als ich noch ein kleiner Junge gewesen war. Ein weiterer Vertrauter, der auf diesem verfluchten Transfer sein Leben verloren hat. Er war wie ein Onkel für mich gewesen, der mir immer mal wieder Süßigkeiten zugesteckt hat, die so nicht auf meinem strengen Ernährungsplan gestanden hatten. Und nun ist er Tod und wahrscheinlich hat er auch seine unsterbliche Seele an den namenlosen Schrecken jenseits des Schleiers verloren. Ein äußerst erschütternde Vermutung, die mir sehr Nahe geht. Ich spreche ein Gebet für ihn und bitte dem Imperator um Schutz für seine unsterbliche Seele.

So wie es aussieht, scheint ein Raubtier des Warps in der zerstörten Hülle der "Ruhige Gezeiten" zurückgeblieben zu sein. Das Wort "Dämon" macht die Runde, aber das ist schnöder Aberglaube. Der Schrecken des Warps ist geistlos, plappert wie ein Papagei sinnlos Gedankenfetzen nach, die es nicht begreift. Diese Kreaturen sind gefährlich, aber nicht vernunftbegabt. Es sind nichts weiter als Raubtiere, die in einer für Menschen absolut lebensfeindlichen Umwelt eine Nische gefunden haben. So wie Kreaturen auf Todeswelten, die selbst einen erfahrenen Jäger mit einem Biss verschlingen können. Die hält auch niemand für wirklich intelligent oder für gar etwas Übernatürliches. Etwas anderes zu denken wäre reine Blasphemie!

Nichtsdestotrotz stelle ich eine Jagdmannschaft zusammen, Althea und Braddock begleiten mich, Solun bleibt zurück, falls das Ding uns einfach nur aus unserem Bereich herauslocken will, um anschließend über die Siedler herzufallen. (Der Spieler von Solun musste schlicht früher gehen). Braddock leiht sich den Melter von Solun aus und so ziehen wir los. Meine Trauer bekämpfe ich mit ehrlichem Hass auf diese Kreatur aus dem Warp. Auch meine Angst kämpfe ich so erfolgreich nieder. Als erstes suchen wir auf der Brücke. Das ist meine Idee, da wir ja irgendwo anfangen müssen und vielleicht so noch Erkenntnisse über den Ablauf des letzten Tages gewinnen können. Die Brücke hat einen direkten Treffer abbekommen und ist vakuumgeflutet. Allerdings arbeiten selbst unter diesen widrigen Umständen noch einige der automatisieren Cogitatorenbänke. Wirklich brauchbare Daten über unsere Angreifer lassen sich allerdings mit unseren Mitteln unter diesen Bedingungen nicht extrahieren. Auch gelingt es nicht, die interne Schiffsüberwachung zu reaktivieren. Allerdings meldet sich Caine über Funk und berichtet, das Josephina den Bereich verlassen hat. Sie hat mit den Karten ihres Tarots eine Spur bis in den vakuumgefluteten Bereich gelegt und sie hat keinen Anzug an. Thron!

Wir bewegen uns so schnell wie möglich zurück und nehmen die Fährte aus Tarotkarten auf. Wie eine Spur aus Brotkrumen, nur dass wir nicht wie im Märchen ein Haus aus Lebkuchen finden werden, sondern ein Raubtier aus dem Warp. Möge der Gottimperator auf seinem goldenen Thron ein Auge auf uns haben und uns mit seinem Licht den Weg in die Dunkelheit weißen. Josephina habe ich von meinem ersten selbstverdienten Gelt (kein Schreibfehler, der jiddische Begriff ist offiziell) wie auch Carmina gekauft. Beide stammen aus einem angesehenen Fleischhaus und sind auf meine Bedürfnisse hin zugeschnitten. Natürlich bindet mich das ziemlich emotional an sie. Und ich glaube, ich bin sogar so was verliebt in sie. Mehr als es einem Herr gegenüber seiner Sklavin wohl sein sollte. Ich bin in großer Sorge um meine Josephina und hoffe auf ein Wunder. Dies ist ein Weg in eine Falle, aber wenigstens weiß ich, dass dies eine ist.

Mit gezogenen Waffen stellen wir schließlich das Raubtier aus dem Warp in einem Lagerraum, der äußerlich unbeschädigt wirkt. Ein Großteil der Frachtkisten ist ins Rutschen geraten und das Ganze erinnert mich an meine alte Spielzeugkiste mit bunten Bauklötzchen, mit denen ich als Kind immer Türme gebaut habe. Das Warpwesen erinnert an einen Kegel aus windenden Tentakeln, auf dessen Spitze ein großes glotzendes Auge mit einer geschlitzten Pupille in buntschillernder Farbe thront. Es hat keine wirklich erklärbare Körperstruktur mit einem richtigen Körper, welche wichtige Organe enthalten könnte. Wie kann so etwas nur existieren? Josephina schwebt nackt hinter ihm. Ihr Körper scheint äußerlich unversehrt zu sein, trotz der Kälte des Vakuums und der Abwesenheit von Sauerstoff. Deutlich kann ich sehen, dass sie noch atmet, auch wenn das physikalisch unmöglich ist. Auf der einen Seite bin ich froh, dass Josephina noch lebt, auf der anderen Seite flößt mir dieser Umstand auch Angst ein. So langsam dämmert mir, dass meine Konkubine bei den Tests der Scholastica Psikana wohl nicht ihre wahren Resultate erzielt hat. Immer wieder rutschen Psioniker durch das engmaschige Raster, weil ihre Begabung sich erst bei einer ernsten Bedrohungssituation manifestiert. Aber darüber kann ich mir Sorgen machen, falls wir das hier überhaupt überleben.

"CONARI!", kreischt das Ding in einer Mischung aus Freude und Wut auf. Was unmöglich ist, da Vakuum keinen Schall überträgt. Ganz abgesehen davon, dass dieses Ding kein Maul hat, um irgendwelche Geräusche von sich geben zu können. Trotzdem kann ich es deutlich hören. Das ist nur ein weiterer Punkt auf der Liste der Unmöglichkeiten, der langsam aber sicher an meinem Verstand zerrt. Ganz abgesehen davon, dass dieses Wesen eigentlich unmöglich existieren kann. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass man mir über die Warpraubtiere nicht die ganze Wahrheit gesagt hat. Das Ding hat trotz aller Fremdartigkeit den Funken von verdorbener Intelligenz in sich.

Althea hält sich nicht mit Worten auf, sondern übermittelt dem Dinge Grüße in Form von massereaktiver Geschossen aus ihrer Boltpistole. Ich habe schon längst meine Plasmapistole gezogen, blau leuchten die Kühlrippen, bereit ihr vernichtendes Plasma zu entfesseln. Die Waffe ist am Überladen und eigentlich will ich sie auf dieses Ding abfeuern, aber dann ist etwas in meinem Kopf und das nächste was ich sehe, ist, wie Althea sich gerade so unter einem Strahl sonnenheißes Plasma duckt. Thron! Wie konnte das nur passieren? Ich war für einen Augenblick weggetreten und das Ding aus dem Warp hat mich wie eine Marionette benutzt. Eine überaus erschreckende Erfahrung an einem Tag voller Schrecken und finsterer Begebenheiten.

Braddock schießt mit dem Melter und brennt dem Ding ein Loch in den windenden Leib. Wir sind nun ausgefächert, so das keiner dem anderen im Weg herum steht. Die Meisterin der Leere lässt sich von alldem nicht aus der Ruhe bringen und feuert weitere Salven auf das unreine Ding ab, das mich offensichtlich kennt. - Hat es auch meinen Bruder getötet? Woher kennt es meinen Namen? Was will es von mir? - schießt es mir durch den Kopf. Aber diese Kreatur dürfte nicht reden, nicht wirklich denken können. Ich beginne langsam vorzurücken. Eine blaue Feuerlohe schießt mir entgegen, der ich gerade so noch aus dem Weg springen kann. Braddock erschießt beinahe mich, als das Ding in seine Gedanken pfuscht, aber er trifft zum Glück nicht. Ich ziehe meine Boltpistole und schieße voller ehrlichem Hass das Magazin leer, bis ich nah genug für das Schwert bin. Tentakel winden sich kurz hoch zu der nackten Josephina, aber was sie dort tun, kann ich nicht begreifen.

Schließlich bin ich an der abartigen Kreatur dran, lasse die leergeschossene Boltpistole fallen und lasse mein Schwert nun beidhändig gehalten für mich sprechen, denn ich habe diesem Ding nur eines zu sagen. "Stirb!" Ich weiche gewandt einigen nach mir schlagenden Tentakeln aus und mein Schwert zerschneidet das verdammte Auge. Glibber läuft heraus und eine Linse in den Farben des Regenbogens wird sichtbar. Braddock gibt ihm den Rest und verdampft seine unheiligen Überreste. Josephinas wohlgeformter Leib fällt mir in die Hände. Ich packe meine Waffen weg und schaffe die ohnmächtige Josephina zurück in unsere Quartiere. Wie kann sie das hier nur überleben? frage ich mich bange. Offensichtlich ist sie eine unsanktionierte Psionikerin und die Hexe muss im Feuer geläutert werden. Aber ich kenne sie seit Jahren, sie ist kein böser Mensch! Endlich passieren wir die Schleuse und ich besorge eine Decke, in die ich sie wickle. Die Siedler haben mitbekommen, was geschehen ist und sie kennen alle das Gebot des Imperators, das da lautet, die Hexe musst du im Feuer läutern.

Gedanke des Tages
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Gespielt am 25.03.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 1
Solun Ares Magister Militaris Rang 1
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 1
EP:
500 Punkte (gekauft Beidhändigkeit und Ge +5 auf genau 40)
Überwundene Gegner
1 Feuerdämon
zirka 7 Imps (fliegende Schädel)
1 unbekannter Dämon
Etwa ein Dutzend Schwertmutanten
Beute
Nix
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 13. August 2012, 13:12:23

Persona Dramatis
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Kapitel 2
Vom Regen in die Traufe

Position:
Havariert im Schlund
Orbit über der Hexenfluchwelt
Transportschiff "Ruhige Gezeiten"
Quartier
Zeit: 8 336 783.M41

"Verbrennt die Hexe!", schreit einer der Siedler und der Ruf verbreitet sich wie ein Lauffeuer.
"Wo ist hier eine Hexe?", frage ich ruhig mit erhobener Stimme und schaue mich übertrieben demonstrativ suchend um. Die Siedler glotzen mich groß an und zeigen dann drohend auf die immer noch bewusstlose Josephina in meinen Armen.
"Sie ist keine Hexe!", entgegne ich mit fester Stimme und erwidere ohne Furcht die hasserfüllten Blicke.
"Aber sie ist ohne Raumanzug in der Leere gewesen. Nackt! Und lebt noch!", wird mir vorgeworfen. Diese Fakten sind leider nicht umzustoßen.
"Ein Wunder des Imperators! Ein wahrer Gläubiger unseres lebendigen Gottes auf dem goldenen Thron zu Terra kann alleine eine ganze Armee der Finsternis vernichten. Also warum sollte so jemand nicht in der Lage sein, der Leere des Raumes zu trotzen?" Die Argumentationsgrundlage ist äußerst brüchig und Caine schaut mich missbilligend an, da er diese Art der Rhetorik für äußerst schwach zu halten scheint. Aber die Siedler sind deutlich verunsichert, da ihr Wissen in diesem Bereich äußerst beschränkt ist.

"Eure Hure scheint aber keine Heilige zu sein! Sie ist eine verdammte Hexe!", wagt es ein grauhaariger Siedler einzuwenden. Ich hasse es, wenn jemand eines meiner Mädchen als Hure bezeichnet. Schließlich geben sie sich nur einem einzigen Mann hin, nämlich mir. Normalerweise würde ich diesen Lump für diese Beleidigung einfach über den Haufen schießen, aber noch gibt es die Möglichkeit auf eine diplomatische Lösung, die ich nicht durch Gewalt abwürgen will. Deswegen reiße ich mich zusammen und unterlasse es, eine angemessene Antwort in Form eines 20mm Geschosses mit Deuteriumkern zu geben.

"Astartes, die Engel des Todes unseres göttlichen Imperators sind ebenfalls in der Lage, in der Leere des Raumes ohne Raumanzug zu überleben. Sind das auch alles Hexen?", frage ich sie mit ruhiger Stimme. In irgendeinem meiner obskureren Jugendbücher habe ich davon gelesen.
"Das ist doch etwas ganz Anderes!", empört sich einer der Siedler, aber ich kann seine Unsicherheit spüren. Die Grenze zwischen Wunder und Hexerei kann sehr dünn sein.
"Ist es das? Nur weil Ihr nicht in der Lage seid, ein Wunder des Imperators zu begreifen, ist meine Konkubine eine Hexe? Schämt Euch!" Da die Siedler dieser Argumentation nicht wirklich etwas entgegen setzen können und meine Waffen sie auch einschüchtern, wagen sie es nicht, mich aufzuhalten, als ich mit Josephina im Arm hoch in meine Kabine laufe.

"Wenn Ihr eine Hexe zum verbrennen wollt, dann kauft Euch gefälligst selbst eine!", rate ich dem Pöbel noch zum Abschluss. Ich lege Josephina ins Bett und decke sie zu. Vielleicht wäre es klüger, ihr einfach einen Kopfschuss zu verpassen, wie mein Verstand es mir rät. Was hat dieses Ding mit ihr kurz vor seinem Ende gemacht? Hat er versucht, ihre Seele zu verschlingen? Wollte er etwas in ihr einpflanzen? Ist es ihm gelungen? Fragen über Fragen und keine Antworten, da ich von dieser Materie nichts verstehe. Kein Mensch an Bord dieses Schiffes kann mir diese Fragen beantworten und ich bezweifle, dass überhaupt in Imperator gläubiger Mensch dieses Wissen haben kann, haben dürfte, haben sollte. Aber mein Herz sagt mir, dass von ihr keine Gefahr ausgehen kann, da ihre Kräfte wohl rein defensiver Natur sind. Und schließlich beschützt der Imperator uns vor dem Schrecken jenseits des Schleiers. Josephina ist eine Gläubige und sie steht unter seinem Schutz! Also wird dieses Ding gescheitert sein, egal was es auch vorhatte. Und ich habe schon zu viele Leute aus meinem Gefolge verloren, es reicht!

Ich begebe mich in Rüstung und mit griffbereiten Waffen neben ihr zur Ruhe. Am nächsten Tag wacht sie auf und erzählt von einem seltsamen Traum, der sich mit meinen Erlebnissen deckt. Auch erzählt meine Konkubine davon, dass sie ihren im Krieg gefallenen Bruder wieder getroffen hat. Der hat mit ihr geredet und sie vor einem Mann mit dem Namen Elin gewarnt, der versuchen wird, sie zu töten. Dieser Elin soll auch seinen eigenen Bruder schon umgebracht haben. Von den Ereignissen mit dem Ding aus dem Warp weiß sie nichts mehr, was vielleicht auch besser ist. Dieses Wesen kannte meinen Namen und die Frage ist, woher? War es vielleicht meinetwegen hier? Ist dies auch meinem Bruder Novus passiert? Und warum kann Josephina sich an ihr Leben vor dem Fleischhaus erinnern? Probandinnen eines solch exklusiven Hauses werden normalerweise so konditioniert, dass sie alles vergessen, was sie einst waren. Sie existieren nur noch, um ihren Herren in allen Belangen zu dienen, um jedes seiner Bedürfnisse zu befriedigen. Mögen diese nun sexueller oder gesellschaftlicher Natur sein. Die Makropole Tarsus hat etwa sechs Milliarden Einwohner, mehr als die Hälfte gehört zur rechtlosen Unterschicht aus Tagelöhnern. Es ist in diesen Kreisen durchaus üblich, dass Schulden mit den eigenen Kindern beglichen werden. Die meisten werden einfach Arbeitssklaven oder Servitoren in den gewaltigen Manufakturen, Handelshallen und Betrieben auf der Mittelebene. Nur wenige Auserwählte schaffen es, die Ankäufer der Fleischhäuser auf sich aufmerksam zu machen. Dort wird ihnen einen umfassende Ausbildung zuteil. Nicht nur die körperlichen und künstlerischen Aspekte werden dort geschult, sondern auch ein breites Wissensspektrum wird ihnen vermittelt, um jede Art von Gespräch mit ihrem Herrn führen zu können, sei es nun, ob es um die Vorzüge einer Laserpistole im Civitas Schema gegenüber eine in Palatine Schema geht oder welcher Gladiator in der roten Arena den Primus von 774 gewonnen hat. Auch sind sie auf keinem offiziellen Anlass deplatziert, da sie die Gebräuche der gehobenen Schicht vollkommen beherrschen. Eine Konkubine eines Adligen kann eben viel mehr, als ihre Beine zu öffnen oder ihren Hintern in die Höhe zu recken.

Unter den wachsamen Augen Carminas lasse ich Josephina zurück und beginne mich nach diesem Elin zu erkundigen. Das scheint der verstockte Kerl zu sein, der mir gestern frecherweise schon Paroli geboten hat. Allerdings werden die Leute schnell misstrauisch, als ich mich nach diesem Elin zu erkundigen beginne und bekomme nicht viel mehr heraus. Ich schicke Altea nach unten, welche die Siedler im Auge behalten soll, da sie einen Tarnmantel hat und sich gut verstecken kann. Leider bringt die Observation keine neuen Erkenntnisse, aber die Siedler unternehmen auch nichts.

Die nächsten Tage sind ausgefüllt mit verschiedenen Expeditionen in andere Teile des Schiffes, wo wir noch nicht waren. Hier und da finden sich noch ein paar brauchbare Lebensmittel und Wasser. Ich versuche, herauszufinden, ob die Maschinengeister des Antriebes wieder erweckt werden können. Eine Inspektion macht aber klar, dass der Schaden an den Aggregaten nicht mit Bordmitteln zu beheben ist. Selbst mit normaler Mannschaftsstärke, einem ganzen Chor an Techpriestern und Fässern voll geweihtem Öl wäre nichts mehr zu machen. Dafür können wir die Maschinengeister eines der Beiboote erwecken und versöhnen, was aber auch nicht viel bringt. Der einzige Planet ist die lebensfeindliche Hexenfluchwelt mit der verfluchten Astropathenstation. Als letzte Option werde ich diesen Strohhalm ergreifen und nach dort unten fliegen. Aber vorher will ich nichts davon hören. Es gibt verschiedene Optionen und Caine hat mehrere Prognosen erstellt, wie lange wir überleben können. Je weniger wir sind, desto länger werden die Vorräte reichen. Die Siedler zu dezimieren wäre durchaus im Bereich des Möglichen und auch sinnvoll. Das sind nur normale Menschen, während ich ein Adliger bin, der so viel mehr als sie ist. Ihr Leben ist bedeutungslos, während ich ein Auserwählter bin. Ich starre auf die Tabellen und umkreise schließlich ein Datum mit roter Tinte. Sollte bis zu diesem Tag kein Schiff kommen, werde ich zuerst die Siedler auslöschen, um meinen Leuten eine höhere Überlebenschance einzuräumen. Innerlich lege ich weitere Daten fest, wo dann die restliche Besatzung dran glauben wird. Aber ihr Opfer wird nicht umsonst gewesen sein, denn jeder Tag wo ich am Leben bleibe, ist ein Tag, wo ich gerettet werden kann. Aber noch ist es nicht soweit, auch wenn ich mich schon innerlich darauf vorbereite. Meisterin Puppila schlägt als Alternative immer noch einen Ausflug zur Hexenfluchwelt vor. Wir müssen ja nicht zur Station, sondern könnten rein theoretisch Wasser auch von den Gletschern der Welt gewinnen. Wobei niemand von uns wirklich eine Ahnung hat, ob das wirklich so einfach geht. Und dann ist da noch die Frage, was sich für Verunreinigungen in dem Eis befinden. Es gibt Mikroorganismen, welche selbst Extrembedingungen überleben können.

Wir sind hier gestrandet und mit jedem Tag wird die Hoffnung etwas geringer, dass sich etwas tut. Wenn nicht innerhalb des nächstens Monats ein Schiff vorbei kommt, werden wir jämmerlich verdursten. Die Unruhe unter den Siedlern wächst von Tag zu Tag und einige wagen es tatsächlich, "Conaris Hexe" für alles verantwortlich zu machen. Als ob Josephina jetzt etwas für diesen verdammten Angriff konnte. Wenn, dann waren die eher wegen mir her. Thronverdammt! Ich habe keine Ahnung, was ich von diesem komischen Ding, vielleicht ist "Dämon" der bessere Begriff, letztendlich halten soll. Kannte er meinen Namen, weil er Josephinas Gedanken gelesen hatte? Oder war er direkt auf mich angesetzt gewesen? Ich habe keine Ahnung! Und dieser Umstand macht mich verdammt noch mal sehr wütend.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 15. August 2012, 13:15:44
Position:
Havariert im Schlund
Orbit über der Hexenfluchwelt
Transportschiff "Ruhige Gezeiten"
Quartier
Zeit: 8 364 783.M41

Knapp vierzehn Tage sind nun vergangen. Den anfänglichen hektischen Tätigkeiten ist Langeweile und Resignation gewichen. Jeder realistisch zu erreichende Punkt des Schiffes ist durchsucht worden. Es mag noch einige Bereiche geben, wo wir noch nicht gewesen waren. Aber wir haben keine Möglichkeit mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln durch die vollständig zerstörten Segmente durchzuarbeiten. Ich vertreibe mir die Zeit damit, mit meinen Leuten Karten zu spielen oder mit Caine eine Partie Königsmord. Josephina liest dabei immer noch aus den mitgebrachten Büchern vor, aber ihre wohlklingende Stimme ist rauer geworden, da die Wasserrationen immer kleiner werden. Oft auch aus Büchern mit religiösem Inhalt, besonders die Kapitel, welche den Kampf des Imperators gegen das Böse in Form der Schlange Horus zum Inhalt haben. Ich habe eine schöne handgeschriebene Ausgabe, welche voll von exzellenten einmaligen Illustrationen ist, die ich zu meiner Firmung von meinem Patenonkel geschenkt bekommen habe, der ein General der PVS von Scintilla ist. Auch der letzte Kampf zwischen Gut und Böse ist dort mit einer Illustration bedacht. Im Zentrum ist zu sehen, wie der Imperator mit einem flammenden Speer die verräterische Schlange Horus durchbohrt. Der erschlagene Sanginius liegt mit seinem zerbrochenen Schwert vor ihm am Boden, während Engel an der Decke fliegend in blauen Gewändern und goldenen Locken den Sieg des Imperators hinaus posaunen. Leider kann auch die Lektüre der heiligen Bücher unsere weltlichen Probleme nicht wirklich lösen. Unser dringendstes Problem ist das Wasser,  welches für alle noch für etwas über eine Woche reicht, dann ist Ende. Und Morgen wäre dann der Zeitpunkt der Entscheidung. Entweder ein Flug mit dem Beiboot zur Hexenfluchwelt zur Wassergewinnung oder die erste Dezimierung, um unsere Chancen auf Rettung zu erhöhen, da uns eine konsequente Liquidierung der für mich absolut wertlosen Siedler uns einen weiteren Monat leben erkaufen würde. Nach den längsten zwei Wochen meines Lebens, knackt es endlich in unserem Funk.

"Ist noch jemand am Leben?" höre ich eine unbekannte Stimme fragen.
"Verdammt noch mal Ja! Hier ist Flavion Conari auf der "Ruhige Gezeiten", bitte identifizieren Sie sich!"
"Wir kommen, um Sie zu holen!", höre ich die Antwort und dann ist Funkstille. Na Prima! Aus dem Fenster heraus ist ein Suchscheinwerfer zu sehen, dessen grelles Licht in unsere Kabinen dringt. Wahrscheinlich ein Guncutter, ein bewaffnetes, bei Freihändlern äußerst beliebtes Beiboot. Ich sammle mein Gefolge ein und bereite mich auf das Schlimmste vor. Ich lockere den Halt meiner Pistolen und von Rabenklaue, meinem geliebten Energieschwert, in ihren Futteralen, um im Bedarfsfall meine Waffen sofort ziehen zu können.

Das Beiboot dockt in der Höhe des Zwischendeckes an. Eine Melterladung wird gezündet und die Außenwand durchgeschmolzen. Das Wandsegment kracht mit glühenden Rändern auf den Boden. Dahinter ist eine Sturmrampe zu sehen, an der Schrapnellladungen angebracht sind, die jeden Moment einen tödlichen Splittersturm entfachen können. Die Siedler weichen panisch zurück, während ich äußerlich gelassen meine Position halte. Ein Conari weicht selbst im Angesicht des Todes nicht zurück. Innerlich habe ich natürlich Angst, in den nächsten Sekunden von großkalibrigen Geschossen zerrissen oder von glühend heißen Strahlen durchbohrt zu werden. Dann wird die Rampe nach unten gefahren und ein großer Waffenservitor, der mit einem schweren dreiläufigen Maschinengewehr im linken und mit Energiekrallen am rechten Arm bewaffnet ist, stapft nach unten. Metallene Engelsflügel sind auf seinem Rücken eingeklappt. Sein großer, mit einer goldenen Maske verhüllter Kopf mit mehreren automatischen Zielsystemen fährt hin und her, macht aber sonst nichts weiter. Vier schwer gepanzerte Marineinfanteristen reihen sich neben der Kampfmaschine mit schweren Sturmschrotflinten in Vorhalte auf. Als letztes tritt ein blau uniformierter Mann heraus.

"Ich bin Bootsmann Ottar Fellwind von der Audacia!", stellt sich der Mann vor. Mir fällt ein großer Stein vom Herzen. Wir sind gerettet, endlich gerettet und das von meinem eigenen Schiff. Der Gottimperator sieht wirklich alles und lässt diejenigen nicht im Stich, die ihm seinem Namen ihre Werke tun. Und ich bin froh, dass es nicht notwendig war, die Siedler zu dezimieren oder zur Hexenfluchwelt zu fliegen.
"Gottimperator sei Dank! Ich bin Flavion Conari, zukünftiger Lordkapitän der Audacia!"

Ich lasse unser Gepäck sofort einsammeln und auf den Guncutter schaffen. Neben meinem Gefolge haben auch noch ein paar der Siedler in dem Kurzstreckenraumschiff platz. Auf einem Fenstersitz nehme ich platz und versuche etwas durch das dicke Sichtfenster der Fähre zu erkennen. Wir legen ab und gleiten durch die Leere auf die Audacia zu. Der leichte Kreuzer schält sich erhaben aus der Dunkelheit. Bis jetzt habe ich das Schiff nur auf Bildern und Gemälden gesehen. Da jeder vergleichende Maßstab fehlt, sieht der immer größere Strich in der Leere erst ziemlich mickrig aus, dabei ist die Audacia über vier Kilometer lang. Der Monitorkreuzer der Drehbankklasse ist eindeutig als ein Schiff zu erkennen, das einst für eine Exploratorflotte des Adeptus Mechanikus gebaut wurde. Die meisten imperialen Schiffe haben einen spitzen, zulaufenden Bug. Der Bug eines Schiffes des Mechanicum ist aber flach. Angeblich stammt die Audacia aus einer Explorator Expedition, welche durch viele Hände ging, auch die von verderblichen Xenos und schließlich über viele Umwege in den Besitz meiner Familie gelangte. In der Mitte ragt ein gewaltiger drehbarer Turm mit einer Sonnenlaserbatterie auf. Der Länge nach sind die Mündungen gigantischer Makrokanonen in einer geordneten Reihe zu sehen. Ein sehr einschüchternder Anblick. Das einstige Zahnrad an der Seite und dem Bug ist durch das Familienwappen, einen Raben, der sich auf einem Planet einkrallt, umgeben von einem zwölfzackigen Kranz, ersetzt worden. Im Bereich des Buges ist auf der uns zugewandten Steuerbordseite ein gewaltiger Krater zu sehen. Das ganze Schiff macht selbst auf dieser Entfernung einen äußerst mitgenommenen Eindruck. Ich verstehe bis jetzt recht wenig von Maschinen und Raumschiffen, aber selbst mir als Laie ist klar, dass dieser leichte Kreuzer unbedingt ins Reparaturdock muss. Mein Onkel hat sich wohl bisher wenig aus dem äußeren Erscheinungsbild der Audacia gemacht. Das werde ich ändern! Thron!

Immer mehr Details des Schiffes treten zu Tage. Selbst das Familienwappen ist in einem desolaten Zustand, da der Rabe statt eines Schnabels einen Krater hat. Wir gleiten schließlich in einen der großräumigen Hangars. Wir setzten sanft wie eine Feder auf und ich erlaube es mir, mich ein ganz klein wenig zu entspannen. Die Rampe wird aufgefahren und eine Ehrenformation von Marinesoldaten mit präsentierten Schrotgewehren flankiert meinen Weg zu zwei weiteren wartenden Männern. Einer ist ein älterer Mann in grauer Robe, der sich schwer auf einen Gehstock stützt.
"Ich bin Seneschall Ilias von Braun. Ich heiße Euch willkommen auf der Audacia", stellt sich der Greis vor.
"Und ich bin Waffenmeister Sigmund Kyrr! Zu Euren Diensten!" meint der andere breitschultrige Offizier, der eine prächtige Uniform mit Mantel, der von den ganzen Ehrenzeichen ziemlich überladen wirkt. Sieht so aus, als wäre ich endlich zu Hause. Dem Imperator sei gedankt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 17. August 2012, 12:29:49
Position:
Schlund
Orbit über der Hexenfluchwelt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 364 783.M41

Meine Entourage und ich werden durch die Gänge der Audacia geführt. Von Innen macht das ganze schon etwas mehr her. Aber auch hier sind die Spuren von Vernachlässigung sichtbar. Vieles macht einen provisorisch geflickten Eindruck und hin und wieder sind an Schotts Warnsiegel angebracht, welche vor dem Betreten der dahinter liegenden Bereiche warnen. In regelmäßigen Abständen sind Kryotanks in den Wänden eingelassen, von denen einige gefüllt sind. Meines Wissens waren diese Tanks ursprünglich nicht auf der im Jahr 377.M30 fertig gestellten Audacia und wurden erst später eingebaut. Die Audacia hat schon eine recht bewegte Geschichte hinter sich, verschwand unter dem Kommando von Kapitän-Explorator Zathor Rak im 898.M40 in der Koronus Weite, war bis 122.M41 im Besitz von Xenos der Rasse der Stryxis, bevor sie von einem Freihändler mit dem Namen Sotikus Irem zurück erobert werden konnte. Die Audacia ging durch viele Hände, bis sie schließlich 612.M41 vom Haus Conari erworben worden war.

"Was ist denn da drin?" Frage ich neugierig und gehe näher an einen der Behälter heran. Statt eines eingefrorenen exotischen Xenos sehe ich die Gestalt eines Menschen.
"Aufsässige Besatzungsmitglieder. Ein paar Jahre Kryotank kühlt das Gemüt und man hat immer ein paar Mann in Reserve, um kurzfristig Verluste auszugleichen", erklärt mir Waffenmeister Kyrr mit breitem Grinsen. Sicherlich eine gute Idee, um renitentes Personal ruhig zu stellen. Da wir alle etwas mitgenommen aussehen, bekommen wir Gelegenheit, uns etwas frisch zu machen. Durch die Rationierung des Wassers konnte sich niemand mehr waschen und nicht nur ich muffle inzwischen ziemlich stark. Zum Glück habe ich noch frische festliche Garderobe, da gleich ein offizieller Empfang bevor steht. Meine beiden Mädchen sind ganz aus dem Häuschen und haben wieder mal große Probleme, was zum Anziehen zu finden. Aber schließlich schaffen es auch sie, etwas Passendes zu finden. Es kommt die Nachricht, dass nun alles für den offiziellen Empfang bereit ist. Also laufe ich ein weiteres Mal hinter dem Seneschall her.

Wir kommen zu einem gut geschützten Bereich, wo einige Marinesoldaten und Söldner der Eisenhunde, einer berühmten Formation, Wache halten. Hier befindet sich ein Fahrstuhl, dessen Kabine aus holzvertäfelten Messing uns nach oben bringt. Wir passieren weitere schwer bewachte Bereiche mit Verteidigungsstellungen und wir kommen in einem Festsaal heraus. Hier erwartet mich mein Onkel schon, der mich herzlich umarmt, als würde er sich wirklich freuen, mich zu sehen. Wir wechseln ein paar nichtssagende Sätze, ich richte Grüße von meinem Vater Taurion und seinen Geschwistern aus. Dann stelle ich mein Gefolge vor, von dem er Caine schon kennt, da dieser schon seit Ewigkeiten im Dienst meiner Familie steht. Die beiden tauschen ebenfalls ein paar Höflichkeiten aus und ich kann mich umsehen, wo wir uns eigentlich befinden. Es scheint sich hier um einen prachtvoll ausgestatten Speisesaal zu handeln. An den Wänden hängen Bilder von bedeutsamen Ereignissen des Angevinischen Kreuzzuges und wie General Drusus meinem Vorfahr, Admiral Flavion "der Große" Conari, den Freihändlerbrief überreicht. Auch sind Portraits vergangener Lordkapitäne, die alle den Nachnamen Conari tragen, zu sehen. Das erfüllt mich mit großem Stolz und ich überlege schon, wo ich das Bild mit meinem Portrait am besten aufhänge, als mein Onkel Ravion anfängt, weitere wichtige Leute des Schiffes vorzustellen.

Da wäre zum einem mal seine Ehefrau Esea Conari, deren leichte Krähenfüße unter den Augen zeigen, dass sie deutlich älter als die dreißig Jahre ist, die sie von außen wirkt. Sie ist eine kalte blonde Schönheit, die ihre unverhohlene Abneigung gegen mich nicht besonders gut verbergen kann. Besonders meine beiden Konkubinen straft sie mit Verachtung. Dann ist da der oberste Techpriester der Audacia, der thuleanische Maschinenseher Kyle Ademis. Er trägt eine rote Robe und ist so stark modifiziert, dass er eigentlich nur noch aus Metall und Mechadendriten zu bestehen scheint. Als nächstes wird mir der augenlose Astropath und Chorleiter der Audacia, Lux Aquinus, vorgestellt. Über seine ausgebrannten Augen ist ein Tuch gebunden, um die Folgen der Seelenbindung zu verbergen. Als letztes wird mir Leutnant Tessa Nimdock vorgestellt, welche das Kontingent Eisenhunde anführt. Die Blondine wirkt, als hätte sie Eiswasser statt Blut in den Adern. Das wird also schon bald meine Führungscrew sein.

Als nächstes muss ich erzählen, was mir wiederfahren ist. Ich bleibe in dieser Runde ziemlich wage und beschränke mich auf eine allgemeine Beschreibung der Ereignisse, indem ich den Kampf gegen den Dämon, welcher mich Conari nannte und Josephina entführt hatte, großzügig ausklammere. Dafür gehe ich bei den Kämpfen gegen die Schwertmutanten doch eher ins blutige Detail. Experten haben inzwischen die aufgezeichneten Daten der "Ruhige Gezeiten" ausgewertet. Mein Onkel meint, uns hätte die "Ignes et Amnestia" erwischt. Einst war dieses schwarze Schiff im Dienst der Inquisition und ging einer Häresie auf einem abgelegenen Planeten nach. Dort hatten junge Priester das Führungskader der Ekklesiarchie ihrer Welt umgebracht. Anfangs konnten diese ihre Taten dadurch rechtfertigen, dass sie angeblich eine Tempeltendenz ihrer Vorgesetzten erkannt und ausgemerzt hatten. Tempeltendenz ist ein schwerwiegendes Verbrechen und wird mit dem Tod bestraft. Was genau nun der Unterschied zu der normalen Ausrichtung des imperialen Glaubens ist, könnte ich aus dem Stehgreif nicht erklären. Das hat irgendetwas mit dem Zeitalter der Apostasie und den Machenschaften des Goge Vandire zu tun, welcher Herr über zwei der mächtigsten Organisationen des Imperiums war, des Ministorum und des Administratum. Dieser Goge Vandire führte das Imperium in einen Bürgerkrieg, welcher vom Reformator Sebastian Thor beendet wurde. Aber in Wahrheit frönten diese jungen Kleriker finsteren Herren, verbotenen finstern Göttern. Sie schafften es mit finsterer Hexerei und durchtriebener Heimtücke, die "Ignes et Amnestia" unter ihrer Kontrolle zu bringen. Und obendrein gelang ihnen mit diesem Kreuzer die Flucht in die Weite. Seitdem ist ein sehr hohes Kopfgeld der Inquisition auf die Wiederbeschaffung des Schiffes ausgesetzt, deren Summe selbst mich in Verzückung setzt. Kein Wunder, dass mir solch dunkle Hexerei widerfahren ist. Die "Ignes et Amnestia" hat mir mit ihren heimtückischen Angriff den Krieg erklärt. Und ich bin nur zu gern bereit, den Fehdehandschuh aufzuheben.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 20. August 2012, 12:11:38
Position:
Schlund
Orbit über der Hexenfluchwelt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 365 783.M41

Nun wird aufgetischt und zwar beinhaltet jeder Gang eine Spezialität der Weite. Schon bald habe ich die Namen der Köstlichkeiten vergessen, die mir und meinem Gefolge nach und nach serviert wird. Die Teller sind aus feinem Porzellan und jedes individuell Handbemalt. Schlachtenszenen, Heiligenportraits, Szenen aus der Imperialen Geschichte und auch Portraits der Familie sind zu sehen. Das Besteck ist aus Elektrum und in jedem Griff ist ein andersfarbiger Edelstein mit aber einem identischen Schliff eingelegt. Da wir alle einen großen Hunger haben, wird alles aufgegessen, was serviert wird, während die anderen von der Stammmannschaft immer nur einen kleinen Happen davon probieren. Schließlich gibt es einen süßen Nachtisch und das Bankett wird aufgelöst.

"Wir müssen uns jetzt noch unterhalten", meine ich zu meinem Onkel, da ich ihm die wahren Dinge erzählen möchte, die mir wiederfahren sind. Besonders dass der Dämon meinen Namen kannte. Vielleicht weiß mein Onkel, was für eine finstere Verbindung zwischen dem Ding und meiner Familie besteht. Zwar ist nie ein Conari meines Wissens in den letzten tausend Jahren finsterer Praktiken angeklagt worden, aber jede Adelsfamilie hat ihre dunklen Geheimnisse. Es gibt in Tarsus das gängige Sprichwort: Jeder große Reichtum basiert auf einem noch größeren Verbrechen. Und die Familie Conari ist sehr Reich, gehört zu den mächtigsten Familien des Sektors.

"Du kannst es wohl nicht erwarten", meint mein Onkel mit einem Lächeln, das mir nicht so richtig gefallen mag. Natürlich ist es für ihn eine große Zäsur in seiner Karriere, mir das Kommando über die Audacia übergeben zu müssen. Aber er hatte drei Jahrzehnte Zeit gehabt, seine Unternehmungen voran zu treiben. Mein Vater und der Familienrat sind sehr geduldig gewesen. Andere Familien hätten nicht so lange auf Erfolge und den daraus resultierenden Profit in Bergen von Thronen gewartet. Die Audacia ist sicherlich nicht die einzige Einnahmequelle meiner Familie, aber doch eine sehr bedeutende. Über eine geschwungene Treppe aus weißem Marmor steigen wir hoch in einen weiteren Saal, der voller Trophäen und Bilder ist. Die Bilder zeigen meist die Audacia, wie sie siegreich über andere Schiffe triumphiert, die brennend in der Leere zurückbleiben. Xenosschiffe der brutalen Orks sind genauso zu sehen wie von anderen Xenosrassen. Auch der eine oder andere Pirat hat sich an der Audacia die Zähne ausgebissen. In Vitrinen stehen Xenosartefakte und Memorabilien verschiedenster Art. Die nächsten Tage werde ich wohl viel zu entdecken haben. Darauf freue ich mich schon. Für viele Jungen ist der Besuch eines Museums ein äußerst trockene und langweilige Angelegenheit. Aber ich konnte immer stundenlang vor Vitrinen stehen und die Exponate anschauen und mir vorstellen, was für spannende Geschichten wohl damit verwoben waren. Die Audacia ist nun schon fast drei Jahrhunderte im Familienbesitz und hat viel erlebt.

Und am Ende der Wand hängt er, der Freihändlerbrief. Geschrieben auf einem zwei mal vier Meter großen Pergament. Unten hängen dutzende von verschieden großen Siegeln. Darunter das vom heiligen Drusus höchstpersönlich. Sogar seine geschwungene Unterschrift ist zu sehen, was dieses Stück Pergament schon beinahe zu einer Reliquie macht. Der heilige Drusus hat dieses Pergament selbst berührt. Andächtig streiche ich über die Panzerglasscheibe. Dieses Dokument gibt mir fast unbegrenzte Macht. Im Imperium gibt es das gängige Sprichwort: "Hinter dem Imperator ist der Lordkapitän eines Freihändlerschiffes der zweitmächtigste Mann im Imperium." Bin ich aber schon wirklich bereit für diese Aufgabe? Kann ich wirklich ein so großes Schiff mit fast sechzigtausend Besatzungsmitgliedern führen? Es ist eine große Aufgabe und eine ebensolche Verantwortung. Aber ich habe in der Vergangenheit schon viele kritische Situationen gemeistert und ich kann auf eine eingespielte Crew zurückgreifen. Ich bin bereit!

"Das ist der Stab des Lordkapitäns. Nun gehört er dir, mein Junge", etwas an seinem Tonfall gefällt mir nicht. Auch wenn er alles tut, um sich nichts anmerken zu lassen, ist er innerlich über seine Absetzung äußerst verbittert. Kann ich verstehen, aber er hatte seine Chance gehabt und der Familienrat hat ihm weiß Imperator mit dreißig langen Jahren wahrlich genug Zeit gegeben. Ich zögere für einen kurzen Moment und greife dann zu. Der Stab ist nicht mal besonders groß, gekrönt wird er von einem Aquila, dessen Flügel scharfkantig geschliffen sind. Dies ist durchaus auch eine Waffe. Ehrfurchtsvoll greife ich nach dem Schaft und dann trifft mich ein starker elektrischer Schlag. Die Entladung lähmt mich und kraftlos sacke ich zuckend zu Boden.

"Du Narr! Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich kampflos das Kommando dir unreifem Schnösel übergebe! Dem fünften Sohn von meinem nichtsnutzigen Bruder, dessen einzige herausragende Eigenschaft ist, dass er unwesentlich älter ist als ich! Niemals wirst du das Kommando über mein Schiff bekommen! Denn die Audacia gehört mir!" Während er mit mir spricht, schlägt er mich mehrmals mit der Faust ins Gesicht. Ich will die Schläge abwehren, mich wehren, aber der Stromschlag lähmt mich noch immer, lässt mich hilflos auf dem Boden liegen. Eine überaus demütigende Erfahrung, die mich sehr zornig macht. Wer Blut sät, wird Tod ernten. Ich bin momentan viel zu wütend, um Angst zu haben. Die Tür zum Trophäenraum wird aufgestoßen und mehrere Marinesoldaten in der Uniform der Brückenwacht kommen herein. Ich werde entwaffnet, solange ich vollkommen hilflos bin, weil der Stromschlag mich noch gelähmt hält. Blut läuft aus meinen aufgeplatzten Lippen und tropft auf den guten Teppich am Boden. Thron! In den Romanen sagen die Helden in diesen Moment immer etwas, sei es ein Fluch, ein Versprechen auf Rache oder etwas Witziges. Aber ich bekomme kein einziges Wort heraus.

Unsanft werde ich heraus gezogen und nach unten geschafft. Ich werde eine halbe Ewigkeit durch das Schiff geschleift, bis wir in einem Zwischendeck landen. Mit zunehmender Verzweiflung versuche ich mit den Leuten zu reden, aber ich bekomme keinen vernünftigen Satz heraus. Man zieht mich aus, spritzt mich mit einer chemischen Flüssigkeit aus einem Schlauch ab und gibt mir einen Overall und Arbeitsschuhe zum Anziehen. Dann zwingt man mich noch weiter nach unten zu gehen. Hier ist der Maschinenraum und werde in einen großen stinkenden Schlafraum mit schmuddeligen Feldbetten geführt. Hier leben die Unab. Die Unab sind Zwangsarbeiter, die in zwölf Stunden Schichten die Drecksarbeiten erledigen, für welche sich die reguläre Besatzung zu fein ist. Unab ist die Abkürzung für "Unausgebildete Arbeitskräfte". Grilka 19, eine verlebt aussehende grauhaarige Mittvierzigerin ist meine Vorarbeiterin in einer Gruppe von zwanzig Leidensgenossen. Braddock, Solun Ares und Carmina sind aus meinem ehemaligen Gefolge ebenfalls hier. Colette wurde zum Küchenpersonal geschafft, Josephina eingesperrt, nachdem ein paar Siedler über die etwas obskureren Ereignisse an Bord der "Ruhige Gezeiten" geplappert haben. Auch die Siedler finden sich bald hier ein. Caine scheint noch in den oberen Quartieren zu sein. Ich hoffe zum einen, dass ihm nichts geschieht, und zum anderen, dass er mich nicht verraten hat. Seit ich denken kann, hat sich Caine um mich gekümmert, hat mich unterrichtet und angeleitet. Einen großen Teil von dem, was ich heute bin, hat er geformt. Anfangs hielt ich ihn für meinen Vater und mein Kindermädchen für meine Mutter, weil ich meine wahren Eltern nur ganz selten zu Gesicht bekam. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter mich jemals auf ihren Schoss hatte oder irgendetwas mit mir gespielt hätte, als ich noch ein Kleinkind war. Einen Verrat von seiner Seite würde mich wirklich tief treffen. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 22. August 2012, 09:11:02
Position:
Transfer durch den Schlund
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Sieben schweißtreibende Schichten in der Gluthitze des unteren Maschinenraumes habe ich inzwischen hinter mir. Wahrlich, ich bin der Hölle gelandet. Eigentlich hatte ich vorgehabt, die ersten Monate auf der Audacia damit zuzubringen, verschiedene niedere Arbeiten auf allen relevanten Positionen zu verrichten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was ich meinen Leuten zumuten kann und was nicht. Diesen Punkt kann ich hier wohl schon mal abhaken. Das Leben als Unab ist die Hölle. Ich bin zwar in einem adligen Haushalt aufgewachsen, trotzdem war mein Leben nicht immer einfach, da ich mich mit den übelsten Abschaum herum schlagen musste, den man sich vorstellen konnte. Ich war einmal auf berüchtigten Todeswelt Mortressa gewesen und habe überlebt. Ich bin ein Conari und lasse mich nicht so einfach brechen. Nur der Gedanke an Rache hat mich die ersten Tage durchhalten lassen. Sobald ich meinen rechtmäßigen Rang wieder erlangt habe, würde mein Onkel für seine Schandtaten büßen.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass mein angeblich im Schlund verschollener Bruder Novus ohne Probleme es bis zur Audacia geschafft hatte und dann ist ihm das Gleiche wie mir widerfahren. Nur wurde bei seiner Ankunft sein Transferschiff in Stücke geschossen. Novus erging es anfangs soweit besser, dass er in einem seinem Stand angemessenen Quartier eingeschlossen worden ist. Aber dann fing er an Pläne zu schmieden und umzusetzen, um seinen rechtmäßigen Posten einzunehmen. Das ging offensichtlich schief, aber was mein Onkel dann mit ihm gemacht hat, ist nicht heraus zu bekommen. Oder niemand traut es mir zu sagen. Entweder ist er grausam getötet worden oder existiert als ein lobotomisierter Servitor weiter. Thronverdammt!

Von seiner ehemaligen Entourage ist nur noch seine Navigatorin übrig, die hier mit einem fest mit ihrem Kopf verbundenen Helm schwere körperliche Arbeit verrichten muss. Die Frau ist hochgewachsen und hat eindeutig zu viele Gelenke in den Beinen. Aber viele der Unabs haben gewisse genetische Abweichungen. Wegen ihres Helmes, den sie wegen ihrem dritten Auge tragen muss, nenne ich sie scherzhaft Lady Helmchen. Jeden Tag gibt es zweimal einen Proteinbrei zum essen, der schmeckt, als wäre Erbrochenes darin. Was durchaus im Bereich des Möglichen ist. Dazu gibt es dünnen Rekaf. Die Arbeit ist körperlich sehr anstrengend. Zurzeit müssen wir eine viele Tonnen schwere Spule eines Plasmareaktors zerlegen, die Einzelteile in einen anderen Raum schaffen, wo Techpriester Hymnen im Maschinencode singen, mit Weihrauchschwenkern weißen Dunst verteilen und die Teile mit gesegneten Ölen abreiben. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sie diese Rituale nicht an Ort und Stelle vollziehen können, um den Maschinengeist wohl zu stimmen. Es gibt zwar einen Deckenkran, aber keinen Motor, so dass der Kran von Muskelkraft hin und her geschoben werden muss. Ebenso muss die Kette über einen Flaschenzug per Hand bedient werden.

Besonders Carmina leidet unter dieser Situation. Sie ist für eine andere Art von Leben und Aufgabe geschaffen. Ich versuche ihr soweit wie möglich zu helfen, aber sie verliert stetig an Gewicht und das Feuer in ihren Augen, das mich früher immer in Wallung gebracht hat, verlöscht jeden Tag etwas mehr. Es gibt hier eine inoffizielle Währung, die sich "Scheine" nennt. Scheine kann man sich damit verdienen, in dem man nach der offiziellen Schicht weitere Arbeiten für reguläre Raumfahrer macht. Oder indem man sich im Spiel Hartball hervor tut.

Hartball wird mit einer etwa zehn Kilo schweren Eisenkugel gespielt, die so dick mit Tüchern umwickelt ist, dass sie auf den dreifachen Durchmesser kommt. Das Spielfeld befindet sich in einem leergeräumten Hallenbereich und misst etwas um die dreißig auf fünfzehn Meter. Ziel ist es, die Kugel im gegnerischen Tor zu versenken. Die Kugel darf dabei nicht mehr als zehn Schritte weit getragen werden und muss dann an ein anderes Mitglied des fünfköpfigen Teams abgegeben werden. Gewonnen hat die Mannschaft, die nach drei Dritteln je fünfzehn Minuten die meisten Tore geschossen hat. Alle paar Tage tritt eine Auswahl der Unab gegen die Wärter an. Normalerweise gewinnen die Wärter. Gute Spieler bekommen ein paar Privilegien, wie leichtere Arbeit und Scheine bei einem guten Spiel. Und Scheine sind wichtig, man kann sich damit nicht nur leichtere Arbeit erkaufen, sondern auch primitive Waffen und angeblich, falls die Gerüchte stimmen, bekommt man für fünfzig Scheine sogar eine Laserpistole. Aber niemand weiß, wer der Anbieter ist. Und es gibt noch einen Haken, eine Gruppe von Aufpassern, dass sind Unab, welche den eigentlichen Wächtern die Drecksarbeit abnehmen, nimmt sich jeden vor, der zu viele Scheine hortet. Diese Gruppe wird von einem Kerl namens Grox angeführt. Und er trägt den Namen aus zwei Gründen, zum einen ist er stark wie ein Grox, zum anderen ist er genau so schlau.

Ich spreche bei einem gewissen Lakosta vor, der die Hartball Mannschaft der Unab trainiert. Der etwa vierzig Jahre alte Mann mit einem vierkantigen Gesicht ist angeblich immer auf der Suche nach neuen Talenten. Also mache ich bei einer Trainingseinheit mit, kann mich aber nicht wirklich hervor tun, da ich von der harten Arbeit ziemlich geschlaucht bin. Aber ich darf aber morgen trotzdem wieder kommen. Nun, mal sehen, ob das der Weg zu meiner Bestimmung ist. Der Bestimmung, über die Audacia und ihre Crew zu herrschen. Und natürlich, um meiner Familie genug Profit überweisen zu können, dass ich diesen Posten auch behalten kann.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 24. August 2012, 11:19:57
Position:
Transfer durch den Schlund
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Da ich für die immer schwächer werdende Carmina mit schuften muss, kippe ich schließlich einfach um. Braddock legt sich einfach nicht genug ins Zeug, um wirklich eine Hilfe zu sein. Solun Ares hilft zwar, aber nicht gut genug. Thronverdammt! So lande ich auf der Krankenstation. Ich bekomme nicht heraus, was mit Arbeitsunfähigen passiert, aber ich kann es mir in etwa ausmalen. Entweder Spaziergang in der Leere oder Wiederverwertung als Servitor. Die vernarbte Ärztin auf der Krankenstation bietet mir ein Aufputschmittel an. Was das für Nebenwirkungen hat, will sie mir nicht verraten, aber es hat welche. Aber ich habe keine Wahl. Sie spritzt mir eine Dosis von "Labora", was mich mit frischer Energie versorgt. Mit frischen Kräften klotze ich nun richtig hin.

Nach der Schicht eile ich zum Training und kann nun zeigen, was in mir steckt. Es läuft wie am Schnürchen und kann deutlich mit meinem Können punkten. Am darauf folgenden Tag kann ich Trainer Lakosta schließlich von meinen Fähigkeiten so weit überzeugen, dass ich für das Spiel in drei Tagen aufgestellt werde. Das wird helfen, hoffe ich zumindest. Zeit ist momentan ein überaus kostbares Gut.

"Kennt ihr Euch rein zufällig mit obskuren Psiphänomenen aus?", werde von einem der Arbeiter nach dem Ende des Trainings angesprochen. Der schlaksige Kerl hat blaue Augen und dünne braune Haare. Er ist mir schon mehrmals aufgefallen, weil er öfters öffentliche Gebetsstunden an den Gottimperator abhält und frömmelnde Reden schwingt. Und es heißt von ihm, dass er keine Erschöpfung kennt. Entweder ist er permanent auf Labora oder der Glaube verleiht ihm eine außergewöhnliche Ausdauer. Spricht er mich auf Josephina an? Hat sich das inzwischen schon bis hier nach unten herum gesprochen? Ich bin nicht sicher, was ich davon halten soll.

"Nun, Bruder Obskurus, sehe ich aus wie ein Gelehrter der Scholastica Psikana von Terra?", erwidere ich und klopfe ihn freundschaftlich auf die Schulter. Dann lasse ich ihn einfach stehen. Seine Schulter ist überaschenderweise sehr kühl gewesen, dabei herrschen in diesem Bereich des Maschinenraumes Temperaturen weit jenseits der dreißig, in manchen Bereichen sogar bis zu fünfzig Grad. Seltsamer Kerl.

Kaum im Bettenlager angekommen, fängt das Labora an, abzuklingen. Ich kann mich gerade noch ins Bett fallen lassen, als ich unkontrolliert zu zittern beginne. Man rät mir, die Gelenke in Bewegung zu halten, was ich auch tue. Im Extremfall kann dieses Zeug zu Gelenkversteifungen führen. Meine tapfere Carmina ist bei mir und hilft, den Anfall zu überwinden. Schließlich klingen die Nebenwirkungen ab und ich falle in einen traumlosen Schlaf. Die nächsten Tage habe ich wegen dem bevorstehenden Spiel nur leichte Arbeit und mache mir große Sorgen um Carmina, welche schließlich durch die Intervention von Lady Helmchen, der Navigatorin meines Bruders, durch drei Scheine ebenfalls leichte Arbeit bekommt. Eigentlich heißt die junge seltsame Frau mit den langen weißen Haaren und dem Helm Yuri.

Schließlich kommt der Tag des Spieles gegen ausgeruhte Mitglieder der regulären Wachmannschaft. Das sind allesamt wahre Hünen und scheinen nur aus Muskeln zu bestehen. Genau wie ich eigentlich auch. Zusätzlich sind sie in gut gepolsterte Rüstungen gehüllt. Kein Wunder also, dass die Unabs nie gewinnen. Und auch heute sieht es nicht besonders gut für sie aus. Leider ist dies nicht mein Tag und mir will kaum etwas gelingen. Ich werfe zwar ein Tor, trotzdem verlieren wir gegen die Wachen mit einem satten 8:2. Thron! Aber wenigstens habe ich mir so sieben Scheine verdient, das wären zwei Tage leichte Arbeit für Carmina. So langsam wird das problematisch mit ihr. Was soll ich nur tun? Was kann ich nur tun?

Kaum bin ich wieder in den Quartieren, kommt der Oberaufseher der Unab, Grox herein. Grox stammt von einer primitiven Urzeitwelt und ist ein muskelbepackter Kerl, der auf manchen Welten sicherlich einen passablen Gladiator abgegeben hätte. Sein Gesicht ist ziemlich lädiert von schon länger zurückliegenden Auseinandersetzungen. Aber vielleicht war es auf seiner Welt auch üblich, Kinder die Nase wieder und wieder zu brechen. Vier weitere Aufseher und ein uniformierter Knilch, den ich hier noch nie gesehen habe, sind in seinem Kielwasser. Der Aufseher baut sich vor Carmina auf.
"Mitkommen!", herrscht Grox sie mit seinem schrecklichen Dialekt an.
"Das glaube ich nicht!" meine ich und schiebe mich zwischen Carmina und Grox. Der Barbar glotzt mich ziemlich überrascht an, da wir uns auf gleicher Augenhöhe befinden. Körperlich groß zu sein ist nie verkehrt. "Weißt du, wer ich bin?", frage ich den ungehobelten Klotz.

"Du bist Flavion Conari und ich habe keine Angst vor dir, Großmaul. Ich zähl bis drei, entweder habe ich die Schlampe dann oder du spuckst deine Zähne aus." grollt der Kerl, der offensichtlich noch nie was von Mundhygiene gehört hat. Der Gestank aus seinem Mund haut mich beinahe um. Damit hat er drei Eigenschaften des Grox in sich vereint, nämlich deren berüchtigter Mundgeruch.
"Ich hätte dir gar nicht zugetraut, dass du bis drei zählen kannst.", meine ich freundlich. Der Aufseher geht einen Schritt zurück und holt mit seinem Knüppel aus. Mit einem blitzschnellen Schlag mit der rechten Faust breche ich seine krumme Knubelnase ein weiteres Mal und er kippt nach hinten um. (Kritischer Treffer mit 17 Schadenspunkten)
"Wer ist der nächste?", frage ich und puste auf meine Faust, wo die Fingerknöchel aufgeplatzt sind. In meinen Jugendjahren habe ich als Grundlage imperiales "Todesfaust" von einem Veteranen gelernt, die gleiche schnörkellose waffenlose Kampfkunst, welche Gardisten einsetzen. Von außen sieht sie recht unspektakulär aus, dafür ist sie brutal und effizient. Darauf ausgelegt, einen Gegner schnell außer Gefecht zu setzen.

"Lasst den Unsinn, Conari! Schnappt ihn Euch!", meint der Lackaffe und die drei Typen stürzen sich auf mich und halten mich fest, während der Pinkel sich Carmina schnappt und abführt. Wirklich wehren kann sich die arme Kleine nicht mehr. Und ich kann sie leider nicht weiter beschützen. Grox zu besiegen war das eine, mit vier anderen gleichzeitig fertig zu werden geht doch etwas über meine Fähigkeiten. Ich bin klug genug, es nicht trotzdem zu versuchen. Aber wenigstens habe ich verhindert, dass meine Carmina von diesem ungehobelten Barbaren angetatscht wird.

Ich werde in eine Zelle zwischen zwei Maschinenblöcken einsperrt. Der Käfig ist gerade mal anderthalb Meter im Quadrat und genau so niedrig. Austrecken ist für mich hier unmöglich. Einer der Nachteile, wenn man über 1,90 ist. Ich hocke mich hin und versenke mein Selbst. Eine Meditationsübung, die mich mein Lebenswart Caine gelernt hat. So überlebe ich die Hitze, die Enge und die Vibrationen ohne große Nebenwirkungen die nächsten Tage, besonders da ich zwei Wasserflaschen extra bekomme. Einmal von Yuri und einmal von Bruder Obskurus für drei Scheine gesponsert. Da will sich wohl jemand meine Freundschaft erkaufen. Und ich muss gestehen, damit ist das wohl auch gelungen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 27. August 2012, 14:03:54
Position:
Unbekannt
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Ein entkommen aus dem Käfig ist unmöglich, da er extra dafür gebaut wurde, auch körperlich stärkere Gefangene als mich drinnen zu halten. Die Konstruktion ist aus massivem Ferroplast und wiegt bestimmt mehrere Tonnen. Besonders das Problem der Ausscheidung von Fäkalien macht den Aufenthalt neben der Hitze, Krach und Vibrationen zur Tortur. Ganz abgesehen davon, dass ich mir nicht nur Sorgen um mich, sondern auch um meine Konkubinen mache. Beide habe ich im Doppelpack nach dem Vollbringen meiner ersten großen Mission in dem wirklich angesehenen Fleischhaus "Surkus & Söhne" gekauft. Die Beiden haben praktisch meinen gesamten Gewinn und die Apanage eines halben Jahres gekostet, aber ihr horrender Preis war nur zu gerechtfertigt. Ein kluger Mann kauft seine Konkubinen immer aufeinander abgestimmt im Doppelpack, auch wenn diese zusätzliche Konditionierung einen erheblichen Preisaufschlag nach sich zieht. Ein Geschäftsmann in meinem damaligen Betätigungsfeld ist oft mehrere Tage oder gar Wochen fernab aller zivilisatorischen Annehmlichkeiten beschäftigt und dies sind keine Orte für eine zarte Frau. Und allein fängt sich eine Konkubine an zu langweilen und kommt vielleicht auf dumme Gedanken, ihre Vorzüge jemanden zur Verfügung zu stellen, der sie nicht gekauft hat. Aber zwei können sich miteinander beschäftigen und die jeweils eine passt viel besser auf die andere auf, als es je ein Wächter oder Servoschädel tun könnte.

Inzwischen sind mir meine beiden Schätzchen sehr ans Herz gewachsen, vielleicht mehr, als es mir gut täte. Letztendlich ist alles ersetzbar und nur eine Frage von Gelt. Aber Carmina und Josephina haben mir unzählige Stunden außergewöhnliches Vergnügen bereitet, getrennt oder zusammen und selbst jetzt noch, gelingt es ihnen immer wieder, mich mit etwas Neuem zu überraschen. Ihr Repertoire und Einfallsreichtum scheinen unerschöpflich zu sein. Und was immer sie auch sein mögen, die beiden gehören mir! Und jeder, der sich an ihnen vergreift und weh tut, wird dafür bezahlen. Der Hass und die mentalen Übungen halten mich in diesem Loch aufrecht. Endlich werde ich frei gelassen und man erlaubt mir einen Schlafzyklus im Bettenraum zu vollbringen. Lady Helmchen, Bruder Obskurus, Braddock und Solun Ares erwarten mich schon mit Neuigkeiten. Während ich stehe und meine verkrampften Muskeln lockere, bekomme ich zu hören, dass Grox seine Schmach nicht vergessen hat. Der Kerl sinnt natürlich auf blutige Rache und wird morgen zuschlagen. Wir gehen verschiedene Eventualitäten durch, ihm zuvor zu kommen. Aber letztendlich haben wir nicht die Möglichkeit dazu. Allerdings wäre niemand wirklich traurig über das Ableben von Grox, der zu vielen äußerst übel mitgespielt hat und als besonders brutal gilt. Nun gut, morgen wird entweder er oder ich sterben. Bei genauerer Betrachtung der Situation komme ich zu dem Schluss, dass ich sein Ableben deutlich favorisiere. Um das sicher herbei zu führen, tausche ich bei einem Schwarzmarkthändler für drei Scheine einen 36er Gabelschlüssel mit einseitig angeschliffener Spitze. Nicht gerade Rabenklaue, aber man kann ja nicht alles haben.

Trotz der bevorstehenden Auseinandersetzung schlafe ich wie ein Stein. Am nächsten Zyklus werden wir vom Trupp 19 zur Arbeit an einem Gerüst eingeteilt, für deren Erledigung wir sechs Stunden brauchen. Dann gibt es Mittagessen. Normalerweise wird dies von einem Kind gebracht, das ein Wägelchen mit Boxen schiebt und diese verteilt. Diesmal ist es die rothaarige Colette aus meinem ehemaligen Gefolge, die mir eine Box von etwas weiter unten in die Hand drückt und mir verschwörerisch zublinzelt. Meine gute Colette, einst eines der unzähligen Putzmädchen im Haushalt meines Adelshauses. Sie war ein knochiges kleines Ding mit viel zu großen Augen und spitzer Nase gewesen. Ich war es, die sie auserwählt hat, meinem Leibkoch Lungini zur Hand zu gehen, als dessen bisheriger Gehilfe weg befördert worden war. Das Mädchen hatte etwas Verlorenes und Trauriges an sich gehabt. Ihre Arme waren voll von blutigen Striemen gewesen, weil ihre Meisterin mit Colettes Leistungen nie zufrieden gewesen war. Ihre Augen hatten mich so flehentlich angesehen, dass ich sie einfach nehmen musste. Inzwischen ist aus dem ungeschickten dürren kleinen Mädchen eine junge hübsche Frau geworden, von der Lungini kurz vor seinem Tod noch gemeint hat, dass sie so etwas wie Talent zum kochen hat. Das wohl größte Lob, das je über seine Lippen gekommen war.

Wenig überraschend ist in der Box, die ich im Toilettenabteil öffne, keine Extraration drin, sondern ein Bündel Papiere und eine Karte aus Metall mit einem komplizierten Muster aus Bohrungen. Eine Zugangskarte für einen sensiblen Bereich, wie mir scheint. Die Papiere sind Pläne eines Deckes, wo sich Waffenkammern befinden. An einer Ecke ist ein Kussmund aus Lippenstift zu sehen. "In Liebe" steht darunter. Ach, meine liebe findige Carmina, mein kleines einfallsreiches Teufelchen, welches das Wort Risiko nicht in ihrem Wortschatz hat. Kein Wunder, dass ich meine Mädchen so lieb habe. Jetzt brauchen wir nur noch auf das entsprechende Deck zu kommen. Aber da fällt mir bestimmt noch was ein.

Nach der Mittagspause wird unserer Trupp in einen schwer einzusehenden Werkstattbereich verlegt. Grox hat wohl ein paar Scheine springen lassen, um ungestört hier mit uns spielen zu können. Ich ziehe meinen 36er Gabelschlüssel und halte ihn locker in der Hand. Es ist beinahe schon wie vor einem Duell. Siebenundzwanzig habe ich siegreich beendet, aber dies wird nicht dazu zählen, denn Grox ist etwas, das man nicht zu einem Ehrenhändel fordert, da diese Kreatur mit dem Begriff Ehre nichts anfangen kann. Um mich herum gruppieren sich auf der rechten Seite Braddock und Solun, auf der linken Bruder Obskurus, Meisterin Althea und Lady Helmchen auf. Sie fummelt an dem Verschluss ihres Helmes, der aber nur durch Zerstörung dessen zu öffnen ist, wie ich nach einer kurzen Überprüfung des Mechanismus feststelle. Und das hätte sicherlich weitreichende Konsequenzen.

Grox ist so nett, uns nicht allzu lange Warten zu lassen. Wenigstens diesen Ansatz von Manieren scheint er zu besitzen. Die anderen von Gruppe 19 haben sich in die hinterste Ecke der Werkstatt verkrümelt, denn dieser Kampf ist nicht der ihre. Sondern ganz allein meiner!
"Na, Grox, wie geht es der Nase?", frage ich süffisant lächelnd, da seine Nase ein angeschwollener Klumpen ist, der in buntschillernden Farben leuchtet und schon fast etwas Lustiges hat, welches von dem brüllenden Mund mit den kariösen Zahnstummeln etwas abgemildert wird. Besonders da er einen schweren Vorschlaghammer mit ehernen Griff über der Schulter trägt, den er nun in beide Hände nimmt und ohne weiteres Wortgeplänkel mich angreift. Ich finde es äußerst zuvorkommend von ihm, dass er meine Zeit nicht damit verschwendet, mir sinnentleerte und anatomisch unmögliche Drohungen an den Kopf zu werfen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 03. September 2012, 11:53:52
Position:
Unbekannt
Leichter Kreuzer "Audacia"
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Bevor ich handeln kann, sprintet Althea vor und sticht mit einer angespitzten Feile zu. Aber die Wunde im Oberkörper ist nur oberflächlich, da sie an einer Rippe abgleitet. Ich greife ebenfalls an und kann leider meinen guten Treffer nicht wiederholen. Trotzdem hinterlässt die angeschliffene Seite des 36er Gabelschlüssels eine blutende Wunde auf seiner muskelbepackten Brust. Vor Wut brüllend zischt der gewaltige Vorschlaghammer auf mich zu. Ich fasse den Schraubenschlüssel an der stumpfen Seite mit beiden Händen und stoppe so den Schlag. Trotzdem fährt mir die brutale Wucht bis hoch in die Schultern. Der Kerl ist wirklich bald so stark wie ein Grox! Thronverdammt!

Mit äußerst lautem weibischen Gekreische stürzt sich Yuri ins Schlachtgetümmel und versucht einen der Gehilfen von Grox mit einem Kopfstoß mit ihrem stabilen Helm in den Bauch zu treffen. Der springt gewandt zur Seite und Yuri rammt die dahinterliegende Wand. Es scheppert ganz schön, als die verformte Frau aufprallt. Das hat bestimmt weh getan. Bruder Obskurus greift mit einem Stoßgebet auf dem Imperator mit einem wild geschwungenen Ringschlüssel an, nur um direkt in das wartende Messer eines der anderen Spießgesellen von Grox zu laufen. Mit einem sadistischen Grinsen zieht der Scherge die Klinge vom Beckenrand hoch bis zum Brustbein. "Imperator steh mir bei!", keucht Bruder Obskurus und taumelt mit aufgeschlitztem Overall zurück. Eigentlich erwarte ich bei einer solchen Wunde die Gedärme herausquellen und auf den Boden zu klatschen zu sehen. Aber statt Blut und Gedärme fällt Schnee zu Boden.

"Thron!", keuche ich überrascht. Überall werden Schutzformeln gesprochen, während Bruder Obskurus sich vor unseren Augen in einen Schneemann verwandelt. Oder besser gesagt in einem Haufen formlosen Schnees, aus dem ein zerfetzter Overall herausragt. Braddock und Solun Ares stürmen nun ebenfalls in den Nahkampf, die kurze Konfusion ausnutzend, die durch den Schneetod von Bruder Obskurus entstanden ist. Das nenne ich mal wirklich ein obskures psionisches Phänomen. Aber nach den Ereignissen auf der "Ruhige Gezeiten" wirft mich so schnell nichts wieder aus der Bahn. Um mich herum beginnt ein wildes Handgemenge, während Althea und ich uns auf Grox konzentrieren. Die Meisterin der Leere sticht mit wenig Geschick Löcher in die Luft, während ich mit einem weiteren Hieb eine blutende Wunde hinterlasse und dem nächsten wuchtigen Schlag mit einem geschickten Sprung ausweiche. Ich kann den starken Luftzug spüren und die brutale Kraft, die hinter diesen wuchtigen Schlägen steckt. Aber diese Waffe ist äußerst unhandlich und träge. Während er ein weiteres Mal ausholt, treffe ich ihn wieder hart.

Leider habe ich zu viel Schwung in den Schlag gelegt, denn Grox rammt mir den Hammerkopf mit einem brutalen Stoß auf meine Brust. Da knackt einiges, aber es ist wohl nichts gebrochen, da ich kein Blut huste oder eine Rasseln in der Lunge höre. Aber nun ist eine große Lücke in der Abwehr von Grox entstanden, in die Althea mit aller Kraft sticht. Die angespitzte Feile senkt sich in Groxs Hals und die Hauptschlagader ist zerfetzt. Die kleine Frau wird förmlich mit Blut geduscht. Ich wende mich einem weiteren Schergen zu, der auf die arme am Boden liegende Yuri eintritt und ziehe ihm mit aller Kraft meinen 36er Gabelschlüssel über den Schädel. Es knall richtig, als der unter meinem Hieb zerbricht. Der Kerl sackt tot zu Boden. Ares und Braddock haben entdeckt, dass dies eine verdammt gute Aggressionstherapie ist und schicken weitere Aufseher tot zu Boden. Die noch lebenden Schergen des toten Grox erkennen die Zeichen der Zeit und beweisen, dass motivierte Männer eine Geschwindigkeit von mehr als dreißig Stundenkilometer erreichen können. Wir lassen unsere Waffen verschwinden, indem wir sie unter das vorhandene Werkzeug mischen und harren der bewaffneten Wachen, die bald auftauchen dürften. Eine kurze Durchsuchung von Grox und den Wachen fördert einiges an Scheinen zu Tage, die wir schnell in unserer Kleidung verstecken. Damit können wir was anfangen, falls wir nicht umgebracht werden.

Schon bald tauchen bewaffnete Wachen auf und bestaunen das Massaker. Der Schneehaufen, welcher einst den Körper von Bruder Obskurus gebildet hat, ist inzwischen fast gänzlich geschmolzen und die Wasserlache hat sich mit dem Blut der toten Aufseher vermischt. Da die Sachlage offensichtlich ist, jedenfalls bis auf den geschmolzenen Schnee, werden wir zu fünf Peitschenhieben und einem Tag Nahrungsentzug verurteilt. Thron! Dieser Grox und seine Spießgesellen scheint wirklich nicht beliebt gewesen zu sein. Wir empfangen unsere Strafe wie Männer, jedenfalls diejenigen unter uns, die in diese Kategorie fallen. Yuri und Althea leiden besonders darunter, dass die Strafe mit entblößtem Oberkörper vollstreckt wird und sie ihre oberen Attribute so aller Welt zeigen müssen. Aber letztendlich werden wir wieder in den Aufenthaltsraum zurückgescheucht, wo weitere Scheine als kleine Anerkennung für das Ableben von Grox auf uns warten. Damit kann man jetzt was anfangen. Es wird Zeit, konkrete Pläne zu machen, um hier heraus und auf meinen rechtmäßigen Platz der Hierarchie dieses Schiffes zu kommen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 05. September 2012, 13:29:02
Position:
Unbekannt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 407 783.M41

Schon während unseres Schlafzyklus tritt ein Kontaktmann an mich heran, also jemand, der Treffen mit anderen Leuten außerhalb des Maschinenraumes arrangieren, bzw. die notwendigen Nachrichten weiterleiten kann. Nun gut, das kostet nur zwanzig Scheine pro Nachricht oder arrangiertem Treffen. Er scheint gute Kontakte zum ersten Maschinenseher Ademis zu haben. Ihn als Verbündeten zu gewinnen ist sicherlich kein Fehler. Also lasse ich ein Treffen nach der nächsten Schicht arrangieren. Nach schweißtreibenden zwölf Stunden harter körperlicher Arbeit und einer Mahlzeit bestehend aus Proteinpampe und etwas Rekaf holt mich der Fremde ab. Es ist immer kritisch, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die man nicht kennt. Nicht mal den Namen, nach dem ich nicht gefragt habe, da ich eh eine Lüge zu hören bekommen hätte. Also nenne ich ihn einfach den Fremden. Auf dem Weg versuche ich ein paar Informationen aus ihm heraus zu kitzeln. So wie es aussieht, ist meine Carmina äußerst weich im Bett von Leutnant Tessa Nimdock gelandet, die dafür bekannt ist, junge Frauen aus der Mannschaft zu vernaschen. Nun ja, damit kann ich leben und Carmina wahrscheinlich auch.

Über einige dunkle Kanäle und nicht mehr so gebräuchliche Gänge führt er mich durch ein Labyrinth von Korridoren, bis wir schließlich den Tempel des Omnissiah erreichen, der sich irgendwo im Herzen des Maschinendecks befinden muss. Alleine betrete ich den Tempel aus Adamantium, das Symbol des Mechanicum ist allgegenwärtig. Der Altar besteht aus einem Maschinenblock, auf dessen Frontseite zwei Zahnräder ineinander drehen. Das eine ist schwarz, dass andere ist weiß. In seiner roten Robe bekleidet wartet schon der erste Maschinenseher auf mich. Schnell macht er mir klar, dass er nicht daran interessiert ist, an einer Meuterei gegenüber dem Lordkapitän mitzumachen. Genau genommen hat er das schon getan, da er rein rechtlich gesehen gegen mich gemeutert hat. Schließlich hat mein Onkel sein Amt schon faktisch an mich übertreten gehabt, als er mir den Stab des Lordkapitäns aus freien Stücken reichte. Aber letztendlich reicht es mir, wenn sich die Techpriester in der zukünftigen Auseinandersetzung sich nicht einmischen.

"Ihr braucht also nichts weiter zu tun, als nichts zu tun.", fasse ich zusammen.
"Und was haben wir Techpriester davon?"
"Die Audacia ist in einem erbärmlichen Zustand.", stelle ich fest und ernte keinen Widerspruch. "Und sobald ich Lordkapitän bin, werde ich dies unverzüglich ändern und das nächsten Reparaturdock anlaufen.  Schließlich muss ich nicht innerhalb der nächsten Monate ein Vermögen anhäufen und nach Hause zu transferieren. Änderungen brauchen ihre Zeit und das ist auch dem Familienrat der Conaris durchaus bewusst. Wenn ich etwas in meinem Leben gelernt habe, dann das, dass man gutes Werkzeug braucht um hervorragende Arbeit zu verrichten. Und solange mein Werkzeug in diesem desolaten Zustand ist, kann ich damit nicht arbeiten. Weder zum Ruhme des Omnissiah noch zu dem meiner Familie."
"So viel Weisheit hätte ich Euch gar nicht zugetraut.", meint der Techpriester nach einer kurzen Pause.
"Schon viele haben mich unterschätzt und die meisten davon sind inzwischen tot.", meine ich zum Abschied. Den letzten Satz kann er durchaus als Versprechen ansehen. Wer sich mir in den Weg stellt, lebt in aller Regel nicht mehr lange. Ich habe mich fast ein ganzes Jahrzehnt mit dem übelsten Abschaum von Scintilla und dem Calixis Sektor herum geschlagen. Man kann mir sicherlich vieles nachsagen, aber nicht, dass ich schwach, zögerlich oder unzuverlässig bin. Ich halte meine Versprechen, denn das Wort eines Conari ist bindend! Mein Onkel scheint das hier draußen fernab der Zivilisation vergessen zu haben.

"Noch ein Rat zum Abschluss, versucht nicht, die Söldner auf Eure Seite zu ziehen. Das hat schon Euer Bruder versucht und das hat ihm das Genick gebrochen. Die Söldner der Grauwölfe achten auf ihren Ruf der Unbestechlichkeit, der mehr wert ist, als ein kurzer schnöder Gewinn. Falls Ihr vorhabt, Euch mit Leutnant Tessa Nimdock zu verbünden, lasst es sein. Sucht lieber Verbündete bei jenen, die von Eurem Onkel in der letzten Zeit degradiert worden sind." Ein guter Rat. Die Söldnerin war tatsächlich eine Option und wäre mein nächster Kontakt gewesen. Draußen wartet der Fremde und ich frage ihn, wer in letzter Zeit Groll gegen meinen verräterischen Onkel gesammelt haben könnte. Mich mal außen vor gelassen.

"Da wäre Major Garbuss Voyle. Früher war er Anführer der Marineinfanterie, jetzt ist er noch der Leiter der Ausbildung." Ich lasse mir ein paar Fakten über den Major erzählen, der aus der imperialen Flotte nach dreißig Jahren ausgemustert hat. Dreißig Jahre Dienstzeit und nur Major für die Sicherheitstruppen? Nicht gerade das, was man eine steile Karriere nennt. Entweder hatte er nie Gelegenheit, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, was bei der überbeschäftigten Flotte eher nicht der Fall sein dürfte. Oder er ist mehrmals übergangen worden, weil ihm entweder der Biss fehlt, die notwendigen Kontakte, er unfähig oder einfach nur schwach ist. Da mein Onkel bestimmt keinen Unfähigen angeheuert hat, er bis jetzt überlebt hat, fehlten ihm wahrscheinlich die Kontakte. Damit würde ich arbeiten können.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 07. September 2012, 12:22:25
Position:
Unbekannt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 407 783.M41

Der Fremde gibt mir ein Stück Pergament und etwas zu schreiben. Nach kurzem Überlegen setze ich folgende Nachricht auf:

Sehr geehrter Major Voyle  !

Wenn Sie etwas an ihrem momentanen Status ändern möchten, dann organisieren Sie ein Treffen mit mir.

Flavion Conari
Lordkapitän der Audacia

Damit setze ich alles auf eine Karte. Es gibt immer nur einen Lordkapitän auf einem Schiff und meine Unterschrift beweist Meuterei oder anders herum, dass ich der Lordkapitän bin. Mein Onkel hat das Amt mir übergeben und ist damit Facto der Meuterer. Nur wird es schwer werden, das zu beweisen. Das Überbringen der Nachricht kostet mich weitere zwanzig Scheine, damit habe ich mit dem Treffen vorhin schon vierzig Scheine ausgegeben. Der Vorrat ist schneller geschrumpft als gedacht.

Ich begebe mich zurück ins Quartier und setze die anderen in Kenntnis, was ich in die Wege geleitet habe. Überraschenderweise ist Bruder Obskurus wieder aufgetaucht. Seine Haut fühlt sich immer noch viel zu kalt an, aber scheint aus Fleisch und Blut zu bestehen. Er behauptet, ein geweihter Astropath zu sein. Während sein Geist frei herum streifen kann, wenn man das hier frei nennen möchte, ist sein Körper in einem Kryotank gefangen. Warum und weshalb weiß er nicht. Bruder Obskurus kann sich an sein früheres Leben nur bis zu dem Zeitpunkt erinnern, wo er den Thronraum des Imperators betreten hatte, wo er vor dem gigantischen goldenen Thron unseres lebendigen Gottimperators nieder gekniet war, um die Seelenbindung zu empfangen, welche ihn vor den Raubtieren des Warps schützt. Von allem anderen hat er keinerlei Erinnerung. Nun, das erklärt zwar nicht, warum er hier im wahrsten Sinne des Wortes herumgeistert, aber wenigstens scheint er keine Kreatur des Warps zu sein. Aber würde eine Kreatur des Warps nicht genau das von sich behaupten, nämlich keine Kreatur des Warps zu sein? Auf alle Fälle passt sein Spitznamen Bruder Obskurus zu hundert Prozent.

Am nächsten Tag werde ich noch vor Beginn der Arbeitsschicht von vier Marineinfanteristen abgeführt. Sie schleifen mich durch das halben Schiff, bis wir einen kleinen abgeschiedenen Raum erreichen. Der Major ist ein Mann, dem man sein Alter ansieht. Und das er überhaupt nicht glücklich ist, mich zu sehen. Ich werde auf einem feststehenden Stuhl gezwungen und der Major schlägt mir mehrmals hart ins Gesicht. Autsch! Das hat weh getan! Man muss kein Genie sein, um zu merken, dass er mir momentan nicht wohlgesonnen ist. Er wirft mir vor, ein verdammter Meuterer zu sein, da es nur ein Lordkapitän auf einem Schiff geben kann.

"Und das ist genau der Punkt, Major Voyle! Mein Onkel Ravion ist vom Familienrat der Conari abgesetzt worden!"
"Das spielt hier in der Leere keine Rolle!"
"Und er hat mir das Amt des Lordkapitäns übergeben!"
"Das hat er nicht!" Er schlägt mir ein weiteres Mal ins Gesicht. So langsam tut das richtig weh. Thron! Solch Prügel habe ich schon lange nicht mehr einstecken müssen.
"Das hat er wohl! Der Imperator sei mein Zeuge! Er hat mir den Stab des Lordkapitäns vor dem Freihändlerbrief überreicht und im gleichen Moment schon gemeutert, als der den Stab unter Strom setzte und mich niederschlug! Ich bin der amtierende Lordkapitän und mein Onkel ist ein Meuterer!", -verteidige ich mich.
"Gibt es dafür Zeugen?"
"Nur mein Onkel, der Gottimperator, der alles sieht und ich waren anwesend." Ich spüre, wie er unsicher wird.
"Und es soll nicht Euer Schaden sein, Major, wenn ihr Euch auf die Seite des wahren und einzigen Lordkapitäns der Audacia schlägt."
"Ich bin alt und ihr habt Eure eigenen Leute mitgebracht. Eine Meisterin der Lehre und einen Magister Militaris. Was bleibt da für mich noch übrig? Brotkrumen, wie üblich!", meint er verbittert, aber ich habe die Tür schon zu einem Spaltbreit geöffnet.
"Meisterin Puppila wird mich meist auf meinen Missionen zu Planeten und Stationen begleiten. Magister Militaris Ares ist in der Tat noch unerfahren und eher für die Führung meiner Leibwache vorgesehen, ganz abgesehen davon, dass er Flavions Mann ist. Eigentlich wollte ich meinen Onkel nach seiner Abdankung zu meinem XO, also zum Ersten Offizier machen, um von seiner Erfahrung und Weisheit zu profitieren. Es dünkt mich, dass mein Onkel Ravion mit seinem Verhalten bewiesen hat, dass er dieses Postens ungeeignet ist." Der Major schnauft und schreit dann: "Schafft dieses Stück Dreck zurück in den Schweinestall, wo er hergekommen ist."

Auch wenn seine Männer mich Grün und Blau geschlagen zurück ins Unterdeck schleifen, weiß ich, dass ich ihn habe. Und ich brauche in der Tat einen Mann als Stellvertreter, auf den ich mich verlassen kann, wenn ich mich von Bord begebe. Mein Onkel hat sich für diesen Posten in der Tat disqualifiziert, meine Tante als XO zu belassen wäre tödlich fahrlässig. Major Voyle hat die notwendige Erfahrung und kennt die Crew. Und wenn er mir in dieser Situation hilft, habe ich seine Loyalität für alle Zeit gewonnen. Und er meine Dankbarkeit.

So ist es keine wirkliche Überraschung, als Arbeitstrupp 19 für Sonderaufgaben ein paar Decks weiter oben angefordert wird. In den Decks, wo auch die Waffenkammern sind. Und wo ich eine Zugangskarte dank meiner äußerst findigen Konkubine Carmina besitze.

Gedanke des Tages
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Gespielt am 07.04.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 1
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 1
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 1
Yuri aka Lady Helmchen Navigatorin Rang 1
EP: 350
Besiegte Gegner:
Aufseher Grox
und einige seiner Spießgesellen
Beute:
ca. 50+ Scheine 
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 10. September 2012, 10:49:42

Persona Dramatis
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Kapitel 3
Nach der Meuterei ist vor der Meuterei!

Position:
Unbekannt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 410 783.M41

Es dauert eine Weile, bis wir unser neues Aufgabengebiet in einem der höheren Decks erreichen. Hier ist es schon von den Temperaturen her deutlich angenehmer. Eine Seilbahn mit Sitzgestänge durchzieht das Deck, welche Offiziere schnell durch die einzelnen Segmente befördert. Hier ist das Geschützdeck, der Geruch nach Maschinenöl und Fycelin ist überwältigend. Eine der gigantischen Makrokanonen wird gerade gewartet. An der Decke hängen gigantische Kettenzüge, mit denen die gewaltigen Geschosse in die Kammern der Geschütze geladen werden. Unsere Gruppe wird in mehrere kleine Trupps aufgeteilt und rein zufällig bleibt mein Gefolge bei mir. Wir kommen zu den sogenannten Kriechern und unser Instrukteur ist ein kleiner drahtiger Kerl mit dem Namen Rickard, der einen sorgfältig geflochtenen schwarzen Bart trägt. Sein Helm ist mit einer Lampe versehen und seine isolierten Arbeitshandschuhe geben ihm etwas Groteskes. Bevor er mit seinen Erklärungen anfangen kann, gibt es schon einen kleinen Tumult und eine Wachoffizierin mit dem Namen Hauptmann Greyfield. Sie will unsere Verlegungspapiere sehen und verkündet anschließend, dass dieser Unsinn nicht lange Bestand haben wird. Wütend schnauft sie ab, um wohl meine Verlegung nach unten wieder einzuleiten.

Unser Vorarbeiter Rickard ist offenbar in diese kleine Verschwörung involviert, denn wir bekommen eine schnelle Einführung in die Materie der Arbeit der Kriecher. Unsere Ausrüstung besteht aus einem stabileren Overall, einem Helm mit Lampe und überdimensionierten isolierten Handschuhen. Und schon krabbeln wir in die finsteren Gänge der Audacia, bevor Hauptmann Greyfield uns noch erwischt. Das ist hier alles verdammt eng. Die Damen unserer Gruppe haben es recht einfach, während es für uns große breitschultrige Männer bald recht knapp wird. Alles ist zusammengepresst und ich komme mir vor wie ein Fisch in einer Dose. Ich habe große Probleme, in diesen Kriechtunneln keine Krise zu bekommen. Braddock bleibt schließlich irgendwann stecken und es ist problematisch, ihn wieder frei zu bekommen. Solun trägt dabei ein blaues Auge davon. Schließlich machen wir Pause und Rickard verteilt ein paar Fleischstreifen zur Stärkung. Ich packe die Pläne von Carmina aus und zeigte sie dem Vorarbeiter, nachdem dieser durchblicken lässt, dass er uns bei unserem Vorhaben unterstützen wird. Der von Carmina markierte Bereich ist nur schwer von unserer Position zu erreichen, was heißt, dass dies etwa zwei Stunden dauern wird und wir durch recht unangenehme Bereiche müssen. Zum einen müssen wir den Raum des Astropathenchores passieren, in dessen Bereich es viele lecke Kryotankleitungen gibt, zum anderen müssen wir einen schwarzen Bereich durchqueren. Ein schwarzer Bereich ist ein Hort von blinden Passagieren, Ausgesetzen oder Flüchtlingen. In jedem Schiff gibt es die sogenannten Schwarzen Decks, die selten von regulären Besatzungsmitgliedern betreten werden und von Dingen bewohnt werden, die normalerweise im Feuer von Flammenwerfern geläutert werden müssen. Ausgelöscht zu werden ist das Schicksal des Unreinen. So steht es geschrieben, so wird es im Namen des Imperators vollstreckt.

Rickard schleust uns sachkundig durch dieses Labyrinth an Gängen, Schächten und Tunneln, durch die man teilweise nur robben kann. Durch diese Dunkelheit sich zu bewegen ist nicht schön. Was würde ich dafür geben, einfach meinen Onkel zu einem offenen und fairen Duell fordern zu können, statt diese Wanderung auf mich nehmen zu müssen. Es ist wie eine Reise in die Finsternis. Wir passieren Bereiche mit lecken Leitungen, an denen giftiges Gas austritt. Bereiche, die nicht beheizt werden und die Kälte einen in die Knochen kriecht. Andere Bereiche sind heiß wie die Hölle. Es ist ein Wechselbad der Extreme in totaler Finsternis und klaustrophobischer Enge. Die Anstrengungen gehen selbst an mir nicht Spurlos vorüber und mehr als einmal wäre ich am liebsten wieder umgekehrt.

Schließlich führt uns Rickard in einen Lagerraum, der in der Nähe des von Carmina angekreuzten Raumes liegen soll. Ich habe keine Ahnung, ob dies der Wahrheit entspricht. Auch wäre ich nicht in der Lage, den Rückweg zu finden, da ich die Orientierung vollständig verloren habe. Die Lagerraumtür ist von innen mit einem Kartenschloss gesichert. Der Vorarbeiter will schon den Maschinengeist des Schlosses damit verärgern, dass er ihn überlisten will, als ich die Codekarte präsentiere. Damit ist es ein leichtes, das Tor zu öffnen, ohne den Maschinengeist zu nerven.

Vor uns liegt ein Frachtaufzug und ein Gang aus dem üblichen abgenutzten Ferroplast, der mehrere Abzweigungen und eine Treppe nach oben hat. Arbeiter oder Wachen sind keine zu sehen. Wir gehen vorsichtig in den Gang hinaus und sind dabei verdammt laut. Zum Glück ist erst mal niemand zu sehen. Allerdings ist der direkte Weg versperrt, da vor dem Zugang zu unserem Lager hörbar zwei Soldaten schwatzen. Wir sind zu weit weg, um zu hören, um was es genau geht. Da wir keine Möglichkeit haben, an zwei Bewaffneten vorbei zu kommen, kriechen wir unter die Treppe und warten zwanzig ewige Minuten, bis eine Gruppe von Soldaten an uns vorbei marschiert. Der Weg scheint nun endlich frei zu sein, da die beiden Schwatzbasen wohl zu diesem Haufen gehört haben. Jedenfalls vermute ich das, da ich nun niemand mehr hören kann. Zeit um Tatsachen zu schaffen.

Vorsichtig bewegen wir uns in diesen Bereich und kommen tatsächlich in den Lagerraum. Vier Container stehen darin, einer davon scheint öfters geöffnet zu werden. Der Container selbst ist unverschlossen. In einem Regal stapeln sich Flaschen von erlesener Alkoholika wie Amasec der berühmten Marke "Red Star Prime" über Qualitätsweine bis hin zu wirklich exotischen Getränken, deren Namen nicht mal mir etwas sagt. In einer Tiefkühltruhe befinden sich verschiedene verderbliche Lebensmittel von hervorragender Qualität. Dann stehen noch drei Kisten herum. In der ersten finden wir sechs Laserpistolen und Lasergewehre aus qualitativ hochwertiger Merovech Kartell Produktion. Damit lässt sich was anfangen. In der zweiten hat Carmina sechs Armaplastrüstungen hinein gedrückt, welche die darunter liegenden Seidengewänder ganz verknittert haben. In der dritten finden sich Xenoswaffen, mit denen wir nichts anfangen können, da sie zwar einen Griff haben, aber ihre Balance ist einfach falsch. Aber die Laserwaffen und die Rüstungen sind für uns ihr Gewicht in Elektrum wert. Und wer braucht schon Waffen aus zweifelhafter Xenosfertigung, wenn er gute Waffen mit gesegneten Maschinengeister haben kann?
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 14. September 2012, 17:38:18
Position:
Unbekannt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 410 783.M41

Wir rüsten uns aus und ich öffne die Tür. Leider steht am Ende des Ganges ein Wachsoldat, der sofort seine Waffe auf uns anlegt. Lady Helmchen, die inzwischen keinen Helm mehr trägt, öffnet ihr drittes Auge und lässt den armen Kerl wahnsinnig werden. Ein Kopfschuss erlöst ihn von seinen Leiden. Leider war das Peitschen der Laserpistole ziemlich laut, von dem schrecklichen Geschrei ganz zu schweigen. Wir machen, dass wir Distanz zum Geschehen finden. Leider kommen uns zwei Soldaten entgegen gelaufen.

"Was ist passiert?", fragte der mich.
"Eine explodierte Energiezelle, holt einen Medic!", antworte ich. Einer der Soldaten macht kehrt und läuft zur nächsten Interkomeinheit. Der andere bleibt leider bei uns. Also ziehe ich meine Laserpistole und bedrohe ihn damit. Ich hau ihn mit seinem eigenen Helm KO, da ich ihn nicht umbringen will. Schließlich tut er nur seine Arbeit und in wenigen Stunden werde ich sein oberster Vorgesetzter sein. Jetzt aber nichts wie weg hier! Thron!

Wir eilen zurück in den Lagerraum, wo Rickard noch auf uns wartet. Jetzt hoch zur Brücke, aber flott. Allerdings dauert unser Sturmlauf durch Wartungsgänge und Schächte der Audacia zwei Stunden und wir beeilen uns wirklich. Vier Kilometer Länge und eine Höhe/Breite von vierhundert Metern hören sich vielleicht nicht viel an, aber nur wenn man durch bequeme breite Gänge laufen und mit automatischen Fahrstühlen die Höhenunterschiede überwinden kann. Muss man hunderte von Metern hoch klettern, merkt man erst, was das für eine Wahnsinnsdistanz ist. Schließlich erreichen wir einen Fahrstuhlschacht, den wir bis zum Empfangsraum der Brücke hoch klettern können. Im Zierfischraum, der am Empfangsraum angrenzt, würde jemand auf uns warten, meint Rickard zum Abschied. Nun gut, wir klettern eine Notleiter hoch bis zur Fahrstuhltür, die wir mit unseren Mitteln und Fähigkeiten nicht öffnen können. Was würde ich jetzt für jemanden geben, der sich mit solchen Sachen auskennt. So bleibt uns nichts anderes übrig, als nach unten zu klettern, wo die Fahrstuhlkabine steht. Wir springen drauf und Bruder Obskurus rutscht beinahe vom Dach. Gerade so kann ich dazu hechten, um ihn zu halten. Gemeinsam mit Braddock ziehen wir ihn wieder hoch. Meinem Leibwächter Braddock gelingt, es die Luke zur Fahrstuhlkabine mit rohrer Gewalt aufzubrechen, und wir können so mit der Kabine nach oben fahren.

Ohne Zwischenfall kommen wir oben an. Die Türen öffnen sich nun automatisch und wir können in die Empfangshalle vorrücken. Wachen sind zu unserem Glück keine zu sehen und wir kommen ohne Zwischenfälle in den Zierfischraum. Hier befindet sich ein gewaltiges Aquarium mit seltsamen Xenosfischen darin. Bänke reihen sich an den Wänden entlang. Zwischen den Sitzbänken sind Kübel mit ebenfalls exotischen Pflanzen darin. Ein Buch lesender Uniformierter erwartet uns schon. Der jüngere Mann ist einer von Major Voyles Männern und sehr erfreut, uns hier oben wohlbehalten anzutreffen. Alles wäre bereit, loszuschlagen. Nun gut, dann lasst uns gegen meinen Onkel vorgehen. Der hat die Brücke verlassen und befindet sich hier irgendwo auf diesem Deck. Nun gut, wir werden ihn schon finden. Wir verlassen den Zierfischraum, während der junge Mann sich mit seinem Vorgesetzen in Verbindung setzt.

Dummerweise laufen wir auf dem Weg in die Offiziersquartiere einem Unteroffizier in die Arme. Wir tun so, als ob wir zur Verstärkung der Brückensicherheit von unten hoch geschickt worden seien, um diesen verdammten Conari aufzuhalten. Wir bekommen einen Posten zugewiesen, von dem wir uns sofort wieder verdrücken, kaum sich der Feldwebel umgedreht hat. Wir schlagen den gleichen Weg wieder ein, den ich schon mit meinem Onkel kurz vor seinem Verrat und Meuterei begangen habe. Seine Hinterlist kommt mir wie vor Ewigkeiten vor. Schließlich erreichen wir den Trophäenraum und können ein Gespräch zwischen dem Senneschall von Braun und dem Schiffsmeister Major Gettner hören. Beide sind der Meinung, dass mein Onkel immer wunderlicher wird und den Bezug zur Realität verliert. Wenn er so weiter macht, bleibt meinem Onkel bald nichts mehr anderes übrig, als Kurs in die Weite zu nehmen und für immer zu verschwinden. Und das ist kein Zustand, der für das Schiff und seine Besatzung tragbar wäre. Das Gespräch verstummt, als eine weitere Gestalt auftaucht. Mein Onkel!

Welch glücklicher Zufall. Der Imperator ist mit mir. Sieht jedenfalls ganz so aus. War ja auch oft genug in der Kathedrale des Lichts in Tarsus und habe zu ihm gebetet. Und danach auch einiges gespendet. Meine Familie hat in diesem altehrwürdigen Bauwerk ihre eigene Loge und eine Kapelle über der Familiengruft. Sieht so aus, als würde dort bald mein Onkel seine letzte Ruhe finden. Auch wenn er ein Meuterer und Schuft ist, ein Conari bleibt er trotzdem noch. Ich ziehe meine Pistole und komme mir etwas unterbewaffnet vor. Eine Laserwaffe mag die ikonische Standardbewaffnung der imperialen Armee sein und für die meisten schwächlicheren Xenos eine tödliche Bedrohung darstellen. Aber letztendlich ist eine solche Waffe für ihre Zuverlässigkeit und nicht für ihre Durchschlagskraft bekannt.

"Imperator! Steh mir bei in dieser dunklen Stunde und führe mich zurück auf die Straße des Ruhms!", bete ich und trete in den Durchgang.
"Hallo Onkel! Lange nicht gesehen!"
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 17. September 2012, 11:23:43
Position:
Unbekannt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Trophäenraum
Zeit: 8 410 783.M41

"Du! Was fällt dir ein? Kannst du dummer Junge nicht verstehen, wo dein Platz hier ist? Ich bin der rechtmäßige Lordkapitän! Egal was dieser beschissene Familienrat entscheidet!", brüllt er mich an und zieht eine reichlich verzierte Handkanone. Bevor jemand reagieren kann, schießt er schon auf mich. So ein verdammter Drecksack. Ich versuche zur Seite zu hechten, aber das will mir irgendwie nicht richtig gelingen. Die großkalibrige Kugel streift mich am Oberarm, was im ersten Moment gar nicht wehtut. Aber aus Erfahrung unzähliger Kämpfe weiß ich, dass dies nur eine Frage der Zeit ist. Meisterin Puppila fängt sich als erste und erwidert das Feuer, schießt aber vor lauter Aufregung daneben. Hinter einer der Vitrinen des Trophäenraumes geht sie in Stellung. Von Braun und Gettner hechten sich hinter die nächste Deckung und beschränken sich darauf, sich erst mal neutral zu verhalten, was ich mit Wohlwollen registriere. Ich nehme ebenfalls Deckung an einer Vitrinenecke und schieße auf meinen Onkel. Ich treffe ihn, aber der Lichtstrahl entzündet nur ein paar Fuseln auf seiner Uniform. Eine Laserpistole ist einfach keine Waffe, wenn man einen Menschen töten will, der mehr als ein Nachthemd trägt. Und mein Onkel trägt natürlich wie jeder auf seine Gesundheit bedachte Adlige eine gute Rüstung unter seiner Uniform. Von seinem Refraktorfeld mal ganz zu schweigen, dass er nun aktiviert.

Bruder Obscurus und Lady Helmchen suchen sich ebenfalls eine Deckung und fangen an, die Luft mit Laserstrahlen aufzuheizen. Dabei zielen sie grob in die Richtung meines Onkels. Von der Tiefe des Kommandodecks kommen weitere Soldaten heran gerannt, die von Braddock und Solanus herzlich mit einem Feuerwerk aus flirrendem Licht empfangen werden. Na Prima! Eine weitere großkalibrige Kugel  aus der Waffe meines Onkels trifft die Vitrine und sprengt Material aus dem Möbelstück. Meisterin Puppila feuert weiter, die meisten Schüsse verfehlen meinen Onkel knapp oder lassen sein Feld aufleuchten. Nur einer ihrer Schüsse findet eine Lücke und verwundet ihn ordentlich. Ravion Conari hat genug davon, auf mich zu schießen und wirft die Waffe in meine Richtung. Ich ducke mich und sie verfehlt mich. Noch in der Bewegung zieht mein Onkel sein Energieschwert und schlägt nach mir. Die Klinge zischt auf mich zu. Seit meinem vierten Lebensjahr habe ich Fechtunterricht genossen. Die Grundlagen hat mir Caine beigebracht. Zu meinem sechsten Geburtstag bekam ich ein scharfgeschliffenes Schwert und einen eigenen Fechtlehrer plus einige Übungsservitoren in meiner Größe. Ein Adliger in Tarsus ist entweder ein guter Fechter oder er wird nicht alt in einer Gesellschaft, in den Händel und Unstimmigkeiten auf öffentlichen Duellplätzen mit scharfgeschliffenen Waffen ausgetragen werden. Dabei ist das Schwert die Waffe unseres Standes. Deswegen ist es für mich ein Leichtes, der Klinge mit einem gewandten Sprung nach hinten auszuweichen. Während um mich herum das Feuergefecht sich immer mehr ausweitet, konzentriere ich mich auf den Kampf mit meinem Onkel. Ich wünschte, wir hätten diese Meinungsverschiedenheit wie Männer unseres Standes offen in einer Duellarena mit Publikum austragen können. Und müssten diese unwürdige Farce hier nicht veranstalten.

Sein Schwert zuckt ein weiteres Mal auf mich zu, aber ich drehe mich aus der Stoßrichtung. Sein Schwung trägt ihn zu weit vor, da Ravion damit gerechnet hat, zu treffen und viel Kraft in sein Manöver gelegt hat. Tja, die Fechtschule von Tarsus hat sich in den letzten hundert Jahren weiter entwickelt. Ich kriege seinen rechten Arm zu packen und verdrehe ihm so das Handgelenk, dass er das Schwert fallen lassen muss. Mit einem Stoß in die Rippen, was mir genau so weh tut wie ihm, lasse ich ihn zurück taumeln. Sofort hebe ich das Schwert auf und habe so den Spieß umgedreht.

Ein Waffenservitor, dass gleiche schwer bewaffnete Modell, was uns von der "Ruhige Gezeiten" abgeholt hat, dringt trotz massiver Gegenwehr in den Raum ein. Dieser Kampf wird bald zu Ende sein, so der so. Der geflügelte Servitor ist mit einem mehrläufigen Maschinengewehr und eine Energieklaue bewaffnet. Obendrein ist er noch schwer gepanzert und sein Gesicht ist mit einer Maske bedeckt. Die Läufe des Rotationsmaschinengewehrs beginnen sich drehen und ein Regen aus Stahlmantelgeschossen scheißt auf Meisterin Puppila, Bruder Obskurus und Lady Helmchen zu. Die meisten werden getroffen, aber die militärische Armaplastrüstung in Verbindung mit dem wahren Glauben an unseren lebendigen Gottimperator auf seinem Goldenen Thron zu Terra hält meine Entourage am Leben. Jedenfalls alles bis auf Bruder Obskurus, der von der Garbe durchsiebt wird und sich wie gewohnt in einen Schneemann verwandelt. Neben dem intensiven Geruch nach Ozon kommt jetzt der stechende Geruch nach Fycelin hinzu, mit denen die Patronen des Maschinengewehrs gefüllt sind. Der Lärm ist ohrenbetäubend, neben dem Peitschen der Laserschüsse und den Schreien der Verwundeten kommt jetzt noch das harte Stakkato des Maschinengewehrs hinzu. Kein Wunder, dass mir da die Ohren klingeln. Ich habe keine Angst, denn ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, am Leben zu bleiben.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 19. September 2012, 13:12:20
Position:
Unbekannt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 410 783.M41

Mein Onkel zieht seine Laserpistole und schießt auf mich. Geradeso kann ich noch dem Schuss ausweichen, indem ich zur Seite hechte. Schneller als das Licht! Nein, nicht wirklich wahr. Die Kunst besteht darin, schon in dem Moment aus der Schussbahn zu hechten, wenn der Schütze beschließt, abzudrücken. In dieser kurzen Zeitspanne ist es möglich, einem Schuss noch auszuweichen. Ich nutze den Schwung und bewege mich auf meinem Onkel zu. Mein erbeutetes Schwert zuckt vor, findet eine Lücke im Refraktorfeld und bohrt sich tief in das Fleisch des Meuterers. Ohne großen Widerstand zu treffen gleitet die Klinge durch Lagen hochwertiger Panzerung wie ein warmes Messer durch importierte teure Butter. Auch Fleisch, Organe und Knochen bilden keinen nennenswerten Widerstand mehr.

"So hätte es nicht enden müssen, Onkel Ravion.", meine ich traurig und seine Augen brechen. Aber für Trauer über das gewaltsame Ableben meines Onkels habe ich keine Zeit, denn der Servitor kommt auf mich zu und seine Klauen schlagen nach mir. Ich benutze meinen Onkel aus Schutzschild und weiche so dem Hieb aus. Die Leiche meines Onkels sackt zusammen. Weitere Wachgardisten drängen nach und sie scheinen ihren ehemaligen Lordkapitän rächen zu wollen. Verdammte Narren! Erkennen sie nicht die Zeichen der Zeit? Das Maschinengewehr des Servitor schwenkt auf mich ein und ich hechte unter dem Feuerhagel hindurch, pariere die Energieklaue und greife nach dem Stab des Lordkapitäns. Diese Insignien der Macht ist nicht nur ein wichtiges Statussymbol, sondern auch der Kontrollstab für das Schiff und die Kampfservitoren. Meine linke Hand schließt sich um das Symbol der absoluten Macht auf diesem Schiff.

"Feuer einstellen!", befehle ich dem Servitor, der sofort in Habachtstellung tritt. Erleichtert Atme ich auf, da ich nicht sicher gewesen bin, ob nicht noch weitere Rituale notwendig sind. Jedenfalls scheint der Maschinengeist im Stab zu der genügsamen Sorte zu gehören, die auch ohne ständiges Flehen, Gebete und Salbungen mit geweihtem Öl funktionieren. "He! Ihr Schwachköpfe da draußen! Entweder ihr stellt auch das Feuer ein und die Sache ist vergessen. Oder ihr kämpft weiter und sterbt!" Leider entscheiden sie sich für Option zwei. Thron! Nun gut, mein Servitor schafft das Problem mit einer langgezogenen Salve aus seinem rotierenden Maschinengewehr endgültig aus der Welt. Wieder ein paar Leute weniger, die nun tot in ihrem Blut liegen. Aber wer nicht für mich ist, der ist dazu verdammt, sich einem höheren Richter zu stellen!

Nachdem ich nun die Kontrolle über die Servitoren habe, ist es ein leichtes, die Kontrolle über diesen Teil des Deckes zu erringen. Der Widerstand bricht schnell in sich zusammen und die Meuterer sind besiegt. Das wäre geschafft. Inzwischen schmerzt meine Armwunde ziemlich heftig. Blut tropft aus meinem Ärmel auf dem Boden und hinterlässt eine leicht zu folgende rote Spur. Oberflächlich verbinde ich die Wunde mit einem Tuch, dass Ravion mir spendet. Ich bekomme Kontakt mit Leuten von Major Voyle, der wohl ebenfalls recht erfolgreich war. Sieht so aus, als wäre der Machtwechsel auf der "Audacia" nun doch noch erfolgt. Endlich trete ich meinen rechtmäßigen Posten auf diesem Schiff an. Ich sammle meine Leute und gehe mit dem Stab in der verletzten Rechten und mit dem Schwert in der Linken in Richtung der Brücke. Mein neuer Kampfservitor folgt mir, ebenso meine restliche Entourage. Die meisten haben mehr oder weniger schwere Wunden davon getragen. Der Blutverlust von meinem Arm lässt mich teilweise schwindlig werden, aber ich kann mich zusammenreißen. Ich sammle den Seneschall von Braun und den Schiffsmeister Major Gettner auf, die sich inzwischen aus ihrer Deckung hervorgetraut haben und nun sicher Position für mich beziehen können. Leutnant Exton, ein recht junger Offizier mit einem blonden Scheitel, welchem das Zeremoniell untersteht, begrüßt mich zackig als neuer Lordkapitän auf der Brücke. Manche Leute erkennen eben auf Anhieb die Zeichen der Zeit.

Die Brücke ist ein kirchenartiger Raum mit barocken Zierwerk, welcher drei verschiedene Ebenen umfasst. Der Thron des Lordkapitäns steht auf einer Empore auf der obersten Ebene, so dass man von hier aus das ganze Gewusel auf der Brücke gut im Blick hat. Das ist mein zukünftiger Arbeitsplatz, aber noch ist es nicht vorbei. Es hat schon einen Grund, warum ich das Energieschwert in meiner guten Hand noch halte. Noch bevor ich mich umsehen kann, geht hinter mir die Brückentür auf und Major Voyle tritt in Begleitung von Leutnant Tessa Nimdock von den Eisenwölfen ein. Sieht so aus, als wäre der Söldnerkontrakt für sie doch nicht so heilig, wie gedacht. In seinem Schlepptau befinden sich drei Söldner und sechs seiner Leute. Etwas an seinem Auftreten gefällt mir ganz und gar nicht. Bin ich etwa wie meine Josephina auch psionisch aktiv, dass ich überall Verrat wittere und wie immer Recht behalte? Denn schon die nächsten Worte aus Voyles Mund machen mir klar, dass ich mal wieder richtig lag.

"Conari! Glückwunsch zur Übernahme und Ausschaltung Eures Onkels. Aber nun seid so nett und übergebt mir den Stab des Lordkapitäns!" Die Wachsoldaten richten ihre Lasergewehre auf mich, während Leutnant Tessa Nimdock und ihre drei Söldner einen etwas irritierten Eindruck machen. In diesen Teil des Spiels um den Thron des Lordkapitäns waren sie wohl nicht eingeweiht.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 21. September 2012, 15:18:36
Position:
Unbekannt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 410 783.M41

"Ihr macht einen großen Fehler, Major Voyle. Ihr bekommt den Posten des ersten Offiziers und ich vergesse diesen Vorfall!", biete ich ihm diplomatisch an, meine Wut über diesen Verrat herunter schluckend. Es gibt Momente, wo man großzügig sein muss.
"Ihr macht wohl Witze, Conari! Ihr seid doch nur ein dummer Junge, ein Laufbursche Eurer Familie. Es fehlt Euch an Erfahrung, ein Schiff dieser Größe zu führen!" Mit dem ersteren liegt er vollkommen daneben, bei seinem zweiten Punkt könnte er durchaus recht haben.
"Deswegen brauche ich gute Offiziere, die mich beraten. Die mich lehren, auf was es ankommt. Aber so wie ich die Sache sehe, habe ich wohl keine Wahl!"
"In der Tat! Ihr habt keine Wahl. Ich werde Euch einfrieren lassen und in ein paar Jahren, wenn ich meinen Schnitt gemacht habe, überlasse ich Euch das Kommando über die Audacia!"
- Klar! Für wie blöd hält mich Voyle eigentlich? - denke ich zerknirscht. Es gibt wenig mehr was mich wütend macht, als wenn jemand glaubt, ich wäre debil! Ich bin Flavion Conari, ein Adliger aus Tarsus von der Welt Scintilla. Mein Ahne hat den Calixissektor erobert, denn er war der Raumstratege hinter dem Avignon Kreuzzug gewesen. Der eigentliche Architekt des Sieges, während andere von seinem Plan profitiert haben und im Rampenlicht standen. Meine Familie gehört zu den mächtigsten auf Scintilla! Ich lasse mir von diesem halbseidenen Militär nicht mein ureigenstes Erbe entreißen!

