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Autor Thema: Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges  (Gelesen 25965 mal)

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Berandor

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« am: 14. März 2006, 13:28:13 »
So. Hier geht's dann bald weiter.

Doch zuerst das Organisatorische. Ich werde in den Titel dieses Threads jeweils das Datum des letzten Beitrags, aber nicht mehr den Namen schreiben. Dadurch bleibt der Titel gleich und hoffentlich leicht erkennbar.

Kommentare
Ich schreibe diese SH nicht für mich, sondern für meine Spieler und vor allem euch, die Leser. Kommentare sind nicht nur toleriert, sondern ausdrücklich erwünscht. Dabei freue ich bzw. freut sich die Gruppe natürlich über Lob, aber noch besser sind Diskussionsbeiträge oder zumindest Fragen. Ich weiß, dass mit Abstrichen die gesmte Gruppe hier liest – also können auch Fragen über die SC vom jeweiligen Spieler beantwortet werden.

Wie ihr vielleicht wisst, gibt es noch einen weiteren Anreiz für euch, zu kommentieren. Ich vergebe nämlich Gastrollen in der SH für besonders auffällige Poster – auch wenn alle bisherigen Gewinner anschließend verstummten. Das hat wahrscheinlich etwas damit zu tun, dass ich mit der Gastrolle auch eure Seele an mich binde, aber lasst Euch deshalb nicht abschrecken. Bisherige Gewinner waren Hedian, Pestbeule, Levold, Lupus Major. Mit der Gastrolle verbunden ist ein vollständiger Statblock des NSC.

Links

PDF-Dateien (inkl. Extras wie z.B. Handouts)
Stadt in Ketten I: Basar des Lebens
Stadt in Ketten II: Flutzeit
Stadt in Ketten III: Zenith der Nacht
Stadt in Ketten IV: Willkommen im Dämonenschlund
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Die Gesichter Cauldrons (NSC-Beschreibungen plus Bilder)

Flash-Filme
Der erste Teaser - Stadt in Ketten
Der erste Trailer - Basar des Lebens / Flutzeit
Der zweite Trailer - Die Suche nach dem Feuerauge
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Berandor

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #1 am: 14. März 2006, 13:33:59 »
Stadt in Ketten - was bisher geschah

Die Kampagne “Stadt in Ketten” bespielt die “Shackled City”-Abenteuerreihe aus dem Magazin “Dungeon”. Darin geht es um die düsteren Pläne der Käfigschmiede und des Betrachterfürsten Vlaathu, durch die eine Grenzstadt Tethyrs in Gefahr gerät. Cauldron, so der Name der Stadt, ist in den Kessel eines erloschenen Vulkans erbaut worden.

In Cauldron sind vor sechzehn Jahren die “Schätze Tethyrs” verschwunden, eine berühmte Abenteuergruppe. Die Nachkommen der Schätze begaben sich auf die Suche ihrer Eltern - gerade rechtzeitig, um den Käfigschmieden ein Dorn im Auge zu werden.

Die Kettenbrecher
Im Augenblick bilden die folgenden fünf Abenteurer die Heldengruppe, welche Cauldron retten kann und muss:

  • Boras Breda: Ein menschlicher Barbar, der mit einer Zweihandaxt kämpft. Boras glaubt an Uthgar, den Barbarengott, und sein Totem ist der Wolf.
  • Dirim Gratur, Richtschwert von Tyr: Wie der Name schon andeutet, ist der Zwerg Dirim ein Kleriker des Gottes Tyr, der für Gesetze und Gerechtigkeit steht.
  • Helion Dambrodal / Pecarri: Helion war ein menschlicher Magier, der sich für den Nachkommen gleich zweier Schätze hält. Kürzlich wurde Helion im Körper eines Kobolds reinkarniert.
  • Thamior: Der elfische Bogenschütze ist ein wortkarger Geselle. Thamior ist der Vater von Annastrianna, Helions verstorbener Halbschwester.
  • Thargad: Ein menschlicher Schurke und Assassine, seit er eigenhändig seine Geliebte - eine Verräterin - tötete. Er kämpft mit Zwillingsschwertern im Dienste des Wächtergottes Helms.
Basar des Lebens
Die Helden kommen in Cauldron an und werden gleich in die Ereignisse um die Käfigschmiede verstrickt. Als die Helden, damals noch mit der Halbelfe Annastrianna, dem Verschwinden mehrerer Waisenkinder nachgehen, stoßen sie auf den Sklavenhändler Kazmojen, der in der alten Zwergenfestung unter der Stadt, der Malachitfeste, seinen Unterschlupf hat.