"Nun gut, ihr habt gewonnen!", meine ich scheinbar zerknirscht und reiche ihm den Stab. Genauso wie ihn mir mein inzwischen toter Onkel gereicht hatte. Ich taste nach dem Auslöseknopf und sobald er das Amtssymbol berührt, aktiviere ich den Schockeffekt. Wie auch mich damals haut es ihn nun heute aus den Stiefeln. Allerdings mache ich nicht den gleichen Fehler wie mein Onkel und strecke ihn sofort mit meinem Schwert nieder, auch wenn er absolut hilflos und keine direkte Gefahr mehr ist. Keine faulen Kompromisse mehr! Es gibt Zeit für Gnade, aber die ist gerade vor fünf Sekunden unwiederbringlich abgelaufen. Bevor die anderen sich von ihrer Überraschung erholt haben, bewege ich mich hinter dem Waffenservitor in Sicherheit. Die Soldaten beginnen auf mich zu schießen. Laserstrahlen peitschen an mir vorbei oder treffen die geschichtete Panzerung des Waffenservitors vor mir. Die Söldner eröffnen das Feuer auf die Soldaten und ein Feuergefecht auf kürzeste Entfernung entbrennt. Mein Servitor deckt mich und wirft mich zu meinem Schutz die Empore herunter. Ich falle mehrere Meter und kann mich soweit abrollen, dass ich nur ein paar harmlose Hämatome abbekomme, während meine Knochen heil bleiben. Thron! Das war jetzt knapp gewesen. Aber der Imperator hat seinen Blick nicht von mir abgewendet, denn ich bin auserwählt, die Audacia zu neuem Ruhm und Glanz zu führen. Davon bin ich fest überzeugt und kein Hindernis wird es vermögen, mich aufzuhalten.

Ich eile zurück nach oben, wo das Feuergefecht inzwischen beendet ist. Leutnant Nimdock liegt in ihrem Blut, lebt aber noch. Einen kurzen Moment ziehe ich es in Erwägung, sie zu töten, da sie meine Carmina vernascht hat. Aber da sie kein Mann ist und meine Konkubine programmgemäß auch Frauen nicht abgeneigt ist, lasse ich die Leutnant erst mal am Leben. Immerhin war sie nützlich gewesen und ich brauche verlässliche Leute. Major Gettner hat einen Kopfschuss abbekommen, damit brauche ich nun auch noch einen neuen Schiffsmeister und auch einen neuen ersten Offizier. Und einen neuen Ausbilder, aber das ist das Geringste meiner momentanen Probleme. Der Servitor hat einiges abbekommen, funktioniert aber noch. Seine Maske ist zertrümmert und ich blicke in das Gesicht von Novus Conari, meinem Bruder und Vorgänger. Das ist also aus ihm geworden. Kein Wunder, dass mir niemand Näheres darüber berichten wollte. Das wäre nicht nötig gewesen, Thronverdammt! Sollte ich jemals Gewissenbisse wegen dem Tod meines Onkels quälen, so brauche ich nur an diesen Augenblick zurück denken, wo das bittere Schicksal meines Bruders Novus Conari enthüllt wurde. Das erschüttert mich doch jetzt ein wenig.

Die Verwundeten werden von Stabsarzt Hoffert, dem Obersten der Bordärzte, versorgt und dann abtransportiert. Auch um meine Verletzungen wird sich gekümmert. Die Blutung wird gestoppt und die Wunde versorgt. Da fühle ich mich gleich wieder viel besser. Leutnant Exton ist auf Zack und lässt die Brücke recht schnell wieder säubern. Schon nach wenigen Minuten künden nur noch glänzende Stellen vom verdunstenden Wasser von den Blutflecken.

Nun ist es Zeit, die "Audacia" offiziell in Besitz zu nehmen. Auf der hinteren Lehne des Thrones ist eine Tafel mit den Namen, Regierungszeiten und Leitsprüche aller bekannten Lordkapitäne vermerkt. Nun wir ein weiterer Name auf dieser altehrwürdigen Liste hinzugefügt werden. Und mein Leitspruch wird sein, "Wer wagt, gewinnt". Auf dem Thron nehme ich mit einem seufzen Platz. Endlich ist er mein! Der Thron ist mit schwarzem Leder gepolstert. Groxleder ist das nicht, sondern viel hochwertiger. Auf den Armlehnen sind unzählige Knöpfe, Regler und analoge Armaturen aus Messing befestigt. Der Sinn und Zweck der meisten Bedienelemente ist mir schleierhaft und auch mit den ganzen Skalen mit den Zeigern mit Schädelornamentik kann ich wenig anfangen. Hier und da kann ich die angezeigten Daten, wie verbleibende Transferzeit, durchaus verstehen. An mehreren Ständern hängen Bildschirme mit Messinggehäusen, die mir Skalen, Zahlen, Daten, schematische Darstellungen der Audacia und Bilder verschiedener Bereiche zeigen. Ich habe momentan keine Ahnung, wie man dieses Ding wirklich bedient. Aber ich werde es lernen, denn es ist meine Bestimmung.

Leutnant Exton vollzieht die notwendigen Rituale, um den großen Maschinengeist der Audacia auf mich einzuschwören. Mit meiner Stimme und meinem Blut registriere ich mich und habe dann die volle Befehlsgewalt über diesen leichten Kreuzer mit seinen knapp sechzigtausend Seelen an Bord. Nun ist die "Audacia" mein und ich bin bereit, den Willen meiner Familie und den des Gottimperators zu vollstrecken. Als erstes halte ich eine kurze Ansprache an die Besatzung der "Audacia". Es gibt ein Mikrophon für das Interkom, in das ich hinein sprechen kann. Das Bedienterminal für das Interkom ist leicht verständlich aufgebaut und ich wecke den Maschinengeist mit einem kurzen Ritual und stimme ihn mir gewogen.

"Hier spricht Lordkapitän Flavion Conari! Mein Onkel, Ravion Conari, ist von seinem Amt, wie vom Rat des Hauses Conari beschlossen, zurückgetreten und ich bin nun der rechtmäßige Lordkapitän der Audacia. Mein Onkel hat sehr viel auf diesem Schiff schleifen lassen. In der nächsten Zeit wird sich vieles zum Besseren ändern, denn vieles liegt im Argen. Aber dazu brauche ich etwas Zeit und bitte deswegen um Geduld, bis meine Maßnahmen greifen.", erkläre ich kurz und nun ist es Zeit, ein paar Personalentscheidungen zu treffen. Caine taucht wie aus dem Ei gepellt auf. Er hatte das Glück, als Seneschalls von Braun Laufbursche arbeiten zu dürfen und hat sich deswegen schon in diese Umgebung eingearbeitet. Mit meiner neuen Entourage begebe ich mich in ein nahes Besprechungszimmer mit einem Tisch aus weißem Marmor. Der Raum ist sehr hell und macht einen freundlichen Eindruck. Caine berichtet mir, dass es Carmina gut geht und in Sicherheit ist. Josephina ist eingefroren worden, um ihr "Problem" unter Kontrolle zu halten. So verstärkt sie auch den Astropathischen Chor auf der Audacia. Ich verfüge, dass sie aufgetaut und in mein Quartier gebracht wird. Auch, dass Bruder Obskurus, welcher ein Astropath im Kälteschlaf ist, aus der Kapsel entnommen wird. Und natürlich soll meine Colette in Sicherheit gebracht werden, damit wäre mein Gefolge wieder komplett vereint. Jedenfalls das, was noch davon übrig ist. Dann lasse ich mich auf den neusten Stand bringen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 24. September 2012, 12:04:11
Position:
Unbekannt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 410 783.M41

Und der neuste Stand ist nicht unbedingt wirklich erfreulich. Mein Onkel war in den letzten Jahren ziemlich glücklos, hat Schulden angehäuft und mit den angeheuerten Söldnern viel Geld ausgegeben. Aber ohne Söldner geht es zurzeit nicht, da nur bewaffneter Zwang die Besatzung noch zusammen hält. Die Audacia ist in einem erbärmlichen materiellen Zustand. Vieles ist beschädigt und wird nur noch durch die ständigen Rituale der Maschinenpriester und dem Durchhaltewillen der zähen Maschinengeister zusammengehalten. Ein längerer Aufenthalt im Reparaturdock ist schon lange überfällig. Aber sofort eines anzusteuern wäre Wahnsinn, da sich der Großteil der Besatzung schnellstmöglich umorientieren würde. Seneschall von Braun rät mir, erst ein paar kleinere Erfolge einzufahren, bevor wir mit der Audacia eine Station ansteuern. Mit Erfolgen lässt die nötige Hoffnung schaffen, um die Besatzung bei der Stange für das Kommende zu halten. Das hört sich sinnvoll an und stimme dem zu.

Der erste Offizier Esea Conari, also meine Tante und ihre unmittelbaren Gefolgsleute sind in ihren Quartieren inhaftiert. So soll es bleiben. Ich dränge darauf, dass sie in Isolationshaft bleiben, bis ich sie auf Aufbruch von Bord gehen lassen werde. Esea ist die Tochter einer Freihändlerdynastie und ich will mir keine Feinde schaffen, indem ich sie töten lasse. Obwohl ich mir schon sicherlich mit der Tötung ihres Mannes eine Feindin fürs Leben geschaffen habe. Aber mit ihrem Tod würde ich es nur noch schlimmer machen. Außerdem hege ich keinen persönlichen Groll gegen sie, so dass ich von jedweder Aktion gegen ihr körperliches Wohl absehe. Sie wird ihrem Stand entsprechend mit allen Ehren behandelt werden und ihr soll keinerlei Leid geschehen, das schließt ihr Personal mit ein. Ich verfüge, dass der direkte Kontakt nur über Servitoren geht, so dass sie keine Möglichkeit hat, ein Besatzungsmitglied auf ihre Seite zu ziehen.

Es gilt nun ihre Position, also den des Ersten Offiziers und XO zu besetzen. Normalerweise wäre Major Voyle dieser Posten zugefallen, wäre er mir nicht in den Rücken gefallen. Und wäre Gettner nicht im Kreuzfeuer gefallen, hätte ich einen guten Ersatz gehabt. Senneschall von Braun schlägt Major Kyrr vor, den bisherigen Waffenmeister und Magister Militaris.

"Kompetent und energisch, ihr werdet für diesen Posten keinen besseren Mann finden.", preist der Seneschall ihn an.
"Durchaus fähig, aber auch sehr auf seine Position und persönliche Ehre bedacht. Intelligent, stolz und jähzornig.", beschreibt mir Caine seine Eindrücke. Jähzorn kann zu unbedachten Handlungen führen, aber letztendlich sind alle anderen Alternativen mit noch mehr Makeln behaftet, wie ich nach kurzem Durchblättern der Personalakten feststelle.
"Gut, dann wird Sigmund Kyrr mein neuer XO sein", bestimme ich. Jetzt ist die Frage, wer den Posten des Waffenmeisters übernehmen soll. Da kommt Solun Ares in Frage, ist jedenfalls ein Vorschlag aus meiner Entourage. Mir wäre eine andere Position lieber gewesen, wie der Anführer der Brückenwacht, aber ich lasse mich überreden. Nun gut, soll er dieses Amt übernehmen. Auch der gefallene Gettner muss ersetzt werden.

"Materialmeister Istran von Hellstett ist einer unserer dienstältesten Offiziere, der nie um eine Zurechtweisung oder Verbesserungsvorschlag verlegen ist. Derzeit baut er seinen Sohn zu seinem Stellvertreter und Nachfolger auf.", schildert mir der Seneschall dessen Vorzüge. Ein Mann, der sein Umfeld zum Besseren verändern will, scheint mir tüchtig zu sein.
"Für diesen Mann gibt es an Bord keinen wichtigeren Posten als seinen eigenen. Sein Verhältnis zum Schiffsmeister war stark angespannt und die Postprotokolle sind randvoll mit seinen Beschwerden und Kritiknotizen.", gibt Caine seine Meinung kund. Von Hellstett wäre demnach eher ein Querulant. Aber vielleicht weiß er es ja wirklich besser. Immerhin ist er ein alter Hase und mit seinem Sohn Dominik von Hellstett ist gleichzeitig ein schon in den Startlöchern stehender Nachfolger für das Amt des Materialmeisters vorhanden. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich beschließe, dem Mann seine Chance zu geben. Damit wären die wichtigsten Personalentscheidungen gefallen.

Als erstes lasse ich Major Kyrr rufen und setze ihn von seiner Beförderung in Kenntnis. Der Major ist noch keine fünfzig Jahre alt, seine Frisur ist militärisch kurz und er sieht trotz der turbulenten Ereignisse wie aus dem Ei gepellt aus.
"Ich fühle mich geehrt, Lordkapitän Conari!" Und natürlich hat er ein paar Anliegen. Er findet, dass es Zeit ist, wieder Ehrenduelle zwischen den Offizieren zuzulassen. Als Adliger von Tarsus bin ich mit dieser Art der Problembeilegung natürlich bestens vertraut. Aber der Pool von Offizieren ist endlich und es könnte problematisch werden, Verluste hier in der Leere auszugleichen. Ich vertröste ihn erst mal, da ich mir das durch den Kopf gehen lassen muss. Aber wahrscheinlich ist so eine Art von Ventil notwendig und meines Wissens nicht nur auf Tarsus üblich, sondern auch auf vielen Schiffen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 26. September 2012, 12:44:25
Position:
Unbekannt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 410 783.M41

Als nächstes kommt Chorleiter des Astropathischen Chors, Lux Aquinus, in das Besprechungszimmer. Die "Audacia" verfügt über einen Chor und ist so in der Lage, Botschaften schneller zu senden. Aquinus macht mich darauf aufmerksam, dass von meiner Konkubine eine Gefahr ausgeht und es deswegen nicht klug ist, sie aus dem Kälteschlaf zu entlassen.

"Ich besitze sie schon seit über einem Jahrzehnt und es gab nur einen einzigen Vorfall, wo sich ihre Kräfte manifestiert haben. Und diese Kraft hat offenbar nichts weiter getan, als sie am Leben zu halten. Also bringt ihr bei, ihre Kräfte ruhen zu lassen."
"Das ist nicht so einfach!", wehrt sich der Chorleiter.
"Ich sehe nicht so das Problem, einfach nichts zu tun."
"So funktioniert das aber nicht. Es sind aktive Techniken notwendig, um mit den Gefahren des Warps fertig zu werden. Selbst wir, die eine Seelenbindung vor dem goldenen Thron auf Terra erhalten haben, sind nicht vollständig immun. Unsanktionierte Psioniker wie Eure Hure sind eine nicht zu unterschätzende Gefahr für jeden Planeten und auch für jedes Schiff. Mein Rat, lasst sie entweder im Kälteschlaf oder übergebt sie den imperialen Behörden."
"Hütet Eure Zunge. Josephina ist keine Hure, sondern eine sorgfältig ausgebildete Konkubine aus einem der angesehensten Fleischhäuser des Calixissektors und mir über jeden Zweifel erhaben treu ergeben. Das war das erste und auch das letzte Mal, dass ihr meine Konkubine so genannt habt! Ihre Sünde ist, dass sie im freien Raum nicht gestorben ist. Und sie ist mehrmals geprüft worden, wie es das Gesetz des heiligen Imperators befiehlt, also kann ihr Potential nicht viel größer sein als das, was sich bis jetzt manifestiert hat. Bringt ihr einfach bei, sich vor den Gefahren des Warps abzuschirmen! Und damit ist diese Diskussion darüber beendet!", verkünde ich bestimmt.

"Wie ihr befiehlt, mein Lord Kapitän!", meint Lux deutlich aufgebracht. Ich hab ihn wohl bei einem wunden Punkt getroffen. Als nächstes wird mir Bruder Obskurus präsentiert, diesmal als reale Person und nicht als die Projektion, die er bisher war. Vor über fünfundsechzig Jahren ist er an Bord gekommen und zwar schon in gefrorenem Zustand. Gekauft von einem äußerst zwielichtigen Händler aus unbekannter Quelle. Das letzte, an was sich Bruder Obskurus noch erinnern kann, ist die Seelenbindung vor dem goldenen Thron. Danach weiß er nichts mehr. Da er mir gut während meiner Gefangenschaft gut gedient hat, nehme ich ihn in meine Entourage auf. Meisterin Puppila wird meine persönliche Pilotin und stellvertretende Steuerfrau. Braddock, der sich zwar tapfer geschlagen hat, aber doch etwas an Eifer vermissen ließ, als darauf ankam, befördere ich zu meinem persönlichen Bannerträger. Eine Beförderung zwar, aber auch Strafe, da er immer Cussak damit aufgezogen hat, mir die Stange halten zu müssen. Einen neuen Ausbilder zu bestimmen überlasse ich meinem neuen XO Oberst Kyrr, er kennt die Leute besser als ich. Damit wären die dringendsten Probleme vom Tisch.

Die Gemächer des Lordkapitäns sind nun bereit und ich begebe mich in mein Quartier. Als erstes kommt man in ein Empfangszimmer, wo sich normalerweise dann meine Leibwachen aufhalten wird. Links davon geht es zu Toiletten und meinem Arbeitszimmer mit einem großen Konferenztisch. Hier befinden sich einige Bildschirme mit Statusanzeigen in der Holzvertäfelung. Der Schreibtisch ist noch mit den Unterlagen meines Onkels bedeckt. Verschiedene Portraits von Familienangehörigen hängen an den Wänden, darunter auch mein Vater in noch jungen Jahren. Rechts geht es in die Quartiere meiner engsten Mitarbeiter wie Caine, Colette und Braddock. Geradeaus geht es in einen großen Salon mit einer voluminösen, äußerst bequem aussehenden Sitzgruppe im Zentrum des Raumes. Hier werden hohe Gäste empfangen. Auch ist dies der hauptsächliche Wohnraum. Eine Türe führt zu einer Bibliothek mit vielen Büchern in Schränken mit Glastüren. Eine weitere in einen Raum mit persönlichen Trophäen und einer bequemen Ledersitzgruppe, wohl das Herren- und Raucherzimmer. Auch führt man hier wahrscheinlich die etwas heikleren Verhandlungen im engsten Kreis. Eine andere Tür führt in den Speiseraum, der von einem großen Tisch dominiert wird. Auf der rechten Seite stehen mehrere Schränke mit wertvollem Geschirr, auf der linken eine Anrichte. Hier führt auch eine Tür in die kleine Küche, aus der Colette herausgeschossen kommt und mir um den Hals fällt.

"Meister Flavion! Ich bin ja so froh, dass Sie noch leben!", schluchzt Colette, die mich mit ihrer Umarmung schon fast würgt. Ich bin ganz gerührt über meine kleine rothaarige Köchin, dass ich sie ebenfalls drücke.
"Ich danke dir, Colette, dass du mir geholfen hast und auch in der Stunde der Not zu mir gehalten hast. Du hast großen Mut bewiesen und das werde ich dir nie vergessen.", sage ich und gebe ihr einen sanften Kuss auf dem Mund, was sie knallrot werden lässt.
"Aber Meister Flavion!", haucht sie überrascht und schaut mich groß an. Irgendwie sieht sie verdammt süß aus. "Wer wird nun mein neuer Meister sein? Habt Ich Euch schon für einen Nachfolger für Chefkoch Lungini entschieden?", wechselt sie schnell das Thema, während die Röte ihrer Wangen immer intensiver wird.
"Das habe ich. Meine Wahl ist auf jemand getroffen, der mir seit vielen Jahren treu dient und mir bewiesen hat, dass ich mich in jeder Situation auf ihn verlassen kann." Colette schaut mich fragend an. "Du bist nun meine neue Leibköchin, ich gratuliere dir zu deinem neuen Posten.", verkünde ich generös. Sie ist zwar sehr jung für ein solch wichtiges Amt, aber sie kennt meinen Geschmack, die Rezepte meiner Leibgerichte und sie hat gerade bewiesen, dass ich mich auf sie selbst in höchster Not bedingungslos verlassen kann.
"Oh, Danke! Meister Flavion! Ich werde mein Bestes geben! Wirklich!" Sie ist offensichtlich hin und her gerissen zwischen Angst vor ihrer neuen Verantwortung und der Freude darüber, nicht länger eine kleine Gehilfin sein zu müssen.
"Ich weiß, dass du mich nicht enttäuschen wirst."
"Das werde ich! Ich meine, das werde ich nicht!", meint sie aufgeregt und sie wird noch röter als sie schon ist. "Noch etwas anderes, Meister Conari! Meine Kabine! Meister Caine hat mir ein eigenes Zimmer mit zehn Quadratmetern zugewiesen!"
"Und was ist damit?", hake ich nach, weil ich nicht ganz nachvollziehen kann, was sie daran auszusetzen hat.
"Ein eigenes richtiges Bett und dann noch so ein großes Zimmer für mich allein! Das kann doch nur ein Irrtum sein!" Jetzt verstehe ich. In einem Zimmer mit zehn Quadratmetern lebt in den Unterschichtshabs eine ganze sechsköpfige Familie und schätzt sich glücklich, so viel Wohnraum zur eigenen Verfügung zu haben. Für jemand aus diesen Verhältnissen ist ein eigener Raum von solch "immenser" Größe ein unerhörter Luxus. Sie war bis jetzt immer in den Quartieren der Dienerinnen untergebracht oder schlief in der Küche auf einem Futon auf dem Boden. Ein eigenes Zimmer mit einem richtigen festen Bett ist für sie ein unerhörter Luxus.
"Das hat schon seine Richtigkeit, kleine Colette.", meine ich amüsiert.
"Danke, Meister Flavion. Ihr seid so gut zu mir!"

Schon beinahe ängstlich huscht sie zurück in die Küche, die nun ihr Reich ist. Viele Jahre lang war sie nun die Gehilfin von Lungini. Ich kann mich noch erinnern, wie sie zum ersten Mal etwas servieren durfte. Sie war so aufgeregt gewesen, dass sie nicht mal mehr ihren eigenen Namen gewusst hatte. Und jetzt war aus diesem dürren Kind eine gut gebaute, erblühende junge Frau mit den Rundungen an den richtigen Stellen geworden. Inzwischen ist sie auch eine gute Köchin, die mehr kann, als nur Teller zu waschen und das Essen zu servieren. Sie wird ein würdiger Ersatz für den armen Lungini sein, den ich immer sehr geschätzt habe.

Vom Salon aus geht eine Tür ins geräumige Schlafzimmer, das neben eines breiten Bettes auch eine Sitzecke, mehreren Schänke und Anrichten auch weiterführende Türen hat. Eine Tür zur rechten führt ins Ankleidezimmer mit großen Wandschränken, eines in ein Bad mit großer dreieckiger geräumiger Eckbadewanne. Die Türen zur rechten führen zu einer Waffenkammer mit großem Tresor und zum Damenzimmer mit eigenem Wandschrank und Bad. In einer Nische befindet sich ein großer reich dekorierter Schrein, der dem Gottimperator gewidmet ist. Dagegen sieht mein transportabler Schrein recht ärmlich aus. Allerdings macht dieser einen eher vernachlässigten Eindruck. Wie so vieles auf diesem Schiff.

Josephina hockt wie ein Häufchen Elend im Bademantel und zusätzlich in eine Decke gehüllt auf dem Bett. Ihre Beine hat sie an sich gezogen und ihre Haare sind strähnig. In solch einem Zustand habe ich sie noch nie gesehen. Manchmal hat sie auf schlampig gemacht, aber ihr Erscheinungsbild war sorgfältig darauf getrimmt. Das hier ist etwas ganz anderes. Carmina flegelt sich in der Sitzecke, einen Kelch mit einem Fruchtsaft in der Hand. Sie trägt nur eine kurze Weste, die mit einer Schleife verschlossen ist und eine bauschige Haremshose. Sie begrüßt mich mit einem freudigen Lächeln und springt mich förmlich an. Das ist das zweite Mal innerhalb weniger Minuten. Ich drücke sie fest an mich, während sie ihre Beine um mich schlingt. Das habe ich wahrlich vermisst. Ihre festen wohlgeformten Brüste berühren meine Brust und es ist ein gutes Gefühl.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 28. September 2012, 12:44:47
Position:
Unbekannt
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 410 783.M41

"Geht ist dir gut? Alles in Ordnung?", frage ich sie und schiebe ihren Oberkörper soweit von mich, dass ich in ihr Gesicht sehen kann. Sie sieht unverletzt aus, in ihren Augen ist wieder das alte Feuer, das ich so an ihr schätze. Im Lager der Unab hatte sie deutlich schlechter ausgesehen. Was immer ihr die Nimdock auch angetan hatte, Carmina hatte es ertragen. Vielleicht, weil das ihre Welt ist, für die sie geschaffen worden war. Damit war sie besser klar gekommen als bei den Unabs.

"Ich kam zurecht und mir ist nichts passiert.", wiegelt sie ab und ich belasse es dabei. Falls es Grund zu Groll gegeben hätte, würde sie damit nicht hinter dem Berg halten. Carmina ist niemand, der aus seinem Herzen eine Mördergrube macht. Ich küsse sie zärtliche, lasse sie wieder runter und wende mich Josephina zu.
"Und wie geht es dir?", frage ich sie und setze mich neben sie.
"Bin ich gefährlich?", antwortet sie mit einer Gegenfrage. Ihre blauen Augen scheinen riesengroß zu sein. Ihr Gesicht ist bleich und etwas eingefallen. Der Kühlschlaf war keine Erholung für sie.
"Nicht so gefährlich wie ich.", meine ich trocken und kann ein kleines Lächeln auf ihre Lippen zaubern. Ich nehme sie wie ein kleines Kind in den Arm und sie kuschelt sich an mich. Vorsichtig streichle ich über Josephinas Köpfchen.
"Du weißt, was ich meine!"
"Wenn ich denken würde, du kämest mit etwas Training nicht damit zurecht, würdest du nicht hier sitzen. Ich habe mit dem Chorleiter Aquinus gesprochen, er wird dich morgen darin unterrichten, wie du deine Fähigkeit unterdrücken und dich vor den Raubtieren des Warps schützen kannst."

"Ich wusste gar nicht, dass du ein Experte in solchen Dingen bist.", merkt Carmina spitz an.
"Bin ich nicht und du ehrlich gesagt auch nicht. Was ist dein Problem?"
"Mein Problem? Sie ist eine Hexe! Das ist das Problem!" erwidert sie und macht eine unbewusste Geste, welche Böses abhalten soll. Josephina zuckt an meiner Brust zusammen und wendet den Kopf ab. Fahrig fährt sie durch ihre ungepflegten Haare.
"Wie lange kennst du Josephina schon?"
"Seit ich ins Fleischhaus gekommen bin."
"Und wart ihr nicht immer beste Freundinnen?"
"Ja, sonst wären wir ja nicht im Doppelpack verkauft worden", meint Carmina etwas widerspenstig.
"Und hat Josephina dich je verhext?", frage ich weiter mit sanfter Stimme.
"Nein!"
"Und was lässt dich glauben, dass sie das je wird?"
"Sie hat im Vakuum überlebt! Im Fleischhaus haben sie uns nicht nur beigebracht, Tausend und eine Stellung auswendig zu lernen und die Kunst der 108 Seufzer zu meistern. Oder wie man mit jedem Körperteil seinem Herrn Befriedigung verschaffen kann. Ich bin gebildet genug. um zu wissen, dass niemand ohne guten Schutz in der Leere des Vakuums überleben kann. Weil es da draußen einfach dafür zu scheißkalt ist, man nicht Atmen kann und durch den fehlenden Druck platzt. Aber man friert schnell genug ein, damit das nicht passiert. Und Josephina war vollständig nackt da draußen!", meint Carmina mit einem hysterisch hohen Ton in der Stimme und ich kann die nackte Angst in ihren Augen schimmern sehen.

"Das Thema hatten wir doch schon. Du nennst es Hexerei, ich ein Wunder. Wäre es dir lieber gewesen, wenn Josephina da draußen gestorben wäre? Erstickt? Erfroren? Geplatzt?"
"Nein, natürlich nicht.", erwidert sie, aber ich kann ihr ansehen, dass für sie die einfachere Lösung gewesen wäre.
"Also akzeptiert es einfach als äußerst praktische Gabe.", wende ich mich an Beide. "Als ein Geschenk des Gottimperators. Das dient alles seinem großen Plan." Ich merke, dass ich Carmina nicht gänzlich überzeugt habe, aber ihre Haltung ändert sich von feindseelig zu unentschlossen. Josephina hat sich soweit wieder gefangen, dass sie nicht mehr wie ein Häufchen Elend kauert.

"So und nun zu was viel Wichtigerem, es ist wohl Zeit für ein Bad!" Ich helfe Josephina hoch, lege meine Arme um ihre und Carminas Schultern. Meine schwarzhaarige Konkubine hat meinen Wunsch vorhergesehen und schon Wasser in die Wanne gelassen. Es hat sich duftender Schaum gebildet.
"Na, dann bist du ja auch eine Hexe, wenn du das vorhergesehen hast.", meine ich, nachdem ich mich im warmen Wasser ausgestreckt habe. Die dreieckige Wanne ist aus Kupfer und prächtig verziert. Carmina findet das nicht so witzig und im nächsten Moment habe ich einen nassen Waschlappen im Gesicht hängen. Na warte, dass gibt Rache! Ich schnappe sie mir, gebe ihr einen herzhaften Klaps auf den Hintern und werfe sie dann kurzerhand ins Wasser.

Zwei Stunden später liege ich erschöpft, aber sehr befriedigt im Bett. Meine beiden hübschen Konkubinen sind links und rechts eingeschlafen. Auch wenn ich müde bin, kann ich nicht einschlummern. Ein Bildschirm mit Statusanzeigen in der Wandvertäfelung spendet etwas Licht und ich starre auf die geschnitzte und verschachtelte Vertäfelung an der Decke. Die Schnitzereien sind kunstvoll und miteinander verwoben. Wie oft lag wohl mein Onkel hier gefangen von Sorgen schon wach und folgte mit seinen Augen den verschlungenen Linien an der Decke? Ich habe ihn heute getötet und Major Voyle, diesen Narren. Aber vielleicht war das besser so. Und ich habe meinen Bruder wieder gefunden, als geistlosen Servitor. Was mache ich nur mit ihm? Ihn von seinem Dasein als halbe Maschine erlösen und ihn bestatten? Oder ihn weiter als Menschmaschine in meinem Dienst herumlaufen zu lassen? Er war der Bruder, der mir am nächsten stand, da er nur drei Jahre älter war als ich. Ab und zu hatten wir den gleichen Hauslehrer und trainierten auch zusammen. Lange Zeit habe ich ihn seinem Status geneidet. Der Letztgeborene zu sein ist immer eine äußerst schlechte Ausgangslage für eine Kariere. Aber der Gottimperator hat es letztendlich doch gut mit mir gemeint und mir diesen Posten gegeben. Und wie er sicherlich wusste, habe ich mir diesen Posten durch Schweiß und Blut nun auch redlich verdient. Ohne dafür zur Schlange werden zu müssen. Wobei ich wünschte, ich hätte meinen närrischen Onkel nicht zu töten brauchen. Aber das war nun nicht mehr zu ändern. Wenigstens eine ordentliche Bestattung in der Familiengruft würde er bekommen, auch wenn ich nicht mehr aus seinen Fehlern aus erster Hand lernen würde können.

Wie soll es nun weitergehen? Jedenfalls nicht so wie bisher. Viele Reformen und Änderungen würden notwendig sein. Die "Audacia" musste wieder in Schuss gebracht und die angeschlagene Moral der Besatzung wieder hoch getrieben werden. Als eine der ersten Maßnahmen würde ich die Lebensbedingungen der Unab verbessern. Bessere Quartiere und ein qualitativ hochwertigeres Essen müssten machbar sein. Ebenso eine Überarbeitung der Arbeitsabläufe. Das mit den Ehrenduellen werde ich wohl mal auf Probe für das nächste halbe Jahr einführen. Dann würden die Auswirkungen klar absehbar sein. Auch eine Hardballliga mit mehreren Stufen für das ganze Schiff. Jede Abteilung würde eine Mannschaft stellen, vielleicht mehrere. Brot und Spiele hatten schon in vielen Kulturen und Zeitaltern funktioniert. Ansatzpunkte, die mit wenig Aufwand viel bewirken konnten. Leider würden die anderen Sachen nicht leicht umzusetzen sein. Menschen lieben Routine und hassen Veränderungen. Aber manchmal war stehenbleiben gleichbedeutend mit Rückschritt. Es lag nun an mir, der Audacia eine neue Richtung zuzuweisen. So wie mir der Gottimperator eine Richtung gezeigt hatte. Es war nur die Frage, ob die Besatzung mich nun auf diesem Weg begleiten würde. Schließlich dämmere ich weg und falle in einen unruhigen Schlaf.

Gespielt am 21.04.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 1
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 1
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 1
Yuri aka Lady Helmchen Navigatorin Rang 1
EP: 450
Besiegte Gegner:
Onkel Ravion Conari
Mehrere Gardisten
Major Voyle
Beute:
Die Audacia

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 01. Oktober 2012, 13:12:53
Persona Dramatis
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Kapitel 4
Eine wirklich dunkle Prophezeiung

Position:
Schlund
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 412 783.M41

Nach reichlicher Überlegung beschließe ich, die Ehrenduelle unter den Offizieren zuzulassen. Caine warnt mich, dass diese Maßnahme mich einige Offiziere kosten könnte. Das ist mir klar, deswegen begrenze ich die Sache erst mal auf ein halbes Jahr Bordzeit und die Duelle müssen von mir genehmigt werden. Und sie werden in aller Öffentlichkeit in einer kleinen Arena abgehalten werden. In dieser Arena wird es auch einen Hardballplatz geben. Ich stoße die Gründung einer Schiffsliga an, die Spiele werden dann in der Arena abgehalten und im ganzen Schiff via Interkom übertragen werden. Brot und Spiele sind für viele Planeten ein Instrument der Herrscher. Und was im großen Maßstab funktioniert, dürfte auch im Kleinen auf der "Audacia" funktionieren. Auch stehen noch ein paar kleinere Personalentscheidungen an, die ich nur noch absegne.

Seneschall von Braun schlägt mir nun ein paar Unternehmungen vor, um zum einem etwas Geld in die Kasse zu spülen und zum anderen die Moral zu stärken. Der alte Mann hat einige Projekte ausgearbeitet, die er mir nach und nach vorlegt. Zwei seiner Vorschläge lehne ich erst einmal ab. Zum einen den Angriff auf einen im Hinterhalt liegenden Piraten, der ein falsches Notsignal aussendet. Die Kommandostruktur ist noch zu labil und die "Audacia" zu schwer beschädigt, um sie in einem Kampf gegen einen starken Gegner zu riskieren. Auch meine übrigen Berater sind dieser Meinung. Das andere ist, Techschrott auf dem Schlachtfeld einzusammeln. Am Ende des Schlundes gibt es ein uraltes Schlachtfeld, wo einst zwei Flotten aufeinander trafen und sich gegenseitig zerlegten. Die Geschichten über die beteiligten Parteien und den Ausgang sind bei jeder Geschichte anders, was den Schluss folgert, dass niemand wirklich weiß, wer wen warum wann nun genau zerschossen hat. Dies hat den Geschmack von Leichenfledderei und ist eine nicht gerade ruhmfördernde Tätigkeit. Der Gewinn steht in keiner Relation mit dem angestrebten Ziel der Anhebung der Moral. Nein, das kommt nicht in Frage, so verzweifelt bin ich noch nicht.

Dafür sind die anderen Vorschläge schon mehr nach meinem Geschmack. Mein Onkel hat einst im Schellak System eine Mine betreiben lassen. Dieses System mit einem grünen Neutronenstern verfügt über drei Asteroidengürtel, da das System von der ausgebrannten Sonne zerstört wurde. Im äußersten Gürtel befindet sich noch eine Prospektoreinheit, die aber aufgegeben wurde, nachdem die Mine ausgebeutet worden war. Die Rumpfbesatzung wurde einfach ihrem Schicksal überlassen. In dem Gürtel gibt es noch weitere Asteroiden, welche Rohstoffe enthalten müssen. Man muss nur die Astro-Mine wieder in Betrieb nehmen und einen neuen Fördergrund finden. Dann muss noch ein Nachschubnetz installiert werden, welches die Besatzung versorgt und das Erz abtransportiert. Das sieht nach einem vielversprechenden Anfang aus. Als nächstes können wir dann ein aufgegebenes Drogenversteck plündern, welches von automatisierten Geschützen bewacht wird. Dort können wir die Drogen bergen und weiter verkaufen. Dazu würde es sich lohnen, die Klause anzusteuern, um dort Kontakte zu einer örtlichen Sekte zu knüpfen. Als letztes würde noch die Erforschung einer alten Warproute anstehen. Sieht so aus, als hätten wir ein paar vielversprechende Dinge zu erledigen.

Also befehle ich, den Kurs auf das Schellak System zu nehmen. Leider scheint niemand mehr an Bord zu wissen, wo die Mineneinrichtung meines Onkels gelegen hat. Da werden wir wohl suchen müssen. Ich verbringe die nächsten Tage damit, mich mit der "Audacia" und ihrer Crew weiter vertraut zu machen. Das Schiff ist mit seinen über vier Kilometern Länge eine Stadt für sich. Wir haben über fünfzigtausend Menschen an Bord. Jedenfalls offiziell. Man versichert mir, dass es in den Zwischendecks nur eine geringe Mutantenpopulation gibt. Ich hoffe mal, dass dies auch so stimmt. Nach drei ereignislosen Tagen im Warpraum dringen wir in den Realraum zurück. Der grüne Neutronenstern sendet kein Licht mehr aus, so liegen die drei Asteroidenkreise in ewiger Finsternis. Der Kreis, welcher der Sonne am nächsten steht, wird gerade von ihr absorbiert. Aber die Station meines Onkels sollte sich äußersten Kreis befinden. Die erste Sensorenabtastung fördert keine Resultate zu Tage. Nun gut, dann müssen wir wohl suchen.

Ich gehe in die Librariumsgruft des Schiffes, welche von einem uralten Scriptor Primus mit dem Namen Horatius Codwell geführt wird. Der alte weißbärtige Mann residiert hinter einem massiven Schreibtisch, der trotzdem beinahe unter dem Gewicht der darauf gestapelten Bücher, Folianten, Pergamentrollen und losen Blätter zusammenzubrechen scheint. Ich trage mein Begehr vor und der Leiter ruft einen seiner Gehilfen her, der sich sofort auf die Suche nach den Unterlagen der Schellak Minenoperation macht. Während er sucht und schnell einen zweiten Mitarbeiter einspannt, schlendere ich durch die gewaltigen Schrankreihen. Die Bücher befinden sich allesamt in verglasten Schränken aus massivem Holz, da die "Audacia" eben immer noch ein Raumschiff ist, das ab und zu mal schlingert. Ich versuche, heraus zu finden, nach welchem Schema die Bücher eingeordnet sind. Es gibt ja verschiedene Ansätze, Bücher zu ordnen. Nach Thema, Autor, Erscheinungsperiode, sprich Aktualität, oder nach einer Mischung aller drei Ansätze. Hier haben Generationen von Bibliothekaren jeder Denkschule gearbeitet und ein heilloses Durcheinander hinterlassen. Einige der Daten befinden sich auch in digitalisierter Form in den Datengrüften unter diesen Räumen, welche über Cogitatorterminals mit barocken Gehäusen aus poliertem Messing eingesehen werden können. Aber die grün leuchtenden Bildschirme zeigen an, dass sie nichts über eine Minenoperation im Schellaksystem gespeichert haben. Nach zwei Stunden ist es offiziell, dass die Hüter absolut keine Ahnung haben, ob nun Aufzeichnungen vorhanden sind oder nicht. Das ist natürlich nicht besonders toll! Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 03. Oktober 2012, 13:14:03
Position:
Schlund
Schellak System
Äußerer Asteroiden Gürtel
Leichter Kreuzer "Audacia"
Zeit: 8 478 783.M41

Drei Wochen haben wir gebraucht, um das Fördergerät aufzuspüren. Erst mit dem Fund der Aufzeichnungen in einem der hintersten Winkel der Librariumsgruft über die letzte Minenoperation konnten wir das Zielgebiet eingrenzen. Ich selbst habe mich ziemlich oft auf die Suche begeben und lies mir von meinen Konkubinen helfen. Josephina hat inzwischen die Grundlagen ihres Trainings gemeistert, der Rest sind geistige Übungen, die sie meist nebenher machen kann. Carminas Verhältnis hat sich zu ihrer Kollegin wieder halbwegs normalisiert. Natürlich war das kleine schwarzhaarige Teufelchen nicht wirklich begeistert, stundenlang in staubigen Wälzern zu blättern, aber ihr fiel doch meist was ein, um das ganze trockene Ambiente etwas aufzulockern. Jedenfalls verfügt die Gruft nun über eine kuschlige, überaus gemütliche Sitzecke, die nicht nur zum trockenen Lesen einlädt.

Mit den Koordinaten konnte schließlich das Fördergerät geortet werden. Nun stehe ich vor dem Guncutter, der mein Gefolge und mich zu dem Ort im Asteroidenfeld bringen wird. Mein Gefolge besteht aus Meisterin Puppila als meine Pilotin, Braddock als mein persönlicher Bannerträger, Bruder Obskurus als psionische Unterstützung, einem Techpriester um die Türen zu öffnen, einen schwebenden Servoschädel um uns zu leuchten und meinen Bruder Novus, der inzwischen vollständig repariert ist. Leider ist es fast unmöglich, eine Lobotomisierung rückgängig zu machen. Ich habe eine Zeitlang überlegt, ihn zu vernichten und seine Seele zu befreien. Aber er ist nun mal ein hochgezüchteter Waffenservitor und seine Anwesenheit hat doch etwas Vertrautes an sich. Normalerweise müsste er über die "Audacia" herrschen, aber die Wege unseres Gottimperators sind unergründlich. Und manchmal auch von Vorteil für mich. Vielleicht spiele ich in seinem großen Plan doch eine gewisse Rolle.

Wir nehmen im Passagierraum Platz, während Meisterin Puppila den Sitz des Piloten für den Transfer zu der Station übernimmt. Kaum aus dem Hangar, gleiten wir auf den Asteroidengürtel zu. Ich habe einen guten Blick darauf. Für ein großes Schiff ist ein solches Feld immer ein großes Wagnis, während so ein kleiner Kutter sich doch recht gut durchschlängeln kann. Schließlich ragt die einsame Station vor uns auf. Die Oberfläche ist von Kleinsteinschlägen zerfurcht. Eigentlich habe ich mir die Förderanlage viel größer vorgestellt. Sie besteht hauptsächlich aus mehreren mit Verstrebungen zusammengehaltenen Zylindern verschiedener Größe und Funktion. Die eigentliche Landebucht ist durch einen größeren Brocken zerstört und wir docken an einer Luke an, aus der normalerweise ein Fördergerät startet. Der Techpriester verlässt im Raumanzug über eine Schleuse den Guncutter und beigebt sich auf die Oberfläche der Station. Von dort aus kann er mit einem Ritual des Rufens die Verbindung mit dem Maschinengeist der Station herstellen und öffnet uns die Tür, nachdem er innerhalb einer halben Stunde alle notwendigen Rituale vollzogen hat. Mit gezogener Waffe und geschlossenem Raumanzug betrete ich als erste die Station.

"Im Namen des Gottimperators und der Familie Conari nehme ich diese Station wieder unter meine Herrschaft!", rufe ich ungehört und vollziehe so das Ritual der Inbesitznahme. Braddock setzt mein Banner und vier kleine Cherubim blasen in ihre Posaunen. Die Luft in der Station ist atembar, der Maschinengeist offensichtlich noch am Leben und trotz fehlender Rituale guter Dinge. Der Techpriester versichert mir, dass die Luft atembar und frei von gefährlichen Mikroorganismen ist. Der Boden ist staubig, zwei mumifizierte Leichen liegen umklammert in einer Ecke auf dem Boden. Die Station ist vor über zwei Jahrzehnten aufgegeben und die Besatzung war einfach ihrem Schicksal überlassen worden. Wir untersuchen die Leichen und kommen zu dem Schluss, dass sie gemeinschaftlichen Selbstmord begangen haben. Wahrscheinlich waren sie zu Lebzeiten ein Paar gewesen und sind gemeinsam in den Tod gegangen, um nicht verhungern oder verdursten zu müssen. Ein ähnliches Schicksal hätte uns ja auch beinahe auf der "Ruhige Gezeiten" ereilt. Verflucht sei mein Onkel, dass er nicht dafür Sorge getragen hatte, die Besatzung einfach rechtzeitig zu evakuieren. Thron! Sicherlich waren das nur einfache Menschen, wie sie im Imperium zu Trilliarden gibt. Aber als Adliger hat man für das Wohl seiner Leute zu sorgen, auch wenn es kein Profit einbringt. Wieder ein Punkt, warum ich kein schlechtes Gewissen haben muss, meinen Onkel getötet zu haben. Thronverdammt!

Im Zentrum des Raumes steht eine vollautomatisierte Fördereinheit, die in gutem Zustand ist. Der Maschinengeist darin lebt noch und scheint nur darauf zu warten, wieder Dienst tun zu dürfen. So eine Einstellung ist wirklich Vorbildlich. Es gibt drei Türen, die weiter in die Station hinein führen. Alle drei wurden von innen außer Betrieb gesetzt, so dass niemand von der Station aus diesen Bereich betreten konnte. Wahrscheinlich haben die beiden Toten diese Manipulation begangen. Der Techpriester überzeugt trotzdem nach einem längeren Ritual den Maschinengeist der mittleren Tür sich zu öffnen. Es knirscht vernehmlich, als das Schott nach oben zu fahren beginnt. Auf der halben Höhe knackt es und der Maschinengeist quittiert schließlich knirschend den Dienst.

"Zu lange wurden die notwendigen Rituale der Wartung vernachlässigt. Der Maschinengeist ist nun so verärgert, dass ich ihn nicht mehr überzeugen kann, weiter zu arbeiten. Wahrscheinlich müssen essentielle Komponenten erneuert und das ganze System neu geweiht werden, um den Maschinengeist zu versöhnen.", erklärt mir der Techpriester in seiner monotonen synthetischen Stimme. Nun gut, ich geh in die Hocke und peile die Lage im Licht eines Servoschädels, der unter seinem Kiefer eine große Lampe trägt. Ein langer leerer Gang liegt vor mir. Staub auf dem geriffelten Boden aus blankem Stahlplast, keine Spuren. Hier war schon seit Jahrzehnten keine lebende Seele mehr unterwegs. Ich klopfe einmal prüfend gegen das Schott, was sich aber nicht rührt. Als erster arbeite ich mich nun unter dem Schott hindurch und stehe im Gang. Nichts rührt sich, trotzdem habe ich Gänsehaut. Alles scheint seit Jahrzehnten tot und verlassen zu sein. Wenn mich nicht alles täuscht, müssen wir nur noch geradeaus laufen, um die Kommandozentrale zu erreichen. Mit Rabenklaue, meinem Energieschwert, in der rechten und Rabenschwinge, meiner uralten Plasmapistole, in der linken Hand arbeite ich mich weiter vor. Auf einmal explodiert funkensprühend ein Leuchtkörper über mir und überschüttet mich mit einem Regen aus feinen Glassplittern. Das ist beinahe so, als ob es schneien würde. Andere Leuchtkörper gehen flackernd an. Ein Schott fährt auf und eine Gestalt kommt heraus gestürmt. In der rechten Hand hält sie einen blutigen Schraubenschlüssel mit Schlüsselweite 50 und kommt brüllend auf mich zu. Besonders das Brüllen ist sehr irritierend, da die Gestalt nur einen grinsenden Totenschädel besitzt.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 05. Oktober 2012, 12:05:44
Position:
Schlund
Schellak System
Äußerer Asteroiden Gürtel
Förderstation Schellak I
Zeit: 8 478 783.M41

Meisterin Puppila fängt sich als erste und schießt mit ihrer Boltpistole auf das Ding. Sie trifft es am linken Oberarm und der Knochen wird weggesprengt. Das scheint das Skelett im Raumanzug aber nicht wirklich zu tangieren und es setzt seinen Sturmlauf einfach fort. Ruhig bringe ich Rabenschwinge nach oben und schieße. Sonnenheißes Plasma lässt den Oberkörper dieses Dinges einfach verdampfen. Der Rest davon zerfällt in seine Einzelteile und ein paar Knochen im Raumanzug bleiben zurück. Das war jetzt doch etwas gruselig. Gottimperator steh mir bei!

"Achtung! Guncutter! Wir sind hier nicht allein, haltet die Stellung und passt auf!", gebe ich durch.
"Verstanden! Lordkapitän!"

"Verdammter Mist!", ruft Braddock. "Warum passiert uns so etwas andauernd?"
"Wenn man den Aufzeichnungen von Sebastian Winterscale trauen darf, ist es vollständig normal, dass einem jeden Tag etwas Seltsames passiert. Wir sind hier in einem Bereich, wo das Auge des Gottimperators nicht mehr so häufig hinblickt, weil sein Licht hier nicht mehr zu sehen ist.", kläre ich meinen Bannerträger auf. Es könnte noch viel schlimmer sein. Und in dem Moment öffnet sich hinter uns ein Schott und schreiend rennt ein weiteres Skelett durch den Gang, um in das nächste Schott zu springen. Natürlich eile ich hinterher und setzte mit einem gezielten Plasmaschuss auch dieser übernatürlichen Kreatur ein Ende. Skelette sollten nicht selbstständig herumlaufen, Tote machen so etwas einfach nicht! Thronverdammt! Wo Tote am Tage wandeln, muss unser Gottimperator wahrlich weit weg sein.

Zum Glück scheint damit das übernatürliche Potential erschöpft zu sein. Die Kommandobesatzung finden wir in ihrem Stand. Beide Schotten waren verschlossen und sie haben Selbstmord damit begangen, indem sie dem Raum den Sauerstoff entzogen haben. Ersticken ist kein schöner Tod, aber wahrscheinlich immer noch besser als zu verhungern oder zu verdursten. Nach und nach finden wir die weiteren Überreste der Besatzung. Gegen Ende muss es zu ein paar unschönen Szenen gekommen sein. Weitere obskure Psiphänomene ereilen uns zum Glück nicht. Ich lasse die Leichen durch einige Servitoren abtransportieren und übergebe ihre sterblichen Hüllen dem Plasmanatrieb der "Audacia". Dies ist die bevorzuge Bestattungsart auf diesem Kreuzer. Bruder Obskurus leitet einen kleinen Gottesdienst, da wir offenbar keine wirklichen Vertreter der Ekklesiarchie an Bord haben. Nicht mal Vertreter einer Sekte, sondern nur Laienprediger wie Bruder Obskurus, der als Astropath ein deutlicher Widerspruch in sich ist. Schließlich ist eine der grundlegenen Lehren "Töte den Mutanten" und jeder Psioniker ist eigentlich ein Mutant.

Die Station muss repariert und dazu aus dem Gürtel geschleppt werden. Allein das kostet ziemlich viel Zeit und Nerven. Bis das vollbracht ist, haben die Techpriester das Kommando. In der nun freien Zeit kümmere ich mich darum, auf den Waffendecks für Ordnung zu Sorgen. In der dortigen Kommandostruktur knirscht es durch die letzten Änderungen etwas. Es dauert seine Zeit, bis ich die Probleme lokalisiert habe. Von Hellstett hat den Schildwächter verärgert, in dem er von ihm zwei gute Leute zu seinem Stab versetzt hat. Die Lösung nimmt auch noch einige Zeit in Anspruch, bis sich die Aufregung etwas gelegt hat und durch einige Versetzungen am Ende wieder alle soweit zufrieden sind. Derweil ist die Station wieder förderbereit, da die Maschinenseher die Maschinengeister durch mannigfaltige Rituale wieder versöhnt haben. Wir beginnen mit der Suche nach neuen Vorkommen, was gar nicht so einfach ist. Die Sensoren der "Audacia" sind definitiv nicht die Besten für diese Art von Vorhaben.

Auch bei den Unabs gibt es einige Missstimmungen zu beheben. Da ich selbst unter diesen Leuten einige Wochen verbracht habe, weiß ich, wo der Schuh drückt. Ich habe ja schon einige Maßnahmen ergriffen, wie die Verbesserung der Wohnverhältnisse. Natürlich ist das alles noch ein Provisorium und ich lasse eine Kommission aus von den Mannschaften gewählten Vertretern gründen, welche ihre Ideen mit in die Planung der Restauration der "Audacia" einbringen können. Wenn man schon im Reparaturdock liegt, kann man auch gleich hier einige tiefgreifende bauliche Veränderungen vornehmen, die zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität führen dürften. Früher war es mir total egal gewesen, wie die entrechtete Masse dahinvegetiert. Es war ihr Imperator gegebenes Schicksal, das sie zu tragen hatten. Aber die Wochen im Dreck und Elend haben meine Perspektive nachhaltig verändert. Unter diesen Umständen mag niemand leben und ich investiere lieber in gute Lebensbedingungen, als dass ich meine Leute mit immer brutaleren Mittel und Zwangsmaßnahmen unterdrücke. Das Zeitalter von Grox und seinen Kumpanen ist unter meinem Kommando definitiv traurige Geschichte.

Schließlich gelingt es der Sensormannschaft, ein reichhaltiges Erzvorkommen aufzutun. Die Station wird in Position gebracht und auf dem Asteroiden verankert. Es findet sich eine Besatzung aus Freiwilligen. Derweil leiere ich schon mal die geregelte Versorgung und Abtransport über Subunternehmer an, was mir recht gut gelingt. (O4 gewürfelt, Vier Erfolgsränge!)
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 08. Oktober 2012, 14:39:51
Position:
Schlund
Skyda System
"Audacia",
Zeit: 8 589 783.M41

Wieder sind ein paar Wochen ins Land gezogen und wir haben unser nächstes Ziel erreicht. Das Skyda System besteht im Wesentlichen aus zwei Gasriesen, welche eine einsame Sonne umkreisen. Im Orbit eines der Gasriesen befindet sich die zylinderförmige Station des Drogenhändlers Ilidas, der aus dem Geschäft gedrängt wurde, oder aufgehört hat, die Gerüchte um seine Gründe sind vielfältig. Auf alle Fälle sind noch jede Menge Drogen auf der Station, die von automatisierten Geschützen bewacht werden. Jetzt geht darum, sich der Station annähern zu können, ohne weggeschossen zu werden. Schleichfahrt wird vorgeschlagen oder Annäherung von Einzelpersonen im Raumanzug in der Hoffnung, dass die Sensoren einen für ein zu kleines und unwichtiges Ziel einstufen und einen nicht verdampfen. Letztendlich favorisiere ich den Plan, mit einer Salve der Makrogeschützbatterien einen Meteorschwarm zu simulieren. Im Schutze des Schwarmes wird sich ein Guncutter der Station annähern. Mit meinen üblichen Leuten besteige ich eines dieser kleinen Raumschiffe und lasse eine Salve Granaten abfeuern. Meisterin Puppila gelingt es wunderbar die Geschwindigkeit des kleinen Raumschiffes dem Schwarm aus gigantischen Projektilen anzupassen. Danach werden alle Systeme heruntergefahren und wir treiben nur mit dem absolut notwendigen Lebenserhaltungssystem auf das Schmugglerversteck zu. Die Station sieht von außen unbeschädigt aus und erinnert an einen Kinderkreisel.

Dummerweise sind Minen als defensive Maßnahme ausgesetzt worden, von dem wir bis Dato nichts geahnt haben. Im letzten Moment gelingt es Althea, unserer geschickten Pilotin, die Maschinen wieder hochzufahren und den ersten dahintreibenden Minen auszuweichen. Leider sind wir nun für die Sensoren sichtbar und die Lasergeschütze der Station schwenken auf uns ein. Der Guncutter rast mit aufbrüllenden Triebwerken auf den Satelliten zu, während die ersten Laserstrahlen haarscharf an uns vorbei zischen. Erst im letzten Moment bremst Meisterin Puppila gekonnt ab und wir sind nun im toten Winkel der Geschütze, die uns immer noch erfasst haben. Das ging gerade noch mal gut. Da hat der Imperator uns mal wieder beschützt. Und auch ein großes Dankeschön gebührt meiner Pilotin. Sie anzuheuern war ein echter Glücksgriff. Wieder einmal steigt der Techpriester aus, um seine Rituale der Maschinengeisterweckung zu sprechen. Ihm gelingt es, die Maschinengeister zu beruhigen, welche dann eine Hangarschleuse für uns öffnen. Wir fliegen hinein und sind in Sicherheit. Mit gezogenen Waffen betreten wir das Hangardeck und ich nehme die herrenlose Station in meinen Besitz. Aber unsere Vorsicht ist unbegründet, da uns weder Servitoren noch autarke vollautomatische Waffensysteme angreifen. Auch treten keine obskuren psionischen Phänomene auf. Die Lager sind voll mit Drogen und zwar in einer Masse, die nicht nur mir den Atem verschlägt. Nach dem wir die Kontrolle über die Abwehrgeschütze erlangt haben, geben wir die Minen als Ziele an. Die Geschütze verursachen ein gewaltiges Feuerwerk, aber selbst im Dauerfeuer entwischt die eine oder andere Mine den Sensoren.

Beim Abtransport kommt es deswegen beinahe zur Kollision mit einer übersehenen Mine und die Annäherungszünder lassen die Falle detonieren. Ein Feuerball blüht auf und der Guncutter wird ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Trotzdem kommen wir unverletzt wieder an der "Audacia" an. Es braucht noch einiger Flüge, bis die Station leer und die "Audacia" voll ist. Die Lagerräume platzen aus allen Nähten. Zeit die Ware schnell los zu werden. Ich befehle meinem Kreuzer den kürzesten Kurs zur Klause.

Die Klause ist eine alte Raumstation, welche von Pilgern besetzt wurde. Inzwischen ist sie durch ausgehölte Meteore und das Wrack einer Fregatte ausgebaut worden. Hier hausen meist Splittersekten, deren Abweichungen nicht unbedingt in den allgemeinen Canon der Ekklesiarchie passen. Aber da wir außerhalb des Imperiums sind, leben diese Ketzer noch. Die "Audacia" begibt sich auf eine stabile Parkposition und ich verlasse das Schiff mit meiner Entourage. Der Anflug auf die Station vollzieht sich ohne Probleme und sanft wie eine Feder setzen wir im Hangar auf. Prächtige Banner hängen von der Decke herab. Die Wände der Station sind mit Fresken mit Motiven aus der Imperatorgeschichte und von Heiligenlegenden geschmückt. Allerdings sind die Stile sehr unterschiedlich, ebenso das Können der Künstler.

Braddock entrollt mein Banner und die vier Seraphim stoßen in ihre kleinen Posaunen und künden mich mit einer kleinen Melodie an. So ein Auftreten bleibt natürlich nicht unbeachtet und ich sonne mich bald in der allgemeinen Aufmerksamkeit. Leider ist die Klientel nicht gerade das, was man als wirklich wichtig bezeichnen würde. Aber jede Legende hat mal klein angefangen. Die Menschen der Station tragen meist Kutten, da die meisten doch einen religiösen Hintergrund haben. Natürlich gibt es auch den üblichen Söldnerabschaum und Glücksritter, wie man sie wohl auf jeder Station in der Weite antreffen dürfte. Eine der Wände ist voller Nachrichten und Steckbriefe imperialer Organisationen. Jeder Adeptus hat wohl seine Abtrünnigen, die sich in der Weite dem Zugriff der imperialen Gerichtsbarkeit zu entziehen versuchen. Dies ist ein Eldorado für Kopfgeldjäger. Einige Belohnungen sind auch unglaublich hoch. Die Beschreibung der Verbrechen ist meist oberflächlich und lässt sich meist mit Ketzerei und Häresie zusammenfassen. Es gibt hier einen Markt mit exotischen Waren, auf den sich meine beiden Konkubinen stürzen, die ich in Begleitung von Solun und Althea ihre Kreise ziehen lasse. Für solche Kleinigkeiten habe ich nicht wirklich Zeit. Es gibt auch eine zentrale Kathedrale mit einem großen blauen Altarstein in der Mitte, über den ein gigantischer silberner Aquila schwebt.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 10. Oktober 2012, 15:13:51
Position:
Schlund
Klause
Zeit: 4 631 783.M41

Hier scheint es auch eine Rattenrennbahn zu geben. Wobei ich keine Ahnung habe, was man sich beim Imperator darunter vorstellen soll. Leider habe ich keine Zeit, meine diesbezügliche Neugier zu stillen. Mein erfahrener Marketender Koltan Bell, ein rüstiger Mann in den frühen Sechzigern, bringt mich zu einer Örtlichkeit mit dem illustren Namen "Schwarzes Auge". Beinahe erwarte ich darin Eldar, Squats, Orks und eigentümliche Gesellen mit spitzen Hüten, glänzenden Rüstungen und exotischen Waffen darin zu erspähen. Aber das Etablissement entpuppt sich bei näherer Betrachtung als generische gehobene Spelunke für den zwielichtigen Geschäftsmann von Rang. An solchen Örtlichkeiten war ich in Scintilla zu Hauf. Deswegen fühle ich mich bald richtig heimisch. Marketender Bell fädelt einige kleinere Geschäfte für mich ein, während meine Leibwächter alle Hände voll zu tun haben, unwichtige Bittsteller von mir fernzuhalten. Dieses Ambiente gefällt mir immer mehr.

Schließlich kommt Meisterin Puppila zu mir und raunt mir zu, dass eine gewisse Lady Anagai mich zu sehen wünscht, um mir die Zukunft vorherzusagen.
"Lady Anagai?", frage ich etwas verblüfft, da mir der Name nichts sagt.
"Lady Anagai ist in der Weite eine Legende und gilt als die fähigste Wahrsagerin. Es gibt viele Gerüchte über sie im Umlauf. Aber von ihr zu einer Sitzung eingeladen zu werden, ist ein seltenes Privileg. Und damit sehr ruffördernd. Ich würde diese Gelegenheit beim Schopfe packen.", rät mir Marketender Bell, der sich hier in der Weite auskennt. Meisterin Puppila wird von einem Söldner mit Dreadlocks begleitet, welcher wohl als Lady Anagais Bote fungiert.
"Nun gut, ich werde mich mit Lady Anagai treffen.", entscheide ich innerhalb weniger Sekunden. Es könnte eine Falle sein, aber auch eine große Gelegenheit.
"Dann kommt in einer Stunde zu den Dunklen Gänge, ich werde Euch zu meiner Herrin führen.", meint der Söldner und zieht seines Weges. Nun gut, in einer Stunde dann.

Als nächster kommt Bruder Obskurus zu mir, der einen Mann in weißgrauer Robe im Schlepptau hat. Der Mann stellt sich als Rika vom Licht der Erlösung vor. Er steht sinnigerweise einer kleinen Gruppe von Missionaren der sogenannten Gemeinschaft vom Licht der Erlösung vor. Eine weitere kleine Splittersekte, dich sich vom allgemeinen Canon der Ekklesiarchie losgesagt hat, was meist simpel bedeutet, dass sie ihre Einnahmen nicht an das Adeptus Ministorum weiterleiten, die wohl schlimmste aller Ketzereien. Der etwa sechzig bis siebzig Jahre alte Mann bietet praktisch seine Dienste an, um mit an Bord der "Audacia" in der Weite missionieren zu können, um selbst in diesen Weiten das Licht der Erlösung zu verbreiten. Für so ein kleines Kerlchen von gerade mal ein Meter sechzig hat er ganz schön Mut. Ich stelle ihm ein paar Fragen, um heraus zu finden, wie radikal seine Sekte zu Mutanten, Psionikern und Xenos steht. Alles drei sind potentielle Kunden in diesen Gefilden und da nerven fackelschwingende Fanatiker an Bord meines Schiffes nur. Nach ein paar Antworten erscheinen mir seine Ansichten recht gemäßigt, schon beinahe liberal zu sein. Da die Zeit schon fortgeschritten ist, vertage ich eine endgültige Entscheidung auf morgen. Jetzt ist es erst mal Zeit sich mit dieser obskuren Wahrsagerin zu treffen.

Während wir durch die Gänge der Station gehen, frage ich Caine, was er von der Sache mit den Missionaren an Bord hält. Er findet, dass ein ausgebildeter geistiger Beistand durchaus Balsam für die Besatzung sein kann, besonders wenn damit keine blutigen Rituale wie Selbstverstümmelung oder Menschenopfer einhergehen. Nun gut, die Vorteile überwiegen wohl eindeutig die potentiellen Nachteile.

Wir treffen den Söldner in Lady Anagais Diensten, welcher uns in die Tiefe der Dunklen Gänge führt. Während in den Hauptgängen eine durchgehende Beleuchtung für Helligkeit sorgt, gibt es in diesen Gängen keine Beleuchtung mehr. Anscheinend sind auch viele Leuchtkörper absichtlich zerstört worden. Ich werde wieder von einem Servoschädel begleitet, der für mich leuchtet, so dass wir nicht im Dunkeln durch die Gänge stolpern müssen. Aber auch diese Lichtquelle wird immer diffuser. Etwas scheint hier das Licht aufzusaugen. Entweder eine hochentwickelte Technologie oder ein obskures psionisches Phänomen, welche in der Weite an jeder Örtlichkeit auf mich lauern zu scheinen. Schließlich bedeutet mir der Bote, dass mein Gefolge zurückbleiben muss. Nun gut, ich schreite alleine weiter, meine Hände an den Griffen meiner Waffe und das Energiefeld meines Refraktorfeldes ist aktiviert. Schließlich sehe ich ein blaues Leuchten und im Zentrum des von oben kommenden Lichtstrahles kauert eine weibliche Gestalt. Sie trägt eine Robe aus blauer fließender Seide, so dass kaum etwas von ihren Proportionen zu erkennen ist. Ihre Stimme ist sanft und wohltönend, als sie mich begrüßt.

"Lady Anagai, ich freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen!", erwidere ich ihren Gruß und setze mich auf dem Boden vor ihr hin, nachdem sie die entsprechende Geste gemacht hat. Prüfend blickt sie mir ins Gesicht und ich verliere mich in ihren blauen Augen. Aber viel mehr kann ich von ihrem Gesicht nicht erkennen. Eines muss ich ihr lassen, Lady Anagai hat es wirklich drauf, auf Geheimnisvoll zu machen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 15. Oktober 2012, 11:30:57
Position:
Schlund
Klause
Die Dunklen Gänge
Zeit: 4 631 783.M41

"Ihr seid ein wirklich interessanter Mann mit einem außergewöhnlichen Schicksal. Große Gefahren erwarten Euch, aber auch große Möglichkeiten.", erzählt mir die gute Frau mit ihrer geheimnisvollen Stimme. Aber ehrlich gesagt erzählt sie mir damit absolut nichts Neues. Aber natürlich ist das nicht alles. Zwischen uns flimmert die Luft und auf einmal sitzt eine rotgewandete Marionette vor mir zusammengesunken auf dem Boden. An unsichtbaren Fäden gezogen, ruckt der Holzkopf und ich kann meine Züge in ihr erkennen. Die Figur springt auf und zückt ein hölzernes Schwert. Eine weitere Gestalt taucht auf, die meine Marionette weit überragt. Dieses Wesen ist nicht wirklich zu erkennen und scheint aus Schatten zu bestehen.

"Das ist Euer schlimmster Feind, der Euren Untergang plant." Eine weitere Figur erscheint, die wohl Solanus darstellen soll, meinen Magister Militaris. Die Gestalt zerfetzt seinen Oberkörper und Watte quillt aus seinem Leib. Eine kleine "Audacia" taucht als Holzmodell auf und wird zu Sägespänen verarbeitet. Die Gestalt wendet sich ab und verändert sich.

"Drei Boten künden Euren Untergang an. Drei warnende Zeichen." Ein kleiner Halbling erscheint, ähnlich wie er mir schon in der Vision des Dämons erschienen ist.
"Ein kleiner Mutant, mit großen Plänen!" Meine Marionette zerfetzt die Figur. Die Einzelteile formen sich zu hageren Gestalten, die wie Zombies wirken.
"Das Konzil der Blinden." Der kleine Conari zerfetzt auch diese Ansammlung von Gegnern und die Papierschnipsel, welche die Überreste bilden, werden zu kleinen Schlangen.
"Das Nest der schwarzen Vipern!" Auch diesmal triumphiert mein kleines Selbst über das Schlangennest. "Seid gewarnt, junger Conari, mächtig ist der Feind, der im Dunkeln lauert!"

"Nun gut, dass bin ich ja jetzt Dank Eurer Vorhersage", meine ich unverbindlich und versuche aus dem Gesehenen schlau zu werden. Was mir ehrlich gesagt nicht wirklich gelingt. Mit dem Halbling kann ich gar nichts anfangen. Das Konzil der Blinden könnten Astropathen sein, die Schwarze Viper ein Symbol für eine Sekte, Kult oder Militärformation. Das ist das Problem mit rätselhaften Weissagungen, hinterher ist man verwirrter als zuvor.
"Kennt ihr Euch mit den Wesen hinter dem Schleier aus?", wechsel ich das Thema.
"Ich kenne ein paar von ihnen, mit einigen habe ich geredet, andere habe ich bekämpft", erklärt sie mir.
"Sie sind also intelligent? Diese Dinger hinter dem Schleier?", frage ich sie und erinnere mich mit Schaudern an das Ding, welches meine Josephina in seinen schleimigen Tentakeln hatte.
"Die wenigsten sind das wirklich, aber es gibt durchaus Intelligenz jenseits dieser Ebene."
"Ich habe gegen solche Wesen gekämpft und sie vernichtet. Aber eines kannte meinen Namen, was hat das zu bedeuten?" Ihre Antwort bleibt äußerst vage und meine Zeit ist wohl abgelaufen. Ich verabschiede mich von Lady Anagai mit einer respektvollen Verneigung meines Hauptes. Es ist merklich kühler geworden und ein eiskalter Schauer rieselt meinem Rücken entlang. Das war jetzt wirklich etwas unheimlich.

Zurück im Schwarzen Auge verkündet mir Marketender Bell, dass er ein Geschäft mit Kasballica Mission eingefädelt hat, um die Drogen gewinnbringend zu verkaufen. Die Ware wird im freien Raum an Renuka, den Lordkapitän der "Tochter der Leere" übergeben werden. Mit Renuka ist mein Bruder Novus zusammengerasselt und einer seiner Leute hat Solun Ares schwer verwundet gehabt. Aber ich hege keinen Groll gegen diesen Mann, also steht das Geschäft. Bevor wir aufbrechen können, bittet mich Rika vom Licht der Erlösung, mich bei einem Gottesdienst zum Abschied salben zu dürfen. Da dies wohl unser beider Ruf zuträglich sein dürfte, lasse ich die Zeremonie über mich ergehen. Es schauen sehr viele Leute dabei zu und es ist durchaus ein spiritueller Moment.

Nach der Rückkehr auf die "Audacia" sind meine Konkubinen erst mal beschäftigt, ihre mannigfaltigen Einkäufe auszupacken. Sie haben einiges gekauft, um das Quartier wohnlicher und schöner zu machen. Nun ja, so was kommt heraus, wenn man Frauen unbeaufsichtigt einkaufen lässt. Ich schnappe mir Josephina, während Carmina mit einer Vase von Raum zu Raum läuft, um zu sehen, wo sie am besten zur Geltung kommt. Ich erzähle meiner blonden Konkubine von der Begegnung mit Lady Anagai und lasse mir die Tarotkarten legen. Als erstes kommt der Dämon, allerdings ist die Karte nicht beschriftet, wie sonst im Satz. Auch sieht er so aus, wie ich ihn bei der Vorstellung von Lady Anagai wahr genommen habe, als eine humanoide Ansammlung von Schatten. Die Nächste Karte ist der Halbling, Verräter, steht unter der Karte. Eine Warnung vor Verrat. Nun ja, der lauert bekanntlich an jeder Ecke. Die dritte Karte zeigt einen Blinden, der Weise, ein wichtiger Ratschlag oder Hinweis wird kommen. Die vierte Karte ist eine schwarze Schlange, das Monster, wieder mal ein Warnung vor Gefahr. Spaßeshalber lasse ich Josephina die Karten ein weiteres Mal legen, aber es kommen immer die gleichen Karten. Nun ja, dann werde ich wohl die Augen nach einem Halbling offen halten müssen. Aber genug Karten für heute gelegt und ich geleite meine Konkubine zu Bett.

Ich lasse die "Audacia" zum Tempelsystem springen. Dieses System hat zwölf Planeten, welche ihre Sonne in der exakt gleichen Entfernung auf verschiedenen Umlaufbahnen umkreisen. Jeder Planet hat exakt den gleichen Durchmesser und ist vollständig glatt. Die Oberflächen der Welten sind unglaublich hart und jeder Versuch, die Oberfläche zu durchdringen war bisher zum Scheitern verurteilt. Ein weiteres Wunder der Weite. Oder mal wieder ein verdammtes obskures psionisches Phänomen! Die "Tochter der Leere" erwartet uns schon und ich lade Lordkapitän Renuka auf mein Schiff ein, um den Handel abzuschließen. Ich empfange ihn im Hangar. Er wird von seiner Entourage begleitet, wie ich von der meinen. Ein riesiger Leibwächter mit einem gewaltigen Schwert sticht ins Auge. Auch das Rattengesicht, was Solun einst ein Messer zwischen die Rippen gerammt hat, ist mit von der Partie. Der Kerl ist ein unsanktionierter Psioniker. Aber solche Leute habe ich ja auch in meinem Dienst. Nachdem ich Renuka in meinen Saal geleitet habe, lasse ich einige Proben der Ware von seinen Leuten prüfen. Der Stoff ist einwandfrei und wir feilschen eine ganze Weile, aber ich kann ziemlich viel Profit herausschlagen. So macht Geschäftemachen Spaß.

Nachdem Renuka wieder mit der Ware von Bord ist, lasse ich Kurs auf eine alte Warproute nehmen, um nachzusehen, ob diese wieder befahrbar ist. Der Transfer ist ziemlich holprig und einiges geht auf der "Audacia" zu Bruch. Die Schadenskontrolle bekommt einiges zu tun, aber alles läuft den Umständen entsprechend sehr gut ab. Die Warproute ist nicht wirklich stabil, aber eine gute Abkürzung, wenn man bereit ist, ein Risiko einzugehen. Nach vier nervenaufreibenden Etappen liegt Aufbruch vor uns. Damit habe ich den Schlund gemeistert und die Koronusweite ist nun erreicht. Damit habe ich einen wichtigen Wegpunkt erreicht. Kein Lord-Kapitän wird hier für voll genommen, der nicht den Schlund gemeistert hat. Das habe ich nun geschafft. Mal sehen, was die Zukunft uns bringen mag.

Gespielt am 12.05.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 1
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 1
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 1
EP: 200
Besiegte Gegner:
zwei "Untote"
Beute:
Ein Berg voll Drogen
Eine Förderstation

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 17. Oktober 2012, 12:07:05
Persona Dramatis
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Kapitel 5
Wirrungen und Verwicklungen in Aufbruch

Position:
Reede vor Aufbruch
"Audacia"
Zeit: 4 653 783.M41

Aufbruch ist eine zusammengestückelte Raumstation, ähnlich wie die Klause. Aber sie ist deutlich größer. Im Zentrum steht auf einem gewaltigen Sockel eine viele Kilometer hohe Statue des Imperators. Einst hat diese ein äußerst gläubiger Freihändler errichtet, als Zeichen, dass selbst hier der Gottimperator seinen Blick auf die Dunkelheit der Halosterne gerichtet hält. Aber imperiale Autorität hat hier noch nicht wirklich Einzug gehalten. Wandererhafen ist immer noch der letzte Stützpunkt unter imperialer Kontrolle und mit einer Flottenpräsenz ausgestattet. Hier herrschen andere Gesetze. Um die Statue herum sind weitere Stationen in Form von ausgehölten Asteroiden angebracht. Einige enthalten Habs, andere Handelshallen und Kontore. Und da sind natürlich noch die Werften, welche sie um die Wartung und Instandhaltung der Schiffe kümmern. Regiert wird Aufbruch immer vom ranghöchsten Freihändler, welcher sich gerade auf Aufbruch befindet. Jedenfalls in der Theorie. In der Praxis wird Aufbruch nicht wirklich regiert. Verschiedene Gruppierungen aus Handelshäusern und Unterweltssyndikate wenden sehr viel Energie darauf, den Status Quo zu wahren und die alltäglichen Dinge wie Luft, Wasser und Nahrungsversorgung am Laufen zu halten. Alles darüber hinaus ist durch regionale Bräuche geregelt. Ich habe ehrlich gesagt auch weder Zeit noch Lust, diesen Felsen im Nichts wirklich zu regieren.

Wie es aussieht, ist noch ein anderer Freihändler mit dem Namen Moredus Westland, ein berüchtigter Handlanger der schier omnipräsenten Kasballica Mission, auf Aufbruch präsent. Und das wohl schon seit einiger Zeit, da hier kein anderes Freihändlerschiff auf Reede liegt. Ein gewisser Ito Vajun funkt uns an und weist die "Audacia" zu einem Andockpunkt. Meisterin Puppila läuft mal wieder zur Hochform auf und steuert den leichten Kreuzer sanft wie ein Blatt im Wind zur Anlegestelle. Ich sammle meine Entourage ein und wir gehen gemeinsam von Bord. Uns erwartet schon eine Ehrenformation von uniformierten Wachsoldaten, die wohl hier eher repräsentativen Zwecken dienen. Am Ende der Information wartet ein Trio aus zwei Männern und einer Frau in blauen adretten Uniformen, ähnlich geschnitten wie jene der imperialen Flotte. Der dunkelhäutige Mann meiner Größe ist Ito Vajun und heißt mich auf Aufbruch willkommen. Vajun ist so etwas wie das inoffizielle Staatsoberhaupt, welcher die Tagesgeschäfte der Station abwickelt. Nachdem ich das Zeremoniell hinter mich gebracht habe und erklärt habe, dass mein Onkel Ravion wirklich endgültig vom Posten des Lordkapitäns zurückgetreten ist, führt er mich in das Innere der Station. Alles ist äußerst barock ausstaffiert. An den Wänden reihen sich prächtige Heiligenfiguren auf. Sie sehen äußerst uneinheitlich aus und stammen aus verschiedenen Epochen und auch Materialien. Manche sind aus Blöcken feinsten Marmors gemeißelt, andere aus Elfenbein geschnitzt. Andere sind aus Metall gegossen oder bestehen aus wurmstichigem Holz. Der Heilige Drusus ist natürlich überproportional vertreten, aber auch Macharius, Thor, Dolan, Sanginuis und die übrigen Söhne des Imperators sind öfters zu sehen. Andere sagen mir überhaupt nichts und stammen wohl aus sehr entfernten Gegenden des Imperiums. Diese prächtigen Gänge sind gut in Schuss und sauber.

Wir gelangen auf dem offiziellen Markt dieser Station. An den Wänden ziehen sich über mehrere Galerien die Ladengeschäfte entlang. In der Mitte der offenen Halle sind Stände aufgebaut, wo allerlei Waren feil geboten werden. Viele gestrandete Gestalten sind zu sehen: Pilger, Siedler und Glücksritter. Der eine oder andere wird sich bald an Bord der "Audacia" wiederfinden, da die Crewstärke unter meinem Onkel stark abgenommen hat. Und große Schiffe suggerieren eine gewisse Sicherheit, so dass Rekrutierung bei uns leichter fällt als bei einem Transporter oder Zerstörer. Meine Marketender schwärmen jedenfalls schon mal aus, um ihren Geschäften und Tätigkeiten nach zu gehen. Derweil werde ich weiter durch die Station gelotst und nehme die Atmosphäre dieses Ortes in mich auf, über den ich theoretisch regiere. Allerdings macht mir Ito Vajun klar, dass meine Einmischung in Entscheidungsabläufe weder notwendig noch wirklich erwünscht wird. Es gibt immer wieder übereifrige oder dumme Freihändler, die meinen, sie hätten hier etwas zu sagen. Da ich nicht wirklich vorhabe, mich mit diesem Konglomerat an Problemen zu beschäftigen, mache ich gute Miene zum bösen Spiel.

Schließlich lande ich in einer Festhalle und bekomme eine halbe Hundertschaft an offiziellen Mitgliedern der inoffiziellen Regierung von Aufbruch vorgestellt. Jeder Aufgabenbereich hat einen prächtig uniformierten Würdenträger. Selbst für die Schotte gibt es einen Beauftragten. Die meisten Namen merke ich mir gar nicht erst, da dies von mir auch nicht erwartet wird. Eigentlich wäre es viel besser, wenn sich eine ständige Regierung im offiziellen Rahmen bilden würde und nicht diese nicht existierende Regierung aus wechselnden Freihändlern, die sich letztendlich eh nicht in das Tagesgeschäft einzumischen haben. So lasse ich mir die exotischen Gerichte munden, die hier häppchenweise aufgetischt werden. Schließlich erfahre ich, dass mein hier ansässiges Geschäft für den Warpkartenhandel ausgebombt und der leitende Vorsteher Rice Solomon schon vorher spurlos verschwunden ist. Dadurch, dass der Handel mit den Karten die momentan umsatzstärkste Unternehmung meines Geschäftsbereiches ist, ist das natürlich eine verdammt schlechte Nachricht. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 21. Oktober 2012, 21:31:55
Position:
Aufbruch
"Audacia"
Zeit: 4 654 783.M41

Nachdem ich das Mahl über mich ergehen lassen habe, ist es nun schicklich, dass ich mich verabschiede, um mich um meine Angelegenheiten zu kümmern. Mit Meisterin Puppila, Braddock, Ares und Bruder Obskurus verkleide ich mich zurück an Bord der "Audacia" als Pilger und verlasse Inkognito mein Schiff. Meisterin Puppila kennt sich hier aus, da sie auf dieser Station aufgewachsen ist. Wir gehen auf dem Weg bei der Niederlassung des Handelshauses Krynn vorbei, die wirklich repräsentativ in der Markthalle liegt. Das Büro meines Hauses ist ziemlich weit oben und macht nicht gerade viel her. Auch ohne die schäbige Plastekwand, welche die zerbrochenen Scheiben ersetzt, würde diese Adresse nichts her machen. Ein einsamer Wachmann in meinem Dienst schiebt hier Wache. Ich gebe mich zu erkennen und platze in meinen Laden. Hier sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, was ja wirklich der Fall war. Zwei einsame Gestalten räumen gerade auf. Einer von ihnen ist ein älterer Mann mit dem Namen Sag Oleg. Er ist nun nach dem Verschwinden von Rice Solomon der Chef.

"Und wer ist für diesen Schlamassel verantwortlich?", frage ich gerade heraus.
"Ich weiß es nicht", antwortet Herr Oleg und windet sich sichtlich.
"Welcher Name kam euch als erster in den Sinn?"
"Nun ja, wahrscheinlich war das einer unser Konkurrenten.", mutmaßt er. Und davon scheinen wir einige zu haben. "Und da wäre natürlich noch Inquisitor Karl Oppner."
"Ein Inquisitor? Hier? Und im Warpkartenhandel tätig?"
"In der Tat, ein leibhaftiger Inquisitor. Da wir außerhalb der Zuständigkeit des Imperiums sind, hat seine Rosette nicht die Macht, wie er sie sonst hätte. Einfach Ressourcen beschlagnahmen ist hier auf Aufbruch nicht. Er hat ein paar sehr raue Gesellen unter seinem Kommando." Ich frage mich, was ein Inquisitor hier treibt. Sicher, hier passieren Ketzer, Separatisten, Häretiker zu Tausenden den Schlund, aber wirklich gegen sie vorgehen kann er auch nicht. Jedenfalls nicht gegen größere Gruppen, so ganz allein, von allen offiziellen Quellen abgeschnitten. Mit der Inquisition anlegen will ich mich auch nicht, also setze ich den Namen erst mal ganz nach unten.

"Als nächstes wären da die Gebrüder Askard. Die haben einen berüchtigten Club im Unterdeck und verkaufen hauptsächlich Schatzkarten aus zweifelhaften Quellen."
"Hm, solche Windbeutel sind eigentlich keine Konkurrenz für uns."
"Und da wäre noch Lukas Bärbach, ein kleiner Abhumaner."
"Ein kleiner Abhumaner?"
"Ein Halbling."

"Halbling?" Nach der Prophezeiung würde ich als ersten Boten meines Widersachers auf einen Halbling mit großen Ambitionen stoßen. Interessant. Dessen Name wandert an die Spitze der doch recht kurzen Liste.
"Und was könnt ihr mir über Rice Solomon sagen?" Leider nicht besonders viel. Er scheint wohl ein recht bescheidener und einzelgängerischer Mann gewesen zu sein, der einer ominösen Sekte mit dem Namen "Die Büßer von Dharand" angehörte. Ein Flagellantenkult mit nur wenigen Anhängern auf Aufbruch. Jedenfalls habe ich weder von Dharand noch von diesen Büßern je gehört. Aber ich kann ja auch nicht jeden Heiligen kennen. Vom Gehilfen lasse ich mich zum Quartier von Rice Solomon führen. Obwohl es im gehobenen Mittelsektor liegt, ist es spartanisch eingerichtet. Der einzige Luxus ist ein Bild des Imperators, welcher Büßer mit zerschlagenen Rücken predigt. Es ist ein Original in einem aufwendigen Rahmen. Ich untersuche es, finde aber weder im Rahmen noch dahinter etwas. Unter dem Bett entdecken wir einen abgewetzten Gebetsteppich, sonst findet sich so gut wie nichts. Auf alle Fälle ist er nicht von selbst getürmt, sonst hätte er das sicherlich wertvolle Bild nicht zurückgelassen.

Wir fragen uns zu der Kapelle durch, welche von den Büßern benutzt wird. Die befindet sich in den heiligen Hallen innerhalb der gigantischen Imperatorstatue. Es dauert einige Zeit, bis wir uns dahin durchgearbeitet haben. Die Kapelle des heiligen Dharand ist bar jeder Verzierung. An der gegenüberliegenden Wand steht eine grobe Statue aus generischem Stein. Drei abgerissene Gestalten mit blutigem Rücken knien vor der Statue. Kurzerhand spreche ich einen der drei an und reiße ihn grob aus seiner Gebetsformel, die er immer wieder vor sich hin brabbelt. Meine Zeit ist zu kostbar, um sie mit Höflichkeiten mit solchen unnützen und unwichtigen Leuten zu verschwenden. Viel kommt bei der Konversation auch nicht heraus. Rice ist auch für sie unauffindbar und er hat nichts verlauten lassen, was ihm hätte zugestoßen sein könnte. Der Flagellant beginnt eine Diskussion mit Bruder Obskurus anzufangen, die ich aber rüde abwürge. Wie gesagt, Zeit ist Geld und ich habe weder Zeit noch Nerv, mich auf eine theologische Diskussion mit Fanatikern einzulassen. Nun gut, dann auf zum Halbling, vielleicht findet sich ja da was.

Der Halbling Lukas Bärbach hat sein Ladengeschäft im Außenring. So wie es aussieht, hat er es gerade verkauft und zwar an einen gewissen Herrn Bilka. Dieser Herr Bilka ist zum Glück noch anwesend. Der Mann von vielleicht vierzig Jahren hat schlohweißes kurz geschnittenes Haar und violette Augen. Besonders violette Augen sind nicht normal. Künstlich scheinen sie nicht zu sein und so eine Farbe ist schon eine kleine Mutation. Ich spreche mit ihm und bekomme unverblümt gesagt, dass es besser wäre, wenn ich die Sache auf sich beruhen lassen würde. Der Kerl nimmt mich nicht für voll. Da ich nicht weiß, mit wem ich es zu tun habe und wen ich mir letztendlich zum Feind mache, wenn ich diese violette Missgeburt töte, lasse ich diese kleine Made erst mal am Leben.

Es wurmt mich zwar, dass ich so wenig herausgefunden habe, kann dies aber momentan nicht ändern. Mein Leibdiener Caine ist trotz später Stunde noch wach und ich erzähle ihm, was ich heraus gefunden habe. Er glaubt nicht, dass Herr Bilka etwas mit Kasballica Mission zu tun hat, was mein erster Verdacht gewesen wäre. Diese Organisation tritt vergleichsweise in der Weite offen auf, da sich die einzelnen Mitglieder etwas auf ihre Mitgliedschaft einbilden und sie hier nicht von imperialen Organisationen verfolgt werden. Auf alle Fälle macht sich Caine auf, weitere Informationen zu sammeln, während ich in äußerst gedrückter Laune in mein Quartier schleiche. Aber meine beiden Konkubinen gelingt es schon recht bald, meine Stimmung deutlich zu heben.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 23. Oktober 2012, 22:45:45
Position:
Aufbruch
"Audacia"
Zeit: 4 657 783.M41

Am nächsten Morgen wird die "Audacia" erst mal in die Werft verlegt. Die letzten Verhandlungen müssen aber von mir persönlich geführt werden. Die Werft gehört dem Kult des Inneren Auges. In den Augen des Mechanikus handelt es sich dabei um Ketzer, im Fachjargon Häreteks genannt. Mein oberster Maschinenseher Kyle Ademis hat als Thuleaner keine Probleme, deren Dienste in Anspruch zu nehmen. Schon früher wäre das passiert und es hat dem großen Maschinengeist der "Audacia" immer gut getan. Und das ist ja letztendlich die Hauptsache. In den letzten Wochen wurde hart an den Plänen gefeilt, um zum einem die laufenden Kosten etwas zu minimieren und zum anderen die Lebensbedingungen der Besatzung zu verbessern. Beide Prämissen gleichzeitig zu erfüllen war gar nicht so einfach. An der Besatzung zu sparen ist der einfache Weg, den viele Schiffseigentümer beschreiten. Aber genau das will ich ja nun nicht, auf Kosten der Besatzung zu sparen. Letztendlich werden die schwerfälligen Geschütze der konventionellen Makrokanonenbatterien auf beiden Seiten gegen Lasergeschütze mit höherer Reichweite ausgetauscht. Die kosten weniger Platz, benötigen aber dafür mehr Energie. Wir haben unerklärliche Schwankungen in den Reaktoren, so dass diese weniger Energie produzieren, als sie eigentlich abgeben müssten. Dieses Phänomen muss nun auch auf dem Grund gegangen werden, sonst stehen wir im Ernstfall ohne Geschützbatterie da. Auf alle Fälle fallen so die Kosten für die riesigen Geschosse weg und auch die Aufwendungen der Lagerhaltung fallen so weg. Ganz abgesehen vom eingesparten Raum für die Geschossmagazine.

Mit dem freien Platz werden die Quartiere für die Besatzung erweitert und ein besseres Lüftungssystem wird eingebaut, was nicht nur die Laune meiner Leute, sonder auch die meine hebt. Und dann wird noch eine Arena gebaut werden, wo sich zum einen die Offiziere duellieren können und wo die Mannschaft ihre Hartballspiele vor großem Publikum abhalten kann. Ich glaube, dass eine zufriedene Besatzung im Ernstfall länger durchhält und mir die Treue halten wird. Und durch meine Zeit als Unab weiß ich, wie hart es die unteren Ränge haben.

Meisterin Puppila schafft es, die schwerfällige "Audacia" sauber ins Trockendock zu manövrieren. Als letztes muss ich noch persönlich mit den oberen Anführern des Kultes sprechen. Nun gut, in Begleitung meiner engsten Berater betrete ich das Dock. Zahnradornamentik ist hier allgegenwärtig. Das Symbol des Kultes ist ein menschliches Gesicht umgeben von Zahnrädern. Ich werde von einem wartenden Techpriester in Begleitung zweier stark modifizierter Waffenservitoren empfangen. Die menschliche Komponente der Servitoren ist eigentlich kaum mehr vorhanden. Diese Waffensysteme aus zwei gekoppelten Maschinenkanonen mit ummantelter Gurtzuführung gehen auf vier Beinen. Der Kopf ist gänzlich verschalt. Eventuell habe ich hier ein Robotersystem vor mir, Kunstmenschen, die absolute Techhäresie. Oder vielleicht ist da doch noch ein menschliches Gehirn unter all dem geschichteten Ceramit. Letztendlich kann es mir egal sein, solange diese Leute ihre Arbeit zu meiner Zufriedenheit erledigen. Hier geht es letztendlich nur um Effizienz, nicht um Dogmen eines Kultes, der mir persönlich unverständlich und vollkommen fremd ist. Wer nun den Maschinengeist der "Audacia" salbt, kann mir egal sein, Hauptsache am Ende ist er zufrieden und versöhnt. Und macht das, was er soll.

Ich werde schließlich durch viele Gänge aus Ferrobeton oder Stahlplast in einen kuppelförmigen Raum im gotischen Stil geführt. Aus den Wänden aus Stahl winden sich unzählige Mechadendriten mit Greifarmen, Sensoren und Werkzeugen. Auf einer eckigen Säule im Zentrum stehen drei Glaskästen, in denen Gehirne schwimmen. Die Dreieinigkeit, die sich vollständig von jedem Fleisch befreit hat. Nur ihre Gehirne sind noch übrig. Nach den unzähligen Lüftungsgittern aus Messing zu schließen, thronen die Gehirne wohl auf einem Hochleistungscogitator. Die Gehirne begrüßen mich mit einer wohlmodulierten künstlichen Stimme. Wir unterhalten uns kurz über die bevorstehenden Reparaturen und werden uns grob einig. Kapitäne kommen und gehen, aber das Schiff bleibt. Und das ist für diese Leute alles, was zählt. Ihrer Meinung nach hat die "Audacia" ein Schicksal und deswegen kriege ich Rabatt. Nun ja, soll mir recht sein. Die restlichen Details können sie mit meinen Techpriestern und Marketendern aushandeln. Schließlich unterhalten sich der mich begleitende Maschinenseher und die Dreieinigkeit in ihrem binären Maschinencode, von dem ich keine Ziffer verstehe. Bei der erste Gelegenheit verabschiede ich mich und beeile mich, aus dieser doch recht seltsamen Umgebung zu entkommen. Damit wäre der erste Termin für heute abgehakt. Der nächste ist ein Essen mit dem anderen Freihändler hier auf der Station, mit Lord-Kapitän Moredus Westland. Meine beiden Konkubinen lassen es sich nicht nehmen, mich für diesen Anlass herauszuputzen. Anfangs erwäge ich, die beiden mitzunehmen. Zum einen, um ihnen mal was anderes zu zeigen, zum anderen, mit ihnen etwas anzugeben. Aber ich habe ein seltsames Gefühl und lasse mir von Josephina das Tarot legen.

Die erste Karte ist das Monster, was schon mal kein gutes Zeichen ist und mein ungutes Gefühl bestärkt. Monster ist ganz klar eine Gefahr, die im Dunkeln lauert. Dann der Weise auf dem Kopf, Geheimnisse sind um mich herum. Dann das Auge, ich werde beobachtet. Die nächste Karte ist der Händler auf dem Kopf, die Geschäfte laufen eher mir zuwider. Und als letztes noch der Verräter, der Feind lauert auch im Innern. Na Prima! Aber die schlechte Prognose ist ja nicht Josephinas Schuld, sondern dieses Umfeld hier. Ich danke ihr mit einem dicken Kuss und verspreche ihr, besonders vorsichtig zu sein. Ihre Begleitung ist nun kein Thema mehr. Caine berichtet, dass er diesen Herrn Bilka bis nach Dock 49 verfolgen konnte, wo einige menschliche Söldner in seinem Dienst zu stehen scheinen. Dort befindet sich wohl ein kleines Raumschiff für Systemflüge. Und so wie es aussieht, haben die Gebrüder Askard gerade einen kleinen Konflikt mit dem Inquisitor Oppner am Laufen. Die Sache fängt an, ziemlich kompliziert zu werden. Und mir ist nicht klar, wer alles hier überhaupt mitspielt.

Schließlich ist es Zeit für das Essen mit Westland. Mit einem Guncutter fliege ich zu einer Landebucht, da das Trockendock nicht mit der übrigen Station mit Tunneln verbunden ist. Der Kult des Inneren Auges bleibt wohl gerne unter sich, was sicherlich nicht verkehrt ist. Inzwischen habe ich erfahren, dass der Sohn von Moredus Westland, ein gewisser Kelwor Westland einen Club mit Glücksspiel betreibt und deswegen über einen stetigen Nachschub an Sklaven verfügt. Also die Glücklosen, die verlieren, müssen den Rest ihres Lebens in Knechtschaft verbringen. Nun ja, jedem seine Art von Geschäft.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 25. Oktober 2012, 23:47:17
Position:
Aufbruch
Zeit: 4 659 783.M41

Wir werden zu dem Zoo geleitet, den Moredus Westland betreibt. Der befindet sich in der großen Halle am nördlichen Ende. Die aufdringliche Reklame ist nicht zu übersehen. Die Bezeichnung Zoo ist irreführend, wie ich schon in der ersten Ausstellungshalle entdecken muss. Die Exemplare leben nicht mehr so richtig, sondern sind in Kryobehältern eingefroren. Diese Technologie ist anders als auf meinem Schiff, da die Behälter vollständig die Sicht auf die darin eingeschlossenen Probanden gewähren. In der ersten Halle sind hauptsächlich geistlose Xenosbestien ausgestellt. Auf Mortressa hatte ich die Gelegenheit, solchen Exemplare in der freien Natur gegenüber zu stehen. Manchmal habe ich heute noch Albträume aus dieser Zeit. Nun ja, eines ist besonders groß und eklig. Das riesige Ding besteht schier nur aus Stacheln. In der zweiten Halle haben sie eine leibhaftige Eldar in einer blauen Rüstung ausgestellt. Die goldenen Augen der Eldarfrau scheinen immer noch lebendig einen anzublicken. In der Hand hält sie eine filigrane Energieklinge. Ihre blaue Rüstung ist mit unzähligen Edelsteinen verziert. Ich habe das Gerücht gehört, dass die Eldar im Tod ihre Seelen in solchen Steinen speichern sollen. Deswegen muss man sehr vorsichtig sein, wenn man Edelsteine aus Eldarproduktion kauft, da sie manchmal Xenos anziehen, welche die Seelen ihrer Verwandten bergen wollen. In der Halle stehen viele Vitrinen mit Xenoswaffen, hauptsächlich aus Eldar und Orkproduktion. Diese beiden Völker beziehen je den Endpunkt in der Skala der Ästhetik. Während Orkwaffen, krude, grob verbaut und klobig sind, wirken Eldarwaffen schon beinahe wie gewachsen und äußerst filigran. Ihre geschwungenen Linien geben den Gegenständen etwas äußerst Dynamisches. In der dritten Halle sind drei leibhaftige Raggol ausgestellt. Diese Rasse kommt in der Koronusweite häufig vor, wahrscheinlich befindet sich ihre Heimatwelt in diesem Bereich, wurde aber bisher noch nicht entdeckt.

Diese Raggol sind äußerst hässliche Gesellen. Diese Dinger haben drei Beinpaare und ein Paar Arme mit bösartigen Krallen, die eine seltsame Waffe halten, wahrscheinlich ein Gewehr. Die Mäuler sind aufgerissen und zeigen große scharfe Zähne. Ich bin echt froh, dass Dinger nicht mehr leben. Nicht mal ein totes Xenos ist ein gutes Xenos. Denn das Xenos musst du töten! Das darf man nie vergessen, denn so hat es der Gottimperator in seiner unendlichen Weisheit festgelegt!

Hinter dem "Zoo" kommt nun das eigentliche Etablissement zum Vorschein, ein Club mit vielen Tischen. Die Bedienungen sind ausnahmslos jung und hübsch. Ihre Uniform besteht aus einem enganliegenden Korsett, das ihre Brüste stützt, aber nicht bedeckt. Ihr Scham ist mit einem hauchdünnen Nichts von einem Tanga bedeckt und sie stöckeln mit hochhackigen Schuhen durch die die Tischreihen. Für Schauwerte ist hier durchaus gesorgt.

Dafür hat Lordkapitän Moredus Westland keine Schauwerte zu bieten. Er ist ein verkrüppelter alter Mann mit dünnen Ärmchen. Seine breiten Schultern künden davon, dass er einst recht kräftig gebaut war. Seine Beine werden von einem Exoskelett aus gebrüstetem Messing gestützt. Sein weißes Haar ist schütter und teilweise ausgefallen. Der Mann ist krank, schwer krank. Mit heißerer Stimme begrüßt der Lordkapitän mich und geleitet mich in einen privaten Bereich, wo schon sechs seiner Offiziere warten. Caine nimmt an meiner Seite Platz, der Rest meiner Entourage muss im Stehen zusehen. Gänge mit exotischen Gerichten mit Xenosfleisch werden aufgefahren. Ich versuche, mit dem Lordkapitän ein Gespräch anzufangen. Zuerst muss ich erklären, was meinem armen Onkel widerfahren ist. Ich bin sicher, dass die Gerüchte über sein Ableben schon die Runde gemacht haben. Deswegen beschönige ich nichts, bleibe aber trotzdem vage. Es ist äußerst bedauerlich, dass es soweit hat kommen müssen. Als Berater und erster Offizier hätte er noch weiter auf der "Audacia" bleiben können, ich hätte von seiner Erfahrung profitieren können. Aber leider hat mein Onkel anders entschieden und das, was er meinem Bruder Novus angetan hat, ist einfach unverzeihlich. Er hätte damals einfach seinen Posten räumen und meinem Bruder überlassen müssen. Aber dadurch habe ich nun das Kommando über die "Audacia" und bin ein mächtiger Mann. Ein mächtiger Mann, der einen Bombenanschlag aufzuklären hat. Eventuell sitze ich vielleicht sogar mit dem Drahtzieher an einem Tisch, da ich niemandem hier trauen kann.

Schon bald kommen wir auf dieses delikate Thema zu sprechen. Westland redet sich dabei immer mehr in Rage. "Mein Leben, meine Seele ist in Gefahr!", behauptet er unumwunden. "Aber Ihr denkt sicherlich, das ist das Geschwätz eines Narren. Alle denken, ich wäre verrückt. Aber ich sage Euch Conari, hier geht Übles vor sich. Xenos ziehen auf dieser Station die Fäden, soweit ist es schon gekommen. Aber diese Idioten hier wollen das einfach nicht wahrhaben." Mit Idioten meint er seine Offiziere, dich sich betreten anschauen. Die ganze Situation hat etwas Groteskes und ich bin froh, meine beiden kleinen Schätzchen schön auf der "Audacia" gelassen zu haben. Einer der Männer bekommt einen Hustenanfall und stolpert nach draußen. Er hält sich eine Serviette vor dem Mund und ich meine Blut darauf zu sehen. Nun beginnt der Lordkapitän wirres Zeug zu reden. Spricht von Selbstreinigung und dass er Dinge in Bewegung gesetzt hätte. Weitere Offiziere beginnen zu husten und fallen von den Stühlen. Sind sie etwa vergiftet worden? Hat das Westland mit Selbstreinigung gemeint? Oder ist das ein obskures psionisches Phänomen? In der Weite scheint so etwas häufiger vorzukommen.

Mehrere bewaffnete Wachen betreten das Separee. Westland tickt bei ihrem Anblick aus und wird daraufhin von einer der Wachen in den Kopf geschossen. Der Strahl bohrt sich durch den kompletten Schädel und Dampf quillt aus den beiden Löchern hervor. Es gibt eine kurze Schießerei und am Ende stehen noch zwei Wachen. Währenddessen springe ich auf und ziehe meine Boltpistole, weiß aber nicht, auf wen ich jetzt eigentlich zielen soll. Thron! Ich verstehe nicht, was hier eigentlich abläuft und das macht mich wütend! Thronverdammt!

"Na, Conari, was soll es sein? Willst du wissen, was hier los ist? Dann komm einfach alleine mit und ich bringe dich mit den richtigen Männern zusammen.", bietet einer der Überlebenden mir an und richtet seine Waffe auf mich.

Gespielt am 26.05.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 1
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 1
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 1
EP: 200
Besiegte Gegner:
Niemand!
Beute:
Noch nix

Gedanke des Tages
Spoiler (Anzeigen)
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 29. Oktober 2012, 13:58:03
Persona Dramatis
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Kapitel 6
Der Engel des Imperators

Position:
Aufbruch
Club "Zoo"
Zeit: 4 659 783.M41

Thronverdammt! Wie ich es hasse, wenn mir jemand eine Laserknarre ins Gesicht hält. Während es in mir brodelt, bleibe ich äußerlich ruhig. Ich ziele ebenfalls auf seine hässliche Birne und lasse mir sein Angebot durch den Kopf gehen. Wenn ich den Bastard vor mir erschieße, komme ich meinem eigentlichen Ziel, Licht in diese Angelegenheit zu bringen, nicht weiter. Aber alleine will ich auch nicht mitkommen.

"Nur mit meiner Entourage!" Ich weise mit einer Kopfbewegung auf meine engsten Berater.
"Das muss ich erst mit den Bossen abklären.", meint der Söldner und spricht in ein Mikrokom, dass er bei sich trägt.
"Nun gut, die Bosse sind einverstanden. Folgt mir!", erklärt er mir, nachdem er wohl eine Rückantwort bekommen hat. Er steckt seine Waffe weg und ich folge seinem Beispiel. Wirklich wohl ist mir nicht bei der ganzen Sache, aber äußerlich lasse ich mir nichts anmerken. Die Geräusche der Schießerei haben die Gäste aufgeschreckt und die Meute schwankt zwischen Weglaufen und neugierig Gaffen. Die menschliche Seite siegt schließlich und das Gaffen triumphiert über die Vernunft. Trotzdem kommen wir unbehelligt durch. Der Söldner führt uns von der Haupthalle in die Tiefen der Station. Also in die wenig noble Unterseite. Bald wird alles äußerst schäbig. Der Ferrobeton liegt unverputzt offen und manchmal ist es auch nur grob behauener Fels. Die Behausungen sind schäbig und die Klientel ist es auch. Hier haben sich viele Mittellose zurückgezogen. Manch einer macht den Eindruck eines Obskura Süchtigen. Prostituierte beiderlei Geschlechts bieten ihre Dienste an, um so an das notwendige Geld für ihre Sucht zu bekommen. Ich schwanke zwischen Verachtung und Mitleid für diese gestrandeten Kreaturen. Noch vor einigen Monaten hätte ich nur Ignoranz und Verachtung für sie übrig gehabt, aber wenn man selbst mal ganz unten war, ändert das die Perspektive auf solche Dinge. Hier und da missioniert ein Betbruder und verspricht die Erlösung im Glauben. Als ob der Gottimperator sich um so jemand auch nur ansatzweise scheren würde. In letzter Zeit frage ich mich, ob der lebendige Gott auf seinem Goldenen Thron auf Terra wirklich alles sieht oder ist ihm einfach alles egal? Von klein auf hat man mich gelehrt, dass der Gottimperator der Menschheit über einen wacht und ihn vor dem Grauen jenseits des Schleiers beschützt. Ohne je zu präzisieren, was dieses Grauen überhaupt ist. Inzwischen bin ich nicht mehr so überzeugt, dass er wirklich vor diesen Kreaturen schützt.

In einigen Abschnitten funktioniert die Schwerkraft nicht so, wie sie sein sollte. Manchmal fühlt man sich leicht wie eine Feder und bewegt sich mit großen Sprüngen vorwärts, dann läuft man, als würde das Gewicht von einem Zentner zusätzlich auf einen lasten. Wir kommen nun in einen Bereich, der mit unzähligen Statuen geschmückt ist. Allerdings ist ihre Machart äußerst befremdlich. Die Proportionen stimmen nicht und alles wirkt verschoben. Als hätte ein Kind sich als Bildhauer versucht und teilweise mitten im Schöpfungsprozess aufgehört. Schließlich kommen wir zum "Ventura", dem berüchtigten Club der Gebrüder Askard. Hätte ich mir beinahe denken können. Zwei stämmige vernarbte Männer in Drillich stehen mit Automatikgewehren in Vorhalte Wache vor einer schäbigen Tür aus verstärktem Plaststahl, deren Oberfläche genau so ramponiert wie die Gesichter Türsteher aussieht. Der Innenraum des Ventura entpuppt sich als übelste Obskura-Höhle. Auf dreckigen Liegen sitzen genau so heruntergekommene Konsumenten und geben sich ungehemmt ihrer Sucht hin. Auf einer treiben es gerade zwei abgemagerte Süchtige miteinander. Ein überaus ekelerregender Anblick, was den Rest der Klientel aber nicht groß zu stören scheint, da sie sich ihren Drogenträumen hingeben. Manche brabbeln unzusammenhängendes Zeug vor sich hin. Es stinkt hier entsprechend und allein schon die Düfte fangen an, einen zu benebeln. Es hat schon seinen Grund, warum die Rausschmeißer hier Gasmasken tragen. Hinten an der Theke aus zusammengestückeltem Schrott macht uns eine stark geschminkte Frau die Tür für eine etwa zehn Meter in die Tiefe führende Treppe auf, indem sie einen Knopf unter dem Tresen drückt. Dort werden wir in einen Raum mit etwa zwei Dutzend weiteren Söldnern geführt. Die lümmeln sich an Plasttischen und spielen hauptsächlich verschiedene Kartenspiele. Ihre Waffen, sprich Laser- und Automatikgewehre sind meist in der Nähe griffbereit. Ein recht junger Mann, sprich jünger als ich, stellt sich als Kelwor Westland vor. Also der Sohn des just verstorbenen Moredus Westland. Aber auch er ist nicht der Boss, wenn auch wohl im höheren Management dieser ominösen Verschwörung anzusiedeln. Wir setzen uns zu zweit an einen freien Tisch. Der Boss ist in der Nähe und Kelwor bereitet mich seelisch und moralisch darauf vor, ihm zu begegnen. Ich spreche ihm mein Beileid aus, was er ohne große Gefühlsregung akzeptiert. Mir ist die ganze Sache nicht geheuer und ich muss gestehen, dass ich etwas Angst habe.

"Mein Meister ist ein Engel des Imperators!", verkündet er mir und ich muss so verdutzt aus der Wäsche schauen, dass Kelwor das gerade Gesagte noch einmal wiederholt. Meine Ohren können das akustisch schon verstehen, nur mein Verstand weigert sich, das einfach so zu glauben. Engel sind in der imperialen Religion ein oft vorkommendes Motiv. In vielen gängigen Darstellungen steht ein verhüllter Engel unmittelbar in der Nähe des Imperators, um dessen Göttlichkeit zu unterstreichen. Hin und wieder gibt es Geschichten von Sichtungen von Engeln, die in der höchsten Not auf der imperialen Seite eingegriffen haben, um dann anschließend spurlos zu verschwinden. Es gibt auch eine Heilige der Sororitas, die sich in einen leibhaftigen Engel verwandelt hatte. Aber selbst Drusus hatte in seiner ganzen Amtszeit nie einen Engel an seiner Seite gehabt und das ist immerhin der heiligste Mann in diesem Sektor.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 31. Oktober 2012, 14:21:19
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Aufbruch
Club "Ventura"
Zeit: 4 659 783.M41

Dieser ominöse Engel hat wohl den Befehl gegeben, den Warpkartenhandel unter seine Kontrolle zu bringen. Auch Engel scheinen wohl von irgendetwas leben zu müssen. Der Bombenanschlag geht auf das Konto der Askard Brüder, welche auch hohe Gefolgsleute des Engels zu sein scheinen. Allerdings ist Rice Solomon hier, der zu mir her gewunken wird, dass ich mich überzeugen kann, dass er aus freien Stücken hier ist. Der Mann ist ein Fanatiker, wie ich mit einem Blick in sein Gesicht erkenne. Seine Worte, die aus ihm heraus sprudeln, bestätigen mir das.

"Großes steht uns bevor, mein Lord! Ein gewaltiger Kreuzzug wird die Koronus-Weite in den Schoß des Imperiums führen, so wie einst der heilige Drusus den Calixis Sektor dem Imperium angeschlossen hat. Der Imperator hat uns seinen Engel geschickt, um der Weite das Licht zu schenken." Etwas wirklich Sinnvolles hat er nicht zu der Situation beizutragen. Religiöse Fanatiker waren mir schon immer etwas suspekt. Alles ist Gift, nur die Dosis macht es erträglich, war einer der Lieblingssprüche von Caine während meiner wilden Zeit. Und er hat Recht. Ein Glas Amasec schadet nicht, eine Flasche am Tag führt zu drastischen Langzeitschäden. So ist es mit allem, auch mit Religion. Wer das Leben vor lauter Geboten und Verboten nicht mehr sieht, ist dazu verdammt eine Kutte zu tragen.

Letztendlich läuft es darauf hinaus, entweder ich unterwerfe mich diesem Engel oder ich sterbe. Keine tollen Aussichten. Mir gefällt diese Lage immer weniger. Nun weiß ich, was ich wissen wollte. Der Feind hat eine Adresse, aber ich kann hier nicht die Initiative an mich reisen. Braddock, Ares und mein Waffenservitor Novus, der einzige Engel, den ich wirklich brauche, sind fähige Kämpfer. Meisterin Puppila eine gute Schützin und Lady Helmchen ist durch ihr drittes Auge recht offensiv, aber beide halten keinen Gegenschlag aus. Bruder Obskurus ist kein Kämpfer und hier wird er sich nicht einfach nach einer tödlichen Wunde in ein Schneemännchen mehr verwandeln können, da dies hier sein richtiger Körper und keine Projektion ist. Die letzten drei genannten werde ich in einem Feuergefecht in diesem Raum bei so vielen automatischen Waffen auf alle Fälle verlieren. Novus ist sehr widerstandsfähig und kann auch austeilen. Die Hälfte der Söldner hat sich taktisch günstig im Raum verteilt und ihre Waffen, Schrotflinten, Autogewehre und Laserkarabiner feuerbereit in den Händen. Ich komme zum Schluss, dass ich das Gefecht hier nicht überleben werde.

"Falls ich in zwei Stunden nicht zurück sein sollte, dann holt mich gefälligst raus!", meine ich halb im Scherz, halb im Ernst zu ihnen, als ich Kelwor in die Tiefe des Clubs folge. Mein Gefolge wird in andere Gemächer geführt. Als erstes bringt mich Kelwor in eine Kammer, die überwältigend nach Verwesung stinkt, auch wenn sie gekühlt ist. Hier sind in Leichensäcken diejenigen untergebracht, welche ein Gespräch mit dem Engel des Imperators nicht überlebt haben. Nicht jeder Geist war rein genug, um mit diesem Wesen kommunizieren zu können. Ich berechne ein weiteres Mal meine Chancen, mich hier heraus kämpfen zu können und komme auf ein Ergebnis annähernd gegen Null, von der negativen Seite her.

"Wie kommt es eigentlich, dass ein imperialer Engel hier auf diesen Außenposten gelangen konnte?", frage ich, um etwas Zeit Schinden zu können.
"Mein Vater hat einen Kristall aus der Weite mitgebracht, in dem er sich befand."
"Der Engel war in einem Kristall eingesperrt?"
"In der Tat, in einem Xenosartefakt."
"Wie beim Imperator soll ein Engel in ein Xenosartefakt kommen? Die Weite war niemals imperiales Gebiet."
"Das müsst ihr ihn schon selbst fragen." Na Prima. Die Sache kommt mir immer verdächtiger vor.
"Könnte es bei diesem Engel nicht um eine andere Art Wesen handeln? Eventuell ein Dämon?" Zum ersten Mal spreche ich dieses verbotene Wort im Zusammenhang mit einem Wesen jenseits des Schleiers aus. Inzwischen hat sich in mir die Vorstellung manifestiert, dass der namenlose Schrecken jenseits des Schleiers nicht nur aus geistlosen Warpraubtieren besteht, sondern dass diese Wesen durchaus von schrecklicher bösartiger Intelligenz erfüllt sind. Und solche Wesen nennt man abergläubisch "Dämon". Dummerweise nutzt mir dieses Wissen nun nicht weiter und mir bleibt nichts anderes übrig, als mich meiner Nemesis zu stellen. Vielleicht ist es ja wirklich ein imperialer Engel, versuche ich mir Hoffnung zu machen, wenn auch mit wenig Erfolg.

Nun werde ich von Kelwor in eine andere Kammer geführt. Hier ist es noch kühler und ich sehe hier keinerlei dafür notwendige Aggregate. Im Zentrum der Kammer ist eine Säule aus bleichen Knochen arrangiert. Ein Kunstwerk voll morbider Schönheit und doch grauenvoll anzusehen. Im Innern der hohlen Knochensäule befindet sich ein schwarzer Kristall, der von weißen Blitzen umzuckt wird, ähnlich wie bei einer Energieklinge. Hinter mir schließt Kelwor die Tür.

"Komm her!" spricht eine körperlose Stimme und ich fühle mich wie eine Marionette, die an unsichtbaren Fäden nach vorne gezogen wird. Ich bewege mich wie unter Wasser. Auf dem Anwesen meiner Familie haben wir mehrere Schwimmbecken, wo ich einst als kleiner Junge geschwommen und getaucht bin. So ähnlich fühlt es sich jetzt auch an. Schließlich stehe ich vor der Säule aus Knochen, die anfängt sich zu verschieben. Zuerst unmerklich, dann immer schneller. Knochen gruppieren sich um, schieben sich aufeinander und bilden schließlich einen Engel aus Knochen. Ich beginne zu schreien.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 02. November 2012, 13:35:19
Position:
Aufbruch
Club "Ventura"
Kammer des imperialen Engels
Zeit: 4 659 783.M41

Ich gerate in Panik und will vor diesem Ding nur noch weglaufen. Aber meine Beine gehorchen mir nicht mehr.
"Schwacher Sterblicher!", höhnt eine Stimme, die nicht von dieser Welt ist. "Sieh meine Herrlichkeit in Ewigkeit und schwör ab deinem schwächlichen Leichenimperator!"
"Niemals!", keuche ich mit aller Willenskraft. Wenn ich mich diesem Wesen unterwerfe, ist meine Seele verloren. Das wird mir in diesem Augenblick klar. Ganz abgesehen davon, dass unser aller Imperator lebt!

"Sieh!" Er zeigt mir zwei menschliche Körper. Ich weiß nicht, ob sie schon vorher im Raum waren oder er sie jetzt erst her geholt hat. Ich bin nicht sicher, aber es könnte sich um die Brüder Askard handeln. Eine der armen Kreaturen wird von unsichtbarer Hand hochgehoben. Das Wesen greift mit seinen Knochenfingern nach ihm und presst ihm das Leben aus dem Leib. Und das wortwörtlich, denn aus dem Mund tritt eine Wolke heraus. Dabei dürfte es sich um die Seele des Menschen handeln, der gerade gestorben ist. Der Dämon greift sich nun die durchscheinende Wolke, die an Rauch eines Lho-Stäbchens erinnert. Er knüllt die Seele zusammen und stopft das windende Ding in sein Maul. Mit dem anderen Menschen verfügt er genauso.

"Liebe den Imperator
denn er ist die Rettung der Menschheit
Gehorche seinen Geboten
denn er führt uns in das Licht der Zukunft
Vertraue seiner Weisheit
denn er schützt uns vor dem Bösen
Spreche seine Gebete mit Demut
denn er rettet unsere Seele
Achte seine Diener
denn sie sprechen mit seiner Stimme
Erzittere vor seiner Erhabenheit
denn wir gehen in seinem unsterblichen Schatten," stimme ich den Lobgesang auf dem Imperator an, in der Hoffnung das er mit seinem allsehenden Auge die Situation erkennt und eingreift. Leider scheint sein Blick gerade auf wichtigeren Dingen zu weilen als auf mir. Was ich in dieser Situation natürlich als äußerst bedauerlich empfinde.

"Diene mir und ich gebe dir Macht!", grollt der Engel des Imperators. Ha, als ob ich das nicht schon hätte. Ich bin ein Lordkapitän und verfüge über die Kampfkraft eines leichten Kreuzers. Ich kann Planeten in Schutt und Asche legen. Solange diese nicht in der Lage sind, zurück zu schießen. Was kann mir dieses Ding bieten, was ich nicht aus eigener Kraft erreichen kann? Ich bin Flavion Conari! Adliger aus Tarsus und ich diene nur meiner Familie, dem Gottimperator und mir selbst! Ich brauche kein Ding aus dem Warp um meine Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen.
"Nein!", antworte ich, da ich zu mehr keine Kraft habe.
"Narr! Ich biete dir Ruhm, Reichtum und Macht. Dafür musst du mich nur in die alte Heimat bringen. Ist das zu viel verlangt von so einem schwächlichen Fleischsack?" grollt der Engel. Alte Heimat? Was meint er damit? Den Warp? Irgend ein Halostern? Terra?
"Nein!", stelle ich mich stur.
"Schwöre Treue oder stirb!", brüllt er mich an.

"Niemals!", widersetze ich mich. Das Ding braucht mich, wird mir klar, deswegen kann er mich nicht so einfach töten. Aber er kann mir mit seinen Kräften verdammt weh tun. Ich hoffe nur, dass mein Gefolge eine Möglichkeit findet, mich hier herauszuholen. Auch wenn ich mich jetzt noch widersetzen kann, irgendwann werde ich brechen. Jeder bricht irgendwann einmal und ich bete, dass meine Leute mich rechtzeitig hier heraus holen werden. Vielleicht kriegt ja das der Imperator geregelt. Der Dämon fügt mir Schmerzen zu, die unbeschreiblich sind. Das tut natürlich verdammt weh und verwandelt mich in ein Häufchen wimmerndes Elend. Dann versucht er mich mit süßen Versprechungen von Macht und Reichtum zu verführen. Mir wird klar, dass dieses Ding nicht weiß, dass ich Macht und Reichtum schon habe. Dieser Dämon weiß wenig über Menschen meines Schlages. Wahrscheinlich hat diese Taktik bei den meisten Menschen gewirkt, da Macht und Reichtum nur wenige haben und viele dies erringen wollen. Mein Antrieb ist doch etwas anders geartet. Hin und wieder versuche ich mich mit Gebeten über Wasser zu halten, aber der Imperator greift weder persönlich ein, noch schickt er einen seiner richtigen Engel, um mich zu retten. Irgendwie habe ich doch etwas mehr erwartet. Offenbar scheint er doch nicht alles zu sehen und seiner Allmacht sind Grenzen gesetzt. Oder, was noch schlimmer wäre, ich bin ihm schlicht einfach total egal. Trotzdem gelingt es mir trotz meines schwindenden Glauben an seine Herrlichkeit auf Terra stur zu bleiben. Caine hat schon immer gesagt, ich wäre ein verdammter Trotzkopf. Und das lässt mich nun durchhalten. Nach einer Ewigkeit der Agonie wird das Wesen vor mir doch etwas ungehalten.

"Schwör mir Treue oder stirb den vollständigen Tod!", brüllt er mich an. Ich bin sicher, dass er es diesmal ernst meint und meiner überdrüssig ist. Ich bin nicht gebrochen, aber das ist nur ein geringer Trost. Just in dem Moment kommt mein Gefolge angestürmt, besser gesagt, Bruder Obskurus, Yuri und Althea. Und ein gewisser Herr Bilka ist mit ihnen. Der Rest meines Gefolges ist nicht auszumachen. Und so wie es aussieht, sind sie nicht körperlich da, sondern nur ihre Seelen. Ich versteh das zwar nicht, freue mich trotzdem über ihre Anwesenheit. Ich hoffe nur, dass ihre Anwesenheit als Seelen nicht bedeutet, dass sie körperlich tot sind. Jedenfalls verfüge ich wieder Kontrolle über meinen Körper und ziehe meine Waffen. Nun ist es an der Zeit, dem Ding zu zeigen, was Schmerzen sind. Und ich gebe zu, dass ich besser darin bin, Schmerzen zuzufügen als sie zu ertragen. Leider brechen Meisterin Puppila und Bruder Obskurus schreiend zusammen und rühren sich nicht mehr, als sie einen näheren Blick auf ihren dämonischen Gegner erhaschen. Das gibt mir Auftrieb, dass ich nicht der einzige bin, dem es so ergeht.

"Imperator! Führe meine Hand und hilf mir zu vernichten, was nicht existieren darf!" Wahrscheinlich bewirkt dieses Gebet rein gar nichts, aber mir Schaden tut es sicherlich auch nicht. Ich überlade meine Plasmapistole und gebe mehr als die Hälfte des Energiespeichers in einer Salve ab. "Sprich deinen Namen und sähe den Tod!", motiviere ich den Maschinengeist und begeistert brüllt Rabenschwinge auf. Der Imperator scheint diesmal wirklich beim Zielen und Treffen zu helfen, denn beide Geschosse gehen in den Torso des Dinges. Knochen verdampfen und der Kristall wird frei gelegt. Aber nach nur wenigen Augenblicken wachsen die meisten Knochen wieder nach. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 05. November 2012, 11:56:33
Position:
Aufbruch
Club "Ventura"
Kammer des imperialen Engels
Zeit: 4 659 783.M41

Lady Helmchen öffnet ihr drittes Auge und der Dämon schreit gepeinigt auf. Was immer die Navigatorin dort tut, es scheint diesem Ding nicht gut zu bekommen. Das verdammte Warpraubtier zeigt auf Yuri und sie stöhnt gequält auf. Die beiden scheinen sich höchst schmerzhaft auf geistiger Ebene zu messen. Solange der falsche Engel abgelenkt ist, nutze ich die Gelegenheit und stürme an ihn heran. Mit einem wuchtigen Hieb schlage ich nach dem Kristall. Leider wird meine Klinge von einigen zäheren Knochen so abgelenkt, dass mein Hieb abprallt. Das geistige Duell geht weiter und Yuri scheint zu unterliegen. Thronverdammt!

Das Ding aus dem Warp schlägt mit seiner Klaue nach mir. Ich versuche den Schlag mit Rabenklaue abzuwehren, aber er ist zu stark und durchbricht meine Deckung. Es trifft mich hart und meine Panzerung kann nur einen Teil der Wucht nehmen. Gerade eben noch kann ich mich auf den Beinen halten. Mir ist ganz schummrig zu Mute. "Imperator! Gib mir die Kraft meinen Feind zu vernichten!" Ich tänzle etwas zur Seite und ramme dann mit aller Kraft mein Energieschwert in den Kristall. Der Aufprall prellt mir beinahe Rabenklaue aus den Händen. Und wirklichen Effekt erziele ich damit nicht. Thronverdammt! Ich hasse es, wenn man mit reiner Gewalt keine sichtbaren Resultate erzielen kann.

"Bilka! Los!", brüllt Yuri. "Kapitän! Hinter mich!" Ich vertraue meiner Navigatorin und tu, was sie mir sagt. Bilka sprintet heran und der Dämon schnappt ihn sich einfach. Mit einer beinahe schon überheblich lässigen Bewegung zerquetscht er ihn einfach. Aber diesmal kommt keine kleine Rauchwolke zum Vorschein, sondern ein gewaltiger violetter Lichtblitz blendet mich. Ich sehe für einen kurzen Moment nur violette Punkte, kurz darauf kehrt dem Imperator sei Dank mein Sehvermögen wieder zurück. Dann kommt der Donner und der Engel explodiert einfach.

"Was war das denn?", frage ich verdattert über dies höchst obskure psionische Phänomen. Irgendwie kann ich nicht glauben, was da gerade passiert ist. Hat sich mein Verstand verabschiedet? Aber der Dämon schient wirklich vernichtet worden zu sein, da nichts weiter mehr geschieht. Und das mit dieser violetten Explosion, ich kann mir keinen richtigen Reim darauf machen. Ich blinzle mehrmals und ich sehe klar genug, dass der selbsternannte Engel des Imperators nicht mehr da ist.

"Herr Bilka ist ein Wesen der Stryxis. Lange Geschichte, hier die Kurzfassung. Wir haben einen Deal mit den Xenos gemacht, sie helfen uns Euch zu befreien, dafür bekommen sie den Kristall.", erklärt mir Yuri gehetzt. Althea und Bruder Obskurus rühren sich wieder. "Wir müssen schnell zurück, da es hier nicht sicher ist." Der Astropath macht einen äußert mitgenommenen Eindruck und man kann ihm das Grauen, was ihnen in den letzten Stunden widerfahren ist, deutlich ansehen. Später bekomme ich erzählt, dass sie von Herrn Bilka aus ihrem Verlies gerettet worden sind. Allerdings konnten sie nicht unbemerkt entkommen und es kam zu einem hässlichen Feuergefecht, wo sie wohl nur mühsam sich wieder heraus kämpfen konnten. Jedenfalls trugen einige von ihnen da schon ein paar Blessuren davon. Sie erreichten Dock 49 und wurden mit einem Raumschiff zu einem Schiff der Stryxis geflogen. Die Stryxis sind eine recht hochgewachsene Rasse, die sich in fleischfarbene Gewänder hüllen und der Gesichter an die von gehäuteten Bulldogen erinnern. Sie gelten als niederträchtig, schließlich sind es Xenos. Aber man kann mit ihnen Handel treiben, da sie in erster Linie Händler sind. Es sind Nomaden, wo sie ursprünglich her kommen ist unter einem Geflecht aus Lügen und Täuschungen verborgen. Man ist bisher nur auf Händler gestoßen, entweder gibt es nur diese Kaste oder die anderen ihrer Rasse haben überhaupt kein Kontakt mit Fremdweltlern. Vielleicht sind die Stryxis der Koronus-Weite auch Renegaten. Auf alle Fälle gelten sie als Quell exotischer Technologien und Artefakte, da sie mit so ziemlich jedem Handel treiben. Jedenfalls schickten die Stryxis mein Gefolge in den Warp, um mich hier retten zu können. Das geschah mit Hilfe eines anderen Kristalls. Diese Kristalle sind eine Art warpfähiges Vox. Und wer immer diese Dinger hergestellt hat, der hat sie mit Seelen bezahlt. Mir ist nicht wohl, diese Abmachung mit hinterhältigen Xenos einzuhalten. Und ich mache mir auch durchaus Gedanken darüber, warum diese Stryxis in der Lage waren, den Dämon zu zerstören. Dafür ist sicherlich sehr viel Wissen über den Warp und seine widerlichen Bewohner nötig. Wissen, das sicherlich seine Spuren an der Seele hinterlassen dürfte. Thronverdammt!

Erst jetzt realisiere ich, dass ich gar nicht körperlich hier gewesen bin, sondern nur meine Seele. Ich werde zurück in meinen Körper gesogen und erwache in einem Raum mit vielen Knochenfragmenten, die hier überall herumliegen. Ebenso die Leichen der Askard Brüder. Mein Gefolge hat offensichtlich den Weg zurück durch den Warp angetreten. Hoffentlich kommen sie durch. Kelwor finde ich vor der Tür zusammengebrochen und entwaffne ihn. Mein Schiff hat inzwischen eine dreißig Mann starke Einsatzgruppe unter dem Kommando von Wachtmeister Loredus geschickt, welche das "Ventura" stürmen. Ich lotse sie nach unten und sie machen kurzen Prozess mit den Söldnern. Ich beteilige mich kurz an dem Gefecht und achte darauf, nicht von meinen eigenen Leuten ausversehen erschossen zu werden. Vorsichtig lasse ich den Kristall in einen Leichensack wickeln und auf einen umgedrehten Tisch hieven. Peinlich achte ich darauf, dass niemand dieses verfluchte Ding anfasst. Vielleicht ist es harmlos, aber irgendwie bezweifle ich das. Die letzten Wochen haben mich gelehrt, immer das Schlimmste anzunehmen und Recht damit zu haben. Die ganze Aktion lief ohne Verluste für meine Leute ab und mit großer Eskorte durchquere ich die untere Ebene von Aufbruch zu Dock 49. Das bleibt natürlich nicht unbemerkt und ich kann förmlich schon die wildesten Gerüchte durch den Äther flitzen sehen.

Dock 49 ist eine kleine Landebucht, die von einem wilden Haufen hart aussehender Söldner okkupiert ist. Der eine oder andere könnte durchaus auch in einer Renegatenpiratencrew Dienst tun. Ich erkläre dem Abschaum mein Anliegen und werde mit kleinem Gefolge an Bord gelassen, um meine treuen Gefolgsleute im Austausch gegen das Xenosartefakt auszulösen. Offiziell werden sie zwar nicht als Geiseln gehalten, aber ich schätze, wenn ich mich weigere, den Kristall auszuliefern, ich meine Leute Stückweise zurück bekomme. Zuerst die Finger, dann die Arme, dann die Beine, dann die inneren Organe in Frischhaltefolie verpackt. Diese Drohung wird zwar nicht ausgesprochen, aber ich schätze mal, dass es so laufen wird, bevor die Stryxis dann wirklich unangenehm werden könnten. Auf dem Weg zur Bucht überlege ich, ob ich den auf der Station befindlichen Inquisitor Oppner aufsuchen soll. Aber niemand bei klarem Verstand lässt sich freiwillig mit der Inquisition ein. Das könnte unangenehme Fragen aufwerfen. Und ich will weder meine Leute noch mich einem peinlichen Verhör ausgesetzt sehen oder prophylaktisch wegen möglicher Warpbefleckung erschossen und verbrannt werden. Immerhin war ich mehrere Stunden in dieser Ebene. Nein, das ist keine wirkliche Option in dieser verfahrenen Situation.

Das Raumschiff bringt mich zum Mutterschiff der Xenos. Es scheint sich um eine ehemalige Imperiale Fregatte zu handeln. An gewaltigen Ketten hängen an der Fregatte angekoppelt ausgehölte Asteroiden, ein Zerstörer aus einer ketzerischen Renegatenbaureihe und ein Schiff unbekannter Herkunft. Eine typische Stryxis Karawane. Ich denke mal, die "Audacia" könnte es mit diesem Ding aufnehmen, wenn sie denn nicht gerade im Trockendock wäre. Hoffentlich spielen die Xenos ohne gezinkte Karten, was aber eher unwahrscheinlich ist. Das kleine Raumschiff dockt an der Fregatte an und wir werden auf das stinkende Xenosschiff geleitet. Das meine ich jetzt nicht im übertragen Sinne oder als Beleidigung. Es stinkt hier wirklich. Die Luft an der "Audacia" war ja schon nicht die Beste, aber die hier erinnert an einen Müllplatz, Seuchenstation und Jauchegrube in einem. Ich habe ein verdammt mieses Gefühl, als ich schließlich in eine Art Besprechungszimmer geführt werde, wo mich ein leibhaftiger Stryxis erwartet. Der Anblick ist durchaus schockierend. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 07. November 2012, 10:55:14
Position:
Stryxis Karawanenschiff
Reede vor Aufbruch
Zeit: 4 660 783.M41

Bis jetzt habe ich nur Bilder dieser Wesen gesehen. Aber erst wenn man davor steht, wird einem klar, wie große und hässlich diese Dinger in Wirklichkeit sind. Ich bin mit einem Meter einundneunzig nicht gerade klein, aber der Stryxis ist mit seinen zweieinhalb Metern einfach nur riesig. Sein fleckiges Gewand reicht bis zum Boden, aber durch seine Bewegungen verrät er, dass er drei Beine haben muss. Das Gesicht hat mehrere Facettenaugen in einem Gesicht, das wahrlich an das eines gehäuteten Hund erinnert. Der Rest von seinem Gefolge sind menschlicher Abschaum mit mehr als nur einer Mutation. Stryxis sind dafür bekannt, dass auf ihrem Schiff hauptsächlich Menschen und andere Xenos Dienst tun. Wie gesagt, sie sind Händler, nicht mehr und auch nicht weniger. Die Stimme ist überaus unangenehm, aber gut verständlich. Der schäbige Raum ist überladen mit Tand und erinnert an einen armseligen Trödelladen in einem der oberen äußeren Bereiche meiner Heimatmakropole. Von Ordnung und Sauberkeit halten diese Xenos offensichtlich nichts, wenn das hier ein repräsentativer Bereich des Schiffes sein soll. Selbst eine Rumpelkammer auf der "Audacia" macht mehr her als dieser Raum hier. Das eine oder andere hier ausgestellte Ding mag an sich durchaus interessant sein, aber ich fokussiere mich auf die momentane Situation.

Ohne größere Probleme wird der Handel vollzogen. Die riesige Kreatur lobt mich für meine Vernunft, den Deal meiner Leute zu respektieren. Mir blieb ja auch kaum was anderes übrig, wenn ich meine Vertrauten nicht opfern will. Auch wenn mir nicht wohl bei der ganzen Sache ist. Schließlich ist das ein Warpartefakt, was einen leibhaftigen Dämon beherbergt hat. Aber das ist jetzt deren Problem, sollen die sich mit obskuren Warpphänomenen herumschlagen. Die Kreatur fasst den Stein an und violette Energie springt auf den Kristall über. Was immer das Xenos da auch tut, es scheint zu wirken, denn schließlich sprüht der Stein violette Funken. Nun gut, wir verabschieden und beeilen uns, von Bord dieses Xenosschiffes zu kommen.

"Gut gemacht, Leute! Ihr habt echt was gut bei mir!", lobe ich mein Gefolge, dass wortwörtlich für mich durch die Hölle gegangen ist. Nun habe ich noch Kelwor Westland an der Backe und mit der Stationsleitung ein Hühnchen zu rupfen. Also marschiere ich mit dem gesamten Gefolge und Eskorte zu den Kommandobüros dieser Station. Ito Vajun und seine beiden Adjutanten erwarten mich schon. Schnell kristallisiert sich heraus, dass kein wirkliches Interesse besteht, die Sache zu regeln. Die Rechtsgrundlage ist für Dämonenpakte nicht wirklich gegeben, besonders bei einem Freihändler – da sein Vater ja tot und er der Erbe des Briefes ist, ist nun Kelwor Westland ja einer. Das macht die ganze Sache äußerst kompliziert. Da ich nicht will, dass die Sache nach Wandererhafen oder zur Inquisition ausgelagert wird, schnappe ich mir meinen Gefangenen und verfrachte ihn erst mal in eine Arrestzelle auf die "Audacia".

Ich bin froh, als ich endlich in meinem Quartier bin. Hier kann ich endlich meinen Gefühlen freien Lauf lassen. Was bin ich fertig. Diese Kreatur hat mich leiden lassen, wie ich noch nie gelitten habe. Körperlich bin ich inzwischen unversehrt, da Bruder Obskurus mich geheilt hat. Aber meine Seele hat Narben davon getragen. Oder besser gesagt, Wunden, die noch nicht verheilt sind. Meine beiden Konkubinen, den neben Caine wohl einzigen Menschen, die mich wirklich so kennen, wie ich wirklich bin, trösten mich. Das tut gut und irgendwann versiegen meine Tränen. Ich nehme mit ihnen ein langes warmes Bad in wohl duftendem Wasser und genieße dann eine ausgehende Massage meiner beiden versierten Liebesdienerinnen. Sie sind sehr zärtlich und kümmern sich ganz um meine Bedürfnisse. Es wird noch ein angenehmer und höhepunktreicher Abend, der mich die Schrecken des Tages halbwegs vergessen lässt. In der Nacht schlafe ich äußerst schlecht und schrecke mehrmals aus Albträumen auf.

Am nächsten Morgen kümmere ich mich frisch ausgeruht nach einem wohlschmeckenden Frühstück, mit dem sich Colette mal wieder selbst übertroffen hat, um Kelwor Westland. Zuerst hole ich die Meinung meiner Berater ein. Bruder Obskurus predigt Feuer und Flamme, würde den jungen Mann am liebsten brennen sehen. Tja, Extremisten lieben das Feuer. Die Meinung der anderen ist gemäßigter und auch eher auf den Tatsachen fußend. Also lasse ich Kelwor herkommen und befrage ihn. Letztendlich hat er keine andere Wahl gehabt, als sich zu unterwerfen. Natürlich hat seine Freiheit einen gewissen Preis. Wir teilen den Warpkartenhandel unter uns auf und beschließen einige weitere gemeinsame Projekte. Ich habe einen neuen Verbündeten gewonnen, auch wenn Bruder Obskurus immer noch für den Scheiterhaufen ist. Aber eine verbrannte Leiche bringt nun mal kein Profit und letztendlich brauche ich genau den, um mich auf diesem Posten halten zu können. Mein Onkel hat dies nicht berücksichtigt und nun ist er tot. Wobei ich mich immer mehr frage, warum er die Möglichkeiten der "Audacia" so schlecht genutzt hat. Was hat ihn abgelenkt, um dieses Schiff so verkommen zu lassen?
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 09. November 2012, 11:24:45
Position:
Aufbruch
Zeit: 4 663 783.M41

In den nächsten Tagen kümmere ich mich erst mal um die gesellschaftlichen Verpflichtungen. Meine Konkubinen sind hellauf begeistert, mich auf kleinen Bällen begleiten zu dürfen und ihre freie Zeit zum Einkaufen zu nutzen. Schließlich haben sie trotz ihrer wandschrankgroßen Garderobe, manche Familien haben weniger Wohnraum zur Verfügung, rein gar nichts zum Anziehen. Nun ja, auch hier gibt einige Schneidergeschäfte und exotischen Stoff. Ich bin froh, dass ich durch geschäftliche Verpflichtungen gebunden bin und sie nicht bei ihren Einkaufstouren begleiten muss. Sie lassen es sich nicht nehmen, das Quartier radikal umzubauen und teilweise neu zu möblieren. Dabei scheinen sie es nicht für nötig zu befinden, meine Erlaubnis einzuholen. Aber letztendlich haben sie sicherlich das bessere Händchen für solche Dinge und bis jetzt haben sie immer meine Quartiere nach ihren Gutdünken gestaltet und ich habe mich immer sehr wohl darin gefühlt.

Auch stellt sich die Frage, was wir als nächstes unternehmen werden. Zum einen ist ein Flug nach Damara im Gespräch. Damara ist der wohl bevölkerungsreichste Planet in der Weite. Auch befindet sich dort ein großer, dem heiligen Drusus geweihter Tempelkomplex. Das zieht viele Pilger an. Besonders Bruder Obskurus drängt darauf, in diese Richtung sich einen Ruf zu erarbeiten. Allerdings ist der Transfer von Pilgern nicht sehr profitabel. Nur in Verbindung mit dem Kopfgeld, dass auf die "Ignes et Amnestia" ausgesetzt ist, eine Überlegung wert. Die dortige Ekklesiarchie verfügt über ein großes Archiv über die Untaten des ehemaligen schwarzen Schiffs der Inquisition. Damit könnte man auf die Spur dieses Unholds kommen, welche die "Ruhige Gezeiten" in Stücke geschossen hat. Allerdings ist die "Audacia" noch nicht bereit, sich mit einem solchen Schiff zu messen.

"Da brauchen wir schon eine kleine Flotte dafür, um es mit diesem formidablen Kreuzer aufnehmen zu können.", meint Meisterin Puppila und ich gebe ihr Recht. Deswegen bringt es uns momentan nichts, jetzt Einblick in die Archive zu bekommen.

"So gerne ich mich mit dem Glauben gut stellen möchte, Profit ist wichtiger. Die Besatzung muss sehen, dass was läuft. Wir haben momentan nur kleine Erfolge vorzuweisen und es ist die Hoffnung auf mehr, welche die Besatzung bei der Stange hält. Wenn wir uns jetzt mit Pilgertransporten ohne weitere Unternehmungen verzetteln, sinkt die Moral wieder. Und auch meine Familie will Profit sehen und je schneller wir schwarze Zahlen schreiben, desto eher ist dieses Kommando von langer Dauer." -Und auch eure Posten, - füge ich in Gedanken hinzu. Schließlich würde ein neuer Lord Kapitän auch eine neue Kommando Crew mitbringen. Ihr Schicksal ist mit dem meinen eng verbunden.

Mein Onkel hat einige Schwierigkeiten mit Calligos Winterscale, was es auch mir schwer machen wird, in seinem Herrschaftsbereich erfolgreich zu handeln. Aber hinter Winterscales Reich gibt es eine frisch entdeckte Todeswelt. Und darauf gibt es Bestien. Die Menagerien und Arenen des Calixissektors hungern nach exotischen Raubtieren, um sie vom Plebs begaffen und sie vor den Augen zahlender Kundschaft zerfleischen zu lassen. Da steckt viel Geld drin, dort eine Fangstation zu errichten und einen Transfer einzurichten. Auf dem Weg liegt eine Vergnügungswelt zweifelhaften Rufes mit dem Namen Karmesin-Trost, für die wir Passagiere aufnehmen können, die für den Transfer besser als ein paar Pilger bezahlen werden. Und auf dem Rückweg können wir versuchen, uns mit Calligos Winterscale gut zu stellen und unsere Lagerräume mit Fässern voll Nephilium zu füllen. Nephilium ist ein Petrochem mit einem sehr hohen Wirkungsgrad, das selbst Promethium schwach aussehen lässt. Durch diese Besonderheit ist dieses Petrochem sehr begehrt und kommt nur auf einem Planeten mit dem Namen Lucins Odem vor, welcher in Winterscales Reich liegt. Dieser Planet ist umkämpft und dadurch sind die Ressourcen von Calligos gebunden. Vielleicht ergibt sich da eine lukrative Möglichkeit.

"Also zuerst nach Karmesin-Trost, der Vergnügungswelt der Kasballica Mission und dort werden wir Vergnügungssüchtige abliefern. Dann weiter zu der noch namenlosen Todeswelt, wo wir eine Fangstation errichten werden und einen Teil der Lagerräume und Tanks mit Bestien füllen. Und als krönender Abschluss nach Lucins Odem, um Nephilium aufzunehmen.", fasse ich den Plan zusammen. Bis auf Bruder Obskurus sind damit alle einverstanden. Meine Marketender leiten alles in die Wege und mir gelingt es sogar noch ein Refraktorfeld für Bruder Obskurus zu ergattern, der doch etwas schwach auf der Brust ist. Nach nur drei Wochen im Trockendock kommt der große Moment, wo die "Audacia" frisch renoviert sich im Licht von Furibundus sonnt. Was für ein Schiff! Die Krater und Beschädigungen sind auf der Hülle verschwunden. Neue schlanke Sonnenlasergeschütze drohen von den Längsseiten aus. Der Rest ist im Innern von statten gegangen und äußerlich nicht sichtbar. Aber die Luft ist deutlich besser und die Quartiere der Besatzung erstrahlen im neuen Glanz. Die Stimmung an Bord ist hervorragend.

Auf diesem Hoch bittet Leutnant Nimdock von den Eisenwölfen um eine Audienz. Einst hatte ich ihr angeboten, als Hauptmann auf der "Audacia" dienen zu können. Inzwischen ist sie sicher, dass ich ein besserer Anführer als mein Onkel bin und nimmt mein Angebot an. Sie empfiehlt mir, den Drill und Training für die Soldaten zu intensivieren. Nach ihrer Einschätzung sind wir momentan nicht in der Lage, ein ernsthafte Entermanöver abwehren zu können. Nun gut, ich befehle dem Magister Militaris Ares, in dieser Richtung tätig zu werden.

Überraschenderweise bittet auch der oberste Maschinenseher Ademis um eine Audienz. Ich erwarte schon beinahe eine Hiobsbotschaft, werde stattdessen aber positiv überrascht. Bei der Suche nach dem Energieverlust wurde eine geheime Kammer gefunden, die wohl mein Onkel durch Kräfte außerhalb hat installieren lassen. Ich werde dorthin geführt und kann die Kammer mit meinem Stab öffnen. Zischend fährt die getarnte breite Tür auf und gibt den Blick auf eine Kryokammer frei. Diese Kapsel ist über und über mit Siegeln und Gebetsbändern bedeckt. Darin befindet sich der erste Kapitän der "Audacia", ein gewisser Kapitän-Explorator Zathor Rak. Einst hatte dieser die Koronus-Weite auf der Suche nach STKs bereist. Bis jetzt war sein Schicksal ungeklärt. Die Siegel zeigen an, dass der Inhalt unter keinen Umständen aufgetaut werden darf, was als absolute Techhäresie einzustufen wäre. Ich frage mich, warum man ihn nicht einfach umgebracht, sondern ihn für die Ewigkeit eingefroren hat. Aber letztendlich ist dies nicht das wirklich Interessante in dem Raum. Es gibt ein Regal mit Warpkarten. Ich schaue sie mir durch, was an diesen so interessant sein soll. Schließlich finde ich eine Karte, die ein Teil von einer größeren sein muss. Schon bald wird mir klar, was mein Onkel die letzten Jahrzehnte getrieben hat. Er hat Winterscales Schatz gesucht.

Sebastian Winterscale hat als einer der ersten die Koronus-Weite erforscht und dabei sein Reich gegründet. Der Legende nach hat er vor seinem Verschwinden einen gewaltigen Schatz versteckt. Die Karte mit der Warproute zum Versteck teilte er in fünf Teile auf und gab sie seinen fünf vertrauensvollsten Untergebenen. Und diese Karte, die ich in der Hand halte, ist angeblich eines dieser fünf Stücke. Die restlichen Notizen, Karten und Unterlagen beschäftigen sich mit dem Verbleib der anderen vier Karten. Mit diesen Unterlagen gibt es sogar eine theoretische Chance, den größten Schatz der Weite zu heben. Das ist ein erstrebenswertes Ziel, aber momentan sind mir schneller Profit und langanhaltende Einnahmequellen lieber. Dieser Punkt hat mein Onkel außer Acht gelassen. Nur wenn meine Familie ihre Einnahmen bekommt, würde ich nebenher nach Hinweisen für die anderen vier Stücke suchen können. Es sieht ganz so aus, als wäre das meine Chance, in die Geschichtsbücher der Weite und des Imperiums einzugehen. Flavion Conari, der Mann, welcher Winterscales Schatz fand. Dieser Gedanke erfüllt mich mit großem Stolz.

Gespielt am 09.06.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 1
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 1
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 1
Yuri aka Lady Helmchen Navigator Rang 1
EP: 350
Besiegte Gegner:
Ein "Engel des Imperators"
Mehrere Söldner
Beute:

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 12. November 2012, 20:31:20
Persona Dramatis
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Kapitel 7
Aufbruch von Aufbruch

Position:
Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Zeit: 4 744 783.M41

Ich lese mich etwas in die Notizen meines Onkels ein. Er hat in den letzten Jahren wohl sehr viele Informationen zusammen getragen. Nur die, die er aus mehreren unabhängigen Quellen verifizieren und damit ihre Authentizität bestätigen konnte, fanden in diesen gesammelten Notizen einen Platz. Es muss ein unglaublicher Aufwand gewesen sein, diesen immensen Wissensschatz zusammenzutragen. Und dieser Aufwand hat dazu geführt, dass er die "Audacia" so hat verkommen lassen und beim Familienrat in Ungnade gefallen ist. Kein Wunder also, dass mein Onkel sich so vehement gegen seine Ablösung gewehrt hat. Er hat sich von der Gier blenden lassen und das hat ihn sein Leben gekostet. Ein Fehler, den ich nicht zu wiederholen gedenke. Auch wenn es mir natürlich in den Händen kribbelt, sofort weiteren Hinweisen nachzujagen, bin ich doch in der Lage, schnell den nötigen objektiven Abstand zu dem gigantischen Projekt zu gewinnen. Gut Ding will Weile haben, hat mein Kindermädchen immer gesagt und erst als Erwachsener habe ich begriffen, wie Recht sie mit ihren Ratschlägen immer hatte.

Das schon vorhandene Stück stammt aus dem ehemaligen Besitz des XO, als des ersten Offiziers von Winterscale, ein gewisser Sedric Calva. Das erste fehlende Stück gehört einem Magister Militaris mit dem Namen Lorenzus von Ilberstein, dessen Nachfahren auf Lucins Odem residieren. Lucins Odem ist übrigens nach dem Atem eines Kerls benannt, der einst auf Aufbruch das Sagen gehabt hat. Dieser Lucin muss Sebastian Winterscale ziemlich geärgert haben, dass er einen Planeten nach dessen wohl stinkendem Atem benannt hat. Um auf Lucins Odem selbst tätig werden zu können, werden wir uns erst mal einen militärischen Ruf erarbeiten müssen.

Das zweite Teil bekam Kapitän Ilidas Kim, der in der Schlangenwiege verschwunden ist. Die Schlangenwiege ist eine Raumregion, die als ziemlich verflucht gilt. Von dort ist angeblich noch niemand zurückgekommen. Wirklich Genaues weiß niemand über diese Region. Es wird ziemlich gefährlich werden, dort zu forschen.

Der dritte Teil wurde Quartiermeisterin Ida Riverton zur treuhänderischen Aufbewahrung übergeben. Laut uralter Gerüchte waren die beiden lange Zeit liiert. Deren Nachfahren leben auf der Hauptwelt Lilbarum in Winterscales Reich. Um dorthin reisen zu können, muss ich die Fehde meines Onkels mit Calligos Winterscale beenden. Und selbst dann wird es nicht leicht werden, dort die Karte zu ergattern.

Das letzte fehlende Stück besaß die Navigatorin Greta Silvas, die schließlich in Ungnade gefallen ist. Ihre Spur verliert sich auf der Gefängniswelt Maleziel. Ein berüchtigter Planet voll mit psychopathischem Abschaum. Nicht gerade die Art von Planet, auf dem man gerne sein möchte. Aber mit diesen Informationen ist es wenigstens theoretisch möglich, den legendären Schatz von Sebastian Winterscale zu heben. Auf alle Fälle ist das ein wirklich ambitioniertes Langzeitprojekt. Interessant ist, dass Sebastian kein Stück der Karte seinem Erben oder Angehörigen der eigenen Familie vermacht hat. Wollte er damit die Beziehung seiner geschätzten Gefolgsleute zu seiner Familie auch über sein mögliches Ende festigen? Oder hat er seine eigene Familie so verachtet, dass er ihnen nichts von seinem Schatz gönnen wollte? Schwer zu sagen, da die Bücher, die ich über Sebastian Winterscale habe, eben nie aus erster Hand sind, sondern die Geschichten mündlich immer über viele Stationen gingen, bis sie schriftlich festgehalten wurden. Und jeder Erzähler hat natürlich die Geschichte ausgeschmückt oder nach seinem Gutdünken verändert. Was nun der wahre Kern ist, kann ich nicht wirklich erkennen.

Aber momentan habe ich andere Probleme. Das Militär auf dem Schiff muss dringend reorganisiert werden. Magister Militaris Solun Ares schlägt vor, die etwas über anderthalbtausend Mann in zwei Bataillonen zu je fünf Kompanien mit zwei Zügen zu organisieren. Jeder Zug besteht aus sechs Trupps und einem Kommandotrupp mit einem Leutnant. Jeder Trupp hat zehn Mann, von dem je ein Team ein Maschinengewehr oder Schrotkanone trägt. Die knapp hundertfünfzig Mann der Brückenwache werden zu drei Zügen mit je fünfzig Mann eingeteilt. Der Ausbildungstand der Truppe ist gelinde gesagt katastrophal. Mein Onkel hat die Leute hauptsächlich für die innere Sicherheit eingesetzt. Sie sind gut darin, Unabs unter Kontrolle zu halten. Aber einem ernsthaften Entermanöver können sie nichts entgegen setzen. Ich befehle daher dem Magister Militaris, ein Trainingsprogramm zu erstellen, wo eine Kompanie einen Monat vom regulären Dienst befreit und dann auf Enterabwehrmanöver gedrillt wird. Nach elf Monaten hat jede Einheit den Drill durchlaufen und dann werden Entermanöver exerziert. Außerdem sollen Wiederholungsübungen und Manöver abgehalten werden. Ich hoffe inständig, dass bis dahin uns niemand entern wird, da wir da wohl hoffnungslos unterliegen würden. Thronverdammt!

Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 14. November 2012, 20:45:36
Position:
Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Zeit: 4 750 783.M41

Seit zwei Tagen sind wir nun im Warptransfer nach Karmesin-Trost. An Bord habe ich einige hundert vermögende Renegaten mit ihrem Gefolge und wirklich voluminösen Gepäck, welche meine Verlademeister beim verstauen in den Laderäumen an den Rand des Wahnsinns getrieben haben. Diese illustre Gesellschaft zu hüten, ist wie auf einen offenen Sack mit kleinen Katzen aufzupassen. Andauernd tapst neugierig eine heraus und kaum hat man diese wieder in den Sack getan, büchst auch schon die nächste auf Suche nach aufregenden Abenteuern aus. Ich habe ein kleines harmloses Zerstreuungsprogramm auf die Beine gestellt, um diese Leute etwas vom Unsinntreiben abzuhalten. Einer der Passagiere ist Alophus Leyfield I von Sephrem. Auf Sephrem hatte er eine kleine Auseinandersetzung mit seinem Bruder und hat den Planeten in einen wortwörtlichen Bruderkrieg gestürzt. Auf alle Fälle nahm die Sache für ihn kein gutes Ende und er musste vor den imperialen Behörden fliehen, die es nicht gut fanden, keinen Zehnt zu bekommen. Das alte Lied, wenn die Abgaben nicht stimmen, gibt es ziemlichen Ärger. Sonst kann man so ziemlich alles als Adliger erlauben. Nur die Steuern sollte man einfach nicht hinterziehen, da  hat man dann die Arbites recht schnell am Hals.

Ich bin damit beschäftigt, die letzten Detailfragen für ein Kapitänsdinner für heute Abend abzustimmen, als mich Magister Ares auf einen bedenklichen Zwischenfall aufmerksam macht. Es hat wohl ein obskures Warpphänomen gegeben, bei dem ausgerechnet ein Diener von Alophus Leyfield zu Tode gekommen ist. Ausgerechnet von diesem aufgeblasenen Schnösel, als ob ein tödliches Warpphänomen nicht an sich schon schlimm genug wäre. Ich denke mit Schaudern an die Geschichten über die Reisen von Sebastian Winterscale, wo er auf jedem Transfer gewaltige Horden gar fürchterlicher Warpbestien abgewehrt hat. So langsam kommt mir der schreckliche Verdacht, dass dieser Teil der Geschichten gar nicht so übertrieben sind, wie es einst den Anschein hatte. Ich finde mich auf der Krankenstation ein, wo die Leiche des armen Tropfes aufgebahrt ist. Die Ärztin, die mich einst behandelt hat, erwartet mich schon.

"Ich sollte Euch warnen, Lordkapitän Conari, das ist ein schrecklicher Anblick", unkt die etwas verlebt aussehende Ärztin mit ihren kurzgeschnittenen blonden Haaren und zieht dann das Laken von dem Leichnam. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe, aber das ist doch seltsam. Statt eines aufgeplatzten und schrecklich verstümmelten Körpers sehe ich einen total deformierten vor mir. Die Proportionen stimmen einfach nicht mehr. Das Gesicht sieht aus, als wäre es aus geschmolzenen Wachs, auf der Brust wachsen dicke Kopfhaare, ein Arm ist unglaublich lang, der andere dagegen kurz und scheint nur aus Gelenken zu bestehen. Aus seinem Rücken ragen Stacheln aus seltsamen Knochen.

"Thron! Sicher, dass dies ein Diener von Alophus ist und kein Mutant aus einem schwarzen Deck, der sich hier herum getrieben hat?", frage ich etwas verdattert.
"Es gibt Zeugen für dessen Verwandlung. Es ging wohl recht schnell und urplötzlich."
"Es gab Zeugen für dieses Warpphänomen?"
"Falls es überhaupt ein Warpphänomen ist."
"Beim Thron! Was beim Imperator sollte es sonst sein? Was in aller Welt kann sonst so etwas Entsetzliches bewirken?"
"Polymorphin!", meint Caine, mein Leibdiener und Berater.
"Polymorphin?" Davon habe ich nun wirklich noch nie etwas gehört.
"Polymorphin erlaubt einer trainierten Person eine andere Gestalt anzunehmen. Bei einem Untrainierten führt es zu sinnlosen Mutationen und schließlich zum Tod.", doziert Caine wie aus einem Lehrbuch.
"Aha? Und wer nimmt so was?", fragte ich neugierig.
"Es gibt im Offizium Assassinorum einen Tempel, dessen weibliche Assassinen dies benutzen, um sich in jemanden anderen verwandeln zu können. Manchmal wird diese Droge jemanden als Warnung und Botschaft verabreicht, dass sie dabei sind, den Zorn des Imperators auf sich zu ziehen."
"Das Offizium Assassinorum?", hauche ich etwas erschreckt und gehe die Liste meiner letzten Untaten durch. Ich bewege mich schon lange in Bereichen, die nicht wirklich legal sind und nur wenige der eine oder andere von mir produzierte Tote fiel unter Notwehr. Allerdings sind meine Vergehen eher harmlos, da ich doch immer pünktlich meine Abgaben bezahlt habe. Und das sie wegen dem Transport von ein paar Renegaten mir gleich eine Tempel Assassine auf den Hals hetzen, ist auch etwas arg weit hergeholt. Auch die Reaktionszeit wäre phänomenal kurz im Anbetracht der Arbeitsgeschwindigkeit imperialer Behörden. Aber hätten sie dann nicht eher jemand aus meinem Gefolge als Warnung gewählt? Ich atme tief durch und komme zu dem Schluss, dass nicht ich das Ziel der Botschaft sein kann, sondern eher Alophus Leyfield I, ein Despot der keinen Zehnt gezahlt hat. Aber warum sollten sie den warnen? Er hat die Verbrechen schon begangen, also warum jetzt noch lange fackeln?

"Ist das sicher?", hake ich nach. "Dass es sich wirklich um Polymorphin handelt und nicht um etwas anderes?"
"Es gibt einige komplizierte Tests, um es nachweisen zu können", meint die Ärztin, "Aber die brauchen ein paar Stunden."
"Dann macht diese Tests und informiert mich sofort, sobald Ihr ein brauchbares Ergebnis habt.", weise ich die Ärztin an und verlasse die Krankenstation nachdenklich. Ich teile Caine meine Gedanken mit.
"Durchaus möglich, dass Alophus das Ziel ist. Allerdings ist die Anwesenheit einer Assassine an Bord dieses Schiffes nicht gerade verkaufsfördernd.", meint Caine. Ich schnaufe auf, leicht verärgert, wie auch amüsiert. Noch auf dem Rückweg erreicht mich die nächste Nachricht, es gab einen schwerwiegenden Sicherheitsvorstoß in der Chorkammer der Astropathen. Thronverdammt! Hören den heute die Probleme gar nicht mehr auf?
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 16. November 2012, 14:59:15
Position:
Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Zeit: 4 751 783.M41

Also eile ich in die Chorkammer des Schiffes und schaue mir das Malheur an. Eine Passagierin mit dem Namen Lady Silla Marati hat den Maschinengeist des Schlosses mit einem meinem Techpriester unbekannten Mittel ins Koma versetzt und ist in den abgesperrten Bereich der inneren Chorkammer eingedrungen. Dabei scheint sie sich nur umgesehen zu haben und hat etwas Smalltalk mit Bruder Obskurus gehalten, der dort gerade Dienst geschoben hat. Schließlich sollten Astropathen ab und zu auch Nachrichten verschicken oder empfangen. Dieses freche Fräulein hat ein paar verstörende Fragen über die Kammern gestellt. Was soll das jetzt schon wieder bedeuten? Caine hat nur die Information bereit, dass Lady Silla Marati zum weitläufigen Gefolge von Lord Alophus Leyfield I gehört. Es ist nicht genau bekannt, was nun ihr genauer Status ist. Aber wahrscheinlich ist sie eine Kurtisane mit festem Vertrag. Oder eine Abenteuererin mit einem interessanten Hobby und gefährlichen Wissensdurst. Und im schlimmsten Fall, eine Callidus Assassine, die gerade dreist mir gegenüber ihre Tarnung gelüftet hat. Ich kann nur spekulieren und das mag ich ganz und gar nicht. Aber schließlich kann ich mir auch harte Fakten verschaffen.

Aber bevor ich das freche Fräulein her zitieren kann, macht Lord Alophus mächtig Wind und verlangt mich umgehend zu sprechen. Natürlich geht es um seinen kürzlich auf so dramatische Art verstorbenen Diener. Ein wahrlich traumatisches Erlebnis. Also empfange ich den untersetzten Lord in meinem Arbeitszimmer. Der ehemalige Despot von Sephrem ist zwei Köpfe kleiner, hat sein Haar künstlich ersetzen lassen und seine vielen Verjüngungskuren haben deutliche Spuren hinterlassen. Seine Halbwertszeit ist schon lange überschritten. Er dürfte in etwa mein Gewicht haben, nur dass ich deutlich größer bin und meinem Körper man den täglichen Waffendrill ansieht. Er ist ein sehr gut zahlender Passagier und ich bekomme den Großteil davon am Ende des Transfers auf meine Konten überwiesen. Also lasse ich mir seinen fordernden Auftritt gefallen. Allerdings rede ich die Sache klein und vermute vehement ein obskures Psiphänomen, was auf diesem Schiff ja nicht so ungewöhnlich ist. Böse Zungen behaupten schon lange, dass die "Audacia" verflucht sein soll. In solchen Situationen kommt das natürlich einem zugute. Trotzdem ist der Kerl ziemlich aufgebracht, als er sich mit einer knappen Verbeugung verabschiedet.

"Unangenehmer Zeitgenosse.", murmle ich in Richtung Caine, der sich die ganze Sache mit angesehen hat.
"Ein typischer Vertreter der Herrscherkaste.", erwidert Caine unverbindlich und ich überlege, ob mein Lebenswart schon immer so sarkastisch war. Nun ist aber Zeit, um sich einem anderen Problem zuzuwenden und ich habe das Gefühl, dass das eine mit dem anderen zusammen hängt.

Meisterin Puppila und Lady Helmchen werden die Kabine von diesem Früchtchen durchsuchen, während ich ein ernstes Gespräch über die Bedeutung von Schildern mit der großen roten Aufschrift "Betreten Verboten" und "Dieser Bereich ist nur für Fachpersonal" zu führen gedenke. Mit Bruder Obskurus und Magister Ares an meiner Seite erwarte ich Lady Silla Marati. Das Fräulein trägt ein wallendes Kleid in der gerade aktuellen Mode von Aufbruch. Ihr sorgfältig frisiertes Haar fällt lockig über ihre Schultern. Ihre Haut ist weiß, macht aber einen gesunden und gepflegten Eindruck. Ihr überaus großzügiger Ausschnitt macht Lust auf mehr. Diese Frau ist schön und ich sehe ihr an, dass ihr dieser Umstand nur zu bewusst ist. Sie ist jemand, der weiß, was sie will und auch weiß, wie sie es bekommt. Da sie durchaus eine professionelle Attentäterin sein kann, halte ich meine Gefühle in Zaum, spiele aber den etwas naiven Trottel.

Sie versucht die ganze Sache abzuwiegeln, sie war nur neugierig auf die Astropathenkammern des Schiffes. Diese Technik, Psioniker einzufrieren und sie als Kraftverstärker zu verwenden, ist nicht wirklich weit verbreitet. Und wahrscheinlich nach imperialen Gesetzen auch nicht erlaubt. Während wir noch um den heißen Brei herumreden, meldet sich Meisterin Puppila. Zwei der Koffer aus dem Gepäck der Lady sind mit einem Fallensystem versehen, das Lady Helmchen verletzt hat. So wie es aussieht, hat die Falle einen Monofilamentdraht abgefeuert. Die Navigatorin hat viel Blut verloren und befindet sich auf dem Weg zur Krankenstation. Das passiert, wenn man Amateure schickt. Monofilament ist nichts, was man beim Trödelladen im Außenbezirk kaufen kann. So etwas ist hoch exotisch und riecht schon nach Archotech oder Xenos. Die junge Frau vor mir ist definitiv nicht so harmlos, wie sich gibt. Nun gut, ich weise Caine an, die Sache in die Hand zu nehmen.

Während ich Smalltalk mit der überaus charmanten wie auch undurchsichtigen Lady halte, schafft es Caine mit zwei Spezialisten aus den Reihen der Unab die Koffer zu öffnen. Allerdings ist kein verstecktes Vorgehen mehr möglich. Das hat sich schon in dem Moment erledigt, als die Navigatorin die Falle ausgelöst hat und das Zimmer mit ihrem Blut umdekoriert hat. Die gewaltsame Öffnung der beiden Koffer fördert eine große Menge an Polymorphin Kapseln zu Tage, ebenso eine Eldar Rüstung und zwei Energieschwerter aus der gleichen Herkunftsquelle. Caine teilt mir diesen Umstand unverzüglich mit. So eben muss ich meine bisherigen Vermutungen über den Haufen werfen. Keine imperiale Assassine würde so massiv auf Xenostechnologie zurückgreifen. Besonders da Eldarenergieschwerter nun wirklich nicht so viel besser sind als die aus menschlicher Produktion. Der einzige vernünftige Grund für diese Ausrüstung in Kombination von Vorhandensein von Polymorphin ist, dass ich eine Eldar Assassine oder Agentin vor mir habe.

"Lady Silla Marati, es gab ein weiteres Sicherheitsproblem und zwar in Eurer Kabine. Ich glaube, wir können aufhören so zu tun, als wäre dies alles nur ein Zufall und Ihr wolltet Euch nur mal kurz in einer gruseligen Astrophatenkammer umsehen. Warum habt Ihr den Diener von Alophus vergiftet?", frage ich sie nun konkret. Sie schaut mich prüfend an, genauso wie ich sie. Ich bin bereit, augenblicklich das Refraktorfeld zu aktivieren und meine Waffen zu ziehen. Sie sieht unbewaffnet aus, aber ich schätze sie als lebende Waffe ein, die mich auch mit bloßen Hände töten kann, wenn ich sie nah genug an mich heran lasse. Was ich aber nicht vorhabe.

"Touche! Der Diener war wohl zu neugierig und hat eine Falle an meinem Gepäck ausgelöst. Leider habe ich davon zu spät erfahren. Sonst hätte ich den kleinen Ausflug in Euer Eisgefängnis unterlassen. Tja, sieht so aus, als hättet Ihr mich erwischt.", erklärt sie vollständig ruhig. Die Frau hat Selbstvertrauen, muss ich ihr lassen.

"Was wollt Ihr hier auf der "Audacia"?"
"Nach Karmesin-Trost reisen."
"Ziemlich exotisches Gepäck für einen Trip auf einen Vergnügungsplaneten. Wer ist Eure Zielperson?"
"Alophus Leyfield I", antwortet sie offen frei heraus. Die Frau hat keine Angst vor mir und das gibt mir zu denken. Wahrscheinlich ist sie nicht allein. Die Eldar gelten als fähige Hexer und überaus gefährliche Xenos. Manchmal kämpfen sie an der Seite der Imperialen Armee, aber genau so oft gegen sie. Es gibt nur noch wenige von ihnen und die meisten befinden sich angeblich auf gigantischen Schiffen aus Kristall, die nicht warpfähig sind. Auch wenn viele Eldar Hexen sind, so scheinen sie ein Problem mit dem Warpraum an sich zu haben, denn ihre Schiffe sind gezwungen über ein alternatives Transportnetz zu reisen.
"Und warum?"
"Für das, was er meiner Welt angetan hat. Dafür muss er bezahlen-", erzählt sie mir in einem Tonfall, als würden wir uns über das anstehende Kapitänsdinner unterhalten.

"Ich wäre Euch äußerst verbunden, wenn ihr jedwegliche Mordversuche an bezahlenden Passagieren und Besatzungsmitgliedern während des Transfers unterlassen würdet. Ich nehme Euer spezielles Gepäck in Verwahrung und händige es Euch dann bei der Ankunft aus.", bestimme ich und sie scheint damit einverstanden zu sein. Ich hoffe nur, dass ich richtig gehandelt habe. Als guter Untertan des Gottimperators hätte ich sie eigentlich auf der Stelle töten müssen, aber ich fürchte die Vergeltung von einem Feind, der offenbar in der Lage ist, sich in normale harmlos aussehende Menschen zu verwandeln. Thronverdammt!

Gespielt am 23.06.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 2
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 1
Yuri aka Lady Helmchen Navigator Rang 1
Ares Magister Militaris Rang 1
EP: 150
Besiegte Gegner:
Niemand
Beute:
Nix

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 19. November 2012, 13:03:50
Persona Dramatis
Spoiler (Anzeigen)


Kapitel 8
Nur ein zahlender Passagier ist ein guter Passagier!

Position:
Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Zeit: 4 753 783.M41

Das in dieser Situation äußerst nervige Kapitänsdinner steht an und ich lasse mich von meinen beiden Konkubinen in Schale werfen. Sie selbst haben schon ihre äußerst aufwendige Garderobe angelegt und sehen äußerst appetitanregend aus. Aber es würde zu lange dauern, sie aus dieser Kleidung zu schälen, um sie auf der Stelle zu vernaschen. Außerdem beschäftigen sich meine Gedanken mehr mit dieser mutmaßlichen Eldaragentin auf meinem Schiff als mit meinen niedlichen Konkubinen. Normalerweise sollte ich diese kleine hinterhältige Eldar einsperren oder besser gleich exekutieren. Das Xenos sollst du töten, denn das ist das Schicksal des Xenos. Aber Eldar haben sich als äußerst widerstandsfähige Rasse entpuppt, deren Vernichtung seit Jahrzehntausenden nicht wirklich vorangekommen ist. Die meisten Konflikte mit Eldar in den letzten Jahrtausenden waren für das Imperium meist langwierige und verlustreiche Kriege, deren Kosten in keinerlei Relation mit dem Nutzen standen. Außerdem ist nicht gesagt, dass sie die einzige Agentin an Bord des Schiffes ist. Es gibt eine ominöse Gruppe unter den Eldar, die sich Harlequine nennen. Meist reisen sie in Gruppen. Vielleicht gehört sie zu einer solchen Gruppe. Thronverdammt! Ich hasse den Gedanken, dass Xenos auf meiner geliebten "Audacia" sind.

Meine Konkubinen tun alles, um meine düstere Stimmung zu heben und ich muss gestehen, sie sind verdammt gut darin. So gelingt es mir, das Zeremoniell zu überstehen, welches dem Dinner vorausgeht. Natürlich erweist sich Lord Alophus Leyfield I von Sephrem als äußerst penetranter Gesprächspartner. Er hat ein paar sehr seltsame Ansichten über das Regieren und wie man mit Siedlern in der Weite zu verfahren hat. Sklaverei ist da noch die harmlosere Variante gegen das was diesem gescheiterten Despot vorschwebt. Eine Meinung, die sicherlich viele den Realitäten des normalen Lebens entrückte Adlige teilen mögen. Viele in meiner Familie denken ebenso. Für sie sind gewöhnliche Menschen nicht viel mehr wert als eine Ratte. Traurig, aber leider nur zu wahr. Dann kommen wir auf meinen leider verstorbenen Onkel und meine Familie zu sprechen. Auch dass es für mich schwer sein muss, so alleine in der Weite und fern der Heimat Scintilla, der Perle der Golgenna Weite.

"Nun, die "Audacia" ist nun meine Heimat und die Besatzung ist meine Familie. Ich habe nun Quasi sechzigtausend Brüder und Schwestern.", erkläre ich dem aufgeblasenen Popanz, der mit voller Bewaffnung zum Dinner erschienen ist. In dieser Lage sicherlich eine gute Idee, denn auch ich trage unter meinem prächtigen roten Mantel meine vertraute Rüstung und meine obligatorischen Waffen sind gut sichtbar im Wehrgehänge versorgt. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Und bei diesen Passagieren erwarte ich nur noch das schlimmste.

Ich bin froh, als ich den Kerl endlich abwimmeln kann. Sein Gefolge ist ähnlich drauf. Die geheimnisvolle Lady Marati ist ebenfalls anwesend. Ich tu, als ob nichts gewesen wäre, als ich sie förmlich mit einem Handkuss begrüße, ohne dass meine Lippen wirklich ihre Haut berühren. Wer weiß, vielleicht ist diese mit einem Gift oder ähnlichem präpariert. Eldar gelten mit als die hinterhältigsten Xenos, die es zwischen den Sternen gibt. Besonders die Pirateneldar sind äußerst unangenehme Zeitgenossen. Da hört man manch gruselige Geschichte.

Endlich wird die Suppe serviert und das Dinner beginnt. Nach und nach werden Köstlichkeiten der Weite aufgetischt. Leider habe ich nur wenig davon, da ich nach dem dritten Gang die Nachricht übermittelt bekomme, dass mehrere Feuer an Bord ausgebrochen sind. Thronverdammt. Ich beordere Caine und den Magister Militaris Ares mit zu mir und verlasse umgehend das Dinner. Auf der Brücke ist einiges an Konfusion zu spüren. Kurz hintereinander sind mehrere Alarme gegeben worden. Schotten wurden versiegelt, Löschteams losgeschickt. Nach und nach kommt die Meldung, dass es sich um einen Fehlalarm handeln muss, da es keinerlei Feuer zu entdecken gibt. Einmal kann das ein missgelaunter Maschinengeist sein, der sich nach mehr Aufmerksamkeit sehnt. Aber drei Fehlalarme in drei weit auseinander liegenden Sektoren ist kein missgelaunter Geist, das ist Sabotage. Es fragt sich nur, was mit diesem Manöver bezweckt wird? Soll die Standardreaktion auf einen solchen Vorfall getestet werden?

Ich versuche Maschinenseher Kyle Ademis an das Interkom zu bekommen, was geschlagene zwanzig Minuten dauert, bis ich eine Rückmeldung von ihm bekomme. Ich frage mich, was ihn aufgehalten haben könnte, bohre aber nicht nach. Es gibt Wichtigeres zu bereden. Inzwischen gab es weitere Fehlalarme, deren Ursache weiter rätselhaft bleibt.
"Was könnte das sein?", frage ich den alten Maschinenseher.
"Wir sind uns noch nicht sicher", bleibt er äußerst vage.
"Könnte ein bösartiger Maschinengeist in das System der "Audacia" eingeschleust worden sein?"
"Der wäre an den hohen und dicken Brandmauern gescheitert, welche unsere Systeme vor ketzerischem Schreddercode und anderer verdorbener Techhäresie schützen. Unsere Routinen laufen einwandfrei, es wurde keine Abwehr oder gar ein Durchbruch registriert."
"Könnte hochentwickelte Xenostechnologie so etwas verursachen?"
"Möglich, aber wie sollte die an Bord gelangt sein? Mit unseren betuchten Gästen?"
"Nicht auszuschließen. Wäre so etwas möglich?"
"Xenostechnologie tut sich meist schwer, da unsere vitalen Maschinengeister ihnen normalerweise Paroli bieten können.", erklärt mir der Maschinenseher mit seiner künstlichen Stimme. Da ich nicht möchte, dass das Gerücht von einer mutmaßlichen Eldaragentin die Runde macht, kann ich nicht ins Detail gehen. Thronverdammt!

In dem Moment kommt Bruder Obskurus auf die Brücke gestürmt und berichtet mir von einen obskuren psionischen Phänomen, welches er gerade erlebt hat. Manche Leute scheinen diese Dinge einfach anzuziehen. Den Psioniker musst du töten! lautet eine der einhundertundacht bindenden Gebote der Ekklesiarchie. Allerdings ist das kein äußerst praktikables Gebot, da wir leider von Psionikern abhängig sind. Wie auch immer, der Psioniker hat ein paar oberflächliche Brandverletzungen davon getragen, als er Zeuge eines "Fehlalarms" wurde. Die ganze Sache scheint definitiv nicht durch infamen Schreddercode zustande zu kommen, sondern durch bösartige Hexerei. Er hat eine richtig brennende Straße gesehen, das Feuerlöschteam, was gleichzeitig anwesend war, hatte von alldem nichts mitbekommen. Also haben wir es wohl definitiv mit verwerflicher Xenoshexerei zu tun. Ich überprüfe, ob Lady Marati noch auf dem Dinner anwesend ist. Das ist sie und damit hat Lady Marathi ein unumstößliches Alibi. Was wiederrum bedeutet, dass es noch mindestens einen getarnten Eldar an Bord dieses Schiffes geben muss. Vielleicht sogar noch mehr. Oder was noch schlimmer wäre, eine Warpentenität hat sich an Bord geschlichen und das Ganze hat mit der Eldarschickse gar nichts zu tun. Beim goldenen Thron von Terra!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 21. November 2012, 15:47:04
Position:
Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Zeit: 4 753 783.M41

Inzwischen gab es acht Fehlalarme und die Acht ist eine besondere Zahl in gewissen verbotenen Kultreligionen. Ich lasse mir die Positionen der Fehlalarme auf eine Karte projizieren und versuche die Punkte miteinander zu verbinden. Zum Glück kommt dabei kein Symbol oder Stern zu Tage, von dem mir schlecht wird. Ich habe wenig Ahnung vom Erzfeind, weiß aber, dass die Acht dort eine unheilige Zahl ist.

Auf alle Fälle versetze ich das Raumschiff in einen allgemeinen Alarmzustand und lasse die Wachen an den kritischen Systemen verdoppeln und lasse die Areale zusätzlich von Patrouillen absuchen. Das Gellerfeld lasse ich überprüfen, ob es zu einem Flackern gekommen ist, was zum Glück aber nicht der Fall ist. Auch wurde nichts an den Einstellungen verändert. Im Warp ist das Gellerfeld das einzige, was uns vor den Schrecken da draußen schützt, wenn auch nicht zu hundert Prozent. Es gibt immer minimale Schwankungen und 99,99% gilt als guter Wert, den wir auch halten. Schließlich gibt es einen weiteren Feueralarm und einige Leichtverletzte, die Brandverletzungen davon tragen. Ich suche sie in der Krankenstation auf und sie haben ähnliches gesehen, wie Bruder Obskurus, eine brennende Straße in einer ihnen unbekannten Stadt. Auf Sephrem wurde viel mit Brandbomben in Schutt und Asche gelegt. Sieht so aus, als wären diese Anschläge zielgerichtet, um uns mürbe zu machen. Im realen Raum waren bis auf die Brandverletzungen keine Auswirkungen zu spüren. Also haben wir es eindeutig mit einem obskuren psionischen Phänomen zu tun. Thronverdammt! Ich fange an, diese Phänomen zu hassen!

"Meine Damen und Herren, was können wir gegen diese Bedrohung unternehmen?", frage ich in die Runde.
"Wir müssen herausfinden, wer die getarnten Eldar sind!", meint Magister Militaris Ares und spricht nur aus, was getan werden muss, aber mir kommt es auf das wie an. Für diese simple Erkenntnis brauche ich keinen Beraterstab. Ich brauche sie, damit sie mir praktikable Lösungen anbieten. Aber da sieht es momentan nicht so gut aus.
"Wir müssen alle Überwachungskameras auswerten, die Besatzung befragen und so heraus finden, wer zu den Zeitpunkt an den Brandherden vor Ort war.", schlägt Bruder Obskurus vor.
"Die "Audacia" ist über vier Kilometer lang und etwa fünfhundert Meter breit und hoch. Wir haben etwa sechzigtausend Menschen an Bord. Und letztendlich kann ich bei keinem wirklich ausschließen, dass er nicht von einem Eldar ersetzt wurde." Auch in dieser Runde könnte mir ein getarnter Spion gegenüber sitzen und ich würde es nicht mal merken, führe ich den Gedanken still zu Ende. "Dies ist keine Suche einer Nadel im Heuhaufen, sondern von Minen im Treibsand ohne Detektor. Wir sind in zwei Tagen auf Karmesin-Trost. Damit wäre dann spätestens das Problem geklärt. Also würde ich eine praktikablere Lösung favorisieren."

Leider kommt keine wirkliche Lösung dabei heraus. Die Meldung, dass sich getarnte Xenos eingeschleust haben könnten, würde unter der Besatzung zur Panik führen. Jeder würde jeden verdächtigen und die cleveren würden die Gelegenheit nutzen, unliebsame Konkurrenten oder alte Feinde aus dem Weg zu räumen. Einfach indem man behauptet, derjenige hätte sich verdächtig verhalten, bevor man ihn über den Haufen geschossen hat. Überwachungskameras gibt es zwar, aber nur wenige. Mit etwas Ortskenntnis sind die zu umgehen. Und wer weiß, ob derjenige dann nach zwei Stunden überhaupt noch so aussieht, wie auf dem Bild. Nein, eine Suche mit Leuten über den engsten Kreis heraus ist nicht möglich. Nach einer halbstündigen Diskussion komme ich zu dem Schluss, dass wir nur wenig tun können. Auf alle Fälle werden wir früher in den Realraum zurückkehren und dann direkt hinter das System von Karmesin-Trost springen. Ich befürchte, dass wir an diesen Punkten eventuell aufgelauert werden könnten. Es macht vielleicht keinen Sinn, da ein Angriff von außen auch die Agenten an Bord gefährden könnte, aber da mindestens einer der Eldarhexer an Bord sich beliebig durch das Schiff bewegen kann in einer Geschwindigkeit, die physisch nicht so zu erreichen wäre, dürften die auch Mittel und Wege kennen, das Schiff zu verlassen, wann es ihnen beliebt. Thronverdammt!

Ich kehre zurück zum Dinner und schaffe es wenigstens noch den Nachtisch abzubekommen, der sogar ziemlich köstlich ist. Von allen Seiten werde ich mit neugierigen Fragen bestürmt, was den eigentlich Vorgefallen sei.

"Wir hatten einen weiteren temporären Warpeinbruch, welcher zu obskuren psionischen Phänomenen geführt hat.", lüge ich mit geschmeidiger Zunge. Mit Warpeinbrüchen kann man wirklich so ziemlich alles erklären und keiner kann wirklich bei diesem heiklen Thema einen der Lüge bezichtigen. Die Gesellschaft löst sich schließlich auf und ich kann auf die Brücke zurückkehren, um der schlimmen Dinge zu harren, die auf uns noch zu kommen werden. Kurz bevor wir den nächsten neuen Austrittspunkt erreichen, gibt es einen weiteren Feueralarm in dem Bereich, wo die Luxusquartiere für betuchte Passagiere liegen. Diesmal ist es kein Fehlalarm, denn die Suite, welche Lord Alophus Leyfield I von Sephrem bewohnt, ist ein realer Raub der Flammen geworden. Richtigen Flammen, keine eingebildete. Mal wirklich was neues. Zum Glück, oder Unglück, ist Lord Alophus nichts passiert und erfreut sich hysterischer Gesundheit. Er ist vollkommen durch den Wind und ein nervliches Wrack. Ich versuche ihn zu beruhigen und schiebe alles mal wieder auf ein obskures Warpphänomen.

Inzwischen sind einige haarsträubende Gerüchte im Umlauf. Der Geist des toten Bruders soll sich an Bord geschlichen haben und für all die Vorkommnisse verantwortlich sein, ist das am weitest häufigste Gerücht. Dies ist wahrscheinlich von Eldar an Bord gezielt im Umlauf gesetzt worden, würde ich jedenfalls wetten. Zum Glück kommt auch keines der vielen Gerüchte nur halbwegs der Wahrheit nahe. Gezwungenermaßen schicke ich Lord Alophus auf die Krankenstation, wo ihm ein paar starke Beruhigungsmittel verabreicht werden, um ihn ruhig zu stellen. Fast könnte einem der Kerl leidtun, wenn er denn nicht so ein verdammtes Arschloch wäre. Thronverdammt! Auf alle Fälle habe ich die Faxen dick und zitiere die Eldarschlampe in mein Büro. Sie trägt immer noch die Kleidung des Dinners, auch wenn es schon vor Stunden aufgelöst wurde und sieht wie aus dem Ei geperlt aus. Am liebsten würde ich sie wie ein freches Mädchen einfach über das Knie legen. Und sie dann anschließend aus der Luftschleuse werfen. Soll doch der Warp diese hinterhältige gemeine und doch so gut aussehende Xenos fressen.

"Was soll dieser Unsinn? Hatten wir nicht vereinbart, ihr lasst Alophus so lange in Ruhe, bis wir auf Karmesin-Trost sind?"
"Nun, betrachtet die "Audacia" einfach als Bühne für ein außergewöhnliches Schauspiel.", meint sie mit einem koketten Augenaufschlag.
"Beim Thron von Terra! Mein Schiff ist verdammt noch mal keine Bühne für dieses unwürdige Possenspiel." Wütend schlage ich mit der geballten Faust auf den Tisch. Das kracht ordentlich, schüchtert mein Gegenüber am nicht im Geringsten ein.
"Akzeptiert Eure Rolle in diesem Stück, mein lieber Lord-Kapitän", meint sie süffisant, als ob sie mir ein eindeutig zweideutiges Angebot machen würde. Die Xenos spielt mit mir und sie nicht mich ich keinster Weise wirklich ernst. Täuscht sie mich oder ist sie wirklich so gut? Eldar gelten trotz der imperialen Propaganda, die sie als schwächlich mit antiken Waffen darstellt, als sehr gute Kämpfer. Ihre Lebensspanne soll angeblich Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende betragen. Es gibt einige berühmte Exemplare, die schon seit Jahrtausenden ihr Unwesen treiben. Es kann natürlich sein, dass es sich um Wahrheit um verschiedene Individuen handelt, die einfach denselben Namen tragen. Aber wie auch immer, wahrscheinlich ist sie auch unbewaffnet eine ernst zu nehmende Gegnerin. Vielleicht trägt sich auch getarnte Xenoswaffen bei sich. Die Frau ist eine gestaltgewordene Lüge und wer weiß, was sie alles kann.
"Niemand zwingt mich zu irgendetwas. Ich bin Lord-Kapitän Conari und die "Audacia" ist mein Schiff! Hört auf mit diesem Spiel oder es nimmt ein böses Ende.", knurre ich drohend.
"Das Ende steht schon fest, dass Schicksal ist schon geschrieben. Nichts was ihr tun könnt, kann daran etwas ändern."
"Der Regisseur kann immer etwas an einem Stück ändern!" So langsam muss ich sagen, macht sie mich mit ihrer Art richtig wütend.
"Das mag vielleicht sein, aber das seid weder Ihr noch ich."
- Das werden wir noch sehen, Miststück! - denke ich zerknirscht und frage, "Wie viele von Euch sind noch an Bord? Zwei, Sieben? Wie viele?"
"Genug!"
"Ihr solltet mich nicht reizen!"
"Ihr mich lieber auch nicht!", erwidert sie ungerührt. Ich wünschte, ich wüsste, mit wem ich es genau zu tun habe. Mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Eldar, welche sich für die Zerstörung einer ihrer Welten rächen wollen und den Schuldigen mit Spielchen in den Wahnsinn treiben wollen. Vielleicht Harlequine, vielleicht ein Bund von Hexern oder irgend welche Weltenwanderer mit guter Ausrüstung. Hätten sie ihn töten wollen, wäre er schon längst tot. Oder sie wollen dieses Drama einfach in die Länge ziehen. Es ist nur die Frage, wie viele von meinen Leuten dabei den Tod finden werden. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 26. November 2012, 12:40:58
Position:
Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Brücke
Zeit: 4 755 783.M41

"Sprung ausgeführt, Lord-Kapitän Conari. Wir befinden uns nun wieder im Warp auf Kurs auf Karmesin Trost. Drei Zeitintervalle bis zum Austrittspunkt.", meldet mein XO Kyrr.
"Gut gemacht, volle Gefechtsbereitschaft aufheben.", erwidere ich und entspanne mich etwas auf meinem Thron. Die ganze Zeit während des astronomischen Positionsüberprüfung habe ich einen Überfall erwartet, aber alles bleib ruhig. Wir hatten zwar Kontakt mit einem Transporter, dem "Sendboten der Zivilisation", welcher aber wohl wirklich ein Transporter voller Pilger und doch kein getarntes Xenosschiff war. Ich will gerade aufstehen, als das Interkom anfängt laut zu knacken und zu prasseln. So hört sich Feuer an. Menschliche Todesschreie mischen sich darunter. Nach wenigen Sekunden kommen die ersten Meldungen herein, dass der Maschinengeist vom Interkom eine massive Störung hat. Die Spielchen gehen also weiter. Verdammt seien alle Xenos!

"Kann das mal bitte jemand abstellen?" Leider ist es sehr schwierig, diesen Befehl umzusetzen. Nach Minuten des Feuergeräusches und Todesschreie ertönt schließlich eine verständliche menschliche Stimme aus den Lautsprechern.
"Ich bin Calvus Leyfield, Lordprotektor von Sephrem! Mein Bruder hat meine Welt zerstört, meine Leute abgeschlachtet, meine Städte verbrannt, meine Familie ermordet. Seine Verbrechen sind so mannigfaltig, dass ganze Bibliotheken mit der Anklageschrift gefüllt werden könnten. Aber seine Flucht endet nun, denn ich bin zurück aus dem Reich der Toten und werde Gerechtigkeit üben!", donnert auf einmal eine männliche Stimme durch die Lautsprecher. Diese Ansprache war im ganzen Schiff zu hören gewesen. Für ein obskures Warpphänomen war das zu präzise und umfangreich. Ganz besonders, da die Stimme auch noch eine Art Todesliste verliest, die fast identisch mit unserer Passagierliste ist. Lady Marati gehört ebenfalls zu den verlesenen Namen, was natürlich ein infamer Trick ist.

"Magister Ares! Nehmt fünfzig Mann der Brückenwacht und geht zu Leyfield!", befehle ich, dass Schlimmste befürchtend. Endlich gelingt es den Techpriestern, das Interkom zum Verstummen zu bringen. Zwar herrscht jetzt Stille, dafür haben wir unsere interne Kommunikation verloren, da der Maschinengeist wegen der rüden Behandlung eingeschnappt ist und die Mitarbeit verweigert. Die Techpriester beginnen mit ihren Reinigungsritualen, die sich mehrere Stunden hinziehen werden, bis der Maschinengeist versöhnt ist. Ein Netz aus Boten wird die Kommunikation einstweilen ersetzten müssen. Kein haltbarer Zustand für ein so großes Schiff, wo man von einem Ende bis zum anderen locker eine Stunde zu Fuß braucht. Und wenn die Eldar unser Interkom okkupieren können, dann können die das wahrscheinlich mit jedem anderen System an Bord ebenfalls. Das Lebenserhaltungssystem ist dezentralisiert und damit schwer zu beschädigen. Aber der Warpantrieb, das Gellerfeld und die Plasmareaktoren sind weitere neuralgische Punkte, die mit wenig Aufwand zu sabotieren sind.

Bald kommt die Nachricht, dass es bei den Passagierkabinen zu Schlägereien zwischen einzelnen Gefolgsschaften gekommen ist. Nicht alle Passagiere stammen von Sephrem und sind nicht erbaut darüber, in diesen Bruderkrieg mit einbezogen zu werden. Magister Ares wie auch ich haben viel zu tun, hitzige Gemüter zu beruhigen. Sollte ich jemals wieder Passagiere an Bord nehmen, werde ich mir anschauen, was sie noch für offene Rechnungen haben. Renegaten sind zwar lukrativ, aber jetzt weiß ich, warum diese horrende Gebühren zu bezahlen bereit sind, weil sie einfach eine Menge Ärger anziehen. Der Rest des Tages, wie auch die darauf folgende Nacht komme ich nicht wirklich zur Ruhe.  Zwischendurch gelingt es mir, die Kleidung zu wechseln, und meine Konkubinen bringen mich für wenigstens eine halbe Stunde auf andere Gedanken. Dann zurück auf die Brücke mit voller Bewaffnung und das Schlimmste erwartend.

Nach vier Stunden und intensiven Heilritualen wird das Interkom wieder hochgefahren. Aber schon nach wenigen Minuten wiederholt sich das Spiel von vorhin. Wieder prasselndes Feuer und Todesschreie. Wieder wird eine Ansprache mit Todesdrohungen gehalten, bis es den schier verzweifelten Techpriestern endlich gelingt, das System wieder herunterzufahren. Mit ein paar Ritualen ist das Problem wohl nicht aus der Welt zu schaffen. Ich überlege, die verdammte Eldar durch die Mangel zu drehen. Foltern soll entspannen wirkend, aber ich habe immer noch die Hoffnung, dass die Xenos es dabei belassen, sich an meinen Passagieren zu vergreifen und nicht an der Besatzung. Ich hoffe nur, dass sich das Problem dann auf Karmesin-Trost mit dem Ausschiffen der Passagiere selbst erledigt. Meine liebe Colette sorgt für stetigen Rekaf Nachschub und legt immer meine Lieblingskekse mit Schokoladenstreusel mit dazu. Das hilft mir, wach zu bleiben und den Überblick zu behalten.

Schließlich erreichen wir den Austrittspunkt für den Warpsprung. Mit voller Gefechtsbereitschaft fallen wir in den Realraum zurück. Wir sind auf der anderen Seite des Systems herausgekommen und unsere Sensoren laufen auf Höchstlast. Fünf Welten umkreisen den Pulsarstern. Nur Karmesin-Trost ist bewohnt. Die Bewohner wohnen in Biosphärensiedlungen auf der Oberfläche, die weit auseinander liegen. So bleibt jede Gruppe unter sich. Wir können keine weiteren Raumschiffe orten. Trotzdem halte ich volle Gefechtsbereitschaft aufrecht. Qualvoll vergehen die Stunden. Colette rollt ein weiteres Mal ihr kleines Servicewägelchen heran und gießt mir lächelnd eine Tasse Rekaf ein, als es den ersten Kontakt gibt.

"Kontakt! Unbekanntes Raumschiff vor uns in Schleichfahrt! Entfernung 0,8 Megaklicks voraus abfallend!"
"XO! Geben sie Alarm! Auditor Primus Nephlim, wir identifizieren uns und verlangen das Gleiche von ihnen.", befehle ich und nippe an meiner Rekaftasse, das Getränk ist warm und mit einem Schuss Amasec gewürzt. Meine kleine Colette weiß einfach, was ich brauche. Ich nicke ihr dankbar zu und sie huscht etwas verängstigt ob der Hektik auf der Brücke zurück in ihren Bereich.
"Unser Funk wird gestört! Wir bekommen keinen Kontakt.", meldet der Funkoffizier Auditor Primus Nephlim, ein stark mit technischen Komponenten modifizierter Mann.
"Weiterer Kontakt! Unbekanntes Raumschiff auf ein Uhr 0,7 Megaklicks leicht abfallend. Korrigiere! Zwei weitere Impulse sind auf dem Schirm, beide aufsteigend, Lord-Kapitän!" Tatsächlich tauchen nun vier Markierungen auf dem Taktischen Holodisplay vor mir auf. Sie haben einen Fächer gebildet, der größte Punkt ist direkt vor uns, einer links davon, zwei rechts. Die kleineren Punkte legen es darauf an, uns zu überflügeln. Der große Punkt ist inzwischen als eine Fregatte identifiziert worden.
"Achtung! Fregatte feuert!" Damit wären die Absichten wohl auf dem Tisch. Allerdings sind es keine Eldarschiffe, sondern menschliche. Makrokanonengeschosse fliegen auf uns zu, verfehlen aber die "Audacia" wie die darauf folgende Lanze.

"Feuer erwidern! Konzentriert Euch auf die Fregatte!" Die "Audacia" schwenkt nach links ab, um die Fregatte in den Bereich der Breitseite zu bekommen. Leider sind wir zu langsam und feuern erst mal mit der im schwenkbaren Turm gelagerten Lanze im Titanschmiedeschema, welche trifft, aber nur temporär ein Schild der Fregatte zum Erlöschen bringt. Mit den neuen Sonnenfeuerlaserbatterien geben wir eine Breitseite auf den rechts neben der Fregatte befindlichen Zerstörer ab, der in Reichweite und Richtung unserer Geschütze ist. Augenblicklich steigt die Temperatur an Bord des ganzen Schiffes durch die gewaltige Abwärme der Makrokanonen. Die Strahlen treffen gut und sorgen für einige Zerstörungen am Rumpf des Zerstörers. Ein Kompliment an die Feuerleitstelle unter dem Kommando von Magister Militaris Ares. Die anderen beiden Schiffe scheinen schwer bewaffnete Transporter zu sein, die nun ebenfalls wie der Zerstörer das Feuer auf uns eröffnen. Eine Salve des rechts außen stehenden Transporters schlägt in den Rumpf ein und sorgt für ein paar äußerst oberflächliche Beschädigungen. Zum Glück passiert nichts Schlimmeres. Weitere Geschosse prasseln auf die "Audacia" ein, hinterlassen aber nur oberflächliche Kratzer an der Außenhülle. Die "Audacia" ist eben gut gepanzert und hält diesen Kalibern noch gut stand.

Die Fregatte verringert stark ihre Geschwindigkeit und feuert mit allem was sie hat auf uns. Diesmal sind die Beschädigungen schlimmer. Es gibt mehrere starke Erschütterungen, Colette schreit quietschend auf, kann sich aber in ihrer Servicenische auf den Beinen halten. Mehrere Abwehrtürme werden zerstört, Es kommt zu einem Vakuumeinbruch im Steuerbordbereich. Dutzende von Warnrunen leuchten auf. Das sieht nicht gut aus, dass sieht ganz und gar nicht gut aus. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 28. November 2012, 12:41:17
Position:
System Karmesin-Trost
"Audacia"
Brücke
Zeit: 4 758 783.M41

Ich lasse die "Audacia" weiter Fahrt aufnehmen und wir kreuzen an der Fregatte vorbei. Ein weiteres Summen durchströmt das Schiff und die Sonnenlaser heizen der Fregatte ordentlich ein. Leider gehen die Lanzen fehl. Trotzdem hinterlässt die Lasersalve massive Schäden auf der feindlichen Fregatte. Das hat gesessen. Nach und nach trudeln die ersten Verlustmeldungen über Boten ein. Es sieht nicht gut aus. Der linke Transporter erwidert unser Feuer, seine Salven treffen die "Audacia", dringen aber nicht durch die massive meterdicke Seitenpanzerung. Der andere Transporter und der Zerstörer manövrieren sich in bessere Schusspostionen. Aber wir sind erst mal ihrem Todesfächer entkommen. Sie mögen zwar zahlenmäßig überlegen sein, aber die Transporter sind zu schwach bewaffnet, um die Panzerung der "Audacia" wirklich durchdringen zu können. Die Fregatte ist schwer angeschlagen und blutet Sauerstoff. Deutlich ist zu sehen, dass mehrere Brandherde auf der Fregatte aufgeflackert sind. Allerdings hat auch die "Audacia" schon einiges abbekommen. Noch ist die Lage etwas unklar, aber die Schadenskontrolle arbeitet auf Hochtouren. Die letzten Trainingseinheiten zur Feuerbekämpfung machen sich bezahlt und die Teams arbeiten sich routiniert zu den Brandherden vor. Die feindliche Flottille dreht bei, um uns weiter unter Feuer nehmen zu können. Wir schwenken ebenfalls auf Feuerlinie ein und beharken weiter die Fregatte. Inzwischen ist die Temperatur auf dem ganzen Schiff um fünfzehn Grad gestiegen und auch die äußerst effektiven Sonnenlaserbatterien heizen nicht nur dem Feind weiter ein.

Die Fregatte erwidert das Feuer, aber ihre Feuerleitstelle scheint in Mitleidenschaft genommen worden zu sein und ihre Salven rauschen deutlich an uns vorbei. Die gesamte feindliche Flottille nimmt nun Fahrt auf und setzt sich vom Schlachtfeld ab. Die Hunde fliehen! Die Fregatte ist schwer beschädigt und wird es vermutlich nicht mehr lange machen. Auch die "Audacia" hat einiges abbekommen. Wahrscheinlich sind mehrere tausend Besatzungsmitglieder gefallen. Ich könnte sie einfach entkommen lassen, aber sie haben diesen Krieg angefangen, unprovoziert und aus dem Hinterhalt, diese Beleidigung und Hinterlist kann ich nicht dulden. Das schreit nach Vergeltung. Hier gilt es sich einen Ruf aufzubauen, sonst fällt jeder Pirat der Weite über mich her.

"Wendemanöver! Verfolgt die Hunde und schickt sie zur Hölle!", gebe ich den Befehl und stelle fest, dass ich einen Teil meines Rekafs verschüttet habe. Meisterin Puppila legt die "Audacia" in eine so enge Rechtskurve, dass die Struktur des Schiffes deutlich knirscht. Eine weitere Erschütterung durchläuft den leichten Kreuzer, als die Triebwerke auf Höchstlast hochfahren. Die Fregatte ist schwer beschädigt und trotz Schleichfahrt sind ihre Emissionen zu verräterisch. Schon bald haben wir sie geortet. Wir beginnen zu kreuzen und eröffnen das Feuer auf den Flüchtling. Ich würde ihn ja gerne zur Aufgabe auffordern, aber unsere Funksysteme sind immer noch geblockt und ich könnte wetten, dass es nicht diese Piraten sind, welche die Systeme lahm legen. Obwohl wir Menschen vor uns haben, bin ich sicher, dass es die verdorbenen Eldar waren, die sie aufgehetzt haben. Jetzt bin ich wirklich sauer. Diese verdammte kleine Eldarschlampe wird für dieses Schlamassel büßen! Da hat sich gerade jemand für einen kleinen Weltraumspaziergang ohne Raumanzug qualifiziert. Es ist das Schicksal des Xenos, dass es getötet wird.

Unsere Makrogeschütze liegen gut, leider geht die Lanze im Titanschema mal wieder vorbei. Mich würde es nicht wundern, wenn an der Zielkalibrierung etwas verändert wurde. Die Fregatte wird schwer getroffen. Sie legt sich zur Seite und wendet.

"Achtung! Ausweichmanöver! Auf Einschlag vorbereiten!", befehle ich, als ich die Absichten des Gegners deute. Mein schönes Schiff! Diese verdammten Bastarde! Die "Audacia" ist zu schwerfällig, um noch ausweichen zu können, auch wenn Meisterin Puppila das Schiff noch so drehen kann, dass die starkgepanzerte Frontseite nun aufragt. Das feindliche Schiff passiert unseren Schirm und kurz darauf kracht die Fregatte in die "Audacia". Es gibt einen gewaltigen Knall, Adamantium knirscht und ein Stoß durchläuft das Schiff. Dutzende von Warnrunen leuchten auf. Die Fregatte zerbricht an der über zwanzig Meter dicken Frontpanzerung der "Audacia" wie ein Ei, das aus zwei Meter Höhe auf den Boden fällt. Trümmer von der Größe von Habs wirbeln an uns vorbei. Darin leben bestimmt noch Besatzungsmitglieder. Und auch mag sich noch der eine oder andere brauchbare Gegenstand darin befinden. Ich wäge kurz ab, die restlichen Schiffe zu verfolgen oder die Position zu halten. Nach sieben Herzschlägen treffe ich meine Wahl.

"Stoppt die "Audacia"! Rettungsmission einleiten! Passt auf die restlichen Schiffe auf!" Ich habe viele gute Leute verloren, vielleicht kann ich ein paar ersetzen. Die "Audacia" dreht bei und Rettungsteams verlassen das Schiff. Auch hier gibt es viel zu tun. Ich koordiniere die Feuerbekämpfung, die schnell unter Kontrolle ist und sorge dafür, dass die Verwundeten gut versorgt werden. Die Schlimmsten noch rettbaren Fälle werden einfach eingefroren und dann später behandelt, wenn die notwendige Zeit vorhanden ist. Die feindliche Flottille ändert ihren Kurs auf den nächst möglichen Sprungpunkt und springt dann nach drei Stunden auch in den Warpraum. Von denen haben wir nichts mehr zu befürchten. Nach und nach kommen die aus den Trümmern der Fregatte geretteten Gefangenen an Bord, die erst mal eingesperrt werden. Zwischenzeitlich will ich mich um die verdammte Eldar kümmern, aber ihre Kabine ist leer, nur eine weiße Maske hat sie zurück gelassen. Miststück! Auch ihre Ausrüstung hat sie aus dem Sicherheitslager an sich genommen. Soweit zum Thema Sicherheit an Bord dieses Schiffes. Thronverdammt!

Ich habe genug andere Probleme und ignoriere erst mal dieses Problem. Ich lasse die Trümmer als mein Eigentum zur späteren Ausschlachtung markieren, dann nehmen wir wieder Fahrt auf. Nach drei weiteren Stunden erreichen wir den Orbit von Karmesin-Trost. Das Interkom geht inzwischen wieder einwandfrei und ich halte eine kurze Ansprache, wo ich die Tapferkeit der Besatzung lobe und unseren ersten Sieg über eine Piratenbande verkünde. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass wir von menschlichen Piraten der Fregatte "Falkenklaue", die unter dem Kommando eines gewissen Lickward der Einäugige gestanden hatte, überfallen worden waren. Die Piraten haben wohl einen Tipp aus mysteriöser Quelle bekommen, hier auf fette Beute zu warten. Ich kann mir denken, dass dies wohl von hinterhältigen Eldar inszeniert worden war. Nicht mal ein totes Xenos war ein gutes Xenos! Oh, wie ich sie hasse!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 30. November 2012, 11:59:57
Position:
System Karmesin-Trost
Orbit über Karmesin-Trost
"Audacia"
Brücke
Zeit: 4 759 783.M41

Leider ist unser Funk immer noch gestört, so dass wir keinen Kontakt mit dem Boden herstellen können. Wir fliegen die Kuppel an, welche Alophus Leyfield I gehört. Die Sensoren zeigen massive Zerstörungen an und auch visuell ist deutlich zu sehen, dass die Kuppel zerstört wurde. Die Gebäude sind abgebrannt und es befinden sich Ansammlungen gepanzerter Kettenfahrzeuge innerhalb der Trümmer. Da scheint jemand einen massiven Bodenangriff gestartet zu haben. Landungsschiffe oder dergleichen sind nicht auszumachen.

"Sieh, Bruder, sieh! Was du mir angetan hast, habe ich nun ebenfalls getan. Alles was du je geliebt hast, ist verbrannt und zu Asche geworden. Deine Frauen, deine Kinder! Alles Asche im Wind. So du mir, so ich dir!", brüllt die schon bekannte Stimme des verstorbenen Lordprotektor Calvus Leyfield von Sephrem aus dem Interkom. Es dauert nicht lange, bis ein äußerst hysterischer Alophus auftaucht und eine Bestätigung verlangt. Der Kerl ist nun wirklich mit den Nerven am Ende. Fast könnte er einem Leid tun.

"Wie ist das nur möglich!", schluchzt er, als er die Zerstörungen mit eigenen Augen sieht. "Niemand außer meinen Leuten weiß doch davon! Wie können sie meine Familie gefunden haben? Ich war so vorsichtig, hab meine Geschäfte immer außerhalb getätigt. Niemand kann diese Spur bis hierher zurück verfolgt haben!" Die Sache sieht von oben betrachtet wirklich nicht gut aus. Alles ist zerstört, das kann niemand bei diesen Umwelteinflüssen überlebt haben. Außer den Kuppeln sind die Lebensbedingungen absolut feindlich für Menschen und man stirbt innerhalb weniger Minuten. Aber es macht keinen Sinn, dass sich noch Panzer darin befinden.

"Vernichtet sie! Ich verlange, dass er ihr sofort Eure Makrokanonen auf die zerstörte Biosphärenkuppel richtet und alles was sich noch darin befindet, verdampft!", brüllt mich der untersetzte Mann mit Tränen in den Augen an. Eine nachvollziehbare Reaktion für einen Mann mit solcher Vergangenheit. Und absolut vorhersehbar.

"Beruhigt Euch! Traut Euren Augen nicht! Ich bin sicher, dass, wer auch immer hinter diesen Attacken steckt, genau das erreichen will. Wäre das nicht eines Dramas würdig, wenn ihr jetzt den Befehl gebt und am Ende Eure eigene Familie auslöscht?", frage ich, nachdem ich zwei und zwei zusammen gezählt habe. Diese kleine Schlampe hat zu sehr auf ihrer billigen Theaternummer herum geritten, um mich hinter das Licht führen zu können. Da hätte sie subtiler vorgehen müssen. Ich habe keine Ahnung, wie Xenos diese Illusion herbeiführen, ob nun durch finstere Hexerei oder widerwärtige Xenostechnologie. Aber ich bin zu Neunundneunzig Prozent überzeugt, dass dies was wir hier sehen, nicht real ist.

"Ihr meint, dass dieser Anblick nicht real ist?", fragt er mich zaghaft.
"Ich bin mir dessen absolut sicher. Das ist nur ein Trick, um genau diese Reaktion hervorzurufen." Jemand hält mich für verdammt blöd und das wurmt mich gewaltig. Ein weiterer Punkt auf einer Liste. Diese verdammten Eldar sind zu weit gegangen. Zuerst haben sie ein paar Piraten in den sicheren Tod geschickt, nun dieses. Diese verdammten Xenos bilden sich ein, mich zu einem Mordwerkzeug machen zu können. Ganz abgesehen davon, dass heute viele gute Männer ihr Leben haben lassen müssen. Dafür werden diese hinterlistigen Eldar bezahlen, irgendwann, denn ich habe ein verdammt gutes Gedächtnis. Leyfield beruhigt sich und wir steuern die Hauptkuppel des Planeten an. Funken können wir immer noch nicht. Aber wir haben gigantische Scheinwerfer an Bord und morsen einfach mit Lichtsignalen nach unten und schildern unser Problem. Da wir nicht beschossen werden, verstehen die dort unten wohl unsere Botschaft. Ich befehle, dass unverzüglich mit der Ausschiffung der Passagiere begonnen wird. Ich lasse die Shuttles mehrmals nach Sabotage überprüfen und wähle das für Leyfield nach reinem Zufallsprinzip aus. Von wegen Schicksal und Rolle. Dieses Schiff ist keine Bühne und ich kein Schauspieler. Ich bin der verdammte Regisseur und lasse mich von Xenosschicksen nicht einfach manipulieren. Thronverdammt!

Mir fällt ein Stein vom Herzen, als Alophus wohlbehalten unten ankommt. Das waren jetzt schwer verdiente Throne. Und nachdem die zweite Welle von Bord geht, wird auch unser Funk nicht mehr gestört. Wahrscheinlich haben die Eldar das Schiff nun verlassen. Viel Spaß dort unten, ihr kleinen Xenosschlampen! Und wie ich vermutet habe, ist die Kuppel von Alophus Familie vollständig intakt. Um mich herein zu legen, hätte vielleicht die Eldar nicht so viel von Schicksal und Schauspiel schwadronieren sollen. Die Vernichtung der Kuppel auf Befehl von Alophus wäre eines Dramas würdig gewesen.

Nachdem die Passagiere von Bord gegangen sind, beginnt das Entladen des Gepäcks, das auch sehr umfangreich ist. Ich schicke meine Marketender nach unten, um die ersten Kontakte zu knüpfen. Ich bin nun seit über zwei Tagen ununterbrochen wach und es wird Zeit fürs Bett. Also schreite ich in meine Kabine und lasse mir von meinen Schätzchen aus der Rüstung helfen. Ich habe meinen ersten Sieg im Raumkampf errungen, einen wichtigen Passagier trotz aller Widrigkeiten abgeliefert und mich nicht von hinterlistigen Xenos vereinnahmen lassen. Das hat in mir einige Hormone freigesetzt und nun sind meine Konkubinen mal nach längerer Zeit wirklich richtig gefordert, denn ich habe einiges an Dampf abzulassen.

Gespielt am 07.07.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 2
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 1
Yuri aka Lady Helmchen Navigator Rang 1
Ares Magister Militaris Rang 1
EP: 300
Besiegte Gegner:
Piraten Fregatte "Falkenklaue"
Beute:
4000 Gefangene
1 zerstörte Fregatte "Falkenklaue"

Gedanke des Tages
Spoiler (Anzeigen)
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 03. Dezember 2012, 15:02:55
Persona Dramatis
Spoiler (Anzeigen)
Kapitel 9
Wer wagt, gewinnt!

Position:
System Karmesin-Trost
"Audacia"
Brücke
Zeit: 4 760 783.M41

Die Passagiere sind nun endlich komplett mit Gepäck und ihrem Gefolge vom Schiff. Nichts darf zurückbleiben, könnte ja sonst was für eine hinterhältige Xenosteufelei sein. Es wurmt mich, dass die Eldaragentin entkommen konnte, da sie mir ziemlich viel Ärger bereitet hat. Die Verlustmeldungen werden stündlich aktualisiert, aber es sterben kaum noch Verwundete. Alle Totgeweihten haben ihren Kampf schon verloren und die, die bis jetzt durchgehalten haben, sind wohl über den Berg. Trotzdem schmerzt mich jeder Verlust eines Besatzungsmitgliedes. Wir haben gewonnen, aber der Preis war hoch. Zum Glück gibt es durchaus Möglichkeiten, auf Karmesin-Trost Personal zu rekrutieren. In Karmesin Prime gibt es eine ergiebige Sklavenproduktion, wie mir Caine berichtet. Aber Hauptsächlich ist Karmesin Prime für sein Spielcasino bekannt oder besser gesagt berüchtigt. Hier haben ganze Planeten den Besitzer gewechselt und Milliarden von Leben wurden verspielt. Auch gibt es besondere Spiele, die nur wenigen Auserwählten offen stehen.

Ich war nie wirklich eine Spielernatur, die sich auf Glück verlässt. Ich mag Spiele, wo es um Strategie oder Psychologie geht. Ich spiele gerne Königsmord, hauptsächlich gegen Caine, der ein wahrer Meister darin ist und mich nie gewinnen lassen würde, was ich sehr an ihn schätze. Auch meine Konkubinen sind gute Spielerinnen bei Königsmord, auch wenn ich bei ihnen nicht sicher bin, dass sie mich nicht ganz knapp gewinnen lassen, um mir eine Freude zu machen. Auch Kartenspiele, wo man bluffen kann und durch die Reaktion der Spieler einen Vorteil erringen kann, sind mein Ding. Mit etwas Mathematik, Strategie und Psychologie kann ich recht gut gewinnen. Was ich absolut hasse sind Spiele, die zu sehr von Glück bestimmt werden. Caine hat mir die Taktik mit kleinen Kampfeinheiten mit einem Spiel mit kleinen bemalten Figuren von einer Manufaktur mit den Namen Spielwerkstatt beigebracht, wo Würfel zu viel entscheiden. Ich habe immer sehr viel Pech mit den Würfeln gehabt. Wo ich niedrig Würfeln sollte, kamen hohe Ergebnisse, wo hohe Würfe wichtig waren, kamen dann die niedrigen. Statistisch war das der Ausgleich zur Unzeit. Deswegen war ich ein eher selten gesehener Gast in Spielcasinos auf Scintilla und dort gibt es einige davon. Aber hier ist ein unabdingbares Muss, dieses Casino aufzusuchen, da dort die wirklich wichtigen Geschäfte gemacht werden. Gefällt mir gar nicht, aber da muss ich wohl durch.

Also werfe ich mich in Schale, meine Konkubinen freuen sich wie kleine Mädchen, als sie mich wie eine Anziehpuppe behandeln dürfen. Manche Leute behaupten ja, Männer würden auf dem Niveau von Sechsjährigen verharren und nur Frauen würden wirklich erwachsen werden. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass meine beiden Gespielinnen auch nur sechs Jahre alt sind und mich als übergroße Anziehpuppe betrachten, die sich möglichst oft umziehen muss, damit sie mich neu ausstaffieren können. Nun ja, jedenfalls können meine Konkubinen mal wieder einen Teil ihrer überaus kostspieligen Garderobe präsentieren. Auch wenn ich mir wieder im Angesicht eines überquellenden Wandschrankes anhören muss, dass sie ja rein gar nichts Modisches zum Anziehen haben. Versteh mal einer diese Frauen! Thron!

Mit einem Guncutter fliegen wir zur Oberfläche des roten Planeten. Die Oberfläche ist von roten Wüsten bedeckt, die als toxisch gelten. Ob durch Umweltverschmutzung oder anderen Gründen ist nicht bekannt. Karmesin Prime besteht aus zwei Städten, die übereinander gebaut sind. Auf dem Erdboden befinden sich weitläufige primitive Komplexe, die durch keine Habkuppel abgeschirmt sind. Gewaltige Stelzen tragen die eigentliche Stadt, die so weit über der Planetenoberfläche schwebt. So ähnlich ist Tarsus aufgebaut, nur um ein vielfaches Größer. Diese Miniaturmakropole hat vielleicht zwei Millionen Einwohner und ist damit die größte Siedlung auf Karmesin-Trost. Der obere Bereich ist durch gleich zwei Habkuppeln abgeschirmt. Unter der großen Kuppel befindet sich eine Gartenlandschaft, auf der verschiedene kleine Anwesen und Gebäudekomplexe, die als Hotels und Casinos dienen, stehen. Unter der zweiten Kuppel befindet sich die Residenz des Besitzers dieser Stadt, das Haus des Meisters der Spiele.

Früher war dies ein Zentrum der fleischlichen Lust, wo jede Art von Vergnügen gefunden werden konnte. Aber vor siebzig Jahren gab es einen Wechsel in der Führung und der jetzige Herrscher fokussierte sich auf den Spielbetrieb. Zerstreuungen jeder Art gibt es immer noch, aber das Ambiente ist nun doch gänzlich ein anderes. Der Guncutter landet auf einer Landeplattform, die in einen Hangar gezogen wird. Eine Ehrenformation aus zwanzig livrierten Sklaven nimmt Aufstellung und demütigt sich, als ich als erster das Flugdeck betrete. Ein grauhaariger Livrierter, dessen Haare bis zum Gesäß reichen, begrüßt mich im Namen seines Herrn auf Karmesin Prime. Ich bekomme eine knappe Einführung in die Verhaltensregeln und Gepflogenheiten des Casinos. Geschäfte werden während des Spieles gemacht und Risikobereitschaft wird hier gern gesehen. Die Botschaft ist, man ist hier nur wer, wenn man es sich leisten kann, riesige Summen zu verspielen. Und das ist eher gegen meine Natur. Ich kalkuliere lieber nüchtern, als mich gänzlich auf mein Glück zu verlassen. Auch bin ich ein eher schlechter Verlierer. Zu verlieren bedeutet, versagt zu haben. Und Versager braucht niemand in meiner Familie.

Unter der weitläufigen Parklandschaft unter der Habkuppel befindet sich das Casino. Es ist ein wahres Labyrinth aus kleineren und größeren Hallen. Hier und da gibt es Restaurants und Bars fürs Entspannen zwischen den Partien. Auch gibt es verschiedene Bereiche, die zur Entspannung der ganz besonderen Art dienen. Und natürlich gibt es Einkaufsbereiche. Profane Waren werden kaum angeboten, dafür quellen die Vitrinen mit exotischen oder Waffen berühmter Manufakturen über, welche von Meistern ihres Faches hergestellt worden sind. Auch Xenosartefakte gibt es zuhauf. Leider kann man die nicht einfach kaufen, sondern muss diese sich erspielen. Nun, dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 05. Dezember 2012, 15:05:00
Position:
Karmesin-Trost
Karmesin Prime
Casino
Zeit: 4 760 783.M41

Mein Gefolge und ich setzen uns an einen Tisch, wo man uns gut sehen kann. Sehen und gesehen werden ist eines der grundlegenden Elemente für Geschäfte auf dieser Welt. Und die Leute wollen sehen, dass ein Freihändler bereit ist, irrwitzige Summen zu riskieren. Ich stelle aber schnell fest, dass diese Art von Kartenspiel mir überhaupt nicht liegt. Neun Karten werden in drei mal drei Reihen im Quadrat in die Mitte gelegt. Jeder Spieler bekommt nach seinem Mindesteinsatz zwei Karten. Nun muss jeder sehen, ob es die Möglichkeit gibt, sie sinnvoll anzulegen. Sinnvoll bedeutet, dass man mindestens ein Paar bilden kann oder eine Reihe die gleiche Farbe hat oder dass sie eine Straße bildet oder einen Drilling. Oder einen Drilling mit Paar. Vier von einer Sorte ist fast am besten, nur getoppt von einer Straße in der gleichen Farbe. Ich bin aufgrund meines Amtes gezwungen, viel höhere Einsätze zu tätigen als meine Untergebenen, die mit großem Vergnügen ihren Lohn nach und nach verspielen. Manchmal gewinnen sie auch, aber besonders Solun Ares und Bruder Obskurus sind sehr einsatzfreudig. Solun verspielt dabei nicht nur sein jetziges Gehalt, sondern auch sein zukünftiges. Dummerweise gelingt es nicht, dass die anderen mich so unterstützen, dass ich mal gewinne. Nur Meisterin Puppila ist genug auf Zack, um meine Anweisungen in dem Code zu verstehen, den ich mit meinen Untergebenen ausgemacht habe. Während ich mich innerlich sehr über das unnötig verlorene Geld ärgere, mache ich eine halbwegs gute Figur dabei. Am Ende der Partie werden wenigstens Ares und Obskurus für ein besonderes Spiel am Abend eingeladen, wo es um besonders wertvolle Dinge geht. Der Meister der Spiele, Xanador Ral´Adun wird diese höchstpersönlich leiten. Ich übertrage ihnen einen Wertbrief, um die heutigen Verluste zurückzugewinnen und vielleicht noch ein paar meisterhafte Waffen zu erspielen. Oder ein anderes Artefakt, was gerade angeboten wird. Meisterin Puppila hat während der Partie ein Refraktorfeld gewonnen. Immerhin ein Erfolg, wenn auch äußerst teuer erkauft.