Kazmojen arbeitet für oder unter dem Schutz des Betrachters Vlaathu, der jedoch nicht zufrieden mit dem Sklavenhändler scheint. Im Beisein der Helden streitet der Betrachter mit Kazmojen und nimmt einen der Waisenjungen mit. Dann überlässt er Kazmojen den Helden.

Während des Kampfes gegen Kazmojen stirbt Annastrianna. Die Halbelfe kann nicht wiederbelebt werden, da sie an keinen Schutzgott glaubte. Die Helden sind letztendlich aber erfolgreich und bringen die erschöpften Sklaven zurück an die Oberfläche. Unter dem Jubel der Bevölkerung geben sie sich einen Namen: Die Kettenbrecher.

Flutzeit
Auf einem offiziellen Empfang des Stadtherren erhält die Helmpriesterin Jenya Urikas, eine Verbündete der Kettenbrecher, eine Vision von ihrem Vorgesetzten, der sich in Gefahr befindet. Die Kettenbrecher reiten sofort los, können aber nur noch die Leiche des Hohepriesters nach Cauldron zurück bringen.

Während sintflutartiger Regen den Kratersee in der Mitte der Stadt zum Überlaufen bringt, droht die Ebenholztriade mit einer Verschlimmerung der Situation. Die drei Anhänger der Götter Malar, Shar und Tyrannos haben die magischen Stäbe der Wasserkontrolle, die der Hohepriester besorgen wollte, an sich genommen. Die Kettenbrecher dringen in den geheimen Unterschlupf der Triade ein und bringen sie zur Strecke. Dabei erhalten sie Hilfe von der Assassinin Jil und dem Paladin Alek Tercival.

Nachdem die Kettenbrecher wieder einmal die Stadt gerettet haben, werden sie vom Stadtherren zu Bürgern der Stadt ernannt - und dürfen gleich Steuern zahlen. Auf dem Flutfest erleben sie allerlei Unterhaltung. Dabei kommt Thargad der jungen Arlynn näher. Die Rivalen der Kettenbrecher, die adeligen Sturmklingen, werden beinahe Opfer eines Anschlags, und auch auf die Kettenbrecher wird ein Assassine angelegt, der aber erfolglos bleibt.

Zenith der Nacht
Thargad erfährt, dass seine Freundin Arlynn in Wahrheit die Assassinin Jil ist. Er lässt sich von Rachedurst leiten und bringt sie um. Dirim findet den jungen Pellir, der im Rahmen der “Flutzeit” verschwand, bei dem Wirt Minimax in einer Nachbarstadt wieder. Thamior erhält eine Vision seines Gottes Solonor Thelandira, die ihm die Möglichkeit gibt, seine Tochter vor der ewigen Bestrafung als Ungläubige zu retten: er soll einen “Seelenbogen” bauen.

In Cauldron kommt es zum Chaos, als aus einem Warenhaus des Händlers Maavu einige Furchtelementare ausbrechen. Die Kettenbrecher und die Sturmklingen sind genauso zur Stelle wie die neu formierte Magische Gefahrenabwehr. Die MGA wurde wegen der wachsenden Gefahr gegründet - aus dem selben Grund wird ein Trupp halborkischer Söldner für die Stadtwache engagiert.

Die Kettenbrecher werden von dem Zwerg Devkin Splitterschild beauftragt, seinen Sohn Zenith zu retten, der im Unterreich gefangen gehalten wird. Die Rettungsaktion fordert Opfer, aber sie entdecken auch ein Zeichen auf der Stirn des Zwerges. Devkin entpuppt sich als der Betrachter Vlaathu, der den Kettenbrechern für ihre Einmischungen diesen Dienst abverlangte. Vlaathu behauptet, die Schätze Tethyrs getötet zu haben, und warnt die Kettenbrecher davor, in der Stadt zu bleiben. Celeste, die schöne Besitzerin des Höchsten Sonnenstrahls, wo Devkin die Kettenbrecher empfängt, scheint davon gewusst zu haben.

Willkommen im Dämonenschlund
Nachdem ihr letztes Abenteuer Opfer gefordert hat, wird Helion als Kobold wiedergeboren. Er nennt sich fortan Pecarri. In seiner neuen Gestalt festigt er nicht nur seine Bekanntschaft mit der Azuth-Hohepriesterin Embril Aloustinai, sondern entdeckt auch ein kleines Kontingent an Kobolden und Goblins, die sich in Cauldron verborgen halten. Währenddessen bricht Thargad mit der Organisation seines Mentors und schwört Helm die Treue, und Dirim hält die ersten Gerichtsverfahren in seinem Tempel ab, wobei er sich schnell einen Ruf als wenig adelsfreundlich erwirbt.

In Cauldron werden aufgrund der jüngsten Gefahren neue Söldner eingestellt – Halborks –, deren Sold durch enorme Steuererhöhungen bezahlt werden soll. Als sich die Bürger Cauldrons auf dem Vorplatz des Stadthauses versammeln und auch noch der Händler Maavu eine Brandrede gegen die Führung der Stadt richtet, kommt es zu blutigen Ausschreitungen; nur das beherzte Eingreifen der Kettenbrecher verhindert vielfach Schlimmeres. Maavu flieht, nicht ohne die Kettenbrecher um ein Treffen zu bitten.

In diesem Treffen beauftragt Maavu die Kettenbrecher mit der Suche nach dem verschwunden Paladin Alek Tercival, eine Suche, welche die Kettenbrecher bereits selbständig begonnen haben. Eine krude Karte auf der Rückseite einer Tafel führt sie in den Dschungel südlich von Cauldron, und zum Dämonenschlund. Zunächst und nach einer wilden Flussfahrt aber kehren die Abenteurer in einer verlassen Handelsstation ein, wo sie nicht nur einen Hinweis auf den Verbleib ihrer Eltern erhalten, sondern auch auf das, was in Cauldron damals vor sich ging. Ein Wort war besonders versteckt: Malaugrym.

Im, oder genauer gesagt: am Rande des Dämonenschlundes besiegen die Kettenbrecher einen Hexenzirkel mitsamt ihrer riesischen Mischpoke. Sie erfahren, dass Alek durch einen magischen Spiegel geschickt wurde, und folgen dem Paladin. Von wochenlanger Marter schwer gezeichnet, kommt Alek erst wieder völlig zu Kräften, als der Glabrezu Nabtharaton auftaucht. Der Dämon macht kurzen Prozess mit dem Paladin und kann erst nach hartem Kampf in die Flucht geschlagen werden. Dann bäumt sich Alek noch einmal auf und hinterlässt eine Prophezeihung, mit der er die Kettenbrecher sodann inmitten einer fremden Wüste zurücklässt.
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Dirim

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #2 am: 14. März 2006, 13:37:47 »
So eine kurze Zusammenfassung für so viele Abende bisher.
Und es macht den Anschein, dass wir bisher nur einen Bruchteil der gesamten Geschichte kennen.
Ich freue mich auf den Rest.

Berandor

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #3 am: 14. März 2006, 13:57:50 »
Die Zusammenfassung ist ja nur für "Neulinge", die nicht erst 200.000 Worte lesen wollen, bevor sie auf dem aktuellen Stand sind. Daher so kurz als möglich.
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Dirim

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #4 am: 14. März 2006, 14:02:29 »
Kein Mitleid mit Neuankömmlingen.
Es lohnt sich die 200.000 Worte zu lesen. Und ein paar mehr dürfen es auch noch werden.

Kylearan

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #5 am: 14. März 2006, 17:38:27 »
Zitat von: "Dirim"
Kein Mitleid mit Neuankömmlingen.
Es lohnt sich die 200.000 Worte zu lesen. Und ein paar mehr dürfen es auch noch werden.

Dirim rules! ;-)

Ich finde die Zusammenfassung klasse, die hilft mir auch, mich wieder zurecht zu finden. Mehr Angst habe ich vor den nächsten Szenen ohne Kettenbrecher - da kommen immer schlimme Andeutungen durch.

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Serath

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #6 am: 14. März 2006, 18:14:10 »
Jap, die Zusammenfassung hilft einem echt den Überblick zu behalten. Aber trotzdem würde ich jedem raten die Zeit zu investieren und die ganze SH zu lesen. Denn gerade wenn man sie am Stück liest (hab ich bei den ersten drei Teilen gemacht), kommt so richtig schön Atmosphäre auf und man fiebert richtig mit den Kettenbrechern mit.

Gilvart

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #7 am: 15. März 2006, 23:50:56 »
hey ihr kettenbrecher, warum kümmert ihr euch so wenig um das schicksal des jungen pellirs? ist doch offensichtlich dass man über ihn mehr herausbekommen kann über die aktivitäten der käfigschmiede! aber irgendwie seid ihr da nicht so hinterher oder?