Ein weiterer Lichtblick ist, dass ich eine Einladung des berühmten und angesehenen Freihändlers Jonquin Saul erhalte. Er erwartet mich heute Abend auf seinem Flaggschiff, der "Notwendigen Ausgabe". Also kehre ich an Bord der "Audacia" zurück und meine Konkubinen ziehen sich für diesen Anlass ein weiteres Mal um, während ich anfangs nur den Mantel wechseln will. Aber meine beiden Mätressen bestehen darauf, mich ein weiteres Mal schick zu machen und meine Garderobe der ihren anzugleichen. Auf diesen Punkt legen sie sehr viel Wert und verschwenden viel Energie darauf, alles harmonisch aufeinander abzustimmen. Da Jonquin Saul als sehr gläubiger Mann mit einem strengen moralischen Codex gilt, haben sich meine Mädels für ein äußerst züchtiges Ensemble ohne Ausschnitt entschieden. Als Schmuckstücke tragen sie mit Diamanten besetzte Aquilas als Diadem und Halsschmuck. Das tragen sie normerlweise, wenn wir einen Gottesdient in der Kathedrale des Lichtes besucht haben. Meine Kleidung ist dementsprechend auch eher schlicht und ich trage eine Brosche in der Form eines Aquilas, in dessen Zentrum ein einziger großer roter Edelstein eingearbeitet ist, welcher den Körper des doppelköpfigen Adlers bildet.

Da auch Seneschall von Braun bei einem Exklusivem Spiel mitmacht, begleiten mich andere Marketender, meine Konkubinen, Meisterin Puppila und Lady Helmchen auf die "Notwendige Ausgabe". Das Schiff entpuppt sich als ein kleiner Transporter der Exchequer-Klasse von gerade nicht einmal drei Kilometer Länge. Zwei baugleiche Schiffe mit zehn Megabruttoregistertonnen flankieren das Flaggschiff. Es ist etwas stärker bewaffnet, aber für kaum ein Schiff in der Koronus Weite eine wirkliche Bedrohung. Da Joaquin Saul einer der reichsten Freihändler mit der größten Flotte ist, erstaunt mich die Wahl dieses Schiffes als Flaggschiff doch etwas. Allerdings gilt er auch als sparsame Krämerseele, welcher weniger Entdecker, sondern eher ein solider Händler ist und über einige Handelsrouten zu den Heidensternen verfügt. Deswegen hat er auch keinen besonders guten Ruf unter den anderen Freihändlern der Weite, weil ehrlicher Handel etwas ist, mit dem sich ein Mitglied unseres Standes nur im Notfall abgibt.

Das Empfangskomitee besteht aus gerade mal sechs gerüsteten Marineinfanteristen und einem Offizier in schlichter Uniform. Ich werde herzlich empfangen, aber ich habe doch etwas mehr Pomp erwartet. Das Ambiente des Schiffes ist äußerst einfach, auch wenn alles blitzblank sauber ist. Die Gänge sind eng und öfters mal müssen sich Besatzungsmitglieder an die Wand quetschen, um uns im Gänsemarsch passieren zu lassen. Wir werden durch einen Bereich geschleust, der eher wie eine kleine Stadt wirkt. Der ehemalige Laderaum ist mit heimeligen Promenaden durchzogen, an denen sich kleine Geschäfte, Garküchen mit bunt gedeckten Tischen und Wohnhäuser entlang ziehen. Kinder spielen fangen und Zivilisten flanieren. Wir erregen einiges an Aufmerksamkeit und eine Schar lärmender Kinder verfolgt uns neugierig.

"Sind das zahlende Passagiere?", frage ich erstaunt über diese entspannte Atmosphäre in diesem Bereich.
"Nein, das sind Besatzungsmitglieder auf Freischicht, Geschäftsleute, freie Händler und deren Familien.", erklärt mir der Offizier. Hier herrscht eine richtig familiäre Atmosphäre, die richtig wohltut. Schließlich verlassen wir die kleine Stadt inmitten des Schiffes und erreichen die Offiziersquartiere. Hier ist wenigstens etwas Prunk zu sehen. Jonquin Saul erwartet mich im offiziellen Empfangsbereich in Begleitung von sechs zivilen und einem militärischen Schiffsoffizier. Handels-Admiral Saul ist ein Mann mit langen grauen Haaren, einem sorgfältig gestutzten Vollbart und einem dunkelblauen Mantel, an dessen unteren Ecken ein silberner Aquila eingestickt ist. Ein kurzes Schwert baumelt an seiner Seite. Der Mann ist recht unscheinbar, strahlt aber eine Aura der Selbstsicherheit aus. Er begrüßt mich herzlich und stellt mir seine Leute vor. Im Gegenzug mach ich ihn mit meinen Begleitern bekannt. Anschließend führt er mich in einen freundlich eingerichteten Speisesaal mit blauen Tapeten, in denen ebenfalls silberne Aquilas abgebildet sind. Bilder mit Szenen aus den heiligen Schriften runden das Ambiente ab. Hier warten seine Mätressen, mehrere züchtig gekleidete Damen verschiedenen Alters. Wir beide setzen uns an der Ende der Tafel, unser Gefolge setzt sich gegenüber hin. In angenehmer Atmosphäre speisen wir zusammen und halten etwas Smalltalk zwischen den Gängen, die aus eher einfachen Gerichten, die trotzdem sehr wohlschmeckend sind, bestehen.

Saul ist im Bilde über meine letzten Unternehmungen und den Veränderungen, die ich auf der "Audacia" vorgenommen habe. Da sich das Schiff seit gerade mal einem terranischen Tag im Orbit über Karmesin-Trost befindet, ist er sehr gut informiert. Etwas zu gut, für meinen Geschmack. Wahrscheinlich hat der eine oder andere Passagier eifrig Daten gesammelt und sie hier gewinnbringend an den Mann gebracht. Oder einer meiner Offiziere hat aus dem Nähkästchen geplaudert. Zum Glück scheint er über die eher peinlicheren Details meiner letzten Unternehmungen im Unklaren zu sein, was mir nur zu Recht ist. Auf alle Fälle signalisiert er mir deutlich, dass er meine Reformen auf der "Audacia" gutheißt. Er kannte meinen Onkel und weiß, wie sehr dieser die "Audacia" und seine Besatzung vernachlässigt hat, weil er Winterscales Schatz nachgejagt ist. Da er auch dieses Detail kennt, muss er wirklich eine gute Informationsquelle haben.

Schließlich löst er die Tafel auf. Die Damen gehen ins Damenzimmer, wo sie es sich bei einer Tasse Tee auf flauschigen Sofas bequem machen können. Saul und ich ziehen uns mit je einem Berater ins Herrenzimmer zurück. Zwei bequeme Ledersessel gruppieren sich um einen runden Tisch aus dunklem Holz mit einem Aquila aus Elfenbein als Einlegearbeit. An den Wänden sind einige Bilder von bekannten und weniger bekannten Heiligen zu sehen. Jonquin gilt als ein frommer Mann des wahren Glaubens, der auch mal Pilger umsonst in die Weite transportiert. So was macht einen beim Adeptus Ministorum beliebt, bringt aber direkt keinerlei Profit. Wir stecken uns Zigarren an und paffen gemeinsam. Zum Trinken gibt es Amasec der berühmten Marke "Red Star Prime" im roten Label mit den drei goldenen Sternen. Ein wirklich exquisites Getränk, was ich an Bord der "Notwendigen Ausgabe" nun nicht wirklich vermutet hätte. Für unsere Berater gibt es bequeme gepolsterte Stühle, wo sie Platz nehmen. Ich beginne das Gespräch mit ein paar Fragen bezüglich der Zivilisten an Bord seines Schiffes. Er berichtet mir, dass Männer, die ihre Familie bei sich haben, viel ausgeglichener sind und es deswegen sehr wenig Reibereien gibt. Natürlich ist das bei militärischen Unternehmungen eher hinderlich, aber Jonquin verrät mir, dass er Kämpfen entweder davon läuft oder die Angreifer besticht. Mit seinem Reichtum im Rücken ist dies sicherlich eine für ihn praktikable Taktik. Für mich ist das aber weniger eine Option, da ich auch ein größeres Schiff mit einer starken Bewaffnung habe. Zum Davonlaufen ist die "Audacia" einfach zu langsam und zum bestechen fehlt mir das Geld. Ich bin zum Kämpfen und Siegen verdammt.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 07. Dezember 2012, 16:11:21
Position:
Im Orbit über Karmesin-Trost
"Notwendie Ausgabe"
Herrenzimmer
Zeit: 4 760 783.M41

Trotzdem sehe ich die Vorteile einer solchen Ansiedlung auf einem Schiff. Ich wäre gezwungen, die Zivilisten einem militärischen Drill zu unterwerfen und Schutzbereiche für sie einzurichten, wo sie sich im Falle eines Gefechtes geordnet hinbewegen müssten. Männer die ihre Lieben beschützen, kämpfen härter und ziehen sich nur nach schwersten Verlusten zurück. Auf lange Sicht dürften die Vorteile überwiegen. Ich bin sicher, dass Männer und Frauen auch sorgfältiger arbeiten, wenn sie die "Audacia" nicht nur als Arbeitsplatz, sondern als ihre Heimat betrachten. Es gibt durchaus Familien auf der "Audacia", aber eben keine Infrastruktur aus Geschäften, Scholas und was sonst noch für eine funktionierende Gemeinde notwendig ist wie auf der "Notwendigen Ausgabe". Je länger ich mich mit Joaquin darüber unterhalte, desto eher bin ich geneigt, etwas Ähnliches auch auf der "Audacia" anzustreben. Allerdings nicht sofort, sondern als Projekt für später merke ich mir das mal vor.

Aber schließlich beginnt der Handels-Admiral, diesen offiziell nicht existierenden Rang hat er sich kurzerhand selbst verliehen, über geschäftliche Dinge zu reden. Er hätte drei detaillierte Berichte von Prospektoren über bisher noch unerschlossene Systeme zu verkaufen. Zwar alle ohne Lebensformen, aber doch reich an Rohstoffen. Wir beginnen eine zähe Verhandlung, tauschen Argumente aus und einigen uns schließlich auf den erstgenannten Preis. (Jeder hatte fünf Erfolgsränge)

Dann reden wir noch über verschiedene Themen, welche die Weite betreffen. Der Krieg zwischen Calligos Winterscale mit Aspyce Chorda auf Lucins Odem um die Nephiumvorkommen ist zum Patt verkommen, keine der beiden Seiten kommt zurzeit voran. Jemand mit dem Mut zur militärischen Intervention könnte etwas Bewegung in den Konflikt bringen. Ein verlockender Gedanke. Besonders da wir uns sowieso irgendwann mit Calligos Winterscale gut stellen müssen, um in seinem Reich unbehelligt nach den Schatzkarten fahnden zu können. Auf dem Rückweg wollten wir sowieso mal vorbei schauen. Würde sich also anbieten.

Auch sonst ist Jonquin sehr gut über die Weite und was darin vorgeht informiert. Ich bekomme sehr viele wichtige Informationen während des Geplauders so umsonst heraus. Das war ein wirklich ergiebiges Treffen mit einem Mann meiner Wellenlänge. Manch einer der anderen Freihändler mag auf ihn herabsehen, weil er eher ein Krämer als ein wagemutiger Abenteurer ist, aber er ist ein angenehmer Zeitgenosse, der seine Leute nicht unnötig schindet. Wir verabschieden uns in Freundschaft und mit gegenseitiger Sympathie. Das war mal ein Mann, mit dem ich gerne Geschäfte mache. Inzwischen sollte auch das besondere Spiel, an dem Magister Militaris Ares und Bruder Obskurus teilgenommen haben, vorbei sein. Ich hoffe, sie haben nicht alles verspielt.

Wir landen auf der oberen Fläche von Karmesin Prime und flanieren zu unseren Quartieren. Viele der adligen Passanten sehen uns etwas seltsam an und mir wird schnell klar, dass meine Leute wohl nicht gewonnen haben. Sie haben wahrscheinlich das Vermögen vollständig verspielt, was ich ihnen für den heutigen Abend überlassen habe. Ich treffe sie im großflächigen Wohnbereich unseres Quartiers in einem herrschaftlichen Anwesen an. Die Einrichtung ist exquisit und könnte durchaus auch in meiner Zimmerflucht im heimatlichen Familienanwesen in den untersten Ebenen von Tarsus stehen. So sehen wahrlich keine Sieger aus. Beide versuchen mir gleichzeitig zu erklären, was alles schief gelaufen ist. Letztendlich war es wohl Pech, dass sie alles verloren haben. Aber sie sind zum großen Wagnis eingeladen worden. Das große Wagnis ist ein geheimnisumwittertes Spiel mit großem Einsatz und größerem Gewinn. Die Teilnehmer, welche überlebt haben, schweigen sich leider aus, wie das Spiel genau abläuft. Der Einsatz ist wohl das eigene Leben und der Gewinn wäre einen Kaperbrief, den einst dem Haus Chorda gehört hat. Heute wird das Haus Chorda von der als äußerst grausam geltenden Aspyce Chorda geführt.

Aspyce ist mit elf Jahren der imperialen Flotte beigetreten und hat sich von einer Kadettin bis zur Kapitänin hochgearbeitet. Sie galt als brutal und korrupt. Wegen letzterem ermittelte das Flottenkommisariat gegen sie. Aber sie kam einer Verhandlung vor einem Flottengericht mit einem Abschied zuvor, denn ihr Vater verschwand mitsamt seinem designierten Erben in der Weite. Er wurde für tot erklärt und innerhalb der Familie brach ein brutaler Machtkampf um das Erbe des Hauses aus. Mit Hilfe von Söldnern beseitigte sie die zahlreichen Mätressen und Kinder ihres Vaters. Die legitimen Geschwister soll sie angeblich in Kryotanks gesteckt haben, so heißt jedenfalls in den harmloseren Versionen der Geschichte. In anderen Versionen bringt sie ihre Geschwister langsam und grausam um. Und in den abartigsten trägt sie deren Haut als Unterwäsche. Inzwischen ist ihr grausamer Ruf in der Weite allgegenwärtig. Die eine Hälfte hält sie für eine wahnsinnige Sadistin, die andere für eine sadistische Psychopathin. Und das ist nicht die Art von Gegner, die ich mir zum jetzigen Zeitpunkt wünsche. Über kurz oder lang kann es auch so durchaus zu einer Konfrontation kommen, wenn ich mich auf Calligos Seite schlage.

Mit diesem Kaperbrief kann ich ein zweites Schiff in meiner Flotte ganz legal aufnehmen und selbstständig agieren lassen. Aber da in der Weite die Imperialen Gesetze nicht wirklich gelten bzw. durchgesetzt werden, ist es nur ein Stück Papier, das etwas Rechtssicherheit gibt und Ärger mir Aspyce Chorda bedeutet. Kein Preis, für das ich das Leben meiner Leute wortwörtlich aufs Spiel setzen wollte. Etwas, was ich momentan gar nicht haben möchte.

Allerdings haben Magister Militaris Ares und Bruder Obskurus dieses Wagnis auf sich genommen und von diesem Spiel kann man nicht zurücktreten, wie mir Caine eifrig versichert. Ich habe ein verdammt mieses Gefühl dabei. Das kommt dabei raus, wenn man Leute unbeaufsichtigt etwas machen lässt. Nicht nur das Vermögen weg, sondern im Extremfall habe ich auch zwei wichtige Mitglieder meines Gefolges verloren. Und das für etwas, was mir eher Ärger als Gewinn einbringen wird. Ich bin nicht begeistert über diese Entwicklung und meine gute Laune verfliegt augenblicklich. Gedrückter Stimmung ziehe ich mich ins Schlafzimmer zurück und schaue grübelnd zu, wie sich meine Konkubinen ihrer umfangreichen Garderobe entledigen. So ein Kleid ist ein recht aufwendiges Kleidungsstück. Allerdings gelingt es den beiden mich schnell auf andere Gedanken zu bringen, denn das Glück liegt für einen Mann zwischen den Schenkeln einer geliebten Frau. Und wenn man zwei davon hat, hat man doppeltes Glück.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 10. Dezember 2012, 15:33:28
Position:
Karmesin-Trost
Karmesin Prime
Casino
Zeit: 2 765 783.M41

Heute Abend ist das große Spiel. Meine beiden Männer haben die letzte Zeit mit Meditation und Fasten verbracht, wie es vom Meister der Spiele vorgeschrieben worden war. Ich habe meine Zeit auf Karmesin Prime genutzt, um weitere Partien zu spielen und verschiedene Geschäfte anzuleiern. Dadurch, dass ich mit meinen Konkubinen und Meisterin Puppila im Team spiele und in diesem Kreis die Absprache besser klappen, gelingt es mir, die Verluste im verträglichen Rahmen zu halten. Mir ist es gelungen einen fähigen Ausbilder zu erspielen, der in Zukunft die Ausbildungskompanie der "Audacia" führen wird und den notwendigen Drill  und Wissen weitergeben kann. Gute Männer sind auch hier rar gesät und meist sind ihre Verträge nur durch das Erspielen zu bekommen. Diese Art von Geschäftemacherei ärgert mich von Tag zu Tag mehr. Meine Laune ist entsprechend düster, als ich eine vertraute Stimme hinter mir höre.

"Sieh an, Lord-Kapitän Conari spielt in einem neuen Stück." Ich drehe mich um und erblicke tatsächlich die Eldaragentin in der Form der lieblichen Lady Silla Marati. Es kostet meine ganze Selbstbeherrschung, nicht aufzuspringen und diesem verdammten Xenos meine geballte Faust in ihr eigentlich sehr hübsches Gesicht zu rammen. Leider ist das hier in dieser Umgebung keine Option. Ich war einfach zu nachsichtig und hätte von vorne herein härter gegen das verfluchte Xenos vorgehen sollen. Jetzt zahle ich den Preis dafür. Hoffentlich ist der Imperator gerade mit etwas wichtigem beschäftigt und schaut dieser Schmierenkomödie nicht auch noch zu. Das wäre doch zu peinlich. Thronverdammt!

"Sieh an, Lady Marati! Ich hätte nicht gedacht, dass ihr den Schneid haben würdet, mir noch einmal gegenüber zu treten." Ungefragt lässt sie sich neben mir nieder. Äußerlich sieht sie aus wie eine adrette junge Frau von gehobenem Stand mit vollendeten Manieren und lieblichem Aussehen. Aber da drin steckt ein widerwärtiges Xenos, dass meinen absoluten Hass verdient. Denn es steht geschrieben: Getötet zu werden, dass ist das Schicksal des Xenos.
"Warum so feindseelig? Ist doch nichts Schlimmes passiert.", erwidert sie mit einer Unschuldsmiene, die mich schier zur Weißglut treibt.
"Nur das über tausend meiner Leute in einem sinnlosen Gefecht gefallen sind? Aber wenigstens habe ich Euch die Pointe versaut. Hättet ihr nicht so viel von Schauspiel und Drama gefaselt, wäre ich vielleicht auf Euer billiges Possenspiel herein gefallen. Aber so war dieser Zug nur zu vorhersehbar." Ein leichtes Zucken geht durch ihre Maske der Lieblichkeit. Das hat ihr jetzt gar nicht gefallen.
"Nun ja, dieses Stück ist aber noch nicht zu Ende.", meint sie nun etwas pikiert. Die Dame scheint auch eine schlechte Verliererin zu sein. Willkommen im Club, Xenosabschaum!
"Aber ich spiele nicht länger mit."
"Nun, das wird sich noch zeigen."
"Wie sieht es eigentlich mit etwas Kompensation aus? Ein Schadensersatz für die Zerstörungen, die ihr angerichtet habt?"
"Nun, mein lieber Lord-Kapitän, ich bin nur eine mittellose Schauspielerin, die für die Kunst des Dramas lebt. Leider verfüge ich über keinerlei Mittel.", lügt mir das Xenos frech ins Gesicht. Aber die Lügen der Xenos sind leicht zu erkennen, denn alles was sie sagen, ist gelogen.

"Ihr kennt sicherlich die heiligen Schriften und die Gebote darin für euresgleichen, nicht wahr?"
"Ich habe mich etwas darin eingelesen. Es sind ein paar sehr unterhaltsame Geschichten darin, die leider alle nur erfunden sind." Klar, auch hier lügt sie munter weiter. Als Alien kann sie ja auch gar nicht anders.
"Darin gibt es auch ein nettes Gebot. Schieße als erster, wenn du ein Xenos siehst. Schieße weiter und stelle sicher, dass du auch als letzter schießt. Und auch dann stelle keine unnützen Fragen. Das Gespräch ist hiermit beendet, Xenos!"
"Hu, da hat aber jemand schlechte Laune. Lasst Euch gesagt sein, dass auch hier nicht alles Gold ist, was glänzt. Habt Ihr Euch mal Gedanken über die Unterstadt gemacht? Und was das alles mit dem großen Wagnis zu tun hat?", versucht sie mich abzulenken. In der Tat habe ich mir darüber noch nicht groß den Kopf zerbrochen. Schließlich ist es auch gegen die Regeln, von außen in die Spiele einzugreifen. Will das Ding mich in eine Falle locken?

"Am liebsten würde ich hier und jetzt den Hintern versohlen.", gehe ich gar nicht weiter auf ihre Worte ein. Und das würde ich liebend gerne wirklich tun.
"Das würde Euren Konkubinen bestimmt nicht gefallen."
"Oh doch, sie würden bestimmt zu gerne zusehen, wie ich Euch über das Knie lege." Meine Konkubinen verfolgen den Disput äußerlich ungerührt.
"Nun, ich werde mich dann zurückziehen." , meint sie wieder mal etwas pikiert. So ein Thema liegt ihr ganz und gar nicht.

- So einfach kommst du mir nicht davon, Xenos - denke ich, innerlich vor Wut bebend. Dieses Ding hat mein Schiff als Bühne für ihr schäbiges Rachedrama missbraucht, mich in ein Gefecht mit Piraten gehetzt, in dem viele meiner Leute umgekommen sind. Sie hat mit unser allen Leben gespielt und hat jetzt noch die Frechheit so zu tun, als wäre alles nur ein harmloses Spiel. Wahrscheinlich ist für ein Eldar ein menschliches Leben auch vollkommen wert- und bedeutungslos, wie für uns das Leben einer Ratte. Aber das waren meine Leute und dieses Ding macht sich noch darüber lustig. Leider kann ich sie nicht einfach in aller Öffentlichkeit töten, solange ihre Tarnung noch perfekt ist. Auch möchte ich nicht unbedingt die örtliche Autorität in Form des Meisters der Spiele, der mir höchst verdächtig ist, in diese Angelegenheit involviert wissen. Aber wenn ich sie den ersten Schritt machen lasse, kann ich mein Handeln rechtfertigen. Als sie sich gerade aufsetzt, greife ich blitzschnell nach einem Eiswürfel meinen Drink und schnippe den eisigen Würfel gekonnt in ihren nicht gerade kleinen Ausschnitt. Der kalte Eiswürfel trifft genau die Spalte und flutscht zwischen ihren weißen Hügel in das aufwendig gestaltete Mieder rein. Sie quietscht erschreckt auf und gibt mir äußerlich empört eine Ohrfeige. Leider keinen weiteren Angriff, den ich mit einem schnellen tödlichen Schlag kontern könnte. Auch fordert sie mich leider zu keinem Duell, was ich am meisten gehofft habe. Sie mit Rabenklaue ganz offiziell in einer Duellarena zu töten wäre genau die Art von Genugtuung gewesen, die ich gebraucht hätte.

"Sie Flegel!", ruft sie tief errötend ihrer infamen Rolle treu bleibend und rauscht empört mit jetzt wirklich hochrotem Gesicht davon. Meisterin Puppila verdreht die Augen und Lady Helmchen, die in der Nähe steht, schüttelt nur den Kopf. Leider scheinen sie nicht in der Lage zu sein, den tieferen Sinn meiner Strategie zu begreifen. Thron! Wahrscheinlich halten sie mich für einen sexgeilen debilen Idioten, der nur das eine im Sinn hat.
"Meisterin Puppila, verfolgt sie und schaut, was sie macht.", befehle ich ihr über eine verschlüsselte Botschaft in der Geheimsprache der "Audacia". Meine Piloten nickt verstehend und steht sich entschuldigend auf.
"Noch eine Runde, meine Herren und Damen?" Die restlichen Spieler haben meinem Geplänkel mit der vermeintlichen Adligen mit offenstehenden Mündern verfolgt. Ich grinse breit und mische die Karten neu. Wahrscheinlich halten die mich auch für einen oberflächlichen Schnösel. Sollen sie, ihre Meinung über mich kann mir egal sein. Das miese kleine Xenos ist es nicht. Da ist noch eine ziemlich große Rechnung fällig und ich akzeptiere auch Kompensation in Blut.

Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 12. Dezember 2012, 18:55:16
Position:
Karmesin-Trost
Karmesin Prime
Casino
Zeit: 2 765 783.M41

Nach zwei Stunden kehrt die Meisterin der Leere zurück. Inzwischen habe ich genug vom Spielen und ziehe mich in mein Anwesen in Begleitung meiner Entourage zurück. Althea berichtet mir, dass Lady Marati sich zuerst eine halbe Stunde auf eine Bank gesetzt hat und ziemlich sauer ausgesehen hat. Jedenfalls hat es so lange gedauert, bis sie sich wieder im Griff hatte. Mein kleines Manöver scheint sie vollkommen aus der Fassung gebracht zu haben. Ein kleiner Sieg, aber ich will sie für ihre Verbrechen noch immer tot sehen. Danach war sie zum Spielen gegangen und zwar an einem Tisch mit einem gewissen Havyland. Dieser Lord gilt als Kontaktmann zur Bruderschaft, wie eine der berüchtigtsten Söldnereinheiten der Weite schlicht genannt wird. Es war herauszuhören, dass drei Transporter auf dem Weg hierher sind, wohl im Auftrag von Lady Marati. Ich kann mir vorstellen, was sie vorhat. Das ist wohl ihr Plan B, um Alophus Leyland III von Sephrem ein würdiges Schicksal zu bereiten. Dieser halbwahnsinnige Despot hat seine eigene Welt in einem Bürgerkrieg gemeuchelt, hat dabei weder vor der Zivilbevölkerung noch vor seinem Bruder halt gemacht. Er ist die Inkarnation des Klischees des machtbesessenen und gewissenlosen Adligen. Seine Verbrechen sind mannigfaltig und er verdient den Tod. Und wahrscheinlich auch der Großteil seines Gefolges. Wie der Herr, so sein Knechte. Aber wahrscheinlich werden viele Unschuldigen im Kreuzfeuer des Konfliktes sterben. Und Marati ist ein verfluchtes Xenos! Allein deswegen muss sie sterben!

Aber Lady Helmchen und Meisterin Puppila nerven mich wegen den Worten des Xenos so lange, bis ich mich breit schlagen lasse, Karmesin Beta, wie die untere Ebene dieser Stadt genannt wird, zu besuchen. Also mache ich mich mit ihnen auf, die untere Stadt zu inspizieren. Mit einem Schweber lassen wir uns nach unten bringen. Es ist nicht verboten, die Stadt zu betreten, aber schon an der Landeplattform werden wir von Wachsoldaten empfangen. Besucher scheinen hier nicht üblich zu sein. Ich heuchle vor, dass ich daran Interesse habe, hier Sklaven zu kaufen. Also bekomme ich Zugang zu den Habs. Leider ist alles zu und unser Rundgang bringt keine wirklichen Erkenntnisse. Man bekommt hier nur zu sehen, was man sehen soll. Nachdem es nicht gelungen ist, dass sich Althea absetzen und ohne Kettenhunde an der Seite umsehen kann, kehre ich unverrichteter Dinge zurück nach oben. Dort empfängt uns der langhaarige Diener und komplementiert uns mit blumigen Worten für die Zeitdauer des großen Wagnis von der Station. Das ist natürlich bedauerlich, da ich meine kleine Fehde gegen Lady Marati so nicht fortsetzen kann. Innerlich verfluche ich das unbedachte Handeln von Solun Ares und Bruder Obskurus.

Oben auf der "Audacia" gibt es allerdings auch so genug zu tun. Reparaturen sind abzusegnen, vakante Posten neu zu besetzen. Während unten die Spiele um das große Wagnis beginnt, habe ich alle Hände zu tun, den Laden in Form eines gewaltigen Raumschiffes am Laufen zu halten. Schließlich sinke ich etwas ermattet in meinen Thron. Einige der roten Warnrunen sind wieder auf den grünen Normalzustand zurück gekehrt. Alle Leereneinbrüche sind abgedichtet und der Fokus liegt nun erst mal auf die Reparatur der inneren Bausegmente, trotzdem wird auch an der Außenhülle gearbeitet. Auch geht das Aussieben der gefangenen Piraten gut voran. Ich habe schon etwas vorgefühlt, die anderen nach Karmesin-Trost verkaufen zu können. Colette schenkt mir einen kräftigen Rekaf ein und reicht mir ein wohlschmeckendes Sahnetörtchen, um mir einen kleinen Zuckerschock zu verpassen. Das Sahnetörtchen hat die Form eines Herzen und ist mit so vielen liebevollen Details verziert, dass es mich schon beinahe reut, es zu essen. Aber jeder Bissen kitzelt meinen Gaumen und weckt meine Lebensgeister. Ich lobe Colette für ihre Kunstfertigkeit und sie errötet über beide Ohren. Es heute schon das zweite mal, dass ich eine Frau zum erröten bringe. In Gedanken versunken studiere ich die neusten Berichte auf einem der Monitor in der grünen leuchtenden Schrift. Da meldet sich mein Funker.

"Wir erhalten eine Anfrage vom Meister der Spieler, Lord Kapitän Conari."
"Stellen Sie ihn mir auf mein Interkom durch." Ich drücke die entsprechenden Tasten auf der Konsole meines Thrones, um das Gespräch anzunehmen. Mir schwant Böses. Wenn die beiden oder einer von ihnen Erfolg gehabt hätte, würden sie selber am Funk sein. Ich atme tief durch und wappne mich mit einem kurzen Stoßgebet an den Imperator vor der schlechten Nachricht, die sicherlich gleich kommen mochte.

"Lord Kapitän Conari, leider haben Eure Leute das große Wagnis verloren."
"Das ist natürlich äußerst bedauerlich, kann ich ihre Leichen abholen kommen?", frage ich augenblicklich mit fester Stimme, da ich das Schlimmste erwartet habe und nicht enttäuscht wurde.
"Sie leben noch und betteln winselnd um ihre armselige Existenz. Ihr könnt um das Leben Eurer Leute spielen, Lord-Kapitän Conari.", bietet mir der Meister der Spiele großzügig an. Auf der einen Seite bin ich froh, dass Magister Militaris Solun Ares und Bruder Obskurus noch leben, auf der anderen Seite zwingt mich das zu einer Entscheidung. Ich bin kein Mensch, der auf sein Glück vertraut. Meine Erfolge sind Ergebnis von Kalkulation und Mathematik. Sicherlich gehört Glück auch dazu, aber je größer das notwendige Glück um eine Unternehmung zum Erfolg zu bringen, desto schlechter war sie von Grund auf geplant. Dies hier war gar nicht geplant. Dies ist die Folge davon, dass ich in letzter Zeit die Zügel zu locker gehalten habe. Meine Leute hätten niemals dieses Wagnis ohne Rücksprache und meinem Segen eingehen dürfen. Wahrscheinlich meinten sie es nur gut, wollten damit die erlittenen Verluste zurückgewinnen. Genau so geht es den meisten Spielern. Sie können nicht aufhören, machen Schulden, um das Verlorene wieder herein zu holen, weil sie glauben, dass sie doch irgendwann wieder Glück haben werden. Aber Glück ist nichts, auf das man sich verlassen sollte. Und meist verlieren die Spieler dann auch das geliehene Geld. Schon viele Dynastien sind so ruiniert worden. Deswegen wäre es vielleicht das Beste, das Ganze hier und jetzt zu beenden.

Ich wäge ab, was die Risiken und was der Gewinn wäre. Hole ich meine Leute heraus, so zeige ich allen, dass ich für meine Leute bereit bin, alles zu riskieren. Scheitere ich dabei, habe ich nicht nur zwei gute Leute verloren, sondern stehe auch als Verlierer da. Ganz abgesehen davon, dass ich wahrscheinlich auch etwas einsetzen muss, um überhaupt spielen zu können. Mein Gefolge hat mich aus höchster Not befreit, ist für mich nicht nur sprichwörtlich durch die Hölle gegangen. Ein guter Anführer muss auch bereit sein, seine Leute durch die Feuer der Hölle zu führen und in der ersten Reihe sich dem Angesicht des Feindes zu stellen. Und manche sind es sicherlich auch Wert, dass man sie rettet. Astropathen sind schwer zu bekommen. Solun Ares hat sich zwar bisher nicht besonders geschickt angestellt, aber man kann sich auf ihn verlassen. Nun gut.

"Was wäre der Einsatz?", frage ich.
"Was würdet ihr den anbieten?" erwidert Xanador Ral´Adun, Herr von Karmesin Prime und der Spiele. Ich blicke fragend in die Runde. Meisterin Puppila und Lady Helmchen sind in der Nähe und machen Abwägungen. Weitere Leben setzen? Nein! Die "Audacia"? Nein! Den Freihändlerbrief? Nein! Das Fragment der Karte? Das wäre sicherlich interessant, besonders da wir gute Kopien davon haben. Der Verlust wäre natürlich äußerst bitter, aber verkraftbar. Auch ist das etwas Einzigartiges, um dass es sich darum zu spielen lohnt.

"Wie wäre es mit einem Fragment von Sebastian Winterscales berühmter Karte?", frage ich.
"Nur wenn es das Original ist."
"Das wäre es."
"Nun gut, wagt es aber nicht, mir eine Fälschung andrehen zu wollen.", droht mir der Meister der Spiele.
"Ihr habt sicherlich die Gerüchte über meinen Onkel gehört."
"In der Tat, dann war der alte Narr also doch erfolgreich. Ich erwarte Euch, beeilt Euch lieber Eure Leute werden nicht mehr lange durchhalten. Und kommt alleine!" Die Verbindung wird unterbrochen und ich stehe auf. Colette stürzt regelrecht zu mir hin und drückt mir ein in ein Tuch eingebundenes Proviantpaket in die Hand. Das ist wohl ihre Art, mir alles Gute und viel Glück zu wünschen. Und letzteres werde ich verdammt noch mal auch brauchen.

"Kopf hoch, Colette. Die Sache wird gut ausgehen, denn der Gottimperator ist mit jenen, die ihr Glück selbst in die Hand nehmen." Ich eile zu der geheimen Kammer in Begleitung von Althea und Yuri. Dort hole ich die originale Karte heraus und verstaue sie in einen schwarzen runden Kartenbehälter, den ich mir über die Schulter werfe. Mal sehen, ob sich noch etwas retten lässt.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 14. Dezember 2012, 17:43:03
Position:
Orbit über Karmesin-Trost
Zeit: 2 767 783.M41

Im Guncutter nehme ich den Platz des Co-Piloten ein, während Althea die Checkliste routiniert abarbeitet, die ich ihr von einem Datablock aus vorlese. Yuri nimmt den Platz des Navigators ein. Oberst Kyrr erteilt uns Starterlaubnis. "Sollte ich dort unten sterben, dann macht dieses verdammte Karmesin Prime dem Erdboden gleich!", befehle ich noch über Interkom, bevor wir abheben.

"Sehr wohl, Lord-Kapitän Conari. Es wird mir ein Vergnügen sein." Die Tore gleiten auf, nachdem die Atmosphäre abgepumpt wurde. Wir gleiten hinaus in die Leere. Vor uns ist der rote Planet, dessen Farbe Karmesin Trost wohl den Namen gegeben hat. Hinter uns schwebt majestätisch die "Audacia". Hier und da sind Männer in Raumanzügen zu sehen, die Außenreparaturen vornehmen. Die Flammen der Schweißgeräte sind anfangs noch zu sehen, aber wir nehmen Fahrt auf und der stählerne Gigant wird hinter uns schnell kleiner. Ich entspanne mich etwas im Sitz und öffne das Proviantpaket, welches mir Colette mitgegeben hat. Zum Vorschein kommen eine kleine Thermokanne und eine Dose mit Schokokeksen. Überraschenderweise sind sie mal nicht nur in Herzform, sondern auch in der Form der "Audacia", von Rabenklaue, Rabenschwinge, meinem Hauswappen und dem Aquila geformt. Sie schmecken vorzüglich und der Rekaf in der Thermokanne ist mit einem großzügigen Schuss Amasec veredelt worden. Weise Colette, sie hat genau das Richtige mitgegeben, um mich auf meine bevorstehende Aufgabe vorzubereiten.

Schnell wird Karmesin Trost größer. Karmesin Prime ist groß genug, um vom Orbit aus gesehen zu werden. Der Guncutter schwenkt ein und wir beginnen mit einem sehr steilen Anflug. Die Temperatur im Guncutter steigt deutlich an, als wir durch die Atmosphäre brechen. Die kleine Makropole springt uns schier in die Windschutzsscheibe, so schnell stoßen wir darauf zu. Brutal reist Lady Puppila den Guncutter in eine aufrechte Position und wir fliegen eine Schleife, bevor wir in die Landebucht hineinfliegen.

"Wir sind da! Holt unsere Jungs da raus, Kapitän!", meint Meisterin Puppila. Hart setzt der Kutter auf und ich nehme einen letzten Schluck des belebenden Rekafs. Der Amasec hat eine wohlige Wärme in meinem Bauch hinterlassen. Das gibt mir die nötige Lässigkeit, um mit federndem Schritt das kleine Raumschiff zu verlassen.

"Wir drücken Euch alle Daumen!", ruft mir die Navigatorin hinter her. "Viel Glück!" Oh ja, das werde ich garantiert brauchen.

Diesmal erwartet mich kein offizielles Empfangskommando, auch kein Fahrzeug, was mich schneller zum zentralen Anwesen des Meisters der Spiele bringen könnte. So bin ich gezwungen, alleine zu Fuß meinen Weg zu gehen. Überraschend viele Spaziergänger befinden sich zu so später Stunde noch in der parkähnlichen Landschaft. Die meisten wenden den Kopf ab, wenn sie meinen Blick spüren. Ich kann Lady Marati erspähen, die mich hämisch angrinst. Ihr überhebliches Lächeln gefriert, als ich mit der offenen Hand eine schlagende Bewegung mache, wie um ein freches Kind zu züchtigen. - Mit dir bin ich noch nicht fertig! Xenosmiststück! - sage ich lautlos in ihre Richtung.

Schnell kommt die Kuppel näher, welche das Hauptgebäude des Anwesens des Meisters der Spiele vom Rest des Casinos abtrennt. Ich beginne ein Gebet an den Gottimperator der Menschheit zu sprechen. Möge er auf seinem goldenen Thron zu Terra wohlwollend zu mir blicken, denn heute brauche ich alles Glück des Universums, um das Leben meiner Leute zu retten. Die Tore des Anwesens stehen offen und eine bewaffnete Wache erwartet mich, als ich im Stechschritt hindurch eile. Ich werde durch viele Gänge und Treppen in ein großes Zimmer mit einem Tisch und vier Sesseln geführt. Es stinkt nach Erbrochenem und Kot. Auf dem dunklen Teppich mit einem verwirrenden Muster und dem massiv hölzernen Tisch mit aufwendiger Ornamentik sind entsprechende Spuren noch zu sehen, auch wenn der Großteil wohl schon weggewischt wurde. Die Wände aus Ferrobeton sind mit dunkelblauen Stoffbahnen verhüllt. Wer weiß, was sich dahinter alles befinden mag. Ares und Obskurus leben noch in zwei der Sessel kauernd, auch wenn sie wie der leibhaftige Tod aussehen. Sie ähneln eher Zombies aus einem schlechten Gruselfilm als lebenden Menschen. Der Meister der Spiele sieht uralt aus. Da er vor siebzig Jahren die Herrschaft über diese Station übernommen hat, muss er über hundert Jahre alt sein und so sieht er auch aus. Seine Haut spannt sich auf seinem haarlosen Schädel voller Altersflecken. Seine Hände sind dürr und seine Finger erinnern an Spinnenbeinen. Mit tief in den Höhlen liegenden Augen schaut er mich grinsend an. Als ob er sich seines Sieges schon sicher wäre.

"Sieh an, ein neuer Spieler ist eingetroffen. Das Spiel mit Euren Leuten war äußerst unbefriedigend. Äußerst schlechte Verlierer, die nicht mit Anstand ihre Niederlage akzeptieren konnten. Wo sind sie hin, die Gentlemanspieler, welche den Verlust ihres gesamten Vermögens ohne mit der Wimper zu zucken akzeptiert haben?"
"Wahrscheinlich alle tot! Wie auch immer, sind wir hier um zu quatschen oder um zu spielen?", beantworte ich die Frage mit einer Gegenfrage.
"Euer Einsatz?"
"Hier, ein Fragment von Sebastian Winterscales Karte." Ich lege den Behälter auf den Tisch. Gierige Blicke tasten die Oberfläche des Behälters ab.
"Sollte das eine Fälschung sein….." die Drohung steht unausgesprochen im Raum.
"Und Euer Einsatz, Meister Ral´Adun?" Er zieht zwei Phiolen aus seinem Revers. Sein Anzug entspricht uralter und doch zeitloser Mode. Wir Männer haben den Vorteil, dass unsere Garderobe nach einem halben Jahr nicht für alle Zeit wertlos wird, wie das bei den Damen der feinen Gesellschaft der Fall ist. Ich werde nie verstehen, warum das ach so schicke Kleid, das ein kleines Vermögen gekostet hat, auf einmal nicht mehr anziehbar ist.
"Das Gegengift, zwei Dosen. Und nun lasst uns spielen. Wir machen es ganz simpel, wer die höchste Karte zieht, hat gewonnen. Je höher die Zahl, so höher die Wertigkeit. Dann kommt Marine, Engel, Imperator und die höchste Karte ist Ass. Bei Gleichstand, wiederholen wir das Spiel, bis ein Sieger feststeht." Das ist genau die Art von Spiel, die ich hasse. Er holt ein frisches Kartenpiel aus einer Verpackung und mischt es mit seinen dünnen Spinnenfinger durch.

"Nun denn, fangt an!", meine ich und spreche ein Stoßgebet an den Imperator. Ral´Adun hört auf zu mischen und dreht die oberste Karte um. Ares stöhnt auf, die Karte ist ein Herz Ass. Damit ist der Meister der Spiele schon nicht mehr zu schlagen. Wie eine Todesdrohung liegt die Karte mit dem blutroten Herzen auf dem Tisch. Ein wahrlich passendes Omen im Angesicht zweier im Sterben liegender Menschen. Manchen ist der Imperator wahrlich nicht gewogen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 17. Dezember 2012, 12:23:32
Position:
Karmesin-Trost
Karmesin Prime
Zeit: 2 767 783.M41

"Das ist die gleiche Karte, gegen die wir verloren haben.", keucht Magister Militaris Solun Ares schmerzerfüllt und hustet Blut.
"Dann wird es wohl ein unentschieden!", meine ich mit einem Lächeln um den Lippen und drehe die nächste Karte um. In dieser Situation heißt es äußerlich den Schein zu wahren und innerlich auf den Gottimperator auf seinem goldenen Thron zu Terra zu vertrauen. Deswegen kenne ich kein zögern und meine Hand zittert nicht, als ich sie umdrehe. Schwert Ass! Wirklich unentschieden, mein Lächeln verstärkt sich, während ich Innerlich aufatme. Das war jetzt äußerst spannend gewesen.

"Interessant! Das wird ja noch richtig unterhaltsam, dieses kleine Spielchen.", meint der alte Mann ebenfalls und die beiden Karten verschwinden im Stapel. Damit hat er wirklich Recht.
"Auf zur nächsten Runde! Diesmal dürft ihr anfangen!" Ich ziehe und lege eine Schwert Neun um. Das ist nicht gut. Die Wahrscheinlichkeit zu verlieren ist nun sehr hoch, da nur Achter und Siebener noch niedriger sind. Jede andere Karte schlägt mich. Nur eine Neun wäre ein weiteres Mal ein Unentschieden. Aber äußerlich bleibe ich gelassen und verkneife mir jeden überflüssigen Kommentar zu dieser schlechten Karte.
"Diese Karte brachte mir schon kein Glück", flüstert Bruder Obskurus und wird noch etwas grüner im Gesicht.

"Eine Neun, es dürfte ein leichtes sein, Euch zu schlagen." Der Meister legt die nächste Karte um und es ist eine Herz Neun.
"Unentschieden zum zweiten Mal!" Innerlich atme ich auf, da ich mich schon geschlagen sah. Das war jetzt wirklich ein weiteres Mal knapp gewesen. Eines Dramas würdig. Hat diese kleine verlogene Eldarschlampe etwa ihre widerwärtigen, wenn doch auch anmutigen Xenosfingerchen im Spiel? Allerdings dürfte dieser Raum mit Nullfeldern gesichert sein, allein schon deswegen, weil Bruder Obskurus ein Astropath und damit ein Psioniker ist. Oder ist das ein grausames Spiel, welches zuerst Hoffnung weckt und dann einen umso mehr in die Verzweiflung treibt? Wer ist dieser Mann, dieser Meister der Spiele mit dem Namen Xanador Ral´Adun? Ist er ein Hexer? Jemand der sich mit dunklen Mächten jenseits des Schleiers eingelassen hat und dafür weltlichen Reichtum bekommen hat? Einfach ein Mensch, ein leidenschaftlicher Spieler, der weiß, wie er seine Karten richtig zum Einsatz bringen muss? Ich weiß es nicht und das gefällt mir ganz und gar nicht.

"Dann zum dritten Durchgang." Wieder mischt er die Karten und zieht eine der Karten. Schwert Sieben. Die niedrigste Karte im Spiel. Wenn ich jetzt nicht ebenfalls eine Sieben ziehe, habe ich gewonnen.
"Damit ist die Sache entschieden!" meine ich selbstsicher und drehe ein Karo Ass um. Das war jetzt deutlich. Der Imperator ist mit mir. Mir fällt ein großer Stein vom Herzen. Ich habe das Leben meiner Männer gewonnen. Der Meister akzeptiert seine Niederlage ohne jede Regung. Und ich unterlasse es, in Jubel auszubrechen. Auch wenn ich am liebsten aufspringen und beide Fäuste in die Höhe recken würde. Hier gilt es den äußeren Anschein zu wahren und wer weiß, ob ich diesen Popanz nicht eines Tages noch für etwas Wichtiges brauche. Das war jetzt wirklich nervenaufreibend gewesen. Schwert Ass gegen Herz Ass, Schwert Neun gegen Herz Neun, Karo Ass gegen Schwert Sieben. Das sind zwar keine Karten des Tarots des Imperators, aber will der Herr der Menschheit mir damit auch eine Botschaft übermitteln? Oder war das alles nur ein unbedeutendes Glücksspiel, das nur um das Leben zweier Menschen geführt wurde?
 
"Tja, Ihr habt gewonnen. Euer Preis, Ihr habt ihn Euch redlich verdient." Er schiebt die beiden Phiolen hinüber und eine Infusionspistole. Ich zögere kurz, aber ich sehe keinen Grund, warum er jetzt noch falschspielen sollte. Also verabreiche ich meinen im Sterben liegenden Gefolgsleuten schnell eine Infusion mit dem Gegenmittel. Erst mal ist keine Besserung zu sehen, aber sie sterben auch nicht in den nächsten Sekunden einfach weg.

"Handelt es sich wirklich um ein originales Kartenstück oder habt ihr einfach nur geblufft?" Fragend schaut er mich an. Da in vielen Spielen Psychologie ein elementarer Bestandteil ist und ich nicht glaube, dass jemand ein solchen Reichtum, allein die in den offen zugänglich Casinobereichen  ausgestellten Waffen und Artefakte haben einen Wert der einer ganzen Flotte von Schiffen in der Größe der "Audacia", nur durch Glück anhäuft. Ich bin sicher, dass er allein an Körpersprache und Tonfall erkennen würde, wenn ich lüge. Und ich bin kein besonders guter Lügner, auch wenn Caine mich das hat Stundenlang üben lassen. In meinem Stand gehört die Lüge zum guten Ton und für viele ist Intrigieren ein ständiger Zeitvertreib. Ich war immer eher der direkt agierende Mann. Wenn ich ein Problem habe, gehe ich hin und schlage es tot. Kann ich es nicht mit Rabenklaue niederstrecken, so kommt Rabenschwinge, meine Plasmapistole zum Einsatz. Und sollte das nicht reichen, habe ich inzwischen Sonnenlaser im Marsschema zur Verfügung.

"Natürlich ist es ein Original!", meine ich dann wahrheitsgemäß. Es ist natürlich nicht gut, Mitwisser zuhaben. Besonders jemand, der mit solchen Dingen spielt. Ich bin mir sicher, dass diese Information irgendwann ein Preis sein wird. Aber das ist nun nicht mehr zu ändern. Diese Information offenbaren zu müssen, war vielleicht der höchste Preis dieses Abends. Ich hoffe, die beiden sind das wirklich wert.

"Das war nun ein äußerst spannendes Spiel. Ich bin sicher, eines Tages werden wir uns wiedersehen." Das befürchte ich leider auch. Hier gibt es Dinge, die es wert sind, viel zu riskieren. Aber momentan bin ich zu sehr damit beschäftigt, die Grundlagen eines Imperiums aufzubauen. Meine Familie erwartet Erfolge, Reichtum und Ruhm; und nicht, dass ich die "Audacia" oder den Brief leichtfertig verspiele.

"Eines Tages sicherlich.", meine ich unverbindlich. "Wenn ihr so nett sein würdet, meine Leute zu meinem Guncutter transportieren zu lassen, wäre ich Euch äußerst dankbar." Diener tauchen auf und verfrachten die beiden schwerverletzten Männer auf schwebende Tragen. Diese Archäotech sieht man selten, aber wenn nicht hier, wo dann? Ich funke meinen Guncutter an, dass ich mich auf dem Rückweg mit zwei Verletzten befinde und alles auf der "Audacia" für meine Ankunft vorbereitet werden soll. Ich kann mir vorstellen, dass sich die Nachricht über meinen Erfolg so nun innerhalb der nächsten Minuten auf der "Audacia" verbreiten wird. So verlasse ich in Begleitung meiner Leute das Anwesen. Davor hat sich schon eine Traube neugieriger Müßiggänger versammelt. Da ich keine Lust habe, mich mit ihnen abzugeben, marschiere ich einfach durch sie hindurch und ignoriere sie geflissentlich. Auch Lady Silla Marati befindet sich im Pulk. Diesmal unterlasse ich weitere Anspielungen, während ich mein Herz mit aufrechtem Hass gegenüber diesem verdorbenen Xenosding in unserer Mitte fülle. Auch wenn sie unglaublich lieblich aussieht, ist sie doch der ultimative Feind. Mit zwei noch lebenden Gefolgsleuten erreiche ich meinen Guncutter und wir heben fast augenblicklich ab, nachdem ich mich und die anderen beiden angeschnallt habe. Die Archäotech Tragen nehmen die leider wieder mit. Schade, wäre auch zu schön gewesen.

Meisterin Puppila bringt den Guncutter zum erbeben, als sie alles aus den überaus gutgelaunten Maschinengeistern der Treibwerken herausholt. In Rekordzeit erreichen wir die "Audacia" und ein Rettungsteam erwartet uns schon im Hangar. Ich begleite die Verletzten und überzeuge mich davon, dass sie gut behandelt werden. Doktor Adams ist der festen Überzeugung, dass beide Vergifteten durchkommen werden. Das sind verdammt gute Nachrichten.

Der Magister ist noch stark genug, mehr in Stichworten zu erzählen, wie "das große Wagnis" abgelaufen ist. Sie wurden vergiftet und auf Karmesin Beta ausgesetzt mit der Aufgabe, den oberen Bereich der Anlage zu erreichen. Mit großer Mühe gelang es ihn sich nach oben zu schmuggeln. Irgendwie leuchtet mir der Sinn und Zweck dieser Aufgabe nicht ein, da sich besonders Bruder Obskurus mit seinen verdorrten Augäpfeln nicht so einfach unter das Volk mischen kann. Oben angekommen wurden sie zum Meister der Spiele gebracht. Auch hier gewann dann die höchste Karte, die der Meister der Spiele zog.

Wir befinden uns mitten im Nachtzyklus, bald ist eigentlich schon wieder Morgen. Zeit um etwas Ruhe zu finden. Ich begebe mich zu meinem Quartier. Meine lieblichen Konkubinen erwarten mich in durchscheinende Gewänder gehüllt. Aber zuerst knie ich mich vor meinem Schrein auf die Polsterbank und verbrenne etwas Weihrauch zum Dank an mein Glück im Spiel. Zwei Menschenleben wurden gerettet, zwei mehr oder weniger wertvolle Gefolgsleute wurden gerettet. Dafür gebührt dem Herrn der Menschheit mein Dank. Nachdem das erledigt ist, begebe ich mich in die kundigen Hände meiner Mätressen. Tja, Glück im Spiel und in der Liebe, was will Mann mehr?

Gespielt am 21.07.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 2
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 1
Yuri aka Lady Helmchen Navigator Rang 1
Ares Magister Militaris Rang 1
EP: 350
Besiegte Gegner: Meister der Spiele im Spiel
Beute: Meine Leute!

Gedanke des Tages
Spoiler (Anzeigen)
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 21. Dezember 2012, 12:03:16
Persona Dramatis
Spoiler (Anzeigen)


Kapitel 10
Karo Ass!

Position:
Karmesin-Trost
Karmesin Prime
Zeit: 2 802 783.M41

Die nächsten Tage vergehen wie im Flug. Reparaturen müssen koordiniert werden, Gefangene aussortiert und das Wrack der "Falkenklaue" ausgeschlachtet werden. Leutnant Alais Kolding nimmt seine Arbeit als neuer Ausbilder der Truppen der "Audacia" auf. Der Mann hat zwanzig Jahre auf Lathimers Torheit in der dortigen Armee gedient und hat es dort bis zum Major gebracht. Wahrscheinlich ist er für den Posten des Ausbilders überqualifiziert, aber irgendwo muss man ja anfangen. Und ich brauche einen kompetenten Mann auf diesem Posten. Die Truppen haben recht unterschiedliche Standards und auch die Offiziere sind sehr unterschiedlich qualifiziert, auch wenn sie den gleichen Rang haben. Die alle auf einen gemeinsamen Level zu bringen wird sehr zeitaufwendig werden. Auch da hat mein Onkel sehr geschlampt.

Nach den Erfahrungen auf Karmesin Prime erwäge ich die Aufstellung einer schnellen Einsatztruppe. Ich kann zwar ganze Makropolen mit meinen Sonnenlaserbatterien dem Erdboden gleich machen, aber Geiseln zu befreien oder ein Punktziel zu infiltrieren bin ich mit meinen Mitteln nicht in der Lage. Und diese Option nicht zu haben kann mich vielleicht in Zukunft in eine prekäre Lage bringen. Nur mit hohem Einsatz ist es mir gelungen, meine Leute zu retten. Wäre mir der Gottimperator nicht gewogen gewesen, hätte ich nicht nur zwei wichtige Gefolgsleute verloren, sondern auch ein Stück der Schatzkarte. Zwei meiner Offiziere haben schon in der Vergangenheit Eingaben bei meinem Onkel zur Errichtung einer Spezialeinheit gemacht. Diese Dateien lade ich auf mein Datapad und lese sie mir durch.

Der erste Vorschlag ist von einem gewissen Hauptmann Flava geht eher in Richtung schwerer mechanisierter Infanterie mit massiver Nahunterstützung durch schwerbewaffnete und ebenso gerüstete Servitoren. Das ganze abgerundet durch Artillerie auf Selbstfahrlaffetten. Nicht gerade das, was ich unter einer schnellen Eingreiftruppe verstehe. Und schwere Artillerie habe ich in Form von der "Audacia" wahrlich genug. Dieser Vorschlag schafft es nicht wirklich in die engere Wahl, da es weder meinen Vorstellungen entspricht, noch die veranschlagten Kosten im Verhältnis zu dem erwarteten Nutzen stehen.

Der zweite Vorschlag kommt von Hauptmann Erma Quagig. Sein Plan geht schon eher meine Richtung. Aber letztendlich will er eine gehirngewaschene hochtrainierte, vom Rest der Besatzung isolierte Eliteeinheit unter seinem direkten Kommando aufstellen. Eine Truppe von hochgezüchteten Killern unter der Kontrolle eines Mannes mit zweifelhafter Loyalität will mir nicht schmecken. Auch will ich nicht gleich eine Hundertschaft haben. Zwei Trupps zu zwölf Mann, gegliedert in zwei Rotten würde mir schon reichen. Dreißig Mann gehen in einen Guncutter und ich habe momentan nur zwei Stück. Da Tessa Nimdock ihre Loyalität unter schwierigsten Umständen unter Einsatz ihres Lebens bewiesen hat, beauftrage ich sie nach Rücksprache mit Ares Solun mit der Aufstellung dieser Einsatztruppe mit der Zielsetzung, leise in ein Zielgebiet eindringen zu können und notfalls mit Gewalt ein Ziel, sei es nun einen Gegenstand oder eine Geisel zu sichern. Sie macht sich sofort an die Arbeit und präsentiert mir eine Liste von Leuten, die zu 90% aus ehemaligen Eisenwölfen besteht. Das ist mir doch etwas zu arg und ich setze fest, dass diese Truppe aus mindestens 50% aus Männern der bewaffneten Einheiten der "Audacia" bestehen sollte. Damit wäre das Problem geklärt.

Danach beschäftige ich mich, während die Reparaturen weiter auf Hochtouren laufen und auch die Ausschlachtung des Wracks der Piratenfregatte "Falkenklaue" beginnt, welche an der Frontpanzerung der "Audacia" zerschellt ist, mit der zukünftigen Ausrichtung der "Audacia". Meisterin Puppila schlägt vor, ein Landedeck zu installieren. Damit wäre die "Audacia" flexibler mir ihren Möglichkeiten. Das geht genau in meine Richtung. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass dafür eine der Makrobatterien für das Landedeck geopfert werden muss. Das verursacht mir Bauchschmerzen, weil dann mein Schiff asymmetrisch wird. Und komplett zu einem Träger will ich es auch nicht umbauen. Schnelle Einsatztruppe schön und gut, aber deswegen braucht diese nicht gleich ein komplettes Flugdeck mit Bereitschaftsräumen. Ganz abgesehen davon, dass ganze Staffeln von Guncuttern, Jägern und Bombern immense Kosten verursachen. Auch hier ist mal wieder die Kosten-Nutzenrelation nicht wirklich gegeben. Mein Onkel hat auf solche Sachen nie wirklich geachtet, deswegen ist er nun tot und ich Herr der "Audacia". Deswegen bin ich sehr sparsam und achte auf den Thron und Schekel. Wer den Schekel nicht ehrt, ist des Thrones nicht wert.

Dann stellt sich noch die Frage, was wir mit der Information über Silla Maratis drei Transporter mit Bruderschaftssöldner machen. Mir juckt es in den Fingern, dieser kleinen fiesen Xenosschickse sehr viel Salz in ihre Suppe zu schütten. Aber meine Berater sind dagegen, da uns dies nur weiter in einen Konflikt zieht, der keinerlei Profit abwirft. Ganz abgesehen davon, dass Alophus Leyfield I von Sephrem ein wahnsinniger psychotischer Diktator ist, der eine ganze Welt aus persönlichem Ehrgeiz in den Abgrund geführt hat. Also überlasse ich nach sorgfältigem Abwägen der Vor und Nachteile dieses Scheusal seinem Schicksal. Möge der Gottimperator über ihn richten.

Auch die Verhöre und Auswahlverfahren mit den gefangenen Piraten laufen gut. Schließlich ist das Wrack soweit ausgeschlachtet, dass alles Wertvolle geborgen ist und die weitere Mühe sich nicht lohnt. Die technischen Komponenten lagere ich auf der Oberfläche von Karmesin Trost zwischen, weil ich die Lagerkapazität für die Beute von der Todeswelt brauche, die ich auszubeuten gedenke. Deswegen sind wir ja in diese Richtung aufgebrochen. Das Auswahlverfahren endet und ich verkaufe die Ungeeigneten in die Sklaverei nach Karmesin Prime, während ich dem Rest eine Chance gebe, an Bord der "Audacia" ihr Glück zu finden. Meisterin Puppila würde eine Aussetzung bevorzugen, aber mit Milde erreicht man in der Weite überhaupt nichts.

Bevor wir zur Todeswelt aufbrechen, werbe ich zwei Exploratorenteams an, zwei der Systeme in Winterscales Reich, deren Position ich erworben habe, näher zu untersuchen. Ich hoffe mal, das eingesetzte Vermögen steht zur Relation des Gewinnes. In meiner Situation habe ich nur wenig Spielraum für Fehlschläge.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 24. Dezember 2012, 13:05:35
Allen meinen treuen Lesern eine frohe Weihnacht und besinnliche Feiertage.

Position:
System Karo
Planet Ass
Zeit: 2 826 783.M41

Nach neun Tagen im Warp erreichen wir nach ereignislosem Transfer das System, dessen rote Sonne ich Karo benenne, welches die Todeswelt beherbergt. Die Todeswelt nenne ich Ass. Schließlich hat diese Karte mir den Sieg über den Herrn der Spiele gebracht. Zwei Schiffe erwarten mich schon. Ich habe einen Händler angeheuert, welcher die zukünftige Versorgung der Station übernehmen wird. Der wiederrum hat zu seinem Schutz einen Söldnerzerstörer angeheuert. Der Transporter heißt "Silberhand" und gehört dem Händler-Kapitän Pollak. In seinen Diensten steht ein Berufsjäger mit den Namen Blyte. Ich habe zwar schon Todesweltbestien gejagt, aber vom Lebendfang habe ich keine Ahnung. Deswegen brauche ich externe Experten, da auch sonst hier keine wirklich eine Ahnung von der Materie hat.

Ass ist großflächig von Wasser bedeckt. Es gibt eine große Landmasse am Nordpol, die unter einem riesigen Gletscher begraben ist. Die Oberfläche ist von Archipelen durchzogen, die mit einer starken Vegetation bedeckt sind. Städte oder Ruinen sind nicht zu sehen. Nichts was auf irgendeine Art von Besiedlung schließen würde. Mit meiner Entourage besteige ich einen der Guncutter. Ein Techpriester und eine Truppe aus zehn Mann begleiten uns. Ich begebe mich ins Cockpit, um den besten Blick auf die neue Welt zu haben. Meine erste in Besitz genommene Welt. Das hat schon etwas Ehrhabenes an sich. Dies wird die erste einer langen Reihe von Welten sein, die ich in Besitz nehmen werde. Ein stolzer Moment.

Wir dringen in die Atmosphäre ein. Die Luft hier ist stark belastet und wir haben deswegen Atemmasken und säureresistente Ponchos dabei. Darunter trage ich meine übliche Panzerung. Schließlich steuern wir eine stark bewaldete Insel am Äquator an. Blythe und seine Truppe stößt mit einem zweiten Kutter zu uns. Einen Landeplatz zu finden ist nicht leicht, da alles mit starker Vegetation bewachsen ist. Deswegen müssen wir zwei Landeplätze ansteuern. Mein Guncutter geht als erstes auf eine düstere Lichtung nieder. Nun kommt der große Moment. Das Beiboot setzt auf und die Rampe fährt zischend herunter. Als erster betrete ich den Boden von Ass. Braddock reicht mein Banner und ich ramme es in den fruchtbaren Boden meiner Welt. Das Ganze wird mit einem Vid aufgenommen und so für die Nachwelt dokumentiert.

"Im Namen des Hauses Conari, nehme ich Flavion Conari, Lord-Kapitän der "Audacia" diese Welt in meinen Besitz!" Damit gehört diese Welt nun mir! Was für ein anregendes Gefühl. Die Luft stinkt faulig, selbst durch die Atemmaske ist das zu riechen. Es ist heiß und schwül. Der Wald um uns herum ist voller Geräusche. Hier und da huscht ein kleineres Tier durch die Vegetation. Aber nichts greift uns an. Ich hoffe mal, dass es hier wirklich furchterregende Bestien gibt. Auch für harmlosere Bestien gibt es Verwertung, aber das wirkliche Geld ist nur in den Arenen zu holen und die Leute wollen was zu sehen bekommen. Ich lasse meine Leute den Perimeter sichern und übe mich in Geduld. Es dauert über eine Stunde, bis Blyte mit seiner Crew zu uns stößt. Blyte ist ein Mann meiner Statur und trägt ein schweres Maschinengewehr in Vorhalte, deren Patronengurt in seinem Rucksack endet. Wir stellen uns kurz vor und er erzählt mir, dass er bisher hauptsächlich Bestien in Makropolen gejagt hat. Wirkliche Wildniserfahrung scheint er eher weniger zu haben. Aber mit gefährlichen Raubtieren kennt er sich aus. Ich frage nicht danach, was ihn in die Weite verschlagen hat, da die Jagd auf Bestien in Makropolen sicherlich kein schlechtes Geschäft ist. Viele Menschen sind nicht freiwillig ist diesem Gottimperator verlassenen Bereich der Galaxis. Die meisten laufen vor irgendetwas davon und bei Blyte dürfte es nicht anders sein. Ich hoffe nur, dass diejenigen, die sauer auf ihn sind, nicht die Möglichkeit haben, ihn hier aufzustöbern.

Seine Leute gehen ausgefächert vor, ich folge mit meinem Gefolge im Rücken. Vorsichtshalber ziehe ich mein Schwert Rabenklaue und meine Plasmapistole Rabenschwinge. "Geist der Maschine, akzeptiere mein Geschenk und spei aus den Tod!", rezitiere ich und fahre Rabenschwinge hoch. Der willige Maschinengeist lässt erfreut die Kühlrippen erleuchten. Wir brauchen eine Zeitlang, bis die Kundschafter eine brauchbare Spur aufnehmen können. Wir folgen dieser hinab ins Tal. Der Boden ist uneben und jeder Schritt wird von einem widerlichen Schmatzen begleitet. Seit zwei Stunden sind wir nun auf Ass und noch wurden wir nicht von Bestien angegriffen. Irgendwie bin ich enttäuscht. Sebastian Winterscale hat in so einer Zeitspanne meist schon das erste Dutzend Habgroßer Todesweltbestien mit seinem elfenbeinernen Zahnstocher erledigt, die er bevorzugt in irgendwelche Augen oder Nervenknoten rammte.

Schließlich stöbern wir eine Gruppe aus vier "Stacksern" auf, wie wir die Xenosbestien bald nennen werden. Ein Stackser ist etwas über drei Meter hoch und geht auf vier stelzenartigen Beinen. Sein Torso ist eher kümmerlich klein. Vorne ragt ein Tentakel mit Fressöffnung heraus. Dieser Tentakel sieht ziemlich mickrig aus, trotzdem halten diese vier dünnen Tentakel, jeder dieser vier Viecher hat sich in die Beute verkrallt, die Überreste einer Kreatur mit etwa ein Meter langen Balg in der Luft. Mir ist es ein Rätsel, wie sie das Vieh erlegen konnten, da sie über keinerlei Krallen oder Zähne verfügen. Da bleibt nicht mehr viel übrig.

"Könnt ihr verdorbene Hexerei in der Luft spüren?", frage ich Lady Helmchen und Bruder Obskurus, die neben mir stehen. Lady Helmchen vermeint eine leichte Anomalie zu spüren, während der Astropath keine empathische Verbindung aufbauen kann. Wirklich gefährlich sehen die Dinger nicht aus, sondern eher seltsam. Etwas fürs Exotenkabinett von Zoos. Aber das ist nichts, was wirklich Profit abwerfen kann. Ein vernachlässigbares Zusatzgeschäft, mehr nicht. Thronverdammt! Ich habe mir da etwas mehr erhofft.

"Wir sollten zur Untersuchung ein paar von ihnen erlegen. Aus ihrem Körperbau und Anatomie lässt sich viel auf die Lebensformen dieser Welt schließen.", rät mir Blyte und da er ja der Experte ist, folge ich seinem Rat.

"Erledigt eines dieser Dinger!", befehle ich deswegen. Blyte und Ares Solun führen den Befehl umgehend aus, unter ihren Treffern geht eines zu Boden. Es zuckt noch. Die anderen drei fangen an laut zu kreischen. Im ersten Moment halte ich es für einen Schallangriff, aber ich kann keine unmittelbaren Auswirkungen feststellen. Normale Wesen würden einfach abhauen, wenn eines ihrer Herdenkollegen umgeschossen wird.

"Tötet sie alle!", befehle ich vorsichtshalber und strecke mit Rabenschwinge ein weiteres dieser Wesen nieder. Auch die anderen fallen unter dem massiven Beschuss unserer Waffen. Viel aushalten tun die nicht. Aus der Ferne sind nun überall ebenfalls diese Kreischlaute zu hören. Das mag mir nicht zu gefallen. War das ein Hilferuf gewesen?
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 26. Dezember 2012, 12:14:18
Position:
System Karo
Planet Ass
Insel Besitznahme
Zeit: 2 827 783.M41

Da ich das nicht unbedingt herausfinden will, lasse ich auf die Kadaver der Stackser vorrücken.
"Hier Lord-Kapitän Conari, peilen Sie unsere Position an und bereiten Sie alles für eine Evakuierung vor!", befehle ich den Piloten des Guncutters. Wir erreichen die niedergestreckten Stackser und nehmen Verteidigungsposition ein. Jerad Blyte und ich untersuchen die toten Dinger. Ihre Struktur scheint eher insektoid zu sein. Der Oberkörper ist massiv gepanzert. Irgendwie erinnern die Stackser an viel zu große Stechmücken ohne Flügel. Das Gekreische kommt schnell näher und schon sind die ersten Bewegungen im Unterholz zu erahnen. Da rauscht der Guncutter über uns, nachdem Lady Helmchen ihn eingewiesen hat. Seile werden herunter geworfen und wir befestigen einen der Kadaver, während die Navigatorin als erste an einem der Seile sich hochzeihen lässt. Blyte eröffnet das Feuer und seine Leute tun es ihm gleich. Wirklich auf Distanz zu halten scheint es die Stackser nicht, die unbeirrt über die Leichen ihrer Kameraden weiter auf uns vorrücken. Zum Glück gelingt es uns alle an Bord des Beibootes zu schaffen, bevor wir überrannt werden. Wir lassen Dutzende von Kadavern zurück, während wir an Höhe gewinnen. Unten ist nun zu sehen, wie sich ein bläulicher Nebel bildet und aufsteigt.

"Sofort höher gehen!", befehle ich und wir gewinnen schnell an Höhe. Wir können beobachten, wie die umstehenden, vom Nebel berührten Bäume absterben und manche brechen einfach krachend in sich zusammen.
"Ich kann nun eine obskure massive psionische Präsenz dort unten spüren.", erklärt Bruder Obskurus das offensichtliche und Yuri pflichtet ihm bei. Damit eignen die Stackser sich nicht einmal mehr für einen Zoo. Thronverdammt!

Wir fliegen zum Beiboot der Jäger, welche dann den gesicherten Kadaver an Bord der "Silberhand" bringen, da sie dort entsprechende Möglichkeiten haben, den Balg des Dinges nach allen Regeln der Kunst zu sezieren. Mich juckt es in den Fingern, noch nach weiteren Bestien zu suchen, leider wird es auf dieser Welt schon wieder dunkel. Nicht das es mich abhalten würde, aber der Rest von meiner Crew hat irgendwie das Fracksausen bekommen. Nun ja, dann eben Morgen, Ass läuft uns ja nicht weg. Auch ist es Zeit, sich mit Kapitän Pollak zu treffen und weitere Schritte abzuklären. Ich kehre zuerst auf die "Audacia" zurück, um mich frisch zu machen und umzuziehen.

Der Transfer zur "Silberhand" verläuft ohne Probleme und Zwischenfälle. Die "Silberhand" ist ein betagter Transporter, sauber, aber hat eben ihre besten Tage schon lange hinter sich. Auch Raumschiffe werden nach Jahrtausenden treuen Dienstes irgendwann betagt. Außerdem ist Pollak auch nicht mehr der Jüngste. Ein erfahrener Kapitän, der sich mit Arbeit als Lieferant für solche entlegenen Posten seine Throne verdient. Auch seine Führungscrew besteht aus überwiegend älteren Männern. Wir dinieren gemeinsam zu Abend und schauen uns dann die Ergebnisse der Gelehrten an. Im Endergebnis sagen sie mir nichts Neues. Nichts an den Stacksern lässt sich wirklich zu Geld machen. Weder tot noch lebendig sind sie momentan irgendetwas wert. Nur ihre psionische Fähigkeit ist etwas Besonderes. Für manche Forscher wäre so etwas vielleicht interessant. Aber bevor wir Pläne machen, sollten wir vielleicht erst mal sehen, ob es nicht noch eine interessantere Lebensform auf Ass gibt.

Am nächsten Tag schicke ich mehrere Expeditionen in verschiedene Regionen auf Ass. Unter der Polkappe gibt es tatsächlich mineralische Vorkommen, aber in so geringem Maß, dass sich ein Abbau unter diesen extremen Umständen wiederrum nicht wirklich rechnet. Die Stackser sind in den niederen Regionen der Welt die vorherrschende Lebensform. Sie leben in Schwärmen und jagen "Knochenkammwildschweine", so nennen wir die Dinger, die ihre bevorzugte Jagdbeute sind. Sie treiben sie in die Enge und töten sie mit ihrem blauen Nebel. Je mehr von ihnen zusammen kommen, desto effektiver wird dieses obskure psionische Phänomen. Die Stackser leben in unterirdischen Baussystemen, trotz ihrer langen Beine. Die Stackser können nicht schwimmen, aber das Wasser der Archipele der Äquatorregion ist sehr niedrig und sie können mit ihren langen Beinen das seichte Wasser durchqueren. Allerdings gibt es auch Inseln, wo keine von den Stacksern leben, wahrscheinlich weil das Wasser darum zu tief für sie ist.

Mein Jagdteam gelingt es in einer der höheren Regionen die Spuren eines großen Tieres zu finden. Wir folgen den Spuren durch die hier etwas weniger üppige Vegetation. Das Gelände ist hier oben stärker durch den sauren Regen erodiert. Für Besiedlung ist diese Welt also auch nicht wirklich geeignet. Schließlich erreichen wir eine Höhle, vor der ein Berg verschiedener unverdaulicher Überreste von Knochenkammwildschweinen und Stackser liegen. Ich hoffe mal, dass hier eine richtige Bestie haust. Kaum habe ich das gedacht, ist auch schon ein Grollen aus den Tiefen der Höhle zu hören, die mein Herz frohlocken lässt. Das hört sich schon mal gut an.

"Servoschädel 1! Licht an!" Mein Servoschädel aktiviert seinen Lampe und ein gleißender Strahl durchschneidet die Dunkelheit. Daraus schält es eine gewaltige aufrecht gehende Gestalt von etwa drei Metern Höhe. Das ist genau die richtige Größe für einen Arenakampf mit einem menschlichen Gladiator. Scheint so, als wäre hier doch noch etwas Brauchbares zu holen. Das Wesen kommt aggressiv aus seiner Höhle heraus und brüllt seinen Zorn über die Störung heraus. Es ist von einem zottligen Fell bedeckt und auf seinem Kopf ragt ein großes Horn heraus.

"Ein Rhinobär!", tauft Lady Helmchen treffend die Bestie. Leider verfügt er eher über stumpfe Zähne, mit dem er wohl die schwer verdaulichen Teile seiner Opfer zermalmt. Seine Pranken laufen wenigstens in großen Krallen auf. Wieder brauchen wir erst einmal ein totes Exemplar.

"Tötet das Xenos!", befehle ich und Solun Ares eröffnet mit einer Salve das Feuer. Einer der Strahlen verwundet es schwer, aber der Rhinobär zeigt Qualität, da er trotz allem zum Sturmangriff auf uns ansetzt statt sich zu verkriechen. Ein gutes Zeichen! "Geist der Maschine, speie aus den Tod!", skandiere ich und feuer meine Plasmapistole mit normaler Energie ab. Beide Geschosse treffen, da das Ding verdammt groß ist. Leider begünstigt dieser Umstand die anderen Schützen nicht so. Blyte hat gerade jetzt mit einer Ladehemmung zu kämpfen und seine Leute scheinen eher Deckungsfeuer zu geben. Thronverdammt!

Solun Ares erwägt einen taktischen Rückzug, während es an mir liegt, das heranstürmende Ding zu stoppen. Ruhig bleibe ich stehen, richte Rabenschwinge aus und zwinge den Maschinengeist zu einer Überladung. Die Waffe speit tatsächlich den Tod in Form von zwei sonnenheißen Plasmabällen aus, welche sich durch den Balg der angreifenden Todesweltbestie brennen. Genau genommen ist das hier keine wirkliche Todeswelt, aber so etwas hört sich besser an und erzielt einen höheren Preis. Die Bestie kommt ins Stolpern und fällt hin. Der Koloss rutscht auf mich zu und kommt genau vor meinen Füßen zum Stehen.

"Wie zuvorkommend!", meine ich mit einem breiten Grinsen und gebe ihm mit Rabenklaue sicherheitshalber noch den Gnadenstoß. "Sichert den Kadaver!", befehle ich Blyte und seinen Jungs, während ich mit meiner Entourage auf die Höhle vorrücke. Die stinkt bestialisch, was ja auch wenig verwunderlich ist. In der Tiefe der Höhle finden wir das Nest mit vier Jungen, die uns überaus aggressiv anfauchen. Na also, vier kleine Bestien wären das mal. Blyte fängt sie ein und wir evakuieren. Diese Rhinobären eignen sich perfekt für die Arena, wenn sie erst mal ausgewachsen sind. Sie sind schwer zu töten, aggressiv und verfügen über ein nur halbwegs tödliches Arsenal an Waffen. Tödlich genug, um einen Kampf mit ihnen interessant zu machen, aber doch für den Besitzer des Gladiators ein abschätzbares Risiko, um auch mal einen Star der Arena in einem Bestienkampf zu riskieren.

Die nächsten Tage verbringen wir damit, auf einer Insel am Äquator, auf der keine Stackser leben, die Basisstation aufzubauen. Eine Bergspitze wird eingeebnet und so wird Platz für eine Landeplattform geschaffen. Im umliegenden Gelände werden Habs, Käfighallen und Lager aufgebaut. Auch ein Bunkersystem wird angefangen und die Fundamente für eine Forschungsstation werden gelegt. Da die Stackser psionisch aktiv sind und solche Wesen eher selten sind, ist das doch noch vielleicht ein gewinnbringendes Geschäft, diese Kreaturen erforschen zu lassen. Bruder Obskurus ist zwar dagegen, da er lieber eine Ausrottung dieser Hexendinger favorisiert als ihre Erforschung. Aber ihre Vernichtung bringt keinen Profit und darum geht es hier schließlich.

Wir bekommen Nachricht von den Prospektoren, die ich nach B/233 BVI geschickt habe. Die hohe Strahlung des Pulsarsterns verhindert die Untersuchung der drei inneren Planeten, allerdings ist um den vierten Planeten ein Satellit gefunden wurden, den man ausschlachten könnte. Das liegt direkt auf dem Rückweg. Alles Weitere überlasse ich auf Ass Händlerkapitän Pollak und ich breche mit der "Audacia" auf.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 28. Dezember 2012, 12:27:45
Position:
System B/233 BVI
"Audacia"
Zeit: 2 850 783.M41

Tatsächlich ist die Strahlung von B/233 immens und selbst die Schilde eines leichten Kreuzers schützen uns nur unzureichend. Wir fliegen deshalb Planet IV in dessen Sonnenschatten an, um der harten Strahlung wenigstens etwas auszuweichen. Unsere Sensoren erfassen den Satelliten, aber es stellt sich schnell heraus, dass er ein Relikt der Thule-Expedition ist. Die Techpriester an Bord der "Audacia" gehören dieser Splittersekte an und es wäre deswegen nicht ratsam, etwas gegen ihre religiöse Überzeugung zu tun. Also bestelle ich den obersten Maschinenseher und Techpriester der "Audacia" Kyle Ademis ein, um etwas vorzufühlen. Wie üblich dauert es seine Zeit, bis sich seine Eminenz bequemt, vor meinem Kommandothron zu erscheinen. Ich schildere ihm die Problematik und frage ihn dann, ob er was dagegen hätte, wenn wir den Satelliten bergen und seine Bestandteile einem neuen Zweck zuführen.

"Wenn Ihr erlaubt, Lord-Kapitän Conari, würde ich gerne mit dem Satelliten kommunizieren, bevor ich eine Aussage dazu treffe."
"Das sei Euch gestattet, Maschinenseher Ademis.", erlaube ich ihm das. Er entfernt sich und meidet dabei die offizielle Funkstation. Kurz darauf wird über einen sekundären Sender eine Botschaft in der binären Sprache des Maschinencodes gesendet. Nur Nanosekunden später wird ein größeres Datenpaket vom Satelliten auf die "Audacia" übertragen. Wo immer auch das Datenpaket landet, ich habe über meinen Thron keinen Zugriff darauf. Solche Ereignisse erinnern mich immer wieder daran, dass selbst ich nicht die volle Zugangsbefugnis auf alle Teile des Schiffes habe. Die "Audacia" war einst selbst ein Teil der Thule Mission, auch wenn wohl nie Bestandteil der eigentlichen, inzwischen verschollenen Flotte. Manchmal frage ich mich, was wohl dem letzten Kapitän-Explorator Zathor Rak widerfahren sein mag. Eigentlich bräuchte ich ihn nur aufzutauen und zu fragen. Aber manche Geister der Vergangenheit lässt man lieber ruhen. Hat er vielleicht etwas gefunden, was nie hätte gefunden werden sollen? Hat er irgendeine Art von Techhäresie begangen? Hat er versucht, Falschmenschen zu bauen? Oder einen ultimativen frei denkenden Maschinengeist? Oder hat er die absurde und äußerst häretische These verbreitete, dass es am Umschalten eines Schalters nichts Heiliges gibt? Müßig darüber nachzudenken, da mir die Feinheiten des Mechanicuskultes vollständig fremd sind. Laut Aussage der wenigen überlebenden Stryxis, welche das Schiff gefunden hatten, wurde die "Audacia" in einem Trümmerfeld im Bereich der Heidensterne aufgefunden. Aber wer weiß schon, ob das die Wahrheit ist, da Xenos prinzipiell lügen und ich nicht weiß, wie gut die Verhöroffiziere gewesen waren, welche diese Informationen aus diesem hinterhältigen Xenos extrahiert haben. Die ursprüngliche Besatzung ist verschwunden, bis auf Zathor Rak, der im geheimen Raum meines Onkels lagert. Ich werde von Maschinenseher Kyle Ademis aus meinen Gedanken gerissen.

"Es ist bestätigt, dass die Sonde noch ihren Dienst tut und ihre Mission nicht abgeschlossen ist. Deswegen rate ich von einer Entfernung aus dem Orbit dieser Welt ab.", erklärt mir der Maschinenseher mit seiner synthetischen Stimme. Es macht ihm offensichtlich Mühe, sich ohne Maschinencode analog mit mir zu unterhalten.

"Und was ist das für eine Mission?", platzt Bruder Obskurus ungefragt dazwischen. Sieht dieser Narr nicht, dass er Maschinenseher das offenbart hätte, wenn er hätte wollen? Da er wage bleibt, heißt, dass er sich nicht offenbaren möchte. Ich habe genug Taktgefühl, um dies zu begreifen. Astropath Obskurus dagegen nicht. Er ignoriert auch geflissentlich meinen verweisenden Blick.
"Das ist Sache der Thule Expedition.", erklärt Ademis nach einer unangenehmen Pause. Bevor der Astropath sich noch mehr Frechheiten herausnimmt, schneide ich ihn umgehend das Wort ab.
"Gut, dann lassen wir diese Sonde ungestört ihre heilige Mission zu Ende führen.", beende ich das Thema. Ein kleiner temporärer Gewinn steht in keinem Verhältnis zu dem Ärger, den mir unwillige Maschinengeister bereiten können, die nicht mehr ausreichend von den Maschinensehern motiviert werden.

"Wieder einmal stellt Ihr Eure Weisheit unter Beweis, Lord-Kapitän Conari!" Ich schätze mal, das war ein Lob. "Die Sonde hat uns Daten über mehrere Wracksegmente im Asteroidengürtel übermittelt. Das wäre vielleicht ein lohnendes Ziel.", führt der Maschinenseher weiter fort. Das höre ich doch gerne. Umgehend nimmt die "Audacia" Kurs auf den Gürtel, während eine Expedition zur Oberfläche aufbricht, um nach Bodenschätzen zu suchen. Wir finden mehrere total zerstörte Wracks. Durch die Asteroidentrümmer sind die Wracks zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen und zerbrochen. Da hier und da die Leichen von Menschen gefunden werden, war dies wohl ein Konflikt zwischen zwei menschlichen Fraktionen. Da sich keine verbotenen Götzensymbole finden lassen, geht die allgemeine Theorie von einer Freihändlerfregatte gegen wahrscheinlich zwei Piratenzerstörer aus. Die Schlacht fand schon vor Jahrhunderten statt und deswegen wird auch nicht akribisch nach Hinweisen über den Besitzer der Fregatte gesucht. Wer immer hier gestorben ist, dessen Angehörige sind es längst auch und es wäre nur eine Randnotiz in der Familienchronik wert. Ich hoffe nur, dass ich nicht eines Tages auch so eine unwesentliche Randnotiz bin.

Zwei Wochen bleiben wir in dem System, die letzten Reparaturen im Innern werden ausgeführt und wir füllen die Lagerräume mit hochwertigen Ferro, Adamantium und Verbundwerkstoffen. Hier und da finden sich noch brauchbare Elemente, die meist umgehend verbaut werden. Da so langsam die Strahlung der "Audacia" zusetzt, sehe ich keinen Grund hier länger zu verbleiben. Die Bodenexpedition hat ein paar Bodenschätze aufgetan, aber deren Abbau ist aufgrund der Strahlung nicht so einfach. Wer immer hier angesiedelt wird, dessen Nachkommen sind zu einem Leben als Mutanten verdammt. Deswegen ignoriere ich die Ergebnisse und wir nehmen wieder Kurs auf Karmesin-Trost, um dort den Schrott zu verkaufen und die Techwaren an Bord zu nehmen.

Nach einem weiteren ereignislosen Transfer ohne jedwelchen Warpeinbruch erreichen wir die Vergnügungswelt. Ich habe großes Glück einen Händler zu finden, der unbedingt vorbehandelte Metalle braucht. Wir kommen ins Geschäft und ich mache genug Gewinn, um die Kosten für die Daten und Explaratoren rechtfertigen zu können. Nun bekomme ich auch Nachricht von der zweiten Expedition. Die Planeten befinden sich leider nicht in Lebensbereich, aber der dritte Planet ist ein Gasriese mit abbaubaren Edelgasen. Das hört sich gut an. Aber zuerst steht ein Ausflug nach Gryphus VII an, welcher auf einer warpsturmgeplagten Route liegt. Dort werden dringend Techwaren benötigt, von denen ich einige an Bord nehmen kann. Ich gebe auch eine Förderstation für Edelgas in Auftrag, um den Gasplaneten von A/011 G VII ausbeuten zu können.

Gespielt am 04.08.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 2
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 2
Yuri aka Lady Helmchen Navigator Rang 1
Ares Magister Militaris Rang 1
EP: 350
Besiegte Gegner:
Ein paar Stackser
1 Rhinobär
Beute: ausgeschlachtete Wracks

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 04. Januar 2013, 11:01:32
Persona Dramatis
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Kapitel 11
Hexen!

Position:
System Karmesin-Trost
"Audacia"
Zeit: 2 905 783.M41

Von Karmesin-Trost aus geht es wieder weiter nach Gryphos VII, eine von Warpstürmen abgeschnittene Minenwelt. Die Navigatoren berechnen eine Route und wir brechen in den Warpraum hinein. Nur wenige Freihändler nehmen die Strapazen auf sich, durch eine so unruhige Region zu fliegen wie jetzt gerade die "Audacia". Die Überfahrt wird sehr schnell recht holprig. Ab dem dritten Tag im Transfer greift langsam aber sicher eine Hysterie um sich. Zuerst sind es nur vereinzelte Berichte von Besatzungsmitgliedern die behaupten, imaginäre Stimmen zu hören. Aber es werden immer mehr. Durch die hier herrschende Fluktuation im Warpraum ist das Gellerfeld bis zum Zerreisen belastet. Finstere Gerüchte machen sich breit, dass die gesamte Führungscrew von Xenos ersetzt wurde. Oder von Dämonen! Am fünften Tag eskaliert die Situation in einem der Bereiche des Maschinenraumes. Mit meiner Entourage eile zum Ort des Geschehens und kann anschließend nur noch Leichen zählen und dafür sorgen, dass die Verwundeten medizinisch betreut werden. Dies waren keine Unabs, sondern reguläre Raumfahrer, die dort Amok gelaufen sind. So langsam wird mir klar, warum niemand diese Route fliegen will. Thronverdammt! Da habe ich die real existierende Gefahr aber gehörig unterschätzt.

Die auf der Klause aufgenommenen Priestern vom Licht der Erlösung machen sich nützlich, intonieren Gebete und schwenken ihre Weihrauchbehälter. Rikas Leute sind im Dauereinsatz. Hier und da gelingt es ihnen die Gemüter zu beruhigen, aber die Stimmung verschlechtert sich zusehends. Am siebten Tag des Transfers gibt es eine weitere Eskalation, diesmal gibt es fünfundzwanzig tote Unabs und über fünfzig Schwerverletzte. Dank der guten medizinischen Einrichtungen der "Audacia" sind es nicht noch mehr Tote. Meine Gegenmaßnahmen in Form von großen Gottesdiensten, über Intercom übertragenen Predigten und der ständigen Präsenz der Kleriker sind wie eine Sandsackbarriere gegen einen Tsunami.

In den nächsten beiden Tagen häufen sich Leichenfunde. Hier und da scheint jemand eine alte Rechnung beglichen zu haben, andere Leichen sind furchtbar verstümmelt. Gerüchte von Schlächterdämonen machen die Runde. Das meiste ist hysterisches Geschwätz, weil jemand einen Schatten gesehen hat. Aber hier und da scheint es zu realen Sichtungen gekommen zu sein. Wobei es schwer ist, Wahrheit und Einbildung zu trennen. Wahrnehmung und subjektive Wahrheit sind sehr eng miteinander verknüpft. Ich führe einen schwer bewaffneten Jagdtrupp an, der die "Audacia" durchkämmt. Wieder mal bekomme ich vor Augen geführt, wie gigantisch selbst ein leichter Kreuzer in seinen Ausmaßen ist. Ich lerne Bereiche kennen, von denen ich vorher noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Aber einen Dämon oder Warpraubtier bekommen wir nicht zu Gesicht. Aber wenigstens zeige ich so Präsenz und führe der Besatzung vor, dass ich mir nicht zu schade bin, die Jagd höchstpersönlich anzuführen. Am elften Tag wird keine Leiche mehr gefunden und das Gerücht macht die Runde, dass der Dämon sein Ende durch meine Hände gefunden hätte. Dieses Gerücht dementiere ich nicht, auch wenn es nicht der Wahrheit entspricht, da es zu keinerlei Kontakt gekommen ist.

Dafür eskaliert der schon lange schwelende Streit zwischen den Versorgungs- und den militärischen Offizieren der "Audacia". Beides sind in sich geschlossene Hierarchien. Die militärischen Offiziere haben ein Standesdünkel und nehmen ihre Kollegen von der Versorgung nicht als volle Offiziere wahr. Die Versorgungsoffiziere dagegen meinen, dass die militärischen Offiziere nichts weiter als Schläger in Uniform sind, die ohne ihre Versorgung bald auf dem Trocknen liegen würden. Das sind Probleme, die ich bisher noch nicht lösen konnte. Von Hellstett und Kyrr streiten sich jedenfalls lautstark auf der Brücke und ich habe alle Hände voll zu tun, diesen Streit so weit zu schlichten, dass sich die beiden halbwegs wieder beruhigen. Auf keinen von Ihnen kann ich verzichten und es ist, schwierig einen Konsens besonders in dieser Situation zu finden, der alle Seiten zufrieden stellt. Dies sind die Aspekte an meiner Arbeit, die ich am meisten hasse. Ich komme mir vor wie ein Zuchtmeister in der Schola, nur dass ich die Probleme nicht mit dem Rohrstock oder dem Paddel aus der Welt schaffen kann.

Eine weitere Eskalation gibt es durch ein nichtgenehmigtes Duell, wobei ein Unteroffizier der Versorgungseinheit ums Leben kommt. Ich komme leider zu spät, um seinen Tod zu verhindern. Sein Mörder ist der oberste Wachtmeister Kolvin Loredus, ein hervorragender Fechter und Oberst der Wachthauptmänner. Die eine Hälfte der Zuschauer jubelt ihm zu, die andere verdammt ihn. So ein Mist! Thronverdammt! Egal was ich mache, ich gieße Öl ins Feuer. Das ist eine total verfahrene Situation. Duelle müssen von mir genehmigt werden. Also spreche ich einen Verweis gegenüber den Wachtmeister Loredus aus, was in dieser Situation wohl das Beste ist, wenn auch natürlich noch nicht das letzte Wort. Die Fraktion der Versorgungsoffiziere ist natürlich aufgebracht über den Tod des Unteroffiziers und verlangt nach Rache. Keiner hat aber den Schneid, selbst Loredus zu fordern. Also bleibt es an mir hängen, einen faulen Kompromiss zu finden, was in dieser Situation nicht möglich ist. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 07. Januar 2013, 09:48:14
Position:
Transfer nach Gryphos VII
"Audacia"
Zeit: 6 940 783.M41

Am nächsten Tag rufe ich zu einer Konferenz zusammen, um die angespannte Lage zwischen Wach- und Versorgungsoffizieren zu entspannen. Dabei brüskiert mich von Hellstett, indem weder er, noch irgendein anderer aus dieser Richtung es nötig findet, zu erscheinen. Dieser verdammte Warpsturm raubt mir den letzten Nerv! Sogar meine Konkubinen fangen an, untereinander wegen eingebildeten Kleinigkeiten herumzuzanken, als ob sie kleine Mädchen wären. Thronverdammt!

So wie es aussieht, geht das Gerücht um, dass ich die Versorgungsoffiziere ihres Postens entheben will, deswegen haben die sich irgendwo an Bord versteckt und hoffen auf das Ende des Sturms. Nun gut, sollen sie bleiben, wo die Ersatzteile vor sich hin vegetieren. Zum Glück verlassen wir nach zwei Tagen endlich den Warpraum und haben den Rand des Gryphos System erreicht. Wir müssen zwar nun einige Tage länger durch die Leere gondeln. Aber lieber eine Woche im Leerraum dahin schleichen, als noch einen halben Tag diese angespannte Situation ertragen zu müssen. Das Klima an Bord verbessert sich schlagartig und mir gelingt es, einige Brüche wieder zu kitten. Allerdinges wird es notwendig sein, dass Verhältnis zwischen diesen beiden Fraktionen auf lange Sicht zu normalisieren. Es kann nicht sein, dass sich zwei verfeindete Fraktionen sich auf meinem Schiff bilden. Ein Schiff, eine Mannschaft, ein Lordkapitän!

Schließlich erreichen wir endlich den sturmumtosten Planeten mit dem Namen Gryphos VII. In der Atmosphäre tobt ein gigantischer Gewittersturm. Am Äquator befindet sich die primäre Hauptmine, welche ein Leitsignal sendet. Mit meiner üblichen Entourage begebe ich mich an Bord eines der Guncutter und lasse mich von Meisterin Puppila auf die Oberfläche kutschieren. Der Flug wird nach dem Eintritt in die Atmosphäre ziemlich holperig. Starke Winde zerren an dem Guncutter und beim Durchqueren der Wolken prasseln Blitze auf uns ein. Plötzlich wird die Frontscheibe von einem gigantischen fliegenden blauen Wal ausgefüllt. Nicht einmal Meisterin Puppila kann eine Kollision  mit diesem riesigen Wesen vollständig verhindern. Es gibt ein ziemliches Knirschen, als die Schnauze des Guncutters über der rauen Haut des Wals schrammt. Thron!

Der Kutter gerät ins Trudeln und wir stürzen einen Moment ab, bis Althea den Kurs wieder stabilisieren kann. Was war das denn für ein Wesen gewesen? Das Ding ist über fünfzig Meter lang, vielleicht sogar noch länger. Blitze schlagen in unregelmäßigen Abständen in es ein. Wahrscheinlich ernährt es sich von Elektrizität. Neugierig umfliegen wir mehrmals den Wal und betrachten ihn von allen Seiten. Aber da er sich in keinster Weise direkt verwerten lässt, erlahmt mein Interesse an diesem Wesen recht schnell wieder. Schließlich kommt die Minenstadt in Sichtweite. Gewaltige Schlote der Gießereien speien schmutzigen Rauch in die Atmosphäre. Hermetisch abgeschottete Habs krallen sich im ewigen Sturm an die schmutzig schwarze Oberfläche. Gigantische Abraumhalden haben eine bizarre Dünenlandschaft um die Industriesiedlung gebildet. Auf einer Landeplattform landen wir und lassen uns über einen Fahrstuhl in einen Hangar befördern. Eine kleine Abordnung der Minengesellschaft erwartet uns schon. Kornwald heißt der offizielle Vertreter und ist überaus erfreut uns zu sehen. Nur wenige Freihändler wagen diese anspruchsvolle Passage und inzwischen weiß ich auch warum. Wir bekommen unsere Tech zum Höchstpreis an den Mann und im Gegenzug kaufe ich spottbillig eine Ladung vorgefertigter Normalien ein. Die Minen sind sehr ergiebig und normalerweise würde der Planet vor Aktivität brummen. Durch die unbeständige Warproute trauen sich aber nur sehr mutige oder sehr verzweifelte Freihändler diesen Planeten anzufliegen. Der Gewinn ist sicherlich sehr erheblich, aber mit sehr viel Ärger verbunden. Solange die Moral und die Mannschaft noch so ungefestigt sind, werde ich diese Route wohl nicht mehr freiwillig ansteuern.

Die ersten Landungsschiffe kommen herunter und laden ihre Ladung aus und transportieren die Normalien zurück. Dieser Prozess wird eine Zeitlang dauern. Kornwald lässt es sich nicht nehmen, mir etwas die Anlage zu zeigen. Ich sehe durchaus die Möglichkeiten, aber der Transfer hat mich über fünfzig Männer gekostet, ein hoher Blutpreis für Profit. Klar, das ist eine Verlustquote von weniger als einer Promille, trotzdem werde ich wohl in Gegenmaßnahmen investieren müssen, um diese Route ein weiteres Mal ansteuern zu können. Die Gießereien sind gigantisch und durchaus eindrucksvoll. Es gibt gigantische Hallen voll mit Rohmaterial, um sie zu den ewig hungrigen Fabrikwelten zu schaffen, um daraus Schiffsreaktoren, Kampffahrzeuge und Panzerplatten zu fertigen. Die Wale in den Gewittern gelten den Arbeitern als heilig und tragen die Namen von bekannten und weniger bekannten Heiligen. Sie können die Dinger irgendwie voneinander unterscheiden. Interessanterweise fliegen diese Wale auf ihrem ellipsenförmigen Kurs immer wieder an der Station vorbei. Wie Kometen an einer zentralen Sonne.

Als letztes werde ich zu einem Schrein geschleppt, der sich in den Tiefen der Habs befindet. Der Schrein ist aus Metall gefertigt und die Verzierungen sind aus Stahlblöcken gefräst. Einige krude in Lumpen gekleidete Gestalten halten sich hier auf und wispern ihre Gebete. Vor dem stählernen Altarblock mit einem aufgeschraubten Aquila aus Messing betet eine alte Frau mit langen weißen Haaren und gelben Augen. Fasziniert schaut sie mich an. Mit einem langen Stab aus Adamantium mit seltsamen Verzierungen auf der Oberfläche schreitet sie mehrmals murmelnd um mich herum. Sie scheint hier eine Art Priesterin zu sein und mir gefällt ganz und gar nicht, wie sie mich ansieht. Die Frau riecht nach Ärger.

"Ein dunkler Fluch lastet auf Euch, Fremder von den Sternen. Jemand hat Euer Schicksal versiegelt! Dunkle Schatten drohen Euch! Jemand hat Euch verdammt und auf einen Weg in die Dunkelheit geschickt, der in Eure Verdammnis führt!", wispert mir die Frau zu. Na Prima! Irgendwie erinnert mich das an das Geschwätz der kleinen Eldarschickse. Die hat auch andauernd was von Schicksal geschwafelt. Entweder ziehe ich solche Spinner an oder an deren dunklen Worten ist doch was dran. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 09. Januar 2013, 11:26:32
Position:
Gryphos VII
Minenstadt
Schrein
Zeit: 6 956 783.M41

"Was meint Ihr, mit Schicksal versiegelt?", frage ich sie.
"Ihr habt einen Pakt geschlossen!", kreischt sie für meine Ohren viel zu laut.
"Das ist unmöglich!", erwidere ich, da ich dem Engel des Imperators widerstanden habe. Und die anderen Dämonen haben gar nicht erst mit mir geredet.
"Ich kann es sehen! Ihr habt Euer Schicksal versiegelt!"
"Was heißt das?"
"Ihr habt Eure Zukunft auf einen vorbestimmten Weg bringen lassen." So langsam dämmert mir, was diese Priesterin, oder besser gesagt Hexe, wohl meint. Lady Anagai hat mir wohl mehr als nur die Zukunft geweissagt. "Aber ich werde Euch helfen, den Pfad der Verdammnis zu verlassen und werde Euch nun begleiten!" Ohne auf eine Antwort zu warten, huscht sie in einen Nebenraum und kommt zu schnell wieder heraus, bevor ich mich verdrücken kann.
"Bruder Obskurus, könnt ihr eine psionische Aura bei der alten Frau spüren?", frage ich den Astropathen, der natürlich mal wieder nichts spürt. Warum überrascht mich das nicht? Thronverdammt! Selbst ich kann sehen, dass sie eine Hexe ist.

Die Hexe segnet noch die anwesenden Gläubigen, dann folgt sie mir mit festen Schritten. Die werde ich so schnell nicht mehr los werden, dünkt mir. Aber die meisten berühmten und berüchtigten Freihändler hatten ihre eigenen Hexen in ihrem Dienst. Psioniker sind ein sehr wertvolles Gut und hier jenseits des Lichtes des Imperators ist es fast unmöglich, sanktionierte Psioniker zu bekommen. Deswegen behelfen sich die meisten mit ungebundenen Psioniker. Das Risiko ist nicht zu unterschätzen, da diese ungeschützter gegen Attacken der Raubtiere des Warps sind. Aber da die Frau schon älter ist, scheint sie mir in der Lage zu sein, mit ihrer Gabe und den Konsequenzen fertig zu werden. Einen Namen hat die Frau nicht, da in Namen Macht liegt, wie sie mir erklärt. Je bekannter ein Name, desto mehr Macht liegt darin. Also nenne ich sie einfach Gryphonia, nach diesem einsamen Planeten.

Ich schaffe die Hexe zu meinem Chorleiter Lux, der natürlich umgehend darauf besteht, sie in eine Kryokammer einzusperren, wie die ganzen anderen Psioniker. Ist muss mir die alte Leier wieder anhören, wie gefährlich Psioniker sind. In meinen Augen dramatisiert er die Vorkommnisse, welche zu der allgemeinen Ächtung von Psionikern geführt hat. Wie auch immer. Trotzdem bin ich kein Narr und stelle die Hexe unter ständige Beobachtung, während sie über mein Schicksal meditiert. Soll sie mal meditieren, vielleicht kommt ja was Erhellendes dabei heraus.

Es dauert einige Tage, bis die Ladung gelöscht und die neue Ladung an Bord genommen wird. Es gibt keine weiteren Kollisionen mehr mit den Walen in den Wolken, da die Gefahr nun bekannt ist. In der Nacht besucht die Hexe Gryphonia mich in meinen Träumen. Sie taucht fast nackt darin auf, was ein äußerst ekliger Anblick bei ihrem dürren ausgemergelten alten Körper ist. Ihre gelben Augen sind weit aufgerissen und sie krabbelt jedes Mal auf mich drauf. Ich hasse das. Sie ist den Wegen des Schicksals in die Zukunft gefolgt und es gibt momentan nur zwei Wege. Der eine führt mich in die vollständige Verdammnis, welche die Vernichtung von Körper und Seele beinhaltet. Der andere führt nur in den Tod. Letztendlich werde ich sterben, so wie jeder andere Mensch auch. Allerdings ist dieser Tod nicht Altersschwäche, sondern in unmittelbarer Zukunft.

Diese Lady Anagai scheint mehr als nur eine profane Wahrsagerein gewesen zu sein. Was sie in dieser Sitzung getan hat, war mehr als nur meine Zukunft vorherzusagen, sie hat meine Zukunft quasi bestimmt. Und diese Zukunft wird mich meine Seele kosten. Thronverdammt! Ich hätte nicht übel Lust, zur Klause zurück zu fliegen und mir diese Frau vorzuknöpfen. Mal sehen, ob ehrlicher Stahl in ihr Herz nicht auch ihre finsteren Umtriebe beenden kann.

Drei Boten werden mein Untergang sein. Jeder dieser Boten hat aber auch Informationen über den Feind, der im Dunkeln lauert. Und dieser Feind ist wohl nicht Lady Anagai. Sie zu töten würde mir nur wenig helfen, mich aber durchaus befriedigen. Der erste Bote ist ein kleiner Mutant in der Uniform der Flotte. Er steht dem Feind nahe und hinter seinem Lächeln verbirgt sich die Finsternis. Nun gut, ich werde auf der Hut sein und wenn ich diesen kleinen Bastard treffen sollte, werde ich die Wahrheit aus ihm herausquetschen.

Der zweite Bote ist das Nest der schwarzen Vipern. Auch das ist mir schon bekannt. Ich soll mich vor ihnen hüten, da sie mir die Seele verschlingen könnten. In ihnen wohnt die Macht der Zerstörung. Mit solchen wagen Prophezeiungen kann ich ehrlich gesagt nichts anfangen. Thronverdammt!

Der dritte Bote sind blinde Männer, bringen die Kälte mit hinein. Sind damit meine Astropathen in den Kältekammern gemeint? Sie sind nicht fern. Narren, aber von sich überzeugt. Prima, dass hilft mir wirklich weiter!

Mein Weg führt nur zu einem Punkt, wo mein Widersacher auf ihn mich lauert. Wenn ich mehr wissen will, soll ich mich an die Männer im hohen Turm wenden. Damit sind die Navigatoren gemeint, die im höchsten Turm der "Audacia" residieren. Nun gut. Also suche ich am nächsten Tag die Navigatoren in ihrem Turm auf. Sie haben einen vom Rest des Schiffes hermetisch abgeschotteten Bereich. Tybald Cedd erwartet mich schon im großen, äußerst prächtig eingerichteten Empfangssaal des Turmes. Wertvolle, mit Elektrumfäden durchwirkte Seidenteppiche liegen auf dem Boden und hängen an den Wänden. Der Navigator liegt in seiner schwebenden Liege, welche von einem Seidenschleier verhüllt ist. Je älter ein Navigator wird, desto mehr schaut der Warp in ihn. Deswegen bin ich froh, ihn nicht wirklich sehen zu müssen. Weitere Familienmitglieder haben sich um ihn versammelt.

Ich erzähle von meinem kleinen Problem mit dem Schicksal. Die versammelten Navigatoren werden um Rat fragen und bitten mich, meine Augen geschlossen zu halten. Ich spüre, wie sie ihr drittes Auge öffnen und einen rituellen Gesang anstimmen. Nach kurzer Zeit fängt es an, furchtbar zu stinken und ich kann eine übernatürliche Präsenz selbst mit meinen weltlichen Sinnen wahrnehmen. Ich befürchte, meine Navigatoren haben gerade einen Dämon beschworen. Das Ding hat ein tiefe dröhnende Stimme und spricht mit einer Sprache, die wie das Knirschen von Kieseln im Mahlwerk klingt. Ich umklammere meinen schweren goldenen Aquila, der sich deutlich über Handwärme erhitzt. Wenn das mal gut geht, Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 11. Januar 2013, 11:21:40
Position:
Transfer nach Karmesin-Trost
"Audacia"
Empfangsraum der Navigatoren
Zeit: 6 972 783.M41

Die Navigatoren stellen Fragen und das Ding aus dem Warp antwortet ihnen. Nach etwa zwanzig Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkommen, ist der Spuk vorbei. Ich bin durchgeschwitzt und meine verkrampfte Hand schmerzt, als ich sie vom Aquila löse. Aber wenigstens gibt es ein paar Antworten. Der dunkle Fluch, der auf mir liegt, hat nichts mit der Vergangenheit meiner Familie zu tun, sondern habe ich mir selbst eingebrockt. Ein sehr starkes Medium hat damit zu tun, also diese verdammte Lady Anagai. Hätte ich doch nur die Einladung abgelehnt. Meine Neugierde und Abenteuerlust hat mich in diese Lage gebracht. Diese Lady Anagai hat mir definitiv nicht die Zukunft weißgesagt, sondern sie hat diese gewoben. Ob sie nun selbst ein Wesen des Warps ist, bleibt leider im Dunkeln. Thron!

Nun ja, wie wird man mit so etwas fertig? Die Eldar haben Wissen über solche Dinge. Und ich weiß, wo eine Eldar sich herum treibt. Sie wird nicht gerade gut auf mich zu sprechen sein, da ich einen Eiswürfel in ihren Ausschnitt geschnippt habe, aber Fragen kostet bekanntlich nichts. Ein weitere Möglichkeit wären die Stryxis, die sich offensichtlich ebenfalls mit Warpphänomenen gut auskennen. Ich denke mit Schaudern an meine letzte Begegnung mit ihnen und dieses seltsame Kristallförmige Warpcomgerät. Auf der Gefängniswelt Maleziel gibt es Paktierer, die mit der Materie ebenfalls vertraut sein könnten. Und zu guter Letzt gibt es an Bord der "Ignes et Amnestia" bestimmt auch das entsprechende Wissen. Klar, die letzteren werden gern mit mir reden und wenn ich mit ihnen fertig bin, gibt es nichts mehr zu reden. Tote reden nun mal nicht.

Alles in allem bin ich nur wenig schlauer als zuvor, habe mehr oder weniger nur die dunklen Prophezeiungen von der Hexe Gryphonia verifizieren können. Auf alle Fälle stecke ich in großen Schwierigkeiten und es wird wohl einiges an Mühe kosten, dieses finstere Schicksal zu entwirren. Thronverdammt!

Nach einigen Tagen ohne größere Zwischenfälle erreichen wir Karmesin-Trost. Die Ernteplattform für den Gasplaneten ist fertig. Ich fliege nach Karmesin-Prime, verkaufe dort die geladenen Normalien zu einem guten Pries und suche Lady Marati. Leider scheint sie sich nicht mehr in der Kuppel zu befinden. Ich suche Lord Havyland auf, der gerade beim Mittagessen ist. Da er der Kontaktmann der Bruderschaft ist, handle ich einen Schutzvertrag für meine erste Mine im Schellaksystem aus, die ich gerade ausbauen lasse. Von ihm erfahre ich, dass Lady Marati wieder an die Seite von Alophus Leyland I zurückgekehrt ist. Kurzerhand lade ich mich dort ein und fliege hin.

Leylands Hab ist zur Festung ausgebaut. Überall Söldner und schwer bewaffnete Männer. Da erwartet jemand massiven Ärger. Alophus scheint sich aufrichtig zu freuen, mich zu sehen. Er hängt wie eine Klette an mir und erst nach dem Essen kann ich mich loseisen, um mich mit der falschen Lady zu treffen. Sie ist durchaus irritiert, als ich sie um Rat bei meinem Problem frage. Wahrscheinlich ist Lady Anagai kein fleischliches Wesen und es hat vielleicht einen tieferen Grund, warum sie mich zu meinem Schicksal verdammt hat. Alles hängt miteinander zusammen und meine Vernichtung wird vielleicht irgendwo anders etwas Gutes bewirken. Nun gut, ich hätte es besser wissen müssen, dass hier nichts wirklich Erhellendes herauskommen kann. Xenos sind falsch und lügen, wenn sie das Maul aufmachen. Und wenn sie ausnahmsweise mal nicht lügen, reden sie in Rätseln. Nun denn, hat nichts gekostet, also nicht schlimm.

Bevor ich mich absetzen kann, gibt es eine äußerst unschöne Szene mit Alophus Leyland I, der mich regelrecht um meine Hilfe anfleht. So wie es aussieht, denkt er, dass die umliegenden Familien ihm den Krieg erklärt haben, weil sein Bruder sie manipuliert hat. Ob das nun nur in seiner Einbildung so ist, oder ob die Eldar konkret etwas unternommen haben, ist für mich nicht ganz ersichtlich. Ich will mich in diesen Konflikt mit zu vielen unbekannten Variablen nicht hineinziehen lassen. Beim letzten Mal habe ich mehrere tausend Besatzungsmitglieder verloren. Und einfach irgendwelche Habs voller Renegaten von der Landkarte mit Makrogeschützen zu pusten, ist auf dem ersten Blick sicherlich ein gottimperatorgefälliges Werk, aber ich habe keine Ahnung, wer davon Verwandtschaft in welcher Position hat. Wer weiß schon, wer hier ein Pirat oder Schlimmeres als Schwager hat. Kein Gelt ist diesen Ärger wert. Also lasse ich den schon beinahe vor Verzweiflung weinenden Alophus einfach stehen, nachdem er mein Nein in dieser Sache einfach nicht akzeptieren will. Fehlt eigentlich nur noch, dass er auf die Knie sinkt. Beinahe könnte man Mitleid mit ihm haben, aber dann denke ich an das zerstörte Sephrem, eine blühende Welt mit einer großen Bevölkerung, welche er durch seinen Ehrgeiz ermordet hat. Direkt und Indirekt.