Dirim

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #8 am: 16. März 2006, 08:53:11 »
Zitat von: "Gilvart"
hey ihr kettenbrecher, warum kümmert ihr euch so wenig um das schicksal des jungen pellirs? ist doch offensichtlich dass man über ihn mehr herausbekommen kann über die aktivitäten der käfigschmiede! aber irgendwie seid ihr da nicht so hinterher oder?


Sind wir. Genauer gesagt, Dirim ist. Dirim fühlt sich verantwortlich für ihn und wird sich weiterhin um ihn kümmern. Problem ist nur, dass wir noch nicht da sind und noch nicht hin können.
Gruß
Michael (Dirim)

Kylearan

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #9 am: 16. März 2006, 09:17:30 »
Zitat von: "Gilvart"
hey ihr kettenbrecher, warum kümmert ihr euch so wenig um das schicksal des jungen pellirs? ist doch offensichtlich dass man über ihn mehr herausbekommen kann über die aktivitäten der käfigschmiede! aber irgendwie seid ihr da nicht so hinterher oder?

Wie sollen wir das tun? Mit Magie? Mit Zwang? Pellir ist ein netter Junge, den man nicht mit einem Dolch zum Reden zwingen kann. Das macht man nicht mit Freunden. Und er macht mir zwar den Eindruck, dass er wissen könnte, wo Maavu ist, mehr aber auch nicht. Kontakte zu den Käfigschmieden sehe ich da nicht.

Außerdem wissen wir ja gerade nicht einmal, wo wir uns befinden, geschweige denn, das wir wissen, wo Pellir ist.

Kylearan
"When the going gets tough, the bard goes drinking."

Berandor

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #10 am: 16. März 2006, 12:39:22 »
Keine Angst... Terseon Skellerang kommt bald zu Pellir (und bringt ein paar Freunde mit) :)

Ansonsten ist es jetzt grob eine Woche vor dem nächsten Spieltermin, aber ich bin offline bis Montag, deshalb gebe ich euch den

Prolog: Der erste Traum
Als Cyrus, Galad und Juka die Kathedrale erreichten, war die Belagerung bereits in vollem Gange. Niemand wusste, wie die Dämonen einen Weg nach Celestia gefunden hatten, aber sie waren in Massen gekommen. Die sanft ansteigenden Hügel waren übersät mit ihnen, wie Insekten kletterten sie übereinander in ihrer Gier, an der Schlacht teilzuhaben. Das einstmals lindgrüne Gras war schwarz von getrocknetem Blut und Eiter, die reine, erdig-blumig duftende Luft verpestet von ihrem Gestank, die leisen Sphärenklänge verdrängt von abartigem Gekreisch.

Die Dämonen waren in Massen gekommen und hatten die Bewohner Celestias überrumpelt. Nur wenige der Himmlischen hatten es geschafft, sich in die Kathedrale der Federn zurückzuziehen. Alle anderen wurden niedergemetzelt. Die Ebene selbst wurde entweiht. Der Schaden war so schlimm, dass die drei Solare es gespürt hatten. Sie waren sofort aufgebrochen, und doch kamen sie beinahe zu spät.

Die Türen der Kathedrale erzitterten unter den Schlägen eines Balors. Trotz aller Schutzmagie würde das Tor nicht mehr lange standhalten. Die Dämonen durften die Kathedrale nicht einnehmen. Dort könnten sie einen Brückenkopf errichten und Verstärkungen herbei holen.

Cyrus nickte seinen Geschwistern zu. Er würde sich um den Balor kümmern, während sie die Fußtruppen beschäftigten. Noch im Flug auf den Oberdämonen ließ er eine Klingenbarriere vor der Kathedrale entstehen. Er konzentrierte sich und schickte gerechten Zorn gegen den Dämonen, um ihn auf der Stelle zu zerreißen. Der Balor warf knurrend seinen Kopf herum und suchte den Himmel nach seinem Feind ab. Er sah Cyrus, und mit einem Lächeln breitete er die flammenden Schwingen aus und stieß sich vom Boden ab. In diesem Moment entfaltete Cyrus’ Zauber seine Wirkung. Gleißende Flammen fraßen sich von innen durch den Dämonen, und binnen Sekunden war nichts mehr von ihm übrig außer einem Rauchfähnchen.

Cyrus landete vor den Toren der Kathedrale. Er zog sein Schwert und hielt es in den Himmel Celestias. Ein Sonnenstrahl tanzte auf der Klinge. Die Dämonen wichen geblendet zurück.

»Ich habe euren Anführer besiegt«, rief Cyrus mit glockenheller Stimme. »Flieht, solange ihr noch könnt, Geschmeiß, und wagt es nie wieder, auch nur euren Blick gen Celestia zu erheben.«

»Anführer? Der?«

Aus der Masse von Dämonen drängte sich eine Gestalt, die kleiner war als die meisten von ihnen, kleiner auch als Cyrus. Sie ging ihm bis zur Hüfte, und doch drehte ihr Anblick ihm das Herz im Leibe herum.

»Bruder?«, fragte er mit ungläubigem Blick, doch zugleich verstand er, wie das Heer nach Celestia gelangen konnte. Vor ihm stand ein Engel, ein Himmelswesen, Sendbote der Götter des Lichts. Zumindest war er das einst gewesen. Silberne Schwingen glänzten im Licht der Ebene. Er hatte einen makellosen Körper mit purpurner Haut, auf der goldene Runen tanzten, verborgen unter einer Rüstung aus flüssigem Gold. Eine schimmernde Peitsche schlang sich um den linken Arm des Engels, an seinem rechten prangte ein grotesker Handschuh mit verlängerten Klauen, ein handwerkliches Prachtstück aus einer himmlischen Schmiede, getränkt vom Blut ebensolcher Lebewesen. Sein rechtes Auge loderte und rauchte in rotem Feuer, sein linkes war pechschwarz.

Noch bevor Cyrus sich von seinem Schock erholen konnte, versetzte ihm der Engel eine Ohrfeige ins Gesicht. Cyrus schmeckte sein Blut, aber er spürte keinen Schmerz. Zu gering war die Wucht des Hiebes, zu groß seine Wut auf den Verräter vor ihm. Sein Blut kochte, brodelte, glühte, platzte aus seinen Adern. Erschrocken sah Cyrus zu, wie er am ganzen Körper zu bluten begann, wie alle Säfte aus ihm heraus flossen, und mit ihnen das Leben.

»Warum?«, fragte er noch, bevor er leblos vornüber fiel.

»Warum nicht?«, fragte der Engel seinen toten Vetter kühl. Er rief einen weiteren Balor herbei. »Und jetzt mach gefälligst die Tür auf!«

-

Juka sah nicht, wie ihr Bruder fiel, doch sie spürte es. Eine Träne der Verzweiflung rann ihre Wange herab. Mit einem Schlag köpfte sie eine Marilith und merkte, wie die Dämonen um sie herum zögerten. Sie breitete die Arme aus und schrie ihren Verlust in den Himmel, und die Götter antworteten. Der Boden erzitterte unter ihren Füßen, und unter denen ihrer Gegner taten sich Erdspalten auf und verschlangen Dutzende, ohne dass ihr Tod Jukas Schmerz linderte.

Als das Beben nachließ, sah sich Juka einem unbekannten Dämonen gegenüber. Er hatte aschfarbene Haut und trug nur ein Tuch aus schwarzem Stoff um die Hüften. Aus seinem Rücken wuchsen Schattententakel, deren Enden hungrig in Jukas Richtung schnappten. In seinen Händen ruhte ein großes Schwert, dessen glut- und aschfarbene Klinge rote Streifen und Ruß in der Luft hinterließen. Sein linkes Auge war weiß wie frisch gefallener Schnee, sein rechtes brannte rot und rauchte.

Der Dämon ging zum Angriff über. Sein Schwert ritzte Juka über den Bauch. Die kleine Wunde entflammte in plötzlichem Schmerz, als wäre Lava hinein gekippt worden. Juka fiel auf ein Knie, als der Schmerz sie beinahe übermannte. Der Dämon stand über ihr.

»Zu spät für Treueschwüre.«

-

Panik überkam Galad, als er binnen weniger Augenblicke den Tod beider seiner Geschwister vernahm. So unglaublich es schien, aber zwei der stärksten Diener des Lichts waren schneller erloschen als eine Kerze im Wind. Galad befreite sich von seinen Gegnern und stieg in den Himmel über der Kathedrale empor, gefolgt von hämischem Gelächter.

Es hatte keinen Sinn. Er allein konnte das Heer nicht lange genug aufhalten, bis ein organisierter Gegenschlag erfolgte. Die Kathedrale würde fallen – und dann Celestia? Er durfte das nicht zulassen. Es blieb ihm nur eine Wahl.