Ich atme auf, als die "Audacia" Kurs auf A/011 G VII nimmt. Nach einem zum Glück ereignislosen Transfer erreichen wir das System mit den drei Planeten. Der äußerste ist der Gasplanet, der einen blauen Schweif hinter sich her zieht. Also nenne ich den Planeten "Blauer Schweif", nehme das System in Besitz und lasse dort die Gasernteplattform aussetzen. Die Plattform hat eine vergleichsweise geringe Besatzung, da Ernte und Speicherung recht wenig menschliche Ressourcen benötigen. Eine weitere stetige Einnahmequelle ist nun etabliert.

Als nächstes lasse ich Kurs auf Grünland setzen. Diese feudale Welt gehört zu Winterscales Besitzungen, aber ich will dort keinen Handel treiben oder Rohstoffe gewinnen. Nach kurzem Transfer erreichen wir das System und dringen zur Welt vor. Eine im Orbit befindliche Boje sendet ununterbrochen Anweisungen. Es ist verboten, mit der einheimischen Bevölkerung Kontakt aufzunehmen. Ebenso darf sie keine Raumfahreraktivität sehen. Nun gut, da nur ein Kontinent äußerst dünn besiedelt, landen wir auf der gegenüberliegenden Seite an einem Sandstrand. Tagsüber ist es angenehm warm und auch nachts ist es mild. Dort lasse ich eine kleine Zeltstadt errichten und die Besatzung kann sich dort etwas entspannen. Diese Atempause hat die Besatzung gebraucht und die Moral steigt täglich. Auch ich verbringe einige erholsame Tage in Begleitung meiner Mädchen am Strand und erhole mich von den Strapazen der letzten Monate.

Eines Abends stecken meine Konkubinen mir, dass Colette gerne ihre erste Nacht mit mir verbringen möchte. Als meine Sklavin habe ich ein Recht auf ihre Jungfernschaft. Allerdings habe ich sie bisher immer als zu jung dafür angesehen, auch wenn mir natürlich aufgefallen ist, dass sie inzwischen zu einer jungen Frau mit wohlgefälligen Rundungen an den richtigen Stellen erblüht ist. Ganz zufällig wäre alles vor Ort, um ihre erste Nacht angemessen zu vollziehen. Für eine Sklavin ist das so etwas wie eine Heirat. Sie gibt ihr erstes Mal preis und ist danach normalerweise frei, mit anderen Sklaven ihren Trieben nachzugehen. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass dies alles von sehr langer Hand geplant wurde. Letztendlich spricht nichts dagegen, der kleinen Colette diesen Wunsch zu erfüllen. Die meisten Herren hätten eine so hübsche Sklavin bei der ersten Gelegenheit entjungfert und sie dann weiter gegeben. Aber für mich war Colette immer das kleine dürre Mädchen geblieben, dass ich persönlich als Hilfe für meinen Leibkoch ausgewählt habe, weil sie mir damals so leidgetan hatte. Also gebe ich mein Einverständnis bekannt und sofort eilen meine Konkubinen aufgeregt los, um Colette die frohe Kunde mitzuteilen und sie vorzubereiten. Da dies unter einer halben Stunde gelingt und alle drei die letzten Tage emsig mit irgendwelchen "Dingen und Sachen" beschäftigt gewesen waren, bestätigt dass mein Verdacht, dass diese kleine Verschwörung wohl schon länger so geplant war. Sogar ein kleines Präsent für Colette haben meine Konkubinen schon besorgt und verpackt. Das müssen sie schon auf Aufbruch besorgt haben. Ich nehme Josephina zur Seite und sie gesteht lächelnd, dass Colette schon seit unserem Transfer in die Weite darauf gedrängt hat, ihre erste Nacht mit mir verbringen zu dürfen. Meine beiden Mädchen haben ihr alles Notwendige dafür beigebracht, ihr aber geraten, einen wirklich schönen Ort dafür auszusuchen und wenn ich mal nicht unter Stress stehe. So entspannt wie in diesem Moment war ich schon lange nicht mehr und dieser Sandstrand hat doch etwas sehr Romantisches. Schließlich ist alles fertig und ich betrete das Zelt, in dem Colette auf einem Lager auf aufgeschütteten Blütenblättern mich nur mit einem schüchternen Lächeln bekleidet erwartet. Als wahrer Gentleman schweige ich über die nachfolgenden Ereignisse der für beide Seiten angenehmen Nacht. Nach zwei Wochen lasse ich die Zeltstadt wieder abbrechen und setze Kurs auf Lucins Odem. Der Profit ruft.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 14. Januar 2013, 15:00:18
Position:
Lucins Odem
"Audacia"
Zeit: 2 015 784.M41

Lucins Odem ist sicherlich die bekannteste Welt der Koronus Weite. Zum einen gibt es hier das schon sagenhaft legendäre Nephium. Dies ist ein Petrochem, das einen dreifach größeren Verbrennungswert von Promethium besitzt. Und Promethium war bisher das beste Petrochem mit dem größten Wirkungsgrad. Flammenwerfer und Brandbomben sind damit gefüllt. Auch die schweren Leman Russ Kampfpanzer können damit angetrieben werden. Nephium macht also Flammenwaffen noch tödlicher und gibt einem Kampfpanzer mit der gleichen Tankfüllung eine dreifache Reiseweite. Kein Wunder, dass dieses wundersame Petrochem deswegen von mehr als einer Partei in Anspruch genommen wird. Auf der einen Seite ist Lucins Odem schon seit Sebastian Winterscales im Besitz der Familie, die heute von Calligos Winterscale geführt wird. Calligos hat ein unberechenbares Temperament und seine Wutausbrüche sind bei Freund und Feind gleichermaßen gefürchtet.

Auf der anderen Seite steht Aspyce Chorda. Spross einer alten Freihändlerfamilie des Calixissektors. Mit elf Jahren trat sie als Kadettin der Flotte bei. Bevor das Flottenkommissariat sie wegen Unregelmäßigkeiten und Veruntreuung festnehmen konnte, nahm sie ihren Abschied. Just zu dem Zeitpunkt verschwand ihr Vater mitsamt designierten Erben in der Weite. Die von ihren Untergebenen gefürchtete Frau handelte unverzüglich, stürmte mit Söldnern ihr eigenes Familienanwesen und tötete die Konkubinen und Kinder ihres Vaters. Ihre legitimen Geschwister fror sie in Kryokapseln ein. Oder, nach anderen Quellen, folterte diese zu Tode und machte aus deren Haut sich einen Mantel oder Unterwäsche. Beide Seiten sind jemand, den man sich nicht gern zum Feind macht. Aber da Calligos Winterscale der mächtigere der beiden Kontrahenten mit der stärken Finanzmacht im Rücken ist, beschloss ich, mich mit diesem Wüterich zusammen zu tun und die Fehde, welche mein Onkel mit den Winterscales im Allgemeinen und Calligos im Besonderen angefangen hatte, ein für allemal zu beenden.

Lucins Odem ist ein Eisplanet. Eine Seite hat Calligos unter Kontrolle, die andere Aspyce. Im Orbit darüber parken jeweils die Flotten der Kontrahenten und haben eine hohe Umlaufbahn eingenommen, welche sich im Gleichklang mit der Oberfläche darunter bewegt. Makrogeschütze können verheerende Bodenangriffe starten. Der Krieg tobte seit fast einem Jahrzehnt und war zu einem blutigen Patt in einem starren Stellungskrieg erstarrt. Jede Offensive war durch die im Orbit befindlichen Flotten zum Scheitern verurteilt. Der Bodenkrieg würde im Weltraum entschieden werden.

Unter voller Gefechtsbereitschaft fahren wir in das System ein. Schon früh werden wir angefunkt und ich gebe mich zu erkennen. "Hier spricht Lord-Kapitän Flavion Conari von der "Audacia". Ich wünsche eine Audienz mit Calligos Winterscale.", gebe ich durch. Wir werden eingeladen, an der Station Alpha Eins anzudocken, welche sich im hohen Orbit über Lucins Odem befindet. Die Plattform starrt vor Waffenbatterien, was bei diesen Umständen keine schlechte Idee zu sein scheint. Die Station ist deutlich kleiner als Wanderershafen, trotzdem kann hier eine kleine Flotte andocken und versorgt werden. Ich will nicht wissen, was es für ein Vermögen gekostet hat, eine Imperiale Kampfplattform hierher zu bringen.

Mit meiner Entourage verlasse ich meinen leichten Kreuzer und begebe mich an Bord von Alpha Eins. Einige uniformierte Offiziere erwarten mich schon. Calligos Winterscale ist leider nicht an Bord, nicht mal im System. Ein gewisser Ellwon Riverton erwartet mich. Wohl ein Nachfahre von Ida Riverton, die einst die Quartiermeisterin von Sebastian Winterscale gewesen war. Und wohl noch viel mehr. Der Mann ist etwas älter als ich und sieht mich äußerst geringschätzig an. Einen frostigen Empfang habe ich durchaus erwartet. Wir werden in einen Empfangsbereich geführt, der prächtig eingerichtet ist. Dort unterhalten wir uns. Nach mehreren Zigarren und Gläser Amasec werden wir handelseinig, da ich durch die Kontakte meiner Familie zum Merovech Kartell günstig an viele Waffen kommen kann. Damit ist dann die Fehde meines Onkels mit den Winterscales beigelegt. Allerdings scheint Ellwon Riverton mich nicht für ganz voll zu nehmen, da er mich einen kleinen Freihändler schimpft. Ich bin nicht klein! Unter meinem Kommando steht ein leichter Kreuzer! Damit habe ich einiges an Kampfkraft in die Waagschale zu werfen!

Ich bekomme nun auch heraus, was zu dieser unseligen Fehde geführt hat. Mein Onkel hat wohl während seiner Schatzsuche seine Nase zu tief in die Angelegenheiten der Winterscales gesteckt und das hat ihm nicht gut bekommen. Die Warnung verstehe ich durchaus. Der Tag wird kommen, wo ich mich mit Calligos Winterscale anlegen werde, da er sicherlich auch einen Anspruch auf den Schatz erheben wird. Zu diesem Zeitpunkt ist meine Flotte hoffentlich stark genug, um den Schatz auch behalten zu können. Aber momentan hatte ich ja genug andere Probleme am Hals, die einer Lösung harrten. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 18. Januar 2013, 15:01:15
Position:
Lucins Odem
Raumstation im hohen Orbit
Zeit: 2 015 784.M41

Mit einem neuen Handelsvertrag in der Tasche begebe ich mich zurück zur "Audacia" und lege von Alpha Eins ab. Und nun? Damit wäre nun Zeit für ein paar neue Projekte. Und vielleicht für einen Besuch in der Klause, um einer gewissen Lady Anagai auf den Zahn zu fühlen. Aber bevor ich konkrete Pläne machen kann, werde ich auf die Brücke gerufen. Drei Zerstörer aus der Flotte von Aspyce Chorda haben sich uns in den Kurs gestellt. Ihre Formation ist ein umgedrehtes U, so dass sie uns von drei Seiten in die Mangel nehmen können. Wir bekommen eine Einladung übermittelt, um der ehrenwerten Aspyce Chorda auf der "Perfekten Flamme" einen Besuch abzustatten. - Warum? Will sie aus meiner Haut einen Tanga fertigen? - frage ich mich.

"Wie stehen unsere Chancen auf einen Durchbruch?", frage ich und die Prognose ist nicht gerade profitfördernd. Wir könnten zwar durchbrechen, aber die zu erwartenden Beschädigungen an der "Audacia" wären ernsthaft bis verheerend. Der Kampf gegen die Piraten war schon nicht gerade wirklich glatt gelaufen und diese Leute hatten wahrscheinlich einiges mehr drauf, als diese Halunken. Thronverdammt!

"Ich nehme die Einladung mit Freuden an!", antworte ich und folge dem Leitsignal. Innerlich knirsche ich mit den Zähnen, während ich äußerlich ruhig bleibe. Weiträumig umfliegen wir den Planeten und erreichen die hohen Ankerplätze der Flotte von Aspyce Chorda. Die "Perfekte Flamme" ist ein Kreuzer mit zwei Reihen schwerer Makrogeschützbatterien. Dieses Schiff hat deutlich mehr Tonnen und ist schwerer bewaffnet als die "Audacia". Hier brauche ich gar nicht erst nach einer Prognose zu fragen, da mir der Ausgang eines Gefechtes mit diesem Schiff vollkommen klar ist. Verheerend bis vernichtend. Mit starker Tendenz in Richtung vernichtend. Nun gut. Wir docken an und ich gehe von Bord.

Im Hangar ist ein Zug schwerer Infanterie angetreten. Hochenergiegewehre sind wohl hier die leichte Bewaffnung, da die meisten Soldaten Plasmagewehre und Melter tragen. Ich bin beeindruckt und habe Mühe, dies zu verbergen. Es ist unglaublich still auf dem Schiff. Alles ist blitzblank poliert. Eine schwer gerüstete und ebenso bewaffnete Truppe führt uns in die Tiefen der "Perfekten Flamme". Schließlich überqueren wir auf einer Brücke einen Maschinengraben. Lautlos huschen uniformierte Arbeiter im Gleichklang über den auch hier blank geschruppten Boden und verrichten ihren Arbeit an den saubersten Maschinen, die ich je gesehen habe. Ich bleibe stehen und schaue mir das Treiben dort unten fünf Minuten an.

"Wie hoch ist die Verlustquote, bis dieser Drill bei den Leuten sitzt?", frage ich den behelmten Offizier.
"Minimal, sobald das Auswahlverfahren beendet ist."
"Und im Auswahlverfahren?"
"Achtzig Prozent." Das habe ich mir gedacht. Einfach Servitoren zu nehmen scheint mir da der verstehbarere Weg zu nehmen. Ich lasse mich weiter führen und wir kommen zu dem offiziellen Brückenbereich. Die Wände sind hier reich dekoriert und alles ist ebenfalls blitzblank. Auf einem Gemäldezyklus sind die Siege der Chordas zu sehen. Und dieser Zyklus scheint Hunderte von Gemälden lang zu sein. Man könnte meinen, jemand muss hier etwas kompensieren. Vor ihrem Freihändlerbrief, der doppelt so alt wie der meiner Familie ist, wartet Aspyce Chorda auf mich. Die Frau kann nach ihrer äußeren Erscheinung zwanzig oder zweihundert sein. Sie trägt ein dunkles Kleid mit aufbauschenden Unterröcken, das vorne geschlitzt ist, um sie beim Fechten nicht zu behindern. Hochhackige Stiefel hat sie an den Beinen und ein dünnes Rapier hängt an ihrem Wehrgehänge. Ihre Stimme ist absolut emotionslos, als sie ihr Begehr vorbringt. Es geht um den Planeten Anmut, der sich in ihrem Besitz befindet und seit einigen Jahrzehnten von einem Warpsturm abgeschnitten war. Einst hatten dort einige adlige Renegatenfamilien sich niederlassen dürfen. Also Familien, die sich mit dem Imperium überworfen hatten, sei es wegen steuerlichen Gründen oder weil sie mit dem Erzfeind oder Schlimmerem paktiert haben. Inzwischen dürften diese Leute schon lange tot sein. - Oder auch nicht - denke ich mir.

"Im Orbit von Anmut befindet sich eine kleine Station mit dem Namen "Dolch der Ewigkeit", in der sich noch einige persönliche Gegenstände von mir befinden. Bringt diese mir und ich übertrage Euch den Planeten Anmut.", bietet sie mir mit ihrer unheimlich kalten Stimme an. Ich frage mich, was diese persönlichen Gegenstände sein könnten. Um ihre Dildosammlung aus exotischen Materialen dürfte es sich wohl dabei eher weniger handeln. Viel eher um die Überreste ihrer Verwandtschaft. Ich stelle ein paar Fragen über diese Dinge und nichts Bedenkliches kommt dabei heraus.
"Nun gut! Ich werde diese Liste abarbeiten und damit zurückkehren. Dann gehört Anmut mir!"
"So sei es!" Damit ist die Unterredung erledigt und mit einer Liste kehre ich zur "Audacia" zurück. Irgendwie habe ich ein verdammt mieses Gefühl.

Gespielt am 26.08.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 2
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 2
EP: 200
Besiegte Gegner:
Beute:

Gedanke des Tages
Spoiler (Anzeigen)
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 21. Januar 2013, 16:19:37

Persona Dramatis
Spoiler (Anzeigen)

Achtung!!! Dieses und die beiden darauf folgenden Kapitel basieren auf dem frei herunterladbaren Abenteuer "Fallen from Grace"!!! Wer das noch spielen will, sollte nicht weiter lesen. Unser SL hat zwar viel verändert, aber gewisse Spoiler sind eben doch noch vorhanden.

Kapitel 12
Orks, Mord und andere Widrigkeiten!

Position:
Lucins Odem
"Audacia"
Zeit: 2 016 784.M41

Diesmal gelingt es uns ohne weitere Störungen, das System von Lucins Odem zu verlassen. Ich lasse direkten Kurs auf Anmut nehmen. Es ist ein Rennen gegen die Zeit und wir haben einen weiten Weg vor uns. Die ersten zwei Wochen des Transfers verlaufen ohne signifikante Zwischenfälle. Jeden zweiten Abend veranstalte ich ein Arbeitsessen, wo ich ausgesuchtes Führungspersonal verschiedener Abteilungen an meinen Tisch lade und zuerst mit ihnen speise. Anschließend höre ich mir ihre Sorgen und Nöte an. Manchmal kann ich helfen, manchmal nicht. Die "Audacia" ist ein gewaltiger, miteinander verflochtener Organismus. Ändert man eine Kleinigkeit, kann das am Ende riesige Auswirkungen haben. Deswegen ist Vorsicht angemahnt. Auch sonst zeige ich viel Präsenz und versuche meinen Leuten zu vermitteln, dass mir ihre Existenz am Herzen liegt. Den meisten Adligen sind die normalen Menschen herzlich egal. Hier und da wird mal aus politischem Kalkül ein Hospiz, eine Armentafel, ein Waisenhaus, eine Schola oder ein Spital gegründet und unterhalten, aber das ist meist nur Mittel zum Zweck. Aber mir sind meine Leute wirklich wichtig. Sie sind es, welche die "Audacia" mit Leben erfüllen. Sonst wäre sie nur ein Klotz aus Adamantium, Plastoid und Ceramit in der Leere treibend.

Schließlich wird die Fahrt wieder etwas ruppiger. Mehrmals werden wir in Warpstürmen abgetrieben und müssen uns neu ausrichten. Allerdings halten sich die obskuren Psi und Warpphänomene in erträglichen Grenzen. Keine unerlaubten Duelle, keine verstümmelten Leichen. Letztendlich nach insgesamt dreiwöchigem Transfer dringen wir in das System von Anmut an. Die äußeren Planeten sind schwer von weltlichen Ausläufern des Warpsturmes in Mitleidenschaft gezogen worden. Falls unsere Kalender stimmen, haben wir nun das Jahr 784.M41. Ein gutes neues Jahr!

Anmut selbst ist noch vorhanden. Von Port Chorda, der offiziellen "Hauptstadt" mit Raumhafen, aus wird ein Notsignal gesendet. Dieses Landefeld liegt im Zentrum der einzigen großen Landmasse von Anmut, der zum größten Teil mit einer toxischen Brühe bedeckt ist. Im Orbit befindet sich angeblich die Raumstation "Dolch des Schicksals". Aspyce Chorda scheint es dramatisch zu lieben. Vom Nordpol wird ebenfalls noch gesendet und zwar ein psionisch Signal, dass sich laut Aussage von Chorleiter Lux Aquinus nicht besonders geistig gesund anhört. Er ist noch nicht mal sicher, ob es ein menschliches Signal ist. Prima! Die nächste "gute" Nachricht ist, dass die Station "Dolch des Schicksals" nicht auffindbar ist, da es im Orbit von Anmut nur so von Asteroidenbrocken und Weltraumschrott wimmelt. Und das Beste ist, dass sich dort eine unbekannte Fregatte auf Schleichfahrt befindet. Thronverdammt! Wenn es Probleme gibt, dann wirklich gehäuft.

Ich befehle volle Gefechtsbereitschaft und warte satte zehn Minuten auf Vollzug. Eine gut gedrillte Mannschaft auf einem Kriegsschiff schafft das in der Regel in zwei Minuten. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis alle Vollzugsmeldungen bei mir eingetroffen sind. Wie üblich in solchen Situationen befinde ich mich auf meinem Thron auf der Brücke und überblicke von der Empore das Gewusel der Brücke.

"Vorschläge?", frage ich meinen versammelten Stab und höre mir ihre Meinung an. Das Gro ist für Aufnahme von Kommunikation, was auch ich ohne ihre Beratung getan hätte. Nun gut, ich aktiviere meine Komeinheit und lasse ein Breitbandsignal auf allen Frequenzen senden.

"Hier spricht Lord-Kapitän Conari an Bord des leichten Kreuzers "Audacia" im hohen Orbit von Anmut. Ich bin im Auftrag der rechtmäßigen Besitzerin dieser Welt, Lord-Kapitän Aspyce Chorda hier. Bitte identifizieren Sie sich und melden Ihren Status!", melde ich mich. Es dauert nich lange, bis die Fregatte ihr Versteckspiel aufgibt. Ich bekomme deutliche Meldungen, dass die Systeme der Fregatte hochgefahren werden. Wahrscheinlich bereiten die sich auch auf ein Gefecht vor. Erstaunlicherweise werden keine Schutzschilde hochgefahren, was man in so einem Fall eigentlich als erstes tut.

"Hier spricht Lord-Kapitän Hellgrett Bolgar von der Fregatte "Knochenschinder", ich war zuerst hier, also zieht Leine, so lange Ihr noch laufen könnt, Kleiner!" Hossa! Ich hasse es, dass man mich wegen meinen dreißig Lebensjahren nicht für voll nehmen will. Hellgrett Bolgar ist ein Freihändler von zweifelhaftem Ruf. Es gibt anhaltende Gerüchte, dass sein Freihändlerbrief aus äußerst dubioser Quelle stammt. Die "Knochenschinder" hat einen üblen Ruf als Pirat und seine berüchtigte Besatzung aus Mutanten und Renegaten würde auf den meisten imperialen Planeten ohne Verhandlung auf dem Scheiterhaufen landen. Aber wir sind hier ja recht weit weg von Imperialer Gerichtsbarkeit. Thronverdammt!

"Nun, ich bin im offiziellen Auftrag hier und Ihr, Lord-Kapitän Bolgar habt hier nichts zu suchen. Setzen Sie Kurs auf den nächsten Absprungpunkt und verlassen sie unverzüglich den Orbit!", erwidere ich. Es gibt ein kurzes hin und her, wir tauschen gepflegt unterschwellig Beleidigungen aus. Eine diplomatische Lösung wird von Bolgar nicht wirklich angestrebt. Ich sehe keine andere Möglichkeit, als das Gefecht anzunehmen, um meine Ziele zu wahren. Die Fregatte nimmt nun Fahrt auf und sie fangen an aktiv unsere Sensoren zu blenden. Weitere Ziele tauchen auf dem taktischen Holo auf, nur um kurz darauf wieder zu verschwinden. Die "Knochenschinder" verfügt über ein Tarnfeld, was eine Zielerfassung ziemlich erschwert. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 23. Januar 2013, 16:30:19
Position:
Orbit über Anmut
"Audacia"
Brücke
Zeit: 2 091 784.M41

"Ziel erfassen und vernichten! Meisterin Puppila, Gefechtsgeschwindigkeit!", befehle ich und auch die "Audacia" geht auf Gefechtsgeschwindigkeit. "Makrokanonen volle Breitseite!" Die "Audacia" schwenkt aus und feuert ihre großen Lasergeschütze ab. Für einen Lanzenschlag sind wir zu weit entfernt. Die Salve geht weit vorbei. Das war wohl nichts!
"Die "Knochenbrecher" feuert zwei Torpedoslaven ab!", bekomme ich von den Auguren gemeldet und zwei Fächer mit je vier Torpedos kommen angeflogen. Das ist eine beträchtliche Feuerleistung für so ein kleines Schiff. "Ausweichmanöver einleiten. Abwehrgeschütze Feuer frei!" Die Icons kommen schnell näher. Der erste Fächer verfehlt uns komplett, aber vom zweiten Fächer werden wir getroffen. Ein Torpedo verfehlt uns denkbar knapp, einer wird von unseren FLAK Geschützen abgeschossen. Zwei treffen uns demnach. Einmal mittschiffs, wo die Panzerung hält und nur oberflächliche Schäden verursacht werden. Aber der zweite Treffer geht durch die Panzerung und richtet beträchtlichen Schaden an. Sofort springen einige Warnicons an und ein ganzes Segment wird rot. Es brechen zwar keine Feuer aus, aber die Schäden sind tiefgreifend.

Nun ist auch die Lanze in Reichweite und aus allen Rohren lasse ich das Feuer erwidern. Die Lanze erzielt einen Wirkungstreffer mittschiffs und die Fregatte blutet Sauerstoff. Das hat gesessen. Leider liefert die Feuerleitstelle falsche Daten an die Makrokanonenbatterie und eine der Köder wird getroffen. Die Fregatte bringt sich für einen weiteren Doppelfächer in Position. Die Knochenschinder scheint sich primär auf ihre Torpedos zu verlassen, was zwar teuer, aber effektiv ist. Nachdem die Lanze wieder aufgeladen ist, lasse ich weiter feuern, während die "Knochenschinder" sich nun hinter uns setzt. Auf kurze Distanz rasen zwei weitere Fächer auf uns zu. Thronverdammt!

"Ausweichmanöver Steuerbord 45°, 12° abfallend!", brülle ich, aber wir sind zu langsam. Die Abwehrgeschütze beginnen zu hämmern und ein Teil des Fächers vergeht in Explosionen. Aber leider kommt es zu mehreren Einschlägen. Das Steuertriebwerk an Backbord wird kritisch getroffen und der dazugehörende Reaktor geht hoch. Eine Feuerwelle tobt durch diesen Maschinenraum und verbrennt alles darin. "Gottimperator! Sei diesen tapferen Männern gnädig und empfange ihre Seelen!", bete ich. Ein weiteres Segment meines Schiffes ist in tiefes Rot getaucht und weitere Schadensicons beginnen, hektisch in Rot zu flackern. Mit einem Schlag dürften etwa dreitausend Mann ihr Leben verloren haben. Ich muss hart schlucken und kralle mich an die Lehnen meines Thrones. Mein Atem geht schwer, mein Herz trommelt gegen die Brust und kalter Schweiß läuft mir über die Stirn. Noch so ein Fächer und wir können die Fahne streichen.

"He, Conari! Ich nehme jederzeit die Kapitulation entgegen!", grölt es über die Breitbandverbindung.
"Thronverdammt!", fluche ich halblaut. "Imperator, steh mir bei!", füge ich ein leises Stoßgebet an.
"Verrückt? Noch ist nichts entschieden!", antworte ich mit mehr Selbstvertrauen in der Stimme, als ich wirklich habe, über Breitband zurück.
"Volle Drehung! Pustet den Bastard in die Hölle!", befehle ich der Crew und schwerfällig beginnt die "Audacia" einzudrehen. Ein leichter Kreuzer wie die "Audacia" ist eben kein Clipper. Ich kriege nun auch alarmierende Meldungen von den Haupttriebwerken. Die Schotte haben teilweise dem Feuersturm nicht standgehalten und massive Beschädigungen im Hauptmaschinenraum sind aufgetreten. Weitere Tausende von Toten. Besonders die Unabs hat es schwer erwischt. Einer der Hauptreaktoren kann herunter gefahren werden, bevor er durchbrennt. Aber die Knochenschinder ist nun nah und endlich schafft es die Feuerleitzentrale, den Vektor richtig zu berechnen.
"Lanzenschlag! Dreißig Sekunden! Makrokanonen! Voll Breitseite!" Selbst in der Brücke wird es wärmer, als gewaltige Mengen von Energie in Strahlen umgewandelt werden. Beide Salven treffen und große Teile der Panzerung der Knochenschinder verabschieden sich. Mehrere Sekundäre Explosionen erschüttern das Schiff. Die Triebwerke verlöschen und die feindliche Fregatte beginnt zu trudeln. Das war es! Wir haben gewonnen, wenn auch zu einem verdammt hohen Preis. Thronverdammt!

"Sollen wir der "Knochenbrecher" den Todesstoß geben?" fragt mich mein XO Kyrr.
"Bringt die "Audacia" ins Heck der "Knochenbrecher", dann geben wir ihr die Chance sich zu ergeben!", befehle ich nach kurzer Rücksprache mit meinem Gefolge. Ein weiteres Schiff wäre sicherlich keine schlechte Idee, besonders wenn es sich um eine schwer bewaffnete Fregatte handelt. Damit lässt sich was anfangen.
"Mit etwas Fingerspitzengefühl können wir viel gewinnen, Meister Flavion", meint Caine, damit hat er sicherlich recht. Ich habe mein Recht durchgesetzt und dieses Gefecht entschieden. Nun ist die Zeit gekommen, großzügig zu den Besiegten zu sein.
"Hier spricht Lord-Kapitän Conari von der siegreichen "Audacia". Ihr habt verloren, kapituliert und wir werden eine Einigung erzielen können, von der alle Seiten profitieren", biete ich großzügig an und warte auf eine Antwort. Ich stelle eine Uhr auf drei Minuten und warte. Derweil kommen weitere Schadensberichte herein und die schematische Darstellung der "Audacia" wird ständig aktualisiert. Es sieht nicht gut aus. Nach den ersten Prognosen sind die Schäden an der "Audacia" so schwer, dass sie nicht mit Bordmitteln repariert werden können. Thronverdammt. Der Countdown läuft ab und ich wiederhole meine Forderung und verlange Antwort, notfalls auch mit Lichtsignalen. Schließlich knackt es im Breitband.
"Aufgeben? Niemals!", brüllt die Stimme von diesem Piraten Bolgar. Das hört sich nicht gut an.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 25. Januar 2013, 17:01:31
Position:
Orbit über Anmut
"Audacia"
Brücke
Zeit: 2 091 784.M41

"Das werden wir ja sehen, Kapitän!", meldet sich eine andere Stimme. Auf der anderen Seite scheint es hoch her zu gehen, ich kann Schüsse und Gebrüll hören. Da scheint es wohl gerade einen Wechsel in der Führung zu geben.
"In zehn Minuten erwarte ich eine brauchbare Antwort oder ich werde die "Knochenbrecher" vernichten!", erwidere ich großzügig und schalte den Countdown auf zehn Minuten. Weitere Meldungen treffen ein, alle Feuer sind unter Kontrolle, die Steuerungstriebwerke auf einer Seite sind komplett im Eimer, da ist nichts mehr zu machen. Das ganze Segment wird ersetzt werden müssen. Thronverdammt!

Ich schließe die Augen und fahre mir über das Gesicht. Vielleicht hätte ich die Sache sein lassen sollen. Aber zu kneifen ist auch nicht immer möglich. Besonders wenn man das größere Schiff hat, ist man einfach verpflichtet, die Stellung zu behaupten. Kneift man einmal den Schwanz in der Weite ein, heißt es gleich, man wäre weich. Man hat mir zugetragen, dass mich viele von den Führungsoffizieren für einen Weichling halten. Bis jetzt habe ich versucht, mit Freundlichkeit und guten Worten mir Geltung zu verschaffen. Aber ich kann durchaus auch anders. Caine hat mich gelehrt, dass man es immer zuerst höflich versuchen sollte, rabiat und brutal kann man danach immer noch werden. Aber war man erst mal brutal, ist eine gütliche Lösung nicht mehr möglich und böses Blut sammelt sich an. Nein, ich musste auf meinem Standpunkt beharren und diesen notfalls auch mit aller Gewalt durchsetzen. Auch wenn es viel gekostet hat, eine Fregatte in meinem Dienst wird mir Profit und Prestige bringen. Beides werde ich brauchen, um in der Weite zu überleben. Schließlich gibt es mehr als mein versiegeltes Schicksal. Der Countdown ist auf dreißig Sekunden, als die Breitbandverbindung wieder geöffnet wird.

"Hier spricht der XO der "Knochenbrecher"! Wir kapitulieren, nicht wahr Kapitän?" Es gibt ein kurzes Knistern, dann sind ein dumpfer Schlag und ein Schrei zu hören. "Ja, verdammt noch mal, ich kapituliere!" Na also, geht doch! Ich bestelle den XO und den Kapitän der "Knochenbrecher" zu mir auf die "Audacia" und lasse sie in einen Bereich bringen, der für nicht ganz so friedliche Verhandlungen vorgesehen ist. Kapitän Hellgrett Borgar ist eher klein und breit, während sein XO Raftine schlank und genau so groß wie ich bin. Borgar ist ziemlich aufgebracht und trägt seinen rechten Arm in einer Schlinge, da er um die Schulter herum einen Verband trägt, der gerade durchblutet. Seine Uniform ist mitgenommen und die Holster im Gürtel leer. Der XO macht schon einen adretteren Eindruck. Es gibt einiges hin und her, bis Lord-Kapitän Borgar bereit ist, nun unter meinem Oberkommando zu stehen. Caine und ein paar der Advokaten haben derweil einen Vertrag aufgesetzt, den ich Hellgrett vorlege. Der flucht und zetert wie ein Außenhabbewohner, dem man zwingt, seinen Erstgeborenen zu verkaufen.

"Nun gut, Lord-Kapitän Conari, Ihr habt mich im offenen Kampf fair besiegt, hätte ja abhauen können. Also hab ich mir die Suppe selbst eingebrockt. Thronverdammt! Nun gut, ich bin Euer Mann!" Zähneknirschend unterzeichnet er die Verträge und behält eines der Exemplare. Ich lasse mich nicht lumpen und lasse eine Flasche Amasec der berühmten Marke Red Star Prime bringen. Gemeinsam stoßen wir auf eine gute zukünftige Beziehung an. Auch lasse ich eine Kiste von meinen besten Zigarillos kommen und wir paffen gemeinsam ein paar davon.

"Nun, da wir Geschäftspartner sind, Lord-Kapitän Conari, solltet Ihr wissen, dass sich im System noch eine Fregatte aufhält. Die "Hohes Risiko" unter Lord-Kapitän Machenko. Wahrscheinlich will diese kleine Fotze auch was vom Kuchen haben." Na Prima, noch ein Konkurrent und meine "Audacia" ist schwerst beschädigt. Machenko werden gute Kontakte zur Kasballica Mission nachgesagt. Ihre Spezialität sind Drogen, die sie nicht nur reichlich selbst konsumiert, sondern auch ihre Besatzung damit aufpeppt. Diese Drogen werden auf ihrem Schiff hergestellt und dann sogleich zum Kunden geliefert. Für eine Freihändlerin ist sie ziemlich arm und ihre Familie hat in den letzten Jahrhunderten einen solchen Schuldenberg angehäuft, dass sie gezwungen ist, für ihre Gläubiger im Calixissektor zu fahren. Kein Wunder, dass sie da drogenabhängig wurde. Wobei Drogenabhängigkeit bei Adligen keine Seltenheit ist. Schließlich kann man sich dieses Zeug leisten und viele haben eh nichts anderes zu tun, als sich immer exoterischere Sorten hineinzuziehen. Ich hab noch nie viel von solchem Zeug gehalten. Liegt vielleicht auch an der strengen Erziehung von Caine und daran, dass ich immer bemüht war, meiner Familie zu zeigen, dass mehr in mehr steckt, als wie man auf dem ersten Blick meint. Der Achtgeborene muss eben dreimal mehr bringen als der Erstgeborene, um Respekt und Anerkennung zu bekommen.

"Vielen Dank für die Information!" Sofort gebe ich das an meinem XO weiter und lasse die "Audacia" auf halber Gefechtsbereitschaft stehen. Das bindet zwar Kräfte, die bei Aufräum und Rettungsarbeiten fehlen, aber ich will nicht als sitzende Ente dastehen. Mit meiner Leibwache und ein paar Offizieren für frei gewordene Schlüsselpositionen setze ich anschließend zur "Knochenschinder" über und schaue mir meine Neuerwerbung mal näher an. Schnell wird klar, dass ich dieses Schiff niemals in imperialen Hoheitsraum wie Damaris oder Winterscales Reich schicken kann, vom Calixissektor ganz zu schweigen. Renegaten, Anhänger obskurer verbotener Religionen, deren Symbole meist ein achtstrahliger Stern sind und Mutanten bilden das Gro der Besatzung der "Knochenschinder". Und die, die nicht zu dieser Gruppe gehören, scheinen Deserteure zu sein. Davon habe ich ja auch einige unter meinem Kommando, ebenso Renegaten, aber keine Anhänger dubioser Religionen, die nicht den Gottimperator oder den Maschinengott anbeten. Thronverdammt! Da habe ich mir ja was angelacht. Das ist ein ziemlich harter Haufen und ich beschließe, von denen keine auf meine "Audacia" zu lassen. Ich habe zwar erst letztens mit einer Fuhre ehemaliger Piraten Verluste aufgefüllt, aber diese Typen spielen in einer anderen Liga als die von der "Falkenklaue". Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 28. Januar 2013, 12:25:45
Position:
Orbit über Anmut
"Audacia"
Zeit: 2 092 784.M41

Zurück auf der "Audacia" inspiziere ich die Schäden und lasse mir von den Maschinensehern erklären, was da in etwa für Kosten auf mich zu kommen dürften. Dann besuche ich die Krankenstation und spreche einigen Verwundeten Mut zu. Anschließend halte ich eine kleine Ansprache, rede Klartext was die Schäden angeht und dass wir einen großen Sieg errungen haben. Auch dass die "Knochenschinder" nun unter der Flagge meines Hauses fahren wird. Wenn es irgendwann mal gegen die "Ignes et Amnestia" gehen sollte, brauche ich jede verfügbare Feuerkraft der Weite, die ich irgendwie bekommen kann. Inzwischen sind alle Feuer gelöscht und die ersten Reparaturen werden eingeleitet. Das eine oder andere ist ja immer noch mit Bordmitteln zu beheben. Auf der Raumstation "Dolch des Schicksals" gibt es ein Reparaturdock. Finden wir die Station, wird es bald besser aussehen. Aber unsere Sensoren können sie nicht erfassen. Da ich hier erst mal nichts weiter ausrichten kann, nehme ich Kontakt mit dem Raumhafen von Port Chorda Kontakt auf. Der Funker ist ganz aus dem Häuschen, als ich mich melde. Nach hundert Jahren nähert sich deren Isolation dem Ende zu.

Ich lasse die beiden Guncutter klar machen. In dem einen kommt Leutnant Nimdock und die schnelle Eingreiftruppe als Reserve, in den anderen mein Gefolge und ich. Mit diesem Flieger geht es nach unten. Auch hier toben Gewitterstürme, wenn auch nicht so stark wie auf Gryphos VII. Port Chorda besteht aus einem gewaltigen planierten Landefeld. Darum herum gruppieren sich Bastionen, kleinere Habs, Lagerhallen und ein befestigtes Verwaltungsgebäude. Die Landschaft darum herum ist zerklüfteter Fels, der sehr unwegsam aussieht. Die ganze Anlage ist von einem primitiven Wall und Graben umgeben. Schwere Waffen sind nicht zu sehen. Auf dem Verwaltungsgebäude und einigen Schlüsselstellungen sind Maschinengewehre auszumachen, einige davon schwere auf fest montierter, drehbarer Lafette. Der Schutz dieses Planeten war immer seine unbekannte Position. Erst als dieses System durch den Warpsturm abgeschnitten wurde, sickerten langsam die Koordinaten durch. Sei es weil es mindestens eine fehlgeschlagene Rettungsexpedition gegeben hatte, oder weil die Geheimhaltung durch den Sturm zeitweise nicht nötig war.

Ein gewisser Direktor Chulla nimmt mich in Empfang, als ich standesgemäß als erster den Boden betrete. Dafür dass es seit einem Jahrhundert keine Versorgungsflüge mehr gegeben hat, denke ich mir meinen Teil. Überschwänglich und herzlich werden wir empfangen. Erwartet als die längst überfällige Rettung. Ich hoffe mal, dass ich dieses System auch halten kann. Und so langsam stelle ich mir die Frage, ob ich das überhaupt will. Ein Planet mit einem toxischen Meer, auf dem nichts wächst und nur ein paar Renegaten hausen, ist nicht gerade das, mit dem man wirklich Profit macht. Auch schleimt man sich damit auch nicht gerade bei den wichtigen imperialen Institutionen ein. Letztendlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieses Gebiet irgendwann mal komplett zum imperialen Hoheitsgebiet wird. Das kann sicherlich noch Jahrhunderte dauern, trotzdem muss ich auch bedenken, welchen Eindruck das hinterlässt in Bezug auf meine Familie. Aber darüber kann ich mir noch später Gedanken machen.

Direkter Chulla lässt es sich nicht nehmen, mich in seinen Amtssitz einzuladen und ein Festessen aufzutafeln. Ich will zuerst höflich ablehnen, werde aber genötigt daran teilzunehmen. Ich bekomme einen Haufen Leute vorgestellt, wobei mir nur ein gewisser Herr Bilka im Gedächtnis haften bleibt, weil der Kunstmensch der Stryxis auf Aufbruch auch so geheißen hatte. Was für ein lustiger Zufall.  Es gibt mehrere Gänge und ich achte darauf, kein Fleisch zu essen. Dafür habe ich zu viele finstere Geschichten über andere isolierte Planeten gehört, die auf Einfuhren von außen angewiesen waren. Ich bekomme die Koordinaten von der Weltraumstation "Dolch des Schicksals" heraus, die eine andere Umlaufbahn hat als früher. Was wohl an der dort nun herrschenden Orkbesatzung liegen dürfte. Während der Einschließung hat es einen Orkbrocken hier angespült, dessen Besatzung die Station geentert hat. Auch bekomme ich in Erfahrung, dass die Astropathenstation von etwas äußerst Finsteren bewohnt wird. Es gab im Laufe der letzten Jahrzehnte mehrere Versuche in die Station zu kommen. Nie kam jemand zurück. Ich bin zwar neugierig, aber kein Selbstmörder. Ich lasse noch einen Versorgungsvertrag aushandeln und verkaufe gleich ein paar Lebensmittel aus den Beständen der "Audacia". Durch die starken Verluste an Personal habe ich Nahrungsmittel über in den Vorratskammern des Schiffes. Dafür nehme ich geplünderte Kunstschätze in Zahlung. Da die Station das primäre Ziel ist, starte ich schon bald wieder von der Oberfläche und kehre zu meinem Schiff zurück.

Nach kurzer Beratung beschließe ich, die Astropathenstation einzuebnen. Besonders da die Signale Auswirkungen auf den Astropathischen Chor haben. Mehrere Salven pulverisieren die Gebäude an der Oberfläche, bringen das, was dort immer auch hausen mag, leider nicht zum Verstummen. Thronverdammt! "Lanzenschlag 120 Sekunden!", befehle ich und brenne ein Loch in die Oberfläche. Aber auch das reicht nicht, um die Stimme zum Verstummen zu bringen. Nun gut. Ich lasse den Abstand vergrößern und bringe die "Audacia" auf Schleichfahrt, um mich der Station ungesehen annähern zu können.

"Kontakt! Unbekannte Fregatte auf dem Schirm!", bekomme ich von den Auguren gemeldet. Ich habe irgendwie ein Déjà-vu.  Mit hoher Wahrscheinlichkeit wohl die "Hohes Risiko". Dank der Schleichfahrt werden wir nicht sofort entdeckt. Ich lasse die "Audacia" sehr nah an einen Gesteinsbrocken heranbringen und lasse alle nicht lebenswichtigen System herunterfahren. Die "Dolch des Schicksals" eröffnet das Feuer aus zwei Makrokanonenbatterien auf die Fregatte. Diese schießt zurück. Das Gefecht dauert etwa eine Viertelstunde, da zieht die Fregatte sich zurück und verlässt mit hoher Geschwindigkeit den Orbit und flieht in die äußeren Bereiche des Systems. Da auch die Sensoren herunter gefahren sind, können wir nicht feststellen, wie schwer die Fregatte beschädigt ist. Ich ziehe es in Erwägung, die "Hohes Risiko" anzugreifen, um einen weiteren Konkurrenten zu eliminieren, lasse das aber lieber sein. Das Risiko, weitere schwere Schäden zu kassieren erscheint mir zu hoch. Es ist klüger, sich nun erst mal auf die eigentliche Mission zu konzentrieren.

Wir nähern uns nun weiter der Station an und orten sie aktiv. Die Orkpopulation ist überraschend gering, die Station über weite Teile stark modifiziert. Deren Meks scheinen sich in den letzten Jahrzehnten dort ziemlich ausgetobt zu haben. Irgendwie bezweifle ich, dass sich noch viele von Aspyce Chordas Gegenständen an Bord befinden. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 01. Februar 2013, 10:41:14
Position:
Orbit über Anmut
"Audacia"
Zeit: 2 092 784.M41

Trotzdem entwickle ich einen Plan, die Station zu stürmen. Als erstes müssen die beiden noch intakten Makrokanonenbatterien zum Schweigen gebracht werden. Eine weitere dritte scheint inaktiv zu sein, aber dadurch, dass die Station in der Lage ist, sich zu drehen, gibt es keinen toten Winkel, den wir ausnutzen könnten. Die Batterien zusammenzuschießen erscheint mir wenig erfolgsversprechend zu sein. Das schien gerade eben Kapitän Machenko mit wenig Erfolg ausprobiert zu haben. Und dann ist da noch das Problem, dass die Station das nicht überstehen könnte. Oder im schlimmsten Fall, wir ebenfalls nicht. Nur wenn man ein Hammer hat, sehen alle Probleme wie Nägel aus. Ich habe zum Glück mehr auf Lager als nur ein gewaltiges Schiff. Die Spezialeinheit von Leutnant Nimdock ist inzwischen wieder einsatzbereit. Ich verteile die Einheit auf zwei Guncutter, welche sich an die Station heranschleichen. Dieses Manöver dauert seine Zeit und ich blicke angestrengt zwischen der Holoanzeige mit den Positionsicons und dem Chrono mit den Totenschädelzeigern hin und her. Wirkliche Sensoren scheinen die Orks nicht zu haben, das scheinen Grotz in Raumanzügen zu erledigen, welche in großer Zahl auf der Station herumkrabbeln. So werden die Guncutter erst dann entdeckt, als sie schon die Geschützläufe der Batterien unterlaufen haben. Mit Bordkanonen wird die Oberfläche von vorwitzigen Xenos gesäubert. Allerdings strömen nun Orks nach, um mit ihren Handfeuerwaffen auf die Kutter zu schießen. Aus Maschinenkanonen und Schweren Boltern wird das Feuer erwidert und die Orks zahlen einen hohen Blutzoll für ihre Unverfrorenheit. Den Spezialeinheiten gelingt es, wichtige Versorgungsleitungen der Geschütze zu sprengen. Dieser Schaden ist nicht besonders schwierig zu reparieren, aber ich habe nicht vor, ihnen diese Zeit zu geben.

"Kurs auf die Station! Volle Gefechtsbereitschaft! XO, Sie haben die Brücke!" Ich werde es mir nicht nehmen lassen, das erste Entermanöver unter meinem Kommando höchst persönlich anzuführen. In Begleitung meines Gefolges begebe ich mich nach unten. Dort warten schon hunderte von Soldaten auf ihren Einsatz. Es gibt eine kleine mit Fahnen geschmückte Tribüne, zu der ich mich hinbewege und werfe mich in Pose.

"Soldaten der "Audacia"! Heute ist ein großer Tag, ein heiliger Tag, denn wir gehen einer heiligen Pflicht nach und werden eine menschliche Station im Namen des Imperators vom Makel des Xenos befreien. Denkt immer daran, nicht mal eine tote Grünhaut ist eine gute Grünhaut. Vernichtet zu werden, dass ist das Schicksal des Xenos. Tötet sie alle! Kennt keine Gnade, kein Mitleid, kein Erbarmen. Denn das kennte der Feind auch nicht. Sie haben noch nicht mal ein Begriff dafür in ihrer kruden Sprache. Tötet sie alle mit aufrechtem Hass im Herzen und reinigt die Station!" Meine Soldaten brüllen begeistert und ich begebe mich zur Spitze der Sturmeinheit. Derweil hat die "Audacia" die Distanz zur "Dolch des Schicksals" überwunden. Die leichten Abwehrgeschütze meines leichten Kreuzers säubern die Oberfläche der Station von grünem Unrat. Selbst hier unten sind noch gedämpft die Salven zu hören. Dann dockt die "Audacia" an und die Maschinenpriester bringen die geknechteten Maschinengeister der Station dazu, die Tore zu öffnen.

"Vorwärts! Für den Imperator! Für die "Audacia"! Für den Profit!", brülle ich und das Entermanöver beginnt. Das Innere der Station ist in einem desolaten Zustand. Die Meks der Orks haben sich ausgetobt und die armen Maschinengeister brutal vergewaltigt. Überall sind krude Runen zu sehen, offene Kabel hängen heraus und verbinden seltsame Gebilde miteinander. Alles ist verdreckt und die Luft riecht entsprechend. In diesem Bereich halten sich nur wenige Orks auf. Einigen besonders zähen Exemplaren gelingt es sogar, in die Reihen meiner Leute zu brechen, bevor sie von Schrotsalven durchsiebt werden. Das Areal um die Schleusen herum ist schnell genommen, tragbare Schutzschilde aus Plastoid werden aufgebaut und Maschinengewehre werden in Stellung gebracht. Es dauert nicht lange, bis die erste Welle gegen die Schilde anrennt. Der Angriff ist improvisiert und viele Orks sterben im unterstützenden Feuer ihrer eigenen Leute. Nun tauchen auch Grotz in großer Anzahl auf. Das sind kleine Grünhäute, eine kämpfende Dienerrasse der Orks. Wenig mehr als Fußabtreter ihrer Herren.

Die zweite Welle ist schon koordinierter und Grotz sickern durch Lüftungsschächte in diesen Bereich ein. Endlich kann ich auch ein paar Xenos töten, während ich die Verteidigung organisiere. Derweil klettern über die Außenwände Orks in Raumanzügen die "Audacia" hoch und suchen nach Einstiegsmöglichkeiten. Vier der Fünf in Reserve liegenden Kompanien schwärmen Truppweise aus und wehren Einstiegsversuche der Xenos ab.

Die dritte Welle wird von roten Xenos eröffnet, welche mit Sprengstoffgürteln versehen sind. Das sind sogenannte Squigs. Wahrscheinlich heißen sie so, weil das ihr Ausruf ist, wenn sie von Gewehrsalven zerrissen werden. Einige Orks sind schwer gerüstet und ihnen gelingt es sogar, in die Stellung einzubrechen. Thronverdammt! Ich führe den Gegenangriff persönlich an, der sie zurück wirft und die Reihen wieder schließt. Mit Rabenschwinge in der linken und Rabenklaue in der rechten Hand säe ich Tod und Vernichtung in die Reihen der Orks. Eins muss man diesen primitiven Xenos lassen, Mut haben sie. Ohne auf ihr eigenen Leben Rücksicht zu nehmen, stürmen sie in das überlappende Feuer der Maschinengewehre und erkaufen sich ein paar Meter. Schon bald verstopfen die Leichen der Xenos den Großteil der Gänge bis zur Decke. Nachdem die dritte Welle versiegt ist, befehle ich das vorrücken in die Tiefe der Station. Nun ist es Zeit, diesen Ort vom Makel des Xenos zu reinigen. Ausgelöscht zu werden, das ist das Schicksal des Xenos!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 04. Februar 2013, 15:19:17
Position:
Orbit über Anmut
"Dolch des Schicksals"
Innere Station
Zeit: 2 092 784.M41

Das Innere der Station macht einen äußerst uneinheitlichen Eindruck. Manche Segmente sind nur oberflächlich verunstaltet, anderen sind komplett umgebaut worden, sodas nichts mehr daran erinnert, dass einst gesegnete Techpriester diese Station gebaut haben. Ich lasse meine Truppen aufteilen und rücken getrennt vor, um die Xenos zu läutern. Ich versuche, in das Zentrum vorzustoßen, wo ich hoffe, den Anführer dieser grünen Bastarde zu finden. Inzwischen ist mir klar geworden, dass die Sensoren nur einen kleinen Bruchteil der Lebensformen an Bord erfasst haben. Wir treffen hauptsächlich auf kleine nervige Grotz, die aus Lüftungsschächten heraus ballern, aus Nischen Stikbombs, wie Grünhäute ihre bevorzugten Handgranaten nennen, werfen oder uns zu flankieren versuchen. Aber im Gegenzug zu ihren zähen großen Verwandten reicht schon ein Treffer aus einem Lasergewehr um sie umzupusten. Allerdings haben sie die Tendenz, immer recht schnell abzuhauen und es ist äußerst nervig sie verfolgen zu müssen. Einmal locken diese kleinen grünen Kreaturen einen Trupp in eine Sprengfalle, ein anderes Mal mitten in ein Squiggehege. Zu unserem Glück ist die grundlegende Struktur der Station unangetastet geblieben.

Schließlich erreichen wir die ehemalige Schaltzentrale der Station. Bedienungselemente wie auch Servitoren- und Cogitatorenbänke sind komplett entfernt worden. Im Zentrum des großen Kuppelförmigen Raumes mit mehreren Zugängen ragt auf einem Schrottberg, vielleicht hat das ganze Zeug auch noch eine reale uns nicht ersichtliche Funktion, ein gewaltiger Thron, von dem sich gerade der größte Ork der Station erhebt. Der Boss ist stark gepanzert und trägt ein übergroßes Kettenschwert, das er begeistert mit beiden Händen schwingt. Wahrscheinlich war dies einst Bestandteil einer industrielen Vorrichtung, da das Ding einfach zu klobig für einen Waffeneinsatz ist. Jedenfalls für einen Menschen. Mit vier seiner Leibwächter stürmt er direkt auf mich zu. Gut! So muss das sein. Wahrscheinlich erkennt er mich, da ich als einziger einen knallroten Mantel trage und ich von Braddock mit Banner begleitet werde. Anführer zweier Heere tragen ihren Konflikt direkt von Angesicht zu Angesicht aus. Mit Rabenschwinge schieße ich auf ihn, eine der Plasmabolzen trifft die Kreatur schön mittig in der Brust, als wäre ich auf einer Schießbahn. Voll die Zehn! Leider scheint es diese Kreatur nicht wirklich zu tangieren. Der zweite Schuss streift ihn leider nur an der Schulterpanzerung und ich sprenge ihm damit eine Glyphe herunter. Das scheint ihn mehr zu ärgern als das Loch in der Brust. Meisterin Puppila, die direkt neben mir steht, spickt den großen Ork mit Boltgeschossen, die ihn in keinster Weise zu tangieren scheinen. Wo ist Meister Ares mit seinem Melter? Nicht hier! Thronverdammt!

Bruder Obskurus scheint etwas mit seinen psionischen Kräften anzustellen, indem er einen der Leibwächter etwas befehlen will, was leider keinerlei offensichtlichen Effekt hat. Die Orks kommen weiter brüllend auf uns zu, während die Meisterin der Leere und ich das Feuer aufrecht erhalten. Die nächste meiner Salven tut dem Ding schon mehr weh. Bruder Obskurus bringt einen der Leibwächter dazu, seinen Chef den Spalta über den Schädel zu ziehen. Dank meiner vorhergehenden präzisen Treffer geht der Orkboss nun zu Boden. Thronverdammt! Ich hätte ihn gern selbst getötet! Ich werfe dem Astropathen einen bösen Blick zu. Darüber ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Nun lenke ich das Feuer auf den ersten der Leibwächter und beide Geschosse fahren in seinen Kopf, der augenblicklich in einer grünen Wolke explodiert. Der Torso rennt noch ein paar Schritte weiter, bevor er zusammenfällt. Die zwei verbliebenden Orks werden von Bruder Obskurus Flammenwerfer in einen Flammenlohe gehüllt, was sie aber nicht wirklich zu stören scheint. Selbst nach dem Tod ihres Anführers haben sie selbst in Flammen stehend keinen Zweifel an ihrer Mission, uns Menschen zu töten. Diese Xenos sind wirklich zähe brutale zielgerichtete Gegner. In einem Buch habe ich mal gelesen, dass Orks in ihrem Sprachschatz kein Wort für Frieden kennen. Sie kennen nur drei Zustände für ihr Dasein, die Vorbereitung auf einen Krieg, der Weg zum Krieg, der Krieg an sich mit dem anschließenden Plündern, welches dann sofort in der Phase der Vorbereitung für den nächsten Konflikt übergeht.

Die beiden Orks sind nun herangestürmt und greifen an, ein schartiger Spalta fährt auf mich hernieder mit einem beidhändig geführten Hieb von oben. Ich pariere und der dämlich glotzende Ork hat nur noch einen halben Spalta in der Hand, während das abgetrennte Ende durch die Luft wirbelt und im Plast des Bodenbelags zitternd stecken bleibt. Ein Energieschwert durchschneidet eben auch hochwertiges Metall und manche Parade mit einer solchen Waffe hat schon einen Gegner entwaffnet. Der andere greift Obskurus an, der oberflächlich getroffen wird. Der dritte noch lebende Ork krallt sich derweil das riesige Kettenschwert des gefallenen Waaghbosses. Meisterin Puppila hat sich etwas zurückgezogen und eine recht niedlich aussehende Verteidigungshaltung eingenommen. So etwas würde ich von Colette erwarten, aber nicht von jemand, der mit Waffen umzugehen versteht. Nun ja, so bleibt schon mehr für mich zu töten übrig. Während Bruder Obskurus mit psionischen Tricks versucht die Orks aus dem Konzept zu bringen und Althea sich als Abwehrspezialistin versucht, habe ich alle Hände voll zu tun, die drei nun auf mich einprügelnden Orks abzuwehren. Schnell wird mir klar, dass drei zu eins nur fair ist, da ich ja ein Energieschwert habe und damit die Spaltas recht schnell in handliche kleine Knüppel verwandle, bis diese einfach eines ihrer vielen Messer ziehen. Haben ja genug davon. Der dritte Ork mit dem gewaltigen Zweihänder schlägt nach mir und ich pariere, was eines der Kettenglieder durchtrennt. Die Kette mit den adamantenen Zähnen saust einen kurzen Moment unkontrolliert durch die Gegend, trifft unglücklicherweise mein Refraktorfeld, was den Maschinengeist so sehr erschreckt, dass er einfach den Dienst quittiert. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 06. Februar 2013, 15:05:03
Position:
Orbit über Anmut
"Dolch des Schicksals"
Ehemalige Brücke und nun Thronraum
Zeit: 2 092 784.M41

Das ganze Gefecht beginnt unübersichtlich zu werden. Weitere Orktruppen stoßen aus mehreren Gängen nun zu unserer jetzigen Position vor. Da ich gerade damit beschäftigt bin, mit den Orks zu tanzen, versuchen Meisterin Puppila und Bruder Obskurus den Hauptmännern zu helfen, die Reihen wieder zu ordnen. Braddock steht hinter mir und hält mir die Stange, sprich mein Banner, was ich als mein persönliches Feldzeichen mit mir führe. Dabei hält er mir auch noch den Rücken frei und ballert was das Zeug hält in die Reihen der Orks, die von weiter hinten nachdrängen. In dieser Situation wäre mein Servitor Novus von großem Nutzen, dummerweise wird er gerade gewartet. Was für ein Schlamassel! Und jetzt bricht auch noch mein Refraktorfeld zusammen.

"Geist der Maschine! Besinne dich!", bete ich, aber nichts passiert. Nicht gut! Aber davon lasse ich mich nicht entmutigen. Nach einer Überlastung braucht es meist schon eingehende Reinigungsrituale eines Maschinensehers, um einen solch verstimmten Maschinengeist wieder zu versöhnen. Da ich noch ein Schwert in der Hand halte, benutze ich es auch. Selten habe ich bisher gegen drei Gegner gekämpft, aber wirklich Angst habe ich vor diesen wortwörtlich dreckigen Xenos nicht. Sie mögen geborene Krieger sein, aber sie sind nicht wirklich schnell. Ihre Kampfkraft resultiert aus brutaler Kraft, übermenschlicher Zähigkeit und der vollständigen Missachtung ihrer eigenen Sterblichkeit, solange viele auf einen Haufen hocken. Aber im Nahkampf zählt auch Geschwindigkeit und Geschick. Und das fehlt diesen missratenen Xenos auf alle Fälle. Ihre Schläge sind langsam, wenn auch mit brutaler Wucht geführt. Auch ohne Refraktorfeld stehe ich wie ein Fels in der Brandung und lasse die grüne Flut an mir abprallen. Und noch etwas fehlt ihnen, einen Gottimperator, der schützt!

Rabenklaue zuckt vor, aber der Ork weicht aus. Bruder Obskurus bringt einen der Orks dazu, seine Waffe fallen zu lassen, die er sogleich wieder aufhebt. Die anderen beiden schlagen nach mir, aber es ist ein Leichtes ihren tumben Hieben auszuweichen. Die Grünhäute versuchen nun mich in die Zange zu nehmen, aber da müssen sie schon etwas früher aufstehen. Ich entwaffne einen weiteren Ork, in dem ich seinen brutalen Schlag pariere und weiteres metallenes Bruchstück wirbelt durch den Raum, um sich passenderweise in den Schädel eines vorwitzigen Grot zu bohren, der kopfüber von der Decke hing und gerade mit seinem kruden Automatikgewehr auf mich schießen wollte. Heimtücke zahlt sich eben nicht immer aus. Es gibt ein hübsches Klatschen, als dessen lebloser Körper auf den Stahlplatten des Bodens aufkommt. Der Ork glotzt immer noch dämlich aus der Wäsche, als ich mein Schwert Rabenklaue durch eines seiner roten Schweinsäuglein treibe. Die Spitze ragt aus dessen Hinterkopf hervor, bevor ich sie wieder herausreiße und einen Hieb durch ein Haumesser pariere. Auch diese Klinge zerbricht und der Ork zieht ein weiteres Messer aus seiner Sammlung. Das ist auch das letzte was er tut, denn mit einem wuchtigen Hieb treibe ich mein Energieschwert in seine linke Schulter bis tief in seinen Brustkorb. Das zerschneidet sein Herz und ich werde mit einem Strahl rotgrünem Blut getroffen. Verdammt eklig so was!

Jetzt ist es wieder ein Gefecht einer gegen einen. Der letzte Ork sieht sich als neuer Boss und versucht, das mit infernalischem Gebrüll deutlich zu machen. Sein kruder Sprech wird dadurch auch nicht verständlicher. Ich habe keine Ahnung, warum er mich als "Gitz" bezeichnet. Inzwischen sind meine Truppen wieder gefestigt und beginnen die nachrückenden Orks zurückzutreiben. Der neue Boss versucht mehrmals, mit seinem zerbrochenen Kettenschwert nach mir zu schlagen, trifft mich entweder nicht oder ich mache es noch kürzer als es schon ist. So langsam habe ich von diesen Faxen genug und ein weiter Hieb spaltet ihm den Schädel. Seine roten Augen brechen und er fällt kraftlos in sich zusammen.

"Vorwärts! Treibt das elendige Grünzeug hinaus!", brülle ich und reiße die Initiative wieder an mich. Der Drill der letzten Wochen hat einiges gebracht, aber meine Leute haben deutliche Probleme mit diesen Xenos fertig zu werden. Also gehe ich mit gutem Beispiel voran. Nach dem Tod des Waaghbosses erlahmt der Widerstand der Orks langsam aber sicher. Selbst eine solche Horde braucht eine Führung oder sie zerstreut sich. Wir bringen sie zum Rennen, nachdem ihre Einheiten stark dezimiert sind. Ich schließe mich einem Trupp an und beteilige mich an der Treibjagd auf die überlebenden Orks. Auch die Angriffe auf der "Audacia" sind inzwischen gänzlich zurückgeschlagen worden. Aber es kann sein, dass sich Grotz in den Lüftungsschächten verstecken. Das wird kein Spaß werden, die alle aufzuspüren. Nach meinem Buch pflanzen sich Orks nicht fort wie normale Lebewesen, sondern sie sondern Sporen bei ihrem Tod ab. Ob das noch auf für ihre Dienerrasse gilt, weiß ich nicht, da in dem Buch nur von Orks die Rede war. Es kann also sein, dass die "Audacia" nun verseucht ist. Thronverdamm!

Etwa zehn Stunden nach dem ersten Angriff köpfe ich den letzten Grot und kicke seinen Kopf ein gutes Dutzend Meter weit gegen ein Schott. Der Schädel platzt wie eine Melone und grüne Masse verteilt sich in der Gegend.
"Ausgelöscht zu werden, das ist das Schicksal des Xenos!" Die Suche geht zwar noch weiter, aber es werden erst mal keine grünen Kreaturen mehr gefunden. Sieht so aus, als wäre die Raumstation nun mein. Ich erkläre die Station als gesäubert und als nun mein Eigentum. Jetzt gilt es nur Aspyce Chordas Besitz zu finden. Und das dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein! Scheiße aber auch!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 08. Februar 2013, 15:01:34
Position:
Orbit über Anmut
"Dolch des Schicksals"
Zeit: 2 094 784.M41

Die Liste der Chorda ist nicht besonders lang und vom einen oder anderem Gegenstand lassen sich sogar noch Reste bergen. Oder das Ding, in das Meks ihn verbaut haben. Zum Glück findet ein Trupp eine noch immer versiegelte Kammer. Da sie aus einer hochwertigen Ceramit Adamantium Legierung besteht, gegen den Plastoidstahl wie Butter wirkt, haben die Orks es nicht geschafft, sich Zugang dazu zu verschaffen. Und nach den mannigfaltigen Spuren an Tür und Wänden haben sie das weiß Imperator mehrmals vehement versucht. Einem hochrangigen Techpriester gelingt es aber, nachdem er die Luft mit heiligen Weihrauch und stundenlangen Gebeten, die ob der groben Behandlung verärgerten Maschinengeister zu versöhnen und sie zur Kooperation zu überzeugen. Ich bin persönlich zugegen, als mit einem großen Zischen das massive Schott auffährt und den Inhalt preisgibt. Irgendwie bin ich nicht überrascht, als ich einer Kryokapseln ansichtig werde. Was mich eher überrascht, dass es sich nur um eine einzige Kapsel  handelt. Die Anzahl ihrer Geschwister schwankt stark in den Geschichten, aber es wird immer von der Mehrzahl gesprochen. Der Techpriester nimmt mit Gesängen Kontakt zu dem Maschinengeist der Kapsel auf. Der Geist darin ist intakt und die Kapsel in funktionsfähigem und transportablem Zustand. Leider weiß der Maschinengeist nicht, was er da in seinem Inneren eigentlich beherbergt. Da ein Auftauen registriert werden würde und ich diese wahnsinnige Sadistin nicht zu meinem Feind haben möchte, kämpfe ich erfolgreich meine Neugier nieder. Ich lasse die Kapsel unberührt mit den anderen noch geborgenen Gegenständen aus dem Besitz der Aspyce Chorda zur "Audacia" bringen. Damit wäre die Mission erfolgreich abgeschlossen.

Ich lese die Verlustmeldungen und stelle fest, dass wir über hundert Soldaten in den Gefechten auf der Station wie auch auf der "Audacia" selbst verloren haben. Auch zwanzig zivile Besatzungsmitglieder sind durch einsickernde Orks umgekommen, weitere drei Dutzend wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Die Bereiche, wo die Xenos eingedrungen sind, waren meist schwer beschädigte Segmente und deswegen nur mit wenigen Leuten besetzt. Wären sie in dichter frequentierte Bereiche vorgedrungen, wären die Verluste um einiges höher ausgefallen. Einige Besatzungsmitglieder werden allerdings noch vermisst. Dafür ist die Station nun mein und das Reparaturdock ist in dieser Situation nicht mit Elektrum aufzuwiegen. Je länger ich Anmut betrachte, desto mehr stelle ich seinen Wert in Frage. Dort unten wächst nichts. Gäbe es noch nennenswerte Rohstoffvorräte, die Chordas hätten sie schon längst ausgebeutet. Das einzige, was es gibt, ist ein Haufen Renegaten, deren Schutz einen großen Aufwand erfordert. Bis jetzt war die Anonymität der Welt der primäre Schutz gewesen, aber zumindest noch die Freihändlerin Lord-Kapitän Machenko kennt die genaue Position und Lage von Anmut. Das ist nicht gut. Zeit ist mal wieder Geld.

Ich lasse alle Beiboote ausschwärmen und schicke sie in Kontingenten nach unten auf die Oberfläche. Viele der Residenzen der Renegaten sind verlassen, manche davon zerstört. Aber einige sind zwar bar jeder Lebensmittel, aber voller Kunstgegenstände. Auch mit Direktor Chulla setze ich einige Versorgungsverträge auf. Ich achte darauf, eine Kündigungsklausel einzubinden, falls ich Anmut doch nicht in Besitz nehmen werde. Auf alle Fälle werde ich versuchen, die Station "Dolch des Schicksals" zu halten. Damit lässt sich bestimmt noch was anfangen.

Erschöpft gehe ich schließlich in mein Quartier. Meine Mädchen sind bereit, mir aus meinen stark ramponierten Klamotten zu helfen. Sie werfen die kurzerhand in einen Sack, nicht mehr zu retten, nur noch Lumpen. Nun gut, macht nichts, ich habe den gleichen roten Mantel in vielfacher Ausfertigung noch in meinem Schrank hängen. Zum Glück kann ich als Mann solche Dinge auf Vorrat kaufen, weil sie nach einem Vierteljahr wegen irgendwelchen Modeeinflüssen nicht vollständig entwertet werden. Ich dusche mich ausgiebig und lasse mich von Josephina und Carmina ordentlich abschrubben, was ihnen deutlich Spaß macht.

Obwohl ich schon seit etwa 48 Stunden kein Auge zugemacht habe, bin ich viel zu aufgedreht. So viele Tote, so gewaltige Schäden. Habe ich richtig gehandelt? Was hätte ich besser machen können? Ich erzähle meinen Mädchen vom Gefecht im Raum, den Besuch auf dem Renegatenplaneten und den Kampf um die Station. Glorreiche Siege sehen anders aus. Ich muss weiter in die Ausbildung und Ausrüstung meiner Truppen investieren. Orks sind widerstandfähige Krieger und brutale Nahkämpfer, trotzdem empfinde ich die Totalverluste als zu hoch. Nach neuster Zählung habe ich 109 Gefallene, 138 Schwer Verwundete und 83 Leichtverwundete zu beklagen. Viel zu viel nach meinem Geschmack. Nachdem ich mir meine Sorgen von der Seele geredet habe, bauen mich meine Konkubinen mental wieder auf. Sie können eben nicht nur meinen Körper streicheln, sondern auch meine Seele. Das schätze ich so an ihnen. Und sie wissen auch, wann die Zeit fürs Reden vorbei ist. Josephina verschließt mit ihren Lippen meinen Mund, während sich Carmina auf meine unteren Regionen versteift. Schon bald versinke ich in einen Reigen sich windender und schwitzender Körper. Das löst schließlich die Spannung in mir und ich kann in den längst überfälligen Schlaf gleiten. Trotz der Sorgen, des Schreckens und allen Übels der letzten Tage kann ich traumlos schlafen, selbst meine Seelenhirtin bedrängt mich diesen Schlafzyklus ausnahmsweise einmal nicht.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 11. Februar 2013, 11:36:24
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"Dolch des Schicksals"
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Zeit: 2 111 784.M41

Fünf Tage sind inzwischen vergangen. Arbeitsreiche Tage voller Unternehmungen und Aufgaben. Die Reparaturen laufen gut im neu eroberten Trockendock. Die "Knochenschinder" ist nun ebenfalls an der Station "Dolch des Schicksals" angedockt. Auch die Unternehmungen auf der Oberfläche rentieren sich und bringen großen Profit ein. Langsam aber sicher sammeln sich Kunstschätze wie Statuen, Bilder, Teppiche sowie Wertgegenstände wie Geschmeide, Barren von Elektrum, Platin und Gold an. Auch ganz profane Throne lassen sich kistenweise hier finden. Auch Renegaten brauchen bares. Meist falle ich total verspannt und erschöpft ins Bett, bevor die kundigen Hände meiner Konkubinen mich mit Massagen und ihrem geschickt eingesetzten Können in der Kunst der einhundertundacht Seufzer wieder Leben einhauchen. Das ist einer der wenigen Momente, die ich wirklich genießen kann. Lord-Kapitän sein ist kein Zuckerschlecken. Zu viele Leute unterschiedlicher Fraktionen haben gegeneinander laufende Interessen. Was für die einen ein Vorteil ist, ist für die anderen eine Zumutung. Andauernd muss ich Kompromisse schließen. Alles, was man befiehlt, hat nachhaltige Auswirkungen, die manchmal erst nach Tagen oder Wochen zu Tage tragen. Ich bin sicher, dass mir viele meine diplomatischen Bemühungen als Schwäche auslegen. Aber ich will auch nicht als cholerischer Tyrann auftreten wie Calligos Winterscale oder so ein Psychopath wie Aspyce Chorda mit einer Besatzung aus gehirngeschruppten Ordnungsfanatikern. Den goldenen Mittelweg zu finden ist schwer und meine Bemühungen werden irgendwie nicht richtig gewürdigt. Meine Sorgen und Ängsten teile ich nur vorbehaltslos mit meinen beiden Mädchen und zum Teil mit Caine. Ich bin froh, dass ich meine Nöte bei meinen kleinen Schnuckelchen ablegen kann. Sie sind mir in aller Beziehung eine große Stütze. Konkubinen sind eben mehr als nur gut aussehende Frauen mit flexiblen Körpern mit den perfekten Proportionen.

Erst heute habe ich stundenlang mal wieder dunkle Gänge durchkämmt und tatsächlich noch ein Grot aufgespürt. Trotz moderner Technik wie Auspex und Servoschädel ist das nicht so einfach. Der Maschinengeist des Auspex wird oft durch die vielen technischen Störquellen des Schiffes verwirrt und seine Anzeige zeigt Lebensformen an, wo gar keine sind. Und findet keine Lebensformen, auch wenn man sie schon visuell erkennen und fast direkt vor ihnen steht. Das ist alles sehr frustrierend und es war äußerst befriedigend, den Grot tot zu schlagen. Ich wünschte, ich könnte alle meine Probleme einfach mit dem Einsatz von Waffengewalt lösen.

Meine Seelenhirtin hat mich vor zwei Nächten besucht und mich mit ein paar üblen Visionen konfrontiert. Gryphonia ist ziemlich aufgeregt und faselt etwas, dass ich von Dunkelheit in Form finsterer Mächte umgeben bin, die sich an Bord dieses Schiffes befinden. Und die "Audacia" ist verflucht. Nichts wirklich Neues, meiner Meinung nach. Das habe ich schließlich schon öfters gehört. Die kleine Eldarschlampe hat das ja schon angedeutet und auch sonst jeder scheint irgendetwas darüber zu wissen oder zu spüren. Was immer in der Phase zwischen dem Verschwinden und Wiederauftauchen des Schiffes passiert ist, es hat Spuren hinterlassen, die noch immer nachwirken. Thronverdamm!

In den frühen Morgenstunden werde ich von meinem XO aus den Armen meiner beiden Gespielinnen gerissen, die äußerst spärlich bekleidet neben mir ruhen. Im ersten Moment weiß ich nicht, wo ich bin, da ich wohl mitten in einer Tiefschlafphase war. Schließlich kann ich mich wieder orientieren und weiß, wer ich bin. Flavion Conari, Lord-Kapitän der verfluchten "Audacia". Verdammt durch eine Hexe zu einem versiegelten Schicksal, was mir nicht nur das Leben, sondern auch meine unsterbliche Seele kosten kann. Nach zwei Sekunden des Selbstmitleids habe ich mich soweit gefangen, dass ich Oberst Kyrrs Worten folgen kann, wenn auch erst im zweiten Ansatz.

"Wie ich schon sagte, Lord-Kapitän Conari, ich habe geträumt, dass Chorleiter Lux Aquinus von unserem obersten Maschinenseher Kyle Ademis bei lebendigem Leib verbrannt wurde", erzählt mir Kyrr ein weiteres Mal, während ich mich im Bett aufgerichtet habe und mich ratlos am Kopf kratze.
"Ihr reißt mich…" Ich blicke auf das Chrono auf dem Nachtschrank aus Elektrumgehäuse und Zeiger aus fluoreszierendem Kristall. "… um drei Uhr morgens aus dem Schlaf, weil ihr schlecht geträumt habt?" In meiner Stimme schwingt der Unglauben deutlich mit. Carmina und Josephina gähnen herzhaft und angeln sich ihre Morgenmäntel, um ihre Blößen zu bedecken. Kyrr hat wenigsten genug Anstand, nun krampfhaft in eine andere Richtung zu blicken.
"Das war mehr als ein normaler Traum, eher eine Vision, eine Botschaft."
"Erzählt das bloß nicht Lux, sonst hält er Euch auch noch für einen unsanktioniertem Psioniker mit gewaltigem Gefahrenpotential." Ich gähne herzhaft und strecke mich, während Josephina leicht zusammenzuckt und fahrig durch ihr verwursteltes Haar fährt. Sie sieht unglaublich sexy aus, ich könnte gleich wieder über sie herfallen. Aber Kyrrs Anwesenheit hält mich davon ab.
"Ihr solltest das Ernst nehmen, Lord-Kapitän Conari", meint der Oberst eingeschnappt.
"Habt Ihr versucht, mit dem Chorleiter Kontakt aufzunehmen?", frage ich.
"Ähm, nein, nicht wirklich."
- Wäre das nicht verdammt noch mal das naheliegenste, du Schwachkopf? - denke ich, verkneife mir aber den Kommentar. Stattdessen greife ich zur Interkomeinheit und nehme den Hörer zu mir. Gerade noch als ich die Litanei spreche, um den Maschinengeist des Hörers aufzuwecken, kommt Meisterin Puppila herein gestürmt. Da ich einfach mal davon ausgehe, dass sie nicht scharf auf mich ist, hat ihre Anwesenheit bestimmt einen ersten Hintergrund.

"Lord-Kapitän Conari, ich habe geträumt, dass Chorleiter Lux Aquinus von unserem obersten Navigator Tybald Kett bei lebendigem Leib verbrannt wurde.", erklärt sie kurzatmig ihr Eindringen und ich blicke bezeichnend den Höher meiner Interkomeinheit an. Mein Schlafgemach ist wahrlich nicht mein Arbeitszimmer und selbst die verfluchte und beschädigte "Audacia" verfügt über eine einwandfrei funktionierende Interkomeinheit! Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 15. Februar 2013, 12:02:24
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Zeit: 2 111 784.M41

Noch bevor ich via Interkom verifizieren kann, ob Chorleiter Lux Aquinus wirklich tot ist, platzt Bruder Obskurus in die Runde rein. Hier geht es zu wie im Taubenschlag!
"Lass mich raten, du hast geträumt, wie Lux Aquinus umgebracht wurde."
"Ähhh! Ja, Nein, ich meine ja, ich habe geträumt, dass Lux Aquinus von den manifestierten Geistern des Chors umgebracht wurde. Und er ist tot, er liegt verbrannt in der Chorkammer!" Nun gut, ich hänge den Hörer des Koms zurück auf seine Halterung aus Messing, da sich der Anruf gerade erledigt hat.
"Wartet draußen, ich zieh mich an, dann gehen wir der Sache auf den Grund!" Ich scheuche die Leute bis auf meine Mädchen raus, die mir helfen, in meine Rüstung und Uniform zu schlüpfen. Als letztes reicht mir Carmina das Wehrgehänge und Josephina schließt mit ihren geschickten schlanken Finger die Schnalle. Beide küssen mich zum Abschied. Meine Leibköchin Colette ist inzwischen auch auf und gibt mir ein paar Kringelküchlein und eine Tasse Rekaf mit auf dem Weg. Irgendwie passend in dieser Situation.

Die Gänge der "Audacia" sind ruhig, die Beleuchtung ist herabgedreht und nur jeder dritte Lumen sorgt für Licht. Es gibt sicherlich Bereiche im Maschinenraum und Unterdeck, wo auch jetzt noch gearbeitet wird. Besonders da Reparaturteams Schichtweise im Dauereinsatz sind und die schwer beschädigte Struktur der "Audacia" und der "Knochenbrecher" auf Vordermann bringen. Die Sicherungsschotte der Astropathenkammer sind unversehrt und der Maschinengeist des Schlosses guter Dinge. Ich habe beinahe ein Déjà-vu, vor gar nicht allzu langer Zeit hat diese Eldaragentin Marati sich hier Zugang verschafft.

Die sterblichen Überreste von Lux Aquinus liegen im Zentrum der Kammer. An den Wänden sind Kryokapseln mit den gebundenen Astropathen eingelassen. Eine weite Tür führt in die Gemächer des Toten. Überall sind arkane Sigel aus exotischen Metallen in den Wänden eingelassen. Komplizierte geometrische Muster bedecken den Boden und verbinden die einzelnen Kapseln miteinander. Wie üblich ist bei verbrannten Leichen schwer zu erkennen, wer sie einst waren. Es könnte sich um Lux handeln, aber auch um ein beliebiges Besatzungsmitglied. Es stinkt, wenig verwunderlich, nach verbranntem Fleisch. Allerdings nicht nach den typischen Flammölen wie Promethium, Nephium oder eines anderen mir bekannten Petrochems. Um die Identität und die genaue Todesursache festzustellen, lasse ich ein Ärzteteam unter dem Kommando von Doktor Adams kommen. Mich würde interessieren, ob die Verbrennungen die primäre Todesursache waren oder ob sie eine andere Tötungsart vertuschen wollen. Irgendwie komme ich mir vor wie in einem Detektivfilm, die ich früher gerne im Televid angesehen habe. "Gesetz und Verbrechen in Tarsus" war eine meiner Lieblingsserien gewesen.

Da es hier nichts weiter zu entdecken gibt, begeben wir uns zu seinem Privatquartier. Überraschenderweise finden sich hier zwei tote Sicherheitsleute ohne ersichtliche äußere Verletzungen. Es gibt ein paar codierte Speicherkristalle, die sich in seinem Schreibpult finden lassen. Da leider keiner aus meiner unmittelbaren Entourage in der Lage ist, auf die Speicher zuzugreifen, schicke ich einen zum Decodieren zu den Techpriestern. Da der oberste Techpriester durch die Vision zu dem Kreis der Verdächtigen gehört, ist es nicht ratsam, ihnen alle zu überlassen. Es lässt sich herausfinden, dass Lux kurz vor zwei Uhr noch um Sicherheitsleute gebeten hat. Aus welchem Grund ist leider unklar. Aber um diese Uhrzeit hat er offensichtlich noch gelebt. Als ob es nicht schon genug Verdächtige geben würde, taucht Leutnant Exton von der Brücke mit einer weiteren Vision auf. Diesmal ist der Mörder Josephina oder besser gesagt, der Dämon in ihr. Na prima. So langsam habe ich den Verdacht, dass der Chorleiter im Augenblick seines Todes seine Ängste projiziert hat. Ich weiß gar nicht, wie oft er mir indirekt in den Ohren gelegen hat, wie verheerend ungebundene Psioniker doch sein könnten. Psioniker sind ein Tor und die Bewohner des Warps sind zahlreich. Bla. Ich konnte die Leier nicht mehr hören. In meinen Augen hat er dramatisiert, weil, wenn das wirklich so wäre, schon jede Imperiale Welt und jedes Freihändlerschiff von Dämonen und anderem Warpgesocks überrannt worden wäre. Jeder Freihändler, der halbwegs was auf seinen Ruf gibt, hält sich seine ungebundenen Hexen. Nur so Betbrüder wie Joaquin Saul halten sich davon fern. Auch viele Verbrecherorganisationen haben ihre ungebundenen Psioniker. 

Also haben wir nun vier Verdächtige für den mutmaßlichen Mord an Lux Aquinus. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass er einem obskuren psionischen Phänomen zum Opfer gefallen ist und im Augenblick seines Todes nur seine ureigensten Ängste projiziert hat. Das ist immerhin auch eine Möglichkeit. Aber natürlich kann er auch wirklich ermordet worden sein und dem muss ich auf dem Grund gehen. Die Verdächtigen wären die ungebundene Warphexe Josephina, der Maschinensehr Kyle Ademis, die Geister des Chores und der Navigator Primus Tybald Kett. Aus einschlägigen Serien weiß ich, dass man damit anfängt zu sehen, wer hatte ein Motiv und wer hatte die Gelegenheit für diese Tat.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 18. Februar 2013, 11:33:39
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"Dolch des Schicksals"
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Chorkammer
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Als erstes suche ich Josephina auf und schaue nach, ob es ihr gut geht. Wenn sie wirklich Besessen ist, hätte das Ding in ihr ein gutes Motiv, um den Chorleiter zu töten, da er in der Lage gewesen wäre, mit seinem geschulten Gespür dieses Ding vielleicht zu entdecken. Bruder Obskurus ist nach meinen Erfahrung mit seinen psionischen Sinnen noch nicht mal in der Lage einen Dämon zu spüren, wenn er schon in dessen Maul liegt. Natürlich weiß sie von nichts, was nicht verwunderlich ist. Allerdings hat sie auch keine Gedächtnislücken und ich bin sicher, dass ich aufgewacht wäre, hätte sie den Raum verlassen.

Nun gut, gehen wir zum Turm der Navigatoren. Irgendwie komme ich mir inzwischen etwas dämlich vor, Visionen nachzurennen. Vielleicht ist das wieder so eine verfluchte Schicksalversiegelung. Macht zwar keinen Sinn, aber inzwischen habe ich gelernt, alles in Erwägung zu ziehen. Für einen kurzen Moment überlege ich, die Ermittlungen, falls es überhaupt ein Mord war, zu delegieren. Aber nein, so was ist Chefsache und ich mach das selbst.

Es gibt nur einen bewachten Zugang zum Turm. Am äußeren Sicherheitsschott lümmelt ein Trupp Wachsoldaten herum, die sich wohl auf eine geruhsame Nachtschicht gefreut haben. Es gibt nicht viele Besucher, schon gar nicht nachts. Ich löse einiges an Verwirrung aus, als ich unangemeldet in ihre Kartenrunde hinein platze. Ziemlich schlampiger Haufen, ich merke deren Kennung und mache mir eine geistige Notiz für ein ernstes Gespräch bei ihrem vorgesetzten Wachhauptmann.

Im inneren Schott sind zwei Hauswachen des Hauses Kett in sehr aufwändiger Rüstung mit Hochenergielasergewehren postiert. Sie sind überrascht, mich zu sehen. Nach einem kurzen Gang erreichen wir einen äußerst üppig und verschwenderisch eingerichteten Empfangssalon. Ich war schon mehrmals kurz hier, habe mich aber nur zu sehr kurzen Gesprächen aufgehalten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass dieser kleine Salon einen Wert beherbergt, der den meiner ganzen Zimmerflucht übersteigt. Und dies ist der prunkvollste eingerichtete Bereich des Schiffes, abgesehen vom Turm der Navigatoren. Diese Familien sind dafür bekannt, dass sie sehr viel Geld in ihre Quartiere stecken. Schließlich leben sie hier und zwar ausschließlich hier. Eine normale, wirklich gutaussehende, wenn auch verschlafen wirkende Dienerin eilt herbei und serviert uns ein paar Erfrischungen in Kristallpokalen. Der Patron dieses Familienturmes lässt mich fast eine Stunde warten. Wie schwer kann es wohl sein, aus dem Bett hierher zu finden? Vielleicht muss er irgendwelche Spuren beseitigen? Das macht Tybald zu einem noch größeren Verdächtigen.

Schließlich taucht der Navigator wie aus dem Ei gepellt auf. Er trägt eine prächtige mit Elektrumfäden durchwirkte Robe, in dessen Borte Edelsteine eingearbeitet sind. Da die Robe sehr weit geschnitten ist, sind die Mutationen, bei seinem Alter denke ich einfach mal, dass er welche hat, nicht zu sehen. Seine Haut ist wenig überraschend sehr weiß und ich kann die Äderchen sehen. Seine hellen, fast schon weißen Haare sind lang und fallen ihm über die Schultern. Die Befragung verläuft äußerst unergiebig, da er natürlich vorgibt, rein gar nichts mit der Ermordung, falls es überhaupt eine war, zu tun zu haben. Genau das würde natürlich auch der Mörder sagen. Ich frage natürlich nicht direkt, aber ein Motiv lässt sich nicht heraus arbeiten, auch wenn es irgendwie mal einen Zwischenfall zwischen den Beiden gegeben haben muss. Es ging dabei um Differenzen, mit den Gefahren des Warpraums umzugehen. Kann ich gut nachvollziehen, da mir persönlich Aquinus dramatische Ader zu dem Thema mehr als nur ein klein wenig auf die Nerven ging. Aber vielleicht hatte er nicht ganz so unrecht, wenn ich mir so seine Überreste ins Gedächtnis rufe.

Tybald wechselt das Thema und kommt auf den Pfad der Ketts zu sprechen. Darum ging es wohl in diesem Streit. Die Familie Kett hat wohl eine andere Philosophie mit dem Warp umzugehen als andere Familien. Sie passen sich mehr der Umgebung an, um darüber die Kontrolle zu erlagen. Oder so ähnlich. Ich komme mir vor wie bei einer Philosophiestunden bei meinem ersten Schuljahr auf der Höheren Schola für Gentleman zu Scintilla, wo ich zwei Jahre verbracht habe. Dort hat mein Gehirn auch recht schnell ausgesetzt und ich habe keine Ahnung, von was Tybald Kett eigentlich redet. Mir fehlen einfach die tiefergehenden Grundlagen zu diesem Thema. Und was ich vom Warp gesehen habe, reicht eigentlich für mein Leben. Wirklich neue Erkenntnisse habe ich nicht gewonnen. Thronverdammt!

Gespielt am 16.09.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 2
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 2
EP: 350
Besiegte Gegner:
Waaghboss
4 Bosse
Meute von Orks und Grotz
Beute:
1 Kryokapsel
Knochenschinder
Kunstgegenstände

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 20. Februar 2013, 10:40:46
Persona Dramatis
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Kapitel 13
Die Zeit der Entscheidung

Position:
Orbit über Anmut
"Dolch des Schicksals"
"Audacia"
Turm der Navigatoren
Zeit: 2 111 784.M41

Nach der Theorie, die ich geistig nicht nachvollziehen kann, kommen nun praktische Erwägungen zur Sprache. Es ist möglich, die Visionen noch einmal abzuspielen und zwar die eigentliche ursprüngliche Form. Keine Ahnung, wie das gehen soll, aber mit einem psionisch Begabten wie Bruder Obskurus wäre das möglich. Nun gut, ich beordere den Astropathen in den Turm der Navigatoren. Yuri wird die Sache beobachten. Schließlich taucht der obskure Kerl auf und ich wünsche ihm viel Glück. Eindringlich warnt Kett vor möglichen Nebenwirkungen wie Tod oder Wahnsinn. Aber wenn es der Wahrheitsfindung dient, sind manche Opfer eben nötig. Da ich hier nur störe, verabschiede ich mich und gehe mit Meisterin Puppila zu der großen Krankenstation, wo gerade die Obduktionen vorgenommen werden.

Doktor Adams ist gerade dabei, einen der getöteten Wachsoldaten aufzuschneiden. Der arme Kerl liegt in einer Schale aus Zink und die eigentliche Arbeit macht ein Servitor, der bar jeglicher humanoider Form als Zusammenballung von Mechadendriten von der Decke hängt. Letztendlich sind die einzigen Spuren in dem Gehirn der Leiche zu finden. Geplatzte Gefäße, sprich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein obskures psionisches Phänomen. Thronverdammt! So langsam glaube ich, mein ganzes Leben ist eine endlose Wiederkehr von obskuren psionischen Phänomenen. In den Chroniken von Sebastian Winterscale davon zu lesen war je recht unterhaltsam, aber so langsam kann ich nicht mehr darüber lachen. Auf Schritt und Tritt begegnet mir nun so was. Meine Konkubine entpuppt sich just in dem Moment als verkappte Hexe, als ich von Dämonen und anderem Warpkropszeug im Dienste des Erzfeindes angegriffen werde. Einer meiner Bekanntschaften verwandelt sich nach tödlichen Verletzungen in einen Schneemann, ich werde von einem Möchtegern-Engel in die Mangel genommen und beinahe in den Wahnsinn getrieben. Und da dies nicht reicht, werde ich von dieser Lady Anagai auch noch verflucht und mein Schicksal so versiegelt, dass ich schier unaufhaltsam in Tod und Verdammnis abdrifte. Thronverdammt!

Ich hätte nicht übel Lust, jemand umzubringen. Aber nein, das löst meine Probleme auch nicht. So langsam sehne ich mich zu der Zeit zurück, als ich nur ein eher kleiner Handlanger im Dienst meiner Familie war. Ein Posten, der nicht wichtig, aber sehr gefährlich war. Aber wenigstens flogen mir damals nur Projektile und Strahlen jeder Art um die Ohren und nicht irgendwelche Flüche. Wenn ich jemand durchbohrt habe, bleib der auch tot und verwandelte sich nicht einfach in eine stinkende Pfütze. Die Abenteuer von Sebastian Winterscale hätten mir ein Warnung sein sollen. An dem Tag, als mir von meinem Vater eröffnet wurde, dass der Familienrat beschlossen hätte, meinen verschollenen Bruder Novus zu ersetzen, war nicht der glücklichste Tag in meinem Leben, sondern der Beginn von Problemen ohne Ende gewesen. Ich habe mir nie was vorgemacht, ich wusste, dass ein so großes Schiff zu führen eine gewaltige Verantwortung und Herausforderung sein würde. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich es mit Kräften zu tun bekommen würde, die ich nicht verstehen, nicht würde töten können. Ich bin nicht auserwählt, ich bin verdammt!

Der Anflug von Wehleidigkeit verschwindet so schnell, wie er gekommen ist. Ich bin Flavion Conari, Herr der Audacia, Herrscher über viele tausend Seelen. Ich habe eine Mission, eine Aufgabe, der Gottimperator ist mit mir. Und ich lasse mich von diesem Unsinn nicht wirklich entmutigen. Nur wer alles wagt, kann alles gewinnen. Allerdings ist mein Einsatz nicht nur mein Leben, sondern auch meine Seele.

Yuri aka Lady Helmchen taucht auf, um mich von den neusten Entwicklungen in Kenntnis zu setzen. Die Zeremonie hat wohl geklappt und sie ist klug genug, mich nicht mit unwesentlichen, nur meine Seele korrumpierenden Details zu belasten. Bruder Obskurus hatte nun eine deutliche Vision der wahren Geschehnisse um die Ermordung von Lux Aquinus herum. Der Mörder hat mit einem der eingefrorenen Psioniker, bekannt unter seinem Spitznamen "Der Riese", Kontakt aufgenommen. Den eigentlichen Wortwechsel konnte der Astropath leider nicht verfolgen, aber es wurde wohl dem Riesen ein Angebot unterbreitet, was für ihn gefährlich und schmerzhaft werden wird und der Mörder war bereit, einen hohen Preis dafür zu bezahlen. Aber Details bleiben leider im Dunkeln, so ist weder klar, was der Riese tun sollte, noch was der Preis dafür ist. Eigentlich habe ich mir mehr erhofft, wenn man das Risiko bei der ganzen Aktion bedenkt. Allerdings war der Mörder weiblich und Lux hat sie gekannt, ja sogar mich vor ihr gewarnt. Jedenfalls waren das seine Worte, als er den Mörder bei dem Gespräch überrascht hat. Damit ist der Kreis der Verdächtigen ziemlich stark begrenzt. Es kann nur Josephina oder Gryphonia sein. Thronverdammt! Also ist entweder meine geliebte Konkubine oder meine etwas nervige, wenn doch auch anrührende Seelenhirtin die Mörderin. Niemand, den ich gerne verlieren würde. Besonders da der Chor sehr aufgebracht ist und wohl nur durch eine endgültige Bestrafung des Mörders von Lux Aquinus wieder beruhigt werden kann.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 22. Februar 2013, 11:10:52
Position:
Orbit über Anmut
"Dolch des Schicksals"
"Audacia"
Chorkammer
Zeit: 2 111 784.M41

Nun gut, ich brauche Gewissheit, wer von den beiden Verdächtigen der Mörder meines Chorleiters ist.
Leider hat die Audacia nur sehr wenige Kameras im Innern zur Überwachung. Die Chorkammer gehört leider nicht dazu. Ich mache mir eine geistige Notiz, in Zukunft eine feste Wache im Bereich dieser verdammten Kammern zu installieren. Schließlich war die Ermordung von Lux Aquinus nicht der erste Zwischenfall in diesem Bereich. Es wird Zeit, diesbezüglich etwas zu tun. Ich begebe mich zur Beratung in die Chorkammern, um dort vielleicht weitere Erkenntnisse zu erhalten. Forensische Untersuchungen nach Fingerabdrücken oder Ähnlichen sind sinnlos, da sich beide Verdächtige schon in diesen Räumlichkeiten zu anderer Zeit aufgehalten haben.

Der Chor ist aufgebracht. Es haben sich zwei Fraktionen gebildet. Von den 21 Kryokapseln sind 13 besetzt. Vier der Psioniker haben eine dominierende Persönlichkeit. Einer davon ist der Riese, der so heißt, weil er über zwei Meter groß ist. Aus den inzwischen dechiffrierten Unterlagen von Aquinus geht hervor, dass der Riese seit über vierhundert Jahren hier eingefroren ist. Es ist fraglich, ob er außerhalb der Kammer überhaupt noch lebensfähig ist. Je länger ein solcher Zustand dauert, desto fraglicher ist ein Auftauen. Aus der Zeit gibt es kaum gesicherte Aufzeichnungen, da die "Audacia" damals in der Hand von Männern zweifelhaften Rufes war, sprich Piraten. Der zweite ist der "Verwalter", er war wohl Aquinus Vorgänger und hat sich freiwillig einfrieren lassen. Er ist ein ruhender Pol. Auf der anderen Seite haben wir "den Jungen" und "die brennende Frau". Der Junge gilt als schwer zu kontrollieren und schlägt sich immer auf der Seite der brennenden Frau. Über den Jungen ist rein gar nichts bekannt. Die brennende Frau stammt von einer Minenwelt und kam nach einem furchtbaren Unfall an Bord des Schiffes, wo 80% ihrer Haut verbrannt war. Immer wenn auf der "Audacia" Feuer ausbricht, manifestiert sie sich. Manchmal hilft sie Opfern, manchmal führt sie diese direkt in die Flammenhölle hinein. Geistig stabil kann man so ein Verhalten nun wahrlich nicht nennen. Bruder Obskurus tut, was getan werden muss, um den Chor wieder halbwegs still zu halten. Und nun?

Letztendlich haben die Türen der Audacia elektronische Schlösser und jeder Vorgang wird registriert. Die Ermordung von Lux Aquinus muss kurz nach 0.30 Bordzeit stattgefunden haben, da zu diesem Zeitpunkt die Sicherheitsgardisten angefordert wurden. Wahrscheinlich wurde kurz darauf Lux gegrillt und dann die beiden Sicherheitsleute umgebracht. Meine Quartiertüre wurde um 22.02 und 23.12 betätigt, was vor der Mordzeit liegt. Trotzdem frage ich mich, wer da herum gegeistert ist. Nach kurzem Nachfragen bekomme ich heraus, dass Josephina um diese Zeit mein Quartier verlassen und dann wieder gekommen ist. Komisch, davon habe ich gar nichts mitbekommen. Aber letztendlich hat Gryphonia ihre Kabine ebenfalls gegen 22.21 verlassen und kam erst gegen 2.12 wieder. Also genau die Zeitspanne, in welcher der Mord passiert sein muss. Damit lässt sich wohl der Kreis unserer Verdächtigen auf Gryphonia einengen. Jetzt heißt es, dieser Dame einen Besuch abzustatten.

Ihr Quartier ist in der Nähe und in Begleitung meiner Entourage bestehend aus Yuri, Meisterin Puppila, Bruder Obskurus und Magister Militaris Ares begebe ich mich unverzüglich dort hin. Die Wache davor hat von den ganzen Eskapaden nichts mitbekommen. War ja klar, wahrscheinlich hat sie ihn jedes Mal verhext. Der Raum ist in Dunkel gehüllt, aber mein Servoschädel bringt das Licht herein. Das ganze Quartier ist inzwischen ein Dreckloch. Die Wände sind mit bizarren Risszeichnungen übersät. Keine Ahnung, mit welchem Werkzeug sie den Plaststahl bearbeitet hat. Auf einer Anrichte hat sie einen Altar gebastelt, auf dem handgeschnitzte Figuren stehen, die wohl Statuen darstellen sollen. Im Zentrum steht ein großer segnender Imperator, umgeben von einer Schar Heiliger.  Durch die grobe Form der Figuren in Verbindung mit keinerlei künstlerischem Talent ist das schwer zu sagen. Das Bett sieht aus, als hätte sie es auch als Waschgelegenheit benutzt. Gryphonia sieht so zerzaust und unordentlich wie immer aus.

"Wo wart Ihr zwischen Null und Drei Uhr heute Morgen?"
"Ich habe versucht, Euch zu beschützen! Dunkle Mächte umgeben Euch! Euer Schicksal führt Euch in die Verdammnis! Und Ihr tut einfach nichts dagegen!", beschuldigt sie mich mit ihren großen, weit aufgerissenen Augen. Irgendwie hat das etwas sehr anrührende Wirkung auf mich. Mein Herz wird schwer, da ich weiß, dass sie die Täterin ist.
"Und um mich zu beschützen, tötet Ihr Lux Aquinus?"
"Aquinus war ein Narr und ein Psioniker! Er benutzt diese armen Seelen für diese finstere Hexerei!" So kann man das natürlich auch sehen. Ihre Weltsicht ist eine ganz andere. Und vielleicht sieht sie deshalb die Probleme viel klarer, als ich es je könnte.
"Ihr könnt doch nicht einfach jeden töten, der Euch nicht passt!"
"Manchmal muss man töten. Ihr seid von finsteren Fraktionen umgeben. Gottlose Maschinenpriester bewohnen die gewaltigen Hallen dieses verfluchten Schiffes! Mutanten leben in einem goldenen Turm! Zu Eis gewordene Psioniker schreien ihre Qual im Chor in die Ewigkeit heraus! Das ganze Schiff ist ein Hort des Bösen! Verlasst es! Geht! Rettet Eure Seele! Noch ist es nicht zu spät! Noch könnt Ihr Eure unsterbliche Seele vor der ewigen Verdammnis retten! Verlasst dieses bösartige Schiff!", appelliert sie. Bei ihren Worten könnte man meinen, eine eingeschworene Klerikerin des Adeptus Ministorum vor sich zu haben und keine ungebundene Hexe. Auch wenn ihre Worte wie die einer Wahnsinnigen wirken, in manchen Punkten hat sie recht. Die Techpriester glauben nicht an dem Imperator, manche wahrscheinlich noch nicht mal an seine Inkarnation als Omnissiah. Navigatoren sind Mutanten und ihre Praktiken mehr als nur zweifelhaft, wie ich aus erster Hand erfahren habe. Psioniker in Kryokapseln zu stecken und ihre Macht zu benutzen hat bestimmt einige Nebenwirkungen und damit meine ich nicht nur auf die Psioniker selbst. Und die "Audacia" hat in der Tat mehr als nur einen düsteren Touch.
"Ihr wisst, dass ich das nicht kann!" Schließlich habe ich ein Erbe zu erfüllen. - Laufbursche meiner Familie! Dummer Junge, den man in die Weite geschickt hat - hallen Zweifel in mir nach.
"Ich weiß!", erwidert sie unendlich traurig. Und dann greift sie nach meinem Verstand.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 25. Februar 2013, 14:41:27
Position:
Orbit über Anmut
"Dolch des Schicksals"
"Audacia"
Passagierdeck
Zeit: 2 112 784.M41

Hä? Ich habe das Gefühl zu fallen, kann mich aber gerade so noch auf den Beinen halten. Die Welt um mich herum hat sich verändert. Vier schreckliche Wesen umgeben mich, ein blinder Hexer, ein dreiäugiger Mutant und zwei Verräter! Auf einem Bett kauert eine arme verängstigte Frau, die ich um meiner Seele willen beschützen muss. Alle um mich herum haben zu sterben! Sofort ziehe ich mein Schwert "Rabenklaue" und meine Plasmapistole "Rabenschwinge". Mit Rabenschwinge schieße ich gezielt auf die Mutantin. Das dreiäugige Ungeheuer wendet sich ab und weicht meinem Geschoss aus. Die Verräterin schießt auf meine geliebte und hoch geschätzte Seelenhirtin und sprengt ihr den rechten Arm mit einem Boltgeschoss ab. Hure, dafür wirst du im Plasma brennen!

Der blinde Psioniker versucht, die Geweihte zu manipulieren, scheitert aber an ihrer heiligen Aura. Die Dreiäugige öffnet ihr Stirnauge und ich taumle wieder. Hä? Ich habe das Gefühl zu fallen, kann mich aber gerade so noch auf den Beinen halten. Die Welt um mich herum hat sich mal wieder verändert. Ich schüttle den Bann endgültig ab und sehe, wie Gryphonia Bruder Obskurus in Flammen setzt. Das sieht nicht gesund aus. Magister Ares setzt dem Ganzen ein Ende und schießt meiner selbsternannten Seelenhirtin in den Brustkorb. Das Boltgeschoss reißt ein so großes Loch in ihren Balg, dass man durchsehen kann. Diese schreckliche Verletzung überlebt auch sie nicht und sie stürzt tot vom verdreckten Bett. Ich fühle keinerlei Triumph über ihren Tod, nur unendliche Traurigkeit. Sie war eine Hexe und eine Mörderin. Aber sie hat nur versucht, mich zu beschützen. Caine hat mich als Junge gelehrt, dass das Gegenteil von Gut meist nur Gut gemeint ist. Viele sind schon über das Ziel hinaus geschossen, wie auch Gryphonia. Irgendwie habe ich das Gefühl, jemand Wichtiges verloren zu haben. Auf der anderen Seite hat mir ihr gewaltsamer Tod die schwierige Entscheidung über ihr Schicksal abgenommen. Lady Helmchen gelingt es mit der schmuddeligen Decke den Astropathen zu löschen, der sich geschwind selbst heilt.

"Lasst ihre Leiche und Habseligkeiten verbrennen. Übergebt aber die Asche dann mir!", befehle ich, da ich nicht will, dass ihre Überreste einfach verstreut werden. Das hat sie nicht verdient. Ich werde ihre Asche in eine Urne stecken und in Ehren halten. Sie war kein böser Mensch, sondern hat die Dinge vielleicht viel klarer gesehen als ich mit meinen Zwängen und Pflichten. Ein Kommando erscheint und sammelt ihre sterblichen Überreste und Besitztümer ein. Nur eine der Statuen behalte ich als Andenken an diese tapfere Frau.

Zurück in meinem Quartier kämpfen Carmina und Josephina um ein angeknabbertes Kissen. Was ist denn nun schon wieder los? Genau, ein obskures psionisches Phänomen. Thronverdammt. Ich kann Josephina das Kissen endgültig entreißen, in das sie schon mehrmals hinein gebissen hat. Die Stimmen vom Nordpol treiben sie langsam aber sicher mit ihrem ewigen "Hunger" Gewispere in den sicheren Wahnsinn. So langsam muss ich mich darum endgültig kümmern. Wenn Makrokanonensalven und Lanzenschläge verpuffen, muss ich eben selbst hin. Meint auch die Navigatorin Yuri. Wobei das nicht so einfach werden dürfte. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass dieser Direktor Chulla uns vor der Station gewarnt hat. Schon mehrere Expeditionen hätten versucht, dort oben klar Schiff zu machen und wären gescheitert. Auf alle Fälle sollten wir vorher einen Besuch in Port Chorda abstatten, bevor wir ins Verderben rennen. Ich lasse schon mal den Sprengstoff sichten, den wir an Bord haben. Bruder Obskurus muss noch den Chor beruhigen, also bleibt er zurück, während ich mit meiner Entourage mit einem Aquila Lander zum Hafen fliege.

Einer der Untergebenen begrüßt uns auf dem Landefeld und wir bekommen unverzüglich eine Audienz beim Ortsvorsteher, wo ich mein Problem vortrage.
"Das dürfte äußerst schwierig werden, was Ihr da vorhabt. Ehrlich gesagt halte ich es sogar für unmöglich. Ich muss Euch etwas Wichtiges zu diesem Thema zeigen", erklärt mir der vollschlanke Direktor dieser Anlage und führt mich in die Tiefe seines Amtssitzes und das ist wortwörtlich zu verstehen. Über einen Fahrstuhl mit einer Kabine aus gebürstetem Zink fahren wir zwanzig bis dreißig Meter in die Tiefe. Derweil erzählt er mir von den ersten Jahren der Isolation. Auf diesem Planet wächst so gut wie nichts in der freien Wildbahn bis auf ein paar Pilze, aus denen hier ein Schnaps destilliert wird. Die meisten Anwesen hatten natürlich gewaltige Vorratskammern, aber nichts, was mehr als für fünf Jahre gereicht hätte. Die reichen Herren begannen schon bald, ihre Dienerscharen zu selektieren. Alte und Überflüssige wurden zu Schnitzel auf zwei Beinen degradiert und dementsprechend abgeschlachtet. Aber da es immer mehr Diener als Herrschaften gibt, rochen die den Braten, zählten zwei und zwei zusammen und kamen zu dem Schluss, dass Fleisch eben Fleisch ist. Sprich sie kamen ihren Herren zuvor und machten aus ihnen Inventar der Speisekammer. Die Zeiten wurden aber noch härter. Jahre vergingen, durch ständige Dezimierung und Überfälle auf andere Anwesen wurde Nahrung beschafft, durch die Toten und die verbliebenen Vorräte. Wir sind nun unten angekommen und Chulla führt uns in einen Schlachtraum. Es ist hier kühl, die Wände und Boden sind gekachelt, an der Decke hängen leere Fleischerhaken. Ich muss schlucken, obwohl ich schon einiges gesehen habe. Für die meisten Makropolen gilt, je tiefer man kommt, desto zweifelhafter das Fleisch in Garküchen. Wenn man Glück hat, ist es nur Ratte. Wenn man Pech hat, dann ist es Mensch, was da angeboten wird.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 01. März 2013, 11:03:31
Position:
Anmut
Amtssitz des Direktors
Schlachthaus
Zeit: 2 113 784.M41

"Aber das war nicht alles. Schließlich kamen die Stimmen aus dem Norden hinzu. Niemand weiß, was aus den dortigen Astropathen wurde, aber es kann nichts Gutes gewesen sein." Der Direktor führt uns durch Kühlräume und wir kommen schließlich zu einem Gefängnistrakt. Die Tür ist äußerst massiv und mit drei Riegeln gesichert, die jeder ein eigenes schweres Schloss haben. Nach und nach entriegelt der Direktor die Schlösser und öffnet schließlich die Tür. Meine Hände liegen nicht von ungefähr in der Nähe der Waffen. Hinter der Tür ist ein weiterer sehr hoher Raum aus dem Fels gehauen. An massiven Ketten hängen hier Käfige mit massiven Stangen von der Decke. Darin befinden sich abgemagerte nackte Menschen, die "Hunger" brüllen! Manche sind so dünn, dass sie unmöglich noch leben können, geschweige denn geifernd im Käfig auf und abzuspringen und wie Wahnsinnige an den Stangen zu zerren. Unser Anblick macht sie wahnsinnig. Wie irr zerren sie an den Käfigen oder strecken ihre Arme aus, um nach uns zu greifen.

"Die Stimmen brachten die Menschen dazu, über sich herzufallen, um einen unstillbaren Hunger zu stillen. Manche fraßen innerhalb eines Tages ihr eigenes Körpergewicht. Und wer einmal von diesem Wahnsinn getrieben wurde, wird nie mehr wieder aufhören. Aber wir haben Mittel und Wege gefunden, die Stimmen mit Opfer zu besänftigen. Wir  haben die Befallenen hier eingesperrt und wenn die Stimmen übermächtig werden, füttern wir sie, um uns eine weitere Zeitspanne zu erkaufen."
"Und was sind das genau für Opfer?", frage ich, obwohl ich mir die Antwort denken kann. Direktor Chulla spricht aus, was ich vermutet habe.
"Lebendes menschliches Fleisch."
"Und wie wählt ihr die Opfer aus?"
"Diesen hier zum Fraß vorgeworfen zu werden ist die bevorzugte Strafe auf diesem Stützpunkt." Praktisch, zwei Fliegen mit einer Klappe. Trotzdem muss ich hart schlucken.
"Dieses Treiben muss ein Ende haben!"
"Mein Großvater und Vater haben jeweils Truppen nach Norden geschickt, aber sie versagten. Was immer dort oben lauert, Menschen sind für es keine Herausforderung."
"Irgend eine Ahnung, was da oben genau sein könnte?"
"Unsere Vermutungen lauten, dass durch das Leid wahrscheinlich eine Kreatur aus dem Warp angezogen wurde und durch den Schleier während der schlimmsten Phase des Warpsturms durchbrechen und sich höchstwahrscheinlich in einen der Astropathen einnisten konnte. Dämonen können auf dieser Ebene normalerweise nicht besonders lange überleben. Deswegen vermuten wir, dass er einen belastbaren Wirtskörper hat." Ich bin kein Experte auf dem Gebiet und will das auch nicht werden. Wahrscheinlich lagerten in einigen Anwesen ganze Bibliotheken mit höchst zweifelhaftem esoterischem Wissen, was wohl das tiefe Wissen von Direktor Chulla über diese verdammungswürdige Materie erklären dürfte. Aber was ich inzwischen über Dämonen weiß, reicht wahrscheinlich, um mich auf einen Scheiterhaufen zu bringen. Aber da ich auch in Zukunft vorhabe, um die Inquisition einen sehr großen Bogen zu machen, tangiert mich das nun nicht wirklich. Ich habe andere Sorgen.

"Auf dem Festessen habt ihr ein paar exotische Speisen aufgetafelt. Aus welcher Quelle stammen die?"
"Noch während des Warpsturmes haben sich Stryxis bereit erklärt, uns mit dem Notwendigsten zu versorgen." Dann war dieser Herr Bilka beim Festessen doch kein Zufall. Mit Stryxis habe ich schon auf Aufbruch zu tun gehabt. Diese Wesen scheinen sich verdächtig gut mit den Begebenheiten des Warps auszukennen. Dabei scheinen sie keine Anhänger des Erzfeindes zu sein, da sie ja meine Entourage auf den "Engel des Imperators" gehetzt haben. Woher sie auch immer ihr Wissen haben, sie haben den Warp wohl besser gemeistert als die Menschheit. Oder sie sind schon unmerklich korrumpiert worden und der Warp spielt nur mit ihnen.
"Und wenn es Euch gelingt, Anmut zu halten, werden die Stryxis sich bereit erklären, Euch zu helfen, dass Problem in Norden zu eliminieren."
"Um Anmut halten zu können, muss ich vorher das Problem im Norden ausschalten!", erwidere ich. Eine Diskussion bringt aber nichts, da ich nur mit einem Boten reden kann. Nun gut, auch dämonische Kräfte haben nur eine gewisse Reichweite. Ich kehre um einige Erkenntnisse reicher zurück zur "Audacia". Ohne nähere Informationen ohne Hilfe das Problem im Norden anzugehen ist nicht ratsam, da sind sich der Großteil meiner Berater sich einig. Hierbleiben können wir nicht, sonst dreht entweder Josephina oder der Chor durch. Die Audacia ist immer noch schwer beschädigt und wir brauchen das Trockendock der "Dolch des Schicksals". Die Station verfügt über einige Steuertriebwerke, nicht genug um sich aus der Schwerkraft des Orbits lösen zu können. Aber wir haben ja zwei Raumschiffe zum Schleppen. Anmut wird von einem Mond umkreist, der weit genug weg ist, um den verdammten psionischen Phänomen entkommen zu können. Ich bilde einen Arbeitsstab und innerhalb zwei Stunden arbeite ich einen Plan aus, die Station abschleppen zu können. Die Maschinenseher machen sich mit großem Elan an die Umsetzung der Pläne. Innerhalb von nur vierundzwanzig Stunden gelingt es uns, die Station zum Mond zu schleppen und in einen stabilen Orbit darum zu bringen. Jetzt muss ich mir keine Sorgen mehr darum machen, dass meine kleine süße Josephina Heißhunger auf ein gewisses Stück Fleisch entwickeln könnte, dass sich schon öfters in ihrem Mund befunden hatte.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 04. März 2013, 13:38:47
Position:
Anmut
Mond
"Audacia"
Zeit: 2 118 784.M41

In der Nacht habe ich in einem dieser Traumvisionen wieder Besuch von meiner verstorbenen Seelenhirtin. Ihr Tod scheint sie wohl nicht an der von ihr selbstauferlegten Mission zu hindern, meine arme verdammte Seele zu retten. Ihre schrecklichen Verletzungen sind deutlich zu sehen, ihr rechter Arm fehl kurz über dem Ellenbogen und durch ihren Torso kann ich hindurch sehen. Unendlich bekümmert sieht sie mich an.

"Ich habe nur noch wenig Zeit Lordkapitän Conari, auf diesem Planeten ist etwas, was mich auffrisst. Dies ist also mein letzter Besuch. Ich bin gescheitert, da ich es nicht geschafft habe, Euch vom Ernst Eurer Lage zu überzeugen. Äußere Zwänge scheinen Euch wichtiger zu sein als Euer Seelenheil. Ich habe alles versucht, Euch zu retten. Verzeiht mir!" Traurig starrt sie mich mit ihren großen weit aufgerissenen Augen an. Ich bin froh, dass ich sie nicht getötet habe. Große Trauer um sie füllt mein Herz. Sie hat es nur gut gemeint und ist furchtbar über ihr Ziel hinaus geschossen. Wahrscheinlich hat sie recht mit ihren Warnungen. Der Chor wird mir immer unheimlicher, die Navigatoren an Bord dieses Schiffes sind mir höchst suspekt und meine Maschinenseher gehören einer Splittersekte an, die für manche Orthodoxe reine Techhäretiker sind. Ein nicht unerheblicher Teil meiner Besatzung besteht aus Deserteuren, gesuchten Verbrechern, Renegaten und weiß Gottimperator sonst noch für Gesindel sich auf der Audacia herumtreibt.

"Ich vergebe Euch, denn Ihr habt das getan, von dem Ihr geglaubt habt, es wäre das Richtige. Auch ich versuche, das Richtige zu tun."
"Dann verlasst die Audacia! Nichts in diesem Universum ist es wert, dieses von Lady Anagai auferlegte Schicksal anzunehmen. Es ist noch nicht zu spät! Evakuiert die Audacia, schickt sie mit dem ganzen Ketzerpack in die Sonne und fliegt mit dem anderen Schiff weg von hier!"
"Ihr wisst, dass ich das nicht tun kann!"
"Ja, Ihr wollt nicht, ich weiß. Eure Familie, Euer Amt, Eure Gier nach Profit." Unendlich unglücklich sieht sie mich an und wird dann durchscheinend. (In dem Moment war ich am Überlegen, wirklich ihrem Rat zu folgen. Unser SL hat die Szene sehr eindringlich gespielt und ich habe sie vor meinem Inneren Auge gesehen. So voller Leid, so voller Überzeugung. Aber das hätte das Ende der von Stefan von langer Hand geplanten Kampagne bedeutet. Ich weiß, wie viel Arbeit eine solche Kampagne machen kann. Hier stand ich wirklich am Scheideweg. Aber letztendlich habe ich mich für das Weiterspielen entschieden. Der Dämon oder was auch immer Flavion Conaris Feind ist, der kann sich schon mal warm anziehen. Ha!)

Ich wache schweißgebadet auf. Josephina hat sich wie ein Kätzchen zusammengerollt an meiner Seite geschmiegt. Ihr Atem geht ruhig und ihr Gesicht ist vollständig entspannt. Es hat ihr deutlich gut getan, dass wir den Abstand zu diesem verfluchten Planeten vergrößert haben. Carmina liegt auf der anderen Seite auf dem Rücken und schläft ebenfalls friedlich. Vorsichtig arbeite ich mich aus dem Bett heraus, darauf achtend keine von meinen Gespielinnen aufzuwecken. Ich werfe mir einen Morgenmantel über und tappe im von einigen Statusbildschirmen erhellten Dunkel zu meinem Schrein. Neben dem goldenen Imperator hat auch eine grob geschnitzte Figur aus Gryphonias Besitz ihren Platz gefunden. Die hölzerne Figur wirkt in ihrer Einfachheit etwas deplatziert neben dem filigran gearbeiteten Imperator aus Gold. Aber was der geschnitzten Figur an Anmut fehlt, macht der tiefe Glaube der Schnitzerin mehr als wett. Ich knie vor dem Schrein nieder, zünde zwei Kerzen und etwas Weihrauch an. Die Traumvision hat mich tief erschüttert und suche Trost im Gebet. Was soll ich nur tun?

Ich höre leise Schritte auf bloßen Füßen und meine kleine Josi kniet neben mir. Sie murmelt ein kurzes Gebet und schmiegt sich dann an mich.
"Danke, dass ich nicht länger diese verfluchten Stimmen lauschen muss. Sie waren die ganze Zeit in meinem Kopf. Ich hätte das nicht mehr länger ausgehalten, Flavi!" Sie haucht mir einen Kuss auf meine stachlige Wange.
"Das war das mindeste, was ich für dich tun konnte, meine Kleine." Ich streichle über ihren Arm und drücke sie kurz an mich.
"Kannst du nicht schlafen?"
"Meine Seelenhirtin hat mich ein weiteres Mal im Traum besucht. Wohl zum letzten Mal. Ihre Worte und ihre Einsatzbereitschaft mir zu helfen, haben mich tief berührt. Oder besser gesagt, erschüttert. In ihren Worten liegt durchaus viel Wahrheit. Ich weiß, nicht was ich tun soll. Beinahe bin ich versucht, ihrem Rat zu folgen, die Audacia zu verlassen und zu zerstören. Etwas ist an diesem Schiff, das einfach falsch ist. Sie war einfach zu lange Zeit in Xenoshänden. Wer weiß, was ihr alles widerfahren ist, bevor sie von den Stryxis gefunden wurde." Von der Besatzung mit äußerst zweifelhaftem Ruf will ich gar nicht erst anfangen. Die "Audacia" ist durch viele Hände gegangen und viele davon waren mit einem Makel behaftet. Sei es der Makel des Xenos, des Ketzers oder des Mutanten. Und ausgelöscht zu werden ist das Schicksal der Makelbehafteten.
"Dein Vater wäre nicht begeistert, wenn du die "Audacia" einfach zerstörst. Und er ist kein Mann, der leicht verzeiht." Da hat meine Konkubine nur zu Recht. Zu Hause hätte ich keinen Platz mehr. Ich wäre dann auch ein Renegat, ein Flüchtling. Gestrandet in der Weite.
"Ich weiß, nach Tarsus zurückzukehren, wäre keine Option. Ich würde eine Verdammnis gegen eine andere eintauschen. Eigentlich weiß ich, was ich tun muss. Aber es gefällt mir immer weniger. Früher hatte ich meine Missionen und hatte freie Hand, wie ich vorgehen konnte. Meist ging es nur darum, jemand ins Jenseits zu befördern, der es auch verdient hat. Jedenfalls aus der Sicht meiner Familie. Jetzt ist alles so kompliziert und verworren. Mit den normalen Problemen komme ich klar. Es ist zwar schwer, verschiedene Fraktionen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Forderungen zufrieden zu stellen, aber ich glaube, so langsam habe ich halbwegs den Dreh raus. Aber diese ganzen psionischen Phänomene…" Ich merke, wie sie bei den letzten Worten zusammenzuckt. "Damit meine ich nicht dich. Jeder Lordkapitän eines Freihändlerschiffes hat in seinem Gefolge eine Hexe. Und ich bin froh, dass du meine kleine süße Hexe bist." Ich küsse sie auf dem Mund und sie öffnet sich mir bereitwillig. Nach einigen intensiven Herzschlägen löse ich mich von ihr. "Diese verfluchte Lady Anagai und ihre dämliche Prophezeiung. Ich hätte ihr Rabenklaue durch ihr dunkles Herz treiben sollen, als ich vor ihr stand. Aber hinterher ist man immer schlauer." Ich seufze tief. Carmina regt sich im Bett, durch unser Gespräch wach geworden.

"Ist was passiert?", fragt sie gähnend und sucht den Raum nach Bedrohungen ab. Ich erkläre auch ihr, was ich geträumt habe. Sie schält sich nackt unter der Zudecke hervor und schlüpft in einen seidenen Morgenmantel.

"Ich habe Angst, wirkliche furchtbare Angst, dass Gryphonia nur zu Recht hatte. Bis jetzt war mein Leben eine Aneinanderreihung interessanter Abenteuer. Sicherlich war mein Status bei meiner Familie nicht wirklich hoch angesiedelt und ich hab Arbeit gemacht, die sonst keiner machen wollte. Aber letztendlich hatte ich meinen Spaß und Freude an meinen Aufgaben. Hingehen, jemand tot schlagen, das krieg ich hin. Kleine Einheiten von Leuten führen, die wissen, was sie tun, kein Problem. Aber das hier jetzt….", mache ich meinen Sorgen und Ängsten Luft. So klar wie heute habe ich noch nie meine Situation gesehen.
"Was immer da auch auf dich lauern wird, Liebster, du wirst es umhauen!", meint Carmina resolut.
"Ja, diese Lady Anagai hat sich den Falschen ausgesucht, um ihre finsteren Spielchen zu treiben!", meint auch Josephina und ich spüre, dass sie das Ernst meinen.
"Überschätzt ihr mich da nicht ein bisschen?", frage ich.
"Nein! Du bist ein großer kräftiger willensstarker Mann mit einer Ausstrahlung, die jede Frau feucht werden lässt.", meint Carmina.
"Ja, wir Beide haben das größte Glück, welches eine Konkubine für sich erhoffen kann. Im Fleischhaus habe ich immer befürchtet, wir würden an einen perversen Fettsack verscherbelt werden, der zehnmal so alt und zehnmal so schwer ist wie wir zusammen. Und der nur noch einen hochkriegen kann, wenn er sich eine ganze Vierachserladung Potenzmittel einwirft. Oder an einen Perversen, der nur noch Freude am Sex hat, wenn er anderen furchtbare Schmerzen zufügen kann. Es gab durch aus Mädchen, die für solche Herren herangezogen worden sind. Aber stattdessen wurden wir einem jungen vitalen gutaussehenden charmanten Lausbuben verkauft, der unglaublich süß ist", führt Josephina aus und ich spüre, dass sie jedes Wort auch wirklich so meint. Oder verdammt gut daran ist, mir das Glauben zu machen.

"Ja, der Imperator hat es wirklich gut mit uns gemeint." Carmina drückt mir einen dicken Schmatz auf die Wange. Irgendwie bin ich wirklich gerührt. "Und der Imperator schützt und hat ein Auge auf uns. Was immer auch noch für Herausforderungen auf dich warten werden, du wirst es schaffen! Nichts und Niemand wird dich auf deinem Weg aufhalten!" Jetzt fühle ich mich richtig aufgebaut und die Phase des Selbstmitleids ist vollkommen verflogen.

"Wir beide lieben dich vom ganzen Herzen, besonders dein bestes Stück", überaschenderweise berührt dabei Carmina meine Brust und nicht meinen Schritt.
"Ja, dein großes Herz, das ist dein bestes Stück. Die meisten haben gar keins mehr, aber du bist voller Güte und Großzügigkeit unter dieser oft grummeligen Maske. Lass es dir nicht klein reden. Lass nicht zu, dass man Freundlichkeit und Verhandlungswille als Schwäche wahrnimmt. Du bist nicht schwach! Du bist stark! Stark genug um nicht aufzugeben. Du wirst siegen!", meint Josephina und umarmt mich zärtlich. Etwas unbeholfen erwidere ich die Umarmung und muss dann das gleiche mit Carmina machen. Danach schmiegen sich beide Konkubinen eng an mich und lassen ihre lieb gemeinten Worte wirken.

Meine Mädchen haben Recht! Ich bin meines eigenen Glücks Schmied und wer immer da draußen es auf mich abgesehen hat, ich werde einen Weg finden, ihn zu vernichten. Lady Anagai hat sich den Falschen für ihr perfides Spielchen ausgesucht und die Konsequenzen werden für sie absolut und endgültig sein. Bei ihr werde ich keinerlei Rücksicht nehmen und Gnade verdient dieses Ding nicht. Das wirkliche Problem wird sein, dass ich sie wahrscheinlich gar nicht wirklich vollständig töten kann. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 06. März 2013, 15:00:57
Position:
Anmut
Mond
"Audacia"
Zeit: 2 118 784.M41

Irgendwo treibt sich noch die drogensüchtige Machenko mit ihrer hochverschuldeten "Hohes Risiko" herum. Ich gebe den Techpriestern eine Woche, die Audacia wieder kampffähig zu bekommen. Derweil habe ich vor, auf Anmut so viel Profit wie möglich zu machen. Dort gibt es noch viele Anwesen voller Reichtümer, die nur darauf warten, meine Kassen zu füllen. Deshalb starte ich mit einem Guncutter und einem Aquila Lander im Schlepptau. Wir steuern eine der abgelegensten Inseln in einem Archipel auf der anderen Seite des Stückes Landes an, auf dem Port Chorda liegt. Das gewaltige Anwesen im gotischen Herrenhausstil ist von einer weitläufigen gewaltigen und vollkommen geschlossenen Mauer umgeben. Die Gartenanlage besteht aus steinernen Laubbäumen, die lebensecht angemalt sind. Eine Landeplattform ist nicht auszumachen. Einer der Anbauten könnte vielleicht ein sich öffnendes Dach haben, aber den dortigen Maschinengeist können wir von hier aus nicht kontaktieren. Also lasse ich mit den Maschinenkanonen des Kutters eine Landezone schaffen. Es ist fast schon traurig, diese Kunstwerke zu pulverisieren. Besonders da dieses Haus mir sehr gefällt. Wenn es mir gelingen sollte, Anmut wirklich permanent in meinen Besitz zu bekommen, wird das mein Sitz werden. Deswegen wird nur ein kleiner Teil vernichtet. Wir landen und ich lasse die Zone von einigen meiner Marineinfanteristen schützen. Es gibt zwei Eingänge in das Anwesen. Einmal große Doppeltüren und dann eine massive Tür in einem Anbau, der nicht ganz so prächtig aussieht wie das Hauptgebäude. Ich entschließe mich, die Nebenpforte zu nehmen.

Auch diese Tür ist massiv aus Adamantium und reich mit verschlungener Ornamentik verziert. Ein elektronisches Schloss verwehrt mir den Zutritt. Ich hole den Techpriester des Guncutter, der mit viel Weihrauch, noch mehr Gebeten und seinem technischen Glauben schließlich den Maschinengeist weit genug motiviert, sich zu entriegeln. Geht doch! Wir dringen mit gezogenen Waffen ein, man weiß ja nie. Obskure psionische Phänomenen warten ja bekanntlicherweise darauf, mich förmlich zu jeder unpassenden Gelegenheit anzuspringen. Tatsächlich kommen wir in einen Wintergarten wo noch eine einzige Pflanze in Form eines Busches blüht. Ich gehe näher heran, bleibe aber in knapp neun Metern Entfernung stehen. Seltsame weiße Fäden hängen daran herab. Es passiert nichts, also ignoriere ich den verdammten Busch und gehe weiter. Die ersten Zimmer, durch die wir gehen, scheinen eher zweitrangiger Natur zu sein. Also Bedienstetenquartiere, Waschküche, Werkstätten für die Instandhaltung eines solchen Anwesens. Nur der Flur zum Wintergarten und der angrenzende Salon scheinen für die herrschaftlichen Bewohner bestimmt gewesen zu sein. Alles sieht unberührt aus, keine Plünderungen, keine Vernachlässigung. Alles sieht so aus, als ob die Herrschaft gleich herein spaziert würde kommen. Durch den Gang kommen wir in die Eingangshalle. Eine Freitreppe führt in die oberen Stockwerke. Eine massive verschlossene Tür führt in den Untergrund. Wir ignorieren auch diese Tür erst einmal und erforschen das Anwesen. Überall warten Reichtümer nur darauf von uns eingesackt zu werden. Schnell kristallisiert sich heraus, dass hier einst ein Angehöriger des Imperialen Flottenmedicuschores gewohnt hat. Auf einem Bett ist seine prächtige weiße Uniform ausgelegt, die noch Rangabzeichen hat. Ich bin kein Experte für solch exotische Uniformen, da ich nie in der Imperialen Flotte gedient habe. Aber nach den ganzen Brimborium zu urteilen war der Besitzer eine ziemlich große Nummer und weit oben in der Hierarchie. Auf einem Schreibpult liegt vor dem Bett ein aufgeschlagenes Buch, wo die Seiten leider total verblichen sind. In die noch lesbaren Wortfragmente lässt sich viel hinein interpretieren, aber wenige Fakten daraus gewinnen. Es stellt sich natürlich auch die Frage, was so jemand auf einem Planeten macht, der eher von Renegaten bewohnt wird.

Im Holster der Uniform steckt noch eine reich verzierte Laserpistole. Neugierig ziehe ich die Waffe heraus und mich trifft beinahe der Schlag. Ich glaube es ja nicht, eine wirklich uralte Laserpistole. Ehrfürchtig starre ich auf das Manufakturzeichen und die eingravierte Jahreszahl. Die Manufaktur heißt Ritterstahl, beheimatet auf Terra und die Waffe ist mehr als zwanzigtausend Jahre alt, wenn man dem eingraviertem Herstellungsdatum Glauben schenken will. Der Gottimperator scheint mich heute wirklich zu lieben. ich sehe das mal als ein Zeichen an, dass er auf seinem goldenen Thron sitzend will, dass ich meinen Weg weiter beschreite. Es gibt noch ein Schmuckstück, das ein Refraktorfeld enthält, welches Solun Ares erhält.

Ich bin richtig hin und weg von dieser Laserpistole. Der Griff scheint sich meiner Hand regelrecht anzupassen und etwas im Innern minimiert die Wackelbewegung. Die Waffe hat ohne Weiteres die Reichweite eines Karabiners und die Präzision eines Scharfschützengewehres. Wir finden eine Tresorkammer voller Schmuck, Edelsteine und Throne. Als schließlich alles wertvolle Bewegliche von den oberen Stockwerken in unsere Beiboote geschafft wurde, kümmern wir uns um die ominöse Tür, welche in den Keller führt. Der Techpriester vollführt ein weiteres Mal ein weihrauchintensives Ritual und der Maschinengeist gibt den Weg frei. Mit gezogenen Waffen dringen wir in den Keller vor. Die ersten Räume sind äußerst profan und die Speisekammern sind teilweise noch gut gefüllt. An Hunger sind die ehemaligen Bewohner wohl nicht gestorben. Im letzten Raum finden wir ein Teil der Lösung des Rätsels, wo die Bewohner dieses Anwesens abgeblieben sind. Und ihr Schicksal war wohl ziemlich bitter! Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 08. März 2013, 16:59:36
Position:
Anmut
Abgelegenes Archipel
Herrensitz
Keller
Zeit: 2 119 784.M41

Auf einigen Betten sind ausgemergelte Leichen geschnallt. Andere Leichen sind im Raum verteilt. In einem Pentagramm liegt eine weitere. Vor dem Pentagramm steht ein reich verziertes Lesepult ein Buch mit blutroten Buchstaben. Ich bin nicht sicher, was hier abgelaufen ist, und bewege mich mit schussbereiter neuer Laserpistole tiefer in den Raum hinein. Vorsichtig setze ich meine Schritte, um nicht auf sterbliche Überreste zu treten, die hier zuhauf herumliegen. Ich bin ziemlich sicher, dass hier ein recht dunkles Ritual mit einem Menschenopfer abgehalten wurde. Und es scheint nicht wirklich gut geklappt zu haben. Ohne dass etwas passiert, umschreite ich das Pentagramm mit dem mutmaßlichem Opfer. Ich riskiere einem näheren Blick auf das außergewöhnliche Buch. Die Seiten sind aus einem seltsamen Material, das ich nicht einordnen kann. Es ist weder Pergament, noch Papier, aber auch keine abgezogene Menschenhaut oder so was. Ich bin  nicht sicher was ich davon halten soll und trete zurück. Just in dem Moment zischt eine Flammenlohe aus Bruder Obskurus Flammenwerfer  heran und vernichtet das Buch unwiderruflich. Ich werfe ihm dem Astropathen einen äußerst bösen Blick zu.

"Dafür wirst du bezahlen, Bruder Obskurus!"
"Dieses Buch war Blasphemie! Ketzerei!"
"Mag sein, trotzdem ziehe ich dir den Wert von deinem Lohn ab!" Wenn er noch Augen hätte, würde er jetzt bestimmt grimmig aus der Wäsche gucken.
"Löscht die Flammen, bevor dieser Landsitz auch noch abbrennt!" Mit einiger Mühe gelingt es meinem Gefolge, das Feuer zu ersticken. Zum Glück gibt es hier noch ein paar funktionierende chemische Feuerlöscher, die auch geweihtes Promethium zum Erlöschen bringen können. Thronverdammt! Vielleicht wäre in dem Buch ein Hinweis gewesen, mit der Bedrohung aus dem Norden ohne die Hilfe der Stryxis fertig werden zu können.

In den nächsten zwei Tagen schreiten die Reparaturen an der "Audacia" wie auch an der "Knochenschinder" voran. Bei den nächsten Missionen bleibt Bruder Obskurus an Bord der Audacia zurück, offiziell um ihn nicht weiter den psionischen Stimmen aus dem Norden auszusetzen. Inoffiziell ist der Grund, dass ich keine Lust habe, mir Profit zunichtemachen zu lassen, weil ein Fanatiker unersetzbare Kunstwerke und Bücher in Flammen setzt. Die Kunstgegenstände der anderen Anwesen sind in vielen Fällen sehr viel explizierter und Symbole des Erzfeindes finden sich zuhauf. Sterne mit acht Strahlen, Runen in Form von skelettierten Schädeln, Symbole in dreifacher Symmetrie, eines mit Monden, ein um die Ecke fliegender Komet und welche ohne wirklich erkennbare Form. Ein aufrechter Untertan des Gottimperators müsste die eigentlich vernichten, aber ich habe ganz zufällig ein Schiff zu unterhalten und eine Crew zu bezahlen. Profit heiligt die Mittel! In der Zwischenzeit frage ich mich, ob ich nicht diesen Leitspruch auf mein Banner schreiben soll statt wer "Wer wagt, gewinnt!"

Am vierten Tag stoßen wir in einem Anwesen auf eine Gruppe primitiver Wildorks, die Rüstungen aus Knochen tragen. Es ist recht spaßig, die Saubande ins Freie zu treiben und zuzusehen, wie sie von Maschinenkanonensalven zerrissen werden. Mit Flammenwerfern äschern wir ihre Leiber ein und haben damit ein gottimperatorgefälliges Werk getan. Leider haben die Banausen alles Wertvolle zerschlagen oder krude umgeformt. Thronverdammt. Es lässt sich zwar noch etwas durch den reinen Materialwert verdienen, aber das sind nur Brotkrumen.

Am fünften Tag treffen wir auf eine schwerbewaffnete Renegatentruppe, die verbissen ihren Stützpunkt verteidigt. Da ich nicht bereit bin, für ein schon ausgeplündertes Gebäude Ressourcen zu verschwenden, ziehen wir uns beim Anzeichen des ersten Widerstandes zurück. Ich erschieße allerdings zur Übung mit meiner neuen uralten Laserpistole einige Kannibalen mit gezielten Kopfschüssen. Wann hat man so eine schöne Schussbahn zur Verfügung mit beweglichen Zielen? Trotz allem lasse ich die Koordinaten des Landsitzes dokumentieren und deklariere dieses Gebäude als Übungsziel für den nächsten Waffenfunktionstest der Audacia, sobald sie aus dem Dock heraus kommt. Wir finden ein anderes, noch intaktes Anwesen und plündern dieses ohne auf Widerstand zu treffen.

Am sechsten Tag zerschießen wir eine Orkhorde beim Überfliegen, grillen ihre Überreste und plündern zwei weitere Anwesen. Selbst wenn Aspyce Chorda mir Anmut nicht überschreibt oder ich diese Welt nicht halten kann, so langsam bewege ich mich wieder in der Gewinnzone.

Am siebten Tag betreten wir am Morgen ein frisch geplündertes Anwesen. Die verbrannten Stellen auf dem Landplatz davor sind noch lauwarm. Sofort befehle ich den Rückzug zur "Dolch des Schicksals", Lordkapitän Machenko ist wieder da. Oder ein anderer Konkurrent. Es ist nun zu gefährlich, weitere Plünderungen ohne eine kampfbereite "Audacia" im Rücken durchzuführen. Die Reparaturen sind gut vorangeschritten, aber viel mehr ist mit den hier vorhandenen Mitteln nicht mehr durchzuführen. Die Manövriertriebwerke auf Steuerbord sind immer noch massiv beschädigt und die "Audacia" hat die Flugeigenschaft eines Backsteins. Aber auch vorher war sie schon keine Kunstflugmaschine. Die "Knochenschinder" ist nun auch wieder gefechtsbereit. Aber deren Torpedovorräte sind bedenklich zusammen geschrumpft. Zwei Salven zu je acht Torpedos sind alles, was noch vorhanden ist. Nun gut, für eine einzelne Fregatte sollte unsere Kampfkraft reichen. Sollten es mehr sein, werden wir uns wohl in die Tiefe des Raums orientieren müssen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 11. März 2013, 13:10:57
Position:
Mond von Anmut
"Audacia"
Brücke
Zeit: 2 135 784.M41

In voller Gefechtsbereitschaft dringen wir in den Orbit von Anmut ein. Die "Knochenschinder" fliegt leicht versetzt auf unserer geschwächten Steuerbordseite nach hinten auf parallelem Kurs. Nach drei Stunden finden wir eine Fregatte im Orbit auf Schleichkurs. Wir nähern uns mit hochgefahrenen Schirmen bzw. Verwirrungsfeld dem mutmaßlichem Schiff von Machenko an. Wahrscheinlich haben sie uns noch nicht geortet und wir könnten sie sauber aus dem Orbit pflücken. Aber wir sind hier nicht im Krieg, Machenko ist eine Konkurrentin, die es zu vertreiben gilt, keine Feindin, die es zu vernichten gilt. Deswegen werfe ich den Breitbandsender an und motiviere mit einer kleinen Litanei den Maschinengeist in meiner Konsole. Die Zustandsrunen signalisieren volle Einsatzbereitschaft des Maschinengeistes.

"Hier spricht Lordkapitän Flavion Conari von dem leichten Kreuzer "Audacia"! Unbekannte Fregatte im Orbit von Anmut, Sie befinden sich in meinem Hoheitsgebiet. Bitte verlassen Sie augenblicklich meine Hegemonie oder ich sehe mich gezwungen, Waffengewalt einzusetzen." Sende ich an die "Hohes Risiko", da es sich mit absoluter Sicherheit um das gleiche Raumschiff handelt, welche vor etwa über einer terranischen Woche die "Dolch des Schicksals" angegriffen hat. Die Fregatte ändert leicht den Kurs, wahrscheinlich um die Sendeleistung ihrer Sensoren zu verbessern. Ich kann mir vorstellen, dass dort jetzt die Alarmsirenen heulen, Schotten geschlossen und Waffensysteme bemannt werden. Aber wie gesagt, ich bin auf keinem Kreuzzug und wenn ich eine gütliche Einigung erzielen kann, welche das Gesicht beider Parteien wart, ist das mehr wert als ein militärischer Sieg. Jeder Konflikt kostet Ressourcen und die Besatzung der Audacia ist stark geschrumpft. Und inzwischen weiß ich, dass Raumfahrer ohne größeren Makel in der Weite eine Rarität sind. Nach fünf Minuten setze ich ein Ultimatum.

"Unbekannte Fregatte im Orbit über Anmut. Nehmen Sie unverzüglich Kurs auf den nächsten Sprungpunkt oder kommunizieren Sie mit mir. Notfalls mit Lichtsignalen, falls ihre Sendestation ausgefallen ist. Erfolgt innerhalb der nächsten fünf Minuten keine Reaktion, sehe ich mich gezwungen, mit Waffengewalt gegen Sie vorzugehen." Ein rücksichtsloserer Mann als ich würde jetzt schon das Feuer eröffnen. Manch einer wird mich für schwach halten, jetzt nicht sofort zu schießen. Aber es erfordert wahren Mut, den Trumpf der Überraschung aus der Hand zu geben, um Blutvergießen zu vermeiden. In einem uralten Buch eines schon vor vielen Jahrzehntausenden verstorbenen Philosophen hatte es geheißen, der beste General sei jener, der seinen Gegner ohne Waffengewalt niederzuringen vermag, weil der Gegner einfach einsehen muss, dass er schon verloren hat, bevor die Schlacht begonnen hat. Der Kapitän der "Knochenschinder" Borgar rät mir, die verdammte Schlampe zu atomisieren und die "Hohes Risiko" im atomaren Feuer unserer Waffensysteme zu rösten. Aber wie gesagt, ich bin immer noch für eine friedliche Lösung zu haben. Kurz vor Verstreichen der Frist gibt es endlich eine Antwort.

"Hier spricht Lordkapitän Machenko von der "Hohes Risiko"! Eure Ansprüche auf Anmut entbehren jeder Grundlage. Dort unten gibt es für uns beide genug Profit abzugreifen!", antwortet eine weibliche Stimme und ich habe ein Déjà-vu. Irgendwie scheint hier keiner meine Großzügigkeit angemessen honorieren zu wollen. Thronverdammt!
"Aspyce Chorda hat mir Anmut für einen Dienst überschrieben, damit habe ich vollständiges Anrecht auf Anmut und seine Besitztümer. Ich biete Euch nun an, verlasst den Orbit von Anmut und steuert unverzüglich den nächsten Sprungpunkt an. Was ihr bis jetzt geplündert habt, könnt ihr behalten. Andernfalls werde ich entsprechende Maßnahmen ergreifen, meine Rechte zu schützen!", antworte ich ruhig.
"Große Wort für einen jungen Grünschnabel. Euer Onkel hatte schon keinen Schneid." Da mag sie ja durchaus recht haben.
"Aber ich bin nicht mein Onkel! Seit meiner Ernennung zum Lordkapitän habe ich zwei Fregatten besiegt und eine Raumstation geentert. Die Station übrigens, an der ihr gescheitert seid!", versuche ich sie einzuschüchtern.
"Zwei Fregatten! Und ihr haltet Euch wohl schon für Angevin persönlich?", kommt es leicht spöttisch zurück.
"Dafür dass ich erst über ein halbes Jahr das Kommando inne habe, ist das gar nicht mal so schlecht. Auch Sebastian Winterscale hat mit einem Sieg angefangen", erwidere ich etwas pikiert.
"Nur weil du kleines Bürschchen einen leichten Kreuzer unter dem Arsch sitzen hast, habe ich noch lange keine Angst vor dir. Lass uns herausfinden, wer der Bessere ist." Bäh! Alle halten mich hier draußen in der Koronus Weite für einen grünen Jungen! Nun gut, ich bin unerfahren, zugegeben, aber ich finde, ich schlage mich nicht schlecht.

"Sensorkontakt auf zwei Uhr! 2000 Klicks aufsteigend! Transporter!", meldet die Sensorstation und schon eröffnen Fregatte und Transporter das Feuergefecht. Thronverdammt! Wenigstens war ich nicht der Aggressor, was nur ein kleiner moralischer Trost ist. Der Kampf ist diesmal recht kurz, aber trotzdem knackig. Gleich beim ersten Schlagabtausch brechen unsere Schilde durch einen Lanzentreffer zusammen und die Backbordseite wird nun stark in Mitleidenschaft gezogen. Ganze Rudel von roten Warnrunen springen mich förmlich an. Aber eine Breitseite, ein Lanzenschlag von zwanzig Sekunden und ein Torpedotreffer von der Knochenschinder verkrüppeln die "Hohes Risiko". Der Transporter feuert mit Makrokanonen auf uns und stellt fest, dass seine Geschosse nicht in der Lage sind, die massive Panzerung der "Audacia" zu penetrieren. Der Kapitän dieses namenlosen Schiffes ist klug genug, die Zeichen der Zeit zu erkennen und dreht ab. Da er den nächsten Sprungpunkt ansteuert, sehe ich von einer Verfolgung ab. Die Audacia ist zu langsam, um dem Transporter zu folgen. Leichte Kreuzer sind keine Sprinter und die kaputten Steuerbordtriebwerke tragen auch nicht gerade zur Beschleunigung bei. Die "Knochenschinder" hat nun nur noch Munition für eine komplette Salve und ich sehe die Kosten-Nutzen Relation dafür nicht zu unseren Gunsten. Auch will ich nicht die "Knochenschinder" alleine bei Machenkos "Hohes Risiko" lassen, da der Funkverkehr zwischen den beiden Kapitänen eine alte Feindschaft vermuten lässt.

"Wir ergeben uns und hoffen auf Gnade, Lordkapitän Conari!", meldet sich Machenko ziemlich kleinlaut. Hat sie nun davon, die dumme Nuss.
"Kommen Sie und ihr XO unverzüglich zu mir an Bord, um die Formalitäten zu verhandeln", fordere ich mit Nachdruck in der Stimme.
"Ha, genau so ist es bei mir auch gelaufen.", meint Kapitän Hellgrett Borgar von der "Knochenschinder"
"Allerdings ist mein Freihändlerbrief über alle Zweifel erhaben." erwidert Machenko etwas pikiert. Nun ist es an ihr, pikiert zu sein. Ich wünschte, die ganze Angelegenheit hätte zivilisiert und ohne Waffengebrauch geregelt werden können.
"Damit hat sie recht, es wird diesmal nicht so einfach sein, ihr einen so umfassenden Knebelvertrag zu verpassen wie Hellgrett.", warnt mich Caine. "Auch könnten ihre Gläubiger ungemütlich werden, wenn sie keinen Profit mehr bekommen."
"Das ist mir klar. Aber ihre Gläubiger werden es zu schätzen wissen, dass sie und die "Hohes Risiko" nicht in der Atmosphäre von Anmut verglüht sind. Machenko aus diesem Vertrag zu lösen wird ein hübsches Sümmchen einbringen. Und bis dahin wird eine weitere Fregatte unsere Flotte verstärken. Schließlich lauert da draußen die Ignes et Amnestia und mit denen habe ich auch noch ein Hühnchen zu rupfen!"

Diesmal habe ich schon ziemliche Routine, den Papierkram zu erledigen. Mit Handschlag begrüße ich Machenko in meiner kleinen Flotte. Die Frau sieht aus wie etwas über dreißig Jahre alt, muss aber deutlich älter sein. Ihre Erscheinung ist gepflegt und ihr Lächeln makellos. Sie trägt eine bunte, knapp geschnittene Uniform aus erlesenem Stoff mit kniehohen Stiefeln aus weichem Leder einer exotischen Todesweltbestie. An ihrer Garderobe spart sie garantiert nicht. Sie ist eine Frau mit vollendeten Manieren und wir bereden das Geschäftliche in meinem Salon mit einem Tässchen Tee, welches wir herzhaft mit Amasec nachwürzen. Dazu serviert meine süße Colette einer ihrer berühmten Kuchen, der noch offenwarm ist. In gesitteter Atmosphäre beginnen die Verhandlungen, die sich als recht zeitaufwendig erweisen, auch wenn wir unsere kleine Diskussion mit viel Wortwitz würzen. Schließlich kommen wir zu einer Einigung, mit der beide Seiten gut leben können.

Gespielt am 29.09.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 2
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 2
EP: 350
Besiegte Gegner:
1 Seelenhirtin
1 "Hohes Risiko"
Beute:
1 Archotech Laserpistole (Flavion)
1 Refraktorfeld (Ares)
Kunstgegenstände

Gedanke des Tages
Spoiler (Anzeigen)
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 15. März 2013, 11:19:19
Persona Dramatis
Spoiler (Anzeigen)

Kapitel 14
In den Schlund der Hölle!

Position:
Orbit von Anmut
"Audacia"
Brücke
Zeit: 2 136 784.M41

Nachdem Machenko und ihre "Hohes Risiko" Kurs auf die Station "Dolch des Schicksals" genommen hat, um dort die Schäden zu reparieren, kümmere ich mich um die Nachwirkungen unseres Gefechts. Ich mache eine Interkomdurchsage, was sich abgespielt hat. Die meisten von der Besatzung der "Audacia" bekommen meist nur die Auswirkungen des unmittelbaren Kampfes mit, nicht die Umstände darum herum. Ich halte für wichtig, dass auch die unteren Ränge darüber aus erster Hand informiert werden, was gerade eben passiert ist. Schließlich können sie nur dann Stolz für ihre "Audacia" entwickeln, wenn sie mitbekommen, was sich da alles tut. Persönlich mache ich mich auf, um die neuen Schäden zu inspizieren und Verwundete auf den Krankenstationen zu besuchen. Zum Glück hält sich beides diesmal im Rahmen.

Nun ist es Zeit, mit den Stryxis Kontakt aufzunehmen. Just in dem Moment, wo ich ein Treffen mit Herrn Bilka, dem Emissär der Xenos, aushandle, bekomme ich in Nachricht, dass ein Xenosschiff in das System einfliegt. Es handelt sich um die typische Karawanenformation dieser Xenos. Der Schlepper ist ein Fabrikschiff der Hephaistosklasse und damit nur etwas kleiner als die Audacia, im Schlepptau hat sie ein Schiff, welches Meisterin Puppila den Raggol zuordnet. Wie das zweite unbekannte einer uns gänzlich unbekannten Xenosbaureihe scheint es sich hierbei um Transporter zu handeln. Mit der "Knochenbrecher" im Schlepptau nehme ich Kurs auf den Stryxis Verband. Schon bald haben wir regen Funkkontakt mit den Xenos. Der Anführer nennt sich Calixo, wahrscheinlich nicht sein richtiger Namen, sondern einer, den auch Menschen aussprechen können. Wir machen aus, dass wir uns an Bord des Xenosschiffes treffen. Xenos an Bord eines Schiffes voller gottesfürchtiger Menschen ist nie gut für die Moral. Also begebe ich mich lieber selbst an Bord dieser widerlichen Xenos.

Mit meinem üblichen Gefolge breche ich schließlich auf. Der Schlepper verfügt über eine gewaltige Landebucht, die mit einem Schutzschirm versehen ist. Also sehr fortschrittliche Technik. Dieses Schiff stinkt nicht so penetrant wie das andere, das ich bei Aufbruch besucht habe, jedenfalls in der Ladebucht ist die Geruchsentwicklung noch erträglich. Einige der Arbeiter sehen aus wie überdimensionierte Knetmännchen eines Kindes, das vergeblich versucht hat, einen Menschen zu modulieren. Die Stryxis sind berüchtigt dafür, dass sie ihre Diener in kruden Tanks züchten. Herr Bilka scheint dabei aber eine der wenigen Kreationen zu sein, die wohl richtig geklappt haben. Drei der Xenos kommen gerade mit einer offenen Plattform herunter gefahren. Wie üblich sind diese großen Xenos vollständig von Kutten verhüllt, welche ihre Anatomie verschleiert. Auch deren Gesichter sehen aus, als hätte man einen Hund gehäutet und dessen Kopf auf ihre Schultern genäht. Für einen kurzen Moment ziehe ich es in Erwägung, dass sie das vielleicht sogar tun. Aber nein, das wäre doch zu viel des Guten, da geht meine düstere Fantasie mal wie wieder vollkommen mit mir durch.

Einer der Stryxis stellt sich als Calixo vor. Wir tauschen die üblichen Höflichkeiten aus und dürfen der Gruppe dann folgen. Wir fahren den Fahrstuhl nach oben und kommen in einer Halle voller Bottiche, Versorgungsrohre und Kessel heraus. Die ganze Anlage macht einen chaotischen und asymmetrischen Eindruck. Das ganze Arrangement sieht wie gewachsen aus, nicht wie geplant. In einigen der Kessel kann man sogar hinein sehen. Dort schwimmen grob humanoide Wesen in einer Art Nährflüssigkeit herum. Auf meine Frage hin bekomme ich erklärt, dass hier ihre Arbeiter gezüchtet werden, die sie teilweise auch verkaufen. Da diese inkompatibel mit einer freien menschlichen Besatzung sind, verzichte ich aber dankend darauf, welche käuflich zu erwerben. Mit Xenos zu handeln ist das eine, ihre Züchtungen als Arbeiter einzusetzen etwas ganz Anderes. Das käme nicht wirklich gut und könnte das auch nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Der Imperator sieht alles und die Meinung der Kirche zu diesem Thema ist ziemlich rigide.

Schließlich kommen wir in einen zentralen runden Raum, von dem viele Türen abgehen. Es sieht aus wie ein zentraler Verteilerraum, um die Bewegungsströme eines Schiffes an einen Punkt zur Kontrolle zu zentrieren. Wahrscheinlich war hier einst eine Schnittstelle zwischen Wohn- und Arbeitsbereichen der ursprünglichen menschlichen Besatzung, immerhin war das ja mal einst ein Fabrikschiff. Jetzt ist er voller Kissen, auf denen wir uns niederlassen. Ich unterlasse es, mir näher den Zustand der Bezüge anzusehen und mache mir eine geistige Notiz, meine Kleidung nach der Rückkehr auf die "Audacia" wirklich gut reinigen zu lassen. Ohne großen Smalltalk kommen wir sogleich zum Kern des Geschäftes. In den Tiefen der Astropathenstation auf Anmuts Nordpol befindet sich ein Kristall von etwa einem Meter Größe und hundert Kilo Gewicht. Wobei die Angaben eher als grobe großzügig aufgerundete Richtungsangabe zu sehen sind. Diesen Kristall will dieser Calixos haben. Dafür bekomme ich einen Warpsturm, welcher Anmut wieder von der Außenwelt abschließen wird. Und eine Route, die nur mir bekannt sein wird. Interessant!

Und äußerst beängstigend. Stryxis gelten als Händler, eben als relativ harmlose Xenos. So harmlos, dass man eben Handel mit ihnen treibt. Aber je mehr ich von ihren Machenschaften kennenlerne, desto mehr machen sie mir Angst. Diese Wesen stecken ihre Nasen zu tief in den Warp. Und wer zu tief in den Warp schaut, in den schaut der Warp zurück! Thronverdammt!

Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 18. März 2013, 15:53:16
Position:
System von Anmut
Namenloses Stryxis Schiff
Verhandlungsraum
Zeit: 2 137 784.M41

Dieser Kristall ist scheinbar für das ganze "Hunger" Dilemma auf Anmut verantwortlich. Und damit höchst gefährlich. Jedenfalls so gefährlich, dass ich keine Ahnung habe, wie ich das Ding transportieren soll, selbst wenn ich daran herankommen sollte. Letztendlich würde Calixos es auch reichen, wenn der Weg dahin von uns freigeräumt werden würde. Das hört sich schon praktikabler an. Leider haben sie nichts anzubieten, was uns vor den Einfluss des Kristalls schützen würde. Und da die Stryxis dieses Ding sicherlich schon länger haben wollen und auch die Zeit hatten, viele Möglichkeiten auszuprobieren, lässt es tief blicken, warum sie so noch nicht zum Ziel gekommen sind. Also wird es mich was kosten, da heranzukommen. Ich berate mich mit meinem Gefolge. Eine solche Route ist nicht mit Elektrum aufzuwiegen, findet Caine. Wir können so Anmut relativ günstig schützen und es wieder zu einem sehr exklusiven Ort machen, wo wir kontrollieren könnten, wer und was nach Anmut kommt. Nach etwas Hin und Her gehe ich auf das Angebot der Xenos ein. Der Kristall gegen eine Versiegelung von Anmut durch einen Warpsturm mit einer exklusiven Passage. Ich habe kein gutes Gefühl dabei, aber wenn ich Anmut behalten will, muss dieses verdammte Ding so schnell wie nur irgend möglich weg. Als kleinen Bonus bekomme ich die Nachricht, dass sich ein Verband aus drei weiteren Schiffen durch den Sturm auf uns zu bewegt. In etwa drei Tagen werden sie hier sein. Also tut Eile Not. Trotzdem ist mir nicht wohl dabei, als ich auf das Geschäft eingehe, Kristall gegen Warpsturm mit exklusiver Route.

Ohne Probleme kommen wir wieder von Bord. Sofort lasse ich Kurs auf "Dolch des Schicksals" setzen, wo alles Personal evakuiert wird, welches sich anfällig für die "Hunger" Phänomene gezeigt hat, inklusive meiner Konkubinen. Ich will meine süße Josephina nicht ein weiteres Mal dieser realen Gefahr aussetzen. Mit einem Guncutter fliege ich herunter zu Port Chorda und versuche, Informationen über die Astropathenstation zu bekommen. Leider war dieses Objekt nie in Besitz der Chorda und deswegen ist nichts davon wirklich bekannt. Bis jetzt ging ich davon aus, dass der Sendeturm zur offiziellen Infrastruktur dieses Planeten gehört hat. Sozusagen als Dienstleistung für die Renegaten, um Kontakt mit der Außenwelt halten zu können. Aber dem ist offenbar nicht so. Ich lasse die Speicherkerne der Station nach entsprechenden Plänen durchforsten. Selbst die Orks waren nicht in der Lage, jeden der Speicherkerne Zweck zu entfremden. Schließlich bekomme ich heraus, dass die Sendestation zu dem Besitz einer ominösen Gruppe gehört hat. Eines der dazugehörigen Anwesen steht noch und dort bekommen wir den Übersichtsplan der Astropathenstation.

Unter dem typischen Turm ist ein gewaltiger Komplex verborgen. Jemand hat mit großem Aufwand eine Art weitläufige Forschungsstation angelegt. So langsam wird mir klar, warum das Bombardement mit Makrokanonen und die Lanzenschläge keine Wirkung gezeigt hat. Die Anlage ist von Grund darauf ausgelegt, einer solchen Bedrohung standzuhalten. Über das Wie und Warum nachzudenken ist rein akademisch. Wir müssen eine Möglichkeit finden, da rein zu kommen. Letztendlich bleibt uns nichts Anderes übrig, als einen Schacht anzulegen und parallel zum zentralen Fahrstuhlschacht zu graben, bis wir zu einem Bereich kommen, der nicht mit eingestürzten Trümmern blockiert ist. Ich lasse die notwendigen Schritte in die Wege leiten und führe persönlich die erste Grabungsmannschaft zum Planeten. Der Turm ist vollständig eingestürzt. Das Gebäude war einst massiv und schwer gepanzert. Aber das Bombardement mit Makrokanonen hat es kollabieren lassen. Darum herum gab es eine weiläufige Außenanlage, die militärisch strukturiert ist. Ich war zwei Jahre auf einer Militärakademie und erkenne eine solche Anlage auf einen Blick. Wer immer das hier gebaut hat, wusste, was er tat. Es gibt die typischen Perimeter und sogar ein Laufgrabensystem mit Bunkern an den typischen Stellen, um einen Bodenangriff abwehren zu können. Die Anlage könnte genauso in der Tactica Imperiales als vorbildliche Verteidigungsstellung stehen. Ich finde zwei Mannschaftsbaracken im Außenbereich, die wie durch ein Wunder unbeschädigt geblieben sind. In jeder fand wohl ein kompletter Zug Quartier. Ich finde Lasergewehre mit der typischen Flottenkennung. AFA VII steht auf ihnen. Ich funke die Audacia an und lasse die Kennung überprüfen. Für was haben wir schließlich dieses Scriptorium an Bord, wenn nicht dafür?

Nach einer Stunde bekomme ich als Antwort, dass AFA VII der militärische Aufklärungsdienst der Calixis Flotte ist. AFA steht für Abteilung Feindanalyse und die VII dafür, dass sie sich mit Xenos beschäftigt haben. Thronverdammt! So langsam wird mir klar, dass hier nicht nur Renegaten gesiedelt haben. Der Arzt, dessen Anwesen wir geplündert haben, war wohl gar kein Renegat, sondern ein hoher Angestellter dieser Station und im Dienst des Imperiums. Zum einen macht es sicherlich Sinn, den Feind dort zu vivisektieren, wo er zuhauf vorkommt. Aber mir fallen da doch ein paar sinnvollere Alternativen ein. Der einzige folgerichtige Grund, diese Station hier in der Weite zu errichten war, dass sie so auch vor dem eigentlichen Flottenkommando geheim gehalten werden konnte. Wahrscheinlich war dies das persönliche Baby eines hochrangigen Admirals und der wollte die Ergebnisse nicht mit anderen teilen. Oder falls was schief ging, sollte von dem Fehlschlag nie etwas bekannt werden. Oder man wollte es auch vor anderen imperialen Behörden wie dem Ordo Xenos der Inquisition geheim halten. Darüber zu spekulieren ist müßig und führt zu nichts. Fakt ist, hier ist eine hochgeheime Anlage der imperialen Flotte. Wer weiß, was hier für geheimnisvolle Artefakte erforscht wurden? Auf alle Fälle ein psionischer Kristall, der eine verhängnisvolle Wechselwirkung mit dem Warpsturm eingegangen ist.

Die ganze Zeit bin ich während meiner Untersuchungen nur am essen. Colette hat mir ein großes Proviantpaket mit ausgesuchten Köstlichkeiten mitgegeben. Ihre mit Liebe gemachten Sahnetörtchen schmecken aber fast wie Pappe, ihre sonst so exzellenten Brötchen schmecken noch fader. Schnell wird klar, dass eine Vier-Stunden-Schicht beim besten Willen nicht einzuhalten ist. Nach drei Stunden ist es unmöglich, die Arbeiten fortzuführen, da die Arbeiter nur noch die mitgeführten Vorräte in sich hinein stopfen und selbst die Servitoren anfangen, einfach mit der Arbeit aufzuhören. Ich lege fest, dass nur noch zwei Stunden am Stück gearbeitet werden darf. Nichts wie weg hier, bevor wir noch zu Kannibalen werden!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 20. März 2013, 14:55:46
Position:
System von Anmut
Anmut
Nordpol
Astropathenstation
Zeit: 2 143 784.M41

Nach zwei Tagen und fünf Verlusten an Personal ist der Zugang zum Bunkersystem freigelegt. Irgendwie ironisch, dass wir es selbst waren, die diese Verheerungen angerichtet haben. Aber in dem Moment konnte ich weder ahnen, dass sich unter der Astropathenstation ein Bunkerkomplex befindet, noch, dass wir dort noch hinunter müssen. Die Sache einfach weg zu bomben, erschien mir zu diesem Zeitpunkt die beste Lösung zu sein.

Unser Zeitfenster ist sehr eng. Der oberste Maschinenseher Kyle Ademis begleitet unsere kleine Expedition in die Tiefe der Hölle. Die Fahrstuhlkabine befindet sich dreißig Meter unter uns. Ich begebe mich als erster nach unten und öffne die Luke. Die geräumige Kabine ist leer, bis auf drei Leichen von Männern in Mannschaftsuniformen der Flotte. Ich gleite nach unten und achte darauf, dass die Toten sich nicht doch noch bewegen. Aber alles bleibt ruhig. Irgendwo dort unten muss noch eine gut abgeschirmte Energiequelle arbeiten, denn wir haben hier noch Strom. Kyle Ademis gelingt es, die Kabine in Bewegung zu setzen. Leider können wir nicht ganz nach unten fahren, da das Isolierlabor von einer weiteren Panzertür abgeriegelt ist, die nur vom Direktor geöffnet werden kann. Also müssen wir das Büro des Direktors finden und das Schott entriegeln. Dank der Karte wissen wir, wo es sich befindet. Die Fahrstuhltüren sind aus Panzerglas, so können wir sehen, wie die Stockwerke an uns vorbei ziehen. In einem sind die Türen des Schachtes offen und wir können ein paar noch lebende ausgemergelte Wesen erkennen, wie wir sie schon in Direktors Chullas Keller gesehen haben. Ausgemergelte Gestalten, die gar nicht mehr leben dürften. Thronverdammt!

Schließlich erreichen wir das Stockwerk, wo sich früher die Verwaltung und das Büro des Direktors befunden hatte. Wenig überraschend schälen sich im Licht des Scheinwerfers meines Servoschädels die Konturen dieser Zombies heraus. Nun gut, Zeit sie der Gerichtsbarkeit des Imperators zu überstellen. Wir nehmen eine U-Förmige Verteidigungsstellung ein, bevor Kyle Ademis die Tür öffnet. Sofort setzt sich eine Horde von Zombies in Bewegung, um ins Kreuzfeuer unserer Waffen zu geraten. Während Meisterin Puppila den Großteil ihrer Boltgeschosse präzise ins Ziel befördert, scheint Pech an meinen Händen zu kleben. Meine erste Salve aus meiner Plasmapistole geht deutlich daneben (93%), dann überlädt Rabenschwinge und ich muss sie loslassen, um nicht vom Plasma meiner eigenen Waffe gekocht zu werden. (99%). Thronverdammt!

Ich ziehe meine Boltpistole und schieße so lange daneben, bis ich eine Ladehemmung habe. Irgendetwas scheint die Maschinengeister meiner Waffen rebellisch gemacht zu haben. Inzwischen ist der Großteil der Angreifer tot auf dem Boden. Frustriert werfe ich das eigentliche Qualitätswerkteil von Stahlstadt einem der Angreifer an den Kopf und besinne mich meiner treuen Rabenklaue. Bei meinem Schwert kann ich sicher sein, dass es nie überhitzen oder eine Ladehemmung haben wird. Irgendwie scheint der Maschinengott heute böse auf mich zu sein. Aber habe ich die notwendigen Rituale nicht immer eingehalten? Nicht immer teures, dreifachgeweihtes Waffenöl benutzt? Sind die Reinheitssiegel nicht immer ordnungsgemäß im vorgeschriebenen Zyklus angebracht worden? Doch! Eigentlich schon. Ich habe keine Ahnung, warum sich die Maschinengeister meiner sonst so zuverlässigen Feuerwaffen auf einmal gegen mich verschworen haben. Oder sind sie etwa eifersüchtig auf meine neugefundene Archäotech Laserpistole? Zicken sie vielleicht nun deshalb herum? Durchaus möglich und sogar wahrscheinlich. Thronverdammt! Manche Männer geben ihren Waffen nicht ohne guten Grund den Namen von Frauen. Nämlich genau so zickig und eifersüchtig werden sie, wenn man was Neues im Holster hat.

Inzwischen sind kaum mehr Zombies übrig, also stürme ich auf den ersten zu und erschlage ihn mit einem hohen, beidhändig geführtem Hieb von der Hut aus. Die Wucht ist so stark, dass ich diese unheilige Kreatur in zwei Hälften spalte. Geht doch! Man muss nur das richtige Werkzeug benutzen, um seine Arbeit zu verrichten.

"Gut gemacht! Rabenklaue! Wenigstens du lässt mich in der Not der Stunde im Stich wie diese beiden treulosen Gesellen!", lobe ich mein Schwert und strecke den nächsten Zombie nieder, der mich angreifen will. Sein Kopf rollt mehrere Meter weit den Flur aus Ferrobeton herunter. Navigatorin Yuri streckt nun auch den letzten der Widernatürlichkeiten nieder, damit wäre das erledigt. Wütend stampfe ich zu meinen Waffen zurück und schimpfe beide erst mal ganz gehörig aus. Diese Standpauke haben die sich wirklich verdient. An Ort und Stelle zelebriert der oberste Maschinenseher der "Audacia" ein Ritual der Versöhnung, wo die Maschinengeister der Pistolen wieder beruhigt werden. Die Ladehemmung beseitigt er ebenfalls und ich verstaue beide Waffen im Holster. Nun ziehe ich die Archotech Laserpistole. Jetzt haben sie allen Grund, eifersüchtig zu sein. Haben sie nun davon! Mistdinger! Schlimmer als Frauen, echt wahr! Thronverdammt!

Wir rücken den dunklen Gang nun vor. Trotz des Jahrhunderts der Vernachlässigung ist alles noch überraschenderweise gut in Schuss. Hier und da finden sich Überreste von total zerfetzten Leichen, aber auch von solchen, die nie angerührt worden waren. Schließlich fressen diese Dinger nur lebendes Fleisch. Irgendwie eine eklige Vorstellung, lebendig gefressen zu werden. Schließlich erreichen wir den eigentlichen Verwaltungskomplex und arbeiten uns durch mehrere Schreibsäle hindurch. Wie überall im Imperium ist auch hier die Verwaltung die mit am stärksten besetzte Stelle. Mein Onkel, der General, hat mir mal erzählt, dass auf jeden Mann der imperialen Armee im Feld fünf Schreiber kommen. Das ist reiner Wahnsinn!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 22. März 2013, 16:40:01
Position:
System von Anmut
Anmut
Nordpol
Forschungseinrichtung
Verwaltungstrakt
Zeit: 2 143 784.M41

Schließlich stehen wir vor einem weiteren Panzerschott, welches den Bürotrakt des Direktors dieser Anlage abriegelt. Kyle Ademis macht sich sofort daran, die Maschinengeister zu wecken und zu besänftigen. Weihrauch schwängert die Luft und sorgt für ein würziges Aroma. Seine Litanei im Maschinencode schallt melodisch durch den Raum. Im scharfgeschnittenen Kegel des Lichtstrahls meines Servoschädels rührt sich erst mal nichts, aber ich meine, Bewegungen von weiter hinten zu hören. Auf diesem Stockwerk sind noch weitere von diesen Widernatürlichkeiten und sie haben großen Hunger. Aber wir sind nicht hier, um als Snack zu dienen. Derweil stopfe ich mir selbst Leckereien in den Mund, um den Hunger zu bekämpfen, der in mir tobt. Da werde ich später einiges an überflüssigen Pfunden wieder abtrainieren müssen. Aber ich weiß schon, wer mir bei dieser schweißtreibenden Aktion helfen wird.

"Falls etwas gibt, das Ritual zu beschleunigen, dann solltet ihr das jetzt tun!", rufe ich dem Maschinenseher zu und schieße auf das erste sichtbare Ziel. Der Strahl löst sich mit einem Peitschenknall und ich treffe zielsicher. Holla! Diese Laserpistole schießt schon beinahe von alleine! Allerdings lässt die Durchschlagskraft gravierend zu wünschen übrig. Nach zwei Schuss steht das Ziel immer noch! Verdammt! Diesmal befinden sich ehemalige Soldaten unter den Angreifern, die uns mit Laserstrahlen eindecken. Wir gehen hinter Schreibpulten in Deckung und erwidern aus allen Waffen das Feuer. So toll die Laserpistole aus uralter Zeit auch sein mag, ihr fehlt es ganz klar an der Durchschlagskraft. Irgendwie enttäuschend für eine Waffe aus dem dunklen Zeitalter der Technologie. (Anfangs war ich aufgrund eines Lesefehlers total begeistert von der Waffe. Allerdings bringt der Zusatz "Genau" bei "Pistolen" nur 10% mehr beim Zielen und keinen zusätzlichen Schaden wie bei "Leichten Waffen“. Hätte ich mit Plasmapistole geschossen, hätte ich ordentlich reingehauen, so sind meine vielen Erfolge einfach verpufft! Danach war ich dann ziemlich angesäuert. Drek! Finsterste Verdammnis! Thronverdammt! ;) )

Frustriert werfe ich mich in den Nahkampf und versuche, einen der Zombies zu erledigen, der mit Energieblitzen um sich wirft. Da er keine Augen mehr hat, denke ich mal, einen ehemaligen Astropathen vor mir zu haben. Ein paar herzhafte Hiebe erledigen ihn, während mein Gefolge die restlichen Zombies mit großem Elan und Zielgenauigkeit in Stücke schießt. War ja jetzt gar nicht so schwer. Kyle Ademis hat inzwischen den Maschinengeist von seinen guten Absichten überzeugt und die Tür geöffnet. Dummerweise ist der Eingangsbereich vollständig mit Einrichtungsgegenständen und Aktenbergen verrammelt. Klar, wenn es etwas in ausreichender Menge in einer imperialen Einrichtung gibt, dann Akten. Es ist ein ziemlicher Kraftakt, die Barriere in den Raum zu schieben, nachdem wir sie etwas abgetragen haben. Weitere kleine Schreibstuben erwarten uns, bis wir schließlich das eigentliche Büro des Direktors finden. Er sitzt hinter seinem ausladenden Schreibtisch von der Größe eines Zweiachsers. Manche Habfamilie hat weniger Wohnraum als die Fläche dieses Schreibtisches zur Verfügung. Neben der Leiche liegt noch die Laserpistole, mit der er sich das Gehirn verdampft hat. Sicherlich in dieser Situation die Beste aller Möglichkeiten, um seine Seele zu retten. Es gibt im Schreibtisch ein Bedienterminal, in der noch die Codekarte des Direktors eingesteckt ist. Ohne Probleme besänftigt Kyle den Maschinengeist, der das Tor für uns zur Seite fährt. Damit können wir nun mit der Fahrstuhlkabine bis ganz nach unten fahren.

So sind wir nun weiter gekommen als jede andere Expedition vor uns. Ich frag mich, warum die Stryxis bis jetzt noch nicht in der Lage gewesen waren, selber bis hierher vorzudringen. Die Opposition ist bisher nicht gerade überwältigend gewesen und das Hungergefühl ist immer noch beherrschbar. Nun ja, ich will mich nicht beschweren, wenn mal etwas leichter ist, als es dargestellt wurde. Meist ist ja gerade anders herum. Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir die Kabine und fahren damit herunter. Wir passieren noch einige Stockwerke, aber kein Zombie springt uns an. Dann rauschen in langen Abständen Markierungen der Wände an uns vorbei. Wir fahren verdammt tief nach unten. Ich will gar nicht wissen, wie viele Millionen Tonnen Stein über uns sind. Sollte wir hier verschüttet werden, wird keiner in der Lage sein, uns hier herauszuholen. Schließlich sind wir fünf Kilometer unter der Oberfläche und es wird verdammt heiß hier drin. Wir ziehen unsere Thermokleidung aus, welche uns vor den arktischen Außentemperaturen geschützt hat. Hier bräuchten wir eher hitzeresistente Kleidung.

Schließlich kommen wir unten an. Jetzt sind wir am Ende des Schachtes angelangt. Ein weiteres Panzerschott ist vor uns, das Kyle öffnet. Dahinter befindet sich eine Sicherheitsschleuse, dann ein Gang, wo Räumlichkeiten des Wachpersonals daran liegen. Am Ende des Flurs aus massivem Adamantium erwartet uns ein weiteres Schott. Überall sind eindringliche Warnhinweise und einschlägige Warnsymbole zu lesen.

"Keiner fasst was an! Was immer die hier untersucht haben, es hat einen Grund, warum sie es fünf Kilometer tief lagern!", befehle ich meinen Untergebenen. Wahrscheinlich liegt hier mehr herum als nur ein Kristall aus dem Warp. Ich möchte nicht in meine Moleküle zerlegt werden, nur weil jemand an irgendeinem Objekt den roten Knopf drückt. Oder in eine andere Zeitebene versetzt werden. Ich habe schon die tollsten Geschichten gehört, was manche Xenosartefakte alles machen können. Das eine oder andere mag sicherlich maßlos übertrieben gewesen sein, aber im Tenor ist die Moral der Geschicht, mit Xenosartefakten spielt man nicht.

"Macht Euch alle bereit. Der Gottimperator wird sicherlich auf uns blicken. Oder wenn ich es mir so überlege. In dem Fall ist es besser, dass er nicht so genau auf uns schaut. Was immer da drin sein wird, tötet es! Fasst nichts an! Und verbrennt nichts, nur weil es ein Buch mit obskurem Inhalt ist!", gebe ich mit gepresster Stimme meine Instruktionen. Rabenklaue ruht in meiner rechten Hand und Rabenschwinge in der anderen. Das gewohnte Gewicht der Waffen gibt mir Selbstvertrauen. Ich bete zum Maschinengott, dass er die Geister meiner Waffen gnädig stimmt.

"Maschinenseher Ademis, öffnet das Tor!" Und der Anhänger von Thule zeigt, dass er die Welt der Maschinengeister gut kennt. Mächtige Bolzen fahren aus ihren Verankerungen. Dieses Schott ist darauf konstruiert, Dinge drinnen zu halten. Mal sehen, was uns nun erwartet. Ich wage die Prognose zu stellen, nichts Gutes!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 25. März 2013, 13:22:32
Position:
System von Anmut
Anmut
Nordpol
Forschungseinrichtung
Quarantänelabor
Zeit: 2 143 784.M41

Das Schott öffnet sich nun zur Gänze und gibt den Blick frei auf einen runden Raum, der grell erleuchtet ist. Das Licht kommt von dem großen Kristall im Zentrum des Gewölbes. Hier befinden sich zwei Zombies in weißen Roben, welche von Energiefeldern umgeben sind. Drei durchscheinende Wesen umkreisen den Kristall in engen Bahnen. Diese Dinger erinnern mich an die fliegenden Köpfe, die uns auf der "Ruhige Gezeiten" angegriffen haben. Das erscheint eine Ewigkeit her zu sein, dabei ist gerade mal ein dreiviertel Jahr seitdem vergangen.

"Gottimperator steh uns bei!" Im Moment kann der Imperator auf seinen goldenen Thron zu Terra durchaus seinen Blick wieder auf uns richten. Verdammte Warpkreaturen! Ich kann mich aber zusammen reißen.
"Tötet die Psioniker!"

Ares ignoriert meinen Befehl erst mal und rückt einfach in den Raum hinein vor. Ich schieße auf den Psioniker, welcher noch einen schwarzen Stab in der Hand hält. Dabei überlade ich die Plasmapistole und zwei kleine Sonnen hämmern durch den Schirm in den verdorbenen Leib des Psionikers. Das hat gesessen! Der Maschinengeist von Rabenschwinge scheint wieder frohen Mutes sein.

"Brave Rabenschwinge, hast du gut gemacht!", lobe ich ihn überschwänglich. Die Geistwesen kommen heulend auf uns zugerast und ich ducke mich unter einem von ihnen hindurch. Mein Passierschlag kommt leider zu spät. Mistdinger! Wie sie hasse! Wie gut, dass mein Herz so voller Hass ist, dass ich nicht mehr länger an den bohrenden Hunger denken muss. Yuri, die Navigatorin, öffnet ihr drittes Auge und bannt eines der Schutzfelder. Die beiden feindlichen Psioniker versuchen, uns mit Energiestrahlen zu rösten, aber gegen die Kraft von Yuri kommen sie nicht an.

Ares eröffnet nun das Feuer auf den Psioniker mit dem erloschenen Schutzfeld. Seine Salve liegt gut und schaltet den Kerl aus. Ein Problem weniger. Da meiner Rabenschwinge gerade wieder aufladen muss, stürme ich auf den verbliebenen Psioniker zu und versuche, ihn zu schlagen, leider weicht er meinem Hieb mit einem gekonnten Seitschritt aus. Ich drehe nach und muss mich eines der Geister erwehren. Meine Parade schickt ihn zurück in den Warp. Ha! Der Gottimperator ist mit jenen, die seinen aufrechten Hass auf alles, was nicht der menschlichen Norm entspricht, im Herzen tragen. Töte den Dämon! Töte den Hexer! Töte den Mutanten! Töte das Xenos! Töte den Häretiker! Und Tod all jenen, die ich gerade vergessen habe aufzuzählen!

Mit einem weiteren Hieb schlage ich dem Psioniker eine tiefe Wunde, aber der Scheißkerl rächt sich, indem er mich mit einem Energiestrahl durschüttelt, dem ich leider nicht ausweichen kann und der auch eine Lücke in meinem Schutzfeld findet. (Beide Würfe um je 3% versaut, was für ein Pech!) Ein weiterer Geist klebt nun an mir dran, dem ich mich erwehren muss. Ich schicke ihn zurück in den Warp und den dritten gleich hinter her. Flavion Conari, Töter der Dämonen!

Der Zombiepsioniker versucht, weitere finster Hexerei auf uns herabregnen zu lassen und schießt eine Batterie von Strahlen auf uns ab. Diesmal ist der Imperator mit mir und seine unheilige Energie wird von meinem Energiefeld abgeleitet. Schließlich stirbt auch er im Kreuzfeuer meines Gefolges. Damit wäre der Raum gesichert, da sich keine weiteren Kreaturen der Verdammnis hier herumzutreiben scheinen. Bruder Obskurus tappt tiefer in den Raum hinein, sein Nase in Dinge steckend, die uns alle die Seele kosten können. Ich pfeife ihn zurück und erlaube Yuri, den schwarzen Stab des Psionikers mitzunehmen, auch wenn ich kein gutes Gefühl dabei habe. Laut der Aussage der Navigatorin sind diese Stäbe hier in der Weite wohl bekannt und oft benutzt. Sie sind aus Xenosproduktion und damit für einen wahren Rechtgläubigen eine Ketzerei. Diese Stäbe kommen von der berüchtigten Xenoswelt Naodesh.

Wir kehren mit der Kabine zurück zur Oberfläche und nehmen Kontakt zu den Stryxis auf, dass sie ihren Kristall abholen dürfen. Ich befehle, dass wir diesen Ort erst mal verlassen, bevor der Hunger uns doch noch übermannt. Ich weiß zu wenig von diesen obskuren psionischen Phänomenen um nicht ausschließen zu können, dass sich die Kraft des Kristalls verstärkt, um neue Diener zu rekrutieren. Ein Landungsschiff der Stryxis kommt recht fix angeflogen und birgt den Kristall, der tatsächlich wieder violett angelaufen ist. Diese Xenos scheinen einige Tricks zu beherrschen, wie man mit solchen Warpphänomenen umgehen kann. Ein Wissen, dass für die Menschheit sehr wertvoll wäre. Vielleicht sollte ich einem gewissen Inquisitor auf Aufbruch eine kleine anonyme Note zu kommen lassen. Auf alle Fälle ist das Hungergefühl nun vollständig erloschen. Aber es wird Zeit, einen gewissen Sicherheitsabstand zu der Welt zu gewinnen. Ich lasse die Station wieder evakuieren und schließe meine geliebten Gespielinnen in die Arme. Es tut gut, sie wieder um mich zu haben. Meine kleine Flotte zieht sich zurück und die Xenos beginnen ihr Werk. Keinen Augenblick zu früh, denn eine kleine Flottille aus drei Zerstörern dringt in das System ein. Um den Ärger komplett zu machen, handelt es sich nicht um irgendwelches Gesindel, sondern um eine Einheit der imperialen Flotte des Calixis Sektors. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 29. März 2013, 14:40:30
Position:
System von Anmut
"Audacia"
Zeit: 2 143 784.M41

Der Warpsturm breitet sich rasend schnell aus und verschlingt Anmut. Damit wäre die Welt sicher vor allen, die sich an meinem Besitz gütlich tun wollen. Auch wenn dies nur mit Hilfe von nicht wirklich vertrauenswürdigen Xenos gelungen ist. Wenig überraschend werden wir recht harsch angefunkt. Ich klemme mich hinter meine Interkomkonsole und lasse mich mit dem Breitbandfunk zum führenden Zerstörer verbinden.

"Hier spricht Lord-Kapitän Conari von der Audacia", melde ich mich. Als Gesprächspartner bekomme ich einen gewissen Kapitän Covalek von der "Gerechter Pfad". Ich hoffe mal, der Name ist nicht Programm. Das letzte, was ich hier gebrauchen kann, ist irgendein Frömmler, der die imperialen Gesetze auswendig kennt und meint, sie hier auch noch anwenden zu müssen. Mein Stab kommt zu dem Schluss, dass ein Gefecht mit einem Verband von drei imperialen Zerstörern mit gut gedrillter Besatzung momentan nicht besonders ratsam ist. Erstaunlicherweise bin ich genau zum selben Schluss gelangt. Die "Audacia" wie auch die die "Knochenschinder" und selbstredend die "Hohes Risiko" sind in einem desolatem Zustand. Ich habe gerade noch so fünfzig Prozent Sollstärke an einsatzfähiger Besatzung, bei der "Knochenschinder" sieht es ähnlich aus und die "Hohes Risiko" verfügt auch nicht gerade über volle Stärke. Die "Knochenschinder" hat nur noch eine Torpedosalve. Nein, ein Kampf wäre in der Tat nicht ratsam. Man sollte wissen, wann man reden und wann schießen sollte. Also spiele ich den braven imperialen Untertan und begebe mich mit der "Audacia" zu einem Rendezvouspunkt. Die beiden Fregatten bleiben schön hinten.

Die "Gerechter Pfad" geht längsseits und koppelt an. Ich lasse alles für einen militärischen Empfang vorbereiten und meine Mädels sich in Schale werfen. Voller Aufregung stürzen sie sich in ihre Wandschränke und stellen schon bald fest, dass ja rein gar nichts zum anziehen haben. Immer das Gleiche! Thronverdammt! Aber sie finden nach einer kleinen Motivationsrede meinerseits dann doch noch etwas Ansprechendes, auch wenn es nicht wirklich mehr der aktuellen Mode entspricht. Da unsere Gäste davon garantiert keine Ahnung haben, was gerade jetzt auf Scintilla In ist und was nicht, ist dieser Fakt vernachlässigbar.

Persönlich nehme ich Kapitän Covalek in Empfang. Der Mann ist deutlich älter als ich, so Mitte Vierzig. Ein passendes Alter für einen Karriereoffizier, immerhin führt er einen Verband. Begleitet wird er von zwei Leutnants und einem Trupp der Sicherheitsgarde. So langsam wird mir klar, dass die nicht rein zufällig hier sind. Wahrscheinlich hat man sie sofort in Marsch gesetzt, als die Nachricht kam, die Warpstürme um das System wären am verlöschen. Diese Station war wohl doch eher offizieller Natur, da die Position dem Oberkommando immer noch bekannt ist. Nun gut, in dem Moment bin ich heilfroh, nichts von der Station mitgenommen zu haben. Bis auf ein paar Lasergewehre, deren Kennung schon längst abgefeilt und mit neuen Nummern in den Magazinen der "Audacia" lagert. Ich bin mal so frei zu behaupten, dass fünfzig Prozent der Waffen hier an Bord ursprünglich aus imperialen Flotten- oder Armeebesitz stammen, welche durch dunkle Kanäle hier ein neues Zuhause gefunden haben. So was ist hier in der Koronus Weite Gang und Gäbe. Schließlich ist das hier kein imperialer Hoheitsraum mehr.

Der kleine Kerl, jedenfalls im Vergleich zu mir, hat einen harten Händedruck und wir machen ein kleines Kräftemessen, das unentschieden bleibt. Er macht mir schnell klar, dass er die imperiale Autorität vertritt und es ihm egal ist, wie weit die offiziellen Grenzen des Imperiums von hier entfernt sind. Schließlich bin ich ein treuer Untertan des Imperators und seines Sprachrohrs, des Senats von Terra. Leider hat momentan kein Vertreter der Freihändler einen dieser Sitze inne. Wie auch immer, äußerlich lächelnd und innerlich knirschend gebe ich ihm die Erlaubnis, die "Audacia" zu durchsuchen. Ich habe sicherlich einiges Plündergut von Anmut an Bord, was mir rein theoretisch ganz legal gehört. Die blasphemischen Symbole auf einigen Kunstwerke sind einfach rein gerutscht. Wirklich verbotene Substanzen habe ich zum Glück nicht an Bord. Auch gibt es keine Sklavenquartiere oder ähnlich Peinliches. Das ist einer der Momente wo ich verdammt Froh bin, dass die Gier bei mir nicht überhandgenommen hat.

Ich führe den Kapitän in Begleitung seines Adjutanten durch das Schiff. Seitdem ich es von meinem Onkel übernommen habe, ist viel geschehen. Und selbst trotz der letzten Gefechtsschäden macht es eigentlich einen recht ordentlichen Eindruck. Aber der Militär rümpft fast bei allem und jedem was er sieht die Nase. Klar, dies ist ja auch kein Kriegsschiff und meine Besatzung hat zurzeit weiß Gottimperator Besseres zu tun, als jedes Stäubchen zu entfernen. Ich führe den Kapitän in mein Quartier ins Raucherzimmer und biete meinem Gast etwas Amasec der Marke "Red Star Prime" an, den er nicht ablehnt. Genau so wenig eine gute Zigarre. Paffend und trinkend beginnt er mich auszufragen. Leider kann ich dem Gespräch keine andere Wendung geben. Ich erzähle von den legalen Unternehmungen des letzten dreiviertel Jahres, eben seitdem ich die "Audacia" führe. Ich habe mehrere Minen in Betrieb genommen, eine Warproute erforscht, einen Piraten erledigt und zwei Planeten in Besitz genommen. Das Horn der Todesweltbestie von Karo Ass schmückt nun die Wand. Ich würze das Ganze mit ein paar lustigen Begebenheiten und Anekdoten, von denen einige sogar wahr sind.

Am Beginn des Nachtzyklus gebe ich ein kleines Bankett und lade dazu alle Offiziere meines Schiffes ein, von denen ich weiß, dass sie nicht von imperialen Behörden gesucht werden. Das sind leider nicht allzu viele. Thronverdammt. Magister Militaris Ares kann ich leider nicht verstecken und auch der Kapitän findet es seltsam, so einen jungen Veteranen vor sich zu haben. Das könnte irgendwann Probleme machen. Ärger, überall Ärger. Zum Glück finden die Flottenangehörige nichts, aus dem sie mir einen Strick drehen könnten. Eine Durchsuchung der "Knochenschinder" und wohl auch der "Hohes Risiko" dürfte nicht so glimpflich abgehen. Deren Besatzung hat mehr auf dem Kerbholz und ich glaube nicht, dass Kapitän Borgar auch nur ein Zimmer voll mit Leuten bekommt, die nicht sofort wegen Häresie, Ketzerei, Verrat oder Piraterie verhaftet und auf den Scheiterhaufen geworfen werden würden. Schon recht bald merke ich, woher der Wind weht. Covalek will nach Anmut und er will die Forschungsstation wieder in Besitz nehmen. Und ich denke mal, er vermutet, dass ich einen Weg durch die Stürme hinein finden könnte. Schließlich ist die "Audacia" ein Exploratorschiff. Also lasse ich mich auf diesen von ihm gewünschten Pfad drängen, welch lustiges Wortspiel in Anbetracht des Namens seines Zerstörers und schlage vor, eine Passage durch den Sturm zu suchen. Ich renne mit diesem Vorschlag eine offene Tür ein und der Kapitän geht schon beinahe zu schnell darauf ein.

Da die Stryxis mir inzwischen eine Nachricht mit der stabilen Route haben zukommen lassen, ist es auch nicht schwer, ganz rein zufällig schon nach zwei Tagen eine Passage zu finden und Anmut wieder zu entdecken. Covalek ist zufrieden und ich kann sogleich einen sehr lukrativen Versorgungsvertrag aushandeln. Auch sieht der offizielle Vertreter des Imperators davon ab, die "Knochenschinder" und "Hohes Risiko" näher unter die Lupe zu nehmen, was wirklich unangenehm hätte werden können. Ich biete den einheimischen Bewohner von Port Chorda an, sie zu evakuieren. Aber dieses Angebot nehmen nur sehr wenige an. Nachdem ich einen weiteren Vertrag mit Direkter Chulla ausgehandelt habe, lasse ich Kurs auf die Schrottwerften setzen. Ich bin wirklich froh, als ich endlich Kapitän Covalek von Bord begleiten kann. Mal sehen, was uns auf den Schrottwerften erwartet.

Gespielt am 13.10.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 2
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 2
Yuri aka Lady Helmchen Navigator Rang 1
Ares Magister Militaris Rang 1
EP: 600
Besiegte Gegner:
Ein Haufen Zombies
Mehrere Psioniker
Drei Imps
Beute:
1 Schwarzer Stab

Gedanke des Tages
Spoiler (Anzeigen)
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 01. April 2013, 12:40:54

Persona Dramatis
Spoiler (Anzeigen)

Kapitel 15
Die Schrottwerften!

Position:
System von SR561
"Audacia"
Zeit: 2 188 784.M41


Der Warpsprung dauert doppelt so lang wie die prognostizierten drei Tage. Manchmal ist der Warp eben launisch. Das System SR561 ist dominiert von einer riesigen roten Sonne. Planeten gibt es hier keine mehr. Der hier endende Mahlstrom hat alle Welten wortwörtlich zermalmt und ihre Trümmer bilden nun die festen Körper dieses Systems. Im mittleren Bereich des Systems umkreist die Hauptstation der Schrottwerft die Sonne. Der Weg dorthin ist voller Gefahren und auch wenn Lady Helmchen einen komplizierten Transfer ins System austüftelt, ist dieser doch voller Tücke. Auf einmal kollidieren durch eine plötzlich auftretende Gravitationssenke zwei große Asteroiden und ihre Trümmer explodieren in alle Richtungen. Meisterin Puppila gelingt es nicht trotz sofort eingeleitetem Ausweichmanöver den Trümmern auszuweichen. Mit einer schnellen Bewegung aktiviere ich den Kollisionsalarm. Sirenen aus von Engeln geblasenen Trompeten fangen an zu heulen. Dann rumst es auch schon ganz schön, als mehrere Gesteinsbrocken gegen die Audacia krachen. Eine ganze Batterie von Warnrunen fangen an meinem Thron an mal wieder rot zu flackern. Thronverdammt!

"Beim Arsch des Imperators! Könnt ihr nicht aufpassen?", brülle ich wütend Meisterin Puppila an, die mich erschreckt anstarrt.
"Aber Lord-Kapitän! Ich kann nichts dafür! Die Steuerdüsen der Audacia sind zu stark beschädigt, um schnelle Ausweichbewegungen zu machen!", erklärt die Pilotin und hat damit sicherlich recht. Aber die Audacia ist so langsam schwerer beschädigt, als es ihr gut tut und mir tut jeder weiter Schaden schon regelrecht körperlich weh. Mein armes Schiff! Natürlich kann die Pilotin nichts dafür. Niemand wäre es gelungen, diesem plötzlich auftretenden Trümmerschwarm auf dieser kurzen Distanz noch ausweichen können.
"Nun gut, weitermachen!", lenke ich ein.

Im Minutentakt kommen nun Schadensberichte bei mir an. Schon beschädigte Systeme sind nun unrettbar verloren, einige Maschinengeister haben für immer den Dienst quittiert. So ein Schlamassel! Das einzig Positive ist, dass die Werft nun vor uns liegt. Das Zentrum bildet eine gewaltige Spindel von gigantischen Ausmaßen. Manche Monde haben weniger Durchmesser als dieses gigantische Ding. Wie Satelliten umkreisen ausgehölte Asteroidenbrocken die Station. Auf ihnen scheinen sich neben Stellungen von Makrokanonen auch weitere Werftanlagen wie auch Habs zu befinden. Dies ist die größte Werftanlage in der Weite und die der Drehbänke des Calixissektors dürfte auch nicht viel größer sein.

Bald herrscht reger Funkverkehr und ich trage mein Anliegen vor. Wir bekommen einen sicheren Kurs zugewiesen auf eine der Andockstationen. Im Kielwasser der "Audacia" folgen die "Knochenbrecher" wie auch die "Hohes Risiko". Bei näherer Betrachtung sind schwere Schäden an der Werft und den Außenanlagen erkennbar. Sie sehen recht frisch aus und bei vielen hat schon eine emsige Reparatur eingesetzt. Nachdem ich das etwas näher in Augenschein genommen habe, wird ersichtlich, dass es sich dabei nicht um die Auswirkungen von Kollisionen mit Asteroiden handeln kann, sondern eher um Kriegsschäden. Da scheint erst kürzlich ein sehr heftiges Gefecht stattgefunden zu haben.

Heute scheint nicht Meisterin Puppilas Tag zu sein, denn ihr Andockmanöver ist nicht wirklich sauber zu nennen. Zum Glück gibt es keine größeren Schäden, als wir an der rettenden Werft andocken. Trotzdem rumst es ganz schön, als wir anlegen. Da Meisterin Puppila wirklich eine hervorragende Pilotin ist, bedeutet das, dass meine arme "Audacia" noch schwerer beschädigt ist als gedacht. Thronverdammt!

Mit meiner Entourage begebe ich mich in den Empfangsbereich, um eine Delegation der Werft begrüßen zu können. Ein Trupp Männer in Arbeitsroben kommt an Bord. Der in der Mitte der fünf stellt sich als Lithur Sulk vor. Wir halten etwas Smalltalk und es stellt sich heraus, dass mein Onkel ein gern gesehener Kunde hier war. Sein gewaltsames Ableben hat sich bis hierher schon herum gesprochen. Die Leute haben wohl Augen und Ohren in der Weite, welche ihnen regelmäßig Bericht über mögliche Kunden erstatten. Hier ist sicherlich auch das Geheimversteck meines Onkels eingebaut worden.

Die Details erörtern wir im Büro von Direktor Lithur Sulk. Dazu verlassen wir die Audacia und laufen durch eine gewaltige Montagehalle. Wirkliche Strukturen lassen sich für mich nur schwer erkennen. Alles macht den Eindruck eines gewachsenen Chaos, dem jeweiligen Auftrag angepasster Arbeitsraum. Die Arbeiter machen einen äußerst heruntergekommenen Eindruck und es ist sehr viel Aufsichtspersonal mit Schlagstöcken und richtigen Peitschen zu sehen, welches die erschöpften Arbeiter antreibt. Daraus wird offensichtlich, dass diese Menschen nicht wirklich freiwillig hier sind und es sich um zwangsrekrutierte Sklaven zu handeln schient. Direktor Sulk gibt eifrig Auskunft, dass diese Menschen von den umliegenden Systemen angeworben werden, sprich von ihren Regierungen verkauft wurden. Dabei handelt es sich um Strafgefangene, die wirkliche oder untergeschobene Verbrechen begangen haben. Oder anderswertig beschafft wurden. Früher hätte ich keinen zweiten Gedanken an diese armseligen Kreaturen verschwendet, aber nach meiner Zeit als Unab habe ich eine gänzlich andere Perspektive kennen gelernt. Diese Arbeitsbedingungen sind wahrlich menschenunwürdig, aber es liegt außerhalb meiner Macht, daran etwas zu ändern. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als diese Verhältnisse zu akzeptieren.

Wir betreten einen offenen Fahrstuhl und fahren über mehrere Ebenen nach oben. Auf jeder Ebene das gleiche Bild. Horden von ausgemergelten Gestalten schuften an gigantischen Bauteilen und reparieren diese. Hier und da sind Maschinenpriester bei Ritualen zu sehen. Dieser Anblick soll wohl den potentiellen Kunden beeindrucken. Die Auswahl mag durchaus imposant sein, aber die geschundenen ausgemergelten Arbeiter sind es nicht. Schließlich erreichen wir eine administrative Ebene voller Schreibstuben und abgetrennten Abteilen. Das Kratzen von Thermofedern und das Klacken von Tasten von Cogitatorterminals erfüllt die Luft. Schließlich erreichen wir ein sehr gediegen eingerichtetes Büro mit einem gepanzerten Panoramafenster mit Blick auf das Trümmerfeld. Dieser Anblick ist durchaus imposant. Mehrere Transporter sind zu sehen, die repariert werden. Hier und da ein Wracksegment, das auf Reede in handlichere Stücke zerlegt wird. Die Schrottwerft liegt am Rand einer Warpverwerfung, wo immer wieder Wracks aus dem Warp angespült werden. Ein sehr lukrativer Standort und ein kostengünstiger Quell an teilweise hochwertigen Ersatzteilen, weil manche Technologie mit den heutigen mangelhaften Wissen über die wirklich hochwertigen Maschinengeister nicht mehr reproduziert werden kann. Ein äußerst bedauernswerter Umstand.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 03. April 2013, 15:55:01
Position:
System von SR561
Schrotwerft
Hauptspindel
Büro von Direktor Lithur Sulk
Zeit: 2 188 784.M41

Ich nehme in einem der bequemen Ledersessel Platz, die sich um eine Tischplatte aus Adamantium gruppieren, in die verschiedene Holoprojektoren und Bildschirme eingelassen sind. Dort sind Kataloge mit Bauteilen gelistet, darunter auch ziemlich exotische Komponenten, für den entsprechenden Preis versteht sich.

"Sagt Euch der Name Serverus Trusk etwas?", fragt mich Direktor Sulk. Irgendwo klingelt es bei mir, kann aber keine greifbaren Fakten mit dem Namen verbinden.
"Serverus Trusk ist ein Freihändler, der schon seit längerer Zeit in der Weite aktiv ist", springt Meisterin Puppila kompetent in die Bresche. Genau, daher kenne ich den Namen, wusste doch, dass ich den schon mal irgendwo gehört habe.
"Besser gesagt wird es bald heißen, dass er aktiv war. Törichterweise hat er versucht sich mit uns anzulegen und hat den Kürzeren gezogen. Seine Schiffe liegen bewegungsunfähig in einer Gravitationssenke und wir warten nur noch darauf, dass wir diese einem nützlichen Zweck zuführen können. Auf seinen Reisen hat er die eine oder andere sicherlich exotische Komponente erbeutet. Also wenn Ihr noch etwas warten könnt, dann können wir Euch bald ein paar sehr exquisite Sachen anbieten." Das hört sich interessant ab, bietet auch Möglichkeiten für ein paar Unternehmungen. Aber erst mal abwarten. Letztendlich ist mein Budget begrenzt und die Reparaturen werden so schon nicht billig werden. Wir haben noch etwas freien Raum und Energie. Zwar nur ganz wenig, aber für ein besseres Lüftungssystem aus uralten Tagen und einen gestaffelten Schild reicht es noch. Meisterin Puppila schlägt vor, die Makrokanonen der Steuerbordseite zu entfernen und sie im Bug zu verstauen. Damit hätten wir einen größeren Feuerbereich. Im ersten Moment hört sich das vernünftig an, aber bei näherer Betrachtung würde diese Maßnahme das Schiff verstümmeln und in ein Ungleichgewicht stürzen, welches den Hauptmaschinengeist der "Audacia" verärgern könnte. Ganz abgesehen davon, dass so was von außen bescheuert aussieht. Deswegen entscheide ich mich schließlich gegen ihren Vorschlag, auch wenn er sicherlich seine Vorteile hat.

Es beginnen harte Verhandlungen über den Preis, den ich nicht wirklich zu drücken vermag. Letztendlich habe ich nach dem letzten Zusammenstoß keine Wahl, als die Audacia von Grund auf hier zu erneuern. Koste was es wolle! Und es kostet eine verdammt hohe Summe. Wenn ich in Zukunft über die Kosten meiner Konkubinen jammern werde, ist das nichts im Vergleich zu diesem hier. Manche Gouverneure dürften diesen Beitrag nicht mal als Jahreshaushalt zur Verfügung haben. (Beide Würfe jeweils knapp nicht geschafft, aber auch kein Misserfolgsrang).

Die letzten Details lasse ich von meinem obersten Maschinenpriester Ademis klären, der dafür das notwendige technische Wissen hat. Auf dieser Station gibt es noch Markthallen mit allerlei angeschwemmten Krismkrams. Da hier alles erledigt ist, begebe ich mit meiner nicht so technisch versierten Entourage in die Markthalle. Das meiste ist für mich eher uninteressant, aber durch etwas Nachfragen und Herumstöbern in den gehobenen Ständen kann ich für einen annehmbaren Preis ein Monokel erwerben, das mir erlaubt im Dunkeln zu sehen. So etwas ist natürlich immer äußerst praktisch. Leider bekomme ich kein besseres Energiefeld für meinen persönlichen Schutz. Zurück auf der Audacia kläre ich weitere Details ab und kaum habe ich mich in mein Arbeitszimmer zurückgezogen, platzt auch schon mein Lebenswart Caine herein.

"Uns ist es gelungen, herauszufinden, wer in dem Sarg liegt, den wir vom "Dolch des Schicksals" geborgen haben", eröffnet mir Caine. Das ist natürlich äußerst interessant und ich blicke ihn neugierig an.
"Es handelt sich um die jüngere Schwester von Aspyce Chorda, mit dem Namen Anastasia Chorda."
"Keine große Überraschung, heißt es doch, sie hätte einen Teil ihrer Geschwister nicht umgebracht, sondern eingefroren. Ich hoffe, dies herauszufinden hat keine Spuren hinterlassen. Ich möchte Aspyce Chorda nicht wirklich zur Feindin haben. Schließlich ist die "Perfekte Flamme" eine Nummer größer als die Audacia und ihre Flotte ist der meinen zahlenmäßig weit überlegen."
"Unsere Thuleaner sind da sehr versiert. Wir könnten noch einen Schritt weitergehen und Anastasia aus ihren Kälteschlaf erwecken. Das könnte sehr profitabel für uns werden?"
"Meinst du? Wir tauschen eine aufgetaute Frau gegen einen Planeten und eine Feindschaft mit einer Frau ein, die als äußerst rachsüchtig, manisch psychopatisch und überaus sadistisch gilt?"

"Nun ja, sie muss es ja nicht erfahren. Wir haben genug weibliche Exemplare in den Kryokapseln an Bord, um einen unauffälligen Austausch auszuführen."
"Du glaubst nicht, dass die kleine Irre einfach den Deckel aufmacht, um zu schauen, ob ihr Schwesterchen noch an einem Stück ist?"
"So wie ich sie einschätze, wird sie sich ganz auf die Integrität des Maschinengeistes verlassen und wenn der ihr signalisiert, dass alles in Ordnung ist, wird sie nicht nachsehen."
"Wenn ich so jemanden wie mich mit so etwas Heiklem beauftragen würde, dann würde ich nachsehen."
"Die Chorda ist aber nicht du."
"Da ist sicherlich nur zu wahr, mein lieber Caine", antworte ich mit einem breiten Grinsen.
"Und man darf nicht vergessen, Aspyce Chorda hat keine Nachkommen, sollte ihr etwas zustoßen, würde ihr Vermögen an das Imperium fallen. Aber wenn da eine legale Erbin wäre…."
"Würde diese alles erben und äußerst dankbar sein."
"Und wenn man noch mit ihr verheiratet wäre…."
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 05. April 2013, 12:06:57
Position:
System von SR561
Schrotwerft
"Audacia"
Büro von Lordkapitän Conari
Zeit: 2 189 784.M41

"Du willst mich doch nicht mit dieser Eisprinzessin hier verkuppeln?!", frage ich überrascht nach Luft schnappend.
"Die einzige Erbin einer so alten und berühmten Dynastie", meint Caine sanft lächelnd. Alter Fuchs!
"Berüchtigt wäre wohl eher zutreffend!", unterbreche ich meinen Leibdiener.
"Wäre", Caine lässt sich nicht den Wind aus den Segeln nehmen, "eine formidable Partie für einen jungen aufstrebenden Lordkapitän. Damit hättet Ihr Zugriff auf ein gewaltiges Vermögen."
"Hossa!" Ich muss sagen, so abwegig wie im ersten Moment erscheint mir die ganze Angelegenheit nicht mehr. Die Chordas sind eine uralte Familie, ihr Brief ist sehr viel älter als der meiner Familie. Mit einer solch alten und vermögenden Dynastie zu verschmelzen hat was. Dummerweise lebt Aspyce Chorda noch und sie macht nicht den Eindruck, dass sie in den nächsten Jahren einfach an Altersschwäche sterben wird. Und ja, diese Frau macht mir berechtigterweise durchaus Angst. Ich teile meine Bedenken Caine mit.

"Sicherlich, mit Aspyce Chorda lässt sich nicht gut Kirschen essen. Aber der mögliche Profit wäre gewaltig."
"Nun gut, ich werde mir diese Dame mal näher anschauen. Dann sehen wir weiter." Nicht das Anastasia eine uralte Vettel mit einem Unterleib aus Metall ist. Also begebe ich mich in den abgeschotteten Lagerraum, wo ein Techpriester den Maschinengeist überzeugt, die Klappe zu öffnen. Eiskalte Luft strömt mir entgegen und ich betrachte den nackten Leib einer trainierten jungen Frau ohne großen Makel. Ihr Gesicht ist durchaus hübsch zu nennen, wenn man sie die Züge lebendig vorstellt. Viele Frauen in Männerdomänen haben doch unansehnliche Narben im Gesicht. Vielleicht denken sie, dass sie das männlicher macht.
"Was weißt du über sie?"
"Anastasia Chorda ist wie ihre ältere Schwester früh zur imperialen Flotte gegangen und hat einen Zerstörer kommandiert. Im Gegensatz zu Aspyce wurde sie nicht vom Flottenkommissariat aus dem Dienst gejagt. Sie verschwand schließlich einfach von der Bildfläche, als Aspyce anfing, sich die Erbfolge hochzuarbeiten. Wahrscheinlich wollte sie nicht, dass ihre kleine Schwester auf die gleiche Idee kommt wie sie. Es gibt das Gerücht, dass sie dunklen Riten und Praktiken anhing, aber ich denke, das war eine von Aspyce platzierte Intrige, falls es ihren Leuten nicht gelingen sollte, Anastasia schnell genug habhaft zu werden." Ich betrachte den Leib der Frau und finde sie doch anziehend. Es wird mich keine Überwindung kosten, mit ihr Erben und Nachkommen zu zeugen. Alles in allem eine gute Partie, wäre da nicht ihre große Schwester. Vielleicht sollte ich erst mal herausfinden, wie sie tickt. Nicht das sie letzten Endes die jüngere Ausgabe ihre psychopathischen Schwester ist. Wahnsinn liegt oft in der Familie.

"Taut sie auf, ich will sie näher kennen lernen. Wenn ich mit ihr ein vernünftiges Gespräch führen konnte, werden wir weiter sehen", entscheide ich mich schließlich für Caines Plan.
"Da wäre noch etwas, Lordkapitän. Wir könnten in der Sache von Trusk vielleicht vermitteln. So könnten wir einen wichtigen Verbündeten gewinnen", schlägt mein Leibdiener mir vor. Das ist eine gute Idee.
"Nun gut, versuche den Standort der Flotte von Trusk zu lokalisieren, dann sehen wir weiter". Nach diesem langen arbeits- und ereignisreichen Tag begebe ich mich in mein Schlafgemach, wo meine Konkubinen schon sehnlichst auf mich warten. Tja, zu tun gibt es immer etwas. Aber manche Aufgaben sind durchaus äußerst angenehm.

Am nächsten Morgen ist es gelungen, die drei Zerstörer von Serverus Trusk zu lokalisieren. Sie liegen bewegungslos gar nicht weit von hier in einer Gravitationssenke fest. Ich lasse einen Aquila Lander bereit machen, nachdem mich Meisterin Puppila davon überzeugt hat, dass die guten Flugeigenschaften des zerbrechlichen Gefährtes mehr bringen als die Robustheit eines Guncutters, der doch manchmal etwas träge ist. Nun gut, auf geht’s. Ich nehme hinter der Pilotin Platz und wir verlassen die Audacia. Schnell verschwinden der mächtige Kreuzer und die noch viel größere Station hinter uns. Wir müssen durch ein sehr dichtes Feld und schon bald verliere ich durch die vielen plötzlichen Manöver vollständig die Orientierung. Ich bin nicht sicher, ob Meisterin Puppila so zeigen will, dass sie doch noch eine klasse Pilotin ist oder diese Route wirklich sinnvoll ist. Teilweise scheinen wir um Haaresbreite an den Meteoriten vorbei zu rasen. Schließlich erreichen wir die Gravitationssenke, wo die drei Zerstörer festsitzen. Alle drei Schiffe weisen massive Beschädigungen auf, scheinen aber noch kampftüchtig zu sein, da sie aus allen Rohren feuern, um den auf sie herein prasselnden Meteorhagel abzuwehren. Trotz dieser fatalen Lage sind auf den Außenhüllen der Zerstörer zahlreiche Reparaturtrupps bei der Arbeit zu sehen. Auch sind viele Kleinstraumschiffe unterwegs. Ich versuche auf Breitband zu funken, trotz Interferenzen scheint mich eines der Guncutter zu hören, welcher auf unsere Position zuhält. Der Nachteil von einem Aquila Lander ist, dass er nur über eine geringe Panzerung und als Bewaffnung eine 40mm Maschinenkanone hat. Keine wirkliche Herausforderung für ein so schwer bewaffnetes Schiff wie der Guncutter, der über ganze Batterien von Schweren Boltern, Lasergeschützen und Maschinenkanonen verfügt. Aber sie scheinen zu antworten, auch wenn der Funkspruch total verzerrt ankommt. Ich lasse die Landescheinwerfer anmachen und Morse nun mein Anliegen rüber. Das scheint verstanden zu werden und wir bekommen Lichtsignale mit der Aufforderung zurück, ihnen zu folgen. Mal sehen, ob mein Leibdiener Caine wirklich eine so gute Idee gehabt hat. Mit einem mulmigen Gefühl setzen wir uns hinter den Guncutter und folgen seinem Kurs.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 08. April 2013, 15:28:24
Position:
System von SR561
Schrotwerft
"Audacia"
Büro von Lordkapitän Conari
Zeit: 2 191 784.M41

Sicher werden wir durch das Feld zur "Zerberus I" geführt. Dort fliegen wir in eine kleine Landebucht hinein. Eine schwerbewaffnete Ehrengarde aus offensichtlich kampferprobten Veteranen steht Spalier, als ich als erster wie es sich gehört aussteige. Das Empfangskomitee wird vom XO Dietrich angeführt, der eine Uniform trägt, die ziemlich stark der imperialen Flotte ähnelt. Neben ihm steht ein Hüne, der einen leibhaftigen Zweihänder auf dem Rücken geschnallt trägt. Je größer das Schwert, um so kleiner der Schwanz, hat mal meine Schwester Zethania gesagt. Aber der Kerl sieht so aus, als würde das ihm niemand mit klarem Verstand ins Gesicht sagen, wenn er die nächste Minute an einem Stück bleiben will. Die Umgebung macht einen militärisch nüchternen Eindruck. Sauber, funktional, kalt. Nach einer kurzen Begrüßung werden wir zur Brücke geleitet, wo Lordkapitän Trusk persönlich die Reparaturen koordiniert. Er ist deutlich älter und etwas kleiner als ich. Aber sehr kräftig, wie ich mit einem Händedruck feststelle. Die Brücke selbst ist funktional und bar jeder Verzierung. Auf das Ambiente wird hier offensichtlich keinerlei Wert gelegt. Allerdings hat das seine eigene Art von Charme. Die meisten Brücken sind so überladen von Verzierungen, dass die vielen Details einfach in der Masse verschwinden. Wir kommen recht schnell zur Sache. Ich biete ihm an, zwischen der Schrottwerft und ihm zu vermitteln und eine friedliche Lösung herbei zu führen. So wie es aussieht, ist der Plan diese Anlage anzugreifen nicht seine eigenen Ideen, sondern eine ominöse Gruppe aus "Investoren" wäre äußert unzufrieden mit der derzeitigen Führung der Schrottwerft und wollte mit Gewalt eine andere Hierarchie etablieren. Trusk hatte einen guten Plan, der wohl doch nicht so gut war, wie er nun zugeben muss.

"Aber es hätte funktionieren können. Nun sitzen wir hier fest. Nun gut, ein Versuch kann nicht schaden."
"Da wäre noch der Punkt der Kompensation." Schließlich bin ich nicht aus reiner Menschenfreude hier. Es geht ums Geschäft, um den Profit, der mir gerade im großen Maßstab zwischen den Händen zerrinnt. Nach etwas hin und her bietet er mir an, dass ich ein Forschungsschiff kaufen kann, also ein Schiff mit großflächigen Laboren und Gelehrten, die damit forschen. Eigentlich wollte ich eher was Handfestes sehen. Ich berate mich kurz mit meinen Beratern. Die meisten meinen, der Preis wäre ein Schnäppchen und würde das große Manko der "Audacia" kaschieren, die in dieser Beziehung nichts vorzuweisen hat. Allerdings für mein jetziges Unternehmungsprofil ist ein Forschungsschiff eher hinderlich. Aber letztendlich kann man sie auch weiter verkaufen. Nun gut, es beginnen zähe Verhandlungen, wo ich leider nicht wirklich punkten kann. Irgendwie scheine ich in der Beziehung momentan kein Glück zu haben. (Trotz Wiederholungswurf kein Erfolg.)

Trotzdem ist es immer noch ein gutes Geschäft. Handelseinig begebe ich mich zurück zum Aquila Lander und hoffe, dass Meisterin Puppila uns sicher zurück zur "Audacia" schaffen kann. Diesmal gibt es nämlich keine Ausrede mehr. Gekonnt schafft sie es aber, uns wieder hier heraus zu schaffen, ohne atomisiert zu werden. Unverzüglich leiere ich eine Unterredung mit dem Führungsgremium der Schrottwerft an. Die Zusammenkunft findet an einem der Räume statt, welche ein gewaltiges Panoramafenster hat. So etwas hat schon Stil, da auch an den Dekorationen nicht gespart wurde. Letztendlich wirkt es aber wieder überladen und bildet einen starken Kontrast zu den spartanisch eingerichteten Räumen der "Zerberus I". Die Führungsspitze der Schrottwerft besteht aus einem Rat von zwölf Mitgliedern, wie der imperiale Senat. Nur wenige sind Techpriester, die meisten scheinen eher administrative Aufgaben wahrzunehmen. Ich trage mein Anliegen vor und zähe Verhandlungen beginnen. Natürlich sind die Leute hier ziemlich aufgebracht wegen des Angriffs und wollen dementsprechend Blut sehen. Besonders da sie in der Position sind, einfach abwarten zu können, bis Trusk kapituliert. Spätestens wenn ihm das Essen ausgeht, werden sie leichtes Spiel haben. Ich argumentiere, lassen meinen Charme spielen und flechte auch die eine oder andere unterschwellige Botschaft ein, dass Verbündete immer besser als Feinde sind, auch wenn man glaubt, ihrer schon habhaft zu sein. Schließlich ist Trusk nur ein Werkzeug einer anderen Macht, die vielleicht weitere Ressourcen schon auf den Weg geschickt hat. Es kostet mich nicht wenig, Trusk aus seiner bedrohlichen Lage zu lotsen. Ich hoffe nur, das Ganze war es wert. Aber der Tag wird kommen, wo ich jedes Stückchen Feuerkraft brauchen werde, das ich in der Weite auftreiben kann. Und Trusk schuldet mir nun mehr, als man mit Geld aufwiegen kann. Der Rest ist nun Sache der Bürokraten. Mit dem fertigen Vertragswerk begebe ich mich zurück zu der Flotte von Trusk und überbringe ihm die frohe Botschaft persönlich. Er muss zwar auch ein paar Kröten schlucken, aber er akzeptiert den von mir ausgehandelten Vertrag.

Zurück auf der "Audacia" erfahre ich, dass Anastasie Chorda nun fertig aufgetaut und bei Bewusstsein ist. Ihr geht es den Umständen entsprechend gut und sie leidet noch etwas an Desorientierung. Kälteschlaf hat seine Auswirkungen, die müssen erst mal abklingen. Trotzdem suche ich sie in der abgeschotteten Quarantänestation der großen Medizinischen Station auf. Hinter einer auf der anderen Seite verspiegelten Trennscheibe nehme ich sie näher in Augenschein. Eine bleiche junge Frau, deren schwarze Haare einen deutlichen Kontrast zu ihrer Hautfarbe und dem weißem Kissenbezug sorgt. Ich gehe schließlich hinein und stelle mich meiner potentiellen zukünftigen Braut vor, die noch nichts von ihrem Glück ahnt.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 12. April 2013, 14:45:06
Position:
System von SR561
Schrotwerft
"Audacia"
Krankenstation
Zeit: 2 193 784.M41

Mit sehr groß wirkenden Augen blickt sie mich an. Ich lächle ihr aufmunternd zu und sie erwidert das Lächeln. Ich ergreife ihre Hand und hauche galant einen Kuss auf ihren Handrücken.

"Lordkapitän Flavion Conari von der "Audacia". Willkommen an Bord meines Schiffes, Anastasie Chorda."
"Audacia"? Sie scheint kurz zu grübeln. "Diesen Namen habe ich noch nie gehört. Seid ihr ein Vasall meiner Schwester Aspyce?", fragt sie mich etwas bange.
"Sorgt Euch nicht, meine Liebe. Eure Schwester hat hier keine Macht. Ihr seid hier in Sicherheit"
"Wie lange habe ich geschlafen? Wie viel Zeit ist vergangen?"
"Nun, wir schreiben das Jahr 40784."
"Ach du lieber Imperator! So lange?" Geschockt schließt sie die Augen. Das war wohl etwas zu viel für sie und ich verabschiede mich erst mal von ihr. Sie ist noch sehr schwach und ich will ihren Heilungsprozess nicht verzögern. In den nächsten Tagen unterhalte ich mich mehrmals mit ihr und finde sie so langsam richtig sympathisch. Ich glaub, mit der und mir könnte es durchaus noch etwas werden.

Es gibt eine längere Diskussion, wie wir nun mit dem Sarg und Aspyce verfahren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, von behaupten, gar keinen Kryotank gefunden zu haben, von ihn umbauen zu einem Orkding bis hin zu ihn mit einer Bombe zu versehen, um gleich Nägel mit Köpfen zu machen. Da unsere Thuleaner sehr gut im Täuschen von Maschinengeistern sind, beschließe ich schließlich, eine andere Person aus dem Fundus unserer Kryotanks zu verwenden. Wahrscheinlich wird es Aspyce dabei belassen, den Maschinengeist zu befragen und der wird sagen, dass alles in Ordnung ist. So jedenfalls in der Theorie. Ist natürlich eine schwammige Sache und mir ist nicht wirklich wohl dabei. Ich würde an ihrer Stelle den Deckel aufmachen und reinschauen. Aber wir zwei haben doch ein sehr unterschiedliches Naturell und die Chance steht gut, dass sie es wirklich dabei belassen wird, nur den Maschinengeist zu nerven.