Höher und immer höher stieg er, weit in den Himmel hinauf, bis er das Schlachtfeld komplett überblicken konnte. Dort verharrte er für einige Augenblicke in stillem Gebet für jene, die gefallen waren, und jene, die noch fallen würden. Dann hielt er sein Schwert in ritueller Pose.

»Götter der Lichts!«, rief er. »Bei der Macht, die ihr mir verliehen habt, und bei dem Schwur, den ich euch geleistet, rufe ich euch an. Celestia ist entweiht. Der Himmel weint blutige Tränen. Die Kathedrale der Federn ist gefallen. Mit meinem Schwur und eurer Macht verbanne ich den entweihten Boden und alle, die darauf stehen, in die Hölle, aus der die Frevler entsprungen, um die Reinheit und Gerechtigkeit Celestias wiederherzustellen, auf das dieser Tag uns ewig im Gedächtnis bleibe. Und so geschieht es!«

Engel altern nicht, und wenn sie sterben, dann eines gewaltsamen Todes. Doch egal, wie lange Galad noch leben sollte, niemals würde er vergessen, wessen er nun ansichtig wurde: das Geräusch, als die Türen der Kathedrale aufbrachen; wie die Erde bebte, als Dämonen seine Brüder und Schwestern aus der Kirche zerrten; wie diese Engel schrien oder tapfer ihre Qual ertrugen, während sich das ganze Gelände scheinbar zur Seite neigte; die Erdfontänen, als sich ein Teil der Ebene selbst losriss; das furchtbare Geheul, eine Mischung aus Wut und Triumph, als ein Teil Celestias in den Abgrund stürzte, und der Anblick seiner Geschwister, die mit hinab gezogen wurden.

Und am allerschlimmsten, immer sichtbar, wenn er die Augen schloss, war etwas, das er gar nicht gesehen hatte: Das Bild eines brennenden und rauchenden Auges, das ihn voller Hass anstarrte und Vergeltung versprach.

-

Johann von Tymora schlug erschrocken die Augen auf. Schweiß stand ihm auf der Stirn. Sein Atem ging schnell und flach. Was für ein furchtbarer Traum! Es dauerte einen Moment, bis er sich beruhigt hatte. Ein Blick aus dem Fenster verriet ihm, dass der Tag noch nicht angebrochen war. Trotzdem würde er nicht mehr schlafen können.

Johann schwang sich aus dem Bett und trat leise aus der Tür. Er konnte die Zeit bis Sonnenaufgang genauso gut nutzen, um herauszufinden, was es mit dem Traum auf sich gehabt hatte, und warum Tymora ihm diese Vision gesandt hatte. Und dann musste er sich noch überlegen, wie er den Schergen von Gerrit dem Schnitzer entgehen konnte – einen weiteren Aufschub würde der ihm sicher nicht gewähren.

Während Johann auf leisen Sohlen zur Bibliothek ging, kam ihm sogar eine Idee. Die paar Goldmünzen würde man in der Tempelkasse wahrscheinlich nicht einmal vermissen, und schließlich: wenn er sich aus Tymoras Schatzkammer bedienen konnte, ohne erwischt zu werden, war das dann nicht ein Zeichen, dass die Göttin seinen Plan guthieß? Johann änderte seine Richtung und spielte versonnen mit der letzten Münze in seiner Tasche. Den seltsamen Traum hatte er schon wieder so gut wie vergessen.
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Berandor

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #11 am: 16. März 2006, 12:41:06 »
Da der Prolog allerdings die Story erst einmal nicht voran bringt, diskutiert ruhig weiter...
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Dirim

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #12 am: 16. März 2006, 13:49:59 »
Ich mache mir Sorgen. Ganz viele Sorgen. Große Sorgen.
Aber die Gerechtigkeit wird siegen. Tyr steht auf unserer Seite.

Serath

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Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #13 am: 16. März 2006, 17:01:32 »
Da bin ich ja mal gspant, was da noch alles kommt. Ist auf jeden Fall schonmal vielversprechend.  :)

Levold

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    • Kopfguerilla
Stadt in Ketten V: Die Prüfung des Rauchenden Auges
« Antwort #14 am: 16. März 2006, 17:56:14 »
Bei dem Prolog kann ich der Gruppe nur viel Glück wünschen!  :twisted:
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Ihr fetten, wohlgenährten Städter! (Shakespeare)

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