In den nächsten Tagen beaufsichtige ich die Reparaturen, sprich ich lasse mich an den Arbeitsorten blicken und tu so, als ob ich Ahnung von dem hätte, was man mir erzählt. Allerdings kommt es öfters zu Reibereien mit Aufsehern der Schrottwerft, welche die Arbeitstrupps begleiten. Unter meiner Führung haben selbst die Unabs ein anständiges Leben mit sauberer Unterkunft und einem Essen, das nicht nur aus Brei besteht. Typen wir Grox haben ausgedient und viele der altgedienten Unabs werden so unangenehm an alte Zeiten erinnert. Ich muss mehrmals persönlich vorstellig werden, um schlimmere Sachen zu verhindern. Auch beginnt ein unkontrollierter Schwarzmarkthandel zwischen beiden Besatzungen zu florieren. Auch hier muss ich einiges an Auswüchsen unterbinden.

Nach einer Woche ist auch die Flotte von Lordkapitän Trusk aus der Gravitationssenke geschleppt und wird nun hier repariert. Zu meinen Ehren und um die Rettung zu feiern, werde ich zu einem Ball auf die "Zerberus III" geladen. Meine Konkubinen sind ganz aus dem Häuschen und das übliche hektische Sichten ihrer umfangreichen Garderobe setzt ein. Natürlichen haben sie wieder gar nichts zum anziehen. Mein Vorschlag, einfach mal nackt aufzutauchen wird dann doch mit großer Empörung abgelehnt und ein doch noch angemessenes Kleid wird aus den hintersten Winkeln des gigantischen Wandschranks hervorgekramt. Kein Wunder, dass in der "Audacia" immer Platznot herrscht, wenn meine Mädels alles mit ihren Kleidern vollstopfen.

Serverus Trusk entpuppt sich als leutseliger Gastgeber und schon bald schütten wir uns im Raucherzimmer seines Quartiers das Herz über das harte Los eines Lordkapitäns aus. So toll wie alle denken, ist dieser Job nämlich nicht. Andauernd muss man verschiedene Fraktionen mit gegenläufigen Interessen zufriedenstellen. Und nie kann man es jemanden recht machen. Seit Anbeginn der Zeit neigen Männer dazu, sich über ihre Vorgesetzten zu beschweren und über ihre festgefahrene Karriere zu jammern. Wenn sie verheiratet sind, können sie noch über ihre Frauen und Kinder jammern. Aber auf Schiffen fernab der Zivilisation sind die wenigsten verheiratet, so ziehen sie doppelt über ihre Vorgesetzten her. Und so viel Macht hat man auch nicht, überall Gesetze, Regeln und ähnliche Ketten. Als Freihändler ist man nicht wirklich frei, sondern in ein Korsett gezwängt, das einem langsam aber sicher die Luft abschnürt. Ja, als Lordkapitän hat man einen schweren Beruf. Es tut gut, mit einem Kollegen darüber reden zu können.

Nach knapp einem Monat sind die Reparaturen an der "Audacia" beendet. Die "Knochenschinder" und die "Hohes Risiko" sind vor uns fertig. Beide Schiffe bekommen von mir sorgfältig ausgewählte Aufträge, die sie in die entgegengesetzte Richtung führen, da beide Kapitäne sich immer noch Spinnefeind sind. Machenko von der "Hohes Risiko" macht weiter ihre normalen Geschäfte, da sie viele Verträge zu erfüllen hat und wird in Zukunft einen Anteil an mich überführen. Auf alle Fälle stellt sie an Bord ihres Schiffes Drogen im großen Maßstab her. Die "Knochenschinder" unter dem Kommando des berüchtigten Kapitän Hellgrett Borgar hat dagegen von mir eine genau definierte Aufgabenliste übermittelt bekommen und wird einige der Versorgungsaufträge übernehmen, die sich inzwischen angesammelt haben. So sind beide beschäftigt und fahren Profit für mich ein. Und darum geht es ja schließlich.

In der Zwischenzeit begebe ich mich mit meiner Entourage auf Schatzsuche in den dahintreibenden Wracks, die hier angespült worden sind. Die meisten Wracks sind schon geplündert, aber hier und da treibt auch frisches Gut heran. Natürlich sehen die Betreiber der Schrottwerft das nicht so gerne, aber schließlich akzeptieren sie, dass ich als Adliger auf die Jagd gehen muss, weil dies das Privileg meines Standes ist. Und solange ich kein Großgerät berge, dringe ich auch nicht in die Geschäftsfelder der Schrottwerft ein. Hier und da lassen sich ein paar Raritäten finden. Manche der Wracks sind von spinnenförmigen Xenos bewohnt, die recht zäh sind. Aber Rabenschwinge hat genau die richtige Antwort auf solche Problemfragen, Plasma so heiß wie der Kern einer Sonne.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 15. April 2013, 12:12:12
Position:
System Lucins Odem
Orbit über Lucins Odem
"Audacia"
Brücke
Zeit: 2 278 784.M41

Bevor wir uns in den Transfer nach Luciens Odem begeben, habe ich ein Rendezvous mit meinem neuen Forschungsschiff "Offene Hand". Das Schiff hat das Chassis eines "Vagabund" Transporters, hat aber statt Lagerräume hauptsächlich Forschungslabore und Xenoshabitate an Bord. Die Habitate ermöglichen das Studium von Xenos in ihrer natürlichen Umgebung, was sie haltbarer macht. Dabei geht es weniger um intelligente Spezien, sondern eher um Nutzxenos, um es mal so auszudrücken. Besonders die Flora ist oft sehr interessant und ermöglicht die Gewinnung von exotischen Rohstoffen und nachwachsenden Ressourcen im Sektor der Maschinenöle. Promethium ist letztendlich auch endlich, da sind Pflanzen, die immer wieder nachwachsen eine Marktlücke, in der sehr viel Profit steckt. Die Crew unter dem Kommando von Liev Falkund heißt mich überschwänglich willkommen. Wenn auch mit einem gewissen Bangen. Wechsel im oberen Führungsbereich sorgen immer für Unruhe auf den unteren Ebenen. Da ich ehrlich gesagt überhaupt keine Ahnung habe, wie die "Offene Hand" am besten einzusetzen ist, überlasse ich die Details Kapitän Falkund. Ich schicke sie aber grob in Richtung meines Systems Karo Ass, da dort ja noch die Stakser zu untersuchen sind. Vielleicht kann man da doch noch ordentlichen Profit herausziehen. Auch wenn ich das doch irgendwie bezweifle.

Der restliche Transfer nach Luciens Odem verläuft ausnahmsweise mal ohne Zwischenfälle. Keine obskuren psionischen Phänomene, keine Meteoreinschläge beim Wiedereintritt. Mir ist schon ziemlich bange zu Mute, als wir in das System einfliegen. Wenn Aspyce Chorda meinen kleinen Bluff mit ihrer Schwester nicht schluckt, stecke ich in ernsten Schwierigkeiten. Ich bin nicht hundertprozentig sicher, dass der mögliche ferne Profit das jetzige Risiko aufwiegt, von dieser Psychopathin in die Luft gejagt zu werden. Gegen die versammelte Kampfkraft ihrer Flotte haben wir nicht den Hauch einer Chance und die Audacia ist kein Clipper. Weglaufen bringt gegen die viel schnelleren Zerstörer auch nichts, selbst wenn wir den ersten Feuerschlag durch den Schweren Kreuzer "Perfekte Flamme" überleben sollten.

Wenn es klappt, kann sich daraus noch einiges entwickeln, was später horrenden Profit abwerfen kann. Aber wenn das Wörtchen wenn nicht wär. Über Breitband nehme ich Kontakt mit Chordas Flaggschiff auf und melde meine Ankunft. Anastasia hat die Quarantänestation bisher nicht verlassen und hatte keinen Kontakt außerhalb eines sehr engen Kreises. Ein Verräter würde meinen Tod bedeuten. Die kleine Chorda dagegen macht inzwischen einen recht patenten Eindruck und die Gespräche mit ihr sind sehr unterhaltsam. Über Schiffe hat sie mehr Ahnung als ich, was auch ehrlich gesagt leider auch nicht besonders schwer ist. Ich hoffe nur, dass sie das Risiko auch Wert ist. Wirklich überzeugt bin ich von der ganzen Sache nicht wirklich, aber jetzt ist es zu spät sich darüber noch weitere Gedanken zu machen.

Ich lasse alles für die Übergabe des Kryotanks und des eingesammelten Schrottes vorbereiten. Die "Audacia" schwebt langsam heran, bis sie parallel liegt. Mit einem Guncutter in der Begleitung meiner Entourage und einiger Soldaten setze ich zur "Perfekten Flamme" über. Wie verdammt groß und bedrohlich ihr Raumschiff wirkt. Die "Audacia" ist auch ein sehr großes Raumschiff, wirkt aber um einen plastischen Vergleich zu wählen, beinahe wie ein schmächtiger Rekrut neben einem hünenhaften Ausbilder. Tu ich auch wirklich das Richtige? Ich habe meine Zweifel, aber ein Zurück gibt es nun nicht mehr. Wir fliegen in die gewaltige Landebucht ein und setzen auf. Als erster verlasse ich den Guncutter. Eine Ehrengarde ist schon angetreten und Aspyce Chorda höchst selbst ist auch schon da. Ich begrüße sie mit allem notwendigen Respekt und meine Soldaten beginnen mit dem Ausladen der erbeuteten Utensilien von der "Dolch des Schicksals". Das meiste ist durch die Benutzung der Orks nur noch Schrott.

Derweil erzähle ich, wie es mir auf Anmut ergangen ist und wie ich die Station aus den Klauen der Orks reißen musste. Deswegen war da nicht mehr allzu viel zu retten gewesen. Sie akzeptiert das zum Glück.

"Und der Kryotank?", fragt sie lauernd und ihre kalten blauen Augen wirken wie Eis. Als ob sie damit meine Seele röntgen könnte.
"Den haben wir unbeschädigt in einem Versteck gefunden. Die Siegel waren intakt und der Maschinengeist guter Dinge."
"Wurde er geöffnet?"
"Nicht das ich wüsste", lüge ich und sie starrt mich glatte zwanzig Sekunden an. Jede Sekunde ist wie ein Äon für mich. Dann wendet sie sich dem Tank zu und aktiviert die Zustandsanzeigen. Grüne Skalen huschen über den in Messing eingefassten Bildschirm. Sorgfältig studiert die Offizierin die Daten.

"Es scheint alles in Ordnung zu sein. Anmut gehört nun Euch, Lordkapitän Conari", mit einem unmerklichen Neigen des Kopfes winkt sie einen ihrer Lakaien heran, der ihr ein Dokument mit einer Thermofeder zum Signieren reicht. Als die Feder über das Papier gleitet, ist das Musik in meinen Ohren. Sie hat meinen Bluff wohl geschluckt. Hoffe ich zumindest oder sie spielt was vor, um mich in Sicherheit zu wiegen, bis sie losschlägt. Ich bekomme das unterzeichnete Dokument überreicht, prüfe kurz den Inhalt und gebe es dann an Caine weiter, der es verstaut.

"Es war mir ein reines Vergnügen mit Euch Geschäfte zu machen, Lordkapitän Chorda!", verabschiede ich mich und begebe mich auf meinen Guncutter zurück. Wir starten und ich blicke hinaus auf die "Perfekte Flamme". Jede Sekunde glaube ich, die Türme würden sich auf uns eindrehen und das Feuer eröffnen. Aber unbeschadet gelangen wir an Bord der "Audacia". Ich lasse Kurs auf den nächsten Sprungpunkt nehmen und wage es erst wieder, normal zu atmen, als wir unbehelligt das System verlassen. Aspyce hat den Bluff geschluckt, mal sehen, was daraus noch erwachsen wird.

Gespielt am 27.10.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 2
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 2
Yuri aka Lady Helmchen Navigator Rang 2
EP: 250
Besiegte Gegner:
Spinnenxenos
Beute:
2 Konverterfelder
1 Pulsgewehr
weiterer wertvoller Kleinkram

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 19. April 2013, 14:33:08
Persona Dramatis
Spoiler (Anzeigen)


Kapitel 16
 
Das Nest der schwarzen Schlangen
   
  Position:
  System Karmesin
  Orbit über Karmesin-Trost
  "Audacia"
  Brücke
  Zeit: 2 297 784.M41
   
  Nach kurzem ereignislosem Transfer erreichen wir Karmesin-Trost. Auf dieser Welt kann man am besten Güter loswerden, deren Herkunftsort etwas heikel ist. Die vielen Insignien des Erzfeindes auf vielen Kunstgegenständen machen es unmöglich, diese Ware auf einem Planeten an den Mann zu bringen, wo der Blick des Imperators schon weilt. Oder besser gesagt, wo sich Arbites blicken lassen. Hier hat man damit keine Schwierigkeiten und innerhalb weniger Tage gelingt es mir, die Ware recht gut zu verkaufen. Dafür nehme ich Handelswaren, ein paar Luxusgüter und eine Gruppe von Gefangen auf. Da es nach Maleziel geht, die ja eine Gefängniswelt ist, hat die Ladung mal richtig Sinn. Und meine Leute können schon mal üben, um mit Gefangenen fertig zu werden. Da wir recht guten Profit gemacht haben, spendiere ich der gesamten Besatzung einheitliche Uniformen. Auch das Militär bekommt neue, welche versiegelbar sind und mit einer Atemmaske ausgerüstet sind. Ein richtiger Raumanzug ist das nicht, aber damit kann man einen Vakuumeinbruch in der Hülle etwa fünf Minuten lang überleben, bevor es zu kritischen Erfrierungen kommt. Das Wohl meiner Besatzung liegt mir eben am Herzen, ebenso ein einheitliches Erscheinungsbild durch Uniformen für selbst die untersten Unabränge. Damit hoffe ich das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mannschaft zu stärken. Ein Schiff, eine Besatzung, ein Lordkapitän.
   
  Ich bin heilfroh, dass mir weder die bösartige Lady Marati noch der jämmerliche Ex-Diktator Lord Alophus Leyfield I von Sephrem über den Weg laufen. Auch der Meister der Spiele Xanador Ral´Adun will nichts von mir wissen. Und das soll sich in der nächsten Zeit auch nicht ändern. Mir gelingt es relativ günstig, zwei Shark Angriffsboote im Lathe Schema zu bekommen. Diese Schiffe sind für ihre Geschwindigkeit geschätzt und werden bevorzugt von der imperialen Flotte eingesetzt. Mit diesen beiden Schiffen sind wir nun in der Lage, wenigstens kleine Kommandoaktionen durchzuführen. Für großangelegte Enteraktionen fehlen uns die notwendigen Flugdecks, wie auch die Soldaten. Die "Audacia" ist eben in erster Linie als Langstreckenerforschungsschiff ausgelegt. Sie kann von allem etwas, ist aber nur bei Erforschungsaufgaben wirklich brillant. Meisterin Puppila liegt mir zwar immer wieder in den Ohren, die Audacia zu einem Träger umzubauen, was theoretisch möglich wäre. Aber dann wären wir militärisch wirklich stark, aber an allem anderen würde es an Kapazitäten fehlen, da es mit zwei Flugdecks nicht getan ist. Die ganzen Kleinschiffe brauchen Wartung, eine geschulte und hochqualifizierte Besatzung. Alles ist mit hohen Kosten, Platz und Energieaufwand verbunden. Selbst als Schiff in einer Flotte hätte ich noch große Bedenken, die "Audacia" zum Träger zu machen, wenn alle anderen Sachen wie Laderaum, Scriptorium und Hospital ausgelagert würden. Die "Audacia" ist ein Kompromiss und jede weitere Veränderung würde ihren Charakter ändern.
   
  Anastasia Chorda erholt sich prächtig und ich überzeuge mich von ihren Fortschritten. Mit ihr kann man sich gut unterhalten und wir bauen zusammen eine Hintergrundgeschichte für sie auf. Sie heißt nun Anna Corridas. Ehemalige Schiffoffizierin der Imperialen Flotte, die durch eine Intrige einer missgünstigen Verwandten den Dienst quittiert und in der Weite ihr Glück gesucht hat. Sie kam nach Karmesin-Trost und hat sich verspielt. Nun habe ich sie gewonnen und ist nun in meinem Dienst. Etwas Wahrheit mit Lüge vermischt ist die Beste aller Täuschungen. Ihre Geschichte ist plausibel, aber nur mit großem Aufwand als Lüge zu entlarven. In Wahrheit war sie wirklich Offizierin der Flotte, die durch eine Intrige ihrer Schwester in Misskredit gebracht wurde. Hoffe ich zumindest, nicht dass sie in Wahrheit doch eine verkappte Anhängerin dunkler Götzen ist. Sie hatte das Kommando über einen kleinen Aufklärer. Scouts sind eine der kleinsten Schiffsklassen überhaupt mit weniger als einem Kilometer Länge. Nur wenige Schiffe sind noch kleiner. Es gibt winzige Pilgerschiffe nach einem einfachen Schema, die als die kleinsten warpfähigen Schiffe überhaupt gelten. Diese machen nur kurze Sprünge von Pilgerplanet zu Pilgerplanet und sind in der Lage, auf einem Planeten zu landen. Wie auch immer, Anastasia hatte das Kommando über eines dieser Scoutschiffe inne und hat damit einiges an Erfahrung. Sie ist mir äußerst dankbar, dass ich sie aus den Klauen ihrer sadistischen psychopathischen älteren Schwester befreit habe, und verspricht mir treu zu dienen. Ich glaube, sie mag mich sogar etwas. Ich lasse meinen Charme spielen und hoffe so, über kurz oder lang auch ihr Herz zu gewinnen. Aus Liebe heiratet man in meinem Stand so gut wie nie, aber schaden kann es nicht, wenn man sich schon vorher gern hat. Als erstes werde ich ihr einen kleinen untergeordneten Posten im Range eines Offiziersanwärters geben. Der richtige Startpunkt für einen Neuling in noch körperlich schwacher Verfassung.
   
  Nachdem wir alle Geschäfte auf Karmesin-Trost erledigt haben und die Gefangenen sicher in ihren Kabinen verstaut sind, lasse ich den Kurs nach Maleziel berechnen. Hier gilt es nun zum einen den Ketzer "Reißer" einzusammeln und nach Damaris zu bringen. Zum einen natürlich aus Profitgründen, zum anderen, um mich bei der Ekklesiarchie etwas einzuschmeicheln. Bei denen habe ich momentan einen äußerst negativen Ruf. (-20) Und zum anderen, um das nächste Kartenstück aus dem Besitz der ehemaligen Navigatorin von Sebastian Winterscale namens Greta Silvas zu kommen. Dazu muss ich nur Kontakt zu den Namenlosen bekommen. Wie schwer kann das denn schon sein? Wobei die Unterlagen meines Onkel zu diesem Thema recht wenig hergeben. Mal sehen, was mich auf Maleziel erwartet.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 22. April 2013, 13:03:54
Position:
System Maleziel
Orbit über Maleziel
"Audacia"
Brücke
Zeit: 2 334 784.M41

Maleziel ist ein öder planetengroßer Steinbrocken in einer nahen Umlaufbahn eines kleinen gelben Sterns. Eine Biosphäre hat er nicht. Im Orbit gibt es eine kleine Wachstation, die zu winzig zum Andocken ist. Wir müssen auf Reede in einem stabilen Orbit über der Gefängniskolonie bleiben. Das Gefängnis ist ein gigantischer Komplex, der sich spinnennetzförmig in einem Durchmesser von über zweihundert Kilometern ausgebreitet hat. Im Zentrum steht der Verwaltungstrakt. An den Enden der Stränge sind Bastionen mit Makrokanonengeschütze in den Fels gegraben. Unter dem Komplex sind gewaltige Minen und an der Oberfläche sind die Strukturen von Verhüttungswerken zur Stahlherstellung sehen. Der Komplex ist das einzige Bauwerk auf diesem öden und lebensfeindlichen Felsen im Nirgendwo der Weite.

Mit einem Guncutter und in Begleitung von Meisterin Puppila und Bruder Obskurus fliege ich auf die Oberfläche des Minenplaneten. Der Verwaltungskomplex ragt drohend vor uns auf. Hangartore werden geöffnet und Puppila setzt den Guncutter leicht wie eine Feder auf. Ein schwer bewaffnetes Empfangskomitee erwartet uns schon. Die Aufseher tragen Plattenrüstungen und haben meist Lasergewehre. Ein gewisser Sergeant Barakis führt den Haufen harter Männer an und ist mit einem Sturmbolter bewaffnet. Im Gesicht hat der Kerl, der sogar noch größer als ich bin, eine gewundene schwarze Schlange tätowiert. Wir werden zu einer Plattform geleitet, die uns nach unten fährt. Dort erwartet uns der Oberste Verwalter Rokain Orwell, ein schmächtiger Bürokrat in dunkler Uniform. Er begrüßt mich auf Maleziel und geleitet mich durch mehrere Schreibstuben in ein feudal eingerichtetes Empfangszimmer. Eine Bedienstete in schlichter Uniform mit den Proportionen an den richtigen Stellen bedient uns. Der Ausschnitt ist weit genug geschnitten, um ihre knackigen Hügel bewundern zu können. Wahrscheinlich hat sie diesem Umstand auch ihre vergleichsweise angenehme Position zu verdanken.

Schnell kommen wir zum Geschäftlichen. Der Verkauf der Gefangenen und der Handelswaren verläuft äußerst zäh. Irgendwie prallt mein Charme und Verhandlungsgeschick an ihm ab wie ein Gummiball an einer Wand. Bei der Bedienung könnte ich landen, da sie mir immer wieder äußerst gekonnt interessante Einblicke in ihre Landschaft gewährt. Aber bei Orwell beiße ich auf Granit. Ich krieg die Waren los, aber zu keinem besonders guten Preis. Ich bekomme in Erfahrung, dass auf der Kolonie sieben Millionen Strafgefangene leben. Ihnen gegenüber stehen nur siebentausend Wärter. Eins zu tausend. Aber es gibt hier kein Entkommen. Trotzdem wäre ich bei einem Aufstand nicht wirklich gerne hier auf dieser Welt. Allerdings scheinen sich immer wieder kleinere Trupps von Gefangenen abzusetzen und in den Tiefen der Minenschächte zu hausen. Wenigstens kann ich meine Besatzung mit ein paar Resozialisierten aufstocken. Die einzige Möglichkeit, von hier weg zu kommen, ist auf einem Schiff wie diesem angeheuert zu werden. Die Auswahl werden andere für mich treffen, da mir über zwanzigtausend Mann fehlen.

Dann komme zu einem unserer primären Anliegen zu sprechen, den Ketzer Reißer. Er befindet sich in der Tat noch auf Maleziel, allerdings ist der Unhold aus dem Hochsicherheitstrakt ausgebrochen und befindet sich nun irgendwo unter den sieben Millionen anderen Häftlingen. Die Nadel im Heuhaufen. Es gibt eine kurze Diskussion darüber, ob Bruder Obskurus ihn mit seinen psionischen Fähigkeiten aufspüren könnte. Aber die Chancen stehen eher schlecht, um es mal optimistisch auszudrücken. Allerdings steht es uns frei, den Kerl selbst dort unten zu suchen. Wer sucht, der findet, wie es so schön heißt.

Ich lasse alles für eine Expedition vorbereiten, also weitere Munition für einen Krieg und die entsprechende Ausrüstung, einen mutmaßlichen Hexer gefangen zu halten. Ich bin nicht wirklich sicher, ob der Reißer überhaupt ein Hexer oder nur ein Demagoge ist. Hoffe mal, dass dies ihn wirklich bändigt. Ich sollte mir mal unbedingt ein Hexagrammfeld besorgen, das soll angeblich gut gegen Hexer und obskure psionische Phänomene helfen. Mir ist nicht ganz wohl, als wir in die Tiefen der Minen und Verhüttungsanlagen aufbrechen. Es gibt hier vier Sektoren, die alphabetisch Alpha, Beta, Delta und Gamma heißen. Wir beginnen unsere Suche im Alpha Sektor, da der am nächsten liegt. Ein Wärter mit dem Namen Radkowitch wird unser Führer sein. Der Mann ist stämmig und hat rote Haare. Er scheint hier auf dieser Welt geboren und aufgewachsen zu sein. Ob seine Eltern nun selbst Wärter oder Gefangene gewesen waren, lässt sich so nicht herausfinden. Wir bewegen uns mit einem leicht gepanzerten Elektrogefährt fort.

Im Alpha Sektor gibt es einem Tempel des Imperators, den wir als erstes besuchen. Wenn jemand etwas über Hexer und Ketzer weiß, dann sicher dort. Die letzten fünfhundert Meter müssen wir zu Fuß gehen. Hier ist einiges los, da der Platz vor dem Tempel wohl so etwas wie ein Versammlungsplatz ist und viele Freischichtler sich hier aufhalten. Auf vielen Gesichtern und entblößten Hautstellen wie Arme und Oberkörper sind Schlangentätowierungen zu erkennen. Ein Schutzzeichen gegenüber den Schlangen, die im Dunkeln lauern, wie unser Führer Radkowitch erläutert. Es scheint hier öfters mal vorzukommen, dass einfach das Licht ausgeht und dann jemand fehlt. Der ist dann von den schwarzen Schlangen geholt worden, wie die abergläubischen Insassen behaupten. Angeblich sollen die Tätowierungen einen gewissen Schutz geben. Gerade als ich auf die Details der Sachlage eingehen will, beginnen die Lampen zu flackern und erlöschen schließlich. Wir stehen wortwörtlich im Dunkeln. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 24. April 2013, 13:15:53
Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Alpha Sektor
Platz vor Tempel des Imperators
Zeit: 2 334 784.M41

Zum Glück habe ich ja auf dem Basar der Schrottwerft ein Monokel mit Infrarot gekauft, so dass ich die Umgebung immer noch wahrnehmen kann. Da ich das Schlimmste erwarte und selten in dieser Erwartungshaltung enttäuscht werde, ziehe ich Rabenklaue und Rabenschwinge. Mit einem kurzen Gebet motiviere ich die Maschinengeister, die aufs Stichwort zum Leben erwachen. Außerdem fahre ich mein neues Konverterfeld hoch.

"Conari! Willkommen im Schlangennest!", sagt eine Stimme neben mir. Ich wende mich ihr zu, Rabenschwinge kommt hoch, die Plasmadüse leuchtet erwartungsfroh auf. Aber ich kann den Sprecher nicht identifizieren.
"Licht!", befehle ich meinem Servoschädel. Der Lumen leuchtet aber nicht auf. Thronverdammt. Um mich herum ist überall Bewegung. Panik breitet sich unter den Gefangen aus. Unser Aufseher knallt mit der Peitsche und macht sich wohl hauptsächlich damit selbst Mut. Weiter scheint nichts zu passieren und das Licht geht flackernd wieder an. Ich warte bis die Aufregung etwas abklingt. Allerdings bin ich etwas verwundert, da hier jemand offensichtlich meinen Namen kennt und mich auf solch extravagante Art begrüßt. Das gibt mir durchaus zu denken. Thronverdammt.

Aus den etwa fünfzig Meter entfernten Portal tritt ein Priester mit einer Augenbinde und er hat keine Arme mehr. Er hält eine kurze flammende Predigt und beruhigt die Gemüter soweit wieder, dass alle zum Tagesgeschäft übergehen. Ich stecke meine Waffen zurück und begebe mich zum Tempel.

Neben dem Portal sind aus dem massiven Stein gehauene Statuen von zwei Heiligen zu sehen, jede beeindruckende dreißig Meter hoch. Ihre ausgebreiteten Arme bilden ein Portal. Der Raum selbst dahinter ist nicht so beeindruckend bis auf das Wandbild gegenüber. Ein riesiger Imperator durchbohrt mit seinem Speer die Schlange Horus. Das Relief sieht sehr lebensecht aus. Der gefallene Sanginius liegt als Märtyrer zu den Füßen des Imperators. Ein Engel mit flammendem Schwert fliegt über dem Haupt unseres lebendigen Gottes und unterstreicht seine unsterbliche Göttlichkeit. Der armenlose blinde Kleriker heißt Lothar Asowitch und ist seit dreißig Jahren hier. Er kennt sich etwas aus mit den etwas dunkleren Strömungen auf Maleziel. So wie es aussieht, feiern dunkle Kulte hier üble Einstände. Es gibt einen Geheimbund mit dem Namen Schwarze Viper. Das Nest der schwarzen Schlangen, wie es Lady Anagai es ihrer Sitzung vorherbestimmt hat. Thronverdammt! Damit wäre wohl der erste Feind enttarnt. Gut, dann brauche ich schon nicht nach ihnen suchen.

Es gibt Gerüchte, dass sich Reißer diesem Kult nach seiner Flucht angeschlossen hat. Sehr gut, zwei Fliegen mit einer Klappe. Dieser Kult hat sein Hauptquartier irgendwo im Delta Sektor. Da stellt sich die Frage, warum man dieses Schlangennest nicht schon längst ausgeräuchert hat. Der eine oder andere hat das durchaus versucht, aber nur unser guter Kleriker ist je lebend zurückgekehrt, aber eben ohne Arme und Augen. Das ist mal wieder eine dieser "Noch nie hat das jemand geschafft!" Sachen, die mir andauernd passieren. Aber jemand muss ja der Erste sein und das Astropathenproblem auf Anmut habe ich ja auch gelöst. Da frage ich gleich mal nach dem Kult der Augenlosen. Auch darüber bekomme ich etwas heraus. Die treiben sich im Betasektor herum oder besser gesagt trieben sich dort herum. Angeblich gibt es sie nicht mehr, weil sie, Trommelwirbel, sich mit den Schwarzen Vipern angelegt haben. Nun ja, aber vielleicht gibt es ja noch Überlebende oder so was in der Art. Auf alle Fälle bewegten die sich immer in absoluter Dunkelheit, was sie zu natürlichen Feinden der Schwarzen Viper gemacht hat, die ja auch die Dunkelheit bevorzugt haben. Ich bedanke mich für die Informationen und lasse mich in den Beta Sektor kutschieren. Schier endlos ziehen sich die Tunnel dahin, durch die wir fahren.

Schließlich halten wir an. Die Sektorengrenze ist schwer geschützt. Automatische Geschützstände und Panzerschotts schützen den Übergang. Man will damit wohl Aufstände auf einen Sektor beschränken, falls sie ausbrechen sollten. Und nach dieser Stellung zu urteilen, war dies wohl hin und wieder auch mal der Fall. Ein weiterer Aufseher mit einem elektroangetriebenen Lastwagen erwartet uns schon. Der schlaksige Mann nennt sich Holister und hat kurz geschnittene blonde Haare. Er ist etwas kleiner als ich und macht einen leicht nervösen Eindruck, als wir unser Ziel bekanntgeben, die Tunnel der Luftaufbereitungsanlage.

Durch weitere Schächte und Stollen fahren wir nun und ich nutze die Gelegenheit ein kleines Nickerchen zu halten. Wirklich beunruhigt über meinen Feind bin ich nicht, da Anagai mir ja drei Plagen auf den Hals gehetzt hat und in ihrer kleinen Sitzung habe ich sie alle besiegt. Sobald die dritte Bedrohung erledigt ist, heißt es sich Sorgen um mein Seelenheil zu machen, da ich keine Ahnung habe, wie ich diesen Feind im Schatten erledigen soll. Im schlimmsten Fall handelt es sich um eine leibhaftige Wesenheit aus dem Warp. Und die sind verdammt schwer zu töten. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 26. April 2013, 13:03:06
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Maleziel
Gefängniskomplex
Beta Sektor
Luftaufbereitungsanlage
Zeit: 2 334 784.M41

Schließlich halten wir an. Ich reibe die Augen und versuche mich zu orientieren. Wir befinden uns an einer in den Fels gehauenen Treppe nach oben. Unser Wärter weigert sich mitzukommen, da es dort oben spuken soll. Das ist mir sogar lieber, da gewisse Themen doch etwas heikel sind. Ich gehe voraus, Meisterin Puppila, Bruder Obskurus und mein Waffenservitor Novus folgen mir. Mein Servoschädel spendet über mir schwebend etwas Licht. Nicht dass ich das mit meinem Monokel noch wirklich nötig hätte. Dieser Bereich ist auch nur aus dem Fels gehauen und hier und da mit Stützelementen versehen. Bullige Maschinen brummen vor sich hin und scheinen die Luft umzuwälzen und sie aufzubereiten. Die Maschinen ziehen sich teilweise viele hundert Meter lang hin. Die einzelnen Bauteile machen einen recht heruntergekommenen Eindruck und schon lange scheint kein Techpriester mehr die Maschinengeister gesalbt zu haben. Auch fehlen die obligatorischen Reinheitssiegel. Nichts destotrotz scheinen die Maschinengeister ihre Arbeit zu verrichten. Manchmal gibt es auch sehr genügsame Maschinengeister, die recht wenig Zuwendung in Form von Gebeten, Siegeln, Weihrauch und gesegnetem Öl brauchen.

Allerdings finden wir erst mal niemanden, was auch nicht wirklich überraschend ist. Der Kleriker hat uns geraten, uns in vollständiger Dunkelheit zu bewegen, wenn wir die Namenlosen treffen wollen. Nun gut. Ich lasse alle Lichtquellen löschen und wir stehen im Dunkeln. In gar nicht weiter Ferne vermeine ich Schritte zu vernehmen und folge dem Geräusch. Falls das eine Falle ist, wird es ein böses Erwachen geben. Wir folgen den Schritten einer gefühlten Ewigkeit und bald habe ich jedes Gefühl für Zeit verloren. Auch meine Orientierung ist vollständig ausgeschaltet. Den Weg zurück würde ich nicht mehr finden. Schließlich verstummen die Schritte und einer körperlose Stimme heißt uns willkommen. Ich komme mir etwas blöd vor, mich mit einer Stimme in der Dunkelheit zu unterhalten.

So wie es aussieht, haben die Namenlosen versucht, dass Nest der Schwarzen Viper auszulöschen und sind grandios gescheitert. Außer ihm gibt es nur noch eine einzige Überlebende. Sie trägt den Nachmanen der Gründerin. Vor vielen Jahrhunderten begab sich die Navigatorin Greta Silvas nach Maleziel und gründete den Kult der Namenlosen. Warum bleibt im Dunkel der Geschichte ihr Geheimnis. Einen wirklich vernünftigen Grund kann ich mir beim besten Willen auch nicht vorstellen, aber ich akzeptiere das einfach mal als Tatsache. Die letzte des Kultes trägt den Namen Novati Silvas und befindet sich irgendwo im Delta Sektor. Wo sich auch das Hauptquartier der Schwarzen Viper befindet. Schön, dann brauchen wir schon nicht so viel hin und her zu reisen. Ob Novati Silvas nun mit Greta verwandt ist, weiß der Namenlose leider nicht. Ich bin nicht sicher ob Mutanten wie Navigatoren sich noch mit Normalsterblichen paaren können. Wie auch immer, Novati scheint eh nicht hier geboren zu sein. Was ihr vergehen war, bekomme ich leider  nicht heraus.

Das Hauptquartier der Schwarzen Vipern ist ein ehemaliges Forschungslabor von Renegaten, welche dort neue schreckliche Waffen versucht haben zu entwickeln. Diese Renegaten waren wohl die ersten Siedler auf Maleziel und später die ersten Insassen auf der neu gegründeten Gefängniskolonie. Die Minen wurden wohl von ihnen als Rohstofflieferant für die Forschungen angelegt. Dieser Forschungskomplex wurde dann Teil des Gefängnisses und später von den Schwarzen Vipern davon abgetrennt und zu ihrem Hauptquartier umgebaut. Es gab wohl von den verschiedenen Vorbesitzern dieses Gefängnis durchaus ernsthafte Versuche, dem Treiben der Vipern ein Ende zu setzen, aber sie sind alle gescheitert. Nun, dann werden wir wohl die ersten sein. Damit erschöpfen sich die Informationen und der Geist zieht sich zurück. Ich mache Licht und wir sehen uns etwas in dem Raum um. Wir sind in einer etwa zwölf Meter durchmessenden Kammer mit zwei Zugängen. Die Wände sind mit Reliefs einer technischen Schemata überzogen, deren Sinn und Zweck ich nicht erkennen kann. Die einst vorhandene Einrichtung ist einst gewaltsam zerstört und dem Zerfall der Zeit frei gegeben worden. Ein einzelnes Skelett liegt neben einem Schutthaufen. Reste einer Robe bedecken es und es sind Einschusslöcher im Brustkorb zu erkennen. Auch an den Wänden sind Krater von Einschlägen sichtbar. Offensichtlich hat hier ein Feuergefecht stattgefunden und der Kult der Namenlosen war nicht der Sieger.

Bevor wir unsere neue Umgebung näher in Augenschein nehmen können, flackert das Licht des Lumen meines Servoschädels. Die Schwarzen Vipern statten uns wohl ein weiteres Mal ihre Aufwartung ab und diesmal haben sie Lasergewehre mitgebracht, wie sich sofort herausstellt, nachdem die Lampe komplett verloschen ist. Und sie nehmen uns von zwei Seiten ins Kreuzfeuer. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 29. April 2013, 12:42:32
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Maleziel
Gefängniskomplex
Beta Sektor
Luftaufbereitungsanlage
Zeit: 2 335 784.M41

Mögen sie auch Lasergewehre haben und uns von zwei Seiten in die Zange nehmen, ich habe meinen älteren Bruder Novus. Als schwer bewaffneter und gerüsteter Waffenservitor ist er mir wie immer eine willkommene Hilfe.

"Novus! Deckungsfeuer frei auf südlichen Sektor!", befehle ich, aktiviere mein neues Konverterfeld und ziehe meine Waffen. Beide Maschinengeister zeigen sich von der momentanen Situation angetan und verrichten begeistert ihren Dienst. Rabenschwinges Plasma beginnt sich zu erhitzen, während selbst in dieser Dunkelheit sich ein knisterndes Energiefeld auf der Klinge von Rabenklaue aufbaut.
 
"Vipern, kommt nur und holt Euch den Tod!" Zur Erwiderung sausen haarscharf ein paar Laserschüsse vorbei und einer bringt mein Feld zum Aufleuchten. Das Maschinengewehr meines Bruders beginnt zu hämmern und triebt die Angreifer im Süden in Deckung, da sie keine Lust verspüren, Stahlmantelgeschosse im gängigen Kaliber 8.25mm zu schmecken. Meisterin Puppila geht neben dem Schutthaufen in Deckung und feuert mit ihrer Boltpistole in Richtung der Mündungsblitze der Angreifer. Ihre Geschosse scheinen aber nur Stein zu treffen. Bruder Obskurus begibt sich neben dem nördlichen Zugang in Deckung.

Dank meines auf dem Basar der Schrottwerft erworbenen Monokels kann ich im Dunkeln ihre Wärmeabstrahlung sehen und schieße auf einen von ihnen. Sonnenheißes Plasma schießt haarscharf an ihm vorbei und schmilzt sich durch den dahinterliegenden Stein. Er schreit gellend auf, als Tropfen flüssigen Steins ihn treffen. Geschieht im Recht. Die Angreifer im Süden halten ruhig und die im Norden scheinen aus irgendeinem Grund wütend auf mich zu sein, denn mehrere Salven prasseln auf mich ein. Zwei der Strahlen schaffen es durch Lücken des flackernden Konverterfeldes in meine Rüstung zu fahren. Aber die Schmiede in Stahlstadt haben in der auf mich persönlich abgestimmten Rüstung aus geschichteten Adamantium und Ceramit ein Meisterwerk vollbracht, welche die Strahlen ohne Anstand schluckt. Trotzdem wird das so langsam unangenehm. Bruder Obskurus befiehlt einen der Angreifer mit seiner Hexenstimme die Waffe wegzuwerfen. Da ich im nächsten Moment einen der Kerle erschieße und nichts weiter danach passiert, scheine ich wohl den bezauberten erschossen zu haben. Dumm gelaufen. Aber wer braucht schon Hexenkräfte, wenn er ehrlichen Stahl in den Händen hält? Kein Wunder, dass es das Gebot gibt, den Hexer zu töten. Niemand sollte einfach so viel Macht haben, ohne etwas dafür zu tun.

Ich schieße einen weiteren nieder, dann scheint irgendetwas den Maschinengeist von Rabenschwinge verstimmt zu haben, denn das Plasma tritt an den Notöffnungen aus und ich lasse die Waffe erschreckt fallen, während Stein zu meinen Füßen anfängt zu schmelzen. Mit einer weiteren Litanei auf den Lippen ziehe ich das Qualitätsprodukt aus Stahlstadt und eröffne mit brüllendem Stakkato das Feuer auf die weiter sich im Nordsektor festsetzenden Feindkräfte, die mein Bruder inzwischen wohl aus dem südlichen Segment nach oben gescheucht hat. Bruder Obskurus spielt ohne wirklich brauchbare Resultate mit seinen psionischen Kräften herum. Er befiehlt den Leuten jeweils die Waffe fallen zu lassen, was sie aber nicht davon abhält, einfach eine am Boden liegenden zu nehmen. Ich bekomme ein paar weitere Lasertreffer ab, die aber entweder von meinem Schutzfeld harmlos abgelenkt oder von meiner Rüstung absorbiert werden. Vor normalen Lasergewehren bin ich formidabel geschützt. Hoffentlich bleiben meine Gegner bei dieser Waffenwahl. Schließlich sinkt auch der Letzte der Angreifer zu Boden und das Licht kehrt zurück. Ich frage mich, wie die das machen. Wahrscheinlich ein obskures psionisches Phänomen, wie es in der Weite gefühlt hinter jeder Ecke lauert. Auf alle Fälle verstirbt der von mir Anfangs niedergeschossene, bevor die Heilkräfte von Bruder Obskurus ihre Wirkung entfalten können. Ich glaub zwar nicht, dass wir etwas aus ihm heraus bekommen hätten, aber ein Versuch wäre es wert gewesen. Außer Lasergewehren verschiedener Baureihen und Munition haben sie nichts weiter bei sich. Auch kein technisches Gerät, um das Licht auszumachen. Thronverdammt!

Ich schaue mir die verschiedenen Tätowierungen an. Die Schlangen auf ihren Körper sehen jedes Mal anders aus. Einen wirklichen verbindlichen Standard scheint es bei dem Kult nicht zu geben. Oder  jeder Tätowierer hat seine eigene Interpretation. Nun ja, ein paar Feinde weniger, die mich ärgern. Wir gehen zurück zu der Kammer der Namenlosen und Meisterin Puppila nimmt mit ihrer Vidkamera das Relief des Schematas an der Wand auf. Vielleicht wird ja einer unser Techpriester schlau aus diesem kryptischen Plan. Wir wühlen noch etwas in den Trümmern herum, fördern aber nichts wirklich Brauchbares zu Tage. Da wir die Informationen nun haben, wegen denen wir hergekommen sind, bewegen wir uns eine Ebene tiefer und suchen unseren Führer. Mal sehen, was uns im Delta Sektor für Widrigkeiten erwarten.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 01. Mai 2013, 13:17:08
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Maleziel
Gefängniskomplex
Beta Sektor
Zeit: 2 335 784.M41

Nachdem wir unseren Führer Hollister wieder gefunden haben, fahren wir zu einem der Stützpunkte der Wärter und forschen dort nach, wo sich die Gefangene Novati Silvas nun genau aufhält. Leider haben die hier keine Cogitatorterminals und ich muss die Information über deren Interkom heraus finden. Auch hier finden sich kaum Anzeichen von techpriesterlicher Pflege und die Anlage reagiert entsprechend unwillig auf meine Anrufungen. Mann! Ist das mal ein verstimmter kleinlicher Maschinengeist! Nach ein paar kräftigen salbungsvollen Schlägen mit den entsprechenden Litaneien ist das Gerät samt willigem Maschinengeist schließlich zur vollständigen Kooperation bereit. Geht doch!

Meinem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung würden ebenfalls ein paar salbungsvolle Schläge gut tun, so zäh wie die Verhandlungen mit dem Mistkerl laufen. Es dauert etwa eine geschlagene halbe Stunde, bis ich herausgefunden habe, dass sich die Gefangene Novati Silvas im Arbeitstrupp 72 befindet. Also nichts wie hin. Auf dem Weg in den Delta Sektor unterhalte ich mich ein wenig mit Hollister. Der Alpha Sektor ist bekannt für seine imperialen Fanatiker, welche dem Gottimperator huldigen. Der Beta Sektor gilt als der normalste, ohne Extremistenansammlungen. Delta ist voller dunkler Kulte, darunter auch der Kult der Schwarzen Schlange. Gamma ist dafür bekannt, dass dort in aller Regelmäßigkeit äußerst blutige Grubenkämpfe abgehalten werden. Dazu reisen extra Leute an, um die zu sehen. Die Sieger, sofern sie den Kampf überleben, werden in der Regel von den "Gästen" dann aufgekauft, um in deren Arenen zu kämpfen. Die Gefängnisleitung scheint also durchaus mehr als eine Strategie der "Resozialisierung" zu verfolgen.

Schließlich erreichen wir den Delta Sektor und unser neuer Wärter für diesen Bereich ist ein stiernackiger Kerl mit Messer Tätowierungen an jeder freien Stellen seiner Haut. Der Wärter heißt Garris Traub. Mit einem weiteren altersschwachen Vehikel werden wir durch endlose Tunnel und Schächte kutschiert. Manchmal auch durch gewaltige Hallen, wo nur mächtige Säulen die nicht mehr zu erkennende Decke stützen. Schließlich finden wir Arbeitstrupp 72, der unter der Aufsicht eines Laientechpriesters ein gigantisches Fördergerät zerlegt. Das erinnert mich fatal an meine Zeit als Unab. Ich kann mit den armen Kreaturen mitfühlen, die sich hier abschuften müssen. Ich lasse Novati Silvas, die letzte Lebende vom Kult der Namenlosen, herbringen. Sie ist eine verlebt aussehende Frau von etwa dreißig Jahren, der man ihre zehn Jahre Gefängnis deutlich ansieht. Mit großen Augen schaut sie mich unsicher an, als ich die Gefangene zur Seite führe. Ohne große Umwege komme ich zum Kern meines Anliegens. Wie üblich bekomme ich die Warnung zu hören, die Finger davon zu lassen, weil noch nie jemand Erfolg hatte. Aber schließlich muss jemand mal den Anfang machen und den Turm der Astropathen habe ich auch geknackt bekommen.

Schließlich rückt sie mit den notwendigen Informationen raus. Das Hauptquartier ist ein Schaltwerk mit Pumpenstation für Wasser und andere Flüssigkeiten. Die Vipern haben das Gebäude zu einer Festung ausgebaut, aber sie kennt einige Schleichwege hinein, auch wenn noch nie jemand heraus gekommen ist. Aber wie gesagt, es gibt immer ein erstes Mal und mein vorgezeichnetes Schicksal endet nicht hier. Deswegen habe ich momentan auch keine große Angst vor den Vipern. Aber natürlich einen gewissen Respekt. Mit Novati im Gefolge breche ich dann unverzüglich zu diesen Wasserwerken auf. Nach einer weiteren Fahrt erreichen wir einen geheimen Zugangstunnel, in den mich die Silvas führt. Es brennt mir unter den Nägeln, sie nach dem Kartenstück von Navigatorin Greta Silvas zu fragen und warum sie den gleichen Nachnamen hat. Aber momentan konzentriere ich mich doch lieber auf das vor mir liegenden unmittelbare Problem.

Novati begleitet uns nur ein Stück und beschreibt uns dann den Weg, da sie nicht bereit ist, sich den Schwarzen Vipern in ihrem Nest zu stellen. Nun, dafür sind ja Helden wie ich da. Wir öffnen ein Schott und betreten einen Abfluss. Laufgitter befinden sich an beiden Seite der Gangwände aus generischem Stein, hier und da abgestützt mit bröckelnden Beton. Eine allgemeine Sanierung wäre in diesem Bereich nicht verkehrt. Ganz genau genommen macht Maleziel allgemein einen heruntergekommenen Eindruck. Schließlich verlassen wir den Abfluss und bewegen uns nun auf trockenen Boden innerhalb der Anlage. Das Nest kann nicht mehr weit sein und ich höre die Stimme eines Predigers. Vorsichtig nähern wir uns an. Ich schleiche vor und spähe durch ein kleines Lüftungsloch in eine Kapelle mit etwa fünfzig Zuhörern. Ein Prediger in einer schwarzen Robe mit einem rot abgesetzten Wappen mit Schwarzen Schlangen predigt Blut und Zerstörung. Ein Sturm wird kommen und die Ungläubigen hinwegfegen. Keiner wird dem Zorn der vier Schlangenköpfe entkommen. Es scheint also vier Anführer zu geben. Im ersten Moment bin ich versucht, diese Gruppe einfach nieder zu mähen, aber ich bin nicht hier, um untergeordnete Lakaien zu töten, sondern der Bedrohung den Kopf, oder besser gesagt, die vier Köpfe abzuschlagen. Also umgehen wir die Kapelle und bewegen uns darum herum tiefer in das Gebäude. Schließlich geht es einen Treppenschacht mit Stufen aus geriffelten Ferro nach oben zu einer Tür aus dem gleichen Material. Vorsichtig öffne ich die Tür und spähe in eine prächtig eingerichtete Halle mit einem Altar. Über dem Altar ist ein schwarzes Banner mit blutroter Schrift. Darauf steht in alten gotischen Lettern: Alpha Legion, Black Viper Chapter. Ha, hier sind wir richtig und ich kann mir ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 03. Mai 2013, 11:28:31
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System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Delta Sektor
Hauptquartier des Black Viper Chapters
Zeit: 2 335 784.M41

Niemand von uns kann etwas mit dem Begriff "Alpha Legion" anfangen. Wahrscheinlich eine Söldnerbruderschaft, die ihre Wurzeln im örtlichen Alpha Sektor hat. Hier haben ja mal Separatisten versucht, neue Waffen zu erforschen. Wahrscheinlich war die "Alpha Legion" deren Schutztruppe und hat sich zu dem Todeskult der Schwarzen Viper weiter entwickelt. Der ganze Raum ist voller Banner mit blasphemischen Symbolen. Es gibt symmetrische und total unsymmetrische, die sich zu bewegen scheinen, wenn man sie länger als zwei Sekunden anstarrt. Wahrscheinlich eine optische Täuschung. Trotzdem verursachen diese blasphemischen Dinge Bauchschmerzen. Zwei Kohlebecken spenden etwas schummriges Licht und es gibt noch einen Altarstein mit einem Bronzestern mit acht Zacken, das Zeichen des Erzfeindes. Hasse es!

Es gibt noch ein großes Portal aus Bronze voller ekliger Reliefs und Schlangen, das wohl in einen Kultraum führt. Ich denke, es ist Zeit diesen Raum etwas umzudekorieren. Ich borge mir von Bruder Obskurus etwas Promethium aus und zeichne damit einen Aquila auf den Stein. Den zünde ich an und brenne das Symbol des Imperators auf diesen Altar. Bruder Obskurus zündet mit seinem Flammenwerfer die Fahne mit dem Alpha Legion Schriftzug an. Ja, so sieht das schon hier viel wohnlicher aus. Zeit, weitere Fakten zu schaffen und das zu erledigen, für das was wir hier sind.

"Wie nett!", meint eine Stimme und wir wirbeln herum. Hinter uns steht wie aus dem Nichts unser Gesuchter, der Ketzer Reißer.
"Wie praktisch! Dann brauchen wir gar nicht mehr nach Euch zu suchen."
"Schön, dass Ihr her gefunden habt, Flavion Conari. Der Mann mit dem Schicksal."
"Toll! Jeder scheint mich in der Koronus Weite schon zu kennen!", merke ich etwas angesäuert an. Das mit dem Schicksal geht mir so langsam wirklich auf Keks. Zuerst diese Eldarnudel Lady Marati, die andauernd davon gefaselt hat. Jetzt ein Ketzer. Prima, mich kennen definitiv die falschen Leute.
"Ich wusste schon seit Monaten, dass Ihr heute kommen würdet. Willkommen beim Black Viper Chapter auf Maleziel." Irgendwie irritiert mich seine Haltung. Irgendwie hätte ich ein anderes Verhalten erwartet. Mir schwant Böses, wenn dieser Mistkerl schon seit Monaten weiß, dass wir genau hierherkommen werden. Dies ist eine Falle und wir können eigentlich nichts tun. Außer die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Leider brauche ich den Bastard lebendig. Da ich sein Gequatsche über habe, lasse ich ihn überwältigen und fesseln. Das geht ohne Widerstand von seiner Seite aus. Einem kurzen Moment erwäge ich es, ihn einfach hier und jetzt zu töten. Aber ich habe an den Profit zu denken und daran, dass ich mich mit dem Adeptus Ministorum gut stellen muss, wenn ich die Unterlagen zur "Ignes et Amnestia" einsehen will. Deswegen lasse ich den Mistkerl am Leben, auch wenn alles gegen mich spricht. Aber ich bin Flavion Conari und ich lasse mir nicht vorschreiben, wann und wo ich sterben werde! Thronverdammt!

Obwohl die Türen gigantisch sind, ist es ein Leichtes sie aufzustoßen. Die Halle ist von massiven Säulen abgestützt, die voll von den üblichen Schlangensymbolen sind, welche blasphemische Zeichen umwinden. Zwei Kohlebecken sorgen für eine dämmerige Beleuchtung. Etwa zweihundert Anhänger des Kultes knien auf dem Boden, ihre Waffen in Griffweite. Aber Lasergewehre und vollautomatische Gewehre im Kaliber 8.25mm schrecken mich nicht wirklich. Diese Kultisten zählen nicht. Aber was zählt, sind die vier Häupter der Schwarzen Viper. Die stehen nämlich auf der anderen Seite an der Wand vor einem Altarstein, auf dem ein Hydrasymbol mit vier Köpfen zu sehen ist. Und diejenigen, welche die vier Köpfe sind, starren mich nicht wirklich erfreut an. Und ich staune sie mit offenem Mund an. Autsch!

Der Anführer ist wahrer Riese, der mich mindestens um einem Meter überragt, seine schwarzen Hörner dabei noch nicht mal mit eingerechnet, die aus seinem Schädel sprießen. Sein Kopf ist rot, ebenso sein vor abgrundtiefen Hass brennender Blick. Und das meine ich jetzt nicht im übertragenen Sinn. Ein gewaltiges Flügelpaar ragt aus seinem Rücken hervor. Die Dinger erinnern an die Flügel von Fledermäusen. Seine Kollegen scheinen noch Menschen zu sein, wenn man denn einen Astartes als Mensch bezeichnen möchte. Denn drei Astartes in Servorüstungen und der Dämon, ebenfalls mit einer Rüstung eines mir unbekannten Schemas gehüllt, stehen leibhaftig vor mir. Bis jetzt habe ich nur Bilder und Statuen dieser legendären Krieger gesehen. Und die ersten Astartes die ich sehe, sind offensichtlich nicht mehr für das Imperium tätig. Denn Dämonen dienen definitiv nicht dem Imperator. Ihre Rüstungen sind blau, die Ränder mit einem angelaufenen Silber abgehoben. Auf den Schulterpanzern tragen sie ebenfalls ein Hydrasymbol mit nur zwei Köpfen. In ihren gewaltigen Händen tragen sie Bolter eines mir unbekannten Schemas, die mit geschmacklosen Verzierungen wie Dämonenköpfe verunstaltet sind. Ich muss gestehen, diese Typen machen mir wirklich Angst, da braucht es den rotgesichtigen Kerl noch nicht mal dazu.

"Schämt Ihr Euch nicht? Ihr elendigen Verräter!", rufe ich ihnen mit zittriger Stimme entgegen. Diese Bastarde zu töten wird recht schwer werden. Kein Wunder, dass bisher noch alle gescheitert sind. Ein Astartes ist eine harte Nuss zum knacken und da stehen gleich drei vor mir. Plus ein Ding, dass gar nicht existieren dürfte. Ich muss gestehen, dass macht mir doch etwas Angst. Nein gelogen, diese Riesen machen mir eine Scheiß Angst. Aber ich bin ein Lord-Kapitän eines leichten Kreuzers. Ich bin ein Conari und ich bin ein Untertan eines lebendigen Gottes. Deswegen bleibe ich äußerlich fast vollkommen unbeeindruckt und halte eine Fassade von stoischem Gleichmut aufrecht.

"Ha, Flavion Conari. Der Mann mit dem Schicksal. Heute ist der Tag Eures Todes!", donnert mir der rotgesichtige Dämon entgegen. Toll! Auch der kennt mich schon.
"Mein Schicksal ist es aber, dass ich Euch besiege! Seht, dies ist Rabenklaue, mein Schwert! Seit vielen Generationen ist es im Besitz meiner Familie und heute wird es das Fleisch von elendigen Verrätern zertrennen! Und dies ist Rabenschwinge, meine Plasmapistole. Sie wird Euch Demut lehren!" Mit jedem Wort gewinnt meine Stimme an Kraft. Immerhin steht die ultimative Macht hinter mir. Der Imperator, ein lebendiger unsterblicher Gott, der seine getreuen und gläubigen Untertanen vor dem Abschaum jenseits des Schleiers schützt. Der Imperator sieht alles und Rückzug vor dem Bösen ist momentan keine Option.
"Du Wurm! Du wirst heute deine Seele verlieren!", donnert mir der Gehörnte entgegen.
"Willst du mich zu Tode quatschen, oder was?" Mit diesen Worten feuere ich meine Plasmapistole, die ich überlade, ab. Brüllend schießt sonnenheißes Plasma in das Bein der gefallenen Kreatur und trennt ihm den Oberschenkel vom Torso ab. Ha! Das hat gesessen. Das Ding schreit auf und fällt dann um. Geht doch!

Dann brüllen die Bolter der gefallenen Astartes auf. Dabei rufen sie im spöttischen Tonfall "Für den Imperator!". Was für widerwärtige Bastarde! Als erstes erwischt es Meisterin Puppila, die von einer Garbe regelrecht zerrissen wird, bevor sie in Deckung hechten kann. Ihr Blut und Innereien besudeln mich. Thronverdammt, ich hab die Pilotin echt gemocht! Möge der Imperator ihre Seele wiegen und für schwer genug befinden, um in sein Reich Einzug zu halten. Der nächste meiner Leute, der fällt, ist Bruder Obskurus, dessen Brust aufgerissen wird. Tja, wenn es ein Imperator gibt, ist es nun an der Zeit, dass er mir beisteht. Aber irgendwie habe ich die Ahnung, dass sein Blick mal wieder auf anderen Dingen ruht und nicht auf mir. Ich beginne trotzdem, zu ihm zu beten, aber es ist wohl zu spät. Ich blicke direkt in Mündung des Bolters, aus dem eine Salve massereaktiver Geschosse direkt auf mich zukommt. Das ist das letzte was ich sehe, bevor mein Kopf von einem Boltgeschoss weggesprengt wird.

Gespielt am 10.11.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 2
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 2
EP: 350
Besiegte Gegner:
Mehrere Kultisten
Beute: Nix

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: endier am 06. Mai 2013, 11:07:06
Na da wird wohl dann die Dallas-Methode angewendet... War alles nur ein Traum.
Ansonsten haben wir hier ein TPK.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 06. Mai 2013, 16:05:57
Hehe, nein, dass war kein TPK, der Kampf war niemals als Real geplant gewesen. Als Spieler habe ich das mitbekommen, als der SL mich nach dem Schaden von Astartes Boltern gefragt hat. Es gab dann eine kurze Diskussion, welchen man nimmt, den aus Deathwatch oder den aus Schattenjäger, bzw. Schwarzer Kreuzzug. Für Marines gibt es imho im Freihändler gar keine Werte. War natürlich ziemlich fies vom SL, einen TPK zu simulieren und dann die Sitzung zu beenden. Aber da wir keine neuen SC kreieren mussten, war dann allen klar, dass dies nicht wirklich so passiert ist. Aber lest nun selbst.

Persona Dramatis
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Kapitel 17
Gefangen im Tempel des Chaos!

Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Omega Sektor
Kerkerebene des Tempel des Chaos
Zeit: 2 335 784.M41

Als ich zu mir komme, erwarte ich in das Antlitz eines lieblichen Engels mit goldenen Locken und strahlend blauen Augen zu blicken. Aber anstatt eine geflügelte Himmelswächterin zu erblicken, sehe ich das vernarbte Gesicht eines Kultanhängers der Schwarzen Vipern. Ich liege auf dem harten Boden des Tempels, über mir aufgebrachte Kultisten, die an mir herum zerren. Thronverdammt! Warum bin ich nicht tot? Ich bin doch gerade von einem gefallenen Astartes erschossen worden? Der Reißer erscheint in meinem Blickfeld, vertieft in ein heftiges Streitgespräch mit einem verhüllten Kuttenträger. Irgendetwas sagt mir, dass der Kuttenträger zu den Leuten gehört, die hier wirklich was zu sagen haben. Seine ganze Haltung und Gestik sagt mir, dass er äußerst verärgert ist. Der Erzhäretiker Reißer dagegen scheint in Erklärungsnot zu sein. Wahrscheinlich war das gerade eben nicht zu der Zufriedenheit des Kuttenträgers abgelaufen. So wie es aussieht, war der Tod meines Gefolges und der meine nichts weiter als eine Ausgeburt der Täuschung. Wahrscheinlich mal wieder ein obskures psionisches Phänomen, wie es in der Koronusweite an jeder Ecke nur auf mich zu lauern scheint. Thronverdammt!

Ich will nach meinen Waffen greifen, aber ich bin entwaffnet. Brutal werde ich auf die Beine gezerrt und der Kuttenträger sieht mich an. Er schlägt die Kapuze zurück und es kommt ein zerfurchtes und vernarbtes Gesicht zu Tage. Die Narben scheinen ritueller Natur zu sein und bilden die typische Symbolik des Erzfeindes. Wie ich es bedauere, dies nicht aus seinem Gesicht schneiden zu können. Verdammter Bastard!

"Schafft sie in den Kerker! Ich kümmere mich nachher um sie!", herrscht er seine Untergebenen an und bedeckt wieder sein Haupt. Kräftige Hände packen mich und beginnen mich in den hinteren Teil des Tempels zu schleifen. Besonders schmerzhaft wird es, als sie mich eine Treppe herunter werfen, elendige Feiglinge. Bevor ich mich aufrappeln kann, werde ich wieder auf die Beine gezerrt und weiter geschleift. Die Wände, Boden und Decke bestehen bald wieder aus behauenem Stein und sind bar jeder Verzierung. Was bei diesem Ambiente gar nicht mal so verkehrt ist. Wenigstens dreht sich hier nicht ständig mein Magen um.

Unser Weg führt uns durch ein wahres Labyrinth aus Gängen, Räumen und kurzen Treppenstücken. Mir fällt es schwer, die Orientierung zu behalten. Schließlich werden wir in eine stinkende Zelle geführt. An der gegenüberliegenden Wand werden wir an ein Gestell angekettet. Auf einem Tisch steht eine Laterne mit einem Lumen, der ausreichend Licht spendet, um die trostlose Lage auszuleuchten. Die Ketten und Schellen sind zu massiv, als das ein normaler Mensch sie mit bloßer Muskelkraft zerreißen könnte. Deswegen mache ich mich auch nicht lächerlich, indem ich daran herumzerre. Um hier heraus zu kommen brauche ich Hilfe von außerhalb. Acht Wachen bleiben zurück, die mit einem Mix aus Lasergewehren, Sturmgewehren und kruden selbstgefertigten Waffen bewaffnet sind. Statt Imperialen Zeichen wie dem Aquila oder dem geflügelten Schädel der Imperialen Armee ist die Ikonographie des Erzfeindes allgegenwärtig. Die Waffen sind bar jeder Reinheitssiegel und ich frage mich, mit welch grausamen Methoden sie die armen Maschinengeister zur Mitarbeit überzeugen.

Bevor mir langweilig wird, taucht der Kuttenträger mit dem Reißer wieder auf. Der Kuttenträger schreitet sinnierend unsere Reihe ab.
"Diese Leichenanbeter sind doch ein zäherer Haufen als Ihr gedacht habt, Reißer", spottet der Anführer. Ich bin mir nicht sicher, was erwartet wurde, aber die kleine Show mit den gefallenen Astartes hat wohl nicht das gewünschte Resultat erbracht. Wahrscheinlich hat der gedacht, wir würden wimmernd zu Boden sinken. Aber da braucht es schon mehr, um mich zu brechen. Der Erzhäretiker erwidert nichts darauf und der Mistkerl zeigt mal wieder sein Gesicht. Mir gefällt nicht, wie er uns ansieht. Eigentlich müsste ich Angst haben, da mir ein grausames Schicksal droht. Aber ich bin mehr als nur ein gewöhnlicher Mensch, ich bin ein Adliger aus dem angesehenen und mächtigem Haus Conari. Ich habe in Duellen siebenundzwanzig Menschen getötet, habe dem Tod ungezählte Male ins Auge geblickt. Diese hier sind sterblich und ich fürchte nichts mehr, was bluten kann. Alles was blutet, kann man töten.

"Ihr seid schon ein zäher Bastard, Conari!", meint der Kapuzenmann zu mir.
"Ich bin kein Bastard, du verdammter Ketzer!" Dafür fange ich mir eine.
"Lady Anagai hat mir prophezeit, dass ich Euch besiegen werde", führe ich weiter aus.
"Wie lustig, das Gleiche hat sie mir auch gesagt, nur in der Variation, dass ich Euch besiegen, töten und Eure Seele dem Chaos überantworten werde."
"Dem Chaos?" Wer beim Warp soll das nun schon wieder sein.
"Chaos ist die Allmacht im Warp, die allgewaltigen Vier, der Lenker des Schicksals, der Erfüller aller Begierden, der Bringer der Seuchen und der blutige Rächer."
"Nie von diesen Kerlen gehört", erwidere ich.
"Ich spreche von Tzeentch, Slaanesh, Nurgle und Khorne." Die Namen sagen mir rein gar nichts. Auch Chaos sagt mich nichts. Besonders da er es noch falsch betont und wie "Kaios" ausspricht. Wahrscheinlich sind das die Namen der falschen Götter, die er anbetet.
"Gehört dem Khorne nicht ein Fuselladen?" In den äußeren Habs von Tarsus wird ein starkes Alkoholgetränk verkauft, welches sich Korn nennt. Ich kriege seine geballte Faust ins Gesicht gerammt. Das tat weh.
"Da haben meine Konkubinen ja mehr Kraft als ihr", höhne ich und versuche meine Schmerzen zu ignorieren. Er haut mir noch eine runter. Während mir Blut aus den aufgeplatzten Lippen fließt, grinse ich ihn nur an.
"Lady Anagai war also auch hier?", frage ich das Thema wechselnd, da mir momentan keine Witze über diese lächerlichen Götzennamen einfallen wollen.
"In der Tat."
"Tja, ihr seid nur eine Station auf meinem Weg, eine von drei Gefahren, die ich überwinden werde, um das große Übel am Ende nieder zu ringen."
"So wie ihr eine Station auf dem Weg seid, der mich zum Sturmrufer machen wird. Ich werde Euch in zwei Hälften spalten", meint er grinsend und entblößt sein kariöses Gebiss.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 08. Mai 2013, 14:45:42
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"Sturmrufer?", frage ich nach, auf sein Spiel eingehend in der Hoffnung, noch weitere, später vielleicht wichtige Informationen aus ihm heraus zu kitzeln.
"Ich werde den Sturm rufen, der die Ungläubigen hinwegfegen wird. Nur die wahren Gläubigen werden verschont werden, wenn der neue Gott des Kaios geboren wird." Bei meinem Glück wird das die Kraft sein, die am Ende auf mich wartet. Danke, Lady Anagai! Eine Nummer kleiner wäre es nicht gegangen? Nun gut, man wächst an seinen Feinden. Vielleicht ist das alles ein Teil vom Imperators großen Plan und ich wurde auserwählt, die Bedrohung zu stoppen. Ein aufbauender Gedanke, einem wahren Untertan eines lebendiges Gottes würdig. Oder, was genau so möglich ist, alles ist nur ein dämlicher Zufall und ich gerate zwischen zwei Mühlsteinen, die mich einfach zermalmen werden. Thronverdammt!

Mir gelingt es noch ein paar weitere Informationen aus den namenlosen Anführer heraus zu leiern. Vor langer Zeit, nachdem der Imperator die verräterische Schlange Horus getötet und sich für alle Zeit auf seinem goldenen Thron zu Terra niederließ, flohen vier geschlagene Anhänger der Schlange Horus auf diese Welt. Damals war dies eine abgelegene Bergbausiedlung aus uralter Zeit. Die vier gefallenen Astartes schlachteten die meisten Siedler äußerst brutal ab. Letztendlich wurden aber die vier von den wenigen noch übrig gebliebenen Bewohner in eine Falle gelockt und lebendig in der Mine begraben. An einem Ort, wo das Böse schon seit Äonen hauste. Ob diese Macht von Xenos eingeschleppt worden war oder sich hier ein natürlicher Riss in den Warp befand, wird mir nicht ganz klar. Jedenfalls starben drei der vier und einer wurde beseelt. Sprich, er wurde von einem "Dämon" besetzt. Ich sag es ja, obskure psionische Phänomene, wohin ich auch komme.

Irgendwie habe ich mir meine Karriere als Lordkapitän eines leichten Kreuzers anders vorgestellt. Ich dachte, ich würde mich nur mit windigen Händlern, hinterlistigen Xenos, gefährlichen Bestien, unberechenbaren Warpstürmen und blutrünstigen Piraten herumschlagen müssen. Aber nein, für mich kommt es gleich extra dick. Ein Auserwählter zu sein ist kein Vergnügen. Thronverdammt!

Da ich genug von diesem deprimierenden Thema habe, lenke ich das Gespräch auf die Navigatorin Greta Silvas. Der Kerl hat auch dazu eine Geschichte parat, die er mir diabolisch grinsend unter die Nase reibt. Offenbar war die Navigatorin von Winterscale auf der Flucht vor etwas jenseits dem Schleier. Diesen Ort hat sie mit Bedacht ausgewählt, denn sie hoffte hier auf Maleziel etwas zu finden, um eine Maschine vollenden zu können, die sie vor der Warpkreatur schützt. Der Raum mit dem Skelett des namenlosen Kultisten war von einer Schemata Zeichnung bedeckt. Wahrscheinlich war das der Plan der Maschine. Vermutlich handelt es sich dabei um ein Gellerfeld, das auch im Realraum funktioniert. Schließlich ist ein normales Gellerfeld in erster Linie nur eine Barriere, welche die Realität des Realraums umschließt, welche die Dämonen des Warps daran hindert, in die Raumschiffe zu dringen. Die Barriere an sich hat auch schon eine gewisse abschreckende Wirkung, aber letztendlich können sich die Kreaturen des Warps prinzipiell nur sehr schwer in der Realität halten. Eine weitere Barriere, welche Dämonen auch im Realraum weiter auf Distanz hält, ist mit Elektrum gar nicht aufzuwiegen. Wer ein solches Schema mit Fabrikationsschablone besitzt, wird unermesslich reich werden. Und das wäre vielleicht auch eine Möglichkeit sich vor diesem Ding zu schützen, was da noch in der Dunkelheit der Zukunft auf mich lauert. Aber ich schätze, die Pläne an der Wand sind nicht vollständig.

Kaum habe ich den Gedanken zu Ende gedacht, wird Novati Silvas in den Raum geschleift. Thronverdammt! Der Robenträger ist erfreut, die letzte der Namenlosen vor sich zu haben. Er reißt ihr die Arbeitskleidung vom Leib und darunter kommt eine großflächige Tätowierung zu Tage. Diese sieht aus wie eine Blaupause, ebenfalls eine technische Schemata.

"Sieh an, sieh an, die letzte der Namenlosen. Das letzte fehlende Bauteil!" Der Kerl gluckst erfreut und tastet mit seinen Spinnenfingern über die Haut der Frau. Nicht aus sexueller Erregung heraus, sondern um die Linien des Schemata nachzuziehen. "Häutet sie und dann macht sie zur Opferung bereit! Den da, macht gleich zur Opferung bereit!" Der Mistkerl zeigt auf Bruder Obskurus, der anfängt, um sein Leben zu betteln, in dem er konkrete Angebote von Verrat macht. Ich bin nicht sicher, wie weit die Worte des Astropathen geschauspielert und wie ernst ihm ein Überlaufangebot ist. Sollte ich diese Situation überleben, werde ich mich ernsthaft nach einem Chorleiter umsehen. Egal wie viel das nun kosten mag. "Und die da, " er zeigt auf Meisterin Puppila, "macht zur Nächtlichen!"
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 10. Mai 2013, 12:45:30
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Die Gefangenen werden nach und nach abgeführt. Der Kultführer prügelt noch etwas auf mich ein, was er dann aber zwei seiner Schergen überlässt, die mich dann mit Knüppeln traktieren. Insgesamt bleiben fünf Leute zurück. Die Aussichten sind nicht wirklich rosig. Anfangs verspotte ich die Mistkerle noch, mache schlechte Witze über Körnchen, Schläfchen, Nörgler und Zenzi. Aber bald habe ich keinen Atem mehr zum sprechen. Sie brechen mir zwar nichts, aber da jeder Atemzug zur Qual wird, sind so ziemlich alle Rippen angebrochen. Verdammte Arschlöcher. Wenn ich frei kommen werde, dann werde ich einiges an Energie, Zeit und Gelt aufwenden, mit diesen Chaosspinnern abzurechnen. Ganz abgesehen davon, dass es noch das Schemata einer Maschine gegen Dämonen und meine Ausrüstung zu retten gilt.

Ich habe keine Ahnung, wie lange sie auf mich einprügeln, aber schließlich höre ich die Stimme von Bruder Obskurus in meinem Kopf, die Augen zu schließen. Das fällt mir leicht, da sie eh fast vollkommen zugeschwollen und von Blut verklebt sind. Trotzdem drücke ich die Augen zu, dann höre ich, wie sich die Tür öffnet. Gellende Schreie sind nun zu vernehmen, dann Stille und das Geräusch einer schließenden Tür.

"Ihr könnt die Augen wieder aufmachen", höre ich Yuri sagen, die Navigatorin aus meinem Gefolge. Wo kommt die den her? Müsste sie nicht an Bord des Schiffes sein? In der Hoffnung ein volles Rettungskommando vor mir zu haben, öffne ich meine Augen soweit, dass ich in den Raum sehen kann. Fünf Wachen liegen tot am Boden, wahrscheinlich haben sie in den Warp geblickt und es hat ihnen nicht gefallen, was sie zu sehen bekommen haben. Das ist natürlich äußerst positiv, da nicht mal tote Chaosspinner gute Chaosspinner sind. Was doch etwas negativ ist, ist, dass ich nur Lady Helmchen und Bruder Obskurus ausmachen kann. Ich hatte mit etwas mehr gerechnet. Nun, man muss mit dem arbeiten, was man zur Verfügung stehend hat. Ich werde losgeschnallt und mir gelingt es gerade so, mich auf den Beinen zu halten. Autsch! Die haben mich ordentlich vermöbelt. Bruder Obskurus macht sich nützlich und heilt meine Verletzungen, sodass nur ein paar oberflächliche Quetschungen übrig bleiben. Ah, das tut gut. Ich mache mir eine geistige Notiz, ihm einen Teil seiner immensen Schulden zu erlassen. Ich straffe mich und nehme das einzige Lasergewehr in Besitz, die anderen Waffen sind äußerst primitiv. Das Gewehr ist bar jeder Reinheitssiegel, was in dieser häretischen Umgebung ja auch kein Wunder ist. Mit der Litanei der Bereitwilligkeit überprüfe ich den Zustand der Waffe und überzeuge mich, dass der Maschinengeist trotz allem guter Laune ist. Trotz der Verunstaltungen mit kruder Symbolik ist der Maschinengeist der Waffe offenbar aktiv. Das Magazin ist noch halb voll, ein Ersatzmagazin hatte der Kultist nicht dabei.

Derweil erzählt mir die Navigatorin, warum sie hier ist. Nachdem ich mich längere Zeit oben bei der "Audacia" nicht mehr gemeldet habe, hat Kyrr in immer kürzeren Abständen unten nachgefragt. Da er nur nichtssagende ausweichende Antworten bekommen hat, entschloss sich mein XO ein kleines Kommando nach unten zum Nachsehen auszusenden. Ich wünschte, er hätte das erste Bataillon ausgesandt. So hat er nur ein paar Gardisten der Brückenwacht unter dem Kommando von Leutnant Exton und Yuri nach unten geschickt. Beide stießen bei der Gefängnisführung ebenfalls nur auf Ausflüchte, bestanden aber darauf, nach mir zu suchen. Sie fuhren mit einer Lore zum Delta Sektor und gerieten dort in einen Hinterhalt des Schlangenkultes. Exton wurde schwer verwundete und befindet sich im Koma auf der Krankenstation. Yuri kam dort ebenfalls hin und konnte mit einem der Pfleger dort ein Abkommen treffen, er lässt sie aus den Augen und sie revanchiert sich später entsprechend dafür. Nun gut, ich werde zu dieser Abmachung stehen, auch wenn es mir nicht schmeckt, einen weiteren Renegaten in meinen Reihen willkommen zu heißen. Wie viele von meiner Besatzung wohl einst oder immer noch dem Kaios zugetan sind? Keine Ahnung, aber wahrscheinlich zu viele, als das der Imperator mit mir zufrieden sein könnte. Sei‘s drum, auch ich bin momentan nicht zufrieden mit seiner Leistung.

Da Yuri weiß, wo meine Rüstung ist, gehen wir dort hin. Der Gang ist zum Glück leer, in diesem Bereich ist um diese Tageszeit wohl nichts los. Im nächsten Raum finden wir einen Kultisten, der sich gerade abmüht, meine Rüstung anzulegen. Er hat ziemlich viele Tücher dabei, um seine schmächtige Brust auszupolstern. Wir hauen ihn um und erlösen ihn nach kurzem Verhör von seinen Leiden. Sieht so aus, als wäre unsere Ausrüstung schon verteilt worden. Thronverdammt! Dazu gehören unersetzbare Familienerbstücke wie Rabenklaue und Schwinge. Ganz abgesehen davon, dass wir jedes bisschen Feuerkraft brauchen, um hier wieder heraus zu kommen. Auch habe ich Novus nicht mehr gesehen, seitdem ich in der Vision gefangen war. Auch wenn mein Bruder nur noch ein seelenloser lobotomisierter Servitor ist, er ist immer noch mein großer Bruder und es ist meine Pflicht, wenigstens seine Gebeine zu retten, auf das er eines Tages in der Familiengruft bestattet werden kann. Thronverdammt!

Schnell ziehe ich meine gute Rüstung an und fühle mich gleich viel besser. Allerdings ist mit dieser Erscheinung ein Durchbluffen nicht mehr möglich, wie es offenbar Bruder Obskurus und Lady Helmchen gelungen ist. Was ich eigentlich kaum glauben kann, da beide nicht wirklich ein alltäglicher Anblick sind. In der Nähe soll es ein Waffenlager geben, in dem wir uns weiter ausrüsten können, da ich mit einem Lasergewehr mit dreißig Schuss hier nicht raus komme. Also bewegen wir uns aus dem Kerkersektor heraus. Bald kommen wir in den Bereich, wo es Werkstätten und Lagerräume gibt. Uns kommen ein paar Leute entgegen. Schnell huschen wir in einen Nebenraum, der sich als Durchgang entpuppt, den die auch nehmen wollen. Thronverdammt aber auch! Die einzige Möglichkeit mich zu verstecken, ist der Türsturz über dem Durchgang. Ich klettere geschickt nach oben und halte mich dort oben fest. Kaum bin ich in Position, eilen die vier Leute auch schon unter mir durch. Lady Helmchen hat derweil ihren Overall, der so aussieht wie das Zeug das alle hier zu tragen scheinen, soweit aufgeknöpft, dass ihre Rundungen schier hervorquellen wollen. Das lenkt die Kerle soweit ab, dass keiner einen Blick nach oben wirft. Das war jetzt knapp. Ich springe nach unten, als sie weit genug weg sind und laufen zur nächsten Kammer, die zum Glück unverschlossen ist. Diebe scheinen die hier keine zu fürchten. Großer Fehler!

Wir öffnen ein paar Kisten und finden Automatiksturmgewehre im Kaliber 8.25, Lasergewehre eines kruden nicht imperialen Schemas mit Chaosikonographie und ein Berg leerer Magazine. Zum Glück gibt es Geräte zum Aufladen und eine Steckverbindung in der Wand. Nach einer kurzen Litanei stecke ich den Stecker in die Dose und aktiviere nach einer weiteren Litanei das Gerät. Ich bin nicht sicher, ob das bei diesen Geräten überhaupt einen Nutzen hat, aber lieber eine Litanei zu viel als eine zu wenig. Nach einem weiteren Ritual stecken vier Magazine in dem Gerät zum Aufladen. Ich nehme noch zehn Granaten mit mir und wir gehen weiter, um Meisterin Puppila zu befreien. Auf dem Rückweg werden wir die aufgeladenen Magazine mitnehmen. Ich hoffe nur, dass wir die nicht gleich brauchen werden.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 13. Mai 2013, 13:02:25
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Zum Glück weiß Lady Helmchen, wo sich Meisterin Puppila befindet. Sie findet sich ein paar Gänge weiter in einer Zelle, nackt angekettet in einem Hexagramm. Diese Schweine haben ihr mit einer Bohrmaschine die Augen entfernt. Thronverdammt! Dafür werden sie auch blutig büßen! Keine Gnade, kein Mitleid, kein Erbarmen! Ihr Anblick macht mich richtig wütend. Ein weiterer Punkt auf einer langen Liste, die nach Rache schreit. Wir schnallen sie los und Bruder Obskurus gelingt es sie soweit zu heilen, dass sie das Bewusstsein erlangt. Als ich ihre Augenverletzung näher untersuchen will, wird mir klar, dass dies keine gute Idee ist. Kaum hebe ich die blutdurchtränkte Augenbinde an, die ihre leeren Höhlen bedeckt, wird es schlagartig dunkel. Also so machen die diese obskure psionische Dunkelheit. Thronverdammt!

Ich schiebe die Binde wieder an Ort und Stelle und schon ist es wieder normal hell. Nun gut, wir müssen hier raus und weiter unsere Ausrüstung zurück gewinnen. Lady Helmchen geht derweil etwas spionieren und kommt mit der Information zurück, dass die Waffen und Ausrüstung definitiv unter verdienten Anhängern und der Führungsriege dieses abscheulichen Ortes verteilt worden sind. Das kompliziert die Sache. Aber die Gegenstände sollen den dunklen Vier geweiht werden und wenn wir Glück haben, können wir nicht nur Novati Silvas befreien, sondern auch Teile unserer Ausrüstung zurückerlangen. Während Yuri kundschaftet, kommt Meisterin Puppila wieder zu sich und kann selbstständig gehen. Sie erzählt, dass sie eine äußerst erschreckende Vision von vier mächtigen gefallenen Astartes hatte, die sich hier in den Tiefen befinden. Drei von ihnen sind tot, aber der Vierte lebt ein unheiliges Leben. Das war der geflügelte, der den Dämon in sich trägt. Bei meinem Glück werden wir dem wahrscheinlich auch noch begegnen.

Wir kehren ins Waffenlager zurück und komplettieren unsere Munitionsvorräte. Länger zu warten können wir uns nicht erlauben, deswegen müssen wir mit vier Magazinen auskommen. Yuri nimmt noch weitere Granaten mit sich, so dass wir unsere kleine Anzahl wenigstens etwas kompensieren können. Auch können wir so schneller feindliche Widerstandsnester überrollen, falls wir auf bewaffnete Kultisten treffen sollten. Mehrere Gongschläge hallen durch die Gänge und scheinen die Chaosspinner zum dunklen Götzendienst zu rufen. Auf der einen Seite ist der Weg nun frei, auf der anderen Seite wird die Zeit knapp, um die Häutung und Opferung von Novati zu verhindern. Thronverdammt!

Das nächste Problem ist, wir haben keine Ahnung, wo wir hier eigentlich sind. Ich versuche aus dem Gedächtnis den Weg zur Zelle zu rekonstruieren und wie es von dort zum Haupttempel geht. Nach etwas Überlegen lege ich mehr oder weniger aus dem Bauch die Route fest. Falls ich mich irre, wird die arme Novati einen hohen Preis bezahlen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie unglaublich weh es  tun muss, lebendig gehäutet zu werden. Diese verdammten Schweine!

Aber ausnahmsweise haben wir Glück und ich mich richtig erinnert. Die Geländemärsche im ersten Jahr auf der Militärakademie haben doch etwas gebracht, auch wenn meine Lehrer der festen Überzeugung waren, aus mir würde nie was werden. Ohne Zwischenfälle erreichen wir die Halle mit den Bannern, die teilweise ersetzt worden sind, nachdem wir die letzten etwas angezündet hatten. Das war dann wohl doch real gewesen. Unser Plan ist simpel und effektiv. Bruder Obskurus und ich reißen die gewaltigen Portaltüren auf und Lady Helmchen gibt den Versammelten Einblick in die tiefsten Geheimnisse des Warps. Es sind mehr als fünfzig Kultisten anwesend. Auf dem Altarblock liegen teilweise unsere Waffen zur finsteren Weihe ausgelegt. Ich hoffe mal, dass ich die Maschinengeister ob dieser häretischen Behandlung versöhnen kann. Möge der Omnissiah mir beistehen!

Die meisten der Chaosspinner ertragen nicht, was sie im dritten Auge von Lady Helmchen sehen und sterben schreiend. Liebliche Musik in meinen Ohren. Unter den Götzendienern ist auch unser Erzhäretiker Reißer, dem glatt die Augen platzen. Geschieht ihm gerade recht. Brüllend windet er sich am Boden mit ein paar anderen der zäheren Gesellen. Ein paar gezielte Schüsse überstellen sie der unfehlbaren Gerichtsbarkeit des Imperators. Ich hoffe mal schwer, dass er das wenigstens hin bekommt. Sofort schäme ich mich meiner ketzerischen Gedanken, aber in der letzten Zeit habe ich ernste Zweifel an der Allmacht unseres lebendigen Gottes bekommen. Wenn er wirklich so toll drauf wäre, wie die Kleriker des Adeptus Ministorums immer verkünden, würde dieser Ort hier nicht existieren. Oder sind wir sein Werkzeug und vollstrecken seinen unfehlbaren Willen? Ein schöner Gedanke, an den ich mich klammere.

"Hallo Reißer, lange nicht gesehen!" schreie ich den Mistkerl an und ziehe ihn hoch. "Du kommst jetzt schön mit mir mit, denn du bist einiges an Thronen wert!" Ihn mittzerrend eile ich zum Altar wo meine Boltpistole aus Stahlstadt und die Archäotechpistole von Anmut liegen. Ich nehme beide an mich. Keine Sekunde zu früh, denn unsere kleine Showeinlage ist leider nicht unbemerkt geblieben. Schreie im Kerkerbereich sind normal, hier nicht. Bewaffnete Kultisten strömen in den Tempelraum und ich gehe hinter dem Altarstein in Deckung. Ich mache eine der Handgranaten klar und werfe sie dem Feind entgegen. Gekonnt treffe ich das Zentrum des Feindes und töte sechs von ihnen, während zwei sich schwerverwundet in Deckung werfen. Hinter dem Altar ist eine Tür, durch die sich schon Lady Helmchen mit der blinden Meisterin Puppila bewegt hat. Bruder Obskurus heizt den Überlebenden noch etwas mit seinem Flammenwerfer ein und gibt dann auch Fersengeld. Jetzt liegt es an mir, den Rückzug zu decken. Dass ich Reißer hinter mir her schleife, scheint die überlebenden Chaosspinner nicht zu tangieren und sie feuern fröhlich auf mich. Allerdings prallen ihre Laserstrahlen an meiner Rüstung ab. Wenn der Imperator auch mal nicht schützt, meine geschichtete Rüstung aus Ceramit und Adamantium tut es auf alle Fälle. Schnell schließe ich die Tür und verriegle sie. Wir haben ein paar Sekunden gewonnen. Aber der Feind wird Verstärkung holen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 15. Mai 2013, 12:02:39
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Ich ziehe eine weitere Granate und mache sie scharf. Nun halte ich den Bügel und klemme sie in die Tür. Wird die Tür nun geöffnet, wird die kleine Eierhandgranate explodieren. Wir befinden uns in einem Gang, der in einer weiteren Tür endet. Nichts wie weg von hier. Wir sind jetzt etwas besser bewaffnet, aber weit davon entfernt, wirklich effektiv zu sein. Während Bruder Obskurus schon am anderen Ende ist, habe ich mit Reißer noch nicht mal die Hälfte geschafft, als die Tür aufgetreten wird und kurz darauf die Granate explodiert. Die Explosion reißt ein weiteres halbes Dutzend Kultisten mit in den Tod. Ha, das hat gesessen. Leider demotivieren die ganzen Verluste die übrig gebliebenen nicht wirklich. Vielleicht denken sie, dass ihr Tod in diesem Tempel sie direkt an die Tafel ihrer Götzen mit den lustigen Namen bringt. Wer kann schon einen Gott ernst nehmen, der nach einem Fusel benannt wurde? Oder der Nörgler? Soll er doch nörgeln, ich töte seine Anhänger und überstelle sie der einzigen Instanz in dieser Galaxis, die zählt, dem Imperator höchst selbst. Ich töte sie alle, soll er über sie richten und zu unendlichen Qualen in der Hölle der ewigen Verdammnis verurteilen. Sie hatten die Wahl und haben die Falsche getroffen.

Während ich mich weiter bewege, werfe ich zwei Handgranaten, die aber zu kurz liegen oder an den engen Wänden abprallen und zu kurz kommen. Lady Helmchen gibt mit ihrer wieder gewonnen HE-Laserpistole Deckungsfeuer, kann den Feind aber nicht davon abhalten, mich weiter zu beschießen. Endlich bin ich durch und wir können auch diese Tür verrammeln und mit einer Falle versehen. Werden schon sehen, was sie von ihrer Beharrlichkeit haben, nämlich einen schmerzhaften Tod und eine Audienz beim Imperator, der ihre Seelen im ewigen Feuer der Verdammnis läutern wird. Und nun? Links oder rechts?

Wir befinden uns in einem prächtig ausstaffierten Bereich des Tempels, wahrscheinlich dem inneren Zirkel der Anführer vorbehalten. Die Böden und Wänden sind mit bestickten Teppichen bedeckt. Natürlich haben auch diese Einrichtungsgegenstände die üblichen Verschandlungen mit hässlichen Symbolen erhalten. Der Bereich rechts von mit sieht deutlich benutzter aus, wahrscheinlich ist hier mehr Durchgangsverkehr und die Chance, auf Novati zu treffen, damit höher. Also entscheide ich mich für rechts und eile, wie es sich für einen furchtlosen Anführer gehört, mit der Boltpistole in der Hand voran. Beinahe wäre ich an dem Raum vorbei gerannt, wo sich die vollständig unbekleidete Novati befindet. Man hat sie an ihren Handgelenken aufgehängt und ein Kultist ist gerade dabei, das Häutungsmesser anzusetzen. Hinter uns explodiert die Handgranate und signalisiert, dass der Erzfeind uns unvermindert weiter nachsetzt. Thronverdammt!

Ich setze dem Kultisten mit dem Häutermesser einen satten Kopfschuss. Sein Schädel explodiert wie eine überreife Melone, die zu Boden fällt und überschüttet die arme Novati mit dampfender Hirnmasse. Ich gehe im Gang in Deckung und mache eine weitere Granate bereit, während der zweite Kultist von Lady Helmchen erschossen wird und Bruder Obskurus die arme Novati aus ihrer misslichen Lage befreit. Ich werfe die Granate, aber viel zu kurz. Thronverdammt. Mit einem Fluch auf den Lippen mache ich die nächste bereit. Einer der Strahlen trifft mich in dem Augenblick als ich die nächste Granate werfen will und verbrennt mich etwas, als der heiße Strahl sich durch eine Lücke in mein doch empfindliches Fleisch bohrt. Auch diese Granate fliegt zu kurz. Derweil befreien die anderen die letzte der Namenlosen, welche sich sofort ihren hier herumliegenden Overall schnappt und den so gut wie es geht vor ihre nicht zu verachtenden Blößen hält. Um die Sache zu beenden, werfe ich eine weitere Granate und diesmal trifft sie genau. Die Ansammlung der vorrückenden Kultisten wird in dem engen Raum regelrecht zerfetzt. Ha, das war der gerechte Zorn des Imperators! Ein paar Götzendiener weniger.

Jetzt heißt es, eine Entscheidung zu treffen, weiter vorrücken und Leutnant Exton retten? Meinen Bruder suchen? Die Ausrüstung retten? Oder mit dem auskommen, was wir bisher erreicht haben? Wir haben ein Teil unserer Ausrüstung, wenn auch nicht die wirklich guten Sachen wie meine namhaften Waffen, die Schutzfelder und meinen Bruder. Wir haben den Reißer, wir haben Novati mit ihrer tätowierten Haut. Wahrscheinlich waren alle anderen Namenlosen auch tätowiert und der Schlangenkult hat sie wegen diesen Schematas gejagt. Inzwischen sind wir alle mehr oder weniger verwundet, Meisterin Puppila ist blind, Novati keine Kämpferin und wir haben den Reißer bei uns. Wir sind gar nicht in der Lage, den schwer verwundeten Leutnant Exton durch den Tempel zu bringen. Die übrige Ausrüstung ist wie eine Suche im Minenfeld unter Dauerfeuer.

"Wir evakurieren unverzüglich!", bestimme ich entschlossen, nachdem ich meine Optionen ab gewägt habe.
"Und Leutnant Exton?", fragt Lady Helmchen bange nach.
"Wir werden zurückkehren. Entweder befreien wir ihn lebendig oder wir rächen seinen Tod äußerst blutig!" Und das meine ich todernst. Diese Ketzer werden bereuen, jemals Götzen mit dämlichen Namen unserem Imperator vorgezogen zu haben. Und sie haben sich mit mir angelegt, ihr größter und letzter Fehler auf dieser Existenzebene. Sie werden sterben, es ist nur die Frage, wie viel Zeit ich mir bei ihrem Tod lasse. Ich muss sagen, diese Spinner haben es wirklich geschafft, mich richtig zornig zu machen. Und mein Zorn kann nur mit ihrem Blut gekühlt werden. Mit aufrichtigem ehrlichen Hass auf diese Häretiker drehe ich mich um und gehe zurück in die Richtung, wo wir hergekommen sind. Es ist keine große Überraschung, als weitere Kultisten uns entgegen stürmen. Ich ziele auf den Führenden und der Maschinengeist der Boltpistole rebelliert. Thronverdammt! Wahrscheinlich ist er noch eingeschnappt, weil er beinahe einem Gott mit dem Namen Körnchen geweiht wurde. Und wer bei klarem Verstand will so was schon? Fusel für den Fuselgott, Flaschen für seine Bar!

Wir gehen in Türrahmen in Deckung und ich werfe eine Granate, die mal wieder zu kurz fällt. An meiner Wurftechnik muss ich feilen. Und dabei war ich einst in Schlagball doch so gut! Aber der dritte Versuch führt zu dem gewünschten Resultat und wir rücken über die schwelenden Leichen der Spinner vor. Ha! Allerdings habe ich zwei weitere blutige Wunden durch panzerbrechende Projektile davon getragen und ich hinterlasse stetig ein paar Tropfen Blut auf den Teppich. Thronverdammt! Das tut ganz schön weh. Aber ich beiße die Zähne zusammen und versuche mir meine Schwäche nicht anmerken zu lassen.

Wir laufen wieder durch den Tempelraum, in die Vorhalle und dann den Weg zurück, auf dem wir hergekommen sind. Mit etwas Mühe und ein paar Versöhnungsritualen bringe ich den Maschinengeist dazu, den Blindgänger auszuspucken und ein neues Geschoss zu akzeptieren. Ich möchte gar nicht wissen, wie rebellisch Rabenschwinge sein wird, wenn ich ihn wiedergewonnen habe. Schließlich erreichen wir die Pumpenstation und sind entkommen. Aber ich fühle mich nicht wie ein Sieger, sondern nur wie jemand, der gerade so mit dem Leben davon gekommen ist. Meisterin Puppila ist verstümmelt und kampfunfähig, Novus verschollen und ich habe keine Granaten mehr. Thronverdammt!

Den Tempel haben wir hinter uns gelassen, aber in Sicherheit sind wir nicht. Es gibt eine kurze Diskussion darüber, wie weit die Führungsriege in die Verstrickungen dieses Chaos Tempel involviert ist. Bruder Obskurus würde sie am liebsten alle in den Flammen als Ketzer läutern, der bloße Verdacht reicht solchen Fanatikern ja schon. Aber ich denke eher, dass sie sich einfach zähneknirschend damit arrangiert haben, solange der finstere Chaoskult nur ein paar Gefangene tötet und sonst nichts macht. Mit ziemlicher Sicherheit sitzt wohl auch ein Agent in der Führung oder in unmittelbarer Nähe, schließlich wurde Lady Helmchen direkt in eine Falle gelockt. Ob nun alle der Führungsriege mit dem Kult verbunden sind, wird sich noch zeigen. Und falls sie es sind, nun, Ketzer werden im Feuer geläutert!

Gespielt am 25.11.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 3
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 2
EP: 450
Besiegte Gegner:
Etwa siebzig bis hundert Kultisten
Reißer gefangen genommen
Beute:
Nur Teile unserer eigenen Sachen

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 17. Mai 2013, 12:35:56
Persona Dramatis
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Kapitel 18
Shut Down!

Position:
System Maleziel
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Delta Sektor
Wasseraufbereitungsanlage
Zeit: 2 336 784.M41

Wir bewegen uns durch das Areal, bis wir auf den Lastwagen stoßen, der uns hergebracht  hat. Statt Garris Traub hängt dort eine ganze Horde von Wächtern herum. Es ist nun die Frage, sind sie hier, um uns in Sicherheit zu bringen oder um uns gefangen zu nehmen? Thronverdammt! Ich habe keine Ahnung, wie weit die Korruption in diesen Gewölben geht. Wir sind alle schwer verwundet, erschöpft, teilweise verkrüppelt. Was würde ich dafür tun, einfach direkt auf die Audacia teleportiert zu werden. Manche Schiffe haben ja solch eine Teleportationskammer an Bord. Eine äußerst praktische Sache, die momentan wirklich nützlich wäre. Aber uns bleibt nichts anderes übrig, als uns mit konventionellen Mitteln durchzubeißen.

Also gebe ich mich zu erkennen, in dem ich einfach offen auf den Lastwagen zulaufe. Die Wächter halten ihre Waffen gesenkt, sehen mich aber äußerst misstrauisch an. Sie scheinen hier zu sein, um uns zu "retten", aber irgendwie glaube ich denen nicht so ganz. Da es bis jetzt friedlich zugegangen ist, winke ich die anderen her. Wir fahren los und die ersten Minuten bleibt alles ruhig. Schließlich entspinnt ein Gespräch mit dem Anführer des Trupps mit dem Namen Salk. Es kristallisiert sich heraus, dass er bei seinen Vorgesetzten Meldung machen will, dass er uns hat. Er würde dafür einen Bonus bekommen. Ich verstehe das so, dass er ein besseres Angebot hören will. Ich mach ihm eins und er will nicht. Da habe ich ihn wohl falsch verstanden. Es gibt ein kurzes Hin und Her und mir wird klar, dass ich hier mit Worten nicht weiter komme. Auch Salk wird klar, dass er seinen Bonus wohl auch für unsere Leichen bekommt. Da bedeutet, dass wohl mehr als nur einer vom Vorstand dieses "Gefängnisses" in Wahrheit ein Götzendiener dieser vier Lächerlichkeiten des Kaios ist.

Er zieht seine Laserpistole schneller als ich und feuert auf kürzester Entfernung auf mich. Im letzten Moment kann ich meinen Kopf zur Seite zucken lassen und der Laserstrahl peitscht an mein Ohr vorbei. Ich kann die Hitze deutlich spüren und hab kurz ein unangenehmes Pfeifen im Gehörgang. Nur einen Augenblick später habe ich meine Boltpistole hochgebracht. Sie brüllt meinen Zorn heraus, aber der Kerl zuckt genau so wie ich einfach zur Seite. Thronverdammt.

Die immer noch blinde Meisterin Puppila stürzt sich wie ein Scholamädchen auf die neben ihr sitzenden Wache und wird zu Boden geschleudert. Lady Helmchen zieht ihre Pistole, wird aber niedergeschossen, bevor sie wirklich agieren kann. Thronverdammt! Das ist nicht gut. Althea ist blind, Yuri schwer verletzt am Boden, ich werde ebenfalls getroffen, aber der Imperator und meine gute Rüstung bewahren mich vor dem Schlimmsten, auch wenn ich mich nun sehr erschöpft fühle. Diese ewigen Kämpfe gegen diese Chaosspinner zehren mich so langsam aus. Ich fülle mein Herz mit dem aufrechten Zorn und kämpfe weiter. Niemals aufgeben, niemals zurückweichen, der Tod auf dem Schlachtfeld des ewigen Krieges im Namen des Gottimperators gegen die Ketzer und Anhänger finster falscher Götter ist die größte Ehre im Leben eines gottesfürchtigen Mannes!

Also reiße ich mich zusammen, denn der Imperator sieht mir sicher zu. Der Kultist Salk versucht mir die Boltpistole aus der Hand zu schlagen, aber ich halte sie eisern fest. Ich wünschte, ich hätten Rabenklaue in meiner Hand, dann wäre das schon längst erledigt. Ich zwar ein guter Schütze, aber ein überragender Fechter. Die letzten Monate habe ich viel Zeit auf der Schießbahn verbracht und bin besser geworden, aber noch nicht gut genug, wie mir scheint.  Ich schieße eine kurze Salve ab, die diesmal sogar diesen verdammten Häretiker trifft. Leider detoniert sie schon auf der Panzerung und die Wunde reicht nicht aus, diesen Ketzer zu töten. Ich nehm einfach mal an, dass da wohl doch die Führungsriege vom Kaios unterwandert ist. Was letztendlich bedeutet, dass wir hier unten festsitzen, schließlich ist das ein verdammtes Gefängnis. Thronverdammt!

Aber momentan habe ich andere Dinge zu tun, als Pläne für meine Flucht aus diesem Loch zu schmieden. Novati hat sich zusammengerollt unter einem der Sitze verkrochen, was eine ziemlich gute Idee ist in dieser Situation. Bruder Obskurus macht sich nützlich, indem er den Wachen nach und nach befiehlt, vom Wagen zu springen, nachdem ich ihm das befohlen habe. Effektiver, als sie nur wie üblich die Waffe wegwerfen zu lassen. Eine weitere Reihe von Treffern aus einem der Lasergewehre der Wachen lässt bei mir für einen kurzen Moment die Lichter ausgehen, während sich flammender Schmerz sich in meinem Körper ausbreitet. Thronverdammt, ist dies mein Ende?
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 20. Mai 2013, 12:47:17
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System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Delta Sektor
Lastwagen
Zeit: 2 336 784.M41

Ich wache auf und spüre den Lauf einer Laserpistole an meiner Stirn. Da ich mich immer noch auf der Ladefläche des LKW befinde und der Kampf noch nicht zu Ende ist, kann ich nur wenige Sekunden lang ohnmächtig gewesen sein. Der Wagen fährt durch einen weiteres Schlagloch und Salk ist beschäftigt, nicht zu Boden geschleudert zu werden. Das nutze ich eiskalt aus und trete ihm einfach seine verdammten Beine weg. Von meiner Aktion überrascht kracht er zu Boden und nun jage ich ihm ein Boltgeschoss in den Kopf. Blut und Hirnmasse trifft mich. Eklig! Aber damit ist dieses Problem für alle Zeit endgültig erledigt.

Nachdem ich mich aufgerappelt habe, ziehe ich meine Laserpistole und schieße auf die dem Wagen nachlaufenden Wachen, die Obskurus mit seinen psionischen Kräften zum Herunterspringen bewegt hat. Die erste Salve geht daneben, aber die nächsten drei fällen je eine der Wachen. Nun hält der Wagen abrupt an und ich stolpere über Salks Leiche. Unsanft lande ich auf meinen Hintern, was schon beinahe etwas Komisches hätte, wäre die Situation nicht so todernst. Ein weiteres Mal stehe ich auf und begebe mich zum Ende der Ladefläche. Auf der Seite der Fahrertür zucke ich kurz um die Ecke und kann so der Lasersalve aus dem Fahrerstand ausweichen. Ich bringe meine Laserpistole in Position und strecke den Fahrer damit nieder. Der mutmaßliche Ketzer fällt mit rauchendem Schädel einfach in sich zusammen. Das wäre geschafft. Ich beiße die Zähne zusammen und versuche mir meine starken Schmerzen nicht anmerken zu lassen. Ein Anführer hat zu jeder Zeit stark und überlegen zu wirken. Niemand ist bereit für einen wimmernden Jammerlappen in den Tod zu gehen. Thronverdammt!

Novati und ich entkleiden zwei der Wachen und ziehen dann ihre Uniform an. Ich besteige das Führerhaus des Lastwagen und mache mich mit den Kontrollen und Schaltelementen vertraut. Ich bin nicht gerade der Herrenfahrer, aber letztendlich kriegen das diese einfachen Leute ja auch hin. Kann also nicht so schwierig sein. Nachdem ich eine Hymne gesungen habe, um mir den Maschinengeist gewogen zu stimmen, drücke ich den Knopf mit der Aufschrift "Start". Tatsächlich erwacht der Maschinengeist zum leben. Ich löse nach einer weiteren Hymne den Hebel mit der Aufschrift "Feststellbremse" und lege dann einen Gang ein, um dem Maschinengeist zu vermitteln, dass ich nun Gas gebe, was ich mit dem sanften Betätigen eines Pedale auch tue. Der Maschinengeist zeigt sich gewogen, auch wenn es etwas knirscht und wir setzen uns langsam in Bewegung. Nach ein paar Minuten haben ich den Dreh raus und wir fahren schneller als zehn Stundenkilometer. Der Maschinengeist ist immer noch willig und ich schalte hoch. Schneller und schneller werden wir und bald sind wir jenseits der dreißig Stundenkilometer. Holla! Meine Handflächen sind ganz feucht und ich sitze etwas verkrampft hinter dem Steuer. Diese wahnsinnige Geschwindigkeit ist nichts für schwache Nerven.

Die letzte Überlebende der Namenlosen kennt sich hier etwas aus und wir fahren an den Rand der Peripherie. Wir müssen unbedingt rasten und uns erholen. Lady Helmchen ist inzwischen wieder aufgewacht, wenn auch schwer verletzt. Thronverdammt, so schwer hat es uns noch nie erwischt. Das ist nicht gut, ganz und gar nicht gut. Nach etwa einer halben Stunde Fahrt lassen wir den LKW einfach stehen und begeben uns in eine der naheliegenden Höhlen, die uns Novati zeigt. Hier treiben sich erfahrungsgemäß keine Wachen herum, da dies das Gebiet jener ist, die sich aus der offiziellen Liste verabschiedet haben. Also entflohene Gefangene, die hier ein karges Leben als Pilzfarmer und Kannibalen fristen. Wir tauchen ein in ein verlassenes Labyrinth von Maschinenblöcken, deren Zweck und Funktion ich nicht verstehe. Schließlich können Yuri und Althea auch nicht mehr und ich habe eine gute Ausrede, eine Rast zuzulassen, da auch ich mit meinen Kräften am Ende bin. Erschöpft sinke ich zusammen und schließe kurz die Augen. Die letzten Erlebnisse waren selbst für mich harter Tobak und ich bin froh, dass niemand daran zerbrochen ist. Das hätte wirklich ins Auge gehen können. Ich male in den Staub einer Maschinenverschalung einen Aquila und versinke im Gebet an den Gottimperator. Wir waren im Kontakt mit dem Erzfeind und unsere Seelen brauchen dringend spirituelle Reinigung. Und ein Gebet in dieser Situation ist auch keine Zeitverschwendung, sondern dient auch der geistigen Erholung und Erbauung.

Nach einer weiteren halben Stunde hören wir seltsame Geräusche, etwas oder jemand bewegt sich eindeutig auf uns zu. Ich ziehe mit einer leisen Litanei meine Boltpistole und überprüfe, ob ich ein neues Magazin eingelegt habe. Wir haben zwar einiges an Munition mitgenommen gehabt, aber eine Boltpistole hat keine besonders großen Magazine. Das Magazin der Boltwaffe ist voll und der Maschinengeist ist mir hoffentlich gewogen. Schließlich taucht aus einem der Wartungsschächte ein Techpriester auf. Er trägt die typischen roten Roben seines Berufstandes und von seinem recht jugendlichen Gesicht ist noch viel Fleisch vorhanden.

"Ah, wenn das mal nicht Lord-Kapitän Conari ist. Ich habe Euch schon überall gesucht! Welch glückliche Fügung, mein Vorgesetzter Theta 3/7 würde gerne mit Euch sprechen!", sprudelt es aus dem noch relativ jung wirkenden Techpriester enthusiastisch heraus. Ich bitte um seinen Schockstab, seine einzige sichtbare Waffe und nehme den vorsichtshalber an mich. Er stellt sich selbst als Fidilius Flavius vor. Er scheint wohl auch keine Kennung zu haben wie mein oberster Techpriester Kyle Ademis. Nach seinen Worten wurde eine Quarantäne verhängt, was bedeutet, dass der Verwaltungstrakt hermetisch vom Gefangenbereich abgeriegelt ist. Soll heißen, wir können hier nicht mehr über den offiziellen Zugang heraus. Es gibt noch einen weiteren Zugang vom Gammasektor nach oben, welchen Lady Helmchen und das Rettungsteam genommen haben. Allerdings müssen wir dann wieder durch den Chaostempel hindurch. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 22. Mai 2013, 14:44:24
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Maleziel
Gefängniskomplex
Delta Sektor
Peripherie
Zeit: 2 336 784.M41

Da wir alle erschöpft sind, rasten wir hier erst mal für sechs Stunden. Danach kann Bruder Obskurus die schlimmsten unserer Wunden heilen. Wenigstens ich fühle mich wieder halbwegs fit. Lady Helmchen ist immer noch angeschlagen und Meisterin Puppila logischerweise noch blind. Ganz abgesehen davon, dass wir den verdammten Reißer immer noch dabei haben. Probleme über Probleme! Thronverdammt!

Angeschlagen brechen wir nun auf, um uns mit Theta 3/7 zu treffen. Wir laufen durch unendlich lange und immer gleich aussehende Minenschächte, dann über Wartungs- und Lüftungsschächte, bis wir schließlich nach weiß der Gottimperator vielen Stunden den Alpha Sektor erreichen. Wir verstecken uns in einem Lagerraum, während Fidilius uns einen Transport besorgt. Ich erwarte das Schlimmste, nämlich das dieser Techpriester ein doppeltes Spiel treibt. Werde aber ausnahmsweise mal positiv überrascht, als wir von Garris Traub abgeholt werden, jenem Wachmann, der uns ursprünglich durch diesen Sektor geführt hat. Die Fahrt verläuft zuerst reibungslos. Dummerweise läuft uns der oberste Aufseher Barakis über den Weg und wechselt ein paar Worte mit Traub, in denen es darum geht, dass alle verfügbaren Kräfte diesen verdammten Lord-Kapitän von der "Audacia" zu suchen haben. Jetzt ist die Stunde der Wahrheit, ob wir diesem Wachmann vertrauen können oder er uns ans Messer liefert. Traub wiegelt gekonnt ab, verweist auf die sieben Millionen anderen Gefangenen, die unter Kontrolle gehalten werden müssen und wird schließlich in Ruhe gelassen, sodass der Wächter weiter fahren kann. Das war jetzt knapp. Dem Imperator sei Dank wurden wir nicht entdeckt und nicht verraten. Dieser Barakis hat einen Sturmbolter und ich will nicht als Ziel dienen, denn so eine Waffe macht aus mir Hackfleisch. Damit ist nun unumstößlich klar, dass die Korrumpierung des einheimischen Personals sehr weit fortgeschritten ist. Aber das es auch noch welche gibt, die ihr Herz am rechten Fleck tragen.

Schließlich erreichen wir den Tempel des Omnissiah. Für mich sieht das eher aus wie eine große Werkstatt und nicht wie ein heiliger Ort. Aber Techpriester waren noch nie dafür bekannt, in religiösen Fragen auch nur annähernd rational zu handeln. In einer abgeschiedenen Sakristei, oder Rumpelkammer, ich kann in diesem Kult da nicht wirklich unterscheiden, treffen wir auf den stark modifizierten Theta 3/7, der sich von jedem sichtbaren schwachen Stück Fleisch befreit hat. Wir kommen ins Gespräch und wieder mal habe ich keine Ahnung, wie weit ich ihm trauen kann. Offensichtlich ist der oberste Maschinenseher auf Maleziel nicht mit den momentanen Zuständen einverstanden. Kein vernünftiger Mensch wäre das. Der Tempel des Erzfeindes muss ausgelöscht werden, koste was es wolle.

Ich bekomme bestätigt, dass es momentan wegen der Quarantäne unmöglich ist, vom Alphasektor nach oben zu kommen. Drei gewaltige Schotte riegeln den Weg ab und selbst durchgraben würde Ewigkeiten dauern. Wir können weder an die Oberfläche gelangen, noch nach oben funken. Wir haben zwar einen Astropathen dabei, aber auf der Audacia niemanden, der unsere Botschaften empfangen kann. Ich setze einen neuen, zuverlässigen Chorleiter ganz oben auf meine Liste der Dinge, die noch erledigt werden müssen. Vor ein paar Tagen war ich noch der Ansicht, dass es reichen würde, wenn Bruder Obskurus die Leitung macht, bis mir ein geeigneter Chorleiter über den Weg läuft. Aber inzwischen habe ich aufgezeigt bekommen, dass man mindestens zwei lebende aufgetaute Astropathen braucht. Wegen eines aktiven Störsenders können wir ebenfalls nicht mit normalem Breitband Kontakt aufnehmen. Thronverdammt!

Wir erzählen ihm, was wir alles vom Omega Sektor wissen, den es offiziell gar nicht gibt. Die Techpriester haben schon länger "unerklärlichen" Abfluss von Energie registriert, der wohl von dem Tempel und den Waffenfabriken dahinter genutzt wird. Schließlich war das hier mal eine Waffenfabrik der Ketzer. Allerdings gibt es noch beunruhigendere Nachrichten. Die Kraftwerke von Maleziel werden gerade auf Hochlast gefahren, wohl um die Kampfstationen und Schildgeneratoren mit genug Energie versorgen zu können, um es mit meiner "Audacia" aufnehmen zu können. Thronverdamm!

Die "Audacia" mag nicht leicht zu knacken sein, aber ein Überraschungsschlag könnte sie durchaus schwer beschädigen, ihm Extremfall sogar zerstören. Momentan befindet sie sich auf stabiler Ankerposition, der erste überraschende Schlag wird sie also voll treffen. Ich habe keine Ahnung, ob inzwischen die Schilde hochgefahren wurden, aber in der verworrenen Lage wird mein XO Kyrr das bestimmt tun. Allerdings könnten sie durch Dauerfeuer durchaus zum erlöschen gebracht werden. Meine Mädchen, Colette, mein übriges Gefolge, meine Besatzung und meine eventuell zukünftige Frau sind einer durchaus ernstzunehmenden Gefahr ausgesetzt. Das versetzt mich doch in Sorge um die Sicherheit meines Schiffes.

Desweiteren schätzt Theta 3/7, dass sich etwa tausend Kultanhänger getarnt unter den Gefangenen als Spione befinden. Ein Teil der Wärter und Aufseher gehört ebenfalls dazu und ein Teil oder alle der Führungsebene. Wahrscheinlich nur ein Teil, aber das reicht ja schon. "Verbrennt sie alle! Der Gottimperator wird die Unschuldigen für uns aussortieren!", fällt mir dazu nur ein. Momentan bin ich sehr aufgebracht über die letzten Ereignisse und nähere mich immer mehr den radikalen Ansichten von Bruder Obskurus an. Als erstes braucht Meisterin Puppila neue Augen, da sie mir blind rein gar nichts nützt. Zum Glück befindet sich hier ein Operationssaal, wo kybernetische Komponenten in menschliche Körper eingebaut werden können. Während Meisterin Puppila neue Augen bekommt, beginnen wir zu planen, wie wir eines der Kraftwerke erst mal lahmlegen können, bis wir uns durch den Chaostempel nach oben gekämpft haben.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 24. Mai 2013, 14:59:47
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System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Alpha Sektor
Tempel des Omnissiah
Zeit: 2 338 784.M41

Meisterin Puppila sieht äußerst befremdlich mit ihren neuen Augen aus. Die Dinger sehen aus wie Kugeln aus Bronze, die in ihre Augenhöhlen gegossen wurden. Da ist keine Linse zu erkennen. Aber trotzdem kann Althea wieder sehen. Laut Theta 3/7 besser als zuvor, auch wenn die Meisterin der Leere einige farbliche Abweichungen moniert, was aber daran liegt, dass das menschliche Auge gewisse Farben im Spektrum nicht richtig wiedergibt. Nun, dass ist sicherlich ein diskussionswürdiges Thema, aber dafür fehlt mir nun wirklich die Zeit.

Ich habe Theta 3/7 die Schaltpläne von Novatis Tattoo gezeigt. Der Maschinenseher meint, dass dies ganz arg schlimme Techhäresie beinhaltet, da drei Kristalle aus äußerst zweifelhafter Herkunft wohl als Energiequelle dienen. Xenostechnologie! Da ich schon zwei der Kristalle real mit eigenen Augen gesehen habe, kann ich sagen, dass die Häresie tiefer geht, da es sich bei den Kristallen um Warpartefakte handelt. Toll! Die Navigatorin Silvas hat etwas entwickelt, das Feuer mit Feuer bekämpft. Und da die Kristalle nicht offen herum liegen, dürfte es wohl maximal nur ein Exemplar dieser Maschine geben. Nicht dass ich mit dem jetzigen Wissensstand noch eine Serienfertigung wünschen würde. Thronverdammt!

Nun gut, um diese Sache kümmern wir uns später. Zufällig sehe ich, dass ein Teil dieser Schemata in Wahrheit eine Sternenkarte ist. Sieht so aus, als hätte ich das zweite Stück von Sebastians Winterscales Karte vor mir stehen in der Form einer Frau. Aber solange ich sie nicht an Bord der "Audacia" habe, bringt mir das rein gar nichts. Aber nun zu unseren momentanen dringenden Problemen. Wir lassen Novati und den Reißer in der Obhut von Theta 3/7 zurück und fahren mit dem LKW zu einem der Kraftwerke. Traub sitzt am Steuer, traut sich aber nicht, bis ganz vor zum Komplex zu fahren. Nun, etwas laufen wird uns nicht schaden. Die Kraftwerkblöcke stehen recht offen in einer geräumigen Höhle. Wir brauchen nur zum zentralen Terminal gelangen, dann wird Maschinenpriester Flavius eine Notabschaltung veranlassen, welche die Systeme komplett herunter fährt. Es wird Tage dauern, bis sie wieder hoch gefahren werden können. Hat irgendetwas mit den Plasmakernen und irgendwelchen Ventilblöcken in der Vereinzelung der Kühlung zu tun. Ich habe keine blassen Schimmer, von was der Technokrat überhaupt redet, aber wenigstens scheint er genug Ahnung von der Materie zu haben.

Wir sehen uns aus sicherer Entfernung die Blöcke an und wie sie gesichert sind. Zwei schwere mehrläufige Maschinengewehre unterbinden einen direkten Sturmangriff. Aber hat man sie erst mal passiert, ist man schnell im toten Winkel. Ganz umgehen kann man sie über einem Labyrinth aus Laufstegen in etwa zwanzig Metern Höhe, da die Waffen nicht so hoch schwenken. Darauf befinden sich einige bewaffnete Wachen. Es gibt nur einen Zugang nach oben, der sich direkt neben der Schaltzentrale befindet. Unser ursprünglicher Plan ist dank dieser Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr durchführbar und ich entwickle eine Alternative. In einem Werkstattraum in der Nähe schweißen wir aus Metallplatten mehrere Schutzschilde zusammen. Auch nehmen wir ein paar Seile und Kletterausrüstung mit. Das Ganze wird mit mir zusammen in einer Lore versteckt. Eines der Schilder bildet den Deckel für die Lore. Lady Helmchen und Bruder Obskurus dürfen die Lore schieben, Meisterin Puppila mimt die Aufseherin und Maschinenseher Flavius verkleidet sich sinnigerweise als Maschinenseher. So dringen wir ohne aufgehalten zu werden, in den Reaktorkomplex ein. Ohne Probleme passieren wir die Stellung mit den festmontierten schwenkbaren schweren Maschinengewehren. Puh! Glück gehabt!

Schließlich hält die Lore an und unser Maschinenpriester spaziert einfach in die leere Kontrollstation hinein. Die Maschinengeister sind wohl ferngelenkt und die Station ist nur für Notfälle. Natürlich muss Fidilius erst einmal den Maschinengeist am Türschloss davon überzeugen, dass er zugangsberechtigt ist. Dank seine Multischlüssels ist das aber kein Problem. Drinnen hat er dafür größere Probleme, die Maschinengeister der Reaktoren dazu zu überreden, ihren Kern herunter zu fahren. Auf einmal beginnt eine Warnsirene an zu brüllen und eine Lampe fängt an, hektisch zu blinken. Ich wage zu behaupten, dass dies bedeutet, dass etwas schief gelaufen ist. Von oben sind Kommandos zu hören und wie mehrere Personen mit großer Geschwindigkeit die Treppen aus Ferroplast herunter rennen. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 27. Mai 2013, 14:50:13
Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Beta Sektor
Schaltraum des Reaktorblockes
Zeit: 2 338 784.M41

Ich erhebe mich halb aus meiner Lore und schieße mit meiner Boltpistole auf eine der Wachen, die ein Lasergewehr in den Händen hält. Leider zischt mein Geschoss haarscharf an ihm vorbei. Lady Helmchen macht es mir genau nach, also dass sie haarscharf ihr Ziel verfehlt. (Um genau den gleichen Wert von 6% misslungen). Dafür zeigt Meisterin Puppila, wie man eine Pistole richtig abfeuert. Der Kopf der armen Wache explodiert in einem Regen aus Knochensplittern, Blut und Hirnmasse. Diesmal stehe ich zum Glück weit genug entfernt, um nicht besudelt zu werden. Eine andere Wache schießt auf mich, aber ihre Schüsse treffen hauptsächlich die Lore und kommen nicht zu mir durch. Bruder Obskurus versucht einer seiner Tricks, scheitert aber. Ich habe genug von den Faxen und die nächste Salve aus meiner Boltpistole fegt den Aufseher von den Beinen. Da wir momentan nicht weiter beschossen werden, steige ich aus der Lore aus und sichere mit meinem Schild aus Ferroplast den Aufgang, bis unser Maschinenseher es endlich fertig bekommen hat, die widerwilligen Maschinengeister seinem Willen zu unterwerfen. Ein Tosen und Zischen setzt ein, als Notfallventile sich öffnen und große Mengen Dampf aufsteigen. Weitere Sirenen beginnen zu heulen und künden vom Unmut der Maschinengeister. Das dürfte sie nun soweit verärgert haben, das langwierige Rituale vonnöten sein werden, sie wieder zu versöhnen.

Hinter mir reiht sich meine Entourage und Fidilius Flavius auf. Kaum haben wir die Hälfte des Weges hinter uns gebracht, werden wir schon von oben beschossen. Ich bin damit beschäftigt die Strahlen mit meinem Schild abzuwehren, während der Rest wild drauf los ballert. Über mich fegt ein wahrer Sturm an Laserstrahlen und Boltgeschossen hinweg, welche die nächste Welle Angreifer von den Beinen fegt. Im Sturmschritt erreichen wir die obere Balustrade und sehen uns weiteren Wächtern gegenüber, die mit Lasergewehren auf uns schießen. So langsam wird mein Schild ziemlich heiß, da die Strahlen zwar nicht durchgehen, aber ihre Energie in den Schild einspeisen und ihn damit ziemlich erhitzen. Thronverdammt!

Meisterin Puppila erweist sich ein weiteres Mal als Meisterschützin. Auch mit ihren künstlichen Augen hat sie ihren Adlerblick nicht verloren und ihre präzisen Salven reißen eine Wache nach der Anderen von den Beinen. Mit ihren einfachen Armaplastrüstungen haben sie Geschossen, die einst in den fernen Anfangstagen des Imperiums dafür entwickelt wurden, schwer gerüstete Orks zu töten, nichts entgegen zu setzen. Die Anderen aus meiner Entourage fächern auf ganzer Breite aus und sind nun ungedeckt dem uns entgegen prasselnden Laserfeuer ausgeliefert. Mir gelingt es einen zu töten und einen weiteren verkappten Kultisten schwer zu verwunden. Unser Techpriester ist mit seinem Hochenergiegewehr auch ein guter Schütze und tötet drei weitere. Lady Helmchen trifft zwar, aber ihr fehlt die Präzession um die Gegner auch zu töten. Bruder Obskurus gerät schnell an die Grenzen seines Könnens und um ihn herum wird es mal wieder eiskalt, was aber momentan im heißen Dampf kein Fehler ist. Ich bin nicht mal sicher, ob wir hier nun Kultisten falscher Götter der unfehlbaren Gerichtsbarkeit unseres geliebten Gottimperator überstellen oder einfache Gefangene, die man zu Wächtern befördert hat und nur hier ganz profan Dienst tun. Aber letztendlich stehen sie meinen Plänen im Weg und dieses Kraftwerk muss herunter gefahren werden, um mir die Zeit zu erkaufen, die ich brauche, hier raus an die Oberfläche und auf die "Audacia" zu kommen. Wer meine Leute bedroht und mir dabei im Weg steht, hat eben Pech gehabt.

Wir plündern die Leichen nach brauchbarer Ausrüstung. Ich nehme zwei Handgranaten an mich, während Meisterin Puppila ein Lasergewehr und die Magazine an sich nimmt. Wir haben zwar viel Munition mitgenommen, aber inzwischen hat sich der Vorrat meiner Boltpatronen halbiert. Die nächsten Kämpfe werde ich wohl hauptsächlich mit meiner uralten Laserpistole ausfechten müssen, die zwar sehr präzise ist und eine hohe Reichweite besitzt, aber ihre Durchschlagskraft und Vernichtungspotential lässt doch etwas zu wünschen übrig. Ich treibe meine Leute zur Eile an, da der Gegner bestimmt schon Verstärkung in Marsch gesetzt hat. Wir erreichen das Ende der Laufstege und bringen die Seile an. Ich lasse mich als erster zu Boden gleiten und sichere den Grund. Die anderen kommen nach und nach am Seil herunter, nur Meisterin Puppila nicht, die klatscht nach halber Strecke direkt zu Boden. Mit schmerzverzerrten Gesicht reibt sie sich den Hintern und sieht irgendwie sehr süß dabei aus. Nachdem alle wieder unten sind, machen wir, dass wir von hier fortkommen. Ein Problem wäre gelöst, die "Audacia" ist die nächsten Tage sicher. Jetzt muss ich nur noch Kontakt mit ihr aufnehmen. Dazu müssen wir den Tempel des Chaos infiltrieren und durchqueren, dann den geheimen Zugang finden, über den Lady Helmchen hier her gekommen ist und den Weg nach oben frei schießen. Keine leichte Aufgabe, aber wenn ich es hätte leicht haben wollen, hätte ich mich zuhause mit meiner Apanage zufrieden gegeben und würde mich Ausschweifungen hingeben. Bei näherer Betrachtung meiner jetzigen Gesamtsituation wäre das vielleicht doch keine so schlechte Idee gewesen. Thronverdammt!

Gespielt am 08.12.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 3
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 2
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 2
Yuri Navigatorin Rang 2
Fidilius Flavius Explorator (Maschinenseher) Rang 1
EP: 350
Besiegte Gegner:
Etwa zwanzig Kultisten
Beute:
Handgranaten
Kleinkram

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 29. Mai 2013, 14:57:43

Persona Dramatis
Spoiler (Anzeigen)

Kapitel 19
Meine erste Schlacht!

Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Beta Sektor
In der Nähe des Reaktorblocks
Zeit: 2 338 784.M41

Wir bewegen uns so schnell wie möglich an den Rand des Sektors und tauchen in einigen Wartungstunneln unter. Ich wünschte, Traub wäre noch mit seinem Lastwagen hier, dann wäre das Ganze viele einfacher. So müssen wir uns zu Fuß durchschlagen. Durch die Ortskenntnis von Fidilius Flavius kommen wir recht gut voran, da er sich in diesen ganzen Kabelschächten und Gräben gut auskennt, welche den ganzen Sektor mit Energie und anderen lebensnotwendigen Dingen versorgen. Auf einmal ist das typische nervenaufreibende Heulen einer Sirene zu hören und überall gehen hektisch blinkende Warnlampen an. Der Maschinenpriester meint, dass dieser Alarm bedeutet, dass die Schotte zwischen den Segmenten geschlossen werden. Wir sind in unmittelbarer Nähe und schließlich erreichen wir das Verbindungssegment, welches die Sektoren mit massiven Panzerschotts trennt. Und die senken sich gerade ab. Es ist deutlich zu sehen und zu hören, dass die Maschinengeister höchst unwillig wegen dieser Ruhestörung sind. Sie äußern ihren Unwillen mit einem lauten Knirschen und schmerzvollem Knarzen.

Schwer bewaffnete Wachposten haben Stellung bezogen und hindern Gefangene am passieren. Wir rücken in die Richtung vor und verschaffen uns einen Überblick. Kurz lasse ich abwägen, ob wir einen Durchbruch riskieren sollen. Wir müssen in den Alpha Sektor, da wir dort im Imperatortempel uns zuverlässige Verbündete erhoffen. Um in diesem Schlamassel hier auf Maleziel weiter zu kommen, brauchen wir Truppen. Und ich nehme auch die Dienste religiöser Fanatiker in Anspruch, um hier heraus zu kommen. Es gibt eine kurze Diskussion, ob wir dem dortigen Priester ohne Augen und Arme überhaupt trauen können. Wenn ich als Chaosspinner einen Doppelspion installieren würde, dann hätte ich ihn vorher nicht so verstümmeln lasen. Meine Logik und auch mein Bauchgefühl sagen mir, dass ich dem Kleriker Lothar Asowitch in dieser Beziehung durchaus vertrauen kann. Techpriester Flavius meint, dass es noch Versorgungs- und Kabelschächte zwischen den beiden Sektoren gibt, die keine automatisierten Zugangsschleusen haben. Wenn wir uns beeilen, können wir sie passieren, bevor sie verschweißt werden. Also los.

Das erste Schott eines Wartungs- und Versorgungstunnels wird gerade verschweißt, als wir in Sichtweite kommen. Die Gruppe Wächter ist schon fast fertig mit ihrer Arbeit. Einen kurzen Moment wäge ich ab, hier gewaltsam einen Durchbruch zu versuchen. Mit der kleinen Gruppe Wächter können wir fertig werden. Aber falls Verstärkung anrückt und wir es nicht schaffen, uns schnell genug durch das Schott zu arbeiten, nageln die uns hier fest und reiben uns auf. Ich weise Fidilius an, uns zu einem anderen Tor zu führen. Leider ist das nächste schon verschweißt. Der Ferroplast ist noch warm, die haben schon vor dem allgemeinen Alarm angefangen, alles dicht zu machen. So langsam scheint es mir keine gute Idee mehr zu sein, eine alternative Route durch die Schächte zu suchen. Thronverdammt!

Aber schließlich haben wir Glück und finden im dritten Anlauf dann doch noch einen noch unverschlossenen Gang. Entweder ist der Imperator uns sehr gewogen oder das ist eine perfide Falle. Die Anzahl der Zugänge ist endlich und die Idee, im Imperatortempel Verbündete zu suchen nicht wirklich abwegig. Der Erzfeind mag Götzen mit äußerst bescheuerten Namen anbeten, dumm ist er deswegen noch lange nicht. Ich vermute deswegen hier eine Falle und lasse sehr vorsichtig vorrücken. Eine Untersuchung der Tür fördert keine Falle zu Tage, also öffne ich das Handrad. Vorsichtig ziehe ich das Schott auf und spähe in den dunklen engen Gang. Links und rechts verlaufen Kabelstränge und Rohrleitungen. Kein Laserfeuer schlägt uns entgegen. Fidilius schickt seinen Servoschädel vor, der aber nichts aufspürt. Weder einen Hinterhalt noch versteckte Minenfallen. Trotzdem lasse ich die Gruppe mit gezogenen Waffen äußerst vorsichtig vorrücken. Ich habe ein verdammt mieses Gefühl bei der Sache.

Das nächste Schott scheint auch harmlos zu sein und ich dreh mal wieder am Rad. Die anderen gehen schon mal so gut wie es geht in Deckung, während Bruder Obskurus sich bereit macht, den vorausliegenden Gang mit Feuer zu fluten. Ich öffne die Tür und der Astropath feuert seinen Flammenwerfer ab. Wenn jemand eine Falle stellen wird, dann hier. So würde ich jedenfalls vorgehen, das erste Segment unberührt lassen, das zweite verminen und dann nach der Zündung der Sprengfallen den vielleicht gerade noch so überlebten Rest meiner Feinde hinwegfegen. Seine heiße Lohe aus Feuer schießt in den Gang. Ich hocke mich die Tür als Deckung nehmend ab und suche mit meiner Pistole nach Zielen. Zuerst passiert nichts. Wenige Sekunden später detonieren einige Ladungen von billigem Industriesprengstoff, der offensichtlich auf Hitze reagiert. Die Imperiale Armee verwendet für ihre Pioniere zum Beispiel Sprengstoff, der durch Feuer nicht gezündet werden kann. Aber der ist teurer als das hier verwendete industrielle Zeug. Die Detonationen fahren uns trotzdem durch Mark und Bein. Ferrobetonstaub rieselt von der Decke. Hier war ein Hinterhalt geplant und einige Wachen eröffnen das Feuer mit Lasergewehren aus sicherer Deckung des hier breiteren Segments heraus. Hier ist der Gang deutlich breiter und mit Maschinen mir unbekannter Funktion in ordentlichen Reihen links und rechts der Mitte entlang vollgestellt. Ich erwidere das Feuer. Bruder Obskurus geht ebenfalls in Deckung aus der Deckung des halboffenen Schottes heraus, während Lady Helmchen und Meisterin Puppila das Feuer eröffnen. Althea benutzt eines der erbeuteten Lasergewehre und zeigt, dass sie das Zeug zur Scharfschützin hat. Sofort geht einer Gegner mit brennendem Haaren zu Boden. Leider treffen die Anderen und ich nicht so gut wie die Meisterin der Leere. Es entwickelt sich ein statisches Feuergefecht, das sich eine lange Minute hin zieht, bis wir den Widerstand vernichtet haben. Wobei Meisterin Puppila wohl die höchst Trefferquote von uns allen hat. Ich bekomme derweil einen schmerzhaften Treffer von einem Laserstrahl ab, den Bruder Obskurus anschließend nicht wirklich gut heilt. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 31. Mai 2013, 12:26:00
Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Beta Sektor
Versorgungstunnel zum Alphasektor
Zeit: 2 338 784.M41

Zähneknirschend meine neuen Verletzung so gut wie möglich ignorierend rücke ich weiter vor und wir plündern die Leichen. Ein Heckenschütze schießt auf mich, aber meine Panzerung hält. Thronverdammt! Der Kerl hat sich zwischen den Maschinenblöcken versteckt gehabt und schießt nun auf uns. Als ob das nicht schon übel genug wäre, sind vom nächsten Segment Befehle zu hören und Gefangene mit Schraubenschlüsseln und angespitzten Stangen werden hinein getrieben. Die armen Schweine dienen als Ablenkung und Kanonenfutter, um uns beschäftigt zu halten. Ich löse eine Handgranate, die leider zu kurz kommt. Die Explosion donnert zwar schön laut, aber weitere Effekte treten nicht ein. Meisterin Puppila wirft da schon etwas besser. Als Mädchen muss sie Schlagball gespielt haben. Sie trifft, tötet zwei und treibt die anderen in Deckung. Während wir nun von zwei weiteren Wärtern an der Tür beschossen werden, kümmert sich Lady Helmchen um den Heckenschützen und erledigt ihn gekonnt. Bruder Obskurus räumt die linke Flanke, indem er die Gefangenen mit seinem Flammenwerfer zu einem grausamen Feuertod verdammt. Allerdings verschafft uns das nur kurz eine Verschnaufpause, denn auf der rechten Flanke fluten nun die Überblenden zu uns. Außerdem wird eine weitere Welle aus Gefangenen herein getrieben. Thronverdammt.

Ich erschieße meinen Gegner und nehme seine Nahkampfwaffe an mich. Meisterin Puppila zieht sich schnell zurück, während Lady Helmchen in schwere Bedrängnis gerät. Bevor der Feind sie niederringen kann, eile ich ihr zu Hilfe und ramme meine angespitzte Eisenstange dem Kerl in die Gedärme. Der Kerl bricht zusammen und ich erlöse ihn mit einem Laserschuss in den Kopf von seinen Qualen. Armes Schwein. Aber für falsches Mitleid ist kein Platz und ich greife den nächsten an, der Bruder Obskurus töten will. Meine Eisenstange streckt auch ihn nieder. Dann ist die nächste Welle heran und das Töten beginnt von vorne. Ein ziemlich brutales Hauen und Stechen beginnt auf engstem Raum. Früher hatte ich schon öfters solche Situationen, als ich noch die zwielichtigeren Geschäfte meiner Familie von vorne geführt habe. Hach, wie ich das manchmal vermisse. Aber seit langer Zeit bin ich in meinem ureigensten Element. Die Welt um mich herum wird bedeutungslos. Das einzige was nun zählt, ist auf den Beinen und am Leben zu bleiben. Ich fühle mich im Angesicht des Todes so lebendig wie schon lange nicht mehr. In diesem Moment trage ich keine Bürde mehr, keine Familie, die viel von mir erwartet, keine Besatzung, die von mir gut geführt werden will. Ich bin im Nichts und doch voll im Leben.

Ich steche den letzten der Gefangenen nieder und wende mich den letzten beiden Wärtern zu, die zwischen mir und dem Alpha Sektor stehen. Ihre Lasergewehre haben Ladehemmung und ich rücke ungehindert auf sie vor. Hätten sie die vorgeschriebenen Rituale immer schön eingehalten, wäre das nicht passiert.
Spoiler (Anzeigen)
Meisterin Puppila erschießt den linken, ich habe die Ehre den Unteroffizier oder wie auch man das bei Wärtern nennen mag, zu erschießen, als er die Flucht ergreift. Keine Gefangene, keine Gnade, kein Mitleid. Der Gottimperator wird über ihre Sünden richten, denn er sieht alles und am Ende entscheidet er, ob man würdig ist, in seinen heiligen Hallen aufgenommen oder in die ewige Verdammnis der tiefsten Hölle geworfen zu werden. Der Unteroffizier hat ein Kampfmesser mit einer Monoklinge. Damit habe ich nun eine richtige Waffe für den Nahkampf, die halbwegs meiner würdig ist. Zwar nicht Rabenklaue, aber wenigstens eine richtige Kampfwaffe und kein improvisiertes Werkzeug aus zweifelhafter Herkunft mit nur geringfügigem Kampfwert. Da fühle ich mich doch gleich viel besser.

Wir haben nun den Durchbruch in den Alpha Sektor erzwungen und können nun unserem ursprünglichen Plan folgen, im Tempel des Imperators weitere Verbündete zu gewinnen. Fidilius führt uns durch weitere Tunnel, Gräben und verdeckte Gänge durch dieses weitläufige Terrain. Der Techpriester ist in dieser Situation sein Gewicht in Elektrum wert. Vor dem Tempel des Imperators hat sich eine große Masse an Menschen versammelt. Die meisten tragen die einfachen Overalls der Gefangenen. Nur wenige bewaffnete Wärter haben sich hier eingefunden. Nun ist es an der Zeit Präsenz zu zeigen. Offen gehen wir auf den Tempel zu. Recht schnell wird man auf uns aufmerksam. Einen deutliches Raunen geht durch die Menge. Allerdings unternimmt keiner aggressive Schritte gegen uns. Könnte auch daran liegen, dass ich über und über mit getrockneten Blut meiner Feinde bedeckt bin und meine Waffen kampfbereit in den Händen halte. Meine Laserpistole mag zwar keine Durchschlagkraft haben, aber ich habe genug Munition um hunderte von ihnen zu töten, wenn es denn sein muss.

Aber Imperator sei Dank ist dies hier nicht notwendig. Die Menge teilt sich vor mir, als würde ich brennen. Und innerlich tu ich das auch. Noch nie habe ich mich dem Gottimperator so nahe gefühlt wie jetzt. In den letzten Monaten hatte ich meine Zweifel an ihm. Fand, dass er ruhig etwas aktiver die Bekämpfung der Dämonen forcieren könnte, die an mir hier und da herum hingen. Aber letztendlich hat der Gottimperator mir alles gegeben, um diese Situation in seinem unsterblichen Namen zu regeln. Mag er ruhig auf seinem goldenen Thron ewige Wache halten, hier werde ich für Ordnung sorgen. Diese lächerlichen Götzen mit diesen dämlichen Namen haben sich hier den falschen Ort ausgesucht um Ärger zu machen. Körnchen, Zenzi, Schwuchtel und Nörgler würden hier noch ihr wahres Wunder erleben. Das Wunder, dass wahre Gläubige des Gottimperators sein Licht in ihren Herzen tragen und den Tod nicht fürchten. Ich fürchte nur, dass ich vor meinem Tod nicht genug von diesem Abschaum seiner unerbittlichen und doch gerechten Gerichtsbarkeit überstellen werden kann, um diese Weite von diesem Auswurf für alle Zeit zu säubern.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 03. Juni 2013, 12:22:37
Nächstes Update erst nächsten Montag, bin die nächsten Tage auf einem Filmfestival in Frankfurt.

Position:

  System Maleziel
  Maleziel
  Gefängniskomplex
  Alpha Sektor
  Tempel des Imperators
  Zeit: 2 338 784.M41
   
  Ich dringe zum augenlosen Priester mit dem Namen Lothar Asowitch vor. Er hat schlechte Nachrichten für uns. Über eine alte Grubenbahn sind Schlangenkultisten in großer Zahl in den Alphasektor eingesickert und formieren sich gar nicht weit von hier um den Tempel des Imperators zu vernichten. Sie sind zahlenmäßig mehr und besser bewaffnet. Sie werden angeführt von Chefaufseher Barakis, der uns auch auf Maleziel empfangen hat. Der Kerl ist bekanntlich gut gepanzert und mit einem Sturmbolter bewaffnet. Er hat vier Getreue dabei, die mit normalen Boltern ausgerüstet sind. Lothar überträgt mir in seiner Weisheit die Verteidigung des Tempels. Meine ehemaligen Lehrer an der Akademie wären bestimmt entsetzt, wenn sie davon wüssten. Sie haben nie viel von mir gehalten und waren nicht traurig, als ich nach zwei Jahren schon abgehen musste. Ich verschaffe mir kurz einen Überblick über die Anzahl  unserer Leute, die gerade deutlich geschrumpft ist, da es sich bei ihnen herum gesprochen hat, dass die Schlangen den Tempel angreifen werden. Wir haben etwa siebenhundert Gläubige, davon dreißig mit Lasergewehren bewaffnete Wächter unter dem Kommando von Traub. Der Rest ist mehr schlecht als recht bewaffnet, hauptsächlich Eisenstangen, Schraubenschlüssel, Spitzhacken und manchmal sogar nur Steine. Willkommen in der Steinzeit. Wir haben zusätzlich noch fünf Lastwägen und zwanzig Fässer Promethium. Das ist nicht gerade das, was Angevin zur Eroberung des Calixis Sektors zur Verfügung gehabt hatte, aber jeder hat mal klein angefangen.
   
  Wir haben den Vorteil, dass der Tempel auf hohem Grund liegt und nur eine offene Seite hat, da der Gebetsraum in den Fels hinein gehauen ist. Die rechte Seite ist mit einer industrielen Struktur in Form von ein paar Maschinenblöcken beschützt. Im linken Bereich zieht sich ein weiterer weitläufiger Komplex entlang. So ist nur die vordere Seite offen. Erhöhte feste Positionen, aus der man eine Todeszone erschaffen kann. Und wir haben den höheren Grund, ein sehr wichtiger taktischer Vorteil, da der Feind zuerst eine Steigung überwinden muss. Ich entwickle einen gewagten Plan, wie wir den ersten Zug bekommen und den Feind zu uns locken können. Allerdings der zweite Zug wird in ihrem Ermessen liegen, darauf müssen wir dann reagieren. Die ganze Sache zu koordinieren wird schwierig werden, da wir weder Funk noch Feldtelefone haben. Fahnensignale oder Trommeln scheitern am nicht vorhanden sein von qualifiziertem Personal. Das Ganze wird ganz primitiv über Melder gehen müssen, eine sehr unzuverlässige Methode, da Melder oft einfach abgeschossen werden, bevor sie ihre Botschaft weiter geben können. Wir haben ein echtes Problem, aber nichts, mit dem ein wahrer Gläubiger des Gottimperators zu Terra nicht fertig werden würde. Um die unheiligen Dunkelzonen bekämpfen zu können, lasse ich dreißig Molotovcocktails basteln. Ich hätte gerne mehr, aber dichte und zerbrechliche Gefäße sind hier leider Mangelware. Fünfzehn Fässer mit Promethium werden in regelmäßigen Abständen auf unserer linken Flanke versteckt, zwei auf der rechten und drei in den jeweiligen industrielen Strukturen.
   
  Fast alles spricht gegen uns. Der Feind ist besser bewaffnet, hat eine bessere Koordination, straffere Befehlsstrukturen und ist zahlenmäßig weit in der Übermacht. Wir haben das bessere Terrain, mich als Anführer und unser stärkster Trumpf ist der Gottimperator, der das Licht in unseren Herzen entflammen wird. Um meine neue Armee zu motivieren, stelle ich mich auf den Altarstein und halte eine Ansprache.
   
  "Wahre Gläubige des Gottimperators. Heute ist ein großer Tag. Heute ist der Tag, an dem wir einen großen Sieg über den Erzfeind erringen werden. Mag er uns auch zahlenmäßig überlegen sein. Mag er besser bewaffnet sein. Aber wir haben den Gottimperator, der auf seinem Goldenen Thron auf Terra über uns wacht. Er sieht alles und er sieht uns, wie wir hier stehen, mit seinem Licht in unseren Herzen. Da draußen ist die Dunkelheit und deswegen sind wir hier. Unser ganzes Leben ist auf diesen glorreichen Tag gerichtet. Alles, was uns bisher widerfahren ist, hat uns hier her gebracht, an diesen Ort, weil es sein Wille ist, dass wir gemeinsam das Schlangennest ausräuchern. Oft wurde es schon versucht und alle sind gescheitert. Sie sind gescheitert, weil sie nicht den wahren Glauben in ihrem Herzen getragen haben. Sie waren schwach, weil sie nicht auf den Gottimperator vertraut haben. Aber wir sind stark! Wir tragen sein Licht in diese Dunkelheit falscher Götter und werden diese Götzenanbeter in seine unfehlbare Gerichtsbarkeit überstellen. Sein Urteil wird gerecht und hart sein. Ihre Seelen werden bis zum Ende der Zeit in der tiefsten Hölle brennen! Sie werden den gerechten Lohn für ihre finsteren Untaten in der Form unendlicher grausamer Qualen bekommen! Der Gottimperator ist mit uns! Also, wer wird mir in die Schlacht folgen? Wer wird an meiner Seite das Böse bekämpfen? Wer wird mit mir der Schlange den Kopf abschlagen? So wie einst der Imperator die Schlange Horus auf Terra gerichtet hat?"
   
  "Ich!", brüllen sie mir entgegen. Ich habe ihre Herzen gewonnen und ich weiß, dass sie mir in den Tod folgen werden. Und für viele wird heute der letzte Tag ihrer fleischlichen Existenz sein. Aber sie werden als wahre Märtyrer sterben und zum Ende der Zeit an der rechten Seite des Imperators sitzen. Wo alle Rechtgläubigen sitzen werden, in seinen ehrwürdigen Hallen. Ich teile die Gruppen auf, gebe die letzten Befehle und spreche kniend ein Gebet an den Imperator. Vielleicht werde auch ich sterben. Aber dann mit einem Lächeln auf dem Gesicht, denn es gibt nichts Schöneres im Leben eines Mannes als in seinem unsterblichen Namen zu fallen. Auch mir wird ein Platz ein seiner Tafel gewiss sein, deswegen habe ich keine Furcht, denn ich weiß um unseren lebendigen Gott auf Terra. Meine Glaubenskrise ist überwunden und mein Wille gefestigt, die Ketzer und Götzendiener ein für allemal zu zerschmettern. Häretiker, die Götzen mit solch dämlichen Namen anbeten verdienen nichts anderes als den Tod! Die vollständige und vollkommene Vernichtung! Das ist nun mal das Schicksal des Ketzers!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 10. Juni 2013, 08:23:00
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Tempel des Imperators
Zeit: 2 338 784.M41

Mit zweihundert Freiwilligen im Rücken führe ich die Prozession an. Lady Helmchen ist an meiner Seite, um ihr Auge einzusetzen, falls es eine Gelegenheit dafür gibt. Die feindlichen Kultisten sind noch ein wirrer unorganisierter Haufen, als wir die Kante der Schräge erreichen. Hinter uns ist der Tempel, vor uns am Fuß der Senke der Feind.

"Für den Gottimperator! Tod den Ketzern! Tod den Dienern falscher Götter! Tötet sie alle! Kein Mitleid! Kein Erbarmen! Gottimperator mit uns!", brülle ich und beginne den Abstieg. Der Feind reagiert augenblicklich und ein wilder Haufen wirft sich uns entgegen.

"Haltet die Linie! Haltet euch an den Plan! Steht an meiner Seite!", brülle ich, als die ersten sich voller Hass auf den Erzfeind stürzen. Das ist immer das Problem bei untrainierten Einheiten, wo viele bereit sind, das Martyrium zu erleiden. Dunkelheit breitet sich in den feindlichen Linien aus und sie schreien die lächerlichen Namen ihrer Götzen heraus. Ich beginne mit meiner Laserpistole zu schießen und selbst in die Dunkelheit hinein kann ich den Feind nicht verfehlen, so dicht gedrängt stürmt er vor. Zwei schwere gut platzierte Maschinengewehre in meiner Frontlinie und mein Abwehrfeuer würde im Kugelhagel einfach den Feind zusammen brechen lassen. Leider habe ich keine Maschinengewehre und muss mich auf Taktik und Strategie verlassen. Und auf den Gottimperator, der mir alles gegeben hat, um diesen Tag siegreich in seinen Namen zu beenden.

"Wartet! Haltet die Linie! Zündet die Cocktails an! Nicht werfen! Noch nicht werfen!", brülle ich, als der Feind näher als etwa fünfzig Meter gekommen ist. Weitere Fanatiker lösen sich aus meinen Reihen und werfen sich den schnellsten Gegnern entgegen. Sie verschwinden schnell in der Dunkelheit und erleiden das Martyrium. Nun, der Gottimperator wird sie lächelnd empfangen und ihre alten Sünden werden vergeben sein.

"Jetzt! Werfen!", brülle ich und zwanzig Cocktails fliegen dem Feind entgegen in die Dunkelheit. Sie zerbrechen und menschliche Fackeln erhellen nun die Dunkelheit. Davon lässt sich der Feind aber nicht aufhalten.

"Rückzug! Es sind zu viele!", gebe ich das vereinbarte Signal. Eine scheinbare wilde Flucht setzt ein. Wir haben nur wenig Vorsprung. Ich lasse in regelmäßigen Abständen ein paar unserer erbeuten Granaten fallen. Explosionen und gellende Schmerzensschreie der Ketzer, die uns nachjagen, begleiten unseren Rückzug. Diese Taktik verlangsamt den Feind und das gibt uns die Zeit, die wir brauchen, um den notwendigen Abstand zu gewinnen. Wir fluten über die Kante hinweg und passieren die in Müllansammlungen versteckten Promethiumfässer. Der Feind folgt uns auf den Fersen. Wer jetzt stolpert, wird sterben. Bis wir die Barrikaden erreichen, ist ein Viertel meiner Truppe gefallen. Thronverdammt! Die Welle aus Dunkelheit folgt uns.

"Feuer frei! Zerschießt die Fässer!" Die Schützen eröffnen in die Dunkelheit hinein das Feuer. Ich hoffe, sie sind gut genug, um das schon vorher anvisierte Ziel auch in der Finsternis zu treffen. Über zehn Detonationen erklingen und sagen mir, dass die meisten Fässer gezündet haben. Lachen aus brennendem Promethium breiten sich aus, menschliche Fackeln irren herum und ihre grausigen Schreie sind wie Musik in den Ohren. Verbrannt zu werden, dass ist das Schicksal des Ketzers!

Nun wechseln die Schützen die Ziele und feuern in die feindliche Menge. Auch Lasergewehre verfügen über Salvenfeuer und dreißig Stück sind eine solide Bank. Ich schieße weiter mit meiner Laserpistole und richte Ketzer hin. Aber der Erzfeind ist fanatisch und brandet ungehemmt gegen unsere Stellung.

"Haltet stand! Haltet die Linie! Schickt die Ketzer zum Imperator, damit er sie bis in alle Ewigkeit in die Hölle verbannt! Getötet zu werden, das ist das Schicksal des Ketzers!", brülle ich und schieße die ersten Angreifer einfach nieder. Ihre Gesichter sind vor falscher religiöser Euphorie vollständig entstellt. Dann ist die Welle heran und das Hauen und Stechen beginnt. Meisterin Puppila gelingt es, die Blinden zu lokalisieren und zu erschießen. Das Licht kehrt zurück, die Lumen an der Decke brennen wieder und unser Licht aus den Herzen des wahren Gläubigen erhellt mit unseren Seelen den Rest. Durch die Flammenwand kann der Feind keinen geordneten Angriff führen, um die ersten undisziplinierte Welle zu unterstützen. Nun haben wir die Übermacht gegen einen im Kreuzfeuer stehenden isolierten Feind. Auch wenn sie Götzendiener sind, so kämpfen sie tapfer und unverzagt. Demagogen brüllen die Namen dieser lächerlichen Gestalten, aber nur solange, bis Althea sie mit gezielten Schüssen niederstreckt. Bei einigen fangen die Köpfe an zu brennen. Der Widerstand der Ketzer bröckelt und unsere Masse beginnt zu wirken, besonders da jetzt weitere Einheiten von uns aus den Maschinenkomplexen heraus den Feind in die Flanke fallen. Die letzten Demagogen sterben und einige der Götzendiener beginnen zu fliehen, leichte Ziele für unsere Schützen. Ich bin mitten im Getümmel und töte jeden Kultisten, der mir zu nahe kommt. Ich schieße einem Kerl mit einem achtzackigen Stern im Gesicht ins Auge, einen anderen ramme ich die Klinge ins weiche Fleisch des Bauches und reiße ihm die Bauchdecke auf. Dann ist kein Feind mehr zu sehen. Der Sieg ist unser. Die letzten Fliehenden sterben im Lasergewehrfeuer und wir besetzen den Rand der Schräge. Das erste Gefecht ist unser! Ein kleiner Sieg, ein guter Anfang. Aber der Feind ist immer noch zahlreich und hat sich in seiner Ausgangsposition verschanzt. Ich lasse die Toten plündern und vervierfache die Anzahl unserer Lasergewehre und keiner muss nun mehr mit Steinen oder bloßen Händen kämpfen. Aber das war nur das undisziplinierte Kanonenfutter, der wahre Feind formiert sich dort unten. Nun, lasst sie kommen und den wahren Zorn unseres lebendigen Imperators spüren!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 12. Juni 2013, 15:04:29
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Tempel des Imperators
Zeit: 2 338 784.M41

Der Erzfeind lässt sich erfreulicherweise recht viel Zeit. Zuerst halten sie einen kurzen Götzendienst ab und singen dann äußerst blasphemische Hymnen, wo sie ihre vier Pfeifen des Chaos in den Himmel loben und unseren lebendigen Gottimperator als Leichenimperator verhöhnen. Dafür verdienen sie mehr als nur einen Tod! Thronverdammt!

Auf alle Fälle kommen wir nach kurzer Beratung zum Schluss, dass dies nur ein Ablenkungsmanöver sein kann, da sie nun anfangen, uns Hymnen singend weiträumig zu umgehen, als ob sie auf einer Pilgerfahrt wären. Also wird es einen Angriff über die linke Flanke geben, während die Truppen dort unten es wohl über die rechte Flanke versuchen werden. Die Ablenkungstruppe ist nur wenig kleiner als unsere gesamten Einheiten. Ich beordere neunzig Schützen und genau so viele Nahkämpfer an die rechte Flanke, während der Rest den eigentlichen Angriff über die linke Flanke abwehren wird. Die dreißig ausgebildeten Wachen verteile ich auf den maschinellen Strukturen, die mit Laufgängen und Leitern miteinander verbunden sind. Notdürftig werden die Deckungen verstärkt. Ich bleibe unten, um einen Durchbruch zu verhindern. Ein wahrer Anführer ist in der Mitte seiner Leute an vorderster Front zu finden. Nur Feiglinge und so hinterlistige Bastarde wie Chaosanhänger führen von hinten.

"Aufrechte Krieger des Imperators! Hier ist der Ort, wo der Erzfeind einen hinterlistigen Flankenangriff plant. Aber wir sind hier und hier werden sie ihr verdientes Ende erleiden. Haltet stand! Achtet auf euren Nächsten, unterstützt ihn! Gemeinsam werden wir sie zerschmettern! Heute wird das Licht über die Dunkelheit triumphieren. So ist es bestimmt, so wird es geschehen!", brülle ich. Die Männer jubeln mir zu und ich hoffe, dass ihre Motivation für den Imperator zu sterben ungebrochen ist, denn das werden heute noch viele tun, da mache ich mir keinerlei Illusionen.

"Ist der Feind auch noch so zahlreich, dann erinnert Euch an Sebastian Thors Worte: Ein einziger wahrer Gläubiger kann eine Armee von Ketzern vernichten!" Ich hoffe nur, Sebastian Thor hat sich mit dieser Aussage nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt. Nun, ich werde es wohl gleich herausfinden, denn die Dunkelheit flutet uns entgegen. Wie von uns erwartet startet hier an der linken Flanke der eigentliche Angriff. Auf mein Kommando werden die letzten Molotovs geworfen und die drei Fässer zur Explosion gebracht. Diesmal erwischt es die blinden Bringer der Dunkelheit sofort, so dass wir im Licht kämpfen. Stetiges Feuer von Boltern ist über den Dächern zu hören und jede Salve zerreißt einen meiner Leute. Verwandelt arbeitsgestählte Körper in blutigen Nebel und zerfetztem Fleisch. Diese braven Männer können dem Feuerinferno nur wenig entgegen setzen. Meisterin Puppila gelingt es aber mit ihrer großarten ballistischen Fähigkeiten drei der vier Bolterschützen zu annihilieren. Lady Helmchen tötet weitere feindliche Schützen und Bruder Obskurus ist damit beschäftigt, seinen Hintern in Deckung zu halten. Der oberste Aufseher Barakis selbst scheint nicht in diesen Kampf eingreifen zu wollen, da wir aus keinem Sturmbolter beschossen werden. Ein Umstand, der mich nicht wirklich traurig stimmt.

Unten dagegen brechen nun blutige brutale Nahkämpfe auf engstem Raum aus. Geifernd, den Namen ihrer lächerlichen Götzen brüllend, stürmen die Chaoskultisten auf mich zu. Die ersten sterben im Salvenfeuer meiner Laserpistole. Anfangs hielt ich diese Waffe für ein hübsches Schmuckstück, aber gegen Horden leichter Infanterie, die offen auf einen zustürmt ist sie ihr tausendfaches Gewicht in Elektrum wert, was durchaus dem gängigen Marktpreis einer solchen Pistole entspricht. Ich schieße einem noch genau so zwischen die Augen, dass seine Augäpfel kochend aufplatzen, da walzt dann der Feind auch schon heran. Mein gutes Messer hält reiche Beute, während ich wie ein Fels in der Brandung stehen bleibe. Der Imperator sieht meinem Werk zu und er soll Freude daran haben, wie ich die Götzendiener seiner unfehlbaren Gerechtigkeit überstelle. Und mein Werk ist wohlgetan, denn er hält schützend seine Hand über mich. Ein mystisches Schutzfeld schützt mich vor den schlimmsten Auswirkungen der brutalen Nahkämpfe, da auch ich nicht jedem Laserstrahl ausweichen und jeden Angriff zu parieren vermag, während meine gute Rüstung den Rest von meinem mir doch sehr geschätzten Körper abhält.

"Blut für den Blutgott! Deinen Schädel für seinen Thron!", brüllt mich ein Kultist an, nur um im nächsten Moment meine Klinge in seinem Schlund zu spüren. Nichts da! Ich mag meinen Schädel genau da wo er sitzt. Kaum ist er gefallen, kommt auch schon der nächste, nur um zuerst niedergestochen und dann einen Fangschuss in den Kopf zu bekommen. Ein weitere Welle Götzendiener mit Todessehnsucht stürmt heran, nur um an mir zu zerschellen. Ausgelöscht zu werden, das ist das Schicksal des Ketzers. Ich bin über und über mit noch mehr Blut bespritzt und muss aussehen wie ein Diener von diesem Körnchen, der wohl dieser sammelwütige Blutgott ist. Wobei Körnchen natürlich ein äußerst bescheuerter Name für einen Möchtegern Schlächtergott ist. Oder der Kerl hat so große Eier, dass er mit jedem Namen klar kommt. Wie auch immer, schließlich stapeln sich die Leichen seiner unfähigen Anhänger und ich kämpfe auf dem Scheitelpunkt. Was bin ich froh, dass mich mein Lebenswart Caine in unendlichen Lektionen gelernt hat zu balancieren. Ein Nahkämpfer lebt mit guter Balance. Die Friedhöfe sind voll mit jenen, die diese Lektion nicht ausreichend gelernt haben. Schließlich kommt keiner mehr, der mutig genug ist, sich mit mir anzulegen. Diese Flanke hat gehalten.

"Linie halten! Keine sinnlosen Verfolgungen!", brülle ich, als einige sich an die Verfolgung der letzten Kultisten machen wollen. In dem Moment kommt ein Melder, der mir berichtet, dass die rechte Flanke gleich überrannt werden wird, wenn nicht sofort Verstärkung auftaucht. Nun gut, ich sammle den Großteil jener ein, die noch kämpfen können und lasse nur zwanzig kampffähige Nahkämpfer und zehn Schützen zurück, um diese Flanke zu halten. Ich glaube zwar nicht, dass der Erzfeind nochmal in der Lage sein wird, hier Truppen zu mobilisieren, um sie ein weiteres mal in die Schlacht zu werfen, aber man weiß ja nie. Mit dem Rest eile ich auf die andere Seite.  Möge der Gottimperator uns schnell genug sein lassen, um rechtzeitig an den Ort der Schlacht zu gelangen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 14. Juni 2013, 16:18:45
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Maleziel
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Tempel des Imperators
Zeit: 2 338 784.M41

Wir kommen gerade noch pünktlich an, um zu verhindern, dass die Barrikade fällt. Ich bin immer da zu finden, wo die Schlacht am stärksten tobt. Ich schieße dabei mehr Feinde nieder, als dass ich das Messer benutze, welches allerdings auch genug Arbeit bekommt. Ab und zu brülle ich Zitate von Heiligen, die ich als Kind habe auswendig lernen müssen. Was habe ich das damals gehasst. Ich hatte schon die Befürchtung gehabt, dass man mich zum Kirchendienst ausgewählt hat. Viele Familien haben im mächtigen Adeptus Ministorum einen Vertreter ihrer Familie sitzen, schließlich ist die Kirche eine der mächtigsten Organisationen des Imperiums. Aber meine Familie hatte nie einen so guten Draht zu der Ekklesiarchie, was auch daran liegt, dass mein Vorfahre sich nicht gut mit dem heiligen Drusus verstanden hatte.

Die ersten Minuten wogt der Kampf hin und her. Der Feind war von Anfang an zahlreicher und besser bewaffnet. Und sicherlich auch trainierter. Aber wir haben die bessere Strategie und konnten das Schlachtfeld zu unseren Gunsten modifizieren. In höherer Position als der Feind die Schlacht zu beginnen ist seit Anbeginn der Zeit ein nicht zu unterschätzender Faktor. Höher zu stehen, heißt die größere Reichweite bei Projektilwaffen zu haben. Man kann bergab stürmen und der Gegner wird stärker durch den Aufstieg erschöpft. Und dann ist da der Faktor des Anführers, dessen Part ich ganz gut ausgefüllt habe. Ich denke mal, ich habe alles in meiner Macht getan, um das Schlachtenglück auf unsere Seite zu ziehen. Und zu guter Letzt haben wir natürlich noch den Gottimperator, der uns beschützt. Manchmal wünschte ich, sein Wille würde sich deutlicher manifestieren. Aber inzwischen habe ich keine Zweifel mehr und mein Herz ist voller Licht. Deswegen weiche ich nicht, deswegen inspiriere ich mit meinen Mut und meinen Taten meine Gefolgsleute, noch härter zu kämpfen und nicht zu wanken. Schließlich dünnt sich die feindliche Kampflinie aus. Plötzlich steht ein Kultist mit einem richtigen Schwert vor mir.

"Blut für den Blutgott! Schädel für seinen Thron!", brüllt er mich an.
"Habt ihr echt nur diesen einen Spruch drauf?", frage ich ihn und erschieße ihn einfach, bevor er antworten kann, da diese Frage doch eher rein rhetorischer Natur war. Auf alle Fälle habe ich nun ein Schwert und mit großer Freude hacke ich die letzten Götzendiener in Stücke. Ha! Das hat jetzt schon beinahe Spaß gemacht. Was dem Feind an Klasse gefehlt hat, dass hat er mit Masse wett gemacht. Jedenfalls was es mich betrifft. Ich bin ein Adliger, kaum das ich laufen konnte, wurde ich trainiert, im Fechten unterrichtet und habe durchaus so etwas wie eine militärische Ausbildung an einer Akademie hinter mir. Wenn ich etwas wirklich gut kann, dann ist es Menschen töten. Ungepanzerte Kultisten mit primitiven Waffen sind einfach keine Herausforderung für einen Kämpfers meines Kalibers. Die Frontlinie hat gehalten und ich schreite sie ab, verteile Lob an jene, die noch aufrecht stehen, und spende jenen Trost, die gleich zum Imperator fahren werden. Sie haben wohl getan und ich bin absolut überzeugt, dass unser lebendiger Gottimperator sie mit großer Freude empfangen und sie für ihre letzten Taten belohnen wird. Alle ihre Schuld, all ihre Sünden haben sie mit dem Blut der Götzendiener von sich gewaschen und ihre Seelen gehen geläutert in die Hallen des Imperators, wo es ihnen nie mehr an etwas mangeln wird.

Schließlich knie ich nieder, stecke mein neues blutiges Schwert in den Boden und sprechen laut den Lobgesang auf den Imperator, in den schließlich alle laut einfallen. Dies ist wahrlich ein großer Tag. Diese Schlacht haben wir gewonnen, aber der Krieg hat gerade erst begonnen. Jetzt heißt es, schnell zu handeln und die Gunst der Stunde zu nutzen. Dreiviertel der Anhänger des Tempels sind gefallen und weilen nun als Märtyrer an der Seite des Imperators. Also brauchen wir neue Leute und nichts beflügelt mehr als ein Sieg über einen mächtigen Feind. Also lasse ich einen der LKW fahrbereit machen und dekoriere ihn mit Leichen, abgeschlagene Gliedmaßen und Köpfen der feindlichen Gefallenen. Aus der Kutte eines Demagogen bastle ich ein Banner. An die Stange kommt ein abgeschlagener Kopf eines der Blinden und ein Bolter von Barakis Schergen. Einen der Bolter bekommt Traub, um ihn für alle als Anführer der Schützen kenntlich zu machen und den letzten überreiche ich Althea, da sie als passionierte Scharfschützin damit am meisten Schaden anrichten kann. Der Maschinenkult spendiert uns ein paar Lautsprecher. Nachdem der Wagen dekoriert und die Lautsprecher montiert sind, fahre ich zur nächsten Barrackensiedlung. Ich nutze diese kurze Zeitspanne, um mich etwas von den anstrengenden Kämpfen zu erholen. Was für ein Gemetzel. Wirkliche Furcht habe ich diesmal nicht empfunden, dazu brennt das Licht meines Glaubens nun zu stark. Allerdings bin ich körperlich ziemlich erschöpft und habe einiges an oberflächlichen Verletzungen davongetragen. Jede für sich ungefährlich, aber in der Summe doch so schmerzend. Die gefangenen Arbeiter haben sich in ihren Unterkünften verbarrikadiert in der Hoffnung, dass der Schlangenkult sie hier in Ruhe lässt. Auf alle Fälle lasse ich sie nicht in Ruhe. Ein paar kommen neugierig aus ihren Verstecken, aber die meisten spielen lieber weiter Mäuschen. Also liegt es an mir, die Massen zu begeistern.

"Gefangene des Alphasektors! Gefangene von Maleziel! Heute ist der Tag, an dem der Schlange der Kopf abgeschlagen wird, wie einst unser heiliger Imperator auf Terra der falschen Schlange Horus den Kopf von seinen Schultern getrennt hat", beginne ich zu predigen. Vielleicht wäre eine Karriere als Kardinal doch nicht so falsch gewesen. "Der Feind im Dunkeln mag übermächtig erscheinen. In der Vergangenheit ist jeder Versuch gescheitert, sie auszutilgen. Aber nun bin ich hier! Ich bin Flavion Conari, Lord-Kapitän der "Audacia". Und ich werde nicht zulassen, dass diese Schlangen und Götzenanbeter noch weiter Unheil anrichten werden. Ihre Terrorherrschaft wird hier und heute enden! Ich trage das Licht des Imperators in meinen Herzen! Entflammt auch ihr euer Licht! Lasst es brennen! Der unheilige Götzentempel der Schlange ist geschwächt, sie haben heute ihre Elite auf uns geworfen und sind gescheitert. Nutzen wir gemeinsam die Stunde und tilgen wir sie aus! Schicken wir sie zum Imperator, der ihre verkommenen Seelen in die tiefste Hölle verbannen wird, wo sie bis zum Ende der Zeit in unendlicher Agonie leiden werden!" Überschwänglicher Jubel brandet mir entgegen und ich habe nun eine Armee. Jetzt muss ich nur noch die Wärter überzeugen, meine Armee mit Waffen und Ausrüstung zu unterstützen.
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 17. Juni 2013, 16:52:50
Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Alpha Sektor
Tempel des Imperators
Zeit: 2 338 784.M41

Ich schare mehrere tausend Anhänger um mich. Die zweihundert Überlebenden der ersten Stunde bilden den Kern der neuen Armee, die nun dank der großzügigen Spende des Schlangenkultes gut mit Lasergewehren ausgerüstet ist. Aber das wird nicht reichen. Die Schätzungen wie groß der Ketzerkult ist, belaufen sich zwischen zehn bis zwanzigtausend Anhänger. Nicht alle davon sind trainiert oder bewaffnet, aber der Großteil dürfte das sein. Es wird eine harte Nuss werden, sie in ihrem Tempel zu knacken. Während der Fahrt zur Festung der Wärter bereden wir mögliche Vorgehensweisen. Wir kennen den Zugang über die Wasserversorgung. Es gibt noch einen ganz offiziellen Eingang, der schwer bewacht und gut verteidigt ist. Dann gibt es noch die Seilbahn zum Alphasektor, wodurch der Angriff auf den Imperialen Tempel erfolgt ist. Diesen Zugang haben wir abgeriegelt, indem wir die Maschinengeister für die Seilbahn ins Koma versetzt haben. Und es muss noch eine Verbindung zum Verwaltungstrakt geben, den wir aber nicht benutzen können. Letztendlich haben wir zu wenig Informationen, um einen Plan machen zu können. Und es ist auch die Frage offen, was die Wärter für Ausrüstung in ihren Magazinen haben, ganz abgesehen davon, dass ich sie erst auf unsere Seite ziehen muss.

Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir die Festungsanlage. Die grauen Wälle aus Ferrobeton sind hoch und mit Schießscharten versehen. Die massiven Tore aus rostigen Plastoidstahl sind verschlossen. Es gibt nur einen besetzten Vorposten in einem vorgelagerten befestigten Bunker, denen gar nicht wohl bei unserem Anblick ist. Ihre Hoffnung, die ganze Sache einfach aussitzen zu können hat sich mit unserem Erscheinen in Luft aufgelöst. Ich kann hören, wie hinter der Mauer Befehle gebrüllt werden und die Wachmannschaften jetzt die MG Stände besetzen. Deren Läufe sind deutlich zu sehen. Ich stehe hier auf dem Präsentierteller und falls jemand auf die Idee kommt, auf mich zu schießen, könnte das für mich ziemlich tödlich enden. Aber ich kämpfe meine Zweifel nieder und beginne mit einer weiteren Ansprache. Hier muss ich eine etwas andere Strategie fahren als wie bei den Gefangenen. Diese können nichts dafür, dass sich ein Kult des Erzfeindes hier breit gemacht hat. Aber die Wärter hätten die Pflicht gehabt, diesen auszutilgen.

"Wärter von Maleziel! Schon lange hat das Böse an diesen Ort seine Wurzeln geschlagen. Ihr könnt weitermachen wie bisher und hoffen, dass die Kultisten sich leichtere Opfer aussuchen. Darauf bauen, dass das Imperium weiter weg sehen wird. Aber der Tag wird kommen, wo der Chaoskult entdeckt werden wird. Die Inquisition ist dafür bekannt, wenig Federlesen zu machen. Unschuld beweist gar nichts! Und ihr habt Euch zumindest der Duldung des Chaos auf dieser Welt schuldig gemacht. Und Schuldige werden im Namen des Imperators bei lebendigen Leib verbrannt!", beginne ich mit meiner Predigt.

"Regelmäßig kommen Schiffe der Imperialen Flotte hierher und irgendwann wird ein ehemaliger Insasse zu viel quatschen, sei es bei seinem Beichtvater oder weil er zu viel Fusel intus hat. Und irgendwann wird das weiter gegeben werden und die Ohren eines Inquisitors erreichen. Maleziel ist ein Gefängnis und auch der Kult kann nicht entkommen! Und die Rache der Inquisition wird fürchterlich sein!" Ihnen die Konsequenzen ihres Handelns drastisch vor Augen zu führen kann in diesem Fall nicht schaden. Ich baue weiterhin eine mächtige Drohkulisse auf, die schon bald Früchte trägt. Einer der Soldaten des Vorposten traut sich aus seiner Stellung heraus und kommt zu mir gelaufen. Ich kann deutlich sehen, dass er viel lieber ganz weit weg wäre. Er bittet um ein Gespräch im Vorposten. Nun gut, ich komme mit. Ohne Zwischenfälle erreiche ich den Vorposten und kann von dort mit dem ranghöchsten Diensthabenden dieser Festung mit einem Fernsprecher kommunizieren. Auch hier fehlen mal wieder die Reinheitssiegel. Es ist ein Wunder, dass die ganzen Maschinengeister nicht schon längst vor lauter Vernachlässigung und daraus resultierenden Trotz ihre Mitarbeit eingestellt haben.

Die Verbindung ist gut und ich kann mit einem der kommandierenden Offiziere reden. Er ist anfangs wenig begeistert von der Idee, die Tore zu öffnen und meine Lumpenarmee zu versorgen. Sein Hauptargument ist, dass man in der Vergangenheit öfters versucht hat, das Schlangennest auszuräuchern und immer gescheitert ist. Das ist mir klar, sonst würden wir dieses Gespräch ja nicht führen. Aber bisher war nie jemand von den Angreifern schon im Tempel gewesen. Zugegeben, viel gesehen habe ich auch nicht, aber doch das eine oder andere. Jedenfalls besser als gar nichts. Und ich habe schon einen Sieg errungen.

"Die Moral des Erzfeindes ist durch die Niederlage angeschlagen. Wie ihr schon sagtet, sie wurden noch nie besiegt. Nach dieser ersten Niederlage breitet sich nun Furcht in ihren Herzen aus. Bevor ihre Demagogen sie wieder aufrichten, sollten wir zuschlagen. Gemeinsam können wir den Schwarzen Vipern das Fürchten lehren. Und danach, wie es ist, vor unserem Gottimperator zu stehen und die gerechte Strafe zu erlangen! Wir müssen die Initiative ergreifen und diesem Schlangennest das Ende bereiten, das schon lange überfällig ist. Wartet ihr weiter ab, werden die Schlangen erst mal die Oberhand behalten und der Tag wird kommen, wo sich die Inquisition dieses Ortes annehmen wird. Und glaubt mir, die Inquisition ist nicht dafür bekannt, Schuld abzustufen oder zwischen Kollateralschaden und ihrem Missionsziel abzuwägen. Sie werden kommen und werden alles vernichten. Wenn sieben Millionen Unschuldige mitsterben, dann ist das akzeptabel!" Meine Argumente ziehen und die Tore werden geöffnet. Geht doch!

Die Magazine des Postens sind nicht übermäßig gut bestückt, aber es gibt doch dreihundert Schrotflinten, tausendzweihundert Lasergewehre und Munition in ausreichender Menge. Auch gibt es drei Kanister mit Nervengas, was einige interessante Möglichkeiten bietet. Dazu noch fünfzehn Meltersprengsätze und zwanzig Laserminen. Damit lässt sich einiges anfangen. Die Menge ist immer noch fanatisch und die erste beginnen mich schon Sankt Flavion zu nennen. Das ist sicherlich deutlich verfrüht. Bruder Obskurus tritt mit sauertöpfischen Mine zu mir hinzu. Und da der Astropath immer so aussieht, als hätte er in eine Zitrone gebissen, heißt das schon einiges.

"Mich wundert, dass ein so xenophiler Mensch wie Ihr im Licht des Gottimperators baden könnt, während seine stillen Anhänger nicht so gefördert werden."
"Ich habe das verbriefte Recht des Senats, dem Sprachrohr des Imperators, mit Xenos Handel zu treiben. Das macht mich nicht zum Freund der Xenos. Der Gottimperator belohnt jene, die in seinem Namen das Zentrum der Schlacht suchen und nicht jene, die furchtsam hinter den Linien ihren Hintern sorgsam in Deckung halten. Wer auf den Imperator vertraut, hat auf Fels gebaut!", erwidere ich und konzentriere mich auf die vor mir stehende Aufgabe, dieses Schlangennest der Schwarzen Vipern auszuräuchern. Und auch wer immer dahinter stehen soll, dieser fünfte Götze von diesem Verein lächerlicher Gestalten, der wird bald mehr als nur ein paar Probleme bekommen. Genauso wie ein paar andere Leute.

Gespielt am 22.12.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 3
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 3
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 3
Yuri Navigatorin Rang 2
EP: 600
Besiegte Gegner:
Etwa fünfhundert Kultisten
Beute:
1 Schwert
Viele Handgranaten
3 Bolter
sehr viele Waffen in Form von Laser und Schrotgewehren

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 19. Juni 2013, 13:05:09
Persona Dramatis
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Kapitel 20
Die Belagerung!

Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Alpha Sektor
Waffenlager
Zeit: 2 338 784.M41

Es lassen sich auch einige alte Pläne des Omega Sektors finden. Natürlich ohne den dort befindlichen Chaostempel. Der Haupteingang ist seit Jahrzehnten verschlossen und befindet sich in einem verlassenen Lagerkomplex. Wir machen uns schon ein paar Gedanken, aber bevor wir konkret was unternehmen können, müssen wir uns die Sache vor Ort ansehen. Wir sind nun auch in der Lage, die Quarantäne der einzelnen Sektoren zu umgehen, indem wir die großen Trennschotte wieder öffnen lassen. Aber da dies eine ziemlich lange Zeit dauert, rücken wir über Wartungstunnel in den Gamma Sektor vor. Dort ist es ziemlich dunkel und viele Gefangene haben sich zu kleinen Gruppen zusammen gerauft und kauern sich in Löchern zusammen.

Unbehelligt von feindlichen Einheiten erreichen wir den Lagerkomplex. Er liegt etwas tiefer, das Zugangstor aus Ferroplast ist gewaltig, fünfzehn Meter breit und genau so hoch. Das dahinter führende Tor in den alten Omegasektor ist genau so riesig und aus massivem Plastoidstahl. Die Lagerhalle ist leergeräumt. An der Decke befindet sich noch ein alter Laufkran. Balustraden und Gangways ziehen sich über die Wände entlang, welche zu leer stehenden Schreibstuben führen. Zwei Gänge, einer je links und rechts, führen zu Gewölben ohne weitere Ausgänge. Das Ganze eignet sich gut fürs Kreuzfeuer, ist aber nicht ganz ungefährlich, da man sich hier nicht mehr wirklich zurückziehen kann. Leider hat der Feind den gleichen Gedanken, denn die Tore beginnen sich zu heben. Es wird zwar einige Zeit dauern, bis die offen sind, aber wir sind hier zu wenige, um massiv angreifenden Truppen wirklich auf lange Sicht Paroli bieten zu können. Also ziehen wir uns zurück und besetzen die leichter zu verteidigende Höhenstellung vor dem in den Fels gehauenen Lagerkomplex. Von dort aus können wir uns im Bedarfsfall zurückfallen lassen.

Nach und nach rücken die ersten meiner Truppen ein. Provisorisch werden Barrikaden errichtet. Zu unserem Glück haben die Maschinenpriester zwölf Maschinengewehre von festen Stellungen abmontiert. Die schweren Waffen sind nicht wirklich tragbar und werden auf massiven dreibeinigen Lafetten montiert. Acht Stück bringe ich hier in Stellung. Es gibt noch mehrere andere Zugänge in den Omega Sektor, deswegen werden die anderen vier je Paarweise einmal bei den Lüftungsanlagen und bei den Wasserwerken montiert, um so Umgehungsangriffe zu verhindern. Auch schicke ich dort jeweils eine je etwa dreihundert Mann starke Einheit hin. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass der Feind über das Lorensystem angreift, trotzdem schicke ich dort eine Gruppe Verteidiger hin. Es gibt noch einen weiteren Zugang über die Plasmaenergieleitungen. Dadurch, dass der Reaktorblock herunter gefahren ist, kann durch die nun nur noch mehrere hundert Grad heißen Tunnel ein Stoßtrupp mit Schutzanzügen dort eindringen. Allerdings gibt es nur zwanzig Schutzanzüge und wir haben keine Spezialisten, die wirklich schlagkräftig genug wären, in so kleiner Anzahl nennenswerten Schaden anzurichten. Wir nutzen die nächsten Stunden, uns zu verschanzen. Bruder Obskurus versucht mich zu heilen, strengt sich dabei aber nicht wirklich an. Deswegen verschafft er mir kaum Linderung. Thronverdammt!

Inzwischen sind Motivationsrufe aus dem Omega Sektor zu vernehmen in Form eines monotonen "Hu Hu Ha!". Es sind ziemlich viele Stimmen. Ich habe knapp fünftausend Streiter des Lichtes hier versammelt. Ich schätze mal, der Feind hat deutlich mehr. Wahrscheinlich eine vielfache Übermacht. Ich verbreite betont Optimismus, weiß aber, wie schwer das alles werden wird. Bis jetzt haben wir uns alle zwar gut geschlagen, aber der Feind hat immer noch die zahlenmäßige Überlegenheit und finstere Hexerei auf unserer Seite. Unten tut sich was und ich lasse volle Gefechtsbereitschaft einnehmen. Die letzten Barrikaden werden fertig gestellt und Molotovs verteilt. Keine Sekunde zu früh, denn die erste feindliche Angriffswelle strömt heraus. Es sind recht wenige, die da heran stürmen und wie die Fliegen fallen. Ohne auch nur einen Verwundeten oder Toten auf meiner Seite sterben etwa hundertfünfzig Kultisten. Wahrscheinlich ein Opfer für ihre dunklen Götzen und kein ernsthafter Angriff.

Mir schwant deswegen Böses. Nur wenige Augenblicke selber bildet sich Nebel über den Toten. Drei Hunde aus dem Warp und der Hohepriester des Schlangenkultes manifestieren sich als Nebelgestallten. Der Typ verhöhnt uns, versucht mit seinen vier Götzen Eindruck zu schinden und unsere Moral zu unterminieren. Als kleine Untermalung seiner blasphemischen Worte schickt er uns die drei Nebelhunde vorbei. Die unnatürlichen Dinger schießen verdammt schnell auf unsere Linien zu, während der Kerl von der Macht des Kaios und dem seiner Hohepriester faselt. Unzählige Lasergeschosse peitschen durch die Nebelgestallten, die erst im letzten Moment wirklich fest werden. Lady Helmchen macht sich wirklich dadurch nützlich, in dem sie ihren bannenden Blick einsetzt. Mit gezogenen Schwert und Pistole in der Hand erwarte ich das unvermeidliche.  Es gelingt mir die Angst vor diesen Kreaturen niederzukämpfen. Eines der Dinger greift mich direkt an. Ich versuche mich unter seinem Angriff wegzuducken, aber ich bin zu langsam oder besser gesagt, diese unheilige Kreatur aus dem Warp ist einfach zu schnell für mich. Der Dämon springt mich an und die Aufprallwucht reißt mich von den Beinen. Thronverdammt!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 21. Juni 2013, 14:18:20
Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Delta Sektor
Verteidigungsstellung
Zeit: 2 338 784.M41

Mit großer Wucht knalle ich auf den felsigen Boden und die Luft wird aus meinen Lungen gepresst. Hier und da vermeine ich es auch knirschen zu hören. Sein Maul mit den viel zu vielen scharfen Zähnen schnappt zu und diesmal rettet mich nicht der Schutz des Imperators. Auch meine gute Rüstung kann diesem unheiligen Ding nichts entgegen halten. Eiskalte Zähne beißen sich in mein Fleisch. Wie ich diese Warpraubtiere hasse, die einfach meine gute Rüstung ignorieren. Ich fühle schon mein letztes Stündlein geschlagen, als die Kreatur aus dem Warp an Substanz verliert. Dank der Kräfte von der Navigatorin Yuri, die ich immer noch meist bei ihrem Spitznamen "Lady Helmchen" nenne, löst sich der verdammte Hund endlich auf, bevor er mich zu Tode beißen kann. Eiseskälte tobt durch meinen Körper und raubt mir die Körperwärme. Ich fühle mich dem Tode nahe, kann aber dem Schnitter noch einmal von der Schippe springen.

Auch der zweite Dämon wird recht schnell von Garben aus dem Bolter von Meisterin Puppila zersiebt. Wenn die Frau trifft, dann richtig. Der Hund wird regelrecht von vier Einschlägen zerrissen. (Ausnahmsweise mal gut gewürfelt und Zorn des Imperators kam einmal zum Tragen.) Schmerzwellen durchschießen meinen geschundenen Körper, jetzt ist aber nicht der Zeitpunkt, wimmernd auf dem Boden zu liegen. Mit mir steht und fällt diese Armee. Also quäle ich mich mit einem Lächeln auf den Lippen auf die Beine und schieße den dritten Hund nieder, der vorher schon durch die Reihen meiner Männer gewütet hat. Auch Meisterin Puppila und der bannende Blick von Lady Helmchen tun hier ihren heiligen Beitrag. Nur Bruder Obskurus sorgt dafür, dass es schön kühl bleibt, ohne dass irgendetwas seiner Bemühungen sichtbare Resultate trägt. Hexerei mit Hexerei zu bekämpfen, schient nicht besonders sinnvoll zu sein. Thronverdammt!

Spoiler (Anzeigen)

Diese kleine Machtdemonstration des dreifach verfluchten Hohepriesters des Chaos hat mich bis ins Mark erschüttert. Mir gelingt es mit einer kleinen flammenden Ansprache die angeschlagene Moral wieder zu heben. Ich tanze aber gerade an der Schwelle des Todes. Prüft der Imperator so die Festigkeit meines gerade wiedergewonnenen Glaubens? Wahrscheinlich, in einer solchen Situation zu fallen ist nicht unehrenhaft, sondern ein edles Opfer an unseren lebendigen Gott auf seinem goldenen Thron im fernen Terra. Es gab viele Augenblicke, wo es bei mir nur um schnöden Profit und Gewinnmaximierung ging. Um egoistischen Stolz, um die Angst, schwach auszusehen. Hier geht es nicht um mich. Hier geht es um das Licht gegen die Dunkelheit. Das Gute gegen das absolut Böse. Das Richtige gegen das ultimative Falsche. Die einzig wahre Ordnung gegen das absolut verdammenswerte Chaos.

Lady Helmchen drängt darauf, den Feind durch die Plasmaleitungen auszuspionieren. Nun gut, ich übertrage Meisterin Puppila die Aufgabe, eine Erkundungsmission über die Plasmaleitungen anzuführen. Vielleicht kann sie damit wichtige Informationen sammeln und sogar Leutnant Exton aus seiner Gefangenschaft befreien. Ein Wachmann und der Maschinenpriester Fidilius begleiten den kleinen Stoßtrupp hinter die feindlichen Linien. Ich bleibe bei der Armee zurück und setze weitere Verteidigungspläne um. Halte die Moral aufrecht und versuche die Armee halbwegs zu organisieren. Möge der Gottimperator wirklich seinen Blick auf uns gerichtet halten und das eine oder andere gerade rücken.

Nach etwa zwei Stunden bekomme ich die telepathische Meldung von Bruder Obskurus, dass ein ernsthafter Ausfall in etwa ein bis zwei Stunden bevor steht. Angeführt wird das Ganze durch eine gepanzerte Bohreinheit. Dahinter jede Menge fanatischer Kultisten. Gut, alles ist besser als zu warten. Wir haben ein paar Melterminen zur Hand, aber die sind nicht diese praktischen tragbaren Sprengsätze, sondern riesige Dinger, die man in den Boden versenken muss. Der Feind hat inzwischen die Lagerhalle besetzt und in diesem Flaschenhals hätte ich gerne die Mine gezündet. Also führe ich einen Angriff an, den Feind aus der Lagerhalle zu treiben. Da wir Maschinengewehre haben, können wir die Verteidiger in Deckung treiben und sie dann vergleichsweise recht gefahrlos stürmen. Jedenfalls theoretisch. So wird es in der Tactica Imperialis wenigstens gelehrt. Ich stelle mich nach einem intensiven Gebet  einen Angriffstrupp zusammen, setze mich an seine Spitze und lasse mit dem MG Feuer beginnen. Die Garben töten alle Unvorsichtigen und treiben den klügeren Rest in Deckung. Durch einen kleinen kugelfreien Korridor stürme ich an der Spitze meiner Truppen los. Der Weg nach unten scheint ewig zu dauern, aber das MG Feuer hält den Feind von Sperrfeuer ab. Unbehelligt stürmen wir in die Halle durch den Eingang und nutzen die schnell aufkommende Panik beim Feind. Ich töte nun aus nächster Nähe einige vorwitzig aus der Deckung linsende Fanatiker, bevor ich über die erste Barrikade setze und anfange in den feindlichen Reihen zu wüten. Schließlich habe ich jetzt ein Schwert und damit kann ich verdammt gut umgehen. Es zwar nicht mein geliebtes Energieschwert mit dem ruhmreichen Namen Rabenklaue, aber besser als alles andere, was gerade zur Verfügung steht. Mir ist klar, dass ich auf der Schwelle des Todes tanze, da ich meinem Körper nicht mehr viel mehr zumuten kann, aber der Imperator schützt mich und leitet die Laserstrahlen meiner Feinde um mich herum.

Spoiler (Anzeigen)

Wir töten weitere zweihundert Chaoskultisten bei nur einhundert eigenen Verlusten. Im blutigen Nahkampf ist der Erzfeind deutlich meinen Leuten überlegen und deswegen kostet mich das endgültige Säubern der Halle doch noch einiges an menschlichen Ressourcen. Ich lasse die Sprengsätze und Minen legen und bereite alles auf die Nahverteidigung vor. Das hält die Leute beschäftigt und vom Grübeln ab. Je länger der Feind sich Zeit lässt, desto eher wird meine kleine zusammengewürfelte Armee erodieren. Das sind Gefangene, begeistert durch die letzten Siege. Aber der Erzfeind ist zahlreicher und hat den Nimbus der Unbesiegbarkeit, den ich zwar jetzt deutlich angekratzt habe, aber Siegen ist auch eine Kopfsache.

Schließlich taucht Meister Puppila wieder auf. Selten habe ich mich gefreut, jemanden so schnell gesund und an einem Stück wieder zu sehen. Sie war erfolgreich, hat Rabenklaue, mein geliebtes Energieschwert, zurückgeholt und den guten Leutnant Exton befreit. Den armen Kerl hat man brutal gefoltert, um an Codes und Protokolle über die Audacia zu kommen. Einen Arm hat man ihm abgehackt und ein Auge heraus gerissen. Diese Bastarde werden dafür noch extra bezahlen. Ich muntere den tapferen Exton etwas auf und schicke ihn zum Tempel des Imperators, wo sich ein Lazarett inzwischen befindet. Verlorene Gliedmaßen kann man zum Glück ersetzen und manchmal ist der Ersatz sogar besser als Original. Der Maschinenpriester Fidilius ist zurückgeblieben, um die Energieleitung sabotieren zu können. Der Eingangstunnel hinter diesem in den Fels geschlagenen Lagerhaus ist mit Laserschranken gesichert und der Feind hat zwei Laserkanonen, die extern mit Kabel versorgt werden, in einer Auffangstellung montiert. Dazu noch zwei MG Nester. Vergleichsweise wenig, aber für meine kleine Armee sicherlich ausreichend. Die feindlichen Truppen haben dort Aufstellung genommen und sind etwas zehntausend Mann stark. Das sind nur die, die dort aufmarschiert sind. Da werden noch weitere im Tempel selbst und in Bereichen sein, die sie nicht hatten einsehen können. Es wird Zeit, Fakten zu schaffen, besonders da der Erzfeind nun hörbar näher kommt. Die nächste Schlacht ist kurz davor zu entbrennen!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 24. Juni 2013, 12:57:38
Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Delta Sektor
Lagerbereich zum Omega Sektor
Zeit: 2 339 784.M41

Ihr "Hu Hu Ha" kommt stetig näher. Auch ist das Dröhnen von schweren Motoren zu hören. Die letzten Vorbereitungen werden abgeschlossen und ich übernehme es persönlich, die im Boden versteckten Minen zu zünden. Ich mach mich bereit und schalte die Sprengsätze scharf. Jetzt noch ein Knopfdruck und die Hölle wird sich auftun. Schließlich rollt der gewaltige Bohrkopf einer mobilen Bohreinheit in den Raum. Das Ding hat einen Durchmesser und Höhe von etwa vier Metern und eine Länge von zwanzig. Normalerweise sind die noch länger, aber deren Techpriester haben alles Überflüssige abgehängt und eine leibhaftige Laserkanone auf die Oberseite montiert. Krude Panzerplatten hängen an dem Konstrukt herunter und auch der Turm mit der Laserkanone ist massiv gepanzert. Dahinter marschieren die Kultisten, viele haben primitive Schilde aus Ferroplast dabei. Ich warte, bis der Panzer über den Minen ist und zünde dann diese. Es gibt eine gewaltige Hitzewelle, welche einen großen Teil des Dings einfach verdampft und den Rest verflüssigt. Die unmittelbar dahinter stehenden Kultisten fangen Feuer, während ihr Fleisch von den Knochen schmilzt. Verbrannt zu werden ist das Schicksal des Ketzers!

Das Toben des Mobs kennt trotzdem keine Grenzen und die Horde stürmt über die Leichen ihrer brennenden Kameraden. Wie üblich kommt mit ihnen auch die Dunkelheit. Ich zünde die Laserminen und bringe ihnen das reinigende Licht des Imperators. Hunderte sterben, aber der Feind rückt unerbittlich weiter über die Leiber ihrer Gefallenen vor. Sie schreien die Namen ihrer lächerlichen Götzen. Wahrscheinlich schauen die in ihrer Wahnvorstellung nicht immer zu und man muss mit lauten Rufen ihre Aufmerksamkeit erheischen. Anders kann ich mir dieses infernalische Geschrei nicht erklären. Ich lasse Sperrfeuer geben und decke dann die ersten mit Molotov Cocktails ein. Brennende Fackeln aus Menschen erhellen das Dunkel und wir bringen ihnen die Erleuchtung in Form von gebündeltem Licht, das ihr Fleisch verbrennt. Erleuchtet zu werden, das ist dem Ketzer im Leben verwehrt.

Trotz des gigantischen Blutzolls, den sie zu bezahlen haben, stürmen sie unerschütterlich in unsere Stellung. Granaten fliegen ihnen entgegen, zerreisen ihre Leiber. Aber die Nachrückenden rennen einfach über die abgerissenen Glieder ihrer Gefallenen. Dann sind sie wie eine Flutwelle heran, nur um von Rabenklaue gerichtet zu werden. Endlich habe ich mein geliebtes Schwert wieder und schicke die Ketzer nun viel schneller zum Imperator, auf dass er sein unerbittliches Urteil über sie fällt. Jeder Hieb tut auch mir weh, meine Glieder schmerzen und am liebsten würde ich mich in mein Bett für die nächsten hundert Jahre verkriechen. Aber der Glaube an unseren einzigen lebendigen Gott gibt mir die notwendige Kraft, den Bann des Imperators zu vollstrecken. Ausgelöscht zu werden, das ist das Schicksal des Ketzers!

Um mich herum fangen Leichenberge an, in die Höhe zu wachsen, während Rabenklaue so viel Blut vergießt, wie in meinem bisherigen Leben noch nicht. Eine gefühlte Ewigkeit, die nicht länger als eine halbe Stunde anhält, hacke und wüte ich mich durch die ultimativen Feinde der Menschheit. Dieser gestaltgewordene Frevel muss ausgelöscht werden. Dann lässt der Druck nach, das Licht kehrt zurück und die letzten Kultisten werden erschlagen.

"Bereitmachen zum Gegenangriff!", befehle ich. Jetzt gilt es die Gunst der Stunde zu nutzen. Die Moral des Erzfeindes muss nun angeschlagen sein. Und mit etwas Glück ist Gegner auch nicht auf einen Gegenangriff vorbereitet. Aber so wie ich das Schicksal kenne, wird mir dieses wohl nicht so weit hold sein. Aber wir brauchen auch nicht unbedingt Glück, um den Feind endgültig nieder zu werfen. Ich habe ja noch ein paar Joker in der Hinterhand und den Gottimperator auf meiner Seite. Das wird reichen!

Fidilius bekommt das Signal, die Leitungen der beiden Laserkanonen und zu den Laserschranken im Tunnel zu sabotieren, was etwa in einer halben Stunde passieren wird. Gleichzeitig lasse ich die Lorenbahn im Alphasektor wieder in Betrieb nehmen, welche diesen Sektor direkt mit dem Tempel verbindet. Die vordersten Loren sind mit den Giftgaskanistern versehen, deren Zünder so eingestellt sind, dass sie bei der Ankunft dort unten explodieren werden. Ich hoffe, dass der Erzfeind wenigsten eine kleine Streitmach dorthin schickt und von dem Gas vernichtet werden wird. Mehr kann ich nicht tun. Die nächsten zwanzig Minuten ordne ich meine Truppen und lasse die Haufen, anders kann man diese disziplinlosen Einheiten nicht nennen, zum Angriff antreten. Der Plan ist simpel, rein, die beiden MG Nester säubern, besetzen und von dort aus den Feind unter Druck setzen, während die Masse durch die Mitte bricht und dann sich nach links und rechts wenden wird, um die Stellung zu nehmen. Simpel, aber für ausgefeilte Taktiken habe ich weder die Truppen noch die Kommandeure, noch nicht mal eine richtige Kommunikation. Mal von Bruder Obskurus abgesehen, der in der Lage ist, über mehrere Kilometer Entfernung Informationen zu senden. Aber er weiß halt nie, ob seine Botschaft auch angekommen und auch richtig verstanden wurde. Falls Fidilius scheitert, wird dies meine letzte Offensive und dieser Tunnel mein Grab.

"Vorwärts! Für den Gottimperator! Räuchern wir das Schlangennest aus. Schicken wir ihre verdammten Seele zum Gottimperator! Tötet sie alle! Keine Gnade! Kein Mitleid! Kein Erbarmen!", rufe ich meinen Leuten zu und dann beginne ich das Gebet des Kriegers zu singen.
"Ich gebe dem Imperator mein Leben!
Ich bete, dass er es akzeptiert!
Ich gebe dem Imperator meine Stärke!
Ich bete, dass er sie für ausreichend empfindet!
Ich gebe dem Imperator mein Blut!
Ich bete, dass es seinen Durst stillt!
Ich opfere meinen Körper auf dem Altar des Schlachtfelds!
Ich bete, dass er mir einen ehrenvollen Tod gewährt!
Ich bete um seinen Schutz!
Denn ich bin bereit, alles zu opfern, was ich bin!"
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 26. Juni 2013, 12:37:55
Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Omega Sektor
Flaschenhals
Zeit: 2 339 784.M41

Unser Gesang hallt durch den Durchgang, wird von den Wänden reflektiert und verstärkt die Wirkung noch. Und ich bete, dass Fidilius seine Arbeit erledigt hat, sonst bin ich gleich tot. Und viele meiner Leute ebenso. Die Barrieren sind deutlich an den Wänden zu sehen. Ein Zurück gibt es nicht mehr, nur ein Vorwärts. Der Plan ist Wahnsinn, aber unsere beste Option. Die Laserbarrieren bleiben aus, als wir die Spulen passieren. Dann öffnet sich der Flaschenhals und vor uns ist der eingegrabene Feind. Die Trupps, welche die MG Nester niederhalten sollen, sondern sich zu den Flanken ab, während ich den Angriffskeil mittig halte. Die MGs fangen an zu hämmern, nur um in der nächsten Sekunde wieder zu verstummen, als die feindlichen Schützen von meinen Leuten erschossen werden. Sofort werden die MGs vom Erzfeind neu benannt, um los zu feuern und so gleich nach wenigen Augenblicken wieder zu verstummen. Meisterin Puppila schaltet ihr zugeordnetes Nest sofort aus und ich ändere die Stoßrichtung dahin, da das andere MG nur niedergehalten wird, ohne ausgeschaltet zu werden. Die Reihen der Verteidiger sind zum Glück in Unordnung. Unser Angriff scheint sie doch überrascht zu haben. Wahrscheinlich haben sie sich auf ihre Laserschranken verlassen.

Die Laserkanonen bleiben ebenfalls stumm, die unzähligen Lasergewehre des Erzfeindes leider nicht. Meine Truppen erleiden Verluste, die sich in Anbetracht eines Frontalangriffs auf einen verschanzten Feind ohne Artillerieunterstützung und sichtmindernde Gegenmaßnahmen wie Rauch in Grenzen halten. Ich stürme als erster über die Barrikade, während meine Laserpistole richtet, schlachtet sich mein Schwert durch das Fleisch der Verdorbenen. Dann bin ich drüber und der Durchbruch gelungen. Die nächsten Minuten bin ich damit beschäftigt, die Truppen zu lenken und in verschiedene Richtungen vorstoßen zu lassen. Meisterin Puppila gelingt es, das zweite MG Nest auszuschalten. Ich lasse dieses MG sofort neu bemannen und ausrichten. Hinter den Barrikaden sind industrielle Strukturen, wahrscheinlich Maschinenblöcke zur Herstellung von Lasergewehren, zu erkennen. Hier sind weitere Truppen des Feindes massiert. Nachdem diese Linie komplett genommen ist und beide MGs nun uns unterstützen, lasse ich unsere anderen MGs von unserer hintersten Verteidigungslinie nachziehen.

Diesen Feind niederzuwerfen, ist deutlich schwieriger, da er nun in einer besseren höheren Position ist und den Vorteil der Topographie auf seiner Seite hat. Ich lasse unsere übrigen MGs aufstellen und die Massierung der Feuerkraft zwingt den Feind in Deckung, falls diese nicht sogar von den großkalibrigen 12,5mm Geschossen durchschlagen wird. Und der dahinter kauernde Verräter gleich mit. Auf breiter Front lasse ich nun stürmen. Zwischen den Strukturen eilen uns Nahkämpfer entgegen. Manche tragen primitiv wirkende Brustpanzer mit einer aufgemalten seltsamen Schädelrune, andere sind nur Arbeitssklaven mit Werkzeug, die ohne Unterscheidung von uns nieder gemäht werden. Hier gibt es keine Unschuldigen mehr, nur mit unterschiedlicher Verdammnis Gezeichnete. Ich stürme als einer der ersten einen der Blöcke hoch und säubere ihn vom Abschaum, der sich dort festgesetzt hat. Innerhalb der nächsten Stunde nehme ich den kompletten Komplex in Beschlag. Die letzten Kultisten versuchen, zum weiter hinten liegenden Tempel zu fliehen, werden aber bis auf ganz wenige Glückspilze alle auf der Flucht niedergeschossen. Diesmal gelingt es mir, sinnlose Verfolgungsjagden sofort zu unterbinden. Schätzungsweise haben wir sechstausend Kultisten hier nieder gekämpft, aber vor dem Tempel werden neue Truppen massiert. Ich lasse die MGs nachzeihen und auf die Strukturen schaffen. Hier lagern überall Kisten mit Lasergewehren, aufgeladenen Magazinen und was wirklich hilfreich ist, mit jede Menge Granaten. Die richtige Medizin für Ketzer. Nur im Tod gibt es für sie eine Zukunft in der ewigen Verdammnis des Höllenfeuers.

Der Feind ordnet seine Truppen und beginnt außer Reichweite Aufstellung zu nehmen. Das sind immer noch verdammt viele und uns im Verhältnis von mindestens drei zu eins überlegen. Optimistisch unterschätzt. Realistisch vielleicht eher vier zu eins, wenn nicht gar fünf zu eins. Aber wir haben jetzt die höhere Position und zwölf einsatzfähige MGs aufgebaut. Der Hohepriester manifestiert sich wieder und bedenkt mich mit einer Hasstriade. Offensichtlich habe ich ihn wütend gemacht. Das ist ein gutes Zeichen, sein überhebliches Schattengrinsen ist aus seinen Zügen gewichen. Um seine Wut zu unterstreichen, schickt er uns weitere Dämonen auf den Hals. Thronverdammt! Obwohl mir die Knie schlottern, stelle ich mich ihnen für alle der Bedrohung gut sichtbar entgegen. Was würde ich jetzt für ein Lho-Stäbchen geben? Oder für einen guten Amasec? Unbezahlbar in einer solchen Situation.

Die unnatürlichen Dinger jenseits des Schleiers manifestieren sich erst wieder kurz bevor sie an unsere Linie heran sind. Sie sehen aus wie viel zu große Hunde, aus ihren Augen trieft brennender Hass. Ein durchaus verstörender Anblick. Aber mit einem Gebet an unseren lebendigen Gott auf den Lippen stelle ich mich mit einem Lächeln auf den Lippen entgegen. Wer dem Imperator vertraut, der hat auf Fels gebaut. Ich wappne mich auf den Angriff und versuche nicht daran zu denken, dass eines dieser Viecher mich vor ein paar Stunden beinahe getötet hätte. Aber der Glaube an den Imperator gibt mir die notwendige Kraft, mich ihnen in den Weg zu stellen. Ein Zurückweichen meinerseits würde die Moral meiner Männer bis ins Mark erschüttern. Mein Tod ebenso, also darf ich weder weichen noch sterben.

Lady Helmchen bannt einen der Hunde sofort weg, während der andere von Meisterin Puppila mit mehreren Volltreffern verlangsamt wird. Bruder Obskurus, der ein durchsichtiges telekinetisches Schild trägt, wirft sich der Bestie entgegen. Todesmutig ist das nicht wirklich, da die Barriere ziemlich viel abhält, da diese nicht so einfach umgangen werden kann, wie meine schöne Rüstung, die mich bisher meist sehr erfolgreich vor Laserschüssen bewahrt hat. Der Hund umgeht den Psioniker und wird von Rabenklaue aufgespießt. Die unheilige Kreatur ist zäh und ich gebe ihm freudig Nachschlag mit meinem Energieschwert. In einer Nebelwolke löst sich das Ding auf. Ich liebe mein Energieschwert und beherzige die Lektion, die mir der Gottimperator in seiner unendlichen Weisheit auferlegt hat. Achte deine Ausrüstung, dann achtet die auch auf dich.

"Ist das alles? Nebelhunde? Komm her und empfang deine gerechte Strafe!", brülle ich zu dem Götzenpriester, während ich innerlich aufatme. Seine Antwort geht in den Schlachtgesängen und Jubel meiner Leute vollständig unter, aber ich denke, sie wäre eh nicht druckreif gewesen. Kriegshörner erschallen, Trommeln werden geschlagen und der Feind setzt sich nun auf breiter Front in Bewegung. Dunkelheit wallt wieder auf und ich gebe meine Befehle. Die Maschinengewehre beginnen zu feuern, jede zehn Sekunden stoppen sie und die Besatzung zielt fünfzig Meter tiefer. Ich habe keine Ahnung, wie viele Ketzer im Abwehrfeuer vergehen. Auch die Lasergewehre beginnen zu feuern, als der Feind die Vierhundert Meter unterschreitet. Munition haben wir wahrlich genug und selbst in die Dunkelheit hinein zu feuern muss verheerende Auswirkungen haben. Sollen sie nur kommen, hier erwartet der Erzfeind nur der gerechte Tod. Ausgelöscht zu werden, dass ist das Schicksal all jener, die das Mal der Verdammnis tragen!
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 28. Juni 2013, 12:43:16
Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Omega Sektor
Waffenfabrik
Zeit: 2 339 784.M41

Ich beginne laut zu beten und alle umstehenden fallen mit ein. Bald halt das Gebet von den Wänden diesen verderbten Orts.
"Der Imperator ist unser führendes Licht.
Ein Leuchtfeuer der Hoffnung für die Menschheit in einer Galaxie der Dunkelheit.
So wie wir ihm dienen, so dient er uns.
Und beten wir zu ihm, sind seine Gedanken bei uns.
Und in der Dunkelheit, wenn Schatten drohen
Da ist der Imperator mit uns, im Geiste und in Wahrheit"

Die Welle der Dunkelheit nähert sich und ich lasse die wenigen verbliebenen Melterbomben und Laserminen zünden. Jede reißt Dutzende mit in den Tod. Promethiumfässer explodieren und sorgen für lebendige Fackeln. Dann lasse ich Granaten hageln. Die schrecklichen Schreie der sterbenden Ketzer sind liebliche Musik in meinen gepeinigten Ohren. So langsam macht sich darin ein stetiges Pfeifen breit, was ich nicht als gesundes Signal werte.

Der Imperator wird heute noch viele Ketzer richten und sie verdient in die tiefsten Tiefen der Hölle schicken. Dort wird ihnen nicht nur das Fleisch mit heißen Schrapnellen von den Knochen geschnitten werden wie hier. Aber wer sich vom Licht unseres lebendigen und einziges Gottes abwendet, verdient nun mal nichts Geringeres als die grausamsten Strafen, die es gibt. Aber der Feind hat eine eiserne Moral und die Dunkelheit überrollt uns. Ich eile nach unten und werfe die ersten Ketzer zurück, welche es tatsächlich bis in unsere Linien geschafft haben. Mit Rabenklaue in der Hand und dem Glauben an den Gottimperator im Herzen fühle ich mich wohl geborgen. Wie hatte ich nur je an seiner unendlichen Weisheit und Güte zweifeln können? Ich tue hier sein Werk und das ist gut so! Ketzer auf Ketzer stellt sich mir in den Weg, nur um von mir gerichtet zu werden. Ausgelöscht zu werden, das ist das Schicksal des Ketzers!

So geht es viele Minuten und ich bin da, wo der Kampf am dichtesten ist. Denn da ist der Platz eines großen Anführers, mitten in der Schlacht. Im Schmelztiegel der Gewalt. Momentan bin ich jenseits der Angst, denn es gibt hier nichts, was mich schrecken müsste. Wenn ich sterbe, so erleide ich das Schicksal des Märtyrers und werde von Imperator meinen gerechten Lohn empfangen. Wenn ich lebe, so verrichte ich sein heiliges Werk. Ich verbrauche zwei komplette Magazine für meine uralte Laserpistole und jedes ist gut für siebzig Schuss. Ich habe keine Ahnung, wie viele Ketzer ich mit Rabenklaue niederstrecke, aber ich bin wieder über und über mit frischem Blut der Unreinen besudelt. Schließlich schwindet auch diese Dunkelheit und das Schlachtfeld ist unser. Allerdings war der Preis sehr hoch.

Ich habe keine tausend einsatzfähige Mann mehr, also eine Verlustquote von über achtzig Prozent. Die meisten Überlebenden sind verwundet. Viele liegen noch im Sterben und ihre Schreie sind herzerweichend. Sanitäter habe ich keine, Verbandswerkzeug auch kaum. Lady Helmchen hat es schwer erwischt. Die Arme hat mehrere Lasergewehrtreffer in den Unterleib abbekommen. Noch ist die Navigatorin am Leben, aber sie ist schwer verwundet und wird erst mal nicht mehr weiter kämpfen können. Thronverdammt! Aber zum Glück lebt sie noch.

Nur noch sechs der schweren Maschinengewehre sind einsatzbereit, dafür gelingt es Fidilius nun endlich, die beiden Lasergeschütze zu mobilisieren und wieder mit Energie zu versorgen. Damit haben wir etwas in der Hand, um diese Ketzer aus ihrem Tempel zu holen, in dem sie sich gerade verschanzen. Von außen her macht das Gebäude wenig her. Die Fassade ist zum größten Teil unverziert, wahrscheinlich als letztes Stück der Tarnung. Es gibt nur wenige Fensteröffnungen. Eine große freie Treppe führt zu einem gewaltigen Eingangsportal aus Bronze. Es gibt zwei Nebeneingänge, die deutlich kleiner sind. Es könnte durchaus auch eine profane Manufaktur oder ähnliches säkulares Gebäude sein.

Die nächste Stunde bin ich damit beschäftigt, neue Kampfgruppen zusammenzustellen und ein paar Männer in die anderen Sektoren zu schicken, um eventuell neue Rekruten zu gewinnen. Zögerlich kommen ein paar Arbeitssklaven, welche die Leichen plündern. Ich versuche sie zum Bleiben zu bewegen und zum Kämpfen, aber diese hier haben keinen Mut. Die sind schon tot, ihre Seelen verdammt und ohne Willen, was daran zu ändern. Nun, momentan kann ich auch nichts daran ändern. Wir haben jetzt viel mehr Waffen als Männer. Jetzt sind die Überlebenden besser ausgerüstet als so mancher imperialer Soldat, da die letzte Welle eine recht gute Ausrüstung auch in Form von Armaplastrüstungen dabei hatte. Meine Streitmacht mag klein geworden sein, aber die Überlebenden sind nun sehr gut ausgerüstet und sind nun schlachtgestählt. Und die, die jetzt noch übrig sind, das sind die zähesten. Oder jene, die es verstanden haben, den Hintern immer schön aus der Schusslinie zu halten.

Bruder Obskurus tritt zu mir und verlangt, die erbeuteten Lebensmittel zu rationieren. Ich schau ihn an, als ob er den Verstand verloren hätte. Dieser Mann strapaziert meine Nerven bis zum Äußersten. Mit wenigen Worten mache ich ihm klar, dass eine Rationierung absoluter Quatsch ist. Entweder der Tempel ist in spätesten Achtundvierzig Stunden gefallen oder wir sind tot. Da gibt es nichts rationieren! Lebensmittel sind momentan die Geringsten meiner Sorgen.
"Ihr seid der Lord-Kapitän!" meint er eingeschnappt.
"Das bin ich wohl!", erwidere ich und mache mir ernsthaft Gedanken darüber, wie ich in Zukunft mit ihm verfahren soll. Ein Astropath ist eine wertvolle Ressource. Aber nur solange er seinen Platz kennt. Und den kennt dieser Sklave nicht, denn genau genommen ist er nichts anderes.

Gespielt am 29.12.2012
Spielleiter: Stefan
SC:
Flavion Conari Freihändler Rang 3
Althea Puppila Meisterin der Leere Rang 3
Bruder Obskurus Erleuchteter Astropath Rang 3
Yuri Navigatorin Rang 2
EP: 600
Besiegte Gegner:
Viele tausend Kultisten
Beute:
Viele Handgranaten
Viele Waffen
2 Laserkanonen

Gedanke des Tages
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Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 01. Juli 2013, 16:31:24
Persona Dramatis
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Kapitel 21
Endspiel um Maleziel!
Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Omega Sektor
Waffenfabrik
Zeit: 2 340 784.M41

Mehrere Stunden sind mit hektischer Aktivität vergangen. Ich bin fix und fertig, trotzdem gönne ich mir keine Sekunde Ruhe und der Imperator weiß, ich bin fast am Ende meiner Kräfte. Ich habe meine Truppen neu organisiert und meine Reserven hierher beordert. Das sind etwa fünfhundert weitere Kämpfer, die nun alle mit Schusswaffen und richtiger Kampfausrüstung ausstaffiert sind. Dazu zwei weitere Maschinengewehre. Ich konnte die weitere Erodierung meiner Truppen damit verhindern, dass ich jedem eine gute Stelle auf der Audacia versprochen habe. Ich versuche mit nicht abwaschbarer Farbe nun die Veteranen der ersten Stunde zu kennzeichnen, um sie später gerecht belohnen zu können. Durch eine Tour durch die umliegenden Gefangenenquartiere konnte ich weitere fünfhundert Mann rekrutieren. Meine Reden kamen hier nicht so gut an, viele scheinen hier ehemalige Separatisten und Renegaten zu sein. Zwar nicht unbedingt Chaosanhänger, aber doch eher Imperiumsfeindlich gesinnt. Teilweise wurde ich sogar mit Unrat beworfen. Am liebsten hätte ich die Werfer gestellt und mit Rabenklaue niedergestreckt, aber manchmal muss man eben mit dem auskommen, was man gerade zur Verfügung hat.

Besser wird es nicht mehr, also befehle ich den Laserkanonen zu feuern. Anfangs liegen die Salven zu niedrig, aber schließlich werden nach und nach die den Tempeltoren vorgelagerten Barrikaden gesäubert. Dann richte ich die Waffen auf die Tore selbst und lasse sie zerschmelzen. Leider entschließt sich der Feind zu keiner Gegenattacke. Das hätte die Sache deutlich vereinfacht. Nun gut, dann rücken wir eben vor. Wir nähern uns auf vierhundert Meter den Toren und ich lasse hier eine improvisierte Stellung errichten. Wir sind hier gerade noch in der Reichweite von Lasergewehren. Neue Promethimfässer werden in Stellung gebracht, Barrikaden aufgebaut und das Ganze halbwegs befestigt. Währenddessen rennen auf einmal etwa dreißig Bewaffnete aus dem Tempel und laufen dann zu den Baracken der Gefangenen im weiter hinter liegenden Bereich. Meisterin Puppila und Hermandez, ein Wächter der sich in der letzten Schlacht als Truppenführer hervorgetan hat, vermuten Böses, also schicke sich sie beide mit je fünfundzwanzig Mann los, dieser kleinen Gruppe Einhalt zu gebieten.

Die Kultisten entpuppen sich schließlich als ehemalige Sklaven des Tempels, die nach etwas Hin und Her überlaufen wollen. Sie geben mir ein paar neue Informationen. Ich denke mal, sie meinen es ehrlich mit mir und ich glaube ihren Worten. So wie es aussieht, ist der Tempel schwer geschädigt. Die Moral ist am Boden und die restlichen noch lebenden Anhänger werden nun zu Ritualzwecken umgebracht. Die kleine Gruppe wollte nicht auf dem Opferaltar enden und hat sich deswegen nach draußen gekämpft. Für was die Rituale gut sein sollen, wissen sie nicht. Dazu fehlt ihnen das notwendige esoterische Wissen. Aber ich denke mal, wenn ich behaupte, die Rituale dienen für nichts Gutes, liege ich damit verdammt richtig.

Es wird Zeit, die Sache endgültig zu beenden. Da ich nicht durch die Hauptportale stürmen will, lasse ich an der Seite eine der Minen legen. Da wir keine wirkliche Ahnung haben, wo die Strukturen schwach sind, wende ich mich einfach vom Tempel ab. Nachdem ich ein kurzes Gebet zum Imperator gesprochen habe, wo ich um seine weise Führung gebetet habe, werfe ich den Stein über die Schulter. Dort wo er aufkommt, lasse ich die Mine legen. Der Sprengsatz detoniert und schmilzt ein Loch in die Wand. Leider ist dahinter massiver Fels. Thronverdammt!

Unangenehmer Weise haben wir keine weiteren Minen mehr, da dies die Letzte war. Aber wir sind hier in einer Mine, also dürfte es kein Problem sein, ein entsprechendes Bohrgerät aufzutreiben. Ich steige auf den LKW mit der Lautsprecheranlage und verspreche demjenigen, der mir einen Bohrer beschafft, eine Passage auf der Audacia und tausend Throne. Sofort kommt eine Gruppe herbei geeilt, die weiß, wo solche Geräte zu finden sind und sie sind auch in der Lage, so ein riesiges Werkzeug zu bedienen. Nach einer halben Stunde ist ein riesiger Bohrer heran gerollt und beginnt sich tiefer in das Gestein zu bohren. Nach einer weiteren halben Stunde haben sie einen Durchbruch erzielt. Ich ordne meine Truppen für einen Sturmangriff, während der Bohrer zurücksetzt. Wieder mal haben wir eine Flaschenhalssituation, aber das ist nicht zu ändern. Ich hoffe einfach mal, dass dieser Bereich nicht so stark verteidigt wie die Eingangstore sind. Der wackeren Mannschaft des Bohrers überreiche ich einen Schuldschein und lasse mir auch ihre Namen geben. Das Geld und die Passage haben sie sich redlich verdient.

Nachdem ich eine Schützenreihe gebildet habe, lasse ich in die Staubwolke jeweils von jedem ein volles Magazin hinein in den neu geschaffenen Gang schießen. Nach dem Feuersturm lasse ich nachladen und vorrücken. Ich bin in der ersten Reihe, als ich in die Dunkelheit marschiere. Ich habe ein Gebet auf den Lippen. Natürlich habe ich etwas Angst, gleich im Abwehrfeuer zu fallen, aber ich weiß, dass der Imperator mich beschützt. Sein Blick ruht auf mir und ich weiß, dass ich in seinem ureigensten Sinne handle. Dieser Tempel muss ausgelöscht werden und dies ist meine Aufgabe. Wahrscheinlich wurde ich nur dafür geboren, hier und heute das Böse auf dieser Welt für alle Zeit auszurotten. Der Imperator schreitet an meiner Seite. Mit fester Hand halte ich meine Waffen.

"Vorwärts! Für den Imperator! Der Imperator ist mit uns! Sein Blick ruht auf uns und wir verkünden seine Botschaft! Den Ketzer musst du töten, denn das ist sein Schicksal!"
Titel: Die Fahrten der Audacia
Beitrag von: Nakago am 03. Juli 2013, 14:58:10
Position:
System Maleziel
Maleziel
Gefängniskomplex
Omega Sektor
Chaostempel
Zeit: 2 340 784.M41

Ich stürme mit Rabenklaue in der einen und einer wurfbereiten Granate in der anderen in einen Aufenthaltsraum. Dieser Raum ist äußerst profan, Tische und Bänke aus Plast stehen aufgereiht herum und keine Menschenseele lässt sich blicken. Auch keine Leichen von Verteidigern sind zu sehen. Die gegenüberliegende Wand ist mit hunderten von glimmenden Einschusslöchern unserer Lasersalven übersät. Das war wohl überflüssig gewesen, aber konnte ja niemand wissen. Drei Türen führen weiter, ich wähle die Gegenüberliegende. Hier geht es nun tiefer in den Tempel. Niemand stellt sich uns in den Weg, kein Hinterhalt oder Sprengfallen harren unserer. Das ist beinahe schon zu einfach. In mir verstärkt sich das unangenehme Gefühl, dass die sich hier nicht mehr auf weltliche Mittel verlassen wollen und zum großen Gegenschlag mit verdorbenen Kreaturen jenseits des Schleiers ausholen. In vielen Geschichten über böse Hexer und Verderbnis bringende Hexerei ist die Opferung von Menschen auf blutbesudelten unreinen Altären falscher Götzen ein Kernelement. Und wahrscheinlich tun die genau das jetzt irgendwo über uns, um sich das Wohlwollen ihrer unheiligen Verbündeten zu sichern. Thronverdammt!

Zum Glück finden wir einen uns vertrauten Treppenaufgang, der zum Tempel führt. Jedenfalls zu den Bereichen, wo wir den Reißer aufgegriffen hatten und wir Novati aus dem Opferungsraum befreit haben. Also nichts wie hoch. Leise bete ich weiter um den Schutz des Imperators, den ich hier so nötig habe wie noch nie. Je näher wir den eigentlichen Tempelhallen kommen, desto drückender wird die Atmosphäre. Hier ist etwas so Unheiliges im Gange, dass es jeder von uns deutlich spüren kann. Ich bekomme eine Gänsehaut und beginne gleichzeitig zu schwitzen. Mein Herz rast und meine Kehle ist staubtrocken. Meine Härchen stellen sich auf, als würde eine elektrische Spannung in der Luft liegen. Dies ist die natürliche Urfurcht vor Dingen, die mit rationalen Mitteln nicht mehr erklärbar sind. Aber die